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Präsidialdepartement des Kantons Basel-Stadt
Abteilung Kultur
Kunstkredit Basel-Stadt
JURYBERICHT Freies Kunstprojekt
Allgemeiner Wettbewerb mit Vorauswahl
WETTBEWERB
Für diesen Wettbewerb können sowohl künstlerische Projekte und
Produktionen eingereicht werden als auch kuratorische und vermittelnde Projekte, die sich an eine Basler Öffentlichkeit richten. Es
besteht keine Einschränkung hinsichtlich der Themen und Medien.
Teilnahmeberechtigt sind Künstlerinnen und Künstler, Kunstvermittlerinnen und Kunstvermittler sowie Kuratorinnen und Kuratoren.
Im Hinblick auf spezifische Projekte können auch Recherchen oder
andere ausserordentliche Aufwendungen unterstützt werden. Reine
Infrastrukturbeiträge, Weiterbildungen und Betriebskostenbeiträge
sind ausgeschlossen.
Es bewarben sich 20 Künstlerinnen und Künstler mit einem Projekt.
Aufgrund der eingereichten Dossiers wurden bei der Vorauswahl
sechs Projekte zur Weiterbearbeitung ausgewählt.
JURY
Kunstkreditkommission Basel-Stadt
Olivier Kaeser, Centre Culturel Suisse, Paris (auswärtiger Juror 2014)
IMPRESSUM
HERAUSGEBER
Präsidialdepartement Basel-Stadt
Abteilung Kultur
Kunstkredit Basel-Stadt
TEXT
Nadine Wietlisbach
Oktober 2014
BEZUGSQUELLE (PDF-Dokument)
baselkultur.ch
GINA FOLLY
IQUITOS REVISITED
In ihrem gemeinsam entwickelten Projekt beschäftigen sich die
Künstlerin Gina Folly und der Künstler Mandla Reuter mit kulturellen
Phänomenen, insbesondere mit der Faszination der westlichen Industrieländer für das Exotische und Fremde. Folly und Reuter nehmen für ihre thematische Auseinandersetzung Iquitos in Peru zum
konkreten Ausgangspunkt. Folly interessiert sich für die Imagination
des Exotischen, wie sie sich in westlichen Kulturen in artifiziellen
Landschaften oder Dekorationen manifestiert. Reuters vielschichtige
Herangehensweise mündet in Interpretationen alltäglicher Situationen und gesellschaftlicher Umstände. Existierende Objekte und
industriell gefertigte Materialien sind für seine Praxis kennzeichnend.
Die geplante Ausstellung der neu produzierten Arbeiten im Ausstellungsraum SALTS in Birsfelden wird vom Kurator Fabian Schöneich
begleitet. Sie wird durch eine Publikation erweitert: Diese kontextualisiert die Arbeiten der beiden Kunstschaffenden und verbindet die
Idee des traditionellen Reisejournals mit dem Format des Ausstellungskatalogs.
Die Wahl des thematischen Feldes rund um die Begriffe Exotik und
Postkolonialismus findet bei der Jury Anklang. Auch wenn das bisher vorliegende visuelle Material kontrovers diskutiert und beurteilt
wird, ist die Jury gespannt darauf, wie Gina Folly ihre Arbeit weiterverfolgen und konkretisieren wird. Das Konzept für die Publikation
ist schlüssig und überzeugt, in die Professionalität der kuratorischen
Arbeit vertraut die Jury.
Das Projekt wird zur Ausführung empfohlen und es wird ein Beitrag
von CHF 15 000 aus dem Kunstkredit gesprochen.
SIMON KREBS
BÜRO FÜR PROBLEM, LIGNE ÉCLAIR
Das Büro für Problem entstand 2012 als Teil von Simon Krebs’
Masterarbeit in bildender Kunst an der Fachhochschule Nordwestschweiz. Gemeinsam mit Anaïs Meier organisiert der Künstler Lesungen, druckt Kunstpublikationen und bringt Menschen aus Kunst
und Literatur zusammen. Die Ligne Éclair genannte Reihe, in der
bereits drei Bücher erschienen sind, bringt Autorinnen und Autoren,
die literarisch schreiben, mit visuellen Kunstschaffenden zusammen. Gemeinsam werden bebilderte Geschichten entwickelt. In den
kommenden Monaten sollen fünf neu gestaltete Publikationen im
Taschenbuchformat erscheinen. Die Distribution der Publikationen
erfolgt über die Website des Büro für Problem. Darüber hinaus sind
mehrere Lesungen und Präsentationen im deutschsprachigen Raum
geplant.
