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März 2015 (PDF 7 MB) - Dresdner Philharmonie

Einbetten
MUSIKALISCHE GEHEIMSPRACHE
Michael Sanderling über
Schostakowitschs Sinfonie Nr. 11
TASTENLÖWE
Alexander Krichel spielt
Rachmaninows Zweites Klavierkonzert
AUF DER KLANGWOLKE
Sopranistin Christina Landshamer
im Osterkonzert
DER MUSIK-KOKON
Zum Umbau des Dresdner
Kulturpalastes
2
EDITORIAL | P H ILH AR M ONISC HE B LÄTTER
P HILHARMONI S CHE BL ÄTTER |
IN H A LT
N AC HG EF R AG T
Frauke Roth und Michael Sanderling
über die philharmonische Zukunft . . . . . . . . . 4
C HEF D IR IG EN T
Michael Sanderling . . . . . . . . . . . . . . . . 8
APR O PO S
Schostakowitschs 11. Sinfonie . . . . . . . . . . 10
D EB ÜT
Der Pianist Alexander Krichel . . . . . . . . . . 12
W IED ER B EG EG N UN G
Markus Poschner dirigiert Mahlers Siebte . . . . 14
HAUSB ESUC H
im Architekturbüro gmp . . . . . . . . . . . . . 16
N AC HG EF R AG T
Kammermusik mit dem Carus Ensemble . . . . . 20
PO RT R ÄT
Christina Landshamer auf der Klangwolke . . . . 22
APR O PO S
Tschaikowsky trifft Strawinsky . . . . . . . . . . 25
PO RT R ÄT II
Ein Kinokonzert mit Helmut Imig . . . . . . . . . 26
N EUG IER D E
Fragen an Soohyun Ahn . . . . . . . . . . . . . 28
HAUSB ESUC H II
Hinter den Kulissen am Braushausberg . . . . . 30
UN T ER W EG S
Die Philharmoniker in Südamerika . . . . . . . . 32
KO N ZERT K ALEN D ER
Januar bis März 2015 . . . . . . . . . . . . . . 34
T IT E L
Hornist Friedrich Kettschau im Dresdner Kulturpalast anlässlich des Festaktes zum Start des
ersten Bauabschnitts.
Liebe Konzertbesucher!
Überall beginnt das neue Jahr mit guten Vorsätzen und Plänen,
so auch bei uns: Begrüßen wir herzlich unsere neue Intendantin
Frauke Roth, mit der uns eine vertrauensvolle und kreative
Zusammenarbeit in den kommenden Jahren verbinden wird.
Im Januar erwarten Sie gleich zwei sinfonische Höhepunkte der
Wiener Spätromantik: Markus Poschner entführt Sie in Mahlers
nächtliche Traumwelten und Sebastian Weigle lässt Sie in die
ungeahnte Kraft der klangmächtigen 1. Sinfonie von Hans Rott
eintauchen. Wie gewohnt erwartet Sie Helmut Imig mit unserem
Format Film & Musik diesmal im Hygienemuseum, während
Marek Janowski erneut das Philharmonische Kammerorchester
Dresden beehrt.
Der 13. Februar 1945, ein Tag, der für uns wie kein anderer
das Grauen des Krieges in unserer Stadt widerspiegelt. Mit
Schostakowitschs 11. wollen wir mit nachdenklichen Tönen daran
erinnern, dass es einen gemeinsamen Willen braucht, Toleranz
tagtäglich zu leben, um Grenzen in den Köpfen zu überwinden
und so Konflikte zu lösen.
Gleich zwei hochkarätige Pianisten erfreuen Sie im März mit
russischem Repertoire: Martin Helmchen – unser Artist in
Residence – mit Prokofjews 2. Klavierkonzert und Alexander
Krichel mit Rachmaninows 2. Klavierkonzert.
Wie gewohnt sind wir auch unterwegs: Konzerte in Düsseldorf und
Köln und ein Gastspiel in den USA mit dem Cellisten Johannes
Moser führen das Orchester auf Reisen. Ich würde mich freuen, mit
Ihnen gemeinsam in ein neues philharmonisches Jahr zu starten.
Die Dresdner Philharmonie ist Mitglied
im Deutschen Bühnenverein
Herzlichst
Ihr Michael Sanderling
3
Platz
Neues: S CHE BL ÄTTER |
4 für
P HILHARMONI
Intendantin
Frauke Roth und
Chefdirigent
Michael Sanderling
im entkernten
Kulturpalast
Frauke Roth und Michael Sanderling | NACHGEFRAGT | P H ILH AR M ONISC HE B LÄTTER
Als Sie hörten, dass wir darüber reden wollen, was
für Sie heutzutage die Dresdner Philharmonie ausmacht, haben Sie spontan »ach herrje« gerufen.
Warum das?
Michael Sanderling: Weil das ein so weites Feld
ist. Dieses Orchester besteht ja aus mehr als 116
Musikern und knapp 30 Verwaltungsmitarbeitern. Es
ist auch die Summe seiner Traditionen und Visionen,
Vergangenheitsbewältigung und Träume. Ein abendfüllendes Thema.
gegenüber eher ungewöhnlichen Programmen. Trotzdem
können wir jeden Tag 75 Neudresdner begrüßen, die
noch an keine kulturelle Institution gebunden sind. Da
ist die Frage: Womit kann ich dieses potenzielle Publikum
langfristig für unser Orchester gewinnen? Hier sehe ich
im Bereich Service, bei der Familienfreundlichkeit und in
Bezug auf neue Konzertformate viel Potenzial, das bisher
unerschlossen blieb, gerade im Hinblick auf den Wiedereinzug in den Kulturpalast.
Das müssen Sie mal konkretisieren.
Ich weiß, dass viele Menschen so wie ich auch zum BeiGanz sicher ja. Auf der einen Seite schätze ich das sehr,
spiel kompakte Konzerte von einer Stunde Länge sehr
auf der anderen macht es den Weg hin zu einer Modergenießen. Das kann mit einem langen Arbeitstag zu tun
nisierung sicher beschwerlicher als woanders.
haben oder mit weiteren Pflichten, die man am Abend
noch erfüllen muss. Es kann aber auch darin begründet
sein, dass man sich auf ein einziges Werk mit hoher
Vielleicht wollen Sie gar nicht modern sein.
Intensität konzentrieren will. Solche Dinge müssen wir
Das muss jeder, um Kultur heute begreifbar zu machen.
für unser neues Haus in der Mitte der Stadt im Dialog mit
Wir dürfen nichts musealisieren, sondern müssen uns
den Künstlern und dem Publikum entwickeln.
darüber Gedanken machen, wie wir heute das Publikum
erreichen. Das kann man
Sanderling: Auch als künstlenicht mit Konzepten von vor
rischer Leiter beschäftigt mich
»Niedrigschwellige
Angebote
20 Jahren. Die Rezeptionsnatürlich die Frage: Für wen
mag man woanders brauchen,
sind wir da? Wie erreichen wir
gewohnheiten haben sich verwir tasten den Anspruch
neues Publikum und bewahren
ändert. Andererseits müssen
an die künstlerische Qualität
uns gleichzeitig das angewir auch die künstlerischen
nicht an.
Werte, die in den vergangenen
stammte? Das hat sich ja über
Um neue Bevölkerungsschichten
250 Jahren gewachsen sind,
die Jahre an bestimmte Dinge
zu gewinnen, heißt es, neue
erhalten. In diesem Spannungsgewöhnt und ist sehr qualiWege zu gehen,
ohne Altbewährtes aufzugeben.
feld bewegen sich heute alle
tätsbewusst. Wir müssen hier
Dieser
Spagat
darf
wehtun.«
Orchester.
Marktforschung betreiben, was
das Publikum genau erwartet.
Frauke Roth
Und wir dürfen keine Angst vor
In welche Richtung, Frau
Rückschlägen haben.
Intendantin?
Frauke Roth: Als neuester Kopf in der Runde mit dem
Roth: Niedrigschwellige Angebote mag man woanders
Blick von außen empfinde ich es als hohes Gut, dass
brauchen, wir tasten den Anspruch an die künstlerische
in Dresden überhaupt so viele Menschen in Konzerte
Qualität nicht an. Aber wir müssen trotzdem zur Kenntnis
gehen und, soweit ich das bisher feststellen konnte,
nehmen, dass ein großer Teil der Bevölkerung von uns
sich auch ganz stark inhaltlich damit auseinandernicht erreicht wird. Da heißt es, neue Wege zu gehen,
setzen: Sie studieren die Programmhefte, kommen zu
ohne Altbewährtes aufzugeben. Dieser Spagat darf wehKonzerteinführungen, kommentieren die Texte. Ich bin
tun. Aber die kommunikativen Mittel sind so vielfältig
auch positiv überrascht über die unerwartete Offenheit
geworden, dass das kein Ding der Unmöglichkeit ist.
Ist Ihr Publikum sehr traditionsbewusst?
Auf zu neuen Ufern!
Visionen einer philharmonischen Zukunft
Chefdirigent Michael Sanderling und die neue Intendantin Frauke Roth trafen sich per
Videochat. Ihr Thema: Quo vadis, Dresdner Philharmonie? Ein moderiertes Gespräch
über Zukunftsperspektiven des Orchesters.  Christian Schmidt
Es ist spät geworden in Oberloschwitz. Im Hause Roth,
von dessen Terrasse man den Blick wunderbar schweifen
lassen kann über das Blaue Wunder und die Blasewitzer
Elbwiesen hinweg, kehrt dennoch nicht so schnell Ruhe
ein. Drei Kinder, sieben, neun und elf Jahre alt, sollen
endlich im Bett verschwinden. Aber so unnachgiebig
Mutter Frauke beruflich ihre Ziele und Visionen verfolgt,
so nachsichtig ist die neue Intendantin der Dresdner
Philharmonie mit ihrem Nachwuchs. Mit großem
Kommunikationsgeschick bewegt sie die Bande denn
doch zum Rückzug. Den kurzen Moment der Ruhe
hält die 47-jährige große blonde Hanseatin mit der
erstaunlich sympathischen Chefinnenbrille inne. Dann
endlich stellt sie ihren Tablet-Computer auf den Stutzflügel und nimmt sich die Zeit für das abendliche
Videotelefonat mit Chefdirigent Michael Sanderling, der
im fernen Frankfurt in seinem Arbeitszimmer über neue
Perspektiven seines Orchesters nachsinnt.
5
6
P HILHARMONI S CHE BL ÄTTER | NACHGEFRAGT | Frauke Roth und Michael Sanderling
| P H ILH AR M ONISC HE B LÄTTER
Wie schafft man es, in dieser Polarität spannende
dem MDR-Sinfonieorchester besondere Experimente
Wie groß ist denn dessen Unterschied zur Realität?
Konzerte zu programmieren?
mit Festivals moderner Musik, Crossover- oder Jazz-
Sanderling: Wir werden nach und nach die Grenzen
verschieben, wobei mir schon auffällt, wenn mir andere
Spielpläne in die Hände fallen, dass die Dresdner
Philharmonie in dieser Stadt ein sehr innovatives
Programm hat. Vergleichen wir uns aber mit anderen
Kulturzentren im In- und Ausland, spüre ich zugleich
Luft nach oben.
Roth: Ich glaube, in dieser Frage stellt die Dresdner
Philharmonie ihr Licht unter den Scheffel. Das Programm
ist in seiner Vielfalt bisher sehr beachtlich, man muss es
nur besser vermitteln.
projekten zu wagen, auf Dresden übertragbar sein?
Sanderling: Der besteht immer, das sagt Ihnen jeder
ehrliche Künstler. Aber die Distanz ist so klein, dass
ich jedes Mal mit Spaß in die Proben und Konzerte
gehe.
Roth: Bei den Proben ist es auch für mich extrem spannend, das Ringen um Perfektion mitzuerleben.
Sanderling: Wobei ich für uns in Anspruch nehme,
dass wir am Abend mit einer gefestigten einheitlichen
Meinung dessen, was wir empfinden und ausdrücken
wollen, auf der Bühne sitzen. Aber ich hoffe, dass man
merkt, dass unseren Interpretationen viele Gedanken
vorausgegangen sind.
Geht das überhaupt in Ihrer Heimatlosigkeit?
Sanderling: Wir sind sehr dankbar, dass uns das
Publikum bisher die Treue gehalten hat. Notgedrungen
müssen wir vieles anders machen, als es bis zum
Auszug möglich war.
Roth: Im Waldschlösschenareal,
unserem Interimsquartier in der
Umbauphase, sind nicht mehr
als 200 Zuhörer unterzubringen.
Selbst wenn wir heutzutage
Moderationskonzerte, Vermittlungsprogramme oder öffentliche Generalproben anbieten
wollten – wir hätten dafür
keinen Saal. Das wird natürlich
komfortabler sein, wenn wir
Herr im eigenen Hause sind.
Dann können wir zum Beispiel auch unser Kartenbüro
besser anbinden und Touristen ansprechen, was im
Moment praktisch unmöglich ist. Der neue Saal wird
einen Sog entwickeln und dafür sorgen, dass sich
die Treuen mit den Neuen, die Touristen mit Neuankömmlingen mischen werden, dessen bin ich sicher.
Nun ist es ja kein Geheimnis, dass sich die Dresdner
Philharmonie von einer scheinbar übermächtigen
Konkurrenz abheben muss. In Leipzig ist die Situation
ähnlich gelagert. Könnte Kristjan Järvis Konzept, mit
Sanderling: Ganz klar: nein. Wir würden Gefahr
laufen, auf Unverständnis beim angestammten
Publikum zu stoßen, ohne ein neues zu gewinnen. In
einer gewissen Portionierung kann es sowohl für das
Orchester als auch für das Publikum sehr nützlich sein,
solche Programmideen beizumischen. Übrigens hinkt
der Vergleich, weil in Leipzig zwei Sinfonieorchester
direkt miteinander konkurrieren.
