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VIENNALE 2014
23. OKTOBER BIS 6. NOVEMBER
LOCATIONS
VIENNALE-KINOS
Gartenbaukino I., Parkring 12
U3 Stubentor, U4 Stadtpark
Stadtkino im Künstlerhaus I., Akademiestraße 13
U1, U2, U4 Karlsplatz
Urania I., Uraniastraße 1
U1, U4 Schwedenplatz
Metro Kinokulturhaus I., Johannesgasse 4
Großer Saal, Eric Pleskow Saal
An dieser Stelle finden Sie einen
Faltplan mit allen Filmen und
Terminen. Falls er abhanden
gekommen sein sollte, holen Sie
sich bitte Ihren Übersichtsplan
an einer Viennale-Kinokassa
oder Vorverkaufsstelle.
U1, U3 Stephansplatz • U1, U2, U4 Karlsplatz
SPIELORT DER RETROSPEKTIVE
Österreichisches filmmuseum I., Augustinerstraße 1
U1, U2, U4 Karlsplatz
VORVERKAUFSSTELLEN
neU Metro Kinokulturhaus I., Johannesgasse 4
U1, U3 Stephansplatz • U1, U2, U4 Karlsplatz
Schottentor I., Schottentor
U2 Schottentor/Universität
Gartenbaukino I., Parkring 12
U3 Stubentor, U4 Stadtpark
VIENNALE FESTIVALZENTRUM
I., Dominikanerbastei 11
U1, U4 Schwedenplatz • U1, U3 Stephansplatz
Viennale barrierefrei
Die Viennale bietet an allen Veranstaltungsorten Zugang für Rollstuhlfahrer
Gartenbaukino vier Rollstuhl-Stellplätze und zwei Behinderten-Parkplätze
Stadtkino im Künstlerhaus und Urania jeweils zwei Rollstuhl-Stellplätze
und zwei Behinderten-Parkplätze
Metro Kinokulturhaus zwei Rollstuhl-Stellplätze im Großen Saal,
ein Rollstuhl-Stellplatz im Eric Pleskow Saal
Österreichisches Filmmuseum zwei Rollstuhl-Stellplätze
Begleitpersonen haben freien Eintritt und einen Sitzplatz in unmittelbarer Nähe
des Rollstuhlplatzes.
Viennale Festivalzentrum barrierefrei zugänglich
TICKETINFORMATIONEN
TICKETVORVERKAUF AB 18. OKTOBER 2014, 10 UHR
TICKETS IM INTERNET
Tickets per Online-Banking oder Kreditkarte
WWW.VIENNALE.AT
VORVERKAUFSSTELLEN
TICKETPREISE
einzelticket
ab 10 Tickets
ab 20 Tickets
€9
€ 8,50
€ 7,80
pro Ticket
pro Ticket
Tickets bar, mit Bankomat oder per Kreditkarte
ERMÄSSIGUNGEN
neU Metro von 18. Oktober bis 6. November
täglich 10 bis 20 Uhr
Schottentor von 18. bis 25. Oktober
täglich 10 bis 20 Uhr
Gartenbaukino von 18. bis 22. Oktober
täglich 10 bis 20 Uhr
Ermäßigungen können bei Vorweis der entsprechenden
Ausweise in Anspruch genommen werden.
ZUSÄTZLICHE EXPRESSKASSEN
AM 18. UND 19. OKTOBER
Aufgrund des zu erwartenden großen Andrangs werden
am ersten Vorverkaufswochenende zusätzliche Expresskassen geöffnet. Die Expresskassen sind für Käufe von
bis zu 10 Tickets vorgesehen, um eine raschere Abwicklung gewährleisten zu können.
Stadtkino im Künstlerhaus
18. und 19. Oktober, 10 bis 20 Uhr
(nur Expresskassen; nur Barzahlung)
Gartenbaukino
18. und 19. Oktober, 10 bis 20 Uhr
(2 Expresskassen; Bezahlung bar, mit Bankomat oder
per Kreditkarte)
für alle Kassen – mit ausnahme der expresskassen –
werden bei großem andrang Wartenummern ausgegeben.
TICKETS PER TELEFON
Tickets per Kreditkarte
einzelticket
ab 10 Tickets
ab 20 Tickets
€ 8,50
€8
€ 7,30
€8
€ 7,50
€ 6,80
pro Ticket
pro Ticket
Kunden der
ermäßigungen mit der «fernwärme-Servicecard»
Inhaber der «Fernwärme-Servicecard» erhalten für Filme
ausgewählter Zeitschienen je 2 Tickets zum Sonderpreis
von je € 6,30.
MehrWERT-FILMNACHT
25. Oktober, ab 23 Uhr, Gartenbaukino
Gratis-Screening der Mini-Serie P’TIT QUIN QUIN (R: Bruno
Dumont, Frankreich 2014, 200 Min) als Geschenk des
Hauptsponsors Erste Bank an die Viennale-BesucherInnen.
nähere infos zur MehrWerT-filmnacht
sowie zur Ticketvergabe unter:
www.sponsoring.erstebank.at
www.viennale.at
freeline 0800 664 014
Per Telefon bzw. online gekaufte Tickets sind an allen
Vorverkaufsstellen oder in den Viennale-Kinos abzuholen. Ab 30 Minuten vor Beginn einer Vorstellung sind
ausschließlich Tickets für diese Vorstellung erhältlich.
freie SiTzplaTzWahl
bei allen Vorstellungen der Viennale – mit ausnahme der
Galas – gilt freie Sitzplatzwahl.
VIENNALE MERCHANDISING
TICKETVERKAUF WÄHREND DES FESTIVALS
Während des Festivals erhalten Sie Tickets sowohl an
der Vorverkaufsstelle Metro als auch in den vier Festivalkinos. Die Kinokassen sind von 23.10. bis 6.11. ab eine
Stunde vor Beginn der ersten bis zum Beginn der letzten
Vorstellung geöffnet. Ab 30 Minuten vor Beginn einer
Vorstellung sind ausschließlich Tickets für diese Vorstellung erhältlich.
30 Minuten vor Vorstellungsbeginn werden
Wartenummern für resttickets ausgegeben.
Publikationen und Artikel des Festivals sind in allen
Viennale Vorverkaufsstellen und Kinos sowie online
erhältlich:
Katalog festival
€ 15
Katalog retrospektive
€ 19
plakate (a1)
V’14-filmstills-plakat
€3
€ 10
Schlüsselband
€3
TICKETVERKAUF RETROSPEKTIVE JOHN FORD
Viennale DVDs
je € 14,90
Tickets für die Retrospektive sind sowohl über die
Viennale als auch über das Filmmuseum erhältlich.
Informationen unter www.filmmuseum.at und
www.viennale.at.
Viennale DVD box 2014
€ 29,90
Viennale DVD box 2013
€ 39,90
Viennale DVD box 2012
€ 39,90
2
VIENNALE DVD EDITION
Die gemeinsame DVD edition von Viennale und falTer geht in die dritte runde.
Wegen des erfreulichen zuspruchs in den letzten Jahren wird der Versuch fortgesetzt, eine Schneise in den Wildwuchs der aktuellen DVD-produktion zu schlagen
und ein paar wenige herausragende kinematografische positionen hervorzuheben.
Mit festivalbeginn sind drei weitere DVDs der edition erhältlich.
De JUeVeS a DOMinGO
De Jueves
A Domingo
Dominga Sotomayor, Chile/NL 2012
l’inCOnnU DU laC
(THURSDAY TILL SUNDAY)
R: Dominga Sotomayor, Chile/NL 2012,
96 Min, OmeU
Sotomayor hat mit ihrem Debüt eine
erstaunliche Talentprobe abgelegt. Mit
Souveränität erzählt sie die Geschichte
einer Familie auf einem gemeinsamen
Urlaubstrip und zugleich den Zerfall dieser kleinen Gemeinschaft. Die Eltern werden sich trennen, die Kinder
ihre eigenen Wege erfinden, aber alles ist noch in Schwebe
und Ungewissheit. Ein wunderbarer, schlafwandlerischer
Film.
Ein gemeinsames Projekt von
(STRANGER BY THE LAKE)
L’Inconnu du Lac
R: Alain Guiraudie, F 2013, 97 Min, OmdU
Alain Guiraudie, Frankreich 2013
Hochsommer in Frankreich. Sonne,
Wind, ein idyllisch abgelegener See als
schwules Cruising-Gebiet. Franck trifft
den attraktiven Michel, der nicht nur
charismatisch, sondern auch äußerst
gefährlich ist. Franck weiß das, doch er will seine Leidenschaft um jeden Preis ausleben. Guiraudies Film ist ein
souveräner Versuch über das Begehren, die Liebe, die
Angst, die Zeit.
VIENNALE DVD BOX 2014
The COlOr Wheel
The Color Wheel
R: Alex Ross Perry, USA 2011,
83 Min, eOF
Alex Ross Perry, USA 2011
Das Geschwisterpaar Colin und J. R
könnte sich kaum fremder sein. Trotzdem entschließt sich Colin, seiner
Schwester zu helfen, ihre Habseligkeiten bei ihrem Exfreund abzuholen. Und
so verbringen die beiden ein ganzes Wochenende miteinander und machen auf der langen Fahrt so manche
skurrile Bekanntschaft. Ein Roadmovie mit scharfsinnigem Humor.
Die Box beinhaltet neben den drei Filmen einige attraktive
Goodies: ein Stück eines 35mm-Filmstreifens von einem
Viennale-Trailer, ein Viennale-Schlüsselband sowie einen
Viennale-Pin und einen Falter-Bleistift.
Viennale DVD
Viennale DVD box
je € 14,90
€ 29,90
erhältlich ab 24.10. in allen Viennale-Kinos,
unter www.viennale.at, auf www.faltershop.at
und im ausgewählten buchhandel.
DONNERSTAG, 20. NOVEMBER 2014, 20.30 UHR Gartenbaukino, 1., parkring 12
CINÉ-CONCERT
Eine Kooperation von
MAUDITE SOIT LA GUERRE
Bedrückende Vorahnung: 1914, kurz vor Ausbruch des Ersten
Weltkrieges, entstand der Stummfilm MAUDITE SOIT LA
GUERRE (VERFLUCHT SEI DER KRIEG) von Alfred Machin,
der die Geschichte einer unmöglichen Freundschaft und Liebe
zu Zeiten des Krieges erzählt und ein leidenschaftliches
Plädoyer für Frieden und Toleranz darstellt. Olga Neuwirth,
die sich seit jeher in ihren Kompositionen mit den Möglichkeiten des Mediums Film auseinandersetzt, hat zu diesem
berührenden Melodram eine, dem heurigen Gedenkjahr «100
Jahre Erster Weltkrieg» würdige, dem Inhalt sensibel nachspürende, diesen aber auch aktualisierende klangliche Ausprägung verliehen.
inTerpreTen ensemble 2e2m • Christina bauer,
Klangregie • pierre roullier, Dirigent
filM MaUDiTe SOiT la GUerre R: Alfred Machin,
F 1914, 48 Min (16 fps), Schwarzweiß koloriert
KOMpOSiTiOn Olga neuwirth: Maudite soit la guerre.
ein film-musikalisches War requiem (2014)
TICKETINFORMATIONEN
normalpreis
€ 19
erMÄSSiGUnGen
Ermäßigungen können bei Vorweis der entsprechenden
Ausweise in Anspruch genommen werden.
einzelticket
€ 17
Kunden der
Ermäßigung gültig für
max. 2 Tickets
einzelticket
€ 9,50
Für SchülerInnen, StudentInnen, Zivil- und Wehrdiener
bis zum vollendeten 26. Lebensjahr. Ermäßigung gültig für 1 Ticket
freie plaTzWahl!
Tickets erhältlich an allen Viennale-Kassen,
bei Wien MODern und im GarTenbaUKinO.
3
Café · Bar · Events · Diskussionen
TÄGLICH VON 18 UHR BIS 4 UHR FRÜH
1010 Wien, Dominikanerbastei 11 (U1, U4 Schwedenplatz)
Freier Eintritt bei allen
Veranstaltungen und Konzerten!
VIENNALE
FESTIVALZENTRUM
Do, 23.10., ab 22 h – Party
erÖffnUnG TWO DOOr CineMa
ClUb DJ-SeT / eTepeTeTe
Two Door Cinema Club (Cinema
Club, Filmfestival, get it?) ist ein
Fixstern am Indie-Himmel. Als
DJs überraschen sie mit abwechslungsreichen UptempoSets von House bis Nu-Disco. Für Verstärkung sorgt das
All-Girl-DJ-Kollektiv Etepetete mit viel Bass und Liebe.
Fr, 24. 10., ab 21 h – Konzert
WOODS Of birnaM (liVe)
In Hausners AMOUR FOU spielt
Christian Friedel die Hauptrolle.
Nun veröffentlicht er sein erstes
Musikalbum als Sänger gemeinsam mit den Musikern von Polarkreis 18. Woods of Birnam – erstmals in Wien on stage – stehen
für atmosphärischen Pop mit
einer Portion Theatralik.
Fr, 24. 10., ab 22 h – DJ-Set
aleX barCK (JazzanOVa) /
SOUlparlOr (TOKYO DaWn reCOrDS)
Dieser Abend gehört zwei DJ-Legenden: Alex Barck prägte die Generation Nu-Jazz und ist heute als Radiohost
und DJ umtriebiger denn je. Frank Jensen spielt sich mit
SoulParlor durch Clubs rund um den Globus. Was die
beiden verbindet? Ihr Faible für intelligente Tanzmusik
mit viel Seele.
Sa, 25. 10., ab 22 h
Konzert & Party
KOnea ra (liVe) / MaKOSSa &
MeGablaST / SebaSTian
SChlaChTer
Konea Ra, einer der vielversprechendsten heimischen Acts,
präsentiert sein zweites Album:
opulente Beats mit tiefsinnigem Gesang – kurz: Elektropop, der den internationalen Vergleich nicht zu scheuen
braucht. Mit dabei: Sebastian Schlachter und die FM4-DJs
Makossa und Megablast.
In Kooperation mit
4
So, 26. 10., 19.30 h
Buchpräsentation & Gespräch
be SanD, nOT Oil
Ein Abend zur Filmschau «Revolutionen in 16mm»: Neben der
Präsentation des Buches «Be
Sand, Not Oil. The Life and Work
of Amos Vogel» findet ein Gespräch mit Gästen und KuratorInnen der 16mm-Filmreihe statt,
darunter Michael Omasta
(Synema, Falter), Haden Guest
(Harvard Film Archive) und Katja
Wiederspahn (Viennale).
So, 26. 10., ab 21 h – DJ-Set
hODa MOhaJerani
Die gebürtige Iranerin Hoda Mohajerani ist eine SingerSongwriterin und Poetin, deren musikalische Inspiration
irgendwo zwischen Rumi und den Ramones liegt. An
diesem Abend gewährt sie Einblicke in ihre persönliche
Musiksammlung und legt Songs auf, die sie bewegen.
Mo, 27. 10., ab 21 h – Talk & DJ-Set
GeSprÄCh MiT GerharD heinz /
DJ CUT-eX & alaSKa al
Gerhard Heinz hat über 130 Kinofilme vertont, die
Soundtracks werden nun vom Label Digatone wiederveröffentlicht. Gerhard Stöger (Falter) spricht mit Heinz über
sein bewegtes Leben, Alaska Al und DJ Cutex (Digatone)
spielen dazu Gustostückerln aus Heinz’ Schaffen, das von
Kasperl bis Softpornos reicht.
Di, 28. 10., ab 21 h
Konzert & Party
G.rizO (liVe) / SChOOl DJ-SeT
G.rizo ist ein Allroundtalent: Sängerin, DJane, Produzentin und
Konzeptkünstlerin. An diesem
Abend darf man sich auf einen
ihrer energiegeladenen Live-Auftritte freuen. Danach folgt ein DJSet von school.
Mi, 29. 10., ab 21 h
DJ-Set & Party
anna leiSer & MOOGle
(bebOp rODeO)
Bebop Rodeo sendet Radioshows in die digitale Welt, für
die internationale und heimische Größen exklusives Material
bereitstellen. Der Fokus liegt auf
Tanzmusik zwischen Broken Beats und Deep House.
Und wenn die Bebop-Crew selber an den Turntables
werkt, geht die Post ab!
Do, 30. 10., 19 h – Gespräch
WhY farOCKi MaTTerS
Im Sommer diesen Jahres starb unerwartet der deutsche
Filmemacher und Medientheoretiker Harun Farocki. Er
zählte zu den bedeutendsten Dokumentaristen und Analytikern unserer Bilderwelt und hat nachhaltige Spuren
im Kino- und Kunstbetrieb hinterlassen. Mit: Julian
Radlmaier, Constanze Ruhm, Klaus Wyborny, u.a.
In Kooperation mit
Do, 30. 10., ab 22 h – DJ-Set
filMeMaCherinnen an Den plaTTenTellern
In altbewährter Tradition legen auch heuer wieder einige
Viennale-Gäste ihre mitgebrachten Lieblingssongs auf.
Es darf getanzt werden! Mit dabei sind Sebastian
Brameshuber, Chris Gude, Dorit Margreiter, Joel Potrykus
und Nathan Silver. Moderation: Norman Shetler.
Fr, 31. 10., ab 22 h – DJ-Set
SeXY DeUTSCh / haM / Vihanna / flUX
Ein Querschnitt durch die Wiener Nacht: Vier Kollektive
schicken vier DJs in die Zentrale, die für einen Abend zwischen Bass und weißen Handtüchern sorgen. Mit dabei:
Casual Clay (Vihanna), John Starks (Ham), Simke (Sexy
Deutsch) und q35 (Flux). Trick or treat!
Sa, 1. 11., ab 22 h – DJ-Set
paSCal riOUX (faVOriTe
reCOrDinGS) / DJ SMOab
(rare anD Well DOne)
Pascal Rioux, Label-Gründer und
Mastermind des Vertriebs Pusher,
ist eine Größe der Pariser Musikszene. Als DJ spielt er sich quer
durch die Musikstile, von Soul, Funk und Brasil über HipHop bis hin zu House. DJ Smoab (Superfly) steht dem
Franzosen als Local Support zur Seite.
In Kooperation mit
So, 2. 11., ab 21 h – Party
Malia / DJ SaMir (SOUlSeDUCTiOn)
Die britische Soul-Sängerin Malia steuerte zu Hubert
Saupers WE COME AS FRIENDS mehrere Songs bei,
die sie gemeinsam mit dem Wiener Jazzpianisten Philipp
Nykrin zu Gehör bringen wird. Soul-Spezialist DJ Samir
sorgt für die stimmige Umrahmung des Abends.
Mo, 3. 11., 20.45 h – Diskussion auf Englisch
The STaTe Of ThinGS
Während Hollywood nur den Marktgesetzen der Maximierung folgt, gibt es in den USA auch ein ganz anderes
Kino. Woher bezieht es seine Ideen und Stoffe, wie entsteht es? Wer steht dahinter? Und wie wird es gesehen?
Mit: Debra Granik, Alex Ross Perry, Alexandre Rockwell
und Peter Strickland.
ERINNERUNG IST APPETIT
Nach der saftigen Premiere 2012 und der
pikanten Fortsetzung 2013 kommt die kulinarische
Inszenierung 2014 zurück ins Festivalzentrum.
Wieder dabei: «Snack Preview» (unser Überraschungsmenü) & Cocktails mit Liebe und Frieden
zubereitet von francophil – geschmacklich eindrucksvolles Kopfkino – from dusk till dawn.
www.francophil.at
Mo, 3. 11., ab 22 h – DJ-Set
JOnaThan TOUbin (neW YOrK niGhT Train) /
hannah WaGner (SWell TiMe Vienna)
Jonathan Toubin – kürzlich von VICE als bester DJ New
Yorks tituliert – mixt in seinen energetischen Live-Sets
obskure Rhythm & Blues, Rock’n’Roll und Soul-Platten
und veranstaltet dazu Dance-Battles. Mit von der Partie:
Hannah Wagner von Swell Time Vienna. Shake, what
your Mama gave ya!
In Kooperation mit
Di, 4. 11., ab 21 h – Konzert & Party
free The rObOTS (liVe) / reSTleSS leG SYnDrOMe
Schmetternde Beats, progressive Melodien, Wechsel zwischen analog und digital: Das ist elektronische Musik
anno 2014 oder einfach: Free the Robots. Live kreiert der
Kalifornier Klangkulissen, die Vergangenheit, Gegenwart
und Zukunft verbinden. Danach: Party mit Restless Leg
Syndrome.
In Kooperation mit
Mi, 5. 11., ab 21 h – Party
KlUb MUTTi À GOGO /
Mia MeranO
Kein Filmfestival ohne echte
Diven! Klub Mutti, Wiens lustigste
Drag Party bringt Eleganz und
den unwiderstehlichen Charme
der 60er auf die Bühne. DJ Mia
Merano und Das_Em spielen
Musik der 60er, Disco und alles
was groovt. Make-Up – Not War:
It’s Klub Mutti à gogo!
Do, 6. 11., ab 22 h – DJ-Set & Party
b.fleiSChMann / DizzY WOMaCK
(DiSCObelle reCOrDS)
Den Abschluss der diesjährigen Viennale bestreiten zwei
DJs, die das ganze Spektrum elektronischer Tanzmusik
abdecken: b.fleischmann ist eine Fixgröße in der ElektroSzene, Dizzy Womack produziert Clubmusik aus HipHop, House und Techno. Quer durch die Genres ist an
diesem Abend alles erlaubt. Let’s dance!
DER STANDARD SCHENKT HAPPY HOURS MIT
Vöslauer Balance Juicy
Während des Festivals erhalten Sie zwischen
18 und 21 Uhr gegen Abgabe einer Viennale-Snipcard
eine Flasche Vöslauer Balance Juicy im
Viennale-Festivalzentrum.
Solange der Vorrat reicht.
In Kooperation mit
5
Spielfilme
52 TUESDAYS
Australien 2013, 114 Min, OmdU
R: Sophie Hyde, D: Tilda Cobham-Hervey,
Del Herbert-Jane, Mario Späte,
Beau Travis Williams
Vampir-Western, gedreht in Schwarzweiß in einer verlassenen Stadt in
Kalifornien, eine krude und hybride
Mischung aus Sergio Leone, David
Lynch und alten Comic-Heften. Und
über allem ein massiver Soundtrack
zwischen Morricone und Techno.
26. 10., 23 h, Gartenbaukino
1. 11., 20.30 h, Urania
ADIEU AU LANGAGE (3D)
(GOODBYE TO LANGUAGE (3D))
Wohin mit all den Fragen zur eigenen Identität und Sexualität, wenn
du gerade erst 16 bist, deine Mutter
sich nunmehr James nennt und Bart
tragen wird? Vor die Kamera, entscheidet Billie. Der Veränderung ins
Gesicht schauen. Zwiegespräche mit
dem eigenen Spiegelbild, sexuelles
Experimentieren mit Freunden, ein
wöchentliches Date mit James. Das
Leben steht Kopf. Another piece of
teenage wildlife? Ja und nein. Mit
Laien an 52 Dienstagen gedreht, hat
diese ungewöhnliche Familiengeschichte mehr Fragen als Antworten
parat, dazu viel schonungslose Ehrlichkeit, Nacktheit und erfrischenden Humor.
28. 10., 20.30 h, Urania
31. 10., 23 h, Gartenbaukino
prOpOSiTiOnS
A GIRL WALKS HOME ALONE AT NIGHT
USA 2014, 100 Min, OmeU
R: Ana Lily Amirpour, D: Sheila Vand, Arash
Marandi, Mozhan Marno, Dominic Rains
F 2014, 70 Min, OmdU
R: Jean-Luc Godard, D: Héloïse Godet, Zoé
Bruneau, Kamel Abdeli, Richard Chevallier
Obwohl der alte Meister vom Genfer
See schon weit über 80 Jahre zählt,
wird er des Experimentierens und
Erforschens nicht müde. So ist dieser
ARRÊTE OU JE CONTINUE
Film Godards erste, lange Arbeit in
3D und während sich Hollywood
frustriert von dieser Technik wieder
abwendet, macht er noch einmal das
Beste draus. Er spielt mit Raum, Farben, Schrift, Geräuschen und Sprachen in schwindelerregender Gleichzeitigkeit. Elemente einer Fiktion, Figurenkonstellationen, filmische Erzählung, alles geschieht in einer Art
räumlicher Montage, in akustischer
Verschiebung, zwischen Rausch und
Klarheit. Was, fragt man sich bei diesem Wunderwerk, macht der Magier
in seinem seltsamen Labor als
nächstes?
31. 10., 21 h, Gartenbaukino
1. 11., 11 h, Gartenbaukino
AMOUR FOU
Bad City ist eine verlassene Geisterstadt irgendwo im Iran und die einzigen Menschen, die sie bevölkern,
sind gespenstische Existenzen, Prostituierte, Zuhälter, Junkies und andere verlorene Seelen. Aber wie immer
im Kino geschieht ein kleines Wunder, als sich ein junges Mädchen und
ein ebenso junger Mann ineinander
verlieben. Ein allerdings ziemlich
blutiges Wunder. Der erste iranische
6
gebracht. Umso überraschender, was
Hausner daraus macht. Sie entwirft
ein detailreiches Bild jener Zeit, beschreibt fast kühl die Figuren und
die gesellschaftlichen und individuellen Mechaniken, die sie bewegen.
Und doch verleiht sie ihnen, ohne
sich zu distanzieren und ohne falschen Ton, Unmittelbarkeit und Lebendigkeit, Witz und Komik.
in anwesenheit von Jessica hausner und
Mitgliedern des Teams.
Mit VIENNALE-TRAILER 2014:
CHAFARIZ DAS VIRTUDES
23. 10., 19.30 h, Gartenbaukino
(Eröffnungsgala)
23. 10., 23 h, Gartenbaukino
A/LUX/D 2014, 96 Min, OF
R: Jessica Hausner, D: Christian Friedel,
Birte Schnöink, Stephan Grossmann, Sandra
Hüller
Am 21.11.1811 schießt der deutsche
Dichter Heinrich von Kleist zuerst
Henriette Vogel in die Brust und
dann sich selbst in den Kopf. Ein verzweifelter, tiefromantischer Akt zwischen Wahnsinn und Überhebung, in
Literaturstunden ein wenig schaudernd und verwundert zur Kenntnis
(IF YOU DON’T, I WILL)
F 2013, 102 Min, OmeU
R: Sophie Fillières, D: Emmanuelle Devos,
Mathieu Amalric, Anne Brochet,
Joséphine de la Baume
Schon der Titel ARRêTE OU JE CONTINUE – «Hör auf oder ich mach
weiter» – gibt eine Ahnung von der
vertrackten, durcheinandergeratenen Beziehung der beiden Hauptfiguren. Pierre und Pomme sind ein
mehr als seltsames Paar, das versucht, sich nach einer überstandenen psychischen Erkrankung
Pommes neu zu arrangieren. Oder
sich zu trennen. Oder beides. Bei
einer gemeinsamen Wanderung
bleibt Pomme zurück und verbringt
einige Tage in der freien Natur. Oder
hat sich verirrt. Als sie endlich wieder nach Hause kommt … Das Ende
des Films, so viel sei verraten, ist
herzzerreißend. Emmanuelle Devos
P’TIT QUINQUIN
und Mathieu Amalric sind das subtilste Duo des französischen Kinos
seit Jahren.
in anwesenheit von Sophie fillières
und emmanuelle Devos.
28. 10., 20.30 h, Gartenbaukino
29. 10., 18 h, Urania
BANDE DES FILLES
(GIRLHOOD)
F 2014, 112 Min, OmeU
R: Céline Sciamma, D: Karidja Touré, Assa
Sylla, Lindsay Karamoh, Marietou Touré
Sie sind jung und schön und lebenslustig, sie sind arm und marginalisiert und unterdrückt. Die Mädchengang um Lady, der Marieme sich anschließt, macht mal Paris, mal die
Hoods – die Banlieus Bagnolet und
Bobigny – unsicher. Doch all die
lautstarke Großmäuligkeit und all
das coole Posen, die Frechheit, das
Feiern und Flirten können auf Dauer
nicht darüber hinwegtäuschen, dass
zukunftsweisende Entscheidungen
anstehen. Der aus LaiendarstellerInnen gebildete, komplett schwarze
Cast bringt die Energie und die Authentizität mit, Regisseurin Sciamma
steuert die Neugier auf das besondere Milieu und den kritischen Blick
auf die sozialen Verhältnisse bei.
Das Ergebnis sprüht Funken.
dessen Pass und verwischt alle Spuren in sein altes Lebens. Er wird sich
selbst zum Fremden – bis er eines
Tages dem Anderen begegnet. BEN O
DEGILIM arbeitet mit dem geheimnisvollen Motiv des Doppelgängers
wie eine Detektivgeschichte, ein
Thriller. Ein Film Noir ganz in der
Welt der heutigen Türkei.
in anwesenheit von Tayfun pirselimog˘ lu
und Vildan ers˛en (prod.Design).
2. 11., 15.30 h, Stadtkino im Künstlerhaus
3. 11., 12.30 h, Urania
BIRD PEOPLE
F 2014, 128 Min, OmeU
R: Pascale Ferran, D: Josh Charles, Anaïs
Demoustier, Roschdy Zem, Camélia Jordana
24. 10., 20.30 h, Gartenbaukino
26. 10., 13 h, Urania
BIRDMAN (OR THE UNEXPECTED
VIRTUE OF IGNORANCE)
USA 2014, 119 Min, OF
R: Alejandro González Iñárritu,
D: Michael Keaton, Zach Galifianakis,
Edward Norton, Andrea Riseborough
Früher einmal war Riggan Thomson
ein richtiger Superstar, eine ganz
große Nummer in Hollywood. Dann
ging’s bergab und nun versucht er
als Regisseur und Schauspieler am
Broadway wieder Fuß zu fassen. Was
ihm dabei in die Quere kommt, ist
eine Menge: seine drogensüchtige
Tochter, die anstrengende Freundin
seines noch anstrengenderen Hauptdarstellers und vor allem sein eigenes, unberechenbares, grenzwertiges
Ego. Dass Iñárritu nach seinen bisherigen Filmen mit einer Handvoll
Weltstars diese elegante, verspielte
und komische Arbeit realisiert hat,
ist fürwahr eine gewaltige Überraschung.
29. 10., 18 h, Gartenbaukino
4. 11., 23 h, Gartenbaukino
BEN O DEG˘ILIM
(I’M NOT HIM)
Türkei/GR/F/D 2013, 124 Min, OmeU
R: Tayfun Pirselimog˘lu,
D: Ercan Kesal, Maryam Zaree
Der alleinstehende Nihat wird von
seiner jüngeren Kollegin Ayse zum
Essen eingeladen und entdeckt, dass
er deren, angeblich im Gefängnis
einsitzenden Mann zum Verwechseln ähnlich sieht. Aus unerfindlichen Gründen beginnt Nihat, sich
die Identität des Anderen anzueignen, er übersiedelt in dessen Wohnung, fährt dessen Auto, benutzt
BURYING THE EX
Seit ihrer grandiosen Adaption von
LADY CHATTERLEY ist einige Zeit
vergangen, aber als sich Pascale Ferran dieses Jahr in Cannes mit BIRD
PEOPLE zurückgemeldet hat, war die
Begeisterung ungeteilt. Es ist ein unmöglicher Film, eigentlich zwei in
einem. Während sich ein erfolgreicher amerikanischer Geschäftsmann
auf der Durchreise in einem Pariser
Flughafenhotel aus seiner Karriere
und Ehe katapultiert, verwandelt
sich das Zimmermädchen, das auf
seinem Stockwerk arbeitet, in einen
kleinen Vogel. Das Trennungsgespräch des Amerikaners mit seiner
Frau via Skype und der Flug des Vogels über Paris zu David Bowies
«Space Oddity» gehören zu den magischen Momenten dieses Festivals.
25. 10., 18 h, Urania
26. 10., 18 h, Gartenbaukino
USA 2014, 89 Min, OF
R: Joe Dante, D: Anton Yelchin, Ashley
Greene, Alexandra Daddario, Oliver Cooper
Max und Evelyn sind ein ziemlich
ungleiches Paar, er arbeitet in einem
Shop für Gruselartikel, sie lebt radikal vegan und schreibt an einem
Umwelt-Blog. Als sie beschließen zusammenzuziehen, wird die Situation
bald unerträglich und Max will sich
genervt von seiner Freundin trennen. Doch bevor es dazu kommt, fällt
7
Spielfilme
Evelyn einem absurden Unfall zum
Opfer. Wer das nun für eine ewige
Trennung hält, irrt gewaltig, denn
nach wenigen Tagen kehrt Evelyn als
reichlich derangierter, übelriechender Zombie in Max’ Leben zurück.
Der Rest ist der Fantasie überlassen,
die dann noch übertroffen wird.
30. 10., 23 h, Gartenbaukino
31. 10., 11 h, Gartenbaukino
6. 11., 13 h, Urania
BUZZARD
sem Passionsspiel, das eher einer
kunstvoll geführten Messerattacke
gleicht und das sein bitterernstes,
tiefmoralisches Thema zunächst tragikomisch antäuscht, bevor es zum
vernichtenden Hieb ausholt. «Forgiveness is underrated», sagt Lavell
auf die Frage nach der seiner Meinung nach wichtigsten Tugend.
Stimmt freilich, nutzt nur nichts.
28. 10., 18 h, Gartenbaukino
5. 11., 13 h, Urania
prOpOSiTiOnS
USA 2014, 97 Min, OF
R: Joel Potrykus, D: Joshua Burge, Joel
Potrykus, Teri Ann Nelson, Jason Roth
Ein archetypischer Loser mit
schlechter Laune und grämlichem
Gesichtsausdruck hangelt sich von
Betrug zu Betrug und verstrickt sich
dabei immer tiefer in seine kleinkriminellen Machenschaften. Eine alte
Geschichte, die hier als quälendes
Exerzitium eines schäbigen Alltags
neu erzählt und durch Heavy-MetalSequenzen effektiv interpunktiert
wird. Das eindrucksvollste Gadget in
BUZZARD ist eine Art NintendoHandschuh mit Freddy-Krüger-Klingen, an dem der Antiheld während
des gesamten Films herumfeilt. Und
wenn die Todeskralle am Ende dann
tatsächlich zuschlägt, ist das Katastrophe und Katharsis zugleich.
in anwesenheit von Joel potrykus.
27. 10., 18 h, Gartenbaukino
28. 10., 23 h, Urania
CAVALO DINHEIRO
(HORSE MONEY)
P 2014, 104 Min, OmeU
R: Pedro Costa, D: Ventura, Vitalina Varela,
Tito Furtado, Benvindo Tavares
Seit langem kreist die Arbeit Costas
um die Welt der marginalisierten Immigranten in den Armenvierteln von
Lissabon. Einer von diesen, der von
den Kapverdischen Inseln stammende Ventura, wird inzwischen wegen
eines Nervenleidens in einer Klinik
behandelt. Dieser Ort in Verbindung
mit Venturas Verstörung, seinen Halluzinationen und Absencen wird in
CAVALO DINHEIRO zu einer vergessenen Schattenwelt, in der Erinnerung und Gegenwart ununterscheidbar sind. Noch radikaler und verdichteter als in Costas bisherigem
Werk wird das Dasein des Vertriebenen hier zu einer dunklen Parabel
der politischen Gegenwart nicht nur
Portugals.
In Anwesenheit von Pedro Costa.
1. 11., 21 h, Stadtkino im Künstlerhaus
2. 11., 14.30 h, Metro, Eric Pleskow Saal
LA CHAMBRE BLEUE
(THE BLUE ROOM)
F 2014, 76 Min, OmeU
R: Mathieu Amalric, D: Mathieu Amalric,
Léa Drucker,
Stéphanie Cléau, Laurent Poitrenaux
CALVARY
(AM SONNTAG BIST DU TOT)
IRL/GB 2014, 101 Min, OmdU
R: John Michael McDonagh,
D: Brendan Gleeson, Chris O’Dowd,
Kelly Reilly, Aidan Gillen
Die Sünden der Väter, sie holen
Father Lavell ein. Kommenden Sonntag werde er ihn töten, sagt der
Mann im Beichtstuhl, denn er habe
eine Rechnung offen mit den Dienern Gottes. Was tut ein aufrechter
Kirchenmann in einem solchen Fall?
Wie reagieren, wenn die Schäfchen
sich in Wölfe verwandeln? Schwärzer
noch als schwarz geht es zu in die8
Wiederbegegnung zwischen dem Geschäftsmann Julien und der Apothekergattin Esther, die sich seit Jugendzeiten verehrt haben, in eine flammende Amour fou. In eine leidenschaftliche, schicksalhafte Verstrickung mit tödlichem Ausgang. Wobei
der Zuschauer des Films wie ein voyeuristischer Detektiv einer Geschichte folgt, die er zu verstehen meint,
dabei aber immer neuen Täuschungen unterliegt. Um sich aufs Neue zu
verstricken.
2. 11., 21 h, Gartenbaukino
3. 11., 13.30 h, Stadtkino im Künstlerhaus
CLOUDS OF SILS MARIA
F 2014, 123 Min, OmeU
R: Olivier Assayas, D: Juliette Binoche,
Kristen Stewart, Chloë Grace Moretz,
Lars Eidinger
Schier unübersehbar sind die ÜberKreuz-Beziehungen der Figuren, sind
die gegenseitigen Kommentierungen
von Wahrheit und Fiktion, sind die
Quer-durch-die-Zeiten-Verweise in
dieser Erzählung über eine alternde
Schauspiel-Diva, deren Krisen-spiegelnde Assistentin und das Hollywood-Starlet, das als Katalysator
fungiert. Ein Triangel unterschiedlicher Interessen und Begehrlichkeiten (auch aneinander), dessen herausragende Besetzung das ihrige
beiträgt zur Eindringlichkeit dieses
zwischen Eitelkeit, Selbstzweifel,
Melancholie, Celebrity-Kult und Unschuldsverlust nach der Wahrheit
eines Künstlerlebens und nach der
Gültigkeit der Kunst suchenden
Films.
25. 10., 20.30 h, Gartenbaukino
26. 10., 10.30 h, Gartenbaukino
28. 10., 6.30 h, Gartenbaukino
LES COMBATTANTS
(LOVE AT FIRST FIGHT)
Georges Simenon hat das Kino inspiriert wie kaum ein anderer Schriftsteller. Und was Mathieu Amalric mit
LA CHAMBRE BLEUE einer imposanten Linie von Adaptionen hinzufügt,
ist fürwahr überraschend. Er verwandelt das Provinzdrama einer
F 2014, 100 Min, OmdU
R: Thomas Cailley, D: Adèle Haenel, Kévin
Azaïs, Antoine Laurent, Brigitte Roüan
Da haben sich die zwei Richtigen gefunden. Oder: Gegensätze ziehen
sich an. Der Titel jedenfalls ist Programm. Madeleine ist herausfor-
LA CREAZIONE DI SIGNIFICATO
(THE CREATION OF MEANING)
dernd, energiegeladen und impulsiv.
Arnaud lässt die Dinge eher auf sich
zukommen. Logisch, dass es zwischen den beiden funkt und kracht.
Angesiedelt in der Aquitaine, einer
Region, die bestimmt ist von Wäldern und Seen, erzählt Cailley in
seinem mehrfach ausgezeichneten
Debütfilm die Geschichte einer Annäherung, aus der eine tiefe Freundschaft erwächst. Gemeinsam machen sich Madeleine und Arnaud auf
eine Reise durch das Herz der Finsternis, hin zum wärmenden Feuer
der Fantasie, das alles umschlingt.
in anwesenheit von Thomas Cailley.
30. 10., 18 h, Gartenbaukino
31. 10., 23.30 h, Stadtkino im Künstlerhaus
COURT
Indien 2014, 116 Min, OmeU
R: Chaitanya Tamhane, D: Vira Sathidar,
Vivek Gomber, Geetanjali Kulkami,
Pradeep Joshi
Kanada/I 2014, 94 Min, OmeU
R: Simone Rapisarda Casanova, D: Pacifico
Pieruccioni, Alexander Auf der Heyde,
Benjamin Auf der Heyde, Siria Battelli
Die täglichen Verrichtungen des Hirten Pacifico in den Apuanischen
Alpen der Toskana geben den Takt
vor, dem sich dieser nur vordergründig rustikal daherkommende Film
verschreibt. Schon vor dem morgendlichen Melken dringen minutenlang die vulgären Streitgespräche
italienischer Politiker via Radio in
das vermeintliche Idyll, in dem vor
siebzig Jahren deutsche Soldaten auf
dem Rückzug zahllose Zivilisten und
Partisanen massakrierten. Ein
«Aleph» im Sinne von Borges habe
ihm vorgeschwebt, sagt der Regisseur, eine Vergangenheit, Gegenwart
und Zukunft umfassende Figur, so
mythisch fern wie zugleich höchst
konkret verschwitzt.
in anwesenheit von Simone
rapisarda Casanova.
25. 10., 17 h, Metro, Eric Pleskow Saal
26. 10., 18.30 h, Stadtkino im Künstlerhaus
DEO TE-REO LA-I-BEU
(THE TERROR LIVE)
Der Ausgangspunkt des Films, ein
Gewaltverbrechen in den Armenvierteln der Millionenstadt Mumbai, ist
nahezu austauschbar. Das eigentliche Drama ist ein anderes und findet
im Gerichtssaal statt: Es ist das indische Rechtssystem, sind die Orte
und Formen der Verhandlung, ist die
Art und Weise, in der Schicksale von
Menschen wie nebenher besiegelt
werden. Das mit unseren Vorstellungen von Rechtsprechung nicht nachvollziehbare Ablaufen und Entscheiden eines Prozesses wird in COURT
zu einem spannenden und zugleich
verstörenden Drama. Ein Dokument
der indischen Kultur und Politik, das
keine einfachen moralischen Zuordnungen trifft.
24. 10., 10.30 h, Gartenbaukino
25. 10., 21 h, Stadtkino im Künstlerhaus
Südkorea 2013, 97 Min, OmeU
R: Kim Byung-woo, D: Ha Jung-woo
Schocker, Crime movie, Horrorfilm –
alles auf einmal, nichts davon. Ein
einziger Raum, in den die Gewalt der
Welt hereinbricht, die politische, die
private, die mediale. Sie geschieht
einem zum Radiosprecher degradierten Sensationsreporter, der
plötzlich nicht mehr unterscheiden
kann zwischen medialer Fiktion und
realer Bedrohung und in seinem Studio versucht, die außer Kontrolle geratenen Ereignisse zu bannen, während sie sich unter seinen Augen zur
Katastrophe steigern. Zum Wahnsinn. Zum Terror live. «Der wahre
Terror», schreibt Lukas Foerster, «ist
nicht die Bombe, sondern die Liveness selbst». Und wie heißt es so
schön: Be part of it.
DEUX JOURS, UNE NUIT
(ZWEI TAGE, EINE NACHT)
B/F/I 2014, 95 Min, OmdU
R: Jean-Pierre Dardenne, Luc Dardenne
D: Marion Cotillard, Fabrizio Rongione, Pili
Groyne, Simon Caudry
Zwei Tage, eine Nacht hat Sandra
Zeit, ihre KollegInnen aus der Fabrik
davon zu überzeugen, zugunsten des
Erhalts ihres Arbeitsplatzes auf eine
Prämie von 1000 Euro zu verzichten.
Das ist eine Menge Holz, und die
Frage nach der Abwägung zwischen
Geld oder Leben, nach der Wertigkeit
von Solidarität oder Egoismus unter
den Vorzeichen der herrschenden
prekären Verhältnisse treibt den
Film voran und die Figuren um.
