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Aktuelle Leseprobe KA 1/2015 - DWA

Einbetten
62. Jahrgang · Nr. 1 · Januar 2015 · 10889
Korrespondenz
Abwasser · Abfall
1/15
www.dwa.de/KA
„Thementisch“
Mikroplastik und
Kläranlagen
Bivalente Pumpentechnologie
Abwasserexfiltration aus undichten
Kanalnetzen
Kunststoffe in der
Umwelt
Arzneimittelrückstände im Wasserkreislauf
Statistik: Klärschlamm, Klärgas,
Rechen- und Sandfanggut
Kennzahlen zur
Unternehmenssteuerung
Transportieren
Reinigen
Speichern
Ableiten
4 AUFGABEN – 1 LÖSUNG
REGENWASSER IST UNSERE KOMPETENZ
www.fraenkische.com
KA
15-01- 038
1
Kunde: DWA, Gewässerschutzbeauftragter
3c
c
m
Korrespondenz
Abwasser,
Abfall
Sonderfarbe
y
k
Organ der DWA und des Güteschutz Kanalbau
Herausgeber und Verlag:
GFA
gelieferte
PDF, HKS17,39
–> Hennef
4c
Theodor-Heuss-Allee
D-53773
Postfach 11 65, D-53758 Hennef
Telefon +49 2242 872-333, Telefax +49 2242 872-1 51
86 x 256
mmwww.gfa-ka.de
Internet:
Redaktionsbeirat:
1. Bauass. Dipl.-Ing. Otto Schaaf, DWA-Präsident
2. Ltd. BD Dipl.-Ing. Arndt Bock, DWA-HA
„Gewässer und Boden“
3. Prof. Dr.-Ing. Harro Bode, DWA-Vorstand
4. Prof. Dr.-Ing. Norbert Dichtl, DWA-HA
„Kreislaufwirtschaft, Energie und Klärschlamm“
5. Prof. Dr.-Ing. habil. Andreas Dittrich, DWA-HA
„Wasserbau und Wasserkraft“
6. Ltd. BD Dipl.-Ing. Werner Kristeller, DWA-HA
„Kommunale Abwasserbehandlung“
7. Bauass. Dipl.-Ing. Johannes Loha us,
DWA-Bundesgeschäftsführer
8. Prof. Dr.-Ing. Hubertus Milke, DWA-Vorstand
9. Dr.-Ing. Uwe M ü ller, DWA-HA
„Hydrologie und Wasserbewirtschaftung“
10. Prof. Dr.-Ing. Heribert Nacken, Fachgemeinschaft
Hydrologische Wissenschaften in der DWA
11. Prof. Dr.-Ing. Johannes Pinnekamp, DWA-HA
„Entwässerungssysteme“
12. Prof. Dr.-Ing. Karl-Heinz Rosenwinkel, DWA-HA
„Industrieabwässer und anlagenbezogener Gewässerschutz“
13. Dr. Frank Andreas Schendel, DWA-HA „Recht“
14. StadtDir Dipl.-Ing. Robert Schmidt, DWA-HA
„Bildung und Internationale Zusammenarbeit“
15. Dr. Jochen Ste m plewski, DWA-HA „Wirtschaft“
16. Rolf Usade l , GFA-Geschäftsführer
Redaktion:
Dr. Frank Bringewski (ChR, v. i. S. d. P.), Tel. +49 2242 872-1 90,
E-Mail: bringewski@dwa.de
Dipl.-Volksw. Stefan Bröker, Tel. +49 2242 872-1 05,
E-Mail: broeker@dwa.de
Anzeigen:
Christian Lange, Tel. +49 2242 872-129, E-Mail: anzeigen@dwa.de
Monika Kramer, Tel. +49 2242 872-130
Sekretariat:
Annette Wollny
Tel. +49 2242 872-1 38
E-Mail: wollny@dwa.de
Erscheinungsweise: monatlich
vierteljährliche Beilage KA-Betriebs-Info
Anzeigenpreise: Zurzeit gilt Anzeigenpreisliste Nr. 44
vom 1. Oktober 2014.
Satz, Druck, Bindung: Bonner Universitäts-Buchdruckerei,
Justus-von-Liebig-Straße 6, D-53121 Bonn
Bezugspreis: Der Verkaufspreis ist durch den DWA-Mitglieds­­bei­
trag abgegolten. DWA-Mitglieder, die Mehrexemplare der KA erwerben möchten oder die sich für die Zeitschrift KW – Korrespondenz
Wasserwirtschaft als kostenlose Mitgliederzeitschrift entschieden
haben, können die KA zusätzlich für 109,50 Euro zzgl. Versandkosten bestellen.
Alle Rechte, insbesondere die der Übersetzung in fremde Sprachen, vorbehalten. Kein Teil dieser Zeitschrift darf ohne schriftliche Genehmigung des Verlages
in ­irgendeiner Form – durch Photokopie, Mikrofilm oder irgendein anderes Verfah­ren – reproduziert oder in eine von Maschinen, insbesondere von Datenverarbeitungsmaschinen verwendbare Sprache übertragen oder übersetzt werden. Von
einzelnen Beiträgen oder Teilen von ihnen dürfen nur einzelne Vervielfältigungsstücke für den persönlichen und sonstigen eigenen Gebrauch hergestellt werden. Die Weitergabe von Vervielfältigungen, gleichgültig zu welchem Zweck sie hergestellt werden, ist eine Urheberrechtsverletzung. – Der Inhalt dieses Heftes wurde sorgfältig erarbeitet. Dennoch übernehmen Autoren, Herausgeber und ­Verlag
für die Richtigkeit von Angaben, Hinweisen und Ratschlägen sowie für ­eventuelle
Druckfehler keine Haftung. Insbesondere unterliegen die Angaben in Industrieund Produktberichten nicht der Verantwortung der Redaktion.
Richtlinien zur Abfassung von Manuskripten können beim Redaktionssekretariat angefordert werden.
Gedruckt auf chlorfrei gebleichtem Papier mit 100% Recyclingfasern.
© GFA
D-53773 Hennef ISSN 1866-0029
AUFBAUKURS 26.-27.11.2015, Dresden
DER GEWÄSSERSCHUTZBEAUFTRAGTE
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und Ak de im Sinne
hkun
der Fac § 66 WHG
des
Nach den Bestimmungen des Wasserhaus halts gesetzes (WHG § 64 ff)
sind Benutzer von Gewässern, die täglich mehr
als 750 m3 Abwasser einleiten
oder mit Wasser gefährdenden Stoffen umgehen,
verpflichtet, einen oder mehrere Betriebsbeauftragte
für den Gewässerschutz (GSB) zu bestellen.