Roth: Natürlich kann man das auch nicht von den
handelnden Personen losgelöst betrachten. Das ist
eine Frage der Authentizität. Die Dresdner Philharmonie
hat als städtisches Bürgerorchester für Dresden eine
große Relevanz. Sie ist daher auch im Ausland als
Kulturbotschafter sehr gefragt. Dabei spielt auch der
unverwechselbare Klang des Orchesters eine große
Rolle.
Sanderling: Vergessen wir
auch nicht, dass ich 2011 mit
der Mission betraut wurde, die
Tugenden der Dresdner Philharmonie über eine Zeit des
Vagabundentums zu bewahren.
Unter unserer logistischen
Situation leidet logischerweise
die Spielkultur. In dieser Interimsphase wäre es unter diesem
Aspekt fatal, eine völlig neue
Ästhetik einzuführen, für die das
Zusammenspiel nicht so wichtig ist.
Aber man könnte in dieser Zeit auch etwas Neues
ausprobieren, das man bei Misserfolg ohne Gesichtsverlust wieder zu den Akten legen könnte.
Sanderling: Das tun wir doch! Aber ich sage Ihnen: Jede
Haydn-Sinfonie ist besser für den Erhalt der Spielkultur
als die Musik, die Sie vielleicht meinen. In allergrößter
Konkurrenz befinde ich mich übrigens nicht zu anderen
Orchestern, sondern zu meinem eigenen Qualitätsanspruch.
Hand aufs Herz: Glauben Sie an den Wiedereinzug
Frauke Roth
in den Kulturpalast 2017?
Roth: Ja. Die Rückbauphase mit dem höchsten Altlastenrisiko ist abgeschlossen. Nun folgt der Aufbau,
was nicht heißt, dass es keine Risiken mehr gibt.
Sanderling: Es ist ja jetzt schon in den Planungen ein
Puffer eingebaut, so dass die Chancen realistisch sind.
Übrigens befördern die guten Aussichten die Motivation
des ganzen Orchesters enorm.
Fernab aller Spekulationen: Gibt es programmatische Träume, die Sie sich dann endlich erfüllen
können?
Sanderling: Meine dirigentische Karriere ist noch jung,
das Repertoire riesengroß. Da gibt es nicht den einen
Traum. Ich bin in der glücklichen Situation, dass dieses
Orchester nahezu alles kann – und sei es eine konzertante Operette.
Roth: Details werden wir erst im Frühjahr verraten
können. Klar ist aber: Klar ist aber: auf sehr vielfältigen
Themenfeldern erwarten uns Herausforderungen, sei
es die Neupositionierung auf dem CD-Markt, die
Zusammenarbeit mit Touristikern oder die Vermittlungsarbeit für Kinder und Familien. Außerdem möchten wir
eine eigene Orchesterakademie gründen. Aber darüber
sprechen wir, wenn alle Blütenträume gereift sind. Fürs
erste nur so viel: Bleiben Sie gespannt, wir lassen von
uns hören! 
Mit Beginn des neuen Jahres übernimmt
Frauke Roth das Intendantenbüro der
Dresdner Philharmonie. Als Flötistin ausgebildet, entdeckte die gebürtige Hamburgerin
schnell ihre Managertalente und machte
sich einen Namen, als sie im Jahr 2000 das
Berliner Ensemble Oriol mit dem Potsdamer
Persius Ensemble zur Kammerakademie
Potsdam verschmolz. Das Hausorchester des
neu eröffneten Nikolaisaals in der brandenburgischen Landeshauptstadt entwickelte sie
in kürzester Zeit zum inzwischen international
renommierten Spezialisten für die Musik des
18. Jahrhunderts und der Moderne.
Als Chefin freundlich, aber bestimmt, und
trotzdem ein echter Teamplayer zu sein –
das ist das Geheimnis ihres Erfolgs. Roths
Kommunikationsgeschick versammelt unterschiedlichste Charaktere eher in einem Boot,
als sie zu polarisieren. Mit einer Mischung
aus Erfahrung und Instinkt behält die Intendantin immer den Überblick. Den wird sie
auch brauchen – immerhin hat sich ein gewisser Entwicklungsstau gebildet. Der fordert
Frauke Roth aber eher heraus: »Ich bin nicht
entscheidungsscheu.«
7
8
P HILHARMONI S CHE BL ÄTTER | CHEFDIRIGENT | Michael Sanderling
Musikalische Geheimsprache
Michael Sanderling über Schostakowitschs Elfte Sinfonie
| P H ILH AR M ONISC HE B LÄTTER
13
FEBRUAR
2015
Im Gespräch betont Michael Sanderling, dass es in
zu formulieren: Wehrt euch gegen die Dummheit
der Rezeption von Schostakowitsch »dunkle Zeiten«
der Obrigkeit, kämpft für Freiheit des Denkens, der
gegeben habe, woran der Komponist durch die VerReligion und der politischen Gesinnung. Wehret der
Doktrin menschenunwürdiger Unterdrücker, egal
schlüsselung seiner Musik in gewisser Weise aber
welcher ethnischen oder politischen Herkunft. Das war
selbst beteiligt gewesen sei.
Schostakowitschs Möglichkeit, eine Botschaft zwischen
Für Sanderling ist es von größter Wichtigkeit, dass
den Zeilen zu setzen, und er wurde verstanden.«
sich die Interpreten von Schostakowitschs Kompositionen dieser Geheimsprache bewusst sind und die
Verantwortung spüren, die aus dem Umgang mit
Narben der Geschichte
solcher Musik erwächst. Und auch die Elfte Sinfonie
versteht Sanderling als chiffriertes Werk. Für ihn
So ist die Elfte Sinfonie auch eine geeignete Musik
zur Dresdner Gedenkstunde an den 13. Februar. Für
bezieht sie sich weniger auf die Revolution des
Sanderling ist die Musik Schostakowitschs »geprägt
im Untertitel genannten Jahres 1905 als auf den
vom Ausdruck inneren und äußeren
niedergeschlagenen UngarnaufLeidens, von Verzweiflung und
stand 1956 – die Sinfonie wurde
»Aus Angst
Resignation. Wenn mir seine
im Jahr danach geschrieben.
vor der ›Erkennung‹
Musik also passend erscheint als
Sanderling: »Es war zur damaligen
der wahren Inhalte und
Erinnerung an die Geschehnisse
Zeit für einen Kulturschaffenden
daraus resultierenden
persönlichen psychischen
des 13. Februars 1945 in Dresden,
der UdSSR unmöglich, ein Werk,
und
physischen
dann nicht vorrangig aufgrund der
das sich mit dem Kampf um
Repressalien
Tatsache, dass Schostakowitsch
bürgerliche Freiheit beschäftigt,
schuf Schostakowitsch eine
ein Chronist seiner Zeit war,
unbehelligt von den Apparatschiks
Art Geheimsprache.
sondern mehr in Hinblick auf die
zu schaffen. So blieb nur, als VerEr nutzt nicht nur
›Erzählung‹ über die menschlichen
schlüsselung adäquate Themen
irreführende Titel und
Empfindungen, die fatalen Folgen
der eigenen Geschichte, der des
Satzbezeichnungen,
dieses Ereignisses und die Narben,
russischen Volkes heranzuziehen.
sondern auch
die es bei uns Dresdnern hinterDa bot sich für Schostakowitsch
ganz bewusst
›falsche‹
lassen hat.« Befragt, was ihn zur
die Gelegenheit, anhand der
Metronomzahlen.«
Kombination der Elften Sinfonie
Geschehnisse des Blutsonntages
mit Max Regers Bach-Bearbeitung
von 1905 musikalische Botschaften
Michael Sanderling
19.30
Philharmonie im Albertinum
Lichthof
10. Konzert
Michael Sanderling ist mit Schostakowitschs Musik aufgewachsen: Sein Vater Kurt
Sanderling, ein Kollege und Freund des russischen Komponisten, hat ihn mit seiner
Auffassung der Sinfonien maßgeblich geprägt.  Adelheid Schloemann
FREITAG
Konzert zum Dresdner Gedenktag
» TA G T Ä G LICH Z IE H E N G E WIT T E R A U F,
MA N CH MA L SE H R STA RKE G E WIT T E R«
– Schostakowitsch 1957
MAX REGER
Aria »O Mensch, bewein Dein‘ Sünde groß« nach dem
Choralvorspiel BWV 622 von J. S. BACH
DMITRI SCHOSTAKOWITSCH
Sinfonie Nr. 11 g-Moll op. 103 – »Das Jahr 1905«
Michael Sanderling | Dirigent
»O Mensch bewein Dein‘ Sünde groß« bewogen habe,
antwortet Sanderling: »Vergleichen Sie diesen Choraltext mit einem Satz, den Schostakowitsch rückblickend
auf all das menschliche Leid – inneres wie äußeres –
formuliert haben könnte ... dann wissen Sie es!«
Für Michael Sanderling ist Dmitri Schostakowitsch
der letzte große Sinfoniker – ein Komponist, dessen
Musik von einer exorbitanten Ausdruckskraft ist,
obwohl sie sich oft traditioneller rhythmischer,
harmonischer und struktureller Elemente bedient.
Eine besondere Herausforderung für das Orchester
sieht Sanderling darin, »dass Schostakowitsch sehr
gerne Orchesterinstrumente zu vorübergehenden
Soloinstrumenten macht, um ihnen eine quasi
menschliche Stimme für einen speziellen Charakter
und Inhalt zu verleihen (z. B. das Fagott für
den ›Erzähler‹ oder ›Chronisten‹, das
Piccolo für den ›Absurden‹ oder
›Grotesken‹, die Es-Klarinette für
den ›Dumm-Dreisten‹ usw.)«,
was diese Instrumentalparts
außerordentlich schwierig mache. Am wichtigsten sei es
aber, die Verschlüsslungen
von Schostakowitschs musikalischem Text aufzulösen,
wozu ein gehöriges Maß an
logischer Intelligenz vonnöten
sei. Übrigens: Derzeit plant
Michael Sanderling mit der
Dresdner Philharmonie eine
Gesamtaufnahme aller Sinfonien
von Dmitri Schostakowitsch. 
9
10
P HILHARMONI S CHE BL ÄTTER | APROPOS | Schostakowitschs 11. Sinfonie
Ewige Wiederkehr des Leids
Schostakowitschs 11. Sinfonie
Kaum eine andere Sinfonie Schostakowitschs hatte bei ihrer Uraufführung einen so
großen Erfolg wie seine Elfte 1957: Sie wurde als ein Werk gehört, das den Ängsten der
Menschen um die Jahrhundertmitte Ausdruck gab.  Albert Breier
Schostakowitschs Elfte ist auf den ersten Blick ein Werk,
das sich offen programmatisch gibt: der Titel Das Jahr
1905 bezieht sich auf die revolutionären Ereignisse,
die Russland in diesem Jahr erschütterten. Dennoch
lässt sich der Erfolg der Sinfonie nicht allein auf die
Programmatik zurückführen. Schostakowitsch hatte
das Werk von vornherein als ein »populäres« geplant.
Er sah sich in der Tradition Modest Mussorgskis,
den Schostakowitsch aufs höchste verehrte und der
seiner Ansicht nach in der Oper Boris Godunow dem
russischen Volk als erster Komponist überhaupt eine
Stimme gegeben hatte. Wie vor ihm Mussorgski greift
Schostakowitsch in der Elften ausgiebig auf die russische
Volksmusik zurück. Es finden sich zahlreiche Anklänge
und direkte Zitate. Am berühmtesten ist aber kein Volksmusikzitat, sondern die Übernahme eines Revolutionsliedes geworden: Im dritten Satz erklingt die Melodie
Unsterbliche Opfer, das bewegende Trauerlied für die
Opfer der Revolution von 1905. In der Musikgeschichte
ist es nicht unbekannt: In Nachfolge Schostakowitschs
hat auch Karl Amadeus Hartmann diese Melodie in
seinem Concerto funebre von 1939 verwendet, es
wurde bei den Trauerzeremonien für Leonid Breschnew,
Juri Andropow und Konstantin Tschernenko gespielt; und
Martin Helmchen
Der Artist in Residence 2014 / 2015 verbindet in
seinem Spiel technischen Biss mit tief empfundener
musikalischer Gestaltung. Das macht neugierig
auf seine Interpretation des äußerst perkussiven
Klavierparts in Sergej Prokofjews Klavierkonzert
g-Moll op. 16. Prokofjew brachte mit diesem im
Studium geschriebenen Konzert seine Professoren
gegen sich auf. Als die Partitur in den Wirren des
Ersten Weltkriegs verbrannte, schrieb der Komponist
sie 1923 aus dem Gedächtnis neu auf.
Schostakowitschs 11. Sinfonie | APROPOS | P H ILH AR M ONISC HE B LÄTTER
in der DDR war es bei den jährlichen Feiern des Todestages von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht zu hören.
