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Anlagebarometer
Für Privatanleger | November 2014
US-Dollar bleibt Nummer eins
Bewegung im globalen Währungsgefüge
Editorial
Editorial
Liebe Leserin
Lieber Leser
Im Verlauf des Oktobers haben die Anleger ein Wechselbad der Gefühle erlebt.
Während die Aktienpreise in den ersten zwei Wochen einbrachen, kam es in der
zweiten Monatshälfte zu einer starken Preiserholung, welche diese Verluste
wettmachte. Auslöser der Korrektur waren Ängste um den Zustand der globalen
und insbesondere der europäischen Konjunktur. Diese waren aus unserer Sicht
übertrieben. Wir gehen von einer moderaten Erholung der globalen Konjunktur
aus. Somit erachten wir Aktien als eine weiterhin attraktive Anlageklasse. Wir
müssen uns aber im Klaren darüber sein, dass der starke Aktienpreisanstieg der letzten Jahre vorbei ist. Die Bewertungen sind nicht mehr tief, und die Zeit der ultraexpansiven Geldpolitik in den
USA geht zu Ende. Wir werden in nächster Zeit grössere Marktschwankungen erleben, treten also
in eine turbulentere Phase ein. Wir werden Sie dabei begleiten.
Christoph Schenk
Chief Investment Officer
Zürcher Kantonalbank wird in umfangreichen Tabellen im Bedarfsfall durch das Kürzel ZKB ersetzt.
Impressum
Herausgeberin Zürcher Kantonalbank Autoren David Marmet, Conny Luchsinger, Beat Schumacher, Jörn Spillmann, Alessandro Petri Redaktion
Atahan Tosun, Anastassios Frangulidis, Sven Bucher, Beat Schümperli, Silke Hein Gestaltung evolve communication GmbH, Zürich, und Investment
Solutions, Zürcher Kantonalbank Lektorat CLS Communication AG Druck Zürcher Kantonalbank, Stettbach Bildquellen Getty Images Auflage 6 750
Exemplare Erscheint monatlich Kontakt anlagebarometer@zkb.ch Abonnement über Ihren Kundenbetreuer Copyright Zürcher Kantonalbank, Reproduktion von Inhalten nur mit Genehmigung der Redaktion unter Quellenangabe gestattet
2 Anlagebarometer 11/2014 | Zürcher Kantonalbank
2
Anlagebarometer 11/2014 | Zürcher Kantonalbank
Bewegung im globalen
Währungsgefüge
Die Unkenrufe, der US-Dollar stehe vor dem Fall, reissen nicht ab. War es zu Beginn des
neuen Jahrtausends der Euro, der dem Dollar den Rang als Weltwährung Nummer eins
streitig machen sollte, wird heute der chinesische Renminbi als grosser Herausforderer
gehandelt. Unserer Ansicht nach wird zwar der Renminbi im nächsten Jahrzehnt als
Reserve- und Transaktionswährung an Bedeutung zulegen, der US-Dollar bleibt aber klar
Nummer eins im Währungsgefüge. Von Dr. David Marmet
Anlagebarometer 11/2014 | Zürcher Kantonalbank
3
Fokus US-Dollar bleibt Nummer eins
Kriegt der US-Dollar Konkurrenz?
War die Welt zur Zeit des Kalten Krieges bipolar, so
erhalten zunehmend mehr Staaten oder Staatengemeinschaften politische, ökonomische und militärische Macht. Die politische Weltordnung wird
multipolar. Gilt dies auch für die Währungen? In wirtschaftspolitischen Diskussionen wird oft kolportiert,
die Dominanz des US-Dollar als «die» Weltwährung
neige sich dem Ende zu. Der chinesische Renminbi
und die Einheitswährung Euro würden an Gewicht
gewinnen, sodass auch das Währungsgefüge bald
multipolar sei. Dies wird als ökonomische Kraft des
Faktischen dargestellt, und gleichzeitig werden Bedenken geäussert, ein solch multipolares System von
Weltwährungen schaffe Unsicherheit und Friktionen
und führe zu einem schwächeren US-Dollar. Sollte der
Investor also bereits heute gegenüber dem US-Dollar
vorsichtiger werden? Um es vorweg zu nehmen: Wir
sind der Meinung, dass dem nicht so ist.
