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3 Sonderdruck - ResearchGate

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DMW
Deutsche
Medizinische Wochenschrift
137. Jahrgang | www.thieme-connect.de/ejournals | www.thieme.de/dmw
3
31 | 2012
Sonderdruck
Nachdruck nur mit Genehmigung des Verlages
3 25-jähriger Patient mit einer
putride sezernierenden Wunde
nach Reiserückkehr
25-year-old traveller returning home
with a furuncular lesion
J. P. Borde, C. Trummer, W. V. Kern
1589
Fall 3059
25-jähriger Patient mit einer putride sezernierenden
Wunde nach Reiserückkehr
Mediquiz
Fall 3059
25-jähriger Patient mit einer putride sezernierenden Wunde nach Reiserückkehr
25-year-old traveller returning home with a furuncular lesion
J. P. Borde1,2
C. Trummer3
W. V. Kern1
1Medizinische Klinik II/Sektion
Klinische Infektiologie,
Universitätsklinik Freiburg i.Br.
2Klinik für Gastroenterologie,
Hepatologie und Infektiologie,
Ortenauklinikum OffenburgGengenbach
3Chirurgische Klinik/Abteilung für
Allgemein- und Viszeralchirurgie,
Universitätsklinik Freiburg i.Br.
Bibliografie
DOI 10.1055/s-0032-1304954
Online Publikation:
Dtsch Med Wochenschr 0
2012;
1370
0:1589–1590 · © Georg
Thieme Verlag KG · Stuttgart ·
New York · ISSN 0012-04721439-4 13
Korrespondenz
Dr. med. Johannes P. Borde
Ortenauklinikum OffenburgGengenbach, Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und
Infektiologie
Ebertplatz 12
77654 Offenburg
eMail johannes.borde@web.de
In der infektiologischen Ambulanz stellte sich der 25-jährige Patient mit einer putride sezernierenden
Wunde im Bereich des linken lateralen Unterschenkels vor. Die Beschwerden bestanden seit der letzten
Urlaubswoche in Costa Rica. Die Reise lag 8 Wochen zurück. In Costa Rica unternahm der Patient neben
einem 6-wöchigen Sprachkurs auch regelmäßig Ausflüge in den Regenwald. Auffällig sind die bevorzugt
nächtlichen, in regelmäßigen Abständen (ca. 4 Stunden) einschießenden Schmerzen. Fieber, weitere
Hauteffloreszenzen oder Vorerkrankungen werden verneint. Drei Tage zuvor war in der interdisziplinären Notaufnahme ein Wundabstrich entnommen worden, ohne wegweisendes Kulturergebnis.
Die körperliche Untersuchung des Unterschenkels zeigt einen auffälligen Befund.
q
Welcher ist das?
q
Erlaubt dieser Befund eine Diagnose?
q
Wenn ja, welche?
q
Sind Differenzialdiagnosen möglich?
q
Wenn ja, welche?
Schlüsselwörter
MyiasisReisemedizinCosta-Rica
Keywords
myiasistravel medicineCosta-Rica
Auflösung
Dtsch Med Wochenschr 2012; 137, Nr. 31/32
Sonderdruck für private Zwecke des Autors
Was sehen Sie?
1590
Fall 3059
Auflösung
25-jähriger Patient mit einer putride sezernierenden
Wunde nach Reiserückkehr
1
Sonderdruck für private Zwecke des Autors
Abb. 1 Aus der sezernierenden Öffnung am Unterschenkel entfernte Dasselfliegen-Larve.
q Befund
1. Im Durchmesser 4,5 cm messende,
furunkulöse Hautveränderung mit
zentraler sezernierender Öffnung
q Diagnose
– Kutane (furunkulöse) Myiasis
q
–
–
–
–
–
–
–
–
–
–
Differenzialdiagnosen
Infizierte Wunde
Furunkel
Pyoderma
Dermatophytose
Tungiasis
Kutane Larva migrans
Kutane Leishmaniose
Filariose
Scabies
Atypische Mykobateriose/Lepra
q Erläuterung
Hauterkrankungen sind, neben gastrointestinalen Infektionen und respiratorischen Infektionen, die häufigsten Erkrankungen von Reiserück-
kehrern aus tropischen Gebieten. Die
Myiasis ist hauptsächlich in den tropischen
Entwicklungsländern Lateinamerikas, Afrikas, aber auch im mittleren Osten und Asien verbreitet. In Entwicklungsländern besteht ein Zusammenhang zwischen sozialem Status, hygienischen Verhältnissen
und dem Risiko für eine Myiasisinfektion. In
Europa werden die unterschiedlichen Formen der Myiasis bei Reiserückkehrern und
Migranten beobachtet.
Die Larven von Dipteren (Zweiflügler) werden als Maden bezeichnet. Maden verschiedener Fliegenarten verursachen die Myiasis. Die klinische Manifestation und Prognose ist abhängig davon, welche
Zweiflügler-Spezies für die Infektion verantwortlich ist, welches Kompartiment
oder Organ betroffen ist und wieviel Zeit bis
zur korrekten Diagnose vergangen ist. Man
unterscheidet eine kutane furunkulöse Manifestation von einer Wundmyiasis. Darüber hinaus werden in der Literatur regelmäßig nasopharyngeale, okuläre, aurikuläre und urogenitale Myiasisinfektionen
berichtet.
Dtsch Med Wochenschr 2012; 137, Nr. 31/32
Die chirurgische Intervention bzw. der luftdichte Verschluss der Wunde bis zum Hervortreten und Entfernen der Larve sind das
Vorgehen der Wahl. Auf bakterielle Superinfektionen und Tetanusschutz ist bei der
Grundversorgung zu achten.
Im vorliegenden Fall konnte die Larve mittels chirurgischer Inzision entfernt werden
(q Abb. 1). Das Bernhard-Nocht-Institut
identifizierte die Spezies der Larve: Dermatobia hominis (Dasselfliege). Die einschießenden Schmerzen sind am ehesten durch
die Nähe der Infektion zum N. fibularis zu
erklären. Insbesondere die nächtlich erhöhte Temperatur durch die Bettwärme führt
zu einer gesteigerten Aktivität der Larve.
Literatur
1 Ferraz AC et al. Epidemiological study of
myiases in the Hospital do Andaraí, Rio de Janeiro, including reference to an exotic etiological
agent. Neotrop Entomol 2011; 40: 393–397
2 Ansart S et al. Spectrum of dermatoses in 165
travelers returning from the tropics with skin
diseases. Am J Trop Med Hyg 2007; 76: 184–
186
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Gesundheitswesen
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