Schlossplatz. Im zweiten wird der Angriff der Palastwache dargestellt. Im dritten wird der Trauer über die
Opfer Raum gegeben. Der vierte kann als eine Art
Ausblick in eine hellere Zukunft verstanden werden,
Soldaten in die Menge
mit der Hoffnung auf politische Veränderungen. Die
Musik hat stellenweise die Qualität einer »FilmDie Sinfonie scheint in ihrem Aufbau äußerlich der
klassischen Viersätzigkeit zu folgen. Doch entspricht
musik ohne Film«. (Schostakowitsch hatte sich in
die Abfolge langsam / schnell /langsam / schnell nicht
seiner Jugend sein Auskommen zeitweise als Kinodem traditionellen Muster.
pianist verdient.) Dennoch ist
Sie scheint vielmehr von der
es schwierig, in der Sinfonie
»Jeden Tag sind Gewitter,
Programmatik bestimmt zu
eine detaillierte Abspiegemanchmal sehr starke.
sein. Am sogenannten Blutlung der Ereignisse finden zu
Der Platzregen fängt an,
wollen. Ihre Ausdruckswelten
sonntag, dem 22. Januar 1905
aufs Dach zu trommeln.
gehen über den Bezug auf
(nach dem alten russischen
Blitze zucken
das konkrete Datum des
Kalender der 5. Januar)
und spalten den Himmel.
hatten sich Zehntausende von
22. Januars 1905 weit hinaus.
Der Donner rollt,
Petersburger Arbeitern zum
So gab es schon bald Verund ich sitze tagelang
Winterpalast, der Residenz
mutungen, Schostakowitsch
in meinem ›Komponierlabor‹
des Zaren, begeben, um für
habe mit der Sinfonie auf den
und schreibe die Sinfonie.
bessere Arbeitsbedingungen,
brutal niedergeschlagenen
Bald bin ich fertig.«
Abschaffung der Zensur,
Ungarnaufstand von 1956
Schostakowitsch an Edison Denissow
religiöse Toleranz und die Bilreagiert. Andere wollen in
(Komarowo, 22. Juli 1957)
dem Werk ein »Requiem
dung einer Volksvertretung zu
für eine Generation« sehen.
demonstrieren. Die DemonsSchostakowitschs Schwiegersohn zufolge war auf
tration wurde von Soldaten aufgehalten, die in die
dem Titelblatt der Sinfonie statt »1905« ursprünglich
Menschenmenge schossen. Am Nachmittag kam es
»1906« zu lesen – das Geburtsjahr des Komponisten.
erneut zu gewaltsamen Zusammenstößen. Die genaue
Und Schostakowitschs Generation war tatsächlich
Zahl der Opfer ist unbekannt, die Angaben schwanken
von ungeheurem Leid geprüft gewesen: Sie hatte
zwischen 130 und über 1000.
zwei Weltkriege, Revolution und Bürgerkrieg sowie
die Säuberungen Stalins erleben müssen. Nach dem
Filmmusik ohne Film
Bericht Solomon Volkovs wiederum hat Schostakowitsch in der Elften Sinfonie die ewige Wiederkehr
Der erste Satz von Schostakowitschs Sinfonie schildert
des Bösen und – damit verbunden – das endlose Leid
die gespannte Atmosphäre auf dem winterlich-kalten
der Menschheit darstellen wollen;
Artist in Residence MARTIN HELMCHEN
14
auch hierin stand der Komponist
» TA G T Ä G LICH Z IE H E N G E WIT T E R A U F,
FEBRUAR SAMSTAG
MA N CH MA L SE H R STA RKE G E WIT T E R«
2015
in der Nachfolge Mussorgskis.
19.30
– Schostakowitsch 1957
Dennoch gibt es am Ende der
SERGEJ PROKOFJEW
Philharmonie im Albertinum
Konzert für Klavier und Orchester Nr. 2 g-Moll op. 16
Sinfonie die schwache Hoffnung
Lichthof
DMITRI
SCHOSTAKOWITSCH
10. Konzert
auf eine leichtere Zukunft: Nach
Sinfonie Nr. 11 g-Moll op. 103 – »Das Jahr 1905«
dem Tod Stalins sah das Leben nicht
Michael Sanderling | Dirigent
mehr ganz so düster aus. 
Martin Helmchen | Klavier
11
P HILHARMONI S CHE BL ÄTTER | DEBÜT | Alexander Krichel
Alexander Krichel | DEBÜT | P H ILH AR M ONISC HE B LÄTTER
Und demnächst auf CD
Konzert merke, dass mir das gelungen ist – das
ist das Schönste.«
Bei seiner ersten Zusammenarbeit mit Michael
Sanderling und der Dresdner Philharmonie steht
nun Rachmaninows zweites Klavierkonzert auf dem
Programm, und es wird zugleich ein Livemitschnitt
für Krichels nächste CD. »Das ist nicht nur eines der
schönsten Klavierkonzerte, es bedeutet mir auch
persönlich sehr viel, weil es das letzte Stück ist, dass ich
mit meinem Lehrer Vladimir Krainew erarbeitet habe,
noch wenige Stunden vor seinem überraschenden
Tod. Das Konzert mit Michael Sanderling und der
Dresdner Philharmonie aufzunehmen ist besonders
Alexander Krichel spielt Rachmaninow
Im März gibt Alexander Krichel sein Debüt bei der Dresdner Philharmonie. Doch nicht
nur deshalb freut sich der Shootingstar ganz besonders auf die drei Konzerte mit
Rachmaninows zweitem Klavierkonzert.  Arnt Cobbers
Auf den ersten Blick wirkt der 25jährige Hamburger wie
einer Klassik-Castingshow entsprungen. Er ist fotogen,
spielt höchst virtuos und verfügt über Talente, die das
Herz eines jeden PR-Managers höher schlagen lassen:
So gewann er Schülerwettbewerbe in Biologie, spricht
fünf Sprachen und begann mit 15 Jahren, parallel
zur Schule, sowohl Klavier als auch Mathematik zu
studieren. Kein Wunder, sollte man meinen, dass Krichel
mit 22 bereits einen Plattenvertrag als Exklusiv-Künstler
eines großen Labels hatte.
Hört man Alexander Krichel dann aber auf CD oder im
Konzert, merkt man schnell, dass er ein spannender
Musiker ist, der etwas zu sagen hat. Dass er, allen
Talenten und Erfolgen zum Trotz, auch auf dem
Boden geblieben ist, zeigt sich beim Telefoninterview
mit London, wo Krichel seit einem Jahr studiert. Er ist
ein erstaunlich offener Gesprächspartner, der präzise
formuliert und gerne lacht. Und der auch nach zehn
Jahren Studium noch viel lernen will.
»Natürlich bin ich in gewisser Weise fertig als Pianist«,
sagt Krichel. »Aber als Musiker strebt man stets nach
14
MÄRZ
2015
SAMSTAG
19.30
15
15
SONNTAG
SONNTAG
11.00 19.30
Philharmonie im Schauspielhaus
Großes Haus
5. Konzert
Perfektion, auch wenn sie unerreichbar bleibt. Deshalb
befindet man sich sein Leben lang auf dem Weg, und
es ist schön, wenn man mit 25 noch jemanden hat,
der einen begleitet. Ich spiele meinem Lehrer Dmitri
Alexejew vor, diskutiere mit ihm, spiele mit ihm
gemeinsam – das finde ich sehr konstruktiv.«
Zwischendurch erobert sich Krichel die großen Konzertbühnen der Welt: 2014 feierte er Recital-Debüts in
Tokio, London und Zürich, im März 2015 wird er erstmals im Wiener Konzerthaus gastieren. »Ich hatte sehr
viel Glück mit meinem Start in die Branche, ich hatte
mit 16 schon meinen ersten Agenten, der selbst Pianist
war und sich sehr um mich gekümmert hat. Dadurch
war ich schon früh ziemlich stabil. Ich freue mich auf
meine Debüts, weil ich damit die Chance bekomme,
das zu tun, was ich tun möchte. Natürlich gibt es einen
Druck, und das Reisen macht einen müde. Aber auf der
Bühne ist alles wieder gut.«
Seine Mutter gab ihm einst einen Spruch mit auf den
Weg, dem er bis heute folgt: »Wenn du es schaffst,
auch nur einen Menschen im Publikum zu bewegen,
war es ein gutes Konzert. Das
»ALLE WOLLEN, DASS ES NICHT DEM
finde ich eine schöne Philosophie.
LEBEN ÄHNLICH IST, SONDERN HÖHER,
BESSER, SCHÖNER.« – Gorki an Tschechow
Es ist für mich ein Unterschied, ob
WOLFGANG AMADEUS MOZART
man Menschen begeistert oder
Ouvertüre zur Oper »Idomeneo« KV 366
bewegt. Ich möchte nicht, dass
SERGEJ RACHMANINOW
Konzert für Klavier und Orchester Nr. 2 c-Moll op. 18
die Leute begeistert sind, nur
DMITRI SCHOSTAKOWITSCH
weil ich schnell und laut spiele.
Sinfonie Nr. 6 h-Moll op. 54
Sondern ich möchte sie erreichen
Michael Sanderling | Dirigent
und bewegen. Wenn ich nach dem
Alexander Krichel | Klavier
schön, weil schon Michaels Vater Kurt Sanderling das
mit Svjatoslaw Richter und der Dresdner Philharmonie
gespielt hat. Und Richter und mein Lehrer Krainew
haben beide bei Heinrich Neuhaus studiert, dadurch
ist Richter quasi mein Klavier-Onkel. Obwohl ich kein
russisches Blut in mir habe, bin ich doch ziemlich
russisch geprägt, glaube ich. Ich hatte ausschließlich
russische Lehrer.«
Unter den fünf Sprachen, die Alexander Krichel
spricht, ist Russisch übrigens nicht. Doch vielleicht
lernt er das eines Tages auch noch. Den Mann sollte
man nicht unterschätzen. 
»Früher dachte ich, das Publikum
erwartet, dass alles perfekt ist.
Aber technische Perfektion ist
nur eine Frage der Vorbereitung,
auf der Bühne geht es nicht mehr
darum. Seit ich das realisiert habe
und mich traue, ich selbst zu sein,
fühle ich mich sehr, sehr wohl auf
der Bühne.«
– Alexander Krichel
© Uwe Arens
12
13
»Alles geschieht
wie im Traum«:
Markus Poschner
P HILHARMONI S CHE BL ÄTTER | WIEDERBEGEGNUNG | Markus Poschner
| P H ILH AR M ONISC HE B LÄTTER
»Nichts ist hier normal«
Markus Poschner dirigiert Mahlers Siebte
Auf Wiedersehen: Markus Poschner, langjähriger künstlerischer Partner und ehemaliger
Erster Gastdirigent der Dresdner Philharmonie, kehrt mit Mahlers 7. Sinfonie zum Orchester
zurück, einer großangelegten romantisch-sehnsüchtigen Nachtmusik.  Adelheid Schloemann
In den letzten Jahren hat sich Poschner so intensiv mit
Mahler auseinandergesetzt, dass es für ihn fast zur
Sucht geworden ist. Die extreme Komplexität ist es, was
ihn an Mahlers Siebter besonders reizt: »Nichts an dieser
Sinfonie ist ›normal‹, am allerwenigsten das Finale, das
vor Ironie nur so schäumt. Mahler baut hier wieder einmal
ein eigenes Universum, das mit den vorhergehenden
Sinfonien wenig zu tun hat. Alles ist unberechenbar,
man weiß nie, woran man wirklich ist. Die Unsicherheit
und Doppelgesichtigkeit einer großen Zeitenwende hat
Mahler so gültig formuliert wie kein anderer: Hier der
Glanz des Vergangenen, der Schmerz über das für immer
Verlorene, dort die visionäre Gewissheit des Neuen samt
der damit verbundenen Euphorie, ein Teil von ihm zu
sein.« Während der Entstehungszeit 1904 / 1905 befand
und aggressiven Sechsten ist sie eben wirklich ein Schritt
in eine bessere Welt.«
Die Sehnsucht der Romantik
Allerdings sei es nun dennoch nicht so einfach mit der
Deutung, wenn man sich die Mittelsätze anschaue: »Dort
herrscht tiefes Unbehagen und alles geschieht wie im
Traum«. Die beiden als Nachtmusiken bezeichneten
Sätze wirken wie ein Sinnbild der deutschen Romantik,
aus der Distanz betrachtet, wie in Mahlers Musik alles oft
als ferne Spiegelung auftritt. Das Traumhafte und Nachinnen-Gerichtete erinnert Poschner an Eichendorff und an
die Begeisterung der Romantiker für nächtliche Wanderungen. »Die Sehnsucht – darum geht es hier...«
Poschner stützt sich in seiner Inter»ETWAS , DAS MI C H I N B E W E G U N G
pretation nicht auf das Vorbild
17
18
BRI NGT, O HN E ME I N E N S C H W E R JANUAR SAMSTAG SONNTAG
anderer Mahler-Dirigenten, sonPUNKT EI NFA C H R Ü C K S I C H T S L O S Z U
2015
19.30 19.30
VERRÜCKEN« – Schönberg über Mahlers Siebte
dern allein auf den Notentext:
Philharmonie im Albertinum
GUSTAV
MAHLER
Sinfonie
Nr.
7
e-Moll
»Mahler war selbst einer der
Lichthof
9. Konzert
Markus Poschner | Dirigent
besten Dirigenten aller Zeiten.
Er wusste genau, wie gewisse
sich Mahler auf dem Höhepunkt seiner Laufbahn –
Klänge herzustellen sind, wo die Gefahren lauern etc.
sowohl als Operndirektor wie auch als Komponist. Die
Seine Partituren sind übersät von Anweisungen und
Siebte bezeichnete er als sein bestes Werk. Poschner
Bezeichnungen. Trotzdem muss erst alles in Fleisch
versteht Mahlers Kommentar zur Siebten, »sie sei ein
und Blut übergehen – erst dann kann man sich frei
und natürlich bewegen« – was bei den enormen tech›Ausblick auf eine beßre Welt‹ und ›vorwiegend
heiteren Charakters‹, daher auch im Zusammenhang mit
nischen Anforderungen von Mahlers Musik eine echte
seiner persönlichen Situation: »Nach der depressiven
Herausforderung für jedes Orchester ist.
© Steffen Jänicke
14
Sinnliches Klangverständnis
In den vergangenen Spielzeiten hat Markus Poschner
bei der Dresdner Philharmonie einen Beethoven-Zyklus
dirigiert. »Beethoven ist die wichtigste Voraussetzung
für Mahler, er war ja auch sein großes Vorbild. Die Art
der Architektur und der Strukturierung ist bei Mahler
sehr ähnlich wie bei Beethoven, wenn auch selbstverständlich in ganz anderen äußeren Dimensionen. Jedes
Detail hat seine Bedeutung, alles meint etwas: eine fast
an das moderne Sampling erinnernde Technik erfasst
bei Mahler ›von der Militärkapelle bis zur Almwiese
den gesamten Kosmos in Klänge‹.« Das erfordert ein
äußerstes Maß an Genauigkeit bei der Umsetzung.
