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DLF Januar-März 2015

Einbetten
Hörspiel/Hintergrund Kultur;
Das Feature;
Deutschlandfunk
vom 01.Januar bis einschl. 31.März 2015
Donnerstag, 01. Januar 2015
11.05 Das Feature
"Ohne Italien geht’s nicht in die Kiste"
Die Reise des Klaus Müller von Rostock nach Syrakus im Jahr 1988
Von Friedrich Christian Delius
Produktion: NDR/DLF/SFB 1994
Während die Beweggründe der DDR-Aussteiger in Lutz Seilers Roman 'Kruso' ebenso wie ihre
Ziele im Ungefähren bleiben, wusste Klaus Müller, eines der realen Vorbilder für Seilers fiktionales
Personal, ganz genau, was er wollte und warum er das wollte. Um in der DDR bleiben zu können,
so die Überzeugung des Maschinenschlossers aus Sachsen, musste er sie auf Zeit verlassen und
sich seinen Lebenstraum erfüllen: eine Reise nach Syrakus auf den Spuren seines Landmanns
Johann Gottfried Seume. Nach akribischen Vorbereitungen gelang Klaus Müller im Juni 1988 von
Hiddensee aus mithilfe einer Jolle tatsächlich der 'illegale Grenzdurchbruch' über die Ostsee. Von
Dänemark aus schlug er sich über Triest und Rom bis Syrakus durch und kehrte dann im Oktober
desselben Jahres zurück in die DDR. Genauso, wie er es in einem Schreiben an das Politbüro der
SED angekündigt hatte. Bevor Friedrich Christian Delius diese unerhörte Begebenheit in eine
Erzählung fasste, hat er Klaus Müller in seinem Feature selbst zu Wort kommen lassen.
Redakteur: Theißen, Hermann
Hörspiel/Hintergrund Kultur (Köln) 1385
Freitag, 02. Januar 2015
20.10 Das Feature
Was groß war, hat sich als klein erwiesen
Ein Feature über Czesław Miłosz
Von Grace Yoon
Regie: die Autorin
Produktion: DLF 2015
Als Czesław Miłosz in der Gruft des Krakauer Paulinerklosters beigesetzt werden sollte,
protestierten national-konservative Katholiken: Miłosz sei kein Patriot gewesen. Für die meisten
Polen verkörperte er dagegen das Ideal des aufgeklärten Kosmopoliten. Grundthema seines
dichterischen Werkes war die Verführbarkeit des Intellektuellen durch den Geist des Totalitarismus.
Miłosz wurde in Litauen geboren, studierte in Paris, lebte während der deutschen Besatzung in
Polen und schrieb bittere Lyrik, gründend auf scharfsinnigen Beobachtungen des Warschauer
Alltags und der Vernichtung der Juden. 1951 ging er ins Pariser Exil, ab 1960 lehrte er in Berkeley
slawische Literatur. Erst 1980, mit der Verleihung des Nobelpreises, nahm das westliche Publikum
von ihm Notiz. Obwohl Polen ihm dann offiziell die Rückkehr anbot, ließ er sich erst im Jahr 2000 in
Krakau nieder. Dort starb er am 14. August 2004; das internationale Literaturfestival der Stadt
wurde nach ihm benannt.
Redakteur: Klopp, Tina
Hörspiel/Hintergrund Kultur (Köln) 1541
Ausgedruckt:
16. Dezember 2014
Seite 1 von 14
Dienstag, 06. Januar 2015
19.15 Das Feature
Rechtsweg ausgeschlossen?
Mercedes-Benz Argentina - ein Präzedenzfall
Von Gaby Weber
Produktion: DLF/WDR 2014
Während der argentinischen Militärdiktatur 1976 - 1983 hatten sich viele Betriebe ihrer kritischen
Gewerkschafter entledigt, indem sie sie als ‚Terroristen‘ denunzierten - der Fall Mercedes-Benz
ging um die Welt. 17 Betriebsaktivisten soll die Führung von Mercedes-Benz Argentina den
Folterern ans Messer geliefert haben, 14 der Verschleppten fanden den Tod. 1999, vor 16 Jahren,
hat die Autorin zum ersten Mal über die Verwicklung des Konzerns in die Verbrechen der
Militärdiktatur berichtet und den Opfern Gehör verschafft. Sie hat geholfen, die Angehörigen der
Ermordeten und die Überlebenden zu überzeugen, vor Gerichten in Deutschland, Argentinien und
den USA gegen die Verantwortlichen zu klagen. Ohne Erfolg. Im Januar 2014 verweigerte der US
Supreme Court den Rechtsweg im Fall der verschwundenen Betriebsräte von Mercedes-Benz. Die
Autorin zieht eine Bilanz ihrer jahrelangen Recherchen.
Redakteur: Beindorff, Karin
Hörspiel/Hintergrund Kultur (Köln) 1383
Freitag, 09. Januar 2015
20.10 Das Feature
Nur Beamen wär' schöner
Wie sich unser Kommunikationsverhalten über die vergangenen 150 Jahre verändert hat
Von Oliver Buschek
Regie: Hannah Georgie
Produktion: DLF 2015
Früher überbrachte man die Post mit der Kutsche, verteilte Flugblätter, telegrafierte sich. Heute
schickt man E-Mails, twittert oder skypt über das Internet. Ständige Erreichbarkeit, Kontrolle,
Konsumismus auf der einen Seite, Bequemlichkeit, Zugang zum Wissen, Austausch auf der
anderen - die Kommunikationsmedien mögen einander ablösen, die Vorbehalte und
Heilsversprechen ähneln sich. Lernen werden die Menschen wohl nie aus der Geschichte: Immer
wieder wird die Technik verteufelt, während es der Mensch doch selbst ist, der sich das Leben zur
Hölle macht.
