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Artikel ansehen... - Christopher Lehmpfuhl

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Das evangelische
www.chrismon.de
Magazin 11 . 2014
CHRI SM ON
Kriegselend: Wie syrische
Flüchtlingsfrauen von
ihren Vätern und Brüdern
verschachert werden. Beilage
Was kostet
denn die?
Syrische Mädch
en
schön und pflegel gelten als
sind sie auch nocheicht. Und jetzt
günstig
Seite 12–19
c1411-U1 Titel
KUN D E N S E RVI C E 0 8 0 0 / 9 3 5 8 5 3 7
BKA warnt
vor fanatisierten
Einzeltätern
Ziercke erwartet neue
Anschlagsversuche
Die Ampel spricht
mit dem Auto
Literarische Welt
Es hört nichts
mit dem Ende auf
Reise
Singen gegen
Seekrankheit
Immobilien
Zum Shoppen
nach Stuttgart
Dax
Im Plus
Seite 18
DAX
Xetra-Schluss
EURO
DOW
EZB-Kurs
17.45 Uhr
9326,87
1,2524
17.353,94
+2,33%
–0,59%
+0,92%
Punkte
US-$
Punkte
– Das Bundeskriminalamt
(BKA) warnt angesichts des IS-Terrors
vor Anschlägen durch Einzeltäter.
„Derzeit geht die größte Gefahr islamistisch-terroristischer Anschläge von
fanatisierten Einzeltätern oder Kleinstgruppen aus“, sagte BKA-Präsident Jörg
Ziercke der „Welt“. Nach neun vereitelten Anschlägen hält er es für naheliegend, „dass weitere Anschlagsversuche
kommen werden“. Die Sicherheitsbehörden seien jedoch gut aufgestellt und
würden mit aller Kraft versuchen, solche Pläne zu durchkreuzen. „Panik ist
nicht angebracht“, sagte Ziercke. Die
Zahl der islamistischen Gefährder hat
sich nach seinen Angaben von 120 im
Jahr 2010 auf nun 230 erhöht. Bei ihnen geht man Ziercke zufolge davon
aus, „dass sie Straftaten von erheblichem Ausmaß begehen könnten“. Weitere 300 Personen führt das BKA als
„relevant“. Laut Ziercke nimmt man
bei ihnen an, „dass sie etwa bei der
Vorbereitung eines Anschlags logistisch
helfen könnten“. Aktuell gibt es 420 Ermittlungsverfahren und 650 Beschuldigte mit islamistischem Hintergrund.
Insgesamt rechnet das BKA 1000 Menschen zum „islamistisch-terroristischen Personenpotenzial“.
DPA/URI KOCHETKOV; DPA/BMW
BERLIN
Putin und
der Westen
Was die Jungfrau Maria mit dem Jesuskind auf dem Gemälde von Max Ernst einst tat, kann auch der russische Präsident Wladimir Putin: Er züchtigt seinen US-Kollegen Barack Obama – zumindest auf diesem
Bild, das auf der Karikaturenausstellung „Ohne Filter“ in Moskau präsentiert wird. Was Putin sonst über
den Westen denkt, erfuhr Korrespondent Michael Stürmer bei einem Abend mit dem Präsidenten. Seite 8
Europa erleichtert über
Gasfrieden mit Russland
Kiew und Moskau legen Streit um Lieferung bei. Die Finanzierung ist aber
unsicher: Die Russen bestehen auf Vorkasse, EU gibt keine neuen Kredite
Motor
1
B
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KOMMENTAR
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BEILAGEN
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D 2,40 E URO
SA MSTAG , 1. NOVEMBER 2 014
Zippert zappt
underttausende von
Kindern zogen gestern
als Zombies, Gespenster oder Skelette verkleidet von
Haustür zu Haustür und fragten: „Süßes oder Saures?“ Im
ganzen Land flackerten Kerzen
in ausgehöhlten Kürbissen – es
war Halloween. Kaum jemand
weiß, was hinter diesem uralten
christlichen Feiertag steckt.
Ursprünglich geht er auf Martin Luther zurück, der, als
Zombie verkleidet, Jesus an die
Tür der Schlosskirche von
Wittenberg genagelt haben soll.