Nächstenliebe oder Waschmaschine?
Cotillard zeigt einmal mehr, dass sie
ALLES spielen kann, schultert das
Konzept der Dardennes mühelos
und übersetzt es ins Leben. Für das
sich hier was lernen lässt, übrigens.
27. 10., 20.30 h, Gartenbaukino
29. 10., 11 h, Gartenbaukino
DOG DAY AFTERNOON
USA 1975, 124 Min, OF
R: Sidney Lumet, D: Al Pacino, John Cazale,
Charles Durning, Sully Boyar
Lumets Version der «true story»
eines bisexuellen Mannes, der eine
Bank in Brooklyn berauben wollte,
um eine Geschlechtsumwandlung
seines Lebensgefährten zu finanzieren. Sowohl die Gangster als auch
die schnell eintreffende Polizei agieren unbeholfen und der Überfall eskaliert zum klaustrophobischen Geiseldrama. Neben einer Killerperformance von Al Pacino bietet das
Drama subtile Studien von Menschen in einer Situation, die zunehmend außer Kontrolle gerät. Und er
persifliert anhand einer blutdurstigen Medienmeute jene 15 Minuten
Ruhm, die Andy Warhol jedem Menschen versprochen hat. «Girls, I was
interviewed», ruft eine Geisel freudestrahlend: «I’m on TV now.»
4. 11., 23.30 h, Stadtkino im Künstlerhaus
5. 11., 11 h, Metro, Großer Saal
29. 10., 23 h, Gartenbaukino
31. 10., 15.30 h, Urania
9
Spielfilme
DÓLARES DE ARENA
(SAND DOLLARS)
Dom. Republik/Argentinien/Mexiko 2014
85 Min, OmeU
R: Laura Amelia Guzmán, Israel Cárdenas,
D: Geraldine Chaplin, Yanet Mojica,
Ricardo Ariel Toribio
Samana, Dominikanische Republik:
Anne und Noeli sind ein unmögliches Paar; eine alte Frau und ein junges Mädchen, eine wohlhabende Europäerin und eine arme Südamerikanerin. Sofort schrillt der KlischeeAlarm, stellen sich die üblichen verdächtigen Fragen: Wer macht sich
die größeren Illusionen über Natur
und Dauerhaftigkeit dieser Beziehung? Wer beutet wen auf welche
Weise aus und warum? Chaplins und
Mojicas Spiel aber hält die Dinge des
Herzens in der Schwebe und Romantik zumindest für möglich, indem es
die Ausgangslage – Tourismus und
Prostitution – in ein Geflecht aus
Naivität, Sehnsucht und Einsamkeit
transformiert.
in anwesenheit von laura amelia
Guzmán und israel Cárdenas.
24. 10., 13 h, Urania
25. 10., 18 h, Gartenbaukino
DOS DISPAROS
hat Glück und überlebt. Aber eine
tiefe Verstörung befällt ihn und seine
Familie, die zugleich fast so weiterlebt, als wäre nichts geschehen. Es
ist komisch und tragisch, wie das
Unerklärliche zum Alltag, die Todesnähe zum normalen Leben wird.
Manchmal hört Mariano ein seltsames Pfeifen und die Mutter versteckt
die Messer im Haus. Und eines der
Projektile steckt noch immer unauffindbar in Marianos Körper.
in anwesenheit von Martín rejtman.
24. 10., 18 h, Urania
25. 10., 13.30 h, Metro, Großer Saal
THE DUKE OF BURGUNDY
GB 2014, 104 Min, OF
R: Peter Strickland, D: Sidse Babett
Knudsen, Chiara D’Anna, Monica Swinn,
Eugenia Caruso
Nach seinem Ausflug in den Giallo
(BERBERIAN SOUND STUDIO), widmet sich Peter Strickland nun dem
berüchtigten Genre erotischer Melodramen. THE DUKE OF BURGUNDY
zeichnet die Umrisse einer sadomasochistischen Herrschaftsbeziehung
zwischen der reichen Lady Cynthia
und ihrer vor Kurzem eingestellten
Haushälterin Evelyn nach. Dieses
Herrin-Sklavin-Verhältnis ist nun
nicht Vorwand billiger Exploitation,
sondern Gegenstand einer subtilen,
in feinen psychologischen Valeurs
und Stimmungen entwickelten Stilisierung. Weniger Zitat als originäre
und mutige und manchmal komische
Erfindung, begleitet vom Gothic
Score des Pop-Duos Cat’s Eyes.
in anwesenheit von peter Strickland.
(TWO SHOTS FIRED)
3. 11., 15.30 h, Gartenbaukino
5. 11., 21 h, Stadtkino im Künstlerhaus
Argentinien/Chile/D/NL 2014
104 Min, OmeU
R: Martín Rejtman, D: Rafael Federman,
Susana Pampín, Benjamín Coehlo,
Camila Fabbri
EIN PROLETARISCHES
WINTERMÄRCHEN
Eigentlich wollte Mariano nur den
Garten seines Elternhauses mähen,
dann aber funktioniert die Maschine
nicht und beim Versuch sie zu reparieren, findet er im Schuppen einen
Revolver. Er geht in sein Zimmer und
jagt sich zwei Kugeln in den Leib – er
10
(A PROLETARIAN WINTER’S TALE)
D 2014, 63 Min, OmeU
R: Julian Radlmaier, D: Natia Bakhtadze,
Sandro Koberidze, Ilia Korkashvili,
Lars Rudolph
Eines der vielen zu Tode restaurierten Schlösser in der Nähe von Berlin:
Ein als prekäre Putzkolonne beschäftigtes Trio aus Georgien mit mehr
Appetit als Arbeitseifer erörtert geschichtenreich und doch selbst ermattet die Möglichkeit einer Palastrevolte. Unter einem mit feinem architektonischen Gespür entfalteten
Parcours historischer Vergeblichkeiten verbirgt sich die Einsicht, in
einer Zeit festzustecken, in der politische Handlungsalternativen sogleich
von einem allgegenwärtigen
«schwarzen Loch» verschluckt werden. Das hungrige Prekariat aus dem
Kaukasus jedenfalls seilt sich ab und
ergreift die Flucht.
in anwesenheit von Julian radlmaier
und Markus Koob (Kamera).
Mit ASSEMBLÉE GÉNÉRALE
27. 10., 18 h, Stadtkino im Künstlerhaus
30. 10., 12 h, Metro, Eric Pleskow Saal
EL ESCARABAJO DE ORO
(THE GOLD BUG)
Argentinien/DK/S 2014, 100 Min, OmeU
R: Alejo Moguillansky, Fia-Stina Sandlund,
D: Rafael Spregelburd, Walter Jakob,
Luciana Acuña, Agustina Sario
Nordischer Feminismus aus dem Off
trifft auf matetrinkenden Künstlermachismo ohne Punkt und Komma.
Der Seidenschal ist noch umgehängt,
der Antrieb jedoch der gleiche wie
überall – man will nur noch die eigene Haut retten. Die Männer in diesem zwiebelhaft verschränkten CinePastiche aus Argentinien sehen sich
als lässige filmische Avantgarde und
postkoloniale Schatzsucher und sind
doch nur humorvoll vorgeführte
Goldfische im Glas der listigen
Schwestern. Irgendwann die späte
Einsicht: «Die halten uns doch für
Idioten.» Könnte stimmen.
29. 10., 16 h, Metro, Großer Saal
30. 10., 23 h, Urania
FAVULA
prOpOSiTiOnS
Argentinien 2014, 80 Min, OmeU
R: Raúl Perrone, D: Lucia Ozan, Nix Noise,
Aleli Sueldo, Sara Navarro
«Love – passion – death – this is
Favula», fasst der argentinische
Maverick und experimentelle Filmemacher Perrone sein aktuelles Werk
zusammen. Liebe, Leidenschaft, Tod
– also die ganze Welt. Eingefasst in
etwas, das die Anmutung einer
Schneekugel hat, wie ein Stummfilm
aussieht, aber auch ein Hörstück ist,
nostalgische Erinnerungen an
Méliès’sche Tricktechniken weckt,
und überhaupt den Beweis für die
(Narren-)Freiheit der Kunst liefert.
Eingefasst also in all dies wird eine
EIN FILM VON SUDABEH MORTEZAI
MACONDO
FIREBIRD
AWARD
CICAE AWARD
Hong Kong
International
Festival
Sarajevo Film
Festival
BESTES
DREHBUCH
Jury Spezialpreis
Thomas Pluch
BEST SCRIPT
Lecce
Festival del Film
Europeano
AB 14. NOVEMBER IM KINO
.
„EIN GLUCKSFALL VON EINEM FILM“ DIE PRESSE
„ABSOLUT FESSELND“ HOLLYWOOD REPORTER
RAMASAN MINKAILOV / ASLAN ELBIEV / KHEDA GAZIEVA
BUCH & REGIE SUDABEH MORTEZAI / KAMERA KLEMENS HUFNAGL
SCHNITT OLIVER NEUMANN / TON & SOUNDDESIGN ATANAS TCHOLAKOV
SZENENBILD JULIA LIBISELLER / KOSTUMBILD CAROLA PIZZINI
MISCHUNG BERNHARD MAISCH / REGIEASSISTENZ BERNADETTE WEIGEL
CASTING EVA ROTH / PRODUZENTINNEN OLIVER NEUMANN & SABINE MOSER
WWW.MACONDO-FILM.COM
OUTSTANDING
DIRECTORIAL
AWARD
Scarborough
Film Festival
Spielfilme
afrikanische Fabel interpretiert, die
vom Verkauf eines schönen jungen
Mädchens durch eine böse alte Frau
erzählt und von dem Verhängnis,
das diese Untat nach sich zieht.
Ein Solitär. Ein Juwel.
4. 11., 13.30 h, Stadtkino im Künstlerhaus
5. 11., 16 h, Metro, Großer Saal
Frontmann Frank zu tun, der sowohl
auf der Bühne als auch privat einen
riesigen Fiberglas-Schädel trägt und
die Show mit der Kraft seines Willens
dominiert. Das postpsychedelische
Happening, das nach Irrungen und
Wirrungen in eine unerwartete Epiphanie mündet, entfaltet einen ganz
eigenen, eigenartigen Zauber zwischen Mumblecore, Roadmovie und
Éducation sentimentale. Und wenn
im Dialog dann noch der Name Josef
Fritzl fällt, ist der Gipfel der Absurdität bezwungen.
28. 10., 23 h, Gartenbaukino
1. 11., 13 h, Urania
4. 11., 6.30 h, Gartenbaukino
FUTATSUME NO MADO
FORMA
(STILL THE WATER)
Japan 2013, 145 Min, OmeU
R: Ayumi Sakamoto, D: Umeno Nagisa,
Matsuoka Emiko, Nozoe Seiji, Mitsuishi Ken
Die alleinstehende Ayako arbeitet als
Büroleiterin und verschafft ihrer
Schulfreundin Yukari einen Job in
ihrer Firma. Dann beginnt sie Einfluss zu nehmen auf deren Leben.
Oft aus der Distanz beobachtet eine
statische Kamera wortkarge Interaktionen in unspektakulären Räumen.
Dabei entstehen Plansequenzen von
enormer Dichte, berstend förmlich
unter dem Druck des Nichtgezeigten
und des Unausgesprochenen. Aus
dieser ständigen Implosionsgefahr
entwickelt sich allmählich ein raffinierter Slowburn-Thriller, der sich
schließlich von der Linearität seiner
Narration souverän verabschiedet.
F/Japan/E 2014, 118 Min, OmeU
R: Kawase Naomi, D: Murakami Nijiro,
Yoshinaga Jun, Matsuda Miyuki,
Sugimoto Tetta
5. 11., 19 h, Metro, Eric Pleskow Saal
6. 11., 21 h, Stadtkino im Künstlerhaus
FRANK
GB/IRL 2014, 95 Min, OF
R: Lenny Abrahamson, D: Michael
Fassbender, Domhnall Gleeson, Maggie
Gyllenhaal, Scoot McNairy
Jon, ein sensibler, junger Keyboardspieler stolpert eher zufällig in das
Line-up einer experimentellen Indierock-Band mit dem unaussprechlichen Namen Soronprfbs. Dort bekommt er es mit dem enigmatischen
Am Strand von Amami-Oshima wird
die Leiche eines Mannes angespült.
Der 16-jährige Kaito vermeint in ihr
einen Liebhaber seiner Mutter zu erkennen; jener Frau, der er feindselig
den Verlust des Vaters vorwirft. Die
Mutter des Mädchens Kyoko wiederum, mit dem Kaito eine vorsichtige
Freundschaft verbindet, liegt im Sterben. Tod, Wasser, Natur, Jugend,
Liebe – Kawase braucht nur wenige,
essenzielle Motive, um eine Geschichte zu erzählen, die zart im Alltäglichen verwurzelt ist – und ohne
Mühe hinüberreicht ins große
Ganze. «Der Mensch, möchte man
für die Dauer eines Kawase-Films
glauben, ist doch ein Rädchen der
Schöpfung und nicht ihr Rädelsführer.» (Hanns-Georg Rodek)
29. 10., 20.30 h, Urania
5. 11., 16 h, Stadtkino im Künstlerhaus
EL FUTURO
(THE FUTURE)
E 2013, 67 Min, OmeU
R: Luis López Carrasco, D: Lucía Alonso,
Queta Herrero, Rafael Ayuso, Sergio Jiménez
Seinerzeit war Party angesagt. Die
Sozialisten hatten die Wahl gewonnen, die Zukunft sah rosig aus, Aufbruchsstimmung herrschte. Spanien
1982, lange her. In seiner Inszenierung einer Party, die neue Möglichkeiten und gewonnene Freiheit feiert, geht López Carrasco weit über
die Re-Kreation eines Zeitgeistes hinaus. Die scheinbar so authentischen Partypeople, die sich hier der
klassischen Dramaturgie vom gemütlichen Beisammensein über die
allmähliche Enthemmung bis zum
Exzess hingeben, fallen nicht nur
den Bild-Ton-Störungsstrategien experimentellen Filmschaffens zum
Opfer. Die große Stanzmaschine, die
sie zerlöchert, heißt: Krise; ihre Zukunft ist ein schwarzes Loch – und
weißes Rauschen.
in anwesenheit von luis lópez Carrasco.
Mit O ARQUIPÉLAGO
25. 10., 23 h, Urania
26. 10., 19.30 h, Metro, Eric Pleskow Saal
DIE GELIEBTEN SCHWESTERN
D/A 2014, 170 Min, OmdU
R: Dominik Graf, D: Hannah Herzsprung,
Florian Stetter, Henriette Confurius,
Claudia Messner
Friedrich Schiller war kein Kostverächter. Warum wählen zwischen den
Schwestern Charlotte von Lengefeld
und Caroline von Beulwitz, sind
doch beide gleichermaßen vom angesagten Dichter entzückt? Versucht
wird also eine – von der (Literatur-)
Geschichtsschreibung schamhaft
beschwiegene – Ménage-à-trois, die
12
Graf mit modernem Zugriff auf Gedankensturm und Gefühlsdrang des
ausgehenden 18. Jahrhunderts in
Szene setzt. Auf der Suche nach
einem adäquaten neuen Ausdruck
für eine neue Form der Liebe wird,
naturgemäß, eine Menge überlegt,
notiert und gelesen. Einen Film über
Worte habe er machen wollen, sagt
Graf, und versucht zu filmen, so wie
man schreibt. Leicht fließt die Tinte
aus seiner Feder.
in anwesenheit von Dominik Graf und
henriette Confurius.
1. 11., 17 h, Gartenbaukino
GHESSEHA
(TALES)
Iran 2014, 88 Min, OmeU
R: Rakhshan Banietemad, D: Fatemeh
Motamedaria, Peiman Moadi, Baran Kosari,
Farhad Aslani
HAGANENET dieses einseitige Wunderkind-Narrativ um: Eine in ihren
Routinen gefangene Generation ist
nicht mehr in der Lage, außerhalb
der medialen Spektakelgesellschaft
überhaupt noch etwas wahrzunehmen. Und wenn doch, wird die kindliche Poesie als die eigene ausgegeben. In langen Plansequenzen verwickelt die Kamera die Zuschauer in
das nicht nur pädagogische Dilemma einer Kindergärtnerin in Israel.
Sie ahnt, dass bei dem immer ausschließlicher werdenden Engagement für ihren Schützling ihr eigenes Leben gemeint ist.
in anwesenheit von nadav lapid.
5. 11., 20.30 h, Urania
6. 11., 13 h, Metro, Großer Saal
HALBE WELT
Die 1954 in Teheran geborene
Rakhshan Banietemad ist eine mutige Filmemacherin, die für ihre Arbeit
immer wieder mit Arbeitspausen
und Kämpfen mit der Zensur bezahlen musste. Umso wertvoller ist
daher diese vielschichtige Erzählung
von den gesellschaftlichen Rändern,
der Willkür der staatlichen Macht,
einer verlorenen Jugend und eigensinnigen Frauenfiguren. Was wie ein
herkömmlicher sozialkritischer Film
beginnt, steigert sich zu einer realistischen Parabel über Kunst und Gesellschaft, hin zu einer langen Dialogszene zwischen einem jungen
Mädchen und einem jungen Mann,
die mehr über den heutigen Iran erzählt, als ein Dutzend beliebiger
Filme.
26. 10., 15.30 h, Gartenbaukino
30. 10., 13 h, Urania
A 1993, 83 Min, OF
R: Florian Flicker, D: Rainer Egger, Dani Levy,
Mercedes Echerer, Maria Schrader
Der erste Langfilm des kürzlich verstorbenen Regisseurs Florian Flicker
aus dem Jahr 1993 war eine Anomalie im damaligen österreichischen
Kino: Ein Science-Fiction-Mikrodrama, welches das Vampir-Motiv vom
Sonnenlicht, das tötet, mit Gedankenspielen zu einer schönen neuen
Welt verknüpft, in der die Bilder aus
der Vergangenheit von einem Entertainment-Monopol verwaltet und
verwertet werden. Die intensive, ausgebleichte Fotografie des Kameramannes Jerzy Palacz verschmilzt mit
dem psychedelisch bohrenden
Soundtrack von Andi Haller zu einer
suggestiven Orwell’schen Dystopie
im No-Budget-Kleinformat.
3. 11., 21 h, Stadtkino im Künstlerhaus
HAPPY CHRISTMAS
HAGANENET
(THE KINDERGARTEN TEACHER)
Israel/F 2014, 120 Min, OmeU
R: Nadav Lapid, D: Sarit Larry, Avi
Shnaidman, Lior Raz, Hamuchtar
In einer Zeit, da viele Eltern in ihren
Kindern unentdeckte Überbegabungen erkennen wollen und oft genug
nur sich selbst damit meinen, dreht
ordnung einbricht? Hier in Gestalt
der ziemlich durchgeknallten, meist
betrunkenen Schwester, die kurz vor
Weihnachten bei der jungen Familie
auftaucht und die scheinbare Normalität durcheinander bringt – und
ein paar große Widersprüche werden
sichtbar. Mal improvisiert, mal komisch und immer wieder sehr direkt
zeigt HAPPY CHRISTMAS die alltäglichen Momente von Beziehungen
und wie sich ein Leben Tag für Tag
neu zusammenbaut.
24. 10., 16 h, Stadtkino im Künstlerhaus
30. 10., 13 h, Gartenbaukino
HEAVEN KNOWS WHAT
USA 2014, 93 Min, OF
R: Benny Safdie, Joshua Safdie, D: Arielle
Holmes, Caleb Landry Jones, Eleonore
Hendricks, Yuri Pleskun
Die Brüder Safdie sind originäre
Chronisten des New Yorker Streetlife,
die aus ihrer alltäglichen Erfahrung
ihre filmischen Arbeiten destillieren.
HEAVEN KNOWS WHAT geht auf die
Begegnung mit Arielle Holmes zurück, einer ebenso vitalen wie selbstzerstörerischen, drogenabhängigen
Streunerin, verwickelt in eine verrückt-gefährliche Beziehung. Während Filme wie THE PANIC IN NEEDLE PARK oder MIDNIGHT COWBOY
noch einen Zug ins Romantische und
Stilisierte hatten, ist HEAVEN
KNOWS WHAT heftiger Straßenrealismus, schmerzhaftes Dokument
einer tief irritierten und verletzten
Welt, ohne dabei miserabilistisch
oder komplizenhaft zu sein.
28. 10., 15.30 h, Gartenbaukino
31. 10., 20.30 h, Urania
THE HOMESMAN
USA 2014, 122 Min, OmdU
R: Tommy Lee Jones, D: Tommy Lee Jones,
Hilary Swank, Miranda Otto, Hailee Steinfeld
Der Wilde Westen hat sie wahnsinnig
gemacht. Drei Frauen sollen von der
Frontier zurück in den Osten gebracht werden, wo man sich um sie
kümmern kann. Doch keiner wagt,
die beschwerliche Reise auf sich zu
nehmen. Keiner außer der patenten
USA 2013, 82 Min, OF
R: Joe Swanberg, D: Anna Kendrick, Melanie
Lynskey, Joe Swanberg, Mark Webber
Swanbergs Filme bieten eine Form
von erwachsenem Mumblecore. Die
Kids sind älter geworden, haben Arbeit, Kinder und Familie. Was aber
passiert, wenn in dieses noch ein
wenig provisorische System die Un13
Spielfilme
Mary Bee Cuddy, die sehr gut ihren
Mann stehen kann und doch selber
gerne einen hätte. Sie heuert Begleitschutz an in Gestalt George Briggs’,
eines Grantscherbens mit zweifelhafter Moral – und los geht’s. Mit seiner
zweiten Regiearbeit, die von der großen Geste ebenso lebt wie von den
leisen Schwingungen, trägt sich der
Vollbluttexaner Tommy Lee Jones ins
Westerngenre ein, und zwar nachdrücklich.
3. 11., 10.30 h, Gartenbaukino
6. 11., 18 h, Urania
LOS HONGOS
Kolumbien/F/Argentinien/D 2014
103 Min, OmeU
R: Oscar Ruiz Navia, D: Jovan Alexis
Marquinez, Calvin Buenaventura Tascón,
Atala Estrada, Gustavo Ruiz Montoya
JIGOKU DE NAZE WARUI
(WHY DON’T YOU PLAY IN HELL?)
hunderts beteiligt sich ein dänischer
Ingenieur am Krieg gegen die Ureinwohner im argentinischen Patagonien. Weitab der Zivilisation lebt er
mit seiner 15-jährigen Tochter. Als
diese eines Nachts verschwindet, beginnt für den Vater eine Odyssee ins
Unbekannte, in die Nacht, in den
Wahnsinn. JAUJA ist ein Film von
mythischer Anmutung, ein erzählerischer Hybrid am Rande von Zeit und
Geschichte, mit einem alles überstrahlenden Viggo Mortensen im
Herz des Geschehens.
in anwesenheit von lisandro alonso.
5. 11., 21 h, Gartenbaukino
6. 11., 16 h, Stadtkino im Künstlerhaus
JAYUEUI ONDUK
(HILL OF FREEDOM)
Cali ist eine mittelgroße Stadt im
Südwesten Kolumbiens, die Heimat
des Filmemachers und Schauplatz
dieser autobiografisch inspirierten
tagträumerischen Aufzeichnung des
Treibens der beiden Graffitikünstler
Ras und Calvin. Wie die titelgebenden Pilze ihre Sporen, erläutert der
Regisseur, so verstreuen auch Ras
und Calvin ihre Spuren: Tags und
Pieces, Wörter und Bilder. Sie schreiben sich ein ins Weichbild der Stadt,
bezeugen Existenz, demonstrieren
Überlebenswillen. Pilze eben, Organismen, die im Verfallenden siedeln,
Leben, das aus Tod entsteht. Rätselhafte Struktur und grundlegendes
Muster zugleich. «We will never be
silent again!»
25. 10., 12 h, Metro, Eric Pleskow Saal
26. 10., 18.30 h, Metro, Großer Saal
Südkorea 2014, 66 Min, OmeU
R: Hong Sangsoo, D: Ryo Kase, So-ri Moon,
Young-hwa Seo, Eui-sung Kim
Hong Sangsoo hat im Laufe der Jahre
ein eigenartiges Genre entwickelt,
das man als komische Anthropologie
bezeichnen könnte. Er beobachtet
seine Figuren bei ihrem alltäglichen
Tun und entdeckt dabei die verquersten Geschichten. Der junge Japaner Movi ist auf der Suche nach
dem Mädchen Kwon, in das er sich
verliebt hat, nach Korea gereist. Er
kann sie nicht wieder finden, obwohl
er ganz knapp dran ist, aber immer
kommen ihm andere Menschen in
die Quere. Es wird eine Menge ge-
JAUJA
Argentinien/USA/NL/F/Mexiko/DK/D 2014
108 Min, OmeU
R: Lisandro Alonso, D: Viggo Mortensen,
Ghita Nørby, Diego Roman, Mariano Arce
Minimalismus, Verdichtung und
freie Form zwischen Dokument und
Fiktion machen Alonsos Arbeiten zu
einem singulären Kino-Phänomen.
Mit JAUJA wagt sich der Regisseur
auf neues Terrain: Ende des 19. Jahr14
trunken und – in broken English –
viel aneinander vorbeigeredet. Als
wäre der Geist der frühen Filme von
Jim Jarmusch im Korea von heute
wieder erwacht.
24. 10., 15.30 h, Gartenbaukino
26. 10., 21 h, Metro, Großer Saal
Japan 2013, 119 Min, OmeU
R: Sion Sono, D: Kunimura Jun, Tsutsumi
Shinichi, Hasegawa Hiroki, Hoshino Gen
«Fuck Bombers!», lautet der Kampfschrei der nerdigen AmateurfilmerTruppe, die vom Meisterwerk und
vom Starruhm träumt und unterdessen nicht jünger wird. Ebensowenig
die beiden einander spinnefeind gesonnenen Yakuza-Clans, deren epochale Abrechnungsschlacht die Fuck
Bombers auf Film zu bannen
schließlich die Ehre haben. Wie es
dazu kommt, ist nicht nur ein Kapitel für sich, sondern eines, bei dem
keineR den Mund mehr zubekommt.
Episch langer Atem trifft auf stilsichere Hysterie trifft auf höhere Charakter-Chargen-Schauspielweihen.
«Die for a good shot!», brüllt der Kameramann und mit Karacho kollidieren die Metaebenen: Platz da für
Sion Sono und sein Porträt des Filmemachens als Wahnsinnstat!
2. 11., 23 h, Gartenbaukino
5. 11., 15.30 h, Urania
KIS˛ UYKUSU (WINTER SLEEP)
Türkei/D/F 2014, 196 Min, OmdU
R: Nuri Bilge Ceylan, D: Haluk Bilginer,
Melisa Sözen, Demet Akbag,
Ayberk Pekcan
Irgendwo in den Bergen Anatoliens
führt Aydin gemeinsam mit seiner
Frau Nihal ein kleines Hotel, in dem
auch seine etwas verlorene Schwester Necla wohnt. Anders als in Ceylans letztem, ebenfalls in Anatolien
angesiedelten Film, der sich ganz im
nächtlichen Außen zutrug, hat KIş
UYKUSU etwas Klaustrophobisches,
auch in der Geschichte, in den Gefühlen und Beziehungen. Ceylans
Einflüsse sind Tschechow und
Shakespeare, die Melancholie des
einen, das Wilde und Weltliche des
anderen. Das Besondere hier liegt in
der Physis und Intensität der Darsteller ebenso wie in der filmischen
Gestaltung von Zeit und Raum.
4. 11., 17.30 h, Stadtkino im Künstlerhaus
5. 11., 17.30 h, Gartenbaukino
KOMMUNISTEN
F/CH 2014, 70 Min, OmeU
R: Jean-Marie Straub
Eine Arbeit in mehreren Kapiteln, die
sich aufeinander beziehen, ineinander übergehen, sich widersprechen,
miteinander kollidieren, durch die
sich jedoch jener «Wärmestrom der
Geschichte und der Hoffnung» zieht,
von dem Ernst Bloch einmal gesprochen hat. Es beginnt mit einem Text
von André Malraux, der Verhör ist
und von Folter spricht und von den
zutiefst verletzten Menschen. Zwischen dem Schwarzfilm dieses Teils
und dem sizilianischen Sommerlicht
und der Hölderlin’schen Anrufung
einer «Neuen Welt» am Ende sind die
Arbeiter und Bauern Vittorinis, die
ägyptischen Fabriksarbeiter, die
Apuanischen Alpen der Partisanen
und der Ätna Hölderlins. Der «Wärmestrom», von dem Bloch spricht, ist
bei Straub Feuer, Feuer in jedem
Wort, in jedem Bild.
in anwesenheit von barbara Ulrich
und arnaud Dommerec
(Darstellerinnen/produzentinnen).
31. 10., 14.30 h, Metro, Eric Pleskow Saal
1. 11., 21 h, Metro, Großer Saal
KUIME (OVER YOUR DEAD BODY)
Japan 2014, 94 Min, OmeU
R: Miike Takashi, D: Ichikawa Ebizo,
Shibasaki Ko, Ito Hideaki, Nakanishi Miho
LEVIAFAN
(LEVIATHAN)
RUS 2014, 137 Min, OmdU
R: Andrey Zvyagintsev, D: Alexey Serebriakov,
Elena Liadova, Vladimir Vdovitchenkov,
Roman Madianov
In einer kleinen Stadt auf der KolaHalbinsel im nordwestlichen Russland kämpft ein Mann als arktischer
Hiob zwischen ausgebleichten Walgerippen gegen seinen von einer korrupten Verwaltung und Justiz beschlossenen Untergang. Vor den eisgrauen Wellen der Barentssee entwirft Zvyagintsev ein meisterlich verdichtetes Epos, das Politparabel, Melodram und schwarze Satire in einem
sein kann, ohne je das eine an das
andere zu verraten. Behördenwillkür,
Alkohol, Waffen, die neue Macht der
Popen und smarte Advokaten aus
Moskau mit eigener Agenda – sie unterfüttern die russische Gesellschaft
unter Wladimir Putin auch hier noch,
am Rande der Zivilisation.
25. 10., 11 h, Gartenbaukino
4. 11., 21 h, Metro, Großer Saal
LISTEN UP PHILIP
Miike hat wieder zugeschlagen! Mit
KUIME dreht er «Yotsuya Kaidan»,
eine der berühmtesten japanischen
Geistergeschichten, durch eine
kunstvoll konstruierte MetaebenenMangel: Im Rahmen der gemeinsamen Theaterproben-Arbeit eines
einander entfremdeten Schauspieler-Ehepaares an eben jenem Gruselklassiker verschränken sich Bühnengeschehen und Privatleben. Betrug,
Mord und Heimsuchung diffundieren durch die Grenze zwischen Realität und Fiktion – auf leisen Sohlen
schleicht der Horror ins Bild – dann
bricht der Wahnsinn aus. Und im
Zentrum das Grauen, das die Kälte
eines selbstsüchtigen Mannes ist.
27. 10., 23 h, Gartenbaukino
29. 10., 13 h, Urania
USA 2014, 108 Min, OF
R: Alex Ross Perry, D: Jason Schwartzman,
Elisabeth Moss, Jonathan Pryce,
Krysten Ritter
Der in New York lebende, erfolgreiche Schriftsteller Philip ist das, was
man höflich als ein Ekel bezeichnen
könnte. Mit allem unzufrieden, lässt
er seine Launen ungeniert an seiner
Umwelt, seinen Freunden und vor
allem seiner Lebensgefährtin aus. Da
erhält er die unerwartete Einladung
eines älteren Kollegen, ihn in seinem
Haus am Land zu besuchen. Mit LISTEN UP PHILIP hat Alex Ross Perry
eine ziemlich schwarz-komische Comedy of manners inszeniert, eine
unterhaltsame, intellektuelle NewYork-Story, gegen die Woody Allen
ein herzerwärmender Menschenfreund ist. Mit Jason Schwartzman in
der Hauptrolle als the man you love
to hate and the man you hate to love.
in anwesenheit von alex ross perry.
LITTLE ACCIDENTS
USA 2014, 105 Min, OF
R: Sara Colangelo, D: Elizabeth Banks,
Boyd Holbrook, Jacob Lofland, Josh Lucas
Unfälle, Zufälle, Schicksal und Notwendigkeit. Ein Grubenunglück in
einem kleinen Bergbauort in West
Virginia, bei dem zehn Kumpel ums
Leben kommen, lässt die Gemeinde
traumatisiert zurück. Als dann auch
noch ein Jugendlicher verschwindet,
kulminieren die Ereignisse – im
Schneckentempo. In ihrem Spielfilmdebüt untersucht Colangelo die
Überwindung eines Schockzustandes anhand exemplarisch strukturierter Figurenkonstellationen, die
die Verhandlung der zentralen Motive Schuld, Wahrheit und Verdrängung auf verschiedenen Ebenen und
aus unterschiedlichen Perspektiven
erlauben. Weniger der Wahrscheinlichkeit zugetan als der Plausibilität
von Atmosphären.
26. 10., 21 h, Stadtkino im Künstlerhaus
29. 10., 16 h, Stadtkino im Künstlerhaus
LITTLE FEET
USA/F 2013, 64 Min, OF
R: Alexandre Rockwell, D: Lana Rockwell,
Nico Rockwell, Rene Cuante
Nach dem Tod der Mutter muss die
siebenjährige Lana sich um ihren
kleineren Bruder kümmern, was sie
mit schöner, ein wenig trauriger und
verspielter Ernsthaftigkeit tut. Die
beiden sind unzertrennlich und
eines Tages beschließen sie, sich auf
den Weg durch die große Stadt an
den Fluss zu machen, um ein Abenteuer zu erleben. Rockwell hat LITTLE FEET mit seinen beiden Kindern
Lana und Nico gedreht. Sein Film ist
das poetische Dokument der Momente des kindlichen Lebens und
eine Hommage an die Stadt Los Angeles, die Musik, das Glück, das Staunen. Und zugleich an die Unwiederbringlichkeit jedes einzelnen Augenblicks.
in anwesenheit von alexandre rockwell.
2. 11., 18 h, Urania
3. 11., 13.30 h, Metro, Großer Saal
3. 11., 18 h, Gartenbaukino
4. 11., 23 h, Urania
15
Spielfilme
LOVE IS STRANGE
USA 2014, 94 Min, OF
R: Ira Sachs, D: John Lithgow, Alfred Molina,
Cheyenne Jackson, Manny Perez
Endlich verheiratet! Nach fast 40 Jahren Zusammenlebens! Und dann mit
einem Male wohnungslos. Die Erfahrungen, die Ben und George, zwei
gesetzte, kultivierte Herren, auf ihre
alten Tage noch mit gesellschaftlicher Doppelmoral machen müssen,
sind überaus schmerzlich. Denn sie
kommen nur räumlich getrennt voneinander bei Freunden unter und es
ist, als würde ein Ganzes auseinandergerissen. Vom Gespür für Lebensorte ebenso bestimmt wie vom Gefühl für Nuancen und Details inszeniert Sachs die Geschichte dieses
Aktes der Gewalt und seiner Folgen
nicht als Anklage, sondern als Klagegesang, zu Herzen gehend vorgetragen von Lithgow und Molina in den
beiden Hauptrollen.
26. 10., 21 h, Gartenbaukino
27. 10., 11 h, Gartenbaukino
29. 10., 11 h, Stadtkino im Künstlerhaus
MACONDO
A 2014, 98 Min, OmdU/OmeU
R: Sudabeh Mortezai, D: Ramasan Minkailov,
Aslan Elbiev, Kheda Gazieva, Rosa Minkailova
MAGIC IN THE MOONLIGHT
USA 2014, 98 Min, OmdU
R: Woody Allen, D: Colin Firth, Emma Stone,
Eileen Atkins, Marcia Gay Harden
MANGE TES MORTS
(EAT YOUR BONES)
Die hübsche Wahrsagerin Sophie,
scheinbar übersinnlich begabt, ist
mit ihrer Mutter auf einer Art vornehmen Raubzugs durch die Villen
der gelangweilten Reichen an der
Côte d’Azur unterwegs. Es sind die
verrückten Zwanzigerjahre und verdrehte Magie steht hoch im Kurs. Um
dem jungen Star das Handwerk zu
legen, wird der legendäre Illusionist
Stanley engagiert, doch dies wäre
kein Woody-Allen-Film, wenn die
ganze Geschichte nicht nach kurzer
Zeit auf dem Kopf stehen würde. Das
Übersinnliche wird ins radikal Sinnliche verkehrt und die Illusion
nimmt sehr konkrete Formen an. In
Technicolor und 35mm. That’s
magic!
30. 10., 20.30 h, Gartenbaukino
6. 11., 11 h, Gartenbaukino
MAMBO COOL
Der elf-jährige Ramasan aus Tschetschenien ist seit dem Tod des Vaters
als Mann im Haus verantwortlich für
Mutter und Schwestern. Das ist nicht
so leicht, wenn die Spielkameraden
im titelgebenden Macondo, einer
Flüchtlingssiedlung am Rand von
Wien, immer nur semikriminellen,
integrationsgefährdenden Unfug im
Sinn haben. Und dann taucht auch
noch ein Freund des Vaters auf und
weiß einiges besser! Die Aufgabe, die
Innenperspektive dieser vielfach alltäglichen, komplexen Flüchtlingserfahrung sichtbar zu machen, kommt
Laiendarsteller Ramasan Minkailov
in der Hauptrolle zu. Er meistert sie
mit Bravour.
in anwesenheit von Sudabeh Mortezai
und Mitgliedern des Teams.
29. 10., 20.30 h, Gartenbaukino (OmdU)
31. 10., 13 h, Urania (OmeU)
16
Leben unter das Regime des allmächtigen weißen Pulvers gestellt
haben. Und doch entsprechen sie
keinem der üblichen filmischen
Klischees vom abgedrifteten
Narkotiker.
in anwesenheit von Chris Gude.
Mit BIM BAM BOOM …
30. 10., 22 h, Metro, Eric Pleskow Saal
31. 10., 18 h, Urania
prOpOSiTiOnS
Kolumbien/USA 2013, 62 Min, OmeU
R: Chris Gude, D: Jorge Gaviria, Hernán
Padilla, Nelson María Betancur, Sergio
Castrillón
Im Halbdunkel eines leergeräumten
Hinterzimmers in Medellín berichtet
einer mit glasigem Kokain-Blick von
seiner Zuneigung zu einem Gorilla.
Geübte Finger modellieren Crackpfeifen, während in dieser platonischen Höhle aus Sucht, Poesie und
Musikleidenschaft auch nüchterne
Verhaltensforschung betrieben wird:
«Kanalratten sind immun gegen
viele Gifte, Laborratten infizieren
sich mit allem.» Die Darsteller in
diesem stilsicheren Debüt mögen ihr
Dasein auch im sogenannten realen
F 2014, 98 Min, OmeU
R: Jean-Charles Hue, D: Jason François,
Michael Dauber, Frédéric Dorkel,
Moïse Dorkel
Jason lebt mit seiner Familie in einer
seltsamen Kommune mit zwielichtigen Figuren, einer Mischung aus
Gangstern, Herumtreibern und
religiösen Fanatikern. Als eines
Tages sein älterer Bruder aus dem
Gefängnis zurückkehrt, eröffnen sich
neue Perspektiven. Bald schon plant
man einen größeren Raubzug.
MANGE TES MORTS ist die naturalistische Beschreibung eines gesellschaftlichen Niemandslandes, eine
realistische Erkundung mit Anklängen an das Gangster-Genre, gespielt
von Laien aus der Volksgemeinschaft
der Jenischen, aber mit gezielter
Stilisierung und filmischer Reflexion. Das ergibt eine sehr eigenartige
und direkte Form, einen Ton, der
unverwechselbar und zutiefst eindringlich ist.
27. 10., 21 h, Urania
28. 10., 23.30 h, Stadtkino im Künstlerhaus
MATAR A UN HOMBRE
(TO KILL A MAN)
Chile/F 2014, 82 Min, OmeU
R: Alejandro Fernández Almendras,
D: Daniel Antivilo, Daniel Candia,
Ariel Mateluna, Alejandra Yañez
Ein realistisch-nüchterner Gegenentwurf zu all den Selbstjustiz- und Rachefilmen des Mainstream-Kinos.
Jorge ist ein treusorgender Familienvater, kein Liam Neeson; doch als die
Seinen sich der andauernden Bedrohung und den gewalttätigen Über-
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mit Adobe After Effects
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Creative Video Designer
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Spielfilme
griffen durch einen örtlichen Schurken ausgesetzt sehen und er von den
ohnmächtigen Behörden im Stich gelassen wird, bleibt Jorge nichts anderes übrig, als Liam Neeson zu werden. Ruhig und überlegt geht er zu
Werke, doch es ist eine Tat wider
seine Natur – und es bleibt eine Tat
wider seine Natur. Seine Würde erlangt Jorge denn auch weniger durch
den Akt des Verbrechens zurück, als
vielmehr durch die Strafe, die dieser
nach sich zieht.
25. 10., 23.30 h, Stadtkino im Künstlerhaus
29. 10., 15.30 h, Gartenbaukino
MAURO
Argentinien 2014, 80 Min, OmeU
R: Hernán Rosselli, D: Mauro Martínez,
Juliana Simoes Risso, José Pablo Suárez,
Pablo Ramos
NÅNTING MÅSTE GÅ SÖNDER
(SOMETHING MUST BREAK)
zufällig aufgezeichnete Momentaufnahmen die Szenen. Beständig flüchtig ist der Kontext der Ereignisse um
junge Frauen in brüchigen Verhältnissen und brachenhaften Vorstädten, aus denen die beiden titelgebenden Hochhaustürme aufragen. Ein
Narrativ aus den Pariser Banlieus?
Ja, das auch. Vernier setzt auf Atmosphäre statt Sinnstiftung und gewinnt. MERCURIALES fühlt sich an
wie eine filmische Rückkoppelungsorgie und sieht sich wie im Rausch;
man mag am Ende nicht wissen, was
einen getreten hat, aber es war groß.
26. 10., 23.30 h, Stadtkino im Künstlerhaus
28. 10., 16 h, Metro, Großer Saal
MULA SA KUNG ANO ANG NOON
(FROM WHAT IS BEFORE)
Im krisengeschüttelten Argentinien
kommt Mauro auch mit zwei Jobs –
Metallwerker und Falschgeldvertreiber auf Kommissionsbasis – auf keinen grünen Zweig. Die eigene Fälscherwerkstatt ist der logische
Schritt in eine anders nicht mehr zu
erreichende Unternehmertätigkeit in
einer Gesellschaft, in der sich die absteigende Mittelschicht gegenseitig
ausnimmt. Was das allgegenwärtig
kursierende «falsa moneda» für die
Gefühle der Menschen zueinander
bedeutet – das zu beurteilen überlässt dieser starke Debütfilm den Zuschauern. Mauros Mutter als passionierte Filmliebhaberin (gespielt von
der Mutter des Regisseurs) würde
wohl für einmal nur die Schlaftabletten beiseite lassen.
in anwesenheit von hernán rosselli.
