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Burnout –
Modediagnose oder Zeitkrankheit?
Wie Betroffene, Kollegen und Arbeitgeber vorsorgen und
helfen können…
A. Lingg, Rankweil
Eine neue Krankheit?
• oder Erschöpfungsdepression schöngeredet?
• eine „Mode“?
• Die Erfindung einer neuen Krankheit?
• Noch keine offizielle Diagnose
• „Neurasthenie“, „Chronisches Müdigkeitssyndrom“,
„Psychovegetativer Erschöpfungszustand“
Keine neue Krankheit…
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Bernhard v. Clairvaux warnt seinen Schüler, den neu gewählten Papst Eugen den III.
- anno 1145 „vor den Gefahren der Überbeschäftigung“:
…Wie lange noch schenkst du allen andern deine Aufmerksamkeit, nur nicht dir selbst? Bist du
dir selbst
ein Fremder? Bist du nicht jedem fremd, wenn du dir selber fremd bist? Ja, wer
mit sich selbst schlecht umgeht, zu wem kann der gut sein?...
Verlass dich nicht zu sehr auf deine derzeitige innere Verfassung! Nichts ist der Seele so
tief verwurzelt, dass es durch Vernachlässigung und den Lauf der Zeit nicht verloren gehen
könnte...
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J. W. v. Goethe – als Minister „ausgebrannt“ – Italienische Reise…
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Senator Buddenbrook in Thomas Mann‘s gleichnamigen Roman…
…Der 46jährige Thomas Buddenbrook fühlt sich unaussprechlich müde und verdrossen..
Ausgehöhlt spielt er in seiner eleganten Garderobe und mit seinem verbindlichen Auftreten
wie ein Schauspieler sich selbst. An der Börse, so wird hinter seinem Rücken gespottet,
wirkt er nur noch dekorativ…
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„A Burn Out Case“ von Graham Green…
Verbreitung
• S. Kaspar: jeder 5. Österreicher…das wären 700.000??
• Arbeitsmediziner: 5-7% - Gefährdet wohl das Mehrfache
• WHO: „eine der größten Gesundheitsgefahren des 21. Jahrhunderts“
• Rössler, Mannheim: „Nur jeder 10., der es behauptet…“
• Hauptgrund für IV-Pensionierung z.B. von Lehrern in D
(36% Depression, 16% Burnout)
Wer betroffen?
• Zunächst Helferberufe (v. a. Intensivschwestern)
• FREUDENBERGER 1974: „Zustand der Erschöpfung, die als Folge
exzessiver Anforderungen an persönliche Energie, Kraft und
Einsatzbereitschaft entsteht…“
• MASLACH 1976: erstes Messinstrument entwickelt
• „Managerkrankheit“ – „Karoshi“ : Tod durch Überarbeitung
• Heute: Alle Berufe, auch Hausfrauen, Schüler, (Rentner)
Stadien
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Idealistische Begeisterung
Verstärkter Einsatz
Vernachlässigung eigener Bedürfnisse
Verleugnung von Konflikten
Umdeutung von Werten
Verleugnung von Problemen
Rückzug aus der Umwelt
Verflachung des Lebens
Sich fremd werden
Innere Leere
Schwere Depression
Zusammenbruch
…nicht von heute auf morgen
„Es ist ein Leiden, das sich schrittweise und ständig ausbreitet und
Menschen in eine Abwärtsspirale zieht, aus der das Entkommen schwer
ist…“
CHRISTINE MASLACH
Der ganze Mensch betroffen…
• Körperlich: Chron. Müdigkeit, psychosomatische Leiden
Immunabwehr geschwächt
• Emotional: innere Leere, Reizbarkeit, Depression
• Geistig: Leistung und Kreativität sinken,
Konzentrations- und Gedächtnisschwäche
• Sozial: Rückzug, Gefühl ausgesaugt zu werden
Folgen des Burnout
• Verflachung der Freizeitaktivitäten
• Vermehrter Alkohol / Nikotinkonsum
Gewöhnung an Stimulantien, Tranquilizer
• Gestörtes Essverhalten, Libido-/ Potenzschwäche
• Beziehungs- / familiäre Konflikte
• Häufiger Krankenstand
Häufiger Arbeitsplatzwechsel / Berufsausstieg
• Todessehnsucht / Suizid
Was führt zum BURNOUT?
• Arbeitsbelastung
– Disstress oder „gegen den Wind segeln“
• Persönlichkeit
– Initiative, ehrgeizige Menschen mit schlechtes Selbstmanagement,
SELBSTVERBRENNER
– Passive, wenig durchsetzungsfähige VERSCHLISSENE
– (TRITTBRETTFAHER - die Misserfolge auf andere oder ungünstige
Bedingungen abladen)
– (WORKAHOLICS)
• „Übriges“ Leben - Lebensstil
– Freizeit – freie Zeit?
Etwas über Stress… fight or flight
Herausforderung -> Zwischenhirn ->
vegetatives Nervensystem reagiert reflexartig ->
Sympathikus und Parasympathikus aktiviert
Sympathikus -> NNM schüttet Adrenalin und NA aus
Parasympathikus -> Acetylcholin (hemmt Verdauung und Sex)
Hypothalamus -> Stresshormonachse ->
CRH und Vasopressin ->Hypophyse ->
ACTH ->NNR ->
Kortisol ->Erfolgsorgane (Herz, Gefässe, Verdauungsorgane,
Muskeln…)
Rückkoppelung schützt vor Erschöpfung...
