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Leseprobe zum Titel: Der Tagesspiegel (08.01.2015) - Die Onleihe

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Vive la liberté!
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diese
Spiel mir das Lied
vom Leben: Wie Musik
Kranken hilft – Seite 14
In Berlin soll es wieder
Wölfe geben. Eine Spurensuche
in Kladow – Seite 12
Eiszeit: Die Probleme
der Forscher
am Südpol – Seite 24
BERLIN, DONNERSTAG, 8. JANUAR 2015 / 71. JAHRGANG / NR. 22 277
WWW.TAGESSPIEGEL.DE
BERLIN / BRANDENBURG 1,40 €, AUSWÄRTS 1,90 €, AUSLAND 2,00 €
„Charlie Hebdo“
BLASPHEMIE UND PROVOKATION ALS KONZEPT – FÜNF TITELSEITEN DES PARISER SATIREMAGAZINS „CHARLIE HEBDO“:
Unsere
Werte
Von Malte Lehming
Quelle: Charlie Hebdo
L
Wenn der Prophet zurückkehrte, würde
er als „Ungläubiger“ enthauptet.
Abtreibung: „Und was ist mit meiner
Seele?“, fragt die junge Frau den Bischof.
Der sympathische Hitler: „Hallo ihr Juden,
soll ich euch vergasen?“
Das Präservativ als Hostie – „Dies ist
mein Leib“, sagt der Papst.
Der Prophet über Islamisten: „Schlimm,
wenn man von Dummen geliebt wird.“
Massaker in Paris – Angriff auf die Freiheit
࡯ Attentäter stürmen die Redaktion von
„Charlie Hebdo“ und töten zwölf Menschen
࡯ Drei Täter laut Medienberichten
identifiziert, darunter zwei Franzosen
Von Hans-Hagen Bremer, Paris,
und Albrecht Meier, Berlin
höchste Terrorwarnstufe ausgerufen
PA R I S
Arc de
Triomphe
Gare du
Nord
Élysée-Palast
Gare de
l‘Est
Centre G.
Pompidou
Louvre
Notre
Eiffelturm
Dame
Bastille
Gare
Montparnasse
Quelle: dpa, Tsp/Schilli
Ausnahmezustand in der französischen Hauptstadt nach dem Attentat. Foto: Martin Bureau/AFP
C
Mehdorn:
BER wird
preiswert
Berlin - Familienministerin Manuela
Schwesig (SPD) will die Einführung einer
reduziertenArbeitszeit fürMütter undVäter auch gegen Widerstand der Union in
diesem Jahr vorantreiben. „Wir werden
bei der Familienarbeitszeit weiter Druck
machen“, sagte sie dem Tagesspiegel. Niemand inder Politik könnedas Themaignorieren. Es müsse möglich sein, dass Eltern
in der Familienphase zum Beispiel jeweils
32 Stunden arbeiteten. Die Familienarbeitszeit spielt eine zentrale Rolle bei der
Neuausrichtung der SPD. Auch die
SPD-Bundestagsfraktion wird sich an diesem Donnerstag auf ihrer Klausur mit
dem Thema beschäftigen. Parteichef Sigmar Gabriel will die SPD zum Anwalt der
„gehetzten Generation“der 30-bis 50-Jährigen machen.
has/hmt
Berlin - Der künftige Hauptstadtflughafen BER wird nach Worten des scheidenden Geschäftsführers Hartmut Mehdorn
nicht noch teurer. „Wir sind uns sehr sicher, dass wir mit den 5,4 Milliarden Euro
auskommen werden“, sagte er am Mittwoch im Verkehrsausschuss des Berliner
Abgeordnetenhauses. Diese Summe hatte
der Aufsichtsrat im Juni 2014 genehmigt
und damit den Kostenrahmen um 1,1 MilliardenEuro erhöht. „Damit wird derFlughafen ein preiswerter Flughafen sein“,
fügte Mehdorn hinzu, auch wenn die Kosten für die verspätete Eröffnung erheblich
seien. Nach jüngster Planung soll der neue
Flughafen in Schönefeld im zweiten Halbjahr 2017 in Betrieb gehen. Mehdorn
hatte im Dezember angekündigt, spätestens Ende Juni 2015 aufzuhören.
