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Joachim Kühn 25 kleine Kunstaufgaben für zwischendurch

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Auf die Lehrer kommt es an!
Für eine hochwertige Lehrerausbildung
in Baden-Württemberg
Eckpunktepapier der CDU-Landtagsfraktion
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Eckpunktepapier Lehrerausbildung
1. Präambel
Baden-Württemberg belegt in nationalen wie internationalen Leistungsvergleichen
stets Spitzenplätze. Einen ganz maßgeblichen Anteil daran haben die Lehrerinnen
und Lehrer, die die Schülerinnen und Schüler in ihrem Unterricht zu solchen guten
Leistungen befähigen. Den Lehrerinnen und Lehrern muss daher eine besondere
Aufmerksamkeit zuteilwerden, wenn es um die Qualität von Schule und Unterricht
geht.
Die aktuelle Bildungsforschung (vgl. Helmke, Baumert, Prenzel, Hattie) belegt, dass
die einzelne Lehrkraft einen hohen Einfluss auf den Lernerfolg ihrer Schüler hat. Vor
diesem Hintergrund wäre es geradezu fahrlässig, wenn sie zu einem bloßen Lernbegleiter oder Gestalter von Lernumgebung reduziert würde. Ganz im Gegenteil: Lehrerinnen und Lehrer müssen noch stärker daraufhin ausgebildet werden, dass sie die
Techniken für eine stringente Klassenführung („classroom management“) beherrschen und dabei stets den einzelnen Schüler im Blick haben. Sie müssen noch gezielter darauf vorbereitet werden, dass sie keine wertvolle Lernzeit mit unwichtigen
Dingen verlieren – wie es beispielsweise bei unpräzisen Arbeitsaufträgen an die
Klasse geschehen kann. Sie müssen eine klare Sprache beherrschen, damit die
Schüler leicht verstehen können, was der Lehrer von ihnen will und welche Lernziele
erreicht werden sollen („teacher clarity“).
Eine gute Lehrkraft muss über vielfältige Unterrichtsstile verfügen, die sie passgenau
zu ihrer jeweiligen Klasse zur Anwendung bringen kann. Allerdings gilt es dabei auch
stets zu prüfen, ob es gegebenenfalls noch eine wirkungsvollere Methode für diese
bestimmte Klasse gibt. Auch müssen die Lehrerinnen und Lehrer in ihrer Ausbildung
das richtige Maß an „Nähe und Distanz“ bzw. von „Strenge und Humor“ für ihren Unterricht entwickeln können. Sie müssen letztlich dazu befähigt sein, dass ihr Unterricht von gegenseitiger Wertschätzung, Respekt, Fürsorge und Vertrauen getragen
wird.
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Darüber hinaus gilt es, Lehrerinnen und Lehrer während ihrer Ausbildung noch stärker daraufhin vorzubereiten, dass sie ihren eigenen Unterricht kritisch reflektieren
können und dabei in regelmäßigen Abständen systematisches Feedback – auch von
ihren Schülern – einholen. Sie sollen in ihrer Rolle als Unterrichtsgestalter gestärkt
werden.
Bildungswissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass die fachliche Kompetenz
von Lehrerinnen und Lehrern von zentraler Bedeutung ist. Eine Lehrkraft erlangt nur
die notwendige Akzeptanz der Lerngruppe, wenn sie über das notwendige Fachwissen verfügt. Die CDU-Landtagsfraktion legt daher in der Lehrerausbildung neben bildungswissenschaftlichen, pädagogischen, methodischen und anderen Ausbildungsinhalten weiterhin ein großes Gewicht auf das Fachstudium.
Lehrkräfte können nur in ausreichender Anzahl gewonnen werden, wenn sie ein hohes gesellschaftliches Ansehen besitzen. Ebenso ist von großer Wichtigkeit, dass sie
sich nicht von den vielfältigen gesellschaftlichen Anforderungen, Diskussionen über
Schulstrukturen oder quantitative Rahmenbedingungen überfordert fühlen. Alle gesellschaftlichen Kräfte haben hierzu einen Beitrag zu leisten. Andernfalls könnten
potentielle Lehramtsbewerber von ihrem Berufswunsch abkommen.
