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Das Magazin 3 vom 17. Januar 2015

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N ° 3 — 17. JA N UA R 2015
KLEINE
FLUCHTEN
EINE BRATWURST
IM «JOGGELI»
TESSINER WILDBÄCHE
18 PERFEKTE WOCHENENDEN
DA S M AGA Z I N 03/201 5 — BI L DE R C OV E R I M U Z S: F L IC K R C C BY-NC - S A 2 .0 R E I N HOL D BE H R I NGE R ; LUC B OE GL / PA R I S , M U S É E DE L A C H A S S E E T DE L A N AT U R E; M AT T H I A S H E Y DE / F E S T I VA L DA J A Z Z;
A DR I A N T H U R N H E E R ; T OM M A N N ION / S OHO HOU S E U K . BI L D E DI T OR I A L OBEN: F L IC K R C C BY-NC - S A 2 .0 L IGE L EN A . U N T EN: FA BI A N VON U N W E RT H / K E R Z EN J E GE R
EDITORIAL
An Silvester beschlich einen dieses unheimliche Déjà-vu: War
es tatsächlich ein ganzes, zwölf Monate langes Jahr her, dass
Raketen in den Nachthimmel gejagt wurden? Das Gefühl sagte das Gegenteil.
Und nun ist der erste Monat von 2015 auch schon fast wieder um. O je, gibt es denn kein Mittel, die Zeit immerhin ein klitzekleines bisschen anzuhalten? Und muss man nicht genau
jetzt alles daran setzen, haufenweise Erlebnisse zu haben, die
wenigstens als Erinnerungen bleiben werden? An den Zahnrädchen der Zeit lässt sich doch nur so schrauben.
Während der Woche hat man allerdings genug damit zu
tun, seinen Wert als fleissige Arbeitsbiene zu beweisen – da
kann man nicht auch noch daran arbeiten, lauter Erinnerungswerte zu schaffen. Was bleibt, ist also das Wochenende.
Bloss ist das in Zaubertinte mit der Losung überschrieben, dass man sich regenerieren muss, damit man am Montag garantiert wieder vollen Einsatz leisten kann. Auch ganz
schön anstrengend!
Deswegen sollte man sich ausnahmsweise einmal sich
selbst verpflichtet fühlen – und für wenigstens 48 Stunden ein
wenig dem Hedonismus frönen. Natürlich tut man das angesichts all des Schreckens um einen herum nicht mit bestem
Gewissen; andererseits lebt man sowieso, verglichen mit dem
Rest der Menschheit, auf einer Insel der Seligen. Da muss es
doch nicht ständig zwinglianisch zugehen.
Unterm Strich kann man das vielleicht damit rechtfertigen, dass Menschen, die vergnügt und leichtherzig aus ihrem ­Wochenende hinausgehen, diejenigen sind, die ihre gute
Laune weiterverbreiten – und das ist ja auch ein Stück Weltverbesserung.
Vielen Dank an David Zippert, Sam Keller, Sabine Boss,
Pamela Druckerman, Philipp Schwander, Carolina MüllerMöhl, Werner Aisslinger, Alexander Schärer, Endo Anaconda, Pierandré Boo, Monica Glisenti, Ivo Adam, Peter ­Hae­rle,
Rolf Sachs, Rolf Studer, Jürg Schmid, Jürgen Laub und ­Michael
Schindhelm dafür, dass sie so grosszügig ihr «Herrschaftswissen» mit uns teilen. Sie erzählen uns, mit welchen Zutaten sie
ihr Wochenende würzen − in der Schweiz oder dort, wohin es
viele Schweizer zieht.
Anuschka Roshani
Die Wahlpariserin Pamela Druckerman empfiehlt, mit Kindern in den Jardin des Tuileries zu gehen,
damit sie sich austoben (links). Geschäfte wie Kerzen Jeger in Solothurn (rechts) sind eine Seltenheit geworden − umso mehr
Grund hat man, dort stöbern zu gehen, findet Schweiz-Tourismus-Direktor Jürg Schmid.
3
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Mit Ihrer Spende haben Sie nachhaltig geholfen und dazu beigetragen,
dass 2’400’000 Franken an Bedürftige in der Schweiz gehen. Herzlichen Dank, dass
Sie sich für diese Menschen eingesetzt haben.
Eine Aktion der Migros für:
Mitunter gar nicht so leicht, ein Wochenende zu verbringen,
das allen Erwartungen gerecht wird. Deshalb wollten
wir von 18 «Lebensart»-Expertinnen und -Experten wissen,
wie ihres im besten Fall verläuft.
Für Tiere ist ein Tag wie der andere. Daher hat der Senn sonntags nur frei,
wenn seine Schafe versorgt sind.
DA S M AGA Z I N 03/201 5 — BI L D OBEN: N I N A M AT T L I; BI L D U N T EN: E VA B AU DEN B AC H E R / BU V E T T E OE T L I NGE R
MEIN
PERFEKTES
WOCHENENDE
DAVID ZIPPERT: LANGWIES IM SCHANFIGG
Unsere Milchschafe sind eine französische Rasse, sie heissen
Lacaune und kommen aus der Gegend, wo der Roquefort­käse
hergestellt wird. Roquefort ist ein Blauschimmelkäse, unse­
rer aber ein Weissschimmelkäse. Mit dem Käse habe ich zu­
sammen mit meinem Nachbarn hier vor knapp 15 Jahren an­
gefangen, seit einigen Jahren arbeitet auch meine Freundin
Paula auf dem Hof mit. Kuhkäse gibt es hier viel, aber Schafs­
käse, das war eine Marktlücke. Man muss lange experimentie­
ren, bis der Käse so wird, wie man ihn haben möchte, bis die
Arbeitsabläufe sitzen, bis man den Vertrieb geregelt hat. Aber
jetzt sind wir soweit. Ich habe etwa 120 Muttertiere, dazu Jung­
tiere, insgesamt kommen wir auf rund 200 Schafe. Und die
sind am Wochenende halt auch da.
Es gibt zwei Sorten Wochenenden: Entweder wir haben
eine Vertretung, oder wir haben keine. Momentan haben wir
keine. Das bedeutet, dass wir morgens und abends die Schafe
melken; im Winter, wenn sie im Stall sind und nicht wie im
Sommer draussen auf der Alm, müssen wir sie ausserdem noch
füttern. Dazwischen haben wir Wochenende, allerdings nur
am Sonntag.
SAM KELLER:
BASEL
Zuerst machen wir dann einen ausgedehnten Brunch. Manch­
mal kommen Freunde, Nachbarn oder die Familie dazu, wenn
wir sie nicht danach sowieso besuchen.
Wenn das Wetter gut ist, gehen wir wandern in der Natur.
Viele Touristen, die nach Langwies kommen, oder erst recht zu
unserer Alp, und nur Berge, Wiesen und Wälder sehen, mei­
nen, mehr Natur gehe nicht. Aber das stimmt nicht, es geht
noch viel natürlicher. Ein schöner Weg ist es, nach Medergen
zu laufen, da gibt es das Bergrestaurant Alpenrose nicht weit
von unserer Alp, und man kann dort im Sommer auch sehr
schön einkehren. Via Seeliboden laufen wir dann manchmal
weiter ins Hochtal Sapün, da gibt es auch wieder eine Beiz, das
Gasthaus Heimeli, das man nur empfehlen kann. Oder wir
wandern zum Grünsee ins Hochtal Fondei oder steigen hoch
auf die Medergerfluh, 2674 Meter über dem Meer gelegen.
Wenn wir im Sommer auf der Alp wohnen, 600 Höhen­
meter über Langwies, da sehen wir meistens mehr Tiere als
Menschen. Es gehört dazu, dass man sich kennt: die Hirsche
und Rehe, die Auerhähne, Füchse und Stein­böcke. Neulich war
ein Bekannter aus der Stadt zu Besuch und ganz aus dem Häus­
chen, als ich ihm erzählte, dass ich eben einen Stein­adler ge­
sehen hätte. Ich habe ihm dann nicht gesagt, dass ich ziemlich
oft Steinadler sehe.
Im Winter geht es am Sonntag natürlich auf die Piste, oder
wir machen eine Skitour, etwa auf das Mattjischhorn. Wenn wir
es weniger sportlich wollen, fahren wir nach Arosa, das ist mit
Auto und der Rhätischen nur ein paar Minuten entfernt. Weil
man dort praktisch alle Leute trifft, die man kennt, geht es meist
weniger ums Skifahren als darum, in der Hütte beisammenzu­
hocken. Spätestens um fünf sind wir wieder zurück bei den
Tieren.
Restaurant Alpenrose, Medergen, www.langwies.ch
Gasthaus Heimeli (auch im Winter geöffnet), www.heimeli.ch
Der Direktor der Fondation Beyeler
verbringt sein Wochenende wie seine
Wochentage: mit Inspirierendem. Bild oben: Seinen Lacaune-Milchschafen widmet sich David Zippert in Langwies fast ohne Unterbrechung.
Bild unten: Die Vorfreude darauf, bald wieder in der Buvette Oetlinger
am Kleinbasler Rheinufer unter freiem Himmel zu sitzen, kann schon mal anfangen.
4
5
Wer das Glück hat, an Wochentagen zu tun, woran er Freude
hat, für den ist das Wochenende nicht automatisch das höchste
Ziel des Lebens. Viele, die in Kunst und Kultur tätig sind, müs­
sen ohnehin öfter an Wochenenden arbeiten, dann, wenn die
meisten Mitmenschen endlich Zeit für die «schönen Seiten des
Lebens» haben.
Für mich war das Leben nie schöner, bloss weil es Wochen­
ende war. Immerhin bieten diese kollektiven Kurzferien die
Möglichkeit zu «kleinen Fluchten». Oft nutze ich sie für Reisen,
für die ich wochentags keine Zeit habe, insbesondere um Mu­
seen, Ausstellungen und Künstler in anderen Städten zu besu­
chen. Das würde ich auch tun, wenn Kunst nicht meine Arbeit
wäre, denn es ist für mich anregendes Vergnügen. Die ande­
ren freien Wochenenden verbringe ich am liebsten gemütlich
mit meiner Familie und Freunden, die uns von nah und weit
besuchen. Idealerweise laufen sie so ab:
Samstagmorgen ausschlafen, bis die Sonne ins Schlafzim­
mer scheint, dann in der Badewanne liegen und periodisch
heisses Wasser nachfliessen lassen. Zeitungen lesen und ge­
meinsam Essbares einkaufen (wobei ich da nur der Handlan­
ger und Lastesel bin). Anschliessend im Sommer im Rhein
schwimmen und in einer der vier Buvetten, die es in Kleinba­
sel am Ufer gibt, einen Apéro nehmen. Den Rest des Jahres an
ein Heimspiel des FCB gehen und das Fussballfest mit Brat­
wurst und Bier feiern.
Wieder daheim, geniesse ich den Garten und gebe den
Pflanzen Wasser. Meine Frau Judith kocht währenddessen et­
Buvetten in Kleinbasel: Rhyschänzli, www.rhyschaenzli.
ch; Flora, www.flora-buvette.ch; Oetlinger, www.oetlingerbuvette.ch; Dreirosen, www.buvettedreirosen.ch
Delikatessen: in St. Alban bei Paste Ines, www.paste-ines.ch;
Metzgerei Pippo, G. Sequenzia, Elsässerstrasse 51;
Wirth Käsespezialitäten, www.kaese-spezialitaeten.ch;
Glausi’s GmbH Käse­s pezialitäten, Spalenberg 12
Bester Wurststand beim St.-Jakob-Stadion (unter Baslern «Joggeli» genannt): Wurststand vor dem Sektor A
Museen: Fondation Beyeler, www.fondationbeyeler.ch;
Museum für Gegenwartskunst, www.kunstmuseumbasel.ch;
Museum der Kulturen, www.mkb.ch; Kunsthalle, www.kunsthallebasel.ch
Strausswirtschaften: ehem. Schnägge-Straussi, www.
schnaeggestraussi.de (erst wieder ab Ende April offen); Kreiterhof in Egerten, www.kreiterhof.de
SABINE BOSS:
SCHAFFHAUSEN
Die Regisseurin («Der Goalie bin ig»)
mag das gute Leben samt gutem
Essen − und tauschte es doch ein.
Nach zweieinhalb Jahren bin ich kürzlich vom
Schaffhauserland zurück nach Zürich in den
Kreis 4 gezogen – ich habe einfach zu viel Zeit am
Hauptbahnhof verbracht, es ging mir auf den
Sack, ständig auf die Uhr achten zu müssen,
wann geht der nächste Zug?
Seitdem habe ich jedes Wochenende durch­
gearbeitet. Denke ich also an mein perfektes Wo­
chenende, dann kommen mir die in Schaffhausen
in den Sinn, und da hatten die schönsten für mich
mit Essen zu tun. Im besten Fall sind sie nach fol­
gendem Drehbuch abgelaufen:
Am Samstag ist der Marktbesuch ein absolu­
tes Muss. In der Schaffhauser Innenstadt ist bis
DA S M AGA Z I N 03/201 5 — BI L D L I N K S: M A RT I N GR A F / PA S T E I N E S; BI L D R E C H T S: DAV I D L E F R A NC / PA R I S T OU R I S T OF F IC E
was Feines, und es kommen Freunde zum Abendessen. Natür­
lich wird es spät, und wir stehen am Sonntag nicht so früh auf,
wie wir es uns vorgenommen haben. Zuerst gibt es ein grosses
Frühstück, am liebsten mit selbst gemachtem Zopf und Lecker­
bissen, die Gäste aus ihrer Heimat mitbringen. Dann besuchen
wir eines der vielen Museen und machen je nach Wetter einen
langen Spaziergang oder eine kurze Wanderung in den nahen
Ausläufern von Jura oder Schwarzwald. Zum Zvieri kehren wir
gerne in einem Bauernhof oder einer Strauss­wirtschaft im
Weinberg ein. Abends lassen wir das Wochenende auslaufen,
indem wir einen guten Film schauen. Und dann ist schon wie­
der Montag.
zwölf ein toller Markt, der halb so teuer wie die
beiden Zürcher Märkte ist und einen die Jahres­
zeiten ganz anders erleben lässt: Bauersfrauen
verkaufen «Chriesi» oder Erdbeeren; man be­
kommt den weltbesten Zopf – und ich kaufe im­
mer zu viel! Danach ein üppiges Frühstück mit den
frischen Markteinkäufen; satt lese ich auf dem
Sofa liegend den Tagi und «Das Magazin», um
mich anschliessend auf eine ausgiebige Fahrrad­
tour zu begeben. Die Gegend hat gut ausgebaute
Fahrradwege – man muss nie auf die Strassen –,
und der Führer «Veloland Schaffhausen–Winter­
thur» liefert prima Tipps. Gern flitze ich mit mei­
nem Rennrad den Rhein entlang nach Hemis­
hofen und dann nach Thayngen, natürlich mit
Einkehren in irgendeiner Beiz. Nur den Rheinfall
muss man meiden, da ist zu viel los.
Zu Hause dusche ich, lege eine Maske aufs
Gesicht, stürze mich zum Kochen in die Küche –
ich bin ja so verfressen! Oft koche ich nach «Elfie
Castey – Eine Prise Leidenschaft» ein Menü für
zwei. Sie verwendet für ihre recht traditionellen,
sehr schmackhaften Gerichte vor allem lokale
Produkte. Ich mag das Vorbereiten, das Beruhi­
gende am Rüsten und Schnetzeln, die Vorfreude,
bis ich es in die Pfanne schmeisse – eigentlich ist
es wie beim Film: Der Dreh selbst ist Hektik, Hor­
ror – lange Nachtdrehs in der Kälte, und alles muss
lückenlos ineinandergreifen –, die Vorbereitung
davor hingegen ist das Schöne.
Nach dem Essen mit meinem Mann schauen
wir gern fern, oder ich schiebe einen Film rein.
Alle vier Staffeln von «Downtown Abbey» habe
ich hintereinander weggeguckt – mir gefällt das
Süchtigmachende einer Serie. Zugleich bin ich
eine grosse Leserin von Romanen: Meine Strate­
gie ist es, die schnellen Gebrauchstexte wie JoNesbo-Krimis auf dem Reader zu lesen und die
guten literarischen Sachen als Buch, damit ich es
hinterher ins Regal stellen kann. Während der
Woche gehe ich zwischen Mitternacht und eins
ins Bett, am Samstag wirds eher später.
