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Landesamt für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und

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Landesamt für Ländliche Entwicklung,
Landwirtschaft und Flurneuordnung
Brandenburg
Sortenratgeber
2014
Sommergetreide
Herausgeber:
Landesamt für Ländliche Entwicklung,
Landwirtschaft und Flurneuordnung
Müllroser Chaussee 54
15236 Frankfurt (Oder)
Internet: www.lelf.brandenburg.de; www.isip.de
Das LELF ist eine nachgeordnete Landesoberbehörde des
Ministeriums für Infrastruktur und Landwirtschaft
Henning-von-Tresckow-Straße 2-8
(Hauptsitz)
14467 Potsdam
Telefon: 0331 / 866 – 0
Telefax: 0331 / 866 – 8368
E-Mail: Poststelle@mil.brandenburg.de
Redaktion:
Referat Ackerbau, Grünland
Bearbeiter:
Herr Dr. G. Barthelmes
Tel.: 03329 / 691428
Fax: 03329 / 691429
E-Mail: Gert.Barthelmes@lelf.brandenburg.de
Auflage:
500
Hinweis:
Prüfungsergebnisse unter Einbeziehung von Standorten folgender Einrichtungen:
LELF Brandenburg, LLFG Sachsen-Anhalt, Sächsisches LfULG,
LFA Mecklenburg-Vorpommern, Bundessortenamt.
Das bezieht sich auch auf tabellarische Übersichten dieser Drucksache.
Diese Broschüre wird im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit des Landesamtes für
Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung herausgegeben. Sie darf
nicht während eines Wahlkampfes zum Zweck der Wahlwerbung verwendet werden.
Dies gilt für Landtags-, Bundestags- und Kommunalwahlen sowie auch für die Wahl
der Mitglieder des Europäischen Parlaments. Unabhängig davon, wann auf welchem
Weg und in welcher Anzahl diese Schrift dem Empfänger zugegangen ist, darf sie
auch ohne zeitlichen Bezug zu einer bevorstehenden Wahl nicht in einer Weise verwendet werden, die als Parteinahme der Landesregierung zugunsten einzelner politischer Gruppen verstanden werden könnte.
© Landesamt für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung,
Januar 2014
1. Hafer
Hafer ist seit Jahren die meistangebaute Sommergetreideart in Brandenburg. Die
Anbaufläche ging gegenüber dem Vorjahr etwas zurück und betrug ca. 11.200 ha. Es
besteht ein relativ konstanter Bedarf an Schälhafer für Nahrungszwecke. Allerdings
ist der Markt begrenzt und reagiert bei größerem Angebot entsprechender Qualitäten
schnell mit Preisrückgängen. Auf dem deutschen Markt wirkt außerdem skandinavische und osteuropäische Ware wettbewerbsverschärfend. Im Gegensatz dazu kann
allerdings in Jahren mit nicht befriedigender Qualität gesuchte Ware auch Preiszuschläge realisieren.
Die Schälhafermühlen fordern für die Flockenherstellung Sorten mit feiner, gut lösbarer Spelze (Spelzenanteil < 26 %), einem möglichst großen Korn (TKM > 27 g), einem hohen Hektolitergewicht (> 54 kg/hl) und mit guter Sortierung (mindestens 90 %
>2,0 mm und möglichst hohe Anteile > 2,5 mm). Neben der traditionellen Verwendung des Hafers werden auch Möglichkeiten diskutiert, mit Spezialsorten neue Vermarktungssegmente in der menschlichen Ernährung zu erschließen. Solche Sorten
könnten durch höhere Gehalte an Beta-Glucan und verdaulicher Rohfaser sowie geringerem Fettgehalt Vorteile im Hinblick auf die Gesundheitsvorsorge bieten. Allerdings hat sich hierfür bisher kein stabiler Markt etabliert.
Eine gute Kornqualität hängt neben den genetischen Gegebenheiten der Sorte stark
von der Wasserversorgung während der Kornfüllung ab. Positiv sind feucht-kühle
Witterungsbedingungen, die eine langsamere Abreife bzw. verlängerte Kornfüllungsphase bewirken. Hafer sollte daher nicht auf sehr leichten, grundwasserfernen Sandböden angebaut werden. Ertrags- und Qualitätssicherheit werden mit zunehmender
Güte und Wasserspeicherfähigkeit des Bodens verbessert.