2. Gesellschaftliche Herausforderungen
Gesellschaftliche Veränderungen spiegeln sich immer auch in Kindern und Jugendlichen und prägen somit Schule und Unterricht. Bildung ist vielen Eltern als „Investition
in die Zukunft“ bewusst und führt häufig zu hohen Erwartungen an den schulischen
Erfolg der eigenen Kinder. Eltern und Staat haben einen gemeinsamen Bildungsund Erziehungsauftrag. Neben der Förderung der ganzheitlichen Persönlichkeitsentwicklung des Kindes fordert der demografische Wandel noch deutlicher als in früheren Generationen das Ausschöpfen aller Potentiale („Kein Kind darf verloren gehen“)
auch hinsichtlich des Arbeitsmarktes. Der schulische Unterricht muss in der Wissensund Mediengesellschaft hohen fachlichen Ansprüchen genügen, damit die Schulabgänger für ein eigenverantwortliches Leben und ihre weitere berufliche Ausbildung
hinreichend qualifiziert sind. Andererseits wird von manchen Elternhäusern nicht nur
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die Bildung sondern auch die Erziehung der Kinder zu einem großen Teil auf die Institution Schule übertragen. Lehrerinnen und Lehrer sind Vorbild und Erzieher und
haben damit Aufgaben, die weit über die Wissensvermittlung hinausgehen. Auch die
Individualisierung der Gesellschaft führt zu erhöhten Anforderungen an die Lehrerleistung, denn jede einzelne Schülerin und jeder einzelne Schüler erwartet die Erfüllung ihrer oder seiner spezifischen Bedürfnisse. Stärker als frühere Jahrgänge sind
sie daran gewöhnt, dass auf ihre besonderen Anforderungen eingegangen wird und
sind mit dem Einordnen in eine Gruppe wenig vertraut.
Vor diesem Hintergrund gilt es nach Einschätzung der CDU-Landtagsfraktion, die
bereits guten Rahmenbedingungen der Lehrerausbildung in Baden-Württemberg
noch weiter zu verbessern. Eine Lehrkraft soll Fachexperte, Didaktiker, Bildungsexperte, Innovator, Beziehungsmanager, Schulentwickler, Krisenintervenierer, Präventionsexperte u.v.m. sein. Lehrerinnen und Lehrer müssen auf diese veränderten Anforderungen hinsichtlich fachlicher, methodischer und pädagogischer Kompetenz in
ihrer Ausbildung vorbereitet und während ihres Berufslebens ständig weiter gebildet
werden. Es gilt, die richtigen Stellschrauben in beiden Phasen der Lehrerausbildung
zu justieren, damit Lehrerinnen und Lehrer angesichts sich wandelnder Voraussetzungen und veränderter Anforderungen noch besser auf den Unterrichtsalltag vorbereitet sind.
3. Sachstand
Die derzeitige Lehrerausbildung in Baden-Württemberg gliedert sich in zwei Phasen:
Dem grundständigen Lehramtsstudium an einer Pädagogischen Hochschule bzw.
einer Universität folgt anschließend das Referendariat. Während des Referendariats
werden die angehenden Lehrerinnen und Lehrer von ihrer Ausbildungsschule sowie
einem „Seminar für Didaktik und Lehrerbildung“ betreut. In dieser Phase findet die so
wichtige Sozialisation der künftigen Lehrkräfte im praktischen Schulalltag statt.
