close

Anmelden

Neues Passwort anfordern?

Anmeldung mit OpenID

- St. Clemens Romanus Marklohe

EinbettenHerunterladen
Volkshaus Jena – 24.10.2014
Freitag
24.10.2014 20 Uhr
4. Kabarett-Herbst im Volkshaus
Joseph Hader
„Hader spielt Hader“
www.susannebuhr.de
Kurztext
Nun hat er also zurückgefunden in sein angestammtes Metier. Die einen kennen ihn
als abgehalfterten Ermittler Brenner, die anderen als Gewinner des Deutschen
Fernsehpreises und die nächsten haben den Österreicher in seinem virtuosen
Theatersolo „Hader muss weg“ genossen. Doch nun ist er wieder angekommen im
Kabarett um nach österreichischer Manier dem Volk aufs Maul zu schauen.
Langtext
Bitterböses, nachtschwarz philosophisches Kabarett aus Österreich.
Nun hat er also zurückgefunden in sein angestammtes Metier. Josef Hader: Die einen
kennen ihn als Schauspieler („Der Knochenmann“, „Ein halbes Leben“) und die
nächsten haben den Österreicher in seinem virtuosen Theatersolo „Hader muss weg“
genossen. Doch nun ist er wieder angekommen im Kabarett, jenem Metier also, bei
dem es in unserem Nachbarland von jeher weniger darum geht, den Politiker aufs
Maul zu schauen als dem Volk.
Aus den letzten fünf Programmen, die durchweg geschlossene Theaterabende sind,
hat Josef Hader Teile herausgenommen und zu kleinen Monologen geformt.
Manches kommt einem deswegen an diesem Abend so bekannt vor, von früher, von
irgendwo. Und er gibt auch zu, dass er gestohlen hat. Doch kommt es darauf an? Bei
dem guten Verhältnis von Täter und Opfer…
Aus der Fülle der Figuren entsteht eine Geschichte, die eines für sich beanspruchen
kann: ein neues Hader-Programm zu sein. Ein echtes.
Agenturtext und Pressestimmen
Aus den letzten fünf Programmen, die durchwegs geschlossene Theaterabend
sind, hat Josef Hader Teile herausgenommen und zu kleinen Monologen
geformt.
Manches kommt einem deswegen so bekannt vor an diesem Abend, von früher,
von irgendwo. Und er gibt auch zu, dass er gestohlen hat. Doch kommt es
darauf an? Bei dem guten Verhältnis von Täter und Opfer…
Aus der Fülle der Figuren entsteht eine Geschichte, die eines für sich
beanspruchen kann: ein neues Hader-Programm zu sein. Ein echtes.
Volkshaus | Ansprechpartner: Heidemarie Waldmann | heidemarie.waldmann@jena.de
Carl-Zeiß-Platz 15, 07743 Jena | Tel. 03641 49-8180, Fax 03641 442820
www.volkshaus-jena.de | www.jenakultur.de
Biografisches
1962 Josef Hader wird in Waldhausen, Oberösterreich, geboren.
1968 Volksschule Nöchling. Wegen wiederholtem Lügen richten die Lehrer in den
kommenden Jahren mehrere Briefe an seine Eltern. Die Unterschrift lässt Hader von
seiner Großmutter fälschen. Ministrant.
1972 Bischöfliches Knabenseminar in Melk. Öffentliches Stiftsgymnasium.
Chorsänger, Mesner, Organist, Bettnässer.
1980 Erste Kabarettversuche an der Schule. Kritische Nummern über Lehrer vor
Schülern. Riesenerfolg. Das Wesen von Kabarett verstanden.
1990 „Deutscher Kleinkunstpreis“.
1991 Gemeinsam mit Alfred Dorfer schreibt er das satirische Stück „Indien“.
1992 1. Hauptrolle vor der Kamera im Fernsehfilm „Cappuccino Melange“.
1993 Verfilmung von „Indien“ (Regie: Paul Harather)
1994 – 1999 Tingelt er mit seinem Soloprogramm „Privat“ durch den
deutschsprachigen Raum und hat ca. 500 000 Zuschauer. Die wenigsten hat er dabei
in Halle an der Saale: dreiundvierzig.