dpa
— Seite 5
— Seite 7
Dass es sich bei dem „außerordentlich
barbarischen Akt“, wie Präsident François Hollande den Überfall bei seinem
Eintreffen am Ort des Dramas nannte,
um einen terroristischen Angriff mit islamistischem Hintergrund handelt, stand
für die Behörden vom ersten Augenblick
an fest. Die Täter wussten wohl, dass
sichdie Redaktion mittwochs zurWochenkonferenz versammelt. Experten verwiesen auf das professionelle Vorgehen, das
auf ein lang geplantes Vorhaben hindeute.
Nach ersten Berichten waren die vermummten Täter um 11.30 Uhr von einem
Auto am Redaktionssitz abgesetzt worden. Sie betraten hinter einem Postboten
das Gebäude, ausgerüstet mit automatischen Waffen. Am Eingang zur Redaktion
bedrohten sie eine Zeichnerin, um sich
den Code zur Tür zu verschaffen. Drinnen
feuerten sie etwa 30 Schüsse auf die in der
Redaktion Anwesenden ab und riefen „Allahu Akbar“ („Allah ist groß“). Es soll „wie
ein Massaker“ gewesen sein, berichtete
einZeuge.Nach Aussage derunverletztgebliebenen Zeichnerin stürmten sie nach
etwa 20 Minuten mit dem Ruf „Wir haben
den Propheten gerächt“ aus dem Gebäude, schossen einen Polizisten an und
fuhren in einem wartenden Auto davon.
C
ZUM THEMA
D
࡯ Bild einer Religion
.......................
2
.......................
3
............................
4
Der Islam und die Satire
࡯ Mitten ins Herz
Paris steht unter Schock
࡯ „Je suis Charlie“
Wie die Welt reagiert
࡯ Paris und „Pegida“
Welche Folgen hat der Anschlag?
........
4
࡯ Der kommende Aufstand
Michel Houellebecqs „Unterwerfung“
.
21
Aktuelle Nachrichten und Bilder
in unserem Nachrichtenticker auf:
www.tagesspiegel.de/politik
Billiges Öl Merkel verfehlt
schürt Angst
Ziele in der
vor Deflation Bildungspolitik
WIRTSCHAFT & BÖRSEN . . . . . . . . . 15–17
Der Dax stieg
Dax
nach mehreren Tagen
mit Verlusten
um 0,5 Prozent
auf 9518 Zähler.
WETTER
............................................ 2
Es wird ein trüber Tag.
Der Himmel ist bewölkt
und es regnet immer wieder.
4 /4
Auch in den nächsten Tagen bleibt
das Wetter sehr wechselhaft.
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ISSN 1865-2263
40002
4 190662 201900
1 km
Sie kaperten anschließend ein anderes
Auto, überfuhren einen Fußgänger und
setzten ihre Flucht Richtung Osten fort.
Im Großraum Paris wurde Großfahndung ausgelöst. Das Innenministerium
riefdie höchste Alarmstufe desAntiterrorplansVigipirate ausundordnete an,öffentliche Gebäude unter besondere Bewachung zu stellen. Die Fahndung nach den
Tätern blieb zunächst erfolglos. Der britische Premier David Cameron, Kanzlerin
Angela Merkel und US-Präsident Barack
Obama sandten Solidaritätsbotschaften.
Am Abend versammelten sich landesweit
mehr als 100 000 Menschen zu Trauerkundgebungen.
Trotz der vorhergehenden Anschläge
auf das Magazin sei nicht abzusehen gewesen, „dass es einen Massenmord geben würde“, sagte der deutsch-französische Publizist Alfred Grosser dem Tagesspiegel. Auch er äußerte sich bestürzt
über den Angriff auf das Satiremagazin.
D
Foto: Imago
Schwesig will
gehetzten
Eltern helfen
INDEX
Redaktion
„Charlie Hebdo“
e
in
Se
Frankreich ist zutiefst erschüttert. Der
blutige Anschlag auf die satirische Wochenzeitschrift „Charlie Hebdo“ hat das
freiheitsliebende Land so schwer getroffen wie keines der vielen Attentate der
vergangenen 50 Jahre. Zwei schwer bewaffnete Männer waren am Mittwochvormittag in die Redaktion im 11. Pariser Arrondissement eingedrungen und hatten
sofort das Feuer auf Mitarbeiter eröffnet.