Die Sendung startet mit einer Umfrage und lässt sich vom Mann auf der Straße an die Brennpunkte
verunglückter Kommunikation schicken, darunter: Shoppingkanäle, Dauerchatter und gegängelte
Mitarbeiter. Es geht darum, den großen Bogen zu spannen, also sowohl den wehmütigen Blick
zurück zu werfen, als auch den furchtlosen Blick nach vorn zu wagen: Welche gesellschaftlichen
Gruppen profitieren von welchen Techniken, wo könnten öffnende, wo bedenkliche Tendenzen
liegen und was sind die eigentlichen Motoren der Entwicklung? Fest steht dabei nur eines: Heute
mag es uns praktisch erscheinen. Aber ganz sicher werden die Menschen sich dereinst genauso
bitter beklagen, wenn das Beamen endlich erfunden sein wird.
Redakteur: Klopp, Tina
Hörspiel/Hintergrund Kultur (Köln) 1541
Ausgedruckt:
16. Dezember 2014
Seite 2 von 14
Dienstag, 13. Januar 2015
19.15 Das Feature
Im Grenzbereich
Eine deutsche Chirurgin im Nothilfeeinsatz im Süd-Sudan
Von Jörn Klare
Produktion: DLF/BR 2015
Es ist Carla Böhmes zwölfter Einsatz für eine Hilfsorganisation im Ausland. Meistens ging es für die
Chirurgin aus Leonberg, die sonst in einer deutschen Klinik arbeitet, nach Afrika, und dabei immer
in Regionen, in denen es irgendwelche Kämpfe oder Kriege gab. Viele der Wunden, die sie oftmals
unter primitiven Bedingungen behandeln musste, stammten von Kugeln, Speeren oder Pfeilen.
Diesmal reist sie im Auftrag von Ärzte ohne Grenzen. Allein die deutsche Sektion der 1999 mit dem
Friedensnobelpreis ausgezeichneten internationalen Organisation schickt jährlich an die 300
Mitarbeiter in eines der zurzeit gut 60 Einsatzländer. Böhmes Ziel ist diesmal eine kleine Klinik im
Südsudan. Auch dort wird gekämpft. Viele Opfer fordert auch das Schwarze Fieber, eine
Tropenkrankheit. Die 63-Jährige weiß nicht genau, was sie erwartet. Sicher ist: Sie sucht nicht die
Gefahr, sie will helfen. Sie ist einverstanden, dass der Autor sie in den ersten Tagen ihres
Einsatzes begleitet.
Redakteur: Beindorff, Karin
Hörspiel/Hintergrund Kultur (Köln) 1383
Freitag, 16. Januar 2015
20.10 Das Feature
Klanghäuser und Ohrenmenschen
Der Audiokünstler Anthony Moore
Von Michael Langer
Regie: der Autor
Produktion: DLF 2009
Von der Physiologie des Gehörs bis hin zu entscheidbaren Fragen der Mathematik und Musik
reicht das Spektrum der Arbeit von Anthony Moore. Für den britischen Audiokünstler ist Sound
nicht etwa Ausdruck eines Way of Life, sondern der Klang sei, so Moore, eine Art und Weise des
Denkens und schließlich: A Way of Being. Schon in jungen Jahren begann der 1948 geborene
Moore, Lieder zu schreiben. Er studierte die klassische Musik Indiens, gründete die Band Slapp
Happy, komponierte Filmmusik und unternahm vielerlei irrlichternde Klangexperimente. Eine seiner
Soloplatten trug den aparten Titel 'Flying doesn't help'. Auf dem Boden der Tatsachen bewegt er
sich als Forscher. Doch von der Physik der Welle ist es manchmal nur ein kleiner Schritt zur
Metaphysik des Sounds. Anthony Moore ist Professor für Musik, Klang und Geräusch an der
Kunsthochschule für Medien zu Köln. Dort lehrt er u.a. Theorie und Geschichte des Klangs.
Redakteur: Klopp, Tina
Hörspiel/Hintergrund Kultur (Köln) 1541
Ausgedruckt:
16. Dezember 2014
Seite 3 von 14
Dienstag, 20. Januar 2015
19.15 Das Feature
Reich ohne Eigentum oder der Homo Oeconomicus bricht aus
Von Nora Bauer
Produktion: DLF 2015
Neun angehende Wissenschaftler beendeten ein Ökonomiestudium in Bayreuth, um gemeinsam
ein Projekt zu realisieren, das sie 'Dranbleiben' nennen. Gegen den Zeitgeist von zunehmender
Individualisierung, Flexibilisierung und Ökonomisierung aller Lebensbereiche setzen sie die Utopie
gemeinsamen Lebens und Arbeitens. Ihr Reichtum entsteht nicht durch Besitz, sondern durch
Gemeinsamkeit. Sie entwickelten den global vernetzten Arbeitskreis Plurale Ökonomie, der
Alternativen zur klassischen Volkswirtschaftslehre erforscht, und sie fanden Anschluss an die
Initiative Freiraum Alfter. Seit über 30 Jahren kauft der gemeinnützige Verein in der Eifel Häuser
auf, um sie dann an junge Leute und Familien zu bezahlbaren Preisen zu vermieten. Die Mieter
leisten die Renovierungsarbeit. Dabei wird kein Eigenkapital eingesetzt und dennoch die
Finanzierung so kalkuliert, dass die Kredite allein durch die Mieteinnahmen getilgt werden. Die
Nutzergemeinschaft selbstverwalteter Häuser arbeitet dabei eng mit der Gemeinschaftsbank für
Leihen und Schenken (GLS) in Bochum zusammen. Die Genossenschaftsbank versteht sich als
sozial und ökologisch verpflichtetes Geldinstitut und will vor allem nachhaltige Projekte fördern. Ziel
aller Projekte ist nicht Besitz, sondern Gemeinsamkeit, nicht Wachstum, sondern geteilte
Verantwortung für Gemeingüter. Beinahe ganz nebenbei sichern sie auch die individuellen
Existenzen. Vielleicht ist dies eine Geschichte von naiven Weltverbesserern, Versagern und
Spinnern. Vielleicht aber auch nicht.