Der Kurs dient der gesetzlich geforderten Vertiefung
und Aktualisierung der Fachkunde und ist eine
wichtige Voraussetzung für die Tätigkeit des
Gewässerschutzbeauftragten.
Zielgruppe
Fachkräfte aus Industrie und Kommunen sowie
Ingenieurbüros, die mit Fragen des Wasserrechts und
Aufgaben des Gewässerschutzes befasst und schon
als Gewässerschutzbeauftragte tätig sind.
Voraussetzungen
Eine qualifizierte Ausbildung im Umweltschutzbereich
und eine mindestens einjährige Berufserfahrung
sowie der Besuch eines Grundkurses zum Erwerb
der Fachkunde.
Leitung
Dipl.-Ing. Hans Helmut Moll, Köln
Rahmenprogramm
Es besteht die Möglichkeit, das Stadtmuseum mit
einer Führung durch die Dresdner Stadtgeschichte
zu besuchen. Ein Bummel über den Dresdner
Striezelmarkt schließt sich an.
Teilnahmegebühr
DWA-Mitglieder: 446 €; Nichtmitglieder: 521 €
zuzüglich Verpflegungs- und Übernachtungskosten
Information und Anmeldung
DWA-Landesverband Sachsen/Thüringen
Niedersedlitzer Platz 13 . 01259 Dresden
Tel.: 0351 209 80 386 . Fax: 0351 203 20 26
E-Mail: wohs@dwa-st.de
Internet: www.dwa-st.de
2
Inhalt
1/2015
Seite 20
Die Gemeinde
Gerstetten
betreibt eine
bislang einzig­
artige bivalent
arbeitende
Abwasserförder­
anlage. Dabei
werden die
positiven Eigenschaften der pneumatischen Förderung bei
geringem Abwasseranfall durch den höchst energieeffizien­
ten Einsatz von Exzenterschneckenpumpen bei erhöhtem
Abwasseranfall ergänzt. Die Anlage arbeitet seit der
Inbetriebnahme 2012 zuverlässig.
Seite 28
Die Abwasser­
exfiltration aus
undichten Ka­
nalnetzen stellt
ein Gefährdungs­
potenzial für
Grundwasser und
Boden dar. In ei­
Foto: Rainer Sturm / pixelio.de
nem Forschungs­
projekt wurde der Frage nachgegangen, wie der Prozess
der Exfiltration durch ein Modell beschrieben werden kann.
Durch die Modellierung kann eine Priorisierung von exfiltra­
tionsrelevanten Kanalabschnitten vorgenommen werden.
Editorial
2015 – Start im Zeichen der Weiterentwicklung . . . . . . . . . 5
Otto Schaaf (Köln)
Berichte
Kläranlagen und Mikroplastik
„Thementisch“ beim Fraunhofer UMSICHT . . . . . . . . . . . . 12
Reise in die Unterwelt
Die Kindertagesstätte Niefeldstraße erkundet
eine Kanalbaustelle . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13
Holger Hoppe (Erkrath)
Die DWA auf der Wasser Berlin International
Ressourcenmanagement, Projektplanung,
Cybersicherheit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15
Alexandra Bartschat (Hennef)
IFAT India erfolgreich abgeschlossen
„Indiens Umwelttechnologiebranche
ist zuversichtlich“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16
Entwässerungssysteme
Bivalente Pumpentechnologie
in der kommunalen Abwasserförderung
Einzigartige Abwasserförderanlage
arbeitet zuverlässig seit Inbetriebnahme . . . . . . . . . . . . . . 20
Daniela Mechler (Adelsheim)
Modellierung der Abwasserexfiltration aus
undichten Kanalnetzen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 28
Christian Karpf (Dresden)
Beiträge in
KW – Korrespondenz Wasserwirtschaft 1/2015
M. Pöss, H. Albrecht und I. Schindler: Sauerstoffanreiche­
rung von Sümpfungswässern mittels RingkolbenventilTauchkanalbelüftung
H. Hufgard, B. Adam und U. Schwevers: Ergebnisse des
Aufstiegsmonitorings an Europas größter Fischaufstiegs­
anlage an der Elbe in Geesthacht
I. Keller und R. Schwartz: Das Projekt „ELSA“ – Ein Instru­
ment des integrierten Schadstoff-/Sedimentmanagements
im Elbeeinzugsgebiet
A. Rimböck: Bayerisches Hochwasserschutz-Aktionspro­
gramm 2020plus (AP 2020plus) – Ein „Plus“ auf der Basis
von 14 Jahren Forschung und Erfahrung
C. G. Bannick, K. Brand, M. Jekel, F. König, D. Miklos und
B. Rechenberg: Kunststoffe in der Umwelt – Ein Beitrag
zur aktuellen Mikroplastikdiskussion
KA Korrespondenz Abwasser, Abfall · 2015 (62) · Nr. 1
Wasserwirtschaft
Kunststoffe in der Umwelt
Ein Beitrag zur aktuellen Mikroplastikdiskussion . . . . . . . . 34
Claus Gerhard Bannick, Kathrin Brand, Martin Jekel,
Fabian König, David Miklos (Berlin) und
Bettina Rechenberg (Dessau-Roßlau)
Rubriken
Spektrum . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6
Güteschutz Kanalbau . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18
Güteschutz Kanalbau – Gütezeicheninhaber . . . . U3
Veranstaltungskalender . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 58
Personalien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 65
Bücher . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 68
Veranstaltungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 69
www.dwa.de/KA
ge
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M A-B
K
Korrespondenz
Abwasser, Abfall
Seite 40
Kommunale Abwasserbehandlung
Was Ärzte und Pflegedienstmitarbeiter über
Arzneimittelrückstände im Wasserkreislauf wissen
und wie sie damit umgehen
Ergebnisse einer Befragung von Beschäftigten
aus Einrichtungen des Gesundheitswesens . . . . . . . . . . . . 40
Maik Adomßent, Horst Rode, Heiko Grunenberg
und Simon Burandt (Lüneburg)
Kreislaufwirtschaft / Energie / Klärschlamm
Abwasser und Klärschlamm in Deutschland –
statistische Betrachtungen
Teil 2: Klärschlamm, Klärgas,
Rechen- und Sandfanggut . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 46
Statistisches Bundesamt und
DWA-Arbeitsgruppe KEK-1.2 „Statistik“
Korrektur in KA 12/2014���������������������������������������������������51
Wirtschaft
Wie können Kennzahlen bei der Unternehmenssteuerung helfen? – Ein Praxisbericht aus der
Wasserwirtschaft – Teil 1: Grundlagen
Arbeitsbericht der DWA-Arbeitsgruppe
WI-1.2 „Benchmarking, Balanced Scorecard/
Neue Steuerungsinstrumente“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 54
DWA
Foto: Daniel Venghaus, Berlin
Arbeitsbericht der DWA-Arbeitsgruppe WI-1.2 . . . . . . . . . . 54
Fachgremien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 62
Landesverbände . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 63
Um den Anfall
schadstoffbelaste­
ter Abwässer aus
Einrichtungen des
Gesundheitswe­
sens zu reduzie­
ren, wird es nicht
reichen, Wege zur
Foto: Techniker Krankenkasse
technischen
Behandlung von
Abwasserströmen zu entwickeln. Vielmehr wird der Erfolg
wesentlich davon abhängen, inwieweit es gelingt, Ärzte,
Apotheker und Pflegedienstmitarbeiter für die Problematik
zu sensibilisieren.
