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Leseprobe zum Titel: Süddeutsche Zeitung (12.01.2015) - Die Onleihe

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Weltfußballer Manuel Neuer? Das Plädoyer eines Schalker Kumpels
Sport
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HF1
(SZ) Millionen Menschen auf der Welt haben gelesen, Allan Karlsson sei „noch nie
ein großer Grübler gewesen“. Es war eine
spontane Idee, „als der alte Mann sein
Fenster im Erdgeschoss des Altersheims
von Malmköping, Sörmland, öffnete und
in die Rabbate kletterte“. So beginnen die
Abenteuer von Allan, dem greisen Helden
des Erfolgsromans „Der Hundertjährige,
der aus dem Fenster stieg und verschwand“. Bernard Jordan ist nicht aus
dem Fenster geklettert. Er nahm, so die Ermittlungen der Polizei in der britischen
Stadt Hove, einfach die Tür. Deshalb musste er durch kein Blumenbeet staksen wie
der Hundertjährige. Auch trug er, in scharfem Kontrast zu Karlsson, keine braunen
Pantoffeln, sondern entfernte sich unauffällig und dezent gekleidet, samt Regenmantel und Jackett. Und, ja, Bernard Jordan ist auch nicht 100, sondern vergleichsweise frische 89 Jahre alt gewesen. Aber
spurlos verschwunden war er, und darauf
kommt es an. So hat es sich zugetragen, im
Juni vergangenen Jahres.
Mit 89 Jahren ist man meist nicht mehr
so gut zu Fuß, aber im Falle Jordans gut genug, um sich dem Zugriff der alarmierten
Polizei und der anschließenden Suche zu
entziehen. Der Flüchtige setzte sich per
Bus und Anhalter ab. Dann tauchte er bei einem alten Kumpel unter. Gemeinsam
schmiedeten die alten Herren ihren Plan,
das Land zu verlassen. Der Weg führte
über das Meer und mitten hinein in die Feiern zum 70. Jahrestag des D-Day, der alliierten Invasion in der Normandie 1944. Jordan war damals dabei gewesen, als Leutnant der Royal Navy. Und er wollte auch
jetzt wieder dabei sein, doch hatte er, offen
gesagt, die offizielle Anmeldung für Veteranen vergessen. Wer wollte es ihm verdenken: Immerhin stand sein 90. Geburtstag
bevor. Da haben die Formalitäten des Lebens an Bedeutung verloren, nicht wahr?
Jedenfalls, während die Polizei in England
alles nach ihm absuchte, wurde Bernard
Jordan zum Star der Feierlichkeiten in
Frankreich und für einen Tag noch einmal
der Held, der einst gewesen war. Ein Mann,
der für die gute Sache keinen Weg scheut.
Als er heimfuhr, schenkte ihm die Fährgesellschaft freie Fahrt für den Rest seines Lebens. Mehr als das Ticket für die Rückreise
hat er nicht nutzen können. Ende Dezember ist Bernard Jordan gestorben. Nun ist
ihm seine Frau Irene gefolgt. Sie lebte im
selben Heim. Man sagt, die beiden seien
sehr glücklich miteinander gewesen. Geheiratet hatte sie ihn direkt nach seiner ersten Rückkehr aus der Normandie. Nach seiner zweiten, fast 70 Jahre später, waren sie
noch immer ein Paar.
Als sehr alter Herr hat sich Bernard Jordan ein kleines Stück Freiheit genommen,
weil er als sehr junger Mann ein großes
Stück dazu beitrug, der Welt die Freiheit zurückzugeben. Es ist eine Geschichte wie
aus einer anderen Zeit. Nun ist diese Geschichte vorüber.
HEUTE
Politik
Versuch einer Rehabilitierung:
die Dresdner Demonstration
für Weltoffenheit
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Feuilleton
Die gesammelten Gedichte
von Heiner Müller gibt es nun
in einem wuchtigen Band
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Schule und Hochschule
Mathe-Unterricht via Notebook?