Wann ist eine Währung eine Weltwährung?
Untersuchen wir zuerst, welche Kriterien erfüllt
sein sollten, damit sich eine Währung international
durchsetzen kann und so als wichtige Reserve bei
anderen Notenbanken gehortet wird. In der ökonomischen Literatur findet sich eine Vielzahl von
möglichen Kriterien, die sich vereinfacht dargestellt
auf drei reduzieren lassen. Erstens braucht es Ver­
trauen, das vor allem mit politischer und wirtschaftspolitischer Stabilität eines Landes erreicht wird.
Zweitens ist eine gewisse ökonomische Grösse des
Landes notwendig. Ein kleines Land – denken wir
zum Beispiel an einen Staat in der Südsee – wird auch
bei noch so stabiler politischer Lage nie eine global
relevante Währung hervorbringen können. Und drittens braucht es liquide und reife Finanzmärkte,
einschliesslich einer frei konvertierbaren Währung.
Liquid heisst hier, dass das vom Investor gehaltene
Finanzprodukt rasch verkauft werden kann. Reif
bedeutet, dass der Verkauf dieses Produkts keine
signifikanten Preisänderungen nach sich zieht.
halten einige Notenbanken den Schweizer Franken
als Reservewährung. Da aber unsere Volkswirtschaft
weniger als 1% zum Welt-BIP beiträgt und zudem
die Schweizerische Eidgenossenschaft Schulden
von «lediglich» rund CHF 80 Mrd aufweist, wird der
Schweizer Franken auch in einem zukünftigen
multipolaren Währungsgefüge keine tragende Rolle
spielen. Dies sind insofern gute Nachrichten für
die Schweiz und die Schweizerische Nationalbank
(SNB) im Besonderen, als es doch zurzeit gilt, den
EUR / CHF­Floor zu verteidigen, und entsprechend
eine hohe Nachfrage nach Schweizer Franken
nicht willkommen ist.
Wenn schon nicht der Schweizer Franken, erfüllen
dann die Einheitswährung Euro, der chinesische
Renminbi oder gar die Sonderziehungsrechte (Special
Drawing Rights1) die Kriterien, um dem US-Dollar
in nächster Zeit Paroli bieten zu können? Um diese
Frage zu beantworten, lohnt sich ein Blick in den
Rückspiegel. Im Jahre 1872 überholten die USA
Grossbritannien in Bezug auf die Wirtschaftsgrösse.
1915 war dann das US-Exportvolumen erstmals
grösser als dasjenige Grossbritanniens. Dennoch sollte
es noch einige Jahre dauern, bis der US-Dollar das
britische Pfund als wichtigste Reservewährung ablöste. Schon die Geschichte sollte uns einen Hinweis
liefern, dass der Renminbi oder der Euro nicht im
nächsten Jahrzehnt den US-Dollar als international
wichtigste Währung ablösen werden.
Grafik 1: Anteil weltweiter Devisenreserven*
4.5%
4.0%
3.5%
3.0%
2.5%
2.0%
1.5%
1.0%
0.5%
Keine tragende Rolle für den Schweizer Franken
Was bedeuten diese Kriterien für die internationale
Rolle des Schweizer Frankens? Wie Grafik 1 zeigt,
4
Anlagebarometer 11/2014 | Zürcher Kantonalbank
0.0%
CHF
GBP
JPY
* Ohne US-Dollar (61%) und Euro (24%)
CAD
AUD
Übrige
Quellen: IWF, Zürcher Kantonalbank
Handelsverflechtung wichtig
Für ein Land stellt sich natürlich die Frage, in welcher
Währung es seine Reserven halten soll – die Antwort
beeinflusst dann auch das Tempo zur Etablierung
des multipolaren Währungsgefüges. Es macht für ein
Land durchaus Sinn, die Reserven in der Währung
anzuhäufen, in der es seine Auslandverpflichtungen
zu begleichen hat und die die Währung des Landes
ist, mit dem es die engsten Handelsverflechtungen
hat. Dies ist für die meisten Länder der US-Dollar –
und für die Schweiz ist es der Euro, was sich auch
exemplarisch bei den Anteilen der Devisenreserven
der SNB widerspiegelt (Grafik 2). Für asiatische, aber
auch afrikanische und lateinamerikanische Länder
kann es wiederum durchaus opportun sein, einen
Teil ihrer Reserven in Renminbi zu halten. Gerade
für die Schwellenländer hat sich China als einer der
wichtigsten Handelspartner etabliert. So erstaunt
es nicht, dass bereits rund 40 Länder einen kleinen
Teil ihrer Reserven in Renminbi halten. Erwähnt sei,
dass auch die Schweiz bald zu diesen Ländern zählen
wird, hat die SNB doch im Juli 2014 ein sogenanntes
Swap-Abkommen mit der chinesischen Zentralbank
abgeschlossen. Die SNB kann dadurch neu Renminbi
im Gegenwert von rund CHF 2 Mrd als Devisenreserven halten.
