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GoldRaum - Lehrstuhl für Restaurierung, Kunsttechnologie

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GoldRaum
Technische Universität München / TUM Graduate School
Vorhoelzer Forum 09./10.02.2015
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Fachkonferenz
GoldRaum
Technische Universität München / TUM Graduate School
Fakultät für Architektur, Lehrstuhl für Restaurierung, Kunsttechnologie
und Konservierungswissenschaft
09./10. Februar 2015
TUM Hauptgebäude Arcisstraße 21
Vorhoelzer Forum
Das Graduate Center Architecture unterstützt jährlich Fachkonferenzen, die
Nachwuchswissenschaftlern der Fakultät für Architektur helfen, sich unter­
einander und mit ihrem spezifischen wissenschaftlichen Umfeld zu vernetzen.
Die diesjährige Fachkonferenz widmet sich dem Thema Gold, welches von
unterschiedlichen Seiten betrachtet wird, um vorhandene Erkenntnisse zu
vernetzen und neue Sichtweisen zu gewinnen. Nachwuchswissenschaftler und
etablierte Spezialisten aus verschiedenen Disziplinen werden auf materialtechnische Aspekte sowie die Wirkung und Bedeutung von Gold eingehen.
Es erwartet die Referenten und Zuhörer ein spannender Austausch der Fach­
richtungen Konservierung-Restaurierung, Architektur, Geologie, Kunst­ge­
schichte, Kunsttechnologie und Archäologie.
Konzept und Organisation
Dipl.-Restauratorin Cornelia Saffarian, Lehrstuhl für Restaurierung,
Kunsttechnologie und Konservierungswissenschaft
Dr. Stefanie Correll, Lehrstuhl für Restaurierung, Kunsttechnologie und
Konservierungswissenschaft
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Programm Montag, 09.Februar 2015
Programm
Dienstag, 10.Februar 2015
09:30 – 09:45
Erwin Emmerling
Begrüßung
9:30 – 10:00
Alberto Veiga
Philharmonie Szczecin
09:50 – 10:20
Gerhard Lehrberger
Gold im NaturRaum
10:05 – 10:35
Uta Graff
Goldraum – Die Kapelle im Olympiastadion Berlin
10:25 – 10:55
Stephan Wolf
Polimentvergoldung: Herstellung – Wirkung – Erhaltung
10:40 – 11:10
Andreas Grüner
Gold als Problem – Zur Rolle des Materials Gold in der
römischen Wohnarchitektur
11:00 – 11:30
Eike Dehn
Über Armenischen Bolus
bis ca. 11:45 Diskussion
bis ca. 11:30Diskussion
Pause
Pause
13:00 – 13:30
Rupert Gebhard
„The Limits of Expertise“ – Zum Goldfund von Bernstorf
13:35 – 14:05
Ina MeiSSner-Schneebauer
Material- und herstellungstechnologische Untersuchungen
an Goldtextilien des frühen und hohen Mittelalters
14:10 – 14:40
Irmhild Schäfer und Thorsten Allscher
Gold am Buch – Neues Material oder Recycling?
13:00 – 13:30
13:35 – 14:05
Jilleen Nadolny
Technical and Practical Constraints in Imaging Opulence:
The Use of Gold in Medieval and Early Renaissance Painting
Ester Wipfler
Gold in der antiken und frühchristlichen Tafelmalerei –
Überlegungen zu Funktion und Bedeutung des Materials im
Rahmen des Forschungsprojektes ISIMAT
Pause
14:10 – 14:40
Jürgen Pursche
Vergoldungen am Dekor historischer Großräume –
Bedeutung und Äquivalent
Pause
15:30 – 16:00
16:05 – 16:35
Judith Rauser
Goldene Panzer. Gustav Klimts Ritterdarstellungen in
Tafelbild, Fresko und Mosaik
Petros Sianos
Goldjunge
bis ca. 17:30Diskussion
15:30 – 16:00
Veronika Disl
Die Verwendung von Leonischen Waren in Klosterarbeiten
16:05-16:35
Erwin Emmerling
Goldene „Engel“ – „goldene“ Figuren
16:40 – 17:10
Cornelia Saffarian
„Goldschimmernde Bronze“ – Denkmäler der Königlichen
Erzgießerei in München
bis ca. 17:30 Diskussion
Dr. Gerhard Lehrberger
Stephan Wolf
Akademischer Direktor, Lehrstuhl für Ingenieurgeologie, Technische Universität
München
Restaurierungszentrum der Bayerischen Schlösserverwaltung im Fachbereich
Wandrestaurierung und architekturgebundene polychrome Fassung
Nebenberufliche Tätigkeit an der Meisterschule für Vergolder in München,
fachpraktischer Unterricht in historischen Fassungstechniken
Gold im NaturRaum
Gold ist ein seltenes Element mit einem Anteil an der Erdkruste von nur 0,003
Gramm pro Tonne Gestein. Für eine wirtschaftliche Gewinnung muss der Gehalt
durch geologische Prozesse auf wenigstens 0,1 g/t erhöht worden sein. Diese
Prozesse finden räumlich sowohl im Erdinneren, auf dem Boden der Ozeane, in
heißen Quellen, an Berghängen oder in Flüssen statt. Die Räume, in denen Gold
in der Natur auftritt, können Spalten, schwarzer Schlamm, Sand, Kies und
bunte Sinterkrusten sein.