Zehn Personen waren auf der Stelle tot,
zwei starben in den folgenden Stunden,
zahlreiche weitere trugen Verletzungen
davon oder erlitten Schocks. Die Rolle eines dritten Täters blieb zunächst unklar.
Unter den zwölf Toten befinden sich
nach Polizeiangaben Chefredakteur Stéphane Charbonner („Charb“), der für die
Übernahme der 2006 in der dänischen
Zeitung „Jyllands-Posten“ erschienenen
Mohammed-Karikaturen verantwortlich
zeichnete, und drei der profiliertesten Karikaturisten: Jean Cabut („Cabu“),
Georges Wolinski und Bernard Verlhac
(„Tignous“). Zu den Toten zählen auch
zwei Polizisten. Einer von ihnen war zum
persönlichen Schutz des Chefredakteurs
abgestellt worden.
Die drei Täter wurden laut Medienberichten vom Mittwochabend identifiziert. Es handle es sich um zwei 32 und
34 Jahre alte Brüder aus der Region Paris
mit französischer Staatsangehörigkeit
und einen 18-Jährigen aus dem Gebiet
der Stadt Reims, hieß es.
Die Satirezeitschrift war in den vergangenen Jahren wegen ihrer islamkritischen Haltung wiederholt zum Ziel muslimischer Kritiker geworden. 2011 war auf
sie ein Brandanschlag verübt worden.
࡯ Präsident Hollande spricht von Terrorakt –
Brüssel - Erstmals seit mehr als fünf Jahren sind die Lebenshaltungskosten in der
Euro-Zone wieder gefallen. Die Verbraucherpreise gingen im Dezember insgesamt um 0,2 Prozent zurück. Nach Monaten mit immer niedrigeren Inflationsraten heizt dies die Furcht vor einer Deflation an, die auch die Wirtschaft insgesamt in Mitleidenschaft ziehen könnte.
Als Inflation wird die Preissteigerung binnen eines Jahres bezeichnet; kurzzeitige,
etwa monatliche Schwankungen können
davon abweichen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat eine Preissteigerung
von knapp unter zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) als Zielwert ausgegeben. Dass die Preise nun so stark fallen,
liegt vor allem am Öl, dessen Kosten sich
seit dem Sommer halbiert haben.
AFP
Berlin - Bund und Länder dürften die
meisten selbst gesteckten Bildungsziele
für 2015 verfehlen. Viele Vorgaben, die
die Bundeskanzlerin und die Ministerpräsidenten auf ihrem „Bildungsgipfel“ vor
sechs Jahren machten, seien nicht mehr
erreichbar, heißt es in einer am Mittwoch
veröffentlichten Studie des Essener Bildungsforschers Klaus Klemm im Auftrag
des DGB. Insbesondere bleibe die Zahl
der Jugendlichen ohne Schul- oder Berufsabschluss „bedrückend hoch“. Ernst
Dieter Rossmann, bildungspolitischer
Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion,
brachte als Reaktion einen „Nationalen
Bildungsrat“ ins Spiel. Dieser könnte Verabredungen zu den „großen Aufgaben
des Bildungswesens“ treffen, sagte Rossmann dem Tagesspiegel.
tiw
— Seite 15 und Meinungsseite
— Seite 24
a terreur“ bedeutet „der Schrecken“. Terroristen wollen genau
dies – ein Maximum an Schrecken
verbreiten. Grausam und spektakulär
muss ihre Tat sein, weshalb es so sinnlos
wie notwendig ist, diese Taten als „feige,
brutal und abscheulich“ zu verurteilen.
