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P.b.b. Verlagsort 1090 Wien GZ: 08Z037707M
PHARMIG info
Das Magazin der pharmazeutischen Industrie Österreichs
Das Gehirn
neu denken
Wie Forscher mit Big-Data-Methoden das
große Rätsel der Medizin entschlüsseln möchten.
2/2014
PHARMIG info
2/2014
Mag. Barbara Grohs
Director Communication & PR
„jedes Krankenhaus in den USA wird in Kürze 650
Terabyte an Daten produzieren – jährlich“, konstatierte der Harvardprofessor John Quackenbusch
bei den Alpbacher Gesundheitsgesprächen. Unvorstellbar riesige Datenmengen also, die derzeit noch
unbearbeitet sind, aber – so die Annahme – mit systematischem Datamining völlig neue Erkenntnisse
etwa über die Funktionsweise des Gehirns liefern
können. Nun soll mit Hilfe einer Kofinanzierung
durch die EU nicht weniger als eine Milliarde Euro
zur Durchforstung der Datenberge investiert werden. Diese „Human Brain Project“ genannte Forschungsinitiative könnte für die Genomforschung
das werden, was das CERN für die Teilchenphysik
ist. Gemeinsam ist beiden jedenfalls einmal der
Standort am Genfer See, wie Sie in unserer Titelgeschichte ab Seite 8 lesen können.
Dass genetische Forschung konkreten Nutzen hat,
bestätigt Professor Han Brunner, Humangenetiker aus den Niederlanden, dann im Interview auf
Seite 12. Er geht davon aus, dass die Konsequenz
personalisierte Medizin sei und sich Medikamente
am individuellen genetischen Profil eines Patienten
orientieren können. Dies werde, so Brunner, vor
allem Menschen mit seltenen Erkrankungen helfen. Traditionelle klinische Forschung wird freilich
weiterhin betrieben werden. Was Österreich tun
muss, um im starken internationalen Wettbewerb
als Forschungsstandort bestehen zu können, erklärt Dr. Wolfgang Bonitz, Medical Director bei
Novartis, im Interview auf Seite 16.
Wir ziehen außerdem Bilanz über die Amtszeit von
Minister Stöger (Seite 18) und haben die neue Gesundheitsministerin zu ihren politischen Prioritäten befragt (Seite 15). Erfahren Sie ab Seite 6 auch,
was Österreich im Bereich der Transparenzregelungen anderen europäischen Staaten voraus hat.
THEMA: So hilft Big Data bei der
Erforschung des menschlichen Gehirns.
Fotos: © fotolia
Foto: © Sticklerfotografie
Liebe Leserin,
lieber Leser,
8
6
AKTUELL: Wie Ärzte und Pharmaindustrie ein
gemeinsames Regelwerk zur Zusammenarbeit
erstellt haben.
15
Viel Freude beim Lesen!
POLITIK UND WIRTSCHAFT: Die neue Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser im Gespräch.
Barbara Grohs
barbara.grohs@pharmig.at
IMPRESSUM
MEDIENINHABER
Pharmig – Verband der pharmazeutischen
Industrie Österreichs
A-1090 Wien, Garnisongasse 4/1/6,
Tel.: +43/1/40 60 290, Fax: DW 9
www.pharmig.at, ZVR-Zahl: 319 425 359
HERAUSGEBER
Pharmig – Abteilung Kommunikation
REDAKTION
Mag. Barbara Grohs, Susanna Steinkellner, BA,
Mag. Thomas Hasllinger, Frank Butschbacher,
Mag. Sabine Starzer, Martin Schwarz
E-MAIL
office@pharmig.at
PRODUKTION & DRUCK
Industriemagazin Verlag GmbH
FOTO TITELSEITE
© fotolia.de
EDITORIAL | Seite 3
PRESIDENT‘S
AKTUELL
Foto: © Sticklerfotografie
6 VEREINBART.
Wie sich Ärzte und Pharmaindustrie auf ein Regelwerk
für mehr Transparenz geeinigt haben.
CORNER
4 würdevoll.
Warum Pharmig-Präsident Dr. Robin Rumler den
Professorentitel erhielt.
Prof. DR. ROBIN RUMLER
Pharmig-Präsident
THEMA
8 GESAMMELT.
Wie Forscher mithilfe von Big Data daran arbeiten, das
menschliche Gehirn besser zu verstehen.
POLITIK UND WIRTSCHAFT
14 GIPFELTREFFEN.
Das waren die Gesundheitsgespräche beim Forum
Alpbach.
15 ERNANNT.
Die neue Gesundheitsministerin Dr. Sabine Oberhauser
im Interview.
Forschung
16 PHASENWEISE.
Dr. Wolfgang Bonitz über die Situation klinischer Studien
in Österreich und warum hier vor allem Studien der
Phase 3 durchgeführt werden.
„Pharmig in Action“
Punktgenau passt dieser Slogan zu unserem laufenden Programm:
Alpbacher Gesundheitsgespräche, Arznei und Vernunft, der neue
Verhaltenscodex, das Health Care Symposium der Pharmig Academy – all diese und weitere Projekte erfordern und erhalten
unsere volle Aufmerksamkeit. „Better together“ war der Titel
des österreichischen Workshops beim European Health Forum
Gastein und ein ganz besonderes Ereignis. Gemeinsam mit dem
Gesundheitsministerium und dem Hauptverband durften wir
dem interessierten „Europa“ das Kinderforschungsnetzwerk
OKIDS und das Projekt „Gremium Gesundheitsziele“ aus dem
Rahmenpharmavertrag präsentieren.
Und gleichzeitig zu all diesen Aktivitäten entwickeln unsere Unternehmen neue Medikamente und versorgen Österreich mit
Arzneien. Wir alle nehmen unsere Rolle als engagierter Partner
im Gesundheitswesen ernst. Jede Anstrengung, die wir unternehmen, soll letztendlich dazu beitragen, dass die Österreicherinnen
und Österreicher gesünder und älter werden.
An dieser Stelle darf ich auch unsere neue Bundesministerin für
Gesundheit, Frau Dr. Sabine Oberhauser, in ihrer neuen Funktion
herzlich begrüßen und ihr versichern, dass wir, die pharmazeutische Industrie, auch in Zukunft unser Knowhow und Engagement unserem Gesundheitswesen zur Verfügung stellen werden,
um es weiter fit für die Zukunft zu machen.
rubriken
5 7 Fragen an Dr. Anna Kleissner:
„Sparen im dritten Jahr.“
5 Schneller wissen
Was ist eigentlich ... ALS?
18 Faktencheck
Die Amtszeit von Gesundheitsminister Alois Stöger.
Herzlich, Ihr
Prof. Dr. Robin Rumler
PS: Übrigens – ich freue mich immer über gute Ideen unter
robin.rumler@pharmig.at.
Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Autors wieder. Diese muss nicht mit der
offiziellen Position der Pharmig übereinstimmen.
Aus Gründen der leichteren Lesbarkeit wird jeweils nur die männliche Form der Bezeichnung von
Personen (z. B. Patient) verwendet.
Damit ist aber immer sowohl die weibliche als auch die männliche Form gemeint.
© by Pharmig, Verband der pharmazeutischen Industrie Österreichs. Alle Rechte, auch die Übernahme
von Beiträgen gemäß § 44 Abs. 1 und 2 Urheberrechtsgesetz, sind vorbehalten.
Seite 4 | AKTUELL
Staatliche
Auszeichnung für
den PharmigPräsidenten
Bundespräsident Dr. Heinz Fischer
verlieh Dr. Robin Rumler für sein
besonderes berufliches und wissenschaftliches Engagement rund
um die Pharmaindustrie den Berufstitel „Professor“.
Im Rahmen eines Festaktes im Audienzsaal des Bundesministeriums für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft erhielt
Dr. Rumler nach einer Laudatio zu seinen
Verdiensten eine entsprechende Urkunde von Bundesminister Dr. Reinhold Mitterlehner.
Damit anerkennt und achtet das offizielle
Österreich die Verdienste und Leistungen
des Pharmig-Präsidenten für die Pharmaindustrie, der er seinen beruflichen Lebensweg seit 22 Jahren widmet.
Neben seiner Tätigkeit als Marketing
Direktor und später als Geschäftsführer
von Pfizer (2009) engagierte er sich stets
in einer Vielzahl von Organisationen,
Gremien und Vereinigungen im Umfeld
der Pharmaindustrie. Diese haben entweder einen Fokus auf Wissenschaft, Politik
oder Marketing und Kommunikation. Dabei hervorzuheben ist seine sechsjährige
erfolgreiche Präsidentschaft im Pharma
Marketing Club (PMCA). Während dieser Zeit wurde auch das Buch „Pharma
Marketing – Gesundheitsökonomische
Aspekte einer innovativen Industrie“ pu-
bliziert, dessen Co-Autor Rumler ist.
Seit 2010 ist Robin Rumler Präsident der
Pharmig. Besondere Anliegen sind ihm die
Zukunft der Industrie und das Image der
Branche. Diesen beiden Themen galt seit
jeher sein Engagement. Durch den Weg
der Kooperation mit wichtigen Stakeholdern gelang es, die Rolle der Pharmaindustrie als engagierte Partnerin im Gesundheitswesen zu festigen.
Robin Rumler versteht sich als Botschafter der Pharma-Branche. Zahlreiche weitere Funktionen, etwa als Vice President
der AMCHAM (Amerikanische Handelskammer), nutzt er, um den Wert innovativer Arzneimittel in verschiedenen Zielgruppen transparent zu kommunizieren.
Bild des monats
Der „Aufstieg“ … oder
„Abschied von der BluemanGroup“
Spekulationen waren den Alpbacher
Gesundheitsgesprächen vorausgegangen, danach stand fest: Alois Stöger
wechselt vom Gesundheits- in das
Infrastrukturministerium. Er selbst
spielte in seiner Keynote darauf an,
in der er die Gesundheitsreform „auf
Schiene“ sah und einlud, in den auf dem
Weg befindlichen „Zug“ einzusteigen.
In Alpbach nahm er den gut einstündigen Aufstieg zur Bischofer Alm in
Angriff, wo er sich beim Fest am Berg
der Pharmig u. a. von Generalsekretär
Dr. Jan Oliver Huber, Vizepräsident
Dr. Martin Hagenlocher und Präsident
Prof. Dr. Robin Rumler (v. l. n. r.) verabschiedete – alle zufällig in PharmigCorporate-blau gekleidet. Der berufliche Standortwechsel führt Stöger
– zumindest räumlich – nicht ganz so
weit, befinden sich doch Gesundheitsund Infrastrukturministerium in ein
und demselben Gebäude. (SuS)
© Christian Husar/Pharmig
AKTUELL
| Seite 5
Über welche Einsparpotenziale sprechen wir?