Die Jury spricht sich für eine Weiterentwicklung der Reihe Ligne
Éclair aus. Die bisher entstandenen Publikationen überzeugen durch
ihre sorgfältige Gestaltung und Produktion. Die Jury empfiehlt, dass
die Künstler die Vermittlung ihrer Tätigkeit und ihrer Bücher an ein
interessiertes Publikum verstärken.
Das Projekt wird zur Ausführung empfohlen und es wird ein Beitrag
von CHF 11 000 aus dem Kunstkredit gesprochen.
FELIX BRENNER
VORTSETZUNG BASEL
Felix Brenner möchte seine Arbeit rund um Basel weiter entwickeln.
Zentral ist dabei der Aspekt, dass Basel auch ein Produktionsort von
Psychopharmaka ist. Der Künstler beschäftigt sich mit Fragen zu
Suchtverhalten und Abhängigkeit, zu alternativen Drogen wie LSD
– was wiederum den Bogen zu seiner Arbeit über Albert Hoffmann
und nicht zuletzt seiner eigenen Biografie spannt. Er möchte den
Alltag in der geschlossenen Abteilung der Klinik Friedmatt beschreiben und mittels Bild und Text Geschichten erzählen. Der Künstler
wird neben Bildern auch performative Audioarbeiten produzieren. Für
die Präsentation der Hörstücke entsteht aktuell eine neue Plattform
in Basel, der Open-Source-Radiosender NoNo. Dort werden Brenners
Stücke online live veröffentlicht werden. Die Plattform für auditive
Kunst funktioniert darüber hinaus als Archiv.
Die Jury würdigt die künstlerische Haltung und die Dringlichkeit des
Anliegens. Sie schätzt die Ausdauer des Künstlers, sich kritisch und
eingehend mit komplexen Fragestellungen, die nicht selten seine
eigenen Lebensumstände betreffen, zu beschäftigen. Die Möglichkeiten, die das Radioprojekt für Felix Brenner bietet, schätzt die Jury
als vielversprechend ein.
Das Projekt wird zur Ausführung empfohlen und es wird ein Beitrag
von CHF 10 000 aus dem Kunstkredit gesprochen.
DENIS HANDSCHIN
STIPENDIUM FÜRS NICHTSTUN
Denis Handschin möchte ein Stipendium fürs Nichtstun ausschreiben und eine Person mit einem einmaligen Betrag von CHF 7000 für
einen Tag Nichtstun unterstützen. Die Jury, welche das Stipendium
fürs Nichtstun vergibt, soll sich aus fünf bis sieben Personen zusammensetzen, Fachpersonen der Bildenden Kunst, der Philosophie und
der Soziologie sowie zufällig ausgewählte Personen. Es gibt keine
Kriterien, Anforderungen und Einschränkungen, aufgrund derer eine
Bewerberin oder ein Bewerber objektiv bewertet werden kann.
Während eines Podiumsgesprächs sollen die Definitionen und Bewertungen von Aktivität und Passivität hinterfragt werden. Zusätzlich
sollen die Ergebnisse des gesamten Prozesses später in einer Ausstellung erneut zur Diskussion gestellt werden.
Die Jury anerkennt, dass der Projektvorschlag eine der zentralen
gesellschaftlichen Fragen unserer Zeit trifft, sie lobt das Potenzial
der Projektidee. Aufgrund der Präsentation hat die Jury jedoch kein
Vertrauen in eine dringend notwendige konzeptionelle Schärfung und
Konkretisierung des Projekts im Hinblick auf eine Realisierung. Zu
viele inhaltliche Aspekte sind ungeklärt und zu wenig reflektiert.
Es wird eine Entschädigung von CHF 3000 aus dem Kunstkredit
gesprochen.
