close

Anmelden

Neues Passwort anfordern?

Anmeldung mit OpenID

Download - Deutsche Mittelstands Nachrichten

Einbetten
Ausgabe | 02
16. Januar 2015
Deutsche
MittelstandsNachrichten
powered by
Trends
Mittelstand bereitet sich auf Cloud- und Mobility-Dienste vor
Mobile, vernetzte Geräte und die Analyse großer Datenmengen erhalten Einzug in den Mittelstand
D
gen auch auf ihrer smarten Uhr oder
ie IT-Trends der vergangenen
Datenbrille sehen. Mittelständische
Jahre wie Cloud Computing,
Firmen stehen vor der Aufgabe, die
Big Data oder Social Collaboration
neue mobile Technik rechtzeitig in
werden sich 2015 dynamisch weiterihre IT mit einzubinden und das Deentwickeln und neue Anforderunsign der jeweiligen Software auf die
gen an die Firmen stellen. „Für das
verschiedenen Endgeräte abzustimneue Jahr sehe ich fünf große Trends,
men“, betont Dewald.
die den deutschen Mittelstand herErste Anzeichen solcher Schritte
ausfordern und prägen werden“, sagt
finden sich heute bereits in der InPeter Dewald, Geschäftsführer des
dustrie: Einsatzszenarien für so geSoftware-Anbieters Sage. Diese Thenannte Head-mounted Displays und
men forderten die AdaptionsfähigSmart Glasses – also Bildschirme, die
keit vor allem in kleinen und mittelauf dem Kopf, an einem Helm oder
ständischen Firmen, so Dewald.
Beim Einsatz von cloudbasierter Software belegen deutsche
als Brille getragen werden – finden
Die anfängliche Zurückhaltung Unternehmen in Europa derzeit noch den vorletzten Platz.
sich bereits etwa in der Medizintechdes Mittelstands gegenüber SoftGrafik: www.sage.de
nik oder in produzierenden Unterware aus der Wolke (Cloud-Computing) hat sich bei vielen Unternehmen ge- fügbarkeit von Anwendungen und Daten nehmen.
Aber auch im Bereich der mobilen
legt und wird weiter abnehmen. Das trifft steigen.
Der Bedarf nach einer einfachen Nut- Datenerfassung, die heute bereits über
besonders auf mobile Anwendungen zu,
die auf Cloud-Infrastrukturen aufbauen. zung von Planungssoftware auf allen mo- Smartphones möglich ist, wird es vielDenn Mitarbeiter nutzen mobile Techno- bilen Geräten (Enterprise-Resource-Plan- leicht bald schon Wearable Devices wie
logien privat so selbstverständlich, dass ning, ERP) ist groß. „Mitarbeiter, die heute zum Beispiel Smart Watches geben, die
auch im Berufsumfeld die Erwartungen ERP-Apps auf Tablet oder Smartphone diese Aufgabe übernehmen. Für kleine
an leichte Nutzbarkeit und ständige Ver- nutzen, wollen diese Informationen mor- Firmen bedeuten solche Umstellungen
Analyse
Wachstumstempo der Baubranche lässt nach
Die deutsche Baubranche peilt den
höchsten Umsatz seit 15 Jahren an, stellt
sich aber auf ein langsameres Wachstumstempo ein. Die Erlöse dürften in
diesem Jahr um zwei Prozent auf 101 Milliarden Euro steigen, wie der Verband der
Bauindustrie (HDB) und der mittelständische ZDB am Mittwoch in einer gemeinsamen Prognose mitteilten. „Damit wird
die 100-Milliarden-Marke erstmalig seit
2000 wieder überschritten.” Der Trend
zeige nach oben – „wenngleich das Tempo nachgibt”. Nach dem Umsatzplus von
vier Prozent im vorigen Jahr wäre der für
2015 geplante Anstieg der geringste seit
2012.
Für den meisten Schwung werde das
sechste Jahr in Folge der Wohnungsbau
sorgen. Wegen des stabilen Arbeitsmarktes und der niedrigen Zinsen sei hier ein
Umsatzplus von drei Prozent zu erwarten,
sagte Hans-Hartwig Loewenstein, der Präsident des Zentralverbandes Deutsches
Baugewerbe (ZDB). Im Wirtschaftsbau
rechnen die Verbände nur mit 1,5 Prozent
Wachstum. Dies hänge entscheidend von
der gesamten Konjunktur ab und könne
sogar besser ausfallen, wenn der Ölpreis
niedrig bleibe und so die Kosten der Unternehmen drücke, sagte Thomas Bauer,
Chef des Hauptverbandes der Deutschen
Bauindustrie (HDB).