Die differenzierten Bildungsangebote in unserem Land sind nach Ansicht der CDULandtagsfraktion die richtige Basis für unsere vielfältige Gesellschaft. Sie bieten leistungsschwachen wie leistungsstarken Schülerinnen und Schülern das richtige Maß
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an Förderung und Unterstützung und halten für die unterschiedlichen Begabungen
das jeweils geeignete Lehr- und Lernangebot bereit. Die jeweiligen Lehrkräfte sind
mit passgenauen Lehramtsstudiengängen bestmöglich auf ihre Schülerschaft und
deren Bedürfnisse vorbereitet. Bereits heute findet die Lehrerausbildung in BadenWürttemberg auf sehr hohem Niveau statt und bedarf nach Ansicht der CDULandtagsfraktion keiner radikalen Veränderungen sondern lediglich zielgenauer Anpassungen mit Augenmaß. Mit der Neuordnung der Lehrerausbildung in 2010/2011
wurden schon wichtige Rahmenbedingungen geschaffen, die für eine gelingende
Lehrerausbildung erforderlich sind. Insbesondere der erhöhte Praxisbezug (z.B. das
Orientierungspraktikum und das Praxissemester) war eine zentrale Maßnahme. Eine
grundlegende Umwälzung der funktionierenden Strukturen ist daher keineswegs erforderlich.
Ebenso richtet eine zunehmend inklusive Beschulung veränderte Anforderungen an
die Lehrerinnen und Lehrer, auf welche diese umfassend vorbereitet sein müssen.
Lehrerinnen und Lehrer müssen in die Lage versetzt werden, dass sie in einem inklusiven Unterricht den Schülerinnen und Schülern mit und ohne Behinderung
gleichermaßen gerecht werden können.
Von zentraler Bedeutung in der Lehrerausbildung ist das Fachwissen der Lehrkraft.
Aktuelle wissenschaftliche Studien (z.B. Coaktiv-Studien von Baumert u.a. 2009; Metastudie von John Hattie 2009) belegen, dass das Fachwissen der Lehrerinnen und
Lehrer eine wesentliche Voraussetzung für die Vermittlung und Umsetzung des fachdidaktischen Wissens ist.
Vor diesem Hintergrund muss der Fachlichkeit in allen Schularten – nicht nur am
Gymnasium – ein noch höherer Stellenwert eingeräumt werden. Mit einer erhöhten
fachwissenschaftlichen Ausbildung in allen Schularten schon während der ersten
Phase der Lehrerausbildung könnten dafür wichtige Grundlagen gelegt werden. Zugleich scheint es angesichts der veränderten Übergangsbedingungen – besonders
nachdem die neue Landesregierung die verbindliche Grundschulempfehlung abgeschafft hat – notwendig zu sein, dass auch die Lehrerinnen und Lehrer an den Gymnasien über ein breiteres Repertoire an Unterrichtsmethoden und pädagogischen
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Kompetenzen verfügen und angesichts der zunehmenden Heterogenität ihrer Schülerschaft bedarfsgerecht zur Anwendung bringen können. Allerdings bedarf es hierzu
keiner zeitlichen Ausweitung der Anteile an Pädagogik und Pädagogischer Psychologie; allerdings empfehlen wir eine Optimierung der vorhandenen Qualifikationsmodule zur Personalen Kompetenz (MPK) und des Ethisch-PhilosophischenGrundlagenstudiums (EPG).
Ein entscheidender Parameter einer Reform der Lehrerausbildung muss es sein, die
Attraktivität des Lehrerberufs zu erhalten und nach Möglichkeit weiter zu steigern. Es
gilt einerseits, die geeignetsten Studierenden für diesen sehr anspruchsvollen Beruf
zu gewinnen. Andererseits muss sich auch eine ausreichend hohe Zahl von Studierenden für den Lehrerberuf interessieren, um den Bedarf zu decken.
Die von der derzeitigen Landesregierung getroffenen Maßnahmen, wie die Absenkung der Eingangsbesoldung, die ungewisse Stellenplanung sowie erhebliche Verschlechterungen in der Besoldung und Versorgung der Lehrer wirken sich hier kontraproduktiv aus.