2000 Spielt er im Film „Der Überfall” (Regie: Florian Flicker) dafür bekommt er beim
Filmdestival Locarno den Darstellerpreis.
2001 „Komm süßer Tod” - Drehbuch-Mitarbeit und Hauptrolle (Regie: Wolfgang
Murnberger)
2003 „Silentium“, Drehbuch-Mitarbeit und Hauptrolle (Regie: Wolfgang Murnberger)
2004 – jetzt fährt er mit seinem Programm „Hader muss weg“ herum. In Halle war er
damit noch nicht. Dazwischen spielt er immer wieder in Filmen. Bei den lustigen
schreibt er am Drehbuch mit (wie zum Beispiel „Der Knochmann“), bei den traurigen
ist er nur Schaupieler, bekommt aber leichter Preise. (Deutscher Fernsehpreis für
„Ein halbes Leben“ von Nikolaus Leytner).
Seit neuesten spielt er „Hader spielt Hader“, das seine besten Nummern enthält, aber
künstlerisch eigentlich nicht zu argumentieren ist, außer durch eine Scheidung oder
eine Steuernachzahlung. Er hat leider noch nie verraten, was von beiden.
2010 sendet der ORF den Zweiteiler AUFSCHNEIDER - Drehbuch von David
Schalko und Josef Hader mit Josef Hader in der Hauptrolle des Pathologen Dr.
Fuhrmann
Volkshaus | Ansprechpartner: Heidemarie Waldmann | heidemarie.waldmann@jena.de
Carl-Zeiß-Platz 15, 07743 Jena | Tel. 03641 49-8180, Fax 03641 4428202
www.volkshaus-jena.de | www.jenakultur.de
Taz, 5. Oktober 2010, Peter Unfried
Schmutziger als im Prospekt
Der Postkabarettist Josef Hader ist mit seinem neuen Programm "Hader spielt Hader"
im Babylon. Die Zuschauer nehmen es ihm nicht übel, dass er sie entlarvt. Ganz im
Gegenteil, sie denken: Der Mann hat recht Was ist Humanismus? Dass man schon
schaut, was geht. Sagt Josef Hader. Aber nicht verbissen.
Humanismus ist ein Volvo. Ist Rucola. Und Biospätburgunder. Die größten
Humanisten sind die Leute, die zu dem besten Postkabarettisten der Welt in die
Vorstellung gehen, auf höchstem Konsumniveau total entspannt entlarvt werden und
sich darüber köstlich amüsieren können. Der Postkabarettist Josef Hader aus dem
Burgenland ist wieder in der Stadt, und zwar im Kino Babylon Mitte.
Mit einem Programm namens "Hader spielt Hader". Das ergibt Sinn. Weil: Es gibt
weltweit keinen besseren Hader als Hader. Er geht ja sehr ökonomisch mit seinen
schreiberischen Qualitäten um. Zum einen ist er auch Schauspieler, zum anderen will
er angesichts seines hohen Alters (48) auch noch ein bisschen leben.
Mit dem letzten Programm "Hader muss weg" ist er seit 2004 unterwegs. Der
Vorgänger "Privat" wurde 1994 uraufgeführt. Ein neues Hader-Stück ist also auch
chronologisch ein Jahrzehntereignis. Da ist es naheliegend, ein Nebenprogramm zu
haben für Orte wie Berlin, wo ihn die(selben) Leute gern öfter sehen. "Hader spielt
Hader" ist eine Kompilation von Monologen aus fünf Programmen seit den 80er
Jahren. Dazwischen spielt und singt er am Elektropiano.
Im Kern geht es darum, gute Unterhaltung für die okaygebildete, okayverdienende
Supermittelschicht zu machen, was eine ganz schön komplizierte Sache auf
verschiedenen Ironie-Ebenen ist, weil diese Kundschaft nun mal anspruchsvoll ist. An
die Kraft des politischen Kabaretts glauben sie genauso wenig wie an die der
Politik.