Ferner befürchten die Verbände, dass
Bund, Länder und Gemeinden zu Lasten
von Investitionen ihre Haushalte in Ordnung bringen. „Aus heutiger Sicht müs-
sen wir daher für den Öffentlichen Bau
im Bauhauptgewerbe von einem mageren Umsatzplus von lediglich 1,0 Prozent
ausgehen”, so Bauer.
Die deutsche Bauwirtschaft verspricht sich eher wenig vom Plan der
neuen EU-Kommission, der künftig europaweit Investitionen von 315 Milliarden Euro anschieben soll. Das Vorhaben
sei kompliziert und die Umsetzung in
die Praxis noch unklar, kritisierten Spitzenvertreter der Branche am Mittwoch.
„Auch dieser Plan wird nicht dazu führen,
dass in überschaubarer Zahl von Jahren
dieser enorme Rückstand in der Infrastruktur in Deutschland aufgeholt wird“,
sagte ZDB-Präsident Hans-Hartwig Loewenstein.
1
Deutsche
MittelstandsNachrichten
powered by
Ausgabe |02/15
finanzielle und personelle Herausforderungen sowie Änderungen ihrer Arbeitsabläufe.
Doch umgehen lässt sich dieser
Schritt laut Dewald nicht, wenn Firmen
den Erwartungen von Mitarbeitern und
Kunden an eine durchgängige Vernetzung
gerecht werden wollen.
Für Firmengründer gehört die Anmietung eigener Ladenräume längst nicht
mehr unbedingt zum Start in die Selbstständigkeit. Stattdessen führt sie der erste
Schritt heute häufig ins Internet: Mittelständler verdienen ihr Geld im Netz. Zum
einen, indem sie konsequent in durchgängige E-Commerce-Strukturen investieren:
Sie vereinfachen und automatisieren ihre
Abläufe von der Produktion über die Warenwirtschaft und den Shop bis hin zur
Bezahlweise. Zum anderen, indem sie einfallsreich sind und neue Dienstleistungen
wie die Online-Steuerberatung anbieten,
die bisher nur offline verfügbar waren.
Doch nicht allein Dienstleistungen
aus dem Internet führen zu einer zunehmenden Online-Monetarisierung: „Wir beobachten in diesem Zusammenhang das
Thema 3D-Druck mit großem Interesse“,
so Dewald, „sind dadurch doch zukünftig
komplett durchgängige Online-Prozesse
bis hin zur logistischen Auslieferung von
Waren denkbar. Wer weiß, ob zukünftig Unternehmer nicht ihre Waren beim
Kunden vor Ort auf deren 3-D-Druckern
einfach ausdrucken lassen?“, so der SageGeschäftsführer.
Die Nutzerfreundlichkeit wird im
kommenden Jahr zu einem der größten
Treiber für die Weiterentwicklung der
Unternehmens-IT. „Studien von Sage haben gezeigt, dass Mitarbeiter mittelständischer Firmen die gleichen Maßstäbe an
Unternehmenssoftware anlegen wie an
ihre privat genutzte Software: sie muss
einfach zu bedienen, mobil und zu jeder
Zeit verfügbar sein. Denn sie sollte das
ohnehin komplexe Arbeitsleben vor allem vereinfachen. Immer neue, erweiterte
Funktionalität in Software einzubauen,
macht daher wenig Sinn. Im kommenden
Jahr wird es daher darum gehen, stärker
auf die Nutzer ausgerichtete Lösungen
anzubieten. Mittelständische Firmen
müssen sich mehr an den Anwendern
orientieren und verstehen, wie ihre Angestellten die Investitionen des Unternehmens am besten einsetzen können.“
Dafür sollten die Mitarbeiter auch besser
geschult werden, wie die vorhandenen
Funktionen erfolgreich für das Unternehmen einzusetzen sind.
Große, unstrukturierte Datenmengen (Big Data) lassen sich mit klassischen
Datenbanksystemen oder Daten-Management-Tools nur unzureichend verwalten
oder verarbeiten. Mittelständler stellt dies
vor finanzielle und informationstechnische Herausforderungen – und schreckt
sie bislang ab, sich die neuen Datenmassen zunutze zu machen. Deren Analyse
birgt jedoch ein großes Potenzial: Sie weist
auf Fragen und Zusammenhänge hin, die
16. Januar 2015
dem Unternehmen vorher nicht eingefallen wären, durch die es aber zum Beispiel
das Kaufverhalten seiner Kunden oder die
Produktionskette beeinflussen kann.