4. Perspektiven
Lehrergewinnung
Die Erfahrungen der Wirtschaft bei ihrer Personalgewinnung zeigen, dass der Einsatz eines umfangreichen Assessment-Centers keine höhere Sicherheit bei der Auswahl geeigneter Bewerber garantiert. Daher scheint die kosten- und zeitintensive Einführung eines solchen Verfahrens für die Auswahl von Lehramtsstudierenden keinen
praktischen Mehrwert zu besitzen.
Hingegen wird der Online-Selbsttest von angehenden Lehramtsstudenten sehr gerne
und äußerst erfolgreich angewandt und erbringt wichtige Erkenntnisse bezüglich der
eigenen Berufswahl. Zusätzlich kann die Gewinnung der geeignetsten Lehrerinnen
und Lehrern zielgerichtet gelingen, wenn die Pädagogischen Hochschulen und Universitäten verpflichtet werden – zumindest modellhaft – mit den einzelnen Bewerbern
qualifizierte Auswahl- und Beratungsgespräche zu führen. Diese sollten gemeinsam
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von Schulpraktikern und Bildungswissenschaftler geführt werden. Daher fordern wir
die Regierung auf, die Hochschulen bei Entwicklung und Aufbau von persönlichkeitsbezogenen Auswahlverfahren zu unterstützen. Dies kann dazu beitragen die
Anzahl geeigneter Lehramtsstudierender zu erhöhen, die Abbrecherquote zu senken
und das Image des Lehrerberufs weiter zu stärken.
Ferner erkennen wir in den „Zentren für Lehrerbildung“ ein wichtiges Beratungsangebot. Sie sind dazu geeignet, angehenden Lehramtsstudierenden die notwendige Orientierung zu geben und beim Studienbeginn die richtige Unterstützung zu leisten.
Auch können die „Zentren für Lehrerbildung“ Lehramtsstudierende während ihres
anspruchsvollen Studiums qualifiziert begleiten. Nach Einschätzung der CDULandtagsfraktion übernehmen die „Zentren für Lehrerbildung“ bereits heute eine sehr
wichtige Funktion für die angehenden Lehrerinnen und Lehrer und sollten deshalb
weiter ausgebaut und weiter gestärkt werden.
Vor dem Hintergrund der Quotendiskussion mit dem Ziel, Frauen in bisher von Männern dominierten Berufen und Funktionen besser zu platzieren, ist die Landesregierung aufgefordert, Maßnahmen zu entwickeln, die eine angemessene Anzahl von
Männern im Lehrerberuf in allen Schularten garantiert.
Darüber hinaus ist es für uns von großer Wichtigkeit, dass Lehrerinnen und Lehrer
mit eigenem Migrationshintergrund für das Lehramt an öffentlichen Schulen gewonnen werden können. Mit ihrem Werdegang und ihrem Auftreten können sie eine entscheidende Vorbildfunktion für Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund
einnehmen.
Struktur der Lehramtsstudiengänge
Sehr grundsätzlich wird gegenwärtig die Frage diskutiert, ob die Lehrerausbildung
weiterhin mit dem Staatsexamen abschließen soll oder ob eine Umstellung auf einen
Bachelor-/Masterstudiengang vorgenommen werden sollte. Diese Frage ist für uns
zweitrangig. Entscheidend ist vielmehr die Frage der Qualität der Lehrerausbildung.
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Ein Bachelor-/Masterstudiengang für angehende Lehrkräfte ist nur dann zu verantworten, wenn die Studierenden einen uneingeschränkten Zugang (bei Bestehen des
Bachelorstudiums) in das Masterstudium erhalten. Einen Einstieg in den Arbeitsmarkt
könnte es bereits mit dem Bachelorabschluss in Berufsbildern wie der pädagogischen Betreuung, der Schülernachhilfe und der allgemeinen Weiterbildung geben.