Seite 46
Die Betreiber von
Abwasserbehandlungs­
anlagen in Deutschland
stellen jährlich viele
Daten für statistische
Erhebungen zur
Verfügung. Auf Basis der
amtlichen Statistik
werden jetzt Betrachtun­
gen zu Abwasser und
Klärschlamm in
Deutschland angestellt.
Im zweiten von zwei
Beiträgen geht es um
Foto: Michael Meding / Wikipedia
Klärschlamm, Klärgas,
Rechen- und Sandfanggut. Aufgeführt werden jeweils die
aktuellen Daten und die zeitliche Entwicklung.
Seite 34
Kunststoffe sind wichtige Werkstoffe und heutzutage aus Haushalt und
Wirtschaft – auch im Bereich Abwassertechnik – nicht mehr wegzudenken.
Inzwischen sind kleine Kunststoffpartikel (Mikroplastik) an vielen Stellen in der
Umwelt nachweisbar. Ein Überblick schildert besonders das Vorkommen von
Mikroplastik sowie seine Bedeutung und die Eintragswege in die Umwelt.
Industrie und Technik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 70
Verkaufsanzeige . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 39
Weiterbildung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 72
Stellenanzeigen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 72
Adressenbörse für die Abfallwirtschaft . . . . . . . . . . 79
Beratende Ingenieure . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 79
KA 2/2015
Erscheinungstermin: 30. Januar 2015
Anzeigenschluss: 5. Januar 2015
Beilagenhinweis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 55
www.dwa.de/KA
KA Korrespondenz Abwasser, Abfall · 2015 (62) · Nr. 1
Editorial
2015 – Start im Zeichen
der Weiterentwicklung
„Gebraucht der Zeit, sie geht so schnell
von hinnen“, so lässt Goethe in Faust I
den Teufel Mephistopheles sagen. Und so
erging es auch mir und uns in der Was­
ser- und Abfallwirtschaft im Jahr 2014.
Einen Rückblick auf das Jahr 2014 hatte
an dieser Stelle im Dezember der DWABundesgeschäftsführer Johannes Lohaus
gegeben. Schauen wir nun in die Zu­
kunft, so steht das Jahr 2015 für die
DWA im Zeichen der Weiterentwicklung.
Die DWA verfolgte und verfolgt dabei
das Ziel, ein klares Profil nach draußen
zu zeigen und für alle Mitglieder attrak­
tiv zu sein, indem wir unsere Angebote
entsprechend ausrichten. Die Interessen
der Mitglieder liegen uns allen – den eh­
renamtlich wie den hauptamtlich Täti­
gen – primär am Herzen.
Zur Weiterentwicklung der DWA soll
das in Bearbeitung befindliche Leitbild
Orientierung geben. Der Entwurf des
Leitbilds wurde in der Mitgliederver­
sammlung im September 2014 in BadenBaden vorgestellt. Nach seiner Verab­
schiedung wollen wir daraus Ziele und
Maßnahmen ableiten, die unsere DWA
für die Zukunft fit macht. Die Zeitschrif­
ten der DWA werden darüber berichten.
Das Fundament unserer Facharbeit ist
das Regelwerk. Zusätzlich wollen wir
verstärkt aktuelle Fachdiskussionen auf­
greifen wie zum Beispiel die Themen Hy­
giene, Mikroplastik, Nanomaterialien,
Nitrateinträge in die Umwelt, Neobiota
(das Einwandern standortfremder Arten,
was durch den Klimawandel begünstigt
wird). In unseren Zeitschriften KA und
KW befassen wir uns aktuell mit dem
Thema Mikroplastik. Im vorliegenden
Heft gibt es einen ersten einführenden
Überblick von Autoren des Umweltbun­
desamts und der TU Berlin. In den Mee­
ren ist das Vorkommen von Plastikteilen
schon länger dokumentiert. Um die Di­
mensionen zu veranschaulichen: Eine
Studie die am 10. Dezember 2014 in der
Online-Zeitschrift „PLOS ONE“ veröffent­
licht wurde, beziffert die Zahl der Plas­
tikteilchen, die auf den Weltmeeren trei­
ben, auf über fünf Billionen, die zusam­
men über 250 000 Tonnen wiegen sollen.
Spannend ist die Frage nach den Wirkun­
www.dwa.de/KA
gen und damit nach der Relevanz dieser
Entwicklung.
Eine weitere Stärke der DWA liegt in
der fachlichen Breite der Mitgliedschaft,
die sich über alle Ausbildungsebenen er­
streckt. Die DWA ist dadurch prädesti­
niert, die Rolle eines Mittlers zwischen
Forschung und Praxis auszufüllen, und
zwar in beide Richtungen – Transfer von
Forschungsergebnissen in die Praxis und
Formulierung von Wünschen aus der be­
trieblichen Praxis an die Wissenschaft.
Ein wichtiger Schritt in diesem Prozess
war die Einrichtung der Stabsstelle „For­
schung und Innovation“ und die deutli­
che Intensivierung der Zusammenarbeit
mit dem Bundesministerium für Bildung
und Forschung.
Hier wird auch gleichzeitig das Fun­
dament für einen weiteren Schritt gelegt:
Die Rückspiegelung neuer Erkenntnisse
in Bildungsveranstaltungen. Die DWA
bietet bekanntlich ein umfassendes An­
gebot an Fort-und Weiterbildungsmög­
lichkeiten: ca. 400 Veranstaltungen jähr­
lich von der Bundesgeschäftsstelle und
den sieben Landesverbänden. Diese de­
cken 225 verschiedene Themen ab.
Ganz aktuell in diesem Zusammen­
hang ist die Unterzeichnung eines Me­
morandum of Understanding zur Koope­
ration in Forschungsfragen zwischen
DVGW und DWA am 10. Dezember 2014.