„Im nächsten Jahr wird der Mittelstand seine Scheu ablegen und individuelle Big-Data-Strategien für sich entwickeln“,
prognostiziert Dewald. „Durch die Vernetzung unterschiedlicher Datenströme zu
einem Informationsfluss werden zukünftig viele Abläufe wesentlich intelligenter. So ist etwa denkbar, dass die Firmen
Wetter- und Verkehrsinformationen aus
dem Internet mit Verkaufszahlen und Warenbestandsdaten aus dem eigenen Unternehmen zu smarten, automatisierten
Logistikprozessen verdichten und damit
zu einem mächtigen Werkzeug für den
Vertrieb machen.“
Die zukünftige Arbeitswelt wird immer vernetzter. Soziale Interaktionen
sind jederzeit und weltweit möglich. Die
nächsten Schritte im Bereich der sozialen
Kontakte seien die weitere Digitalisierung
und Automatisierung von Informationsund Kommunikationsketten. „Mit ihnen
können Mittelständler Kommunikationsflüsse optimieren, zeitraubende Routinearbeiten beschleunigen oder komplett
der Software übergeben“, so Dewald. Ein
Beispiel hierfür seien Plattformen, die es
den Usern ermöglichen würden, Wissen
in Form von Texten, Videos, Bildern, aber
auch Dokumenten zu bündeln und im
Anschluss zu teilen, zu bewerten, zu kommentieren und weiterzuentwickeln.
Arbeitsmarkt
Praktika ohne Mindestlohn sind weiterhin möglich
Unternehmen können weiterhin Praktika anbieten, die nicht mit einem Mindestlohn vergütet werden müssen
U
nternehmen müssen ihren Praktikanten nicht den gesetzlichen Mindestlohn zahlen. Grundsätzlich fallen zwar
alle Praktika unter das Mindestlohngesetz,
es greifen jedoch verschiedene Ausnahmeregelungen. Unternehmen müssen den
Überblick behalten, für welche Praktikanten ab dem 1. Januar 2015 der Mindestlohn
fällig wird und für welche nicht.
Mit der Einführung des Mindestlohngesetzes ist erstmals die Definition, wer
Praktikant ist und wer nicht, gesetzlich festgeschrieben. „Praktikant ist, wer sich nach
der tatsächlichen Ausgestaltung und Durchführung des Vertragsverhältnisses für eine
begrenzte Dauer zum Erwerb praktischer
Kenntnisse und Erfahrungen einer bestimmten betrieblichen Tätigkeit zur Vorbereitung
auf eine berufliche Tätigkeit unterzieht“,
heißt es im §22 des Mindestlohngesetzes.
Praktikant ist demnach, wer etwas lernt,
nicht der, der kostenlos arbeitet, berichtet
SmartLaw, Dienstleister für individuelle,
rechtssichere Verträge und Rechtsdokumente im Internet.
Unternehmen werden weiterhin Prak-
tika anbieten können, die nicht mit einem
Mindestlohn vergütet werden. Denn das
Mindestlohngesetz sieht von der grundsätzlichen Verpflichtung zur Vergütung von
Praktikanten mit dem Mindestlohn wichtige
Ausnahmen vor. Pflichtpraktika, Orientierungspraktika und freiwillige studien- oder
ausbildungsbegleitende Praktika sind unter
bestimmten Voraussetzungen vom Mindestlohn ausgenommen. Praktikanten, die unter
18 Jahre alt sind, unterfallen nicht dem persönlichen Anwendungsbereich des Mindestlohngesetzes.
2
Deutsche
MittelstandsNachrichten
powered by
Ausgabe |02/15
Praktika zur Orientierung müssen nicht mit dem Mindestlohn vergütet werden.
Foto: Flickr/Arbeitgeberverband Gesamtmetall/CC BY 2.0
„Um sicher Verstöße gegen das
Mindestlohngesetz und eine damit
verbundene Ordnungswidrigkeit zu
vermeiden, sollten Arbeitgeber insbesondere die strengen Zeitgrenzen nach
dem Mindestlohngesetz strikt einhalten“, sagt Anna Köhn, Rechtsanwältin
bei Altenburg Fachanwälte für Arbeits-
recht. Sie empfiehlt Unternehmen, sich
bei Pflichtpraktika die entsprechende
Ausbildungs- oder Studienordnung vorlegen lassen und diese zu ihren Unterlagen nehmen.
Pflichtpraktika im Sinne des Mindestlohngesetzes sind alle Praktika, die
im Rahmen einer Ausbildungs- oder Stu-
16. Januar 2015
dienordnung absolviert werden müssen.
Sie können auch mehr als drei Monate
dauern, ohne unter die Mindestlohnregelung zu fallen.
