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Medizinischer Workshop in Israel

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Info
Medizinischer Workshop in Israel –
Ein Reisebericht
Siegfried Hummel
34
Vom 20. Oktober bis zum 27. Oktober
dieses Jahres hat sich ein 25köpfiges
Kollegium aus Ärzten und medizinischem Fachpersonal aus dem gesamten
Bundesgebiet zu einem medizinischen
Workshop in Israel zusammengefunden. Das Ziel der einwöchigen medizinischen Rundreise waren der Austausch über moderne Behandlungsund Therapieformen sowie ein lebendiger Austausch zwischen Kollegen auf
verschiedenen medizinischen Gebieten.
ten und oftmals traumatisierten Kindern die Angst vor schwierigen Eingriffen zu nehmen. So durften wir während unseres Besuchs auf dieser Abteilung und den anderen, die wir besucht
haben, erfahren, daß Hadassah Initiative und Innovation, Bildung und Fähigkeit, Fürsorge und Einsatz symbolisiert.
Hadassah ist ein lebendiges Beispiel,
um – über geographische und weltanschauliche Grenzen hinweg – zu helfen
und zu heilen, um das Leben und Denken anderer zu verändern.
Zu Beginn des Workshops wurde von
uns das Hadassah-Krankenhaus in Ein
Kerem besucht. Wir erfuhren dort, daß
das Hadassah Medical Center heute als
eines der führenden medizinischen
Versorgungszentren auf der Welt gilt,
sowohl in der Behandlung als auch in
der medizinischen Forschung und Lehre. Der derzeitige amtierende Generaldirektor, Professor Shlomo Mor-Yosef
sagt über Hadassah, „es stellte eine
Oase des Friedens für alle Menschen in
einem Umfeld des Krieges und des Terrors dar“. Hadassah hatte sich von Anfang an insbesondere auch zum Ziel
gesetzt, einen wesentlichen Beitrag
zum Frieden zwischen Palästinensern
und Israelis zu leisten. So arbeiten jüdische und palästinensische Mitarbeiter
Hand in Hand, um Patienten aus allen
Bevölkerungsteilen auf höchstem Niveau zu versorgen. Das durften wir live
sehen und erleben. Ein besonderer Eindruck war hierbei die Kinderabteilung
– die größte Allgemeine Pädiatrie in Israel. Auf der pädiatrischen Onkologiestation sahen wir, wie die kleinen Patienten in einer farbenfrohen kindgerechten Umgebung betreut und umsorgt werden. Dabei spielen die „Hospital Clowns“ eine wichtige Rolle. Diese
im Krankenhaus medizinisch geschulten Clowns treten mit den Ärzten gemeinsam auf, um vor allem verängstig-
Ein weiterer Schwerpunkt unseres
Workshops war die Hospitation im
Deutschen Medizinischen Zentrum,
einer Rehabilitationsklinik, in Ein Bokek am Toten Meer. Dr. Marco Harari
erläuterte, wie sich die natürlichen
Heilfaktoren des Toten Meeres auf
Hauterkrankungen, rheumatische Erkrankungen, Asthma und Uveitis positiv auswirken. Da sich das Tote Meer
ca. 420 m unter dem Meeresspiegel am
tiefsten Punkt der Erde befindet,
herrscht dort die weltweit trockenste
und sauerstoffreichste Luft. Während
des Jahres gibt es ca. 330 Sonnentage.
Dadurch werden die hautschädigenden
UVB-Strahlen größtenteils abgefangen,
so daß Langzeitschädigungen der Haut
stark vermindert sind. Der hohe Bromanteil der Luft wirkt sich entsprechend
auf das Nervensystem aus. Das ToteMeer-Wasser hat einen ungewöhnlich
hohen Anteil an Salzen und Mineralstoffen (Magnesium-, Kalzium-, Natrium-, Kaliumchloriden und Bromiden),
zehnmal höher als beispielsweise das
Mittelmeer. Das Magnesium hat eine
antibakterielle Wirkung auf Haut und
Bronchien und beruhigt gleichzeitig
das Nervensystem. Die hohe Salzkonzentration erleichtert physiotherapeutische Übungen im Wasser, so daß Muskel- und Gelenkbeschwerden gelindert
werden. Heiße Schwefelquellen und
Schlammpackungen werden ebenso zu
therapeutischen Zwecken genutzt. Wir
probierten die Balneotherapie in der
SPA-Abteilung des Kibbutz Ein-Gedi an
uns selbst aus.
Als David Ben-Gurion davon träumte,
„die Negevwüste zum Blühen“ zu bringen, so dachte er wohl an Bildungs- und
Forschungseinrichtungen. Heute ist
dieser Traum Realität geworden, nämlich durch das Soroka Medical Center in
Be´er Sheva, der schnellstwachsenden
Region Israels. Wir erfuhren, daß jährlich über 13.000 Entbindungen (ca. 40
Entbindungen pro Tag), über 510 000
Notfallpatienten und über 33.000 Operationen durchgeführt werden. Eine beeindruckende Leistung, die von über