7 Fragen an ...
Dr. Anna Kleissner ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Economica Institut für Wirtschaftsforschung in Wien
und Villach und stellvertretende Geschäftsführerin bei SportsEconAustria,
Institut für Sportökonomie in Wien.
Im Gesundheitssystem muss gespart werden.
Drängeln sich bei Ihnen die Auftraggeber?
Nein. Wer hätte denn die größte Ambition
zu solchen Berechnungen? Eventuell Unternehmen, die zeigen wollen, dass ihr neues
Produkt vielleicht am Anfang höhere Behandlungskosten verursacht, danach aber viel
Einsparpotenzial birgt. Viel logischer wäre
aber, wenn die Krankenversicherungen das
übernehmen würden. Leider werden dort
meistens nur die direkten Kosten betrachtet,
also Ausgaben für Medikamente, Spitalskosten oder Reha.
Warum ist das ein Problem?
Weil ich die indirekten Kosten nicht sehe. Das
sind etwa Krankenstand, Frühpensionierungen,
eingeschränkte Arbeitsproduktivität, Arbeitsausfälle von Eltern kranker Kinder, Pflegeurlaubstage. Ein neues Produkt ist möglicherweise im ersten Jahr teurer, bringt aber vielleicht
im dritten Jahr bereits deutliche Einsparungen.
Stellv. Geschäftsführerin
Dr. Anna Kleissner
© Kurt Keinrath
Dr. Anna Kleissner
„Sparen im dritten Jahr“
Was können solche Berechnungen überhaupt
leisten?
Grundsätzlich ist Gesundheitsökonomie
eine Schnittstelle: Im medizinischen Bereich
steht das Wohl des Patienten im Vordergrund – die mikroökonomische Sicht –, in
der Ökonomie eher die Frage, was ist das
Beste für die Gesellschaft, also die makroökonomische Betrachtung. Problematisch
wird es aber bei den Daten: Deren Aufbereitung ist in Österreich oft mangelhaft, obwohl
wir unheimlich viele Daten haben. Aber die
werden nirgendwo zusammengeführt.
Was könnten Sie aus besseren Daten herauslesen?
Im Rahmen einer Studie zum Thema
Schmerz wurden uns die Daten unter anderem von der Österreichischen Schmerzgesellschaft sehr detailliert zur Verfügung
gestellt. Wenn ich solche Daten für unterschiedliche Altersgruppen und Krankheitsbilder habe, kann ich sinnvolle Aussagen
über Kosten und Einsparungen über die
gesamte Lebenszeit machen.
Wir stehen am Rande der Finanzierbarkeit
unseres Gesundheitswesens, da muss man
überlegen, wie man langfristig gegensteuert.
Mehr Sport und Bewegung kann da viel bewirken. Wenn ich heute Kinder dazu bringe,
sich mehr zu bewegen, dann geht es künftig
um Einsparungen von mehreren hundert
Millionen. Allerdings fallen die erst in zehn
oder 15 Jahren an, massiv in 40 Jahren.
Und innovative Medikamente? Sind die automatisch teuer?
Innovative Medikamente können schon
dann Kosten senken, wenn wir nur die direkten Kosten betrachten. Wir haben das
für Allergien gezeigt. Unmittelbare Einspareffekte ergeben sich, wenn die neue Therapie weniger lang angewendet werden muss.
Oder wenn ich stationäre Behandlungen
reduziere.
Verändert sich mit dem Kostendruck das Interesse an solchen Berechnungen?
Wo sich schon etwas geändert hat, sind die
Themen Früherkennung und Prävention.
Wir wissen ja, dass ein verhältnismäßig geringer Teil der Patienten – zwischen zehn
und 15 Prozent – rund 50 Prozent der Kosten verursacht. Je früher man bei diesen
schwierigen, meist chronischen Krankheiten
entgegenwirkt, desto eher lassen sich die
hohen Kosten vermeiden. Es fehlt aber an
Bewusstsein für eine übergreifende Betrachtung: Ich kann Gesundheit nicht isoliert vom
Thema gesundheitsfördernde Bewegung betrachten. (FB)
Schneller wissen
Was ist eigentlich … ALS?
Wenn die Nerven untergehen:
Spätestens seit sich Menschen auf der
ganzen Welt absichtlich mit Eiswasser
überschütten, ist die bislang unheilbare Nervenkrankheit Amyotrophe
Lateralsklerose (ALS) in aller Munde.
Der berühmte Physiker Stephen Hawking lebt
schon seit Jahrzehnten damit, doch es kann
auch schnell gehen: Im Schnitt führt ALS, eine
fortschreitende degenerative Erkrankung des
motorischen Nervensystems, innerhalb weniger Jahre zum Tod. Erste Symptome sind
laut der Österreichischen Gesellschaft für
Neurologie ÖGN meist Gangunsicherheiten
oder Ungeschicktheiten der Hände, manchmal Sprech- oder Schluckstörungen. Nach und
nach werden immer mehr Nervenzellen im
Gehirn und Rückenmark geschädigt, wodurch
sich die Lähmungen auf Arme, Beine, Gesichtsmuskeln und letztlich auf die Atemmuskulatur
ausbreiten. Unberührt bleiben meist die Muskeln von Augen, Blase und Darm sowie die Sexualfunktionen.Anders als etwa bei der Alzheimer-Erkrankung ist das Denken ebenfalls nicht
beeinträchtigt, wie das österreichische Forum
ALS auf seiner Website erklärt.
Lebensqualität erhalten
Bis jetzt kennt die Forschung für die seltene
Krankheit, die weltweit bei einem von 100.000
Menschen auftritt, keine Ursache. Männer sind
häufiger betroffen als Frauen, und der Großteil
der Neuerkrankungen tritt im Alter zwischen
50 und 70 Jahren auf. Es gibt aber auch – siehe
Stephen Hawking – Erkrankungen im frühen
Erwachsenenalter. Zahlreiche Therapieansätze
mit Wachstumsfaktoren, Chemotherapeutika,
Vitaminen und vielem mehr wurden erfolglos
getestet, derzeit probiert man es mit Stammzellen. Dennoch gibt es laut Forum ALS viele
Möglichkeiten der Hilfe: Der Wirkstoff Riluzol
kann den Krankheitsverlauf nachweislich verlangsamen, dazu stehen zahlreiche symptomatische Therapien zur Verfügung, welche die
Komplikationen durch die Lähmungen lindern
und die Lebensqualität verbessern.
Und hier kommt das Eiswasser ins Spiel: Die
amerikanische Non-Profit-Organisation ALS
Association startete im Juli die „Ice Bucket
Challenge“, die Personen im Internet dazu
auffordert, sich mit kaltem Wasser zu übergießen und gleichzeitig für die ALS-Forschung zu
spenden. (ST)
Mehr Infos:
www.als-info.at, www.oegn.at
Seite 6 | AKTUELL
Bnw: beigestellt
Bnw: Fotolia.de
Das aktuelle Regelwerk:
Download unter www.pharmig.at
Wohlverhalten
Das ist europaweit einzigartig: Pharmig und Ärztekammer verabschiedeten
ein gemeinsames Regelwerk zu noch mehr Transparenz in der Zusammenarbeit.
K
lare Regeln, gelebte Transparenz
und optimale Versorgung der Patienten: Das sind die Grundpfeiler,
denen sich sowohl die Pharmig als auch
die österreichische Ärztekammer (ÖÄK)
in ihren jeweiligen Verhaltenscodizes verpflichtet fühlen. Ein wichtiger Punkt war
und ist dabei die Zusammenarbeit zwischen Industrie und Ärzten. Dass es ohne
diese nicht geht, ist klar: Bei der Entwicklung von Wirkstoffen und deren Er-
probung in klinischen Studien, aber auch
im Zuge des Monitorings der täglichen
Anwendung sind Pharmafirmen auf die
Mitarbeit der Ärzte angewiesen. Umgekehrt brauchen Ärzte in ihrer täglichen
Arbeit und in der Fortbildung fundierte
und aktuelle Informationen der Industrie
über Arzneimittel und Forschungsergebnisse. „Schließlich kann niemand besser
über Arzneimittel und Wirkungsweisen
informieren als Arzneimittelhersteller“,
ist Prof. Dr. Robin Rumler, Präsident der
Pharmig, überzeugt.
Pharmig und ÖÄK gehen voran
In den letzten Monaten haben sowohl Pharmig als auch Ärztekammer ihre jeweiligen
Verhaltenscodizes entlang internationaler
Entwicklungen auf Basis aktueller Gesetze
weiterentwickelt und unter anderem die
gegenseitige Zusammenarbeit auf noch
transparentere Beine gestellt. Doch damit
nicht genug: Beide Verbände setzten sich
an einen Tisch und erstellten ein europaweit einzigartiges gemeinsames Kompendium. Die Broschüre fasst die Regeln der
Zusammenarbeit, wie sie im Pharmig- sowie im ÖÄK-Verhaltenscodex niedergeschrieben sind, übersichtlich zusammen
und dient damit sowohl den Mitarbeitern
der pharmazeutischen Industrie als auch
der Ärzteschaft zur schnellen Orientierung.
Im Kern geht es um den Umgang mit
• Informationen über
Arzneimittel,
• Veranstaltungen und
Bewirtung,
• nicht interventionellen
Studien,
• Ärztemustern,
• dem Leistungsaustausch,
• der Offenlegungspflicht.
AKTUELL
| Seite 7
Neu: Offenlegung geldwerter
Leistungen
Den Pharmig-Verhaltenscodex VHC gibt
es eigentlich schon seit 1970. Seither
wurde diese freiwillige Selbstbeschränkung, der sich alle Mitgliedsunternehmen
der Pharmig verpflichtet haben, unzählige
Male aktualisiert sowie den gesetzlichen
und auch gesellschaftlichen Neuentwicklungen angepasst. Die Transparenz und die
Nachvollziehbarkeit der Aktivitäten der
Industrie mit ihren Partnern im Gesundheitswesen standen aber immer im Mittelpunkt.