Redakteur: Theißen, Hermann
Hörspiel/Hintergrund Kultur (Köln) 1385
Freitag, 23. Januar 2015
20.10 Das Feature
Arbeiten am Archiv
Die Künstlerin Tanya Ury
Von Astrid Nettling
Regie: Burkhard Reinartz
Produktion: DLF 2015
Seit 20 Jahren verpackt die Künstlerin Tanya Ury jeden Tag die Haare, die ihr ausfallen, in ein
Plastiktütchen, versehen mit dem Datum: Ein Archiv unscheinbarer Spuren gelebten Lebens und
zugleich ein tägliches Totengedenken. "Wir wissen, dass die Nazis das geschorene Haar
weiblicher KZ-Insassen sammelten, um damit Matratzen zu stopfen." Etliche Angehörige Tanya
Urys sind im Dritten Reich ermordet worden. Tanya Ury ist 1951 in London geboren und lebt seit
über zwei Jahrzehnten in Köln, woher ein großer Teil ihrer Familie, darunter namhafte deutschjüdische Autoren, stammt. 1999 hat sie das Familienarchiv dem Historischen Archiv der Stadt Köln
zur Aufbewahrung gegeben. 2009 ist es mit dem Einsturz des Gebäudes untergegangen. Für
Tanya Ury eine Aufforderung, sich künstlerisch umso mehr mit dem Themenkomplex 'Archiv'
auseinanderzusetzen. "Eine Art Ersatzgeschichte" nennt sie das, gewidmet all denen, deren Leben
und lebensgeschichtliche Zeugnisse durch den Holocaust vernichtet wurden.
Redakteur: Bajohr, Ulrike
Hörspiel/Hintergrund Kultur (Köln) 1503
Ausgedruckt:
16. Dezember 2014
Seite 4 von 14
Dienstag, 27. Januar 2015
19.15 Das Feature
Die ungewollte Nation
In Israel und Palästina ist etwas zusammengewachsen, was nicht zusammen gehören will
Von Daniel Cil Brecher
Produktion: DLF 2015
Nach dem Gaza-Krieg sind der gegenseitige Hass und das Misstrauen größer denn je. Seit 48
Jahren hält Israel die palästinensischen Gebiete besetzt, seit 23 Jahren wird über Lösungen
verhandelt. Auf beiden Seiten wollen Mehrheiten eine Teilung des Gebiets in zwei Staaten. Doch
ist das noch realistisch? Die ungebremste Ausbreitung der Siedlungen hat dieses Lösungsmodell
infrage gestellt. Seit Kurzem wird nun von israelischen Regierungsparteien erwogen, den in der
Westbank wohnenden Arabern Bürgerrechte zu gewähren. Die Vorteile liegen für Hardliner auf der
Hand - die Westbank würde Teil Israels werden, die Siedlungen könnten bleiben, Jerusalem
müsste nicht geteilt werden. Auch unter Arabern gewinnt die Idee vom gleichberechtigten
Zusammenleben in einem Staat an Terrain. Trotz des jüngsten Blutvergießens propagieren
jüdische Siedler und arabische Bewohner der Westbank diese Lösung jetzt mit wachsender
Dringlichkeit. Sie sehen keine Alternative mehr.
Redakteur: Beindorff, Karin
Hörspiel/Hintergrund Kultur (Köln) 1383
Freitag, 30. Januar 2015
20.10 Das Feature
Der Überwacher in uns. Voyeuristische Selbstversuche
Von Georg Cadeggianini und Tina Klopp
Regie: Hannah Georgi
Produktion: DLF 2015
Viel ist in letzter Zeit über die technischen Möglichkeiten der Überwachung geschrieben worden,
über Kontobewegungen, Staatsgeheimnisse, Kundendaten. Doch das eigentliche Phänomen
dahinter ist vermutlich deutlich älter als Merkels Handy, alltäglicher als NSA und Snowden und
grundsätzlicher als die Vorratsdatenspeicherung. Wir alle sammeln ständig Informationen über
andere Menschen. Da ist der Blick ins Kellerabteil der Nachbarn oder ins Badschränkchen der
Partygastgeber, der laute Streit der Bekannten und das Telefonat in der U-Bahn. Wir beobachten
und lauschen, dechiffrieren verborgene Absichten und geheime Schwächen. Es geht um Neugier,
um Macht und um Kontrolle. Hier nun überwacht die eine den anderen: Sie versucht, geheime
Seiten ans Tageslicht zu zerren und sein Mailpostfach zu hacken, schaut durchs Schlüsselloch und
in Müllsäcke, spitzelt in seinem Freundeskreis. Er versucht sich zu schützen. Und während der
Gejagte anfängt sich selbst zu zensieren - wohl aus Angst, Seiten zu offenbaren, die er bislang
lieber verborgen hat - erwacht umgekehrt bei ihr der Jagdtrieb, der Wunsch nach noch mehr
Information, noch mehr Kontrolle, bis hin zum Einbruch in die Privatwohnung. Kann man eine
Persönlichkeit hacken? Unterstützt wird die Jägerin von Überwachungsexperten, die
demonstrieren, was sie herauszufinden in der Lage wären, wenn man sie denn ließe: darunter ein
Hacker, eine Psycholinguistin, ein Lockpicker, ein Eignungsdiagnostiker, ein Profiler, eine
Physiognomikerin, eine Hypnotiseurin und ein Privatdetektiv.