Um ihre Zusammenarbeit auf dem Ge­
biet der Wasserforschung zu intensivie­
ren, werden beide Vereine den Water In­
novation Circle (WIC) einrichten. Als na­
tionale und internationale Innovationsund Austauschplattform soll dieser Ar­
beitskreis den Forschungsbedarf aus der
Praxis abbilden und den Transfer der
Forschungsergebnisse in die Praxis för­
dern. Mit dem Water Innovation Circle
wollen wir Synergiepotenziale systema­
tisch erschließen und kontinuierliche In­
novationsimpulse für die deutsche Was­
serwirtschaft sicherstellen. Der Water In­
novation Circle soll als Impulsgeber, In­
novationstreiber und Transferdrehschei­
be fungieren, um Forschung und Praxis
in der Wasserwirtschaft effektiv mitein­
ander zu verbinden. Nur so kann das ho­
he Qualitätsniveau der deutschen Was­
serwirtschaft dauerhaft sichergestellt
werden.
Was ist noch zu erwarten im Jahr
2015? Der Welt-Wassertag am 22. März
steht unter dem Motto „Wasser und nach­
haltige Entwicklung“. Alle Landesverbän­
de der DWA führen ihre Landesverbands­
tagung durch, die DWA-Bundestagung
findet am 21. und 22. September in Ber­
lin statt. Im März 2015 wird sich die
DWA an der Wasser Berlin International
beteiligen. Einen Code für kostenlose Ein­
trittskarten für DWA-Mitglieder wird der
Brief enthalten, mit dem die Beitrags­
rechnungen verschickt werden. Der deut­
sche Gesetzgeber wird sich weiter dem
Thema Klärschlamm widmen, die Dünge­
verordnung soll novelliert werden, das
Fracking wird gesetzlich geregelt, viel­
leicht wird auch endlich die Novellierung
der Verordnung über Anlagen zum Um­
gang mit wassergefährdenden Stoffen
(AwSV) abgeschlossen. Weitere Themen
sind beispielsweise die IT-Sicherheit was­
serwirtschaftlicher Anlagen, die Freihan­
delsabkommen mit den nordamerikani­
schen Staaten oder die Verlegung von Ka­
beln in Abwasserrohren.
Es bleibt also spannend. Ich werde
wie üblich möglichst viele Landesver­
bandstagungen besuchen und hoffe, vie­
le von Ihnen dort zu treffen. Allen DWAMitgliedern einen guten Start ins neue
Jahr, viel Erfolg und Zufriedenheit, be­
ruflich wie privat. Man sieht sich.
Bauass. Dipl.-Ing. Otto Schaaf
Präsident der DWA
KA Korrespondenz Abwasser, Abfall · 2015 (62) · Nr. 1
5
6
Spektrum
DVGW und DWA unterzeichnen
Forschungskooperation
quenzen für die Unternehmensleitung
von vornherein vermieden werden.
Die Präsidenten des DVGW und der
DWA, Dietmar Bückemeyer bzw. Otto
Schaaf, haben am 10. Dezember 2014 in
Köln ein Memorandum of Understanding
unterzeichnet. Ziel der Grundsatzverein­
barung, die auch der DVGW-Vorstands­
vorsitzende Prof. Dr. Gerald Linke und
DWA-Bundesgeschäftsführer Johannes
Lohaus mitunterzeichneten, ist die Inten­
sivierung der Zusammenarbeit zwischen
DVGW und DWA auf dem Gebiet der
Wasserforschung. Dazu werden beide
Vereine den Water Innovation Circle
(WIC) einrichten. Als nationale und in­
ternationale Innovations- und Aus­
tauschplattform soll dieser Arbeitskreis
den Forschungsbedarf aus der Praxis ab­
bilden und den Transfer der Forschungs­
ergebnisse in die Praxis fördern.
„Dies ist ein klares Signal von DVGW
und DWA: Mit dem Water Innovation
Circle wollen wir Synergiepotenziale sys­
tematisch erschließen und kontinuierli­
che Innovationsimpulse für die deutsche
Wasserwirtschaft sicherstellen“, erklärte
DVGW-Präsident Dietmar Bückemeyer.
Kooperationsprojekte von Forschungs­
einrichtungen mit der kommunalen
Wirtschaft und der herstellenden Indust­
rie stünden hier im Fokus. Die Nor­
mungs- und Regelwerksarbeit von DVGW
und DWA seien ideal geeignet, die For­
schungsergebnisse für die Anwender zu
bündeln und die Umsetzung sicherzu­
stellen. Zudem repräsentiere die Mitglie­
derstruktur beider Vereine die gesamte
Bandbreite der Akteure im und entlang
des Wasserkreislaufes, so Bückemeyer.
„Die heute geschlossene Kooperati­
onsvereinbarung trägt dazu bei, dass der
http://de.dwa.de/TSM.html
Vertonte Präsentation
zum TSM
Die DWA verdeutlicht den Nutzen und
Ablauf einer TSM-Prüfung jetzt auch mit
einer neu erstellten vertonten Power­
Point-Präsentation. Das Technische Si­
cherheitsmanagement (TSM) ist ein Ver­
fahren zur Selbstüberprüfung von Unter­
nehmen hinsichtlich der Qualifikation
und Organisation ihres technischen Be­
reichs. Es ist nach Sparten gegliedert und
wird von den technisch-wissenschaftli­
chen Vereinigungen getragen. Die Anfor­
derungen an das Technische Sicherheits­
DVGW-Vorstandsvorsitzender Prof. Dr. Gerald Linke, DVGW-Präsident Dietmar
Bückemeyer, DWA-Präsident Otto Schaaf,
DWA-Bundesgeschäftsführer Johannes Lohaus (v. l. n. r.) (Foto: Stadtentwässerungsbetriebe Köln)
Forschungs- und Innovationsbedarf in
der Wasserwirtschaft zukünftig noch bes­
ser identifiziert und strukturiert werden
kann. In diesem Sinne soll der Water In­
novation Circle als Impulsgeber, Innova­
tionstreiber und Transferdrehscheibe
fungieren, um Forschung und Praxis in
der Wasserwirtschaft effektiv miteinan­
der zu verbinden. Nur so kann das hohe
Qualitätsniveau der deutschen Wasser­
wirtschaft dauerhaft sichergestellt wer­
den“, betonte DWA-Präsident Otto
Schaaf. Mit dem paritätisch und reprä­
sentativ besetzten Water Innovation
­Circle werde eine Innovationsplattform
aufgebaut, mit der DVGW und DWA ge­
meinsame wasserwirtschaftliche For­
schungspotenziale in den Bereichen Was­
serversorgung, Abwasserentsorgung und
Gewässerbewirtschaftung gebündelt in
Richtung der Fördermittelgeber kommu­
nizieren. Die Institutionen und Förder­
mittelgeber würden beim Themen-Moni­
toring und Forschungstransfer partner­
schaftlich beteiligt und frühzeitig mit­
einbezogen, so Schaaf abschließend. A
management werden für die jeweilige
Sparte in verschiedenen Merkblättern
definiert. Anhand von Leitfäden wird
überprüft, ob im Unternehmen die An­
forderungen der jeweiligen Merkblätter
erfüllt sind. Der Nutzen des TSM liegt
auf der Hand: Das Bürgerliche Gesetz­
buch formuliert in § 823 weitreichende
Schadensersatzpflichten bei vorsätzli­
cher oder fahrlässiger Verletzung von Ge­
sundheit, Freiheit, Eigentum oder sonsti­
ger Rechte Dritter. TSM hilft, Organisati­
onsdefizite zu erkennen und Schwach­
stellen zu beseitigen, damit Haftungsfol­
gen für das Unternehmen abgewendet
und gegebenenfalls persönliche Konse­
KA Korrespondenz Abwasser, Abfall · 2015 (62) · Nr. 1
A
Umweltministerkonferenz für
zügigeren Ausstieg aus der
bodenbezogenen Klär­
schlammverwertung
„Die Umweltministerkonferenz ist … der
Auffassung, dass der geplante Über­
gangszeitraum, in dem die bodenbezoge­
ne Klärschlammverwertung noch zuläs­
sig sein soll, signifikant verkürzt werden
sollte, um Technologien insbesondere
zur Phosphor-Rückgewinnung sowie der
Karbonisierung zu fördern.“ Das hat die
Umweltministerkonferenz am 24. Okto­
ber 2014 beschlossen. Die Umweltminis­
terkonferenz (UMK) begrüßt noch ein­
mal ausdrücklich die Ankündigung im
Koalitionsvertrag auf Bundesebene, dass
die Klärschlammverwertung auf land­
wirtschaftlichen Flächen beendet wird.