Eine wichtige Bedingung für eine funktionierende Lehrerausbildung ist für uns, dass
das Lehramtsstudium auch in Zukunft als durchgängiger Studiengang möglich ist.
Nach Ansicht der CDU-Landtagsfraktion muss der Bachelorstudiengang mit einem
Masterstudiengang organisch verzahnt sein. Beide Studiengänge müssen jeweils
professionsbezogene und fachliche Module enthalten.
Das Erreichen des Studienabschlusses darf nicht von fehlenden Masterstudienplätzen behindert werden. Eine Umstellung der Lehrerausbildung auf Bachelor- und
Masterstudium ist unserer Meinung nach nur dann möglich, wenn ein solcher Kapazitätsengpass ausgeschlossen ist.
Der Bedarf an qualifizierten Lehrerinnen und Lehrern wird in zahlreichen Ländern in
den kommenden Jahren noch schwerer zu decken sein. Mit einem wachsenden
Fachkräftemangel geraten die Länder in noch stärkere Konkurrenz mit anderen attraktiven Berufsbildern, wobei die finanziellen Möglichkeiten der Wirtschaft die der
einzelnen Länder zum Teil deutlich übersteigen. Der Abschluss des Staatsexamens
gewährleistete bisher, dass eine hohe Anzahl ausgebildeter Lehramtsbewerber einer
hohen Nachfrage gegenüberstand. Das muss auch in Zukunft – unabhängig von der
Organisation der Lehrerausbildung – sichergestellt sein.
Pädagogische Hochschulen und Universitäten
Derzeit gibt es sechs Pädagogische Hochschulen im Land, von denen vier Einrichtungen in bzw. in der Nähe von Universitätsstädten gelegen sind. An den Pädagogischen Hochschulen des Landes werden angehende Lehrerinnen und Lehrer für ihren
späteren Unterrichtseinsatz an Grundschulen, Hauptschulen, Werkrealschulen, Realschulen sowie Sonderschulen vorbereitet. Zudem gibt es acht Universitäten im
Land, an denen die Ausbildung von Gymnasiallehrern bzw. Lehrkräften für berufliche
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Schulen stattfindet. Auch an den Musik- und Kunsthochschulen des Landes haben
Lehramtsstudierende eine wichtige Bedeutung und einen hohen Anteil an der gesamten Studierendenzahl. All diese verschiedenen Lehrerausbildungsstätten leisten
hervorragende Arbeit und haben sich etabliert, weshalb die grundlegende Zuordnung
der Lehrerausbildung unverändert bleiben soll.
Im Vergleich zu den Universitäten des Landes handelt es sich bei den Pädagogischen Hochschulen mit Blick auf die Anzahl der Hochschullehrer bzw. der Studierenden um vergleichsweise kleine Einrichtungen. Es ist anzunehmen, dass die wissenschaftliche Arbeit an diesen Einrichtungen in Art und Umfang weiter gesteigert werden könnte, wenn die Pädagogischen Hochschulen eine mit den Universitäten vergleichbare Kapazität hätten. Die CDU-Landtagsfraktion sieht daher eine sinnvolle
Perspektive in der Weiterentwicklung der sechs Pädagogischen Hochschulen zu einer „Bildungswissenschaftlichen Universität Baden-Württemberg“. Dabei sollten die
eigenständigen Pädagogischen Hochschulen nicht fusioniert werden, sondern ihre
jeweiligen Stärken unter ein gemeinsames Dach stellen. Die Landesregierung muss
bei der Ausgestaltung darauf achten, dass die einzelnen Standorte so viel Autonomie
wie möglich behalten können.