29. 10., 15.30 h, Urania
30. 10., 21 h, Stadtkino im Künstlerhaus
MERCURIALES
prOpOSiTiOnS
F 2014, 108 Min, OmeU
R: Virgil Vernier, D: Philippine Stindel, Ana
Neborac, Jad Solesme, Annabelle Lengronne
Es könnte sich bei diesem höchst
seltsamen Film um einen ScienceFiction handeln. Leicht verzerrt und
verschoben zur gegenwärtigen Wirklichkeit scheinen die Bilder und wie
18
Philippinen 2014, 338 Min, OmeU
R: Lav Diaz, D: Perry Dizon, Roeder Camañag,
Hazel Orencio, Karenina Haniel
Es wird noch einige Zeit dauern, bis
Ferdinand Marcos das Kriegsrecht
über die Philippinen verhängen, das
gigantische Archipel in einer rund
vierzehn Jahre währenden Nacht
versinken wird. Doch wie dieses politisch hochalerte, bei aller kontemplativen Klarheit innerlich aufgewühltagitationswütige Werk zeigt: Über
diese einschneidende Maßnahme
wundern musste sich niemand – das
Land zerfiel schon zuvor. Ein tiefer
Zynismus zerfrisst da längst so manche Seele; die abgeschlachteten
Tiere, um die sich einer der Erzählstränge des Films dreht, lassen
ahnen, was kommt. Ein Dorf als Kosmos eines Landes, ein Land als Spiegel für die Welt. Eine andere Welt ist
dennoch möglich.
2. 11., 10.30 h, Metro, Großer Saal
S 2014, 85 Min, OmdU/OmeU
R: Ester Martin Bergsmark,
D: Saga Becker, Iggy Malmborg,
Shima Niavarani, Mattias Åhlén
Sebastian verliebt sich in Andreas;
der erwidert die Zuneigung. Das
wäre nicht ungewöhnlich, wirkte Sebastian nicht derart androgyn. Denn
was passiert, wenn ein selbsterklärter Hetero einen Menschen liebt, der
sich dem binären Gender-Zwangssystem bewusst entzieht? Es entbrennt ein Kampf: um die Liebe zueinander, um Identität und sexuelle
Orientierung, um den Raum, der
möglich ist. Eine Erzählung von der
Sehnsucht nach Liebe, die in einem
Körper steckt, der nicht zu den Erwartungen passt, die an ihn herangetragen werden. Ein Plädoyer für die
Freiheit des Nicht-Wählen-Müssens.
in anwesenheit von ester Martin
bergsmark.
30. 10., 18 h, Urania (OmdU)
31. 10., 22 h, Metro,
Eric Pleskow Saal (OmeU)
NICHT VERSÖHNT ODER ES HILFT
NUR GEWALT, WO GEWALT HERRSCHT
BRD 1964/65, 52 Min, OF
R: Danièle Huillet, Jean-Marie Straub,
D: Henning Harmssen, Karlheinz
Hargesheimer, Heinrich Hargesheimer,
Martha Ständer
Wie eine Inschrift über der Arbeit
der Straubs steht der Titel dieses
Films. Es ist die Erzählung von den
Kontinuitäten und Brüchen der Geschichte, der Gewalt des Verdrängens und dem Schrecken der Versöhnung. In einem mutigen Zugriff wird
Heinrich Bölls Roman «Billard um
halb zehn» (1959) in Risse, Blöcke,
Brüche und plötzliche Verbindungen
zerlegt und eine deutsche Familiengeschichte über Generationen hinweg hervorgetrieben. «Die Gegenwart wird verständlicher, aber ihr Sosein erscheint nie als fatale Notwendigkeit», schreibt Frieda Grafe.
Mit À PROPOS DE VENISE
30. 10., 16 h, Metro, Großer Saal
2. 11., 13 h, Gartenbaukino
NYMPH()MANIAC I & II
(DIRECTOR’S CUTS)
DK/D/S/GB/B/F 2013, 148/178 Min, eOF
R: Lars von Trier, D: Charlotte Gainsbourg,
Stellan Skarsgård, Stacy Martin,
Shia LaBeouf
Von Triers Epos über Lust und Laster,
über Sucht und Abhängigkeit, über
Gewalt und Leidenschaft war bereits
in zwei Teilen im Kino zu sehen. Nun
also gibt es jenen Director`s Cut, der
das Material noch einmal aufmischt
und neu arrangiert. Vor allem die Sequenzen im vierten Kapitel, in dem
die Protagonistin Joe dem grausamen Todes-Delirium ihres Vaters zusehen muss, werden bis zur Unerträglichkeit gedehnt. Und, ja, auch
der Anteil an «expliziten» Sexszenen
ist höher. «Wenn sie den Film sehen
wollen», heißt es auf einer die DVD
vertreibenden Website, «tun Sie es
nicht am Arbeitsplatz. Sie sind gewarnt worden!» Sie auch.
3. 11., 20.30 h, Urania (Teil 1, 148 Min)
3. 11., 23.30 h, Urania (Teil 2, 178 Min)
OLIVE KITTERIDGE
USA 2014, 119/113 Min, OF
R: Lisa Cholodenko, D: Frances McDormand,
Richard Jenkins, Bill Murray, Zoe Kazan
PARTY GIRL
F 2014, 95 Min, OmeU
R: Marie Amachoukeli, Claire Burger,
Samuel Theis, D: Angélique Litzenburger,
Joseph Bour, Mario Theis, Samuel Theis
Die Jüngste ist sie nicht mehr und
die vielen Jahre ihres hard-partying
Nightlifestyle haben Spuren in ihrem
Gesicht hinterlassen, nun aber lockt
der Hafen der Ehe und endlich
scheint doch noch so etwas wie Ruhe
einzukehren ins Leben der 60-jährigen Barhostess Angélique und ihrer
vier überwiegend erwachsenen Kinder unterschiedlicher Väter. Passenderweise in einer Grenzregion (Lothringen) angesiedelt, ist diese aus der
Realität herübergeschwappte, mitreißende Milieu- und Charakterstudie,
in der Chaos auf Ordnung, Torschlusspanik auf Romantik, Freiheit
auf Konvention trifft. Und Dokument
auf Fiktion: Angélique ist Samuel
Theis Mutter, die Familie spielt sich
selbst.
28. 10., 11 h, Gartenbaukino
3. 11., 23.30 h, Stadtkino im Künstlerhaus
PASOLINI
F/B/I 2014, 87 Min, OmeU
R: Abel Ferrara, D: Willem Dafoe, Riccardo
Scarmarcio, Ninetto Davoli, Valerio
Mastandrea
Kaum jemand hätte dem notorischen enfant terrible des amerikanischen Autorenkinos eine so stringente und kontrollierte Arbeit zugetraut.
Statt seine filmischen Phantasmagorien an der Figur Pasolini auszuleben, liefert er eines seiner besten
Werke. Genauer Recherche folgend,
beschreibt Ferrara den letzten Tag,
Lebenstag, Arbeitstag, Liebestag des
italienischen Poeten. Arbeit an SALÒ,
Interviews, Lektüre, Begegnung mit
Freunden, Gespräche mit der Mutter
und schließlich die todbringende
Begegnung. Das zentrale Ereignis
dieses Films aber, das Herz von
Ferraras sensibler Inszenierung, ist
die darstellerische Leistung Dafoes
als Pasolini.
3. 11., 20.30 h, Gartenbaukino
5. 11., 11 h, Gartenbaukino
PHANTOM POWER
F/RUS/P/E/A/BY 2014, 75 Min, OmeU
R: Pierre Léon
PAS SON GENRE
(NOT MY TYPE)
Diese vierteilige, von HBO produzierte Mini-Serie ist ein klassisches Period-Picture, angesiedelt in der
Kleinstadt Crosby, Maine. Über ein
Vierteljahrhundert hinweg erzählt
wird die Geschichte des Ortes, seiner
Bewohner und der Familie Kitteridge. Vor allem aber die der von
Frances McDormand mit höchster
Souveränität und Subtilität dargestellten Olive. Einer seltsam einsamen Frau, zerrissen zwischen ihren
Ambitionen und ihrer Unzufriedenheit, ihren Erwartungen und dem Gefühl des zerrinnenden Lebens. «Men
don’t understand subtext», sagt sie
einmal und meint damit ganz konkret die Männer ihres Lebens.
Eintritt frei! Zählkarten sind am 4. 11.
ab 14.30 h im Kino erhältlich.
4. 11., 15.30 h, Gartenbaukino
(Teil 1 & 2, 119 Min)
4. 11., 18 h, Gartenbaukino
(Teil 3 & 4, 113 Min)
B/F 2013, 111 Min, OmeU
R: Lucas Belvaux, D: Emilie Dequenne, Loïc
Corbery, Sandra Nkaké, Charlotte Talpaert
Im Grunde ist dieser Film ein einziges Klischee, die Geschichte eine vorhersehbare Zumutung. Ein Philosophieprofessor aus Paris wird in eine
Provinzstadt versetzt, wo er sich ein
wenig blasiert langweilt, bis er eine
Friseurin kennenlernt. Und nach anfänglicher Schwierigkeit eine beinahe glückliche, kleine Affäre entsteht. So ähnlich könnte man das erzählen, so ähnlich hat das aber auch
bei Jean Renoir oder François Truffaut geklungen. Was einer draus
macht, ist das Entscheidende, nicht
wie’s klingt. Und was Lucas Belvaux
erzählt und wie er das tut, ist um vieles berührender und wahrhaftiger
als so einiges Hochgelobtes im aktuellen französischen Kunstkino.
30. 10., 15.30 h, Gartenbaukino
4. 11., 18 h, Urania
Pierre Léons kleines, in unregelmäßigen Abständen entstehendes Werk
changiert zwischen experimentellem
Homemovie und theatralischer Inszenierung, Found-Footage-Assemblagen und Dokumentarischem.
PHANTOM POWER ist so etwas wie
die Summe dieser reichen und verschwenderischen Anstrengung, eine
poetische Folge von filmischen Fragmenten, das Inventar seines Kinos.
Zwischen russischen Volksliedern
und dem Gesang von Ingrid Caven,
zwischen Mikrodramen und gefundenem Material entfaltet sich die
poetische Welt dieses eigensinnigen,
noch immer verborgenen Künstlers,
dessen Entdeckung und Wertschätzung längst überfällig ist.
in anwesenheit von pierre léon.
Mit O VELHO DO RESTELO
28. 10., 12 h, Metro, Eric Pleskow Saal
29. 10., 18.30 h, Metro, Großer Saal
19
Spielfilme
PHOENIX
LA PRINCESA DE FRANCIA
D 2014, 98 Min, OF
R: Christian Petzold, D: Nina Hoss, Ronald
Zehrfeld, Nina Kunzendorf, Michael Maertens
Dem Konzentrationslager mit entstelltem Gesicht entkommen, sucht
eine Frau den unmöglichen Weg zurück in eine Welt, die es nicht mehr
gibt oder gar nie gegeben hat. Zurück
an die Seite eines Mannes, der sie
nicht erkennt, der ein Verräter ist.
Weil niemand etwas erkennen will
und der Verrat der einer ganzen Gesellschaft ist. Petzold treibt hier
seine Konzeption vom Kino als politische Gespensterkunst in ein am
Film Noir geschultes, melodramatisch aufgeladenes Extrem. Dünnes
Eis, hohes erzählerisches Risiko,
Kontroverse garantiert – gut für den
so oft in gewollter Harmlosigkeit erstarrten deutschen Film.
in anwesenheit von Christian petzold.
1. 11., 21 h, Gartenbaukino
2. 11., 13 h, Urania
PLEMYA
prOpOSiTiOnS
(THE TRIBE)
Ukraine 2014, 132 Min, kein gespr. Dialog
R: Myroslav Slaboshpytskiy, D: Grigoriy
Fesenko, Yana Novikova, Rosa Babiy,
Alexander Dsiadevich
(THE PRINCESS OF FRANCE)
Argentinien 2014, 66 Min, OmeU
R: Matías Piñeiro, D: Julián Larquier Tellarini,
Laura Paredes, María Villar, Elisa Carricajo
Der nach ROSALINDA (2010) und
VIOLA (2012) dritte Eintrag in die sogenannte «Shakespeareade», ein
vielgestaltiges Langzeitprojekt, an
dem Piñeiro seit 2010 arbeitet und
im Rahmen dessen er Motive und
Themen des elisabethanischen Barden neu interpretiert und frei kombiniert ins Argentinien der Gegenwart
versetzt. Diesmal liefert «Love’s Labour’s Lost» (Verlorene Liebesmüh),
die losen Bretter, die die Welt bedeuten, und auf denen ein charmanter
junger Regisseur und mehrere liebeslustige, spielfreudige junge
Damen in Irrungen und Wirrungen
geraten. Und wenn sie sich nicht gerade küssen, reden sie nahezu ohne
Unterlass – meist, logisch, über die
Liebe.
Mit LA ISLA
27. 10., 16 h, Metro, Großer Saal
30. 10., 13.30 h, Stadtkino im Künstlerhaus
P’TIT QUINQUIN
(LI’L QUINQUIN)
Der gehörlose Sergey kommt in ein
Internat für Behinderte, in dem eine
brutale Gang herrscht und der Neuling sich seinen Platz in der Hierarchie erst erkämpfen muss. Als er mit
Anya, der Geliebten des Anführers
eine Affäre beginnt, wird er zur Persona non grata und sein Leben gerät
in Gefahr. Der Film, in dem nur mit
Gebärdensprache kommuniziert
wird, ist aus einer Serie von Plansequenzen komponiert und besticht
durch ästhetischen Eigensinn, ohne
sich in Formalismus zu erschöpfen.
Im Gegenteil: Gerade durch die Kargheit der visuellen Komposition erhalten die Bilder eine kreatürliche Urkraft, wie man sie im Kino selten erlebt.
29. 10., 13 h, Gartenbaukino
30. 10., 13.30 h, Metro, Großer Saal
20
F 2014, 100/100 Min, OmeU
R: Bruno Dumont, D: Alane Delhaye, Lucy
Caron, Bernard Pruvost, Philippe Jore
Der eher für seine ästhetische Rigorosität und einen gewissen Hang
zum Miserabilismus bekannte Bruno
Dumont hat mit der im Auftrag von
Arte realisierten TV-Miniserie P’TIT
QUINQUIN einen veritablen Coup
geliefert. Die vierteilige Serie ist
etwas vom Witzigsten, Unterhaltsamsten, Abgründigsten und Groteskesten, das es im europäischen Kino
gibt. Irgendwo im Norden Frank-
reichs, in der gottverlassenen Provinz, geschehen eine Folge von absurden Mordfällen. Und während
der herbeigerufene Kommissar an
der Aufklärung arbeitet, pfuscht ihm
der Rotzbub Quinquin gewaltig in
die Chose. Das muss man gesehen
haben, sonst glaubt man’s nicht. Reines, entfesseltes Kino.
25. 10., 23 h, Gartenbaukino
(Episode 1–4, MehrWERT-Filmnacht)
6. 11., 13 h, Gartenbaukino
(Episode 1 & 2, 100 Min)
6. 11., 15 h, Gartenbaukino
(Episode 3 & 4, 100 Min)
LA SAPIENZA
F/I 2014, 107 Min, OmeU
R: Eugène Green, D: Fabrizio Rongione,
Christelle Prot Landman, Ludovico Succio,
Arianna Nastro
Ein Film der Linien und Achsen, ein
kinematografisches Kunstwerk, doch
keine reine konstruierte Form, sondern farbig und sinnlich und von unerschöpflicher Neugier. Ein Ehepaar,
dann ein Bruder und eine Schwester,
die vier in überschneidenden Querverbindungen, sich ergänzenden Interessen, gemeinsamen Bewegungen. Das hat manchmal den Charakter eines Musicals von Jacques Demy,
dann wieder die Komik eines
Jacques Tati, um im nächsten Moment zu einem Lehrfilm über Architektur zu werden oder ein Konversationsstück. Aber so stilisiert der Film
ist, so ist er doch eine schöne, reiche
Hymne ans Leben.
in anwesenheit von eugène Green.
31. 10., 21 h, Stadtkino im Künstlerhaus
1. 11., 12 h, Metro, Eric Pleskow Saal
SEE YOU NEXT TUESDAY
USA 2013, 82 Min, OF
R: Drew Tobia, D: Eleanore Pienta, Dana
Eskelson, Molly Plunk, Keisha Zollar
Zu behaupten, dass die Hauptfigur
dieses überdrehten Films, die hochschwangere Supermarktkassiererin
Mona, ziemlich nervt, ist eine Untertreibung. Sie ist in ihrem rastlosen,
hysterischen, geradezu asozialen
Verhalten kaum zu ertragen. Aber
SORG OG GLÆDE
(SORROW AND JOY)
warum können wir nicht aufhören,
ihr zuzusehen, ihrer zuzuhören, uns
Sorgen um sie zu machen? Das ist
das Mysterium von SEE YOU NEXT
TUESDAY, in dem das Wort «Fuck»,
üble Verdauungsgeräusche, die geschmackloseste Kleidung und die
pure Egomanie so selbstverständlich
sind wie ein Motorrad in EASY
RIDER. Ist es absurd, diesen Film
menschlich und berührend zu finden? Nein, ist es nicht.
In Anwesenheit von Rachel Wolther
(Produzentin).
28. 10., 13 h, Gartenbaukino
29. 10., 23.30 h, Stadtkino im Künstlerhaus
SIDDHARTH
Kanada/Indien 2013, 96 Min, OmeU
R: Richie Mehta, D: Rajesh Tailang,
Tannishtha Chatterjee, Anurag Arora,
Shobha Sharma Jassi
DK 2013, 107 Min, OmeU
R: Nils Malmros, D: Jakob Cedergren, Helle
Fagralid, Ida Dwinger, Kristian Halken
Ein Mann kommt von einer Reise
nach Hause und trifft in seinem
Heim auf das Unfassbare: Wenige
Stunden zuvor hat seine Frau scheinbar grundlos das gemeinsame Kind
getötet. Wie in Bressons L’ARGENT,
in dem ein junger Mann ihm Nahestehende tötet, und von dem es am
Ende heißt: «Ihm wird verziehen
werden», entwickelt Malmros aus
der Geschichte dieses Paares ein
Mysterium. Aber kein sentimentales
oder melodramatisches, sondern ein
realistisches und schmerzliches über
Liebe und Verzeihen, Schuld und
Verstehen. Malmros ist einer der bedeutendsten, verborgenen, stillen
Regisseure unserer Zeit. Wer will,
kann ihn entdecken.
in anwesenheit von nils Malmros.
31. 10., 18 h, Gartenbaukino
1. 11., 15.30 h, Urania
STELLA CADENTE (FALLING STAR)
Mahendra arbeitet als ambulanter
Reparateur von Reißverschlüssen in
Delhi. Um die marode Familienkasse
zu entlasten, schickt er seinen 12jährigen Sohn Siddharth für zwei
Monate in eine andere Stadt. Der
Sohn kommt nicht zurück. Eine alptraumhafte Suche treibt den verzweifelten Vater durch das halbe Land
und in die Warteräume der überforderten Bürokratie Indiens, wo jedes
Jahr über 40.000 Kinder spurlos verschwinden. Die überragenden Darsteller-Leistungen und der unsentimentale Blick für gesellschaftliche
Verwerfungen machen es möglich,
dass selbst die schmalzige Filmmusik die Kraft dieser einfachen Erzählung nicht zu schmälern vermag.
1. 11., 15 h, Gartenbaukino
2. 11., 13.30 h, Stadtkino im Künstlerhaus
E 2014, 105 Min, OmeU
R: Luis Miñarro, D: Àlex Brendemühl, Lola
Dueñas, Bárbara Lennie, Lorenzo Balducci
Ein verspielter, dann reduktionistischer, gleichmaßen abstrahierender
wie üppig fabulierender Schnörkel
am Genre des Historien/Kostümfilms: Von 1870 bis 1873 träumt
König Amadeo I., ein wenig realitätstauglicher Ästhet, von der Verbesserung der Verhältnisse in Spanien. Er
scheitert glorios an der politischen
Wirklichkeit, an Palastintrigen, Parteienstreit und Einmischung des Klerus. STELLA CADENTE befreit den
festgesetzten Marionettenkönig aus
erzwungenem Ennui wie resultierender Melancholie, stellt ihn in farbenprächtige Tableaux, garniert ihn mit
derben Späßen und entlarvt Herrschaft als Spektakel, das, bleibt es
ohne Publikum, den Herrscher zum
grotesken Popanz macht.
in anwesenheit von luis Miñarro.
27. 10., 14.30 h, Metro, Eric Pleskow Saal
28. 10., 21 h, Metro, Großer Saal
STIMMEN (VOICES)
A 2014, 115 Min, OmeU
R: Mara Mattuschka, D: Alexander E. Fennon,
Julia Schranz, Raphael Nicholas,
Leo Janeselli
«Alex Gottfarb ist nicht allein», beschreibt Mattuschka die Idee von
STIMMEN, «in seinem inneren Haus
wohnen der schüchterne Alexander,
die sexy Sandra, der Teenager Alex
und das Wunderkind Xandi – Abspaltungen seiner Selbst.» Eine Tour
de Force durch die psychische Innenarchitektur eines Menschen, die bildhafte und stimmliche Gleichzeitigkeit, die wir alle erleben, während
wir nach Außen hin eine geschlossene Persona repräsentieren. Das ist in
diesem überbordend fantasiereichen
Film alles zugleich: ernsthaft, komisch, verspielt, tragisch, verrückt,
verschoben – a real Mattuschka-Experience, that nobody should miss.
in anwesenheit von Mara Mattuschka.
2. 11., 21 h, Stadtkino im Künstlerhaus
4. 11., 11 h, Metro, Großer Saal
STUDIEN ZU MONET
(AUS DEM IMAGINÄREN MUSEUM)
(STUDIES ON MONET (FROM THE
IMAGINARY MUSEUM))
D 1998–2014, 103 Min, OmeU
R: Klaus Wyborny
Etwa 140 Landschaftsbilder sind erhalten, die während vier längerer
Aufenthalte Claude Monets zwischen
1882 und 1897 im normannischen
Pourville enstanden. Nur wenig hat
sich der wilde Küstenstreifen seither
verändert, umso aufregender das
durch die Geschichtsdimension bereicherte Präsenz-Panorama, das Wyborny in seinem, Harun Farocki gewidmeten, Essayfilm entwirft, indem
er Monets Gemälde mit dem Filmbild
der gegenwärtigen Wirklichkeit des
Ortes überlagert. Eingeleitet von
einem Interview mit Experimentalfilmer Michael Snow, dessen LA RÉGION CENTRALE nicht wenigen als Höhepunkt einer künstlerischen Auseinandersetzung mit Landschaft gilt.
in anwesenheit von Klaus Wyborny.
30. 10., 11 h, Metro, Großer Saal
31. 10., 21 h, Metro, Großer Saal
21
Spielfilme
THEY ALL LAUGHED
USA 1981, 115 Min, OF
R: Peter Bogdanovich, D: Audrey Hepburn,
Ben Gazzara, John Ritter, Dorothy Stratten
schwadronieren, während sie nicht
auf Godot, sondern den Mann mit
dem Geldkoffer warten. Oder … Das
alles in einer Digitalästhetik zwischen Fabelfilm, Polittraktat und philosophischem Versuch, Brecht’schem
Theater und AV-Flugblatt.
(Siehe auch S. 44: In Focus
Tariq Teguia)
in anwesenheit von Tariq Teguia.
2. 11., 20 h, Urania
3. 11., 14.30 h, Metro, Eric Pleskow Saal
nes Foto auswirft. Das wirklich Unheimliche daran ist, dass dieses Foto
zeigt, was einen Tag später geschehen wird. Und damit geht ein unberechenbarer Wahnsinn los. «You
don’t fuck with time», sagt Jasper,
einer des Trios, und ist wenig später
ermordet. Was man schon wusste,
als er noch am Leben war.
29. 10., 21 h, Stadtkino im Künstlerhaus
5. 11., 23.30 h, Gartenbaukino
prOpOSiTiOnS
THEY ALL LAUGHED ist eine Romantic-Screwball-Comedy, eine NewYork-Story, ein Detektivfilm, vor
allem aber ein Film des Abschieds.
Es sind die letzten Aufnahmen der
kurze Zeit später ermordeten Dorothy Stratten, ist der letzte Kinofilm
Audrey Hepburns, ist ein Dokument
des Verschwindens des alten New
York. Schließlich ist dieser Film, der
ähnlich wie HEAVEN’S GATE, CRUISING oder ONE FROM THE HEART
das Ende des «New Hollywood» markiert, ein traurig-schöner Abgesang
auf die vergangenen Seventies. Und
dennoch ein beschwingter, atemloser, musikalischer und verspielter Kinomoment, der in ein Offenes und
Neues weist.
27. 10., 23.30 h, Stadtkino im Künstlerhaus
3. 11., 19.30 h, Metro, Eric Pleskow Saal
THWARA ZANJ
(ZANJ REVOLUTION)
Algerien/F/Libanon/Qatar 2013
137 Min, OmeU
R: Tariq Teguia, D: Fethi Ghares,
Diana Sabri, John W. Peake, Sean Gullette
TIMBUKTU
F/Mauretanien 2014, 97 Min, OmdU
R: Abderrahmane Sissako
D: Ibrahim Ahmed, Toulou Kiki,
Abel Jafri, Fatoumata Diawara
TIMBUKTU erzählt vom Alltag in
eben jener Stadt in Mali, in der muslimische Fundamentalisten Männer,
Frauen und Kinder terrorisieren,
ihnen Freiheiten, Eigenheiten und
Vergnügungen mit Gewalt austreiben. Oder vielmehr auszutreiben
versuchen, denn noch gibt es unter
den Bewohnern Widerstand, gibt es
jene, die mit Trotz und Schläue der
Verblendung und dem Zwang begegnen. Dass der Film des Mauretaniers
Sissako inzwischen von den Blutorgien eines selbsternannten Kalifats
überholt ist, macht ihn nicht weniger
dringlich. Vielleicht mochte der Filmemacher den Wahnsinn nicht zu
Ende denken.
24. 10., 18 h, Gartenbaukino
26. 10., 18 h, Urania
TIME LAPSE
Der algerische Journalist Ibn Battuta
macht sich auf eine Reise via Beirut
ins Delta von Euphrat und Tigris,
entlang der Spuren einer rund zwölfhundert Jahre alten Revolution: die
der Kalifatssklaven, den Zanj … Doch
das ist nur ein Pfad von vielen, die
sich durch THWARA ZANJ ziehen: Da
sind z.B. die lange wie unverbunden
dastehenden Ansichten eines Griechenland in Aufruhr. Oder jene Momente, in denen US-Macher selbstherrlich über ihre eigene Größe
22
USA 2014, 103 Min, OF
R: Bradley King, D: Danielle Panabaker,
Matt O’Leary, George Finn, Amin Joseph
Mit geringen Mitteln und praktisch
auf einem einzigen Schauplatz entfesselt King in seinem Debüt eine
wilde, von Minute zu Minute sich
steigernde, rasante Mischung aus
Horror, Science-Fiction und Schwarzer Komödie. Drei Freunde entdecken im Haus ihres verstorbenen
Nachbarn von gegenüber eine
höchst seltsame Maschine, die jeden
Tag ein selbstständig aufgenomme-
EL TRISTE OLOR DE LA CARNE
(THE SAD SMELL OF FLESH)
E 2013, 91 Min, OmeU
R: Cristóbal Arteaga Rozas, D: Alfredo
Rodríguez, Sabela Vázquez, Ruth Sabucedo
Ein ungewöhnlicher, minimalistisch
konzentrierter Film, der sich mit der
ökonomischen Krise der letzten
Jahre beschäftigt: Alfredo Barrera,
ein unscheinbarer Mann ohne Arbeit, sozial deklassiert, wird in eineinhalb Stunden auch sein Haus verlieren und delogiert. Aber der Mann
hat einen verzweifelten Plan und
genau dies zeigt der Film in einer
einzigen Einstellung, einer langen
Bewegung, einem Weg durch die
Stadt, einer letzten Anstrengung für
die Dauer von eineinhalb Stunden.
Die Dauer des Films. Die Dauer eines
Lebens. Ein geradezu ungeheuerlicher Film über ein Dasein unter dem
Diktat der Ökonomie. Der stillste
Horrorfilm, der sich denken lässt.
in anwesenheit von Cristóbal
arteaga rozas.
4. 11., 16 h, Metro, Großer Saal
5. 11., 23.30 h, Stadtkino im Künstlerhaus
TRUDNO BYT’ BOGOM
(HARD TO BE A GOD)
RUS 2013, 170 Min, OmeU
R: Aleksei German, D: Leonid Yarmolnik,
Aleksandr Chutko, Yuriy Tsurilo,
Evgeniy Gerchakov
Schleim, Schlamm und Scheiße;
überall und gleichzeitig kreatürliche
Äußerungen auf niedrigstem Niveau;
Ekel, Grausen und Gewalt: Gemütlich
ist es nicht auf dem Planeten Arkanar, dessen Entwicklungsstand dem
der mittelalterlichen Erde gleicht.
Dieser nachgelassene Brocken von
einem Film, nach Germans Tod von
dessen Frau und Sohn fertiggestellt,
adaptiert den 1964 erschienenen
SF-Roman der Brüder Strugazki.
Ein ferner Spiegel, der die Natur des
menschlichen Daseins zur Kenntlichkeit entstellt. Der Anblick der
verrohten Fratze ist nicht erfreulich,
überraschend aber auch nicht. Zivilisationskritik? Eher Höllensturz. Es
ist, als würde man durch ein Gemälde von Brueghel oder Bosch spazieren: Man muss es aushalten.
25. 10., 21 h, Metro, Großer Saal
TURIST
(FORCE MAJEURE)
S/DK/F/NO 2014, 118 Min, OmeU
R: Ruben Östlund, D: Johannes Bah Kuhnke,
Lisa Loven Kongsli, Clara Wettergren,
Vincent Wettergren
VON MÄDCHEN UND PFERDEN
(OF GIRLS AND HORSES)
derjährige Mütter-in-spe betreibt.
Hormonelle Tumulte auf der einen
und gefühlsmäßiger Aufruhr auf der
anderen Seite führen alsbald zu Verwicklungen mit Folgen. Auch in seinem vierten Spielfilm setzt Silver auf
die Mitarbeit von Bekannten, Freunden und Familienmitgliedern – und
es ist eben die in den Bildern spürbare außerfilmische Vertrautheit, die
dem Geschehen den Charakter des
Spontanen und Intimen verleiht, die
für seine authentische Anmutung
sorgt.
in anwesenheit von nathan Silver,
Cindy Silver, harvey Silver (produzent).
28. 10., 11 h, Stadtkino im Künstlerhaus
30. 10., 19 h, Stadtkino im Künstlerhaus
VILLA TOUMA
Es ist ein kurzer Moment nur, doch
er ist entscheidend. Als in dem Wintersportort, in dem die Familie ein
paar Urlaubstage verbringt, eine Lawine abgeht, ergreift Tomas die
Flucht anstatt den Seinen beizustehen. Das Vertrauen seiner Frau Ebba
ist erschüttert, Tomas Position als Familienoberhaupt gefährdet, und
nach der Ehre steht bald schon die
Ehe auf dem Spiel. Wie Östlunds vorhergehender Film PLAY ist auch TURIST von einer formalen Strenge geprägt, die im Dienst der Analyse
steht. Gefragt wird nach der Relation
zwischen menschlichem Überlebensinstinkt und männlichem Rollenbild. Die Antwort entspricht einmal mehr nicht den Erwartungen.
Frauen und Kinder zuerst?
6. 11., 19 h, Gartenbaukino (Abschlussgala)
6. 11., 23 h, Gartenbaukino
UNCERTAIN TERMS
USA 2014, 72 Min, OF
R: Nathan Silver, D: David Dahlbom, India
Menuez, Caitlin Mehner, Cindy Silver
Hahn im Korb oder Bock als Gärtner?
Robbie, tief in einer Ehekrise steckend, flieht zu seiner Tante, die auf
dem Land ein kleines Heim für min-
2014, 85 Min, OmeU
R: Suha Arraf, D: Maria Zreik,
Cherien Dabis, Nisreen Faour, Ula Tabari
Ein psychologisches Kammerspiel
im Angesicht des israelisch-palästinensischen Krieges, der im Film aber
nur als bedrohliche Hintergrundstrahlung erlebt wird. Drei unverheiratete Schwestern aus der Oberschicht von Ramallah haben sich in
ihrer mit leerem Prunk ausgestatteten Villa wie in einem Mausoleum
eingerichtet und träumen von jenen
Zeiten vor dem Sechstagekrieg, als
Klasse und Kultur noch etwas galten.
Als ihre Nichte Badia in diese Tristesse royale einbricht, versuchen sie
das unbeholfene Mädchen buchstäblich gewinnbringend an den Mann
zu bringen. Doch Badia verliebt sich
in einen Freiheitskämpfer und das
Unheil nimmt seinen Lauf.
24. 10., 13.30 h, Stadtkino im Künstlerhaus
4. 11., 16 h, Urania
D 2014, 82 Min, OmeU/OF
R: Monika Treut, D: Ceci Chuh,
Alissa Wilms, Vanida Karun, Ellen Grell
Junge Mädchen und ihre Liebe zu
Pferden sind ein gesellschaftliches
Phänomen, dem sich zahlreiche
Filme, Bücher, ganze TV-Serien verdanken, aber wenig Relevantes und
Ernstzunehmendes. Eine Ausnahme,
ein richtiger Glücksfall ist in diesem
Zusammenhang VON MÄDCHEN
UND PFERDEN der deutschen Filmemacherin Monika Treut. Treut gilt
nicht wenigen als eine radikal-feministische Underground-Künstlerin,
umso überraschender ist diese geradezu klassische, realistische und
subtile Geschichte von zwei Freundinnen, die einen Sommer lang auf
einem Reiterhof arbeiten, eine Coming-of-Age-Erzählung frei von Exploitation und Klischees. Was hätte
wohl John Ford dazu gemeint?
in anwesenheit von Monika Treut.
5. 11., 13 h, Gartenbaukino (OmeU)
6. 11., 21 h, Metro, Großer Saal (OF)
WHIPLASH
USA 2013, 106 Min, OmdU
R: Damien Chazelle, D: Miles Teller,
J. K. Simmons, Paul Reiser, Melissa Benoist
Vor ein paar Jahren tauchte Chazelle
mit dem eigenartigen, träumerischen GUY AND MADELINE ON A
PARK BENCH aus dem Nichts auf.
Auch in seiner neuen Arbeit sind die
Musik, die Liebe und die Begeisterung fürs Musikmachen die tragenden Elemente, doch der Ton ist rauer,
die Herausforderung brutaler geworden: Andrew Neyman will es sich,
seinem harten Lehrer, seinen Kollegen, der ganzen Welt beweisen, dass
er ein großer Drummer werden
kann. Aber diese Ambition bringt
ihn an die Grenze seiner Persönlichkeit, treibt ihn in eine Welt des Psychotischen, Asozialen, der Selbstverleugnung. Ein schöner und trauriger
Musikfilm, der zu den besten Arbeiten dieses Jahres zählt.
4. 11., 20.30 h, Gartenbaukino
5. 11., 23.30 h, Urania
23
Dokumentarfilme
12 DICEMBRE
prOpOSiTiOnS
I 1971, 103 Min, OmeU
R: Giovanni Bonfanti
Am 12. Dezember 1969 starben bei
einem Bombenanschlag auf eine
Mailänder Bank 17 Menschen. Die
Aufklärung des rechtsterroristischen
Akts geriet zum Skandal. Polizei und
Geheimdienste schoben die Verantwortung auf die Linke, im Zuge der
Ermittlungen stürzte der Anarchist
Giuseppe Pinelli aus einem Fenster
des Polizeipräsidiums zu Tode. Nach
Jahrzehnten ist nun dieses Zeitdokument aufgetaucht, in dem Aktivisten
jener Tage berichten und Bilder aus
einem anderen Italien, die vergessen
schienen, überliefern. Der Historiker
Peter Kammerer nennt den Film
«eines der wichtigsten Dokumente
der italienischen Nachkriegsgeschichte».
Mit FUNERALE DI …
31. 10., 15.30 h, Gartenbaukino
2. 11., 23.30 h, Stadtkino im Künstlerhaus
20,000 DAYS ON EARTH
GB 2013, 97 Min, OmdU
R: Iain Forsyth, Jane Pollard
Der 20.000.ste Tag im Leben von
Nick Cave, Dichter, Musiker, Popkulturikone und coole Socke, if ever
there was one. Eine angemessene
filmische Annäherung, die ihrem
«Gegenstand» gerecht wird, indem
sie ihn aus überraschend vielfältigen
Perspektiven in den Blick nimmt. Ein
Blick, den Cave, der am Drehbuch
mitschrieb, erwidert. Mal schalkhaft
verspielt, mal mit hehrem Ernst.
So oszilliert der Film zwischen
Künstlerporträt, Musikdoku, gut erfundener Wahrheit und aufrichtiger
Fiktion. Ein Schillern, dessen Zentrum Reflexionen über den schöpferischen Prozess und seine leichte
Gefährdung bilden. Dargeboten mit
ebenso anrührender wie respektgebietender Offenherzigkeit von einer
zartbesaiteten Rampensau.
1. 11., 23.30 h, Gartenbaukino
2. 11., 11 h, Gartenbaukino
3. 11., 15.30 h, Urania
A PLACE FOR EVERYONE
B/A/Ruanda 2014, 60 Min, OmeU/OmdU
R: Angelos Rallis, Hans Ulrich Gössl
1971
USA 2014, 79 Min, OF
R: Johanna Hamilton
Zu einer Zeit, in der das Wort «files»
noch Akten aus Papier bezeichnete,
nicht Konglomerate aus Nullen und
Einsen – 1971 also, lange vor WikiLeaks und NSA – brach eine Gruppe
politisch engagierter US-Bürger in
das FBI-Büro in Media, Pennsylvania,
ein und räumte die Büroschränke
aus. Ans Licht des Tages kam unter
anderem ein ebenso streng geheimes wie schwer illegales, ziviles
Überwachungsprogramm namens
«Cointelpro», dessen Implikationen
nicht nur den Vorsitzenden des alsbald einberufenen Untersuchungsausschusses konsternierte. Originalmaterial, Reenactments und aktuelle
Interviews mit Beteiligten rekapitulieren eine historische Episode, die
einen verstopften J.Edgar Hoover rasend machte.
31. 10., 23 h, Urania
1. 11., 23.30 h, Stadtkino im Künstlerhaus
24
THE AIRSTRIP
(PHOTOGRAPHIE UND JENSEITS 21)
D 2013, 108 Min, dF/eF
R: Heinz Emigholz
Waren Emigholz’ bisherige kinematografische Studien der Theorie und
Praxis des Architektonischen fast
ausschließlich bestimmten Bauten
oder Baumeistern gewidmet, so ist
seine aktuelle Arbeit ein abenteuerlicher, nahezu anarchischer Streifzug
durch Länder und Städte, immer
neue aufregende Beispiele von Villen, Shoppingmalls, Verwaltungsgebäuden, Wohnhäusern und Wolkenkratzern umkreisend, durchquerend,
beschreibend, verstehend, versteckend, verzaubernd, beschwörend,
analysierend. Von Buenos Aires bis
Rom, von Berlin über Tokyo bis Montevideo. Und dabei immer nahe,
sinnlich und genau.
Mit ZWEI MUSEEN
4. 11., 19.30 h, Metro, Eric Pleskow Saal (dF)
6.11., 18.30 h, Stadtkino im Künstlerhaus (eF)
AL DOILEA JOC
(THE SECOND GAME)
Vor 20 Jahren ereignete sich in Ruanda einer der größten Genozide der
jüngeren Geschichte, die grausamen
Massaker der Hutu an den Tutsi.
Heute leben Opfer und Täter, Verwandte und Angehörige wieder in
derselben Region, manchmal Tür an
Tür, und das Vergangene zieht sich
als tiefe Wunden und Narben durch
die Gegenwart der Menschen. Am
Beispiel einer jungen Tutsi und eines
jungen Hutu, die als Kinder überlebten, erzählt der Film vom Umgang
mit dem Gewesenen und fragt, ob es
noch einen gemeinsamen Platz für
alle geben kann?
am 2.11. in anwesenheit von angelos
rallis und hans Ulrich Gössl.
25. 10., 11 h, Metro, Großer Saal (OmeU)
2. 11., 18.30 h, Metro, Großer Saal (OmdU)
RO 2013, 97 Min, OmdU/OmeU
R: Corneliu Porumboiu
Der bisher einfachste und zugleich
gewitzteste Film Porumboius: Das
von einem alten TV-Gerät abgefilmte
Fussballmatch der beiden Bukarester Traditionsclubs Steaua und Dinamo am 3. Dezember 1988; in der Bedeutung etwa vergleichbar einem
Wiener Stadtderby. Aus dem Off
kommentiert wird das Match von
Porumboius altem Vater im Zwiegespräch mit seinem Sohn. Der Vater
war damals Schiedsrichter, das
Match drohte im Schnee zu ersticken, und niemand ahnte, dass
ziemlich genau ein Jahr später auch
das große Spiel der rumänischen Politik vorbei sein würde. Aber damals,
so erzählt der Vater, war ein nicht gegebenes Abseits wichtiger. Fussball
und Politik wie noch nie.
1. 11., 13 h, Gartenbaukino (OmdU)
5. 11., 22 h, Metro, Eric Pleskow Saal (OmeU)
SOBRE LA MARXA
ALTMAN
Kanada 2014, 95 Min, OmdU
R: Ron Mann
Eine umfassende Würdigung des
2006 verstorbenen Regisseurs
Robert Altman steht noch aus, doch
Manns Porträt gibt eine schöne, lebendige Ahnung von seiner Person,
eine reiche, liebevolle Beschreibung
seiner Arbeit und nicht zuletzt einen
unsentimentalen Bericht der Höhen
und Tiefen seiner beispiellosen Karriere. Altman war ein so ungestümer,
kompromissloser, wacher und zugleich hochsensibler Erzähler der
amerikanischen Geschichte wie
vor ihm vielleicht nur John Ford. Auf
die Frage, was eigentlich der Begriff
«Altmanesque» bedeutet, antwortet
der Schauspieler James Caan nach
kurzem Zögern: «Makin’ your own
rules».
26. 10., 20.30 h, Urania
ART AND CRAFT
USA 2014, 87 Min, OF
R: Sam Cullman, Jennifer Grausman
Mark Landis ist nach einhelliger Meinung der größte Kunstfälscher in der
Geschichte der USA. Der schon als
Jugendlicher mit Schizophrenie diagnostizierte John-Malkovich-Lookalike machte sich einen Jux daraus,
perfekt kopierte «Meisterwerke» von
Matisse bis Picasso den Sammlungen bedeutender Museen als Schenkung zukommen zu lassen. Diese
griffen auch 30 Jahre lang gerne zu,
ehe der Schwindel aufflog. Ein Museumsmann erläutert im Film, warum
sich die Experten von dem wie ein
millionenschwerer Sammler auftretenden Landis, der selbst an finanzieller Bereicherung nicht interessiert war, täuschen ließen: «Er kannte unseren wunden Punkt: Kunst
und Geld.»
26. 10., 15.30 h, Urania
1. 11., 23 h, Urania
BALADNA ALRAHEEB
(OUR TERRIBLE COUNTRY)
Syrien/Libanon 2014, 85 Min, OmeU
R: Mohammad Ali Atassi, Ziad Homsi
Nach Monaten im Untergrund beschließt der syrische Dissident und
Publizist Yassin al-Haj Saleh im Sommer 2013, die Gegend um Damaskus
zu verlassen, während seine Frau,
die Menschenrechtsaktivistin Samira
Khalil, mit ihren Mitstreitern zurück-
bleibt. Es gelingt Saleh zwar, seine
Geburtsstadt Rakka zu erreichen,
dort aber haben inzwischen die
Dschihadisten der Terrorgruppe «Islamischer Staat» (IS) ihr syrisches
Hauptquartier aufgeschlagen. Kurz
nach Salehs Ausreise nach Istanbul
werden seine Frau und ihre Freunde
verschleppt. Ihr Verbleib ist bis
heute ungewiss. Ein tagebuchähnliches Roadmovie durch ein zerfallendes Land am Abgrund.
in anwesenheit von Mohammad
ali atassi.