Renminbi als regionale Reservewährung
Um den US-Dollar in den nächsten Jahren ernsthaft
konkurrenzieren zu können, müsste der Renminbi
aber frei konvertierbar sein – was bekanntlich zurzeit
nicht der Fall ist. Hier liegt denn auch das grösste
Hindernis. Chinas Wachstumsmodell war bis anhin
geprägt von gelenkten Bankdarlehen und einer an
den Dollar gebundenen Währung. Dieses Wachstumsmodell müsste also aufgegeben werden. Zwar laufen
die Bemühungen der chinesischen Wirtschaftspolitik in diese Richtung, aber der Wechsel von einem
Grafik 2: SNB-Devisenanlagen nach Währung
50%
45%
40%
35%
30%
25%
20%
15%
10%
5%
0%
EUR
USD
JPY
GBP
CAD
Übrige
Quellen: SNB, Zürcher Kantonalbank
Anlagebarometer 11/2014 | Zürcher Kantonalbank
5
Fokus US-Dollar bleibt Nummer eins
investitions- zu einem konsumgetriebenen Wachstum
geschieht bekanntlich nicht von heute auf morgen.
Ein wichtiger Aspekt bei der Erlangung des Status
einer Reservewährung äussert sich nämlich in dem
berühmten Triffin­Paradoxon. Damit das Ausland über­
haupt genügend Währungsreserven aufbauen kann,
muss das Reserveland ein Leistungsbilanzdefizit
aufweisen – und dies ist meistens nicht gerade das,
was von der Wirtschaftspolitik angestrebt wird.
Vorerst wird also der Renminbi als regionale Reserve­
währung fungieren – und dabei vor allem in Asien
bedeutend sein.
uns beispielhaft an einer europäischen Versicherungsgesellschaft anschauen. Eine solche Gesellschaft hat
ihre zukünftigen Verpflichtungen – standesgemäss –
in Euro zu zahlen. Falls sie SDR-Bonds halten würde
und der Euro zum US-Dollar stark an Wert gewinnen
sollte, käme die Unternehmung mit ihren SDR-Bonds
in arge Schwierigkeiten: Denn der Wert ihrer Aktiven
würde sich verringern, nicht aber der ihrer Passiven.
Die Prognose, dass im nächsten Jahrzehnt eine supranationale Reservewährung nur eine untergeordnete
Rolle im multipolaren Währungsgefüge spielen wird,
erscheint uns daher nicht sehr verwegen.
Das Gleiche gilt auch für den Euro. Für europäische
Länder ausserhalb der Eurozone macht es durchaus
Sinn, einen Teil der Reserven in Euro zu halten, ist
doch die wirtschaftliche Verflechtung der nord­ und
osteuropäischen Länder zur Eurozone sehr stark.
Aber auch die Eurozone weist zurzeit einen Leistungsbilanzüberschuss auf, was es also den anderen Ländern erschwert, Devisenreserven in Euro aufzubauen.
US-Dollar bleibt die Nummer eins
Man kann es drehen und wenden wie man will: In
den nächsten Jahren wird der US-Dollar die Weltwährung Nummer eins bleiben. Zwar werden der
Euro und vor allem der Renminbi mit der wachsenden Bedeutung der Schwellenländer an Gewicht
gewinnen – geht doch das wirtschaftliche Wachstum der Schwellenländer einher mit einer Akkumulierung der Währungsreserven (Grafik 3). Anteilsmässig
wird der US-Dollar aber nur ganz langsam an Gewicht
verlieren. Wir sind also dezidiert der Meinung, dass
den oft gehörten Unkenrufen, der US-Dollar stehe vor
dem Zerfall, nicht zu trauen ist. Aktuell sprechen
die konjunkturellen Aussichten zudem klar für einen
starken US-Dollar – wir sind zuversichtlich, dass die
US-Dollar-Stärke noch eine Weile anhalten wird.