»Unsere Arbeit mit Beethoven wird uns da sehr zugute
kommen.« Und Poschner ist davon überzeugt, »dass
in den Dresdnern ein hervorragendes Mahler-Orchester
schlummert: Das sinnliche Klangverständnis und die
enorme Flexibilität der Dresdner Philharmonie – perfekt
für Mahlers Partituren.« 
Ruderschlag
Gustav Mahler war »im Leben wie in der Kunst
ganz auf Spontaneität angewiesen«, unter
äußerem Zwang wurde nichts fertig. Auch
die Siebte Sinfonie musste lange auf ihren
Abschluss warten. In einem Brief an seine
Frau Alma erinnert er sich, wie er sich zwei
Wochen unter Druck nutzlos quälte, ausriss
in die Dolomiten und schließlich ohne Eingebung enttäuscht die Heimfahrt antrat. Doch
die Fahrt im Ruderboot gab die entscheidende
Inspiration: »In Krumpendorf stieg ich in das
Boot, um mich hinüberfahren zu lassen. Beim
ersten Ruderschlag fiel mir das Thema (oder
mehr der Rhythmus und die Art) der Einleitung
zum 1. Satz ein – und in 4 Wochen war 1., 3. und
5. Satz fix und fertig!« So entstand ein Werk,
das zu den gewaltigsten und farbenreichsten
der sinfonischen Literatur überhaupt gehört.
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P HILHARMONI S CHE BL ÄTTER |
Architekturbüro gmp | HAUSBESUCH | P H ILH AR M ONISC HE B LÄTTER
Der Musik-Kokon
Zum Umbau des Dresdner Kulturpalasts
Die Aufbauarbeiten im entkernten Kulturpalast haben begonnen. Architekturbüro Gerkan,
Marg und Partner sorgt dafür, dass aus Stahl, Beton und Holz ein Konzertsaal der Spitzenklasse entsteht. Ein Hausbesuch.  Carsten Hinrichs
Vorgeschmack: Für die Dauer eines
Festaktes, mit dem der erste Bauabschnitt feierlich eingeläutet wurde,
schwieg der Baustellenlärm zugunsten
sinfonischer Klänge. Und die Musiker
der Dresdner Philharmonie brachten
mit dem Konzert an ungewöhnlichem
Ort ihre Vorfreude auf den neuen Saal
zum Ausdruck.
Treffpunkt Hardenberghaus in Berlin, nahe Bahnhof
Zoo: Vom eleganten, hellen Treppenhaus mit blank
polierten verchromten Handläufen geht es zu den
Büroetagen. Das Großraumbüro, großzügig verglast,
vollzieht den Schwung des Gebäudes nach. So bleiben
die Ideen im Fluss, denkt man unwillkürlich.
»Tatsächlich haben wir dasselbe schwarzweiße
Bodenmuster aus Rauten und Schmalstreifen, das Sie
hier sehen, auch im Kulturpalast gefunden, nur mit
vertauschten Farben.« Christian
Hellmund, Projektleiter für das
Projekt Kulturpalast im Büro
gmp Gerkan Marg und Partner,
hat sich für das Treffen Zeit
genommen, auch wenn er derzeit sicher alle Hände voll zu tun
hat. »Der intensive Kontakt mit
den Auftraggebern und späteren
Nutzern eines Projektes ist für
uns von immenser Bedeutung,
wir suchen das Gespräch. Je
mehr wir wissen darüber, welche Erwartungen an die
Nutzung gestellt werden, umso besser wird das
Ergebnis.« Von den 160 Mitarbeitern des Berliner Büros
sind 18 Architekten mit dem Kulturpalast beschäftigt,
dazu kommen drei Ingenieure vor Ort in Dresden.
Doch Hellmund ist nicht nur für sie verantwortlich:
»Im Grunde agieren auch wir wie ein Orchester aus
Stimmgruppen, sowohl intern wie extern, denn auch
die Koordination der nach klassischer Manier getrennt
beauftragten beteiligten Gewerke ist Teil unseres
Auftrags. Dazu gehören nicht nur die ausführenden
Baufirmen, sondern auch die niederländischen
Akustiker.« Auch hier müssen immer wieder Einigungen
erzielt, Interessen vermittelt werden, ohne das Gesamtkonzept zu gefährden. Kommunikation ist eine der
Säulen von Hellmunds spannendem Metier.
Und das ist die Realisation von (Bau-)Kunst aus
Konzept. Nach vielen Stunden
des Zuhörens geht es daran, die
gesammelten Anforderungen in
eine Vision zu verwandeln, als
Vorstufe einer konkreten Planung.
Praktische Lösungen für vertrackte
bautechnische Hindernisse müssen
gefunden und aus vielen intelligenten Details ein großes Ganzes
geformt werden. Da das Büro Bauprojekte in aller Herren Länder
und unterschiedlichsten Kulturkreisen verantwortet, bringen die Teammitglieder
ihrerseits auch einiges an Erfahrungen ein und können
den Bauherren ungewöhnliche wie erprobte Lösungen
anbieten. Seit längerem schon engagiert sich gmp
verstärkt in Asien, dem Hotspot des Baubooms, und
verantwortet unter anderem den Neubau von Opernund Konzerthäusern in Qingdao, Tianjin und einer multifunktionalen Veranstaltungsarena in Shenzen.
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P HILHARMONI S CHE BL ÄTTER | HAUSBESUCH | Architekturbüro gmp
Zu den bekanntesten Projekten hierzulande gehörten
bisher der Berliner Hauptbahnhof und der Neubau des
Flughafens Berlin-Brandenburg, aber auch das Berliner
Tempodrom und der Flughafen Tegel. Mit dem Skandal
um die BER-Versäumnisse ist auch gmp unwillkürlich
in die Schlagzeilen geraten. Böse Zungen behaupten
hingegen, die Beamten der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung hätten sich aufgrund von Meinungsverschiedenheiten allzu selbstherrlich und frühzeitig vom
ausführenden Architekten verabschiedet. Die Misere
am Großprojekt in Schönefeld fing damit an, dass der
Koordinator der beteiligten Baufirmen von Bord ging
und das Chaos ausbrach.
Auch der Weg bis zum jetzt gestarteten Umbau des
Dresdner Kulturpalastes war nicht unumstritten.
Christian Hellmund kennt die Argumente, die von den
Befürwortern ihres »Kulti« und des alten Mehrzweck-
saals ins Feld geführt werden. Darin liegt das ganze
Spannungsverhältnis von Tradition und Moderne: »Ich
habe selbst 13 Jahre in Dresden gelebt und kenne die
Stadt, auch ich verbinde mit dem Kulturpalast prägende
Erinnerungen. Doch ohne den Mut zu Neuem, ohne die
Chance auf Weiterentwicklung kann auch das Bewährte
nicht fortbestehen«, weiß der Architekt. Die umfangreichen Auflagen des Denkmalschutzes sorgen ohnehin
dafür, dass das äußere Erscheinungsbild weitgehend
gewahrt bleibt. Und diesem Anspruch fühlen sich die
Architekten verpflichtet, in einem Treffen mit Wolfgang
Hänsch und anschließenden Telefonaten haben sie die
Intentionen des Erbauers ausgelotet. Ein Nebenraum
im Berliner Büro zeugt vom »Anschauungsunterricht«,
hier befindet sich der Materialfundus zum Kulturpalast, und Hellmund lässt gerne auf Tuchfühlung
gehen: Zu Testen gibt es die künftigen Sitzbezüge,
ein eigens gewebter griffiger, angenehmer Stoff, dem
zweifarbiges Garn ein edles Changieren verleiht. »Im
Grunde eint die Positionen aller Dresdner der Wunsch,
dass der Kulturpalast an dieser zentralen Stelle wieder
mit Leben erfüllt wird«, so Hellmund. »In der Zeit vor
der Schließung war das eher ein trauriger Anblick.«
Doch bis dahin ist viel zu tun, und die Baustelle hat es
in sich. Nachdem nun hunderte Tonnen Schutt und Altlasten abgeräumt sind, starten die Arbeiten wie durch
ein Nadelöhr. Denn sonst sind Baustellen oben offen
und für Kräne zugänglich. »Diese gleicht eher einem
dieser minimalinvasiven Eingriffe am Knie. Über ein
Loch anstelle des alten Kulissentors
wurde der Schutt abtransportiert,
für die Zufahrt haben wir nun vorne
Raum geschaffen, so bauen wir ein
Haus im Haus. Wenn das fertiggestellt ist, wird der Innenausbau
dann wieder regulär erfolgen«,
erläutert Hellmund den Plan. Und
wie würde der Architekt das Gefühl
beschreiben, das er zu seiner
Vorstellung vom fertigen Konzertsaal hat? »Ich nenne ihn immer
›den Kokon‹, das ist unser heimlicher Arbeitstitel. Der Saal ist wie in die Außenhülle
hinein gesponnen.« Das ist leichter gesagt als planerisch
umgesetzt: Monate wurden allein dafür verwendet, die
Schnittstellen zwischen alt und neu, die Übergänge in
und aus dem Saal zu perfektionieren. Was erwartet die
Besucher, wenn sie den fertigen Kulturpalast betreten
werden? »Die Foyers folgen dem alten Schnitt, die
werden sich vertraut anfühlen, der Zutritt zum Saal ist
dann ein Aha-Moment, der Schritt in etwas Neues«,
so Hellmund. Die klare Entscheidung der Bauträger zu
einem Konzertsaal schafft beste Voraussetzungen dafür,
dass sich Dresden hier in Zukunft hören lassen kann –
Eine Decke aus Licht:
So empfängt
der neue Konzertsaal
nach Fertigstellung
seine Besucher
| P H ILH AR M ONISC HE B LÄTTER
Entwurf: Meinhard von Gerkan und Stephan Schütz mit Nicolas Pomränke
Projektleitung: Christian Hellmund
zur professionell austarierten Akustik kommt die
große Konzertorgel, die der Förderverein der Dresdner
Philharmonie stiftet. Die Spendenaktionen dazu laufen
derzeit noch auf Hochtouren, um das ehrgeizige Projekt
zu stemmen, und jede Unterstützung dazu wird mit
Freuden angenommen.
Zum Schluss noch eine Frage abseits aller denkmalpflegerischen Aspekte: Sind generell betrachtet
Abriss und Neubau nicht stets günstiger? Doch Christian
Hellmund weist das entschieden zurück: »Im Ganzen
betrachtet, nein! Denn Sie müssen bedenken, dass einerseits der Tiefbau einen Löwenanteil jedes Bauvorhabens
verschlingt, den kann man so erhalten. Und im Sinne der
Idee der Nachhaltigkeit muss man ehrlicher Weise auch
die Kosten für die Wiederaufbereitung des Bauschutts
und des Stahlbetons einkalkulieren, die beim Abriss
anfallen. Unser Büro wird derzeit regelmäßig beauftragt,
überalterte Bauten an hochwertigen zentralen Standorten
durch Entkernung und Umbau neu zu beleben.« Und mit
den Gebäuden bleibt eben auch die Geschichte der Stadt
erhalten und sorgt für Kontinuität zwischen alt und neu.
Und was wünscht sich der Architekt für die Besucher des
Saals? »Eigentlich etwas ganz einfaches: dass Sie sich
in dem von uns entworfenen Raum wohl fühlen – und
deshalb gerne und oft wiederkommen.« 
Kultur mit
Ausstrahlung
Gebaut wurde der Kulturpalast ab 1962 als
architektonische Umsetzung der Idee einer
offenen, für alle zugänglichen Kultur. Erst
später zeigte sich, dass die großen Fensterflächen viel Hitzeeintrag im Sommer bringen,
die Räume unerträglich heiß wurden. Die
Antwort darauf war der Einbau der rötlichen,
mit Bronze bedampften Scheiben. So
verschwanden die weithin einsehbaren, festlich
erleuchteten Foyers und aus dem ›Kulti‹ wurde
ein dämmriger, verspiegelter Block. »Man
wusste nie so genau, ob und was dahinter
vorgeht. Heute gibt es aber transparentes
Sonnenschutzglas, damit kann der Kulturpalast
im Sinne seines Architekten wieder hergestellt
werden«, erklärt Architekt Christian Hellmund.
»Die Foyers werden bei Veranstaltungen wieder
in die Stadt strahlen, der Kulturpalast seinen
Glanz zurückbekommen.«
19
20
| P Hhier
ILH AR Mdoch
ONISC HE
B LÄTTER
»Wenn wir
nur
Clarinetti hätten…«
P HILHARMONI S CHE BL ÄTTER | NACHGEFRAGT | Carus Ensemble
Wie Zähneputzen
der Dresdner Philharmonie verbinden, die im Lichthof
des Museums bis zur Wiedereröffnung des Kulturpalasts ihre Hauptspielstätte hat.
Kammermusik mit dem Carus Ensemble
Vitaminstoß durch Kammermusik
Im März stehen die drei großen Klarinettenquintette von Weber, Brahms und Yun auf
dem Programm. Und für Solo-Klarinettist Fabian Dirr wirkt die Arbeit im Carus Ensemble
wie ein musikalischer Jungbrunnen.  Adelheid Schloemann
Lange bevor sie Dresdner Philharmoniker wurden,
entdeckten sie ihre Liebe zur Kammermusik: Fabian Dirr
(Solo-Klarinettist) und Andreas Kuhlmann (Bratschist)
fanden schon während ihrer intensiven Probenphasen
in der Jungen Deutschen Philharmonie, dem Bundesstudentenorchester, immer wieder Zeit, in kleineren
Besetzungen zu musizieren. Der Zufall führte später
dann beide nach Dresden: Gemeinsam mit weiteren
philharmonischen Kollegen, darunter ein Bläserquintett,
ein Streichquintett, Harfe und Schlagzeug, gründeten
sie das vielseitige Carus Ensemble.