Sie hält auch die Mitverbrennung von
Klärschlamm in Kohlekraftwerken für
ökologisch nicht sinnvoll und meint, die­
se müsse „auf Dauer beendet werden“.
Außerdem bittet die UMK den Bund, die
Klärschlammverordnung zeitnah zu no­
vellieren.
www.gfa-news.de/gfa/webcode/
20141127_002
A
Bundesweit 58 Prozent des
Klärschlamms wurden 2013
verbrannt
Im Jahr 2013 wurden deutschlandweit
knapp 1,8 Millionen Tonnen Klär­
schlamm (Trockenmasse) von öffentli­
chen Abwasserbehandlungsanlagen ent­
sorgt. Dies teilte das Statistische Bundes­
amt mit. Damit wurden gegenüber 2012
rund drei Prozent weniger Klärschlamm
entsorgt. Der überwiegende Teil, rund ei­
ne Million Tonnen (58 %), wurde ver­
brannt. Der Anteil des in der Landwirt­
schaft sowie bei der Kompostierung und
im Landschaftsbau verwerteten Klär­
schlamms verringerte sich nach Angaben
der Behörde von 45 % im Jahr 2012 auf
42 % im Jahr 2013.
www.gfa-news.de/gfa/webcode/
20141212_001
A
www.dwa.de/KA
Spektrum
Fragen und Antworten
zu Mikroplastik
Das Bundesinstitut für Risikobewertung
beantwortet im Internet häufig gestellte
Fragen zu Mikroplastik. Unter Mikro­
plastik werden kleine Kunststoffpartikel
und -fasern verstanden, die in zuneh­
mendem Ausmaß in der Umwelt nachge­
wiesen werden. Da Plastik in der Umwelt
sehr langsam abgebaut wird, ist davon
auszugehen, dass es sich dort weiter an­
reichert. In der Öffentlichkeit wird der­
zeit eine mögliche gesundheitliche Ge­
fährdung der Verbraucher durch einen
möglichen Eintrag von Mikroplastik in
die Nahrungskette diskutiert.
www.gfa-news.de/gfa/webcode/
20141202_001
A
Bundesregierung will
­freiwilligen Verzicht von
Mikrokunststoffpartikeln
in Kosmetikprodukten
Kein Verbot, aber ein Dialog mit dem Ziel
des freiwilligen Ausstiegs aus der Nut­
zung von Mikrokunststoffen in Kosmetik­
produkten; dieses Vorgehen hat die Bun­
desregierung in ihrer Antwort (Bundestags-Drucksache 18/2985) auf eine Klei­
ne Anfrage der Grünen zu Erkenntnissen
über Mengen, Verbleib und Auswirkun­
gen von Mikroplastik angekündigt. Die
Bundesregierung könne Umweltbelas­
tungen, gegebenenfalls auch irreversible,
durch die in Kosmetikprodukten verwen­
deten Mikrokunststoffpartikel im An­
schluss an den ordnungsgemäßen Ge­
brauch der Kosmetikprodukte, das heißt
beispielsweise auf dem möglichen Weg
in und durch Abwasserbehandlungsanla­
gen oder bei unmittelbarem Eintrag in
Gewässer jeder Art, nicht ausschließen,
heißt es zur Begründung in der Antwort.
Dem Vorsorgeprinzip folgend wirke sie
daher in einem Dialog mit der Kosmetik­
industrie auf einen freiwilligen Ausstieg
hin. Direkte Verbote über das Strafge­
setzbuch oder über die REACh-Verord­
nung sind laut der Bundesregierung der­
zeit jedoch nicht möglich. Die Gesamt­
menge von Mikroplastik in kosmetischen
Mitteln aus Polyethylen (PE) schätzt die
Bundesregierung auf jährlich rund 500 t
allein auf dem deutschen Markt. Welche
Mengen davon durch die Kläranlagen in
die Gewässer gelangen, sei hingegen
noch unklar. So zeigten Untersuchungen
www.dwa.de/KA
in den Niederlanden eine starke Abhän­
gigkeit von der jeweiligen Kläranlage.
Dort wurden zwischen 9 und 91 Partikel
je Liter behandeltem Abwasser in den
Kläranlagenabläufen gefunden.
www.gfa-news.de/gfa/webcode/
20141125_001
A
Evonik präsentiert Mikro­
plastik-Ersatz in Peelings
Mikroplastikartikel in Oberflächenge­
wässern werden zunehmend ein Thema
für die Wasserwirtschaft. Eine der we­
sentlichen Quelle für die Einträge stellen
Körperpflegeprodukte dar. Abhilfe könn­
te hier von Seiten der Industrie selbst
kommen. Evonik Industries hat zwei
neue Produkte als Ersatz für Mikroplas­
tik in Peelings vorgestellt. Die Spezialkie­
selsäuren Sipernat 2200 PC und Sipernat
22 PC sollen bereits von einigen Kosme­
tikfirmen verwendet werden. Die Spezi­
alkieselsäuren ersetzen in den Peelings
die bisher verwendeten mikroskopisch
kleinen Polyethylen- und Polypropylen­
artikel.