Man muss in der Natur klar zwischen dem chemischen Element Au und dem
Mineral Gold unterscheiden. Das Mineral Gold war eines der ersten vom Men­
schen genutzten Minerale überhaupt. Meist ist es eine Legierung der chemischen
Elemente Au (Gold) und Ag (Silber). Steigt der Silbergehalt auf mehr als
15–20 %, spricht man vom Mineral Elektrum. Selten sucht sich Gold Bindungs­
partner und formt dann Goldminerale, wie etwa mit Antimon den Aurostibit
oder mit Bismut den Maldonit.
Bei geodynamischen Prozessen wie Gebirgsbildungen oder Vulkanismus scheidet
sich Gold aus heißen wässrigen Lösungen aus, oft zusammen mit Quarz und
Sulfidmineralen. An den mittelozeanischen Rücken treten aus den sogenannten
„Schwarzen Rauchern“ goldhaltige Erzschlämme aus, Thermalquellen in Vul­
kangebieten scheiden kieselige Sinter mit hohen Gold-Wolfram und Antimonge­
halten aus. Man spricht wegen des neu gebildeten Goldes auch von primären
Goldvorkommen.
Verwittern diese an der Erdoberfläche, so wird das Gold aus dem Gestein frei­
gesetzt, in die Bäche gespült und landet meist zwischen größeren Geröllen
in den Ablagerungen der Flüsse. Dieses meist gerundete Gold wird auch als
sekundäres oder Seifen-Gold bezeichnet. Ein Teil des Goldes löst sich, wird
über das Flusswasser transportiert und trägt zu einer erheblichen Goldmenge
im Meerwasser bei.
Möchte der Mensch das Gold aus den NaturRäumen gewinnen, muss er die
Naturräume gezielt mit BergwerksRäumen erschließen. Das Gold wird dann aus
den Verwachsungen befreit und je nach Mineralvergesellschaftung nach auf­
wändigen Aufbereitungsschritten bis hin zum Goldbarren verarbeitet.
6
Polimentvergoldung / Herstellung – Wirkung – Erhaltung
Der Vortrag gibt einen Überblick über die Herstellung von Polimentvergol­dun­
gen, beschreibt die Wirkung an ausgewählten Beispielen und beschäftigt sich
mit verschiedenen Erhaltungsansätzen unter Betrachtung materialimmanenter
Aspekte.
Herstellung – Seit Entwicklung der Polimentvergoldung im Mittelalter haben
sich die Grundzüge dieser aufwändigen Fasstechnik nicht wesentlich verän­
dert. Der Schichtenaufbau besteht aus einem fein aufeinander abge­stimmten
System wässrig gebundener, füllstoffhaltiger Grundierungen, die in Kombination
mit Bolus oder Poliment genannten fetten Tonerden ein polierfähiges Polster
für die Vergoldung bilden. Nur auf diesem speziellen Untergrund lässt sich
appliziertes Blattgold mit Poliersteinen auf einen massiv wirkenden Goldglanz
polieren. Die fachgerechte Ausführung der anspruchsvollen Technik setzt eine
umfassende Ausbildung voraus.
Wirkung – Die Wirkung von Polimentvergoldungen lässt sich, exemplarisch für
die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts, an Beispielen der Ausstattung des
Neuen Schlosses in Schleißheim darstellen. Im Wechsel von strukturierten und
glatten, matten und glänzenden Oberflächen entfaltet die Technik den ganzen
Reichtum der Gestaltungsmöglichkeiten höfischer Repräsentationskunst.