25. 10., 15.30 h, Urania
26. 10., 13.30 h, Stadtkino im Künstlerhaus
THE BIG MELT
GB 2013, 70 Min, OF
R: Martin Wallace, Jarvis Cocker
BJÖRK – BIOPHILIA LIVE
GB 2014, 97 Min, OF
R: Nick Fenton, Peter Strickland
Björk, die in den 1980er Jahren als
Punk-Sängerin begann, entwickelte
sich im Verlauf ihrer Solokarriere
immer mehr zu einem Pop-Art-Gesamtkunstwerk, vor dem sogar Richard Wagner erblassen würde. «Biophilia», ihr vorerst letzter Streich,
verbindet in der Konzertversion
Elektronik und Chorgesang, absurde
Kostüme, Animationen und eine
ausgefeilte Lichtdramaturgie. Man
gewinnt den Eindruck, dass hier eine
Art heidnische «Wicker man»-Kultgemeinde ein rätselhaftes Naturritual
zelebriert. Das Universelle und das
Mikroskopische im Farbenrausch:
konzeptuelle Pop-Exzentrik auf die
Spitze getrieben!
in anwesenheit von peter Strickland.
3. 11., 23 h, Gartenbaukino
prOpOSiTiOnS
BRANCO SAI, PRETO FICA
(WHITE OUT, BLACK IN)
Dieser Film ist das Komplementärstück zur Doku PULP, welche die
gleichnamige britische Rockband in
ihr natürliches Soziotop Sheffield
einbettet. THE BIG MELT, für den
Pulp-Mastermind Jarvis Cocker die
Musik arrangierte, verhandelt denselben Lebens- und Arbeitsraum nun
mit anderen Mitteln. Er kombiniert
bunte Homemovies mit TV-Bildern,
Wochenschauen und Animationen
zu dichten Montagen, in denen 100
Jahre Industrie- und Alltagsgeschichte zu einem Epos in Laufbildern zusammenschmelzen. Aufstieg und
Niedergang der Stahlmetropole Sheffield: eine Reise in Klängen und Bildern mitten in die Seele der Nation.
30. 10., 11 h, Gartenbaukino
6. 11., 22 h, Metro, Eric Pleskow Saal
Brasilien 2014, 93 Min, OmeU
R: Adirley Queirós
Das Herz der Finsternis in diesem
Film ist ein rassistisch motivierter
Polizeiüberfall auf eine Tanzveranstaltung schwarzer Brasilianer im
Jahr 1986. Jahrzehnte später folgt
Adirley Queirós den Spuren einiger
Männer, die damals verwundet wurden und heute unter den Folgen leidend in Ceilândia, einem Slum der
Hauptstadt Brasília leben. Was eine
triste Elendsreportage hätte werden
können, entpuppt sich als faszinierende visuelle Komposition mit Science-Fiction-Elementen, die den Alltag der Betroffenen im Rhythmus
von Forró und Baile Funk wie ein absurdes Theaterstück von Beckett inszeniert.
in anwesenheit von adirley Queirós.
26. 10., 16 h, Metro, Großer Saal
27. 10., 11 h, Stadtkino im Künstlerhaus
25
Dokumentarfilme
BURROUGHS: THE MOVIE
USA/GB 1983/2014, 90 Min, OF
R: Howard Brookner
Während die Beat-Autoren Jack Kerouac und Allen Ginsberg Gefangene
ihrer Epoche blieben, sind der Ruhm
und die Aktualität von William S.
Burroughs nach seinem Tod noch gewachsen. So ist es ein Glück und ein
Geschenk, dass pünktlich zum 100.
Geburtstag des experimentellen Autors und Sinnzertrümmerers
(«Naked Lunch», «Nova Express»)
eine restaurierte Fassung der klassischen Burroughs-Dokumentation
des verstorbenen Regisseurs Howard
Brookner zu sehen ist. Onkel Bill rekonstruiert und dekonstruiert in dieser Mischung aus aktuellen Interviews und Archivmaterialien sein
Leben und Werk in schnarrender
Höchstform so lustvoll, dass man im
Wahnsinn die Methode erkennen
kann.
24. 10., 23.30 h, Stadtkino im Künstlerhaus
27. 10., 15.30 h, Gartenbaukino
EL COLOR QUE CAYÓ DEL CIELO
(THE COLOR OUT OF SPACE)
Argentinien 2014, 76 Min, OmeU
R: Sergio Wolf
Campo del Cielo – Feld des Himmels
heißt jener Landstrich in Argentinien, wo vor langer Zeit ein Meteor
einschlug. Seither sind die abenteuerlichsten Fantasien rund um den
Ort entstanden, die Jäger des verlorenen Schatzes haben ihn für sich entdeckt, die Einheimischen wissen von
Geheimnissen und ein amerikanischer Freak hat sogar versucht, einen
tonnenschweren Brocken außer Landes zu schaffen. Wie Drogendealer
erzählen Meteoritensammler, wie
Science-Fiction-Erfinder berichten
Wissenschaftler. Eine Geschichte aus
einer anderen Welt, die sich hier so
seriös wie komisch den erstaunten
Zusehern präsentiert.
in anwesenheit von Sergio Wolf.
26. 10., 12 h, Metro, Eric Pleskow Saal
28. 10., 18 h, Urania
CONCERNING VIOLENCE
CASSE
(SCRAP YARD)
F 2013, 90 Min, OmeU
R: Nadège Trebal
Ein Autoschrottplatz in Paris mutiert
in dieser musikalischen Freiluft-Choreografie zum Umschlagplatz von
Menschenleben, Begegnungen, Geschichten. Mit dem Schraubenzieher
über Motorhauben gebeugt kommen
hier Männer ins Gespräch, mit der
Filmemacherin, miteinander. Erzählen von Migration, Exil, Integrationsversuchen. Von ihren Sehnsüchten,
Gefühlen von Heimat, Freude und
Trauer. Während sie mit Werkzeug
und Fingerspitzengefühl das Innenleben nicht mehr fahrtüchtiger
PKWs auseinandernehmen, legen
sie bloß, was sonst ungesagt oder
ungehört bleibt. CASSE ist formal
wie inhaltlich ein seltenes Glück.
in anwesenheit von nadège Trebal.
28. 10., 18.30 h, Stadtkino im Künstlerhaus
29. 10., 13.30 h, Metro, Großer Saal
26
prOpOSiTiOnS
S/FIN/DK/USA 2014, 85 Min, OmeU
R: Göran Hugo Olsson
«Die Verdammten dieser Erde»,
Frantz Fanons Standardwerk der
Theorie der Entkolonialisierung,
trifft auf 16mm-Filmmaterial aus
schwedischen Fernseh-Archiven, das
zwischen 1966 und 1984 in afrikanischen Ländern im Umbruch aufgenommen wurde. Ein außerordentlich
kluger Essayfilm, der die Möglichkeiten der kinematografischen Technik
der Montage voll ausschöpft, um
eine komplexe Theorie emotional erfahrbar zu machen. Gegen Ende
kehrt sich die Perspektive schließlich
um, richtet sich nicht mehr der forschende Blick eines intellektuellen
Europäers auf Afrika, sondern der
Blick eines zur Erkenntnis gelangenden Afrikaners auf Europa.
24. 10., 23 h, Urania
30. 10., 20.30 h, Urania
THE DOG
USA 2013, 101 Min, OF
R: Allison Berg, Frank Keraudren
Die Geschichte eines kuriosen Bankraubes: 1972 stürmte der selbsternannte «bisexuelle Perverse» John
Wojtowicz mit zwei Komplizen eine
Bank in Brooklyn, um das Geld für
die Geschlechtsumwandlung seines
Lebensgefährten zu erbeuten. Die
Sache endete in einem Geiseldrama
und Hollywood machte daraus einen
Film (siehe S. 9). Im Interview mit
dem grandios-bizarren Wojtowicz rekonstruiert THE DOG den Ablauf der
Ereignisse und situiert sie zugleich
in den Umbruchsszenarien der Seventies: A time of crazy characters
and sexual liberation.
2. 11., 23 h, Urania
4. 11., 21 h, Stadtkino im Künstlerhaus
DOMINO EFFEKT
PL/D 2014, 76 Min, OmdU/OmeU
R: Elwira Niewiera, Piotr Rosołowski
Zwischen verfallenden Hotelpalästen und menschenleerem Schwarzmeerstrand sehnen sich Rafael und
die aus Russland stammende Opernsängerin Natascha in dem von der
Weltöffentlichkeit auch zwei Jahrzehnte nach der Abspaltung von
Georgien nicht anerkannten Abchasien nach einem Neuanfang. Während Rafael als Sportminister mit der
Organisation der Domino-Weltmeisterschaft versucht, seinem Land Bedeutung zu verleihen, verzweifelt
seine Gefährtin zusehends an der sozial erstarrten Gesellschaft. Unangestrengt changiert der Film zwischen
Lakonie, Melancholie und tragikomischer Grundierung, verwebt Privates
und Politisches zu hoher dokumentarischer Stringenz.
in anwesenheit von elwira niewiera und
piotr rosołowski.
25. 10., 16 h, Metro, Großer Saal (OmdU)
27.10., 12 h, Metro, Eric Pleskow Saal (OmeU)
FAROCKI
USA 2014, 77 Min, stumm
R: James Benning
Ein Stück Himmel für Harun Farocki:
eine gewaltige, sich so langsam wie
bestimmt daherrollend auftürmende, im Licht wiegende, strahlende
wie transluzente, auf dem Sonnenschein sich räkelnde, gemächlich
wandelnde Wolke. Eine Einstellung,
so verlangsamt, dass man auch die
kleinste Veränderung in diesem Moment Leben einer Naturerscheinung
studieren, darin versinken kann.
Eine Erinnerung auch an die Utopie
Kino: dass man nämlich die Welt genauer betrachten und deshalb in
einer sinnstiftenden Weise verändern kann. Ein Bild also für das,
wovon Farocki überzeugt war, was er
praktizierte, uns weitergab.
(Siehe auch S. 42: Tribute Harun
Farocki)
am 5.11. in anwesenheit von
James benning.
5. 11., 18.30 h, Stadtkino im Künstlerhaus
6. 11., 15 h, Metro, Eric Pleskow Saal
Kris Kristofferson, Judy Collins, Arlo
Guthrie und vielen anderen sowie
mit rarem Archivmaterial an eine
Szene, die aus linker Politik und Joie
de vivre eine Gegenkultur formte, die
die Autoritäten provozierte und die
Welt verzauberte.
in anwesenheit von laura archibald.
24. 10., 13 h, Gartenbaukino
25. 10., 16 h, Stadtkino im Künstlerhaus
FLÜSSE TÄLER BERGE
HAMS AL MOODUN
(RIVERS VALLEYS MOUNTAINS)
D 2014, 41 Min, OmeU
R: Marco Kugel
Dreistellige Millionensummen soll
ein «Schienenkartell» zwischen 2001
und 2011 durch illegale Preisabsprachen eingenommen haben. Nur in
dieser lukrativen Zeitspanne interessierte sich der österreichische VöestKonzern für das zugekaufte Schienenwerk in Duisburg, das letzte in
Deutschland. Als dokumentarischkonkretes Requiem um diese eine
Werkschließung angelegt, erweitert
der mittellange Film seinen Ausblick
auf eine seit 200 Jahren von Industriearchitektur und Arbeitskämpfen
geprägte Region mit höchst ungewisser Zukunft. Als Kamerawagen dient,
nicht zum Schaden der Sache, zumeist – der Zug.
in anwesenheit von Marco Kugel.
Mit ATLANTIS
29. 10., 17 h, Metro, Eric Pleskow Saal
31. 10., 11 h, Metro, Großer Saal
GREENWICH VILLAGE:
MUSIC THAT DEFINED A GENERATION
Kanada /USA 2012, 92 Min, OF
R: Laura Archibald
In der Popkultur gibt es einen Wasserscheide-Moment: Jenen Auftritt
von Bob Dylan im Jahr 1965, als er
die Bühne mit einer elektrischen Gitarre betrat und die Folk Community
nachhaltig verstörte. Danach explodierte die Musik in einem psychedelischen Regenbogen. Davor aber regierte der Protestsong zur akustischen Gitarre in einem kleinen Viertel in New York City. Diese fulminante Doku erinnert in Interviews mit
(WHISPERS OF THE CITIES)
Irak/GB 2013, 62 Min, OmeU
R: Kasim Abid
Drei Städte, mit denen die Welt den
Begriff Ausnahmezustand verbindet,
in denen der Regisseur gelebt und
wo er von seiner Wohnung aus die
Kamera auf die Straße gerichtet hat:
Ramallah, Bagdad und das kurdische Erbil. Man sieht und hört, dass
es sich um Kriegsgebiete handelt,
wenn Ausgangssperren verkündet
werden und die allgegenwärtigen
Ambulanzwagen durchs Bild rasen.
Der Balkonfilmer jedoch interessiert
sich vor allem für das alltägliche Geschehen vor dem Haus. Es ist der
Wunsch nach einem friedlichen Alltag, der hinter dieser kommentarlosen audiovisuellen Meditation spürbar wird, wo auch ein Platzregen das
Ereignis des Tages bleiben darf.
Mit 23RD AUGUST 2008
24. 10., 16 h, Metro, Großer Saal
6. 11., 14 h, Stadtkino im Künstlerhaus
HE BÛ TUNE BÛ
(ONCE UPON A TIME)
THE IRON MINISTRY
China/USA 2014, 82 Min, OmeU
R: J.P. Sniadecki
Sniadecki, geschult in der Dokumentarfilmklasse des Harvard Sensory
Ethnography Lab, hat lange in China
gelebt, das Land kreuz und quer mit
der Bahn bereist und die Ernte dieser
ethnografischen Streifzüge zu einem
vielschichtigen und abwechslungsreichen Film verdichtet. Der ganze
Kosmos dieses noch immer geheimnisvollen und manchmal unverständlichen Teils der Welt entfaltet
sich hier am Beispiel aller nur vorstellbaren Ausprägungen von Menschen, ihren Mühen und Geschichten, ihren Hoffnungen und Erwartungen, dazwischen die schweren
Gepäckstücke, kleine Kinder, strenge
Bahnbeamte und herumfliegende
Hühner. Und draußen das riesige,
weite, fremde Land.
in anwesenheit von J. p. Sniadecki.
28. 10., 14 h, Metro, Großer Saal
30. 10., 14.30 h, Metro, Eric Pleskow Saal
prOpOSiTiOnS
JOÃO BÉNARD DA COSTA – OUTROS
AMARÃO AS COISAS QUE EU AMEI
(JOÃO BÉNARD DA COSTA – OTHERS
WILL LOVE THE THINGS I LOVED)
Türkei 2014, 81 Min, OmeU
R: Kazim Öz
Wie kommt der Salatkopf in den Supermarkt in Ankara? Er wird im Umland der Hauptstadt angebaut, auf
riesigen Feldern, auf denen vorwiegend kurdische Wanderarbeiter, darunter viele Kinder, schlecht entlohnt und ohne Versicherung unter
Bedingungen, die der Sklaverei nicht
unähnlich sind, bis zur Erschöpfung
schuften. Wie jedes Jahr kommt auch
die vielköpfige Familie Calar aus
ihrem Heimatdorf Batman auf diese
Felder, um den kargen Lebensunterhalt aufzubessern. Diesmal aber verlaufen die arbeitsreichen Monate
etwas anders als sonst, diesmal
bahnt sich eine Liebesgeschichte
ihren Weg in die Wirklichkeit. Und
auch das gehört zur Herkunft des Salatkopfes.
P 2014, 75 Min, OmeU
R: Manuel Mozos
João Bénard da Costa war eine Legende des portugiesischen Kinos
und in gewisser Weise der Vater ganzer Generationen von Filmemachern. Er war über viele Jahre Leiter
der Portugiesischen Kinemathek. Ein
konservativer Revolutionär, ein Bewahrer und Überlieferer. In seinem
Porträtfilm zeichnet Manuel Mozos
in einer Folge von Dokumenten, Gesprächen, Erinnerungen ein überreiches Bild von aufregender Unmittelbarkeit und Gegenwart – und lässt
diesen außergewöhnlichen Menschen lebendig und nahe erscheinen. Alles andere als ein Film für
Spezialisten. Ein Film für alle, die
das Kino schätzen.
in anwesenheit von Manuel Mozos.
25. 10., 14.30 h, Metro, Eric Pleskow Saal
27. 10., 15.30 h, Urania
29. 10., 12 h, Metro, Eric Pleskow Saal
30. 10., 18.30 h, Metro, Großer Saal
27
Dokumentarfilme
JOURNEY INTO A FOG.
ARTUR BERGER – FILMARCHITEKT
A 2014, 85 Min, OmdU/OmeU
R: Christian Dewald, Werner Michael
Schwarz
spiels. Ein wichtiger, in seiner konzentrierten Form hochaktueller Justizfilm ohne Ortsbeschränkung.
in anwesenheit von eszter hajdu
und Sandor Karoly Mester (produzent).
5. 11., 21 h, Metro, Großer Saal
6. 11., 12 h, Metro, Eric Pleskow Saal
MA’A AL-FIDDA
(SILVERED WATER, SYRIA SELF-PORTRAIT)
Der aus einer jüdischen Wiener Familie stammende Artur Berger ist als
Filmarchitekt für die Sascha-Film
tätig, aber ebenso verantwortlich für
die Regie agitatorischer und aufklärerischer Propaganda für ein Rotes
Wien. Als er 1936 in die Sowjetunion
reist, wird er von der Geschichte eingeholt und arbeitet fortan viele Jahre
im russischen Kino. Es ist eine exemplarische, Biografie, die in diesem
materialreichen und genau recherchierten Film sichtbar wird. Ein
Leben und Werk, in dem Preminger
ebenso vorkommt wie Pudovkin
oder Barnet, der Wiener Gemeindebau wie das Moskauer Hochhaus.
«Gelobt sei», hat ein berühmter Zeitgenosse Bergers gesagt, «was die Erinnerung wach hält».
in anwesenheit von Christian Dewald,
Werner Michael Schwarz und aleksandr
berger.
2. 11., 18.30 h,
Stadtkino im Künstlerhaus (OmdU)
3. 11., 12 h, Metro, Eric Pleskow Saal (OmeU)
F/Syrien 2014, 92 Min, OmeU
R: Ossama Mohammed, Wiam Simav
Bedirxan
Mohammed, syrischer Filmemacher,
seit 2011 im Pariser Exil, destilliert
aus ungezählten Bildquellen der
Henker wie der Opfer eine unerhörte, die Grenzen des Zeigbaren überschreitende, verzweifelte Poetik der
Grausamkeit. Aus der Mitte dieser
apokalyptischen Welt heraus kommt
es zur wundersamen Zusammenarbeit mit einer kurdischen Lehrerin
im zerbombten Homs. Ohne ihren
Mut, ohne ihre eigenen Bilder und
ihre ungebrochene Menschlichkeit
wäre dieses todtraurige Meisterwerk
aus der Hölle des gegenwärtigen
Nahen Ostens schier undenkbar, unsehbar. Sie heißt mit Vornamen
Simav, kurdisch für «Versilbertes
Wasser» und fragt:»Wenn Ihre
Kamera hier wäre, was würden Sie
filmen?»
24. 10., 20.30 h, Urania
30. 10., 15.30 h, Urania
MAIDAN
NL/Ukraine 2014, 133 Min, OmeU
R: Sergei Loznitsa
JUDGMENT IN HUNGARY
HU/D/PL 2013, 112 Min, OmeU
R: Eszter Hajdu
Diese packende Dokumentation
wurde während eines zweieinhalbjährigen Prozesses gegen vier rechtsextreme Mörder in Ungarn fast ausschließlich innerhalb des Gerichtsgebäudes gedreht. Nicht erst, wenn
selbst der zum Tatort gerufene Sanitäter als Zeuge behauptet, er habe
die Schusswunde im Gesicht eines
bestialisch ermordeten Roma-Kindes
nicht erkennen können, wird deutlich, wie abgrundtief verbreitet rassistische Überzeugungen in der Bevölkerung und bei den Ermittlungsbehörden sein müssen. Vor den feistverstohlen nach Zustimmung suchenden Blicken der Angeklagten
wird der Richter mehr und mehr zur
nach allen Seiten hin strengen
Hauptfigur dieses düsteren Kammer28
de Revolutionspanoramen aus der
Perspektive der demonstrierenden
Massen. Bewusst Partei ergreifend
gibt der Film auch einen Blick auf
die nationalreligiös aufgeladenen
Pathosformeln des Umsturzes frei.
25. 10., 20.30 h, Urania
26. 10., 13 h, Gartenbaukino
THE MANY FACES
OF COMRADE GELOVANI
prOpOSiTiOnS
Georgien/USA 2014, 67 Min, OmeU
R: Mikheil Antadze
Michail Georgijewitsch Gelowani war
ein nicht weiter erfolgreicher georgischer Schauspieler, bis ihm die Rolle
seines Lebens zufiel. Vom Ende der
1930er Jahre bis zu seinem Tod 1956
stellte Gelowani eine einzige Figur
dar: Stalin. In einer Folge von Propagandafilmen, Biopics, politischen
Lehrstücken und Heldenepen spielte
er auf ausdrücklichen Wunsch Stalins nur diesen einen Part – den großen Vater und Führer des Sowjetvolkes in allen Altersstufen. Und in
knapp einer Stunde können wir in
diesem außergewöhnlichen FoundFootage-Film, in dieser Kompilation
von höchster Dichte und wilder
Verve «the making of a myth» erleben. Mehr Stalin als Stalin selbst jemals war.
24. 10., 22 h, Metro, Eric Pleskow Saal
6. 11., 20.30 h, Urania
LA MARCHE À SUIVRE
(GUIDELINES)
Von Dezember 2013 bis Februar
2014 richtet Loznitsa seine Kamera
auf den Kiewer Unabhängigkeitsplatz. In kühnen, die handelsübliche
Reportageästhetik kontrastierenden
Einstellungen verdüstert sich die Atmosphäre aus fast karnevalesk anmutenden Anfängen zu den gewaltsamen Szenen unmittelbar vor der
Absetzung des Präsidenten. Loznitsa
verzichtet auf genretypische Verfahren wie Interviews oder hervorgehobene Protagonisten. Stattdessen gelingen ihm an Delacroix gemahnen-
Kanada 2014, 74 Min, OmeU
R: Jean-François Caissy
Die jungen Leute sind in jenem
schwierigen Alter zwischen Kindheit
und Erwachsensein, in dem Himmel
und Hölle nahtlos ineinander übergehen: Die Zeit vergeht, nichts passiert, also macht man Ärger oder
nimmt Drogen. Dann sprechen sie
mit sozialpädagogisch geschultem
Personal, das versucht, bei der Entscheidungsfindung «rechter Weg»
oder «schiefe Bahn» sanft behilflich
zu sein. Was diese kunstvoll strukturierten Beobachtungen an einer
Oberschule in der kanadischen Pro-
schen Triumph und Niederlage. Leos
Carax sei ein Poète maudit der Leinwand, sagt sein Kollege Harmony Korine: «Er ist der Vertreter einer
schwarzen Romantik, einer Romantik des Todes.»
27. 10., 13.30 h, Metro, Großer Saal
29. 10., 23 h, Urania
ten und Dynamik des Betrachtenden, von Bilderrahmen, Bildganzem
und Bilddetail. Und schon stellt sich
die Frage: Wer schaut hier eigentlich
wen an?
25. 10., 14 h, Gartenbaukino
28. 10., 12 h, Urania
NATURAL HISTORY
vinz zeigen, ist ein kleiner, aber eminent wichtiger Teil einer vom Aussterben bedrohten Struktur: die moralische Schulung des Nachwuchses
einer funktionierenden demokratischen Zivilgesellschaft.
3. 11., 16 h, Stadtkino im Künstlerhaus
6. 11., 15.30 h, Urania
MY NAME IS SALT
Indien/CH 2013, 92 Min, OmdU/OmeU
R: Farida Pacha
Jedes Jahr ziehen rund 40.000 Familien aus ihren Dörfern in die indische Salzwüste von Kutch, um dort
das weißeste Salz der Welt zu gewinnen. Sie pumpen das Wasser unter
der rissigen Erdkruste an die Ober-
prOpOSiTiOnS
MING OF HARLEM:
TWENTY ONE STOREYS IN THE AIR
GB/USA/B 2014, 71 Min, OF
R: Phillip Warnell
Der Alligator hieß Al, der Tiger Ming.
Gemeinsam mit Antoine Yates wohnten die beiden ausgewachsenen
Raubtiere in einem im 21. Stockwerk
gelegenen mittelgroßen Apartement
in den Drew Hamilton Housing Projects in Harlem, New York. Bis die
Polizei eingriff. In Warnells aufs Abstrakte zielender Rekapitulation dieses ungewöhnlichen Sachverhaltes
trifft die Verwunderung des Tiers
über die Fremdartigkeit seiner Umgebung auf unsere Verwunderung
über die Fremdartigkeit des Tiers in
dieser Umgebung. Originalmaterial,
Erinnerungen und eine überzeugende Versuchsanordnung mit Wildtierbeteiligung lassen einander fremde
Teile einer doch gemeinsamen, geteilten Welt sanft miteinander kollidieren.
24. 10., 15.30 h, Urania
27. 10., 11 h, Metro, Großer Saal
MR LEOS CARAX
(MR X)
F 2014, 72 Min, OmeU
R: Tessa Louise-Salomé
Leos Carax war in den 1980er Jahren
der Wunderknabe des französischen
Kinos: Der Schöpfer von LES
AMANTS DU PONT-NEUF, POLA X,
zuletzt HOLY MOTORS hatte, so zeigt
die Dokumentation, nichts weniger
im Sinn als die Neuschöpfung der
Filmkunst aus dem Geist einer visuellen Poesie: wenige Worte, wuchtige, manchmal maßlose Bilder, Gefühle, angespannt bis zum hysterischen Nervenlauf. Ein Hochseilakt
zwischen Genie und Wahnsinn, zwi-
fläche, wo es in großen Wannen langsam verdampft, einen Schatz zurücklassend. Über mehrere Monate
erzählt MY NAME IS SALT die Geschichte einer Familie, die hier wie
auf dem Mond lebt und ihre so eigenartige Lebens- und Arbeitsweise
mit einer fast meditativen Gelassenheit pflegt. Bis der nächste Monsun
kommt und die Wüste neuerlich in
ein Meer verwandelt.
in anwesenheit von farida pacha und
lutz Konermann (produzent/Kamera).
1. 11., 18.30 h,
Stadtkino im Künstlerhaus (OmdU)
3. 11., 13 h, Gartenbaukino (OmeU)
NATIONAL GALLERY
F/USA 2014, 174 Min, OF
R: Frederick Wiseman
Wiseman geht ins Museum. Die Londoner National Gallery hat dem Institutionen-Porträtmaler mit der Kamera Tür und Tor geöffnet und der
hat nicht nur die Vorgänge hinter
den Kulissen, die Mechanik der kulturvermittelnden Einrichtung, in den
Blick genommen, sondern sich auch
die Bilder angesehen. Und dabei
wiederum nicht nur den Weg des Gemäldes von Magazin oder Werkstatt
bis zu Hängung und Lichtsetzung
nachvollzogen, nein, das Gemälde
selbst betrachtet. Mitten hinein geht
es nun ins faszinierende Spannungsfeld zwischen Statik des Betrachte-
USA 2014, 77 Min, kein Dialog
R: James Benning
Auf seine Weise ist James Benning
auch ein Sammler, ein Archivar, ein
Kartograf und ein Naturforscher. Wie
sehr müssen ihn die endlosen Lagerräume, unterirdischen Geschoße
und Sammlungen des Wiener Naturhistorischen Museums fasziniert
haben, in die ihn der Museumsdirektor lockte. Das Ergebnis dieser Faszination und Bennings geradezu legendärer Neugier und Geduld ist
diese wundersame Dokumentation
zwischen kühler Aufzeichnung und
geheimnisvollem Gothic-Movie,
sanft und insistierend, ein IndoorBenning und zugleich, wie der Filmemacher sagt, «eine Landschaftsaufnahme».
in anwesenheit von James benning und
Christian Köberl (nhM).
4. 11., 13.30 h, Gartenbaukino
NEPAL FOREVER
RUS/Nepal 2013, 89 Min, OmeU
R: Aliona Polunina
Sergei und Viktor, Funktionäre einer
radikal traditionsverhafteten, d.i.
konservativen aka rückwärtsgewandten, kommunistischen Splittergruppe reisen – in Ermangelung
sinnvoller Tätigkeiten in ihrer Heimat St.Petersburg – nach Nepal: Die
dortigen Genossen benötigen Hilfe.
Es gilt, das Zerwürfnis zwischen der
marxistisch-leninistisch und der
maoistisch ausgerichteten kommunistischen Partei zu kitten, um die
Sache der Weltrevolution voranzubringen. Während die nepalesischen
Politiker nicht wissen, wie ihnen geschieht, protestieren die russischen
Alt-Kommunisten gegen die Schippe,
auf die Don Quixote und Sancho
Pansa sie nehmen wollen. Politische
Teilhabe als dokumentarische Groteske.
in anwesenheit von aliona polunina.
5. 11., 18 h, Urania
6. 11., 16 h, Metro, Großer Saal
29
Dokumentarfilme
NON-PIC-TION-DAI-ARY
(NON-FICTION DIARY)
Südkorea 2013, 93 Min, OmeU
R: Jung Yoon-suk
«Kill the rich!», lautete die Proklamation des Jijon Clans, dessen politisch
motivierte Mordserie an fünf vermeintlich reichen Schnöseln 1994
die mit Turbogeschwindigkeit sich
verändernde südkoreanische Gesellschaft entsetzte. Die nächsten Erschütterungen folgten im Jahr darauf
mit dem Pfusch-am-Bau-geschuldeten Einsturz sowohl des Sampoong
Einkaufszentrums als auch der Seongsu Brücke. Traumatische Ereignisse, die ein ebenso bedeutungsvolles wie sorgsam verdrängtes Kapitel
der (Mentalitäts-)Geschichte Südkoreas bilden; von der akribischen Detektivarbeit des Dokumentaristen
zutage gefördert und in den Kontext
von Industrialisierung und Ende des
Militärregimes gestellt.
27. 10., 13.30 h, Stadtkino im Künstlerhaus
4. 11., 14.30 h, Metro, Eric Pleskow Saal
ONE DAY SINCE YESTERDAY:
PETER BOGDANOVICH &
THE LOST AMERICAN FILM
USA 2014, 118 Min, OmdU
R: Bill Teck
Peter Bogdanovich bezeichnet den
1980 in New York entstandenen
THEY ALL LAUGHED als seine Lieblingsarbeit, wobei sich um Werk und
Entstehung so viele Mythen ranken
wie um kaum ein anderes im amerikanischen Kino jener Zeit. Der Film
war eine Liebeserklärung an die
Stadt, er war eine atemlose
Screwball-Comedy und zugleich ein
verspielter Liebesbrief an Bogdanovichs Freundin Dorothy Stratten. Als
Stratten kurz nach Drehende ermordet wurde, ging über THEY ALL
LAUGHED ein dunkler Stern auf.
Eine Geschichte, die hier zum ersten
Mal erzählt wird. Mit Details und
Wendungen, die wieder ein unglaublicher Film für sich sind.
in anwesenheit von bill Teck.
27. 10., 20.30 h, Stadtkino im Künstlerhaus
28. 10., 11 h, Metro, Großer Saal
30
OUTTAKES FROM THE LIFE
OF A HAPPY MAN
USA 2013, 68 Min, OF
R: Jonas Mekas
Die Filme des heute 92-jährigen
Mekas lassen sich auch als eine fröhliche Wissenschaft der Epiphanie,
eine unentwegte Feier des augenblicklichen Daseins lesen. Nun sitzt
der Pionier des Tagebuchfilms wieder in seinem Schneideraum an
einem womöglich letzten Film «ohne
Absicht, ohne Zweck». Versprengte
Bilder aus seinem Leben blitzen auf,
keiner dramaturgischen Engführung
unterworfen. Es sind diese Bilder,
die real vorliegen, hört man den greisen Meisters sagen, nicht die Erinnerungen. Die Lichtspuren der Nacht –
das ist seine Zeit, jetzt ist er hellwach: «Die Einsamkeit des Filmers.
Auf die Nacht warten, wenn alle anderen in der Stadt schlafen.»
des holländischen Dokumentaristen
eine seiner unmittelbarsten, geradezu agitatorisch, parteiisch und bis
heute ein wesentliches historisches
Dokument zur palästinensischen
Frage. Den Film im gegenwärtigen
Kontext wieder zu sehen, ist geradezu gespenstisch.
Mit SCHAKALE UND ARABER
3. 11., 16 h, Metro, Großer Saal
4. 11., 11 h, Stadtkino im Künstlerhaus
PAROLE DE KAMIKAZE
(I, KAMIKAZE)
F 2014, 75 Min, OmeU
R: Sawada Masa
Mit TIGER MORSE …
1. 11., 13.30 h, Stadtkino im Künstlerhaus
5. 11., 11 h, Stadtkino im Künstlerhaus
THE OVERNIGHTERS
USA 2014, 100 Min, OF
R: Jesse Moss
Unbehauste auf der Suche nach
einem Schlafplatz und einer vielleicht letzten Chance strömen in die
Kirchenräume einer Kleinstadt im
Ölrausch. Doch auch den Geläuterten folgt überallhin ihr Strafregister
als unauslöschlicher digitaler Schatten. Ein barmherziger Pastor liegt im
Clinch mit der skeptischen Gemeinde und seinen eigenen inneren Dämonen: «We are all broken.» Die
menschlichen Altlasten lagern tiefer
als die schmierigen Ölsände von
North Dakota in dieser uramerikanischen Geschichte aus der FrackingZone verletzter Seelen. Die «Früchte
des Zorns» einer gespaltenen Gesellschaft in Nahaufnahme.
24. 10., 18.30 h, Metro, Großer Saal
30. 10., 11 h, Stadtkino im Künstlerhaus
DE PALESTIJNEN
(THE PALESTINIANS)
NL 1975, 43 Min, OmeU
R: Johan van der Keuken
«Mein Film über die Palästinenser
war eine unmittelbare Reaktion auf
aktuelle politische Geschehnisse», so
Johan van der Keuken, «ich habe
nicht versucht, eine filmische Reflexion zu formulieren. Das war eine
wichtige moralische Entscheidung
und vielleicht auch eine wichtige politische.» Tatsächlich ist diese Arbeit
«The airplane was all the rage», sagt
der alte Japaner, und dann erzählt er,
wie er sich als junger Mann freiwillig
für die erste Kamikaze-Staffel der
kaiserlichen japanischen Armee gemeldet hat. Eigentlich habe er selbst
fliegen wollen, so Fujio Hayashi,
doch es kam anders. Seine Aufgabe
wurde – und blieb bis zum Schluss –
das Einteilen der Piloten, das Verhängen von Todesurteilen. Das
nüchterne Setting der Interviewsituation, in der Sawada Hayashi berichten lässt, verleiht dessen sorgsam bedachten Schilderungen erschütternde Eindrücklichkeit. Viel
Zeit ist vergangen, die Wunden des
alten Soldaten hat sie nicht geheilt.
27. 10., 23 h, Urania
1. 11., 14.30 h, Metro, Eric Pleskow Saal
PULP: A FILM ABOUT LIFE,
DEATH AND SUPERMARKETS
GB 2014, 90 Min, OF
R: Florian Habicht
In den 1990er Jahren war die britische Band Pulp mit dem charismatischen Frontman Jarvis Cocker so
etwas wie das Pop-Zentralorgan der
einfachen Leute – die Working-ClassAlternative zu Blur. Florian Habicht
unternimmt anlässlich der triumphalen Abschiedsshow der Band im
Jahr 2012 in Sheffield, der Stadt ihrer
Herkunft, eine filmische Recherche:
Inmitten von sorgfältig komponierten Bildern, die Architektur und urbanes Leben im britischen Hinter-
des filmisches Memento mori –
ernst, informativ, befreiend auch.
in anwesenheit von Stéphane batut.
Mit OIDHCHE SHEANCHAIS
31. 10., 13.30 h, Stadtkino im Künstlerhaus
1. 11., 19.30 h, Metro, Eric Pleskow Saal
THE SEARCH FOR WENG WENG
Australien/Philippinen 2013, 93 Min, OmeU
R: Andrew Leavold
RED ARMY
land zelebrieren, kommen nicht nur
die Bandmitglieder zu Wort, sondern
auch jene «common people», die
immer Adressaten der Songs von
Pulp waren. This is Hardcore!
in anwesenheit von florian habicht.
24. 10., 23 h, Gartenbaukino
26. 10., 13.30 h, Metro, Großer Saal
QUE TA JOIE DEMEURE
(JOY OF MAN’S DESIRING)
Kanada 2013, 70 Min, OmeU
R: Denis Côté
Eine Allegorie der Arbeit habe er mit
diesem Film im Sinn gehabt, sagt
Côté, doch auf der Suche nach definitiven Aussagen über den ontologischen Charakter dieser die Identität
der Menschheit bestimmenden,
Mehrwert schaffenden Tätigkeit sei
er nicht gewesen. Dementsprechend
frei ist die ZuschauerIn in der Rezeption und Interpretation der Bilder:
Szenen, die Arbeiterinnen und Arbeiter in der Fabrik und an schwerem Gerät zeigen, die von der sehr
persönlichen Bindung zwischen den
Menschen und «ihren» Maschinen
künden und von der Sicherheit vermittelnden Vertrautheit und befriedigenden Routine der (Selbst-)Ausbeutung. Zeit für eine Pause.
USA/RUS 2014, 85 Min, OmdU
R: Gabe Polsky
Eine dokumentarische Recherche
über Rolle und Geschichte der legendären sowjetischen Eishockey-Nationalmannschaft, die sich als eine Art
Komödie des Kalten Krieges entpuppt oder eine Spionage-Geschichte oder ein politisches Lehrstück.
Viele Jahre lang diente die Stärke des
russischen Eishockey als ideologischer Beweis, als Beispiel politischer
Überlegenheit und Stärke. Welch
seltsame Blüten das trieb und welche weltpolitischen Verunsicherungen das stiftete, entfaltet dieser Film
auf höchst vergnügliche und lehrreiche und manchmal absurde Weise.
3. 11., 21 h, Metro, Großer Saal
5. 11., 15.30 h, Gartenbaukino
REVOLUÇÃO INDUSTRIAL
(INDUSTRIAL REVOLUTION)
P 2014, 73 Min, OmeU
R: Frederico Lobo, Tiago Hespanha
SOBRE LA MARXA
(THE CREATOR OF THE JUNGLE)
5. 11., 18.30 h, Metro, Großer Saal
6. 11., 19.30 h, Metro, Eric Pleskow Saal
LE RAPPEL DES OISEAUX
(THE CALL OF THE BIRDS)
F 2014, 41 Min, OmeU
R: Stéphane Batut
Als zahlender Tourist filmt Stéphane
Batut im osttibetischen Hochland bei
Litang eine traditionelle Totenzeremonie, bei der die Leichen den Aasgeiern zum Fraß vorgeworfen werden. In der Reflexion über das auch
mit der Scham des Eindringlings Erlebte, über das eigene Verhältnis
zum Tod und seinen Bilderverboten
entfaltet sich eine nachgeholte Totenwache. Die ruhige Stimme eines
tibetischen Gesprächspartners, tatsächlich zusammengesetzt aus vielen Einzelbegegnungen, öffnet den
Raum für ein kulturüberschreiten-
Als «Miniaturmensch» beschreibt
ihn einer seiner Kollegen: Ernesto de
la Cruz, 83 Zentimeter hoch, der Anfang der achtziger Jahre unter dem
Namen Weng Weng in philippinischen James-Bond-Parodien für Furore sorgte. Auf kurzzeitigen Weltruhm folgt Vergessenheit, in der Leavold mit der einem Nerd gebührenden Hartnäckigkeit nach Spuren
fischt und aus der er nach und nach
Fragmente eines nicht eben glücklich verlaufenden Lebens zutage fördert. Dabei darf Imelda Marcos unwidersprochen über die guten alten
Zeiten reminiszieren und liefert, vermutlich unfreiwillig, den tragischen
Kontext, in dem das Dasein des Hofnarren steht.
30. 10., 23.30 h, Stadtkino im Künstlerhaus
1. 11., 16 h, Metro, Großer Saal
Der Fluss Ave im nördlichen Portugal
ist nicht mehr die industrielle Lebensader eines Landes, in dem heute
«die ideale Fabrik die Kostenstruktur
eines Drittweltlandes haben muss».
Wo es noch Arbeit gibt, rattern die
Maschinen in menschenleeren Websälen. Anderswo kehren die ehemaligen Bosse in den Erzählungen der
Entlassenen als nächtliche Gespenster zurück. Jugendliche Skater bauen
ihre Halfpipes auf dem Vogeldreck
verfallender Industriehallen. Ein
sanft flüsternder Bootsmann geleitet
diesen gelassen-melancholischen
Filmessay auf seinem Weg zum Meer
durch die Flussbänke, die als Einzige
ihre Zukunft noch nicht hinter sich
zu haben scheinen.
28. 10., 15.30 h, Urania
6. 11., 18.30 h, Metro, Großer Saal
E 2014, 77 Min, OmeU
R: Jordi Morató
Ein moderner Wilder, der sich die
Erde untertan macht? Ein Spinner?
Einer der bedeutendsten Vertreter
der Art Brut? In jedem Sinne und auf
jeden Fall ein freier Mann ist Josep
Pujiula aka Garrell, der in seinem eigenen, kunstvoll errichteten Lebenstheater «Tarzan wider die zerstörerischen Kräfte der Zivilisation» spielt,
während eine Stimme aus dem Off
das wilde Treiben vor der Kamera
sortiert. Angesiedelt ist das seltsame
Land in einem Wald in Katalonien,
wo Garrell seit 45 Jahren unermüdlich und so stur wie gut gelaunt Labyrinthe, Baumhäuser, Wunderwerke baut – und wieder einzureißen
gezwungen ist – und erneut aufbaut.
Undsoweiter. So ist das Leben. Die
Welt braucht Menschen wie Garrell!
25. 10., 13 h, Urania
28. 10., 21 h, Stadtkino im Künstlerhaus
31
Dokumentarfilme
SONG FROM THE FOREST
D/Zentralafrik. Republik/USA 2013
96 Min, OmeU
R: Michael Obert
Seit 25 Jahren lebt Louis Sarno bei
den Bayaka-Pygmäen im zentralafrikanischen Regenwald; er hatte ihre
Musik einst im Radio gehört, sich
auf den Weg gemacht und war hängengeblieben. Mittlerweile hat er
einen 13-jährigen Sohn, mit dem er
nun, um ein Versprechen zu erfüllen,
in seine alte Heimat New York reist.
Da krachen natürlich die Kontraste –
Großstadtdschungel heißt es schließlich nicht umsonst – und die Frage,
wer wo das bessere Leben hat, beantwortet sich rasch und leicht. Die
üblichen Klischees jedoch bedient
Obert in seinem Regiedebüt nicht, zu
aufmerksam und dabei doch gelassen ist sein Blick, zu scharf vor allem
ist sein Gehör.
in anwesenheit von Michael Obert.
