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Kultur. - Kunstmuseum Basel

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Kultur.
| Montag, 29. Dezember 2014 | Seite 17
Im Dreierpack ins neue Jahr
Gefangen im Netz
Bühne frei. Gleich drei Mal wird am Silvesterabend die
Komödie «E sältsams Paar» im Theater Fauteuil aufgeführt.
Mit dabei: der Schauspieler Martin Schurr. Seite 18
Die Macht der Bilder. Drei Jugendliche prostituieren sich
vor der Handykamera: Der gestrige «Tatort» aus München
beleuchtete die dunklen Seiten des Internets. Seite 18
Rubens, «Expedition ins
Glück», Gerhard Richter
Von Christoph Heim
Die Alien-Amazone. Scarlett Johansson als überirdischer Vamp in «Under The Skin» von Jonathan Glazer.
Schöne Augenblicke
Das war 2014! Die BaZ-Kulturredaktion benennt ihre Highlights des Jahres
Mauerfall, Thomas
Hettche, ein Sundowner
Von Christine Richard
1. Es gibt sie noch, die Highlights in den
guten alten Medien. Im Fernsehen:
Der ARD-Themenabend zum Mauerfall mit Christian Schwochows Film
«Bornholmer Strasse», Realsatire,
Trauerspiel. Im Radio: Deutschlandradio Kultur, Deutschlandradio Wissen. Highlights bei Zeitungen: die
neue Samstagsausgabe der Süddeutschen Zeitung; sie ist zugleich eine
pfiffige Sonntagszeitung und kann
mit der Frankfurter Allgemeinen
Sonntagszeitung mithalten.
2. Das gute alte Medium Buch: Als
Roman begeisterte Thomas Hettches
«Pfaueninsel». Als Sachbuch befeuerte
Thomas Pikettys «Kapital im 21. Jahrhundert» die globale Gerechtigkeitsdebatte – und Piketty-Kritiker wie
Daniel Stelter («Die Schulden im 21.
Jahrhundert»). Einen Überblick über
Piketty, Debatte und Kritik geben
Ulrich Horstmann («Alles, was Sie
über das Kapital im 21. Jahrhundert
von Thomas Piketty wissen müssen»)
sowie von links Stephan Kaufmann
und Ingo Stützle («Kapitalismus: Die
ersten 200 Jahre ...»).
3. Die gute alte Volksabstimmung ist
das Highlight schlechthin, sie
beleuchtet sich selbst und den Volksbegriff. Beispiel Masseneinwanderungs-Initiative: Wenn 50,3 Prozent
Ja-Stimmen das Volk sind, sind dann
49,7 Prozent Nein-Stimmen nicht
mehr das Volk? Wer setzt den zweiten Volkswillen um? Gegen so viele
Highlights hilft nur ein Sundowner.
Elizabeth Strout, Richter
und «Die Akte Grüninger»
Von Markus Wüest
1. Das beste Buch des Jahres: «Bleib bei
mir» von Elizabeth Strout, die in
Maine und New York City lebt. Die
tragische Geschichte des beinahe
scheiternden Pfarrers Tyler Caskey
ist berührend, und man vergisst ihn,
seine beiden Kinder und die anderen
Hauptfiguren der Geschichte nicht
mehr. Das macht grosse Literatur für
mich aus: unvergessliche Geschichten an unvergesslichen Orten mit
Menschen, die man sich vorstellen
kann, weil sie glaubwürdig sind, voller Schwächen, voller Stärken.
2. Und so halte ich es auch mit Ausstellungen: Nur wenn ich mein inneres
Museum ergänzen kann, wenn ich
nachher, jederzeit, überall, mir wieder vorstellen kann, wo ich das Bild
sah, wie es auf mich wirkte, hat sich
der Besuch tatsächlich gelohnt. Von
der Richter-Ausstellung in der Fondation Beyeler trage ich gegen ein
Dutzend Meisterwerke in mir wie
kostbare Schätze: die riesigen,
abstrakten Werke, nach Monaten
benannt, «Davos», ein Island-Bild
und das «Seestück» vor allem.