Die jüngste Novelle trat im Juli 2014 in
Kraft. Im Kern betrifft die Neuerung die so
genannte Offenlegungspflicht: Sämtliche
Geldausgaben und geldwerte Leistungen
der pharmazeutischen Industrie an Ärzte
oder Angehörige von Fachkreisen, die im
Zusammenhang mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln stehen, müssen nachvollziehbar
veröffentlicht werden. Dies umfasst Leis-
tungen in den Bereichen Forschung und
Entwicklung, Spenden und Förderungen,
Veranstaltungen sowie Dienst- und Beratungsleistungen samt Auslagen. Die Veröffentlichung erfolgt erstmals im Jahr 2016
rückwirkend für 2015 auf der Website des
betreffenden pharmazeutischen Unternehmens.
Qualität für Patienten
Mit der neuen Offenlegungspflicht samt
klaren Richtlinien, wer welche Leistungen
in welchem Rahmen erbringen darf, vollzieht Österreich die internationalen Entwicklungen mit. „Gelebte Transparenz ist
eine gute Basis für die Zusammenarbeit
im Gesundheitssystem“, zeigt sich Rumler zufrieden. „Unsere gemeinsamen Verhaltensregeln stellen sicher, dass im Sinne
der Patienten ärztliche Therapieentscheidungen fundiert und unabhängig getroffen
werden und gleichzeitig die Erforschung
von innovativen Arzneimitteln weiter vorangeht.“ (ST)
Linktipp
Als praktisches Service für alle Interessierten hat die Pharmig nun auch
im Internet auf ihrer Webseite einen
eigenen VHC-Schwerpunkt eingerichtet. Hier finden sich alle aktuellen
Informationen und Neuerungen rund
um den Verhaltenscodex. Unter anderem fasst ein Fact-Sheet die Kernpunkte der Novelle 2014 zusammen.
Der VHC selbst sowie die Broschüre
zur Zusammenarbeit zwischen Ärzten
und der Pharmaindustrie können heruntergeladen werden, ebenso die
wichtigsten gesetzlichen Grundlagen.
www.pharmig.at/VHC
„Beherzt vorgehen“
Aktuelle Leitlinien helfen Ärzten,
die neue Volkskrankheit COPD zu
behandeln. Beherzter Nichtraucherschutz wäre das Mittel der
Wahl bei der Prävention. Aber
Nikotin macht nicht nur Raucher
abhängig.
Vier Buchstaben – und jeder steht für
100.000 Kranke: COPD. Die Krankheit
betrifft in Österreich 400.000 Menschen. Die Abkürzung steht für „Chronic obstructive pulmonary disease“, der
Volksmund sagt dazu schlicht Raucherlunge.
Die Bezeichnung stimmt insofern, als
COPD in 80 Prozent der Fälle durch
Rauchen ausgelöst wird. Wurden die
Bronchien jahrzehntelang durch Tabakrauch malträtiert, ist das Lungengewebe dauerhaft geschädigt. Immerhin
kann COPD – einmal erkannt – behandelt werden: Mit Medikamenten, die die
Bronchien erweitern und den Patienten
wieder Luft holen lassen oder die im
Lungengewebe die Entzündung bekämpfen. Die Initiative „Arznei & Vernunft“ hatte bereits 2001 eine Leitlinie
zu „Asthma und COPD“ vorgestellt.
Seither ist das Wissen über COPD exponentiell gewachsen. Daher hat die
Initiative, getragen von Ärzte- und
Apothekerkammer, Hauptverband und
Pharmig, die Leitlinie jetzt aktualisiert.
Diese informiert über die Behandlung,
aber nicht nur: Da Rauchen die Hauptursache von COPD ist, „ist Tabakentwöhnung das oberste Ziel“, sagt die
Leitlinie klipp und klar. Das kann durch
ärztliche Beratung und Motivation
ebenso unterstützt werden wie durch
Nikotinpflaster oder -kaugummis. Auch
die Krankenkassen bieten Rauchern
Hilfe beim Aufhören an, sagte der damalige
Hauptverbands-Vorsitzende
Hans-Jörg Schelling bei der Vorstellung
der Leitlinien. Für COPD-Medikamente
würde die Sozialversicherung schon 140
Millionen Euro ausgeben.
Unter den teuersten fünf
„COPD gehört zu den fünf Krankheiten, die 80 Prozent der Kosten im
Gesundheitswesen verursachen“, so
Pharmig-Präsident Robin Rumler. „Wir
fordern daher eine Verschärfung des
Nichtraucherschutzes.“ Rumler ermunterte alle Partner im Gesundheitswesen
zu einem „beherzten Vorgehen“.
An die neue Gesundheitsministerin
appellierte er zu entsprechenden Gesetzesvorschlägen. Es geht schließlich
um viel Geld: Sabine Oberhauser hat
mit ihrem neuen Amt auch einen wissenschaftlichen Ergebnisbericht zu
COPD übernommen, den die Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) ihrem
Vorgänger 2013 präsentiert hat. Demnach verursacht COPD in Österreich
volkswirtschaftliche Gesamtkosten (direkte Behandlungskosten plus indirekte
Kosten wie Krankenstände oder Frühpensionierungen) von mindestens 270
Millionen Euro jährlich, möglicherweise
sogar weit über 800 Millionen.
Das müsste eigentlich die Lust auf Zigaretten ausdämpfen. Aber nicht nur Raucher, Trafikanten und Gastwirte reagieren auf Tschickentzug allergisch. Bei
der Vorstellung der COPD-Leitlinien
verkündete HV-Chef Schelling noch in
gewohnter Eloquenz: „Wir unterstützen die Versicherten in ihrem Wunsch,
mit dem Rauchen aufzuhören.“ Nur
wenige Tage später wechselte er ins
Finanzministerium, und dort inhaliert
man ja bekanntlich Tabaksteuern in tiefen Lungenzügen. (FB)
Seite 8 | Thema
Stärkere
Bnw: Fotolia.de
Die Genomforschung produziert
immer mehr Daten – etwa über
das menschliche Gehirn. Trotzdem verstehen Forscher dieses Organ nach wie vor nur in
Ansätzen. Mit einem Milliardenprojekt sollen die vorhandenen
und künftigen Datenberge
systematisch durchleuchtet
werden. „Big Data“ wird das
Gesundheitswesen aber auch
insgesamt revolutionieren.
Thema | Seite 9
Laternen
R
Über das menschliche Gehirn wird viel geforscht, aber die Daten dieser Forschungen sind
noch nicht genügend strukturiert und gebündelt.
ichard Frackowiak hat ein Ärzteleben
lang Patienten behandelt und geforscht.
Jetzt räumt der Neurologe ein: „Ich bin
total frustriert.“ Denn in seinem Fachgebiet
geht einfach nichts weiter. Obwohl gerade die
Genetik in den letzten Jahren immense Fortschritte gemacht hat, werden Patienten im
Prinzip noch genauso behandelt wie vor 150
Jahren: „Ich spreche mit den Patienten, ich beschreibe ihre Symptome, vielleicht mache ich
dazu sogar einen Test“, sagt Frackowiak. Aber
obwohl in den letzten Jahren Genetiker – und
andere Hirnforscher – Berge an Daten und Publikationen produziert haben, sind damit zwar
unzählige Details geklärt, nicht aber die wesentlichen Fragen: Wie funktioniert das menschliche
Gehirn? Wie hängen genetische Disposition und
konkretes Verhalten oder konkrete Krankheit
genau zusammen?
„Wollen Sie wirklich älter werden?“, fragte
Frackowiak vor einigen Wochen die Teilnehmer
der Gesundheitsgespräche in Alpbach. „Ihre
Chancen, Alzheimer zu bekommen, steigen
im Alter rapide an. Aber Menschen in Europa
werden immer älter. Wir stehen daher vor einer Krise mit gigantischen Ausmaßen. Aber was
Alzheimer auslöst, darüber wissen wir eigentlich
nichts.“
Eine Zeit lang dachte man, Proteinablagerungen
im Hirn seien die Ursache. Diese Ablagerungen
sind unter dem Mikroskop recht einfach zu
sehen. In Forschungsansätze, die diesen Proteinmüll, das sogenannte Amyloid, bekämpfen
wollten, wurden in den letzten zehn Jahren
über zehn Milliarden Dollar investiert – mit
dem Ergebnis, dass sich die meisten Pharmafirmen aus diesem Gebiet mangels greifbarer
Seite 10 | Thema
„Jedes Krankenhaus in den USA wird in Kürze
650 Terabyte an Daten produzieren – jährlich.“
Pharmig/Markus Prantl
Harvard-Professor John Quackenbusch
Erfolge wieder zurückgezogen haben. „Die ganze Forschung auf diesem Gebiet funktioniert
heute nach dem Prinzip ‚Straßenlaterne‘“, sagt
Frackowiak und erinnert an den bekannten
Witz über den Betrunkenen, der seinen Hausschlüssel dort sucht, wo ihm die Laterne Licht
gibt – aber nicht dort, wo er ihn verloren hat.
Daher geht Frackowiak jetzt ganz neue Wege.
Nicht er allein: Er ist stellvertretender Leiter
des Human Brain Project (HBP), in das die EU
in den nächsten Jahren 500 Millionen Euro investieren wird. Weitere 500 Millionen sollen
von Projektpartnern aus der Industrie und
von nationalen Forschungseinrichtungen dazukommen. Eine Milliarde Euro in Summe, und
herauskommen soll nicht weniger als der „Bauplan des menschlichen Gehirns“. Das Human
Brain Project, gemanagt von einem erlesenen
Forscherstab im schweizerischen Lausanne, soll
für die Hirnforschung das sein, was das ebenfalls im Südostzipfel der Schweiz installierte europäische Großforschungszentrum CERN für
die Teilchen-Physiker ist.
Nur vier Variablen
Die Grundidee dahinter beschreibt der HBPManager so: Wir wissen heute eine Unmenge über Einzelaspekte. Was aber fehlt, ist eine
Theorie, die das Funktionieren des Gehirns
und das Zusammenspiel der verschiedenen
Ebenen erklärt. Aus den einfachsten Elementen
soll – bottom up – die jeweils darüber liegende
Ebene nachgebaut und verstehbar gemacht, also
„simuliert“ werden. „Ich höre oft den Einwand,
dass diese Simulation auf das Lösen einer Gleichung mit unendlich vielen Variablen hinausläuft“,
sagt Frackowiak. „Aber auf der untersten biologischen Ebene, der Genetik, haben wir lediglich
vier Basenpaare. Damit reduzieren wir die Komplexität auf dieser Ebene auf vier Variablen.“
Erstaunlich sind nicht nur Umfang und Ambition
des Projekts: Um den Bauplan des Gehirns zu
entschlüsseln, sollen keine neuen neurobiologischen Experimente durchgeführt werden. Der
Ansatz ist vielmehr, das bekannte Wissen systematisch zusammenzuführen und auszuwerten.