1. 11., 18 h, Urania
4. 11., 20.30 h, Urania
STÄDTEBEWOHNER
D 2014, 82 Min, OmeU
R: Thomas Heise
Etwa 200 Insassen zählt die «Comunidad de Tratamiento Especializado
para Adolescentes», eine Einrichtung
des Strafvollzugs in San Fernando,
Mexico City. Zweihundert, die unter
Jugendstrafrecht verurteilt wurden,
die die Anstalt als junge Männer Anfang zwanzig verlassen werden und
bei denen Hopfen und Malz noch
nicht verloren ist. Hoffen zumindest
die Verantwortlichen und legen Wert
auf Angebote zur Resozialisierung.
Heise nimmt drei der Bewohner in
den Fokus, hört ihren Reflexionen
über die verbrecherische Vergangenheit und ihren Hoffnungen auf die
Zukunft zu. Absurde Erkenntnis: Mitten im von Drogenkriegen zerrissenen Mexiko wird ein Gefängnis zur
Oase.
in anwesenheit von Thomas heise.
24. 10., 21 h, Stadtkino im Künstlerhaus
STRAY DOG
USA 2014, 105 Min, OF
R: Debra Granik
SONGS FROM THE NORTH
USA/Südkorea/P 2014, 72 Min, OmeU
R: Soon-mi Yoo
Nordkoreas Einsamkeit liegt begründet in einer Staatsideologie, die außerhalb des Landes nicht anschlussfähig ist. Dies die These der aus Südkorea stammenden, in den USA lebenden Filmemacherin, die in einer
Kombination unterschiedlichsten Archivmaterials und eigener Aufnahmen, die während dreier Reisen entstanden sind, der propagandistischen wie der alltagskulturellen Bilder- und Ideenwelt des abgeschotteten Landes auf die Spur kommen
will. «Als hätte jemand in der BRD
einen Film gemacht, der die DDR von
innen her zu verstehen versucht»,
schreibt Bert Rebhandl. Um aus der
Distanz heraus und mit nüchternem
Blick, so ließe sich ergänzen, das befremdliche Rätsel des Anderen zu
lösen.
in anwesenheit von Soon-mi Yoo und
haden Guest (produzent).
28. 10., 20 h, Metro, Eric Pleskow Saal
29. 10., 11 h, Metro, Großer Saal
32
SUCESOS INTERVENIDOS
(INTERVENED EVENTS)
Argentinien 2014, 73 Min, OmeU
R: Diverse
SUCESOS ARGENTINOS hieß eine
Wochenschau, die von 1938 bis 1972
ihren festen Platz im Vorprogramm
der Kinos hatte und die sich nun in
der Sammlung des Filmmuseums
von Buenos Aires befindet. In seiner
Gesamtheit ein zeithistorisches Dokument, das nicht nur die Geschichte des Landes spiegelt, sondern auch
so interessante Fragen aufwirft wie
die nach dem Informationsfluss in
einer Diktatur. Auf Einladung des
Museums nahmen 25 argentinische
FilmemacherInnen das alte Material
zum Ausgang einer erneuten künstlerischen Beschäftigung. Entstanden
sind höchst diverse, kurze Arbeiten,
deren perspektivische Vielfalt von
der ironischen Distanzierung bis
zum aufrichtigen Erschrecken reicht.
27. 10., 19.30 h, Metro, Eric Pleskow Saal
1. 11., 13.30 h, Metro, Großer Saal
TOURISME INTERNATIONAL
(INTERNATIONAL TOURISM)
Ron »Stray Dog» Hall ist ein guter
Mann. Engagierter Vietnam-Veteran,
Biker mit Leib und Seele, einem Herbergsvater ähnlicher Trailerparkbetreiber in Missouri, liebevoller Partner, Vater, Stiefvater, Opa. Granik,
die zuletzt mit WINTER’S BONE ein
bemerkenswertes Gespür für soziale
Milieus zeigte, gelingt in ihrem Dokumentarfilmdebüt nicht nur das
schlüssige Porträt der cross-kulturellen Hall-Padilla-Soriano-Familie,
sondern darüber vermittelt auch ein
aktueller Lagebericht, der die gegenwärtig größten Probleme der USamerikanischen Gesellschaft –
Armut, Immigration, traumatisiert
aus Militär-Einsätzen zurückkehrende Soldaten – nüchtern in den Blick
nimmt.
in anwesenheit von Debra Granik.
3. 11., 18 h, Urania
4. 11., 11 h, Gartenbaukino
F/Nordkorea 2014, 48 Min, OmeU
R: Marie Voignier
Wie filmt man ein Land, das jedes
unkontrollierte Bild untersagt? Das
darüber hinaus eine Maschine der
Propaganda und der Desinformation
betreibt, die unzählige die Wirklichkeit überlagernde Bilder herstellt.
Marie Voignier hat Nordkorea als
Touristin besucht, geleitet von staatlichen Kontrolloren, und Kunstschulen, Fabriken, Gedenkstätten, Filmstudios und vieles andere gefilmt.
Und dann einen genialen Schachzug
der Verfremdung angewendet,
indem sie die stumm und gespenstisch verschwiegen bleibenden Aufnahmen mit einer hinzuerfundenen
Tonspur versehen hat. Eine faszinierende, erhellende, beredte Reisegeschichte der anderen Art.
in anwesenheit von Marie Voignier.
Mit OF STAINS, SCRAP & TIRES
1. 11., 18.30 h, Metro, Großer Saal
2. 11., 22 h, Metro, Eric Pleskow Saal
LA TRATTATIVA
(THE STATE-MAFIA PACT)
I 2014, 104 Min, OmeU
R: Sabina Guzzanti
Inwieweit sind Staat und Mafia Gegenspieler? Inwieweit Partner und
Komplizen? Welche Beziehungen
verbinden Mafia, Kirche, Polizei, Justiz und Wirtschaft? Zwischen dokumentarischer Investigation und Recherche auf der einen Seite und inszenierten Verhandlungen und
Übereinkünften zwischen der ehrenwerten Gesellschaft und der in etwa
genauso ehrenwerten Politik auf der
anderen zeigt Guzzanti ohne Hysterie oder Polemik die ernüchternden
Tatsachen einer langen Komplizenschaft: Die Spuren des Blutes und
der Macht, die sich durch die italienische Geschichte ziehen.
in anwesenheit von Sabina Guzzanti.
DER UNFERTIGE
prOpOSiTiOnS
(THE INCOMPLETE)
2. 11., 15.30 h, Urania
3. 11., 22 h, Metro, Eric Pleskow Saal
D 2013, 48 Min, OmeU
R: Jan Soldat
Klaus Johannes Wolf ist schmächtig,
60 Jahre alt, schwul und Sklave. Was
das bedeutet, erzählt und zeigt er
dem Filmemacher. Er spricht über
seine Eltern, er putzt bei einem
Klienten, er besucht ein SklavenCamp. Er wolle Grenzen erfahren
und Grenzen erweitern, sagt er. Und
dass er auf der Suche nach Verständnis sei, Verständnis füreinander. Soldat sagt, ihn habe das Unperfekte,
das Abweichende, das Klaus für die
Gesellschaft darstellt, interessiert.
Der irritierte Blick der Konvention
wird vom Ungewöhnlichen offen erwidert und die Frage stellt sich neu:
Wieso eigentlich soll Klaus nicht
nackt an sein Bett gekettet sein?
in anwesenheit von Jan Soldat
und Klaus Johannes Wolf.
ÜBER LEBEN
Mit HOTEL STRAUSSBERG
24. 10., 18.30 h, Stadtkino im Künstlerhaus
26. 10., 23 h, Urania
(ALIVE)
A/D 2014, 45 Min, OmdU/OmeU
R: Josh Josimovic
VON CALIGARI ZU HITLER
(FROM CALIGARI TO HITLER)
Das heutige Geschäftslokal des Leo
Josimovic im zweiten Wiener Bezirk
war einmal die Schneiderei, die den
Eltern der jüdischen Emigrantin
Mitzi Fleischer gehörte. An diesem
Ort kreuzen sich auf exemplarische
Weise Vergangenheit und Gegenwart, Erinnerung und Vergessen. Als
Frau Fleischer eines Tages ihre alte
Heimatstadt und den Ort ihrer Kindheit besucht, macht sie die Bekanntschaft von Herrn Josimovic. Seitdem
sind die beiden einander in einer
herzlichen, respektvollen Freundschaft verbunden. Und einmal tanzen sie vor dem Geschäft ausgelassen einen Walzer, sodass die Vorübergehenden kopfschüttelnd stehen
bleiben.
in anwesenheit von Josh Josimovic und
Mitgliedern des Teams.
Mit HOLZ EINRÄUMEN
31. 10., 19 h,
Stadtkino im Künstlerhaus (OmdU)
4. 11., 12 h, Metro, Eric Pleskow Saal (OmeU)
D 2014, 118 Min, OmeU
R: Rüdiger Suchsland
Nicht nur den Titel entleiht diese –
erstaunlich genug – erste abendfüllende Dokumentation über das Kino
der Weimarer Republik von Siegfried
Kracauer. Mit den Denkfiguren des
bedeutenden Filmhistorikers und
süchtig machenden Ausschnitten erinnert Suchsland an die Zeit bis
1933, als der deutsche Film eine
bildmächtige, Maßstäbe setzende Erscheinung von Weltgeltung war. Mit
Recht heißt der andere Reiseleiter
durch die Epoche von Expressionismus und Neuer Sachlichkeit hier
Fritz Lang. Sein Imaginarium war ge-
schärft wie kein zweites für die «dämonischen Leinwände» einer Gesellschaft auf dem Weg in Unfreiheit
und Zerstörung.
in anwesenheit von rüdiger Suchsland
und Martina haubrich (produzentin).
27. 10., 18 h, Urania
28. 10., 14.30 h, Metro, Eric Pleskow Saal
WE COME AS FRIENDS
F/A 2013, 105 Min, OmdU/OmeU
R: Hubert Sauper
2011, kurz vor der Teilung des Landes, ist Sauper mit einem winzigen
Flugzeug, das er mitkonstruiert hat,
im Sudan unterwegs. Er beobachtet
und zeichnet auf und sammelt Impressionen. Und mit einem Mal setzt
sich vor den Augen des Betrachters
eine erschreckend weitreichende,
neokolonialistische Ausbeutungsstruktur zusammen, legt sich über
den Sudan eine Karte der politischen
Agenden, die das Land zum «epicentre of a collision between China and
USA» macht. Fortschritt, Entwicklung und Investition buchstabieren
die einen, Korruption, Umweltverschmutzung und Vertreibung lesen
die anderen. Wo ist der Übersetzungsfehler? Oder wird hier etwa
gelogen?
in anwesenheit von hubert Sauper und
Mitgliedern des Teams.
2. 11., 18 h, Gartenbaukino (OmdU)
4. 11., 13 h, Urania (OmeU)
ZUO TIAN
(PAST PRESENT)
Malaysia 2013, 76 Min, OmeU
R: Saw Tiong Guan
Das Porträt eines der bedeutendsten
Filmemacher unserer Zeit: Tsai
Ming-Liang. Keine klassische Dokumentation, sondern eine Spurensicherung mit dem Filmemacher
selbst als Führer und Detektiv. Tsai
Ming-Liang, der in Malaysia aufwuchs, bevor er in den 1970er Jahren nach Taiwan übersiedelte, besucht die Orte seiner Kindheit, die
alten Kinos, in denen er in die Welt
der Lichtbilder eintauchte, er erinnert sich an seine Freunde und an
die verlorene Welt der Jugend. Zugleich sprechen andere über ihn,
würdigen Ang Lee, Apichatpong
Weerasethakul oder Hou HsiaoHsien seine einmalige Arbeit. Eine
gefühlvolle, lebendige Hommage.
in anwesenheit von Saw Tiong Guan.
Mit NO FORM
24. 10., 19.30 h, Metro, Eric Pleskow Saal
25. 10., 13.30 h, Stadtkino im Künstlerhaus
33
Kurzfilme
23RD AUGUST 2008
GB 2013, 22 Min, OF
R: Laura Mulvey, Faysal Abdullah, Mark Lewis
Am 23. August 2008 wurde Kamel
Abdullah ermordet. Der Film zeigt
zunächst den Schauplatz des Anschlags, den Buchmarkt in der AlMutanabbi-Straße in Baghdad. Es
folgt ein fesselnder, 18 Minuten langer Monolog in statischer Kameraeinstellung, in dem Faysal Abdullah
ein plastisches Porträt seines jüngeren Bruders zeichnet, der ein belesener politischer Querdenker war. Irakische Linksintellektuelle waren in
den Achtzigern unter Saddam Hussein ins Exil getrieben worden. 2003
kehrte Kamel als hochrangiger Kulturbeamter ins Land zurück; der Anschlag auf ihn ist bis heute ungeklärt.
Mit HAMS AL MOODUN
24. 10., 16 h, Metro, Großer Saal
6. 11., 14 h, Stadtkino im Künstlerhaus
O ARQUIPÉLAGO
Brasilien/Chile 2014, 28 Min, OmeU
R: Gustavo Beck
Es beginnt mit einem langen Solo
von Álvaro. Gut geht es ihm nicht.
Gerahmt von der Tür seines winzigen Zimmers, in dem gerade mal ein
Bett Platz hat, erzählt er von verlorenen Jobs und verlorener Identität. In
den Achtzigern unter Pinochet hat
Álvaro Chile verlassen, um sich in
Brasilien ein neues Leben aufzubauen. Fragmentarische Ausschnitte aus
dem trostarmen Alltag einer prekären Mittelstandsfamilie: So etwas
blendet die Weltmeisterschaften ausrichtende Elite des Landes in ihrem
umfassenden Glauben an den Neokapitalismus nur zu gern aus.
in anwesenheit von Gustavo beck.
Mit EL FUTURO
25. 10., 23 h, Urania
26. 10., 19.30 h, Metro, Eric Pleskow Saal
ASSEMBLÉE GÉNÉRALE
(GENERAL ASSEMBLY)
F 2013, 17 Min, OmeU
R: Luc Moullet
Mit NICHT VERSÖHNT …
30. 10., 16 h, Metro, Großer Saal
2. 11., 13 h, Gartenbaukino
34
USA/Malta 2014, 24 Min, OmeU
R: Ben Russell
Atlantis, der versunkene Kontinent,
seit Platon der Inbegriff des utopischen Idealstaats, Meilen unter dem
Meer. Mit Russell lösen wir das
Ticket zu einer immer schon existiert
habenden oder nie existierenden
Insel der Vergangenheit. Unfreiwillig
parodistische Volkslieder, Zeichen
maltesischen Verfalls, profane
Sakralmärsche, Wellen im Spiegel,
der Rausch der Zeit; und alles mündet in ein gluckerndes Farbenmeer,
wie wir es uns nie imaginieren konnten oder immer schon imaginiert
haben. Atlantis ist von dieser Welt:
«Even though we are slowly sinking,
we are happy and content.»
Mit FLÜSSE TÄLER BERGE
29. 10., 17 h, Metro, Eric Pleskow Saal
31. 10., 11 h, Metro, Großer Saal
BIM BAM BOOM,
LAS LUCHAS MORENAS
À PROPOS DE VENISE
F/CH 2013, 24 Min, OmeU
R: Jean-Marie Straub
À PROPOS DE VENISE ist der dritte,
kurze Film Jean-Marie Straubs, der
sich mit einem Text des französischen Autors Maurice Barrès beschäftigt, und man kann hier etwas
von einer widersprüchlichen Wahlverwandtschaft erahnen, die Straub
mit seinem Landsmann aus dem
Elsaß-Lothringischen verbindet. Es
gibt einen scharfen, bissigen und
dann wieder jubilierenden Ton in
diesem Film, in dem man ein Seeufer
sieht, einen Baum, Wellen, Musiker,
die eine Bach-Kantate spielen, eine
Katze. «Wie werd’ ich lustig lachen,
wenn alles durcheinander geht.»
Und Venedig, das kann hier sehen,
wer will.
in anwesenheit von barbara Ulrich
und arnaud Dommerec
(Darstellerinnen/produzentinnen).
ATLANTIS
Eine Hauseigentümerversammlung
steht für gewöhnlich kaum unter Kalauerverdacht. Anders bei Moullet:
Wie üblich den Schalk im Nacken,
inszeniert er das jährliche Treffen als
Rendezvous kauziger Eigenbrötler,
welches formvollendet im bürokratisch geordneten Chaos versinkt.
Jacques Tati lässt grüßen, wenn die
Idiosynkrasien kleingeistig-kontrollsüchtigen Bürgertums in diesem
gleichermaßen hinterfotzigen wie
vergnüglichen Sketch alter Schule
Gestalt annehmen. Genießen Sie die
zärtliche Romanze im Zentrum! Und
beachten Sie das Gemälde im Hintergrund!
Mit EIN PROLETARISCHES
WINTERMÄRCHEN
27. 10., 18 h, Stadtkino im Künstlerhaus
30. 10., 12 h, Metro, Eric Pleskow Saal
USA/DK/Mexiko 2013, 13 Min, OmeU
R: Marie Losier
Dass die drei Schwestern, die diesen
Film bestreiten, nicht nach dem Geschmack von Tschechow wären, ergibt sich aus dem Titel. Eher schon
ist eine entfernte Verwandtschaft zur
ehemals Steirischen Eiche festzustellen. Rossy, Esther und Cynthia Morena sind «Luchadoras», frönen also
einem Nationalsport ihrer Heimat
Mexiko: dem Wrestling. Darüber hinaus sind sie temperamentvolle,
Fröhlichkeit im Übermaß verströmende und gern im Mittelpunkt stehende Frauen, was sich auch in der
geradezu kongenial kreisenden,
nachgerade tanzenden Kameraführung von Losiers Porträt spiegelt.
Mit MAMBO COOL
30. 10., 22 h, Metro, Eric Pleskow Saal
31. 10., 18 h, Urania
À PROPOS DE VENISE
FUNERALE DI MARIANO LUPO
I 1972, 14 Min, stumm
R: Anonym
Parma, 28. August 1972: der Tag, an
dem Mariano Lupo zu Grabe getragen wurde. Lupo war militantes Mitglied der außerparlamentarischen
Gruppe Lotta Continua, ein junger
Antifaschist aus Sizilien. Da er einem
Anschlag Rechtsextremer zum Opfer
gefallen war, führte das Begräbnis zu
einem Massenauflauf. Wegen der
fehlenden Tonspur des anonymen
Schwarzweißvideos wirken die Gesichter und Gesten umso ausdrucksstärker. Die Kamera scheint etwas zu
suchen, wackelt hin- und hergerissen durch die Menge, als könnte sie
Antworten finden auf die Frage nach
dem Warum.
Mit 12 DICEMBRE
2. 11., 23.30 h, Stadtkino im Künstlerhaus
HOLZ EINRÄUMEN
(BRINGING IN THE WOOD)
A 2014, 17 Min, OmeU
R: Simon Spitzer
Alltag, Arbeit, Familie. Dinge, denen
man nicht entkommt. Eine VaterSohn-Beziehung durchdekliniert
beim Holzschlichten. Der eine redet,
der andere schweigt. Das Kreuz des
Alten schmerzt, das Studium des
Jungen will abgeschlossen werden.
Die Fronten sind ebenso klar wie die
unterschiedlichen Wünsche und Bedürfnisse. Und doch: Da ist keine Bewegung möglich, keine Auseinandersetzung, nur Waffenstillstand, und
nach dem letzten Bus, der nicht
mehr fährt, der erste am Morgen danach. Was bleibt? Eine seltsame Verbundenheit. Die Wahrscheinlichkeit
des Wiederkommens, die leise Chance der Differenz.
in anwesenheit von Simon Spitzer.
Mit ÜBER LEBEN
31. 10., 19 h, Stadtkino im Künstlerhaus
4. 11., 12 h, Metro, Eric Pleskow Saal
HOTEL STRAUSSBERG
D 2014, 27 Min, OmeU
R: Jan Soldat
Dieses Hotel ist keine Komfortzone,
sondern ein militärisch angehauchtes Zuchthaus, und seine schwulen
Gäste lassen sich anketten, bevor sie
bedient, äh, diszipliniert werden. Außenstehenden mag die Szenerie bizarr erscheinen – doch wie so oft
hilft es, im Fremd- das Eigenartige zu
erkennen. Zwischen den Auslieferungsritualen wird freundlich geplauscht, vor allem aber blitzen in
Soldats Beobachtung des deutschen
SM-Bondage-Rollenspielmilieus Momente von Zärtlichkeit auf, wie sie in
keinem Dschungelcamp dieser Fernsehwelt zu finden sind. Also doch
eine Komfortzone, irgendwie.
in anwesenheit von Jan Soldat.
Mit DER UNFERTIGE
24. 10., 18.30 h, Stadtkino im Künstlerhaus
26. 10., 23 h, Urania
LA ISLA
(THE ISLAND)
Chile/PL/DK 2013, 30 Min, OmeU
R: Dominga Sotomayor, Katarzyna
Klimkiewicz
NO FORM
Taiwan 2012, 20 Min, kein Dialog
R: Tsai Ming-liang
Die Reise eines Filmemachers in eine
neue Dimension. Erst hatte Taiwans
genialischer Auteur Tsai Ming-liang
ein spielfilmlanges period piece um
einen buddhistischen Mönch aus
dem sechsten Jahrhundert geplant.
Allmählich wurde daraus eine Kurzfilmreihe. Wie in THE WALKER (Viennale 2012) bewegt sich Tsais Leibschauspieler Lee Kang-sheng singulär, radikal entschleunigt und nichtsdestotrotz essenziell vorwärts kommend durch eine in rasendem Stillstand feststeckende Welt. Ungeduld
als größte Sünde der Menschheit.
Langsamkeit als religiöser Akt der
Auflehnung. Zeit, filmisch begriffen.
Mit ZUO TIAN
24. 10., 19.30 h, Metro, Eric Pleskow Saal
25. 10., 13.30 h, Stadtkino im Künstlerhaus
OF STAINS, SCRAP & TIRES
Familientreffen, gesellige Betriebsamkeit. Sind alle da? Nein, einer
fehlt. Dass Jaime nicht kommen
wird, ahnt seine Sippe im Lauf des
Nachmittags, wir wissen es schon
seit der dritten Einstellung. Und dieser Vorsprung öffnet ein Zwischenzeitfenster, durch welches wir mit
sensorisch scharf ausgerichteten Antennen wahrnehmen können: Während die Angehörigen warten, sich
auf der Insel zerstreuen, sich leise
sorgen, beherrscht alle Bilder, Töne,
Erinnerungen und Dialoge die magisch-subtile Präsenz eines Abwesenden, der uns nur ein einziges
Mal, dösend, die Hände am Steuer,
entfernt erschienen sein wird.
Mit LA PRINCESA DE FRANCIA
27. 10., 16 h, Metro, Großer Saal
30. 10., 13.30 h, Stadtkino im Künstlerhaus
F/A 2014, 19 Min, OmeU
R: Sebastian Brameshuber
Motoren, Achsen, Zylinder – die Bauteile des Glücks. Was sich nicht in
Europa weiterverkaufen lässt, schiffen die Scrapmaster vom Erzberg
nach Afrika. Glück ist das (selten)
leicht verdiente Geld, die (rare)
Schönheit einer menschgemachten
Maschine, die reale und imaginierte
Freiheit auf Rädern. Zur Bild- und
Tonpoetik von Autowerkstatt,
Schrott und Paintballfeld liest ein anderer Wagenmeister, Bobby Sommer,
ein Gedicht von Bertolt Brecht. Die
singenden Steyr-Wägen, sie versprechen lautlose Leichtigkeit – ohne
ihre Verwandtschaft zur Rüstungsindustrie zu verschweigen. Happiness
is made of steel.
in anwesenheit von Sebastian
brameshuber.
Mit TOURISME INTERNATIONAL
1. 11., 18.30 h, Metro, Großer Saal
2. 11., 22 h, Metro, Eric Pleskow Saal
35
Kurzfilme
OIDHCHE SHEANCHAIS
(A NIGHT OF STORYTELLING)
GB/IRL 1935, 12 Min, OmeU
R: Robert Flaherty
Entstanden als «Nebenprodukt» zu
Filmpionier Flahertys Docufiction
MAN OF ARAN über das Leben auf
den vor der Westküste Irlands gelegenen Aran-Inseln, galt OIDCHE
SHEANCHAIS 70 Jahre lang als verloren. Erst voriges Jahr entdeckte man
im Archiv der Harvard University
eine unversehrte Kopie dieses ersten
Tonfilms in irischer Sprache. Seáinín
Tom Ó Dioráin erzählt darin seiner
Familie «a story that was already
told a thousand years ago», eine todtraurige, wundersame Geschichte
um einen verwitweten Fischer, dessen jüngsten Sohn und eine schöne
Königstochter.
Mit LE RAPPEL DES OISEAUX
31. 10., 13.30 h, Stadtkino im Künstlerhaus
1. 11., 19.30 h, Metro, Eric Pleskow Saal
TIGER MORSE (REEL 14 OF ****)
USA 1967, 33 Min, OF
R: Andy Warhol
Joan «Tiger» Morse war bekannt für
ihre leuchtenden Vinyl-Minikleider
und ihre Obsession für alle Sachen
aus Silber. Eine von fünf Filmrollen,
die Warhol mit der Designerin gefüllt
hat, wurde später in seinen 25-Stunden-Zyklus **** [FOUR STARS] integriert: das amphetamingetriebene
Selbstgespräch eines Mod-Modegurus in der eigenen Space-Age-Boutique «Teeny Weeny», über Lieben
und Vögeln, Speed und Diskokugeln.
«The film contains many interruptive
pans, rapid strobe cuts, and focus
pulls, and is shot on jewel-like Ektachrome reversal stock.» (Claire K.
Henry, The Andy Warhol Film Project)
Mit OUTTAKES FROM …
1. 11., 13.30 h, Stadtkino im Künstlerhaus
5. 11., 11 h, Stadtkino im Künstlerhaus
O VELHO DO RESTELO
(THE OLD MAN OF BELÉM)
P/F 2014, 20 Min, OmeU
R: Manoel de Oliveira
SCHAKALE UND ARABER
CH 2011, 11 Min, OmeU
R: Jean-Marie Straub
Das alte Klischee vom Prophetischen
bei Kafka trifft es nicht. Er hat vielmehr wie ein Schakal gespürt, woher
der Wind weht. Und wohin. Und
ohne jede Modernisierung oder sogenannte Aktualisierung hat Straub
Kafka beim Wort genommen. Daraus
entstanden ist ein so wunderbares
und schlafwandlerisches Werk, eine
so weise und freche Arbeit, wie sie
nur einer der größten Filmemacher
unserer Zeit zu machen im Stande
ist. Eine Frau als Schakal. Eine Schere, die durch die Wüste wandert. Der
unsichtbare Herr aus dem Norden.
Und ein Araber, der ein italienischer
Philosoph ist und aus dem Kafka
spricht wie die Stimmen zu Pfingsten aus den Aposteln. Was für ein
Vergnügen. Was für eine Komik.
Welch ein Erschrecken. Im Kino gewesen. Gestaunt.
Mit DE PALESTIJNEN
3. 11., 16 h, Metro, Großer Saal
4. 11., 11 h, Stadtkino im Künstlerhaus
36
«Because death is happiness.» Der
Mann von La Mancha, aus der hellenischen Mythologie nach Spanien
gesandt, diese oberste aller Reiterstatuen in dieser berühmtesten
aller Geschichten, in denen gegen
Windmühlen gekämpft wird. Hier
steht er neben den portugiesischen
Dichtern Luís de Camões, Teixeira de
Pascoaes und Camilo Castelo Branco
im Zentrum einer gewitzten melancholisch-mystischen Meta-Fabel,
einer Bildungswüsten-Don-Quijoterie des großen Manoel de Oliveira,
der sich mit einem Ausschnitt aus
diesem Film auch im diesjährigen
Viennale-Trailer «verewigt» hat.
Mit PHANTOM POWER
28. 10., 12 h, Metro, Eric Pleskow Saal
29. 10., 18.30 h, Metro, Großer Saal
VIENNALE-TRAILER 2014:
CHAFARIZ DAS VIRTUDES
P/A 2014, 1 Min, kein Dialog
R: Manoel de Oliveira
Was ist das Geheimnis dieser steinalten, zottelbärtigen Zwillingsfürsten
der Finsternis? Gemeißelt in den Fuß
eines wiederbelebten barocken
Wandbrunnens in Porto, ragen aus
ihren weit aufgerissenen Mündern
Rohre, durch die sie ihrer seltsamen
Bestimmung als Wasserspeier «das
virtudes» – der Tugenden – nachkommen. Der Zahn der Zeit hat an
beiden genagt, doch bei genauem
Hinschauen unterscheiden sich die
gehörnten Gesichter: Aus einem
scheint fast so etwas wie ein milder
Schelm geworden zu sein. Das Fließen des Wassers, also das Verrinnen
der Zeit, kann der so wenig aufhalten wie der große alte Manoel de Oliveira selbst.
Mit AMOUR FOU
Der Trailer wird während des festivals
als Überraschung immer wieder gezeigt.
23. 10., 19.30 h, Gartenbaukino
23. 10., 23 h, Gartenbaukino
ZWEI MUSEEN
D 2013, 18 Min, kein Dialog
R: Heinz Emigholz
Die aparten Architekturbetrachtungen des vormaligen Professors für
experimentelle Filmgestaltung und
nunmehrigen Mitglieds der Akademie der Künste in Berlin reizen das
Auge durch eine eigentümliche Kombination: Orientierung erschwerende
Blickwinkel, unsteter Takt der Montage. Hier stellt Emigholz das Museum of Art in Ein Harod, Israel (errichtet 1948 von Samuel Bickels),
und The Menil Collection in Houston, Texas, einander gegenüber. Letzteres konzipierte Renzo Piano 1986
auf Wunsch der Auftraggeberin nach
der Tageslichtführung in Bickels’
Bau.
Mit THE AIRSTRIP
4. 11., 19.30 h, Metro, Eric Pleskow Saal
6. 11., 18.30 h, Stadtkino im Künstlerhaus
SIX TALES TOLD (66 MIN)
THE TONY LONGO TRILOGY
EL ADIOS LARGOS
G IS THE DIAL
G/R/E/A/S/E
TWELVE TALES TOLD
THE DARK, KRYSTLE
in anwesenheit von Johann lurf.
25. 10., 18.30 h, Stadtkino im Künstlerhaus
29. 10., 13.30 h, Stadtkino im Künstlerhaus
THE TONY LONGO TRILOGY
USA 2014, 14 Min, OF
R: Thom Andersen
Tony Longo genoss keinerlei Schauspielausbildung. In seinen rund 150
Film- und Fernsehauftritten gab er
zumeist den Dicken, den dicken
Dummen, den dicken Bösen oder
den dicken bösen Dummen. Dem
imposanten Charakternebendarsteller des Trash erweist Filmtheoretiker
Thom Anderson – der Filmemachen
auch als Erweiterung seines Lehrberufs versteht – mit einer Szenenmontage von drei exemplarischen
Longo-Rollen gnadenlos Reverenz.
Und anders als in LOS ANGELES
PLAYS ITSELF kommt David Lynchs
MULHOLLAND DR. wenigstens hier
zu (wenigstens Mini)-Ehren. Die vielleicht unterhaltsamste Filmlecture
dieser Viennale.
EL ADIOS LARGOS
USA/Mexiko 2013, 11 Min, OmeU
R: Andrew Lampert
G IS THE DIAL
THE DARK, KRYSTLE
GB 2013, 6 Min, OF
R: Andrew Lampert
Wie Hände und Mechanik beim Vorgang der Filmprojektion zusammenwirken, wir sehen es ganz unmittelbar in diesem Versuch zweier junger
Frauen, einen 16mm-Projektor in Betrieb zu nehmen. Uns wird bewusst,
wie vergänglich das Wissen um analoge Apparaturen geworden ist. Und
wir teilen die Begeisterung, wenn die
beiden es geschafft haben, ihren
Film abzuspielen. In Lamperts verspielt-situativem Sketch werden
seine Berufungen als Filmemacher,
Performance-Künstler, Medienanthropologe und Archivar gleichermaßen spürbar – siehe unbedingt auch
EL ADIOS LARGOS!
USA 2013, 10 Min, OF
R: Michael Robinson
«Dynasty – Der Denver-Clan» war die
erste Daily Soap, die es in den verirrten 1980er Jahren in die Prime Time
schaffte. Wer erinnert sich nicht an
Schmerzensfrau Krystle Carrington
(Linda Evans) und die Männer fressende, champagnersüchtige Intrigantin Alexis Colby (Joan Collins)?
Wie außergewöhnlich guilty dieses
pleasure damals war, enthüllt Robinson in einem messerscharf melodramatischen Szenenmontage-Feuerwerk, welches nicht nur die PseudoDichotomie von existenziellem
Hausfrauentränenreichtum und gefrierendem Profitfeminismus in
einer Serie hohler Gesten implodieren lässt, sondern im Vorbeispazieren die aberwitzigste Modenschau
der populären Fernsehgeschichte
kondensiert. An unguilty pleasure
indeed.
G/R/E/A/S/E
E/CH/D 2013, 21 Min, OmeU
R: Antoni Pinent
Drunter und drüber geht es hier, die
Figuren tanzen am Rande des Perforationsstreifens, die Moves und Mienen von Newton-Travolta zur Kenntlichkeit entstellt. Nein, respektvoll
behandelt Pinent sein Material nicht,
obsessiv dagegen schon: Fünf Jahre
hat er gebraucht, um die populär-pomadige Filmversion des gleichnamigen Highschool-Musical-Dauerbrenners zu demontieren und samt Bee
Gees verhöhnendem Soundtrack solcherart neu zu ordnen, dass einen
fast das Gefühl beschleicht, diese
«Décollage» des Jugendbefreiungsklassikers sei als späte Rache konservativer Eltern angelegt.
TWELVE TALES TOLD
Was wäre, wenn man das Negativ
und sämtliche Kopien von Robert
Altmans erratischem Noir-Abgesang
THE LONG GOODBYE verloren
glaubte? Wenn dann plötzlich die
ersten zehn Minuten davon auftauchen, jedoch nur in Form fehlerhaften, auf 16mm reduzierten, schwarzweißen und mexikanisch synchronisierten Materials? Nun, dann kriegen
wir alle, die sich um Filmbewahrung
zu wenig scheren, das hier: eine
«Restaurierungs»-Sensation, welche
als selbstironisches Kommentarstück verblüfft und im nunmehr
doppelbödigen Witz kulminiert, dass
Elliott Goulds Marlowe die Katze mit
falschem Futter aus der richtigen
Dose zu überlisten sucht.
A 2014, 4 Min, kein Dialog
R: Johann Lurf
Tausende Male hat man sie schon
gesehen, immer wieder aufs Neue
verheißen sie das Eintauchen in die
fantastischen Welten der Filmindustrie: die Logos der großen Hollywood-Studios. Was Lurf mit ihnen
macht, ist so genial wie typisch.
Einen märchenhaften Katastrophenkurzfilm, ein manipulatives Sperrfeuerwerk, eine den Wahrnehmungsapparat umkrempelnde, toxisch tönende Fusion. So wird gleichermaßen das Verlangen nach einer neuen
Geschichte aus der Traumfabrik angeheizt und der Widerwille gegen
deren affizierende Illusionsmaschinerie geschürt.
A MILLION DREAMS (64 MIN)
SQUARE DANCE, LOS ANGELES COUNTY,
CALIFORNIA, 2013
LA NUIT
TWO WEEKS – TWO MINUTES
WOMANNIGHTFILM
ALAN VEGA, JUST A MILLION DREAMS
ELSA MERDELAMERDELAMER
STRAWBERRIES IN THE SUMMERTIME
26. 10., 16 h, Stadtkino im Künstlerhaus
2. 11., 11 h, Stadtkino im Künstlerhaus
SQUARE DANCE, LOS ANGELES COUNTY,
CALIFORNIA, 2013
USA 2013, 9 Min, OF
R: Silvia das Fadas
Während der Großen Depression
1936 wurde der Fotograf Russell Lee
von der Farm Security Administration beauftragt, an einer umfassenden
Bilddokumentation ruralen Lebens
in den USA teilzunehmen. Lees Fotos
einer Tanzparty inspirierten die Filmemacherin, sich zu fragen, wer die
jungen Leute auf diesen Bildern
waren. Was sie gefühlt haben mögen.
In welchem Verhältnis die Paare zueinander standen. Zu welcher Musik
37
Kurzfilme
sie getanzt haben. Romantischer?
Politischer? Warum ihre Gesichter so
angespannt oder erwartungsvoll wirken. Mithin also: Welcher Film in diesen Bildern verborgen sein könnte.
LA NUIT
(THE NIGHT)
USA/F 2014, 12 Min, stumm
R: Robert Fenz
Die Nacht ist nicht schwarz, sondern
irgendwie rosarot, zumindest in diesem enigmatischen Porträt Marseilles. Fenz, kein Freund überflüssiger Tonspuren und übertriebener
Kamerabewegungen, verwendet hier
16mm-Ektachrome-7250 von Kodak,
wählt die Einstellungen und überlässt ansonsten alles dem Zusammenspiel des Materials mit den Lichtern der Großstadt – aber natürlich
nur scheinbar, denn sonst könnte
man zum Beispiel den winzigen, womöglich ein wenig dechiffrierenden
Hinweis, übers Eck auf zwei Hauswände geschrieben, glatt übersehen:
«DEFENSE DE DEPOSER LES ORDURES CHEZ MOI».
TWO WEEKS – TWO MINUTES
Kanada/USA 2013, 2 Min, kein Dialog
R: Judith Poirier
Eine Filmleseerfahrung der buchstäblichen Art: Zwei Wochen Arbeit
im Rahmen eines Stipendiums am
Center for Book and Paper Arts in
Chicago ergeben zwei Minuten Animationsfilm, dessen Hauptdarsteller
z.B. Antique Condensed Ornamented, Jim Crowel Gothic Shaded oder
Joanna Italic heißen. Poirier integriert die Medien Schrift und Bild,
indem sie ihre Eindrücke und ihr
Treiben im Studio notiert und nicht
nur auf Papier, sondern simultan
auch auf 35mm-Material druckt – so
entsteht ein Filmbuchzwilling. Klingt
unverständlich? Genaues Anschauen
und Hinhören hilft.
38
WOMANNIGHTFILM
USA 2014, 5 Min, OF
R: Lee Anne Schmitt
Der Titel sagt alles und nichts. Über
Jahre hat CalArts-Professorin, Essayfilmerin und «Erinnerungsbearbeiterin» Schmitt ihre nächtliche Heimfahrt mit dem Auto wieder und wieder fotografiert, so lange, bis aus
scheinbar persönlichen dokumentarischen Momentaufnahmen eine
vergangene, entfremdete Fiktion
geworden ist, oder anders: hat das
16mm-Material so lange manipuliert, bis aus dem Bild gewissermaßen ein Geist geworden ist. «A mystery and a meditation. The menace
of night and the memory of trauma.
A film about violence and the trace it
leaves.» (Schmitt)
York mit ihr einen Film drehen, in
dem sie ihr Schamhaar rasiert. Dieses unvollendete Projekt im Besonderen und wohl auch Elsas Geschichte im Allgemeinen inspirierte Child
zu einem fröhlich feministischen
Überblendungskunstwerk mit dramatisch dunklen Untertönen.
STRAWBERRIES IN THE SUMMERTIME
Kanada/USA 2013, 16 Min, OF
R: Jennifer Reeves
ALAN VEGA, JUST A MILLION DREAMS
F 2013, 16 Min, OF
R: Marie Losier
Es ist wie daheim bei den Celebrities,
zum Glück nicht im
Puls4Sat1Pro7RTLORFshowminusFormat, sondern spaßig, rau, zappelig, körnig, frech, frank, freihändig.
Der eher eingeweihten Kreisen bekannte Minimal Rock Elektronikpionier Alan Vega, Komponist und Sänger des kultigen Post Punk Duos Suicide, schiebt Wuchteln und lebt seine
Launen vorzugsweise im Sitzen aus,
während Gattin Liz Lamere Fragen
stellt oder die Wäsche macht und
Sohn Dante Musik, Selbstdarstellung
und Exzentrik in Reinkultur erlernt.
«Tradition my ass»: eine schräge
Künstlerfamilie im Selfie-Wahn.
ELSA MERDELAMERDELAMER
USA 2013, 4 Min, OF
R: Abigail Child
«Richly toned black and white positive, negative and solarized images,
combined with snippets of voice,
suggest the texture of memory.»
(Reeves) Die unbändige Entdeckungslust eines zweieinhalbjährigen Knaben, gesehen als impressionistische Abenteuerreise durch eine
aus der Zeit gefallene Welt: Vater
hütet Kind, Mutter Reeves hält Kamera, entfernt sich, kommt wieder;
das Reale wirkt irreal, das Vergangene präsent; Visionen, Stimmen, Lieder, Naturgeräusche. Sehen und
hören bekommt hier eine andere Bedeutung. Kernfamilienbindung als
16mm-Science-Fiction.
PSYCHIC EDEN (75 MIN)
TRANSFORMERS: THE PREMAKE
PRAXIS – 14 (SELEKTION)
PSYCHIC DRIVING
EDEN’S EDGE (THREE SHORTS ON THE
CALIFORNIAN DESERT)
CANOPY
in anwesenheit von Kevin b. lee,
Dietmar brehm und Gerhard Treml.
28. 10., 16 h, Stadtkino im Künstlerhaus
3. 11., 11 h, Stadtkino im Künstlerhaus
TRANSFORMERS: THE PREMAKE
Die Baronesse Elsa von Freytag-Loringhoven, geborene Plötz, führte ein
wildes Leben als Modell, Muse und
Dada-Künstlerin. Sie verbrauchte etliche Männer; in ihrem Gedicht
«König Adam» fordert eine «klitorisgesteuerte» Frau ihren Liebhaber zu
Cunnilingus auf. 1921 wollen Man
Ray und Marcel Duchamp in New
USA 2014, 25 Min, OF
R: Kevin B. Lee
In seiner «Desktop Documentary»
faltet Lee die Entstehung von Paramounts Gelddruckmaschine TRANSFORMERS: AGE OF EXTINCTION in
Utah, Detroit, Chicago, Hongkong
und China in Form begleitender FanVideos auf bzw. untersucht die Mätzchen zwischen Upload-Aficionados
und viral verseuchtem Marketingteam. Welche Funktion (scheinbar)
ortsbezogenen Action-Dreharbeiten
im Fall von CGI-Demolierungsorgien
à la Michael Bay zukommt, stellt sich
die Frage. Pflichtprogramm für Franchise-Fanatiker, Filesharing-Nerds
und Zweifler an Chinas unaufhaltsamem Weg in den Olymp der globalen
Filmvermarktung.
PRAXIS – 14 (SELEKTION)
A 2014, 10 Min, kein Dialog
R: Dietmar Brehm
Unbeirrt arbeitet Brehm sich ab an
seinen Themen und Materialien, die
so breit gestreut sind wie die selten
in die Irre führenden Titel der neuen
Ausgabe seiner Miniaturen-Enzyklopädie es vermuten lassen. Die vielfärbige Erschreckens-Variation
HALLO HALLO ist in dieser Hinsicht
eher die Ausnahme, HALLO MABUSE
dagegen eine invers komprimierte
Paraphrase auf eben jenen bösen
Doktor und die gestreichelte Lampe
in LICHT sowie die rote Sonne in
SONNE HALT sprechen eh für sich.
