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Die Welt trauert mit Frankreich Jagd auf die Mörder - Die Onleihe

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D 2,30 E URO
F R E I TAG , 9. JANUAR 2 015
Zippert zappt
KOMMENTAR
S
Wir brauchen
Zuwanderung
THEMEN
Kraftwerk spielen
sich in Berlin
durch ihr
Lebenswerk
Seite 22
Finanzen
Russen platzen
die Kredite
Seite 13
Sport
Wenn sich der
Neuzugang als
Niete entpuppt
Seite 18
Aus aller Welt
Seiten 2 bis 6 und 21
ulf.poschardt@weltn24.de
D
Trauer auch in New York. Ein Mann hält einen Bleistift hoch – Symbol für den Mut der französischen Zeichner und die Pressefreiheit der westlichen Welt
Die Welt trauert mit Frankreich
Jagd auf die Mörder von Paris
Millionen legen eine Schweigeminute ein und tragen Schilder mit der Aufschrift „Je suis Charlie“.
Die beiden Täter sind Brüder. Polizei zieht Eliteeinheiten nordöstlich der Hauptstadt zusammen
A
Feuilleton
Terrorwarnstufe vom Großraum Paris auf
die Region Picardie aus
Die beiden Brüder stammen aus Paris
und haben die französische Staatsbürgerschaft. Ob sie möglicherweise in einem
Terrorcamp eine militärische Ausbildung
erhielten, ist noch nicht klar. Sie wurden
allerdings überwacht, weil sie offenbar
Terrorkreisen nahestanden. Dabei habe es
aber keinerlei Hinweise auf einen Terrorakt gegeben, sagte Innenminister Bernard
Cazeneuve. „Ein Nullrisiko gibt es nicht.“
Am Sonntag wird in Paris ein internationales Treffen gegen den Terrorismus
stattfinden, an dem auch US-Justizminister Eric Holder teilnehmen wird.
Im Zusammenhang mit dem Anschlag
wurden sieben Verdächtige festgenommen. Aus Justizkreisen hieß es, es handele
sich um Frauen und Männer, die den Attentätern nahestünden. Ein möglicher
Komplize, der 18-jährige Hamyd Mourad,
stellte sich der Polizei. Für weitere Aufregung sorgte ein Angriff am Südrand von
Paris. Dort schoss ein Mann mit einem
Schnellfeuergewehr um sich, eine Polizistin starb. Die Ermittlungen wurden der
Anti-Terrorismus-Abteilung der Staatsanwaltschaft übergeben.
Die rechtsextreme Politikerin Marine
Le Pen bekräftigte ihre Forderung nach einer Einführung der Todesstrafe. Die Vorsitzende der Partei Front National sagte,
nur so könnten „die abscheulichsten Verbrechen“ geahndet werden.
ie Logik des Terroristen ist es,
eine friedliche, wehrlose Gesellschaft in den Krieg zu zwingen.
Darauf gibt es nur eine Antwort, eine
zivile: Wir wollen auch im Angesicht
des Blutbades keine andere Gesellschaft werden. Wer die versuchte Ausrottung eines Satiremagazins nutzt,
um Todesstrafen zu fordern oder die
eigenen Ressentiments aufzuladen,
agiert als Kriegsgewinnler des Terrors.
Ein ideologiearmer Pragmatismus
treibt unsere Fortschrittsbemühungen.
Deshalb kommt die vom CDU-General
Peter Tauber angeregte Diskussion
über ein Einwanderungsgesetz zum
passenden Zeitpunkt. Deutschland
steht vor einer großen Debatte, die
man zu lange Ideologen jeder Couleur
überlassen hat: ängstlichen Xenophoben und naiven Multikulturalisten.
Wer sind wir, und wer wollen wir
sein? Wer diese Frage nicht beantworten kann, wird Zuwanderung ausschließlich nach ökonomischen Kriterien regeln wollen oder im Sinne des
humanitär wertvollen Asylgrundrechts. Beides aber greift zu kurz.
Deutschland braucht Einwanderung,
und es braucht eine Einwanderung,
die dem Land und seiner offenen, freiheitlichen Gesellschaft nutzt und sie
bereichert. Die Stärke Amerikas beruht auf zwei Dingen: dem Sog seines
freiheitlichen Wirtschaftssystems, das
alle Tüchtigen und Fleißigen einlädt,
mitzutun – und zweitens auf einem
nicht nur formal pathetischen Patriotismus mit Fahnen, Freiheitsstatue,
Independence Day und anderen Nationalliturgien, die Integration leicht
machen. Ein erfolgreiches Land funktioniert wie ein guter Klub: Jeder will
rein, und die Türsteher wissen, welche
Mischung der Laden braucht, damit er
läuft und Spaß bringt.
Zu lange hat Deutschland von Gastarbeitern gesprochen und sich hinter
dem Grundrecht auf Asyl versteckt.
Jetzt gilt es, den nächsten Schritt zu
gehen und ein Angebot an jene Menschen zu machen, die ihre Zukunft in
einem freiheitlichen, liberalen und
friedlichen Land wie dem unseren sehen. Ein modernes Einwanderungsgesetz muss ebenso klar wie flexibel sein.