A
Weltwassertag: „Wasser und
nachhaltige Entwicklung“
Der nächste Weltwassertag am 22. März
2015 steht unter dem Motto „Wasser und
nachhaltige Entwicklung“. Dies knüpft
daran an, dass im Jahr 2015 neue globa­
le Ziele nachhaltiger Entwicklung verab­
schiedet werden. Verantwortlich ist in
diesem Jahr das UN-Entwicklungspro­
gramm UNDP, in Zusammenarbeit mit
UNESCO, UN-HABITAT, UNEP, der Welt­
bank und UN-DESA. Der Weltwassertag
ist ein Ergebnis der UN-Weltkonferenz
über Umwelt und Entwicklung 1992 in
Rio de Janeiro. Er wird seit 1993 began­
gen.
www.unesco.de/wassertag.html
www.un.org/en/events/waterday
A
Mikroplastik auch
in Schweizer Gewässern
Mikroplastik in Oberflächengewässern
wird auch in der Schweiz ein Thema. Die
ETH Lausanne hat im Auftrag des
Schweizer Bundesamtes für Umwelt
(BAFU) sechs Schweizern Seen sowie die
Rhone auf Mikroplastik untersucht. Er­
gebnis: In den meisten Proben der sechs
untersuchten Schweizer Seen und der
Rhone wurden Mikroplastik-Partikel
nachgewiesen. Obwohl die gemessenen
Konzentrationen keine direkte Gefähr­
dung für Umwelt und Wasserqualität
darstellen, bezeichnet das BAFU die Vor­
kommen in den Gewässern als uner­
wünscht und sieht darin zudem einen
Verstoß gegen das geltende Verunreini­
gungsverbot der Gewässerschutzgebung.
Die ETH Lausanne hat für die Untersu­
chung zwischen Juni und November
2013 aus Genfersee, Bodensee, Neuen­
burgersee, Lago Maggiore, Zürichsee
und Brienzersee sowie aus der Rhone bei
Chancy an der Grenze zu Frankreich Pro­
ben entnommen. Diese Proben von der
Wasseroberfläche wurden auf das Vor­
kommen und die Art der Kunststoffparti­
kel mit einer Größe zwischen 0,3 und
5 mm untersucht. In 27 Proben fanden
die Forscher im Mittel circa 0,1 Mikro­
plastik-Partikel pro Quadratmeter Was­
seroberfläche, wobei 7 Proben kein
Mikro­plastik enthielten. Die Werte ein­
zelner Proben zwischen und innerhalb
der Seen variierten stark, was auf Unter­
schiede in der Belastung der ufernahen
beziehungsweise uferfernen Zonen so­
wie auf zeitlich stark schwankende Ein­
träge in die Seen hindeutet. So wurden
beispielsweise die höchsten Konzentrati­
onen nach einem Gewitter gemessen,
was darauf schließen lässt, dass Mikro­
plastik von abfließendem Niederschlags­
wasser mitgeschwemmt wird. Die Bevöl­
kerungsdichte im Einzugsgebiet hatte
keinen Einfluss auf das Ausmaß der Be­
lastung. Zudem hat die ETH 33 Sandpro­
ben von den Stränden der Seen genom­
men. Hiervon waren 12 frei von Mikro­
plastik. Die Belastung betrug im Mittel
circa 1000 Mikroplastik-Partikel pro
Quadratmeter. Der größte Teil des Mik­
roplastiks in den Proben (Wasser und
Strände) entfiel auf Kunststofffragmente,
vorwiegend aus Polyethylen (PE) oder
Polypropylen (PP), welche typischerwei­
se in Verpackungen vorkommen. Die
zweithäufigste Kategorie bildeten
Schaumstoffe von Isolationsmaterialien.
Die gemessenen Konzentrationen zeigen
laut BAFU, dass natürliche organische
Partikel und somit potenzielle Nahrung
für planktonfressende Organismen ge­
genüber Mikroplastik überwiegen. Im­
KA Korrespondenz Abwasser, Abfall · 2015 (62) · Nr. 1
7
8
Spektrum
merhin enthielten aber 3 von 40 unter­
suchten Fischen und 8 der 9 gefundenen
und untersuchten Vogelkadaver im Ver­
dauungstrakt kleine Mengen an Mikro­
plastik. Aus diesen ersten Beobachtun­
gen lassen sich aber nur schwer Rück­
schlüsse ziehen. Gemessen am Gefähr­
dungspotenzial stuft das BAFUI Mikro­
plastik gegenwärtig als kein vordringli­
ches Problem für die Wasserqualität der
Schweizer Gewässer ein – im Gegensatz
zu Mikroverunreinigungen, beispielswei­
se durch Pestizide. Allerdings würden
Kunststoffe in den Gewässern nur sehr
langsam abgebaut, betont das BAFU wei­
ter. Die Belastung der Gewässer mit Mik­
roplastik sei zudem unerwünscht und
tangiere das geltende Verunreinigungs­
verbot der Gewässer. Es seien daher
Maßnahmen an der Quelle nötig, um die
Belastung der Umwelt mit Kunststoff zu
verringern. Lösungen hierfür soll ein
runder Tisch aus Bund, Kantonen, Kom­
munen und der Kunststoffindustrie ent­
wickeln.
www.gfa-news.de/gfa/webcode/
20141211_002
A
Fracking-Gesetz
soll 2015 kommen
Die Gas-Fördermethode Fracking soll im
Jahr 2015 strikt reguliert werden. Wie es
in der Antwort der Bundesregierung
(Bundestags-Drucksache 18/2984) auf ei­
ne Kleine Anfrage der Fraktion Bündnis
90/Die Grünen heißt, sollte die Regelung
noch im Jahr 2014 vom Kabinett be­
schlossen werden. Bundestag und Bun­
desrat sollen sich 2015 damit befassen.