Frackowiak: „Wir produzieren ohnehin jedes
Jahr 100.000 Publikationen über das Gehirn.“
Die Forschung kommt also nicht deshalb kaum
weiter, weil es an Fakten fehlt. Das Human Brain
Project will die vorhandenen und permanent gewonnenen Erkenntnisse zu einer übergreifenden
Theorie zusammenfassen.
Tatsächlich sitzen etwa Kliniker, Krankenversicherungen oder auch Pharmafirmen auf gewaltigen Datenbergen. „Denken Sie an die ganzen
Daten, die in einem modernen Krankenhaus
durch Computertomographen, MRI-Scanner
und andere Diagnoseverfahren entstehen. Jedes
Röntgenbild liegt praktisch in digitaler Form vor,
fast jedes Messgerät ist Teil eines Netzwerks“,
sagt John Quackenbusch, Professor für Computational Biology und Bioinformatik an der
Harvard School for Public Health in Cambridge,
USA. Jedes Krankenhaus in den USA werde in
Kürze 650 Terabyte an Daten produzieren –
jährlich.
Bytes-Monster
Ein Terabyte sind 1.000 Gigabyte. „Tera“ – der
Begriff ist abgeleitet vom griechischen Wort für
Monster. Die Datenmengen, die im Gesundheitswesen anfallen, sind tatsächlich monströs: Kaiser
Permanente, einer der größten US-Anbieter
von Versicherungen und Dienstleistungen im
Bereich Gesundheit, hat derzeit zwischen 30
und 40 Petabyte Daten aus den elektronischen
Gesundheitsakten seiner neun Millionen Kunden gespeichert. Das gesamte amerikanische
Gesundheitswesen hatte 2011 bereits 150 Exabytes – eine Milliarde Gigabyte –, schreibt die
Fachzeitschrift „Health Information Science
and Systems“. Und bald werde man sich an die
nächsten Tausenderstufen „Zetabyte“ und „Yottabyte“ gewöhnen müssen, um die Datenmenge
zu beschreiben.
Forschung nach „System Google“
Ein Ziel des Human Brain Project ist es daher,
solche Datenberge einer systematischen und
breiten Auswertung zugänglich zu machen. Idealerweise sollen etwa alle Krankenhäuser Behandlungsdaten zur Verfügung stellen. Die Auswertung stellt sich Frackowiak – zumindest im
Prinzip – dann vor wie eine Google-Recherche:
Forscher können auf eine bisher nicht einmal
vorstellbare Datenmenge zugreifen, sie befragen
und nach Mustern suchen, die bisher auch der
genialste Wissenschaftler nicht erkennen kann.
„Data-Mining“, also das Durchwühlen ganzer
Datengebirge, soll neue Erkenntnisse bringen.
Und das, obwohl die Daten nicht im Entferntesten so standardisiert und vergleichbar sind, wie
das in klinischen Studien die Norm ist: Einfach
deshalb, weil so viel mehr Daten zur Verfügung
stehen.
Hirnkrankheiten kosten 800 Milliarden Euro
jährlich
Wenn die Forscher in Lausanne und in Dutzenden kooperierenden Forschungsinstituten in
ganz Europa besser verstehen, wie das menschliche Gehirn funktioniert, soll das auch Patienten
helfen: Durch bessere Diagnosen und neue Behandlungsansätze, auch durch Medikamente, die
„personalisiert“, also für jeden Patienten individuell ausgewählt werden. Die pharmazeutische
Industrie hat Kooperationsinteresse bekundet,
weil sie sich von den Erkenntnissen aus dem
HBP bessere, effizientere klinische Studien erhofft. Die Investition von einer Milliarde könnte
sich tatsächlich lohnen: Alzheimer und viele andere Erkrankungen des Gehirns kosten Europa
jedes Jahr die unvorstellbare Summe von 800
Milliarden Euro, rechnete Henry Markram, der
Leiter des HBP, bei der Projektvorstellung vor.
„Bei diesen Kosten haben schon kleine Fortschritte gewaltige Auswirkungen“, so Markram.
Schweres Gerät auffahren
Doch bevor das Data-Mining beginnen kann,
nicht nur durch Hirnforscher, müssen die „Lagerstätten“ wertvoller Daten erst einmal erschlossen werden: „Wir sitzen zwar auf noch nie
da gewesenen Datenmengen, aber die sind zu
80 Prozent völlig unstrukturiert“, sagt Quackenbusch. Dazu kommt, dass sich die Datenberge
nur mithilfe von entsprechend schwerem Gerät
angraben lassen. Quackenbusch verweist darauf,
dass in seiner Nachbarschaft die Universitäten
von Boston und Harvard mit dem MIT und zwei
weiteren Hochschulen ein gemeinsames Hochleistungsrechenzentrum gebaut haben – zehn
Megawatt Leistungsaufnahme nur für ihre For-
Thema | Seite 11
„Wir produzieren jedes Jahr 100.000
Publikationen über das Gehirn.“
Pharmig/Markus Prantl
„Human Brain Project“-Manager Richard Frackowiak
schungscomputer.
Größeres Spielzeug freut die Forscher, aber das
Minieren von Big Data ist nicht „art pour l’art“.
Im Gesundheitswesen ist es die Zukunft, vielleicht sogar die Rettung: 300 bis 450 Milliarden
Dollar könne sich das amerikanische Gesundheitswesen durch intelligentes Datenschürfen
jährlich ersparen, schätzen Unternehmensberater von McKinsey im Bericht „The Big Data
Revolution in Healthcare“. Das wären zwölf bis
17 Prozent der gesamten Gesundheitsausgaben.
Gewichtige Positionen in dieser Rechnung: 70
Milliarden könnten dadurch erzielt werden, dass
Krankheiten früher erkannt und behandelt werden. 50 Milliarden, weil Wiederaufnahmen von
Spitalspatienten vermieden werden. Wobei die
Verfasser des McKinsey-Berichts betonen, dass
ihre Milliarden-Kalkulation eher als „konservativ“
zu sehen sei: In Zukunft werde Big Data vermutlich noch viel mehr bewirken, in ihrem Bericht
seien jedoch nur heute schon erkennbare Ansätze hochgerechnet.
Daten-Bergbau senkt Kosten
In der Tat müssen Organisationen nicht gleich ein
Kraftwerk errichten, um Sinnvolles aus den vorhandenen Datenmengen herauslesen zu können.
Die ersten Stollen sind im Gesundheitswesen
längst in die Datengebirge vorgetrieben worden
und fördern schon: Die McKinsey-Konkurrenten
von Boston Consulting listen als „real world“Beispiel etwa die Gesundheitsbehörde des Bundesstaats Victoria in Australien. Die Finanziers
des Gesundheitssystems von Victoria – Bundesund Landesstellen sowie private Krankenversicherer – hatten traditionell keinen gegenseitigen
Einblick in Ausgaben und Tätigkeiten. Die Folge:
unnötige Mehrfachuntersuchungen und -behandlungen. Für die Behandlungseffizienz fühlte
sich letztlich keiner zuständig. Das könnte einem
durchaus bekannt vorkommen, auch am anderen Ende der Welt.
Als die drei Systempartner ihre Daten zusammengeführt und analysiert hatten, wurde deutlich, dass etwa die Versorgung chronisch Kranker
in sozial schwächeren Bezirken Mängel hatte.
Mit sehr konkreten Folgen, nämlich höheren
Kosten, mehr Krankenhauseinweisungen und
mehr Todesfällen. Schon durch moderate Verbesserungen in der Primärversorgung wurden
Krankenhausaufenthalte reduziert und pro Jahr
60 Millionen Euro eingespart.
Ähnlich erfolgreich waren die Datenwühler in
einem englischen Krankenhaus: Hier wurden
gezielt die Wiederaufnahmen untersucht. Daraus entstand ein Algorithmus, also eine DatenSuchstrategie, mit der sich gefährdete Patienten
bereits bei der Aufnahme identifizieren ließen.
In weiterer Folge wurde das Entlassungsmanagement der potenziellen „WiederaufnahmeKandidaten“ verbessert, etwa durch intensivere
Beratung über die einzunehmenden Medikamente oder die Katheterbenutzung. Das Datenschürfen war so erfolgreich, dass Algorithmus
und Betreuung auch in den übrigen Häusern des
Trägers eingeführt werden.
Jobchancen für Datenmanager
Damit sich die in Byte-Bergen verborgenen Potenziale heben lassen, rät der McKinsey-Report,
Datensilos rigoros einzureißen: Pharmafirmen
etwa, die ihre klinische Forschung effizienter
machen wollen, müssen zusammenarbeiten
und Daten austauschen. Ansätze dazu gibt es.
Zehn Unternehmen haben die „TransCelerate
Biopharma“-Initiative gegründet. Sie wollen gegenseitig die Bewertung von Studien-Zentren,
die Schulung von Studienpersonal anerkennen
oder gemeinsame Standards entwickeln, nach
denen Risiken erfasst und kategorisiert werden.
Das größte Hindernis vor der Durchleuchtung
von Big Data sieht Bioinformatiker Quackenbusch jedoch darin, dass das statistische Handwerkszeug dazu noch unterentwickelt ist und
dass Experten Mangelware sind.Amerikanische
Hospitäler führen auf Topmanagement-Ebene
den CIO, den Chief Information Officer, ein.
Die Nachfrage nach Fachleuten, die Big Data
analysieren und die notwendigen IT-Systeme
managen können, dürfte auch in Europa ebenso
schnell wachsen wie die Datenberge selbst. (FB)
Nicht-Nutzen von Daten ethisch fragwürdig
Auch in Österreich sitze das Gesundheitswesen auf riesigen Datenmengen – „die werden
jedoch nicht zur Verfügung gestellt“, meint Jan
Oliver Huber, Generalsekretär der Pharmig.
Damit vergebe man Zukunftschancen: „Die
Analyse dieser Gesundheitsdaten ist ein Treiber für Innovation“, so Huber. Er regt an, die
qualitätsgesicherte Nutzung von Gesundheitsdaten als strategisches Ziel in den Bundeszielsteuerungsvertrag aufzunehmen. Der Vertrag
fasst die Kernpunkte der laufenden Gesundheitsreform zusammen.