Erhaltung – Die Konservierung von Polimentvergoldungen erfordert, neben
umfassenden Kenntnissen über Material und Technik, viel Erfahrung, Finger­
spitzengefühl und Geduld. Bei der Restaurierung von Polimentvergoldungen
gibt es, über die Kittung von Grundierungsausbrüchen hinaus, bezüglich der
Reintegration von Fehlstellen verschiedene Ansätze. Während bei Ergänzungen
in artgleicher Technik zugunsten eines geschlossenen Gesamteindruckes die
Ablesbarkeit leidet, unterliegen Ergänzungen mittels Farbretuschen bei wech­
selnden Lichtverhältnissen wegen fehlender Reflexionsfähigkeit optischen
Einschränkungen. Da Polimentvergoldungen feuchteempfindlich sind, unterliegen
sie bei starker Nutzung einem verstärkten Verschleiß.
7
Dipl.-Restaurator Eike Dehn
Dr. Jilleen Nadolny
Restaurierungswerkstätte Onnen, Georg-Kügel-Ring 2A, 96114 Hirschaid
www.onnen-restaurierung.de
Senior Research Associate, Art Access & Research, London
Über Armenischen Bolus
Armenischer Bolus ist die Bezeichnung für eine Tonerde, die in der Vergoldung
als Unterlage für Blattgold über einen Zeitraum von mindestens 600 Jahren
Verwendung fand. Neben dem Gebrauch in der Kunsttechnik wurde die Tonerde
seit der Antike als Heilmittel in der Medizin angewendet. Durch die Gleichset­
zung mit dem antiken Farbmittel Sinope lässt sich der Gebrauch in der Kunst
eben­falls bis in die Antike zurückverfolgen. Quellen unterrichten uns über die
Verwendung des Armenischen Bolus in den Golduntergründen der Buch-, Tafelund Fassmalerei. Die Begriffe Bolus, Goldgrund und Poliment werden erläutert
und definiert. Erklärt wird die Herkunft, der Handel und die historischen Be­
zugs­quellen für Armenischen Bolus. Literaturrecherchen belegen Armenischen
Bolus als Qualitätsbezeichnung für eine besonders feine, rötliche und fette
Tonerde, die zahlreichen kleinasiatischen und europäischen Lagerstätten ent­stam­
men kann. Eine Forschungsreise zu einer Fundstätte im Nordosten Kleinasiens
konnte 2004 nachweisen, dass Armenischer Bolus noch heute in der Ursprungs­
region gefördert und als Heilmittel verwendet wird. Vergleichende Analysen
dieser Funde konnten zeigen, dass es kein eindeutiges mineralogisches Merk­
mal für Armenischen Bolus gibt und die Bezeichnung daher auf zahlreiche
Tonerden angewendet werden kann.
8
Technical and Practical Constraints in Imaging Opulence: The Use of Gold in
Medieval and Early Renaissance Painting
In medieval and early Renaissance painting, artists sought to produce objects
worthy of the liturgical setting. In this early period of European art,
craftsmanship and materials were highly valued and creating the impression
of splendour, by incorporation of gold and other precious materials, was an
essential part of the artist’s task. However, such tasks were, by nature,
constrained by practical concerns. The cost of the materials, above all gold, and
the skill needed in their work engendered the development of a range of ersatz
techniques as well as the development of craft specialists, such as gold
beaters, gilders and preparers (Goldschlaeger, Vergolder and Zubereiter, in
German) within the European guild system. The acceptance of the use of ersatz
techniques for gold (for example, silver coated with yellow glazes, or the use of
laminate metal leaf, such as part gold) varied throughout Europe as did the
attitudes and extent to which specialist craftsman evolved. Drawing upon the
study and technical analysis of objects, guild ordinances, contracts and other
documentary sources, this paper will survey the implications for the use of gold
in the practice of the painters craft in Europe, from c. 1200–1600, a dynamic
period in the development of the art of painting.
9
Dr. Esther Wipfler
Dr. phil. h.c. Jürgen Pursche
Zentralinstitut für Kunstgeschichte, Forschungsstelle Realienkunde
Konservierung und Restaurierung von Wandmalerei, München
Gold in der antiken und frühchristlichen Tafelmalerei – Überlegungen zu
Funktion und Bedeutung des Materials im Rahmen des Forschungsprojektes
ISIMAT
Vergoldungen am Dekor historischer Großräume – Bedeutung und Äquivalent
Seit über 100 Jahren beschäftigen sich nicht nur die Kunsthistoriker mit dem
Goldgrund in der Kunst. So beschrieb ihn Oswald Spengler in seinem
„Untergang des Abendlandes“ als etwas Magisches, das „jenseits alle[m]
Farbig-Natürliche[n]“ stehe und das „Wesen und Walten der Gottheit“
darstelle. Alois Riegl sah im spätbyzantinischen Goldgrund die Darstellung des
„Idealraums“. Erwin Panofsky verstand ihn als Metapher für die Unendlichkeit.