CHRIS HUNTER
DISPLAY – EIN BUMMEL MIT KUNSTHISTORISCHEM
WEISSWEIN
Chris Hunter beschäftigte sich mit den Arrangements in den Kleinbasler Schaufenstern und deren Ähnlichkeit mit Displays in Ausstellungshäusern für zeitgenössische Kunst. Ihn interessieren die
Eigenheiten dieser Objekte des Alltags sowie die Bildhaftigkeit der
Anordnungen. Deshalb möchte er sie im Rahmen einer Veranstaltung in den Mittelpunkt des Interesses des Kunstpublikums stellen.
Während eines Spaziergangs werden die Schaufenster zu Orten der
Vermittlung: Eingeladene Kunsthistorikerinnen und Kunsthistoriker
erläutern, verorten und kommentieren die Arrangements. Begleitet
wird der Anlass von einem mobilen Vernissage-Buffet der Basler
„lovegang“.
Die Ernsthaftigkeit, mit welcher der Künstler die Betrachtung alltäglicher Objekte und Schauarrangements vorschlägt, gefällt der Jury.
Das Wissen von Kuratorinnen und Kuratoren über das Ausstellen und
über performative Rahmungen wird auf interessante Art und Weise angewendet und im öffentlichen Raum erprobt. Die Jury weisst
darauf hin, dass für eine erfolgreiche Umsetzung der Projektidee eine
präzise weitere Ausarbeitung ausschlaggebend ist.
Das Projekt wird zur Ausführung empfohlen und es wird ein Beitrag
von CHF 8200 aus dem Kunstkredit gesprochen.
CHRISTA ZIEGLER
POLIS – DIE STADT PUBLIZIEREN
Christa Ziegler bereiste zwischen 2007 und 2011 zahlreiche Städte
ausserhalb Europas und Nordamerikas und erarbeitete ein umfangreiches Konvolut an Fotografien. Mittels festgelegter Spielregeln,
ähnlich einem empirischen Versuch, verglich sie die urbanen Landschaften miteinander. Seit 2013 liegen der aus dieser Recherche
resultierende Bildband „Polis – Bilder von Städten/Looking at Cities“ und das dazugehörende Textheft „Essays zur Stadt/Talking
about Cities“ vor. Beide erschienen in der Edition Fink und wurden
gemeinsam mit der Basler Kunstwissenschaftlerin Isabel Zürcher
und dem Zürcher Verleger Georg Rutishauser konzipiert. Gemeinsam mit den beiden Projektpartnern möchte die Künstlerin nun den
aktuellen Diskurs über nachhaltige Stadtentwicklung um neue Impulse erweitern und schlägt eine publizistische Weiterführung vor.
In zwei Magazinen, die in Format und Umfang variieren, sollen zwei
Themenschwerpunkte vertieft fokussiert werden. In einem Heft soll
in Zusammenarbeit mit der Kuratorin Catherine David ein Fokus auf
den Entwicklungen im nahen Osten liegen. Das zweite Magazin wird
sich, in Zusammenarbeit mit Alex Lehnerer, einem Spezialisten für
Städtebau, mit der visuellen Repräsentation der räumlichen Organisation von Städten beschäftigen.
Die Jury ist überzeugt davon, dass eine erweiterte Reflexion, ergänzend zum Bildkorpus, für die Kontextualisierung der künstlerischen
Arbeit von Christa Ziegler wichtig und angemessen ist. Sie schätzt
die intensive und langjährige Auseinandersetzung mit dem Thema
und kann die beiden neu definierten Schwerpunkte sehr gut nachvollziehen. Sie hofft allerdings darauf, dass die beiden neuen Hefte
dem qualitativ hochstehenden Inhalt dadurch gerecht werden, dass
sie eine dauerhaftere Form finden als das Zeitungsformat des ersten
Textheftes. Darüber hinaus empfiehlt sie, die Vermittlung und Distribution der Publikationen gezielter anzugehen.
Das Projekt wird zur Ausführung empfohlen und es wird ein Beitrag
von CHF 20 000 aus dem Kunstkredit gesprochen.
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Kunst und Fotos
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