Das Wunderbare am Sonntag macht das aus­
giebige Pendeln zwischen Bett und Kaffeema­
schine aus. Später haben wir uns immer mal wie­
der die grossartige Beuys-Installation in den Hal­
len für Neue Kunst angesehen – leider wurde sie
nach 30 Jahren kürzlich abgebaut; es ist aber ge­
plant, in Basel dafür Räume neu herzurichten.
Das Kino Kiwi hat eine unglaublich gute Pro­
grammation mit vielen herausragenden interna­
tionalen, aber auch Schweizer Arthouse-Filmen.
Vorab wird man sogar gefragt, ob man eine Pause
will oder nicht.
Am frühen Abend gehen wir oft in der mit
Fauteuils plüschig möblierten Parkvilla essen,
etwa Lachs und Sour Cream. Der sehr nette Chef
bietet eine alte englische Karte. Der Sonntag­
abend ist Fernsehabend: erst «Tatort», dann
«Giacobbo/Müller» und meine Lieblingssen­
dung «Titel, Thesen, Temperamente» – das ist für
mich der perfekte Abschluss des Wochen­endes!
www.schaffhauser-wochenmarkt.ch
(samstags von 7 bis 12 Uhr)
Beuys-Installation: www.modern-art.ch
Kiwi Kino Schaffhausen, Bachstras­se 14,
www.kiwikinos.ch
Restaurant Parkvilla (ist auch ein Hotel),
www.parkvilla.ch
PAMELA
DRUCKERMAN:
PARIS
Die amerikanische Buchautorin wird ganz Parisienne,
wenn sie durch Bistros und Boutiquen streift. Bild links: Wann gönnt man sich Delikatessen wie die von Dominic Lambelet in der Basler Paste Ines? Wenn man die Ruhe hat,
sie zu geniessen. Bild rechts: Auch Paris mit seinen unzähligen Restaurants ist ein einziges grosses Fressen.
Danach ein Verdauungsspaziergang durch die Tuilerien.
6
7
frischen Früchten füttert, während man meine Füsse knetet.
Oder ich nehme ein türkisches Dampfbad mit Peeling in Les
Bains du Marais, wo man danach in einem Ruheraum liegen
kann, so woh­lig wie im Mutterleib.
Wenn ich noch Zeit habe, laufe ich auf dem Boulevard
Beaumarchais zu Merci, dem Tempel des Bohème-Bürgers,
um die perfekt kuratierten, schmerzhaft geschmackvollen Aus­
lagen zu betrachten. (Ich schicke meinen Mann hierher, wenn
er mir ein Geschenk kaufen will; es gibt praktisch nichts in die­
sem Laden, was ich nicht gerne besässe.) Oder ich fahre quer
durch die Stadt, um durch Le Bon Marché zu laufen. Ich hätte
keine Rechtfertigung, würde ich dort Schuhe kaufen. Aber ich
habe Münder zu füttern, darum bin ich dann die Frau in der
Metro mit den Tüten von La Grande Épicerie, dem neu reno­
vierten Feinkost-Paradies. Sie bieten dort auch Kochkurse für
Erwachsene und Kinder an.
Nach all dem Geschlemme könnte man glauben, ein wei­
teres Restaurantmahl ginge nicht mehr. Falsch, denn Shop­
ping macht hungrig. An Samstagabenden treffen mein Mann
und ich Freunde im Le Mary Celeste bei neofranzösischen Ta­
pas; oder wir essen in der Rue de Belleville thailändisch im
Lao Siam. Bei speziellen Anlässen haben wir auch nichts ge­
gen edle Hausmannskost im Restaurant Market an der Avenue
Matignon (ich sage nur: Trüffelpizza). Haben wir Besuch, der
französisch essen will, gehen wir mit ihm zu Le Petit Marché
nahe der Place des Vosges, in das klassische Bistrot Paul Bert
oder in die etwas gewagtere und jüngst neu erfundene Le Clown
Bar in der Rue Amelot, direkt neben dem Zirkus.
DA S M AGA Z I N 03/201 5 — BI L D L I N K S: DI A N E YO ON / L E M A RY C E L E S T E; BI L D R E C H T S OBEN: LUC B OE GL / PA R I S , M U S É E DE L A C H A S S E E T DE L A N AT U R E; R E C H T S U N T EN: M E RC I
Ich schriebe gern, dass meine Wochenenden darin bestehen,
mir Truffaut-Filme anzusehen und Spaziergänge an der Seine
zu machen. Allerdings sieht die Realität wegen meiner drei
Kinder prosaischer aus. Trotzdem schleiche ich mich in das
eine oder andere Pariser Abenteuer, mit und ohne Kinder.
Am Samstagmorgen, wenn mein Mann die Jungs zu ihrem
Fussballclub bringt, steuern meine Tochter und ich samt Buch
das Café Charlot an. Wir lieben das Frühstücksei dort, mit den
dünnen Brotstreifen zum Dippen (die Franzosen nennen sie
«mouillettes», die Engländer «soldiers»). Eines meiner Lieb­
lingsgeschenke, das ich Freunden aus Paris mitbringe, ist die
Eier-Guillotine von Kitchen Bazaar ein paar Häuser weiter: Sie
köpft jedes Ei perfekt. Wenn uns dann nach Kultur zumute ist,
laufen wir ins Centre Georges Pompidou, um uns eine Ausstel­
lung und das Kindermuseum anzusehen. Oder wir gehen ins
Musée de la Chasse et de la Nature, das in zwei Hôtels particu­
liers aus dem 17. und 18. Jahrhundert in der Rue des Archives
residiert. Hinter dem merkwürdigen Namen – Museum der Jagd
und der Natur – verbirgt sich eine fesselnde Ausstellung über
das Verhältnis von Mensch und Tier.
Und dann, voilà, ist schon Zeit für den Lunch. Wir bestellen
also eine Pizza en famille bei La Briciola. Oder wenn wir früh ge­
nug dran sind, um gegen die Massen eine Chance zu haben, es­
sen wir libanesisch oder japanisch auf dem Marché des Enfants
Rouges, einem 400 Jahre alten Markt voller köstlicher Speisen.
Sind meine Kinder nachmittags zu einer Geburtstagsparty
eingeladen, ist dies das Stichwort, um mich sofort für eine Fuss­
massage bei Thai Home Spa davonzustehlen, wo man mich mit
Ich bin Amerikanerin. Für den Sonntagmorgen bedeutet das:
Pancakes. Mein Lieblingsrezept ist aus der «New York Times»
(www.nytimes.com/2006/12/20/dining/­201mrex.html), wo­
bei ich Vollkornmehl verwende und zerdrückte Bananen da­
zumische. Danach gehen wir zu den Trampolinen im Jardin des
Tuileries oder zum Place des Vosges. Später, falls uns (wie so
oft) nicht nach Kochen ist, nehmen wir Empanadas von einer
der Clasico-Argentino-Filialen mit. Inspiriert vom argentini­
schen Essen, schauen wir uns ein Fussballspiel im Fern­sehen
an oder versuchen, mit dem Stapel von «Le Monde» und «In­
ternational New York Times» fertigzuwerden. Denn wie man
da, wo ich herkomme, sagt: Man kann das Mädchen aus New
York entführen, aber man kann ihm New York nicht aus dem
Schädel schlagen.
Pamela Druckerman: «Warum französische Kinder keine
Nervensägen sind» und «Was französische Eltern besser
machen», Mosaik-Verlag
Café Charlot, www.cafecharlotparis.com; Kitchen Bazaar, www.kitchenbazaar.fr; La Briciola, 64 Rue Charlot;
Marché des Enfants Rouges, www.mairie3.paris.fr; Thai
Home Spa, www.thai-spa.fr; Les Bains du Marais, www.
lesbainsdumarais.fr; Merci, www.merci-merci.com; Le Bon
Marché, www.lebonmarche.com; Le Mary Celeste, www.lemaryceleste.com; Lao Siam, 49 Rue de Belleville; Market,
www.jean-georges.com; Le Petit Marché, 9 Rue de Béarn;
Le Bistrot Paul Bert, 18 Rue Paul Bert; Le Clown Bar, 114
Rue Amelot; Clasico-Argentino, www.clasico-argentino.com
PHILIPP SCHWANDER: FREUDENTAL AM BODENSEE
Als frischgebackener Schlossherr schart er
am liebsten seine Freunde um sich.
Natürlich liegt es bei mir als Weinhändler nahe,
dass ich auch gerne Gastgeber bin. Seit einiger
Zeit habe ich öfter als früher die Gelegenheit dazu.
Alles fing damit an, dass ich eigentlich eine Woh­
nung in Zürich kaufen wollte – und schliesslich
eine alte, historische, aber sanierungsbedürftige
Hotelliegenschaft in der Nähe des Bodensees er­
werben konnte. Obwohl das Haupt­gebäude die­
ses kleinen Hotels zu den schönsten Barock­
schlösschen am Bodensee zählt, war es sehr güns­
tig zu erstehen. Im Nachhinein wusste ich auch,
weshalb: Ich staunte, was alles unternommen
werden musste, um die wertvolle Bausubstanz zu
erhalten.
Das 1699 erbaute Schloss in Freudental liegt
an traum­hafter Lage auf der deutschen Seite des
Bodensees, nur 12 Kilometer von der Schweizer
Grenze und 80 Kilometer von Zürich entfernt. Es
hat jetzt über 15 renovierte Doppelzimmer und
wird gerne für Seminare und Feste gebucht. Es
liegt auf der Hand, dass ich auch hin und wieder
Freunde dorthin einlade. Inzwischen muss ich das
allerdings langfristig planen, weil das Hotel an den
Wochenenden meist ausgebucht ist.
Ich versuche meist eine Gruppe von Gästen
zusammenzustellen, die sich entweder schon ken­
nen oder ähnliche Interessen haben, sonst kann
es anstrengend werden: Und es ist mir natürlich
wichtig, meine Gäste fröhlich und entspannt zu
sehen.
Steht ein solches Wochenende mit Freunden
an, bin ich meistens schon am Freitagabend dort,
damit genug Zeit bleibt, um die nötigen Vorbe­
reitungen zu treffen – mit der Köchin berate ich
bereits eine Woche zuvor, welche saisonalen Ge­
richte auf den Tisch kommen sollen. Die Weine
stimme ich aufs Menü ab; mit Vorliebe serviere ich
dazu unbekannte neben renommierten Gewäch­
sen, auch sind immer deutsche Weine darunter,
weil sie bei Schweizern zu Unrecht einen schlech­
ten Ruf geniessen.
Am Samstagnachmittag trudeln dann nach
und nach die Gäste ein. Einige von ihnen haben
schon eine Runde Golf im zwei Kilometer entfern­
Bild links: Auf den Shopping-Hunger folgt der Hunger nach Tapas im Pariser Le Mary Celeste.
Bilder rechts: Im Musée de la Chasse et de la Nature (oben) und dem Verkaufstempel Merci (unten) kommt der Bohemien auf seine Kosten.
8
9
www.selection-schwander.ch
www.schloss-freudental.de
www.golfclubkonstanz.de
www.kranz-duennele.de
Je früher, umso besser:
1,0% Zins warten auf Ihr Geld.
UBS Anlageplan.
Die Präsidentin der Müller-Möhl Group und
der Müller-Möhl Foundation vertieft
die grossen Fragen − mit mehr Musse als sonst.
Das perfekte Wochenende hier im Zürcher Oberland ist für
mich ein Wochenende, an dem ich Zeit für mich habe: Lese­
zeit, Naturzeit und Freundezeit – je nach Stimmung. Ein Wo­
chenende ohne Verpflichtungen, Einladungen, Telefonkon­
ferenzen.
Zurzeit begleiten mich vor allem Sachbücher durchs Wo­
chenende. «Wer denken will, muss fühlen» von Dan Ariely zum
Beispiel. Es geht der Frage nach: Was treibt den Menschen ei­
gentlich an? Das Buch habe ich schon mindestens viermal ge­
lesen. Vor Reden gucke ich oft noch einmal rein. Ich schlage
Themen nach und verwende Zitate. Oder auch Richard David
Prechts «Wer bin ich − und wenn ja, wie viele?», das sich auf
leichte Art mit philosophischen Fragen auseinandersetzt. Oder
Peter Bieris «Wie wollen wir leben?». Mich interessiert die
Suche nach sich selbst: Was denke ich? Was will ich? Die Chäsalp ist das ganze Jahr hindurch ein Sonntagsvergnügen, sommers wie winters.
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Wecken Sie
Ihr Geld.
© UBS 2015. Alle Rechte vorbehalten.
CAROLINA
MÜLLER-MÖHL:
ZÜRCHER
OBERLAND
DA S M AGA Z I N 03/201 5 — BI L D: R E S TAU R A N T C H Ä S A L P
ten Golfclub Konstanz hinter sich. Alle, die Lust
haben, bekommen unter der wunderbaren uralten
Linde, dem schönsten Platz, einen Aperitif ser­
viert. Viele meiner Gäste haben im Alltag eine
übervolle Agenda; da sind sie heilfroh, wenn es
möglichst schlicht und unprätentiös zu- und her­
geht. Und dieser stille, abgelegene Ort eignet sich
bestens zur Entspannung – deshalb passiert pro­
grammatisch eigentlich gar nichts.
Wer will, spielt eine Partie Boccia auf dem ei­
gens dafür eingerichteten Sandplatz – das ist ein
idealer Vorwand, um ein Gläschen zu trinken. Man
verkostet verschiedene Weine, sodass die Ge­
sellschaft in beschwingter Laune ist, wenns zum
Abendessen geht. Oft wird ein schmackhafter Bra­
ten mit Gemüse serviert – eine bewusst ländliche
Küche ohne Chichi, aber aus hochwertigen Zuta­
ten. Gespeist wird im Sommer draussen und jetzt
im Winter in einem der gemütlichen Räume. Spä­
ter geht es in den Schlosskeller, der eine magi­
sche Ausstrahlung hat, wie mir ein Freund versi­
cherte, weil er ihn nämlich noch nie vor drei Uhr
morgens verlassen habe. Aber die Abende verlau­
fen immer in zivilisierter, fröhlicher Stimmung.
Das Frühstück am Sonntagmorgen ist daher
erst spät zwischen neun und zehn Uhr angesetzt.
Man schläft hier so gut wie nirgends sonst und
garantiert eine Stunde länger als geplant, wahr­
scheinlich wegen der für Städter ungewohnten
Stille. Viele der Gäste verbringen den Sonntag
dann unter der Linde oder spazierend oder Velo
fahrend auf den Landwirtschaftswegen der Um­
gebung. Man kann aber alles Mögliche unterneh­
men: im zwei Kilometer entfernten See baden,
die Inseln Mainau und Reichenau besuchen, Bur­
gen und Kirchen anschauen, Zeppelin fliegen oder
bis nach Stuttgart ins Automuseum fahren. Die
sanfte Bodenseegegend hat etwas ganz Spezielles
und verströmt einen feinen Zauber, der sich erst
mit der Zeit ergründen lässt. Mit jedem Besuch
schliesse ich Landschaft und Schloss mehr ins
Herz und freue mich, dass der ehrwürdige Bau zu
neuem Leben erweckt werden konnte.
Sind meine Freunde abgereist, gehe ich oft
zum Ausklang in eine urtümliche Beiz, in die na­
hegelegene Wirtschaft zum Kranz, die als Spezia­
lität Dünnele auftischt, eine badische Variante des
Flammenkuchens. Da sitzt man auf alten Holz­
bänken mit den Einheimischen zusammen wie
in einem Gemälde von Breughel und glaubt, im
19. Jahrhundert zu sein.
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Seit seine Kinder erwachsen sind,
kann der Designer wieder die Nächte
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DA S M AGA Z I N 03/201 5 — BI L DE R L I N K S: VO O S T OR E; U N T EN: F L IC K R C C BY- S A 2 .0 Z E I T F I X I E R E R ; R E C H T S: M A R K T H A L L E N E U N GM BH
Natürlich sollten wir auch die Welt verstehen, in der wir leben.
Mich interessieren die gesellschaftspolitischen Zusammen­
hänge. Für die Themen, die meiner Meinung nach von Politik
und Wirtschaft vernachlässigt werden, engagiere ich mich im
Rahmen der Müller-Möhl Foundation.
In der Schweiz zu leben, ist ein Privileg. Damit das auch in
Zukunft so bleibt, ist das Engagement jedes Einzelnen gefragt.
Sachbücher können dazu inspirieren, neue Ideen wecken oder
neuste Forschungsergebnisse vermitteln. Ich will à jour bleiben.