Anderen Überlieferungen zufolge waren es 95 Kürbisse. Der
Kürbis spielt in der christlichen
Mythologie eine zentrale Rolle,
wird aber in der Bibel an keiner
Stelle erwähnt. Daher nimmt
man an, dass es sich beim
Kürbis um den Apfel der Erkenntnis handelt, die verbotene
Frucht, von der Adam und Eva
kosteten. Deshalb war es verboten, den Kürbis in der Bibel
zu erwähnen. Der ausgehöhlte
Kürbis soll uns daran erinnern,
dass wir nicht hirnlos irgendwelche Bräuche, wie den Reformationstag, aus den USA übernehmen, sondern uns auf eigene Traditionen besinnen
sollen. In diesem und Luthers
Sinne sollten wir ein Apfelbäumchen essen und den Kindern Saures geben.
Syrische Frauen
W
ärme im Winter und
Hoffnung auf eine Annäherung:
Russland
und die Ukraine haben
ihren seit Monaten andauernden Gasstreit beigelegt und damit
die Lieferungen für die kommenden Monate abgesichert. Beide Seiten hatten in Brüssel ein Abkommen unterzeichnet, das unter
Vermittlung der EU zustande gekommen
war. Dieses sieht die Bezahlung ukrainischer Schulden sowie russische Gaslieferungen bis mindestens März gegen Vorkasse vor. Im Falle eines Scheiterns der GasGespräche hätten in einem harten Winter
nicht nur der Ukraine, sondern womöglich
auch Westeuropa Engpässe bei der Gasversorgung gedroht. Die EU bezieht rund ein
Drittel ihres Gasbedarfs aus Russland. Etwa
die Hälfte davon fließt durch die Ukraine.
Russland hatte wegen des Streits über unbezahlte Rechnungen im Juni der Ukraine
den Gashahn zugedreht.
„Die Einigung ist ein wichtiger Schritt
zur Entschärfung der immer noch angespannten Lage“, sagte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD). Durch
die Übereinkunft gebe es nun die „leise
Hoffnung“ auf eine Annäherung der beiden
Länder, denn die Übereinkunft sei ein
„Schritt weg von Eskalation und Verschärfung des Konflikts hin zu Deeskalation und
Vertrauensbildung“, sagte EU-Energiekommissar Günther Oettinger, der vermittelt
hatte, dem Deutschlandfunk. Der sloweni-
sche Premier Miro Cerar, der in dieser Woche in Berlin zu Staatsbesuch war, erklärte,
sein Land decke 75 Prozent des Gasbedarfs
mit russischen Importen. Cerar: „Niemand
hat Interesse daran, dass der Konflikt weiter eskaliert.“
Nach Bekanntwerden der Einigung telefonierte Bundeskanzlerin Angela Merkel
(CDU) mit dem russischen Präsidenten
Wladimir Putin, dem ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko und dem französischen Staatschef François Hollande. „Alle
Beteiligten“ waren sich nach den Worten
von Vizeregierungssprecher Georg Streiter
einig, dass der Konflikt in der Ostukraine
„unter Wahrung der territorialen Integrität
der Ukraine“ beendet werden müsse. Zudem riefen sie „zu einem umgehenden Waffenstillstand“ in den umkämpften Gebieten
in der Ostukraine auf.
Das Abkommen zum Gas sieht vor, dass
die Ukraine Schulden bei Russland in Höhe
von 3,1 Milliarden Dollar (knapp 2,5 Milliarden Euro) in zwei Raten zahlt. 1,45 Milliarden Dollar sind sofort fällig, der Rest bis
Ende des Jahres. Der Gaspreis wurde auf
höchstens 385 Dollar pro 1000 Kubikmeter
festgelegt. Die Ukraine muss zudem künftig
einen Monat im Voraus das Gas bezahlen.
Ob das Land dazu in der Lage ist, muss sich
zeigen. Für die Begleichung von Altschulden liegt nach EU-Angaben Geld auf einem
Sperrkonto. Für künftige Lieferungen soll
die Ukraine Erlöse ihres Energiekonzerns
Naftogaz nutzen, ebenso wie Transitgebühren für Gasdurchleitungen nach Europa sowie Hilfen der EU und des Internationalen
Währungsfonds (IWF). Der ukrainische Ministerpräsident Jazenjuk kündigte Gespräche mit dem IWF an, um weitere Gelder
aus einem 17 Milliarden Dollar schweren
Hilfspaket zu erhalten.