Die Qualitätsparameter für Schälhafer werden unter Brandenburger Standortbedingungen nur äußerst selten erreicht, jedoch existiert in einzelnen Jahren lokaler
Vertragsanbau. Dagegen wird das Gros des Hafers für den eigenen Betrieb bzw. für
die Direktvermarktung und Pensionspferdehaltung erzeugt. Gefragt sind dabei
vorrangig Gelbhafersorten mit hohem Hektolitergewicht. Die wertbestimmenden
Eigenschaften einer Sorte stehen allerdings in keinem Zusammenhang mit der Spelzenfarbe.
Mit neu zugelassenen Sorten deuten sich nach Jahren der Stagnation Ertragsverbesserungen an. Beachtenswert sind bei der Sortenwahl auch die agronomischen
und Qualitätseigenschaften. Deutliche Verbesserungen in der Standfestigkeit gelangen durch die Züchtung von Kurzstrohsorten, die allerdings ertragsschwächer sind
und für den Anbau auf leichten Böden eher nicht in Frage kommen. Die in den letzten Jahren zugelassenen Normalstrohsorten zeigen dagegen kaum Fortschritte in
diesem Merkmal. Hervorzuheben sind bei einigen neueren Sorten Qualitätsverbesserungen
im
Hektolitergewicht,
der
Sortierung
und
der
Schälbarkeit.
3
Folgende Sorten werden für den Anbau 2014 empfohlen:
Gelbhafer:
Max
(2008)
gehört mehrjährig zu den ertragreichsten Sorten. Qualitativ zeichnet
sie sich durch hohes Hektolitergewicht und geringen Spelzenanteil
aus. Bei frühem Rispenschieben und zeitiger Reife zeigt Max gewisse Schwächen in der Strohstabilität und muss daher rechtzeitig
geerntet werden.
Moritz
(2009)
wies ähnlich gute Erträge wie Max nach, erreicht jedoch nicht dessen Qualitätsniveau. In der Strohstabilität der großkörnigen und
mittelfrüh reifenden Sorte bestehen Mängel.
Scorpion
(2007)
erbrachte mehrjährig stabil durchschnittliche Erträge bei günstigen
Anbau- und Qualitätseigenschaften. So verfügt die mittelfrühe Sorte
über eine recht gute Standfestigkeit, ist großkörnig und besitzt Vorteile im Hektolitergewicht. Sie wurde 2013 nicht mehr geprüft und
wird auslaufend empfohlen.
KWS Contender ist ein leistungsstarker Futterhafer, der dies 2013 nach mittleren
(2008)
Erträgen in den beiden Vorjahren wieder unter Beweis stellte. Die
früh reifende Sorte ist sehr großkörnig. Schwächen bestehen allerdings im Hektolitergewicht und in der Strohstabilität. Die Sorte wird
ebenfalls auslaufend empfohlen.
Weißhafer:
Ivory
(2003)
Die ältere Sorte ist qualitativ nach wie vor als Standard für Schälhafer anzusehen. Sie zeigt bei sehr großem Korn eine gute Sortierung, geringen Spelzenanteil und günstiges Hektolitergewicht. Vorteilhaft sind auch frühes Rispenschieben und zeitige Reife. Die Ertragsnachteile von etwa 10 % zu den besten Sorten müssen im
Vertragsanbau durch Preiszuschläge kompensiert werden.
Flocke
(2009)
zeigte ein durchschnittliches Ertragsniveau. Sie ist durch günstige
Qualitätseigenschaften gekennzeichnet und lässt Schäleignung
erwarten. Hierfür ist Vertragsanbau erforderlich. Bei guter Strohstabilität ist die Sorte stärker für Mehltau anfällig.