Lange bekannt sei etwa, dass die epidemiologischen Daten nur verstreut vorliegen und
zum Teil gravierende Lücken aufweisen. Das
behindert die effiziente Steuerung von Ressourcen und die Forschung. Von öffentlich
finanzierten Einrichtungen verlangt Huber
daher, dass sie Gesundheitsdaten auch zugänglich machen. Derzeit herrsche noch die
Einstellung, dass das Nicht-Bereitstellen von
Daten das eigenmächtige Handeln leichter
mache. Es sei daher „zu hinterfragen, ob die
Nicht-Nutzung ohnehin bereits vorhandener
Daten ethisch noch vertretbar ist“.
Die Nutzung von Daten könne nicht gegen
den Willen der Beteiligten erfolgen, daher
müsse der Bevölkerung der Nutzen von
umfassender Datenanalyse deutlich gemacht
werden. Auch dürfe der Datenschutz nicht
zum Hemmschuh werden. Im Gegenteil,
Datenschutz müsse selbstverständlicher Bestandteil im Datenmanagement sein, so Huber.
Alle Stakeholder im Gesundheitswesen
müssten die planmäßige, qualitätsgesicherte
und datenschutzkonforme Anwendung solcher Daten zur täglichen Realität machen.
Nur auf Basis gesicherter Gesundheitsdaten
können Ergebnis-Qualitätsparameter festgelegt und Maßnahmen in der Patientenversorgung auf ihre Wirksamkeit hin überprüft
werden. (FB)
Bnw: Markus Prantl
Seite 12 | Thema
Genetiker Han Brunner: „Wir sparen vielleicht schon dadurch, dass wir eine ‚Patientenodyssee‘ beenden, mehr, als der Test kostet.“
„Mehr Medikamente für
kleinere Patientengruppen“
Professor Han Brunner leitet die Abteilung Humangenetik an der Radboud-Universität in Nijmegen, Niederlande. Im Pharmig-Info-Interview sprach er über seltene
Erkrankungen und was die genetische Forschung für diese Patienten bringen wird.
Die moderne Genetik erlaubt immer genauere
Diagnosen. Aber für viele Krankheiten gibt es
keine Heilung – wozu also genetische Tests?
Professor Han Brunner: Das werde ich
dauernd gefragt, gerade von Krankenversicherungen. Es ist schon richtig, dass es für
viele Krankheiten keine Heilung gibt. Aber
diese Menschen pilgern von Arzt zu Arzt,
um endlich zu erfahren, woran sie eigentlich
leiden. Mit einer Diagnose können wir das
beenden.
Versicherungen überzeugt das möglicherweise
nicht.
Vielleicht doch. Wir sparen vielleicht schon
dadurch, dass wir eine „Patientenodyssee“
beenden, mehr, als der Test kostet.
Was bringt es Patienten konkret, wenn sie die
genetische Ursache ihrer Krankheit kennen?
Wenn Sie an einer chronischen Krankheit
leiden und keine Diagnose haben, kann es
wirklich schwer sein, überhaupt eine adä-
quate Behandlung zu bekommen. Die ist
nämlich teuer und Sie müssen irgendwelche Bürokraten davon überzeugen, dass das
sinnvoll ist.
Es geht also nicht nur um Heilung?
Auch ohne Heilung können wir doch dafür
sorgen, dass die Patienten besser damit leben können.Wenn Sie die Prognose kennen,
wenn Sie wissen, was Sie vermeiden müssen
– das kann extrem wichtig sein.
Thema | Seite 13
„Sechs Prozent der Bevölkerung werden eine von zahlreichen seltenen Erkrankungen erleiden oder sind schon
erkrankt.“ Han Brunner
Genetisch bedingte Krankheiten sind sehr selten. Ist das relevant für das Gesundheitswesen?
Auf jeden Fall: Sechs Prozent der Bevölkerung werden eine von zahlreichen seltenen
Erkrankungen erleiden oder sind schon erkrankt. Das ist nicht immer die Folge von
DNA-Mutationen. Die meisten genetisch
bedingten Krebserkrankungen etwa sind
erblich, wie die Form von Brustkrebs, die
bei Angelina Jolie diagnostiziert wurde.
Anscheinend wissen wir immer mehr über die
Genetik einer Krankheit, das führt aber nicht
dazu, dass wir diese auch heilen können. Wird
sich das ändern?
Das dauert zwar lange, aber es gibt vielversprechende Entwicklungen. So interessiert
sich die pharmazeutische Industrie seit
etwa fünf Jahren zunehmend für seltene
Erkrankungen. Früher waren nur Medikamente interessant, die bei Millionen Patienten wirken – Blutdruckmittel zum Beispiel. Heute denken alle darüber nach, wie
man wirtschaftlich neue Therapien für seltene Erkrankungen entwickeln kann.
Forschungsinvestitionen der Industrie allein sind
möglicherweise nicht genug.
Auch bei den Regierungen tut sich da etwas.
Denen ist klar geworden, dass die einzelne
seltene Erkrankung zwar per definitionem
selten ist, aber alle zusammen betreffen
eben wirklich viele Patienten.
Dann gibt es die EU-Empfehlung von 2009,
nationale Aktionspläne für seltene Erkrankungen zu entwickeln. Oder das International Rare Diseases Research Consortium
(IRDiRC): Diese Initiative will dafür sorgen,
dass es bis 2020 für die meisten seltenen
Erkrankungen eine Diagnose gibt und mindestens 200 neue Medikamente.
Halten Sie das für realistisch?
200 neue Medikamente sind ehrgeizig. Andererseits kann manchmal ein bereits zugelassenes Arzneimittel auch bei einer völlig
anderen Krankheit wirksam sein.
Was ist in naher Zukunft zu erwarten?
Wir warten zum Beispiel alle auf die endgültigen Ergebnisse von Studien zum so
genannten Marfan-Syndrom. Bei dieser
seltenen Erkrankung kann die Aorta, die
Hauptschlagader, aufgrund einer Bindege-
websschwäche reißen. Katastrophal. Jetzt
sieht es so aus, dass wir das bald mit Losartan behandeln können. Das Medikament
ist seit 20 Jahren als Blutdrucksenker zugelassen. Aber dann hat man herausgefunden,
dass der gleiche molekulare Mechanismus,
der zur Senkung des Blutdrucks führt, auch
beim Marfan-Syndrom beteiligt ist.
Die Genomforschung hat es möglich gemacht,
dass praktisch im Wochentakt neue Krankheiten beschrieben werden. Was heißt das für
die Patienten?
Die große Konsequenz aus all dem wird die
„personalisierte Medizin“ sein. Die Behandlung wird sich künftig am individuellen genetischen Profil des Patienten orientieren.
Bisher musste ein Medikament im Prinzip
für die gesamte Bevölkerung passen.
Die Behandlung wird also komplizierter?
Ein Beispiel aus meinem Fachgebiet: Autismus ist nicht gleich Autismus. In Wahrheit
sind das viele verschiedene Krankheiten mit
einem gemeinsamen Verhaltensmuster.
Das muss doch Konsequenzen haben für die
Entwicklung neuer Medikamente?
Man wird viel mehr Medikamente haben für
kleinere Patientengruppen. Für das bisherige Geschäftsmodell der Pharmaindustrie
wird das ein Problem. Andererseits haben wir zwar 8.000 seltene Erkrankungen,
wahrscheinlich viel mehr, aber viele haben
den gleichen molekularen „Pathway“. Das
heißt, ein Medikament wirkt vielleicht bei
50 oder 100 Krankheiten.
ten besser analysiert – Stichwort Datamining?
Datamining allein wird unsere Probleme
nicht lösen. Datamining ist aber hervorragend geeignet, um spezifische Hypothesen
zu überprüfen – die werden wir immer
brauchen.
Datamining wird vermutlich nicht ausschließlich begrüßt, nicht einmal von Patienten.
Die große Chance sehe ich gerade darin,
die Patienten zu beteiligen. Da wird es
spannend. Sie kennen sicher das Unternehmen 23andme: Die bieten bestimmte Gentests an. Jeder, der in ein Röhrchen spuckt
und 100 Dollar nach Kalifornien überweist,
kann das machen lassen. Hunderttausende
haben das bereits getan.
Aber 23andme bekam Probleme mit der FDA.
Letztes Jahr wurde ihnen untersagt, ihre
Tests für medizinische Prognosen anzubieten. Aber die haben all diese genetischen
Profile und haben sich gesagt, machen wir
doch ein bisschen Forschung damit. So
eine Datenbank kann man auf alle möglichen Zusammenhänge hin durchsuchen,
etwa ob man im Urin die Abbauprodukte
von Spargel riechen kann – das ist überwiegend angeboren. Das ist natürlich nur
unterhaltsam, medizinisch hat das keine
Bedeutung. Aber 23andme hat bewiesen,
dass man solche Zusammenhänge erkennen kann, wenn man genügend Leute zusammenbringt.
Wenn Patienten das ermöglichen – freiwillig natürlich –, dann kann Datamining unglaublich viel bewegen.
„Die Behandlung wird sich künftig am individuellen
genetischen Profil des Patienten orientieren.“
Han Brunner
Wie kann man sich das praktisch vorstellen?
Das könnte bedeuten, dass wir mit ein und
demselben Medikament eine bestimmte
Form von Autismus behandeln und ebenso
eine seltene Form des Diabetes.
Die moderne Genetik produziert ständig eine
Flut neuer Daten. Glauben Sie, dass sich relevante Erkenntnisse auch dadurch gewinnen
lassen, dass man die bereits verfügbaren Da-
Was erwarten Sie sich davon?
Dass alle Patienten mit seltenen Erkrankungen eine Diagnose erhalten. Und dass
sie sich dann organisieren, dass eine Patientenbewegung entsteht, die solche Informationen zur Verfügung stellt. Damit
können dann neue Therapien entwickelt
werden. Ich bin fest davon überzeugt, dass
wir als Ärzte und Forscher das unterstützen sollten. (FB)
Gastgeber und Gäste beim Pharmig-Empfang im Böglerhof: Pharmig-Präsident Prof. Dr. Robin Rumler
(li) und Pharmig-Generalsekretär Dr. Jan Oliver
Huber (re) begrüßen den Präsidenten des Europäischen Forum Alpbach, DI Dr. Franz Fischler
(Mitte links), und Geschäftsführer Philippe Narval,
MSc (Mitte rechts).