Vielfach wurde der Goldgrund dann allgemein als Materialisierung des Lichts
und/oder Ausdruck der Transzendenz interpretiert, die dann in der Neuzeit
durch die – perspektivisch genaue – Landschaftsdarstellung abgelöst, wenn
nicht gar „überwunden“ worden sei. Andere wie Ellen Beer betonten dagegen
seinen ornamentalen Charakter. Peter Cornelius Claussen kam schließlich zu
dem Ergebnis, dass der Goldgrund stets als „Projektionsfläche des jeweiligen
Mittelalterbildes“ diente.
Auch unsere jetzige Beschäftigung mit dem Phänomen ist natürlich nicht frei
von Vorverständnis und Intention. In einem interdisziplinären Projekt nach der
Förderrichtlinie „Die Sprache der Objekte“ des BMBF sehen wir uns aber vor
allem dem einzelnen Werk verpflichtet und versuchen davon ausgehend zu
allgemeineren Aussagen zu kommen. Im Rahmen unseres Projektes ISIMAT1,
das sich dem Inkarnat in der Tafelmalerei von 200 bis 1250 widmet, fragen wir
auch nach dem Kontext der jeweiligen Darstellung und deren Bedeutungs­
wandel.
Der Goldgrund erscheint auf Mumienporträts wie auf frühen Ikonen und
Tafelbildern des Hochmittelalters. Er ist dort nicht nur jeweils technisch anders
hergestellt, sondern Teil einer eigenen Ikonographie. In dem Beitrag sollen
Gemeinsamkeiten und Unterschiede diskutiert werden, wobei als grundsätzliche
Fragen bleiben: Welchen Raum definiert der Goldgrund? Wie verhält er sich zur
Darstellung von (anderen) Lichtphänomenen, u. a. Nimbus und Strahlenkranz? In diesem Beitrag sollen nicht nur technische Aspekte der Vergoldung oder
anderer Metallisierungen an der Dekoration von Großräumen vorgestellt
werden. Auch die Materialikonologie schlechthin, die Bedeutung beispielsweise
polierter Oberflächen für lichtreflektierende Effekte oder die Aussage
metallisierter Oberflächen im Sinne der „Stellvertretung“ des edlen eigentlich
gemeinten Materials sollen angesprochen werden.
Ein Schwerpunkt wird dabei auf den dekorativen Gestaltungen und Stuckie­
rungen des 17. und 18. Jahrhunderts liegen. Integriert in diese Thematik sind
Seitenblicke auf die Verwendung von Gold oder anderer entsprechend aus­
gerüsteter Metallfolien in der Wand- und Deckenmalerei.
1 siehe http://www.zikg.eu/projekte/projekte-zi/isimat
10
11
Judith Rauser, M.A.
Petros Sianos
Doktorandin am Kunstgeschichtlichen Seminar der Universität Hamburg
(Prof. Dr. Monika Wagner) / München
Freischaffender Künstler, Reichenbachstrasse 40, 80469 München,
www.petrossianos.de
Goldene Panzer. Gustav Klimts Ritterdarstellungen in Tafelbild, Fresko und
Mosaik
Goldjunge
Unter den Künstlern der Moderne steht Gustav Klimt wohl am prominentesten
für den erneuten Einsatz des höchsten der Materialien: Ob im „Kuss“ und oder
im „Bildnis der Adele Bloch-Bauer“, Gold in schwindelerregenden Mengen
macht ein Faszinosum der Werke Klimts aus, das ausgehend vom auratischen
Glanz der Originale noch bis zu den Massen kitschig schillernder „KlimtDevotio­na­lien“ der einschlägigen Museumsshops reicht. Auch von Seiten der
Forschung hat der Einsatz des Goldes bei Klimt hinreichend Aufmerksamkeit
gefunden. Dabei waren oftmals die weiblichen Porträts und sowie einzelne
Allegorien Gegenstand der Diskussion, die die Frage nach dem Gold mit
zeitgenössischen Diskursen um das Ornament und die beginnende Abstraktion
um 1900 verband.
Dem soll hier der Fokus auf die von Gold überzogenen männlichen Figuren an
die Seite gestellt werden. Es handelt sich dabei allesamt um Ritterfiguren, die
ebenso durch allegorische Bedeutungsinhalte gekennzeichnet sind. Im Unter­
schied zu den weiblichen „Goldkörpern“ scheint der Einsatz des Goldes jedoch
eine Rückbindung an das repräsentierte Objekt, eine goldene Rüstung, zu
behalten. Thematisiert werden soll daher, inwiefern der Einsatz, die Bedeutung
und die Wirkung des Goldes auf die Figur mit anderen Darstellungen Klimts und
dem Ästhetizismus der Wiener Secession in Relation steht. Darüber hinaus
bieten die goldenen Ritter Klimts in verschiedenen künstlerischen Medien – im
Tafelbild, in den Fresken des Beethoven-Frieses und dem Materialmosaik des
Speisezimmers im Palais Stoclet – ein Beispiel für die Arbeit mit dem Werkstoff
Gold am Schnittpunkt angewandter und autonomer Künste und fordern
(material-)ästhetische Vergleiche heraus.