4
Tab. 1:
Landessortenversuche Hafer 2011-2013
(Anbaugebiet D-Standorte)
Kornertrag (ohne Fungizid) relativ zur Bezugsbasis
Sortiment
Jahr
Spelzenfarbe
Anzahl Versuche
BB dt/ha
2011
2012
2013
2011-2013
4
3
4
11
65,0
70,7
63,0
65,9
Flämingsgold
gelb
98
99
102
100
Flocke
weiß
101
101
95
99
Gabriel
gelb
99
107
103
103
Ivory
weiß
98
92
94
95
KWS Contender
gelb
100
98
105
101
Max
gelb
104
104
101
103
Moritz
gelb
(103)3
105
104
-
Oberon
gelb
-
101
106
-
Simon
gelb
-
103
110
-
Ozon
gelb
-
-
107
-
Poseidon
gelb
-
-
105
-
Symphony
weiß
-
-
104
-
BB = Mittel der dreijährig geprüften Sorten
( )n = weniger Versuche
5
Tab. 2:
Ausgewählte Eigenschaften der Hafersorten
Sortiment
Standfestigkeit
Mehltauresistenz
Reifeverzögerung
Stroh
Qualitätseigenschaften
TKM HLG
Spelzenanteil
Gelbhafer
Flämingsgold
-
0
-
+++
0
--
Scorpion
+
0
-
+++
+
--
-
-
-
+++
-
-
Max
-
0
-
+
++
---
Moritz
--
0
-
++
0
-
Gabriel
-
0
--
++
0
--
Oberon
-
0
-
-
+
--
Simon
0
-
-
+
0
--
Ozon
0
++
-
++
0
-
Poseidon
+
0
0
+++
0
--
Ivory
0
+
0
++++
+
---
Flocke
+
--
-
+
0
---
Symphony
+
+
0
+++
+
--
KWS
Contender
Weißhafer
+++
= sehr hoch
TKM = Tausendkornmasse
+
= hoch
HLG = Hektolitergewicht
0
= mittel
-
= gering
---
= sehr gering
6
2. Sommergerste
Der Anbau von Sommergerste wurde 2013 nach der auswinterungsbedingten Flächenausdehnung im Vorjahr wieder auf ein Normalmaß reduziert und betrug ca.
6.200 ha.
Sommergerste wird in Brandenburg aufgrund der natürlichen Standortbedingungen
fast ausschließlich als Futtergerste angebaut. Besonders auf den leichten Diluvialstandorten mit häufiger Vorsommertrockenheit befriedigen Leistung und Ertragsstabilität der Sommergerste oft nicht. Dadurch stellt der Anbau häufig nur eine Notlösung
in Situationen dar, in denen sich keine wirtschaftlicheren Alternativen anbieten. Die
Sorten weisen vor allem gegenüber Mehltau ein überwiegend gutes Resistenzniveau
auf. Vorrangig ist daher auf Rhynchosporium und Netzflecken zu achten, während
Zwergrost häufig trockenheitsbedingt nicht mehr ertragsmindernd wirksam wird. Alle
geprüften Sorten erreichten im Prüfzeitraum gute Hektolitergewichte, die den Basiswert von 62 kg/hl insbesondere bei Fungizideinsatz meist deutlich übertrafen, so
dass aus Qualitätssicht für eine entsprechende Vermarktung die Voraussetzungen
gegeben sind.
Im Jahr 2013 wurden die bisher getrennt durchgeführten Futtergersten- und Braugerstenversuche zu einer gemeinsamen Prüfung zusammengeführt, wodurch für die
Sorten Milford und Streif die Ergebnisse der Vorjahre nicht vergleichbar dargestellt
werden. Diese finden jedoch für die Sortenempfehlung Berücksichtigung.
Für den Anbau 2014 werden für die Futternutzung folgende Sommergerstensorten
empfohlen:
Milford
(2011)
ist eine ertragreiche Sorte mit überwiegend günstigen Resistenzeigenschaften. Auch die Strohstabilität ist positiv zu bewerten. Die kurze
Sorte reift mittelspät.
Salome
(2011)
brachte in zweijähriger Prüfung ausgezeichnete Kornerträge. Sie verfügt über eine gute bis mittlere Pflanzengesundheit und ist auch gegenüber Getreidezystennematoden resistent. Auf Rhynchosporium sollte
geachtet werden. Die Strohstabilität der mittelfrüh reifenden Sorte ist
durchschnittlich.