Diese "Mittelschichtswichser", wie Hader sie nennt, sind die, die immer wissen, wer
schuld ist an der ganzen Scheiße der Welt, so wie die Kabarettisten ja auch. Nur er,
Hader, weiß es inzwischen angesichts der Komplexität der Welt oder fortgeschrittener
Selbsterkenntnis manchmal nicht mehr. Aber dann sagt er sich:
"Josef, ist doch egal." Er wird die Welt nicht retten. Er hat das Leben kennengelernt.
Das Leben verliert dadurch, dass man es kennenlernt. Entsprechend zerknittert sieht
er aus.
Auch ein Leitmotiv, das Haders Werk durchzieht: die Unmöglichkeit, das Gute und
Schöne aus der Theorie in das Leben rüberzukriegen. Alles ist kleiner und
schmutziger als im Prospekt: die Akropolis, die Kinder, die Ehe.
Eine von Haders Qualitäten ist das Schaffen und Zerstören von Stimmungen mit
einem Gesichtsausdruck und einer kleinen Veränderung der Stimme. Er will bei
seinen Kindern anrufen. Da fällt ihm ein, dass er gar keine hat. Es sei eine bewusste
Entscheidung aus Umweltschutzgründen gewesen. Die Frage war: Auto oder Kinder?
Binnen zwei Sekunden transformiert sich die heitere Absurdität des Stand-upSketches in eine schöne Melancholie und Empathie für diesen mittelalten
Volkshaus | Ansprechpartner: Heidemarie Waldmann | heidemarie.waldmann@jena.de
Carl-Zeiß-Platz 15, 07743 Jena | Tel. 03641 49-8180, Fax 03641 4428203
www.volkshaus-jena.de | www.jenakultur.de
Autobesitzer, der nun ohne Kinder alt werden muss. Dann lässt Hader die Emoblase
auch schon wieder platzen und ist thematisch ganz woanders. Bei der Sehnsucht
nach dem Landleben (Unfug). Bei Vorurteilen gegenüber Franzosen und Kroaten,
Politikern und Haustierbesitzern (falsch, wer keine hat). Er denkt in diesem
Zusammenhang auch sehr kritisch über das politische Kabarett nach. Man brauche
nur "Westerwelle" zu sagen, um mit dem Publikum in Ablehnung vereint zu sein. Das
ist schlimm, aber den Westerwelle-Lacher nehmen wir dann doch noch mit.
Es bleibt das einzige Mal, dass der Name fällt, zweimal sagt er noch Strache, aber
das zieht in Berlin selbstverständlich längst nicht so wie in Wien. Hitler funktioniert,
aber das geht ja immer. Letztlich kreist er immer um den Kern: dass er und sein
verlogenes, linksliberales Publikum bei allem Bewusstsein für diverses globales
Elend schon viel Zeit für Finden und Trinken guten Weins aufwenden müssen. (Hader
hat in einem taz-Interview mal die schöne Differenzierung gemacht, dass zwar jeder
egoistisch, indes der Grad unterschiedlich sei, mit dem sein Egoismus der
Gesellschaft nütze.) Und das ist dann wieder das Tolle an Haders Publikum: Die
Zuschauer nehmen ihm das nicht übel, dass er sie entlarvt. Die fühlen sich bestätigt.
Und denken zufrieden: Der Josef hat recht, ich bin ganz schön verlogen. Weil: Das zu
wissen und damit so souverän umgehen zu können, das können die meisten anderen
ja leider überhaupt nicht. Das können nur wir.
6. Oktober, Tagesspiegel
Österreicher granteln:
Hader spielt Hader im Babylon Mitte
Nun hat er also zurückgefunden in sein angestammtes Metier. Josef Hader: Die einen
kennen ihn als abgehalfterten Ermittler Brenner in den Wolf-Haas-Verfilmungen wie
zuletzt „Der Knochenmann“, die anderen als Gewinner des Deutschen
Fernsehpreises für seine Rolle als Mörder in „Ein halbes Leben“. Und die
nächsten haben den Österreicher in seinem virtuosen Theatersolo „Hader muss weg“
genossen. Doch nun ist er wieder angekommen im Kabarett, jenem Metier also, das
in Österreich „Cabaret“ ausgesprochen wird und bei dem es in unserem Nachbarland
von jeher weniger darum geht, den Politiker aufs Maul zu schauen als dem Volk.
