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Ausstellung "Zwangsarbeit in Südost"

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Zwangsarbeit in Südost

Die Zwangsarbeit in der NS-Zeit war ein weitreichendes System, um die Produktion insbesondere während des Krieges
aufrecht zuhalten. Viele qualifizierte Mitarbeiter wurden zum Kriegseinsatz eingezogen. An den Betrieben ging dies nicht
spurlos vorbei. Diese Lücken versuchte man durch Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge aus allen besetzten
Ländern zu schließen.
Die Lager wurden oftmals direkt im Stadtgebiet aufgebaut, so dass ihre Existenz niemandem verborgen bleiben konnte. Wir
wollen ihnen mit diesen Infotafeln näher bringen, wie das System der Zwangsarbeit im Südosten unserer Stadt wirkte. Hierzu
zeigen wir die Arbeits- und Lebensbedingungen der Zwangsarbeiter und wollen den Beitrag Magdeburgs zur Rüstung des NSStaates darstellen. Weiter soll an die Menschen, die Widerstand geleistet haben und durch das System der Zwangsarbeit zu
Tode gekommen sind, erinnert werden.
In den südlichen Stadtteilen profitierten besonders die Maschinenfabrik Buckau R. Wolf AG, Fahlberg-List und die Deutsche
Reichsbahn (RAW) vom System der Zwangsarbeit. Auf der nachfolgenden Grafik sind einige bekannte Standorte von
Zwangsarbeiterlagern dargestellt.
1. Mertenstr. 16
2. Alt-Fermersleben 32
3. Blumenstr. (Salbke)
4. Feldstr. (Buckau, Karl-Schmidt-Str.)
5. Am Hopfengarten 8, (Friedrich-List-Str.)
6. Felgeleber Str. RAW
Quelle Stadtplan: Magdeburger Verkehrsverein e. V.
7. Alt Salbke 117 Freundschaftsweg/Unterhorstweg
8. Lothringer Str. 1-7, heute Ferdinand-Schrey-Str.
9. Salbker Schule (Friedhofstr.)
10. Hubertusstr. 1
11. Sohlener Str. 3
12. Holsteiner Str. 66 (Lager Diana)
Zwangsarbeiterlager Diana

Das Lager entstand 1942 auf einem zuvor seit 1925 als Sportplatz
genutztem Areal (heute Sportplatz Tonschacht). Bauherr war das
Chemiewerk Fahlberg-List, dessen Produktionsstätte sich weiter
nordöstlich befand. In dem aus mehreren Baracken bestehenden Lager
waren etwa 350 Zwangsarbeiter untergebracht, die bei Fahlberg-List
eingesetzt wurden. Zum wohl überwiegenden Teil stammten die
Menschen aus Osteuropa, vornehmlich aus dem Gebiet der damaligen
Sowjetunion und Polens. Es gab jedoch auch Zwangsarbeiter aus anderen
zeitweise von Deutschland im Zweiten Weltkrieg besetzten Ländern. Aus
westeuropäischen Ländern befanden sich etwa 40 Personen im Lager.
Aufgrund der schlechten Arbeits- und Lebensbedingungen und der
schlechten medizinischen Versorgung kamen viele Zwangsarbeiter und
auch im Lager lebende Kinder um. Die Toten wurden auf einem
gesonderten Ausländerfriedhof, dem heutigen Feld der Vereinten
Nationen an der Südseite des Friedhofs Westerhüsen beigesetzt.
Insgesamt waren die Lebensbedingungen jedoch erheblich besser als in
Konzentrations- oder Straflagern.
Arbeitsbedingungen
Luftbild - Nr. 49 ist das Lager Diana. Quelle: magado.
Je nach konkreter Arbeitsaufgabe erwiesen sich die Arbeitsbedingungen
als sehr schwierig. Die wöchentlichen Arbeitszeiten betrugen 54 bis 90
Stunden. Zumindest die französischen Arbeiter erhielten eine Entlohnung.
Der Durchschnittslohn betrug 100 Mark monatlich, abzüglich 20 % für
Abgaben und Sozialversicherung. Maximal konnten 230 Mark gezahlt
werden. Bei Fahlberg-List war es den französischen Arbeitern möglich
ihren Lohn nach Frankreich an ihre Familien zu überweisen. In
Deutschland war das Geld nur bedingt einsetzbar, da die Zwangsarbeiter
nicht über die erforderlichen Lebensmittelkarten verfügten.