Klingt interessant, birgt aber
auch Risiken
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Wissen
Tiefstapler und Aufschneider:
Mit Selbsteinschätzung tun sich
viele Menschen schwer
Medien, TV-/ Radioprogramm
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11003
4 190655 802404
71. JAHRGANG / 3. WOCHE / NR. 8 / 2,40 EURO
Streit um
den Kurs der EZB
Italienischer Notenbankchef
für den Kauf von Staatsanleihen
München/Frankfurt –Im Kampf gegen
einen Absturz der Wirtschaft in der Euro-Zone hat sich Italiens Notenbankchef Ignazio
Visco für Staatsanleihenkäufe der Europäischen Zentralbank (EZB) ausgesprochen.
Sie „ sind in dieser Situation das wirksamste Mittel“, sagte Visco der Welt am Sonntag.
Er warnte davor, die Deflationsgefahren zu
unterschätzen. Der EZB-Rat wird am 22. Januar über eine weitere Lockerung der Geldpolitik beraten. Dabei geht es vor allem um
eine mögliche Entscheidung über ein Anleihenkaufprogramm. Auf diese Weise könnten Milliarden in die Wirtschaft gepumpt
werden, in der Hoffnung, damit die Konjunktur anzukurbeln und zugleich die Inflationsrate wieder nach oben zu treiben,
in Richtung des Ziels von knapp unter
2,0 Prozent. Die deutsche EZB-Direktorin
Sabine Lautenschläger widersprach im Magazin Der Spiegel der Einschätzung, dass
sich die Euro-Zone bereits in einer Phase
der Deflation mit anhaltend fallenden Preisen befinde. sz
Wirtschaft
Bis Freitag noch
Stürme möglich
Schulterschluss gegen den Terror: Frankreichs Präsident François Hollande (Dritter von li.), flankiert von Benjamin Netanjahu aus Israel, Ibrahim Boubacar Keïta
FOTO: YVES HERMAN/REUTERS
aus Mali, Angela Merkel sowie EU-Ratspräsident Donald Tusk, Palästinenserpräsident Mahmud Abbas und Jordaniens Königin Rania.
Attentäter bekennt sich zum IS
In einem Video schwört Amedy Coulibaly der Terrormiliz „Islamischer Staat“ die Treue.
Hunderttausende, unter ihnen viele Staats- und Regierungschefs, gedenken in Paris der Opfer
von stefan ulrich
München – Die Terroristen, die in den vergangenen Tagen zahlreiche Menschen in
Frankreich ermordeten, haben offenbar
im Namen der internationalen Terrororganisationen Islamischer Staat (IS) und auch
al-Qaida gehandelt. Im Internet tauchte
am Sonntag ein Video auf, in dem sich der
am Freitag von der Polizei erschossene Islamist Amedy Coulibaly der Teilnahme an
der Anschlagsserie bezichtigte. In dem gut
sieben Minuten langen Zusammenschnitt
verschiedener Szenen wendet sich Coulibaly an den „Kalifen der Muslime Abu Bakr alBaghdadi“, der den Islamischen Staat anführt. Er habe dem Kalifen die Treue geschworen, sagt Coulibaly. Dann sagt er, er
habe sich mit den beiden anderen – ebenfalls am Freitag erschossenen – Terroristen Chérif und Saïd Kouachi vor den Taten
abgesprochen. „Die Brüder unseres Teams
haben Charlie Hebdo gemacht. Ich bin
auch ein bisschen gegen die Polizei vorgegangen, damit die Wirkung größer ist.“
In Paris gingen am Sonntag Hunderttausende Menschen, darunter mehr als
40 Staats- und Regierungschefs, gegen
den Terror und für eine freiheitliche Gesellschaft auf die Straße. Der französische Präsident François Hollande sagte: „Paris ist
heute die Hauptstadt der Welt.“
Die Brüder Kouachi hatten am Mittwoch in Paris die Satirezeitschrift Charlie
Hebdo überfallen und zwölf Menschen ermordet. Sie wurden am Freitag bei einem
Schusswechsel mit der Gendarmerie getötet. Coulibaly hat laut den Ermittlern am
Donnerstag eine Polizistin im Süden von
Paris getötet und einen weiteren Polizisten
verletzt. Am Freitag überfiel er einen jüdi-
schen Lebensmittelladen und tötete dabei
vier Menschen. Anschließend verschanzte
er sich mit zahlreichen Geiseln in dem Laden, bis die Polizei das Geschäft stürmte.