Denn ausgelernt hat man nie.
Ich bin eine grosse Jazzliebhaberin. Bei uns läuft das
ganze Wochenende – manchmal zum Ärger meiner Familie –
Radio Swiss Jazz. Noch besser als im Radio ist Jazz natürlich
live, zum Beispiel im legendären Dracula Club am Festival da
Jazz in St. Moritz. Seit diesem Jahr unterstützt die Müller-Möhl
Foundation deshalb auch die neue Reihe «Women in Jazz» an
diesem tollen Event.
Gerne verbringe ich Zeit in der Natur. Mit unserem Hund
gehe ich im Wald oder am Wasser ein paar Runden spazieren.
Meine Familie und Freunde sagen, ich würde sehr schnell ge­
hen. Es stimmt, ich bin recht zügig unterwegs. Die Spaziergän­
ge im Zürcher Oberland deshalb mit einem Ziel zu verbinden
und dort gleich zu Mittag zu essen, ist optimal. Zum Beispiel im
Restaurant zum Pflug­stein oder im Restaurant Buech. Beson­
ders herrlich ist die Metzgete im Herbst in der Beiz Gee­ren. Im
Winter lohnt sich ein Besuch in der Chäsalp.
Der Sonntag ist dann öfter wieder Richtung Büro gerich­
tet; meistens muss ich Vorbereitungen für die kommende Wo­
che treffen, Texte korrigieren oder anstehende Referate spre­
chen lernen. Vorträge über Bildung, Vereinbarkeit von Beruf
und Familie, Standortförderung und Philanthropie machen mir
Spass. Das sind die Themen, die mir am Herzen liegen. Da tin­
gele ich gern wie ein Wanderpokal durch die Schweiz und ver­
suche, die Menschen von der Wichtigkeit dieser Bereiche zu
überzeugen.
Ich bin ein Blackberry-Junkie und schaue ständig, ob neue
E-Mails reingekommen sind. Aber ich habe gelernt, damit zu
­leben, dass immer rund 150 ungelesene E-Mails in meinem
Postfach sind. Mein Blackberry ist für mich kein Störfaktor, im
Gegenteil: Ich finde es eher belastend, wenn ich nicht weiss,
wo es ist, weil ich mal wieder meine Handtasche verlegt habe.
Es soll ja Menschen geben, die sich langweilen – zu denen
gehöre ich definitiv nicht. Es stimmt mich glücklich, wenn ich
die Zeit habe, Wissen aufzunehmen. Wenn das zu kurz kommt,
kann ich schon mal grantig werden.
Zu meiner Lektüre gehören natürlich auch die Sonntags­
zeitungen und Artikel, die ich mir während der Woche ausge­
rissen oder beiseitegelegt habe. Man bräuchte eigentlich viel
mehr Zeit und müsste viel früher aufstehen, um alles zu lesen.
Wenn ich am Wochenende verreise, dann eigentlich im­
mer so, dass ich am späten Nachmittag wieder zu Hause bin,
damit ich den Abend noch zu Hause habe.
Ich lasse den Sonntagabend gern gemütlich ausklingen.
Dazu gehören schon mal der «Tatort», ein saftiges Steak mit
Salat und ein gutes Glas Bordeaux.
Nachdem ich ausgeschlafen habe bis un­
gefähr neun Uhr – länger kann ich eigent­
lich nicht mehr schlafen –, beginnt mein
Samstag mit einem Morgenkaffee im
Café 9 in der hundertjährigen Markt­
halle Neun in Kreuzberg – das ist der bes­
te, den man bekommen kann von einem
australischen Barista. Dazu ein Maritoz­
zo, die Brioche eines Mailänder Bä­ckers,
der nach Berlin ausgewandert ist, und die
Lektüre der «Süddeutschen Zeitung».
Die Markthalle ist eine sympathische
kuriose Welt voller Individualisten: Ei­
gentlich ein Kiez-Ding, das aber in kur­
zer Zeit so erfolgreich wurde, dass jetzt
etwa die Kaffeerösterei über Expansion
nachdenkt.
Danach gönne ich mir am Stand von
«Alice in Wonderland» ein antitoxi­sches
«Grünes Wunder» für die Gesundheit;
die Flower-Power-Betreiberin verstärkt
den Fitness­effekt noch, indem sie mir er­
klärt, was alles drin ist, von Avocado bis
zu Blütenblättern – das Ergebnis sieht
wirklich aus wie ein Stück Natur. Es gibt
auch eine super Fischräucherei dort, wo
man frische Bagels mit Lachs bekommt,
und manchmal kaufe ich bei so einem
Che-Guevara-Typen noch Kräuter und
Salat fürs Wochen­ende. Das ist ein Selbst­
versorger, der das Überzählige seines
Landkommune-Hofs bei Oranienburg
abverkauft, alles frisch aus der Erde ge­
buddelt. Ausserdem beim Biometzger
ein Stück Fleisch – wenn ich diese Leute
sehe, weiss ich, es gibt noch ein anderes
Leben neben dem durchindustrialisier­
ten, stressigen Grossstadtleben; das fin­
de ich beruhigend.
Nach etwa zwei Stunden gehen mei­
ne Freundin und ich nach Hause oder ins
Büro, um uns ein wenig an den Laptop zu
setzen. Tina betreibt mit mir das Studio
Aisslinger. Am Nachmittag treffe ich mei­
ne erwachsenen Kinder in der Paris Bar.
Wie mans mit achtzehn und zwanzig
macht, schlafen die beiden bis um drei,
sodass für sie die Mahlzeit ­gegen fünf
Uhr nachmittags eher das Frühstück ist.
Anschliessend schlendere ich oft
zum inspirierenden Concept Store Voo
und zum coolen Buchladen Motto in der
Skalitzer Strasse, der übrigens 2007 in
der Schweiz gegründet wurde – auch das
Idealisten, die ihre Bücher am liebsten
selbst zu lesen scheinen. Da kaufe ich
manchmal eruptiv all diese neuen Ma­
gazine, von «Weekender» bis «Ramp».
Die sind mit rund 15 Euro zwar recht teu­
er, haben aber einen super Spirit drin,
zum Beispiel Geschichten über Urban-­
Farming-Projekte.
Früher habe ich eher Designzeit­
schriften wie «Domus» gelesen; inzwi­
schen versuche ich, weniger in der Fach­
idiotenwelt unterwegs zu sein, lieber die
internationale Lebenskultur zu studie­
ren als die reine Produktelandschaft. Ir­
gendwie muss ich auch versuchen, die
70 Stunden Kreativität während der Ar­
beitstage zu neutralisieren. Deshalb lese
ich stundenlang am Wochenende, viele
Romane von T. C. Boyle oder Martin Su­
ter, gern auch Klassiker.
Ich bin beruflich so viel unterwegs, im
letzten Jahr unter anderem viel nach Zü­
rich gereist, weil wir in der Europaallee
das neue 25hours Hotel planen. Daher bin
ich froh, wenn ich im ältesten Haus Kreuz­
bergs, in dem ich wohne, einfach auf dem
Sofa liegen kann – und ja, das Sofa habe
ich entworfen, Modell «Joquer».
Am Abend gehe ich gern mit Tina in
die spanische Bar Raval, die der Schau­
Bilder links: Selbst Designern liefert der Concept Store Voo (oben) in Berlin neue Produktideen, und der
Görlitzer Park (unten) hat immer noch lauschige Ecken, trotz der Drogendealer.
Bild rechts: Die Markthalle Neun in Kreuzberg ist eine eigene, vielleicht bessere Welt.
12
13
Als Designer gehöre ich noch der «Ge­
neration Druckbleistift» an; von uns er­
wartet man Unkonventionelles, und die
Skizzen dienen mir mehr als Gedächtnis­
stützen, als Mindmaps. Auch wenn mein
Büro natürlich digital arbeitet, habe ich
die Rolle des analogen Taktgebers.
Im Anschluss fahre ich mit Begeiste­
rung mit dem Velo in der Gegend Fried­
richshain herum: Neues entdecken statt
Strecke machen. Im Sommer grillieren
wir dann auf meiner schönen Dachter­
rasse, im Winter gehen wir im Goldenen
Hahn essen, das ist der beste Italiener
Berlins. Das ist ein ganz verschrabbelter
Laden, aber da sitzt sogar George Cloo­
ney herum, wenn er in der Stadt ist. Um
20.15 ist der «Tatort» Pflichtprogramm,
am meisten freue ich mich über den aus
Münster, Bremen oder München; zur Not
streame ich die Folge später, aber ich ver­
passe keine!
Danach schaue ich, was die neue
Woche bringen wird: checke E-Mails und
so. Das mache ich nicht gerade gern, aber
der Montagmorgen schwappt schon so
allmählich rein. Und ich brauche es als
sanfte Vorbereitung auf das, was am
nächsten Tag alles in meinem Büro im
Tiergarten, nahe dem Hauptbahnhof,
wieder auf mich zukommt.
www.aisslinger.de
Markthalle Neun:
www.markthalleneun.de
Paris Bar: www.parisbar.net
Concept Store Voo:
www.vooberlin.com
Motto Berlin:
www.mottodistribution.com
Sofa «Joquer»: www.aisslinger.de
Tapas-Bar Raval: www.barraval.de
Monkey Bar:
www.25hours-hotels.com
Würgeengel: www.wuergeengel.de
Restaurant Goldener Hahn:
www.goldenerhahn.de
ALEXANDER
SCHÄRER:
ZERMATT
Der USM-Verwaltungsrat
schwärmt nicht nur qua Position
von seinem Lieblingshotel.
Wann immer es geht, vor allem im Winter, fahre
ich übers Wochenende ins Hotel Omnia in Zer­
matt. Nicht, dass es in Münsingen, im Berner Mit­
telland, wo ich wohne und die Firma ihren Haupt­
sitz hat, nicht schön wäre. Aber so ruhig, so ent­
spannt wie in Zermatt ist es nirgendwo sonst in
der Schweiz, und auch das Wetter ist einmalig gut.
Wenn der graue Himmel über Bern beginnt, mir
auf den Geist zu gehen, dann ergreife ich die
Flucht zum Matterhorn. Im Sommer nutze ich die
schönen Stunden zum Spazieren­gehen mit mei­
DA S M AGA Z I N 03/201 5 — BI L D L I N K S: BRU NO AUG S BU RGE R / T H E OM N I A , Z E R M AT T; BI L DE R R E C H T S: C C BY- S A 2 .0 D S E A R L S; BE RGR E S TAU R A N T F LU H A L P
spieler Daniel Brühl vor einigen Jahren
mitaufgemacht hat: Die serviert extrem
gute Tapas, und oft kommen Freunde von
uns dazu. Jetzt wo meine Kinder gross
sind, führe ich ein jüngeres Leben; es darf
wieder spät werden am Wochenende.
Nach einem Abstecher ins Bikini-Haus in
die Monkey Bar, die wir gestaltet haben,
oder in den Würgeengel gehts gegen zwei
ins Bett, aber selbst wenn man nachts um
vier über die Oranienstrasse läuft, ist es
noch so voll wie tagsüber. Berlin kennt
kein Ende – das ist so schön wie anstren­
gend.
Am Sonntag hole ich mir als Erstes
die «Frankfurter Allgemeine Sonntags­
zeitung» und frühstücke im Gipfelstür­
mer in meiner Strasse, in der Görlitzer.
Um zehn jogge ich durch den Görlitzer
Park bis Treptow und zurück. Unterwegs
bieten mir hundert Dealer Stoff an; die
sind so dumpf, dass sie glauben, ihr Zeug
selbst an Jogger loszuwerden. Nachmit­
tags tüftle ich in aller Ruhe Design-­Ideen
aus, mache Skizzen für Projekte, für die
mir wochentags die Musse fehlt.
nem Hund Jack, einem Jack Russell Terrier, aller­
dings für seine Rasse ungewöhnlich gross gera­
ten. Als Jagdhund braucht er viel Bewegung, aber
wenn er den ganzen Tag damit beschäftigt war,
die Hänge rauf- und runterzurasen, liegt er am
Abend so erschöpft da, dass ich in aller Ruhe le­
sen kann.
Wenn es draussen einmal nicht so schön ist,
bleibe ich einfach im Hotel. Es bietet eine herrli­
che Aussicht auf die Berge, und besonders früh­
morgens ist es ein Spektakel, wenn die Sonne lang­
sam die Nordwand des Matterhorns entlangwan­
dert. Wir haben auch einen behaglichen Kamin
und eine Bibliothek mit vielen Kunst-, Design- und
Architekturbüchern, mit denen man locker einen
Regentag im Sessel verbringen kann.
Ich sage «wir», weil das Hotel zur USM Hol­
ding gehört. Wie es dazu kam, ist eine lange Ge­
schichte; ich bin jedenfalls sehr froh, dadurch
einen Fluchtpunkt in den Bergen zu haben.
Die Anreise dauert nicht lange. Ich fahre bis
Spiez mit dem Auto und steige dann in den Zug
um. In insgesamt zwei Stunden bin ich von meiner
Haustür am Hoteleingang.
Noch häufiger als im Sommer fahre ich im Winter
nach Zermatt, natürlich zum Skifahren, wobei ich
mich da regelmässig in ein grosses Dilemma
bringe. Denn einerseits gibt es die grossartigen
Pisten, andererseits gleich nebenan auch sehr
gute Restaurants wie die Fluhalp oder den Find­
lerhof, wo ich dann stundenlang sitze, esse und
zunehme, anstatt mich zu bewegen.
Ausserdem treffe ich dort meistens Freunde
und Bekannte. Man darf ja nicht vergessen, dass
Zermatt trotz der vielen Touristen nach wie vor ein
Dorf ist. Und auch wenn man an manchen Wo­
chenenden den Eindruck hat, halb Zürich wäre
hier, sind es doch nur wenige, die wie ich sehr re­
gelmässig hierherkommen.
Und ja, es gibt natürlich noch ein weiteres Pro­
blem mit Zermatt: Sonntagabend muss ich es lei­
der immer wieder verlassen.
www.usm.com
Hotel Omnia, www.the-omnia.com
Bergrestaurant Fluhalp,
www.fluhalp-zermatt.ch
Restaurant Findlerhof, www.findlerhof.ch
ENDO ANACONDA:
EMMENTAL/ BERN
Der Sänger der Mundart-Band Stiller Has
versucht vor allem, zur Besinnung zu kommen. Am Wochenende sind wir meistens mit
der Band unterwegs. Wenn ich einmal
freihabe, bevorzuge ich den kleinen Rah­
men. Bei uns Musikern ist es ja komplett
anders als beim Normalmenschen: Wir
arbeiten meistens am Wochenende, in
der Nacht, und sind dann erst um drei
oder vier Uhr morgens wieder zu Hause.
Wie Udo Jürgens einmal sagte: Man lebt
kein normales Leben. Deshalb brauche
ich als Gegensatz nach Konzerten mit
Hunderten von Leuten Ruhe, um wieder
runterzukommen. Und das kann ich am
besten in meiner Hasenhöhle im Emmen­
tal, wo ich dann meinen Lieblingsbeschäf­
tigungen fröne: die Sonntagszeitungen
Bild links: Im The Omnia kann man sich eine Auszeit nehmen, das Matterhorn vor Augen.
Bilder rechts: Zermatt ist natürlich für eins bekannt: als grosser Skifahrer-Spass.
Und den verdienten Einkehrschwung macht man dann ins Bergrestaurant Fluhalp.
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eine kleine Wanderung zum Napf ma­
chen. Meist widme ich mich j­ edoch zu
Hause der Bewältigung der Postperfor­
mance-Depression. Erst hält die Eupho­
rie nach dem Konzert stundenlang an,
dann folgt das Loch automatisch. Also
versuche ich, wenn ich freihabe, zur Be­
sinnung zu kommen.
Da ich ein Mensch bin, der physische
Informationsträger bevorzugt und der
mit dieser Onlinegesellschaft nichts an­
fangen kann, mag ich es am liebsten, mir
ein Buch vorzuknüpfen, auch wenn ich
es schon mehrere Male gelesen habe. Ich
muss nur den Umschlag anschauen und
erinnere mich an die Meilensteine mei­
ner eigenen Geschichte. Zum Beispiel
wenn ich ein Gedicht von Blaise Cendrars
wiederlese: «Die Prosa von der Transsi­
birischen Eisenbahn». Ein Text, der in
meinem Kopf verschüttet war und den ich
nun mit Genuss wieder hervorziehe. Das
ist inspirierend und auch eine Gedan­
kenstütze. Ebenso, wie eine meiner zahl­
reichen Platten oder CDs anzuhören.