Streif
(2007)
erreichte ein gutes Ertragsniveau. Resistenzeigenschaften und Stroh
stabilität sind gut bis mittel. Sie bestockt nicht so stark wie Milford und
Salome und reift mittelfrüh.
Die Erzeugung von Sommerbraugerste hat in Brandenburg, von lokalem Anbau in
einzelnen Jahren abgesehen, keine Bedeutung. Ursache sind einerseits die natürlichen Standortbedingungen, die ein im Vergleich zu anderen Regionen höheres Ertrags- und Qualitätsrisiko (Vollgersteanteil, Rohproteingehalt) bedingen. Aber auch
aufgrund starker Erzeugungs- und Preisschwankungen birgt der globalisierte Braugerstenmarkt in der Wechselbeziehung zwischen Produzent, Händler, Mälzerei und
Brauerei viele Unwägbarkeiten, so dass neben dem Produktions- auch das Vermarktungsrisiko im Vergleich zum Wintergetreide- oder Rapsanbau wesentlich größer ist.
Winterungen erbringen außerdem unter den gegebenen Standortbedingungen in der
Regel höhere und sicherere Deckungsbeiträge. Vertragsanbau und mit dem Abneh-
7
mer abgestimmte Sortenwahl sind für die Braugerstenerzeugung zwingend erforderliche, stabilisierende Elemente.
Grundlage für die Empfehlungen sind die Ergebnisse der Landessortenversuche unter Einbeziehung der bundesweiten Qualitätsuntersuchungen im "Neuen Berliner
Programm".
Auf D-Standorten werden für den Anbau 2014 folgende Braugerstensorten empfohlen:
Quench erreichte bisher überwiegend durchschnittliche Erträge, die im Jahr 2013
(2006)
deutlich übertroffen wurden. Sie zeigte sehr niedrige Rohproteingehalte,
auf Grenzstandorten aber teilweise schwächere Vollgerstenanteile. Hinsichtlich der Reife ist Quench mittelspät einzustufen. Die Sorte weist eine
gute Standfestigkeit und Strohstabilität auf. Gegenüber Mehltau und
Rhynchosporium bestehen gute Resistenzen. Auf Zwergrost und Netzfleckenbefall ist zu achten. Quench ist vorrangig für gute Böden geeignet.
Grace
(2008)
8
brachte in den Vorjahren ähnliche Erträge wie Quench, konnte aber 2013
nicht überzeugen. Die Sorte ermöglicht hohe Vollgerstenanteile und sehr
niedrige bis niedrige Rohproteingehalte. Kennzeichnend sind mittelfrühe
Reife, eine recht gute Standfestigkeit sowie mittlere bis gute Strohstabilität. Die Resistenzeigenschaften liegen im mittleren Bereich, wobei besonders auf Mehltau zu achten ist.
Tab. 3:
Landessortenversuche Sommergerste 2011-2013
(Anbaugebiet D-Standorte)
Kornertrag relativ zur Bezugsbasis (mit Fungizideinsatz)
Sortiment
Jahr
2011
2012
2013
2012 / 2013
1
3
3
6
68,7
61,1
50,7
55,9
Marthe
93
98
103
100
Quench
98
103
112
107
Grace
101
102
88
95
Propino
108
97
98
97
Catamaran
-
105
101
103
Salome
-
111
120
115
Overture
-
-
99
-
Solist
-
-
116
-
Avalon
-
-
96
-
Melius
-
-
113
-
KWS Irina
-
-
104
-
Streif
-
-
110
-
Milford
-
-
104
-
Vespa
-
-
115
-
Anzahl Versuche
BB dt/ha
BB = Mittel der dreijährig geprüften Sorten
9
Tab. 4:
Ausgewählte Eigenschaften der Sommergerstensorten
Sortiment
Standfestigkeit
Mehltau
Netzflecken
Rhynchosporium
Zwergrost
TKM
Vollgerste
>2,5mm
HLG
RP
Salome1)
+
+++
+
-
0
+
+
+
--
Streif
+
+++
0
0
+
+
++
+
--
Milford
++
+
+
0
++
+
+
0
--
Marthe
0
+++
+
0
0
0
++
+
-
Quench
+
+++
0
+
-
0
++
+
--