Und vielseitig war auch der Namensgeber des
Ensembles, der Arzt, Maler und Naturphilosoph Carl
Gustav Carus (1789 – 1869). Ein Vorläufer der Tiefenpsychologie, wird der Universalgelehrte auch als ein
Prophet dessen betrachtet, was heute Ganzheitsmedizin heißt. Seine von Caspar David Friedrich beeinflusste
Malerei spiegelt das Naturgefühl der Romantik, sie
verbindet das im Traum zugängliche Seelenleben mit
der Landschaftskunst nach Goethes Idealen. Gemälde
von Carus sind im Dresdner Albertinum zu sehen, ein
Besuch lässt sich leicht mit dem Genuss eines Konzerts
Beste Aussichten:
Der Kronensaal auf
Schloss Albrechtsberg
Gerade für Orchestermusiker ist die regelmäßige Pflege
der Kammermusik äußerst wichtig, sagt Fabian Dirr:
»Fast könnte man sie mit dem täglichen Zähneputzen
vergleichen, so sehr ist die Kammermusik die Grundlage unserer musikalischen Gesundheit.« Hier ist jeder
Spieler Solist und von Grund auf gefordert. Ganz von
selbst erneuern sich dadurch die Reserven als Musiker
und Instrumentalist – und das wirkt wie ein kräftiger
Vitaminstoß auch in die nächsten Orchesterprojekte
hinein. »Wir spielen in verschiedensten Kombinationen,
entdecken neues Repertoire und verwirklichen zusammen
besondere Ideen.« Regelmäßig tritt das Carus Ensemble
auch in der Kammermusikreihe der Dresdner Philharmonie
im Kronensaal des Schlosses Albrechtsberg auf. »Ich liebe
diesen Saal, vielleicht auch, weil ich mit ihm sehr angenehme Erinnerungen verbinde: Mit Blick auf das Dresdner
Panorama gewann ich dort mein Probespiel bei der
Dresdner Philharmonie«, erzählt Fabian Dirr.
Zentrales Werk des Programms im März ist das große
Quintett für Klarinette, zwei Violinen, Viola und Violoncello in h-Moll op. 115 von Johannes Brahms. Eigentlich
hatte Brahms mit dem 1890 komponierten Streichquintett op. 111 sein musikalisches Lebenswerk als
abgeschlossen betrachtet. Dann lernte er im März 1891
jedoch den Klarinettisten Richard Mühlfeld, Mitglied des
Meininger Hoforchesters, kennen und war von dessen
Klarinettenspiel so beeindruckt und inspiriert, dass er für
ihn noch vier Kammermusikwerke mit Klarinette schuf:
das Trio op. 114, das Quintett op. 115 und die beiden
18
MÄRZ
2015
22
MITTWOCH SONNTAG
20.00 19.00
Philharmonie auf Schloss
Albrechtsberg
Kronensaal
5. Kammerkonzert
Fabian Dirr
Mit Mozarts berühmtem Quintett in A-Dur KV
581 steht plötzlich eine ganz neue Kompositionsgattung da: schon bei ihrem ersten
Auftreten mit einem sonnig-strahlenden Werk
von unerreichbarer Perfektion. Die Kombination
mit dem Streichquartett rückt die Qualitäten der
Klarinette als Soloinstrument wie als Partner
in kammermusikalischen Strukturen ins beste
Licht. Das Quintett Carl Maria von Webers ist
außerordentlich brillant gehalten, ein kleines
Kammerkonzert. In Johannes Brahms‘ spätem
h-Moll-Werk überwiegen dagegen die dunklen,
melancholischen Seiten des Klarinettenklangs,
die warmen, herbstlichen Farben. Der Koreaner
Isang Yun erkundet im 20. Jahrhundert neue
Wege für die Besetzung, ohne dass dabei die
Beziehung zur glanzvollen Tradition abgebrochen würde.
Sonaten op. 120. Von diesen Kompositionen gilt von
jeher das Quintett als die bedeutendste. Vor Brahms
hatten bereits Mozart und Weber Quintette mit Klarinette
geschrieben; vor allem der Einfluss des Mozartschen
Werks ist, was die Form angeht, bei
»KLARINETTENQUINTETT«
Brahms deutlich spürbar. Jedoch hat
CARL MARIA VON WEBER
Brahms der Klarinette völlig neue
Klarinettenquintett B-Dur op. 34 J 182
ISANG YUN
Ausdruckswelten erschlossen: Der
Quintett für Klarinette und Streichquartett Nr. 1
das ganze Quintett durchziehende
JOHANNES BRAHMS
Ton herbstlicher Wehmut war so
Klarinettenquintett h-Moll op. 115 (1891)
noch nicht zu hören gewesen. 
Carus Ensemble Dresden
21
22
P HILHARMONI S CHE BL ÄTTER | PORTRÄT | Christina Landshamer
Auf der Klangwolke
Christina Landshamer
Als Solistin in Felix Mendelssohn-Bartholdys Lobgesang gastiert die Münchner Sopranistin
erstmals bei der Dresdner Philharmonie.  Corina Kolbe
Singen ist für Christina Landshamer schon immer ein
Über viele Jahre wirkte Christina Landshamer in
natürlicher Teil des Lebens gewesen. Etwas, das tief aus
Chören mit, etwa im Kirchenchor, im Extrachor der
dem Bauch heraus kommt und nicht vom Kopf diktiert
Bayerischen Staatsoper oder im Chor des Bayerischen
wird. »Wir haben viel Hausmusik gemacht«, erzählt
Rundfunks, dem sie auch während ihrer Gesangsausdie Sopranistin über ihre Kindheit in einem Münchner
bildung an der Hochschule angehörte. »Ich war jahreLehrerhaushalt. »Die Lieder, die
lang eine richtige ›Chornudel‹«,
uns vorgesungen wurden, konnten
sagt sie. »Das Repertoire hat
»Ich bin dankbar,
wir irgendwann auswendig. Wir
mein Studium sehr gut ergänzt.
dass ich früher völlig frei
brauchten nie ein Buch dazu.«
Durch die Arbeit mit großartigen
und ohne Leistungsdruck
meine
Stimme
Solisten und Dirigenten habe ich
Oft fuhr die Familie hinaus aufs Land,
ausprobieren konnte.
viel für meinen jetzigen Beruf
wo die Mutter auf einem BauernIn Deutschland sind
mitbekommen. Im Chor war ich
hof aufgewachsen war. Auf Fahrten
Singen und Musizieren
mitten drin in einer Klangwolke.
stimmten alle zusammen »Im Märzen
sehr verkopft.«
Und als Solistin spüre ich jetzt bei
der Bauer« oder »Nun will der Lenz
Christina Landshamer
meinen Auftritten mit Orchestern,
uns grüßen« an. »Das waren unsere
wie mir diese Wolke von hinten
›Autobahnlieder‹, mit denen wir Kinder bei Laune gehalten wurde«, lacht sie. »Ich bin dankeinen Schub versetzt. Ich kann mich regelrecht
darauf werfen, wenn ich singe. Das ist etwas ganz
bar, dass ich früher völlig frei und ohne Leistungsdruck
meine Stimme ausprobieren konnte. In Deutschland sind
Wunderbares.«
Singen und Musizieren sehr verkopft. Viele Leute trauen
Als international gefragte Künstlerin ist Landshamer an
sich nicht, ihre Stimme einzusetzen. In unserer Gesellrenommierten Häusern wie der Staatsoper Stuttgart,
der Komischen Oper Berlin, der Opéra du Rhin in Straßschaft folgt man leider kaum noch seinen Urinstinkten.«
burg, dem Theater an der Wien, der
»S O L AS S T UN S A N L E G E N D I E WA F F E N
21
Oper Amsterdam sowie bei den
DES L I CHTS « – Römer 13,12
SAMSTAG
MÄRZ
2015
Festspielen in Salzburg, Baden-Baden
20.00
FELIX MENDELSSOHN BARTHOLDY
Sinfonie Nr. 2 B-Dur op. 52 MWV A 18 – Sinfoniekantate
und Glyndebourne aufgetreten. Mit
für Soli, Chor und Orchester »Lobgesang«
Philharmonie in der
dem Leipziger Gewandhausorchester
Frauenkirche
Kazuki Yamada | Dirigent
2. Konzert
unter Riccardo Chailly ging sie
Christina Landshamer, Katja Stuber | Sopran
Steve Davislim | Tenor
Anfang dieser Saison auf Tournee,
Dresdens Klang. zu Ostern
Philharmonischer Chor Dresden
weitere Engagements führten sie
Gunter Berger | Einstudierung
Christina Landshamer | PORTRÄT | P H ILH AR M ONISC HE B LÄTTER
unter anderem zu den Berliner Philharmonikern, zum
NDR Sinfonieorchester und zum Orchestre National de
France.
Der Stadt München, in der ihre Karriere begann, bleibt
die Sopranistin weiterhin besonders verbunden. Zu den
bewegenden Erinnerungen zählt eine Wagner-Festspielpremiere mit Peter Seiffert als »Lohengrin« und
Adrianne Pieczonka als »Elsa«, die sie während des
Studiums im Extrachor der Bayerischen Staatsoper mitsang. »Neben diesen unglaublichen Sängern zu stehen
und die Wucht ihrer Stimmen zu spüren, war sehr
beeindruckend.« Unvergessen bleibt ihr auch eine Aufführung des »Requiems« von Giuseppe Verdi, dirigiert
von Wolfgang Sawallisch in der spätbarocken Basilika
der Benediktinerabtei Ottobeuren. »Von Sawallisch
ging eine starke Energie aus. Er war ein Orchestererzieher der alten Schule, der die Zügel sehr stramm
hielt. Später habe ich mit Nikolaus Harnoncourt in Wien
zusammengearbeitet. Ich schätze mich sehr glücklich,
bei meiner Arbeit auch die großen Dirigenten einer
anderen Generation kennenlernen zu dürfen.«
Leitmotiv: Lichteinfall
Eine große Faszination geht für Christina Landshamer
von der Frauenkirche aus, wo sie am 21. März unter
Leitung des japanischen Dirigenten Kazuki Yamada mit
der Dresdner Philharmonie und dem Philharmonischen
Chor Felix Mendelssohn Bartholdys Sinfonie Nr. 2 B-Dur
op. 52 »Lobgesang« aufführen wird. »Wenn bei einer
Probe am Vormittag von oben Sonnenlicht einfällt,
bekommt das ganze Geschehen einen unwirklichen
Charakter.«
Die Sängerin erinnert sich noch genau an ihren ersten
Auftritt in der Kirche im Januar 2006. »Auf dem
Programm stand Mozarts Kantate ›Davide penitente‹,
mit Peter Schreier am Pult. Ein charismatischer Mensch.
Als junge Solistin besuchte ich seine Liedkurse und
hatte auch Unterricht bei ihm zu Hause«, erzählt sie.
»Irgendwann fragte er meine Pianistin, ob sie vom
Blatt spielen könne. Und dann haben wir zusammen
Duette gesungen. In Japan habe ich dann mit ihm
Genießt den Klangschub des Orchesters:
Christina Landshamer
23
24
P HILHARMONI S CHE BL ÄTTER | PORTRÄT
Bachs Matthäus-Passion aufgeführt, die vorletzte, die
er selbst mitgesungen und dirigiert hat.«
Seit ihrem Debüt ist Christina Landshamer schon mehrmals in die Frauenkirche zurückgekehrt und wird dort
nun zum ersten Mal mit der Dresdner Philharmonie
und mit Kazuki Yamada zusammenarbeiten. »Einzelne
Mitglieder des Orchesters konnte ich allerdings bereits
bei einem Barockmusikprojekt mit dem Dresdner
Kammerchor kennenlernen.«
Zu geistlicher Musik wie Mendelssohn Bartholdys
Lobgesang spürt die Katholikin eine tiefe innere
Verbindung. Als Kind hat sie bereits sein Oratorium Elias
gesungen, die Emotionalität dieser Musik hat sich ihr tief
eingeprägt. »Diese Werke könnte ich nicht ohne ihren
Glaubensinhalt in mich aufnehmen«, sagt Landshamer.
»Ich denke, dass man in allen Kulturen mit Religionen in
Berührung kommt, selbst wenn man sie nicht praktiziert.
Auch ein Atheist ist in Deutschland mit christlichen Wertvorstellungen konfrontiert. Und wenn ich ein Werk einstudieren würde, dessen religiöser Inhalt nicht meinem
Glauben entspräche, sähe ich es als meine Aufgabe,
mich damit eingehend auseinanderzusetzen.«
In der nahen Zukunft will sich Christina Landshamer
weiter mit dem Liedgesang, einer ihrer großen Leidenschaften, befassen. Kammermusikalische Projekte sind
ebenso geplant wie Exkursionen zur zeitgenössischen
Musik. »Ich möchte mich nicht spezialisieren, sondern
aus ganz unterschiedlichem Repertoire das aussuchen,
was am besten zu mir passt.« 
Kazuki Yamada
Dirigent Kazuki Yamada studierte in Tokyo und am
Mozarteum Salzburg. Heute ist er Erster Gastdirigent
des Orchestre de la Suisse Romande in Genf und
des Orchestre Philharmonique de Monte-Carlo. Sein
Dirigierstil, urteilte die Frankfurter Allgemeine Zeitung,
sei elegant und unprätentiös. Yamada »hält die Musik
in Bewegung, ohne das Orchester zu treiben.«
Russland | APROPOS | P H ILH AR M ONISC HE B LÄTTER
Licht der
Aufklärung
Das Licht triumphiert über die Dunkelheit: Für
die 400-Jahr-Feier zur Erfindung der Buchdruckerkunst in Leipzig komponiert Felix
Mendelssohn Bartholdy 1840 seine Sinfonie
Nr. 2 in B-Dur op. 52 »Lobgesang«. Das Auftragswerk wird am 25. Juni in der Thomaskirche mit mehr als 500 Mitwirkenden aufgeführt. In seiner »Sinfonie-Kantate« für
Soli, Chor und Orchester lehnt der damalige
Gewandhauskapellmeister an zwei große
Vorbilder an: Ludwig van Beethovens Neunte
Sinfonie und insbesondere die Musik Johann
Sebastian Bachs. Drei Sinfoniesätzen folgt
eine Kantate, deren Chöre, Choräle, Rezitative
und Arien an die Kompositionen des großen
Thomaskantors erinnern. »Enthusiastisch
wirkte das Ganze«, schreibt Robert Schumann
in der »Neuen Zeitschrift für Musik«. Zu
Lebzeiten Mendelssohns zählt der »Lobgesang« zu seinen beliebtesten Werken.