Sonderziehungsrechte keine Alternative
Könnte die Lösung in einer Globalwährung liegen?
In den letzten Jahren kam besonders von russischer
und chinesischer Seite immer wieder die Forderung,
anstelle des US-Dollar eine supranationale Währung
wie die Sonderziehungsrechte (SDR) als Reserve- und
Transaktionswährung zu implementieren. SDR bestehen zurzeit aus einem Währungskorb von US-Dollar,
Euro, japanischem Yen und britischem Pfund, wobei
der US-Dollar mit 41,9% den höchsten und der Euro
mit 37,4% den zweithöchsten Anteil halten. Währungsreserven sind aber nur attraktiv, wenn sie rasch
und unkompliziert für die Stabilisierung einer Volkswirtschaft eingesetzt werden können. Zurzeit können
SDR aber nur gegenüber anderen Notenbanken oder
gegenüber dem Internationalen Währungsfonds
(IWF) eingesetzt werden. Als Interventionsinstrument
auf dem Devisenmarkt sind sie somit faktisch wertlos.
Falls China also ernsthaft an SDR als Reservewährung
interessiert ist, müsste es einen liquiden Markt dafür
schaffen, indem es zum Beispiel in SDR denominierte
Obligationen emittiert. Wer aber hätte Interesse,
diese Obligationen zu kaufen? Die Probleme, die mit
Sonderziehungsrechten verbunden sind, wollen wir
6
Anlagebarometer 11/2014 | Zürcher Kantonalbank
Grafik 3: Wachstum der weltweiten Devisenreserven
in Bio USD
14
12
10
8
6
4
2
0
2001
2004
2007
2010
2013
Quellen: IWF, Zürcher Kantonalbank
1)
Das vom Internationalen Währungsfonds eingeführte Reservemedium zur
Schaffung zusätzlicher Liquidität.
Spezialthema
Platzhalter bitte nicht löschen!
Anlagethema: Immobilien
Bautätigkeit hat den Zenit überschritten
Die Baubewilligungen sind in der Schweiz wieder etwas gesunken, wobei sich eine Phase der Stagnation
auf hohem Niveau abzeichnet. Im 3. Quartal wurden
in der Schweiz rund 11 200 Wohnungen baubewilligt,
während es im entsprechenden Vorjahresquartal noch
12 700 gewesen waren. Auch die Baugesuche liegen
aktuell deutlich unterhalb der Spitzenwerte der Vorjahre. Wir rechnen damit, dass von den Bauinvestitionen 2015 und 2016 insgesamt negative Wachstumsimpulse ausgehen.
Trotz allem: indirekte Immobilienanlagen im Plus
Den fundamental schwächeren Entwicklungen zum
Trotz legten die indirekten Immobilienanlagen auch
jüngst weiter zu. Mit einer Gesamtrendite von nahezu
10% per Ende Oktober 2014 erzielten die börsenko-
tierten Schweizer Immobilienaktien und -fonds im bisherigen Jahresverlauf eine erfreuliche Performance,
die über derjenigen des Gesamtmarktes lag (Grafik ).
Aufgrund der eingetrübten Marktaussichten erwarten
wir jedoch weder bei den Immobilienaktien noch bei
den -fonds eine weitere, markante Aufwertung. Eine
attraktive Mehrverzinsung, gerade gegenüber den
Staatsanleihen, liegt aber allemal drin.