Grace
++
-
+
0
+
++
++
+
-
Propino
++
+++
0
+
0
++
+++
0
--
Catamaran
0
++
0
0
++
0
+
+
--
Overture
0
+++
+
+
0
+
++
0
--
Solist
0
+++
+
+
0
+
++
+
--
Avalon
+
0
0
+
+
++
++
0
--
Melius1)
+
+++
+
0
+
++
++
+
--
KWS Irina1)
Vespa
++
+++
0
0
0
+
+
0
--
+
+++
+
-
-
++
++
+
--
Resistenz gegenüber
+++ = sehr hoch
+
= hoch
0
= mittel
= gering
1)
= Resistenz gegen Getreidezystennematoden
10
Qualitätseigenschaften
3. Sommerweizen
Sommerweizen besitzt nur geringe Bedeutung in Brandenburg. Die Anbaufläche
nimmt allerdings nach Auswinterungen bzw. bei für die Winterweizenaussaat ungünstiger Herbstwitterung zu. Im Jahr 2013 betrug sie ca. 3.200 ha. Wegen der vergleichsweise geringen Vermehrungsfläche treten bei stärkerer Nachfrage nach
Sommerweizensaatgut erfahrungsgemäß Engpässe auf, so dass das verfügbare
Sortenspektrum eingeschränkt ist und unter Umständen auch unbekannte EU-Sorten
angeboten werden.
Sommerweizen erreicht im Mittel der Jahre je nach Standort 30 bis 50 % niedrigere
Erträge als Winterweizen. Seine Leistung hängt maßgeblich von einer frühen Aussaat (möglichst Februar/Anfang März) und einer langen Kornfüllungsphase ab. Alle
der in Deutschland zugelassenen Sorten gehören den Qualitätsgruppen E und A an,
die aus qualitativer Sicht recht gute Absatzchancen bieten. Die Ertragsdifferenz zwischen beiden Gruppen ist beim Sommerweizen geringer als beim Winterweizen. Im
Gegensatz zum Winterweizen unterscheiden sich die Sommerweizensorten weniger
im Rohproteingehalt und Sedimentationswert.
Wechselweizen sind Sorten, die bei später Herbstaussaat eine im Vergleich zu mitgeprüften Sommerweichweizen geringere Auswinterungsneigung besitzen und unter
günstigen Bedingungen höhere Erträge als bei Frühjahrsaussaat erzielen können.
Bei Aussaaten ab Ende November sind ähnliche Erträge wie bei gleichzeitig gesätem
Winterweizen möglich, wobei allerdings das Auswinterungsrisiko der Wechselweizensorten gegenüber der Winterform höher ist.
Zwar ist Sommerweizen oft nur „Lückenbüßer“. Wenn jedoch die Anbauentscheidung
getroffen wurde, sollte nach Möglichkeit durch eine mit dem Abnehmer abgestimmte
Sortenwahl und vertraglich vereinbarte Preiszuschläge für hohe Backqualität frühzeitig die Wettbewerbsfähigkeit des Sommerweizenanbaus gesichert werden. Oft steht
dem allerdings die Saatgutverfügbarkeit von gefragten Sorten entgegen.
Für den Anbau 2014 sind folgende Sorten geeignet:
SW Kadrilj (E)
(2005)
lieferte im Prüfzeitraum mittlere Kornerträge. Die für die Qualitätseinstufung zu fordernden RP-Gehalte und Fallzahlen werden
nicht immer sicher erreicht, weshalb ausreichende NSpätdüngung und rechtzeitige Ernte wichtig sind. Die früher reifende Sorte bestockt sich stark, ist aber auch relativ großkörnig.
Sie zeichnet sich durch günstige Standfestigkeit und gute bis
mittlere Resistenzen gegenüber Blattkrankheiten aus.
KWS Scirocco (E) erreichte überwiegend mittlere Erträge bei günstiger Qualität,
(2008)
wobei die Fallzahlen rechtzeitige Ernte erfordern. Die sehr großkörnige Sorte reift früh und besitzt durchschnittliche agronomische Eigenschaften. Besonders auf Gelbrost ist zu achten.