At the Crossroads
Wie könnte ein zukunftstaugliches Gesundheitsmodell
aussehen, in dem sich Partikularinteressen mit gesellschaftlicher Verantwortung überschneiden, wo Big Data
den Wunsch der Menschen nach Datenschutz trifft und wo
Genetik eine immer größere Rolle spielt? Diese und viele
Fragen mehr wurden bei den Alpbacher Gesundheitsgesprächen gestellt. Der Event in Bildern.
Prof. Dr. Robin Rumler, Präsident der Pharmig,
fordert bei der Eröffnung: „Mehr Gesundheit braucht
langfristige, konkrete Ziele!“
Viel Platz wurde den Themenpaten beim Vorstellen ihrer Arbeitskreis-Themen auf
der Bühne im Erwin-Schrödinger-Saal des Congress Centrums eingeräumt:
Generalsekretär des Österreichischen Roten Kreuzes
Dr. Werner Kerschbaum: „Gesundheitsförderung
ist einfach, aber nicht leicht! Was konkret sollte sie zur
Bevölkerungsgesundheit 2025 beitragen?“
Patientenanwältin Dr. Sigrid Pilz: „Das individuelle Erbgut – Schicksal, Chance oder Verpflichtung?“
Die Teilnahme an den jeweiligen Arbeitskreisen erreichte man nur durch vorherige Bewältigung eines
Flipchart-Parcours.
Und nach getaner Arbeit ging es zum Networking: Startschuss zum Fest am Berg. Dr. Jan Oliver Huber, Generalsekretär der Pharmig (im Vordergrund, blaues Shirt),
führt die Wandergruppe von mehr als 200 Personen an.
Keynote des scheidenden Gesundheitsministers Alois
Stöger: „Jeder ist von der eigenen Gesundheit betroffen,
sie kann für den Einzelnen zur einzigen und entscheidenden
Frage werden.“
Alle Bilder: Markus Prantl
Pharmig-Generalsekretär Dr. Jan Oliver Huber:
„Datenverfügbarkeit als Chance begreifen!“
Gruppenfoto der Geschäftsführer der Pharmig-Mitgliedsunternehmen: DI Harald Bichler,
MBA (Lundbeck), Dr. Wolfram Schmidt (Roche), Karsten Schlemm (Merz), vorne: Mag.
Ingo Raimon (Abbvie), dahinter: Rodrigo Goarmon Ferreira (Sandoz), 3. Reihe: Andreas
Kronberger (Baxter), Dr. Jan Oliver Huber (Generalsekretär der Pharmig), Mag. Martin Peithner (Peithner KG), Prof. Dr. Robin Rumler (Präsident der Pharmig, Pfizer), Mag.
Martin Munte (Amgen), Dr. Martin Hagenlocher (Vizepräsident der Pharmig, Bayer), Mag.
Sabine Radl (Novartis), Stephan Klemm (Abbott), George Zarkalis (Novartis).
POLITIK und WIRTSCHAFT | Seite 15
„Näher zum Patienten“
ten, kommt der Pharmaindustrie eine zentrale Rolle im Gesundheitssystem zu.
Was finden Sie am aktuellen Gesundheitssystem gut?
Dr. Sabine Oberhauser: Wir haben ein
im internationalen Vergleich sehr gutes
Gesundheitssystem mit gutem Zugang zu
qualitativ hochstehender Gesundheitsversorgung.
Und was würden Sie am liebsten sofort ändern?
Die Patientinnen und Patienten müssen
stärker in den Mittelpunkt rücken. Die Versorgungsstrukturen und -prozesse müssen
sich an den Patientinnen und Patienten orientieren und weniger an Finanzierungszuständigkeiten. Und ich wünsche mir weniger
Bürokratie – es muss wieder mehr Zeit für
die Betreuung der Menschen bleiben.
Welche Rolle sehen Sie für die Pharmaindustrie
im österreichischen Gesundheitswesen?
Die Pharmaindustrie ist ein wichtiger Partner. Für die Sicherstellung einer qualitativ
hochwertigen Gesundheitsversorgung, insbesondere durch Forschung, Entwicklung
und Zurverfügungstellung von Medikamen-
Bei Finanzierungsproblemen werden oft die
Ausgaben für Medikamente ins Visier genommen, obwohl ihr Anteil an den Gesundheitsausgaben in Österreich mit 12,3 Prozent gering ist
und Preise und Verbrauch unter dem europäischen Durchschnitt liegen. Wo sehen Sie sinnvolle Einsparungsmöglichkeiten?
Die finanzielle Sicherung der öffentlichen
Gesundheitsversorgung für jeden und jede
ist eine zentrale Verpflichtung, auch gegenüber unseren Kindern und Kindeskindern.
Mit der begonnenen Gesundheitsreform
wird es unter anderem möglich sein, durch
die Entlastung des Spitalssektors Leistungen
näher am Wohnort des Patienten/der Patientin zu erbringen, was auch ökonomisch
vorteilhaft ist. Überdies möchte ich ELGA
erwähnen, da durch die E-Medikation die
Verschreibung von Arzneimitteln mit gefährlichen Wechselwirkungen erkennbar
wird. Dadurch können nicht nur Kosten
durch verordnete Arzneimittel gesenkt,
sondern auch wechselwirkungsbedingte
Krankenbehandlungen verhindert werden.
Die Gesundheitsreform steht, nun sind konkrete Umsetzungen gefragt.Was sind Ihre
persönlichen Schwerpunkte?
Wir müssen die Stärkung der Primärversorgung rasch vorantreiben und mit den
Pilotierungen starten. Das ist ein zentraler
Punkt. Auch der Ausbau der Gesundheitsförderung ist mir ein großes Anliegen – mit
dem Beschluss der österreichweiten Gesundheitsförderungsstrategie haben wir
hier bereits einen wichtigen Schritt gesetzt.
Welche Strategien für ein gesünderes Österreich nehmen Sie als Erstes in Angriff?
Ein wichtiges Thema ist mir der Schutz der
Nichtraucherinnen und Nichtraucher. Wir
haben eine Verantwortung für die Menschen, die in der Gastwirtschaft arbeiten.
Wenn ich eine Zigarette rauche, rauchen
die Kellner und Kellnerinnen passiv zehn
Zigaretten mit. Auch wenn man ins europäische Umland schaut, wird klar, dass
der österreichische Weg ein Ablaufdatum
hat. Wir werden daher möglichst bald mit
dem Wirtschaftsminister und der Wirtschaftskammer verhandeln. Ich möchte im
Gesetzesentwurf, den wir 2015 vorlegen,
bereits ein konkretes Datum fixieren. Je
schneller das Rauchverbot für geschlossene
Lokale kommt, desto besser.
Danke für das Gespräch!
(ST)
Die Gesundheitsministerin im Wordrap
Was machen Sie gerne in Ihrer Freizeit?
Stricken, entspanntes Zeitunglesen, Füße
hochlegen und plaudern oder fernsehen.
Gibt es einen Menschen, der Sie besonders
beeindruckt?
Mich beeindrucken viele Menschen, aber
Vorbilder habe ich keine.
Haben Sie ein Leibgericht?
Ich versuche, mich ausgewogen zu er-
nähren, und setze dabei hauptsächlich auf
mediterrane Kost. Ich liebe aber auch asiatisches Essen, und im Sommer mag ich
Gegrilltes sehr gern.
Betreiben Sie Sport?
Seit Anfang des Jahres mache ich mindestens einmal pro Woche Krafttraining und
versuche, zumindest 10.000 Schritte täglich zu gehen. Laufen, Nordic Walking und
Skifahren zähle ich zu meinen Hobbys.
Dr. Sabine
Oberhauser,
Gesundheitsministerin
Rauchen Sie?
Nein. Ich bin seit zwei Jahren rauchfrei.
Was haben Sie immer in Ihrer Hausapotheke?
Ein Antihistaminikum.
Bnw: Parlamentsdirektion/Wilke
Bnw: Ruth Manninger
Die ausgebildete Ärztin und Krankenhausmanagerin Dr.
Sabine Oberhauser ist seit 1. September neue österreichische Gesundheitsministerin. Welche Rolle die Pharmaindustrie in einem funktionierenden Gesundheitssystem spielt und warum die Patientenorientierung ein
wichtiges Anliegen ist, erläutert sie im Interview.
Seite 16 | FORSCHUNG
Bnw: Markus Prantl
Dr. Wolfgang Bonitz: „Sehr schnell zu
Verbesserungen führen würden mehr Study Nurses.“
„Mehr Vorsprung
herausholen“
Von der klinischen Forschung profitieren Patienten, Ärzte und das Gesundheitswesen
insgesamt. Bisher war Österreich auch überraschend schnell bei der Genehmigung
klinischer Prüfungen. Aber dieser Vorteil wird ab 2016 wegfallen. Pharmig Info sprach
mit Dr. Wolfgang Bonitz, dem stellvertretenden Vorsitzenden des Arbeitskreises für
Klinische Forschung in der Pharmig, über Stärken und Schwächen Österreichs auf
diesem Gebiet im internationalen Vergleich.
Herr Dr. Bonitz, wie steht Österreich heute im europäischen Vergleich als klinischer Forschungsstandort da?
Dr. Wolfgang Bonitz: Wenn wir die Geschwindigkeit betrachten, mit der eine klinische Prüfung
genehmigt wird, dann sind wir heute in Europa
die, die als Erste starten können.
Und morgen?
Die bisherige EU-Regelung zu den Genehmigungsfristen hat es den Mitgliedsstaaten überlassen, welche Fristen sie ihren Behörden einräumen. 2016 tritt eine neue Bestimmung in Kraft,
die „Clinical Trials Regulation“, darin sind für ganz
Europa die gleichen – kurzen – Genehmigungsfristen vorgeschrieben. Ab 2016 ist also der relative Vorteil für Österreich weg.
Wem nützt es, wenn hierzulande viele klinische Prüfungen stattfinden?
Das bringtVorteile für die Patienten, weil diese damit heute schon zu Medikamenten kommen, die
erst in drei oder fünf Jahren auf den Markt kommen werden. Für die Ärzte bringt es Vorteile, weil
sie zu einem Zeitpunkt mit künftigen Therapien
vertraut werden, wo diese noch nicht allgemein
verfügbar sind. Und sie können mit Teams aus
anderen Ländern zusammenarbeiten. Für akademische Forscher ergibt sich obendrein noch die
Möglichkeit für Publikationen.
Schließlich nützen klinische Prüfungen auch dem
Gesundheitswesen unmittelbar. Denn für diese
Studienpatienten übernimmt die pharmazeutische Industrie sämtliche Therapiekosten.