Die kanadische Punktelösung ist eine
gute Vorlage, vor allem würde eine davon inspirierte Lösung jene bislang
ziemlich überschaubare Einwanderung
von Hochqualifizierten erleichtern, die
um das Land bislang einen weiten Bogen machen. Warum? Weil der aktuelle
Status quo als restriktiv und unübersichtlich wahrgenommen wird. Die
bunte Republik Deutschland kommt
sowieso. In vielen Städten ist sie da, in
den meisten gelingt sie. Jetzt besteht
die Chance, den nächsten Schritt zu
gehen. Die Integration der jetzt schon
hier lebenden Migranten wird davon
profitieren. Viele von ihnen würden
gern genauer wissen, wofür genau diese Gesellschaft steht, in das sie sich integrieren sollen.
AFP/ YANA PASKOVA; DPA
chock und Entsetzen
waren groß. Im Haus der
Sängerin Nena brannte
der Weihnachtsbaum. Gestern
fand Nena die Kraft, auf Facebook darüber zu schreiben.
Die Flammen breiteten sich
unglaublich schnell aus, und
nur dem Einsatz von Nenas
Ehemann war es zu verdanken, dass nicht das gesamte
Haus verbrannte. Der Baum
war nicht zu retten und stand
für keine Stellungnahme zur
Verfügung. Ob es sich um
Brandstiftung handelte, ist
unklar, man weiß auch nicht,
ob der Baum selbst seinem
Leben ein Ende setzen wollte.
Auch ein terroristischer Hintergrund kann nicht ausgeschlossen werden. Die Bestürzung über den Vorfall ist groß.
Die Behörden riefen nach dem
Bekanntwerden des Tannenbaumbrandes zu größter
Wachsamkeit auf. Man dürfe
die Bäume auf keinen Fall
unbeobachtet lassen, sondern
müsse sie im Gegenteil ständig im Auge behalten. Falls
man nur die geringste Änderung im Verhalten des Baumes bemerke, solle man die
zuständigen Stellen informieren. Die Sängerin erklärte sich
bereit, alle im Haus vorhandenen Reissäcke gegen ein plötzliches Umfallen zu sichern.
ULF POSC HARDT
m Tag nach dem Terroranschlag auf das Pariser Satiremagazin „Charlie Hebdo“ hat
Frankreich mit einer Schweigeminute der zwölf Toten gedacht. Im ganzen Land versammelten sich
die Menschen um 12 Uhr auf öffentlichen
Plätzen, viele legten ihre Hand auf das
Herz. Staatspräsident François Hollande,
der einen nationalen Trauertag deklariert
hatte, nahm an einer Gedenkzeremonie
im Hof der Polizeipräfektur in Paris teil.
In Schulen, Büros und sogar im sozialen
Netzwerk Twitter wurde eine Minute geschwiegen.
Auch im Ausland hielten die Menschen
eine Schweigeminute ab, in Ämtern, Schulen und Redaktionen, so auch im
Newsroom von WeltN24 in Berlin. Oftmals trugen die Trauernden Schilder „Je
suis Charlie“ („Ich bin Charlie“). Vertreter
aller Religionen warnten davor, jetzt Islam
und Terrorismus gleichzusetzen.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU)
gedachte in der französischen Botschaft in
Berlin der Opfer und trug sich in ein Kondolenzbuch ein. „Unser Mitgefühl gilt den
Bürgerinnen und Bürgern Frankreichs, besonders den Opfern dieses barbarischen
Anschlags“ schrieb Merkel. „Gemeinsam
werden Deutschland und Frankreich unsere Werte der Freiheit und der Demokratie verteidigen.“ Pressefreiheit sei ein wesentlicher Bestandteil demokratischer Gesellschaften, fügte Merkel hinzu. „Wir
werden alles tun, sie zu schützen.“
Der Betreiber einer Tankstelle in der Nähe
von Villers-Côtterets habe die beiden
„eindeutig erkannt“. „Die beiden Männer
sind vermummt, mit Kalaschnikow und
anscheinend mit Raketenwerfern“ ausgerüstet, hieß es weiter. In einem anderen
Auto, das kurz nach der Tat in Paris zurückgelassen worden war, wurden nach
Angaben der Ermittler zwei dschihadistische Flaggen und ein Dutzend Molotowcocktails gefunden. Am Abend dehnte
die französische Regierung die höchste
Die französische Polizei konzentrierte
sich bei der Suche nach den beiden Tätern
auf das nordöstliche Umland von Paris. In
dem Gebiet zog die Polizei Eliteeinheiten
zusammen. In der Region rund 80 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt sei ein
Auto entdeckt worden, das die beiden Verdächtigen zuvor als Fluchtwagen benutzt
hätten, hieß es aus den Kreisen der Ermittler. Der 32-jährige Chérif Kouachi und
sein 34-jähriger Bruder Saïd waren zuvor
in einem grauen Clio gesichtet worden.