Wenn ich freihabe, koche ich selber,
statt wie auf Tournee ständig auswärts
irgendwo bekocht zu werden. Oft sehe
ich mir einen Western aus meiner DVDSammlung an – ich bin ein grosser Wes­
ternfan. Ein Western von Sam Peckinpah
oder Sergio Leone, das ist für mich wie
Meditation: die langsamen Schnitte, die
eigene Bildsprache, die leider aus der
Mode gekommen ist. Ich bin auch ein Fan
von Quentin Tarantinos «Django Unchai­
ned». Man merkt genau, wen er in seinen
Filmen zitiert.
Obwohl ich ein Cineast bin, gehe ich
selten ins Kino – ich mag diesen ameri­
kanischen «Du schaffst es»-Blödsinn
nicht. Die Frauen haben Western aller­
dings nicht so gern; die schlafen mitten
in der schönsten Schiesserei ein. Aber ich
habe gar nichts dagegen, dass Frauen ab
und zu einschlafen – ich finde das herzig.
www.stillerhas.ch
Progr – Zentrum für Kultur­
produktion, www.progr.ch
Mühle Hunziken in Rubigen,
www.muehlehunziken.ch
DA S M AGA Z I N 03/201 5 — BI L D L I N K S: A L A I N BUC H E R / M Ü H L E H U N Z I K EN
lesen und «Die Zeit», die ich sonst nicht
schaffe. Ich bin aus Überzeugung nicht
online; Papier hat für mich eine sinnli­
che Ebene – es ist für mich ein Genuss,
mich in die Print­medien zu vertiefen.
Ich wohne in Bern, Ostermundigen
und im Emmental. Bern wird wie Zü­rich
langsam unerschwinglich wegen der Im­
mobilienspekulation. Normale Leute
können es sich bald nicht mehr leisten,
dort zu wohnen. Deswegen zügeln viele
in die Agglo, zum Beispiel nach Oster­
mundigen. Working-Poor-Menschen, die
aufs So­zialamt müssen.
In Bern gehe ich selten in den Aus­
gang, weil ich ständig angesprochen wer­
de. Und eine Nacht läuft da immer nach
demselben Muster ab. Anstatt am Ende
betrunken nach Hause zu gehen, betrin­
ke ich mich lieber massvoll daheim.
Obwohl ich froh bin über jeden, der
die Clubs am Leben hält – deshalb gehe
ich ein- bis zweimal im Monat an ein Kon­
zert, etwa in den Progr, wo man es ge­
schafft hat, ein junges Jazzpublikum her­
anzuziehen, oder in die Mühle Hunziken.
Im Emmental kennt man mich auch,
lässt mich aber ungestört beispielsweise
Die Mühle Hunziken nahe Bern ist ein einzigartiger Musikclub, der sogar
Leute vom Fach wie Endo Anaconda froh stimmt.
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«Sie können es auch frieren», sagt Valeska. Sie meint «einfrieren». Ich weiss immer, was meine Gemüsehändlerin meint. Wir
haben etwas, das ich kaum benennen möchte. Denn spreche ich
aus, was es ist, flattert der süsse Vogel Jugend davon. Aber gut,
weil Sie es sind: Valeska und ich haben Schwätzchen miteinander. Scheint die Sonne, vertraut sie mir an, dass sie «viel reiben»
muss: Sonnencreme benutzt. Im Winter entzückt sie sich mit der
Zubereitung des polnischen Kraut-Fleisch-Gerichts Bigos. Die
Schüssel zum «Frieren» ist sehr gross. Ich sage ihr nicht, wie mir
die Krautdämpfe zusetzen. Zum einen möchte ich ihr nicht als
der verweichlichte Mozzarella-Tomaten-Medienheini erscheinen, der ich bin. Zum andern haben wir eben Schwätzchen und
keine Beziehung. Wir müssen einander also nicht bekennen,
Sicherheitsschleusen dagegen machen unglücklich. Aus leeren
Augen starrt eine Mitpassagierin in die Ferne. Sie wollte gewiss
nicht, dass jemand von ihren rosa Füsslingen mit weis­sen Herzmotiven weiss. Warum sonst sollte sie ihre Füsse in 800 Euro
teuren Stiefeln verbergen? Die fahren aber nun durch das Röntgengerät, und Madame steht verloren da, als sei ihr der Weg zum
Sofa versperrt – noch so ein Traumort, von dem die Hektiker
nicht reden, die unbedingt immer unterwegs sein müssen.
Wenn ich auf dem Ding liege, das der grossspurige Verkäufer
«Diwan» nannte, sehe ich nicht das Mittelmeer und auch keine
namhafte Bergkette. Aber ich sehe den Himmel. Vom Sofa aus
geniesse ich das Glück, nicht dort oben, nicht in einer dieser Metallbüchsen, sitzen zu müssen. In deren Innenraumkonstrukti-
Es gibt eine Theorie über die Beweggründe zu dem Eheklassiker «Mann Mitte fünfzig, wenn nicht sechzig, wechselt die Gattin gegen eine Geliebte um die zwanzig aus».
Nein, nicht aus dem abgedroschenen Grund, weil der Mann
unbedingt wieder nächtelang wilden Sex wolle. Die Wahrheit sei
viel schlichter, vielleicht aber auch vertrackter: weil er sich nach
jenem Moment zurücksehne, in dem er etwas so überwältigend
Schönes wie zum Beispiel Paris zum allerersten Mal gesehen hat.
Und nur deshalb, aus einer höheren Logik sentimentaler Gefühle heraus, stehe er nun für ein verliebtes Wochenende auf dem
Boulevard Saint-Germain-des-Prés, in den Tuilerien oder vor
dem Eiffelturm neben der jungen Freundin, während diese vor
freudigem Staunen die Augen aufreisst und hinreissend mit den
was was mit uns macht. Kaufe ich Gemüse, sind erotische Unter­
­­töne selbstverständlich abwesend. Keinen Ärger, bitte. Alle
letztlich anstrengenden Aufgeregtheiten sind für die Welt «da
draussen». Hier ist der Mittelpunkt unseres kleinen, guten Universums: Wir hetzen nicht dem Glück nach. Sondern sind gemeinsam zufrieden. Ich schildere Ihnen übrigens einen Teil der
grössten Stadt Deutschlands. In diesen Teil reist aber niemand,
der nach einem wie immer gearteten «Berlin-Feeling» sucht.
Niemand spricht es aus, aber eigentlich wollen wir, dass zwischen uns und den Weltnachrichten die grösstmögliche Kluft
entsteht. Mit den Bierdels, denen das Schreibwarengeschäft
­gehört, lamentiere ich über die japanischen Postkarten, die
­wieder nicht ankamen. Metzgermeister Lindow hat seinen grimmigen Spass an dem Haustierlokal, das einige Strassen weiter eröffnet wurde. Dort werden nicht Haustiere gegessen, sondern
Herrchen und Frauchen führen das Mitgeschöpf zum Diner aus.
«Nehmen Sie ihn einfach mit», sagte Herr Martens, nachdem ich mich bei ihm für einen schicken neuen Fernseher entschieden hatte. Wenn man bei Herrn Lindow an der Angebotstafel mit dem Rindfleischpreis links vorbeiguckt, kann man das
Geschäft für feine Elektronik von Herrn Martens sehen. Ihn nerven Kartengeräte. Er schreibt lieber Rechnungen. Also nahm ich
den Fernseher mit. Ohne zu bezahlen. «Ich finde Sie schon!»,
rief er mir noch nach.
So viel Vertrauen. Wo soll ich denn hinfahren, um wieder
solche Leute zu finden? Am Flughafen beginnt das Misstrauen
doch schon wieder.
Wer mich kennt, der weiss, wie oft ich mir wünsche, die Besatzung und Passagiere eines europäischen Linienflugzeugs als
Geiseln zu nehmen. Nämlich nie. Ich gehe nicht davon aus, dass
es einen heiligen Krieg gibt, der durch meine Beteiligung die entscheidende Dynamik bekäme. So was können aber die Menschen am Flughafen nicht wissen. Also betasten sie mich auf
eine Weise, die ich ungeheuerlich fände, wenn sie sich beispielsweise in Valeskas Gemüseladen ereignete.
Zu Hause liege ich in meiner Badewanne und benehme
mich so übermütig wie Julia Roberts in Richard Geres Hotel­suite
in «Pretty Woman». Meine Ausgelassenheit erklärt sich auch
damit, dass ich zum Glück nirgendwohin muss.
on immer eingerechnet ist, dass die Passagiere mit ihren Ausdünstungen einen Grossteil der Luftbefeuchtung erledigen.
Natürlich ist es grossartig, wenn im Landeanflug die komplette Stadtfront von Nizza zu sehen ist. Zumal damit auch feststeht, dass ich gleich die Knie des Mannes hinter mir nicht mehr
im Rücken spüre. Eine kurze Entspannung, dann geht der Stress
weiter. Es bleiben schliesslich nur 48 Stunden. Wir Wochenendausflügler werden niemals verstehen, was sich junge Leute unter coolem Abhängen genau vorstellen. Wir sind Anti-Chiller.
Das Travel-Portal soll uns sagen, wo wir essen können. Wir
suchen nach irgendeiner höchsten Punktzahl, von der keiner
weiss, wie sie zustande kam: hochgereckte Daumen und Restaurant-Rezensionen in Überresten von deutscher Sprache. Wir
nehmen alles, denn wir haben nur zwei Abende.
Was tun mit den Zeiten, in denen es nichts zu essen oder zu
trinken gibt? Zu Hause könnte ich einem bei Herrn Lindow gekauften Braten beim Köcheln zusehen. Fussball wird frei Haus
geliefert. Braucht es in diesem Winter nicht vielleicht endlich ein
Vogelhaus auf dem Balkon? Kann man so was nicht selbst bauen? Solche Sachen können mich beschäftigen, wenn ich mich
mit nichts sonst beschäftigen muss. Tatsächlich freihabe.
Viele Sehenswürdigkeiten in anderen Städten interessieren
mich hingegen überhaupt nicht. Sollte ein Designer ein Haus
nach einem Pfefferstreuer gestaltet haben, kümmert mich das
auch dann nicht, wenn es in Barcelona steht.
Hatte ich schon erwähnt, wie unglücklich ich auf Flohmärkten werde? Es ist dagegen ungemein befreiend, wenn ich eine
ganze Wagenladung Gerümpel aus meinem Haus zum Entsorgungshof fahre. Ohne jemals auf den abwegigen Gedanken zu
kommen, diesen Kram könnte jemand kaufen wollen.
Damit wir uns nicht falsch verstehen: Es gibt so viele schöne
Orte. Ein Glas Rotwein in einem Hinterhof in Rom? Bitte sofort.
Einmal die Stimmung im Stadion von Galatasaray Istanbul er­
leben? Unbedingt. Nur sitze ich dann wieder neben einem Taxifahrer, dessen Sprache ich nicht verstehe. Damit er mich zu einem Bett fährt, das sich ständig auch von anderen Leuten bezahlen lässt. Niemand gibt mir Bigos-Eintopf zum Frieren mit.
Stattdessen gucke ich fremden Menschen beim Leben zu. Zu
Hause lebe ich dagegen mit.
JÖRG T H A DEU S Z ist Buchautor und Gastgeber der Interviewsendung «Thadeusz» im rbb.
herrthadeusz@gmail.com
AUF JEDEN FALL WEGFAHREN
DA S M AGA Z I N 03/201 5 AM SCHÖNSTEN IST ES ZU HAUSE
dings reicht es dafür nicht, den See in der Gegenrichtung zu umrunden. Oder den Orangensaft zum Frühstück frisch zu pressen. Da hilft nur eins: Man muss einfach mal weg.
Beispielsweise nach Paris, nach Rom, nach London. Oder
eine Nuance exotischer, nach Marrakesch, Istanbul oder Kopenhagen – letztlich vollkommen egal, Hauptsache, das Wesentliche wird für das Auge sichtbar.
Und das Wesentliche ist das andere. Das, was einem fremd
ist, womöglich immer fremd bleiben wird. Was einen durcheinanderschüttelt, in inneren Aufruhr versetzt, die Fantasie entzündet, einen auf jeden Fall aus der Abgeklärtheit, aus Gleichmass und Gleichmut, ja vielleicht sogar aus seiner verdammt
­risikolos zustande gekommenen Seelenruhe herausreisst.
Wimpern klimpert. Denn dann ganz genau – dann ist es auf
einen Schlag wieder wie bei seinem eigenen ersten Mal.
Abgesehen von dem galoppierenden Reisewahn, der es inzwischen schwer machen dürfte, heute eine grössere Auswahl
Zwanzigjähriger zu finden, die noch nie in Paris waren – wodurch sich Mann eher noch ein Stück weiter Richtung minderjährig wird krümmen müssen –, abgesehen davon also, dass
mittlerweile alle schon überall waren: Das Motiv taugt nach wie
vor. Weil nämlich der leer geträumte Blick auf die Dinge, abgestossen von grauen Routinen, bei jedem wohlstandsverwöhnten Menschen nur noch selten auf irgendetwas trifft, was ihn in
seiner Wucht umhaut. Bedauerlicherweise. Aber das heisst ja
nicht, dass man sich damit abfinden sollte.
Die Welt ist gross, grösser zumindest als der persönliche
Alltag, der sich von Montag bis Freitag brav eingezäunt ereignet. Oder will man so ein Bürogummi werden, der sich mehr
recht als schlecht durch die Arbeitstage hangelt, sich gedanklich mit der nahenden Freizeit – was für ein Wort! – tröstet und
dem darüber nach und nach das eigene und eigentlich mög­
liche L
­ eben zerfasert? Sollte man sich nicht lieber das Programm «Höhepunkte des Alltags» schaffen? Damit man
dann, nach einer Serie von allerlei gesuchten herrlichen Aufregungen, sogar in der unvermeidlich folgenden Monotonie
die Gemütlichkeit wiederfinden und wiedergeniessen kann?
Ein Wochenende zu Hause, das heisst: drei vor sich hin rottende Waschmaschinengänge anwerfen; endlich den Estrich
ausmisten; Rechnungen überweisen; dem Hund richtig Auslauf
bieten; den Kindern auch; den Familiengrosseinkauf in der Migros machen; Schuhe putzen; das Silber auch; die Grossmutter
im Altersheim besuchen; wieder mal joggen oder in der Yogakerze die Zwangserholung üben, um weiter funktionabel zu
sein. Bis man am Sonntagabend freizeit­erschöpft wegdöst, eine
schizophrene Vorfreude auf den Montag in der Brust – und wieder ein Wochenende rumgebracht!
Was aber dehnt das Zeitgefühl? Alles Unbekannte! Alle Eintönigkeiten zu meiden! Neue Wege zu gehen! Und siehe da,
Zauberei oder bloss gut gemachte, hausgemachte Einbildung,
schon hat so ein Wochenende nicht mehr nur 48 triviale Stunden, sondern gefühlt mindestens die doppelte Menge. Aller-
Natürlich soll man es auch schön haben auf Reisen, aber das
stellt sich als Nebeneffekt eines Wochenendes woanders sowieso und von allein ein. Wenn etwa der Ehemann oder die Ehefrau, wie durch ein kleines kalkuliertes Wunder, vor neuer Kulisse auch irgendwie neu zu strahlen beginnt, wundersam aufgeweckt, (re)animiert vom gemeinsamen Erleben, vielleicht
vom famosen Blau der Hagia Sophia oder von fröhlich lärmenden Dänen, vom Dunst über den Wasserstrassen von Venedig
oder bloss von der fruchtigen Bitternis eines Granatapfelsaftes.
Solange nur das Wohlbehagen an einem Wochenende nicht
ausschliesslich davon gespeist wird, dass man einen Harass Mineralwasser auf Vorrat kauft, weil man doch eh schon mit dem
Auto vorgefahren ist. Oder nur deswegen ein Triumphgefühl
für eine sehr kurze Weile aufkommt, weil man ein oder zwei
Häkchen auf der To-do-Liste setzen konnte. Von solchen Wochenenden bleiben keine Bilder zurück. Nur leere Flaschen.