Bei der Regulierung werde der Schutz
der Gesundheit und der Umwelt im Vor­
dergrund stehen, kündigt die Regierung
an.
www.gfa-news.de/gfa/webcode/
20141201_001
A
Gesetzentwurf zum Thema
Fracking äußerst umstritten
Das Thema Fracking dürfte die Diskussi­
onen auch in den nächsten Monaten wei­
ter beherrschen. Die Bundesregierung
hat zwar Mitte November 2014 einen
Gesetzentwurf zur Regelung von
­racking vorgelegt. Dieser stößt aber
F
nicht nur bei Umweltorganisationen und
Wasserwirtschaft auf zum Teil erhebliche
Kritik, auch innerhalb der Regierungs­
koalition baut sich derzeit Widerstand
gegen den Entwurf auf. So soll der CDUBundestagsabgeordnete Andreas Mattfeldt bereits 100 Unterstützer im Bundes­
tag hinter sich beim Widerstand gegen
den Entwurf versammelt haben. Haupt­
kritikpunkt von Mattfeldt: Das Fehlen ei­
nes Verpressverbotes für Lagerstätten­
wasser. Lagerstättenwasser sei mit Ben­
zol und Quecksilber belastet und eine
Gefahr für Mensch und Umwelt. Es müs­
se sicher entsorgt werden und dürfe auf
keinen Fall einfach in die Tiefe gepumpt
werden, so Mattfeldt. Bei den Umweltor­
ganisationen und der Wasserwirtschaft
stoßen neben dem fehlenden Verpress­
verbot vor allem die vorgesehenen Aus­
nahmeregelungen auf Ablehnung. So
sieht der Gesetzentwurf zwar grundsätz­
lich ein Verbot von Fracking oberhalb
von 3000 Meter vor, Probebohrungen
sollen aber möglich sein. Und auch eine
sich daran anschließende kommerzielle
Nutzung ist nicht ausgeschlossen. Eine
sechsköpfige Expertenkommission muss
dafür das Projekt beurteilen. Hat diese
mehrheitlich keine Bedenken, kann die
zuständige Landesregierung die Förde­
rung genehmigen. Kritisch beurteilt wird
dabei vor allem die Zusammensetzung
der Expertenkommission. Neben dem
fracking-kritischen Umweltbundesamt
sollen beispielsweise auch Vertreter vom
Deutschen Geoforschungszentrum Pots­
dam der Kommission angehören – einer
dem Fracking gegenüber eher aufge­
schlossenen Organisation. Dass der aktu­
elle Gesetzentwurf keinem Verbot von
Fracking außerhalb von Trinkwasser­
schutzgebieten gleichkommt, zeigt auch
die relativ positive Einschätzung des
Bundesverbandes der Deutschen Indust­
rie. Der BDI befürchtet zwar ellenlange
Genehmigungsprozesse und sieht hohe
Hürden für Fracking. Man sei aber zu­
frieden über den Kompromiss. Man habe
die Tür zum Fracking einen kleinen
Schritt offengehalten, zitiert Der Spiegel
den BDI.
A
Hochwasserschutz:
Anträge im Bundestags­
ausschuss gescheitert
Die Oppositionsfraktionen sind am 3. De­
zember 2014 im Bundestagsausschuss
KA Korrespondenz Abwasser, Abfall · 2015 (62) · Nr. 1
für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reak­
torsicherheit mit zwei Anträgen (Bundestags-Drucksachen 18/2879 und 18/3277)
zum länderübergreifenden und nachhal­
tigen Hochwasserschutz gescheitert.
Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke
hatten die Bundesregierung darin aufge­
fordert, ein nationales Gesamtkonzept
für einen ökologischen Hochwasser­
schutz vorzulegen. Flüssen sollte nach
Ansicht beider Fraktionen durch die ver­
mehrte Ausweisung von Retentionsräu­
men und Deichrückverlegungen mehr
Raum gegeben und die ökologische
Landwirtschaft stärker gefördert werden.
Die Linksfraktion betonte im Aus­
schuss, dass das von Bund und Ländern
erarbeitete Nationale Hochwasserschutz­
programm viele richtige und wichtige
Maßnahmen enthalte. Allerdings wür­
den Einzelmaßnahmen allein nicht wei­
terhelfen. Es brauche ein Gesamtkonzept
für einen nachhaltigen Hochwasser­
schutz, der unter Beteiligung aller Akteu­
re länderübergreifend sowie konsequent
ökologisch und sozial vorangetrieben
werden müsse, argumentierte die Frakti­
on. So müsse es eine enge Abstimmung
zwischen Ländern und Kommunen ge­
ben. Auch die Bürger vor Ort müssten in
die Entscheidung über Maßnahmen ein­
bezogen werden.
Die Grünen argumentierten ähnlich,
kritisierten darüber hinaus jedoch, dass
die im Jahr 2015 für den Hochwasser­
schutz zur Verfügung gestellten Haus­
haltsmittel in keiner Weise ausreichen
würden. Um den ökologischen Hochwas­
serschutz voranzubringen, müsse deut­
lich mehr Geld in die Hand genommen
werden. Im Zuge der Haushaltsberatun­
gen war im Etat des Landwirtschaftsmi­
nisteriums ein Sonderrahmenplan für
Maßnahmen des präventiven Hochwas­
serschutzes in Höhe von 20 Millionen
Euro beschlossen worden. Dies sei viel zu
wenig, warnten die Grünen.
Die Grünen forderten zudem eine
Vereinheitlichung der bisher sehr unter­
schiedlichen Reaktionsmechanismen auf
Länderebene und mehr Investitionen in
ökologische Maßnahmen statt in den
technischen Hochwasserschutz. So müs­
se der Wasserrückhalt in der Landwirt­
schaft deutlich verbessert werden, etwa
durch ein Auenschutzprogramm.
Die Koalitionsfraktionen CDU/CSU
und SPD lehnten die Anträge der Oppo­
sition ab, da ihrer Ansicht nach eine Rei­
he von Maßnahmen mit dem Nationalen
Hochwasserschutzprogramm bereits auf
www.dwa.de/KA
Spektrum
den Weg gebracht würden. Die Unions­
fraktion betonte, die Intention der Anträ­
ge teilten wohl alle Fraktionen im Hause,
aber sie seien zum Teil überflüssig. Hoch­
wasserschutz sei außerdem per se nach­
haltig.
Allerdings räumte auch die Unions­
fraktion ein, dass für eine vollständige
Umsetzung der notwendigen Maßnah­
men zum Hochwasserschutz die derzeiti­
gen Haushaltsmittel nicht ausreichten.
Deshalb müsse der Ausschuss in Zukunft
weiter für eine bessere Mittelausstattung
werben.