Orientierungspraktika dienen der
beruflichen Orientierung und werden
vor dem Studium oder der Ausbildung
absolviert. Sind sie bei einem Arbeitgeber auf drei Monate beschränkt, wird
für den Praktikanten kein Mindestlohn
fällig.
Freiwillige Praktika unterfallen nicht
dem Mindestlohn, wenn sie während eines Studiums oder einer Berufsausbildung für maximal drei Monate bei einem Arbeitgeber absolviert werden. Dies
gilt allerdings nur, wenn nicht bereits zuvor ein solches Praktikum in demselben
Unternehmen absolviert wurde.
Noch unklar ist, was gilt, wenn ein
Orientierungspraktikum oder ein freiwilliges ausbildungs- oder studienbegleitendes Praktikum über einen längeren Zeitraum als drei Monate absolviert
wird. Es stellt sich dann insbesondere die
Frage, ob der Mindestlohn erst ab dem
ersten Tag des vierten Monats gezahlt
werden muss oder rückwirkend für den
gesamten Zeitraum des Praktikums.
Innovation
Künstliche Intelligenz wird Arbeitsmarkt revolutionieren
Renommierte Wissenschaftler und Investoren warnen vor den negativen Folgen der künstlichen Intelligenz für Arbeitsplätze
I
n einem offenen Brief warnen zahlreiche
Unternehmer, Wissenschaftler und Investoren – unter ihnen auch Stephen Hawking –
vor den Gefahren der künstlichen Intelligenz
(KI). Die Forschungsbemühungen und -ausgaben in dem Gebiet steigen kontinuierlich.
Die Forschung müsse sich Leitlinien unterwerfen, die die sozialen Vorteile maximieren und potenzielle Gefahren ausschließen
sollen.
Bereits Ende 2014 warnte Tesla-Chef und
SpaceX-Gründer Elon Musk vor den Gefahren künstlicher Intelligenz. Der neue Megatrend sei potenziell gefährlicher als Atombomben. In dem offenen Brief vom Future of
Life-Institut (FLI) äußern Musk und Hawking
die Sorge, dass die Auswirkungen künstlicher
Intelligenz auf die Arbeitswelt und das langfristige Überleben der Menschheit nicht voraussehbar seien. Maschinen könnten schon
Die Entwicklung künstlicher Intelligenz kann der Menschheit Schaden und Nutzen zufügen.
Foto: Flickr/A Health Blog
3
Deutsche
MittelstandsNachrichten
powered by
Ausgabe |02/15
bald intelligenter sein als die Menschen, die
sie erschaffen hätten.
Doch auch das positive Potential künstlicher Intelligenz zum Nutzen der Menschheit sei gigantisch. Denn alles sei ein Produkt
menschlicher Intelligenz. „Die Auslöschung
von Krankheiten und Armut ist nicht undenkbar“, schreiben die Wissenschaftler in
ihrem Brief.
Weitere Vorteile, die der Menschheit
durch künstliche Intelligenz entstehen, sind
in den Bereichen der Spracherkennung, der
automatischen Bilderkennung und der autonom fahrenden Autos zu erkennen. Allein im
Silicon Valley arbeiten derzeit etwa 150 Unternehmen an der Weiterentwicklung dieser
Trends.
Das Institut wurde im vergangenen Jahr
von dem Co-Gründer von Skype, Jaan Tallinn, ins Leben gerufen. Die Forschung über
künstliche Intelligenz soll dadurch in positive Bahnen gelenkt werden und potenzielle
Gefahren der Menschheit mildern. Weitere
Unterzeichner des Briefes sind Professoren
des Massachusetts Institute of Technology
(MIT) und des Machine Intelligence Research
Institute, die Geschäftsführer von KI-Unternehmen wie DeepMind und Vicarious sowie Google, IBM und Microsoft. Alle Unterzeichner sprechen sich dafür aus, Leitlinien
zu befolgen, nicht nur auf den Gebieten der
Computertechnik, sondern im Kontext von
KI auch in den Bereichen Wirtschaft, Recht
und IT-Sicherheit.
Der größte und unmittelbarste Strukturwandel der Technologie wird durch die Automatisierung auf dem Arbeitsmarkt stattfinden. Das werde Arbeitskräfte, Löhne und
den Wohlstand der Menschen direkt beeinflussen, heißt es in dem Brief. Ansätze dieser
Gefahr sind bereits in den Lagerhallen von
Amazon zu erkennen.
Auch der Finanzsektor, der bereits jetzt
zum großen Teil von Computern und Algorithmen gesteuert wird, ist anfällig für
Störungen durch künstliche Intelligenz.
16. Januar 2015
Computer-Tools versuchen, die Akteure der
Versicherungswirtschaft, der Aktienmärkte
und der Handelsplätze zu verstehen, zu simulieren und zukünftige Handlungen vorauszusagen.
