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Gibt es eine Clemens Holzmeister Schule?
Clemens Holzmeister (1886-1983) und seine Schüler
Auf dem Höhepunkt seiner Karriere, 1937, schrieb Clemens Holzmeister in der
Einleitung zu seinem ersten großen Werkverzeichnis: „Ich habe nie ein architektonisches
Wollen zu Programmen geformt, kann also auch hier keines verkünden“, denn, so
Holzmeister weiter, „einem inneren Gesetz unbewusst folgend, habe ich gebaut und
gezeichnet, und hoffe, daß ich dieser inneren Stimme immer treu geblieben bin.“
Trotz dieser klaren Absage an eine objektiv nachvollziehbare Architekturtheorie hat er
seine Vorstellung über Architekturausbildung und über die Lehre in einer Meisterschule
mehrfach in unterschiedlicher Ausführlichkeit sowohl mündlich als auch schriftlich
ausgedrückt. Noch 1980 gab er in einem Interview mit der ORF-Journalistin Angelika
Bäumer eine prägnante Definition, die hier in der Ausstellung im Videoausschnitt zu
hören und neben der Porträtzeichnung nachzulesen ist.
Die zweite internationale Fachtagung zu Clemens Holzmeister, mit der die Ausstellung
am 16. Oktober beginnt, befasst sich mit dem erfolgreichen Büroleiter und
Professor, seinen Mitarbeitern und Schülern. Holzmeister lehrte 1919-1923 an der
Staatsgewerbeschule Innsbruck, 1924-1938 und 1950-1957 an der Akademie der
bildenden Künste in Wien sowie 1928-1933 an der Kunstakademie in Düsseldorf, und
von 1940 bis 1949 hatte er eine Professur an der Technischen Hochschule in Istanbul.
Mehr als 700 Studierende haben in seinen „Meisterschulen“ das Architekturstudium
absolviert. Diese beeindruckende Zahl wirft die Frage auf, ob es eine „HolzmeisterSchule“ gibt.
An Stelle der Theorie traten bei Holzmeister die Praxis und die subjektive Methodik in
seiner architektonischen Arbeit. Mehr als das allgemein Gültige wog das Besondere
und Einzigartige. Erfassen der Landschaft und der örtlichen Gegebenheiten, das
Studium der Geschichte und die Erfordernisse der Gegenwart waren ihm wichtig.
Am Beginn eines jeden Entwurfs stand für Holzmeister die Bleistiftskizze, das für ihn
wahrscheinlich wichtigste Medium überhaupt. Mit ihr fixierte er die Entwurfsgedanken
und maßgeblichen Inhalte. Diese Entwurfstechnik lässt sich anhand seiner Skizzen und
Zeichnungen sehr gut nachvollziehen.
Kirche St. Ulrich am Walchensee
1958-1960. Bleistiftskizze
Vom Grundriss ausgehend, entwickelte er über Schnitt und
Fassade das gesamte Erscheinungsbild des Gebäudes.
Mehrere Varianten belegen dabei, wie Holzmeister erst
durch das Zeichnen zur Lösung der Aufgabe gelangte. Die
Anordnung der verschiedenen, oft sehr zahlreichen Skizzen
neben- und übereinander legen diese Methode offen.
Diese Vorgehensweise war charakteristisch für ihn und blieb
bis in sein Spätwerk bestimmend: die Sammelblätter für
den Wettbewerb für das Krematorium in Wien,1921, und
St. Martin in Nürnberg, 1926, belegen dies ebenso, wie die
Skizzen und die Ansicht der Aufbahrungshalle in Obertrum,
1980, die hier links im Original ausgestellt sind.
Reinzeichnungen der Entwurfspläne 1:100
Die Bleistiftskizze war Holzmeister zugleich auch das wichtigste Lehrmittel. Der Kern
seiner Lehre war die Korrektur der Entwürfe und die gemeinsame Besprechung mit
seinen Schülern. Mit der einfachen Bleistiftskizze in der Hand gelang es ihm auch, dem
Laien seine Idee beim Bau eines Hauses zu erklären – etwa den Bau der Kirche St. Ulrich
am Walchensee, 1958-1960 (Mitschnitt aus dem Fernsehinterview mit Holzmeister).
Holzmeisters große Begabung als Zeichner und Maler war zweifellos ein bedeutender
Faktor seines Erfolgs. Seinen Durchbruch erzielte Holzmeister 1916 im Wettbewerb
zu einer „Völker- und Ruhmeshalle auf dem Nußberg bei Wien“, einem Denkmal für
die Gefallenen des Ersten Weltkriegs. Der Entwurf in Anlehnung an antik-römische
Mausoleen, präsentiert in großformatigen Perspektiven und Axonometrien in Aquarell,
Gouache und Tusche wurde mit dem 1. Preis ausgezeichnet. Drei Originale sind auf
der gegenüberliegenden Wand zu sehen. Diese farbige Darstellungstechnik gab er
jedoch in der Folgezeit auf und wandte sich ab den zwanziger Jahren fast ausschließlich
der Kohle- und Tuschzeichnung zu. Das Spektrum seines Zeichenstils reicht nun von
überzeichnender Expressivität bis zu monumentaler Realistik in Schwarz-Weiß.