„CHARLIE HEBDO“: NEUE AUSGABE MIT REKORDAUFLAGE
sind voller Leid, Schmerz, Angst“, sagte
Pelloux weiter. „Aber wir machen es trotzdem, denn die Dummheit wird nicht gewinnen. Die „Libération“ will die verbliebenen
Mitarbeiter von „Charlie Hebdo“ von Freitag an in ihren Redaktionsräumen unterbringen, weil die Büros des Satireblatts
wegen der laufenden Ermittlungen zunächst nicht genutzt werden können. Auch
die Abendzeitung „Le Monde“ und der
private Fernsehsender Canal plus boten
ihre Unterstützung an. Bereits 2012, als die
Redaktionsräume von „Charlie Hebdo“
nach der Veröffentlichung vom Mohammed-Karikaturen durch einen Brandanschlag verwüstet wurden, hatte „Libération“ die Kollegen des Satiremagazins vorübergehend beherbergt.
Trotz des Anschlags mit zwölf Toten
soll das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ in der kommenden Woche erscheinen – und zwar mit einer ungewöhnlich hohen Auflage. Anstatt der üblichen
60.000 würden eine Million Exemplare
gedruckt, kündigte der Anwalt des Blatts,
Richard Malka, an. Das „weltweite Interesse“ nach dem blutigen Anschlag rechtfertige die hohe Auflage. Das Heft soll
allerdings nur acht Seiten umfassen statt
der üblichen 16. „Wir werden weitermachen“, sagte „Charlie Hebdo“-Autor Patrick
Pelloux nach einem Treffen mit anderen
Redaktionsmitgliedern. „Wir haben uns
entschieden, kommende Woche eine
Ausgabe herauszugeben. Wir sind alle
einverstanden.“ Das sei sehr hart, „wir alle
Die Kletterer
vom El Capitan
CSU-Chef Seehofer lehnt
ein Zuwanderungsgesetz ab
Seite 24
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„Welt“-Redaktion
oft zitiert
Die Redaktion der „Welt“-Gruppe
ist 2014 besonders oft von ihren Mitbewerbern mit exklusiven Nachrichten aus Politik
und Wirtschaft zitiert worden. Mit 1083 Zitaten erreichte sie im Gesamtranking 2014
des Instituts Media Tenor den dritten Platz
hinter „Spiegel“ (2285) und „Bild“ (1218) –
und landete vor der „Süddeutschen Zeitung“ (982), der „Frankfurter Allgemeinen
Zeitung“ (715) und „New York Times“ (712).
Im Einzelranking deutscher Tageszeitungen
verbesserte sich die „Welt“ auf den vierten
Platz. Bei den Wochentiteln behauptete die
„Welt am Sonntag“ ihren dritten Platz hinter „Spiegel“ und „Bild am Sonntag“. „Wirtschaftswoche“, „Frankfurter Allgemeine
Sonntagszeitung“, „Zeit“, „Focus“ und
„Stern“ schnitten schlechter ab.
WELT.DE/NEU
BERLIN –
– Der überraschende Vorstoß
von CDU-Generalsekretär Peter Tauber für
ein Zuwanderungsgesetz ist in der Union
auf Widerstand gestoßen. Tauber hatte im
„Welt“-Interview gesagt: „Wenn wir eine
Zuwanderung wollen, die nicht nur arbeitsmarktoptimiert ist, nicht nur temporär,
dann müssen wir auch über ein Einwanderungsgesetz reden.“ Darin könnten der Bedarf an Zuwanderung und die dafür nötigen
Voraussetzungen geregelt werden. Auf der
CSU-Klausurtagung in Wildbad Kreuth reagierte Parteichef Horst Seehofer sofort.
„Deutschland hat, im Gegensatz zu vielen
Staaten mit einem Einwanderungsgesetz,
ein grundgesetzlich geschütztes Grundrecht
auf Asyl. Das können wir mit einem EinMÜNCHEN
Seite 15
DAX
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Wir twittern
live aus dem
Newsroom:
twitter.com/welt
wanderungsgesetz nicht beiseiteschieben“,
sagte der bayerische Ministerpräsident.
Auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) lehnte Änderungen ab. Das
deutsche Zuwanderungsrecht sei „offen,
wirtschaftsfreundlich und nicht naiv“. In einem Punktemodell nach kanadischem Vorbildsehe er einen „Rückschritt“. Beifall kam
von SPD und Grünen. SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi forderte Tauber auf, eine
Arbeitsgruppe zu gründen, „um gemeinsam
mit SPD und CSU darüber zu sprechen, wie
ein Einwanderungsgesetz aussehen sollte“.
Die Fraktionschefin der Grünen im Bundestag, Katrin Göring-Eckardt, bot Tauber in
der „Welt“ Unterstützung an.
Siehe Kommentar und Seite 6
Die Welt gehört denen, die auch im
Netz gegen den Strom schwimmen.
JENNIFER WILTON, REDAKTEURIN
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N 38 NOK / NL 3,20 & / P 3,20 & (Cont.) / PL 15 PLN / S 42 SEK / SK 3,20 € / SLO 2,80 &
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7-2
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