Wogegen eine Kurzreise als Blicköffner wirkt und einen für
mehrere Wochen beschwingt. Lauter Augenblicke im Gedächtnis verwahren lässt, die auch davon leben, dass man selbst ein
klein wenig ein anderer war, in anderen Räumen, anderen Stimmen. Vielleicht hat man sich etwas unbeholfen erfahren, der
fremden Sprache nicht mächtig, vielleicht mutiger, weil nach
längerem wieder einmal die Verführung lockte. Sicher aber
wird es einen nicht abgeklärt zurückgelassen haben, sonst hätte man ja ein Herz aus Stein.
Doch auch das Herz ist bekanntlich nur ein Muskel. Muss
also trainiert werden wie jeder andere Muskel. Geknetet von
neuen Erfahrungen, gezogen und gestaucht von ungewohnter
Bewegung. Und dafür brauchts nicht mal ein junges Herzchen,
das neben einem schlägt. Europa verspricht genug gute Gesellschaft – und den besten Dichtestress: unter angeregten Geistern, die einem naherücken, sofern man sich berücken lässt.
Oder aber man entflieht in die Einsamkeit und sucht sich allein oder zu zweit in den Bergen eine Retraite: und über allen
Gipfeln Ruh.
Dort dann im Mondlicht stumm auf Schneekuppen schauen, die seit Abermillionen Wochenenden unverdrossen bläulich vor sich hinschimmern. Und vieles wird sich plötzlich – versprochen! – wieder anfühlen wie beim allerersten Mal.
A N U S CH K A RO SH A N I ist «Magazin»-Redaktorin.
anuschka.roshani@dasmagazin.ch
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… dann dürfen diese idealen Begleiter nicht fehlen.
Eine feine Auswahl von einem, der es wissen muss.
Von Mark van Huisseling
Illustrationen HifuMiyo 1234
DA S M AGA Z I N 03/201 5 WENN
EINER EINE
REISE TUT …
Der Rimowa Rollkoffer — Der Herr von Welt zieht keinen Koffer auf Rollen hinter sich her, sondern trägt eine Tasche oder einen Koffer
an seinem starken Arm. Und die feine Dame zieht oder trägt nichts, dafür hat sie einen Herrn von Welt und/oder einen Bediensteten. So weit
die Theorie. Die Praxis: Jeder, der viel unterwegs ist, braucht einen Rollkoffer. Die Modelle von Rimowa sind die besten und sehen gut aus.
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21
DA S M AGA Z I N 03/201 5 Weckerarmbanduhr Master Grand Reveil von Jaeger-LeCoultre — Jedes Smartphone hat eine Weckfunktion, einverstanden.
Bloss mit etwas weniger Stil. Besonders stilvoll: eine Jaeger-LeCoultre Vintage Memovox, erste Weckerarmbanduhr der Welt, des eigenen
Jahrgangs (falls man zwischen 1954 und 1970 oder so geboren ist).
22
Kaschmirdecke von Brunello Cucinelli — Man weiss ja nie, ob es dort, wo man hinfährt, eine anständige Decke gibt.
23
DA S M AGA Z I N 03/201 5 Mobiler Lautsprecher von Jawbone — Es gibt, tatsächlich, elektronische Gadgets, auf die man gewartet hat.
Und sogar noch von einem Schweizer designt, Yves Béhar.
24
Panama Diary von Smythson of Bond Street, beispielsweise in marineblauem Ledereinband — Kommt aus ohne Strom,
Netzwerk und WLAN. Darin sind die U-Bahn-Karten von London und Manhattan sowie «Cultural and Sporting Events»
Grossbritanniens, Amerikas und Hongkongs enthalten.
25
DA S M AGA Z I N 03/201 5 Meisterstück Classique Rollerball von Montblanc — Natürlich, im Grunde geht nur eine Füllfeder, die man erst in ein kleines
Fass hält, um die Tinte aufzuziehen. Doch falls man irgendeinmal feststellt, dass Tinte auch auslaufen kann, ist das möglicherweise
der Augenblick, in dem man auf einen etwas weniger stilechten, dafür in der Anwendung bequemeren Tintenroller umstellt.
26
Dunkelblauer, einreihiger Dreiknopf-Anzug aus Schurwolle (für Herren oder Damen)
von, sagen wir, Hugo Boss — Muss auf jede Geschäftsreise mit. Und auch sonst.
27
DA S M AGA Z I N 03/201 5 Schwarze Kniesocken aus Baumwolle von Fogal — Nach einem langen Flug vor der Landung
ein Paar frische Socken anziehen – der zweitbeste Frischmacher (der beste wäre eine Dusche).
28
Maniküre-Set für die Reise, zum Beispiel von R. Horns Wien — Vorsicht: kein Handgepäck. Dabeihaben trotzdem.
Mir jedenfalls reisst schon auf dem Weg zum Flughafen immer ein Nagel ein.
29
Eine Million ÜberraschungsPakete für Sie.
Nur
für kurze
Zeit :
015
13.1.– 9.2.2
<wm>10CAsNsjY0MDQx0TU2NzQ1tAAAkF54pQ8AAAA=</wm>
DA S M AGA Z I N 03/201 5 <wm>10CFWLoQ7DMAwFv8jRe6kdOzWcwqKCaTxkGt7_o7VlAycduJszreDmMY7XeCZBVdmcxkjrVqo3tAx4CdcE4RW0nY2V1uNvENWoBqwrEVDg6xRSuEhosy3K9_35Aalg4Vx3AAAA</wm>
Schlafmaske von Bottega Veneta aus schwarzem Nappaleder — Wer im Flugzeug (oder sonst wo) seine Ruhe haben will,
trägt diese Maske. Und wer «Fifty Shades of Grey» gelesen hat und seine Ruhe nicht haben will, ebenfalls.
30
Pro 20 Franken Einkaufswert gibt es bis zum 9.2.2015 an jeder Migros-Supermarkt-Kasse
einen Sticker (max. 10 Sticker pro Einkauf, solange Vorrat). Das volle Sammelheft kann bis
zum 9.2.2015 in allen Migros-Filialen gegen ein Paket mit Produkten des täglichen Bedarfs im
Wert von ca. 20 Franken eingetauscht werden. Angebot nur solange Vorrat. Weitere Infos auf
www.vonuns-vonhier.ch.
Den Vizepräsidenten der
Oris-Uhrenmanufaktur ziehts
zum Urchigen.
Ich arbeite in der Uhrenbranche; deshalb bin ich das ganze Jahr
über viel unterwegs, vor allem im Ausland, in tollen Städten
wie Tokio oder New York. So bereichernd das oft ist, merke ich
doch, wie es mich ein wenig von der Welt entrückt. Mir tut es
daher extrem gut, mich regelmässig zu erden, indem ich ins
Entlebuch fahre. Mein Grossvater hat dort ein Chalet gebaut,
und als ich ein Kind war, nahmen mich meine Eltern dahin mit:
wo mein Vater Zeit hatte, wo es keinen Fernseher gab, dafür
viele Bücher, wo man Tee trank, sich unterhielt und Wanderungen machte. Heute fahre ich so oft es geht mit meinen Kindern
an diesen Ort, der für mich Heimat ist und ein Ausgleich zu
meinem Arbeitsleben. Der mich wieder zentriert.
Die Menschen im Entlebuch sind wie die Natur: urchig und
archaisch. Es gibt wenig Künstlichkeit, dafür viel gesunden
Menschenverstand. Man hilft einander, kennt sich, geht einen
Kaffee Schnaps trinken, und man ist im Verein.
www.oris.ch
Distillerie Studer, www.distillery.ch
Alprestaurant Stäldeli, www.staeldeli.ch
Gasthof Rössli, www.stefanwiesner.ch
JÜRG SCHMID: BELLINZONA, ST. GALLEN, FREIBURG,
CHUR, SOLOTHURN
Der Direktor von Schweiz Tourismus kennt sich natürlich so gut aus, dass er
prima Tipps gleich zu fünf Schweizer Städten geben kann.
DA S M AGA Z I N 03/201 5 — BI L DE R L I N K S: U N E S C O BIO S PH Ä R E EN T L E BUC H; BI L D R E C H T S: A N DR E A B A DRU T T / GIGE R B A R
ROLF STUDER:
ENTLEBUCH
Ich bin im Skiliftverein Schratten. Sobald der erste Schnee
kommt, setzt bei mir das Hirn aus: Ich muss auf die Piste. Der
Tagespass kostet 20 Franken, der Kinderpass 10 Franken.
Eine gute Beiz gibts auch; mehr brauche ich nicht zum Glücklichsein.
Das Entlebuch ist nicht nur Unesco-Biosphäre, sondern
auch bekannt als Kraftort. Da ist die Wallfahrtskirche Heiligkreuz, die wunderschöne Kneippanlage Schwandalpweiher mit
ihren Wasseranlagen und dem Kräutergarten und, in gewisser
Weise auch wichtig, die Distillerie Studer, die nicht nur den
Schnaps für den Kaffee herstellt, sondern mit ihren Likören
schon viele Preise gewann.
Das Entlebuch könnte aber sicher noch viel mehr aus sich
machen und mehr Touristen anlocken. Doch die knorrigen
Leute dort sind genug damit beschäftigt, ihr Ding zu machen.
Die Region wurde oft von Überschwemmungen heimgesucht,
weil sie von den Glasereien, die es früher gab und die viel
Brennholz brauchten, stark abgeholzt wurde.
Das Leben der Landwirte ist zu hart, als dass sie sich darüber Gedanken machten, wie alles noch besser werden könnte.
Dafür mit dem Resultat, dass die Leute enorm im Leben stehen
und glücklich sind, glaube ich. Ich habe es immer bewundert,
wie sie auf 1200 Metern mit ihren Tieren und den Jahreszeiten
leben. Es erinnert mich daran, dass viele Städter gar nicht mehr
wissen, was Natur eigentlich ist und was ihnen fehlt.
Man kann herrlich auf den Nünalpstock steigen, nach
Heiligkreuz wandern oder den Sewenseeli-Wanderweg nehmen und in der Alpwirtschaft Stäldeli einkehren. Besonders geniesse ich es, hier mit meinen Kindern zu wandern. Sie sind erst
vier und fünfeinhalb, aber eine Stunde schaffen sie schon. Wir
packen den Rucksack aus, sammeln Holz und grillieren eine
Wurst; ich bin froh über solche Momente.
Unbedingt dazu gehört auch ein Besuch im Restaurant
Rössli in Escholzmatt bei Stefan Wiesner, auch bekannt als der
Hexer vom Entlebuch. «Avantgardistische Naturküche» nennt
er seine Kreationen, mit denen er es schafft, die Natürlichkeit
der Region mit grösster Raffinesse auf den Teller zu bringen.
Neulich etwa hat er jeden Gang einem Naturprodukt gewidmet;
es gab einen Rehgang mit Würstchen und Leberparfait sowie
einen Petersiliengang: Aus verbrannten Kräutern machte er
eine Essenz, die wie eine Schneckenspur aussah, und kredenzte sie mit echten Schneckeneiern.
Deshalb liebe ich das Entlebuch so: Selbst in einem mit
Michelinstern gekrönten Restaurant bin ich nah an der Kraft
und den Wundern der Natur. Dass Schnecken Eier legen, wussten meine Gäste jedenfalls vorher nicht.
BELLI NZONA
Schlossrestaurant Osteria Castello
di Sasso Corbaro
In der Gaststube des Unesco-geschützten Schlosses werden marktfrische Köstlichkeiten nach überlieferten Rezepten
aufgetischt (reservieren!).
Mercato a la Svizzera
Jeden Samstag findet der Wochenmarkt
statt, von der Piazza Nosetto bis in die
Altstadtgassen. Beim Marktbummel
kommt südländische Leichtigkeit auf.
Teatro Sociale Bellinzona
Das einzige in der Schweiz noch erhal­tene
Theater aus dem 19. Jahrhundert – das
Teatro Sociale ist heute ein äusserst lebendiges Zentrum für darstellende Kunst
und ein beliebter Treffpunkt für die Einheimischen.
ST. GA LLEN
Lokremise
Die Lokremise im Herzen der Stadt ist
ein echtes, pulsierendes Kulturzentrum:
Theater, Tanz, Kunst und Restaurants
bieten eine einzigartige Atmosphäre.
Textilland Ostschweiz
Die textile Tradition der Ostschweiz hat
einen glamourösen Weltruf erlangt, für
seine Stoffe und sein überliefertes Know-­
how. Eine aussergewöhnliche Erfahrung
ist es, einmal in einem Textilland-Hotel
zu übernachten.
Stiftsbezirk
Der Stiftsbezirk von St. Gallen: Ein ab­
solutes Muss – egal, woher man kommt.
Besonders einzigartig: die Stiftsbibliothek mit dem wohl schönsten nicht kirchlichen Barocksaal der Schweiz.
F R EI BU RG
Café du Gothard
Ein Highlight im traditionsreichen Quartier du Bourg ist nebst der Kathedrale
diese Brasserie, in der schon Ikonen wie
Jean Tinguely ein- und ausgingen.
Funiculaire:
Wenn der Weg das Ziel ist: Das Knirschen
und Klappern der hundertjährigen
Standseilbahn allein lohnt schon den
Besuch. Umso mehr, da sie komplett
ohne Strom unterwegs ist.
Auberge Aux 4 Vents
Dieses Landhaus bietet acht komplett
verschieden möblierte Zimmer an: Modernste Technologie trifft auch mal auf
rustikalen Barock. Inklusive einer Schienen-Badewanne für das schwebende Bad
unter freiem Himmel. Bilder links: Das Entlebuch ist Unesco-Biosphäre. Die Kneippanlage Schwandalpweiher (oben) ist als Kraftort bekannt.
Sogar Steinbockkolonien scheinen das zu finden (unten). Bild oben: Sich bizarrer betrinken als in der Giger Bar in Chur geht kaum – der Fantasie
des verstorbenen Künstlers H.R. Giger entsprungen.
32
33
CH U R
Bühler’s Zuckerbäckerei
Die Geburtsstätte exklusiver Bündner
und Churer Spezialitäten: Pfirsichsteine,
Marzipan-Leckereien und die Alpenstadt-Torte entstehen täglich in diesem
sympathischen Handwerksbetrieb.
Romantik Hotel Stern
300-jährige Tradition inmitten schönsten Interieurs samt Carigiet-Originalen.
Die Gaststätte ist bekannt für ihre authentische Küche, für die sie 14 «Gault
Millau»-Punkte einheimste.
H.R. Giger Bar
Aus einer anderen Welt – und doch durch
und durch schweizerisch: Der «Alien»-
Vater und Oscarpreisträger H.R. Giger
war gebürtiger Churer – hier befindet
sich die Bar, in der man sich am legendären Filmset wähnt, mit Fantasiege­
schöpfen aus Gigers Kreativschmiede.
SOLOTHURN
Restaurant Salzhaus
Das Salzhaus ist ein perfektes Beispiel für
eine gelungene Verwandlung: vom Salzlager zu einem einzigartigen Restaurant
an der Aare mit Industrie-Chic.
Kerzen Jeger
Der Name täuscht: Dieses legendäre Altstadtgeschäft bietet nicht nur Kerzen
jeglicher Art an, sondern auch Tee aus
aller Welt, kulinarische Trouvaillen und
Hochprozentiges, ja sogar kleine Möbelstücke.
St.-Ursen-Kathedrale
Solothurn gilt vielen als die schönste Barockstadt der Schweiz. Sie steht unter
dem geheimnisvollen Bann der Zahl 11:
Die meisten sehenswerten Bauwerke
wie die imposante St.-Ursen-Kathedrale drehen sich um die Zahl 11.
Alle Tipps von Jürg Schmid finden Sie
auch auf www.myswitzerland.ch.
MONICA GLISENTI:
OBERENGADIN
Ich bin in St. Moritz aufgewachsen und habe dort von meinen
vor langer Zeit verstorbenen Eltern eine Wohnung mit traumhafter Sicht über See und Berge geerbt. Einer meiner Brüder
hat das Reisebüro unseres Vaters übernommen. Mein anderer
Bruder ist Architekt und lebt mit seiner Familie auch im Engadin. In meiner Kindheit gab es viele Hotels und wenig Zweitwohnungen. Die Gäste blieben oft monatelang. Heute ist es
umgekehrt. Sie sind noch ein, zwei Wochen da, sodass es wegen der leer stehenden Häuser manchmal etwas «tötelet».
St. Moritz war nie eines dieser prächtigen Dörfer wie Bever, Guarda oder Sent mit den mächtigen, alten Engadinerhäusern. Die unzähligen Kräne gehören zur Dorfsilhouette.