Links: Wettbewerb St. Martin 1926
Skizzen über Grundriss und Aufbau
Rechts: Krematorium Wien 1923
Skizzen über Grundriss und Aufbau
Die Zeichenschule Holzmeisters spiegelt sich auch in den Entwürfen seiner Schüler
wieder. Hier ausgestellte originale Fotoabzüge von Studien- und Diplomarbeiten der
„ersten Holzmeister-Schule“ aus der Zwischenkriegszeit von 1924 bis 1938 belegen dies
deutlich. Sie entstanden im Rahmen einer geplanten, aber nie realisierten Publikation
über die Holzmeister-Schule an der Wiener Akademie. Eindrucksvoll belegen sie die
Bandbreite und Varietät in der dortigen Ausbildung, die ganz offensichtlich auf kein
einheitliches Erscheinungsbild angelegt war. Das Erreichen eines individuellen Stils steht
erkennbar im Vordergrund.
In der Ausstellung werden stellvertretend für die mehr als siebenhundert Schüler und
Mitarbeiter zehn Architekten vorgestellt. Jeder von ihnen ist mit einem Projekt vertreten,
die erläuternden Texte stellen jeweils den persönlichen und inhaltlichen Bezug zwischen
dem Verfasser und Clemens Holzmeister her. Mit Luis Trenker und Hans Feßler sind zwei
seiner engsten Mitarbeiter aus den Anfangsjahren in Bozen und Innsbruck vertreten.
In diesen Kreis von jüngeren Mitarbeitern, die aber bereits bei ihm studiert haben
gehören auch sein Südtiroler „Lieblingsschüler“ Erich Pattis und der Innsbrucker Hubert
Prachensky. Mit Bruno Schwamberger, Franz Kiener, Wilhelm Holzbauer, Gustav Peichl,
Friedrich Kurrent und Peter Schuh tritt nicht zuletzt die „zweite Holzmeister-Schule“
der Nachkriegszeit zwischen 1950 und 1957 in Erscheinung. Bei den meisten der
jüngeren Generation ist die Abkehr von den Überzeugungen Holzmeisters und seiner
Darstellungsweise unübersehbar. Neue Ideale, vor allem die einer internationalen
Moderne und das Vorbild Le Corbusiers, bestimmen bei ihnen Entwurf und Präsentation.
Für die Wiener Akademie, ging mit dem Ausscheiden Holzmeisters, der 1961 im Alter
von 75 Jahren seinen letzten Lehrauftrag beendete, eine Ära zu Ende.
Die Porträtzeichnung auf der Stellwand wurde 2014 vom Archiv für Baukunst mit Mitteln des Landes Tirols aus Privatbesitz angekauft.
Porträt Clemens Holzmeister. Rötelzeichnung von Karl Sterrer (1885-1972), Professor an der Akademie der bildenden Künste in Wien, 1928.
Konzeption: Christoph Hölz, Archiv für Baukunst der Universität Innsbruck
Gestalterische Beratung: Klaus-Jürgen Sembach, München
Mitarbeit und Aufbau: das Team des Archivs für Baukunst mit Anna Höllrigl, Stefan Klausner,
Michael Kröll, Christian Preining, Ulla Schwamberger und Uwe Walch
Restaurierung: Judith Emprechtinger, Innsbruck
Schreinerarbeiten: Günter Töpfer, Innsbruck
Sekretariat und PR: Stefanie Temml
Wir danken allen Leihgebern und Sponsoren für die Unterstützung bei der Realisierung der Ausstellung:
Barbara Mohapp-Holzmeister, Wien; Markus Scherer, Bozen
Leihgeber: Architekturzentrum Wien AzW; Francesca Bonatta, Bozen; Familie Engele, Innsbruck; Franz Kiener, Wien; Gustav Peichl, Wien;
Helmut Rizzolli, Bozen; Peter Schuh, Mondsee; Bruno-Michael Schwamberger, Innsbruck
Die Tagung wird mit Mitteln der Architekturfakultät als RINGVORLESUNG im WS 2014/15 durchgeführt.
Die Ausstellung konnte Dank der Unterstützung der Universität Innsbruck und der Kulturabteilung des Landes Tirol verwirklicht werden.
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Kunst und Fotos
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