Für autonom fahrende Autos müssen
ganz neue Gesetze entstehen, die auf die Fähigkeiten der Fahrzeuge zugeschnitten sind.
Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich Autos
korrekt verhalten, wenn sie Menschenleben
gegen Materialkosten abschätzen müssen.
Das gilt auch für den Luftverkehr in Ballungszentren, an dem bald verstärkt Dienstleistungs-Drohnen teilnehmen werden.
Nicht zuletzt erwähnen die Wissenschaftler und Unternehmer das Problem des
nicht vorhandenen Datenschutzes. Wie sollen Unternehmen, Behörden und IT-Profis
mit den ihnen zur Verfügung stehenden Daten umgehen? Die Erstellung von allgemein
gültigen Leitlinien soll dabei helfen, die Abgründe von künstlicher Intelligenz zu erkennen und vor ihnen haltzumachen.
Innovation
Forscher entwickeln Programm gegen Produktionsausfälle
Eine Software von Forschern aus Aachen kann Produktionsdaten analysieren und mögliche Ausfälle von vornherein verhindern
Wenn die Produktion still steht, droht Unternehmen ein hoher finanzieller Schaden.
Foto: Flickr/ GillyBerlin/CC BY 2.0
E
ine neue Big-Data-Plattform soll alle
Daten zur Produktion von Industriebetrieben sammeln und Produktionsausfälle
vorab verhindern. Steht in einem Unternehmen die Produktion still, so führt dies
meist zu weitreichenden Konsequenzen,
die im schlimmsten Fall einen enormen
finanziellen Schaden verursachen. Die
Ursache für die Ausfälle liegt in der Regel
in der fehlenden Transparenz im Produkt-
ionsgeschehen, die Unternehmen teuer zu
stehen kommt.
Hier möchte das FIR an der RWTH
Aachen gemeinsam mit Partnern aus der
Informations- und Kommunikationstechnologie-Branche sowie mit Anwendungsunternehmen Abhilfe schaffen. In
ihrem Forschungsprojekt „BigPro“ (Förderkennzeichen 01IS14011A) wollen die
Konsortialpartner unter Leitung des FIR
eine Big-Data-Plattform entwickeln, mit
deren Hilfe Unternehmen Störungen in
der Produktion vorhersehen und so besser darauf reagieren können.
Der Ansatz des Projekts besteht darin, die komplexen Datenströme in der
Produktion um die Rückmeldungen der
Produktionsmitarbeiter zu Störungen
zu ergänzen und in Echtzeit zu verarbeiten. Im Falle einer Störung wird ein
Abbild der aktuellen Datenkonstellation
(Datenmuster) gespeichert und der Störung zugeordnet. Sollte sich später eine
ähnliche oder gleiche Datenkonstellation ergeben, erkennt das System diese
und kann auf die mögliche, im System
4
Deutsche
MittelstandsNachrichten
powered by
Ausgabe |02/15
hinterlegte Störung hinweisen. Dies
ermöglicht den Mitarbeitern, proaktiv
auf Störungen zu reagieren, noch bevor
diese tatsächlich eingetreten sind. „Die
BigPro-Lösungslogik kann beispielsweise eingesetzt werden, um die Produktionsmitarbeiter bei androhenden
Maschinenausfällen via E-Mail direkt
zu informieren und ihnen Maßnahmen
zur Störungsbehebung vorzuschlagen“,
erklärt der FIR-Wissenschaftler Felix Jordan.
Die Gegenmaßnahmen sind in ei-
nem dynamischen Störungskatalog hinterlegt, der stets erweitert wird. Sie werden kontinuierlich im Hinblick auf ihre
Effektivität analysiert und bewertet, sodass etwa fehlgeschlagene Maßnahmen
erkannt, überprüft und wiederum optimiert werden können. Die Forschungsarbeiten des vom Bundesministerium
für Bildung und Forschung (BMBF)
geförderten Projekts sind für den Zeitraum bis August 2017 angesetzt.
Das FIR ist eine gemeinnützige,
branchenübergreifende Forschungsein-
16. Januar 2015
richtung an der RWTH Aachen auf dem
Gebiet der Betriebsorganisation und
Unternehmensentwicklung. Das Institut begleitet Unternehmen, forscht,
qualifiziert und lehrt in den Bereichen
Dienstleistungsmanagement, BusinessTransformation, Informationsmanagement und Produktionsmanagement.
Als Mitglied der Arbeitsgemeinschaft
industrieller Forschungsvereinigungen
fördert das FIR die Forschung und Entwicklung zugunsten kleiner, mittlerer
und großer Unternehmen.