Oettinger erklärte, dass die Regierung in
Kiew die Rechnungen bezahlen könne. Eine
Sprecherin Oettingers betonte, dass die Europäische Union weder weiteres Geld bereitstelle noch Garantien übernehme, die
Russland gewünscht hatte. Bereits beschlossene Hilfsgelder sollen schneller ausgezahlt werden.
SEPARATISTEN WÄHLEN
Die Wahlen in den „Volksrepubliken“
Donezk und Lugansk belasten den
Friedensprozess in der Ostukraine. Die
Anführer der prorussischen Separatisten wollen sich am Sonntag „legitimieren“ lassen, wie sie erklärten. Einen
echten Wahlkampf gibt es nicht, in
Donezk wurden lediglich einige Plakate
des Separatistenführers aufgehängt.
Russland hat den Rebellen allerdings
eine Anerkennung der Ergebnisse
zugesagt, was den Graben zur Ukraine
weiter vertieft.
Seite 7
Seite 4
AfD-Spitze
zerlegt sich im
Führungsstreit
Konflikt zwischen
Gauland und Henkel
Eine Woche vor der Vorstandsklausur der AfD in Regensburg
zeichnet sich ein offener Bruch zwischen den beiden stellvertretenden
Parteivorsitzenden Alexander Gauland und Hans-Olaf Henkel ab. „Herr
Henkel muss sich fragen, ob er noch
zur AfD gehören will, denn er will im
Grunde genommen eine liberale Partei“, sagte Gauland der „Welt“. „Er
möchte eine Partei, die die Werte von
CDU und FDP, wie er sie sieht, weiter
verkörpert. Und das wird mit der AfD
nicht gehen.“ Damit reagierte Gauland auf die Kritik, die Henkel in dieser Woche geübt hatte. Er hatte über
„Unvernünftige, Unanständige und
Intolerante“ in der AfD geklagt und
Mitglieder als „Ideologen, Goldgräber
und Karrieristen“ sowie „Russlandversteher“ bezeichnet.
Daraufhin rief Gauland seinen Vorstandskollegen an und wollte wissen,
in welche Kategorie Henkel ihn denn
einordne. Er habe zudem gedroht, eine Pressekonferenz zur Klärung einzuberufen. An der Basis gewinne er
zunehmend den Eindruck, dass sich
das National-Konservative oder National-Liberale als Markenkern herausschäle. Das Patriotische sei das
verbindende Element der AfD.
BERLIN –
SASC HA LE HN ART Z
Wenn Luther
das wüsste!
undeskanzlerin Angela Merkel
sprach am Freitag in der MariaMagdalenen-Kirche in ihrer Heimatstadt in Templin über „Christsein
und politisches Handeln“. Der Auftritt
der Kanzlerin und Pfarrerstochter erklärt sich auch dadurch, dass der Reformationstag in Brandenburg ein gesetzlicher Feiertag ist. Man tritt vermutlich nicht mehr vielen zu nahe,
wenn man die These wagt, dass es sich
dabei um eine Veranstaltung für eine
konfessionell-kulturell interessierte
Minderheit handelte. In Brandenburg
liegt der Protestantenanteil an der Bevölkerung bei 20 Prozent. Tendenz
eher nicht rasant steigend. Dass ein
gewisser Martin Luther vor 497 Jahren
in Wittenberg für sein Start-up-Projekt „Kirche 2.0“ 95 #Hashtags postete, und zwar nicht in einem, sondern
an ein Portal (!) („Echt? Gab’s damals
schon? – Krass!“), das löst selbst in
ehemals protestantischen Kerngebieten heute nur noch schwach nachweisbare Festtagsstimmung aus.
Statt der kühnen Tat des Reformators zu gedenken, vergnügt man sich
in weiten Teilen der Republik mit einem Party-Importprodukt namens
Halloween, dessen kulturelle Ursprünge für die meisten User tief im Herbstnebel verborgen bleiben. Spätestens
den nach 1990 Geborenen ist die Kritik des schwindenden christlich geprägten Bildungsbürgertums ohnehin
schnuppe, dabei handele es sich doch
um eine Erfindung der Dosenkürbissuppenindustrie oder wahlweise um
die Marketingkampagne einer nicht
enden wollenden Horrorfilmserie aus
Hollywood. Mit tatkräftiger Unterstützung der Süßwarenindustrie und des
großsortimentigen Einzelhandels haben sie Halloween mittlerweile zum
Feiertag mit dem größten Umsatz
nach Weihnachten und Ostern hochgepimpt. Ohne Arbeitsplatzverluste
wird Halloween in Deutschland nicht
mehr zu beseitigen sein.
