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4. Richtlinie D-Chorleitung - des Referats Kirchenmusik im Bistum

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KATJA WINDAU
Ausgewählte Arbeiten
Katja Windau
RAPTUS
2014
Fotos, Video, Audio, Objekte
Eine Installation über psychische Erkrankung und Gewaltverbrechen
Der Begriff Raptus (von lat.: rapere–fortreissen) beschreibt im medizinisch-psychologischen Sinn
einen plötzlichen, heftigen Erregungszustand im Krankheitsbild der Schizophrenie, der mit Eigenund Fremdgefährdung einhergeht.
Die Installation lässt sich als multimediale Collage umschreiben, die sich neben Bezügen auf reale
Geschehnisse, die aus Medien wie Zeitung und Internet entnommen werden, mit Versatzstücken
aus Film, Musik und Kunst arbeitet. Das Found Footage wird bearbeitet, nachgestellt und in einem
neuen Zusammenhang inszeniert.
Bildvorlagen:
Dokumentationsfoto der ehemaligen Psychiatrie Cane Hill, Joe Collier, 2004
Pressefoto zu einem ungeklärten Mordfall, DPA, 2013
Der Ursprung der Welt, Gustave Courbet, 1866
Morgenorgie, Pornoheft, 1970er Jahre
Polizeifoto der verschwundenen Jenisa, Mindener Tageblatt, 2014
Passfoto, privat, 1977
Musik- / Textfragmente:
David Bowie, All the Madmen, 1970
OMD, Architecture and Morality, 1981
György Ligeti, Requiem / 2. Kyrie, 1963/65
Fragebogen für neu aufgenommene Patienten des Cane Hill Hospitals
häusliche Geräusche
Objekte und Technik:
Zink-Wanne, Pumpe, Axt, Nachtschränkchen, Bilderrahmen, Bademantel, Häkeldeckchen, Kunststoffschale, Latexhandschuhe, Schlüssel, Umschlag, MP3-Player, Kopfhörer, Fernseher, DVD-Player
Ausstellungsansicht Künstlerhaus Minden
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TRAUMFALLE (SPINNE)
2014
Mixed Media (Aluminium, Textilien, Schaumstoff, Perücken)
200 x 320 x 15 cm
Traumfänger sind über einer Schlafstätte aufgehängte indianische Kultobjekte aus natürlichen
Materialien wie Weidenzweige, Federn und Hanfschnur und werden mit persönlichen und heiligen
Gegenständen dekoriert. Sie sollen böse Träume gefangen nehmen, während die guten zum
Schlafenden gelangen können.
Meine Traumfallen bestehen aus synthetischen Polyesterstoffen, Kunsthaar, Fellimitat, Spiegeln u.ä.
Sie gemahnen ihre Betrachter an die Oberflächlichkeit und das Ephemere unserer auf Mainstream
und Konsum ausgelegten Massenkultur, an weiblichen Mode- und Schönheitswahn, der vielleicht
zu einem kollektiven Alptraum mutiert.
Der Zartheit des Materials (hier an ein Spinnennetz erinnernder, transparenter Stoff und langhaarige
Perücken in Ombré-Färbung) steht die brutale Funktion gegenüber. Eine Falle dient dem
Gefangennehmen und Töten. Nicht zuletzt kann man bei den Perücken auch an Skalps denken. Die
mitsamt Kopfhaut abgetrennte Haarpracht des Gegners galt bei Indianern als Siegestrophäe.
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Ohne Titel (TRAUMFALLE) Digitale Collage
25 x 40 cm
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2014
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LOVER
2012
Performance
Foto, Video (Loop 4:23 min.)
Das Video zeigt ein Zwitterwesen, das isoliert einen sexuellen Akt zu vollziehen scheint.
Die Attribute des Zweigeschlechtlichen werden hauptsächlich durch Attrappen hergestellt. Das
Männliche wird durch einen Dildo und die von ihm ausgehenden, auf Kopulation ausgerichteten
Bewegungen verkörpert. Das Weibliche zeigt sich durch das Tragen von Perücke und Nylonstrumpfhose sowie nicht zuletzt durch die feminine Figur der Darstellerin.