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So Gold und ich. Seit ich mich erinnern kann, bewundere ich das Metall. Es
faszinierte mich so sehr, dass ich den Schmuck meiner Mutter immer nahm und
damit gespielt habe, seien es die Piraten, die den Goldschatz suchen, oder die
Westernhelden, die vom Goldrausch gepackt waren, sodass sie sich gegenseitig
erschossen. Meine ersten Fantasiereisen erlebte ich während der Liturgie in
der orthodoxen Kirche, wo ich aus Langeweile die Ikonen mit dem vergoldeten
Heiligenschein und die Hintergründe bewunderte. Diese Assoziation mit Gold ist
für die Heiligen und kommt von den Göttern oder von Gott. Diese Faszination
blieb erhalten auch in der Zeit, wo Gold nicht en vogue war, alle Silber trugen
und Gold lasch kitschig deklarierten. Ich blieb dem Metall treu. Begeistert war
ich auch von den Schulausflügen zu den Schlössern von Bayern als Schulkind,
wo ich so gebannt war von der Vergoldung am Stuck und dem Mobiliar. Die
Märchen waren auch eine Beeinflussung, da immer das Gute mit Gold belohnt
wurde und das Schlechte mit Pech, Verbannung oder sogar Tod. Die Besuche in
den Kirchen, den Schlössern, die Märchen und natürlich die Hollywood-Filme
hatten und haben einen großen Einfluss auf meine Kunst ausgeübt.
Tiefer ging das Auseinandersetzen mit Gold, während ich in der Akademie stu­diert,
in der Maltechnik-Werkstatt bei Kathrin Kinseher als studentische Hilfskraft
gearbeitet und mich mit den Techniken auseinander gesetzt habe. Eine davon
war das Vergolden.
Ich suchte dann auch speziell Künstler, die sich auch mit Gold beschäftigen.
Komischerweise haben die meisten zeitgenössische Künstler Gold für sich
verwendet, von Josef Beuys, Thomas Demand, Lucio Fontana, Rebecca Horn,
Jannis Kounellis, Sigmar Polke, Man Ray, Andy Warhol, mein Lieblingskünstler
Yves Klein und viele mehr. Jeder hatte natürlich andere Ansätze, aber waren
doch alle gefangen vom Glanz, der Erhabenheit und der Unvergänglichkeit des
Materials.
13
Alberto Veiga
Prof. Dipl.-Ing. Architektin BDA Uta Graff
Architekten Barozzi / Veiga, Bailén, 36 1° 2 a, 08010 Barcelona
www.barozziveiga.com
Lehrstuhl für Entwerfen und Gestalten, Technische Universität München
Goldraum – Die Kapelle im Olympiastadion Berlin
Philharmonie Szczecin
Der Beitrag geht auf die Neugestaltung der Stettiner Philharmonie ein, die im
September 2014 neu eröffnet wurde.
Im Innenraum finden sich an der Decke goldene geometrische Elemente, die an
Origamie-Faltungen erinnern, und ein blanker rechteckiger Rahmen über dem
Parkett.
„Innen ist eine andere Wirklichkeit als Außen. Die Dinge sind darin aufgeschlos­sen
und sind mit uns verbunden. Wir sind darin empfindlich und störanfällig, aber
auch reagibler.“
Der ökumenische Andachtsraum im Olympiastadion Berlin ist ein reiner Innen­
raum. Er liegt an zentraler Stelle im Stadion und wird durch eine mit Blattgold
belegte Wand über ovalem Grundriss gebildet, die paraventartig in einen
bestehenden Raum eingestellt ist. Die Wand ist gleichermaßen raumbildendes
Element, Schmuckstück und Träger von Bibeltexten.
Als Architektin hatte ich das Glück diesen Goldraum zu konzipieren, zu planen
und zu realisieren und möchte mit meinem Vortrag einen Einblick geben in
diesen Prozess, und die Entstehung von der architektonischen Konzeption bis
zur handwerklichen Konkretion betrachten. Das Ineinandergreifen von gestal­
te­rischer Idee und handwerklicher Ausführung, insbesondere bei der Vergoldung
der Wand, steht dabei im Zentrum der Betrachtung.