In dem Bekennervideo wird Coulibaly
als Täter beider Anschläge genannt. Der
aus einer malischen Familie stammende
Mann versucht seine Taten mit den Militäraktionen der Franzosen gegen Islamisten
in Mali und im Irak zu rechtfertigen. „Was
wir tun, ist völlig legitim“, sagt er. „Es ist
hochverdient.“ Die Franzosen griffen das
Kalifat an. „Wir greifen euch an.“ Die französische Polizei hält das Video für authentisch. Coulibaly hatte bereits am Freitag gegenüber seinen Geiseln gesagt, seine Tat
sei eine Reaktion auf das Vorgehen des
französischen Militärs. „Sie müssen aufhören, den Islamischen Staat anzugreifen.“
Der Zusammenschnitt und die Veröffentlichung des Videos legen den Verdacht
nahe, dass die getöteten Terroristen weitere Komplizen haben. Die Terrormiliz Islamischer Staat droht bereits mit einer Anschlagswelle in Europa und den USA. „Wir
haben mit der Operation in Frankreich begonnen, für die wir die Verantwortung
übernehmen“, sagte der IS-Prediger Abu
Saad al-Ansari nach Informationen der
Agentur dpa in einer Moschee der nordirakischen Stadt Mossul. „Morgen werden es
Großbritannien, die USA und andere sein.“
Allerdings stellt sich auch al-Qaida, die
in scharfer Rivalität zum Islamischen
Staat steht, hinter die Attentate in Frankreich. Agenturberichten zufolge sagte ein
Mitglied der Organisation „al-Qaida auf
der Arabischen Halbinsel“ (Aqap) in Jemen, Aqap habe den Anschlag auf Charlie
Hebdo gesteuert. Die Brüder Kouachi hatten am Freitag, während sie sich vor der Po-
lizei verschanzten, mit dem Fernsehsender BFMTV telefoniert und ebenfalls behauptet, von Aqap beauftragt und finanziert worden zu sein. Auch diese Terrororganisation droht dem Westen jetzt mit weiteren Anschlägen.
„Wir haben es mit einer riesigen Herausforderung und fest entschlossenen Leuten
zu tun“, sagte der französische Premier Manuel Valls am Wochenende. Sein Land behielt die höchste Terrorwarnstufe bei. Hunderte Soldaten wurden zur Verstärkung
der Polizei nach Paris geholt. Präsident
François Hollande sagte zu, jüdische Schulen und Synagogen besonders gut zu schützen. In Frankreich leben 550 000 Juden.
Antisemitische Attacken nehmen stark zu.
Zugleich häuften sich in Frankreich in den
vergangenen Tagen Übergriffe auf Moscheen. Die Sicherheitskräfte sind an vielen Fronten gefordert.
Eine weitere Herausforderung war für
Polizei und Militär am Sonntag die Großde-
TERROR IN FRANKREICH
Euro-Dschihad: Aus Syrien und dem Irak
nach Paris und Dinslaken. Auf den Spuren
der neuen Terroristen
Seite 3
Liberté, Égalité, Fraternité: Wie die französische Gesellschaft den Extremismus besiegen kann
Seite 4
Juden in Frankreich: „Man hasst uns, wir
sind wie Freiwild.“ Begegnungen mit Menschen voller Angst
Seite 5
Weitere Informationen zum Anschlag
auch unter: sz.de/charlie
monstration in Paris, die am Nachmittag
begann und zu einem ergreifenden Signal
internationaler Solidarität wurde. Eine unüberschaubare Menschenmenge, darunter auch Angehörige der Terror-Opfer, marschierte über die Boulevards der Hauptstadt zwischen der Place de la République
und der Place de la Nation. Von bis zu einer
Million Teilnehmern war in Schätzungen
die Rede. Viele Demonstranten trugen
Transparente und Plakate mit der Aufschrift „Je suis Charlie“ (Ich bin Charlie)
mit sich.
An der Spitze des Zugs gingen, Hand in
Hand, Präsident Hollande und die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel.