Der überwiegenden Bedeckung der Körperoberfläche steht der Eindruck der Blöße und Obszönität
entgegen, der durch die Exhibition des künstlichen Geschlechtsteils hervorgerufen wird. Die
Reduktion auf das Triebhafte intensiviert sich durch die Maskierung des Gesichts, denn die
Perücke wird verkehrt herum getragen und verhindert jeglichen emotionalen Ausdruck oder eine
Identitätszuordnung des Wesens.
Das Video zitiert geläufige Darstellungen der Pornographie, indem es formale Mittel übernimmt,
sie dabei aber subversiv unterwandert und zur Erzielung einer gegenteiligen Aussage nutzt: Der
einsame Akt mit sich selbst vollzieht sich im Nichts, in dem das Bild eines imaginierten Partners zu
entstehen scheint. Lover demonstriert das Substitut und stellt den offensichtlichen Schein exponiert
zur Schau. Obwohl die Performerin scheinbar frei und selbstbestimmt handelt und ihr Körper
ekstatische Lustbewegungen vollführt, entsteht doch durch Körperhaltung und Maskierung ein
Eindruck von Unterdrückung oder Folter.
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O.T. (STAR FAMILY)
2013
Mixed Media Installation
300 x 260 x 230 cm
Die Arbeiten Ziggy Glitter Rock Face Mum und Fancy Little Porn Queen greifen die Schrillheit von Drag
Queens und der transvestitenhaften Stars der Glam-Rock-Ära auf. Statt buntem Make-up zeigt sich
hier jedoch ein bleiches Gesicht, dessen geschlossene Augen sich von der Aussenwelt abgekehrt
haben und das eher an eine Totenmaske erinnert. »Rockface« bedeutet übersetzt »Felswand«, aber
spielt gleichzeitig auf den Kult um das oft abgebildete Gesicht von Rockstars wie David Bowie an.
Eine rosa Baby–Badewanne gibt der Ikone den nötigen Rahmen für ihre »Born to be a star«–Attitüde
und glitzernde Cheerleader–Pompons suggerieren die Euphorie der Fans.
Das Selbstporträt spaltet sich in zwei Figuren auf: Die un–heilige Mutter und ihr Kind repräsentieren
auch die Dualität einer Person oder des Körpers, nämlich Kopf und Geschlecht.
Ausstellungsansicht Kunsthaus Hamburg
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ZIGGY GLITTER ROCK FACE MUM
Mixed Media (Babybadewanne, Gipsabguß
meines Kopfes, Perücke, Cheerleader-Pompon,
Modeschmuck, Kunstfell, Holz)
80 x 50 x 25 cm
FANCY LITTLE PORN QUEEN
Mixed Media (Holzständer, Nietengürtel, Dildo,
Cheerleader-Pompons, Kunsthaar)
80 x 46 x 46 cm
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THE ROCK
2014
Zimmerbrunnen (Polystyrol, Textilien, Kunsthaar, Sprühfarbe, Pumpe, Teichfolie)
80 x 80 x 110 cm
Ausstellungsansicht Hotel Hamburg
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STILL HUNT 2012
Polystyrol, Sandspachtel, Metall, Acrylfarbe
330 x 100 x 220 cm, 130 x 85 x 65 cm
Die beiden Skulpturen sind in ihrer Form an Papierflieger angelehnt, jedoch ist ihre Faltung
asymmetrisch und sie heben sich aufgrund ihrer Größe deutlich von ihren kleinen Vorbildern ab.
Still Hunt versucht das Ephemere, Unbeschwerte und Ideelle des Papierseglers mit dem
Monumentalen und Statischen eines Denkmals zu konfrontieren. Der kurze, flüchtige Augenblick
des Flugs steht dem gewichtigen Verharren entgegen.