Mir ist der Wildwuchs jedoch lieber als diese massgeschneiderten Retortensiedlungen mit ihrer Laubsägeliarchitektur.
Das Schönste ist sowieso die fantastische Umgebung. Wenn ich
von der Wohnung aus nur eine halbe Stunde losmarschiere,
habe ich die Zivilisation verlassen, dann bin ich in der Wildnis.
In einer atemberaubend schönen Natur: diese schwarzen Seen
und bunten Blumenwiesen, das unterschiedliche Grau des
Granits, im Herbst die gelben Lärchen, im Winter die leuchtend weisse Schneelandschaft, das intensive Licht, die frische
Luft − und alles unter dunkelblauem Himmel.
Für ein ideales Wochenende fahren wir am Freitagabend
hoch: Angekommen, zieht es uns zunächst zum hässlichsten
Ort von St. Moritz, zum Parkplatz der Signalbahn in die Baubaracke von Andrea und Max Schneider, beide auch gebürtige St. Moritzer. Max war vor über 40 Jahren vermutlich der
DA S M AGA Z I N 03/201 5 — BI L D: M IC H A E L GR E G ONOW I T S / V I L L A F L OR
Als Bündnerin weiss die Migros-Kommunikationsleiterin, was den Wesenskern
von St. Moritz ausmacht.
erste Betreiber einer Schneebar weltweit und ist der beste DJ.
An den alten Holztischen seiner Baracca trifft der Pöstler und
der Bäcker auf den Milliardär. Nach einem köstlichen, ein­
fachen Znacht fängt man an zu tanzen, zu späterer Stunde
­sogar auf den Tischen.
Ich bin Frühaufsteherin, auch samstags schon um sechs
wach. Dann ziehen wir los auf die Berge. Eine meiner Lieblingswanderungen geht von Pontresina aus durch das Val Languard
mit wilden Bächen und knorrigen Arven. Über den steinigen,
steilen Zickzackweg hinauf zu Georgy’s Hütte in 3200 Meter
Höhe – sie liegt sehr exponiert nur ein paar Meter unterhalb
vom Piz Languard im Albris-Gebiet, wo die grösste Steinwildkolonie lebt und man nicht selten bis zu 30 Steinböcke beobachten kann. Von dort hat man den schönsten Rundblick, auf
die Engadinerseen, den Piz Palü, die Bellavista, den über 4000
Meter hohen Piz Bernina, den Piz Morteratsch, aber auch über
die Ortler-, Silvretta- und Kesch-Gruppe. Nirgends als in dieser
Höhe schmeckt ein vom Hüttenwart Claudio Mazzolatti zubereiteter Teller Spaghetti besser.
Mein Mann und ich sind schnelle Wanderer, manchmal
überholen wir langsame Jogger, zum Reden bleibt keine Luft
übrig. Auf dem Rückweg machen wir einen Abstecher in die
Paradis-Hütte zu Pia Schwander: ein Kuchenparadies! Es gibt
Leute, die sich ihr Stück telefonisch reservieren lassen. Der
Abend wird dann mit einem Schwumm im Stazersee und einem Picknick mit Holzfeuer (den Prosecco kann man im Bächlein kühlen) eingeläutet. Der Stazersee ist ein wirklich magischer Ort.
Am Sonntag fahren wir nach Sent, besuchen den einzigartigen Skulpturenpark von Not Vital und laufen durch das Val
Sinestra über zwei Hängebrücken zum Hof Zuort, einem sorgfältig renovierten Gasthof mit ein paar Schlafgelegenheiten
und ausgezeichneter, österreichisch angehauchter Küche – ein
Chalet und eine Kapelle in einem: Vor hundert Jahren unternahm der niederländische Dirigent Willem Menglberg, ein
Musik-Avantgardist des 20. Jahrhunderts und Freund von Gustav Mahler, eine Wanderung von seinem Ferienort ScuolTarasp in Richtung Fimberpass, mit dem Ziel Ischgl im Paznaun.
Dabei kam er in Zuort vorbei und war von diesem mystischen
Flecken derart begeistert, dass er ihn zu seiner Sommerresidenz machte. Heute steht sie Gästen das ganze Jahr über offen.
Unsere Wanderung führt dann auf dem Höhenweg, der übrigens auch im Winter begehbar ist, weiter nach Griosch, an Erdpyramiden (in Prà San Peder) vorbei bis Vnà zum Kaffee im
Hotel Piz Tschütta und über den schmalen Weg durch die Magerwiesen runter nach Ramosch. Von dort kehren wir mit dem
Postauto nach Sent zurück, wo wir zum Tee im Garten der Pensiun Aldier einkehren. Auf der Rückfahrt nach St. Moritz machen wir den nächsten Halt in Lavin, wo im hübschen Hotel
Piz Linard der Apéro folgt. Im Sommer werfen wir vorher noch
einen Blick in die Biogärtnerei von Madlaina Lys und Flurin
Bischoff. Auch das ein kleines Paradies! In Zuoz besuchen wir
meine Freundin Monica De Cardenas. Wir gingen zusammen
ins Gymi und hatten nur eine Konstante im Zeugnis: die Bemerkung «schwatzhaft». Seit über zwanzig Jahren vertritt sie in ihrer Galerie in Mailand renommierte, internationale Künstler
und eröffnete später eine zweite in Zuoz. Dort führt sie uns jeweils durch ihre Ausstellungen (bis 7. 2. läuft noch die Retrospektive von Gianni Colombo).
Dann lassen wir den Sonntag mit einem feinen Nachtessen bei einer anderen engen Jugendfreundin ausklingen. Ladina Florineth gehört die Villa Flor in S-chanf, das schönste
7-Zimmer-Hotel, das ich mir denken kann. In den Genuss ihrer Kochkunst kommen aber nur ihre Freunde. Oder die gesamte Familie versammelt sich bei meinem Bruder Marco in
Chapella bei S-chanf: Er ist leidenschaftlicher ­Jäger, und es
gibt Hirsch vom Feuer.
Wir gehen nicht allzu spät ins Bett, weil wir am Montag früh
um vier zurück nach Zürich starten – und weil dann wenig Verkehr ist, sitze ich bereits gute zwei Stunden später in meinem
Büro am Limmatplatz.
La Baracca, Via San Gian, Tel. 079 270 07 75; Georgy´s
Hütte, www.georgy-huette.ch; Paradis-Hütte, Tel. 079 610
36 03; Hof Zuort, www.zuort.ch; Hotel Piz Tschütta, www.
hotelvna.ch; Pensiun Aldier, www.aldier.ch; Hotel Piz Linard, www.pizlinard.ch; Biogärtnerei, www.bioterra.ch;
Galleria Monica De Cardenas, Zuoz, www.monicadecardenas.com; Villa Flor, www.villaflor.ch
PIERANDRÉ BOO:
GENF
Die Verwandlung in Greta Gratos nimmt auf dem Flohmarkt
ihren Anfang und wird des Nachts vollendet. Herrschaftlich nächtigen und sich trotzdem wie im Haus einer Freundin fühlen
kann man in der Villa Flor in S-chanf.
34
35
Am liebsten beginne ich meinen Samstag mit einem Flohmarktbesuch auf der Plaine de Plainpalais. Ich bin ein kontemplativer Mensch, ich liebe
es, durch die Strassen zu flanieren, offen, dem
Zufall überlassen, beobachtend. Auf dem Flohmarkt stosse ich stets auf alte Fummel, Spitzen,
Korsagen für meine Kostüme. Ich nähe die Kleider von Greta Gratos – die Musikerin, Darstellerin,
Salondame –, deren Identität ich annehme für
meine Auftritte, selber. Das Geheimnis, wenn man
auf dem Flohmarkt etwas Schönes aufstöbern
will, besteht darin, nichts Bestimmtes zu suchen.
Dazu gehört neuerdings auch, dass ich dem
Frankenstein-Monster meine Aufwartung mache.
Das ist eine Bronzeskulptur vom Künstlerkollektiv Les Klat, die daran erinnert, dass der Frankenstein-Roman in Genf entstand. Der erste Mord,
den Frankenstein begeht, findet auf der Plaine de
Plainpalais statt. Im Anschluss mache ich einen
Sprung nach Carouge und besuche das Brockenhaus von Emmaüs. Ich mag Brockenhäuser; voller Objekte, die eine Geschichte erzählen – interessanter als glatte Designmöbel.
Jetzt wird es Zeit für eine kleine Pause, ich
trinke eine Schokolade im Tearoom Martel, ein
sehr angenehmes Oma-Café. Danach kehre ich
meist ins Stadtzentrum zurück und gehe in die
Mercerie La Madeleine. Es gibt immer weniger
solche Geschäfte. Ich finde dort Troddeln, Rüschen, Kragenstäbchen, die ich für meine Accessoires benötige – was sonst wohl kaum jemand
gebrauchen kann.
Am späteren Nachmittag gehe ich häufig noch
einmal ins Tonstudio in Collonge-Bellerive. Im
Augenblick gebe ich «Ladies are back», meiner
neuen Platte, die im Februar herauskommt, den
letzten Schliff. Es wird ein Electro-DancefloorAlbum, aber ich vermische gerne die Genres. Ich
unterlege die Musik auch mit persönlichen poetischen Texten, auf die man hören kann, wenn
einen der Beat in die richtige Stimmung bringt –
oder auch nicht. Für die Aufnahmen arbeite ich
mit Naïche Barbaglia zusammen, mit dem ich mich
fast blind verstehe. Das macht ungeheuer Freude.
Am Abend stehe ich in der Regel auf der Bühne oder hinter dem DJ-Pult – und verwandle mich
in Greta Gratos. Häufig trete ich in der «Usine» auf,
einem autonomen Kulturzentrum in Genf. Meine Loge dort ist «Le Cheveu sur la soupe», Coiffeursalon und Atelier von Michel Albasini, wo die
DA S M AGA Z I N 03/201 5 — BI L DE R L I N K S: GEN E VA T OU R I S M & C ON V EN T ION S F OU N DAT ION; BI L DE R R E C H T S: M I S C H A S C H E R R E R
36
Verwandlung stattfindet. Dann gehts los: Entweder mit einem Konzert oder einer Performance im
«Zoo», dem grossen Saal der «Usine», den ich
mag, weil er an die 800 Leute fasst und trotzdem
einen intimen Rahmen bietet, oder auch in der
«Gravière», wo ich Platten auflege, heterogene
Sachen, die die Leute nicht nur zum Tanzen bringen, sondern auch überraschen sollen. Ich nenne
das «Schlampenmusik». Es sind Partys, welche die
Genregrenzen sprengen.
Meist dauert eine Party bis in die frühen Morgenstunden. Ich habe meine Rituale, um die Nacht
zu ihrem Ende kommen zu lassen. Ich kehre in den
Coiffeursalon zurück, trinke noch einen Kaffee,
bespreche den Abend mit dem Team, komme langsam wieder runter. Bevor ich das Make-up von
Greta abtrage, ist es mir sehr wichtig, mich noch
einmal sorgfältig zu schminken. Ich bringe mein
Gesicht in Ordnung, bleibe kurz mit mir allein,
mache ein paar Fotos von mir. Erst dann folgt der
vielleicht angenehmste Moment: Ich nehme ein
Bad.
Am Sonntag geniesse ich ein sehr ausgedehntes Frühstück. Am Nachmittag spaziere ich gerne
die Arve entlang, bei der Mündung in die Rhone.
Ich liebe es, Wasser zu beobachten. Wenn ich
meinen Freunden Urlaubsbilder zeige, sagen sie:
Du hast wieder nur das Meer fotografiert. Greta
ist eine Sirene.
Am Sonntagabend folgt gelegentlich die Party
«T dansant», die ich mitorganisiere und die von
fünf Uhr nachmittags bis mindestens Mitternacht
dauert. Eigentlich ist es mehr ein «Vodka dansant». Das Publikum ist sehr gemischt, genau wie
die Musik, die vom Wienerwalzer bis zu japanischem Punk alles umfassen kann. Zu Beginn tummeln sich Familienväter und Kleinkinder auf der
Tanzfläche, später ist die Atmosphäre aufgekratzt
und weniger jugendfrei. Am Ende nehme ich
wieder mein Bad im «Cheveu sur la soupe». Es
ist meine Art, mir selbst und dem Dance-Week­
end auf Wiedersehen zu sagen.
Flohmarkt auf der Plaine de Plainpalais,
samstags 8–13 Uhr
Brockenhaus Emmaüs, www.emmaus-ge.ch
Tearoom Martel Carouge,
www.martel-chocolatier.ch; Mercerie in der Rue
de la Madeleine 11
Kulturzentrum Usine, www.usine.ch
Nachtclubs
Zoo, www.lezoo.ch
Gravière, www.lagraviere.ch
T dansant, www.360.ch
MICHAEL
SCHINDHELM:
TESSIN
Der Schriftsteller und Kulturberater
geniesst die Italianità.
Da ich zwischen meinen Wohnsitzen London und Tessin
pendle, bin ich nie nur für ein Wochenende dort, sondern meist
mehrere Tage am Stück.
Mein Haus ist nur achtzig Meter von der italienischen Grenze entfernt – ich brauche eine knappe Stunde bis zum Mailänder Flughafen, und auch der Flughafen Lugano ist um die Ecke.
Der italienische Einfluss dort ist stark; früher waren die rund
25 Dörfchen des Malcantone selbst für Tessiner Verhältnisse
Bilder links: Auf dem Marché aux puces de Plainpalais in Genf wird man garantiert fündig.
Musse dagegen findet man in den Bains des Pâquis (rechts).
Bilder oben: Der Winzer Daniel Huber in Monteggio macht den besten Merlot, sagt sein Tessiner Nachbar Michael Schindhelm.
37
39
eine sehr arme Gegend, wo die Kastanie die Menschen ernährte – noch heute sieht man viele verwilderte Kastanienbaumplantagen.
Es sind intakte Dörfer aus dem Mittelalter; Sessa zum Beispiel ist sehenswert oder Astano. Zudem hat vor hundert Jahren
dort der Weinanbau begonnen: Überall wird bester roter und
weisser Merlot produziert. Einer der besten stammt von Bauer
Huber, der seinen Rebberg direkt hinter meinem Haus hat.
Es steht zwischen dem Luganersee und dem Lago Ma­g­g­
iore, verbunden durch das Flüsschen Tresa. In meinem Weiler
Crocivaglio bei Monteggio, mit gerade mal 18 Einwohnern, wird
man alt: Das Durchschnittsalter liegt sicherlich über sechzig.
Die soziale Kontrolle spielt eine grosse Rolle: Jeder weiss genau,
was der andere macht, als spiessig empfinde ich die Leute jedoch nicht.
Ich habe einen sehr intensiven, strukturierten Tagesablauf: Meine innere Uhr weckt mich auf, sie schlägt immer
gleich, zwischen acht und halb neun – darauf folgen Morgenstunden, in denen ich sehr aktiv sein muss, um mein Blut in
den Kopf zu pumpen. Ich bereite den Kamin vor, erledige bis
mittags im Haus alles, was anfällt, weil ich dafür intellektuell
noch nicht so beweglich sein muss. Oder ich mache stundenlange Spaziergänge. Mittags esse ich dann meine erste Mahlzeit, und von zwölf bis zwölf Uhr, bis Mitternacht, dauert meine kreative Phase. Da arbeite ich, schreibe meine Bücher, entwickle Konzepte als Kurator und Berater.
An den Vormittagen bin ich sommers auch häufig auf meinem Boot auf dem Lago Maggiore. Dann fahre ich zum Beispiel
zu den hoch beeindruckenden norditalienischen Inseln – die
Borromäischen Inseln, benannt nach den früheren Besitzern,
der Familie Borromeo. Die zweitgrösste Insel ist die Isola Bella
mit ihrem Barockpalast und -park. Einst galt die See­gegend als
das Monaco der britischen Aristokratie. Im Sommer ist es dort
recht touristisch, dennoch schön, im Winter kaum etwas los.
Grossartige Altäre, Tabernakel und spektakuläre Plas­tiken
findet man in Sacro Monte, von mir bloss eine Viertelstunde
mit dem Auto entfernt. Oder ich wandere durch die nahe canyonartige Landschaft, die wie ein Dschungel dicht mit Macchia bewachsen ist: Wildbächen entlang, die Katarakte gebildet haben – Schnee fällt selten, dafür hat man oft einen besonders blauen Tessiner Himmel über sich. Berge empor, die so
hoch sind, dass man nach einer halben Stunde nicht mehr
kann. Etwa zum Monte Lema, wo man einen 360-Grad-Blick
über die Seen geniesst.