11
Triso (E)
(1996)
ist eine alte, jedoch vor allem qualitativ bewährte Sorte mit nach
wie vor beachtlichem Leistungsvermögen. Der Bestandestyp besitzt durchschnittliche Resistenzeigenschaften. Auch die Standfestigkeit ist mittel. In Befallsjahren ist auf die hohe Gelbrostanfälligkeit zu achten.
Sonett (E)
(2010)
verbindet eine durchschnittliche Ertragsfähigkeit mit guten
Qualitätseigenschaften. Die mittelfrüh reifende und standfeste
Sorte verfügt über gute bis mittlere Resistenzeigenschaften gegenüber Blattkrankheiten. Wegen etwas stärkerer Anfälligkeit für
Ährenfusarium sollte die Sorte nicht pfluglos und nicht nach Mais
angebaut werden. Sie ist als Korndichtetyp etwas kleinkörniger.
Tab. 5:
Landessortenversuche Sommerweizen 2011-2013
(Anbaugebiet D-Standorte)
Kornertrag relativ zur Bezugsbasis (mit Fungizideinsatz)
Sortiment
Jahr
Qualitätsgruppe
Anzahl Versuche
BB dt/ha
2011
2012
2013
2011-2013
1
1
3
5
81,8
67,0
56,5
63,6
KWS Scirocco
E
97
95
104
100
Sonett
E
101
103
100
101
Triso
E
108
100
97
101
SW Kadrilj
E
103
100
97
99
Granus
E
99
-
89
-
KWS Chamsin
A
93
101
Matthus
A
102
103
-
99
-
BB = Bezugsbasis (Mittel der dreijährig geprüften Sorten)
12
95
Tab. 6:
Ausgewählte Eigenschaften der Sommerweizensorten
Sortiment
Standfestigkeit
Resistenz gegenüber
Qualität
Mehltau
Blattseptoria
Braunrost
Ährenfusarium
+
++
+
+
0
Kadrilj1)
++
0
0
+++
0
+
++
++
Triso
0
0
0
-
+
0
++++
++
++
++++
0
++
-
-
++++
++
+
-
0
++
0
++
+
+
Chamsin1)
+++
+
0
-
+
++
+++
++
Matthus1)
0
+
0
+++
0
++
+++
+++
TKM
RP
FZ
E-Sorten
KWS
Scirocco1)
SW
Sonett
Granus
1)
++++ ++++
++
A-Sorten
KWS
+++
+
0
-
= sehr hoch
= hoch
= mittel
= gering
TKM = Tausendkornmasse
RP = Rohproteingehalt
FZ
= Fallzahl
1)
= Eignung als Wechselweizen geprüft
13
4. Sommertriticale
Der Artenvergleich von Sommertriticale mit Sommergerste, Sommerweizen und
Sommerroggen zeigte, dass Sommertriticale auf Diluvialstandorten geringerer bis
mittlerer Bonität wettbewerbsfähig sein kann, wenn Sommergetreide angebaut werden soll. Dies bezieht sich nicht nur auf das im Vergleich zu den anderen Arten höhere Ertragsniveau, sondern auch auf überwiegend gute Resistenzeigenschaften und
Futterqualität. Die anderen Sommergetreidearten erzielten im Mittel ca. 5 bis 10 %, in
einigen Fällen bis zu 20 % geringere Erträge als Sommertriticale. Dieser Abstand
vergrößerte sich noch, wenn der Fungizideinsatz unterblieb, allerdings auf etwas geringerem Grundertragsniveau. Dass die Sommertriticalesorten nur relativ gering auf
Fungizideinsatz reagierten, unterstreicht die Eignung der Art für aufwandsreduzierte
Anbauverfahren. Bei ungünstiger Witterung zur Reife ist Sommertriticale stark auswuchsgefährdet. Auch Mutterkorn kann in einzelnen Jahren auftreten.
Für den Anbau sind vor allem die bewährte mittelspäte Sorte Logo sowie die etwas
ertragsverbesserte und früher reifende Sorte Nagano geeignet. Weitere Sorten mit
nennenswerter Vermehrungsfläche sind Somtri und Dublet.
In den Jahren 2012 und 2013 wurden keine Landessortenversuche und Wertprüfungen des Bundessortenamtes durchgeführt, da es keine Neuzulassungen gab.
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