Weitere Polaritäten finden sich: Die schwarz-weiße Farbgebung der Skulpturen und ihre
Größenunterschiede lassen sie zu einem komplementären Paar werden. Der Titel (im Deutschen:
Pirschjagd) fordert zu einer Interpretation der Szene auf menschlicher oder philosophischer Ebene
auf.
Ausstellungsansicht Künstlerhaus Frise, Hamburg
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SITZPLATZ FÜR EINEN NACKTEN DANDY
2012
Performance im Kunsthaus Hamburg
Ein Transportroller (ugs. auch Hund genannt), wird seiner Alltagsfunktion enthoben. Das Rollbrett
wird mit Kunstfell überzogenen und ist mittels Handschellen an einen Wandhaken gekettet, wie
er auch zum Anleinen von Hunden gebräuchlich ist. Bei der Vernissage trete ich mit einem (fast)
nackten Dandy auf und führe ihn zu dem Roller, er nimmt darauf Platz. Dort darf er sich rekeln und
Posen einnehmen. Während der Performance werden Polaroids angefertigt und eines davon an der
Wand über dem Objekt aufgehängt.
Was ist ein Dandy ohne seine exzellente Kleidung, durch die er sich üblicherweise vom Mainstream
distanziert? Auf sein Dandytum verweisen nur wenige Accessoires wie etwa Seidenschal, Schuhe,
Brille oder Ring. Laut Günter Erbe (1) zeichnet sich ein Dandy vor allem durch seinen überlegenen
geistigen Habitus aus. Kommt man seinem Geheimnis näher, wenn man ihn seiner Kleider beraubt?
Wird die Pose eines zeitgemäßen Dandys besser erfasst, wenn er ohne die üblichen materiellen
Priviliegien auftritt »so wie Gott ihn schuf« oder wird hier nur wieder auf ein neues Abziehbild einer
von Körperkult und der Vermarktung sexueller Reize geprägten Gesellschaft angespielt?
Die Nacktheit, die auf das Animalische im Menschen hinweist, findet ihren Gegenspieler in der
»Verkleidung« des Transportrollers. Das Fell löst automatisch die Assoziation an ein Tier aus, die
Rollen komplettieren das Bild eines »Vierbeiners«. Obwohl es sich doch um ein von Menschenhand
geschaffenes funktíonales Objekt handelt (das nicht zuletzt auf Handwerk und Arbeit verweist), wird
der Roller hier zum Begleiter des Dandy und erinnert an die edelsteinbesetzte Schildkröte an der
Leine (2), mit der dem Müßiggang gefrönt werden kann.
Beide sind aneinandergekettet, wer beherrscht wen? Der Dandy als folgsamer Mitläufer statt ein
Provokateur?
(1) Günter Erbe, Der moderne Dandy, 2004, (2) Joris-Karl Huysmans, Gegen den Strich, 1884
Ausstellungsansicht Die schöne Kunst, Kunsthaus Hamburg
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volkskunst – Das Kind der Stadt
2013
Performance am Goldenen Reiter in Dresden
Eine Leiter wird aus dem königlichen Dresdner Schloss, der ehemaligen Residenz von August dem
Starken, entliehen, und über die Elbbrücke auf die andere Seite zum Goldenen Reiter, seinem
Standbild, getragen. Mit einer Fahne, die aus Putzlappen genäht wurde, erklimme ich die Leiter und
versuche, August in die Augen zu schauen.
In dem NDW–Lied von Joachim Witt Der goldene Reiter aus den 80ern heisst es: »Ich bin ein Kind
dieser Stadt«. In Dresden ist August II., Kurfürst von Sachsen, natürlich das (berühmteste) Kind der
Stadt. Das Lied handelt von Schizophrenie. Die Zeile »ich war so hoch auf der Leiter, doch dann fiel
ich ab« lassen Größenwahn vermuten.