Und natürlich gibts einige schöne Grotti. In einem, dem
Unione in den Weinbergen von Sessa, esse ich gern zu Abend,
im Winter am Kamin, im Sommer unter der Pergola. Dort servieren sie eine sehr gute hausgemachte Küche, drei bis vier
Tagesgerichte, darunter oft einen feinen Brasato oder Saltimbocca. Der Besitzer ist Jäger und Connaisseur und bietet viel
Experimentelles mit Wildfleisch an. Hier wird mit viel Sophistication gekocht – und es bleibt doch eine Dorfküche.
JÜRGEN LAUB:
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Yvonne, die
9.1.2015 – 19.4.2015
Als meine Kinder noch kleiner waren und obwohl wir als junge Familie nicht gerade im Geld
schwammen, fuhren wir im Winter doch immer
zum Skifahren von Stuttgart ins Unterengadin,
obwohl es dort viel teurer war als in Österreich
oder in den deutschen Alpen. Das hatte mindestens zwei Gründe. Zwar gibt es dort viele herrliche Skigebiete, aber die sind nur so lange gut, wie
man auf der Piste ist. Der Ort, in den man dann ins
Hotel zurückgeht, ist meistens furchtbar hässlich.
Das ist in Scuol, in Sent und natürlich in Guarda
ganz anders. Jedes Mal, wenn ich mit meinen
Kindern den «Schellenursli» gelesen habe und
auf den Zeichnungen die Engadiner Häuser mit
dem Sgraffito sah, habe ich mich darauf gefreut,
bald wieder dorthin zu fahren.
Der andere Grund, der mich bis heute so regelmässig in die Schweiz treibt, hat mit einer Berufskrankheit zu tun, von der ich als Designer
zwangsläufig befallen bin: Für Wilkhahn etwa
haben wir zwei Sitzmöbel entworfen, den «Conference Chair Graph» und Sessel plus Sofa «Asienta». Wenn ich nun irgendwo auf einem Stuhl
sitze, kann ich nicht anders als darunterfassen,
um zu spüren, wie er dort verarbeitet ist. Egal, welche Oberfläche ich sehe, ich muss darüberstreichen; jedes Material muss kurz angefasst und geprüft werden, und meistens bereut man das. Anders in der Schweiz. Selbst die vielen, in der Zeit
zurrose.ch
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ROLF SACHS:
LONDON
ein wenig stehen gebliebenen Unterkünfte, die
in den 70er-Jahren zuletzt modernisiert wurden,
sehen aus wie neu. Die Keramik und die Armaturen der Badezimmer sind in einem fantastischen
Zustand und tadellos verarbeitet, und jede Schweizer Küche, egal, ob alt oder neu, ist ein Genuss.
Diese Qualität des Edelstahls ist bei uns nur sehr,
sehr selten zu finden, und es scheint, als seien
Schweizer Küchen nicht wie bei uns für eine begrenzte Wohnperiode, sondern für die Ewigkeit
gebaut. Wenn ich dagegen an die welligen Oberflächen älterer Pressspanplatten in deutschen
Küchen denke, überkommt mich das Grausen.
Nicht nur in Bädern und Küchen, ganz generell scheint mir das Qualitätsbewusstsein der
Schweizer am stärksten ausgeprägt, beispielsweise für Lebensmittel. Es hat mir immer sehr gefallen, wenn man von der Piste runterkommt und
dann steht da eine Batterie ortsansässiger Bauern,
die selbst gemachten Käse und Hirschsalami verkaufen. Auch die vielen kleinen regionalen Läden und Betriebe, die Bäckereien und Molkereien
beeindrucken mich immer wieder; allerdings hat
sich in letzter Zeit auch in Deutschland das Qualitätsbewusstsein ein wenig verbessert. Viele kaufen zwar noch immer in Billig-Supermärkten und
essen Sachen, die nach gar nichts schmecken,
aber der Trend geht auch hier zum Markteinkauf
und zu kleinen Nischengeschäften. Wenn hier in
Stuttgart ein Bäcker aufmacht, der seine Brötchen
selbst backt, dann gibt es kurze Zeit später vor
dem Geschäft Schlangen so lang wie in der DDR.
Schliesslich ist die Schweiz auch ein Design­
land. Das hat mit der Liebe zu guten Materialien
und ihrer Verarbeitung zu tun, aber auch mit den
im Vergleich zu den meisten anderen Ländern
sehr profunden Kenntnissen über Design und
Designer, natürlich auch über die eigenen.
Schon als ich als junger Mann durch die
Schweiz fuhr und Freunde besuchte, wunderte
ich mich darüber, dass in praktisch jedem zweiten
Haus ein Le-Corbusier-Stuhl steht. Bis ich überrascht feststellte, dass Le Corbusier ein Schweizer ist.
jehs + laub, www.jehs-laub.com
www.wilkhahn.ch
DA S M AGA Z I N 03/201 5 — BI L D L I N K S: BEN J A M I N H A S ENC L E V E R / LU DW IG H AT E C K E; BI L DE R R E C H T S: T OM M A N N ION / S OHO HOU S E U K
Der Designer bleibt in seinen 20 Jahren England denselben Orten treu.
Meine Wochenenden sehen sehr unterschiedlich aus – an vielen bin ich unterwegs –, mein ideales Wochenende zu Hause in
London aber sähe so aus: Am Samstag werde ich früh wach,
kann aber noch liegen bleiben, um zu lesen und zu «i-padden».
Nach dem Frühstück gehe ich in mein Studio, das in a­ lten Gaswerken ist – oder in eine spannende Ausstellung. Meist in die
Tate Modern, in die Serpentine Gallery oder in die einer Galerie, zum Beispiel in der Galerie Hauser und Wirth des Schweizer Galeristenpaars Ivan und Manuela Wirth, zu Sprüth Magers
oder zu White Cube – am liebsten in deren Räume in der Innenstadt. Die White Cube Dependance mit ihren Tausenden Quadratmetern in Bermondsey offenbart mir zu sehr den Hyperexzess in der Kunstwelt – die Frage ist doch: Braucht der Kunsthandel wirklich solche gigantischen Räume? Mir ist das jedenfalls viel zu aufgebläht.
Sehr gern beginne ich meinen Samstag auch mit einer Fahrt
nach Brick Lane, zu jenen kleinen Märkten im East End, oder
in den raueren Süden der Stadt, oder ich schlendere in diesen
Gegenden bei einem der vielen Boot Sales – Garagenverkäufe
– vorbei ; manches dort wird einfach aus dem Kofferraum verkauft. Da finde ich viel Material für meine Entwürfe: funktionale Gegenstände wie einen alten Zuber oder eine lädierte
Leiter, alte Schaufeln, Spaten, Gabeln – aber auch «quirky
things», Absurditäten. Ich lasse mich von meinen Entdeckungen zu Werken inspirieren, oft aber gehe ich auch ganz gezielt
auf die Suche nach gewissen Dingen. Die schleppe ich dann ins
Studio, wo ich sie deponiere, bis die Zeit für ein Objekt reif ist.
«Normal» shoppen gehe ich nicht häufig, auch wenn ein
Kaufhaus wie Selfridges natürlich ganz toll ist. Anfang des
Jahres hatte ich das Vergnügen, zwei seiner Schaufenster zu
gestalten, eines unter dem Motto «Surreal», parallel zu einer
Ausstellung im einen Besuch lohnenden Victoria & Albert
Museum, das andere unter dem Motto «Futurismus».
Für mich sehr elementar für ein gelungenes Wochenende
ist ein Mittagessen mit Freunden. Komischerweise finde ich
Mittagessen immer schöner als Abendessen, weil man so in
den Nachmittag hineinschwatzt.
Und Spontanität ist mir sehr wichtig – langes Vorausplanen
bindet einen so, und mit Bindung geht eine Unflexibilität einher.
Gern auch gehe ich mit dem Sohnemann zum Lunch – entweder ins La Famiglia in Chelsea, ein schön einfaches italienisches Lokal, wo ich schon als Student war. Oder ins River Café
bei mir um die Ecke; ich wohne in Fulham.
Das Bellamy’s in Bruton Place gehört zu meinen Lieblingsrestaurants, weil es trotz seiner zentralen Lage überhaupt
nicht touristisch ist, sondern ziemlich britisch-konservativ.
Oder ich mache einen Abstecher in den Chelsea Physic
Garden, einen kleinen, ganz ruhigen Park nahe der Royal
Hospital Road. Egal, wem ich den zeige, alle finden diesen Ort
wunderschön.
Inzwischen ist es schon fast sechs Uhr. Im besten Fall setze
ich mich um diese Zeit ins Auto und fahre aufs Land zu Freunden, wahnsinnig gern nach West Sussex, eine gute Stunde von
London entfernt. In dieser Gegend wohnt eine ganze Reihe
lustiger guter Freunde, und einer von ihnen hat immer ein
fröhliches Dinner geplant.
Am Sonntagmorgen gibts entweder einen langen Spaziergang; im Sommer gehts auf den Tennis- oder Golfplatz. Auf den
Bild links: Metzger Ludwig Hatecke in Scuol verkauft reine alpine Wildsalzize.
Bilder oben: Ein grandioses Kinoprogramm und geselligen «Abspann» beim Dinner geniesst
man im Londoner Electric Cinema.
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ner anderen Generation. Ausserdem haben sie dort einen der
schönsten Gärten, den man sich vorstellen kann.
www.rolfsachs.com
Tate Modern, www.tate.org.uk
Galerien:
Serpentine Gallery, 23 Savile Row,
www.serpentinegalleries.org
Hauser & Wirth, www.hauserwirth.com
Sprüth Magers, 7a Grafton Street, www.spruethmagers.com
White Cube Mason's Yard, www.whitecube.com
Brick Lane Market, www.visitbricklane.org
Kaufhaus Selfridges, www.selfridges.com
Restaurants: La Famiglia, www.lafamiglia.co.uk
The River Café, www.therivercafe.com
Bellamy’s, www.bellamy’s.restaurant.co.uk
Chelsea Physic Garden, www.chelseaphysicgarden.co.uk
Kinos: Curzon Cinema Mayfair, www.curzoncinemas.com
Electric Cinema, www.electriccinema.co.uk
Bar Boulud, www.barboulud.com
Poissonnerie Chelsea Restaurant, www.poissonnerie.co.
uk; Chelsea Arts Club (leider nur für Mitglieder), www.chelseaartsclub.com
DA S M AGA Z I N 03/201 5 — BI L D L I N K S: N IC K B A I L E Y / C H E L S E A PH Y S IC G A R DEN; BI L DE R R E C H T S: PR I S K A K E T T E R E R / T ON H A L L E- GE S E L L S C H A F T Z Ü R IC H; M A X RUC K S T U H L / GRÜ N S TA D T Z Ü R IC H
Sport folgt dann der typisch englische, selbst gekochte Sunday Roast in grösserer privater Runde. Danach ziehe ich mich
im Haus meiner Freunde sicher für anderthalb Stunden mit
den Sunday Papers zurück: Mein Leib-und-Magen-Blatt ist die
«Financial Times» vom Samstag, auch die «New York Times»
zählt dazu; aber ich schaue ebenso in die «Times» und den
«Sunday Telegraph», obwohl ich mich über die immer wieder
mal ärgere. An deutschen Zeitungen lese ich vor allem die FAZ
oder im «Spiegel». Ich bin ein grosser Zeitungsleser, für mich
ist das ein wunderbares Ritual.
Damit der Verkehr nicht zu verrückt wird und ich noch
einen ruhigen Sonntagabend vor mir habe, breche ich am frühen Nachmittag zurück nach London auf.
Eigentlich würde ich wahnsinnig gern mehr ins Kino gehen,
zum Beispiel in eines der grosszügigen wie das Curzon Cinema
in Mayfair oder das Electric in der Portobello Road, aber dann
gebe ich doch der Jugend den Vorzug. Die ist ja am Wochenende ständig damit beschäftigt, mit Freunden auszugehen; am
Sonntagabend aber nimmt sich mein mittlerer Sohn auf jeden
Fall Zeit für ein Abendessen mit dem Vater, oft begleitet uns
seine Freundin. Wir wählen die Bar Boulud im Mandarin Oriental Hotel oder die Poissonnerie in der Sloane Avenue, ein
Uraltlokal – das gibts schon seit einer Ewigkeit. Es ist sehr altmodisch, so wie die Leute, die dort sitzen – ein Klassiker.
Ebenfalls traditionell und dazu sehr britisch skurril ist der
Chelsea Art’s Club, wo ich mit Vorliebe für einen Sonntagabend-Drink hingehe – die meisten Mitglieder sind verschrumpelt, und es ist komisch inmitten dieser alten Künstler aus ei-
PETER HAERLE: ZÜRICH
Nach dem vollen Programm der Woche
mags der Kulturchef der Stadt Zürich ruhig.
Es ist ein Klassiker, aber mein Wochenende beginnt im Bett. Ich geniesse es, länger liegen zu
bleiben, die Zeit ohne Agenda, und, das ist schon
fast ein Ritual, ich trinke mit meinem Partner
Kaffee. Unter der Woche gibt es nämlich nur Tee.
Ich hole das Maximum aus meiner alten Solis-Kolbenmaschine heraus, wärme die Tassen vor, erhitze die Milch auf eine nicht allzu hohe Temperatur und serviere den Kaffee ans Bett. Wir lesen
die Zeitungen, plaudern ohne Zeitdruck. Ich bin
an den Wochenenden ein häuslicher Mensch, mache die Wäsche, kaufe am Kreuzplatz ein, wo ich
seit zwanzig Jahren wohne. Oft treffe ich meinen
Bruder auf einen Espresso im Bohemia. Um diese
Zeit ist es in dem Lokal noch ruhig, bevor es sich
dann im Laufe des Tages mit jungen Leuten füllt.
Ich mag dieses nachbarschaftliche Leben, von
dem könnte man in Zürich ruhig noch etwas mehr
haben. Manchmal besuche ich auch noch die achtzigjährige Dame, die mit ihrem Papagei unter mir
wohnt. Wir reden über dies und das, ich gehe, wie
gesagt, das Wochenende eher gemächlich an.
Zumindest den Morgen.
Der Nachmittag beginnt meist mit einem
Waldlauf. Seit fünfzehn Jahren renne ich das Wehrenbachtobel hoch, und ich liebe diese Strecke
immer noch. In jeder Jahreszeit, bei jeder Tageszeit ist die Natur wieder anders. Laufen ist für
mich eine Form des Nachdenkens, ich entwickle
Ideen und überlege mir Strategien. Im Idealfall be­
suchen uns abends Freunde. Wir kochen für sie,
sitzen am Tisch, das heitere Zusammensein und
das Lachen bedeuten mir viel. Wenn wir einmal
zu zweit sind, gehen wir gerne ins Filmpodium,
ein ruhiger Ort mit einem tollen Programm.
Essen wir nicht zu Hause, bevorzugen wir am
Wochenende ein Restaurant im Quartier, das
Aroma. Francisco, ein Portugiese, kocht, Pietro,
ein Italiener, serviert; dort gibt es wunderbaren
frischen Fisch. Danach gehe ich gerne auf einen
Absacker in die Kronenhalle Bar. Ich bin bestimmt nicht der Erste, der das sagt, aber die Kronenhalle Bar ist eine der schönsten Bars der Welt.
Ein Geniestreich der Innenarchitekten Trix und
Robert Haussmann, sicher einer der grandiosesten Orte in Zürich. Die Kultur bestimmt natürlich
oft den Samstagabend, ich gehe in die Tonhalle
oder ins Theater.
Der Sonntag ist mein Wandertag. Oder eher
Spaziertag. Ich streife durch die Stadt, über den
Friedhof Enzenbühl beim Burghölzli vorbei ins
Seefeld und zurück. Oder ich verlasse die Stadt
und wandere im Zürcher Weinland oder Oberland. Ich esse in einem Gasthof einen Schüblig
oder was auch immer. Dieses Zu-Fuss-Alleinsein,
drei, vier Stunden lang, geniesse ich sehr. Oder
ich verbringe den ganzen Tag lesend. Am Montag
wird dann wieder genug geredet im Büro. Der
Sonntagabend gehört der erweiterten Familie.
Ich esse meist mit meinem Bruder, seiner Frau
und meinem inzwischen 19-jährigen Patenkind.
Hauptsache, der Abend verläuft unkompliziert.
Ins Bett gehe ich am Sonntag gerne früh.