Redakteur: Schäfer, Barbara
Hörspiel/Hintergrund Kultur (Köln) 1543
Ausgedruckt:
16. Dezember 2014
Seite 5 von 14
Dienstag, 03. Februar 2015
19.15 Das Feature
Die Journalistenfalle - Reporter im Sachsensumpf
Von Rosvita Krausz
Produktion: DLF/MDR/SWR 2015
Das sächsische Landesamt für Verfassungsschutz hatte mehrere Jahre Informationen über
organisierte Kriminalität gesammelt: Die auf 15600 Seiten dokumentierten Erkenntnisse sind bis
heute streng geheim. Ein winziger Bruchteil - offensichtlich eine Indiskretion - wurde 2007 ins Netz
gestellt. Es ging um Immobilienschacher, Geldwäsche, Verrat von Dienstgeheimnissen und um
hochrangige Juristen und ihre Kontakte ins Leipziger Rotlichtmilieu. Wer der amtlichen Version
‚alles heiße Luft‘ misstraut und eigene Recherchen anstellt, kann dabei in Teufels Küche kommen.
Fünf Jahre lang mussten etwa die für den SPIEGEL und Zeit-Online tätigen Journalisten Thomas
Datt und Arndt Ginzel in Dresden vor Gericht darum kämpfen, dass auch in Sachsen
Verdachtsberichterstattung erlaubt ist. Dass auch hier Pressefreiheit gilt. Nicht anders ging es mehr
als 20 anderen Journalisten, aber auch Polizisten und Verfassungsschützern, die ihre Arbeit
besonders gut machen wollten und im Themenfeld Sachsen-Sumpf recherchierten. Sie wurden mit
Ermittlungsverfahren überzogen, bei denen zum Teil auch nach mehr als fünf Jahren noch kein
Ende abzusehen ist.
Redakteur: Theißen, Hermann
Hörspiel/Hintergrund Kultur (Köln) 1385
Freitag, 06. Februar 2015
20.10 Das Feature
Schreiben im Zeichen der Gewalt
Kolumbianische Literatur zwischen Kritik und Klischee
Von Peter B. Schumann
Regie: Claudia Kattanek
Produktion: DLF 2015
Gewalt ist das zentrale Thema der kolumbianischen Literatur. Denn das Leben in dem
lateinamerikanischen Land ist immer noch geprägt von Mord, Willkür und Verfolgung. Der große
Name von Gabriel García Márquez mag mitunter den Blick dafür verstellt haben, dass die jüngere
Generation längst ihre ganz eigenen Wege gefunden hat, die Erfahrung von Gewalt in Literatur zu
verwandeln. Da ist zum Beispiel Héctor Abad, dessen Vater von den Paramilitärs ermordet wurde.
Seine Erfahrungen hat er in 'Brief an einen Schatten' verarbeitet. Oder die Autorin Laura Restrepo.
Sie schloss sich Anfang der 1970er-Jahre den FARC an, bevor die Guerilla-Bewegung zur
Terrororganisation verkam. Juan Gabriel Vásquez und Evelio Rosero wiederrum richten ihren Blick
auf die Frage, wie Gewalt Familien und dörfliche Gemeinschaften zerstört hat. Und während sich
Antonio Ungar an einem satirischen Umgang mit der Gewalt versucht, setzt Jorge Franco gar auf
das Thriller-Genre.
Redakteur: Klopp, Tina
Hörspiel/Hintergrund Kultur (Köln) 1541
Ausgedruckt:
16. Dezember 2014
Seite 6 von 14
Dienstag, 10. Februar 2015
19.15 Das Feature
Vor euren Karren lassen wir uns nicht spannen
Die Kinder der Dresdner Bombennacht
Von Alexa Hennings
Produktion: DLF 2015
78 Kinder kamen in den Tagen um den 13. Februar 1945 im Krankenhaus Dresden-Johannstadt
zur Welt. Die meisten Mütter überlebten die Bombennacht nicht, denn der Keller der Frauenklinik
wurde fast vollständig zerstört, während der der Kinderklinik nahezu unversehrt blieb. So kommt
es, dass fast alle Kinder überlebten und fast alle Mütter starben. Zwischen zwei Angriffen wurden
die Neugeborenen auf Kohlenwagen gepackt und aus der brennenden Stadt gebracht. Viele
wurden erst Monate später von Verwandten gefunden. Vor 15 Jahren machte sich Petra
Roschinski, die in Hamburg aufwuchs, auf die Suche nach den überlebenden Neugeborenen der
Bombennacht. 25 hat sie gefunden. Einmal im Jahr, am 13. Februar, kommen sie nach Dresden,
um dort zu sein, wo ihre Mütter ums Leben kamen. Jedes Jahr fahren sie hinunter in diesen Keller.