Grafik 1: Zürcher Wohneigentumsindex (ZWEX)
280
260
240
220
200
180
160
140
120
100
1980
1982
1984
1986
1988
1990
1992
1994
1996
1998
2000
2002
2004
2006
2008
2010
2012
2014
Allenthalben schwächere Dynamik
Seit Ende 2012 hat sich das Wachstum der Angebotsund Transaktionspreise deutlich verlangsamt. So ist
der Zürcher Wohneigentumsindex (ZWEX) im
3. Quartal um 1.6% gesunken (Grafik ). Angesichts
der hohen Preisniveaus ist diese Abschwächung
durchaus willkommen. Besonders stark gingen die
Preise im 3. Quartal in den Seegemeinden (ZWEX See)
zurück. Auch die Angebotspreise sind im Vergleich
mit dem langjährigen Durchschnitt weniger stark gestiegen. Der Anstieg war sowohl schweizweit als auch
im Wirtschaftsraum Zürich im 3. Quartal vergleichsweise moderat. Die Mieten kommen seit März 2014
kaum vom Fleck: Schweizweit ergab sich im letzten
Quartal eine Nullrunde, im Kanton Zürich gaben die
Angebotsmieten gar um 0.6% nach. Die schleppende
Entwicklung bei den Mieten geht Hand in Hand mit
einer leicht höheren Leerwohnungsziffer.
Quelle: Zürcher Kantonalbank
Grafik 2: Indirekte Immobilienanlagen vs. SPI
(indexiert, RI)
113
111
109
107
105
103
101
99
97
95
Jan
Feb Mrz Apr Mai Jun
SPI
Jul
Aug Sep Okt
SXI Real Estate Shares
SXI Real Estate Funds
Quelle: Thomson Datastream
Immobilienmarkt Schweiz
2003-12
2013
2014*
2015*
2016*
Bauinvestitionen (real, % vs. Vj.)
1.8
1.3
0.5
–0.5
–0.8
Preisentwicklung Wohneigentum Schweiz (% vs. Vj.)
4.1
4.0
3.0
0.3
Marktmieten Schweiz (% vs. Vj.)
2.0
1.8
1.5
1.5
3-Monats-Libor**
0.9
0.0
0.0
0.0
0.1
5-Jahres-Swapsatz**
1.9
0.6
0.4
0.3
0.8
* Prognose
** Jahresdurchschnitt
Quelle: Zürcher Kantonalbank
Anlagebarometer
Anlagebarometer11/2014
11/2014 || Zürcher
Zürcher Kantonalbank
Kantonalbank
7
7
Finanzmärkte
Finanzmärkte im
im Überblick
Überblick
Wirtschaft
Wirtschaft und
und Finanzmärkte
Finanzmärkte
Anlageumfeld wird anspruchsvoller
Im Verlauf des Oktobers haben die Anleger ein Wechselbad der Gefühle erlebt. Während die Aktienpreise
in den ersten zwei Wochen einbrachen, kam es in
der zweiten Monatshälfte zu einer starken Preiserholung, die den grössten Teil der Verluste wettmachte
(Grafik ). Auslöser der Korrektur waren Ängste um
den Zustand der globalen und insbesondere der europäischen Konjunktur. Letztere hat tatsächlich in den
letzten Monaten Schwächezeichen gezeigt. Insbesondere die Konjunkturdaten aus Deutschland haben enttäuscht. Das überrascht eigentlich wenig, da die Ukrainekrise und die Verschlechterung der Beziehungen zu
Russland das Vertrauen von Konsumenten und Unternehmern in die Aussichten der deutschen Volkswirtschaft untergraben haben. Ausserhalb Europas und
vor allem in den USA scheinen die Konjunkturkräfte
aber recht stark zu sein. Deshalb rechnen wir nicht mit
einem Einbrechen der globalen Aktienmärkte. Das Anlageumfeld wird jedoch schwieriger und die Marktschwankungen werden zunehmen.
der Fiskalpolitik zu einigen. Die Fiskalpolitik wirkt deshalb erstens recht restriktiv und dämpft zweitens die
positiven Impulse der Geldpolitik. Dabei müssten wirtschaftlich gesunde Länder mit Leistungsbilanzüberschüssen ihre fiskalpolitischen Freiräume nutzen und
ihre Binnenkräfte stärken. Der hohe Leistungsbilanzüberschuss der Eurozone zeigt, dass in Europa zu viel
gespart und zu wenig konsumiert bzw. investiert wird
(Grafik ). Das wirkt nicht nur in Europa, sondern
auch in der übrigen Welt deflationär. Die Europäische
Zentralbank – so lautet unsere Annahme – wird notfalls zusätzliche Massnahmen zur Verhinderung einer
Deflation ergreifen. Die Geldpolitik ist alleine jedoch
nicht in der Lage, die Wachstumsschwäche zu überwinden. Entscheidend wird sein, ob die Regierungen
der Mitgliedstaaten eine koordinierte wirtschaftspolitische Strategie entwickeln können.