Dauerstress - Stressdepression
• Kortisol- und Adrenalinproduktion stoppt nicht:
„fight“ ohne „flight“ (Abreagieren)
• Oxytozin („Glücks/Liebeshormon“) hätte Anti-Stresseffekt...
ist Gegenspieler zu Vasopressin (ADH)
• Fehlregulation der Stresshormonachse
> Fettanreicherung, Insulinresistenz, Bluthochdruck
• Dysbalance des Sympathikus/Parasympathikus-Systems
> Tachycardie, verminderte Herzfrequenz-Variabilität
> Höheres Arteriosklerose-Risiko
Folgen heute nachweisbar – reversibel?
Mit Bildgebung - PET - nachgewiesen:
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Volumen des Hippokampus (GEDÄCHTNIS) vermindert
Gyrus dentatus besonders (NEUROGENESE) geschrumpft
Präfrontaler Kortex (STIMMUNG) geringer aktiv
Amygdala (EMOTIONALES GEDÄCHTNIS) überaktiv
Jedoch reversibel! Wenn nicht zu spät…
• Antidepressiva neuroprotektiv!
• Psychotherapie hat ähnlichen Effekt! (Furmark 2002)
Was tun?
- früheres Stadium
• Sich dem Problem stellen, es (sich und anderen) zugeben
Verdrängung, Rationalisierung, Ausreden aufgeben,
Kränkung auffangen
• Selbstmanagement
• Konflikte am Arbeitsplatz, in Beziehung / Familie angehen
• Entspannungsübungen
• Ausgleich in freier Zeit durch Zeit zum Ausruhen wie auch
Aktivitäten
• Vermeiden von Alkohol- und anderem Abusus wie auch
Reizüberlastung (C.Spiele, TV)
• Gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung
Was tun?
- fortgeschrittenes Stadium
• Professionelle Hilfe suchen
Hausärztliche Untersuchung, auch zum Ausschluss anderer
Ursachen bzw. zur Behandlung von Folgekrankheiten
Nötigenfalls Überweisung zum Facharzt oder Psychotherapeuten,
Vermittlung Coaching
Behandlung der Schlafstörung, Antidepressiva
• Physikalische Maßnahmen, v. a. aufbauendes Ausdauertraining
Regelmäßiges Laufen, Entspannungsübungen
• Lebenshygienische Beratung
– Zeit und Raum zum Ausruhen (Entschleunigen, Entrümpeln)
– Ausgleich durch Sport, Musik, Hobbys
– Gesunde Distanz zur Arbeit finden
Was tun?
- am Arbeitsplatz
• Für ein Klima sorgen, dass kein „Versteckspiel“ notwenig ist
• Betroffene bei Verdacht in geeigneter Form ansprechen
• Stressoren am Arbeitsplatz erkennen
– Quantitative Überforderung
– Qualitative Überforderung durch Informationsflut oder
Komplexität, Organisationsmängel, Bürokratie
– Unterforderung, isoliertes Arbeiten
– Schlechtes Betriebsklima, fehlende Anerkennung
– Konkurrenzdruck
– Angst vor Arbeitsplatzverlust
• Arbeitnehmerschutz auch hinsichtlich psychosozialer Belastungen
Was im Lehrberuf krank macht
(Ingrid Wagner, PI der Stadt Wien)
- Schwierige und verhaltensauffällige Schüler (Erziehungsdefizite);
- Probleme mit den Eltern (Besserwisserei, Gleichgültigkeit,
Lehrer muss die Mutter- oder Vaterrolle übernehmen);
- Negatives Berufsimage (wenig bis keine Aufstiegsmöglichkeiten,
gute Arbeit wird nicht anerkannt);
- Ungenügende Gesamtqualifikation (mangelnde didaktische Gestaltungsmöglichkeiten);
- Ungünstige Rahmenbedingungen (bei der Ausstattung des Klassenzimmers,
dem Stundenplan, der Pausengestaltung etc.);
- Schlechtes Klima unter den Kollegen (z. B. mangelnde Solidarität);
- Schlechtes Verhältnis zur Schulleitung (wenn pädagogische Probleme auf der Strecke
bleiben, weil die Schule z. B. nach außen gut dastehen soll);
- Schulaufsicht (zu starke oder keine Kontrolle).
Arbeitsmedizinische Sprechstunde
für Mobbing und Burn Out
(Auf Wunsch anonym)
Tel. Voranmeldung: 05574 202-1031
oder
Per E-Mail: office@ameco.at
Gesetzlicher, sozialpolitischer Rahmen
• Arbeitnehmerschutz
– Arbeitssicherheit: große Erfolge
– Gesundheitsschutz: schwieriger, noch Nachholbedarf
– v. a. was Psychohygiene betrifft
• Arbeitgeberschutz?
• Sozialgesetzgebung und gesellschaftliches Klima von hoher
Tragweite – s. Bsp.
Eigene Erfahrungen
• Abwehrmechanismen halten lange
– Bagatellisieren, Verdrängen, Außenprojektion, Rationalisieren
• Frühwarnzeichen werden übersehen
– v. a. Schlafstörungen
• Reine „Auszeit“ meist zu wenig
• Gesundung dauert – Monate bis Jahre
• Dauerschäden („Psychasthenie“) nicht selten
• Manch eine(r) danach „im Leben anders unterwegs“
Danke für Ihre Aufmerksamkeit !
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