Gefährlich war die zum Teil mangelhafte Ausstattung von Arbeitsplätzen
an denen mit gefährlichen Stoffen umgegangen werden musste. Ein
junger Flame verstarb, nach dem er über etwa ein Jahr in einem
Forschungslabor von Fahlberg-List mit Quecksilber(II)-chlorid gearbeitet
hatte, an einer Quecksilbervergiftung. Auch der Zwangsarbeiter Georges
Goris wurde dann von seinem Vorgesetzten, dem örtlichen NSDAP-Leiter
Bernhard Gaudian, angehalten in einem Labor mit QuecksilberchloridVerbindungen zu arbeiten. Goris, der von dem Tod seines flämischen
Kollegen Kenntnis hatte, weigerte sich jedoch mit Verweis auf eine
vorgetäuschte Magenerkrankung. Gaudian hielt daraufhin Rücksprache
mit dem Leiter der Forschungslabore Gustav Gassner und teilte im
Ergebnis mit, dass man ihn aufgrund der kriegsgesetzlichen
Gegebenheiten nicht zwingen könne. Goris wurde dann praktisch
strafversetzt und zu körperlich schweren Arbeiten als sogenannter
Hofarbeiter herangezogen.
1945 und die Auflösung
Die Zahl der durch die schlechten Arbeits- und
Lebensbedingungen umgekommenen Bewohner des Lagers ist nicht genau bekannt. Im Jahr
2005 wurde zum Gedenken an das Lager eine
von Wolfgang Roßdeutscher geschaffene
Gedenkstele aufgestellt.
Die Situation im Lager ist durch die
Aufzeichnungen
des
französischen
Zwangsarbeiters Georges Goris (1919-2007)
überliefert, der ab dem 12. März 1943 im Lager
lebte und im Zuge des französischen
Pflichtarbeitsdienstes
Zwangsarbeit
leisten
musste. Goris war von Beruf Hilfslaborant und
wurde als solcher im Chemiewerk Fahlberg-List
eingesetzt.
Nach der Zerstörung Magdeburgs durch den verheerenden Luftangriff
vom 16. Januar 1945 wurden die Zwangsarbeiter zu Aufräumarbeiten in
der Magdeburger Innenstadt herangezogen. In der Nähe der Sternbrücke,
der damaligen Adolf-Hitler-Brücke, hatte die Gruppe beim Bau von kleinen
Bunkern zu helfen. Hier arbeiteten auch bis auf das Skelett abgemagerte
jüdische Gefangene. Während dieser Arbeiten war jeweils ein schweres
Maschinengewehr auf die Arbeitenden gerichtet. Unweit der Brücke
wurden die Zwangsarbeiter Zeugen von Misshandlungen an jüdischen
Gefangenen während eines Appells, in dessen Verlauf zwei jüdische
Gefangene durch Schüsse in Kopf und Brust getötet wurden.
Das Lager bestand als Zwangsarbeiterlager bis zur Besetzung des Gebiets
durch US-amerikanische Truppen am 11. oder 12. April 1945. Bei den
ersten US-Soldaten die das Lager betraten handelte es sich um polnische
Soldaten. Russische und polnische Zwangsarbeiter knieten aus
Dankbarkeit für ihre Befreiung vor den Soldaten nieder und küssten sie.
Die deutschen Bewacher hatten sich zuvor schnell abgesetzt.
In der Folgezeit wurden die Baracken zunächst noch als
Behelfsunterkünfte für aus den deutschen Ostgebieten Vertriebene und
durch die Bombenangriffe wohnungslos gewordene Magdeburger genutzt.
Später wurden die Baracken abgerissen und wieder ein Sportplatz
eingerichtet.
Gedenken - Feld der Nationen

Im Frühsommer 1941 wurde ein 1.500 m2 großes
ungenutztes Stück des Friedhofs Westerhüsen vom
Friedhof abgetrennt und als Ausländerfriedhof
geführt. Von 1941 bis April 1945 wurden auf dem
umzäunten Gelände an der Südseite des Friedhofs
Westerhüsen
in
Magdeburg
umgekommene
Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge
beigesetzt. Die genaue Zahl der Beigesetzten ist
unbekannt. Eine Angabe geht von 766 Bestatteten
aus 11 Ländern, darunter etwa 60 Kinder aus.
Andere Angaben führen 788 Beigesetzte an.