Thematisch werde ich auf folgende Punkte eingehen:
Der Ort – Olympiastadion Berlin, räumlicher und historischer Kontext
Der Raum – räumliche Organisation, Zwischenraum, Eintritt, Schwelle, Nebenräume
Die Wand – raumbildendes Element, Zierde, Textfries
Das Material – Blattgold, Verarbeitung des Blattgoldes, Zusammenklang der
Materialien
Das Licht – indirekt, Leuchtkraft des Goldes
Die Schrift – Schriftzeichen als Aussparungen aus dem Goldgrund
Die Ausstattung – Prinzipalstücke, Hocker, Orgel
In seiner Farbigkeit, seinem Glanz, seinem Wert und seiner Bedeutung ist das
Gold das den Raum prägende Material. Ihm gegenüber nehmen sich alle
anderen Elemente gestalterisch und in ihrer Materialität und Farbigkeit zurück:
Der anthrazitfarbene Kunststeinboden, die eingehängte schwarze Kuppeldecke,
die Zugänge und die Ausstattungsstücke bilden den dunklen Fond für die durch
indirektes Licht scheinbar aus sich heraus leuchtende Goldwand. In diesem
Sinne steht die Kapelle im Olympiastadion Berlin exemplarisch für einen zeit­ge­
nössischen Goldraum.
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Prof. Dr. Andreas Grüner
Prof. Dr. Rupert Gebhard
Institut für Klassische Archäologie, Universität Erlangen-Nürnberg
Ltd. Sammlungsdirektor, Archäologische Staatssammlung München
Gold als Problem
Zur Rolle des Materials Gold in der römischen Wohnarchitektur
„The Limits of Expertise“ – Zum Goldfund von Bernstorf
Das Material Gold hat in der Kultur der römischen Republik und Kaiserzeit
einen ambivalenten Stellenwert. Einerseits unterliegt die Verwendung des
Materials strengen gesetzlichen Beschränkungen, da zu großer Aufwand den
ethischen Grundsätzen und dem Selbstverständnis der römischen Senats­
aristo­kratie widerspricht. Auf der anderen Seite werden die sensualistischen
Eigenschaften des Goldes in Architektur und Kunst hoch geschätzt, so dass es
in vielfacher Weise zum Einsatz kommt. Der Vortrag versucht, dem Phänomen
Gold in der römischen Architektur näher zu kommen, an ausgewählten Beispie­len
Verwendung und Funktion dieses Materials zu verdeutlichen und die archäo­lo­
gischen Befunde mit der genannten, ambivalenten sozialen Bewertung zu
korrelieren.
16
Gold kommt als Metall in der Natur nur mit einer begrenzten Zahl von Begleit­
elementen vor. Es ist daher sehr viel schwieriger als beispielsweise bei Bronze,
Aussagen über die Herkunft zu machen. Erst in den letzten Jahren konnte man
hier mit Isotopenuntersuchungen Fortschritte machen. Der Vortrag präsentiert
anhand einer aktuellen Diskussion, wo die Erkenntnisgrenzen bei naturwissen­
schaftlichen Untersuchungen von Goldlegierungen erreicht werden und setzt
zugleich die „klassischen“ stilistischen Betrachtungsmöglichkeiten dagegen.
Bei dem vorgestellten Beispiel handelt es sich um einen Goldfund, der vor 15
Jahren innerhalb einer abgebrannten bronzezeitlichen Siedlung nordwestlich von
Freising gemacht wurde. Aufgrund der ungewöhnlichen Reinheit des Goldes
wurde kürzlich der Verdacht geäußert, dass es sich bei den Objekten um
Fälschungen handeln würde. Das Untersuchungsprojekt dauert an, es wird der
aktuelle Stand der durchgeführten und weiteren Untersuchungen dargestellt.
17
Dipl.-Restauratorin Ina MeiSSner-Schneebauer
Dr. Thorsten Allscher und Dr. Irmhild Schäfer
Doktorandin am Lehrstuhl für Restaurierung, Kunsttechnologie und Konser­
vierungs­wissenschaft (Prof. Erwin Emmerling), Technische Universität München
Institut für Buch- und Handschriftenrestaurierung, Bayerische Staatsbibliothek
Gold am Buch – Neues Material oder Recycling?