3. Der Schweizer Film «Die Akte Grüninger» mit Stefan Kurt in der Hauptrolle,
Alain Gsponer führte Regie.
Wolfram Lotz, Courbet
und Scarlett Johansson
Von Stephan Reuter
1. Theater: Wolfram Lotz «Die lächerliche Finsternis», Wien. Und er sah, dass
es leer war. Das Meer nämlich, vor der
Küste Afrikas, überfischt von Industrie-Trawlern. Folglich hängt der junge
Fischer aus Somalia Beruf und Netz an
den Nagel und wird Stipendiat an der
Piraterie-Akademie. «Die lächerliche
Finsternis» von Wolfram Lotz ist zeitgenössisches Theater in Bestform. Im
Wiener Akademietheater kann man
dazu einer Schauspielerin auf dem
Sprung unter die ganz Grossen zuschauen: Stefanie Reinsperger. Eine
Wucht hat diese Frau! Und dazu unglaublich viel Wut und Witz im Bauch.
2. Kunst: Gustave Courbet, Fondation
Beyeler. Es geht ja nicht nur um «L’Origine du Monde», den Ursprung der
Welt, den Gustave Courbet nicht
ganz zu Unrecht im Vaginalbereich
entdeckt hat. Es geht nicht nur um
einen Kunstskandal, der bis heute
verblüffend nachwirkt. Es geht um
die grosse Frage: Was ist Schönheit?
Courbet malte Antworten. Er fand sie
im Flusstal von Ornans. Oder im
Schoss der Frau. Unübertroffen.
3. Film: «Under The Skin». Wer Scarlett
Johansson in eine Alien-Amazone
verwandelt, die im Lieferwagen über
schottische Strassen rumpelt, wildfremde Männer aufliest, verführt
und in einem See aus Nichts versenkt, der hat eine Menge vom düsteren Wesen der Filmkunst verstanden. Jonathan Glazer heisst der
Regisseur, er hat erst wenige Spielfilme gedreht. Wir wollen mehr Mysterien von seiner Klasse.
Wunderkammer, «Gone
Girl», Churchill & Chaplin
Von Raphael Suter
1. «For Your Eyes Only» war für mich die
intimste und schönste Ausstellung des
Jahres 2014. Die Privatsammlung von
Richard und Ulla Dreyfus-Best – eine
wahre Wunderkammer – wurde erstmals in der Öffentlichkeit gezeigt.
Zuerst in der Guggenheim Collection
Venedig und jetzt noch bis Februar im
Kunstmuseum Basel. Der Kurator
Andreas Beyer hat die einzigartige
Sammlung an beiden Orten genial in
Szene gesetzt.
2. Im Film «Gone Girl» verschwindet
eine Frau, und ihr Ehemann wird von
den hysterischen Medien sofort als
Mörder ausgemacht. Doch es ist
nicht alles so einfach, wie es scheint.
Regisseur David Fincher hat den
gleichnamigen Bestseller um Wahrheit und Lüge von Gillian Flynn als
Thriller und Mediensatire angelegt.
Noch nie war Ben Affleck in einer
Rolle so gut.
3. Die «Zwei Herren am Strand» sind
der Staatsmann Winston Churchill
und der Regisseur und Schauspieler
Charly Chaplin. Sie beide leiden
unter Depressionsschüben und stehen sich in diesen schweren Zeiten
gegenseitig bei. Der Autor Michael
Köhlmeier hat geschichtlich überlieferte Tatsachen und frei erfundene
Begebenheiten zum für mich besten
Buch des Jahres zusammengefügt.
Anna Aaron, Russell
Brand und der U2-Deal
Leon de Winter, Mozart
und Elton John
Von Sigfried Schibli
1. Kürzlich habe ich einen der seltsamsten Romane meiner Biografie
als Leser hinter mich gebracht: «Ein
gutes Herz» von Leon de Winter
(bei Diogenes). Der Niederländer
(60) rechnet darin auf brillante
Weise mit dem Filmemacher Theo
van Gogh ab und packt brisante
Themen wie Islamismus und Migration in eine Handlung, in welcher
auch Leon de Winter selbst vorkommt. Ein spannender Roman
und nicht zuletzt ein gelungenes
literarisches Experiment.
