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Max Slevogt – Neue Wege des
Impressionismus 04.05. – 12.10.2014
GESCHICHTE UND TECHNIK DER LITHOGRAFIE (STEINDRUCK)
Die Lithografie (von griech.: λίθος lithos „Stein“ und γράφειν graphein „schreiben“) ist das
älteste Flachdruckverfahren und gehörte im 19. Jahrhundert zu den meistangewendeten
Drucktechniken, auch für farbige Drucksachen. Mit Lithografie werden bezeichnet:
•
•
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die Steinzeichnung als Druckvorlage und Druckform zur Vervielfältigung mittels des
Steindruckverfahrens,
der Abzug (Farbübertragung) vom Stein auf geeignetes Papier in der
Steindruckpresse als das Ergebnis dieser Vervielfältigung,
das handwerkliche oder maschinelle Steindruckverfahren an sich.
Alois Senefelder, Erfinder der Lithografie
Lithografie v. Franz Hanfstängl, 1834 München
Der Flachdruck basiert auf der Entdeckung des Münchners Alois Senefelder. Senefelder war
eigentlich Musiker und suchte nach einem geeigneten schnellen Druckverfahren für
Notenblätter und Partituren, die das aufwändige Schneiden oder Stechen von Druckstöcken
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Max Slevogt – Neue Wege des
Impressionismus 04.05. – 12.10.2014
erübrigen sollten. Dabei stieß er darauf, dass Wasser und Fett sich gegenseitig abstoßen und
man auf dieser Grundlage auch von einer ebenen Fläche sauber konturierte Umdrucke
abziehen kann. Als optimale Druckfläche entdeckte er Solnhofener Kalkschiefer; aufgrund
seiner Oberflächenstruktur war kein
anderer Stein dafür besser geeignet.
Noch vor 1800 gelang es Senefelder,
mit Hilfe von Gummi arabicum die
Wasserführung auf diesen plan
geschliffenen Kalksandsteinen zu
stabilisieren und so den Abdruck von
Fettzeichnungen vom Lithostein in
großen Auflagen möglich zu machen.
Das Prinzip des lithografischen
Druckens beruht also auf dem
Unterschied der Oberflächenspannung der fetthaltigen,
druckenden Bildelemente und der
wasserhaltigen Freiflächen. So
entsteht bei jedem Wässern und
Einfärben des Steines ein druckfähiges
Bild.
Historischer Lithographiestein für ein Liederbuch,
Engelbert Humperdinck: Ein Männlein steht im Walde
um 1900, Quelle: ebay
Die sonst übliche, arbeitsintensive Herstellung eines Druckstockes, oft durch spezielle Handwerker (Kupferstecher, Holzschneider), war nicht mehr erforderlich. Das Bild konnte seitenverkehrt nun mit jedem fettigen Zeichenmaterial ( Stift, Tusche, Farbe ) erstellt werden.
Schnell haben auch die Künstler die Lithografie als ihr Medium entdeckt. Größe und Form
der Bildelemente unterlagen nur der freien Gestaltung; wie bei der Kohlezeichnung konnte
der Künstler neben der Strichzeichnung auch Tönungen und Schattierungen erreichen. Mit
entsprechender Erfahrung konnte er Tonverläufe in feinster Abstufung erarbeiten.
Senefelder selbst entwickelte Werkzeuge und Maschinen für die Lithografie, er baute
mehrere namhafte Werkstätten auf und arbeitete stets weiter an seiner Erfindung. Längst
waren die Musik und die Rechtswissenschaft, die er einmal studiert hatte, in den Hintergrund gerückt. So legte er mit seinen Experimenten, ein Flachdruckverfahren auch mit
Metallplatten zu entwickeln, die Grundlagen für den Offset-Druck. In der Industrie wurde
der Steindruck nach der Umsetzung des Verfahrens auf gekörnte Aluminiumplatten zum
erfolgreichsten Druckverfahren des 20. Jahrhunderts.
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Für die künstlerische Arbeit werden bis heute Maschinen in modernem Design entwickelt,
hier ein Prototyp von Fredl Hofer aus Linz/Österreich: das Modell „Steinberg HP 844“,
ausgelegt für 844 mm Papierbreite.
Hydraulische, elektronisch gesteuerte Lithopresse, Foto: Design Fredl Hofer, Linz, Austria
Der Steindruck wurde industriell sukzessive vom Offsetdruck abgelöst und wird heute nur
noch im künstlerischen Bereich eingesetzt. Selbst im deutschen Impressionismus, der ja eher
von Licht und Farbe lebt, wurde die Lithografie ein Medium, das die Flüchtigkeit des Augenblicks, den Eindruck des momentanen Eindrucks wiedergeben konnte. Die Lithografie erlaubte die schnelle Zeichnung genauso wie die sorgfältig eingepasste Illustration. Max Slevogt
beherrschte beides zur Perfektion. Er galt zu Lebzeiten als der „König der Illustration“.
Von Kinder- und Jugendliteratur bis zu
Opernpartituren illustrierte er mittels
Lithografie zahlreiche namhafte Schriftwerke. Abenteuerromane wie „Lederstrumpf“, Märchen wie „Rübezahl“,
Fabeln wie Goethes „Reinecke Fuchs“
oder Opern wie Mozarts „Zauberflöte“
belegen nur einen kleinen Ausschnitt
seines druckgrafischen Gesamtwerks. Er
experimentierte mit einigen Freunden
sogar an einer eigenen Entwicklung
einer Lithopresse, die allerdings leider
nicht erhalten ist.
Max Slevog, Illustration aus „Lederstrumpf“
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Max Slevogt, Illustration aus: Achill. 15 Lithographien zur Ilias. 1907
Max Slevogt, Illustration aus Schneewittchen
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In Antiquariat noch immer erhältlich: Originalauflage von Bruno Cassirer
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Seele and Geist
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