Unmittelbar nördlich des Friedhofs befand sich ab
1942 das Zwangsarbeiterlager Diana. Für die Anlage
des Ausländerfriedhofs in diesem Bereich sprach die
abgelegene Lage. Darüber hinaus war das Gebiet
bereits eingezäunt und durch den vorhandenen alten
Baumbestand
schlecht
einsehbar.
Der
Maschendrahtzaun um den Ausländerfriedhof war 2
m hoch. Der Ausländerfriedhof hatte einen eigenen
Zugang auf der Südseite. Beisetzungen erfolgten in
einem Papiersack, wobei die Leichen seitlich liegend
bestattet wurden, um Platz zu sparen. Anstelle einer
Grabinschrift wurde ein etwa 25 cm aus dem Boden
Blick über das Feld der Nationen auf dem Westerhüsener Friedhof.
ragendes Holzschild genutzt, auf welchem eine
Matrikel- bzw Häftlingsnummer vermerkt war. Die erste Beisetzung erfolgte am 4. August 1941. Beerdigt wurde der polnische
Leutnant Anton Buday. 1941 folgten 7 weitere Beerdigungen. 1942 stieg die
Zahl auf 85 an. 1943 fanden 161, 1944 330 Beisetzungen statt. 1945 waren es
nochmals 204 Beerdigung, wobei 57 Beerdigungen erst nach dem 12. April
1945, dem Tag des Einrückens US-amerikanischer Truppen in Westerhüsen,
stattfanden. Die letzte Bestattung erfolgte mit der Beerdigung eines
Unbekannten am 9. Juni 1945. Für 331 Verstorbene wird als
Staatsangehörigkeit Russland angegeben. 138 stammten aus Polen, 81 aus
der Ukraine, 15 aus Serbien, 13 aus Tschechien, 4 aus Belgien, 3 aus Lettland,
2 aus China, 2 aus Spanien und jeweils einer aus Frankreich und aus den
Niederlanden. Bei vielen Opfern wurden keine Angaben zur Herkunft
gemacht. Im April 1945 wurden auch die in der Umgebung Westerhüsens
gefallenen US-amerikanischen Soldaten auf dem Friedhof beigesetzt, später
jedoch umgebettet.
Ein Grabstein im Feld der Nationen.
• 1945/1950: fanden Exhumierungen und Überführungen der sterblichen
Überreste in die Heimatländer, wie Belgien, Dänemark, Frankreich,
Niederlande und Norwegen statt.
• 1947: Umgestaltung auf Weisung der sowjetischen Militäradministration.
Die Gräber erhielten Grabsteine und Grabeinfassungen aus grauem
Betonkunststein. Auf den Grabsteinen standen Namen, darüber hinaus war
ein Sowjetstern abgebildet. An zentraler Stelle wurde ein Mahnmal mit den
Insignien der Sowjetunion, Stern sowie Hammer und Sichel aufgestellt.
• DDR-Zeit: die Wege mit einer Kiesschüttung versehen. Auf dem Gelände
wurden regelmäßig Pionier-, FDJ- und Sportlerehrungen von der
Westerhüser Schule vorgenommen.
• 1989-96: Die Anlage unter anderem mit Unterstützung des Volksbundes
Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. saniert und teilweise neu gestaltet.
• 1995: Das Gräberfeld erhielt zu Ehren der im April 1945 gegründeten
Vereinten Nationen seinen heutigen Namen.
• 2005: wurde, mit Unterstützung des Landtagspräsidenten des Landtages
von Sachsen-Anhalt, Dieter Steinecke vor dem Friedhof ein Gedenkstein
errichtet. Er trägt die Inschrift: Auf diesem Friedhof ruhen 766 Opfer des II.
Weltkrieges aus 11 Nationen. Dazu ist das Zitat vermerkt: Frieden ist nicht
alles, aber ohne Frieden ist alles nichts. W. Brandt.
• 15. Nov. 2005: wurde durch den VDK direkt am Feld ein aus Edelstahl
gefertigtes Totengedenkbuch aufgestellt.
Das Totengedenkbuch.
• 2013: Totengedenkbuch auf Initiative der bündnisgrünen Ratsfraktion auch
auf der Internetseite der Stadt zugänglich gemacht.
Widerstand in Südost

Reinhold Julius
Hubert Materlik
war ein deutscher Widerstandskämpfer gegen
den Nationalsozialismus und Boxer.
war Widerstandskämpfer gegen den
Nationalsozialismus und KPD-Politiker.
Julius wurde als Sohn einer kinderreichen Familie aus dem
Arbeitermilieu in der Straße Knochenhauerufer in der
Magdeburger Altstadt geboren.