Nicht in dieser Auswahl trotz aussagekräftiger Titel: KEIN MAGGI oder
EI EI.
PSYCHIC DRIVING
USA 2014, 15 Min, OF
R: William E. Jones
EDEN’S EDGE ( THREE SHORTS ON
THE CALIFORNIAN DESERT)
A/USA 2014, 20 Min, OF
R: Gerhard Treml, Leo Calice
Multinarrative Topografien zu erschaffen, ist das Ziel des Kreativkollektivs Eden’s Edge; den einer bestimmten Landschaft womöglich innewohnenden Geschichten vielschichtig Gestalt zu verleihen, seine
Strategie. Hier sind es drei verwandte, vogelperspektivisch animierte
und von jeweils einer Erzählfigur bevölkerte Miniaturen, welche die kalifornische Wüste auf ihr performatorisches, repräsentatives, paradoxes,
jedenfalls mehrdeutiges Erzählpotenzial als kargen Lebens- oder
Kunstinstallationsraum, als Testgebiet, Prärie und Schauplatz der Mythenbildung von Ureinwohnern abklopfen.
PRIS DANS LE TOURBILLON
(LOCKED IN THE WHIRLWIND)
CH 2014, 27 Min, OmeU
R: Fabrice Aragno
CANOPY
USA 2014, 5 Min, stumm
R: Ken Jacobs
Wie viel Geklotze man aus ein wenig
Geklecker machen kann, beweist
Avantgarde-Veteran Jacobs mit seiner jüngsten Stroboskop-Perle. Mittels einer Handvoll Bildkader und
deren Negativen verwandelt er eine
gewöhnliche Straßenszene, die unter
einem Gerüstsicherungsverdeck in
New York spielt, in einen hypnotischen, mehrdimensionalen Imaginationsraum. Hier sind die Gravitationsgesetze außer Kraft und der
Wahrnehmungsverzerrung praktisch
keine Grenzen gesetzt: Immersion,
die einem den Boden unter den
Füßen wegzieht.
OF HATS AND HORSES (72 MIN)
Found-Footage-Mashup eines marginalisierungsverweigernden Multitalents. Von einem VHS-Tape einer
ABC-Reportage aus dem Jahr 1979
hat Jones ein neues Master angefertigt und das Ganze einer Relektüre
unterzogen, die sich gehirngewaschen hat. Denn so geheim die von
der » finanzierten «Mind Control»Experimente an menschlichen Versuchskaninchen, um die es hier geht,
und so sensationalistisch der Originalton des Moderators, so erratisch
die teils auf bloße Streifen und
Kader reduzierte Bildebene: Schnallen Sie Ihre Psyche an, bevor Sie auf
diesen Trip gehen!
kunft beschäftigt, fand es ohne Identifikationshinweise in einem Antiquitätenladen in Brooklyn. Während
die Kamera die Gesichter abtastet,
wecken Erzählungen – eines Violinisten, eines Drummers, einer Violinistin – assoziatives Interesse.
«Joyas voladoras», fliegende Juwelen, nannten die Erforscher Amerikas jene Vögel, die heute Kolibris
heißen.
JOYAS VOLADORAS
PRIS DANS LE TOURBILLON
’A IUCATA
am 29.10. in anwesenheit von
fabrice aragno.
29. 10., 18.30 h, Stadtkino im Künstlerhaus
6. 11., 11 h, Metro, Großer Saal
JOYAS VOLADORAS
(FLYING JEWELS)
USA 2014, 7 Min, OF
R: Abraham Ravett
Schwarze Leinwand, ein der
buddhistischen Gottheit des universellen Mitgefühls gewidmetes Lied.
Dann kommt das Schwarzweißfoto
eines jungen Musikerensembles ins
Bild. Ravett, der sich in seinen Filmen öfter mit seiner jüdischen Her-
Dass die Kollagekünstler
Girardet/Müller bei dieser Viennale
fehlen, macht der Schweizer Aragno
vergessen, mit einem humor-, liebe-,
leiden- und begehrenvollen Montagefilm, einem feierlichen Streifzug
durch die klassische Filmgeschichte
unter der Prämisse der mannigfachen Erscheinungsformen des
Hutes. Einmal außer Atem wirklich
leben im blauen Engelshimmel über
Berlin in der Nacht des Jägers. Forever Modern Mozart Times. Mastroianni, Mörder und natürlich: Buster
Keaton. «Buy yourself a new hat!»
’A IUCATA
(THE BET)
CH 2013, 38 Min, iOmeU
R: Michele Pennetta
Sich gefahrlos hineinziehen lassen
zu können in Mikrokosmen, die von
klandestinen Regeln und Ritualen
geprägt sind, ist einer der Vorzüge
des Kinos. Hier sind es Peripherie
und Umland der nicht gerade blühenden sizilianischen Stadt Catania,
wo illegale Pferderennställe ihr machoides Wettunwesen treiben. In
einem davon heißt der Hoffnungsträger Vito Portanova: Mit wenig Zuckerbrot, fragwürdigen Substanzen
und sehr viel Peitsche wird er von
Vater und Sohn trainiert. Erleben Sie,
wie in Pennettas Film aus der zusammengespannten Gangart des
Trios ein ganz eigentümlicher Rhythmus erwächst.
39
Tributes
A DANGEROUS METHOD
Der Schauspieler Viggo Mortensen
Wenn Viggo Mortensen, wie in David
Cronenbergs EASTERN PROMISES,
einen russischen Mafioso zu verkörpern hat, dann spricht er ganz selbstverständlich Russisch. In den Wirren
des Algerien-Krieges (aktuell in LOIN
DES HOMMES) hingegen ist sein Französisch fließend. Und wenn er als Aragorn in THE LORD OF THE RINGS
durch Mittelerde zieht, hat man den
Eindruck, Elbisch sei seine Muttersprache. Doch natürlich reicht Mortensens Spiel weit über sein bloßes Gespür für spezifische Sprachmelodien
hinaus und entwickelt seine Intensität
vor allem daraus, wie er sich immer
wieder stereotypenfern und komplex
in seine Rollen hineinarbeitet. Der persönliche Hintergrund des Schauspielers, der nebenher auch noch Dichter,
Maler, Musiker und Fotograf ist, setzt sich dazu passend wie ein Mosaik aus
unterschiedlichen Kulturen zusammen: Geboren wurde er als Kind einer USAmerikanerin und eines Dänen 1958 in Manhattan. Aufgewachsen ist der
Schauspieler mit den kantigen Gesichtszügen und tiefblauen Augen allerdings unter anderem in Argentinien. Seitdem seinem Kinodebüt 1985 in
Peter Weirs WITNESS hat er sich weltweit Star-Status erspielt – und ist in seiner Rollenauswahl von der bittersüßen Romanze A WALK ON THE MOON bis
zur wiederholten Zusammenarbeit mit Cronenberg (zuletzt als Siegmund
Freud in A DANGEROUS METHOD) trotzdem immer unberechenbar.
A HISTORY OF VIOLENCE
USA/Kanada/D 2005, 96 Min, OF
R: David Cronenberg, D: Viggo Mortensen,
Maria Bello, Ed Harris, William Hurt
zum gradlinig erzählten, aber vielbödigen Meisterwerk, das sich in verschiedenen Metamorphosen als
Thriller, Familiendrama und eruptiv
brutale Gewalt-Reflexion gleichermaßen häutet.
28. 10., 22 h, Metro, Eric Pleskow Saal
31. 10., 13 h, Gartenbaukino
A WALK ON THE MOON
Ein braver Familienvater mit erwachendem Killerinstinkt – in seiner
ersten Zusammenarbeit mit David
Cronenberg lotete Mortensen zwei
Seiten seiner Figur aus, die von den
tiefen Schatten der Vergangenheit
und aus einem anderen Leben eingeholt wird. Während der kanadische
Filmemacher dabei die Gewalt über
eine US-Kleinstadt und den amerikanischen Traum einer Über-Familienidylle hereinbrechen lässt, entwickelt sich A HISTORY OF VIOLENCE
40
USA/Kanada 1998, 107 Min, OF
R: Tony Goldwyn, D: Diane Lane, Viggo
Mortensen, Liev Schreiber, Anna Paquin
Mortensen erotisch und mit Verführerqualitäten! Zu einer Zeit, in der
die ersten Menschen auf dem Mond
landen, die Hippie-Massen 1969 in
Woodstock einregnen und die Gesellschaft nicht nur wegen der sexuellen
Revolution in Aufruhr ist, sorgt er im
nostalgisch anmutenden RomanzenDrama A WALK ON THE MOON bei
Diane Lane für weiche Knie, deren
Figur im eigentlichen Zentrum der
Geschichte steht. Lane spielt die
Hausfrau Pearl Kantrowitz, die bereits mit 17 schwanger wurde und
dann viel zu früh heiratete. Jahre
später bricht sie in einem Summercamp mit einer kribbeligen Affäre
aus ihrem Ehealltag aus und erlebt
ihr eigenes Stückchen nachgeholter
Jugend und lustvoller Freiheit.
25. 10., 11 h, Stadtkino im Künstlerhaus
EASTERN PROMISES
Kanada/GB 2007, 100 Min, OF
R: David Cronenberg, D: Naomi Watts,
Viggo Mortensen, Armin Mueller-Stahl,
Vincent Cassel
Ein Abstecher ins Milieu der Londoner Russenmafia – mit Mortensen in
der Oscar-nominierten Rolle eines
finsteren Mannes, der als Chauffeur
für den Restaurant-Besitzer und
Paten Semyon (Mueller-Stahl) arbeitet und auf Anna (Watts) trifft. Die
Hebamme ist unterwegs auf den
Spuren einer Zwangsprostituierten,
die bei der Geburt ihres Kindes starb.
Während EASTERN PROMISES dabei
das patriarchale System und die
Strukturen der russischen «Familie»
unter die Lupe nimmt, ist er als Genreausreißer gleichermaßen Familiendrama, brutales Neo-Noir und atmosphärischer Thriller, der sich einem
herkömmlichen Spannungsaufbau
zugunsten von Schlenkern ins Melodramatische verweigert.
24. 10., 11 h, Metro, Großer Saal
27. 10., 17 h, Metro, Eric Pleskow Saal
JAUJA
THE INDIAN RUNNER
USA 1991, 126 Min, Omd/fU
R: Sean Penn, D: David Morse,
Viggo Mortensen, Patricia Arquette,
Charles Bronson
Rein zufällig sah Sean Penn Ende der
1980er Mortensens Auftritt im TVFilm FRESH HORSES – und damit
genau das Gesicht, das ihm für sein
Regiedebüt vorschwebte. In THE INDIAN RUNNER, für den Penn basierend auf Bruce Springsteens Song
«Highway Patrolman» auch das
Drehbuch schrieb, verkörpert der
Schauspieler die Hälfte eines ungleichen Brüderpaars in den 1960er Jahren in Nebraska: Als Vietnam-Veteran Frank mit aggressivem, unberechenbarem Temperament gerät er in
Konflikt mit seinem Bruder, den
Kleinstadt-Sheriff Joe (Morse). Ruhig
erzählt und mit viel Raum für eindringliche Performances.
29. 10., 22 h, Metro, Eric Pleskow Saal
5. 11., 13.30 h, Metro, Großer Saal
diese eines Nachts verschwindet, beginnt für den Vater eine Odyssee ins
Unbekannte, in die Nacht, in den
Wahnsinn. JAUJA ist ein Film von
mythischer Anmutung, ein erzählerischer Hybrid am Rande von Zeit und
Geschichte, mit einem alles überstrahlenden Viggo Mortensen im
Herz des Geschehens.
in anwesenheit von lisandro alonso.
5. 11., 21 h, Gartenbaukino
6. 11., 16 h, Stadtkino im Künstlerhaus
THE LORD OF THE RINGS:
THE FELLOWSHIP OF THE RING
(DER HERR DER RINGE: DIE GEFÄHRTEN)
Neuseeland/USA 2001, 178 Min, OF
R: Peter Jackson, D: Elijah Wood, Viggo
Mortensen, Sean Bean, Ian McKellen
JAUJA
Argentinien/USA/NL/F/Mexiko/DK/D 2014
108 Min, OmeU
R: Lisandro Alonso, D: Viggo Mortensen,
Ghita Nørby, Diego Roman, Mariano Arce
Minimalismus, Verdichtung und
freie Form zwischen Dokument und
Fiktion machen Alonsos Arbeiten zu
einem singulären Kino-Phänomen.
Mit JAUJA wagt sich der Regisseur
auf neues Terrain: Ende des 19. Jahrhunderts beteiligt sich ein dänischer
Ingenieur am Krieg gegen die Ureinwohner im argentinischen Patagonien. Weitab der Zivilisation lebt er
mit seiner 15-jährigen Tochter. Als
Lange Haare, voller Bart, kantiges
Gesicht – in seinen aufwändigen
Abenteuer-Epen nach den Romanklassikern von J.R.R. Tolkien kitzelte
Regisseur Peter Jackson den FantasyKönig-Appeal aus Mortensen heraus,
nachdem er ihn statt des ursprünglich vorgesehenen Stuart Townsend
als Aragorn besetzte. Bevor der als
Heerführer in den Monumentalschlachten gegen Saurons finstere
Armeen zur schwertschwingenden
Hochform aufläuft, darf er sich zusammen mit Hobbit Frodo Beutlin
und den anderen Verbündeten in
THE FELLOWSHIP OF THE RING,
dem ersten Teil der bildgewaltigen
Fantasy-Trilogie, zunächst einmal
langsam warmreiten.
6. 11., 10.30 h, Stadtkino im Künstlerhaus
THE ROAD
USA 2009, 111 Min, OmdU
R: John Hillcoat, D: Viggo Mortensen, Kodi
Smit-McPhee, Robert Duvall, Charlize Theron
Die Welt ist verwüstet, verbrannt, ein
großes, dreckiges Grau, nachdem
eine nicht genauer definierte Katastrophe die Zivilisation ausgelöscht
hat. Nur wenige Menschen haben in
dieser Adaption von Cormac McCarthys Pulitzer-prämiertem Roman
überlebt – darunter auch ein abgekämpfter Mortensen als namenloser
Vater und Newcomer Kodi SmitMcPhee als dessen Sohn. In seinem
Film über das Wesen der Menschen,
über Menschlichkeit und starken
Überlebenswillen zeigt Regisseur
John Hillcoat ihren langen Weg zum
Meer als elegisches wie beklemmendes Endzeit-Roadmovie mit blanken
Terrormomenten und kammerspielartig intimen Augenblicken zwischen den zwei starken Hauptdarstellern.
27. 10., 13 h, Urania
4. 11., 22 h, Metro, Eric Pleskow Saal
41
Tributes
DIE INSCHRIFT DER WELT
DER GESCHMACK DES LEBENS
(THE TASTE OF LIFE)
BRD 1979, 29 Min, OmeU
© Janni Chavakis, 2004
Zur Erinnerung an Harun Farocki
Harun Farockis plötzlicher Tod im
Juli diesen Jahres markiert einen
Riss durch die Kinokultur – war
doch der seit 1966 künstlerisch Tätige nicht nur einer der wenigen bundesdeutschen Filmemacher, deren
Schaffen nachhaltige Bedeutung hat
und objektiv Folgen zeigt, sondern
auch ein international wirkender
Protagonist der Medienkunst, verortet zwischen Fernsehen, Lichtspieltheater und Museum/Galerie. Farockis Arbeit war das Schaffen von
Fakten, das Dokumentieren der politisch-ökonomischen Verhältnisse in
Formen, die diesen angemessen
sind; damit auch: das Bedenken, Schöpfen von Formen, mit denen sich unsere Wirklichkeit adäquat künstlerisch widerspiegeln, entsprechend angewandt
auch fundamental verändern lässt. Er selber sagte: «Es gibt keine Literaturoder Sprachkritik, ohne dass der Autor der vorhandenen Sprache gegenüber
kritisch ist. Ebenso verhält es sich mit Filmen. Man muss keine neuen, nie gesehenen Bilder suchen, aber man muss die vorhandenen Bilder in einer Art
bearbeiten, dass sie neu werden. Da gibt es verschiedenen Wege. Mein Weg ist
es, nach verschütteten Bedeutungen zu suchen und den Schutt, der auf den
Bildern liegt, wegzuräumen.» Die Viennale erinnert an Farocki mit neun Filmen, welche die Weite wie Komplexität seines Werkes umreißen.
ARBEITER VERLASSEN DIE FABRIK
Ein Versuch darüber, wie viel Alltag
das Kino in sich aufzunehmen vermag. Rund zwei Monate lang filmte
Farocki Momente, die für ihn Fensterblicken gleichen: das Leben, so
wie es sich zeigt, wenn man z.B. mit
den Armen aufgestützt aus dem ersten Stock auf die Straße und den
Gehweg hinab schaut, die Augen
dabei schweifen lässt, arglos interessiert. Entstanden ist so eine Folge
von (Genre-)Szenen des Flüchtigen,
Absichtslosen – von Augenblicken
der Ruhe, des Verharrens im Dasein,
der Kontemplation, des Glücks. Man
ahnt, wie schnell all das verschwinden wird. Ein Herzensprojekt.
Mit ZUM VERGLEICH
26. 10., 11 h, Stadtkino im Künstlerhaus
4. 11., 15.30 h, Stadtkino im Künstlerhaus
(WORKERS LEAVING THE FACTORY)
D 1995, 36 Min, OmeU
Ausgehend von Louis Lumières
Werkstorwerk, mit dem für viele
1895 das Kino symbolisch beginnt,
wird ein Kernmotiv des Films durch
die Dekaden und Systeme betrachtet. Schon bei Lumière ist die Idylle
mit Hunderl, beschwingten Beschäftigten, emsig drängelnden Fahrradlern etc. reine Inszenierung (die Angestellten hatten beispielsweise
Sonntagsstaat zu tragen). Bei Pudovkin, Dudow, Wildenhahn, Schleif,
und wie die Regisseure der von Farocki zitierten Werke alle heißen, wird
der Fabrikein- wie ausgang zu einem
zentralen mythologischen Ort: zur
Grenzlinie, um welche sich die Politik des 20. Jahrhunderts drehte –
deren Wundnaht.
Mit NICHT OHNE RISIKO
27. 10., 16 h, Stadtkino im Künstlerhaus
1. 11., 22 h, Metro, Eric Pleskow Saal
GEORG K. GLASER – SCHRIFTSTELLER
UND SCHMIED
BRD 1988, 44 Min, OF
Eine Betrachtung zum Zusammenhang zwischen Film und Literatur
und Leben. Damit auch: die Be42
JEAN-MARIE STRAUB UND
DANIÈLE HUILLET BEI DER ARBEIT
AN EINEM FILM NACH FRANZ KAFKAS
ROMANFRAGMENT «AMERIKA»
schreibung von Wahlverwandtschaften. Glaser, Autor, antifaschistischer
Agitator und Kämpfer trat durch
einen Zufallsfund in Farockis Leben,
als der dessen «Geheimnis und Gewalt» (1951; dt. 1989) aus einer
Wühlkiste fischte. Fasziniert von diesem mächtigen, dem Anarchismus
verpflichteten Erzählwerk machte
sich Farocki auf die Spur des Urhebers und saß Glaser bald in Paris gegenüber. Er fand in ihm ein Spiegelbild von vielen, und im Kupfer- und
Silberschmieden eine passende Parallele zu seiner Vorstellung davon,
was es heißt, Filme zu machen.
Mit JEAN-MARIE STRAUB UND DANIÈLE
HUILLET BEI DER ARBEIT …
29. 10., 14.30 h, Metro, Eric Pleskow Saal
5. 11., 13.30 h, Stadtkino im Künstlerhaus
BRD 1983, 26 Min, OmeU
Der angenehm schlicht-deskriptive
Titel ließe sich noch folgendermaßen
verlängern: «mit dem Regisseur dieser Dokumentation in der Rolle des
Delamarche». Zu sehen ist, wie Huillet & Straub mit Farocki dessen Auftritte in KLASSENVERHÄLTNISSE
(1983) einüben: Wie sie – Textsicherheit erwartend – am Sprechrhythmus der Figur Delamarches feilen,
ausloten, was der Körper je nach
Haltung mit der Stimme macht etc.
Ersichtlich wird in diesem DoppelPorträt (von Huillet & Straub wie von
Farocki selbst), dass Kunst die Fixierung des einen Details ist, das den
Unterschied ausmacht zwischen der
Gegenwart von Schönheit und ihrer
bloßen Insinuierung.
Mit GEORG K. GLASER …
29. 10., 14.30 h, Metro, Eric Pleskow Saal
5. 11., 13.30 h, Stadtkino im Künstlerhaus
NICHT OHNE RISIKO
LEBEN – BRD
(HOW TO LIVE IN THE FRG)
BRD 1990, 83 Min, OmeU
Eine durchschnittliche westalliierte
Existenz in 32 Simulationen: Vom
Geburtsvorgang und damit der Verdeutlichung dessen, woran man
keine Erinnerungen hat, über das soziale Miteinander an Lehrinstitutionen und Arbeitsplätzen wie auch in
der Freizeit bei Kontaktanbahnungen – bis hin zur Entsorgung der
sterblichen Überreste und damit der
Veranschaulichung dessen, was
einem selber wohl entgehen wird.
Dazwischen: Extremsituationen
(finaler Rettungsschuss und dessen
mögliche Vermeidung), Frivolitäten
(Nackttanz vor zahlenden Zuschau-
ern) und produktive Seelenkollapsverarbeitung. Alles unkommentiert.
Kann je nach Tagesform wie eine Komödie oder ein Horrorfilm wirken.
25. 10., 22 h, Metro, Eric Pleskow Saal
3. 11., 11 h, Metro, Großer Saal
NICHT OHNE RISIKO
(NOTHING VENTURED)
D 2004, 52 Min, OmeU
Eine Firma will Risikokapital, der
prospektive Geldgeber auf der anderen Tischseite entsprechende Sicherheiten. Die Kraftverhältnisse sind
klar: Die einen als Wollende haben
wenig zu wollen, die anderen als
Umworbene können schauen, wie
sie das Meist-Beste aus der Situation
machen. Performance ist alles, wenn
es um Geld geht – die Wahl des richtigen Italieners, damit die Minimierung der Gefahr falsch zubereiteter
Pasta, kann da plötzlich ganz wichtig
werden. Farocki kommentiert diese
Vorgänge nicht weiter, was sich da
bei den Verhandlungsrunden tut,
spricht für sich und ist absurd bis deprimierend genug.
Mit ARBEITER VERLASSEN DIE FABRIK
27. 10., 16 h, Stadtkino im Künstlerhaus
1. 11., 22 h, Metro, Eric Pleskow Saal
VIDEOGRAMME EINER REVOLUTION
(VIDEOGRAMS OF A REVOLUTION)
ZWISCHEN ZWEI KRIEGEN
(BETWEEN TWO WARS)
D 1992, 106 Min, OmeU
R: Harun Farocki, Andrei Ujica˘
21. bis 25. Dezember 1988, Volksrepublik Rumänien: Eine Serie von
«unvorhergesehenen Ereignissen».
Beginnend mit Nicolae Ceauşescus
letzter öffentlicher Ansprache,
schließend mit der formalrechtlich
bloß kläglich verbrämten standrechtlichen Erschießung des HerrscherEhepaares: Eine staatskommunistisch maskierte Diktatur (ver)endet
und wird dabei gefilmt, was man
rückblickend doppeldeutig verstehen sollte. Farocki und Ujică verarbeiten Massen von Fremdmaterialien: Staats-TV-Sendungen, Lehrvideos der Verteidigungsorgane, Amateuraufnahmen. Zu sehen ist: wie
das spontane Volksaufbegehren
nach Fernseh-Plan abschnurrt. Auch
die Revolution unterliegt Formatvorlagen.
BRD 1978, 85 Min, OmeU
D: Ingemo Engström, Hartmut Bitomsky,
Jeff Layton, Renée Schlesier
Ein Spielfilm, der die Geschichte
einer Rationalisierungsidee für den
Eisenverhüttungsprozess durch die
Geschichte der Weimarer Republik
erzählt und der das Scheitern dieses
Entwicklungsschritts als Schlüssel
für die Bewegung der Industriellen
Nazi-wärts darstellt. Es geht um Verhältnisse und Verhältnismäßigkeiten. Wirtschaftliche Vorgänge werden in narrative Vorgänge übersetzt,
politische Entscheidungen nachvollziehbar gemacht als Abfolge von Abwägungen über Gewinne und Verluste. Soweit das geht; Farocki bemerkte
seinerzeit schon: «Ich untersuche
die ökonomischen Ursachen des Faschismus exzessiv, um auch die
Grenzen dieser Untersuchungsmethode zu finden.»
24. 10., 14.30 h, Metro, Eric Pleskow Saal
31. 10., 13.30 h, Metro, Großer Saal
24. 10., 11 h, Stadtkino im Künstlerhaus
26. 10., 14.30 h, Metro, Eric Pleskow Saal
ZUM VERGLEICH (BY COMPARISON)
D/A 2009, 61 Min, eF
R: Harun Farocki
ZUM VERGLEICH ist, sagt Farocki,
«ein Film, der zum Begriff der Arbeit
beiträgt». Dieser Begriff bildet sich
am Beispiel der Arbeit des Häuserbauens, genauer: der Herstellung
von Ziegelsteinen, die der Filmemacher in einer traditionellen, in einer
frühindustriellen und in einer hochindustriellen Gesellschaft beobachtet. Afrika, Indien, Europa heißen die
Stationen, Krankenhaus, Wohnhaus,
Schulhaus die Bauvorhaben. Dazu
kein Kommentar, lediglich Texttafeln, die über Ort und Bauweise informieren – die Arbeit des Vergleichens liegt bei den ZuschauerInnen.
FAROCKI
USA 2014, 77 Min, stumm
R: James Benning
(Siehe S. 26)
am 5.11. in anwesenheit von
James benning.
5. 11., 18.30 h, Stadtkino im Künstlerhaus
6. 11., 15 h, Metro, Eric Pleskow Saal
Mit DER GESCHMACK DES LEBENS
26. 10., 11 h, Stadtkino im Künstlerhaus
4. 11., 15.30 h, Stadtkino im Künstlerhaus
43
In Focus
ARABIAN UTOPIA
Der algerische Filmemacher Tariq Teguia
Mit drei Werken in sieben Jahren, kulminierend in THWARA ZANJ, etablierte sich der 1966 in Algier geborene
Tariq Teguia als außerordentlicher,
politisch wach(sam)er wie ästhetisch
wagemutiger Autorenfilmer des modernen Kinos. Ausgangspunkt seines
Schaffens, der Reisen, Fluchten, Suchen, von denen er stets erzählt, ist
Teguias Geburtsland. Verortet aber ist
es in einem Raum, den die Wege der
arabischen Kultur(en) durch die Jahrtausende beschritten – eine Geisteslandschaft, die sich über den Nahen
Osten, Afrika und Europa erstreckt.
Entsprechend vielgestaltig sind seine
filmhistorischen Referenzen, zu nennen wären zuvorderst: Robert Frank
und Djibril Diop-Mambéty; aber auch ein Solitär wie Faruq Balufa, mit dessen
einzigem Langfilm, NAHLA (1979), THWARA ZANJ ein leises Gespräch führt
über panarabische Träume und woran diese zu oft zerschellen. Gemein ist
ihnen allen, was sich schon in den beiden Kurzfilmen FERRAILLES D’ATTENTE und HAÇLA andeutet, um sich dann in den gefeierten Spielfilmen ROMA
WA LA N’TOUMA und GABBLA fein-prächtig zu entfalten: eine Faszination
für fragmentarische Formen, eine Liebe zum Spiel mit Laien, eine Freude an
der Zuspitzung, Stilisierung von Figuren und Szenen. Teguia gelingt damit
etwas Rares: ein politisch notwendiges, aufklärerisches Kino, welches zugleich hochreflektiert und kämpferisch ist.
in anwesenheit von Tariq Teguia.
FERRAILLES D’ATTENTE
Algerien 1998, 7 Min, OmeU
bringt die Bilder zum Beben, bis
dann wieder alles erfüllt wird von
einer sehr künstlichen Stille.
Mit GABBLA
30. 10., 15.30 h, Stadtkino im Künstlerhaus
GABBLA
(INLAND)
Was bei allen Werken Teguias auffällt, ist die Klangebene, welche sich
stets ausnimmt wie eine Musiqueconcrète-Komposition, bestehend zu
gleichen Teilen aus (gern verfremdeten) Originaltönen und Melodien
mal klassischer, mal elektronisch(bearbeitet)er Herkunft. FERRAILLES
D’ATTENTE ist eine Art Kinosinfonie
für Kammerorchester, in der sich
alles um Stahl und Wind dreht: Eisenstangen können wie Glocken
klingen, ein Sturm aus weißem Rauschen zieht auf, ein wie aus der
Ferne donnerndes Industrietosen
44
Algerien/F 2008, 138 Min, OmeU
D: Abdelkader Affak, Ines Rose Djakou,
Ahmed Benaïssa, Fethi Gharès
Malek, ein Topograf, soll eine Region
im Westen Algeriens vermessen helfen, die von bewaffneten Aufständischen im Namen ihrer Idee vom
Islam terrorisiert wird. Und in der
Tat: Malek findet ein verödetes Land
vor, dessen Bewohner erst langsam
sich wieder zurückzukehren trauen.
Eines Tages taucht eine Frau aus
dem subsaharischen Raum in Maleks Leben auf, mit der er sich auf
eine Reise machen wird … Die Geschichte einer Flucht erst gen die
spanische Exklave Mellila, dann
Tchad-wärts, zerrissen-skandiert von
Auszügen politischer Diskussionen
über das Verhältnis von Intellektuellen und Staat. Eine tiefe Ruhe steckt
in allen Bildern wie Bewegungen –
die vor dem Sturm …
Mit FERRAILLES D’ATTENTE
30. 10., 15.30 h, Stadtkino im Künstlerhaus
HAÇLA
(THE FENCE)
F/Algerien 2002, 24 Min, OmeU
Algier: eine Reise von Bab-el-Oued
bis Bainem, von den innerstädtischen Prachtbauten und Grands
Boulevards bis in die Ruinenlandschaft der Vororte. Durchmessen
wird so eine Topografie der Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung:
Junge Algerier kotzen sich vor Teguias Kamera aus, erklären, warum sie
das Land verlassen wollen und
wohin – eine Generation im Wind
der Zeit, die man eines Tages vielleicht verloren heißen wird, vielleicht aber auch die Vorhut einer
neuen transnationalen Kultur. In diesem Augenblick aber stecken sie fest,
und Teguia zeigt sie im Einbahnstraßengewirr der Kapitale und in den
Sackgassen.
Mit ROMA WA LA N’TOUMA
31. 10., 15.30 h, Stadtkino im Künstlerhaus
2. 11., 11.30 h, Metro, Eric Pleskow Saal
THWARA ZANJ
(ZANJ REVOLUTION)
Algerien/F/Libanon/Qatar 2013
137 Min, OmeU
R: Tariq Teguia, D: Fethi Ghares, Diana Sabri,
John W. Peake, Sean Gullette
NACH DARWIN‘S NIGHTMARE DER NEUE FILM VON HUBERT SAUPER
WORLD CINEMA DOCUMENTARY
SPECIAL JURY AWARD 2014
29TH PEACE FILM PRIZE 2014
(Siehe S. 22)
2. 11., 20 h, Urania
3. 11., 14.30 h, Metro, Eric Pleskow Saal
ROMA WA LA N’TOUMA
(ROME RATHER THAN YOU)
Algerien/F/D 2006, 111 Min, OmeU
D: Samira Kaddour, Rachid Amrani, Ahmed
Benaïssa, Kader Affak
Kaum ein Film der letzten Jahre hat
so unmittelbar, genau und voller
Kenntnis über die Gewalt und die
Widersprüche innerhalb einer fundamentalistischen Gesellschaft gesprochen wie dieser. Das junge Paar
Kamel und Zina will die Heimat verlassen, weil das Leben unter der religiös-autoritären Herrschaft unerträglich geworden ist. Auf der Suche
nach Unterstützung für ihre Flucht
durchstreifen sie die Stadt, und ihre
Suche wird zu einer neuen Konfrontation und selbstbewussten Wahrnehmung der Verhältnisse. Ein letztes Innehalten, ein letzter Blick auf
eine geliebte und vertraute und zugleich unerträgliche und ungerechte
Welt.
Mit HAÇLA
31. 10., 15.30 h, Stadtkino im Künstlerhaus
2. 11., 11.30 h, Metro, Eric Pleskow Saal
AB 28.11. IM KINO
Ein surrealer,
surrealerr, bewegender,
bewegenderr,, wütend
wüten mac
machender
hender und überzeugender Beweiss dafür
dafür,r,,
YORK TIMES
dass in Afrika
Afrika kein Post vor Kolonialismus steht. NEW YORK
WWW.WECOMEASFRIENDS.COM
Special Programs
REVOLUTIONEN IN 16MM
© NFB/La Cinémathèque québécoise
Zu einer anderen Geschichte des Schmalfilm-Formats
Mit der Einführung des 16mm-Films
hat sich das Kino neu erfunden. Nur
halb so breit wie das über lange Zeit
vorherrschende industrielle Standardformat war der 16mm-Film im Verlauf
der Filmgeschichte vermutlich um
nichts weniger einflussreich. Die Reduktion von Größe und Kosten hat FilmemacherInnen das Arbeiten mit völlig beweglicher, intimer Kameraführung und neuen Formen künstleriLA LUTTE
scher Freiheit ermöglicht, ja sie überhaupt erst als solche hervorgebracht. Nicht nur sollte das Schmalfilmformat
FilmemacherInnen dazu verführen, außerordentliche Risiken auf sich zu
nehmen und sich mit der Kamera in der Hand auf die Straße und das
Schlachtfeld zu wagen, um entlegenste Gegenden der Welt ebenso wie die intimste Privatheit des eigenen Heims zu erkunden, sondern auch die Auswirkungen des 16mm-Formats auf die Vorführung von Filmen waren immens:
Tragbare Projektoren brachten das Kino in nie dagewesener Zahl in die Klassenzimmer, Fabriken, Gefängnisse, Kirchen und Wohnungen und ließen unzählige neue Genres entstehen. Dies sind ihre Geschichten.
Kuratiert und in Anwesenheit von Katja Wiederspahn und Haden Guest.
Am Beginn eines jeden Programms steht eine kurze Einführung.
FetischistInnen, deren Lust ebenso
im Akt des Filmens wie in der Beobachtung des Reinigungsrituals zu bestehen scheint, das sie so liebevoll
aufzeichnen.
29. 10., 19.30 h, Metro, Eric Pleskow Saal
4. 11., 14 h, Metro, Großer Saal
SEX AUF 16MM
(85 MIN)
W-47 «STORMY»
GETTING HIS GOAT
USA 1922, 10 Min, stumm
EVEREADY HARTON
USA ca. 1924, 5 Min, stumm
AMATEURFILM UND HEIMKINO
HILLBILLIES FROLICS
(ca. 76 MIN)
THE HYPNOTIST
USA 1927, 10 Min, stumm
DE BEDIENDEN VAN DE FAMILIE SANDERS
NL ca. 1935, 6 Min, stumm
[HEART MOUNTAIN RELOCATION CENTER IN
WYOMING]
USA ca. 1942–45, 10 Min, stumm
USA ca. 1930, 11 Min, stumm
© George Eastman House
THE WAY WE WERE IN 1927
USA ca. 1920er–30er, 9 Min, stumm
NATOMA AND MR. FREDERICK
USA ca. 1940, 2 Min, OF
[UNTITLED STAG FILM]
USA ca. 1950er, 8 Min, stumm
BETTY PAGE: PEPPY GRACEFUL DANCE
[ JOAN CRAWFORD … ]
[JOAN CRAWFORD HOME MOVIES COMPILATION]
USA 1940–49, ca. 15 Min, stumm
HUNTING DEER AND…
USA 1953, 4 Min, stumm
[ENEMA MEDLEY]
USA ca. 1960–62, 22 Min, stumm
MULTIPLE SIDOSIS
© UCLA Film & TV Archive
USA 1970, 9 Min, OF
R: Sid Laverents
MULTIPLE SIDOSIS
46
USA ca. 1950er, 3 Min, stumm
R: Irving Klaw
MERMAID’S BOUDOIR
Als Attacke gegen die gemütlichen
Kategorien von Heimkino, Amateur-,
Underground-Film konzipiert, versammelt das Programm ein Spektrum an 16mm-Filmen, die die fragilen Grenzen zwischen öffentlichen
Räumen und privaten Sehnsüchten
unter die Lupe nehmen. THE WAY
WE WERE IN 1927 zeigt eine anmutig manikürte Sicht auf die USA vor
der großen Depression, während die
[ JOAN CRAWFORD HOME MOVIES
COMPILATION] mit dem gekonnt inszenierten häuslichen Leben der
Schauspielerin aufwartet. HUNTING
DEER AND... dagegen liefert einen in
Kodachrom geätzten Alptraum entfesselter Männlichkeit einer betrunkenen Jagdgesellschaft, gefolgt von
[ENEMA MEDLEY], einem Dokument
über die geheime Welt der Klistier-
USA ca. 1950er, 3 Min, stumm
W-47 «STORMY»
USA ca. 1958, 6 Min, stumm
ACHIEVING SEXUAL MATURITY
USA 1973, 21 Min, OF
R: Ben Norman
RESPONDING
USA 1980, 7 Min, OF
R: Deryck Calderwood
THE HYPNOTIST
ASYL
Das Programm präsentiert eine kleine Auswahl der unzähligen Sub-Genres des erotischen und pornografischen Kinos, die der Schmalfilm hervorgebracht hat: Peepshow-Filme,
Stag-Filme, pornografische Animationen, Betty Page, Diva des erotischen Kinos, in einem ihrer fröhlichen Auftritte auf 16mm, Vaudevilleinspirierte Beispiele des Genres
sowie zwei in jeder Hinsicht avantgardistische «Aufklärungs»-Filme,
die einstmals vom verwegenen Filmverleih der Grove Press vertrieben
wurden. Den Höhepunkt bildet ein
anonymer Stag-Film aus den 1950er
Jahren, der Amateur-PornografInnen
bei der Arbeit zeigt: wild arrangieren
sie vor ihren Kameras «Szenen» in
einer improvisierten Wohnzimmer«Kulisse» – ein faszinierender Film,
der den Blick auf die dokumentarischen Dimensionen des pornografischen Kinos freigibt.
27. 10., 22 h, Metro, Eric Pleskow Saal
5. 11., 14.30 h, Metro, Eric Pleskow Saal
CHILDREN’S MAGICAL DEATH
kannt und untersucht ist jedoch die
Rolle der 16mm-Kamera in den Kolonialkriegen nach dem 2. Weltkrieg,
Gegenstand der beiden anderen
USA 1974, 8 Min, OmeU
R: Timothy Asch, Napoleon A. Chagnon
OH, CHINA, OH
USA 1983, 3 Min, OF
R: Leslie Thornton
ARTIFICIAL PARADISE
USA 1986, 13 Min, OF
R: Chick Strand
A DEPRESSION IN THE BAY OF BENGAL
USA 1996, 28 Min, OF
R: Mark LaPore
NO PINCHA!
16MM IM KRIEG
(95 MIN)
CAMERA THRILLS OF WAR
USA ca. 1944, 10 Min, stumm
HONRA À ÍNDIA PORTUGUESA
P 1961, 20 Min, eF
NO PINCHA! (VORWÄRTS)
F 1970, 65 Min, OmdU
R: Tobias Engel, René Lefort, Gilbert Igel
Filme im Programm. Sie untersuchen die grundlegenden Ambivalenzen von Kriegen, die gleichermaßen
um Freiheit, nationale Souveränität
und Identität wie um geografische
Grenzen geführt werden. Die 16mmHandkamera ist hier Werkzeug zur
Befragung der Kolonisierten und der
KolonisatorInnen, sie fängt Momente der sich stetig verändernden Mythen und Realitäten des Nationalstaates ein.
26. 10., 22 h, Metro, Eric Pleskow Saal
31. 10., 12 h, Metro, Eric Pleskow Saal
CHILDREN’S MAGICAL DEATH
Dieses Programm ist der Avantgarde
des ethnografischen Kinos gewidmet. Jean Rouchs TOUROU ET BITTI
bildet seine chronologische Mitte, jedoch keineswegs das Resümee der
hier präsentierten Ansätze. In ALMADRABA ATUNEIRA, einer Pionierarbeit des Novo Cinema, setzt Campos
der harten Arbeit der FischerInnenGemeinde von Tavira ein Denkmal,
während LA LUTTE, eines der herausragenden Beispiele des frankokanadischen Direct Cinema, die nervöse Spannung von Wrestlern und
RADIKALE ETHNOGRAFIE
(129 MIN)
ALMADRABA ATUNEIRA
Unterschiedliche Vorstellungen und
Bilder des Krieges werden hier gegenübergestellt. Der kriegslüsterne
Katalog von Tod und Zerstörung in
CAMERA THRILLS OF WAR lässt die
Brutalität der Armee vertraut und
fremd zugleich erscheinen; dieser
Film hat Bruce Conner zu seinem
Found-Footage-Meisterwerk A
MOVIE inspiriert, in dem Material
daraus verarbeitet ist. Weniger be-
P 1961, 27 Min, kein Dialog
R: António Campos
LA LUTTE (WRESTLING)
Kanada 1961, 28 Min, OmeU
R: Michel Brault, Marcel Carrière, Claude
Fournier, Claude Jutra
QUARRY
USA 1970, 13 Min, OF
R: Richard P. Rogers
TOUROU ET BITTI
F/Niger 1971, 9 Min, OF
R: Jean Rouch
© Harvard Film Archive
NO PINCHA!
QUARRY
47
Special Programs
Publikum im Montreal Forum dramatisch in Szene setzt. Im Gegensatz
dazu verweist Aschs und Chagnons
Arbeit aus ihrer Yanomamo-Serie mit
dem Porträt einer Gruppe von Jungen und ihrem Spiel mit schamanischen Ritualen auf die Doppelbödigkeit jedes ethnografischen Zugangs.
Insbesondere die drei abschließenden Filme legen beredtes Zeugnis
davon ab, wie sehr 16mm-Avantgarde-Kino und visuelle Anthropologie
einst miteinander verbunden waren.
30. 10., 21 h, Metro, Großer Saal
gegen die Übergriffe durch Polizei
und Regierung.
31. 10., 17 h, Metro, Eric Pleskow Saal
3. 11., 18.30 h, Metro, Großer Saal
Die Tagebuchfilme in diesem Programm beschreiben das Potenzial
des 16mm-Formats, Intimität und
Emotion, ja Licht, Textur und Poesie
des Alltags einzufangen. NOTEBOOK
ist ein dynamisches Tagebuch, lyrisch tanzende Filmbilder und Animationen sind in losen Kapiteln zu
einem Album des kreativen Lebens
einer der zu wenig beachteten PionierInnen der US-amerikanischen
Avantgarde zusammengefasst. A
PORTRAIT OF GA dagegen ist eine
Art filmische Skizze, die den schnellen Schritt und Geist eines geliebten
Menschen einfängt, ganz anders als
PLUMB LINE, das die Freud’sche Formel vom Wiederholen, Erinnern und
Durcharbeiten in seinen zahllosen
Schichten zu verkörpern scheint.
Marjorie Keller wiederum arbeitet literarischer und stellt den Garten
ihres Vaters als Ort der Meditation
über Vergils «Georgica» vor, während
Matthias Müller in ALPSEE seine Erinnerungen in schillernden Farben
re-inszeniert.