Restaurant Bohemia, www.bohemia.ch
Kino Film­podium, www.filmpodium.ch
Ristorante Aroma, www.ristorante-aroma.ch
Kronenhalle Bar, www.kronenhalle.ch/bar
Tonhalle, www.tonhalle-orchester.ch
Nur London-Kenner wie Rolf Sachs wissen um eine Stadtoase wie den Chelsea Physic Garden.
Bilder rechts: Auch so einen stillen Ort wie das Wehrenbachtobel vermutet man nicht in der Stadt Zürich (oben links).
Lauter, aber auf die klangvolle Art wirds in der Zürcher Tonhalle (oben rechts).
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IVO ADAM:
SCHWEIZ
Gewiss, das Wochenende des Gastronomen ist verschoben auf
Werktage, oft auch zerstückelt in kleine Häppchen für die Erholung zwischendurch. Das ist besonders jetzt so, weil ich mit
meinem Team wie jedes Jahr im Backstage Hotel in Zermatt
überwintere. Was das Skifahren angeht, bin ich ein Schönwetterpilot. Ich schaue also bei meinen Häppchen-Weekends möglichst frühmorgens zum Fenster raus – bei sonnigen Bedingungen fahre ich dann bis mittags meine Bögen und lande entweder bei Chez Vrony und bestelle das ausgezeichnete Coq au Vin.
Oder ich steuere zur Adler Hitta. Da gibt es Güggeli am Spiess
über dem Feuer. Man sollte aber reservieren, die sind schnell
weg. Eine wunderbare Bouillabaisse mit viel Knoblauch gibt es
im Restaurant Zum See. Das ist ein Mini-Weekend in sich: südfranzösische Fischsuppe am Matterhorn im Winter.
Habe ich in etwas ruhigeren Wochen mehr Zeit, besuche
ich meine Freundin in Bern und sie einmal nicht mich. Das
geht dann so: Wir beruhigen präventiv unser schlechtes Schlemmergewissen, indem wir mindestens drei Stunden spazieren,
zum Beispiel auf den Gurten rauf und runter. Dann darf man
sündigen, am besten bei Tingel Kringel mit der Lemontarte und
Vanillekuchen. Ja, und – nicht oder. Dann gern ins Adrianos zum
Apéro, ich meistens Campari mit (frischem) Orangensaft, sie
meistens Prosecco, beide Stucchichini oder ein aufgeschnittenes Panini. Dann um die Ecke ins Restaurant Ringgenberg und
Moules marinières essen (wichtig: mit etwas Gorgonzola bestellen). Vielleicht nehmen wir noch einen Schlumi im Cesary oder
im Progr, wenn wir mit Kolleginnen meiner Freundin unterwegs sind. Am nächsten Tag ist die Morgenlaune entscheidend.
Wenn wir in Bern bleiben wollen, dann gehts zum Brunch auf
den Gurten: oben im Restaurant, bei der Mittelstation oder hinten auf dem Bauernhof ­Aebersold. Wenns gediegen sein soll,
fahren wir ins Victoria-Jungfrau nach Interlaken zum Brunch.
Das tönt jetzt dekadent, ist aber ein Top-LuxusschnäppchenTipp: Brunchen in 5-Stern-Häusern. Mit einem Stapel Zeitungen
und Heften bewaffnet – oder einer geselligen Runde – Zmorge,
Zmittag und Znacht durchhalten. Kostet 70 bis 90 Stutz. Da
kann man also blöder Geld ausgeben an einem Sonntag.
DA S M AGA Z I N 03/201 5 — BI L DE R I M U Z S: R E S TAU R A N T Z U M S E E; M A RC K RON IG / A DL E R H I T TA ; C H E Z V RON Y
Der Sternekoch und Gastronom
schlemmt sich durch die Küchen des
Landes ­– wenn er selbst einmal­
in keiner steht.
Natürlich besuche ich meine Heimat, das Seeland, sooft ich
kann. Und wenn ich jetzt zu fest schwärme, dann verzeihen Sie
mir den Lokalpatriotismus, der in den letzten Jahren immer
schlimmer wurde. Also. Wenn man mit dem Vinifuni von Prêles
bei kaltem, sonnigem Wetter hinunterfährt, den Blick von der
kleinen Hochzeitskirche in den Reben zum Kopfsteinpflaster
in den Gassen von Ligerz schweifen lässt, dann weiter über die
Ländte und das abfahrende Kursschiff rüber auf die St. Petersinsel schaut, frage ich mich, wieso es hier von Touristen nicht
wimmelt.
Irgendwo am Seeufer sollte man Egli essen (die selten wirklich aus dem See sind, obschon es viele behaupten). Wer sichergehen will, nimmt Felchen. Die sind bestimmt aus dem See.
Dazu einen Pinot noir von Lukas Hasler oder einen Chasselas
non-filtré von Martin Hubacher, Johanniterkeller. Bei vielen
Winzern kann man zurzeit im Carnotzet die schon fast weltbe­
kannte Treberwurst essen. Das ist in den letzten Jahren enorm
beliebt geworden. Man muss sich zeitig drum kümmern. (Hier
ein kleiner Schlenker, um geografisch noch am Südhang zu
bleiben: Wenn es dann wieder warm wird, hat man die allerallerschönste Aussicht im Aux trois Amis in Schernelz. Unbedingt reservieren, sonst sieht man nichts.)
Zwischen den drei Seen ist ein Spaziergang auch schon
ein halbes Wochenende wert. Da kann man über Erlach und Ins
zum Mont Vully fahren. Der ist auch bei Schnee zu besteigen.
Es ist ja bloss ein Hügel, aber mit märchenhafter Aussicht bei
schönem Wetter. Wann ich schon dort in der Nähe bin, muss
ich in Murten Nidlechueche mit einer Melange haben, bei Züger, Monnier oder Aebersold. Einfach nur dass es gesagt ist:
www.ivoadam.ch
Backstage Hotel, www.backstagehotel.ch
Adler Hitta, www.adler-hitta.ch
Adrianos, www.adrianos.ch
Aebersold, Bäckerei-Konditorei, www.nidelkuchen.ch
Aebersold, Bauernhof, www.highland-gurten.ch
Aux trois Amis, www.aux3amis.ch
Cesary, Bar & Piadina,Kornhausplatz 11, 3011 Bern
Chez Vrony, www.chezvrony.ch
Monnier, Confiserie, www.monniermurten.ch
Progr, www.progr.ch
Ringgenberg, www.taberna.ch
Tingel Kringel, www.tingel-kringel.ch
Victoria-Jungfrau, www.victoria-jungfrau.ch
Züger, Confiserie, www.zuegermurten.ch
Zum See, www.chalet-altesse-restaurant-zumsee.ch
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dieser Ausgabe: Sven Behrisch, Daniel Binswanger, Finn Canonica,
Anuschka Roshani, Paula Scheidt
Die Illustratorin Miyoko Ogawa alias HifuMiyo 1234 lebt in Lyon, Frankreich; www.miyoko-ogawa.com
T HE UNB ELIEVA B LE
T R UE ST ORY
FROMDIRECTOR
ANGELINAJOLIE
UNBROKEN
Ü B E R L E B E N . M U T. V E R G E B U N G .
Der Sternekoch Ivo Adam empfiehlt die Speisen der Kollegen: im Restaurant zum See (oben
rechts), im Chez Vrony (links oben) und in der Adler Hitta (links unten).
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Wenn ich nicht so viel esse, dann schaue ich am Wochenende
fern, gehe joggen, surfe ein wenig im Netz und suche nach
Ideen. Oder eben: Ich begrüsse Gäste, schicke Hunderte Teller zu ihnen und verabschiede mich und muss immer freundlich sein.
JETZT IM KINO
TRUDY MÜLLER-BOSSHAR D
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HELPLINE FÜR RATLOSE: Sie kommen nicht mehr weiter? Wählen Sie 0901 591 937 (1.50 Fr. / A nruf vom Festnetz), um einen ganzen Begriff
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zu erfahren. Wenn Sie nur den Anfangsbuchstaben wissen möchten, wählen Sie 0901 560 011 (90 Rp. / A nruf vom Festnetz).
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LÖSUNG RÄTSEL Nº 1/2: PERSONENWA AGE
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WAAGRECHT (J + Y = I): 6 ORANGENMARMELADE. 11 PHRASENDRESCHER. 17 SERENITAET. 18 SCHOLLE. 19 (Mark) STREIT. 20 VERSUCHERLI. 21 BUSSE. 22 PUBS (tip = engl. für Trinkgeld). 24 MALMOE (Öresundbrücke). 25 RATS (Rat Pack). 26 RARE (engl. für blutig).
27 OTLEY. 29 WIE in Ge-wie-her. 31 LANA (ital. für Wolle). 32 (Gustav) WASA(-lauf). 34 (Bürger-)STEIG. 35 SIDRA (span. für Apfelwein). 36 EGOIST. 37 LUENETTE. 38 DROLLIG, rollig. 39 RENNLIZENZ.
SENKRECHT (J + Y = I): 1 JAHRESTAG. 2 KNETE(!). 3 IRRTUM. 4 ALCHEMIST, Anagramm: Stichmale. 5 BERLINERIN. 6 OBSTBRAND. 7 GANTER (Gänsefüsschen). 8 «ADESSO TU» (von Eros Ramazzotti). 9 MESCALIN (halluzinogenes Kaktusextrakt). 10 DELLE. 11 PERUANER
(Paddington). 12 REISSWOLF. 13 SIV (Abk. für Swine influenza virus). 14 NARBE. 15 SCHLEGEL. 16 Vladimir HOROWITZ. 22 PASSIV(-rauchen). 23 URAT. 28 TEENS. 30 IDEE. 33 AIL (franz. für Knoblauch) in E-M-ail. 34 SLR (von unten: RLS = Robert Louis Stevenson).
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«DAS MAGAZIN» ist die wöchentliche Beilage
des «Tages-Anzeigers», der «Basler Zeitung»,
der «Berner Zeitung» und von «Der Bund».
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HERAUSGEBERIN
Tamedia AG, Werdstrasse 21, 8004 Zürich
Verleger: Pietro Supino
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REDAKTION Das Magazin
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Telefax 044 248 44 87
E-Mail redaktion@dasmagazin.ch
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Chefredaktor: Finn Canonica
Redaktion: Sacha Batthyany, Martin Beglinger,
Daniel Binswanger, Mathias Ninck, Anuschka Roshani,
Birgit Schmid
Artdirektion: Michael Bader
Bildredaktion: Frauke Schnoor / Studio Andreas Wellnitz
Berater: Andreas Wellnitz (Bild)
Abschlussredaktion: Isolde Durchholz
Redaktionelle Mitarbeit: Sven Behrisch, Anja Bühlmann,
Miklós Gimes, Max Küng, Trudy Müller-Bosshard,
Paula Scheidt, Christian Seiler, Thomas Zaugg
Honorar: Claire Wolfer
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DIE FLUCHTWÄHRUNG SCHLECHTHIN:
Die Lösung ergibt sich aus den grauen Feldern waagrecht fortlaufend.
VERLAG Das Magazin
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Nicole Ehrat (Leitung Leserservice)
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«Basler Zeitung», Tel. 061 639 13 13,
abo@baz.ch;
WA AGRECHT (J + Y = I): 5 Nicht gewundene plauschende Runde. 11 Mit Gezackten dekoriertes Nachtquartier. 17 An Töffli gemahnender fiktiver
Schnüffler. 18 Mit Kanton: erinnerlich für Essgerätdeformation. 19 Im Pakula-Thriller kommen sich Fonda und Sutherland nah. 20 Im LombardeiZentrum kommt man um die Dame nicht rum. 21 In Solschenizyns Jahrhundertwerk mit Inselgruppe Verknüpfter. 22 Vom olympischen Schwerenöter
Mitentführter. 23 Gibt die sonntagabends in Ludwigshafen ermittelnde Lena. 26 Lösung ist hier die Lösung. 27 Durch Querschnitt entstehender
Stammanteil. 29 Junge Briten – werden mit i statt y in Calais vermöbelt. 30 Göttlich enden Cousinen mit ihnen. 31 Tschechows Wanja in España.
32 Von viel Geistreichem herrührende Ausdrucksweise. 33 Lässt nüchterne Geister Gespenster sehen. 34 Der Reizenden einer ist neuerdings die
Dichte. 37 Aus verrücktem Texasritt wird so was wie Tomahawk. 38 Wird laut Omelett-Rezept in die Pfanne gehauen. 39 Urlauber und Glücksspieler
erhoffen sich seinen Segen. 40 Jugendbuchautor, zweimal vorhanden beim Cervelat. 41 Hier sind universell-prinzipiell Pfadfinder gefragt.
SENKRECHT (J + Y = I): 1 Was Garfield ist, Hoffmanns Kasper nicht war. 2 Dieser Ammer Gesang inspirierte Ludwig van zu seinem Tatatata. 3 Rübezahl et al. 4 Umfasst das Ass verpassende Sportgerät. 5 So genannt: ein Verhältnis mit Patina. 6 Radikaler Avantgardist, lässt sich als Seher
missverstehen. 7 Im Jungvolksjargon voll toll. 8 Ist, weil brandgefährlich, nicht mehr im Filmgeschäft. 9 In Sachen weisse Pracht ist sein Fräulein
vom Fach. 10 Gezähmter Schürzenjäger ist sein Werbeträger. 11 Erspart einem das Pflücken, nicht aber das Bücken. 12 Ledigenname der getrauten
Madame schliesst daran an. 13 Wegen Sauerstoffmangel taugt die Waffe nicht zum Schuh. 14 Ein, laut Bibel, überragender Stammvater. 15 Allenfalls
treiben sie amüsante Blüten. 16 Als Netzkulturbanause kein Fabelwesen, leider. 24 Arles passierender Fluss hat sie intus. 25 In Bürgernähe ein
cineastischer Meilenstein. 28 Ale und Tee vermengt: Xenophanes-Anhänger. 31 Kurze SMS in Inverness. 35 Was notfalls willkommen, wäre negiert
ein Mann bei Mann. 36 Hyperneugieriger blinder Lufthansa-Passagier.
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Bild: Fabian Stuertz
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29. Jan, 17. Feb, 05./17. März 2015
jeweils 20 Uhr
In Kooperation mit DAS MAGAZIN
«Der Bund», Tel. 0844 385 144,
abo@derbund.ch
Nachbestellung: redaktion@dasmagazin.ch
Ombudsmann der Tamedia AG:
Ignaz Staub, Postfach 837, CH-6330 Cham 1
ombudsmann.tamedia@bluewin.ch
Bekanntgabe von namhaften Beteiligungen
der Tamedia AG i.S.v. Art. 322 StGB:
20 Minuten AG, 20 minuti Ticino SA,
Aktiengesellschaft des Winterthurer Stadtanzeigers,
Berner Oberland Medien AG BOM, car4you Schweiz AG,
CIL Centre d’Impression Lausanne SA, Distributions­
kompagniet ApS, Doodle AG, DZB Druckzentrum Bern AG,
DZO Druck Oetwil a.S. AG, DZZ Druckzentrum Zürich AG,
Edita S.A., Editions Le Régional SA, Espace Media AG,
FashionFriends AG, homegate AG, JobCloud AG,
Jobsuchmaschine AG, LC Lausanne-cités S.A., LS
Distribution Suisse SA, MetroXpress Denmark A/S, Olmero
AG, Schaer Thun AG, search.ch AG, Société de Publications
Nouvelles SPN SA, Soundvenue A/S, Starticket AG,
Swiss Classified Media AG, Tagblatt der Stadt Zürich AG,
Tamedia Publications romandes SA, Trendsales ApS,
tutti.ch AG, Verlag Finanz und Wirtschaft AG, Zürcher
Oberland Medien AG, Zürcher Regionalzeitungen AG
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Jonas Straumann, 20, Gerlafingen
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Ich bin fast gehörlos.
Und Musiker.
Und Journalist. Irgendwelche schlauen Tests haben mir
auf Grund meiner Behinderung empfohlen, Schreiner
oder Gärtner zu werden. Aber das wollte ich nicht. Ich
habe sehr früh gelernt, dass viele Barrieren gar nicht
echt sind, sie sind nur in den Köpfen. In meinem auch,
aber ich kämpfe dagegen an. Tag für Tag.
Jonas’ ganze Geschichte auf generali.ch/zuhoeren
Um zu verstehen, muss man zuhören.
Lebenssituationen sind vielfältig, unsere Lösungen auch.
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