Revolution mit Joker
Tschaikowsky trifft Strawinsky
Zwischen europäischem Stil-Import und kreativem Protest findet Russland im 19. Jahrhundert zu einer eigenen Stimme. Die Stationen dieser »Revolution«: St. Petersburg,
Paris, New York.  Carsten Hinrichs
Eremitage und Winterpalast, St. Petersburg
Da lass dich ruhig nieder: Während
Komponist Michail Glinka seine
Opern mit zündenden Melodien aus
dem Schatz russischer Volksweisen
krönt, die er auf Wanderungen
im Ural gesammelt hat, wirft er
zugleich die brennende Frage auf,
wie »russische« Musik überhaupt
klingt. Brennend, da seit Peter
dem Großen das nach Westeuropa
orientierte Russland fast 200 Jahre
von den tonalen Blutspenden
italienischer und deutscher Kapellmeister gelebt hatte. Und auch Peter
» WA S N Ü T Z T FRIE D E N BE I E H RLOSE N
FE IN D E N « – La Fontaine
28
MÄRZ
2015
SAMSTAG
20.00
29
29
SONNTAG
SONNTAG
11.00 17.00
Philharmonie im Museum
Großer Saal, Dt. Hygiene-Museum
3. Apéro-Konzert
4. Museums-Matinée
4. Blaue Stunde
Tschaikowsky, der Glinkas Griff in
den Liederschatz erfolgreich fortführt, liebäugelt in Werken wie
den Violinstücken op. 42 oder
seiner zarten Sérénade mélancolique op. 26 mit der Mozartischen
Melodiefindung. Doch während
seine Sinfonien im Ausland erfolgreich sind und er in Europa als
die wichtigste russische Stimme
gilt, unterstellen ihm die nationalrussischen Kollegen den Stil-Import
gefälliger Salon-Meterware – unter
hohem geistigem Einfuhrzoll.
GIOACCHINO ROSSINI
Ouvertüre zur Oper »Der Barbier von Sevilla«
PETER TSCHAIKOWSKY
Melodie für Violine und Orchester aus op. 42
Valse-Scherzo für Violine und Orchester op. 34
»Sérénade Mélancholique« für Violine und Orchester op. 26
IGOR STRAWINSKY
»Jeu de Cartes« (»Das Kartenspiel«) – Suite nach dem
Ballett
Mikhail Agrest | Dirigent · Andrey Baranov | Violine
1910 ändert sich das schlagartig:
Der Westen hungert nach Exotik in
vertrautem Klangbild, und Sergej
Djagilew gibt einem No-Name eine
Chance. Mit dem »Feuervogel«
macht Igor Strawinsky die Ballets
russes in Paris zum Sensationserfolg,
und russische Kultur wird Exportschlager – zumindest bis zur Roten
Revolution. Im 1936 für New York
entstandenen und 1937 bereits in
Dresden aufgeführten Ballett »Jeu de
cartes« (Kartenspiel) lässt Strawinsky
alle russischen Selbstzweifel hinter
sich. Hier herrscht der ungebrochene
Spieltrieb: Der Joker tyrannisiert
Kraft seiner Anpassungsfähigkeit die
übrigen Spielkarten, bis sie sich
gegen ihn verbünden. Musikalisch
nähert sich der Komponist ganz
ehrerbietig dem Licht und der Wendigkeit der Wiener Klassik – da hatte
Tschaikowsky also wohl doch nicht
ganz Unrecht. 
25
P HILHARMONI S CHE BL ÄTTER | PORTRÄT II | Helmut Imig
© Wolfgang Kleber
26
PORTRÄT II | P H ILH AR M ONISC HE B LÄTTER
Lubitsch live
Saint-Saëns, Schostakowitsch, Hindemith, Chaplin und
anderen. Und als das Feld abgegrast war, wurde er
gefragt, ob er nicht noch mehr Filme dirigieren wollte.
»Allerdings müssen Sie sich die Musik selbst schreiben,
hieß es. Und so kam ich zum Komponieren, obwohl ich
ja kein Komponist bin.«
Ein Kinokonzert mit Helmut Imig
Kapellmeister in Flammen
Mit der Dresdner Philharmonie hat er schon einige Stummfilmklassiker von Charlie Chaplin
begleitet. Nun steht mit Helmut Imig eine Komödie von Ernst Lubitsch auf dem Programm:
»So this is Paris!«  Arnt Cobbers
Tournee durch deutsche Großstädte. Zwischendurch
»Das ist eine unglaublich komische Verwechslungsmacht er zeitgenössische Musik, moderiert Programme
komödie, die Lubitsch 1926 gedreht hat, vier Jahre
»zwischen den Stühlen« wie Pop meets Classic oder
nachdem er aus Berlin nach Hollywood gegangen war.
Ein großartiger Film«, schwärmt
Jazz in Concert und dirigiert
Helmut Imig. Er muss es wissen,
auch mal eine Brahms-Sinfonie.
»Es gibt durchaus Zuschauer,
schließlich ist er seit vielen Jahren
Imig wirkt beneidenswert spanndie bei einer Filmvorführung
einer der gefragtesten Dirigenten
kräftig und dynamisch, und man
mit Livemusik sagen:
für Kinokonzerte.
glaubt ihm sofort, wenn er mit
Ich wusste gar nicht mehr,
wo ich hingucken sollte.
rheinischem Zungenschlag sagt:
»Ich verrate Ihnen mal das
Aber
die
die
meisten
sagen:
»Das mache ich aus BegeisGeheimnis der AltersbeschäftiWir haben ganz vergessen,
gung«, sagt Imig mit verschwöterung. Die Füße hochzulegen
dass Ihr da live spielt.
rerisch-verschmitzter Miene, als
habe ich nun wirklich noch keine
Das ist für mich
wir uns beim Kaffee gegenüberLust.«
das größte Kompliment.«
sitzen: »Spezialisierung!« In der
Der gebürtige Bonner studierte
Helmut Imig
Tat, Helmut Imig ist auch mit 73
in Köln und Paris Dirigieren
Jahren noch unermüdlich aktiv,
und Klavier und machte eine
dirigiert in Berlin »Dr. Caligari« und den »Golem« mit
klassische Kapellmeisterkarriere, bis er mit Mitte 40 –
dem Deutschen Filmorchester Babelsberg, in Amsterda war er 1. Kapellmeister der Philharmonie Essen –
dam »Metropolis«, in Zürich Chaplins »City Lights«
Freiberufler wurde. »Wenn man zu tun hat, ist das für
oder begleitet mit dem Hollywood Sound Orchestra die
einen Musiker das schönste überhaupt.« Zum Film kam
Kassenschlager der »Fluch der Karibik«-Reihe auf einer
er über eine Vorstellung in der Alten Oper Frankfurt
von »Rhapsodia Satanica«, zu dem
Pietro Mascagni 1917 die FilmFilm & Musik
24
» S O I S T PA R I S ! «
JANUAR SAMSTAG
musik schrieb. »Die klingt wie
2015
20.00
»So This is Paris« (1926)
die ›Cavalleria rusticana‹, und so
Stummfilm von Regisseur ERNST LUBITSCH
25
25
dachte man sich, da brauchen wir
SONNTAG SONNTAG
Musik kompiliert von HELMUT IMIG
11.00 17.00
einen Operndirigenten.« Imig fing
Helmut Imig | Dirigent
Feuer, dirigierte weitere StummPhilharmonie im Museum
filme mit Originalmusiken von
Großer Saal, Dt. Hygiene-Museum
Auch für »So this is Paris« hat Imig die Musik
»kompiliert«. »So hat man das früher meist gemacht.
Man spielte zu den passenden Szenen Ausschnitte
aus bekannten Stücken. Für ›So this is Paris‹ habe ich
einige Charleston-Tänze verarbeitet. Wenn sich Handlungsparallelen zur ›Fledermaus‹ einstellen, muss sogar
Johann Strauß einen Charleston beisteuern, und Jean
Françaix sorgt gelegentlich für das französische Flair.«
Geschrieben hat Imig die Musik ursprünglich für das
Salonorchester Cölln, für Dresden arrangiert er sie nun
für eine etwas größere Besetzung: Schlagzeug, Klavier,
Harmonium werden angereichert um einige Bläser, und
die Streicher spielen in Kammerorchesterformation.
Ein Charleston von Johann Strauß
Leidenschaft
für die Leinwand:
Helmut Imig
Aber wie steht es nun mit der künstlerischen Freiheit
beim Dirigieren zum Film? »Die ist groß«, sagt Imig. »Ich
habe immer wieder über lange Strecken Zeit, in denen
ich mal schneller, mal langsamer sein kann. Nur wenn
dann nach vier Minuten die Ohrfeige kommt, muss die
Musik perfekt sitzen. Bis dahin bin ich völlig frei, und ich
glaube, diese Spontaneität spüren auch die Zuschauer,
deshalb ist das Format so erfolgreich. Nur ein Tempo stur
durchschlagen – das funktioniert nicht.«
Und deshalb braucht Helmut Imig, wenn er einen
Stummfilm begleitet, ein Orchester, das nicht nur gut ist,
sondern das auch das Wesen der Filmmusik versteht.
Ein Orchester wie die Dresdner Philharmonie, mit
dem er sehr gern zusammenarbeitet. »Sie verstehen,
dass Stummfilmmusik eben nicht immer gleich sein
darf, und sind sehr flexibel. Das ist absolut nicht
selbstverständlich.« 
27
28
FRAGEBOGEN | P H ILH AR M ONISC HE B LÄTTER
P HILHARMONI S CHE BL ÄTTER |
Fragebogen
Soo Hyun Ahn
für Musiker und Nichtmusiker,
Gäste und Mitarbeiter
der Dresdner Philharmonie,
Raucher und Nichtraucher, also:
für Frauen und Männer
aller Arten ...
... beantwortet von
Soo Hyun Ahn, Kontrabassistin
wurde in Seoul, Südkorea geboren
Seoul National University.
2009 kam sie nach Deutschland
und setzte ihr Studium
in der Meisterklasse bei
Sie gerne musizieren?
Mit allen, die gut sind. Das macht immer Spaß!
Mögen Sie Kitsch? Wenn nein, warum? Wenn ja,
welchen?
Nein. Einfach nicht mein Stil.
Womit erholen Sie sich von Musik?
Bei Freunden und Familie.
Singen Sie unter der Dusche?
Manchmal.
und studierte in ihrer
Heimatstadt an der
Mit welchem Sänger / Instrumentalisten würden
Ab wann wussten Sie mit Bestimmtheit, dass Sie
Welche Musik bringt Sie zum Lachen?
Musiker werden wollen bzw. mit Musik Geld ver-
Schlechte neukomponierte Musik.
dienen?
Mit vierzehn. Aber mit Musik Geld zu verdienen, daran
habe ich nie gedacht!
In welchen Räumen gehen Sie völlig in Musik auf?
Welches Talent fehlt Ihnen noch?
In welchen Situationen gewinnt Musik Macht über
Geduld und Mut.
Sie?
In guten Konzertsälen!
Prof. Nabil Shehata
an der Hochschule für
Musik und Theater München fort.
Von 2011 bis 2013 war sie
als Orchesterakademikerin
bei den Münchner
Immer.
Was wären Sie bzw. welchen Beruf hätten Sie gerne,
wenn Sie keine Musikerin geworden wären?
Welche Musik wird Ihrer Meinung nach unter-
Ärztin.
schätzt und müsste häufiger gespielt werden?
Am meisten das Kontrabassrepertoire :-)
Philharmonikern.
Soo Hyun Ahn ist im Probejahr
Solo-Kontrabassistin bei der
Dresdner Philharmonie.
Welchen Komponisten würden Sie gerne treffen?
Gustav Mahler.
Bei welcher Musik summen Sie mit?
Bei guter Musik mit schöner Melodie…
Welcher Mythos fasziniert Sie?
Keiner.
Welche CD würden Sie sich ein zweites Mal kaufen?
Norah Jones.
Haben Sie einen Lieblingsfehler?
Noch nicht.
Wann hören Sie bewusst Musik?
Im Konzert!
Wer dürfte Ihnen nie in den Mantel helfen?
Ich lass mir von niemandem in den Mantel helfen.
Auf welches Medium können Sie verzichten?
Auf keins!
Mit wem würden Sie gerne im Fahrstuhl stecken
bleiben?
Welche Farbe hat Ihre Lieblingsmusik?
Ich nehme einfach die Treppe.
Elfenbein, crème. 
29
30
P HILHARMONI S CHE BL ÄTTER | HAUSBESUCH | Brauhausberg
| P H ILH AR M ONISC HE B LÄTTER
Alles improvisiert
Orchesterleben zwischen allen Sälen
Hoch oben über der Waldschlösschenbrücke geht es seit mehr als zwei Jahren
philharmonisch zu: Wegen des Kulturpalastumbaus müssen Musiker wie Verwaltung mit
interimistischen Provisorien leben. Ein Hausbesuch  Christian Schmidt
umgebaut. Almut Placke, Mitarbeiterin im Künstlerischen
Betriebsbüro (KBB) und damit für alles zuständig, was
die Organisation betrifft, verbirgt ihren Stolz kaum, dass
trotz der Interimslösung die Arbeitsbedingungen wahrlich alles andere als schlecht sind.
Fernziel Kulturpalast als Motivation
Immerhin wurde in das Anfang des neuen Jahrtausends
pleite gegangene Kino richtig investiert, die Treppenstufen
der Säle konnten für die notwendige Podest-Erhöhung
der Musiker nachgenutzt und überbaut werden, und
© Victoria Braunschweig
Himmelhochjauchzende junge Stimmen sind zu hören
im Foyer des ehemaligen Kinos Metropolis auf dem
Brauhausberg im Waldschlösschen-Areal. Gunter Berger
probiert gerade mit dem Philharmonischen Kinderchor
die großartige Akustik des voluminösen Raumes aus: Es
hallt wie in einer Kirche. Doch das bleibt nur ein Klangexperiment, denn angewiesen ist Berger nicht darauf.