24. 10., 13.30 h, Metro, Großer Saal
1. 11., 16 h, Stadtkino im Künstlerhaus
FIRST PERSON CINEMA
UND TAGEBUCHFILM
(87 MIN)
STRUKTURELLER
UND FREIER FILM
(70 MIN)
BLACK IS
BRIDGES-GO-ROUND
USA 1958, 8 Min, kein Dialog
R: Shirley Clarke
COSMIC RAY
USA 1961, 5 Min, kein Dialog
R: Bruce Conner
PLASTIC HAIRCUT
ALPSEE
KOLLEKTIVES KINO
NOTEBOOK
EL GRITO
USA 1963, 16 Min, OF
R: Robert Nelson
BLACK IS
USA 1940–62, 10 Min, stumm
R: Marie Menken
USA 1966, 4 Min, kein Dialog
R: Aldo Tambellini
Mexiko 1968–71, 102 Min, eF
R: Leobardo López Aretche
HAND CATCHING LEAD
A PORTRAIT OF GA
USA 1968, 3 Min, stumm
R: Richard Serra
GB 1952, 5 Min, OF
R: Margaret Tait
FOG LINE
SCHMEERGUNTZ
USA 1968–71, 15 Min, OF
R: Carolee Schneemann
THE ANSWERING FURROW
USA 1985, 27 Min, OF
R: Marjorie Keller
ALPSEE
D 1994, 15 Min, kein Dialog
R: Matthias Müller
A PORTRAIT OF GA
48
SHIFT
USA 1974, 9 Min, kein Dialog
R: Ernie Gehr
PASADENA FREEWAY STILLS
USA 1974, 6 Min, stumm
R: Gary Beydler
ASYL
Der Mai 1968 zeitigte erfreuliche Folgen, wie die kurzfristige Umsetzung
der Utopie eines kollektiven Kinos.
Künstlerische Entscheidungen wurden in der Gruppe getroffen, zusammengeschweißt durch historische
Umstände und die 16mm-Kamera.
In Mexiko dokumentierten StudentInnen die Proteste gegen die Brutalität der Polizei im Vorfeld der Olympischen Spiele 1968, es wurden viele
Stunden elektrisierenden Materials
aus der Bewegung heraus gesammelt. Zusammen mit Aretche arbeitete das Kollektiv der StudentInnen
am Schnitt und organisierte das Material zu einer scharfen Anklage
A 1975, 8 Min, stumm
R: Kurt Kren
Dieses Programm erkundet das
strukturelle Kino als eine der we-
© Anthology Film Archives
PLUMB LINE
USA 1970, 11 Min, stumm
R: Larry Gottheim
© Filmoteca de la UNAM
USA 1966, 15 Min, OF
R: Gunvor Nelson, Dorothy Wiley
BRIDGES-GO-ROUND
sentlichen, zugleich bis heute umstrittenen Ausdrucksformen der
Avantgarde der 1960er und 1970er
Jahre. Die Reihe der hier versammelten Filme ist kontrapunktisch angelegt, sie arbeiten entweder – manchmal auch zugleich – mit oder/und
gegen die Idee eines strukturellen
Materialismus. Anklänge der lyrischen Intensität von Clarkes
BRIDGES-GO-ROUND, Conners COSMIC RAY und Tambellinis BLACK IS
lassen sich ebenso in der dadaistischen Theatralik von Nelsons PLASTIC HAIRCUT entdecken wie – explosiv gewendet – in Krens ASYL.
Einen eher verhaltenen und kontrollierten Gegenpol bilden demgegenüber die stille Erhabenheit von Gottheims FOG LINE und die auto-mobilen Skulpturen in Gehrs SHIFT. Wie
sich zeigt, ist struktureller Film keine
rigide wissenschaftliche Kategorie,
sondern vielmehr ein fließendes, bewegliches, promiskes Konzept.
26. 10., 11 h, Metro, Großer Saal
EXPANDED 16
(66 MIN)
TSUBUREKAKATTA …
seine Vorstellungskraft als drittes
Auge einzusetzen und die beiden
Projektionen nebeneinander in
einem dritten Bild zusammenzusetzen, während es bei RAZOR BLADES
daran scheitern wird, Verbindungen
zwischen den verschiedenen Dingen
auf der Leinwand herzustellen; unterbrochen wird es dabei zudem von
Blitzlichtern, die es in die Gegenwart
seiner Seherfahrung zurückbeamen.
RETOUR D’UN REPÈRE dagegen arbeitet mit Überlagerung als Stratgie
einer fast unmerklichen Veränderung. TSUBUREKAKATTA MIGIME
NO TAME NI schließlich setzt Projektion nebeneinander und Überlagerung als dritte Bildschicht ein und
beschwört so die endlosen Möglichkeiten des Schmalfilm-Kinos herauf.
2. 11., 21.30 h, Metro, Großer Saal
DAKOTA SIOUX und QUIXOTE zu
den erhabensten und visuell erhebensten Arbeiten des US-amerikanischen Experimentalkinos. In der musikalischen Verschmelzung von Bild
und Ton zu schimmernden, sinnlichen Gedichtbänden ist die hier zusammengestellte hypnotisierende
16mm-Trilogie eine flüsternd intime,
zugleich mitreißend epische Meditation über die Mythen, die Gewalt und
die Geister, die die amerikanische
Seele umtreiben.
25. 10., 19.30 h, Metro, Eric Pleskow Saal
2. 11., 17 h, Metro, Eric Pleskow Saal
NATHANIEL DORSKY –
VIER NEUE ARBEITEN
(75 MIN)
SUMMER
SUMMER
USA 2013, 23 Min, stumm
ODEN AN EINE
UNTERGEGANGENE WELT
DECEMBER
(68 MIN)
FEBRUARY
MR. HAYASHI
AVRAHAM
USA 2014, 15 Min, stumm
USA 2014, 17 Min, stumm
TSUBUREKAKATTA …
RETOUR D’UN REPÈRE
USA 1979, 18 Min, stumm, Doppelprojektion
R: Rose Lowder
THIRD EYE BUTTERFLY
USA 1961, 3 Min, OF
R: Bruce Baillie
MASS FOR THE DAKOTA SIOUX
USA 1964, 20 Min, kein Dialog
R: Bruce Baillie
QUIXOTE
USA 1965, 45 Min, OF
R: Bruce Baillie
USA 1968, 10 Min, kD, Doppelprojektion
R: Storm De Hirsch
RAZOR BLADES
USA 1968, 25 Min, kD, Doppelprojektion
R: Paul Sharits
TSUBUREKAKATTA MIGIME NO TAME NI
(FOR THE DAMAGED RIGHT EYE)
Japan 1968, 13 Min, OF, Dreifachprojektion
R: Matsumoto Toshio
Vier Mehrfachprojektionen, die
16mm zur Explosion bringen und
einen Körper und Bewusstsein verändernden Fieberrausch an Bilderwelten auslösen. Der an 70mm erinnernde Effekt von THIRD EYE BUTTERFLY lädt das Publikum dazu ein,
MASS FOR THE DAKOTA SIOUX
Als visionäre Roadmovies und wehmütige Hymnen an einen Traum von
Amerika, der nie wahr wurde, gehören Bruce Baillies MASS FOR THE
USA 2014, 20 Min, stumm
Das Programm besteht aus vier
stummen Filmen. Stille im Kino ist
zweifellos eher etwas für Experimentierfreudige. Sie bietet jedoch reiche
Belohnung. Im Film gibt es zwei
Möglichkeiten, Menschen einzubeziehen. Eine ist, sie abzubilden. Die
andere, eine Film-Form zu schaffen,
die als solche alle Eigenschaften des
Menschseins besitzt: Zärtlichkeit, Beobachtung, Angst, Neugierde, plötzliche düstere Untertöne und Unterbrechungen, Ausdehnung, Rückzug, Anspannung, Entspannung, erhabene
Offenbarung. In Dorskys Arbeit verwandelt sich die Leinwand in eine
sprechende Gestalt – die Erzählung
ist das, was sich zwischen dem Publikum und der Leinwand ereignet.
in anwesenheit von nathaniel Dorsky.
27. 10., 18.30 h, Metro, Großer Saal
49
Special Programs
ELS VAN RIEL – GRADUAL SPEED
THIS MUCH IS UNCERTAIN
GRADUAL SPEED
GINZA STRIP
B 2013, 52 Min, kein Dialog
R: Els van Riel
I/GB 2009–10, 4 Min, stumm
R: Runa Islam
Australien 2014, 9 Min, kein Dialog
R: Richard Tuohy
RAZZLE DAZZLE
LES ANNÉES SCOPITONE –
JUKEBOX-FILME AUS DEN
1950er & 1960er JAHREN
AUS DER SAMMLUNG BERND BREHMER,
WERKSTATTKINO MÜNCHEN
(ca. 80 MIN)
USA 2014, 5 Min, stumm
R: Jodie Mack
THE COMING RACE
GB/IRL 2006, 5 Min, OF
R: Ben Rivers
MINUTES OF HELICOPTERS
F 2008, 4 Min, kein Dialog
R: Gaëlle Rouard
Als verführerische Meditation über
die alchemistischen Mysterien des
16mm-Films ist GRADUAL SPEED
einer der letzten wesentlichen
16mm-Filme des fotochemischen
Zeitalters. Die von van Riel gesammelten Aufnahmen sind eine Hommage an den 16mm-SchwarzweißFilm als Material und Metapher all
dessen, was wir nicht er/fassen können. Sie zelebrieren die Zeitlichkeit
des Augenblicks und den persönlichen Moment im Akt des Filmemachens im Sinne seines tatsächlichen,
chemischen Abdrucks in der Emulsion des Filmmaterials – und verleihen einem unverbrüchlichen Verlangen nach Wahrheit Ausdruck.
in anwesenheit von els van riel.
31. 10., 18.30 h, Metro, Großer Saal
Dieses Programm versteht sich als
Studie über die Potenziale von
16mm im zeitgenössischen Kino.
Deans Film eröffnet die Reihe in
chronologischer – und symbolischer
– Hinsicht. Ihr leidenschaftlicher,
prononcierter Umgang mit dem Material findet in seiner raffiniert metafilmischen Feier in THE GREEN RAY
einen mehr als gelungenen Ausdruck. Wie Deans Filme werden auch
jene von Buckingham und Islam
heute häufiger in Galerien als im
Kino gezeigt – ihren tiefsten Eindruck hinterlassen sie jedoch, wenn
sie als Arbeiten für das Kino gesehen
und verstanden werden. Tuohy,
Mack und Rouard dagegen bringen
die Leinwand ganz ungeniert mit Action Painting- und alchemistischen
DIE GEGENWART
DES 16MM-FILMS
(53 MIN)
THE GREEN RAY
GB 2001, 3 Min, stumm
R: Tacita Dean
RAZZLE DAZZLE
FALSE FUTURE
GB/USA 2007, 10 Min, fOmeU
R: Matthew Buckingham
A GRAMMAR FOR LISTENING, PART 3
GB 2009, 13 Min, OF
R: Luke Fowler
A GRAMMAR FOR LISTENING
50
Pyrotechniken zum Explodieren,
während Fowler und Rivers 16mm
wahlweise als wissenschaftliches
Gerät oder Musikinstrument verwenden, eingestimmt auf die Geräusche
und Texturen von Raum und Erfahrung.
28. 10., 18.30 h, Metro, Großer Saal
SCOPITONE
Scopitones wurden in jukeboxähnlichen Geräten mit Monitor nach Einwurf einer Münze abgespielt. Sie
standen in Bahnhöfen, Bars und an
anderen öffentlichen Plätzen. In
Frankreich waren sie besonders beliebt, was die große Anzahl französischer Stars in den kurzen Filmen, direkte Vorläufer heutiger Musikvideos, erklärt. Aber auch in (West-)
Deutschland, England, den USA und
in arabischen Ländern erfreuten sich
Scopitones regen Zuspruchs. Claude
Lelouch z.B. war ein großer Verehrer
dieser kleinen Filmform und produzierte mit seiner Firma Les Films 13
mehr als 200 Clips, die er häufig
selbst inszenierte. Das Programm
präsentiert Grooves von Stars wie
Sylvie Vartan («Est-ce que tu le
sais?»), Petula Clark («Be Good to
Me»), Debbie Reynolds («Let’s Sing in
the Sunshine»), Heidi Brühl («Wenn
du mir auch noch so schöne Augen
machst») und Alice & Ellen Kessler
(«Bons baisers à bientôt»).
in anwesenheit von bernd brehmer.
4. 11., 17 h, Metro, Eric Pleskow Saal
DAS GEDÄCHTNIS DES FILMS
Fritz Kortner und das Kino
eine filMSChaU DeS filMarChiV aUSTria
Ob auf der Bühne oder im Kino, im Stummoder Tonfilm, auf Deutsch oder Englisch, als
vielseitiger Darsteller, engagierter Drehbuchautor oder anspruchsvoller Regisseur: Der in
Wien geborene und ausgebildete Fritz Kortner (1892–1970) kämpfte stets gegen routinierte Gedankenlosigkeit und konventionelle Äußerlichkeit, war unbeirrbar auf der
Suche nach einem unverbrauchten und authentischen Ausdruck. Den erfolgreichen
Berliner Bühnen- und Filmstar der 1920er
Jahre drängte es zur Regie; den in Hollywood
Etablierten zog es 1947 zurück nach
Deutschland, um zum Wiederaufbau des
Kulturlebens aus den Nazitrümmern beizutragen. Auch wenn Kortners filmisches Werk nicht die stilbildende Nachwirkung seiner Theaterarbeit hat, bleiben viele seiner Filmrollen, die nach seinen
Drehbüchern entstandenen Werke und seine wenigen Regiearbeiten sehenswert. Der Gestaltungsbesessene ist in seiner unbequemen Eigenwilligkeit
auch heute eine geistig belebende Herausforderung.
Kuratiert von armin loacker und Martin Girod.
ABDUL THE DAMNED
DER BRAVE SÜNDER
GB 1935, 111 Min, OF
R: Karl Grune, D: Fritz Kortner, Nils Asther,
Adrienne Ames, John Stuart
Der despotische Sultan Abdul Hamid
befiehlt seinem Polizeichef, die jungtürkischen Rebellen zu unterwandern, sie in Misskredit zu bringen
und schließlich den alttürkischen
Führer Hassan Bey zu ermorden.
«Mag die Geschichte auch im Jahre
1908 spielen – der von Kortner gespielte Abdul wirkt wie eine allegorische Darstellung Hitlers, das Massaker an den Jungtürken erinnert an
die Ermordung Ernst Röhms und
Deutschland 1931, 109 Min, OF
R: Fritz Kortner, D: Max Pallenberg, Heinz
Rühmann, Dolly Haas, Josefine Dora
Einer der großen Tonfilme der Weimarer Ära und ein in seiner Ästhetik
einzigartiges Stück Kino. Alfred Polgars am Theater durchgefallene Komödie «Die Defraudanten», von Polgar selbst und Kortner für den Film
gründlich umgearbeitet, bietet Pallenberg die Möglichkeit für eine
atemberaubende Leistung. Hätten
wir DER BRAVE SÜNDER nicht, wir
könnten uns kaum ein Bild machen
von den erstaunlichen Fähigkeiten
dieses Schauspielers. Erzählt wird
die bis heute unverwüstliche Geschichte vom Kleinbürger aus der
Provinz, der in das Babel der modernen Großstadt kommt und dort auf
Abwege gerät. (Ines Steiner)
Einführung: Martin Girod
26. 10., 17 h, Metro, Eric Pleskow Saal
seiner SA-Führer durch Mitglieder
der SS im Jahre 1934.» (Richard Falcon) Kortner hat (ungenannt) am
Drehbuch mitgearbeitet; konventionell-klischeehafter Elemente zum
Trotz entlarvt der Film die Verlogenheit und den Zynismus jeder Machtpolitik.
6. 11., 17 h, Metro, Eric Pleskow Saal
DIE BÜCHSE DER PANDORA
Deutschland 1929, 119 Min, stumm
R: Georg Wilhelm Pabst, D: Louise Brooks,
Franz Lederer, Fritz Kortner, Carl Götz
Aus Frank Wedekinds Bühnenstück
«Erdgeist» stammt die komplexe
Figur des erfolgsverwöhnten Chefredakteurs Dr. Schön (Kortner), der auf
gesellschaftliche Akzeptanz erpicht
ist, sich jedoch als unfähig erweist,
der erotischen Anziehungskraft von
Lulu, dem «Mädchen aus der Gosse»,
zu widerstehen. So kann er schließlich nicht umhin, sie zu heiraten –
und zerbricht an dieser Ehe. Kortner
beweist großartigen schauspielerischen Nuancenreichtum: Innerhalb
nur eines Aktes durchmisst er die
Fallhöhe von dem sich in falscher Sicherheit wiegenden und triumphierenden Dr. Schön zu dessen gesellschaftlichem Selbstmord.
Klavierbegleitung: Florian Reithner
27. 10., 21 h, Metro, Großer Saal
CHU CHIN CHOW
GB 1934, 103 Min, OF
R: Walter Forde, D: Fritz Kortner, Anna May
Wong, George Robey, John Garrick
Diese opulente Filmversion der Geschichte von Ali Baba und den 40
Räubern setzt den Räuberhauptmann, der sich als chinesischer
Händler verkleidet, deutlich parallel
zum ehrbaren Händler, der seinerseits zum Raubzug aufbricht. Die
Darsteller chargieren in bester Weihnachtspantomimen-Tradition fröhlich drauflos und Kortners Spiel mit
ausdrucksvoller Mimik und rollenden Augen passt bestens in dieses
Umfeld. Auch optisch ist der Film
mit dem Glitzern der Edelsteine und
den subtilen Licht-und-Schatten-Effekten ein Vergnügen.
3. 11., 17.30 h, Metro, Eric Pleskow Saal
DANTON
Deutschland 1931, 93 Min, OF
R: Hans Behrendt, D: Fritz Kortner,
Lucie Mannheim, Gustaf Gründgens,
Alexander Granach
Die Französische Revolution als
Thema eines frühen Tonfilms, der
sich stark am Vorbild des Theaters
orientiert. «Danton (Kortner) wird als
‹Volkstribun› gezeichnet, Robespierre (Gründgens) als berechnender
Demagoge. Dementsprechend die
Charakterisierungen: Robespierre
füchsisch verschlagen, von Neid und
Missgunst förmlich aufgefressen, ein
trockener Pedant; Danton sinnenfroh, lebensprall, mit dem Charisma
51
Special Programs
des Lieblings der Massen. (…) Eines
der wenigen erhaltenen Dokumente
von Kortners fulminanter sprachlicher Begabung und rhetorischer
Kraft.» (Fred Gehler)
5. 11., 17 h, Metro, Eric Pleskow Saal
DREYFUS
Deutschland 1930, 115 Min, OF
R: Richard Oswald, D: Fritz Kortner,
Grete Mosheim, Heinrich George,
Albert Bassermann
Der Film erzählt von der Verhaftung
und der Verurteilung des französischen Generalstabsoffiziers wegen
Landesverrats, von seiner späten Begnadigung in den 1890er Jahren,
und von seiner noch zögerlicheren
Rehabilitierung. «Die Titelrolle stellt
nur nominell die Hauptrolle dar. Tatsächlich sind in diesem glänzend besetzten Historienfilm den Nebendarstellern die dankbareren Aufgaben
zugefallen. Kortner verleiht dem jüdischen Offizier stille Würde, aber
keinen Glanz und bleibt gerade so
der historischen Wahrheit treu, dass
der zum Spielball der Mächtigen Degradierte ein Opfer ohne eigene
Handlungsoptionen war.» (Christoph
Brecht)
28. 10., 17.30 h, Metro, Eric Pleskow Saal
DIE FRAU, NACH DER MAN SICH SEHNT
Deutschland 1929, 83 Min, stumm
R: Kurt Bernhardt, D: Marlene Dietrich,
Fritz Kortner, Frida Richard, Oskar Sima
Ein junger französischer Industrieller begegnet auf der Hochzeitsreise
einer geheimnisvollen Schönen,
die ihn um Schutz vor ihrem Begleiter bittet. Er verlässt seine Ehefrau
und fährt der Fremden nach. In
Cannes spitzt sich die Situation zu.
52
Als Dr. Karoff gibt sich Kortner weltmännisch überlegen, je nach Gegenüber mal kaltschnäuzig, mal jovial
anbiedernd. Doch hinter dieser gesellschaftlichen Fassade lässt er
Karoffs wachsende Ängste spürbar
werden. In kurzen Momenten fällt
die Maske, und Kortner wechselt fast
übergangslos von einer Ebene zur
anderen.
Klavierbegleitung: Florian Reithner
25. 10., 18.30 h, Metro, Großer Saal
DIE GELIEBTE DES GOUVERNEURS
Deutschland 1927, 86 Min, stumm
R: Friedrich Fehér, D: Magda Sonja, Fritz
Kortner, Otto Wallburg, Eberhard Leithoff
Expressiv, aber ohne expressionistische Überzeichnungen verkörpert
Kortner einen brutalen, geistig eher
beschränkt wirkenden Gouverneurssohn, der seine Unsicherheit durch
Aufbrausen überspielt und den kleinen Löwen mimt. Doch die Figur entwickelt sich: Als Gouverneur, nach
dem Rücktritt des Vaters, wird er
zum Spielball machtgieriger Politiker
und Militärs, zeigt jedoch Rückgrat
und gewinnt am Ende sogar tragische Größe. Der lange Zeit verschollene Film, zu dem Kortner zusammen mit Féher auch das Drehbuch
schrieb, liegt nun in einer Restaurierung des Filmarchiv Austria vor.
Klavierbegleitung: Florian Reithner
31. 10., 16 h, Metro, Großer Saal
HINTERTREPPE
Deutschland 1921, 49 Min, stumm
R: Leopold Jessner, Paul Leni
D: Henny Porten, Wilhelm Dieterle,
Fritz Kortner, Eugen Dieterle
Jessners Berliner Inszenierungen mit
Kortner galten als Inbegriff des expressionistischen Theaters; HINTERTREPPE setzte die Zusammenarbeit
filmisch fort. Die Szenerie mit der
Briefträgerwohnung im Souterrain
und der Hintertreppe, die als Dienstboteneingang zur bürgerlichen Wohnung führt, ist im Ansatz naturalistisch, nur die Zuspitzungen erinnern
an den Expressionismus. Ähnliches
gilt für Kortners Verkörperung des
schüchternen, buckligen Postboten,
der in seiner Verliebtheit zu argen
Listen Zuflucht nimmt. Der realistische Kern seiner Figur wird überhöht
durch Kortners expressives Spiel.
Klavierbegleitung: Florian Reithner
Einführung: Martin Girod
(ca. 50 Min, mit Filmausschnitten)
Klavierbegleitung: Florian Reithner
24. 10., 21 h, Metro, Großer Saal
DER MÖRDER DIMITRI KARAMASOFF
Deutschland 1931, 93 Min, OF
R: Fedor Ozep, D: Fritz Kortner, Anna Sten,
Fritz Rasp, Max Pohl
Eine Reduktion des Dostojewski-Romans auf wenige Elemente: auf die
gespannte Beziehung zwischen Dimitri und seinem Vater; auf Gruschenka, die erst dem Vater, dann Dimitri den Kopf verdreht; und auf den
vom Diener Smerdiakoff begangenen Mord am Alten, dessen der
Junge zu Unrecht angeklagt wird.
«Fritz Kortner als Dimitri Karamasoff
steht beherrschend, aber eingeordnet im Ensemble. Seine Einfachheit
ist nicht mehr Untertreibung, sie ist
selbstverständlich und damit suggestiv geworden.» (Herbert Ihering)
1. 11., 17 h, Metro, Eric Pleskow Saal
DER RUF
BRD 1949, 104 Min, OF
R: Josef von Báky, D: William Sinnigen,
Fritz Kortner, Rolf Kralovitz, Georg Lehn
Professor Mauthner kehrt 1948 nach
15-jährigem Exil auf Einladung der
Universität Göttingen in seine Heimat zurück. Deutschland aber bereitet dem Heimkehrenden große Enttäuschungen. Noch immer spürt
Mauthner – selbst unter Berufskollegen – die alte Abneigung gegen seine
jüdische Abstammung. «Obwohl
Fritz Kortners ambitionierter Nachkriegsfilm, gerade auch der Ernsthaftigkeit seines Themas wegen, ein kolossaler wirtschaftlicher Misserfolg
wurde, ist er neben Peter Lorres DER
VERLORENE (1951) das bedeutendste Filmdokument deutscher Remigration.» (Martin Prucha)
2. 11., 16.30 h, Metro, Großer Saal
Deutschland 1923, 85 Min, stumm
R: Artur Robison, D: Fritz Kortner,
Ruth Weyher, Gustav von Wangenheim,
Alexander Granach
Während eines Schattenspiels im
Rahmen eines festlichen Diners
glaubt ein eifersüchtiger Ehemann
hinter einer Gardine den Beweis der
Untreue seiner Frau zu sehen. Ein
anwesender Schausteller bekommt
diese (Selbst)Täuschung mit und
möchte mit einer Hypnose den Anwesenden die Wahrheit vor Augen
führen. Expressionistische Momente,
eingebettet in eine Rahmenhandlung. Schatten, Spiegelbilder und
Trugbilder lassen die Eifersucht zum
Drama werden. Kortners Interpretation des Gatten bewegt sich dabei
fließend von naiver Verliebtheit zum
fratzenhaften Wahn, bis sich der
Bann am Ende löst.
Klavierbegleitung: Florian Reithner
29. 10., 21 h, Metro, Großer Saal
BROKEN SEQUENCE
Drei Positionen des aktuellen, unabhängigen Kinos
Nach «Das Rohe und das Gekochte» im vergangenen Jahr präsentiert die
Viennale auch in diesem ein dem experimentellen Kino gewidmetes Special
Program. «Broken Sequence» versammelt und verbindet, was nicht von
Grund auf und bestenfalls lose zusammengehört, aber mit Gewinn zusammengedacht werden kann: Experimentelles, mutiges, durchdachtes, soziopolitisch und ästhetisch relevantes wie formal eigenständiges, materialbewusstes Kino. Bei allen Unterschieden der künstlerischen Interessenslagen ist fast
allen hier vorgestellten Arbeiten gemeinsam, das Publikum in den immanenten reflexiven Prozess verwickeln zu wollen. Mit anderen Worten: Die Menschen mögen sich doch bitte etwas dazu denken. Angesichts der nur scheinbar beiläufigen Filme des Afroamerikaners Kevin Jerome Everson zu Alltag,
Abstraktion und Wahrheit. Angesichts der raffinierten Filme der Amerikanerin Deborah Stratman zu Nationalismus, Freiheit und Wahrheit. Angesichts
der vom Ausstellungs- in den Kinoraum gewanderten Arbeiten der österreichischen Medienkünstlerin Dorit Margreiter zu Raum, Wahrnehmung – und
Wahrheit. «Watch global, think local», sozusagen.
in anwesenheit von Kevin Jerome everson, Dorit Margreiter und Deborah Stratman.
KEVIN JEROME EVERSON
(68 MIN)
© Matilda Washington
SCHATTEN – EINE NÄCHTLICHE
HALLUZINATION
THE STRANGE DEATH OF ADOLF HITLER
USA 1943, 74 Min, OF
R: James P. Hogan, D: Ludwig Donath, Gale
Sondergaard, George Dolenz, Fritz Kortner
Ein Beamter, der zum Spaß manchmal Hitlers Sprechweise verblüffend
gut imitiert, wird von der SS entführt
und als dessen Doppelgänger eingesetzt. Das von Kortner mitverfasste
Drehbuch bietet den Rahmen für
eine Menge politisch brisanter Fragen: Sich ducken oder Widerstand
leisten? Individueller oder kollektiver Widerstand? Was kann das Attentat auf eine führende Persönlichkeit
bewirken? Welche Rolle spielt das
deutsche Militär? «Kaum ein anderer
Film Hollywoods hat die Schuld des
Mittelstandes an der faschistischen
Machtübernahme so deutlich ausgesprochen.» (Jan-Christopher Horak)
Einführung: Martin Girod
4. 11., 18.30 h, Metro, Großer Saal
FE26
USA 2014, 7 Min, OF
STOPLIGHT LIBERTY
USA 2013, 2 Min, stumm
SOUND THAT
USA 2014, 12 Min, OF
CHEVELLE
USA 2011, 8 Min, kein Dialog
THE CITIZENS
USA 2009, 6 Min, OF
CHARLIE’S PROOF
USA 2013, 13 Min, OF
SUGARCOATED ARSENIC
bilden versucht, sondern aus einer
politisch selbstbewussten, formal eigentümlichen Position heraus. Archivmaterial, dokumentarische und
realfiktionale Elemente, historische
Recherche und Reenactment verbinden sich bei Everson zu einer Erzählstrategie, die (nur auf den ersten
Blick) belanglose, konkrete Alltagssituationen in den Rang abstrakter
Zeichen und Akte erhebt – in THE
CITIZENS beispielsweise um ein
Fernseh-Interview mit Muhammad
Ali, der einstigen Ikone der Gegenkultur, herum arrangiert; in SUGARCOATED ARSENIC ausgehend von
der Aufzeichnung einer Rede Vivian
Gordons, der ersten promovierten
schwarzen Soziologin «seiner» Universität Virginia; und im berührenden Porträt CHARLIE’S PROOF anhand der lückenhaften Erinnerungen
seines einarmigen Onkels Charlie
Smith. Die Rolle des Erklärers der eigenen Arbeit weist Everson zurück:
Das Verständnis seiner Metaphern
muss sich das Publikum schon selbst
erarbeiten.
31. 10., 19.30 h, Metro, Eric Pleskow Saal
1. 11., 11 h, Stadtkino im Künstlerhaus
USA 2013, 20 Min, OF
R: Kevin Jerome Everson, Claudrena Harold
Wenn sich aus Eversons inzwischen
über hundert Filmen ein inhaltlicher
Schwerpunkt destillieren lässt, dann
könnte man ihn «Reflexionen zur
conditio afroamericana» nennen.
Die Lebens- und Arbeitsbedingungen
seiner Mitbürger untersucht der
mehrfach ausgezeichnete Künstler,
nicht indem er sie naturgetreu abzu-
FE26
53
Special Programs
DORIT MARGREITER
(78 MIN)
FILM TITEL LISTE
vielleicht 10104 ANGELO VIEW
DRIVE. Im spätmodernistischen
Haus an dieser Adresse wurde schon
ein Haufen Hollywood-Horror hergestellt – bei Margreiter wird es zum
Reibungsschauplatz zwischen Körper und Blick(regime), zwischen
Bild(ausschnitt) und Raum. Diese
Filme räumen auf mit gedankenloser
Alltags- und Kunstwahrnehmung: an
Nichtorten wie einem Aufnahmestudio in APORIA, der mittels einer Art
«platonischem Monolog» über Kopien von Städten nachdenkt; an konkreten Orten wie dem 1934 für österreichische Künstler bei der Biennale
A 1997, 4 Min, kein Dialog
R: Dorit Margreiter, Mathias Poledna,
Heimo Zobernig
10104 ANGELO VIEW DRIVE
USA/A 2004, 7 Min, stumm
APORIA
GB/A 2009, 13 Min, OF
BALLGASSELAND
A 1992, 12 Min, OF
R: Hans Küng, Dorit Margreiter,
Florian Pumhösl, Mathias Poledna
PAVILION
I/A 2009, 8 Min, stumm
GRANDEUR ET DÉCADENCE
D’UN PETIT COMMERCE DE CINÉMA
GB/A 2004/2014, 14 Min, eOF
BROKEN SEQUENCE
China/A 2013, 8 Min, kein Dialog
ZENTRUM
D/A 2004, 3 Min, stumm
CINÉMA
A 2014, 9 Min, stumm
Alle Filme dieses Programms entstanden zunächst im Ausstellungskontext. Dass sie nun im Kinokontext auftauchen, scheint adäquat:
Die einen beschäftigen sich konkret
mit Filmproduktion und Kinoraum
(großartig GRANDEUR ET DÉCADENCE D’UN PETIT COMMERCE DE
CINÉMA), die anderen fragen nach
der Architektur des filmischen
Raums. Andererseits betreten Margreiters Filme im Zuge der Viennale
gewissermaßen selbst die Transportstätten der teils von ihnen kritisch
reflektierten visuellen Bedeutungsproduktion. Bestes Beispiel dafür ist
BROKEN SEQUENCE
in Venedig entworfenen White Cube
in PAVILION, einem aufgelassenen
Vergnügungspark nahe Peking in
BROKEN SEQUENCE oder Schloss
Buchberg am Kamp, für dessen 22
Künstlerräume CINÉMA, der im Rahmen des Festivals Weltpremiere feiert, nun quasi einen Kinoraum etabliert hat.
3. 11., 18.30 h, Stadtkino im Künstlerhaus
5. 11., 12 h, Metro, Eric Pleskow Saal
DEBORAH STRATMAN
(74 MIN)
O’ER THE LAND
USA 2009, 52 Min, OF
MUSICAL INSECTS
USA 2012, 7 Min, kein Dialog
HACKED CIRCUIT
USA 2013, 15 Min, OF
10104 ANGELO VIEW DRIVE
54
O’ER THE LAND
Eine Meditation über Natur und
Technologie, über Freiheit und Kontrolle, über nationale Identifikation
via Gewalt und Militärkultur ist O’ER
THE LAND, mit dem Deborah Stratman sich tief in die Psyche ihrer
amerikanischen Landsleute hineingrübelt. Im symbolischen Zentrum
die Geschichte des Jetpiloten William
Rankin, der 1959 nach einem Notausstieg in 14.300 Meter Höhe 45
Minuten durch ein Unwetter wirbelte, überlebte und zum Nationalhelden gestempelt wurde. Es wäre so
leicht, sich über Waffennarren und
Ultrapatrioten lustig zu machen; bei
Stratman erscheinen sie als das, was
MUSICAL INSECTS
sie sind: ängstliche Figürchen in
einem Schachspiel höherer Mächte.
Bei aller Sogkraft verweisen Stratmans avancierte Arbeiten stets auch
hinter die eigenen Bilder. Sehen ist
Denken, das gilt für alle ihre Filme –
ob eine kleine Hommage an einen
Bildband und den Sound der darin
abgebildeten Fliegerhelden in MUSICAL INSECTS oder eine viertelstündige, verstörende, faszinierende Kamerafahrt wie HACKED CIRCUIT, in
dem eine Paranoia evozierende
Szene aus THE CONVERSATION mit
Gene Hackman hintergründigst neu
vertont wird. Hier erfasst Stratman
das Wesen der Arbeit von Filmgeräuschartisten und liefert zugleich
einen Kommentar zur NSA-Abhöraffäre, intelligenter und eindringlicher
als jeder dazu geschriebene Text.
30. 10., 19.30 h, Metro, Eric Pleskow Saal
31. 10., 11 h, Stadtkino im Künstlerhaus
CINQ FOIS GODARD
Jean-Luc Godard gesehen von fünf FilmemacherInnen
Beim Festival in Cannes hat Jean-Luc Godard sein
neues Werk ADIEU AU LANGAGE (3D) vorgestellt
und mit seinem Erfindergeist und seiner Experimentierfreudigkeit die Filmwelt einmal mehr
überrascht. Während das US-amerikanische
Spektakelkino dabei ist, sich von der 3D-Technologie wieder zu verabschieden, zerlegt Godard
das hybride Genre in seine räumlichen und akustischen Bestandteile und baut daraus eine eigene
kinematografische Welt, einen Godard-Raum. Die
Viennale nimmt die österreichische Premiere von ADIEU AU LANGAGE (3D)
zum Anlass, ihm ein kleines Programm zu widmen. Fünf französische Filmemacherinnen und Filmemacher – Olivier Assayas, Pascale Ferran, Jean-Pierre
Gorin, Luc Moullet und Agnès Varda – haben an dieser Hommage mitgewirkt
und je einen für sie besonderen Film ausgewählt. A happy few.
Ausgewählt von Jean-Pierre Gorin
ALLEMAGNE ANNÉE 90 NEUF ZÉRO
(DEUTSCHLAND NEU(N) NULL)
F/D 1991, 62 Min, OmdU
D: Eddie Constantine, Hanns Zischler,
Claudia Michelsen, Nathalie Kadem
Deutschland Neun Null, Deutschland/Neu/Null, Deutschland im Jahre
Null, im Jahre ’90. Geheimagent
Lemmy Caution (Constantine),
Wiedergänger u.a. aus Godards
ALPHAVILLE (1965), reist durch das
Anschlussgebiet, hinter ihm JLG, der
die Ex-DDR mit Found-Footage, philosophischem Palimpsest und Epochen-Überblendung erkundet: Schiller/Liszt/Lola Montez/Ophüls/Cranach/Goethe/Faust/Weimar/Buchenwald. Godard selbst hat sich in einer
jahrzehntelangen Evolution aus der
militanten Avantgarde hin zur
Sprachbilderphilosophie bewegt: im
Zusammenbruch des Sozialismus
finden beide wieder zusammen.
Mit PUISSANCE DE LA PAROLE
30. 10., 17 h, Metro, Eric Pleskow Saal
PUISSANCE DE LA PAROLE
F 1988, 25 Min, OmeU
D: Lydia Andrei, Jean Bouise, Laurence Côte,
Jean-Michel Irribaren
Seit den 1970er Jahren produziert
JLG immer wieder auch Auftragsarbeiten für kommerzielle Marken,
vom After Shave «Shick» (palästinensisch politisiert) bis zur Zigarettenmarke Parisienne (neutral
schweizerisch). PUISSANCE DE LA
PAROLE entstand als Teil einer Kampagne von France Télécom, die mit
dem fertigen Imagefilm nichts anzufangen wusste und ihn nie ausstrahlte: Ein Satellit, ein Telefonat aus THE
POSTMAN ALWAYS RINGS TWICE
und Textausschnitte aus E.A. Poes
«The Power of Words» werfen einander Echos auf allen Ton-, Symbolund Bildspuren zu. In Teilen fand
der Film später Eingang in Godards
HISTOIRE(S) DU CINÉMA: UNE
VAGUE NOUVELLE.
lage, die aus dem Nichts kommt, erst
für zwei, dann drei, dann zwei, dann
eine. Musikwirbel und die «echte Minute des Schweigens, die eine Ewigkeit dauert.» Stille.
24. 10., 12 h, Metro, Eric Pleskow Saal
2. 11., 19.30 h, Metro, Eric Pleskow Saal
Mit ALLEMAGNE ANNÉE 90 NEUF ZÉRO
30. 10., 17 h, Metro, Eric Pleskow Saal
Ausgewählt von Olivier Assayas
Ausgewählt von Pascale Ferran
NOUVELLE VAGUE
SAUVE QUI PEUT (LA VIE)
F/CH 1990, 89 Min, OmeU
D: Alain Delon, Domiziana Giordano,
Jacques Dacqmine, Christophe Odent
Der total filmmaker Godard ist in seinem exzessiven Eklektizismus alles
– also auch Lacanianer, Analytiker
der Liebe mit Sinn für Spiegelung
und Verknotungen, die in seinem
System wieder auf Anderes, Größeres verweisen. NOUVELLE VAGUE ist
dem anspielungsreichen Filmtitel
zum Trotz nicht Rekapitulation der
jüngeren Filmgeschichte (mit dem
passiv-aggressiven Alain Delon in
der Hauptrolle), sondern Erzählung
von der Vertreibung aus dem Paradies und der Wiederkehr des Hei-
Ausgewählt von Agnès Varda
BANDE À PART
(BAND OF OUTSIDERS)
F 1964, 95 Min, OmeU
D: Anna Karina, Sami Frey, Claude Brasseur
Punkt: Implosion des Gangsterkinos
im Überfall in den eigenen vier Wänden. Linie: Die eiskalten Fahrten mit
dem Cabrio aus dem Zentrum in die
Peripherie, aus der Mitte in die
Randzone des französischen Kinos,
die sein neues Zentrum wird. Dreieck: Anna Karina – Sami Frey –
Claude Brasseur. Quadrat: Aufgespannt zwischen den Caféhaustischen, groß genug für eine Tanzein-
Ausgewählt von Luc Moullet
lands, von Mann und Frau, von Tristan und Isolde, von Reinkarnationen
von Worten und Bildern, die sich
unter den Schichten des Gedankengeflechtes verbergen. Acta est fabula.
27. 10., 13 h, Gartenbaukino
28. 10., 13.30 h, Stadtkino im Künstlerhaus
(EVERY MAN FOR HIMSELF)
F/CH/BRD/A 1980, 87 Min, OmeU
D: Isabelle Huppert, Nathalie Baye,
Jacques Dutronc, Roland Amstutz
Rette sich wer kann (das Leben)
oder: die Geschichte eines Regisseurs mit Namen Godard (Dutronc),
der sich einen Wiederbeginn
wünscht – mit einer Frau (Baye), die
an ihrer Freiheit festhalten will. Dazwischen eine Figur, die noch nicht
festgelegt ist auf Maskulinität oder
Femininität, Freiheit, Unfreiheit:
Isabelle (Huppert), die Prostituierte.
Godard kehrt zurück zum Kino, zum
35mm, zum Film als Wissenschaft,
in der er untersucht, in welchem
(Zeitlupen-)Rhythmus sich das
Leben deutlicher zeigt: «Der zweite
erste Film».
24. 10., 17 h, Metro, Eric Pleskow Saal
1. 11., 11 h, Metro, Großer Saal
55
Retrospektive
7 WOMEN
JOHN FORD
John Martin Feeney, der seinen Namen zu Jack
bzw. John Ford vereinfachte, als er mit 19 Jahren
nach Hollywood ging, wurde 1895 als Sohn irischer Einwanderer geboren. Filme wie THE INFORMER oder THE QUIET MAN zeugen von seiner Verbundenheit mit der Nation seiner Eltern.
Doch bereits seine Anfänge als Stummfilmregisseur ab 1917 sind verknüpft mit dem Genre,
über das er sich selbst definierte in dem berühmten Satz: «My name’s John Ford. I make Westerns.» Dass er nicht zu EINEM, sondern zu DEM
Westernregisseur avancierte, dem das Genre bis
heute die Archetypen der Landschaft, der Figuren, der Bilder verdankt, verstellt leicht den Blick
darauf, dass Ford auch andere Filmsparten meisterlich bediente. Trotz seiner bekannt rabiaten Art besaß er eine erstaunliche
Fähigkeit, SchauspielerInnen zu brillanten Leistungen zu provozieren (John
Waynes Karriere wäre ohne ihn undenkbar), sei es in Melodram (THE FUGITIVE), Komödie (THE WHOLE TOWN’S TALKING) oder Sozialdrama (THE GRAPES OF WRATH). Ford verwendete fast immer den ersten take, drehte seine
Filme meist chronologisch quasi «aus dem Kopf» und besaß einen nahezu
unfehlbaren Blick für die richtige Einstellung. Das alles macht ihn, der sich
zeit seines Lebens nur ungern öffentlich äußerte und schon gar nicht über
sein «Werk», zu einem der einflussreichsten Regisseure des 20. Jahrhunderts.
3 BAD MEN
USA 1926, 99 Min, eZT
D: George O’Brien, Olive Borden,
Lou Tellegen, Tom Santschi
Als eine konkurrierende Bande den
«3 Bad Men» eine anvisierte Beute
wegschnappen will, greifen sie ein
und werden nolens volens zu good
guys und zu Beschützern Lees, die
bei dem Überfall den Vater verliert.