Und jedes Jahr verweigern sie sich dem ritualisierten Gedenken der Stadt, das Rechte und
Aufrechte, Linke und Polizisten auf die Straße treibt. Als ihre Internetseite von den neuen Nazis zur
Propaganda benutzt wurde, war Petra Roschinski empört und stellte klar: "Vor euren Karren lassen
wir uns nicht spannen."
Redakteur: Theißen, Hermann
Hörspiel/Hintergrund Kultur (Köln) 1385
Freitag, 13. Februar 2015
20.10 Das Feature
Die Prosa der Produkte
Was die Dinge erzählen, ob man will oder nicht
Von Ulf Erdmann Ziegler
Regie: Tina Klopp
Produktion: DLF 2015
Es gibt Leute, die sagen, sie kämen gut ohne Luxus aus, und auf Werbung hörten sie schon gar
nicht. Das mag ja sein. Und dennoch ist jedem sein Hemd näher als das des anderen, was man
spätestens merkt, wenn die Reinigung eines vertauscht hat. Vom Kaugummi unter der Schulbank
über Lego Creator zum kleinen Schwarzen, und von dort zu schönen, imponierenden und für
manche unerreichbaren Gütern, die immer da sind, und sei es nur über ihre Namen: Armani, Apple,
Veuve Clicquot, Lamborghini. Man konsumiert und manches wird von allein unbrauchbar; anderes
schlummert auf Dachböden, um später als kultig vermarktet zu werden. Nicht alle Dinge sind
Waren und nicht alle Waren Dinge: Warum reicht manchmal die Erwähnung eines rotkarierten
Handtuchs, um eine ganze Familiengeschichte aufzurufen? Ein Feature mit Stimmen von Kindern
und erwachsenen Leuten, Laien und Experten, Kostverächtern und fashion victims, eingebettet in
die sprechendsten Werbeslogans ihrer Generation.
Redakteur: Klopp, Tina
Hörspiel/Hintergrund Kultur (Köln) 1541
Ausgedruckt:
16. Dezember 2014
Seite 7 von 14
Dienstag, 17. Februar 2015
19.15 Das Feature
»That's why I still sing the blues«
Alte Worksongs und neue Arbeitskämpfe in den Südstaaten
Von Sebastian Meissner
Produktion: DLF 2015
In den Südstaaten der USA gehen seit langem Arbeit und Musik ein besonderes Bündnis ein.
Afrikanische Musiktraditionen wurden zu Zeiten der Sklaverei brutal unterdrückt. Die Klagerufe
(Hollers) der Schwarzen bei der harten Feldarbeit legten den Grundstein für Gospel, Blues und
Jazz. Noch nach dem Ende der Sklaverei konnten schwarze Häftlinge weiterverpachtet werden.
Alan Lomax hat das musikalische Zusammenspiel von Werkzeug und Stimmen eindrucksvoll
dokumentiert. Jenseits von Touristenorten wie Memphis und New Orleans, versuchen Enthusiasten
heute die Geschichte des Blues im Bundesstaat Mississippi, dem Geburtsort des Blues, möglichst
authentisch ans Publikum zu bringen. 50 Jahre nach der Bürgerrechtsbewegung erregen Aktionen
für die Arbeiterrechte in den Südsaaten wieder Aufmerksamkeit. Und auch bei der Konferenz der
Genossenschaftsbewegung ›Jackson Rising‹ werden Freiheitslieder angestimmt.
Redakteur: Beindorff, Karin
Hörspiel/Hintergrund Kultur (Köln) 1383
Freitag, 20. Februar 2015
20.10 Das Feature
»Für solche Patrioten sind wir die Pest.«
Junge Kiewer Kreative und der Kampf um die Ukraine
Von Julia Solovieva
Regie: Giuseppe Maio
Produktion: DLF/SWR/NDR 2015
Die Event-Managerin Marina hat mitten in Kiew ein Hilfswerk für die Flüchtlinge aus dem Osten der
Ukraine aufgebaut. Die Drehbuchautorin Miriam sammelt Medikamente, Lebensmittel und warme
Kleidung für die Armee. Der Manager, Blogger und freiwillige Soldat Ewgen kandidiert für das
ukrainische Parlament. All die jungen Leute und Majdan-Aktivisten - zwischen Krieg und Frieden
zerrissen - setzen sich für ihre Zukunft in einer neuen Ukraine ein.
Sie fühlen sich ihrem Land stark verbunden, grenzen sich aber von den »Bilderbuchpatrioten mit
dickem Bauch, Schmalz in der Stimme und der ukrainischen Hymne auf dem Mobiltelefon« ab.
»Für solche Patrioten«, sagt die Designerin Marianne, »sind wir wie die Pest«. Julia Solovieva
begleitete die Kiewer Kreativen vom Sommer 2014 bis Februar 2015.
Redakteur: Bajohr, Ulrike
Hörspiel/Hintergrund Kultur (Köln) 1503
Ausgedruckt:
16. Dezember 2014
Seite 8 von 14
Dienstag, 24. Februar 2015
19.15 Das Feature
»United Nothing«
Niederländische Blauhelmsoldaten 20 Jahre nach der Rückkehr aus Srebrenica
Von Rainer Schwochow
Produktion: DLF 2015
Ein Abgeordnetenbüro in Den Haag: Anne, 45. Ein Einfamilienhaus in einem idyllischen Vorort von
Amsterdam: Hans, Ende 50. Ein Büro im Lager Westerbork, jenem Ort, von dem Anne Frank auf
die Todesreise in die deutschen Vernichtungslager geschickt wurde: Ebel, 65. Vor 20 Jahren waren
die drei Männer als Blauhelmsoldaten in Srebrenica. Dort wurden am 11. Juli 2014 175 Tote mit
einer großen Zeremonie bestattet. Ermordet bei dem Massaker an moslemischen Bosniern im Juli
1995. Wenige Tage später, Mitte Juli 2014, stellte ein Gericht in Den Haag die Mitschuld der
Niederlande am Tod von 300 bosnischen Männern fest. Aber wen belastet das Gericht mit seinem
Schuldspruch? Die Regierung? Die Armeeführung? Die beteiligten Blauhelmsoldaten? Auch ohne
dieses Urteil werden die drei Männer die Frage nach ihrer Verantwortung nicht mehr los. Wie
haben sie die letzten Tage von Srebrenica erlebt und wie kommen sie heute damit zurecht?