Nach dem Besuch der Volksschule begann er eine
Lehrausbildung zum Former, die er jedoch schnell abbrach.
Er nahm dann eine Arbeit als ungelernter Arbeiter im
Friedrich Krupp AG Grusonwerk in Magdeburg-Buckau auf
und war hier zuletzt in der Lichtpause beschäftigt.
Materlik wurde als Sohn eines Malermeisters geboren. Er
begann zunächst eine Lehre als Kupferschmied, musste
diese jedoch aus wirtschaftlichen Gründen aufgeben.
* 8. März 1913 in Magdeburg
† 31. Juli 1937 in Berlin-Plötzensee
Julius engagierte sich in der Arbeiterbewegung. Er war
Mitglied des Kommunistischen Jugendverband Deutschlands
(KJVD) und des Deutschen Metallarbeiterverbandes (DMV).
Er boxte in Arbeitersportvereinen.
In der Zeit des Nationalsozialismus engagierte er sich im
Widerstand. Er verteilte regimekritische Literatur und hisste
am 1. Mai auf dem Sportplatz von Magdeburg-Fermersleben
eine rote Fahne. Nach einer ersten Inhaftierung im Jahr 1933
wurde er 1935 erneut verhaftet. Er wurde Opfer von
Folterung und Einzelhaft. Im Sommer 1937 wurde er vom
Volksgerichtshof wegen Hochverrat zum Tode verurteilt. Das
Urteil wurde im Gefängnis Berlin-Plötzensee durch
Enthauptung vollstreckt. Seine Urne wurde auf dem
städtischen Friedhof Berlin-Marzahn beigesetzt. Ein
Gedenkstein erinnert dort an ihn und weitere 45 Opfer des
Nationalsozialismus.
* 8. Juli 1895 in Eichenau
† 26. Juli 1944 in Magdeburg
Von 1914 bis 1918 nahm er als deutscher Soldat am Ersten
Weltkrieg teil. Er trat dann der USPD bei, wobei er zu deren
linken Flügel zählte. 1920 wurde er Mitglied der KPD. 1921
wurde Materlik, er arbeitete inzwischen bei der Fa.
Fahlberg & List in Magdeburg-Salbke, in den dortigen
Betriebsrat gewählt. Der gewerkschaftlich aktive Materlik
verlor 1923 seinen Arbeitsplatz, dies mutmaßlich wegen
seines politischen Engagements. Innerhalb der KPD
bekleidete er ehrenamtliche Funktionen. Später war er
auch als Kraftwagenführer tätig.
Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933
schloss er sich dem kommunistischen Widerstand an. Ab
1937 gehörte er zur Widerstandsgruppe um Hermann
Danz. Materlik wurde im März 1939 verhaftet und befand
sich bis zu seiner Entlassung im November 1941 in
Untersuchungshaft. Er schloss sich wieder der
Widerstandsgruppe
um
Hermann
Danz,
Johann
Schellheimer und Martin Schwantes an. Zu seinen
Aufgaben
gehörten
die
Kontaktaufnahme
mit
ausländischen Zwangsarbeitern und die Verteilung von
Flugblättern. Im Juli 1944 wurde er erneut verhaftet und
von der Gestapo gefoltert. Er erhängte sich in seiner
Gefängniszelle.
Franz Rekowski
* 26. Januar 1891 in Dringel, Kreis Schlochau - † 30. März 1945 in Coswig (Anhalt)
Während des Ersten Weltkriegs geriet Rekowski in französische Kriegsgefangenschaft. Nach seiner Rückkehr arbeitete er
bis 1926 beim Bauern Eilendorf in Sohlen. Er verlor seine Arbeitsstelle als bekannt wurde, dass er als Kassierer im
Landarbeiterverband engagiert war. Es schloss sich eine Arbeit im Magdeburger Chemiewerk Fahlberg-List an. Auch diese
Stelle soll er 1928, obwohl parteilos, wegen politischer Aktivitäten verloren haben. Er fand dann eine Arbeit im Wasserwerk
Buckau, bis er 1930 im Zuge der Weltwirtschaftskrise arbeitslos wurde. 1935 fand er Arbeit in der Hobelei der
Maschinenfabrik Buckau R. Wolf in Magdeburg. Zumindest Ende der 1930er Jahre lebte er in der Faberstraße 11 im
Magdeburger Stadtteil Fermersleben.