Sie begleiten sie nach Dakota, wo an
einem bestimmten Tag Land und
Goldgründe freigegeben werden. In
einem langen Schwenk erfasst die
Kamera Abertausende von Wartenden, die sich auf den Startschuss
einer Kanone hin ein spektakuläres,
von Gier und Überlebenswillen getriebenes Wagen- und Pferderennen
über die endlose Ebene liefern.
Klavierbegleitung: Gerhard Gruber
26. 10., 16 h, Filmmuseum
17. 11., 18.30 h, Filmmuseum
56
16. Oktober – 30. November
3 GODFATHERS
USA 1948, 106 Min, OF
D: John Wayne, Pedro Armendáriz,
Harry Carey Jr., Ward Bond
Fords erster Farbfilm ist eine opulente Anspielung auf die biblische Geschichte der drei Weisen aus dem
Morgenland. Die Viehdiebe Robert,
William und Pedro fliehen nach
einem missglückten Banküberfall in
die Mojave-Wüste. Bei der Suche
nach Wasser stoßen sie auf eine
hochschwangere, sterbende Frau
und geben ihr das Versprechen, für
das Neugeborene zu sorgen. Neben
den atemberaubenden Landschaftsaufnahmen besticht dieser außerge-
wöhnliche Western durch seine ironische Transformation der bad guys
in liebende Pflegeväter.
1. 11., 21 h, Filmmuseum
23. 11., 16 h, Filmmuseum
USA 1965, 84 Min, Omd/fU
D: Anne Bancroft, Sue Lyon,
Margaret Leighton, Flora Robson
Fords letzter Film ist aus der Sicht
der Frauen erzählt, Männer spielen
fast nur als animalische Aggressoren
eine Rolle. Doch der gewendete Blick
richtet sich auf Themen, die sein
Werk von Anfang an bestimmt
haben. Ein Outlaw (Bancroft, absolut
hinreißend als atheistische, kettenrauchende Ärztin in Männerkluft)
dringt ein in ein geschlossenes Universum, eine von Frauen betriebene
Missionsstation in Nordchina im
Jahre 1935, und hält sich an keinerlei
Regeln. Doch am Ende ist sie es, die
Außenseiterin, die sich für die
Gemeinschaft opfert, in die sie
vermeintlich nicht passt.
30. 10., 16 h, Filmmuseum
14. 11., 18.30 h, Filmmuseum
THE BRAT
USA 1931, 65 Min, OF
D: Sally O’Neil, Alan Dinehart, Frank
Albertson, William Collier Sr.
Ford hat für diesen Film die erfolgreiche Broadwaykomödie Maude
Fultons von 1917 sprachlich, modisch und in Form aktueller Anspielungen auch inhaltlich auf den Stand
von 1931 gebracht. Er liefert hier
seine höchsteigene turbulente Pygmalion-Variante, in der der Schriftsteller Mack Forester beim slumming
aus Recherchegründen eine kleinkriminelle «Göre» aufgabelt, die von
nun an den wohlsituierten Haushalt
seiner Familie mit schier unverständlicher Artikulation und zwischen Entzücken und Entsetzen auslösender Unverblümtheit aufmischt.
Mit RILEY THE COP
29. 10., 18.30 h, Filmmuseum
THE SEARCHERS
BUCKING BROADWAY
USA 1917, 44 Min, eZT
D: Harry Carey, Molly Malone, L.M. Wells,
Vester Pegg
BUCKING BROADWAY aus Fords erstem Jahr als Regisseur bedient sich
des vergnüglich zugespitzten Klischees vom geruhsamen und unschuldigen Landleben in den Weiten
der Prärie als Gegensatz zu der von
unmoralischen und geldgierigen Gestalten dicht bevölkerten Metropole.
Der Protagonist wagt sich in diesen
Moloch denn auch nur, um seine
dorthin (mehr oder weniger) verschleppte Angebetete zu befreien
und wird dabei am Ende von einem
herrlich deplatzierten Trupp wild
durch die Straßen von New York reitender Cowboys unterstützt.
Mit THE SHAMROCK HANDICAP
3. 11., 18.30 h, Filmmuseum
CHEYENNE AUTUMN
USA 1964, 147 Min, OF
D: Richard Widmark, Carroll Baker,
Karl Malden, Sal Mineo
DOCTOR BULL
USA 1933, 79 Min, OF
D: Will Rogers, Vera Allen,
Marian Nixon, Howard Lally
In dieser amüsanten Liebeserklärung an die bodenständigen Praktiker unter den Medizinern gerät das
Kleinstadtleben Doctor Bulls aus seinem geruhsamen Takt, als er sich
fast im Alleingang gegen eine Welle
von Typhuserkrankungen stemmen
muss. Mit Mut, Hartnäckigkeit und
einem berufsbedingt tendenziell sarkastischen Humor setzt er sich gegen
den (größeren) bornierten Teil des
Städtchens durch und kann zugleich
über den Provinzoligarchen triumphieren. Und die schöne Witwe –
wussten wir’s doch! – bekommt er
am Ende auch.
erreicht sie die Nachricht von der Kapitulation der britischen Truppen.
Die Kavallerie bringt die Fahne der
Union mit den 13 Streifen und 13
Sternen, die Flagge der Einheit und
der Unabhängigkeit, und markiert
damit am Ende einen aus Fords Sicht
auf die amerikanische Geschichte
essenziellen Moment.
29. 10., 16 h, Filmmuseum
23. 11., 18.30 h, Filmmuseum
FORT APACHE
USA 1948, 127 Min, OF
D: John Wayne, Henry Fonda,
Shirley Temple, Pedro Armendáriz
24. 10., 16 h, Filmmuseum
6. 11., 18.30 h, Filmmuseum
DRUMS ALONG THE MOHAWK
Bildgewaltig erzählt Ford in seinem
letzten Western wie die Cheyenne
das aufgezwungene Reservat in
Oklahoma verlassen und gegen erbitterten Widerstand des Militärs
1.500 Meilen nordwärts in das Land
ihrer Väter nach Wyoming ziehen;
nur wenige erreichen das Ziel. Mit
den Figuren der jungen Quäkerin
und des Befehlshabers der Kavallerie
– die das Unrecht an den Indianern
erkennen und sie mit Empathie bis
zum Ende begleiten – mag Ford eine
Geste der Wiedergutmachung an die
auch in seinen Filmen oft denunzierte indigene Bevölkerung Amerikas
im Sinn gehabt haben.
6. 11., 20. 15 h, Filmmuseum
USA 1939, 104 Min, OF
D: Claudette Colbert, Henry Fonda,
Edna May Oliver, Eddie Collins
Zur Zeit der Revolutionskriege, die
amerikanische Nation hat sich gerade gegründet, versuchen das junge
Ehepaar Martin und andere Siedler,
der Wildnis des Mohawk Valley eine
Existenz abzutrotzen. Immer wieder
werden sie von den britischen «Tories» und deren indianischen Verbündeten angegriffen, ihr Land verwüstet, ihre Häuser zerstört, doch sie
geben nicht auf. Nach vielen Opfern
Kurz nach Ende des Amerikanischen
Bürgerkriegs bekommt der Außenposten Fort Apache unerwartet den
Exgeneral Thursday (Fonda) zum
neuen Kommandanten, einen Mann
von blutleerer Pflichtversessenheit
und voll Verachtung für alle Indianer. Wie bei der historischen Niederlage Custers am Little Bighorn, an die
sich der Film anlehnt, führt Thursdays starre Haltung zu einer fatalen
Fehlstrategie gegenüber den aufständischen Apachen, die hier, jenseits
der Klischees, als ein tapferes Volk
dargestellt sind, das ein Recht auf
Widerstand besitzt. Mit FORT APACHE beginnt Ford seine Trilogie über
die US Kavallerie im Amerika nach
den Sezessionskriegen; 1949 folgt
SHE WORE A YELLOW RIBBON und
1950 RIO GRANDE.
17. 10, 20.30 h, Filmmuseum
5. 11., 20.30 h, Filmmuseum
57
Retrospektive
FOUR SONS
USA 1928, 99 Min, eZT
D: Margaret Mann, James Hall,
Charles Morton, Ralph Bushman
Machtausübung und die damit einhergehende Unterdrückung der Freiheit des Menschen.
27. 10., 16 h, Filmmuseum
7. 11., 18.30 h, Filmmuseum
HOW GREEN WAS MY VALLEY
USA 1941, 118 Min, OF
D: Walter Pidgeon, Maureen O’Hara,
Anna Lee, Donald Crisp
THE GRAPES OF WRATH
In einem spitzweghaft idyllischen,
deutschen Dorf lebt glücklich Mutter
Bernle, voller Stolz auf ihre vier
wohlgeratenen Söhne. Das Unheil
naht in Gestalt des neuen Garnisonskommandanten, Offizierskarikatur
von Georg Grosz’schem Format und
Vorhut des ausbrechenden Ersten
Weltkriegs. Das Dorf verelendet,
Mutter Bernle verliert ihre Söhne,
außer Joseph, der den Sprung nach
Amerika gewagt hatte und nun seine
Mutter zu sich holt. Ein sehenswerter Film zum Gedenkjahr an 1914,
nicht zuletzt dank der berührenden
Darstellung Margaret Manns als
Mutter Bernle.
Klavierbegleitung: Gerhard Gruber
Einführung: Oliver Hanley
31. 10., 18.30 h, Filmmuseum
THE FUGITIVE
USA 1947, 104 Min, OF
D: Henry Fonda, Dolores del Rio,
Pedro Armendáriz, J. Carrol Naish
In dieser in Melodram und expressionistischer Bildgebung schwelgenden Parabel auf die Unzerstörbarkeit
des christlichen Glaubens spielt
Henry Fonda einen verfolgten Priester in einem diktatorischen Land.
Dort ist die Religion ebenso verboten
wie der Alkohol, denn beide entziehen die Menschen der Kontrolle
durch das Regime. Der Film des gläubigen Katholiken Ford liefert neben
der Apotheose der christlichen Religion einen Beleg für seine tief empfundene Abscheu gegen totalitäre
58
USA 1940, 129 Min, OF
D: Henry Fonda, Jane Darwell,
John Carradine, Charley Grapewin
Angesichts heutiger Flüchtlingsströme wirkt Fords düsteres Sozialdrama
aktueller denn je. Seine Verfilmung
von John Steinbecks gleichnamigem
Roman setzt dessen bedrückende Atmosphäre von Verelendung, Vertreibung und Aufbruch kongenial um.
Depression, Dürre und Großgrundbesitzer zwingen in den 1930er Jahren Hunderttausende zur Flucht aus
der Dust Bowl in Oklahoma über die
Route 66 nach Kalifornien, wo sie
statt gut bezahlter Arbeit erneut Ausbeutung und Hunger erwarten. Ein
Lehrstück über Klassismus und
Armut, das als Einstieg in die Lektüre
der aktuellen Kapitalismuskritik
Thomas Pikettys empfohlen sei.
22. 10., 20. 15 h, Filmmuseum
29. 11., 18.30 h, Filmmuseum
THE HORSE SOLDIERS
USA 1959, 119 Min, OF
D: John Wayne, William Holden,
Constance Towers, Judson Pratt
Unionist Colonel Marlow soll mit
einer Kavallerieeinheit Brücken, eine
strategisch wichtige Bahnstation und
die Nachschubwege der Konföderierten im Süden zerstören. Darüber wie
auch über den Umgang mit den beiden Frauen, die als Gefangene mitgeführt werden, gerät er wiederholt mit
dem humanitären Gedanken verpflichteten Militärarzt aneinander.
Vermittels dieser antipodischen Figuren verhandelt Ford die per se
nicht lösbare Frage nach der Moral
im Krieg, die auch das Ende des
Films nicht letztgültig beantwortet.
27. 10., 21 h , Filmmuseum
16. 11., 16 h , Filmmuseum
In der fünffach oscarprämierten Familiensaga HOW GREEN WAS MY
VALLEY blickt der mittlerweile 60jährige Huw Morgan, als er das
durch den Kohleabbau verwüstete
Tal verlässt, auf seine Kindheit zurück. Das Bergwerk ernährte und
entzweite seine Sippe, Verleumdungen belasteten seine Familie, Streik
und Ausbeutung prägten das Leben
der Kumpel. Eindrücklich und mit
viel Lokalkolorit beschreibt die Verfilmung von Richard Llewellyns sozialkritischem Roman von 1939 das
harte Leben einfacher Menschen am
Ende des 19. Jahrhunderts in Cwm
Rhondda, Südwales.
24. 10., 18.30 h, Filmmuseum
16. 11., 18.30 h, Filmmuseum
THE INFORMER
USA 1935, 91 Min, OF
D: Victor McLaglen, Heather Angel,
Preston Foster, Margot Grahame
Dublin 1922, die IRA kämpft gegen
die englischen Besatzer. Dass im
Krieg das Recht ohne Gnade ist, erfährt der unbedarfte, gutmütige
Gypo, der in einem verzweifelten
Moment für 20 Pfund einen IRA-Kameraden verrät. Er prahlt mit dem
Geld, verschleudert es, doch zugleich
quält ihn sein Gewissen. Die IRA
stellt ihn und richtet ihn, bei der
Mutter des Getöteten aber findet er
Verzeihung und am Ende seinen
Frieden. Fords expressionistischer,
neblig-düsterer Film zeichnet Judas
als leidende Kreatur, als Märtyrer
seiner Tat und seiner Schuld.
20. 10., 20.30 h, Filmmuseum
9. 11., 18.30 h, Filmmuseum
THE IRON HORSE
KENTUCKY PRIDE
USA 1924, 122 Min, eZT
D: George O’Brien, Madge Bellamy,
Charles Edward Bull, Cyril Chadwick
Dem Erfinder der Lokomotive ist der
Film gewidmet, und die Vollendung
der transkontinentalen Eisenbahn
im Jahre 1869 ist sein Thema. Der
private Plot um eine Liebes- und Rachegeschichte wird zur Nebensache
vor der grandiosen Inszenierung dieser historischen Leistung von Ingenieuren und unzähligen Arbeitern
aus China, Italien, Irland und überallher, deren Selbstaufopferung Ford
in den Fokus rückt und gegen die
pure Geldgier der aufstrebenden Kapitalisten stellt. Die Eroberung des
Westens und die Einigung der Nation, sie fand nicht zuletzt auf dem
Schienenweg statt.
USA 1925, 77 Min, eZT
D: Gertrude Astor, Peaches Jackson,
J. Farrell MacDonald, Winston Miller
Der Film beginnt mit der Geburt der
Protagonistin, die ihre Lebensgeschichte selbst erzählt, von Ehrgeiz,
von Leiden und Freuden, Verlieren
und Wiederfinden – die Autobiografie des Rennpferdes Virginia’s Future
und seiner wechselnden Besitzer.
Der Bericht aus Perspektive des Pferdes, dieser zumal in Western tausendfach wie Material eingesetzten
und geschundenen Kreatur, vermittelt sich besonders eindrücklich und
umso «natürlicher», als dem sprachlosen Wesen keine künstliche
menschliche, sondern eine lesbare
Stimme geliehen wird.
Klavierbegleitung: Gerhard Gruber
19. 10., 20. 15 h, Filmmuseum
8. 11., 16 h, Filmmuseum
JUST PALS
USA 1920, 61 Min, eZT
D: Buck Jones, Georgie Stone,
William Buckley, Eunice Murdock Moore
THE LONG VOYAGE HOME
USA 1940, 105 Min, OF
D: John Wayne, Thomas Mitchell,
Ian Hunter, Barry Fitzgerald
23. 10., 18.30 h, Filmmuseum
THE LAST OUTLAW [FRAGMENT]
USA 1919, 13 Min, eZT
D: Edgar Jones, Lucille Hutton,
Richard Cummings, Jack Walters
Der OUTLAW des Fragments findet
in der modernen Metropole, in die
hinein er aus dem Gefängnis entlassen wird, keinen Platz mehr. Niemand nimmt ihn ernst und er vermag auf seine Umwelt nicht länger
adäquat zu reagieren. Die Figur ist
bedeutend als Vorbote späterer
Ford’scher Helden, deren gesellschaftliche Rolle sich überlebt hat.
Mit JUST PALS
19. 10., 18.30 h, Filmmuseum
Der Held der unterhaltsamen Kleinstadtgeschichte JUST PALS entzieht
sich – so spräche der Sozialwissenschaftler – allen bürgerlichen Verwertungszusammenhängen des
Marktes, m.a.W. Bim ist ein Bummelant und Tunichtgut, der schon beim
Anblick von Arbeit in Schweiß ausbricht. Aber anders als das rechtschaffene Kleinstadtvolk, das Ford
schon in diesem frühen Film mit gehörigem Spott vorführt, hat er Herz
und Mumm und nimmt sich spontan
des kindlichen Hobos an, der ihm da
vom Zug quasi vor die Füße fällt.
Mit THE LAST OUTLAW
Klavierbegleitung: Gerhard Gruber
Einführung: Oliver Hanley
19. 10., 18.30 h, Filmmuseum
Ford die Komik wo immer möglich
auf die visuelle Ebene verschiebt, gelingt es ihm, Winchell Smiths und
Frank Bacons Broadwayerfolg gleichen Titels in einen ebenso amüsanten Stummfilm zu überführen.
Klavierbegleitung: Gerhard Gruber
27. 10., 18.30 h, Filmmuseum
LIGHTNIN’
USA 1925, 104 Min, eZT
D: Jay Hunt, Wallace MacDonald,
Richard Travers, J. Farrell MacDonald
Sollte Bill «Lightnin’» Jones seinen
Zweitnamen jemals ohne Ironie getragen haben, der «Blitz» wäre längst
in den Fluten von Alkohol ertrunken,
die er sich – zu Prohibitionszeiten! –
mit seinem Kumpel hinter die Binde
gießt. Nichtdestotrotz ist Bill es, der
bei dem windigen Angebot für das
Hotel, das er mit seiner Frau betreibt,
den richtigen Riecher hat. Indem
Wieder würfelt Ford einen bunten
Trupp Männer zusammen, diesmal
als Besatzung auf einem Schiff, das
kurz vor Eintritt der USA in den
Zweiten Weltkrieg Sprengstoff transportieren soll. So sehr sich diese Seeleute in Herkunft und Temperament
unterscheiden, so sehr sind sie verbunden in ihrer existenziellen Einsamkeit und dem unsteten Driften
von einer Heuer zur nächsten. Ihr
aufopferungsvolles Bemühen, dem
einen unter ihnen, auf den noch jemand wartet, nach Hause zu verhelfen, verweist auf ihre tiefe Sehnsucht
nach so etwas wie Heimat und Halt.
25. 10., 21 h, Filmmuseum
30. 11., 18 h, Filmmuseum
THE LOST PATROL
USA 1934, 73 Min, OF
D: Victor McLaglen, Boris Karloff,
Wallace Ford, Reginald Denny
1917: Fernab vom europäischen
Kriegsschauplatz irrt eine berittene
Patrouille in der Wüste Mesopotamiens ohne Ziel und Auftrag durch
den sengenden Sand, bevor sie endlich eine Oase findet. Elf Soldaten –
ein Querschnitt durch die britische
Gesellschaft inklusive eines von Karloff furios verkörperten religiösen
Irren –, die von unsichtbaren arabischen Scharfschützen unnachgiebig
dezimiert werden. Die aufs Existenzielle reduzierte Tragödie lässt den
Sinn des im Vorspann beschworenen
Kampfs gegen die «feindlichen Araber» fraglich erscheinen.
29. 10., 21 h, Filmmuseum
59
Retrospektive
THE MAN WHO SHOT LIBERTY VALANCE
USA 1962, 123 Min, Omd/fU
D: John Wayne, James Stewart,
Vera Miles, Lee Marvin
dass die Bürger von Tombstone
ihren bescheidenen Wohlstand und
das beginnende kulturelle Leben in
Frieden genießen können.
23. 10., 20. 15 h, Filmmuseum
(Pre-release Version, 103 Min)
9. 11., 20.30 h, Filmmuseum (97 Min)
THE QUIET MAN
USA 1952, 129 Min, OF
D: John Wayne, Maureen O’Hara,
Barry Fitzgerald, Ward Bond
PILGRIMAGE
In diesem – das Paradox sei erlaubt
– frühen Spätwestern, der quasi als
Archetypus dieses Subgenre erst begründete, verkörpern Tom Doniphon, der Revolverheld, und Ransom
Stoddard, der Anwalt, wie zwei Seiten einer Medaille die alte und die
neue Ordnung des jungen Staatswesens USA – und sie lieben dieselbe
Frau. Doniphon opfert diese Liebe
und unterstützt Stoddard in seinem
Kampf um Recht und Ordnung, sodass sich – Ironie der Geschichte –
der Triumph des Gesetzes am Ende
dem Vertreter des alten Faustrechts
verdankt. Die neue Gesellschaft aber
verkennt den Mann, der Liberty Valance wirklich erschoss, und hängt
lieber der eigenen Legende an.
18. 10., 20.30 h, Filmmuseum
15. 11., 20.30 h, Filmmuseum
MY DARLING CLEMENTINE
USA 1946, 103/97 Min, OF
D: Henry Fonda, Linda Darnell,
Victor Mature, Cathy Downs
John Fords Version des berühmten
Schusswechsels am O.K. Corral und
seiner Vorgeschichte erzählt auch
vom Wandel einer Pioniergesellschaft des Faustrechts – verkörpert
im brutalen, autoritären Old Man
Clanton und dessen vier Söhnen – zu
Gewaltmonopol und zivilem Rechtsstaat. Denn der erst ermöglicht Sheriff Wyatt Earp mit Hilfe des romantisch-tragischen, von der nüchternen
Moderne eingeholten Revolverhelden Doc Holliday dafür zu sorgen,
USA 1933, 95 Min, OF
D: Henrietta Crosman, Heather Angel,
Norman Foster, Lucille La Verne
Hannah Jessop ist eine überharte
Frau und besitzergreifende Mutter,
die ihren Sohn lieber in den Weltkrieg und in den Tod schickt, als ihn
der Frau zu überlassen, die er liebt.
Ihre Wandlung durchlebt Hannah,
ergreifend gespielt von Henrietta
Crosman, in der Gemeinschaft jener
Frauen, mit denen sie zu den Gräbern der Söhne nach Europa reist.
Im Verlauf dieser Pilgerfahrt weicht
ihre Bitterkeit ganz allmählich auf,
bis sie sich schließlich durch die Begegnung mit einem ihrem Sohn so
ähnlichen jungen Mann aus der Starre ihrer quälenden Schuld löst.
20. 10., 18.30 h, Filmmuseum
31. 10., 16 h, Filmmuseum
THE PRISONER OF SHARK ISLAND
USA 1936, 96 Min, OF
D: Warner Baxter, Gloria Stuart,
Claude Gillingwater, Arthur Byron
Wirklichkeit kann bekanntlich abenteuerlicher sein als jede Fiktion, wie
die von Ford akkurat recherchierte
Lebensgeschichte des Arztes Samuel
Mudd beweist. Mudd behandelt
nichts ahnend den Mörder Abraham
Lincolns und wird daraufhin wegen
Beihilfe zum Attentat zu lebenslanger Haft auf der berüchtigten, haifischumschwommenen Insel verurteilt. Nach seinem Martyrium in dem
brutalen Gefängnis und einem erfolglosen Fluchtversuch bringt erst
der selbstlose Einsatz gegen das
Gelbfieber dem Unschuldigen Freiheit und Rehabilitation.
26. 10., 21 h, Filmmuseum
30. 11., 16 h, Filmmuseum
60
In Fords ironisierend romantischem
Märchen kommt der ehemalige BoxChampion Sean Thornton traumatisiert aus den USA in das irische Dorf
seiner Väter zurück. Zwar gewinnt er
schnell das Herz der temperamentvollen rothaarigen Mary Kate Danaher, doch sie verweigert sich ihm,
weil er nicht mit ihrem Bruder um
ihre Mitgift kämpfen will. Die derbheitere Komödie mit komischen Käuzen und Dickschädeln im Dorfmilieu
orientiert sich an Shakespeares «Der
Widerspenstigen Zähmung» und soll
eine Herzensangelegenheit des
irisch-stämmigen Ford gewesen sein.
25. 10., 18.30 h, Filmmuseum
8. 11., 20.30 h, Filmmuseum
RILEY THE COP
USA 1928, 66 Min, eZT
D: J. Farrell MacDonald, Nancy Drexel,
David Rollins, Louise Fazenda
«Einen guten Polizisten erkennt man
an den Verhaftungen, die er nicht
macht.» So lautet das Eingangsmotto. Riley ist ein sehr guter Polizist
und Inbild des gemütlichen Wachtmeisters um die Ecke, der seinen
Stock lediglich zum Baseballspielen
mit den Kids des Viertels verwendet.
Neben diesem Prachtexemplar irischer Nonchalance begegnen uns
mit deutschen Biertrinkern und
Strammstehern sowie eleganten,
erotomanen Flics weitere herrlich
absurde Nationalklischees in dieser
Stummfilmkomödie, der bereits eine
feste Musik- und Geräuschtonspur
beigegeben war.
Mit THE BRAT
29. 10., 18.30 h, Filmmuseum
live @ wiener stadthalle
live @ wiener stadthalle
D
David Garrett / Slash / John Legend / CRO /
Lady Gaga / Unheilig / Michael Bublé /
A
Andrea Bocelli / Katy Perry / Ehrlich Brothers /
A
The Piano Guys Anastacia
/ Yusuf Cat Stevens /
Lenny Kravitz / Anastacia / Linkin Park /
Annett Louisan / OneRepublic / Peter Kraus /
Uwe
B Kröger / Udo Jürgens / Andrea Berg /
Bryan Adams / Andy Lee Lang / Shrek /
B
Die
W Fantastischen Vier / Holiday On Ice /
We
Will Rock You / Ennio Morricone /
M
W
Masters
of Dirt / Paul Simon & Sting /
E
M
Eurovision Song Contest / Planet Erde /
E
Michael
Mittermeier / Herbert Grönemeyer /
A
Andreas Gabalier / und viele mehr
A
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Retrospektive
RIO GRANDE
USA 1950, 105 Min, OF
D: John Wayne, Maureen O’Hara,
Ben Johnson, Claude Jarman Jr.
Vor dem Hintergrund des Alltagslebens in einem Fort der US Cavalry
thematisiert der abschließende Teil
der Kavallerie-Trilogie in Gestalt des
Colonel Yorke, der 15 Jahre zuvor in
den Südstaaten einem Befehl folgend die Plantage seiner Frau niederbrannte, die bedingungslose soldatische Pflichterfüllung. Dass ihr –
gleich wie unmenschlich und tragisch die Folgen für den Einzelnen
auch sein mögen – alles Persönliche
zu opfern sei, stellt Ford keinen Moment in Zweifel, kontrastiert sie aber
zugleich mit dem eigensinnigen Mut,
mit dem sich derselbe Yorke im richtigen Moment über Befehle hinwegsetzt.
25. 10., 16 h, Filmmuseum
8. 11., 18.30 h, Filmmuseum
THE SEARCHERS
USA 1956, 119 Min, OF
D: John Wayne, Jeffrey Hunter,
Vera Miles, Ward Bond
SERGEANT RUTLEDGE
USA 1960, 111 Min, Omd/fU
D: Woody Strode, Jeffrey Hunter,
Constance Towers, Billie Burke
Der erste Western mit einem AfroAmerikaner als Hauptfigur verfolgt in
Form eines Gerichtsdramas den Fall
des Sergeant Rutledge, Offizier eines
rein schwarzen Kavallerieregiments,
der der Vergewaltigung und des Mordes an einer weißen Frau angeklagt
wird. Bis in beiläufige Gesten und
Äußerungen deckt Ford den tiefsitzenden Rassismus der weißen Siedler auf und entlarvt ihn als fatale Mischung aus Furcht vor dem Fremden
– verkörpert und verdichtet im
«schwarzen Mann» – und Verachtung für alle, die «anders» sind.
30. 10., 21 h, Filmmuseum
15. 11., 16 h, Filmmuseum
THE SHAMROCK HANDICAP
Am Anfang öffnet sich aus dem Dunkel eine Tür auf die Landschaft,
durch die Ethan (Wayne) zum Haus
des Bruders heranreitet, am Ende
schließt sie sich auf Ethan, der sich
langsam entfernt. Dazwischen liegen
Jahre des Hasses und der Verzweiflung, verbracht auf der Suche nach
der bei einem Indianerüberfall entführten Nichte. Dazwischen liegen
komische Zwischenspiele, Liebeshändel, ikonische Szenen. Dazwischen liegt die maßlose Weite des
Monument Valley, dieses archaischen Genre-Urorts und Schauplatzes dieses archaischen Dramas, der
mit seinem erdig-braunen Rot den
Film dominiert. THE SEARCHERS ist
möglicherweise DER Western
schlechthin, jedenfalls aber bietet er
Waynes stärkste schauspielerische
Leistung. What makes a man to
wander …?
26. 10., 18.30 h, Filmmuseum
30. 11., 20. 15 h, Filmmuseum
62
USA 1926, 70 Min, eZT
D: Janet Gaynor, Leslie Fenton,
Willard Louis, J. Farrell MacDonald
Dieser Film zeugt von Fords damals
eher romantisch-nostalgisch als realistisch geprägten Liebe zu Irland,
dem Land seiner Eltern. Der erste
Teil ist gesättigt von irischer Folklore,
zu der eben auch die Figur des gutmütigen Sir Miles O’Hara zählt, der
sich mit seinen Pächtern so weit solidarisiert, dass er selbst verarmt. Wie
so vielen seiner Landsleute bleibt
ihm nur der Weg nach Amerika, wo
das titelgebende Pferderennen am
Ende märchenhaft alles zum Guten
wendet – und der Heimkehr nach Irland nichts mehr im Wege steht.
Mit BUCKING BROADWAY
3. 11., 18.30 h, Filmmuseum
SHE WORE A YELLOW RIBBON
USA 1949, 103 Min, OF
D: John Wayne, Joanne Dru,
John Agar, Ben Johnson
Der Schlachten sichtlich müde – «we
are too old for war», ist er sich mit
seinem Freund und Gegner Chief
Pony-that-Walks einig – gelingt US
Cavalry Capt. Nathan Brittles zum
Ende seiner Laufbahn ein unblutiger
Sieg über die Indianer, die sich nach
der Niederlage Custers am Little Bighorn auf dem Kriegspfad zusammengeschlossen haben. Dies ist der
mittlere Teil der Kavallerie-Trilogie,
in der Ford den entscheidenden Beitrag der «Männer in schmutzigen
Blauhemden» zur Konstituierung
der Vereinigten Staaten herausstellt.
24. 10., 21 h, Filmmuseum
7. 11., 20.30 h, Filmmuseum
STAGECOACH
USA 1939, 96 Min, OF
D: John Wayne, Claire Trevor,
Andy Devine, John Carradine
Der Film versammelt die Archetypen
des klassischen Western: die Kutsche, ameisenklein im unabsehbaren Monument Valley, besetzt mit
den Standardcharakteren (der Spieler, die Frau mit schlechtem Ruf und
gutem Herzen, der versoffene Arzt
etc.), Indianerangriffe von halsbrecherischer Rasanz, die rettende Kavallerie und nicht zuletzt die Figur
des Lonesome Rider, der als halber
Outlaw gegen die mittlerweile etablierte und verspießerte Siedlergesell-
schaft den Freiheitsgeist der Pioniertage verkörpert. STAGECOACH markiert den Beginn der engen Zusammenarbeit mit John Wayne, den Ford
über Jahrzehnte immer wieder in
seinen Filmen einsetzt; seinen Aufstieg zum Star und einen Großteil
seiner Berühmtheit verdankt der
«Duke» nicht zuletzt dem «Admiral».
18. 10., 18.30 h, Filmmuseum
29. 11., 21 h, Filmmuseum
STEAMBOAT ROUND THE BEND
WAGON MASTER
USA 1935, 81 Min, OF
D: Will Rogers, Anne Shirley,
Irvin S. Cobb, Eugene Pallette
Der windige, Wundermedizin verhökernde «Dr.» Pearly lässt sich mit
dem notdürftig aufbereiteten Wrack
eines Raddampfers auf ein Wettrennen auf dem Mississippi ein und gewinnt dank eines genialen Feuerungssystems. Weißgewandete Abstinenzprediger, eine kratzbürstige
southern belle, ein entspanntes Gefängnis im Selbstbedienungsmodus
– Ford bringt reichlich Südstaatenatmosphäre zum Einsatz, und so wird
die Geschichte vom Ende des vorletzten Jahrhunderts auch dank Will Rogers’ Komikertalent zu einer äußerst
vergnüglichen Angelegenheit.
USA 1950, 85 Min, OF
D: Ben Johnson, Joanne Dru,
Harry Carey Jr., Ward Bond
Die Geschichte eines von zwei Pferdehändlern als wagon master angeführten Mormonentrecks. Die Ereignisse unterwegs – die Vertreibung
der Mormonen durch die spießbürgerlichen Kleinstadtbewohner, die
freundliche Aufnahme der fahrenden Theatertruppe, das gemeinsame
Fest mit den Navaho – lassen sich als
eher genre-untypisches Plädoyer für
Toleranz und ein friedliches Zusammenleben lesen. Einmal nur ergreift
einer aus dem Treck zur Selbstverteidigung eine Waffe – und schleudert
sie gleich anschließend in die Wüste.
2. 11., 18.30 h, Filmmuseum
THE SUN SHINES BRIGHT
USA 1953, 94 Min, OF
D: Charles Winninger, Arleen Whelan,
John Russell, Stepin Fetchit
Ford nimmt hier die Figur des Judge
Priest wieder auf, seines Zeichens
Richter in einer Kleinstadt in Kentucky und Protagonist zahlreicher
populärer Kurzgeschichten. Der gesunde Menschenverstand des Richters, seine Jovialität und Vorurteilslosigkeit kommen Fords eigener Haltung zu Leben und Politik recht
nahe, weswegen er diesen Film auch
zu seinen Lieblingen zählte. Die für
die Zeit durchaus unkonventionelle
und liberale Perspektive muss allerdings entschädigen für einige schwer
erträgliche Klischees und Karikaturen afro-amerikanischer Charaktere.
16. 10., 18.30 h, Filmmuseum
2. 11., 21 h, Filmmuseum
THEY WERE EXPENDABLE
USA 1945, 131 Min, OF
D: Robert Montgomery, John Wayne,
Donna Reed, Jack Holt
Wo Neuerungen – hier wendigere
Kampfboote – auf alte Strukturen
treffen, erfahren sie stets Widerstand. So auch in diesem kurz nach
dem amerikanischen Sieg im Pazifik
vom aktiven Navy Offizier Ford aufwändig inszenierten Kriegsepos. Im
Zentrum des Films aber steht erneut
der Mut und Durchhaltewillen derer,
die einen verlorenen Posten nicht
aufgeben und unbeirrbar tun, was
sie für ihre Pflicht halten. Der Titel
ist daher nicht ohne Ambivalenz: In
ihrer «Entbehrlichkeit» liegt die Tragik dieser Menschen und zugleich
ihr Heldentum.
16. 10., 20.30 h, Filmmuseum
31. 10., 21 h, Filmmuseum
TWO RODE TOGETHER
USA 1961, 109 Min, OF
D: James Stewart, Richard Widmark,
Shirley Jones, Linda Cristal
Während der Offizier Jim Gary von
Mitgefühl geleitet wird, braucht es
bei dem in zynischer Selbstgenügsamkeit sein Amt verwaltenden Sheriff McCabe schon einige Dollarzeichen als Entscheidungshilfe, damit
sie sich gemeinsam auf den Weg machen, vor langer Zeit von den Komantschen Gekidnappte zu ihren Familien zurückzubringen. Das Unternehmen fällt allerdings ziemlich entmutigend aus und gelingt nur teilweise. Die Borniertheit und der Ras-
sismus, mit dem die kleinstädtische
Gesellschaft den «Heimgekehrten»
begegnet, lässt am Ende sogar den
Hartgesottenen McCabe die Flucht
ergreifen.
3. 11., 21 h, Filmmuseum
22. 11., 16.30 h, Filmmuseum
22. 10., 18.30 h, Filmmuseum
9. 11., 16.30 h, Filmmuseum
WEE WILLIE WINKIE
USA 1937, 100 Min, OF
D: Shirley Temple, Victor McLaglen,
C. Aubrey Smith, Michael Whalen
Als rotzfrecher und mutiger Rekrut
Willie Winkie schaut Shirley Temple
aus kindlicher Perspektive auf das
Verhältnis von Kolonisatoren und
Kolonisierten. Dass Ford mit der
märchenhaften Geschichte von der
Enkelin eines britischen Kommandanten, die in Indien den Konflikt
zwischen Engländern und Aufständischen befriedet, britischen Imperialismus thematisierte, war für die
1930er Jahre durchaus neu und
ungewohnt. Dennoch wurde WEE
WILLIE WINKIE zum Kassenschlager
und soll nebenbei Temples Lieblingsfilm gewesen sein.
30. 10., 18.30 h Filmmuseum
WHEN WILLIE COMES MARCHING HOME
USA 1950, 82 Min, OF
D: Dan Dailey, Corinne Calvet,
Colleen Townsend, William Demarest
Bill Kluggs aus Punxatawney, West
Virginia, ist ein netter durchschnittsamerikanischer Bursche aus einer
ebensolchen Familie, der nach dem
Angriff auf Pearl Harbor seiner pa63
Retrospektive
YOUNG MR. LINCOLN
triotischen Pflicht nachkommen will.
Aber die Pflicht ihrerseits will nicht
so wirklich und entzieht sich seinen
recht tollpatschigen Bemühungen,
bis sie endlich ein Einsehen hat und
ihn über diverse Missverständnisse
und Umwege, zu denen auch eine
unverfroren klischeehafte Resistance gehört, zum allseits anerkannten Kriegshelden avancieren lässt.
5. 11., 18.30 h, Filmmuseum
THE WHOLE TOWN’S TALKING
USA 1935, 93 Min, OF
D: Edward G. Robinson, Jean Arthur,
Arthur Hohl, James Donlan
USA 1939, 100 Min, OF
D: Henry Fonda, Alice Brady,
Marjorie Weaver, Arleen Whelan
Atmosphärisch dicht beschreibt der
Film die Anfänge der juristischen
Karriere des späteren amerikanischen Präsidenten. In einem Mordfall bewahrt die kluge Art der Verteidigung des Autodidakten Lincoln,
der die komplizierte Rechtsprechung
auf die schlichte Frage nach richtig
oder falsch reduziert, zwei des Mordes angeklagte Brüder vor dem
Strang und erwirbt ihm zugleich die
Achtung seiner Anwaltskollegen. Erst
1972 und im Fernsehen konnte dieses starke filmische Plädoyer für
Staatsgewalt und gegen Selbstjustiz
im deutschsprachigen Raum Premiere feiern.
17. 10., 18.30 h, Filmmuseum
15. 11., 18.30 h, Filmmuseum
JOHN FORD GOES TO WAR
(118 MIN)
THE BATTLE OF MIDWAY
chen Passagen etwa über den Einsatz von Napalm abgesehen, ist das
Thema des direkt aus dem Geschehen heraus erstellten Propagandafilms THIS IS KOREA! erneut nicht
militärisches Heldentum, sondern
sind die Mühsal, das Leiden und die
Opfer des Kriegsalltags. So besteht
der Heroismus der einfachen Solda-
ten nach Ford in Pflichterfüllung und
stoischem «Erledigen» einer Aufgabe, die am Ende als Antwort auf die
Frage «What’s it all about?» mit patriotischem Pathos benannt wird:
Die Bewahrung der Zukunft, des Lebens, der Freiheit.
1. 11., 16 h, Filmmuseum
USA 1942, 18 Min, OF
JOHN FORD FOOTAGE SIMULATING BATTLE OF
MIDWAY
USA 1942, 7 Min, stumm
TORPEDO SQUADRON 8
USA 1942, 8 Min, stumm
DECEMBER 7TH
USA 1943, 34 Min, OF
THIS IS KOREA!
USA 1951, 51 Min, OF
In dieser turbulenten Verwechslungskomödie kann Edward G. Robinson gleich zwei seiner Paradecharaktere in einer Doppelrolle zum
Besten geben, Mannion, den skrupellosen Gangsterboss und Jones, den
ängstlich-schüchternen Angestellten.
Zu dessen Unglück gleichen die zwei
sich aufs Haar, und es ist nicht zuletzt der – realen wie seelischen –
Unterstützung durch die toughe Kollegin Miss Clark (Jean Arthur) zu verdanken, dass «Jonesy» am Ende über
sich hinauswächst und Mannion
mehr trotz als mit der Hilfe der Polizei zur Strecke bringt.
1. 11., 18.30 h, Filmmuseum
29. 11., 16.30 h, Filmmuseum
In den dokumentarischen Filmen
zum Zweiten Weltkrieg versucht der
aktive Navy-Offizier Ford neben der
realitätsnahen Darstellung der
Kampfhandlungen dem Kriegsgeschehen ein Gesicht zu geben. Der
Fokus richtet sich auf die Soldaten,
die ihr Leben riskieren und verlieren, sowie ihre Familien, die zuhause
trauern, aber zugleich mit Stolz und
Patriotismus durchhalten. Ebenso
besonders wie typisch für Ford ist,
dass seine Anti-Feind-Propaganda
beispielsweise in DECEMBER 7TH
jenseits rassistischer Hetze auch die
Nöte der japanoamerikanischen Bevölkerung auf Hawaii mitfühlend
würdigt. Von heute schwer erträgli-
DIRECTED BY JOHN FORD
USA 1971, 102 Min, OF
R: Peter Bogdanovich
Nach seinen ersten erfolgreichen
Spielfilmen nahm Bogdanovich ein
Porträt des großen Klassikers John
Ford in Angriff. Das eigentlich als
roter Faden vorgesehene Interview
mit dem Altmeister verlief von Fords
Seite aus allerdings dermaßen einsilbig und wenig auskunftsfreudig,
dass es in diesem Film teils als belustigende Einlage, teils als Übergang
zwischen den Interviews mit einigen
Stammschauspielern und Szenen
aus seinen Filmen dient, deren erhellende Kommentierung unverwechselbar von der raunenden Stimme
Orson Welles’ vorgetragen wird.
2. 11., 16 h, Filmmuseum
FÜR DEN INHALT VERANTWORTLICH Alexandra Seitz, Paolo Calamita TEXTE Hans Hurch, Thomas Mießgang, Maria Poell, Roman
Scheiber, Alexandra Seitz, Stephan Settele sowie Sascha Rettig (Mortensen), Olaf Möller (Farocki/Teguia), Katja Wiederspahn (16mm), Robert Weixlbaumer
(Godard), Martin Girod (Kortner), Barbara Kronsfoth & Maria Marchetta (Retrospektive) REDAKTIONELLE MITARBEIT Hellmut Goebl
LEKTORAT Roland Faltlhansl GRAFIK Rainer Dempf, Fiona Fleck ANZEIGENVERKAUF Barbara Heumesser
ABBILDUNGSNACHWEIS Produktionsfirmen; Regisseure; Verleiher; Weltvertriebe; Filmdokumentationszentrum Filmarchiv Austria;
Österreichisches Filmmuseum; Filmbild Fundus, Herbert Klemens; Harun Farocki Filmproduktion; Stiftung Deutsche Kinemathek Berlin; © Anthology Film
Archives; © Filmoteca de la UNAM; © George Eastman House; © Harvard Film Archive; © Janni Chavakis© Matilda Washington; © NFB/La Cinémathèque
québécoise; © UCLA Film & TV Archive
64
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Seele and Geist
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