Die Aktion ist auch eine Auseinandersetzung mit Autorität und Macht: Was kann ich einer solchen
Berühmtheit entgegensetzen? Die Fahne aus Putzlappen steht für einfache, buchstäblich bodennahe
Arbeiten. Auch die Leiter verweist auf Handwerk und Arbeit. Im Gegensatz dazu ist die Haltung
Augusts eine heroische, herrschaftliche, und auch sehr freie.
Diese Haltung scheint aber diejenigen zu provozieren, die sich zu seinen Füßen befinden. Der
Goldene Reiter ist ständig von Vandalismus bedroht. Aufwendige Restaurationen sind notwendig,
um sein perfektes Erscheinungsbild sicherzustellen.
Für die Dauer der Performance versuche ich selbst zu einem Standbild, zu einer Statue zu werden.
Dabei geht es mir zum einen darum, trotz der Überlegenheit Augusts, Selbstbewusstsein und Stärke
auszustrahlen, und andererseits die eigene Lebendigkeit angesichts des »toten« Denkmals zu spüren.
In der Schifffahrt bedeutet eine blau-gelbe Fahne »Ich möchte mich mit Ihnen in Verbindung setzen«.
Die aufgenähten Lappen mit Blümchenmuster sind dagegen eher eine Anspielung auf die HippieBewegung.
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ARCHITECTURA NOVA URBANA
(Zusammenarbeit mit Julia Ring)
2014
Ausstellungsansichten Pinacoteca, Wien
Die gemeinschaftlich konzipierten Arbeiten nähern sich dem urbanen Raum sowohl über aktuelle
als auch historische Kontexte in Form von Modellen. Die aus Beton gegossenen Skulpturen werden
durch Farbe und Licht (Pigment, Pixel) belebt. Durch teils konträre Zitate aus der Kunstgeschichte
entstehen neue Zusammenhänge.
1. CRATÈRE COLOSSALE
Beton, Pigment, Monitor, Standbild
65 x 65 x 100 cm
Cratère Colossale ist ein in Beton gegossenes Modell eines Amphitheaters. Eine Bühne, auf der alles
passiert sein kann und auf der noch alles passieren kann. Ein innerstädtischer Schauplatz für Kämpfe,
Sport oder Unterhaltung wie etwa das Kolosseum im alten Rom. Oder die Utopie einer neuen Form
menschlichen Zusammenlebens wie die Ville Cratère von Jean-Louis Chanéac.
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2. CONCRETE JUNGLE
Polystyrol, Beton, Gips, Projektor, Screen, Videoloop (11 min.)
ca 150 x 60 x 170 cm
Das Modell einer morbid aufgebahrten Berglandschaft wird zur Kulisse für die Dokumentation
einer inszenierten Graffiti–Malerei. Das langsame Wuchern der Schriften bis zur vollständigen
Bedeckung der freien Fläche wird als Video auf einen Screen projiziert, dieses dient als
Lichtquelle zur Beleuchtung des Modells im Vordergrund und führt zur Überlappung beider
Medien (partielle Lichter auf dem Modell, Schattenwurf des Modells auf dem Screen).
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PALAIS DER UNKENNTNIS (Fragment 1 - 3)
2012
Mixed Media
je ca. 140 x 30 x 40 cm
Durch das große Schaufenster ehemaligen Blumenladen im Zentrum Leipzigs gut einsehbar
präsentiere ich drei Skulpturen, die ich aus einem Materialmix - inklusive ihres Sockels - aus
Hartschaum, Spanplatten, Tapetenresten u.ä. herstelle.
Sie zeigen puppenstubenkleine, modellhafte Räume, die abgetrennt von ihrer Umgebung für sich
allein stehen. Als Vorlage für die menschenleeren Interieurs dient mir ein seit Jahren nicht mehr
bewohntes Haus in der Bülowstraße in Leipzig.