Auf diesem Weg könnten die Pädagogischen Hochschulen in ihrer wissenschaftlichen Arbeit weiter gestärkt werden, indem sie ihre Ressourcen bündeln und inhaltliche Schwerpunkte setzen. Ihre Autonomie wird dadurch nicht grundsätzlich in Frage
gestellt. Ein zentrales Promotionskolleg könnte z.B. die Wahrnehmung des Promotionsrechts erleichtern. Übergreifende Forschungscluster könnten Habilitationen und
Berufungen erleichtern. Innerhalb der bundesdeutschen Hochschullandschaft sowie
international könnte sich eine „Bildungswissenschaftliche Universität BadenWürttemberg“ hohe Anerkennung verschaffen.
Die in den vergangenen Jahren auf den Weg gebrachten Kooperationen zwischen
Pädagogischen Hochschulen und Universitäten müssen nach Ansicht der CDULandtagsfraktion ausgebaut und gestärkt werden. Die Einrichtung einer „Bildungswissenschaftlichen Universität Baden-Württemberg“ wäre hilfreich für den gegenseitigen Austausch von Kompetenzen und Studienangeboten. Die Pädagogischen
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Hochschulen sollen von der fundierten wissenschaftlichen Fachlichkeit der Universitäten profitieren. Die Universitäten könnten umgekehrt Input aus den Bereichen von
Pädagogik, Psychologie, Erziehungswissenschaften, Fachdidaktik, Didaktik, Sonderpädagogik und bildungswissenschaftliche Kompetenz von den Pädagogischen
Hochschulen importieren und zur Erweiterung ihres pädagogischen, bildungswissenschaftlichen und ggfs. auch fachdidaktischen Studienangebots auf die Pädagogischen Hochschulen zurückgreifen.
Seitens der Landesregierung ist zu prüfen, welche Anreize gesetzt werden können,
damit die Hochschulen ihre Bemühungen um gewinnbringende Kooperationen,
Schwerpunktsetzungen und den Austausch mit den Universitäten verstärken und
mögliche Hindernisse, die zum Teil auch in den geografischen Gegebenheiten liegen
können, zu überwinden versuchen.
Eine gelingende Kooperation zwischen Pädagogischer Hochschule und Universität
bedarf verbindlicher Strukturen, die in einem vorgegebenen Rahmen von beiden
Partnern entlang der regionalen Erfordernisse auszugestalten ist. Etwaige Mehrkosten, die das derzeitige Budget übersteigen, sollten zumindest in einer Einstiegsphase
vom Land ausgeglichen werden. Langfristig werden die Kooperationen nach Ansicht
der CDU-Landtagsfraktion einen Mehrwert für alle Beteiligten erbringen.
In einem umfassenden kooperativen und kommunikativen Prozess sind dazu alle
möglichen Einzelmaßnahmen zunächst kritisch zu prüfen, ob sie zielführend sind.
Gegebenenfalls sind Sonderlösungen zu suchen, die der geografischen Lage, den
speziellen fachlichen Ausrichtungen (bspw. an Musik- und Kunsthochschulen) oder
bisherigen Entwicklungen einzelner Hochschulen entsprechen. Insgesamt muss im
Ergebnis eine weitere Verbesserung der Qualität in der Lehrerausbildung an allen
Hochschularten stehen.
Seminare
Die „Seminare für Didaktik und Lehrerbildung“ leisten einen unverzichtbaren Beitrag
beim Übergang vom Lehramtsstudium in den Berufsalltag an der Schule mit seinen
vielfältigen Herausforderungen. An den Seminaren besteht ein hohes Maß an am
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Schulalltag praktisch überprüfter bildungswissenschaftlicher Kompetenz. Die über 30
Seminare haben sich in den zurückliegenden Jahren als stabile und zugleich flexible
Systeme in der Lehrerausbildung erwiesen, die stets den veränderten Anforderungen
in den verschiedenen differenzierten Schularten gerecht wurden. Schon heute ist das
Seminar sehr eng mit den Pädagogischen Hochschulen bzw. Universitäten und den
Ausbildungsschulen verbunden. Diese enge Verzahnung hat sich als äußerst förderlich für die angehenden Lehrerinnen und Lehrer erwiesen.