Allein drei ehemalige Kinosäle stehen den philharmonischen Chören zur Verfügung, die sie sich im Zweifel mit
jenen Musikern teilen müssen, die für Kammerkonzerte
probieren. Vier weitere Säle sind für die Orchesterarbeit
reserviert, davon wurde einer zum Instrumentenlager
es wurden extra akustische Hilfsmittel wie Wände und
Vorhänge angeschafft, die die Proben so realistisch wie
möglich der Konzertsituation anpassen halfen. Freilich
sind nicht alle Musiker glücklich, dass sie zum Dienst
an unterschiedliche Orte fahren müssen. »Aber die
Aussicht, dass der Kulturpalast bald wieder zur
Verfügung stehen wird und die Wege dann so kurz
sind wie früher, ist schon eine große Motivation für uns
alle«, sagt Almut Placke, von der man glauben könnte,
sie würde Tag und Nacht arbeiten, so energiegeladen
ist die junge Organisatorin. Tapfer glauben alle, die man
fragt, an den Eröffnungstermin, auch die KBB-Frau.
»Die frohe Zukunft ist erkauft mit der Improvisation der
Gegenwart.« Ein flotter Spruch.
Bis es so weit ist, muss die gesamte Orchestermaschinerie einen erheblichen organisatorischen Mehraufwand stemmen: So werden etwa für die Konzerte
im Albertinum jedes Mal eintausend Publikumsstühle
entliehen, es muss eine Bühne gebaut werden. Von den
Instrumentenkoffern über die Frackkisten bis hin zu den
Schuhbeuteln und Notenmappen will alles in die Innenstadt transportiert sein. Dafür fahren mehrere LKWs zur
jeweiligen Spielstätte, die Orchesterwarte laden aus und
bauen für jedes einzelne Konzert die Bühnensituation
neu auf. Das alles war im Kulturpalast nie nötig – hier
konnte das meiste stehengelassen werden; die Zutaten,
die ein Konzert braucht und von denen das Publikum so
gut wie nichts mitbekommt, mussten nur über den Gang
geholt werden. Das wird nun noch einige Zeit deutlich
aufwändiger sein.
Nachrüsten ausgeschlossen
Geordneter Lärm:
Ein Blick in's
Instrumentenlager
am Brauhausberg
»Vor allem was die Kommunikation angeht, haben wir
natürlich einen immensen Abstimmungsaufwand«, sagt
Almut Placke ohne Bitternis, sondern immer mit der
notwendigen Portion Fröhlichkeit in der Stimme, die sie
für ihren nervenaufreibenden Job braucht. »Wir haben es
ja mit den unterschiedlichsten Institutionen zu tun, bei
denen wir zu Gast sind. Da muss man sehr anpassungsfähig an die Gegebenheiten und Bedingungen vor Ort
sein.« Zum Beispiel kann im Albertinum erst nach Ende
Ganz großes Kino
Seit 2012 residiert die Dresdner Philharmonie
in ihrem Ausweichquartier im WaldschlösschenAreal. Zunächst zog die Verwaltung aus dem
Kulturpalast aus, später wurden sieben Probensäle in das alte Kino eingebaut. Die Herrichtung
kostete mehr als 300.000 Euro. 2017 soll das
Orchester wieder komplett in seine angestammte
Spielstätte am Neumarkt zurückkehren.
des Museumsbetriebes um 18 Uhr wirklich eingerichtet
werden, bei Wochenendkonzerten muss also schon
am Freitag geprobt werden. »Da dauert der Bühneneinbau und das Einhängen der Akustik-Bauteile schon
die ganze Nacht hindurch.« Und nach den Konzerten –
freilich – alles wieder retour. Damit man nicht mehrfach
fahren muss, wird vorab je Besetzungsgröße ein genauer
Bühnenplan gemacht, pro Musiker gibt es eine festgelegte Fläche. Hier muss punktgenau überlegt sein,
welche Podeste gebraucht werden, denn etwas nachrüsten kann man nicht. »Dumm nur, wenn man hier
oben was vergisst, zum Beispiel das Kontrafagott«, sagt
Almut Placke. »Da muss dann einer mit dem Privatauto
noch mal fahren.« Aber gottlob, auch das ist bald wieder
Geschichte – irgendwann 2017. 
31
32
P HILHARMONI S CHE BL ÄTTER | UNTERWEGS | Südamerika
Lutosławski im Steakhouse
Südamerikatournee der Dresdner Philharmonie
Dreizehn Stunden und zwanzig Minuten dauerte der Flug nach Buenos Aires, dann
startete die Südamerikatournee des Orchesters, die die Musiker unter anderem auch
in’s berühmte Teatro Colón führte. Auszüge aus dem Reisetagebuch  Martin Bülow
»Die Dresdner Philharmonie reist zum fünften Mal – auf
Philharmonie – an ihrem freien Vormittag – MeisterEinladung des Mozarteum Argentino – nach Südamerika.
klassen an der Ausbildungsstätte des Teatro Colón ab.
Heike Janicke, Christina Biwank, Johannes Pfeiffer, Phillip
Zeichen der überwältigenden Gastfreundschaft der
Zeller, Andreas Kuhlmann und Ulf Prelle unterrichteten
Argentinier ist die immer wiederkehrende Einladung in
Schülerinnen und Schüler verschiedener Alters- und
eines der besten argentinischen Steakhäuser in der Nähe
Leistungsstufen. […] Das Transportmittel Buquebus
unseres Hotels. Der Unterschied zwischen der Flugzeugbrachte uns von Buenos Aires nach Montevideo –
verpflegung und der Qualität des Abendessens kann
kaum größer sein. Montags fand eine
einfach einmal quer über den Fluss.
ausgiebige Probe und am Abend das
Was in Dresden sicher mit dem
erste Konzert im Teatro Colón statt.
Bus geht, muss am Rio de la Plata
»Maria Callas und Enrico
Das Haus, in dem Toscanini und
eine Flussbreite von etwa 190 km
Caruso sangen hier vor
überbrücken. Aus diesem Grunde
Caruso zuhause waren und in dem
den juwelenbehängten
ist Buquebus kein Bus sondern
auch Richard Strauss dirigierte,
Ehefrauen der Gummiund
Kaffeebarone.«
eine Schnellfähre. Nach 3 Stunden
verströmt auch nach der umfassenden Sanierung den Glanz der 30er
erreichten wir den Hafen von
Martin Bülow
und 40er Jahre. Wir spielten in der
Montevideo. Anspielprobe und
Konzert im Teatro Solis. Carolin
ausabonnierten Konzertreihe des
Mozarteums und damit vor einem
Widmann, Michael Sanderling und
das gesamte Orchester musizierten entspannt und
ausverkauften Haus mit 2800 Plätzen. Der frenetische
Schlussapplaus brach bereits in die letzten Akkorde
professionell, das Publikum war begeistert. […]
der Brahms-Sinfonie hinein, nach Auskunft der
Mit 12 Millionen Einwohnern ist São Paulo die sechstargentinischen Klassik-Kenner eine ungewöhnliche
größte Stadt der Welt, unter Einbeziehung der Umgebung
Huldigung. Das Orchester spielte restlos überzeugend
und den nicht gemeldeten Einwohnern kommt der Großund mitreißend und freut sich auf das heutige, zweite
raum spielend auf 22 Millionen Menschen. Dresden
Konzert an gleicher Stelle.
würde sich zu dieser Größe verhalten wie die berühmte
sächsische Maus zum brasilianischen Elefanten. Wenn
Mit der Schnelligkeit einer asiatischen Touristengruppe
man über die Dächer dieser Stadt blickt ist man von der
reiste die Dresdner Philharmonie von Buenos Aires über
schieren Menge des verbauten Betons fasziniert. […]
Montevideo nach Santiago de Chile. In Buenos Aires
Am Abend folgte das zweite Konzert in der traumhaften
hielten zunächst noch die Stimmführer der Dresdner
| P H ILH AR M ONISC HE B LÄTTER
Bahnhofshalle. Die Komposition von Jörg Widmann kam
in dieser Stadt sehr gut an. Eine beeindruckende Visitenkarte Dresdner Klangkultur und ein restlos begeistertes
Publikum.
Weiter ging es nach Rio de Janeiro: Das letzte Konzert
unserer Südamerika-Tournee fand in einem der glanzvollsten Theaterbauten aus dem Jahr 1908 statt. Maria
Callas, Enrico Caruso – die Liste ließe sich endlos
fortsetzen – sangen hier vor den juwelenbehängten Ehefrauen der Gummi- und Kaffeebarone. Längst vorbei –
die Autoreifen werden synthetisch in China hergestellt
und das deutsche Bildungsbürgertum achtet auf das fairtrade-Label aus Guatemala.
Die Programmkombination aus Lutosławski, BeethovenViolinkonzert und Brahms-Sinfonie setzte den Schlusspunkt unserer sehr erfolgreichen Südamerika-Tournee.
Stetig ausverkaufte Häuser und die temperamentvolle
Begeisterung unserer Zuhörer trugen das Orchester über
die Anstrengungen der Reise hinweg. Wir werden die
tollen Städte und tollen Menschen sicher nicht so schnell
vergessen, momentan aber freuen wir uns alle auf unser
freundliches, leises, entspanntes Dresden.« 
Frenetischer Schlussapplaus:
Konzert im ausverkauften
Teatro Colón
Elefant im Koffer
Im März steht die nächste Tournee der Dresdner
Philharmonie an, Sehnsuchtsziel: Florida. Kein
Wunder, dass sich Michael Sanderling, die
Musiker und Solist Johannes Moser schon auf
die Konzerte in Sarasota, West Palm Beach
und Gainesville freuen. Neben Sinfonien von
Beethoven und Brahms stehen auch Tschaikowskys 5. und seine »Rokoko-Variationen«
mit Cellist Moser auf dem Programm. Die Suite
für Cello und Orchester, die John Williams aus
seiner Filmmusik zum »Leben einer Geisha«
zusammenstellte, ist eine schöne Geste an den
Gastgeber.
Kopfzerbrechen bereitet die USA-Tournee
hingegen der Verwaltung. Für Instrumentenverzierungen aus Elfenbein, Walbein oder Edelhölzern müssen in kurzer Frist Herkunftspässe
besorgt werden, sonst droht die Beschlagnahmung. Denn die USA wenden als erste
Nation und seit kurzem das an sich sinnvolle
CITES-Artenschutzabkommen so strikt an, dass
mehr als ein Orchester bereits auf Stunden
beim Zoll festsaß– oder zum Beispiel um einige
Streicherbögen erleichtert weiterreisen musste.
33
34
P HILHARMONI S CHE BL ÄTTER | KONZERTKALENDER | Januar bis März 2015
KONZERTK AL ENDER
JA N U A R B IS MÄ R Z 2 0 1 5
JANUAR/
FEBRUAR
2015
KONZERTKALENDER | P H ILH AR M ONISC HE B LÄTTER
31
01
SAMSTAG
SONNTAG
19.30 19.30
S1
S3
Philharmonie
im Schauspielhaus
Großes Haus
3. Konzert
»LACHEN SIE NICHT, VON DEM MANNE WERDEN
SIE NOCH GROSSES HÖREN!« – Bruckner über Rott
11
JANUAR
2015
14
SONNTAG MITTWOCH
19.00 20.00
D1
D2
Philharmonie auf
Schloss Albrechtsberg
Kronensaal
3. Kammerkonzert
»MIGNON – L A BO NNE CHANS O N«
EDVARD GRIEG
Konzert für Klavier und Orchester a-Moll op. 16
HANS ROTT
Sinfonie Nr. 1 E-Dur
Sebastian Weigle | Dirigent
Dmitri Levkovich | Klavier
SCHUBERT . FAURÉ
Freies Ensemble Dresden
Valda Wilson | Sopran
Eva Dollfuß, Thomas Otto | Violine
Andreas Kuhlmann | Viola
Daniel Thiele | Violoncello
Martin Knauer | Kontrabass
Andreas Hecker | Klavier
JANUAR
2015
17
18
SAMSTAG
SONNTAG
19.30 19.30
A1
Philharmonie im Albertinum
Lichthof
9. Konzert
A2
»ETWAS, DAS MICH IN BEWEGUNG BRINGT,
OHNE MEINEN SCHWERPUNKT EINFACH RÜCKSICHTSLOS ZU VERRÜCKEN« – Schönberg über Mahlers Siebte
06
FEBRUAR
2015
FREITAG
20.00
Philharmonie im Museum
Großer Saal, Dt. Hygiene-Museum
9. Dresdner Abend
ZU GAST BEIM PHILHARMONISCHEN KAMMERORCHESTER: MAREK JANOWSKI
ˇ
ANTONÍN DVORÁK
Serenade für Streicher E-Dur op. 22
PAUL HINDEMITH
Konzert für Trompete in B und Fagott mit Streichorchester
LUDWIG VAN BEETHOVEN
Streichquartett Nr. 16 F-Dur op. 135 (Fassung für Streichorchester)
Philharmonisches Kammerorchester Dresden
Marek Janowski | Dirigent
Daniel Bäz | Fagott
Christian Höcherl | Trompete
GUSTAV MAHLER
Sinfonie Nr. 7 e-Moll
08
Markus Poschner | Dirigent
18.00 Uhr – 19.15 Uhr: ABENDÖFFNUNG SKD
Skulpturenhalle
FEBRUAR
2015
SONNTAG
19.00
D1
Philharmonie auf
Schloss Albrechtsberg
Kronensaal
4. Kammerkonzert
»…FÜR BLÄSER«
Philharmonie im Museum
Großer Saal, Dt. Hygiene-Museum
24
JANUAR
2015
SAMSTAG
20.00
H
25
25
SONNTAG
SONNTAG
2. Apéro-Konzert
3. Museums-Matinée
3. Blaue Stunde
11.00 17.00
H
H
Film & Musik
»SO IST PA RI S ! «
»So This is Paris« (1926)
Stummfilm von ERNST LUBITSCH (Regie)
Musik kompiliert von HELMUT IMIG
Helmut Imig | Dirigent
Otto der Ohrwurm
H
SEIBER . HINDEMITH . KROMMER
Undine Röhner-Stolle, Guido Titze | Oboe
Hans-Detlef Löchner, Henry Philipp | Klarinette
Friedrich Kettschau, Florian Schnappauf,
Dietrich Schlät, Carsten Gießmann | Horn
Robert-Christian Schuster, Mario Hendel | Fagott
Otto ist älter geworden: im letzten Jahr hatte
er sich öfter verliebt und mit Till Eulenspiegel
im Streiche spielen gemessen. Dieses Jahr geht
er auf große Reise ans andere Ende der Welt.