Die SPD-Fraktion betonte, dass der
Bund im Rahmen des neuen Nationalen
Hochwasserschutzprogrammes eine ko­
ordinierende Rolle beim Hochwasser­
schutz übernehme. Mit diesem Schritt
könne man sehr zufrieden sein. Das Pro­
gramm beinhalte viele wichtige Maßnah­
men, etwa für Deichrückverlegungen
und Flutungspolder. Damit könnten die
Hochwasserpegel einiger Flüsse deutlich
gesenkt werden. Positiv bewertet es die
Fraktion außerdem, dass die Mittel für
den präventiven Hochwasserschutz auch
für den Flächenankauf verwendet wer­
den können.
www.gfa-news.de/gfa/webcode/
20141203_004
A
Geschäftsanbahnungsreise
„Abfallwirtschaft in Südafrika“
Im Rahmen des BMWi-Markterschlie­
ßungsprogramms für kleine und mittel­
ständische Unternehmen führt die Deut­
sche Industrie- und Handelskammer für
das südliche Afrika vom 16. bis 20. März
2015 eine Geschäftsreise für deutsche
Unternehmen im Bereich der Abfallwirt­
schaft und Recycling durch. Ziel des Ge­
schäftsanbahnungsprojektes ist es, deut­
sche Unternehmen bei ihrem außenwirt­
schaftlichen Engagement zur Erschlie­
ßung neuer Absatzmärkte zu unterstüt­
zen. Anmeldeunterlagen:
www.gfa-news.de/gfa/webcode/
20141127_005
A
Förderung der Nutzung von
Produktionsabwässern eines
Lebensmittelbetriebs
Die Nähr-Engel GmbH aus Goch (Nord­
rhein-Westfalen) plant die Errichtung ei­
www.dwa.de/KA
ner Behandlungsanlage für Abwasser aus
der Herstellung von Kartoffeltrockenpro­
dukten. Das Pilotprojekt wird aus dem
Umweltinnovationsprogramm des Bun­
desumweltministeriums (BMUB) mit
rund 480 000 Euro gefördert. Ziel des
Vorhabens ist es, die im Produktionsab­
wasser enthaltenen organischen Stoffe
mit dem „DANA-Reaktor“ (dynamisches
Anaerob-aerob-System) zur Biogasher­
stellung und damit als Ersatz von Erdgas
zur Energiegewinnung zu nutzen und
das kommunale Klärwerk spürbar zu ent­
lasten. Im DANA-Reaktor wird eine anae­
robe Behandlung mit einem aeroben
Schwebebettverfahren zur Nachbelüf­
tung in baulicher Einheit in einem Tank
kombiniert. Das spart Platz, senkt den
Aufwand für Verrohrungen und senkt die
Investitionskosten. Mit der neuen Tech­
nik steht ein Verfahren zur Verfügung,
das auch für kleinere Unternehmen mit
geringen Abwasservolumina wirtschaft­
lich betreibbar ist, so das BMUB. Mit dem
Umweltinnovationsprogramm wird die
erstmalige, großtechnische Anwendung
einer innovativen Technologie gefördert.
Das Vorhaben muss über den Stand der
Technik hinausgehen und sollte Demons­
trationscharakter haben.
www.gfa-news.de/gfa/webcode/
20141208_008
A
Förderung einer Verwertungs­
anlage für Flüssigabfälle und
Abwasser
Die GS Recycling GmbH & Co. KG plant
am Standort Lippe-Mündungsraum in
Wesel die Errichtung und den Betrieb ei­
ner Verwertungsanlage für Flüssigabfälle
und Abwasser. In der Anlage sollen ne­
ben Gewerbe- und Industrieabwasser
auch Abwasser aus der Schiffsreinigung
im Weseler Ölhafen aufgearbeitet wer­
den. Mit der Anlage können bis zu
20 Prozent des behandelten Abwassers
wiederverwendet werden. Um das breite
Spektrum des Abwassers effizient behan­
deln zu können, ist eine innovative Kom­
bination verschiedener Behandlungsver­
fahren erforderlich. Die Anlage kombi­
niert zunächst verschiedene chemischphysikalische Verfahrenstechniken, wie
Fällung und Flockung, vollständige Ab­
wasserverdampfung und Strippung. Im
Anschluss erfolgt eine Nachbehandlung
in der aeroben Biologie. Die Abwasser­
aufbereitung wird durch Anlagen zur Ab­
luftbehandlung ergänzt. Durch die neue
Anlage wird die Schadstoffbelastung des
Abwassers deutlich gesenkt und mit ei­
ner Unterschreitung der bestehenden
Grenzwerte nach der Abwasserverord­
nung gemäß Anhang 27 gerechnet. Das
Bundesumweltministerium fördert den
Bau der Verwertungsanlage mit rund
3,7 Millionen Euro aus dem Umweltin­
novationsprogramm. Mit dem Umweltin­
novationsprogramm wird die erstmalige,
großtechnische Anwendung einer inno­
vativen Technologie gefördert. Das Vor­
haben muss über den Stand der Technik
hinausgehen und sollte Demonstrations­
charakter haben.
www.gfa-news.de/gfa/webcode/
20141208_007
A
Rohstoffeffizienzpreis
für Abwassertechnologie
Der Rohstoffeffizienz-Preis in der Kate­
gorie „Forschungseinrichtung“ geht im
Jahr 2014 in die Abwasserwirtschaft.
Klaus Opwis vom Deutschen Textilfor­
schungszentrum Nord-West (DTNW),
Krefeld, und Frank Grüning vom Institut
für Energie- und Umwelttechnik (IUTA),
Duisburg, haben Anfang Dezember die
Auszeichnung für die Entwicklung eines
Textils erhalten, das in der Lage ist, Wert­
stoffe aus industriellen Abwässern zu fil­
tern. Für das Verfahren haben Opwis und
Grüning Polyelektrolyte an verschiede­
nen Textilien fixiert. Diese Moleküle sind
in der Lage, aus bestimmten Lösungen
Wertmetalle „herauszufischen“. Mithilfe
von Polyesterstoff konnten die Forscher –
zunächst im Labormaßstab – unter­
schiedliche Edelmetalle wie Gold, Silber,
Platin und Palladium binden. Das Verfah­
ren wurde in einem weiteren Schritt pra­
xistauglich umgesetzt: So gelang es bei­
spielsweise, aus mehreren Hundert Li­
tern Abwässer der Leiterplattenindustrie
pro Kilogramm Textil 20 Gramm Palladi­
um zurückzugewinnen. Hinter dem Roh­
stoffeffizienzpreis stehen das Bundesmi­
nisterium für Wirtschaft und Energie
(BMWi) und die Deutsche Rohstoffagen­
tur. Mit dem Preis sollen besondere Bei­
träge zur Sicherung der Rohstoffversor­
gung gefördert werden.
www.gfa-news.de/gfa/webcode/
20141211_001
A
KA Korrespondenz Abwasser, Abfall · 2015 (62) · Nr. 1
9
Online-Ausgabe
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KA – Korrespondenz Abwasser, Abfall sowie
KW – Korrespondenz Wasserwirtschaft
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KA - Korrespondenz Abwasser, Abfall
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