Auch die Staats- und Regierungschefs vieler anderer Länder marschierten mit, darunter der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu, Palästinenserpräsident
Mahmud Abbas und der jordanische König
Abdullah II. Fast alle Parteien und Gewerkschaften Frankreichs schlossen sich der
Demonstration an. Nur Marine Le Pen und
ihre Rechtsaußen-Partei Front National
blieben fern, da sie von den meisten anderen Gruppen für nicht erwünscht erklärt
worden waren. Bereits am Samstag hatten
bis zu 700 000 Menschen in vielen Städten
Frankreichs gegen Terror demonstriert.
Bei einem Innenministertreffen am Wochenende in Paris wurde vereinbart, international noch enger gegen den Terrorismus zusammenzuarbeiten. Die USA luden
für den 18. Februar zu einem Anti-TerrorGipfel in Washington ein. Der deutsche Innenminister Thomas de Maizière sagte, Anschläge in Deutschland seien nicht auszuschließen. Die Sicherheitsvorkehrungen
wurden verstärkt. „Wir sind wachsam, voller Sorge, aber ohne Angst.“
Berlin – Die Sturmserie in Deutschland
reißt nicht ab. Bis zum Freitag rechnen Meteorologen weiter mit heftigem Wind. An
den Küsten und im Bergland seien sogar orkanartige Böen möglich, teilte der Deutsche Wetterdienst am Sonntag mit. Elon
und Felix hatten am Wochenende in Europa zum Teil erhebliche Schäden angerichtet und vielerorts den Bahnverkehr lahmgelegt. dpa
Panorama
Schwere Panne
bei Organ-Entnahme
München – Erneut haben Ärzte Fehler bei
der Feststellung des Hirntods gemacht. In
einem Krankenhaus im Raum Bremen wurde Anfang Dezember eine Organspende abgebrochen, weil der Spender womöglich
noch lebte. Operateure hatten zu diesem
Zeitpunkt bereits seinen Bauch geöffnet.
Die Überwachungskommission der Bundesärztekammer untersucht den Fall derzeit. bern
Panorama
Filmstar Anita Ekberg
gestorben
Rom – Filmstar Anita Ekberg ist tot. Die
Schauspielerin starb am Sonntag mit
83 Jahren in Rom. Mit einer Szene in Federico Fellinis „La Dolce Vita“ schrieb sie
1959 Filmgeschichte: Sie badete darin
nachts im Trevi-Brunnen. Schwedens Regierungschef Stefan Löfven sagte, Ekberg
sei „in die Welt hinaus gegangen und hat
Schweden mit ihrem Wirken noch bekannter gemacht“. dpa
Feuilleton
Bundesligaprofi Malanda
tödlich verunglückt
Wolfsburg – Der belgische Fußballspieler
Junior Malanda vom VfL Wolfsburg ist am
Samstag bei einem Autounfall in der Nähe
von Porta Westfalica ums Leben gekommen. Der Wagen, in dem der 20-Jährige
nach Angaben der Polizei auf der Rückbank saß, war gegen einen Baum geprallt.
Wolfsburgs Sportchef Klaus Allofs sagte, alle Mannschaftskollegen seien „total am Boden zerstört“. dpa
Sport
DAS WETTER
14
Wirtschaft
Groß, schnell, durstig: Die
US-Autohersteller präsentieren
wieder Spritschlucker
MÜNCHEN, MONTAG, 12. JANUAR 2015
Am Anfang hatten die Reformer eine naheliegende Idee: Als die rot-grüne Bundesregierung mit der Agenda 2010 die Sozialhilfe in ihrer bisherigen Form abschaffte und Hartz IV einführte, wollte sie
den Sozialstaat moderner machen. Es sollte endlich Schluss sein mit dem komplizierten Berechnen von Leistungen für diejenigen, die zum Überleben Geld vom
Staat brauchen. In einer Pauschale, derzeit 399 Euro für einen Alleinstehenden,
sollte möglichst alles drin sein. Doch nun,
zehn Jahre danach, ist klar: Hartz IV hat
sich zu einem Bürokratiemonster mit Absurditäten entwickelt, die es in dieser
Form wohl nur in Deutschland gibt.