Was bedeutet es für Ärzte konkret, wenn sie an klinischen Prüfungen mitarbeiten?
Klinische Prüfungen werden immer nach den
allerhöchsten internationalen Standards durchgeführt. Das bedeutet, dass die Ärzte ein Behandlungsprotokoll kennenlernen, das an ihrem Spital
vielleicht noch nicht Routine ist.
Diese Schulung findet auf „Investigator Meetings“
statt. Dort treffe ich als Arzt Kollegen aus anderen
Ländern, die sich genau mit demselben Thema beschäftigen wie ich.
In Österreich fanden 2013 rund 500 klinische Prüfungen statt, die von der Industrie gesponsert werden.
Was bedeutet diese Zahl?
Es ist schwierig, eine Gesamtzahl etwa mit anderen Ländern zu vergleichen. Viel wichtiger ist
die Tatsache, dass in Österreich eher „späte“
klinische Prüfungen in der Phase 3 durchgeführt
werden, aber viel weniger in den frühen Phasen,
also Phase-1- und Phase-2-Prüfungen.
Zahl der klinischen Prüfungen nach
klinischer Phase (2013):
119
Phase I
106
Phase II:
315
Phase III
57
Phase IV
Phase I: Erstmalige Anwendung eines Arzneimittels am
Menschen, Prüfung der Pharmakokinetik.
Phase II: Nachweis der Wirksamkeit und Ermittlung der
bestmöglichen therapeutischen Dosis.
Phase III: Sichere Belegung der Wirksamkeit an einer
großen Patientenzahl und Ermittlung seltener Nebenwirkungen; Voraussetzung für Antrag auf Marktzulassung.
Phase IV: Erhebung weiterführender Daten nach einer
Zulassung.
Zu den rund 500 klinischen Prüfungen der Phasen I bis
IV kamen 2013 noch 100 „nicht interventionelle Studien“
(unter anderem Anwendungsbeobachtung an zugelassenen
Medikamenten). Diese werden insbesondere durchgeführt,
um Wirksamkeit und Nebenwirkungen unter Praxisbedingungen zu dokumentieren.
Phase-3-Prüfungen müssten doch die wichtigeren sein?
Die sind von der Zahl der eingeschlossenen
Patienten her größer und marktnäher, das
ist richtig. Aber die Zahl der Phase-1- und
Phase-2-Prüfungen ist ein Gradmesser für die
Leistungsfähigkeit der klinischen Forschung.
Phase-1-Prüfungen sind auch schwieriger
durchzuführen. Übrigens ist auch der Gestaltungsspielraum für den einzelnen Forscher in
der Phase 1 noch höher als in späteren Phasen.
Aber die Botschaft ist, dass die meisten Phase3-Prüfungen auch dort stattfinden, wo die früheren Phasen durchgeführt wurden. Wenn ein
Land daher in die präklinische Forschung und
in Phase-1-Prüfungen investiert, dann wächst
damit die gesamte klinische Forschung in diesem Land.
Was macht Phase-1-Prüfungen schwieriger?
Der Aufwand ist vor allem für die Infrastruktur besonders hoch. Man muss vielleicht klarstellen, was mit Infrastruktur gemeint ist: Was
die Behandlung angeht, da ist Österreich auf
ganz hohem Level. Ich meine hier die Infrastruktur, um klinische Prüfungen durchzuführen, etwa die räumliche Ausstattung.
Welche besonderen Anforderungen gibt es da?
Eine Phase-1-Prüfung, also eine Studie, in der ein
Medikament erstmals an Menschen geprüft wird,
macht man für gewöhnlich nicht in einer normalen Krankenhaus-Umgebung, sondern man
braucht dazu spezielle Überwachungsbereiche.
Das kommt nahe an eine intensivmedizinische Betreuung heran, um für alles gerüstet zu sein. Und
zusätzlich braucht man spezielles Personal dafür.
Sie meinen die „Study Nurses“? Gibt es genug dieser
Nurses in Österreich?
Die zweite Frage ist einfach zu beantworten –
nein, wir haben nicht genug. Zum ersten Teil, was
tut eine Study Nurse? Jede klinische Prüfung,
gerade eine multizentrische, an der mehrere
Krankenhäuser mitwirken, ist mit einem sehr
großen organisatorischen, logistischen und administrativen Aufwand verbunden. Da braucht
es jemanden, der das Ganze managt, koordiniert
und plant. Das beginnt damit, dass jemand die
Termine mit den Patienten ausmachen muss.
Dann muss jemand die erhobenen Befunde in
Datenblätter oder Datenbanken eintragen, jemand muss sich um simple logistische Aufgaben
kümmern, wie Blutproben verschicken, oder die
Versuchsmedikation beschaffen.
Wie sind diese „Study Nurses“ nun konkret in die
klinischen Prüfungen eingebunden?
Es ist ja nicht sinnvoll, von den behandelnden
Ärzten zu verlangen, dass sie sich neben ihrer
medizinischen Tätigkeit bei der Patientenversorgung und ihrer Tätigkeit für die klinischen
Prüfungen dann auch noch den ganzen organisatorischen Aufgaben widmen. Das führt zu einer
großen Belastung und die Ärzte werden sich
dann weniger dafür interessieren, Patienten auch
noch in klinische Prüfungen aufzunehmen. Daher ist es eines der grundlegenden Probleme in
Österreich, dass wir für diese organisatorischen
Aufgaben zu wenig Study Nurses haben. Das ist
ein wirklicher Knackpunkt, und ich glaube, dass
man da in anderen Ländern schon sehr viel weiter ist.
Verändert sich da etwas?
Ja. Es gibt Ausbildungen für Study Nurses, etwa
an der MedUni Wien und von anderen Stellen,
also daran liegt es nicht. Das Problem ist, dass
man die Stellen für Study Nurses auch finanzieren muss. Wenn ein Zentrum wirklich im
relevanten Umfang klinische Prüfungen machen
will, dann muss es dort mindestens eine dafür
zuständige Study Nurse geben.
Die personelle Ausstattung klinischer Studienzentren
ist also ein Engpass. Es ist auch immer wieder von
der komplizierten Vertragsgestaltung die Rede. Wie
muss man sich das vorstellen, wo liegen die Hindernisse?
Damit ein pharmazeutisches Unternehmen
an einem Krankenhaus eine klinische Prüfung
durchführen kann, müssen beide Seiten einen
Vertrag schließen. Es geht um umfangreiche Leistungen, die von beiden Seiten zu erbringen sind.
Hier ist eine ganze Zahl an sehr technischen
Details zu regeln, die von Juristen in verschiedenen Krankenhausadministrationen oft sehr
unterschiedlich gesehen werden. Dadurch ist die
vertragliche Gestaltung für klinische Prüfungen
sehr aufwändig geworden.
Wie aufwändig? Dauert das Wochen oder Monate?
Das kann sehr schnell gehen, im günstigsten Fall
in wenigen Monaten. Wir haben aber auch Fälle
gesehen, wo wir zwei Jahre verhandelt haben.
Es ist klar, dass uns das in Österreich international nicht gerade wettbewerbsfähig macht. Für
international tätige Unternehmen ist das ein
Haupthindernis, um klinische Prüfungen in Österreich durchzuführen.
Dazu gibt es in Frankreich eine spannende Initiative: Dort wird überlegt, einen einheitlichen Vertrag zu entwickeln, der an allen Krankenhäusern
mit pharmazeutischen Firmen gelten soll. Wenn
die Franzosen das wirklich so auf die Reihe bekommen, dann würde das dem Land definitiv
einen sehr wesentlichen Vorsprung geben. Wir
sollten in Österreich überlegen, wo wir ähnliche
Dinge unternehmen können, um solche kleinen
Vorsprünge herauszuholen, die den Standort
international für die klinische Forschung attraktiver machen. Die Vertragsgestaltung wäre sicher
so ein Punkt.
Was wären weitere Punkte? Gibt es „quick hits“?
Sehr schnell zu Verbesserungen führen würden
mehr Study Nurses. Dann funktioniert das Modell der KKS, das steht für „Koordinationszentrum für klinische Studien“, zunehmend besser.
Diese unterstützen primär die akademische
FORSCHUNG | Seite 17
Forschung, bieten aber auch Unterstützung für
Industrie-Studien. Ich halte das für einen ganz
wesentlichen Beitrag dafür, dass Österreich mittelfristig kompetitiv bleibt.
Man muss sich schon anschauen, wie man die
Ausstattung der KKS verbessern kann. Manchmal besteht das KKS aus einer Person. Einer
hochkompetenten und sehr engagierten Person,
aber da kann bei der personellen Ausstattung
noch einiges verbessert werden.
Und außerhalb der großen universitären Zentren?
Da können Netzwerke wie in der Onkologie
oder jetzt auch im pädiatrischen Bereich – Stichwort OKIDS – viel voranbringen. Die Spitalserhalter sind bei klinischer Forschung jedoch
sehr zurückhaltend. Aber wenn wir nur auf die
Versorgung schauen und die klinische Forschung
vernachlässigen, dann schneiden wir uns langfristig von Innovation und von Weiterqualifikation
ab. Im Übrigen führen Investitionen in klinische
Forschung auch zu mehr Drittmitteln für die
entsprechende Institution – eine positive Rückkopplung.
Wo könnten kleinere Krankenhäuser da ansetzen?
Es wäre etwa an nicht universitären Spitälern
sinnvoll, den Abteilungsleitern die Teilnahme an
klinischen Prüfungen in die Zielvorgaben hineinzuschreiben. Dazu gibt es Ansätze. Dann hätten
diese auch Anspruch darauf, Zeit und Ressourcen für klinische Forschung zu investieren.
Wie groß ist überhaupt das Potenzial für klinische
Forschung in den kleineren Krankenhäusern, die Sie
erwähnt haben?
Gerade die Patienten, die wir für klinische Prüfungen suchen, also jene, die noch keine oder nur
eine einfache Vorbehandlung haben, die sind in
Universitätskliniken nur schwer zu finden. Dort
werden eher die schwierigen Fälle behandelt, die
schon durch verschiedenste Vorbehandlungen
gegangen sind. Es gibt also sicher an den Krankenhäusern im nicht urbanen Bereich ein sehr
großes Potenzial. Nur sind dort heute nicht die
Ressourcen dafür vorhanden. (FB)
Woran geforscht wird
In Österreich fanden im vergangenen Jahr
rund 500 klinische Prüfungen statt. Das
ergab eine Umfrage der Pharmig unter ihren
Mitgliedsunternehmen. 6.700 Patienten
waren in diese Prüfungen eingeschlossen.