Die den Zimmern in Spuren noch anhaftenden Attribute einer Puppenstube wie etwa
Niedlichkeit, Liebreiz und Biederkeit stehen in hartem Kontrast zu dem offensichtlichem Verfall
und der Verwahrlosung der Räume. Der Eindruck wird durch die teils veränderten Grundrisse (z.B.
perspektivische Verzerrung) und die Isolierung vom Rest der Wohnung (Haus-Außenwand umgibt
den gesamten Raum, herausgebrochene oder fehlende Wände) noch verstärkt.
Diese zur Beobachtung und wie zur Sezierung geöffneten Hausfragmente werden zur Bühne des
menschlichen, sozialen oder gesellschaftlichen Theaters.
Statt eines Bewohners oder seinem Mobiliar findet man nur einen ausgelegten roten Teppich, der
über die Treppe hinein und über den Balkon wieder hinaus führt oder eine VIP-Absperrung, die den
schmutzigen Boden vor dem Betreten schützt. Eine Fototapete entführt mittles Fantasie in eine
Traumwelt mit Palmenkulisse in der Karibik.
Ausstellungsansicht Residenz Blumen, Leipzig
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HAMBURGER ZIMMER
2009/2011
Installation (Puppenkörper, Vibrator, Bücher, Sprühkreide, Dispersionsfarbe)
Maße variabel
Betritt man das Hamburger Zimmer, nimmt man als Erstes einen fleischfarbenen Vibrator wahr, der
sich einsam und unaufhörlich auf einem Sockel im Kreis dreht, und dabei ein monoton schnurrendes
Geräusch von sich gibt. Sein einziger Gegenspieler ist ein kopfloser Mädchenpuppenkörper auf
einem weiteren Sockel. Der nackte Mädchenkörper streckt vorsichtig einen Arm aus, in Richtung
des Penisses.
Die hellblau gestrichenen Wände sind mit einen gleichmäßigen Muster aus weißen Figuren besprüht,
die sich als Hamburger Wasserträger Hans Hummel zu erkennen geben. Auf einem Regal stehen
einige Bücher, es handelt sich um 10 Exemplare des Romans Das Vorbild von Sigfried Lenz.
Die Installation entzieht sich einer eindeutigen Interpretation. Vielleicht spielt sie auf Kindesmißbrauch
an, aber entgegen einem medienwirksamen Eklat interessiert sich das Hamburger Zimmer eher um
die psychologischen Hintergründe einer männlich-weiblichen Rollenverteilung. Auch kann es als
ironische Variante eines orts-spezifischen l‘art pour l‘art-Spiels gelesen werden.
Ausstellungsansicht Kunsthaus Hamburg
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SCHAUMA
2011
Installation / Objekte aus Weichschaum
Maße variabel
Die Installation Schauma besteht aus insgesamt acht Arbeiten. Alle sind aus dem Füllmaterial
Schaumstoff gefertigt, welches aus Abfällen der Möbelproduktion stammt. Die farbigen
Weichschäume, die normalerweise unter Schonbezügen verschwinden, gelangen hier an die
Oberfläche und erobern auf unterschiedlichste Weise den Raum: mal bedecken sie patchwork-artig
eine ganze Wand (Die Zelle des Piet M.), mal wachsen sie als Säulen vom Fußboden bis zur Decke
(Türkisches Marshmellow-Portal), sie bilden merkwürdige, überdimensionale Blüten, hängen kraftlos
herab (Schlaffer Regenbogen), oder aber sie werden zu Konzept-Pommes. Gemein ist allen Arbeiten
eine zarte Farbpalette (vanillegelb, rosa, hellblau und weiß), die an Babyzimmereinrichtungen denken
lässt. Schauma ist ein abstrakt-formales Spiel mit Farbe und Formen, das dekorativ-oberflächlich
sein will und bewußt inhaltsleer bleibt: ein Bild für den »Great Contemporary Art Bubble« …
Ausstellungsansicht Frappant Galerie, Hamburg
(Bild rechts, im Vordergrund: Türkisches Marshmellow-Portal)
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OHNE TITEL (aus SCHAUMA)
Digitale Collage
60 x 60 cm
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VAN GOGH (SELBSTPORTRÄT ALS SCHWEIN)
2012
rotierendes Objekt, Mixed Media
(Schweineohr, Sprühlack, PU-Schaum, Motor, verspiegelter Sockel)
25 x 25 x 35 cm
Ausstellungsansicht Die Neueröffnung, Halle 6, München
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OHNE TITEL 2011
Tisch, Stuhl, Tischdecke, Gedeck, Lebensmittel
ca. 200 x 150 x 120
In ihrer Installation (…) kehrt Katja Windau die (...) geordnete, heimische Idylle à la lettre um. Die
Lebensmittel werden nicht appetitlich auf dem weißen Porzellan dargeboten, sondern breiten sich
geschwürig-wuchernd auf dem Tisch aus, während der Teller leer bleibt. Das Tischlein-Deck-Dich der
Überflussgesellschaft verheißt so nicht mehr Reichtum und Glück und mutiert zur Horrorvision von
Kontrollverlust.