Schwaches Europa
Allerdings bereitet uns die Eurozone Sorgen. Die
jüngsten Konjunkturdaten signalisieren eine noch
langsamere Erholung als noch vor Kurzem angenommen. So sind die meisten Stimmungsindikatoren in
den letzten Monaten deutlich zurückgekommen und
weisen auf ein sehr anämisches Wachstum hin. Die
europäischen Entscheidungsträger sind weiterhin
nicht in der Lage, sich bezüglich der Ausgestaltung
USA sind gut unterwegs
Ausserhalb Europas scheinen die Konjunkturkräfte intakt zu sein. Zwar wachsen die Volkswirtschaften der
Schwellenländer, darunter diejenige der Volksrepublik
China, bei Weitem nicht mehr so stark wie noch vor
ein paar Jahren; von einer deutlichen konjunkturellen
Abkühlung sind sie aber weit entfernt (Grafik ). In
den USA befinden sich sogar die meisten vorlaufenden Indikatoren auf recht hohem Niveau. Im Vergleich
zum Potenzialwachstum (derzeit etwa 1.6%) hohe
Wachstumsraten von über 3% in den nächsten Quartalen sollten keine Überraschung darstellen. Als Folge
geht die Arbeitslosenrate kontinuierlich zurück, was
Grafik 1: Aktienmarktentwicklung
Grafik 2: Leistungsbilanz der Eurozone
170
3.5
160
3
150
2.5
2
140
1.5
130
1
120
0.5
110
0
100
90
2012
-0.5
-1
2013
S&P 500
2014
DAX
SPI
Quellen: Zürcher Kantonalbank, Thomson Datastream
88 Anlagebarometer
Anlagebarometer11/2014
11/2014 | | Zürcher
ZürcherKantonalbank
Kantonalbank
2000 2002 2004 2006 2008 2010 2012 2014
Leistungsbilanzsaldo in % des BIP
Quellen: Zürcher Kantonalbank, Thomson Datastream
wiederum dem Konsum zugutekommt (Grafik 4). Es
steht ausser Frage: Die USA haben die Folgen der Finanzmarktkrise deutlich besser gemeistert als Europa.
Wahlen und Strukturreformen
Die Tatsache, dass die allermeisten Schwellenländer
(und übrigens auch Industrieländer) vor grossen strukturellen Herausforderungen stehen, haben wir an
dieser Stelle schon verschiedentlich erwähnt. Im laufenden Jahr fanden in einigen wichtigen Schwellenländern Wahlen statt. Damit sind oft Hoffnungen verbunden, dass eine neue Regierung die vielerorts
vernachlässigten, aber dringend notwendigen Strukturreformen beherzter angehen wird. Ein positives
Beispiel hierfür ist Mexiko. Seit der Wahl der neuen
Regierung unter Präsident Enrique Peña Nieto Ende
2012 wurde bereits eine ganze Reihe wichtiger Reformen aufgegleist, die sich nun allmählich wachstumsfördernd auswirken. Haben die diversen Wahlen
2014 solche Hoffnungen ebenfalls erfüllt?
Reformfreudigere Regierung in Indien
Zuversichtlich darf man diesbezüglich für Indien sein.
Die neue Regierung unter Narendra Modi verspricht
eine Belebung der Strukturreformen und den Ausbau
der Infrastrukturinvestitionen, auch wenn die bisherigen Schritte den teilweise (zu) hohen Erwartungen
noch nicht gerecht werden. Der neue Präsident Joko
Widodo in Indonesien steht auch für eine reformfreudigere Politik. Allerdings wird sich weisen müssen, wie
erfolgreich er angesichts des fehlenden Rückhalts im
Parlament seine Reformvorhaben durchbringen kann.
In Brasilien ist am 26. Oktober im zweiten Wahlgang
Präsidentin Dilma Rousseff wiedergewählt worden.
Trotz gewisser Reformankündigungen gehen wir nicht
von einer signifikanten Beschleunigung der Strukturreformen aus.