700 Ärzten und 1500 Mitgliedern des
medizinischen Fachpersonals geleistet
werden. Damit ist das Krankenhaus das
zweitgrößte des Landes und hat für über
60 Prozent des Landes einen medizinischen Versorgungsauftrag.
Im Assaf Harofeh Medical Center (Tel
Aviv) durften wir sehen, wie durch den
Spendeneinsatz von Beth-Shalom und
dessen Begründer Wim Malgo Medizin
auf höchstem Niveau bereitgestellt
wird. Die hyperbare Sauerstofftherapie
in einer meterlangen Druckkammer
wurde uns gezeigt. Diese Therapie (ursprünglich zur Behandlung verunfallter Taucher entwickelt) wird in diesem
Institut wissenschaftlich untersucht
und weiterentwickelt. Viele Patienten
kommen aus ganz Israel, um diese
Therapie zu erhalten. Während der Behandlung wird der Umgebungsdruck
in der Behandlungskammer durch die
Zufuhr von Druckluft erhöht. In dieser
Überdruckatmosphäre atmen die Patienten über eine Maske medizinisch reinen Sauerstoff ein. Hierdurch wird eine
extrem hohe Sauerstoff konzentration
im Blut erreicht. Auf diese Weise gelangt auch in schlecht durchblutete Organe und Gewebeteile eine besonders
hohe Sauerstoffmenge. Die Sauerstoffüberdrucktherapie kann überall dort
eingesetzt werden, wo Sauerstoffmangelzustände zu akuten oder chronischen Erkrankungen geführt haben. So
wird diese Therapie zum Beispiel bei
Ärzteblatt Thüringen
Info
Problemwunden, besonders als Folge
von Durchblutungsstörungen und Diabetes mellitus eingesetzt. Uns fiel auf,
daß alle Kranken behandelt werden,
auch wenn sie ohne Versicherungsschutz zahlungsunfähig sind. Es gibt
sogar Kranke, die aus den Nachbarländern einreisen, um sich extra der hervorragenden Behandlung zu unterziehen.
Im Kibbutz Netzer-Sereni (Tel Aviv)
wurde uns durch den Kibbutzmanager
das im Kibbutz entwickelte „Rhinotherm Ultra 3“, eine israelische Weltneuheit, vorgestellt. Das spezielle Heißluftgerät basiert auf der Arbeit zweier
internationaler Wissenschaftler. Professor Andre Lwoff vom Pasteur Institut
Paris studierte die Auswirkung von
Wärme auf die Virusentwicklung und
Virusvermehrung. So erhielt Professor
Lwoff zusammen mit Professor François Jacob 1965 den Nobelpreis für Medizin für die Erforschung der Bakterienwachstumsfaktoren und des Poliomyelitisvirus. Darauf hin entwickelte
ein israelisches Forschungsteam das
Rhinotherm-Gerät, welches durch Hyperthermie eine nasale Verstopfung bei
Heuschnupfen, allergischer Rhinitis
und viralem Schnupfen lindert. Die Erfolge sind nicht von der Hand zu weisen: Es gibt praktisch keine Nebenwirkungen, da es auf der Basis von auf
43°C erwärmtem, speziell angereichertem Wasser arbeitet und ohne Medikamente auskommt. Dabei wird die Mucosa nicht geschädigt. Die Wirkungsweise ist nicht inhalativ, sondern arbeitet mit Luftströmungen. Es wird praktisch jeder Körperkontakt vermieden.
Die Anwendungsdauer beträgt nur 15
bis 30 Minuten. Das Gerät ist sowohl
für Kliniken als auch für den häuslichen Bedarf geeignet. Die deutsche
Vertriebsfirma Corapart GmbH wird
die Markteinführung in Deutschland
leiten, so daß „Rhinotherm Ultra 3“
demnächst erhältlich sein wird.
Selbstverständlich besuchten wir Yad
Vashem, das „Museum zur Geschichte
des Holocaust“. In unterirdisch angelegten Galerien wurde uns die Geschichte der Judenverfolgung und der
Shoa vor Augen geführt. Anhand von
bewegenden Videoinstallationen, Fotografien, Dokumenten und Kunstwerken wird ein persönlicher Eindruck der
Schrecken des Holocaust vermittelt.
Der Besuch gibt ebenfalls Einblicke in
den Organisationsablauf und die Bürokratie einer Medizin, die sich in ihrer
vermeintlichen Wissenschaftlichkeit zu
perfidem Mord befugt glaubte. Oft waren es NS-Ärzte, die, an ihrem Tun
nicht zweifelnd, den Vernichtungsprozeß erst ermöglichten. Sehr bewegte
uns an diesem Abend der Lebensbericht der Shoa-Überlebenden und
Künstlerin Sara Atzmon, die uns daran
erinnerte, daß auch wir nun „Zeugen
sind, da wir einen Zeugen gehört haben“ (Elie Wiesel).
Überall, wo wir hospitieren durften,
wurden wir mit offenen Armen empfangen. Die herzliche Atmosphäre, mit
der uns die israelischen Kollegen entgegengekommen sind, war stets überwältigend. So wollen wir dies weitergeben
und für die Zukunft hoffen, daß diese
Beziehungen weiterhin gute Früchte
tragen.
Dr. med. Siegfried Hummel
Kreiskrankenhaus Schleiz gGmbH
Frauenheilkunde und Geburtshilfe
Berthold-Schmidt-Straße 7-9
07907 Schleiz
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Ausgabe 1 / 2011 22. Jahrgang
35
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