ˇ 9. Sinfonie
In Amerika lernt er Antonín Dvoráks
»Aus der neuen Welt« kennen. Vorher ging er
allerdings auf Zeitreise und traf den berühmten
Ludwig van Beethoven, dessen 5. Sinfonie
wirklich jeder kennt. Für Jungen wie Mädchen
wird es jetzt spannend, wenn Otto sich am
Schlagzeug ausprobiert. Es wird laut, ereignisreich und wie immer mit viel MUSIK, MUSIK,
MUSIK!
13
FEBRUAR
2015
FEBRUA
2015
R
08
SONNTAG
10.30
08
SONNTAG
12.00
10. Konzert
à la carte
Konzert zum Dresdner Gedenktag
» TA G T Ä G LICH Z IE H E N G EWITTER AUF,
MA N CH MA L SE H R STA RK E GEWITTER «
– Schostakowitsch 1957
MAX REGER
Aria »O Mensch, bewein Dein‘ Sünde groß« nach dem Choralvorspiel
BWV 622 von JOHANN SEBASTIAN BACH
DMITRI SCHOSTAKOWITSCH
Sinfonie Nr. 11 g-Moll op. 103 – »Das Jahr 1905«
Michael Sanderling | Dirigent
18.00 Uhr – 19.15 Uhr: ABENDÖFFNUNG SKD
Säle der Sonderausstellung »Dahl und Friedrich –
Romantische Landschaften« im 1.OG, Salzgassenflügel
Familienkonzerte für Kinder ab 6 Jahren im
Alten Schlachthof
14
FEBRUAR
2015
EINTRITT: 10 Euro
Kinder bis 18 Jahre 5 Euro
FREITAG
19.30
Philharmonie im Albertinum
Lichthof
SAMSTAG
19.30
Philharmonie im Albertinum
Lichthof
10. Konzert
A1
Otto der Ohrwurm
Alter Schlachthof
10 | 5 Euro
Artist in Residence MARTIN HELMCHEN
» TA G T Ä G LICH Z IE H E N G EWITTER AUF,
MA N CH MA L SE H R STA RK E GEWITTER «
– Schostakowitsch 1957
SERGEJ PROKOFJEW
Konzert für Klavier und Orchester Nr. 2 g-Moll op. 16
OTTO UND DIE SCHLAGZEUGBANDE
DMITRI SCHOSTAKOWITSCH
Sinfonie Nr. 11 g-Moll op. 103 – »Das Jahr 1905«
Alexej Bröse, Gido Maier,
Oliver Mills und Conrad Süß | Schlagwerk
Christian Gaul | Otto der Ohrwurm
Christian Schruff | Moderation
Andreas Tiedemann | Inszenierung und Bühne
Luis Negrón van Grieken | Projektionen und Bühne
Michael Sanderling | Dirigent
Martin Helmchen | Klavier
18.00 Uhr – 19.15 Uhr: ABENDÖFFNUNG SKD
Säle des Impressionismus bis zur Malerei der 1920er Jahre
35
36
P HILHARMONI S CHE BL ÄTTER | KONZERTKALENDER | Januar bis März 2015
Philharmonie
im Schauspielhaus
Großes Haus
14
MÄRZ
2015
SAMSTAG
19.30
4. Konzert
S1
15
15
SONNTAG
SONNTAG
SAMSTAG
2. Konzert
20.00
F
Dresdens Klang. zu Ostern
11.00 19.30
S2
Philharmonie in der
Frauenkirche
21
MÄRZ
2015
» S O L A S S T U N S A N L E G E N D I E WA F F E N D E S
L I C H T S « – Römer 13,12
S3
»ALLE WOL L EN, DAS S ES NI CHT DEM L E B E N
ÄHNLICH I S T, S O NDERN HÖ HER, BES S ER ,
SCHÖNER. « – Gorki an Tschechow
FELIX MENDELSSOHN BARTHOLDY
Sinfonie Nr. 2 B-Dur op. 52 MWV A 18 – Sinfoniekantate für Soli,
Chor und Orchester »Lobgesang«
WOLFGANG AMADEUS MOZART
Ouvertüre zur Oper »Idomeneo« KV 366
Kazuki Yamada | Dirigent
Christina Landshamer, Katja Stuber | Sopran
Steve Davislim | Tenor
Philharmonischer Chor Dresden
Gunter Berger | Einstudierung
SERGEJ RACHMANINOW
Konzert für Klavier und Orchester Nr. 2 c-Moll op. 18
DMITRI SCHOSTAKOWITSCH
Sinfonie Nr. 6 h-Moll op. 54
Michael Sanderling | Dirigent
Alexander Krichel | Klavier
Sonntag 10.30 Uhr Probebühne:
KonZerTinO
SAMSTAG
20.00
H
29
29
SONNTAG
SONNTAG
3. Apéro-Konzert
4. Museums-Matinée
4. Blaue Stunde
11.00 17.00
H
18
MÄRZ
2015
22
MITTWOCH SONNTAG
20.00 19.00
D2
D1
Philharmonie auf
Schloss Albrechtsberg
Kronensaal
5. Kammerkonzert
»KLARINE TTENQ UI NTETT«
VON WEBER . YUN . BRAHMS
Carus Ensemble Dresden
H
» WA S N Ü T Z T F R I E D E N B E I E H R L O S E N
F E I N D E N « – La Fontaine
GIOACCHINO ROSSINI
Ouvertüre zur Oper »Der Barbier von Sevilla«
PETER TSCHAIKOWSKY
Melodie für Violine und Orchester aus op. 42
Valse-Scherzo für Violine und Orchester op. 34
»Sérénade Mélancholique« für Violine und Orchester op. 26
IGOR STRAWINSKY
»Jeu de Cartes« (»Das Kartenspiel«) – Suite nach dem Ballett
Mikhail Agrest | Dirigent
Andrey Baranov | Violine
Vorankündigung
Der Förderverein der Dresdner Philharmonie hat es sich
zum Ziel gesetzt, die Konzertorgel im neuen Kulturpalast
zu stiften. Eine genussvolle Art, sich am guten Zweck zu
beteiligen, ist der Besuch des Benefizkonzerts unter der
Leitung des Chefdirigenten Michael Sanderling mit dem
jungen belgischen Ausnahmetalent Marc Bouchkov als
Violinsolist.
Wir freuen uns über Ihren Besuch und wünschen schon
jetzt viel Vergnügen!
08
MAI
2015
ziehen Sie mit!
Philharmonie im Museum
Großer Saal, Dt. Hygiene-Museum
28
MÄRZ
2015
WIR ZIEHEN ALLE
REGISTER –
FREITAG
Philharmonie in der Kreuzkirche
Benefizkonzert
19.30
FV
B E N E F I Z K O N Z E RT
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ANTONÍN DVORÁK
Sinfonie Nr. 9 e-Moll »Aus der neuen Welt«
FELIX MENDELSSOHN BARTHOLDY
Violinkonzert e-Moll op. 64
Michael Sanderling | Dirigent
Marc Bouchkov | Violine
Der Kulturpalast im Herzen der Stadt erhält
ein neues Innenleben. Dresden baut für ihre
Philharmonie einen neuen, akustisch und
architektonisch erstklassigen Konzertsaal.
Es versteht sich von selbst: vollständig ist
ein solcher Saal nur mit einer prächtigen,
dem Ambiente würdigen KonzertsaalOrgel.
Mit diesem Instrument wollen wir den
Kreis einer einzigartigen Orgellandschaft
in unserer Region schließen. Bauherr
für die Orgel ist der Förderverein der
Dresdner Philharmonie e.V. Der Verein tritt
damit uneingeschränkt in die Pflichten
der Konzeption, Finanzierung und Durchführung des Vorhabens ein.
Die Orgel dürfte geschätzte 1,3 Millionen
Euro kosten. Eine Million wird der Förderverein aus Spendenmitteln bereitstellen
und hofft dazu auf die engagierte Mithilfe
vieler Bürgerinnen und Bürger, Institutionen
und Firmen in Dresden und Umgebung und
auf Menschen überall auf der Welt, deren
Herz für Dresden und für die Musik schlägt.
Liebe Dresdnerinnen und Dresdner,
verehrte Gäste,
es ist ein ehrgeiziges Ziel, 1 Million Euro für
die neue Orgel im späteren KulturpalastKonzertsaal über Spenden einzuwerben.
Doch nach seinem Umbau gewinnt das Haus
damit an künstlerischer Faszinationskraft
und internationaler Ausstrahlung. Ich bin mir
sicher, dass dieser Gedanke Musikfreunde
hier und anderswo so begeistert, dass
auch sie gern mithelfen wollen. Ich bitte
Sie, das Engagement des Fördervereins
der Dresdner Philharmonie mit Ihrer OrgelPatenschaft zu unterstützen.
Herzlichen Dank!
Helma Orosz
Oberbürgermeisterin der Landeshauptstadt
Dresden und Schirmherrin
38
P HILHARMONI S CHE BL ÄTTER | Fördermitglieder | Impressum
| P H ILH AR M ONISC HE B LÄTTER
Große Kunst braucht gute Freunde
DI E DRE SDNE R P HILHARMONIE DANKT IHRE N FÖRDE R E R N
DREWAG Stadtwerke Dresden GmbH
BMW Niederlassung Dresden
Schloss Wackerbarth /
Sächsisches Staatsweingut GmbH
Hotel HILTON Dresden
Heide Süß & Julia Distler
Dresdner Volksbank Raiffeisenbank eG
TRD - Reisen Dresden KG
Dorint Hotel Dresden
Media Logistik GmbH/PostModern
SBS Steuerberatungsgesellschaft mbH
Ströer Deutsche Städte Medien GmbH
Eberhard Rink sanitär heizung elektro
Dresdner Verkehrsbetriebe AG
Ostsächsische Sparkasse Dresden
Hotel Bülow Palais & Residenz Dresden
Rechtsanwälte Zwipf Rosenhagen Partnerschaft
Plakativ Media GmbH
SWD GmbH
NH Hotel Dresden Altmarkt
THEEGARTEN-PACTEC GmbH & Co. KG
Ambient Media Dresden GmbH
Wohnungsgenossenschaft Johannstadt eG
HTS Haustechnik & Service GmbH
SBS Bühnentechnik GmbH
Interessiert?
ST Treuhand Lincke & Leonhardt KG
Typostudio SchumacherGebler GmbH
Stoba-Druck GmbH
Internationale Apotheke SaXonia
SchillerGarten Dresden GmbH
Wenn Sie noch weitere Fragen zur Arbeit des
Fördervereins der Dresdner Philharmonie haben
oder Mitglied werden möchten, steht Ihnen der
Geschäftsführer Lutz Kittelmann gern für Auskünfte
zur Verfügung.
Jagenburg Rechtsanwälte
Kontakt:
Notare Heckschen & van de Loo
Förderverein Dresdner Philharmonie e.V.
»Opus 61« CD-Fachgeschäft
Sächsische Presseagentur Seibt
Fremdspracheninstitut Dresden
Lutz Kittelmann
PF 120 424 · 01005 Dresden
Radeberger Exportbierbrauerei
Telefon +49 (0) 351 | 4 866 369
Fax
+49 (0) 351 | 4 866 350
Mobil +49 (0) 171 | 5 49 37 87
Frank Schröder – Agentur für Kommunikation
foerderverein@dresdnerphilharmonie.de
I M PR ESSU M
Bildnachweis:
Archiv Dresdner Philharmonie; Künstlerfotos mit freundlicher
Genehmigung der Künstler / Agenturen.
© Nikolaj Lund: Titelfoto, S. 3 – 7, 16, 18
© Marco Borggreve: S. 9, 10, 20 – 24, 28, 34, 35, 38, 40
TRENTANO GmbH
Herausgeber:
Dresdner Philharmonie
PF 120 424 · 01005 Dresden
Chefdirigent: Michael Sanderling
Ehrendirigent: Kurt Masur
Erster Gastdirigent: Bertrand de Billy
Intendantin: Frauke Roth
www.dresdnerphilharmonie.de
kommunikation@dresdnerphilharmonie.de
Redaktion: Carsten Hinrichs
Redaktionsschluss: 30. November 2014
Satz und Gestaltung:
www.victoriabraunschweig.de
Druck:
Elbtal Druck & Kartonagen GmbH
Wo möglich, haben wir die Inhaber aller Urheberrechte der
Illustrationen ausfindig gemacht. Sollte dies im Einzelfall
nicht ausreichend gelungen oder es zu Fehlern gekommen
sein, bitten wir die Urheber, sich bei uns zu melden, damit wir
berechtigten Forderungen umgehend nachkommen können.
Die »Philharmonischen Blätter« erscheinen viermal jährlich.
Für unverlangt eingesandte Manuskripte wird keine Haftung
übernommen. Nachdruck – auch auszugsweise – nur mit
Genehmigung der Redaktion. Veröffentlichte Äußerungen
Dritter stimmen als eigenständige Meinungsäußerung nicht
unbedingt mit der Ansicht des Herausgebers überein.
Änderungen vorbehalten.
ISSN 0949-6017
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