Die Mehrzahl der klinischen Prüfungen fand
in den Bereichen Onkologie und HerzKreislauf-Erkrankungen statt, die für etwa
70 Prozent der Todesfälle in Österreich
verantwortlich sind. Die forschenden Unternehmen lassen jedoch auch kleinere Indikationen und sog. „seltene Erkrankungen“ nicht
außer Acht:Auf diese Indikationen entfallen
rund fünf Prozent der klinischen Prüfungen.
Seite 18 | Serie
Bnw: Fotolia.de
Kindergesundheit
Gesund
heitsreform
Rah
menGesun
dheitsziele
Faktencheck
Ziele gesteckt: V
ieles haben Minister
Alois Stöger und die Pharmig in den
letzten Jahren gemeinsam erreicht.
Die Stöger-Bilanz
Die Ministerrochade Anfang September brachte auch einen
Wechsel im Gesundheitsressort. Zeit, um an gemeinsam gesetzte Meilensteine für das Gesundheitssystem zu erinnern.
Schwerpunkt Kindergesundheit
In der Folge initiierte Stöger den Kindergesundheitsdialog zur nachhaltigen Verbesserung der Gesundheit aller Kinder und
Jugendlichen in Österreich. „Gerade diese
Altersgruppe ist im internationalen Vergleich besonders durch hohen Alkohol- und
Nikotinkonsum gefährdet“, betont Rumler.
„Minister Stöger hat hier wirklich Weitsicht
bewiesen, denn je früher junge Menschen
eine Entscheidung für einen bewussten Lebensstil treffen, desto nachhaltiger wirkt sich
das auf ein Leben mit mehr gesunden Jahren
aus.“ Unter anderem mündete der Kindergesundheitsdialog auch in die Einrichtung des
Kinderforschungsnetzwerks OKIDS. Für diese Initiative zur Erforschung kindgerechter
Arzneimittel bringen die Pharmig mit ihren
30 pharmazeutischen Unternehmen und das
Gesundheitsministerium seit 2013 insgesamt
1,5 Millionen Euro als Anschubfinanzierung
auf.
Gesundheitsreform auf Schiene
Experten lang geforderte Ausweitung des
Gratisimpfprogramms. Nun können Kinder
kostenlos auch gegen Meningokokken und
Pneumokokken sowie seit Anfang 2014 auch
gegen HPV geimpft werden.
„Insgesamt war die Amtszeit von Minister
Stöger geprägt von einer wertschätzenden
Gesprächskultur und einer hohen Sachorientierung. Beides hat wesentlich dazu beigetragen, das Gesundheitssystem auf die Bedürfnisse der Patienten auszurichten“, so Rumler
abschließend. (ST)
Der Beschluss der Gesundheitsreform im
Jahr 2013 samt Einigung auf ein partnerschaftliches Zielsteuerungssystem von Bund,
Ländern und Sozialversicherung war ein
weiterer Meilenstein. „Diese Reform ist eine
große Chance, das Gesundheitssystem patientenorientiert und effizient zu gestalten.
Wichtig ist nun, rasch konkrete Ziele zu erarbeiten und umzusetzen“, so Rumler auch
mit Blick auf die neue Gesundheitsministerin
Sabine Oberhauser.
Bnw: Markus Prantl
F
ast sechs Jahre prägte Minister Alois
Stöger das österreichische Gesundheitssystem, bevor er am 1. September
dieses Jahres ins Infrastrukturressort wechselte. Prof. Dr. Robin Rumler, Präsident der
Pharmig, erinnert sich an fruchtbare Zeiten
der Zusammenarbeit: „Bundesminister Alois
Stöger hat Weichenstellungen vorgenommen, die unser Gesundheitswesen substanziell weiterentwickelt haben“, so Rumler. Ein
einschneidender Erfolg Stögers war etwa die
einstimmige Verabschiedung der RahmenGesundheitsziele durch die Bundesregierung
im Jahr 2011. Seither dienen diese als Richtschnur und Handlungsanleitung.
Gratisimpfung ausgeweitet
Eine erfreuliche Entwicklung aus der Amtszeit Minister Stögers ist auch die seitens
Minister Stöger wechselt ins Infrastrukturressort.
PHARMIG ACADEMY | Seite 19
PHARMIG ACADEMY | SEMINARKALENDER |
Das erste Modul vermittelt Ihnen praxisnah die rechtlichen Grundlagen im AMG,
UWG und Pharmig-Verhaltenscodex.
Das zweite Modul widmet sich der Implementierung und praktischen Umsetzung gesetzlicher und interner Vorschriften in den
Compliance-Prozessen pharmazeutischer
Unternehmen sowie den Aufgaben eines
Informationsbeauftragten.
Termin: 22. und 23. Oktober 2014
Referenten: Mag. K. Liebenwein, Mag.
S. Liebenwein, Mag. Hoberstorfer,
MR Dr. Phleps
inkl. Codex
Pharmatransporte praxisorientiert
Transport
Novelle Mit dem richtigen Know-how muss die
2014
Qualifizierung von Transportprozessen
nicht kompliziert sein. Sie lernen von
Mitautoren des „Codex für den Transport von Arzneimitteln“, wie man Standards richtig umsetzt und Herausforderungen im operativen Bereich meistert.
Termin: 27. Oktober 2014
Referenten: Ing. Heider, MAS,
Mag. pharm. Kraßnigg, Ing. Zoidl
Nicht-Interventionelle Studien (NIS)
Anforderungen an Qualität und Transparenz
Unsere Experten informieren Sie über
alle relevanten Anforderungen für die
Qualität und Transparenz bei der Planung und Durchführung von NIS unter
Berücksichtigung der NIS-Verordnung
2012, die sich aus der EU-PHV-Richtlinie
ergibt.
Termin: 04. November 2014
Referenten: Dr. Kähler, Dr. Wolzt
GMP/GSP/GDP – Audits und Inspektionen
erfolgreich bestehen und durchführen
EXTRA
lagenwissen zum Datenschutz als auch
die praxisrelevante Anwendung in der
Pharmabranche. Es werden datenschutzSie erhalten alle relevanten Infor- Besonderrechtliche
Fragen aus allen Bereichen des
heiten bei
Pharma-Alltages behandelt. Das Spektrum
mationen für die Vorbereitung und
KMUs
reicht von arbeitsrechtlichen Fragen, PharDurchführung von Audits sowie
Einblick in die Sichtweise und Vorgehensmakovigilanz, klinischer Forschung bis hin
zu Vertrieb und Compliance-Themen.
weise des Auditors. Durch die Simulation in
Form von „Case Studies“ gewinnen Sie die
Termin: 14. Jänner 2015
notwendige Sicherheit für zukünftige Audits.
Referenten: Dr. Kunnert, Dr. Knyrim
Termin: 19. und 20. November 2014
Referenten: Mag. pharm. Enickl,
Der Pharmig-VHC
Dr. Wittmann, Ing. Zoidl
Transparenz und klare Regeln
Statistik für Nicht-Statistiker
Sie lernen in diesem Seminar die wesentlichen Begriffe der Statistik und Analysemethoden kennen und verstehen. Anhand von
Praxisbeispielen werden Fälle diskutiert
und geübt.
Termin: 02. Dezember 2014
Referent: Dr. Bauer
Erstattung in Österreich
Profitieren Sie aus der Expertise des
Hauptverbandes und der Pharmaindustrie
und ziehen Sie den für Sie größtmöglichen
Nutzen. Ziel des eintägigen Intensivseminars ist die Vermittlung von Theorie, rechtlichen Grundlagen und Bestimmungen und
deren praktische Umsetzung anhand ausgewählter Fallbeispiele.
Termin: 03. Dezember 2014
Referenten: Univ.-Doz. Dr. Agneter,
MBA, MMag. Piessnegger, Dr. Pohl
Datenschutzrecht und Praxis in der
Pharmabranche
Der Pharmig-Verhaltenscodex als verbindlicher Ausdruck der Branchenkultur ist
neben den gesetzlichen Bestimmungen der
integrative Bestandteil jeder Kommunikations- und Marketingaktivität von Pharmaunternehmen. Das Wissen und Verstehen dieser Verhaltensregeln ist für Unternehmen
genauso essentiell wie für deren Partner und
Dienstleister.
Termin: 21. Jänner 2015
Referenten: Mag. K. Liebenwein,
Mag. S. Liebenwein
Ihr Betreuerteam
Pharmig Info
Grenzen der Arzneimittelwerbung inkl.
Rolle des Informationsbeauftragten
Georgina Novak und Verena Lichtl, MA
www.pharmig-academy.at
Dieses Seminar vermittelt sowohl Grund-
Health Care Symposium 2014
11. November 2014, Hotel „The Ritz-Carlton, Vienna“, 09.00 – 18.00 Uhr
D
as Health Care Symposium 2014 der Pharmig Academy widmet sich zwei aktuellen Themenfeldern im
Gesundheitswesen. Profitieren Sie vom Know-how führender Experten zu den Themen Gesundheitsreform und Arzneimittelversorgung 2020.
Die Gesundheitsreform hat die Weichen für die medizinische
Grundversorgung in der Zukunft gestellt. Beim Health Care Symposium klären wir, ob und wann Mängel des Gesundheitswesens
– wie Zeitmangel beim Arzt-Patienten-Gespräch, zu lange Wartezeiten, mangelnde ärztliche Betreuung in ländlichen Gebieten, die
Überlastung der Spitalsambulanzen – für die Patienten spürbar
beseitigt werden.
Hochrangige Experten gehen der Frage auf den Grund, welche
Faktoren das Eindringen gefälschter Arzneimittel in die legale Vertriebskette begünstigen, diskutieren den aktuellen Umsetzungsstand zur Serialisierung und Verifizierung und skizzieren die Arzneimittelversorgung der Zukunft.
Weitere Informationen und Anmeldung unter:
www.healthcare-symposium.at
The RiTz-CaRlTon ViENNA
Health Care Symposium
11. NoVEmbEr 2014
Inhalte:
• Lokalaugenschein Gesundheitsreform: Fazit – Folgen – Forderungen
• Arzneimittelversorgung 2020: notwendige Entwicklungen
zur Sicherstellung von Qualität und Verfügbarkeit
www.healthcare-symposium.at
info: office@pharmig-academy.at, Tel.: 01/409 2499
Das Strategie- und Netzwerktreffen
für die Gesundheitsbranche.
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Seele and Geist
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