(Roland Trost)
Ausstellungsansicht – und Hunger, Frappant Galerie (Viktoria-Kaserne), Hamburg
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PASSAGE
2010
Installation aus Karton, Holz, Kabelbinder
35 x 6 x 2,5 m
Passage ist eine 35 m lange Installation aus Karton, die im leer stehenden Frappant-Komplex in
Hamburg-Altona realisiert wird. Der 7. Stock des ehemaligen Büro- und Shoppingzentrums dient im
letzten Jahr vor seinem Abriss dem Frappant e.V.. als Galerie. Dort, wo früher das Arbeitsamt Altona
untergebracht war, installiere ich unter extremen Bedingungen (keine Heizung, d.h. winterliche
Minusgrade im Gebäude, kein Wasser) eine Pappskulptur, dessen an ein Tier erinnernder Körper
sich durch insgesamt 10 miteinander verbundene Räume windet und z.T. in den Flur herausragt. Die
Installation verweigert sich einer schnellen Erfassung in einem Augenblick, sondern ist nur mittels
Durchwandern der Räume mit ständigem Perspektivwechsel erfahrbar. Teilweise ist der Blick in die
Raumflucht noch gegeben, an anderen Stellen versperren Kartonausstülpungen jegliche Sicht. Die
Skulptur ist dabei eng verschränkt mit den architektonischen Gegebenheiten, denn zum einen
wird ihre Form und Ausdehnung von der Größe und Gleichförmigkeit der einzelnen Räume in ihre
Grenzen verwiesen und umklammert, zum anderen versucht die Installation dieser vorgegebenen
Gleichförmigkeit in jedem Raum mit immer neuen Auswüchsen und Verwandlungen zu begegnen
und ihre Begrenzungen zu sprengen. Dieser Prozess der Raumeroberung, der auch an eine Besetzung
erinnert, findet seine Parallele in der (vorübergehenden) Eroberung des leer stehenden Stadtraumes
durch Kreative und Künstler.
Ausstellungsansicht Frappant Galerie (Grosse Bergstraße), Hamburg
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AVIARIUM
2007
Die Skulptur besteht aus einem riesigen Ei, in dessen Inneren eine Videoperformance zu sehen
ist. Der Blick wird durch ein kleines Loch auf die Projektion eines Loops gelenkt, der einen
Mensch in hockender Haltung in einem Berg weißer Federn zeigt. Für die Performance, bei der
ich mich selbst filmte, trug ich eine Schnabelmaske und versuchte, die Federn über mich zu
häufen.
Aviarium (lat. für Niststätte wilder Vögel, Vogelhaus) thematisiert eine Situation, die sowohl
Autonomie als auch Ausgrenzung antizipiert. Einerseits zeigen sich Fruchtbarkeit und der Drang
nach Aufbruch und Freiheit, andererseits deuten Maskierung und der Rückzug in den Schutz
der Eierschale auf drohende Gefahren hin. So erinnert das Video auch an die mittelalterliche
Praktik des »Teeren und Federns«, mit der aus der Gesellschaft Ausgestoßene als »vogelfrei«
gekennzeichnet wurden.