Aus Sicht der CDU-Fraktion könnte mit einem weiteren gezielten Ausbau der Verzahnung eine zusätzliche Erleichterung für die Referendare beim Übergang in den
Schuldienst des Landes erzielt werden und noch mehr Praxiserfahrung in das Hochschulstudium und die Lehrerfortbildung eingespeist werden. Die Landesregierung ist
hier gefordert, gemeinsam mit den Partnern der ersten und zweiten Phase der Lehrerausbildung eine vertiefte Zusammenarbeit anzustreben und gezielt zu vertiefen.
Dazu muss die Landesregierung die erforderlichen Ressourcen bereitstellen.
Von großer Bedeutung für die Arbeit der Seminare ist die enge Zusammenarbeit mit
den Ausbildungsschulen. Dort nehmen die Mentorinnen und Mentoren eine wichtige
Aufgabe bei der praxisnahen Ausbildung der Referendare an der Schule wahr. Den
Seminaren sind die notwendigen zeitlichen, räumlichen, personellen und finanziellen
Ressourcen zur Ausbildung und Weiterqualifizierung der Mentoren, Tutoren und
Ausbildungslehrern bereitzustellen.
Als sehr wertvoll hat sich die Verteilung der Seminarstandorte in der Fläche des Landes erwiesen. So können deutlich mehr Schulen als Ausbildungsschulen für angehende Lehrerinnen und Lehrer eingebunden werden, als bei einer zentralisierten
Struktur. Zugleich reduzieren sich durch diese räumliche Anordnung die Fahrtwege
der Referendare zu den Lehrveranstaltungen der Seminare. Darüber hinaus hat sich
in der Vergangenheit die räumliche Verteilung der Seminarstandorte positiv für eine
gleichmäßige Lehrerversorgung im ganzen Land erwiesen. Seitens der Landesregierung ist zu prüfen, ob zur Erhöhung des Praxisanteils in einer noch größeren Anzahl
Lehrangebote der verschiedenen Seminare direkt an den Schulen durchgeführt werden können.
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Die CDU-Landtagsfraktion fordert von der Landesregierung die Unterrichtsversorgung in ländlichen Räumen wie in Ballungsgebieten gleichermaßen zu sichern und
dazu an der Verteilung der Seminarstandorte im ganzen Land festzuhalten.
Seitens der Landesregierung ist zu evaluieren, ob mit dem derzeitigen Vorbereitungsdienst von 18 Monaten den gewachsenen Anforderungen an den Lehrerberuf
begegnet werden kann. Sollte der Evaluationsbericht zu dem Ergebnis kommen,
dass aufgrund der gesellschaftlichen Herausforderungen die Qualität in der Lehrerausbildung gefährdet ist, so ist eine Erhöhung der Referendarsausbildung auf 24
Monate anzustreben. Entscheidend ist für uns, dass die Qualität in der Lehrerausbildung nachhaltig gesichert werden kann. Angehende Lehrerinnen und Lehrer hätten
bei einer Erhöhung der Ausbildungszeit so länger Gelegenheit, ihre praktische Unterrichtskompetenz zu entfalten und gezielte Unterstützung seitens der Fachleiter und
Mentoren zu erhalten. Alternativ könnte diese zusätzliche Zeit auch im Anschluss an
das zweite Staatsexamen für eine halbjährige begleitete Berufseinstiegsphase genutzt werden, nach der abschließend über eine Übernahme ins Beamtenverhältnis
auf Probe entschieden wird.
Inklusion
Die CDU-Landtagsfraktion hält an der bisherigen eigenständigen Ausbildung zum
Lehramt an Sonderschulen fest. Darin sieht sie die Garantie für eine herausragende,
nach Art der Behinderung differenzierende Fachlichkeit der Lehrkräfte. Nur so kann
ggfs. dem Elternwunsch und den jeweiligen Bedürfnissen von Kindern mit Behinderungen entsprochen werden. Eine Sonderschullehrerausbildung „light“ lehnt die
CDU-Fraktion entschieden ab.