Die durchschnittliche Akte eines der
3,4 Millionen Hartz-IV-Haushalte ist etwa 650 Seiten dick. Das liegt auch daran,
dass der Hartz-IV-Regelsatz eben nicht alles abdeckt. Wer sich zum Beispiel mit einem Boiler getrennt von der Heizung elektrisch mit Warmwasser versorgen muss,
bekommt 9,18 Euro monatlich obendrauf. Kindern steht für solche warmen
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2,20 Euro für Kleister
Pedantische Regeln für Hartz-IV-Bezieher belasten Jobcenter
Duschen ebenfalls ein Obolus zu – gestaffelt nach Altersstufen. Hat das Kind
7. oder 15. Geburtstag, ist ein neuer HartzIV-Bescheid fällig, weil es von diesem Alter an ein paar Cent mehr gibt.
Auch mit der Frage, welche orthopädischen Schuhe und Einlagen geeignet
sind, müssen sich Mitarbeiter in den Jobcentern befassen. Liegt ein ärztliches Attest vor, gibt es dafür Extra-Geld vom
Staat, abzüglich eines Eigenanteils. Für
orthopädische Hausschuhe etwa beträgt
dieser 40 Euro. Heinrich Alt, Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit
(BA), sagt: „Es kann nicht unsere Aufgabe
sein, sich mit DIN-Normen von Schuhen
und Einlagen zu beschäftigen und darauf
zu achten, dass nicht die falschen Schuhe
die richtigen Einlagen haben oder die richtigen Schuhe die falschen Einlagen.“
Gibt es für orthopädische Schuhe einheitliche, von der Nürnberger BA vorgegebene Standards, wird es bei der sogenannten „Erstausstattung der Wohnung“ noch
komplizierter: Ziehen Hartz-IV-Bezieher
neu in eine Wohnung ein oder ist diese zu
renovieren, werden sie dabei vom Jobcenter finanziell unterstützt. Wie und in welcher Höhe dies nötig ist, entscheidet die
Kommune. Städte und Landkreise mit
Jobcenter haben dafür eigene Regelkataloge verfasst – mit viel Liebe fürs Detail.
In Berlin sollen die Jobcenter zum Beispiel bei Gardinen für Deko-Stoff pro laufenden Meter fünf Euro zahlen. „Angemessen ist die 2-fache Fensterbreite für
Store und Deko-Stoff“, so ein Rundschreiben des Sozialsenats. Muss ein Hartz-IVEmpfänger in Düsseldorf 45 Quadratmeter Wandfläche tapezieren, werden ihm
dafür „unter Berücksichtigung der in der
Tabelle aufgeführten Ergiebigkeitswerte“ unter anderem zwei Pakete Kleister ersetzt – das Stück für 2,20 Euro. In Hamburg können „für die Bewirtung von freiwilligen Helfern Kosten in Höhe von insgesamt bis zu 25 Euro übernommen werden“, heißt es in einer Fachanweisung. In
Dortmund haben die Jobcenter zwei Euro
für den laufenden Meter Fußleisten auszuzahlen, sofern diese fehlen.
BA-Vorstand Alt hält jedoch gar nichts
davon, bis ins letzte Detail Einzelfallgerechtigkeit zu schaffen und dadurch die
Bürokratie auszubauen. „Durch diese
Überfürsorge entmündigen wir Menschen, statt ihre Eigenverantwortung zu
stärken, wie es das Gesetz vorsieht.“ Für
ihn steht fest: Hartz IV muss einfacher
werden, damit nicht mehr die Hälfte des
Personals in den Jobcentern mit dem Berechnen von Leistungen beschäftigt ist.
„Dann haben wir auch mehr Zeit dafür,
Menschen in Ausbildung und Beschäftigung zu bringen.“ thomas öchsner
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NACHTS
Es halten sich verbreitet dichte Wolkenfelder. Dabei kann es gebietsweise regnen
oder nieseln. Im Süden ist es überwiegend
freundlich. Fünf bis elf Grad. Der Wind
weht frisch bis stark mit Sturmböen aus
Südwest.
Seite 13
Gewinnzahlen vom Wochenende
Lotto (10.01.): 5, 11, 19, 20, 32, 43
Superzahl: 6
Toto: -, 1, 1, 1, 0, 1, 0, 1, 1, 0, -, -, Auswahlwette: lag noch nicht vor
Zusatzspiel: lag noch nicht vor
Spiel 77: 0 2 4 3 6 3 2
Super 6: 1 7 8 6 2 4
(Ohne Gewähr)
Weitere Gewinnzahlen:
Wirtschaft, Seite 17
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