Material- und herstellungstechnologische Untersuchungen an Goldtextilien
des frühen und hohen Mittelalters
Die Untersuchungsergebnisse basieren auf 42 Goldtextilien des frühen und auf
acht Goldtextilien des hohen Mittelalters. Die frühmittelalterlichen Goldfäden
stammen aus 32 Gräbern überwiegend bayerischer Fundorte. Die Betrachtung
der Befunde zeigt, dass es sich ausschließlich um Bestattete mit einem hohen
sozialen Rang handelt. Die untersuchten Goldtextilien des Hochmittelalters
wurden aus den Herrschergräbern der Kaiser Heinrich III. und IV. sowie König
Philipp von Schwaben im Dom zu Speyer geborgen.
Anhand von Materialanalysen und herstellungstechnologischen Analysen wird
aufgezeigt, wie Goldfäden im frühen und hohen Mittelalter hergestellt und
verwendet wurden. Dabei werden Gemeinsamkeiten und Veränderungen dar­
gestellt. Grundlage bildet die Untersuchung der Verarbeitung und der Maße der
Goldlahne. Die Morphologie der Goldlahnränder erbringt den Nachweis des
verwendeten Trennverfahrens bzw. eines anderen Herstellungsverfahrens.
Durch Gefügeanalysen wird der Gefügezustand dokumentiert und eine Zuord­
nung zu bestimmten Umformtechniken (Schmieden, Walzen usw.) möglich. Die
quantitative Analyse der Legierungszusammensetzung gibt neben der Gold­
qualität Aufschluss über natürliche oder künstliche Legierungen. Vorhandene
Einschlüsse liefern Hinweise auf die Goldlagerstätte.
Mittelalterliche Evangelienbücher mit ihrer Heilsbotschaft wurden im Gottes­
dienst besonders verehrt, bei Prozessionen mitgeführt und bei Konzilien auf
einem Thron aufgestellt. Daher wurden diese und andere liturgische Bücher seit
der Spätantike mit wertvollen Einbänden versehen oder in kostbaren Kästen
aufbewahrt. Die ältesten erhaltenen Goldschmiedeeinbände reichen in das frühe
Mittelalter zurück. Gleichwohl die Dunkelziffer der Verluste unbekannt ist, sind
Prachteinbände aber aus allen Jahrhunderten seit der Spätantike erhalten
geblieben. Wann die Werke genau entstanden und wo die Werkstätten zu lokali­
sieren sind, lässt sich aufgrund der Überlieferungslage nicht durch den Ver­
gleich mit anderen Prachteinbänden ableiten, sondern muss aus dem Kontext
mit anderen Kunstgattungen ermittelt werden.
Die Kostbarkeit der Materialien und die hohe Wertschätzung der Texte brachten es
mit sich, dass diese Kunstwerke mit ihren Gold- und Silberschmiedearbeiten,
Email- und Elfenbeinarbeiten, antiken geschnittenen Steinen sowie Edelsteinen
und Perlen über die Jahrhunderte auch umgearbeitet wurden. Nur bei einem
geringen Prozentsatz der erhaltenen Werke ist daher von einem origi­nalen Be­
satz auszugehen. Dies erschwert die zeitliche und geographische Einordnung
der Einbände.
Im Zentrum des Vortrags stehen die Untersuchungsergebnisse zum Uta-Buch­
kasten aus dem frühen 11. Jahrhundert (München, Bayerische Staatsbibliothek,
Clm 13601) und zum Prachteinband des Evangeliars aus Niederaltaich von
1496 (München, Bayerische Staatsbibliothek, Clm 9476). Der Uta-Buchkasten
gilt trotz Umarbeitungen und Restaurierungen als eine der größten Leistungen
der mittelalterlichen Goldschmiedekunst. Das Niederaltaicher Evangeliar
repräsentiert ein seltenes Beispiel für einen Prachteinband einer liturgischen
Handschrift an der Schwelle zur frühen Neuzeit. Auch bei diesem auf hohem
technischen Niveau ausgeführten Werk fehlen Vergleichsbeispiele, um es sicher
lokalisieren zu können.
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Dipl.-Restauratorin Veronika Disl
Prof. Dipl.-Restaurator Erwin Emmerling
Mona Lisl, Restaurierung – Konservierung – Kunst
Gollierstraße 70, 80339 München, www.monalisl.com
Lehrstuhl für Restaurierung, Kunsttechnologie und Konservierungswissenschaft,
Technische Universität München
Die Verwendung von Leonischen Waren in Klosterarbeiten
Goldene „Engel“ – „goldene“ Figuren
Die bisher wenig untersuchten und meist der Volkskunst zugeordneten Kloster­
arbeiten oder „Schönen Arbeiten“ waren seit dem 15. Jahrhundert häufig
wesentlicher Bestandteil der Ausschmückung bzw. Fassung von Reliquien und
Heiligen Leibern. Der Vortrag thematisiert die Verwendung von Leonischen
Waren in Klosterarbeiten. Bei diesen Waren handelt es sich um metallische und
metallisch-textile Produkte wie Drähte, Lahne, Pailletten, Borten und Spitzen.