Rekowski engagierte sich gegen die nationalsozialistische Gewaltherrschaft und schloss sich der Widerstandsgruppe
Schumann an. Besonders setzte er sich für sowjetische und französische Kriegsgefangene ein, denen er Essen beschaffte.
Darüber hinaus verbreitete er im Werk Informationen, die er beim illegalen Abhören ausländischer Sender erhalten hatte.
Ein besonderes Vertrauensverhältnis verband ihn mit dem Franzosen André Minet. Rekowski wurde verhaftet, da er
Kriegsgefangenen Tomaten gegeben hatte. Er wurde am 28. Januar 1944 zu fünf Jahren Zuchthaus und zu fünf Jahren
Ehrverlust verurteilt. Er verstarb am 30. März 1945 während der Haft im Zuchthaus Coswig.
Heinz Sommer
* 1894 - † 1944 in Coswig (Anhalt) war ein deutscher Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus.
Sommer war Mitglied der SPD und arbeitete in der Maschinenfabrik Buckau R. Wolf im Magdeburger Stadtteil Buckau. Auch
in der Zeit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft war er politisch aktiv und arbeitete in einer Widerstandsgruppe mit.
Er gab während des Zweiten Weltkriegs Informationen ausländischer Radiosender weiter und hielt Kontakt mit
Kriegsgefangenen. Er half und unterstützte sowjetische Kriegsgefangene. Hierfür wurde er von der Gestapo verhaftet und im
Zuchthaus Coswig interniert. Hier verstarb er 1944.
Die Stadt Magdeburg hat ihm zu Ehren eine Straße als
Heinz-Sommer-Weg benannt.
Widerstand in Südost (2)

Ludwig Wellhausen
4. Oktober 1884 in Hannover - † 4. Januar oder 18. März 1940 im KZ Sachsenhausen
war ein deutscher Politiker (SPD) und Gegner des Nationalsozialismus.
Wellhausen war als Drechsler und Seemaschinist tätig und arbeitete in Hamburg als
Maschinenbauer. Er trat der SPD bei und war ab 1926 Sekretär der Partei in Hamburg. Am 13.
Januar 1933 wurde er SPD-Bezirkssekretär in Magdeburg, musste jedoch nach der
Machtübernahme der Nationalsozialisten und der am 23. Juni 1933 erfolgten Auflösung der
SPD bereits nach kurzer Zeit in der Illigalität arbeiten. Gemeinsam mit Werner Bruschke und
Ernst Lehmann baute er ein illegales Informationsnetzwerk auf.
Er wohnte mit seiner Familie im Quittenweg 2 in der Magdeburger Gartenstadt Reform. Von
1934 bis 1938 arbeitete er als Monteur und Schlosser in der Maschinenfabrik Buckau R. Wolf.
Durch Auslandsreisen als Monteur soll er Verbindung zum SPD Parteivorstand in Prag gehabt
haben. Nach seiner am 12. Januar 1939 wegen Hochverrats erfolgten Verhaftung wurde er ins
Polizeigefängnis Magdeburg in sogenannte Schutzhaft gebracht und dort schwer misshandelt.
Es folgte noch 1939, ohne Gerichtsverfahren, seine Inhaftierung im KZ Sachsenhausen, wo er
am 4. Januar 1940, nach anderen Angaben am 18. März 1940 verstarb.
Sein Name ist auf dem Mahnmal für die Magdeburger Widerstandskämpfer verzeichnet. In
Hamburg wurde am 1. März 2010 vor dem Kurt-Schumacher-Haus für ihn ein Stolperstein
verlegt.
Otto Schumann
Adolf Jentzen
war ein deutscher Politiker und
Landtagsabgeordneter von Sachsen-Anhalt.
war ein Widerstandskämpfer gegen den
Nationalsozialismus
Nach acht Jahren Volksschule lernte Schumann in der
Magdeburger Maschinenfabrik Buckau R. Wolf Dreher.
Es folgte eine mehrjährige Wanderschaft. 1919 trat er
der freigewerkschaftlichen Bewegung bei. 1922 wurde er
Mitglied der KPD. Er arbeitete im Kommunistischen
Jugendverband (KJVD) mit. Zeitweise war er jedoch
Vorsitzender der Magdeburger Ortsgruppe der
Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands. In der Zeit
des Nationalsozialismus bestand um ihn eine größere
Widerstandsgruppe bei Buckau-Wolf. Er wurde 1935 und
1943 verhaftet und wegen illegaler Tätigkeit zu drei
Jahren Zuchthaus verurteilt.