Nun darf man natürlich wie Margot Käßmann darüber erschrecken,
wenn Kinder für Schokoriegel zu brutalen Erpressern werden und ihre
Nachbarn mit Sätzen wie diesen terrorisieren: „Wir sind die Rübengeister und kommen aus dem Wald/Und
gebt Ihr uns nix Süßes, dann machen
wir euch kalt.“
Auch mag man als ohnehin zu
herbstlicher Melancholie neigender
Kulturkonservativer („Wohl dem, der
jetzt noch Heimat hat“) fragen, ob es
begrüßenswert ist, wenn die jungen
Leute (und nicht nur die) vom Christentum im Allgemeinen und von Luther im Besonderen nichts mehr wissen und stattdessen martialisch maskiert um die Häuser ziehen und ihre
Nachbarn zur Herausgabe von Genussmitteln nötigen, die langfristig
doch wieder nur zu einer weiteren Erhöhung der Krankenkassenbeiträge
führen werden. Aber man kann auch
einfach die Klingel abstellen, Richard
Friedenthals Luther-Biografie aus dem
Regal holen und nebenbei bei einem
guten Asbach Uralt heimlich nachgoogeln, was genau noch mal an Allerheiligen gefeiert wird.
B
sascha.lehnartz@welt.de
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82,3 Meter Ehre
B
esondere Persönlichkeiten für ihre Verdienste zu ehren ist etwas Schönes. In
Deutschland gibt es das Silberne Lorbeerblatt, das Bundesverdienstkreuz, Sportvereine
taufen Hallen oder Stadien, Städte benennen
Straßen nach ihren Helden. So gibt es in Berlin die
Max-Schmeling-Halle, Real Madrid trägt seine
Heimspiele im Estadio Santiago Bernabéu aus,
Inter und AC Mailand teilen sich das Stadio Giuseppe Meazza, der für beide Klubs spielte.
In Deutschland gibt es in gleich 16 Orten die
Sepp-Herberger-Straße, bis 2005 hieß die Arena in
Graz Arnold-Schwarzenegger-Stadion, zur Kartbahn in Kerpen führt die Michael-Schumacher-
Entdecken sie mehr.
www.visitabudhabi.ae/de
Straße, in Landshut findet man die Steffi-GrafStraße. In Las Vegas gibt es den Agassi Court, der
bezeichnenderweise auf dem Andre Drive liegt.
In diese illustre Runde reiht sich nun Moritz
Stoppelkamp ein. Der Stürmer des Aufsteigers SC
Paderborn hat in seiner Karriere zwar noch nichts
Außergewöhnliches gewonnen, aber immerhin das
„längste“ Tor der Bundesliga-Geschichte geschossen. Sein Verein widmete ihm daher jetzt die
Stoppelkamp-Allee direkt am Stadion, die eine
Länge von exakt 82,3 Metern aufweist – genau die
Distanz, die der Ball am 20. September gegen
Hannover 96 auf seinem Weg zum 2:0-Endstand
ins Tor zurücklegte. fb
DIE WELT, Axel-Springer-Straße 65, 10888 Berlin, Redaktion: Brieffach 2410 Täglich weltweit in über 130 Ländern verbreitet. Pflichtblatt an allen
deutschen Wertpapierbörsen. Tel. 030/25910, Fax 030/259171606, E-Mail: redaktion@welt.de; Anzeigen: 030/585890, Fax 030/585891, E-Mail anzeigen@welt.de,
Kundenservice: DIE WELT, Brieffach 2440, 10867 Berlin, Tel. 0800/9 35 85 37, Fax 0800/9 35 87 37, E-Mail kundenservice@welt.de
A 3,40 & / B 3,50 & / CH 5,20 CHF / CZ 105 CZK / CY 3,80 & / DK 28,00 DKR / E/P 3,50 &
(Cont.) / I.C. 3,50 & / F 3,50 & / FIN 3,50 & / GB 3,30 GBP / GR 3,20 & / H 920 FT / I 3,50 & /
IRL 3,50 & / KRO 29,00 KN / L 3,50 & / MLT 3,50 & / MA 53 & / N 43 NOK / NL 3,50 & /
PL 16,00 PLN / S 48 SEK / SK 3,50 € / SLO 3,20 &
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