Internet
Facebook kennt Nutzer besser als Familienangehörige
Computer können bald anhand weniger Facebook-Likes auf individuelle und emotionale Bedürfnisse der Menschen eingehen
F
orscher der Universitäten Cambridge
und Stanford fanden heraus, dass Computer schon anhand weniger persönlicher
Daten wie Facebook-Likes komplexe psychologische Profile von Nutzern erstellen
können. Die Forschungsergebnisse gehen
so weit, dass der Computer bei der Einschätzung der Testperson bessere Ergebnisse erzielte als enge Angehörige.
Diese Ergebnisse können für die Weiterentwicklung von künstlicher Intelligenz
genutzt werden. Denn je mehr persönliche
Daten ein Computer über seinen Besitzer
bekomme, desto präziser könne er auf dessen Wünsche eingehen, berichtete die Financial Times. Das kann die Kommunikation
von Mensch und Maschine verbessern. Zum
Beispiel könnte die Interaktion mit einem
Betriebssystem dadurch intuitiver werden.
Facebook-Nutzer können auf dem sozialen Netzwerk Kommentare, Seiten, Videos,
Bilder und vieles mehr mit einem „Like“ versehen. Dadurch werden ihre Präferenzen für
andere Nutzer und auch für Facebook sichtbar. Die Angabe der Likes führt zu personalisierter Werbung und individuell zugeschnittenen Empfehlungen auf Facebook.
In einem Experiment untersuchten die
Forscher tausende Facebook-Profile und die
Likes, die die Testpersonen den Forschern zur
Verfügung gestellt hatten. Die Testpersonen
beantworteten außerdem einen psychologischen Fragebogen. Anschließend sollten sie
Personen aus ihrem Umfeld bestimmen, die
die gleichen Fragen beantworten. So konnten
die Forscher Vergleiche zwischen der Selbst-
Computer können Facebook-Nutzer anhand ihrer Facebook-Likes erstaunlich gut kennenlernen.
Foto: Flickr/Owen W Brown/CC BY 2.0
beschreibung der Testperson, der Einschätzung der Angehörigen und Verwandten und
dem künstlich erstellten psychologischen
Profil auf Basis der Facebook-Likes anstellen.
Das Computerprogramm benötigte nur
10 Facebook-Likes, um die Angaben eines
Arbeitskollegen zu übertreffen. Um besser
abzuschneiden als ein Freund, bedurfte es
schon 70 Facebook-Likes. Doch Computer
können sogar bessere Ergebnisse als der jeweilige Ehepartner der Testperson erzielen,
solange sie 300 Likes zur Analyse bereitgestellt bekommen. Jeder Facebook-Nutzer hat
im Schnitt 224 Likes auf seinem FacebookProfil.
„Das bedeutet, dass ein Computer eine
Person nicht nur verstehen, sondern auch
auf seine individuellen Bedürfnisse eingehen kann“, sagt David Stillwell, Co-Autor der
Studie und Direktor des Psychometrie-Zentrums an der britischen University of Cambridge.
Frühere Studien belegten bereits, dass
eine Analyse der Facebook-Likes Aufschlüsse
über die sexuelle Orientierung, den Intelligenzquotienten und die politische Einstellung geben kann. Auch sind Rückschlüsse
über den Drogenkonsum möglich sowie Angaben darüber, ob es sich bei dem FacebookNutzer um ein Scheidungskind handelt.
5
Deutsche
MittelstandsNachrichten
powered by
Ausgabe |02/15
16. Januar 2015
Freihandel
TTIP-Verhandlungen bis Ende Februar verschoben
Im Streit um Investorenschutzklauseln im Freihandelsabkommen TTIP können Gegner einen Teilerfolg erzielen
R
und 97 Prozent der teilnehmenden
Personen, Verbände und Firmen
lehnen Schiedsgerichte zur Schlichtung
von Streitigkeiten zwischen Staaten und
Konzernen ab, so lautet das kürzlich veröffentlichte Ergebnis einer offiziellen
EU-Konsultation zum transatlantischen
Freihandelsabkommen TTIP. Im Rahmen
der europaweiten Befragung zum Investitionsschutzkapitel im geplanten Freihandelsabkommen waren rund 150.000
Eingaben gemacht worden.
„Aus der Konsultation geht klar hervor, dass gegenüber dem Instrument der
ISDS äußerste Skepsis herrscht”, sagte EUHandelskommissarin Cecilia Malmström,
die für die EU die Verhandlungen mit den
USA leitet.