Nur leichte Verbesserung nach den Wahlen 2014
In Südafrika hat erwartungsgemäss der ANC erneut
die Mehrheit gewonnen, sodass sich bezüglich Wirtschaftspolitik und Reformeifer nicht viel ändern wird.
In der Türkei wird es mit der Wahl von Recep Tayyip
Erdogan zum Staatspräsidenten zumindest bis zu den
Parlamentswahlen im Juni 2015 ebenfalls keine Reformbelebung geben. Vielmehr will Erdogan das Präsidentenamt mit deutlich mehr Macht ausstatten.
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die
Wahlen zumindest in Indien und Indonesien eine reformfreudigere Regierung an die Macht brachten. In
Indonesien bleibt aber abzuwarten, in welchem Ausmass sich das Parlament als Hemmschuh erweisen
wird. Zusammen mit den laufenden Reformen in
China und Mexiko ist die Anzahl der reformwilligen
Volkswirtschaften somit leicht angestiegen – in den
anderen Ländern hat sich die Lage nach den Wahlen
diesbezüglich leider kaum verbessert.
Grafik 3: Wachstum in den Schwellenländern
Grafik 4: Arbeitslosenquote in den USA
9
11
8
10
7
9
6
8
5
7
4
6
3
5
2
4
1
3
0
2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014
BIP-Wachstum Schwellenländer (in % vs. Vj.)
Quellen: Zürcher Kantonalbank, Thomson Datastream
2
2004
2006
2008
2010
2012
Arbeitslosenquote (in %)
Quellen: Zürcher Kantonalbank, Thomson Datastream
Anlagebarometer
Anlagebarometer 11/2014
11/2014 || Zürcher
Zürcher Kantonalbank
Kantonalbank
99
Finanzmärkte
Finanzmärkteim
imÜberblick
Überblick
Anlagepolitik
Anlagepolitik
Aktienquote wird auf «Neutral» reduziert
Nach der Kurserholung Ende Oktober, die die vorherigen Verluste nahezu neutralisiert hat, nehmen wir die
übergewichtete Aktienquote auf «Neutral» zurück
und erhöhen umgekehrt je hälftig die Obligationengewichtung und die Liquidität. Hintergrund bildet die
steigende Volatilität an den Märkten bei vorderhand
begrenzten Performancemöglichkeiten. Auslöser war
der sich unerwartet deutlich verschlechternde Datenkranz der Eurozone allgemein und speziell Deutschlands.
Aufbau der USD- und EUR-Obligationen
Während wir die EUR- und USD-Obligationen weiter
aufstocken, werden Schwellenländeranleihen nun untergewichtet und das stark übergewichtete GBPSegment leicht zurückgenommen. Hintergrund bildet
das schwächere Kontinentaleuropa, das auch die Konjunkturerholung auf der Insel beeinträchtigen wird
und den im 1. Quartal 2015 erwarteten Zinsschritt der
Bank of England nach hinten verschiebt. Weit geringer ist demgegenüber die Ansteckungsgefahr für die
binnenorientierte US-Volkswirtschaft. Anders als bei
den US-Anleihen erwarten wir bei den EUR-Obligationen nicht währungs-, sondern zinsbedingte Kursgewinne infolge der erwarteten Massnahmen der EZB.
Strategieüberblick (Portfolio Ausgewogen)
Liquidität
Obligationen
Aktien
Alter. Anlagen
0%
20%
40%
Takt. Asset-Allokation
60%
Benchmark
Quelle: Zürcher Kantonalbank
Anlagepolitik Obligationen (Portfolio Zinsertrag)
CHF
EUR
USD
JPY
Übrige
Staatsanleihen
Untern.-Anl.
0%
20%
40%
Takt. Asset-Allokation
60%
80%
Benchmark
Quelle: Zürcher Kantonalbank
Anlagepolitik Aktien (Portfolio Kapitalgewinn)
Emerging Mar.
Asien/Pazifik
Nordamerika
Aktien: Abbau in Emerging Markets und Europa
Angesichts der zurückgenommenen Konjunkturaussichten in Europa reduzieren wir die bisher übergewichteten europäischen Aktien auf eine Untergewichtung. Die erwartete USD-Stärke, aber auch die
zunehmenden Volatilitäten an den Märkten veranlassen uns, das Emerging-Markets-Segment auf eine Untergewichtung zu reduzieren. Umgekehrt erhöhen wir
die Schweizer Dividendentitel auf eine Übergewichtung und stocken die bereits übergewichtete USAktienquote weiter auf.