Polystyrol, Papier, Acrylfarbe, Video auf DVD, Beamer, DVD-Player, Lüfter
200 x 200 x 270 cm
Ausstellungsansicht Diplomausstellung HFBK Hamburg
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CV KATJA WINDAU
1972 geboren in Cuxhaven
seit 1992 lebt in Hamburg
2001 – 2008 HFBK Hamburg (bei Prof. Wiebke Siem)
seit 2009 Ko-Kuratorin Frappant Galerie
EINZELAUSSTELLUNGEN
2015 Kunstverein Lübbecke
2014 AKTION NR. 52, 2025 Kunst und Kultur e.V., Hamburg (mit Julia Ring)
2014 [RAPTUS], Künstlerhaus Minden
2014 ARCHITECTURA NOVA URBANA, Pinacoteca, Wien (mit Julia Ring)
2013 VOLKSKUNST, Performance im Öffentlichen Raum, Dresden
2012 UTOPIA INTEGRALE, Künstlerresidenz Blumen, Leipzig (mit Nils Emde)
2011 SCHAUMA, Frappant Galerie, Hamburg
2009 TEUFELS BEIN UND HASENS FUSS, Goethe-Institut, Hamburg
2008 IM WOLKENKUCKUCKSHEIM, Kunsttreppe, Hamburg
2007 SAME PROCEDURE AS LAST YEAR, MISS … ? galeriexprssns, Hamburg
2006 EXHIBITION, Hinterconti, Hamburg
GRUPPENAUSSTELLUNGEN (AUSWAHL)
2014 CITY LINK, Frappant Galerie, Hamburg
2014 SPRINGBRUNNEN, Hotel Hamburg
2014 ALTONALE 16, Mercado, Hamburg
2014 BREMER KUNSTFRÜHLING, Alte Gleishalle, Bremen
2013 BEWERBER FÜR DIE HAMBURGER ARBEITSSTIPENDIEN 2014, Kunsthaus Hamburg
2013 LET US SNOW, Kreuzberg-Pavillon, Berlin
2013 P/ART PRODUCERS ARTFAIR, Kolbenhof, Hamburg
2013 DOING NOTHING ACCORDING TO NOTHING IS DONE, Gängeviertel Galerie, Hamburg
2013 DESTROYED IMAGES, Frappant Galerie, Hamburg
2012 DIE SCHÖNE KUNST, Kunsthaus Hamburg
2012 DIE NEUERÖFFNUNG, Halle 6, München
2012 BEGEHUNGEN, Forum, Chemnitz
2012 BETRIEBSAUSFLUG, Kaufhaus Held, Leipzig
2012 DAEMON’S DILEMMA –DIE FARBE DES WINDES, Künstlerhaus Frise, Hamburg
2011 BUNTE HUNDE XSIZE, Nachtspeicher23, Hamburg
2011 AKTUALITÄT UND EIGENES WERK, Kunsthaus Hamburg
2010 BUNTE HUNDE UNTER SICH, Kubasta, Hamburg
2009 VON HINTEN NACH VORN, Kunstnah Galerie, Hamburg
2008 WIR NENNEN ES HAMBURG, Kunstverein Hamburg
2007 PRIVATSAMMLUNG, Kunstnah Galerie, Hamburg
2006 PLATTFORM#3, Kunstverein Hannover
PROJEKTFÖRDERUNGEN / STIPENDIEN / RESIDENZEN
2014 Artist in Residence, Künstlerhaus Minden
2014 Ausstellungsförderung durch das Bundeskanzleramt Österreich
2014 Projektförderung durch die CR-Kulturstiftung Hamburg
2014 Projektförderung durch die Altonale 16, Hamburg
2013 Artist in Residence Dresden (Kulturbehörde Hamburg und Dresden)
2006 Projektförderung durch den Freundeskreis der HFBK Hamburg
2005 Sammelstiftung der HFBK Hamburg
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Kunst und Fotos
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