Bevor die Kommission politische
Empfehlungen zum weiteren Vorgehen
beim Investitionsschutz abgibt, will sie
nach eigenen Angaben nun neuerliche
Diskussionen mit dem EU-Parlament, den
EU-Staaten und anderen Interessengruppen wie Gewerkschaften, Verbraucherschützern und Unternehmen führen. Die
Gespräche dazu will Malmström Ende Februar mit dem EU-Parlament aufnehmen.
„Das Ergebnis der Konsultation
spricht eine deutliche Sprache: Diese
Schiedsverfahren sind eine Gefahr für
die Demokratie und in Europa nicht erwünscht. Die EU-Kommission muss ihr
eigenes Verfahren ernst nehmen und die
Verhandlungen sofort beenden“, fordert
Karl Bär, Sprecher der selbstorganisierten
Europäischen Bürgerinitiative Stop TTIP.
„Das europäisch-kanadische Abkommen
CETA, das ein ähnliches Investitionsschutzkapitel enthält, darf nicht ratifiziert
werden.“
Die Investitionsschutzkapitel beinhalten Mechanismen und Regeln für die Konfliktbearbeitung zwischen Staaten und
Unternehmen, das so genannte „InvestorState Dispute Settlement“ (ISDS). Diese
Regelungen würden es ausländischen
Investoren ermöglichen, Staaten vor privaten Schiedsgerichten zu verklagen. In
den vergangenen Jahren haben Unternehmen im Rahmen von bereits bestehenden
Abkommen wiederholt Milliardenklagen mission aus der regen Beteiligung an der
gegen Staaten angestrengt: So verklagte Konsultation ziehen kann, ist es, auf ISDS
der schwedische Energieriese Vattenfall vollständig zu verzichten“, so Nelly Grotedie deutsche Bundesregierung wegen fendt, Koordinatorin des Bündnisses TTIP
Umweltauflagen für ein Kohlekraftwerk, unfairHandelbar.
„Wenn die EU-Kommission dennoch
der kanadische Öl- und Gaskonzern Lone
Pine strengte wegen eines Fracking-Mo- am Investorenschutz festhält, zeigt sie,
ratoriums ein Verfahren gegen die eigene dass es ihr nicht um echte BürgerbeteiRegierung an. „Diese Beispiele zeigen, dass ligung, sondern nur um Augenwischerei
die Verfahren von Konzernen genutzt wer- ging. Und das schon zum zweiten Mal:
den, um Umweltauflagen zu verhindern, Auch die europäische Bürgerinitiative gedemokratische Regulierung einzuschrän- gen TTIP und CETA wurde aus fadenscheiken und sich aus der Staatskasse zu bedie- nigen Gründen abgelehnt. Die Kommisnen“, so Bär
weiter.
Um die
öffentliche
Debatte über
den Investitionsschutz in
den Abkommen mit USA
und Kanada
zu
beruhigen, befragte
die EU-Kommission von
Ende März
bis Mitte Juli
US-Amerikanische Konzerne könnten sich auf Investorenschutzparagraphen beru2014 die Öf- fen und hohe Summen aus den Staatskassen einklagen, fürchten die Gegner von TTIP.
fentlichkeit.
Foto: Flickr/Mehr Demokratie/CC BY-SA 2.0
Die Formulierung der Konsultation legte allerdings sion fördert damit die EU-Verdrossenheit
von Anfang an eine positive Beurteilung und schadet der europäischen Idee“, so
des Investitionsschutzes nahe. Die we- Karl Bär. „Den Widerstand gegen TTIP wird
sentliche Frage, ob ISDS Teil des transat- sie damit nicht aufhalten können!“
Mit der Bürgerinitiative Stop TTIP, die
lantischen Freihandelsabkommens sein
sollte, wurde gar nicht gestellt. Dennoch von 340 Organisationen aus ganz Europa
gingen 145.000 Antworten ein, die das In- getragen wird, protestieren mittlerweile
vestitionsschutzkapitel oder das gesamte über 1.260 000 Menschen gegen TTIP und
Freihandelsabkommen generell ableh- CETA.
Damit steht der Zeitplan für den
nen. Dabei nutzte ein Großteil der Bürgerinnen und Bürger Online-Angebote, die Abschluss des Freihandelsabkommens
das Umweltinstitut München und weitere (TTIP), von dem sich die deutsche Exporteuropäische Organisationen bereitgestellt wirtschaft starke Impulse erhofft, auf der
hatten, um die Beteiligung an der unnötig Kippe. Bundeskanzlerin Angela Merkel
(CDU) hatte sich kürzlich für ein Abkomkomplexen Konsultation zu erleichtern.