Parallel dazu müssen auch die Lehrkräfte an Regelschulen auf die Herausforderungen der Inklusion vorbereitet werden. Sonderpädagogisches Wissen muss noch intensiver in die reguläre Lehrerausbildung für alle Schularten integriert werden. Zudem müssen die Lehrerinnen und Lehrer an den Schulen entsprechend fortgebildet
werden.
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Die CDU-Landtagsfraktion ist der Überzeugung, dass die Schulen und die Lehrerinnen und Lehrer, die sich der Herausforderung der Inklusion stellen, mit dieser Aufgabe nicht alleine gelassen werden dürfen. Sie brauchen ein starkes Unterstützungsnetz. Beispielsweise müssen die Lehrertandems, die aus einer regulären und einer
sonderpädagogischen Lehrkraft bestehen, durch Fortbildung, Supervision, Erfahrungsaustausch u.a.m. unterstützt und gestärkt werden.
Ergänzend ist seitens der Landesregierung zu prüfen, ob durch eine Ausdehnung
des Bundesfreiwilligendienstes bzw. des freiwilligen sozialen Jahres in entsprechenden Einrichtungen noch mehr junge Menschen für ein Studium der Sonderpädagogik
interessiert werden könnte.
Medienpädagogik
Der Einfluss der Medien auf die Schülerinnen und Schüler und ihre Mediennutzung
hat sich in den vergangenen Jahren massiv verändert. Angehende Lehrerinnen und
Lehrer sind auf diese Veränderung in geeigneter Weise vorzubereiten: Sie müssen
selbst eine hohe Medienkompetenz besitzen und einen verantwortlichen Umgang mit
den Medien vermitteln können. Einerseits müssen sie präventiv wirken, um Medienmissbrauch zu verhindern. Anderseits müssen sie die sinnvolle Mediennutzung zielführend in ihren Unterricht integrieren.
Weiterbildung / Fortbildung
Der Fort- und Weiterbildung kommt angesichts des raschen Wandels der Anforderungen aus Beruf und Gesellschaft eine stetig wachsende Bedeutung zu. Es gilt daher, die berufsbegleitende Fort- und Weiterbildung weiterzuentwickeln und nachhaltig
zu sichern. Daher ist der CDU-Landtagsfraktion eine hohe Qualität der Fort- und Weiterbildungsangebote wichtig. Darüber hinaus ist von der Landesregierung zu prüfen,
inwieweit die noch von der CDU-geführten Landesregierung eingerichteten schuleigenen Fortbildungsbudgets an beruflichen Schulen auch auf andere Schularten übertragbar sind.
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Hochwertiger Fort- und Weiterbildungsangebote bedarf es nicht nur für die Lehrerinnen und Lehrer selbst, sondern auch für die Führungskräfte. Ebenso bedarf es geeigneter Angebote zur Heranführung des notwendigen Führungskräftenachwuchses.
Wir fordern deshalb, dass die Vernetzung der Lehrerfortbildung mit den Pädagogischen Hochschulen bzw. Universitäten weiter vertieft, ausgebaut und nachhaltig verankert wird. Außerdem ist anzustreben, dass eine höhere Verbindlichkeit zu regelmäßiger Fortbildungsteilnahme erreicht werden kann.
Darüber hinaus müssen Lehrerinnen und Lehrer noch besser auf die hohen persönlichen Herausforderungen des Lehrerberufs vorbereitet sein. Nur so kann gesichert
werden, dass sie den Anforderungen während ihres gesamten Berufslebens gerecht
werden können. Die Landesregierung ist gefordert, Elemente der Gesundheitsprävention in die erste und zweite Phase der Lehrerausbildung aufzunehmen. Die bestehenden berufsbegleitenden Angebote der Gesundheitsprävention sind weiter auszubauen und qualitativ weiterzuentwickeln.
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