Europa
Schweiz
Rohstoffe
0%
10%
20%
Takt. Asset-Allokation
30%
40%
Benchmark
Quelle: Zürcher Kantonalbank
Währungspolitik (Portfolio Ausgewogen)
Schw. Franken
Euro
US-Dollar
USD-Stärke wird ausgebaut
Selbst wenn das Fed aufgrund der schleppenden globalen Konjunkturerholung später an der Zinsschraube
drehen wird als bisher gedacht, wird es im Vergleich
zu Kontinentaleuropa geldpolitischer Vorreiter bleiben, sodass die US-Devise weiterhin stimuliert wird.
10 Anlagebarometer
10
Anlagebarometer11/2014
11/2014 | | Zürcher
ZürcherKantonalbank
Kantonalbank
Britisches Pfund
Übrige
0%
20%
Takt. Asset-Allokation
40%
60%
Benchmark
Quelle: Zürcher Kantonalbank
Anlageideen
Übersicht
Übersicht
Name
Währung
237 924
ZKB Fonds Zinsertrag
CHF
Schwerpunkt CHF-Obligationen (>70%)
und Investment-Grade-Segment
0.9
3.2
2.3
6.1
3 929 945
ZKB Fonds Zinsertrag
Nachhaltigkeit
CHF
Nachhaltige Schuldner, Schwerpunkt CHFObligationen (>70%) und InvestmentGrade
0.9
4.6
3.8
7.5
Region
Valor
Beschreibung
TER* Performance in CHF (%)
(%) YTD** 1 Jahr 3 Jahre
Anlagezielfonds
Global
Global nachhaltig
Global
583 328
ZKB Fonds Frankenertrag
CHF
Obligationen und Geldmarkt (90%), Aktien
(max. 10%), CHF (>85%)
0.8
2.6
2.3
6.5
Global
237 926
ZKB Fonds Einkommen
CHF
Obligationen (65%), Aktien (21%), alternative Anlagen (9%)
1.3
3.3
3.2
9.5
10 747 825
ZKB Fonds Einkommen
Nachhaltigkeit
CHF
Nachhaltige Obligationen und Geldmarkt
(74%), Aktien (24%)
1.3
3.3
3.0
12.8
237 927
ZKB Fonds Ausgewogen
CHF
Obligationen und Geldmarkt (45%), Aktien
(42%), alternative Anlagen (8%)
1.5
4.5
4.5
15.8
10 747 827
ZKB Fonds Ausgewogen
Nachhaltigkeit
CHF
Nachhaltige Obligationen und Geldmarkt
(50%), Aktien (47%)
1.5
3.8
4.0
23.0
Global nachhaltig
Global
Global nachhaltig
Global
504 078
ZKB Fonds Wachstum
CHF
Obligationen und Geldmarkt (25%), Aktien
(63%), alternative Anlagen (7%)
1.5
5.0
5.0
22.1
Global
277 951
ZKB Fonds Kapitalgewinn
CHF
Globale Aktien mit hohem Anteil der
Schweiz (30%); Europa 26%, USA 19%
1.7
5.9
6.8
37.7
10 747 834
ZKB Fonds Kapitalgewinn
Nachhaltigkeit
CHF
Nachhaltige globale Aktien mit hohem Anteil der Schweiz (30%); Europa 26%, USA
19%
1.8
5.4
6.6
46.4
Global nachhaltig
Daten per 29.10.2014 in CHF
Quellen: Zürcher Kantonalbank, Lipper
* TER: Total Expense Ratio (Gesamtkostenquote)
** YTD: Year to Date (Zeitraum vom Jahresanfang bis heute)
Das vorliegende Dokument dient ausschliesslich Informationszwecken und richtet sich ausdrücklich nicht an Personen, deren Nationalität oder Wohnsitz den Zugang zu solchen
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dieser Informationen ergeben. Das Dokument stellt weder ein Angebot noch eine Empfehlung zum Erwerb oder Verkauf von Finanzinstrumenten oder Bankdienstleistungen dar
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