Wer das Wesen des Terrors beschreibt,
bestätigt die Terroristen in ihrem Selbstverständnis. Durch Kritik demaskieren
lässt sich da nichts. Der Anschlag in Paris
gegen Mitarbeiter des Satiremagazins
„Charlie Hebdo“ galt der Meinungsfreiheit in einer offenen Gesellschaft, heißt
es. Das freilich ist keine Erkenntnis, die
über das Offenkundige hinausgeht. Terror
ist Terror. Er zwingt die Erschreckten zur
Tautologie. Sie sollen eingekerkert werden in ein Gefühlsgefängnis, dessen Mauern aus Wut und Ohnmacht bestehen.
Durch ein Massaker wurden Menschen ermordet. Die Lebenden darf das
nicht mundtot machen. Sie müssen ausbrechen aus dem Gefühlsgefängnis, müssen Wut in Zorn verwandeln und Ohnmacht in Vernunft. Sie müssen der Versuchung widerstehen, in Rechthaberei zu
verfallen, den Terror ideologisch oder
parteipolitisch zu instrumentalisieren.
Die norwegische Gesellschaft wuchs
nach dem Massenmord von Anders Breivik zusammen. In ihrer Trauer hielten die
Menschen an ihren Werten fest. Auch Israel gehtbewundernswertzivil mitTerroranschlägen um. Als Erstes lässt man die
Normalität des Alltags über die Abnormalität des Blutvergießens triumphieren.
Für Mord und Terror gibt es keine
Rechtfertigung. Deshalb verbietet sich
jede anklagende Ursachenforschung.
Wer jetzt mit erhobenem Zeigefinger
über Integrationsprobleme, Diskriminierung, hohe Arbeitslosigkeit, die Rhetorik
von Le Pen oder blasphemische Zeichnungen redet, verwischt die Grenze zwischen Gesellschaft und Gewalt. Ebenso
grotesk wäre es, zur Erklärung der Taten
aus dem Koran zu zitieren, um den Islam
als latent gewalttätige Religion zu entlarven, dessen Anhänger das Abendland unterwandern und dessen Werte abschaffen
wollen. Leider besteht die Gefahr, dass
sich genau diese zwei Lager durch den
Anschlag radikalisieren.
Was stattdessen nottäte, wäre eine gemeinsame Wiederentdeckung der Meinungsfreiheit und der Religionsfreiheit.
Für beide wurde in Kriegen und Revolutionen erbittert gekämpft. Sie sind kostbare Errungenschaften und als solche
konstitutiv für den Westen oder, pathetisch gesprochen, das Abendland. Umso
beschämender, dass oft die eine gegen
die andere in Stellung gebracht wird. Um
es auf deutsche Verhältnisse zu übertragen: Wer aus Sarrazins Büchern zitiert,
zu „Pegida“-Demos geht, die AfD wählt
oder für Verschleierungsverbote wirbt,
beruft sich zwar gern auf die Meinungsfreiheit, negiert aber gelegentlich die Religionsfreiheit. Wer Gebetsräume, Beschneidungsriten, Moscheebauten und
Kopftücher verteidigt, nimmt zwar gern
die Religionsfreiheit in Anspruch,
möchte aber mitunter die Meinungsfreiheit der Gegenseite einschränken.
Es sollte selbstverständlich sein – und
muss aus traurigem Anlass trotzdem betont werden: Der Prophet Mohammed
darfin Wortund Bildebensodurch denKakao gezogen werden wie Jesus von Monty
Python. Das Recht auf ungestörte Religionsausübung muss nicht nur in Europa
verteidigt werden, sondern auch in arabisch-muslimischen Ländern, wo Christen massiv verfolgt werden. Menschen
dürfen ihre Angst vor Islamisierung auf
dieStraßetragen, aber pauschaleVerdächtigungen von Muslimen wegen ihres Glaubens sind volksverhetzend. Das Recht
darf vor kultureller Andersartigkeit, die in
Gesetzesübertretung mündet, nie kapitulieren. Das schließt prügelnde Eltern
ebenso ein wie Zwangsverheiratungen.
Egal ob Inländer, Ausländer, Zuwanderer, Flüchtling, Asylant: Gemeinsam verteidigt werden muss ein Rechtsstaat, der
seine Freiheiten schützt, ein Gemeinwesen, das niemanden aufgrund seiner Religion oder seiner Überzeugungen ausschließt. Und auch nicht den, der Sorgen
anderer einfach nur ernst nimmt.
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Seele and Geist
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