„Hinter jeder dieser Eingaben steht men noch in diesem Jahr eingesetzt. In
ein Mensch, der ISDS und in vielen Fäl- den USA drohen die Verhandlungen, ein
len auch TTIP ablehnt. Die einzig ernst- Thema im Präsidentschaftswahlkampf
zunehmende Konsequenz, die die Kom- 2016 zu werden.
6
Deutsche
MittelstandsNachrichten
powered by
Ausgabe |02/15
16. Januar 2015
Mittelstand
Industriebetriebe müssen in China Preise senken
Chinas Industrie setzt 2015 auf Automatisierung. Deutsche Exporteure können davon profitieren, wenn sie die Preise senken
D
ie chinesische Regierung wird die Automatisierung der eigenen Wirtschaft 2015
stärker denn je fördern. Hiervon wird die deutsche Wirtschaft profitieren. Davon sind 81 Prozent der Unternehmen mit China-Erfahrung
überzeugt. Doch die deutsche Industrie ist für
den chinesischen Markt häufig zu teuer. Mehr
als jede zweite Firma hält die Preise für nicht
wettbewerbsfähig.
Das zeigt eine Studie der Unternehmensberatung Fiducia Management Consultants
und des Chinaforums Bayern. Für den „China
Poll“ wurden mehr als 200 in China tätige deutsche Unternehmen befragt.
„In China zeichnet sich eine rasante Entwicklung bei der Automatisierung von Produktionsstätten ab“, sagt Stefan Kracht, Geschäftsführer von Fiducia Management Consultants.
„Bis 2017 sind allein entlang der chinesischen
Küste 30 bis 40 Automatisierungs- und Roboterindustrieparks geplant. Im südchinesischen
Zhejiang wollen gleich 36.000 Unternehmen
auf automatische Fertigung umstellen.“ Deutsche Unternehmen seien als Partner solcher
Projekte hochwillkommen.
Pluspunkte für eine Automatisierungspartnerschaft sammeln Unternehmen aus
Deutschland in China vor allem mit ihrer Ingenieurskunst: Fast 90 Prozent sehen in technischen Lösungen „Made in Germany“ eine
besondere Stärke. Gleichzeitig warnt die Mehrheit der Befragten vor drei Stolpersteinen: Die
deutschen Maschinen und Roboter seien für
den chinesischen Markt zu teuer (61 %), die bürokratischen Hürden zu hoch (58 %) und jedem
Zweiten mangele es in deutschen Firmen am
Verständnis für die chinesische Kultur.
Zudem haben viele Industrieunternehmen immer noch Schwierigkeiten bei der Neuentwicklung oder Anpassung ihrer Produkte
an den chinesischen Markt. „Kunden aus dem
Reich der Mitte besitzen zunehmend mehr
China setzt auf Automatisierung – und braucht dafür Maschinen aus Deutschland.
Selbstbewusstsein. Sie erwarten, dass Maschinen und Anlagen auf ihre lokalen Bedürfnisse
zugeschnitten werden. Dies kann beispielsweise eine abgespeckte Standardversion zu einem
günstigeren Preis sein“, so Kracht. Ebenfalls
ausbaufähig ist der Kundenservice. Hier ergibt
die Studie lediglich Bewertungen im mittleren
Bereich.
Mit ansteigendem Automatisierungsgrad
wachsen zudem die Ansprüche an die Qualifikation der Arbeitnehmer. „Rund drei von vier
Befragten glauben nicht, dass chinesische Mitarbeiter derzeit über die richtige Ausbildung
verfügen, um die Anforderungen einer automatisierten Produktion bewältigen zu können“,
sagt Stefan Geiger, Geschäftsführer des Chinaforums Bayern. „Im Rahmen der technischen
Aus- und Fortbildung sollten sich auch deutsche Unternehmen einbringen. Externe Schulungen lassen sich beispielsweise zu einem zusätzlichen Serviceangebot ausbauen.“
Foto: Flickr/Joriz De Guzman/CC BY 2.0
Impressum Herausgeber: Dr. Michael Maier. Redaktion: Thomas Gollmann Anika Schwalbe, Jennifer Bendele. Layout: Nora Lorz. Copyright: Blogform
Social Media GmbH, Kurfürstendamm 206, D-10719 Berlin. HR B 105467 B. Telefon: +49 (0) 30 / 81016030, Fax +49 (0) 30 / 81016033. Email: info@blogformgroup.com. Erscheinungsweise wöchentliches Summary: 52 Mal pro Jahr. Bezug: abo@blogformgroup.com. Mediadaten: media@blogformgroup.com.
www.deutsche-mittelstands-nachrichten.de
7
Autor
Document
Kategorie
Uncategorized
Seitenansichten
1
Dateigröße
1 291 KB
Tags
1/--Seiten
melden