close

Anmelden

Neues Passwort anfordern?

Anmeldung mit OpenID

Info - medpsych.at

EinbettenHerunterladen
Univ.-Lektor, Senior Lecturer (FH)
Mag.
Dr. Volkmar J. Ellmauthaler
medpsych.at
Beratungspraxis seit 1989
Liebe Freunde!
Der Bleistift:
Symbol der Freiheit von
Gedanken, Wort und Schrift
Was ist bloß los in unseren Staaten? Gesellschaften? Familien? Beziehungen?
Wir, satt, selbstgerecht, oft tatsächlich redlich, bekommen es immer öfter mit perfekt bewaffneten
Mördern zu tun, die sich den Namen Gottes, Allahs oder des Propheten umhängen – und just damit
die Religionen für ihre schändlichen Taten missbrauchen, wobei sie alle Gläubigen desavouieren.
Verblendete Mütter segnen ihre neugeborenen Söhne als „Gotteskrieger“. Die „Gotteskrieger“ hoffen, ihr Heldentod werde im Jenseits durch 70 Jungfrauen belohnt: ein sexuelles, keineswegs religiöses Motiv für Mord, Selbsttötung. – Am 10.1.2015 verübt in Maiduguri, Nigeria eine Zehnjährige
für Boko Haram einen Selbstmordanschlag mit 19 weiteren Toten: ein Kind, das zufällig auf jener
Seite zu stehen kam. Umgekehrt werden von Boko Haram (Boko-Alphabet, gemeint wohl: „Buch,
verboten!“) vor allem Mädchen zu Hunderten vergewaltigt, entführt, ermordet: bloß weil sie eine
Grundschule besuchen. Dieselben Mörder nützen zugleich modernste Technik, auch das Internet.
Lebens- und Liebeslust wie auch die Glaubensinhalte selbst werden pervertiert, zu sinnloser Gewalt
und erotisierter Todeslust destruiert. Aber auch hier in Europa sickert Machtlosigkeit in die verletzliche Psyche junger Menschen. So ziehen 16-jährige Mädels in den vermeintlichen „Dschihad“, lassen sich schwängern – und erleben die Wiederholung von Pseudo-„Liebe“ ohne Zuneigung.
Sollen wir etwa den Tanathophilen folgen? Diffuse Paranoia alle gegen alle entwickeln?
Mit etwas Vernunft dürfen wir sagen: Mörder – besonders jene Massenmörder mit angeblich politischen oder religiösen Motiven – schließen sich selbst aus Recht und Religion aus. Übrig bleibt ein
semantisches Verwirrspiel. Reaktionsweisen der laiizistischen Gesellschaften allerdings orientieren
sich an Paragraphen, sie lassen damit ihrerseits die innere Not leidender Menschen außer Acht. Diese Form der Ignoranz wird sich rächen.
Der reflexartig aufkommende, ideologisch nutzbare Ruf nach verschärfter Kontrolle unter Aufgabe
von Bürgerrechten wie durch G. W. Bush jun. nach 2001 ist weiterhin falsch. Die soziale Ächtung
ideologisch zu verschärfen, die Todesstrafe zu fordern wie Marine Le Pen, führt weg von den humanistischen Zielen der wertschätzenden Verständigung und Akzeptanz: Die verschärfte Strafdrohung allein führt auch nicht zur Unterlassung von Straftaten, sondern zu deren Perfektionierung.
„Fromme Menschen“ sind nun gerade nicht leichtfertig mit zunehmender Skepsis zu betrachten,
sondern vielmehr die Vorgänge und Prinzipien des „religiösen Extremismus“.
Zunächst sollte „religiös“ aus dem Begriff entfallen, um unmissverständlich zu bleiben. Dann wenden wir uns den erschütternden Beispielen zu: Schülerinnen werden vergewaltigt oder ermordet,
bloß weil sie eine Schule besuchen, Städte werden erobert; beliebig als Feinde definierte Menschen
werden von lächelnden Leuten gefoltert. Umgebracht.
Deren abgehackte Köpfe werden mit offenen Mündern auf spitze Brückengeländer gespießt, die
Morde selbst werden gefilmt und „live“ im Internet publiziert. Viele biedere Leute mögen erschrecken, Ohnmacht empfinden, daraus undifferenzierten Hass entwickeln. Biedere Gesellschaften sollen wohl erschüttert und zu Hassgesellschaften werden.
Angesichts des mit kühl kalkulierter Präzision, egal ob mit oder ohne Auftrag durchgeführten Gemetzels in der Redaktion von Charlie Hebdo in Paris werden viele Menschen sprachlos-solidarisch.
Quellen: Dr. M. Stein, IL,
Jewish Community, Ellas
Ja: Denk-, Rede- und Karikaturfreiheit sind wertvolle Güter in einer pluralistischen Gesellschaft.
Allerdings erfordert diese Freiheit ganz klar auch Selbstbeschränkung in einer Atmosphäre grundsätzlicher Wertschätzung. – Geht eines davon verloren, kann es zu Übergriffen, Beleidigungen,
Ehrverlust kommen, bisweilen eben auch zu Rachedurst. Nicht nur „bildungsferne“ Menschen, die
unter sozialer Ächtung leiden, werden ob zunehmender Sprachlosigkeit schließlich zu Misanthropie
und Aggression neigen.
Wir stellen also das Symbol des gespitzten Bleistifts auch in unsere Seite, allerdings unter der Bedingung unerschütterlicher Wertschätzung für alle Menschen. Wir wollen auch jene verstehen, die
sich zu verwerflichen Taten hinreißen lassen. Taten mögen verwerflich, unmoralisch und schlecht
sein – dennoch: Menschen soll man verstehen. Nicht bloß aus Altruismus: auch aus Selbstschutz!
Übrigens sind wir dafür, dass etwa jüdische Witze am besten von Juden erzählt werden sollen, arabische Satiren von Arabern. Dann bleiben uns umgekehrt unsere Witze, Satiren und Karikaturen.
Unser Mitgefühl ist bei jenen, die leiden: sozial, psychisch, materiell. Wir sehen klar, dass auch verbale Spitzen oft real schmerzen können, wir wissen, dass ein unabwendbarer, unsagbarer Schmerz
zu unsagbarer, unermesslich-infantiler Mord-Wut führen kann.
Wir wollen weiter dazu beitragen, dass Schmerzen adäquat geäußert und Vorhalte korrekt adressiert
werden können. Das ist seit jeher unsere Aufgabe in der Beratung, Schlichtung, Kommunikation:
zum Wohl aller, die kampflose Lösungen, Ent- statt Ver-Wicklungen suchen.
Wien, 7. Jan. 2015
Mag. Dr. Volkmar J. Ellmauthaler
Document
Kategorie
Seele and Geist
Seitenansichten
2
Dateigröße
453 KB
Tags
1/--Seiten
melden