So auch in „Hader spielt Hader“ einem Potpourri mit Höhepunkten aus fünf
Programmen. Wobei Hader die einzelnen Beiträge nicht einfach nur abhakt, sondern
gekonnt ineinanderfließen lässt. Mit sonorer Stimme erzählt er von der geschiedenen
Frau, von einer Beerdigung auf dem Land und vom Humanismus. Doch Vorsicht: Hat
man sich gerade von den pointenreichen Anekdoten ein wenig einlullen lassen,
kommt die Cabaret-Spitze von hinten. Grantige Wiener, schlecht gelaunte Franzosen
oder böse Kroaten – welches Vorurteil soll es denn bitteschön sein? Dazwischen:
eigenwillige, im Laufe der Zeit fast zum Sprechgesang umgedeutete Lieder über
Topfpflanzen oder den Franz mit den irrsinnig weichen Fingern. Hier kann Josef
Hader seine schauspielerische Brillanz eindrucksvoll ausnutzen. Er greint wie ein
kleines Mädchen oder lässt die Stimme zum Donnerhall anschwellen, nur um kurz
Volkshaus | Ansprechpartner: Heidemarie Waldmann | heidemarie.waldmann@jena.de
Carl-Zeiß-Platz 15, 07743 Jena | Tel. 03641 49-8180, Fax 03641 4428204
www.volkshaus-jena.de | www.jenakultur.de
darauf wieder frech ins Publikum zu grinsen. Aber was nun der wirkliche Hader hinter
dem Hader ist, der den Hader spielt, das lässt sich nur erahnen. Martin Schwarz
7. Oktober 2010, Berliner Morgenpost
Ulrike Borowczyk
Granteln bis der Pianist stirbt
Ein heiterer Abend soll es werden. Besinnlich und nachdenklich. Solchen Worten ist
nicht zu trauen, wenn sie von Josef Hader kommen. Und tatsächlich metzelt der
österreichische Star-Kabarettist in den nächsten Minuten den Humanismus nieder.
Man würde mental glatt in ein schwarzes Loch fallen, wäre der Ausflug in
philosophische Gefilde und Geisteshaltungen nicht so herzerfrischend ungelehrsam.
Mit edler Gesinnung hat Hader ohnehin nicht viel am Hut. Als Cowboy würde er
immer den Pianisten abknallen. Von hinten zwischen die Augen. So ähnlich
funktionieren auch Haders Pointen. Er hätschelt sein Image als melancholischer
Misanthrop. Ein typischer Wiener halt, der en passant absurde Gemeinheiten austeilt,
zwischendrin wilde Geschichten erzählt und Protestsongs für Topfpflanzen singt. Ein
Solo aus einem Guss. Da funkelt sozusagen der Glanz des Neuen und
doch entdeckt man die vielen lieb gewonnenen alten Szenen wieder. Erneut ein
Höhepunkt ist sein Abstieg in die Hölle durch die von Hundertwasser ausgepinselte
Wiener Kanalisation aus dem Programm "Privat". Ein bahnbrechender Klassiker.
Schwäbisches Tagblatt
Das Programm HADER SPIELT HADER zeichnet nicht nur aus, dass der Kabarettist
hier eine Art ‚Best of’ seines Schaffens gibt, sondern auch von Zeit zu Zeit Einblicke
ins Persönliche seiner Figuren gewährt, die sie auf eine beinahe tragische Weise
menschlich machen.
Nürnberger Zeitung
Je persönlicher, privater er zu werden scheint, desto mehr gilt es auf der Hut zu sein.