Redakteur: Beindorff, Karin
Hörspiel/Hintergrund Kultur (Köln) 1383
Freitag, 27. Februar 2015
20.10 Das Feature
101 Wege, nicht zu schreiben - Autoren als Ratgeber
Von Julian Doepp
Regie: der Autor
Produktion: DLF 2015
›Ein Buch schreiben‹ steht auf Platz 2 aller im Internet geteilten Ziele, nach ›Gewicht verlieren‹ und
gefolgt von ›Nichts mehr aufschieben‹. Die Hindernisse, die dem Dasein als Schriftsteller
entgegenstehen, scheinen unüberwindlich: Ob Nick Hornby berichtet, er sitze zwar schon morgens
am Schreibtisch, beginne aber erst am Nachmittag, nach diversen Mails und heruntergeladener
Musik, voller Selbstverachtung zu schreiben oder ob Philip Roth gesteht, ihm gelinge erst nach 100
wertlosen Seiten ein guter erster Satz. Nicht wenige Autoren haben den Fallstricken des
Schreibens ganze Bücher gewidmet: Mutmach-Essays, Werkstatt-Autobiografien, dokumentierte
Verzweiflung und gute Ratschläge. Inzwischen hat sich daraus fast ein eigenes Genre entwickelt von Rilke über Hemingway bis zu Stephen King, von ›Briefe an den jungen Dichter‹ bis
Selfpublishing. So ergibt sich aus Einblicken in den Alltag vor dem leeren Blatt und in die Strategien
derer, die es geschafft haben, zugleich eine kleine Sozialgeschichte des Schriftstellerdaseins.
Redakteur: Klopp, Tina
Hörspiel/Hintergrund Kultur (Köln) 1541
Ausgedruckt:
16. Dezember 2014
Seite 9 von 14
Dienstag, 03. März 2015
19.15 Das Feature
Das Plenum von Tuzla
Ein ›Bosnischer Frühling‹
Von Zoran Solomun
Produktion: DLF 2015
Im Februar 2014 gingen in Bosnien und Herzegowina Arbeiter, Rentner und Arbeitslose auf die
Straße, um gegen Armut und Korruption zu protestieren. Der ›Bosnische Frühling‹ begann in der
ostbosnischen Stadt Tuzla und griff schnell auf das ganze Land über. Tagelang demonstrierten
Tausende verbitterter Menschen. Regierungsgebäude wurden in Brand gesetzt, mehrere Hundert
Demonstranten und Polizisten verletzt. Von den politischen Führern der Serben wurden die
Proteste als eine muslimische Verschwörung hingestellt, von den muslimischen Politikern als ein
Komplott der Serben und von den kroatischen als eine koordinierte serbisch-muslimische Aktion
zur Vernichtung des kroatischen Volkes. Doch diesmal funktionierte das bewährte Rezept nicht. In
Tuzla und in anderen Städten bildeten sich Plenen - öffentliche Versammlungen, an denen sich
Hunderte Bürgerinnen und Bürger beteiligen und nach Lösungen für die dramatischen Probleme
suchen. Basisdemokratie findet dort statt, wo es niemand vermutet hätte: an der längst
vergessenen Peripherie Europas. Aus dem Plenum in Tuzla ist inzwischen die unabhängige
Gewerkschaft Solidarnost entstanden, und als die unfähigen und desinteressierten Politiker
während des Hochwassers im Sommer 2014 die Hände untätig in den Schoß legten, organisierten
und koordinierten die Plenen Hilfe. Zum ersten Mal seit dem Krieg in Bosnien kamen Serben
Muslimen zu Hilfe und umgekehrt.
Redakteur: Theißen, Hermann
Hörspiel/Hintergrund Kultur (Köln) 1385
Freitag, 06. März 2015
20.10 Das Feature
Die Kulturmafia
Ein Blick hinter den Heiligenschein
Von Tina Klopp und Rainer Link
Produktion: DLF 2015
Kunstwerke, Bücher und andere Artefakte zählen normalerweise zu den Werten, die es um jeden
Preis zu fördern und zu verteidigen gilt. Entsprechend verehrt werden Verleger, Mäzene und
Kunstsammler, die sich mit viel Idealismus, Verve - und nicht zuletzt mit ihrem eigenen Geld - für
die schönen Künste in die Bresche werfen. Doch ihr Einsatz ist manchmal nicht ganz so
uneigennützig, wie es scheint. Oft genug wird das gutwillige Publikum an der Nase herumgeführt,
unterscheiden sich die Umtriebe der Kultureliten nur wenig von Mauscheleien und
Vetternwirtschaft, wie sie aus der restlichen Unternehmens- und Finanzwelt vertraut sind. Zieht
man den Heiligenschein erst einmal zur Seite, lassen sich hier ganz ähnliche Geschichten
erzählen, von Eitelkeit und Vorteilsnahme auf der einen, Opportunismus, Karrierismus und
Speichelleckertum auf der anderen. Wie immer geht es ums Kapital, sei es nun sozialer oder rein
pekuniärer Natur.