Jentzen arbeitete als Dreher in der Maschinenfabrik BuckauWolf. In der Zeit nach der Machtergreifung durch die
Nationalsozialisten
schloss
sich
Jentzen
einer
Widerstandsgruppe an. Er versorgte Kriegsgefangene, vor
allem aus der Sowjetunion mit Lebensmitteln und informierte
sie über das aktuelle Kriegsgeschehen und insbesondere den
Rückzug der deutschen Truppen. Zumindest Ende der 1930er
Jahre lebte er im ersten Stockwerk des Hauses Große
Schulstraße 10a in Großottersleben.
* 22. Januar 1903 in Riesdorf, Jerichow Land
† Januar 1948
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs engagierte er
sich wieder bei der KPD. Bereits im April/Mai 1945
wurde für das Werk Buckau der Maschinenfabrik Buckau
R. Wolf ein neuer Betriebsrat gebildet, dem Schumann
zunächst als stellvertretender Vorsitzender angehörte.
Später wurde er Betriebsratsvorsitzender. Mit der
Zwangsvereinigung von SPD und KPD wurde Schumann
Mitglied der SED. Er arbeitete im zentralen Parteiapparat
mit und wurde Vorsitzender der SED in seinem Betrieb.
Schumann wurde Mitglied des FDGB und gehörte dem
Kreisvorstand dieser Gewerkschaft an. Bei der ersten
Wahl zum Landtag von Sachsen-Anhalt im Jahr 1946
wurde Schumann im Wahlbezirk 2 für die SED in den
Landtag gewählt.
In den 1930er und 1940er Jahren lebte Schumann in der
Zinckestraße 6 in der Siedlung Fermersleben im
Magdeburger Stadtteil Fermersleben. Er verstarb
plötzlich im Alter von 45 Jahren.
* 5. Oktober 1899 in Klein Ottersleben
† 6. Mai 1943 in Magdeburg
1943 wurde die Widerstandsgruppe verraten und die
einzelnen Mitglieder durch die Gestapo verhaftet. Jentzen
wurde bei den Verhören schwer misshandelt und musste
danach in das Krankenhaus Sudenburg eingeliefert werden. Er
erlag nach wenigen Tagen seinen schweren Verletzungen. Zu
einer Verurteilung kam es nicht mehr.
Die Stadt Magdeburg benannte ihm zu Ehren eine Straße im
Stadtteil Ottersleben als Adolf-Jentzen-Straße. In der Zeit der
DDR war eine Dreherei im SKL, dem ehemaligen Buckau-Wolf,
nach Adolf Jentzen benannt.
Rüstungsschmiede

Der Magdeburger Süden war insbesondere durch die Maschinenfabrik Buckau R. Wolf AG ein wichtiges Rädchen in der
Rüstungsproduktion. Schon im Vorfeld des Zweiten Weltkriegs wurden im Werk auch Rüstungsgüter produziert. Bereits
seit 1937 stieg der Umsatz durch Rüstungsaufträge erheblich. Schwerpunkt war zunächst das Otto-Gruson-Werk in
Buckau.
Für die Produktion wurden auch Zwangsarbeiter aus dem Lager Diana eingesetzt. Im Juli 1944 arbeiteten 5827 Menschen
in den Stammbetrieben des Unternehmens. Davon waren 1442 Kriegsgefangene und 967 ausländische Zwangsarbeiter.
Die eigentliche Stammbelegschaft zählte nur noch 2329 Männer. Beschäftigt wurden auch 597 deutsche Frauen, 295
deutsche Dienstverpflichtete und 197 Lehrlinge.
Auch durch Rüstungsprodukte aus Magdeburg wurde die Kriegsmaschinerie am Laufen gehalten. Für die Kriegsmarine
entstanden hier Anker, Zahnkupplungen, Zahnräder und Radsätze. Zwischen 1936 und 1944 wurde das 7,5-cmGebirgsgeschütz 36 gefertigt. Es entstanden jedoch auch Feldküchen, Teile für Torpedos und U-Boote. Nach Kriegsbeginn
wurden Feldhaubitzen und die 8,8-cm-Kanone für den Tiger-Panzer gebaut. Von 1944 bis 1945 baute man für die
Wehrmacht noch in geringen Stückzahlen den 8-cm-Panzerabwehrwerfer 600.
Foto: Rade Nagraisalović.
Bundesarchiv_Bild_101I-299-1805-16,_Nordfrankreich,_Panzer_VI_(Tiger_I)
Foto: WerWil (CC BY-SA 3.0)
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