Ist er wirklich der entspannte Entertainer, der zu Beginn hereingeschlurft kommt, halb
desinteressiert über Erwartungshaltungen plaudert und dann dem Abend gleich jede
Bildungsbürgerlichkeit austreibt durch einen Exkurs über Humanismus mit bewusst
plumpen Kalauern? Oder ist er der selbstkritisch-resignierte Künstler, der sein
früheres Engagement als Kampf gegen Windmühlen erkannt hat? Ist er der blasierte
Star, der mit seinem ebenso blasierten Techniker wegen einer Scheinwerferposition
aneinander gerät? Oder entspricht ihm, was er am liebsten tut – nämlich sich selbst
als den größten Drecksack von allen hinzustellen wie bei seinem Kindheitstraum vom
Leben als Cowboy, der nicht friedlich in die Gegend grüßt wie die schulterlahmen
Karl-May-Filmhelden, sondern im Saloon den Pianisten abknallt. Von hinten (denn
der schaut ja zur Wand), aber zwischen die Augen. Genau so feuert Hader auch
seine Pointen aufs Publikum ab: über einen Umweg, aber um so treffsicherer.
Wenn er zu Beginn der Vorstellung etwas «blunsig», mit seelenwund gesenkten
Augenliedern und gebremstem Elan in der Stimme auf die Bühne der
Meistersingerhalle schlurft, dann gilt es bei Josef Hader, auf der Hut zu sein. Die
Volkshaus | Ansprechpartner: Heidemarie Waldmann | heidemarie.waldmann@jena.de
Carl-Zeiß-Platz 15, 07743 Jena | Tel. 03641 49-8180, Fax 03641 4428205
www.volkshaus-jena.de | www.jenakultur.de
scheinbar privaten Plaudereien über seine Erwartungshaltungen an diesen Abend
und das neue Programm sind Fliegenleim. Schnell fällt man darauf rein und folgt dem
traurigen Clown auf seine bewusst plumpen Exkurse über gesunde Ernährung,
Klavierunterricht oder Vorurteile.
Dann ist die Falle zugeschnappt und man klebt Hader an den Lippen. Natürlich ist
angesichts Haders Liebe zum Absurden und Grotesken diese Art der Komik nicht
zweckfrei. Die provokant hingeworfenen Behauptungen, Humanismus bringe nichts
und Kinder seien an Weihnachten ganz nett, sonst aber eine Plage, bedeuten das
glatte Gegenteil des Gesagten. Haders Humor ist eine paradoxe Intervention, mit
deren Hilfe die Welt in schwärzesten Farben geschildert werden muss, um den
Zuhörer zum Nachdenken zu bringen.
Das gelingt bestens in der Satire über die lieblose Kälte der das ländliche Milieu
erfassenden Leistungsgesellschaft oder dem verstörenden Stück übers Sterben.
Parodierend, karikierend und vorgeblich unbedarft, spintisiert Hader über zwei
Stunden lang seine gedanklichen Bandwürmer bis zum oft ekligen Äußersten, das
durch den belletristischen Deckmantel doch leicht verdaulich bleibt.
Abendzeitung Nürnberg
Was für ein Vergnügen! Auch die grandiose Höllenfahrt durch die Wiener
Kanalisation (in schönsten Hundertwasser-Brauntönen) aus dem meilensteinernen
"Privat"-Solo findet sich in dieser Rückblende, die in verführerischen Vorführeffekten
die wegweisende Rolle dieses Theater-Kabarettisten beleuchtet. Die bruchlose
Montage aus fünf Programmen, mit denen der Wiener Josef Hader in der
Meistersingerhalle den geplanten Schluss- und Höhepunkt hinter die 25. Nürnberger
Kabarett-Tage setzte, funktionierte als Einstiegsdroge genauso wie als Satire-Rausch
zum Aufwärmen. Eine Bestandsaufnahme, die als Best-of-Annahme gipfelt. Es
kommt im Kabarett eben nicht nur darauf an, was einer kann, sondern auch, was er
will.
„So ist das Leben“ (Main-Spitze)
14.03.2011 - MAINZ
Von Frank Wittmer
FRANKFURTER HOF „Hader spielt Hader“ / Österreicher überzeugt mit
rabenschwarzem Humor Er ist der Meister aller Klassen - und das auf einen Schlag
gleichzeitig: von leichtfüßigen/-sinnigen Albernheiten bis zu schwergewichtigem
Politkabarett, von bravouröser Schaupielerei bis zu philosophischem Sinnieren wagt
und kann Hader alles. Er bietet das alles gleichzeitig, garniert mit Kabarett-Chansons
vom tiefsinnigen „So ist das Leben“ bis zur Verpflanzung von Tom Waits „In the
Neighborhood“ nach Ottakring. Der Österreicher Josef Hader ist ein Phänomen. Und
ein Glücksfall für das Publikum.