Redakteur: Bajohr, Ulrike
Hörspiel/Hintergrund Kultur (Köln) 1503
Ausgedruckt:
16. Dezember 2014
Seite 10 von 14
Dienstag, 10. März 2015
19.15 Das Feature
Abgehängt
Wie die Krise in das Leben der Franzosen eingreift
Von Ruth Jung
Produktion: DLF 2015
Jeder vierte Franzose unter 25 Jahren ist arbeitslos. Rund fünf Millionen gelten als arm. Und die
Armut breitet sich immer mehr aus. In Paris führt ein Obdachloser Interessierte an die Stätten des
zunehmenden sozialen Elends. 2013 verteilten die ›Resto du coeur‹ mehr als 130 Millionen
kostenlose Mahlzeiten. Aus der Initiative des Komikers Coluche von 1985 ist ein caritatives
Großunternehmen geworden. Armut hat heute ein anderes Gesicht als vor 30 Jahren:
Nullwachstum, prekäre Arbeitsverhältnisse, Arbeitslosigkeit, Depression, Ausgrenzung. Von dieser
tiefgreifenden sozialen und politischen Krise profitiert die extreme Rechte, die 2014 zwölf
Rathäuser erobern konnte. Bei der Europawahl erhielt der Front National ein Viertel der
abgegebenen Stimmen. Umfragen lassen befürchten, dass dessen Spitzenkandidatin Marine Le
Pen bei den nächsten Präsidentschaftswahlen vorn liegen könnte. Derweil streiten sich die
regierenden Sozialdemokraten über mögliche Wege aus der Krise.
Redakteur: Beindorff, Karin
Hörspiel/Hintergrund Kultur (Köln) 1383
Freitag, 13. März 2015
20.10 Das Feature
Textverarbeitung
Über das Büchermachen in digitalen Zeiten
Von Joachim Büthe
Regie: Axel Pleuser
Produktion: DLF 2015
Über das Verschwinden des Buches sind schon viele Bücher geschrieben worden. Es
verschwindet aber nicht, sondern es wird sogar schöner, auch durch den Druck der digitalen
Konkurrenz. Verloren hat es sein Monopol und das kann ein Anlass sein, seine Qualitäten neu zu
bestimmen und auch die Positionen von Verlegern, Gestaltern und Lesern. Kann es neue
Verlagsformen geben, die weniger hierarchisch gegliedert sind als bisher? Welche Rollen werden
Gestalter spielen, nicht nur im Medium des Buches, sondern auch in den digitalen Publikationen?
Ist es für die Aufnahmefähigkeit des Lesers gleichgültig, in welchem Medium er liest? Und müssen
die rivalisierenden Medien wirklich Gegner sein? Sie werden noch lange nebeneinander und
miteinander auskommen müssen. Warum nicht einen Vorteil daraus machen?
Redakteur: Schäfer, Barbara
Hörspiel/Hintergrund Kultur (Köln) 1543
Ausgedruckt:
16. Dezember 2014
Seite 11 von 14
Dienstag, 17. März 2015
19.15 Das Feature
VIVA CON AGUA
Eine Initiative aus St. Pauli
Von Michael Enger
Produktion: DLF 2015
Sie gilt als die etwas andere Hilfsorganisation aus dem etwas anderen Milieu - die Initiative VIVA
CON AGUA, die sich für sauberes Trinkwasser und sanitäre Grundversorgung in
Entwicklungsländern engagiert. Der international tätige Verein entstand im Hamburger Stadtteil St.
Pauli und ist eng verbunden mit dem dortigen Fußballclub. Im Jahr 2005 startete Benny Adrion,
damals Mittelfeldspieler beim FC St. Pauli, nach einem Trainingslager auf Kuba ein erstes
Wasserprojekt. Daraus ist ein internationales Netzwerk mit mittlerweile über 6 000 ehrenamtlichen
Unterstützern geworden. Zahlreiche Projekte konnte man bereits finanzieren und damit mehr als
500 000 Menschen in Afrika, Lateinamerika und Asien helfen. VIVA CON AGUA wird vor allem von
jungen Leuten, Künstlern und Sportlern unterstützt. Man finanziert sich durch Spenden und
kulturübergreifende Veranstaltungen.
Redakteur: Theißen, Hermann
Hörspiel/Hintergrund Kultur (Köln) 1385
Freitag, 20. März 2015
20.10 Das Feature
Die Tauben vom Hauptbahnhof
Psychologie eines Sehnsuchtsortes
Von Rainer Schildberger
Regie: Fabian von Freier
Produktion: DLF 2015
Bettler und Obdachlose, die Hast der Berufstätigen und die Träume der Wartenden. Der Bahnhof
ist Sinnbild für das Etappenhafte, das Bruchstückhafte, das Fragmentarische, die Instabilität, aber
auch für die Bewegung unseres Lebens. »Die Mysterien finden am Hauptbahnhof statt«, dieser
Satz von Joseph Beuys ist Ausgangspunkt und zentraler Fokus des Features. Gemeint ist, das
Erkenntnisse über den Sinn des Lebens auf der Straße zu finden sind. Besonders am
Hauptbahnhof als Nucleus und exemplarischer Ort des Geheimnisses. Der Autor geht hinein in die
ergebnisoffenen Situationen, die der Bahnhof bietet. Er trifft Menschen, die einfach nur sitzen und
schauen und andere die herumfahren müssen, weil sie es Zuhause nicht aushalten. Und dann ist
da noch die Taube hoch oben in der gläsernen Kuppel. Sie kennt jeden, sie sieht alles. Sie erzählt
von den Banalitäten und Besonderheiten eines Sehnsuchtsortes.