Klosterarbeiten wurden aus verschiedensten Materialien gefertigt, bestehen
jedoch häufig und in größerem Umfang aus Leonischen Waren. Besonders für
Reliquien wurden überwiegend echte oder leonische Gold- und Silberdrähte/lahne verarbeitet, da Gold höchste Werte symbolisiert. Der Grundgedanke
hinter Klosterarbeiten ist es, die Knochen der Heiligen bereits auf Erden in ein
Abbild des himmlischen Paradiesgartens zu versetzen. Dazu wurden die Drähte
und Lahne zu mehr oder weniger stark stilisierten Blumen- und Blattmotiven
verarbeitet und sollten eine Allegorie des Himmels darstellen. Ein Wesensmerk­
mal von Klosterarbeiten ist die „Verkleinerung in Erscheinung und Technik“,
etwa bei Drahtarbeiten, deren Vorbild die Goldschmiedekunst ist. Die Verarbei­
tung der Leonischen Waren zu Klosterarbeiten erfolgte durch Ordensleute in
Klöstern oder durch weltliche Reliquienfasser. Dafür wurden zum Teil einfache
Mittel wie Nadeln verwendet und es kamen auch selbst konstruierte „Maschi­n­
chen“ zum Einsatz. Die so entstandenen Zierelemente wurden mit Reliquien­
päckchen und Schriftzetteln „in einer Art ars multiplicata“ auf eine eigentümliche
ästhetische Weise zusammengeführt.
Der Vortrag beinhaltet Anmerkungen zu einigen vergoldeten Bildwerken in
München und Deutschland, ausgehend von der „Allegorie der Wissenschaft“
von Ludwig Dasio (1871–1923). Thematisiert werden Vergoldungstechniken,
deren Oberflächen, Erscheinungsweisen und Veränderungen.
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Dipl.-Restauratorin Cornelia Saffarian
Wissenschaftliche Mitarbeiterin und Doktorandin am Lehrstuhl für
Restaurierung, Kunsttechnologie und Konservierungswissenschaft (Prof. Erwin
Emmerling), Technische Universität München
„Goldschimmernde Bronze“ – Denkmäler der Königlichen Erzgießerei in
München
Im 19. Jahrhundert wurden so viele Denkmäler errichtet wie selten zuvor. Doch
war in Deutschland die Technik der Gießerei von Großbronzen zu Beginn des
19. Jahrhunderts nahezu in Vergessenheit geraten. Fachleute aus Frankreich
und Italien mussten hinzugezogen werden, um Denkmäler für deutsche
Herrscher, Heerführer, Künstler und Wissenschaftler zu errichten. So entstan­
den in mehreren deutschen Städten Bronzegießereien, um die vielen Aufträge
eigenständig bewältigen zu können.
In München wurde im Jahr 1824 unter Max I. Joseph und Kronprinz Ludwig die
Königliche Erzgießerei gegründet. Der erste Leiter der Gießerei war der
Münzschneider und Bildhauer Johann Baptist Stiglmaier, der sich in Italien und
Berlin auf dem Gebiet der Bronzegießerei weiterbildete, um diese Technik auch
in München wieder für Großbronzen einzuführen.
Zahlreiche Münchener Denkmäler wurden im 19. Jahrhundert in „goldschim­
mern­der Bronze“ aufgestellt, wie Ludwig I. vehement forderte. Der Beitrag
geht auf die Fragen ein, welche Oberflächen und Wirkungen bevorzugt wurden
und wie diese zu erreichen waren: Wie äußerte sich der Hauptauftraggeber zur
Gestaltung der Werke? Wie wurden die Denkmäler von Zeitgenossen aufge­
nommen? Welche Techniken zur Herstellung einer goldenen Großbronze wurden
in der Münchener Erzgießerei angewendet?
Veranstalter
Technische Universität München
TUM Graduate School
Graduate Center in Architecture
Arcisstraße 21
80333 München
www. www.ar.tum.de/graduate-center
Graduate Center Architecture
Lehrstuhl für Restaurierung, Kunsttechnologie
und Konservierungswissenschaft
Oettingenstr. 15
80538 München
www.rkk.ar.tum.de
Anmeldung
Die Fachkonferenz ist kostenfrei.
Um Anmeldung wird gebeten.
(Frau Kuchlmayr, k.kuchlmayr@rkk.arch.tu-muenchen.de)
Grafische Gestaltung: Doris M. Würgert
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Kunst und Fotos
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