Der Frankfurter Hof war ausverkauft. „Hader spielt Hader“ - was auch sonst. Seine
Persona steht stets im Vordergrund und ist Dauer-Anstoß für die wild wuchernde
Phantasie endloser Schwadronaden und herrlich ins Absurde abdriftende
Volkshaus | Ansprechpartner: Heidemarie Waldmann | heidemarie.waldmann@jena.de
Carl-Zeiß-Platz 15, 07743 Jena | Tel. 03641 49-8180, Fax 03641 4428206
www.volkshaus-jena.de | www.jenakultur.de
Abenteuergeschichten aus dem Alltag, für aggressive oder rührselige Bekenntnisse in
selbstironischer Brechung, hintergründige politische Tönungen oder frontale Attacken
- die plötzlich herumgerissen werden und prompt in die entgegengesetzte Richtung
galoppieren. So landet man in der mitreißenden Wendung zurück zur Natur als
Antwort auf die krankhaft verstädterte „Sägespäne“-Welt (vom Erdbeerjoghurt bis
zum Pressspanmöbel) unversehens in der Amstettener Provinz des Fritzl-Kellers;
dörfliche Geborgenheit und nettes Brauchtum münden freudestrahlend im
jugendlichen Selbstmord. Ja, Haders Humor ist natürlich Wienerisch rabenschwarz.
Man muss allerdings aufpassen, dass einem neben den vielen offensichtlichen
Pointen nicht einige der versteckten entfleuchen.
Dass für eine Art „Best of“ Nummern aus fünf Programmen zusammengestrickt
wurden, fällt weder auf noch ins Gewicht, hat das Sich-Unterbrechen und SichDurchdringen einzelner Gedanken doch Methode bei Hader, und das Disparate ist
Prinzip. Haders Spiel macht daraus eine schlüssige „Show“ aus einem Guss. Das
Anfangsthema ist „Humanismus“ („Endlich red’ mal wer drüber“): Sokrates war einmal
ganz schlecht essen, die Wiener Kanalisation ist innen von Hundertwasser bemalt
und dort schwimmen sprechende „Scheißtrümmerln“ umher; in der Hölle trifft er
neben Hitler, Himmler und den Päpsten auch Reinhold Messner, er spielt mit „Luzi“
das Steinscheißer-Karl-Spiel (die ominöse verbotene Frage „Wer?“ ist ein herrlicher
Running Gag, nach dessen Strukturkraft sich etliche Comedians alle Finger lecken
würden!).
Waschechte Kalauer kippen plötzlich auf die Meta-Ebene um - Hader beginnt, mit
dem Publikum seine Pointen zu diskutieren und macht es zum Mitschuldigen an den
Absurditäten und Ungeheurlichkeiten des Programms.
Und genau hier liegt die größte und einzigartige Stärke des genialen Österreichers:
Bei allen vordergründig pointenträchtigen Themen ist ein Hader-Programm immer
(auch) höchst selbstkritisches Kabarett über das Kabarett. Die Höhe, die er für den
dafür nötigen Distanzblick von oben erklimmen muss, ist vielen Kollegen unbekannt.
Und wie er in einer glanzvollen Volte von nachlässiger Körperpflege über Camus’
„Sisyphos“ und die Frage des Absoluten bis hin zu Hitlers markigen Sprüchen gelangt
und so nebenbei und unbemerkt den kleinen Faschistoiden in uns allen entlarvt, das
macht ihm keiner nach.
Tickets erhalten Sie in der Jena Tourist-Information, Tel. 03641-498060 oder online
unter: http://www.volkshaus-jena.de.
Volkshaus | Ansprechpartner: Heidemarie Waldmann | heidemarie.waldmann@jena.de
Carl-Zeiß-Platz 15, 07743 Jena | Tel. 03641 49-8180, Fax 03641 4428207
www.volkshaus-jena.de | www.jenakultur.de
Document
Kategorie
Seele and Geist
Seitenansichten
7
Dateigröße
348 KB
Tags
1/--Seiten
melden