Redakteur: Bajohr, Ulrike
Hörspiel/Hintergrund Kultur (Köln) 1503
Ausgedruckt:
16. Dezember 2014
Seite 12 von 14
Dienstag, 24. März 2015
19.15 Das Feature
Żurawlów probt den Aufstand
Ein polnisches Dorf im Streit mit der Fracking-Industrie
Von Martin Sander
Produktion: DLF/SWR 2015
Kaum ein Land in Europa setzt so auf den Schiefergasboom wie Polen. Experten wollen in
Ostpolen riesige Vorkommen ausgemacht haben, in Warschau feiert man die künftige
Unabhängigkeit von Gazprom. Westliche Energiekonzerne spekulieren auf Gewinn und viele
Menschen in der Provinz auf gut bezahlte Arbeitsplätze.
Die Einwohner von Żurawlów sind zutiefst skeptisch. Seit vor zwei Jahren Vertreter von Chevron
mit allerlei Versprechen, doch ohne Genehmigung der Behörden in ihrem malerischen Dorf
erschienen, herrscht Aufruhr. Man fürchtet eine Verunreinigung des Grundwassers und den Verlust
von Grund und Boden. „Wir lassen uns nicht noch einmal vertreiben!“, lautet eine Parole, die auf
die Zwangsumsiedlungen der Bewohner im Zweiten Weltkrieg anspielt.
Eigensinnig widerständisch verbündeten sich katholische Patrioten mit international versierten
Aktivisten. Nach Monaten des Protests verschwand das Gerät vom Testfeld - nachts, spurlos, ohne
Erklärung. Das Protestzelt blieb stehen - für den Fall, dass Chevron wiederkommt.
Redakteur: Bajohr, Ulrike
Hörspiel/Hintergrund Kultur (Köln) 1503
Freitag, 27. März 2015
20.10 Das Feature
Hip-Hop und Heavy Metal
Die verborgenen Hochkulturen
Von Jörg Scheller
Regie: Tina Klopp
Produktion: DLF 2015
Heavy Metal und Hip-Hop gehören zu den langlebigsten Sparten der Popmusik. Sie haben längst
interne Avantgarden ausgebildet mit zahlreichen Verbindungen zu Kunst, Politik und Wissenschaft.
Während sich die Sensationsmedien bevorzugt Sexismus und Gewaltverherrlichung im GangstaRap oder Satanismus und rechtem Gedankengut im Heavy Metal widmen - die es fraglos auch gibt
- geht es in dieser Sendung darum, das wachsende progressive und emanzipatorische Potenzial
der Szenen auszuloten. So schöpfen Metal-Musiker aus dem Erbe der Klassik, die Songtexte von
Rappern werden in Anthologien veröffentlicht. Virtuose Math-Core Bands wie The Dillinger Escape
Plan knüpfen an die Komplexität des Jazz an, Hip-Hop-Künstler wie Saul Williams verbinden SlamPoesie mit experimentellen Sounds und sozialkritischen Inhalten. Darüber hinaus sind Heavy Metal
und Hip-Hop längst Gegenstand wissenschaftlicher Konferenzen wie Metal Matters oder Hard
Wired I-III, wobei die Grenzen zwischen Praktikern und Interpreten mitunter fließend sind. Das gilt
auch für die Musiker, die hier zu Wort kommen werden, darunter Buzz Osbourne von den Melvins,
Lemmy Kilmister von Motörhead und Martin Stricker von Celtic Frost sowie die Rapper Sookee,
Curse und Deichkind. Gerade im neuen Millennium ist das Theorem der Hochkultur Pop
überzeugender denn je.
Redakteur: Klopp, Tina
Hörspiel/Hintergrund Kultur (Köln) 1541
Ausgedruckt:
16. Dezember 2014
Seite 13 von 14
Dienstag, 31. März 2015
19.15 Das Feature
Wenn Kinder nur noch weg wollen
Der mittelamerikanische Exodus
Von Erika Harzer
Produktion: BR/DLF 2015
Sie kommen aus Guatemala, El Salvador und Honduras. Sie sind Kinder oder Jugendliche und
durchqueren alleine Mexiko. Eine mörderische Route, die sie nur mit viel Glück unversehrt hinter
sich bringen können, ohne dabei in die Hände von Drogenkartellen, Entführern, Menschenhändlern
oder auch der Migrationspolizei zu gelangen. All die Gefahren halten sie nicht davon ab, sich auf
den Weg zu machen. Zu Hunderten sitzen sie dicht gedrängt auf Dächern von Güterzügen und
hoffen täglich aufs Neue, ihr Ziel zu erreichen. Die USA. Dort glauben sie, ein Leben leben zu
können, dass ihnen mehr bietet, als der gewalttätige Alltag, den sie in ihren Heimatländern erlitten
haben. Doch Präsident Obama erwägt angesichts des Ansturms Minderjähriger eine
Gesetzesänderung, um diese Kinder schneller abschieben zu können. Die Heimatländer gelten
nicht als Kriegsregionen und doch sind sie Ausgangspunkt des Exodus. Die Geschichte der Kinder
einer vergessenen Region, die Geschichte einer humanitären Katastrophe.
Redakteur: Theißen, Hermann
Hörspiel/Hintergrund Kultur (Köln) 1385
Ausgedruckt:
16. Dezember 2014
Seite 14 von 14
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