2. Unter den nicht wenigen Opernaufführungen, die ich 2014 besucht
habe, war Mozarts «Zauberflöte» am
Theater Bern die überraschendste:
leicht und locker in der Herangehensweise, frisch in der szenischen
Umsetzung, gekonnt in der musikalischen Performance. Regisseur Nigel
Lowery in Bestform.
3. Meine Kinobesuche beschränkten
sich auf wenige Filme, dafür habe
ich mehr Klavier gespielt als früher.
Und entdeckt, dass einige Songs
von Elton John auch ohne seine
Stimme sehr gut klingen. Das macht
dem Spieler wie den Zuhörenden
Spass.
Von Nick Joyce
1. CD: Anna Aaron, «neuro», Irascible.
Weil Anna Aaron mit Gitarre, Piano
und Sampler Nachdenklichkeit mit
Experimentierfreude, Leidenschaft
mit Intelligenz kombinierte, avancierte die schlaue Sängerin mit diesem grandiosen Album zur derzeit
spannendsten Exponentin der Basler
Musikszene. Ein lokaler Klassiker mit
Strahlkraft weit über den Röstigraben hinaus.
2. Comedy: Russell Brand, Kongresshaus
Zürich. Er war vulgär, machte einige
Zuschauerinnen derb an und hantierte gefährlich mit einem Feuerlöscher. Trotzdem: So intensiv und anregend wie Russell Brands Show «The
Messiah Complex» war keine andere
Performance im Jahre 2014.
3. Digital: der U2-Deal mit Apple.
Spannend war die Musik nicht, die
die irische Rockband an Milliarden
Apple-Kunden verschenkte. Wichtig
waren hingegen die Reaktionen auf
diese Tat: Vielen Menschen wurde
dadurch erst bewusst, dass ihr
Smart-Phone ausserhalb der eigenen Privatsphäre liegt. Für diese
Snowden’sche Sinnesschärfung
muss man U2 und Apple fast schon
dankbar sein.
«Interstellar»,
Peter Gabriel und ich
1. Kunstgeschichte: Die Rubens-Ausstellung in Brüssel entzückte ihre Besucher im Herbst nicht nur mit einigen
der besten Gemälde des Barock-Meisters, sie beeindruckte auch mit einer
Vielzahl von Meisterwerken aus dem
19. Jahrhundert, in denen sich
Rubens’ Einflüsse offenbarten. Gut zu
wissen: Die Ausstellung «Rubens and
His Legacy» ist vom 24. Januar bis
zum 10. April 2015 auch noch in der
Royal Academy in London zu Gast.
2. Kulturgeschichte: Die Sommerausstellung des Landesmuseums in Zürich
mit dem Titel «1900–1914. Expedition
ins Glück» über die Vorgeschichte des
Ersten Weltkriegs gefiel durch die
überaus subtile Kombination von kulturgeschichtlichen und künstlerischen
Objekten. Sie war hierzulande wohl
das Beste, was es in einem Museum
hundert Jahre nach der Urkatastrophe
des 20. Jahrhunderts zu sehen gab.
3. Gegenwartskunst: Grossartig war die
Retrospektive zu Gerhard Richters
Werk nicht nur deshalb, weil hier die
Spitzenwerke eines ganz Grossen der
zeitgenössischen Kunst versammelt
waren. Dank der geschickten Kombination von grossen und kleinen Bildformaten wurde jeder einzelne
Raum der Richter-Ausstellung in der
Fondation Beyeler zu einem eigenen
Kunstwerk.
«Tatort», das Ballet
Revolución und Eiskübel
Von Jochen Schmid
1. Der Tatort «Im Schmerz geboren»,
Hessischer Rundfunk, 12. Oktober;
mit Ulrich Tukur als Kommissar Felix
Murot und Ulrich Matthes als sein
irrer Gegenspieler Richard Harloff.
Die Frankfurter Allgemeine Zeitung
schrieb: «Ein Hammer. Schwer wie
ein Alb, dunkel wie Blut, heiss wie
die Sonne, wild wie ein Herz, schwebend wie eine Schneeflocke.» Ein
Hammer wie Schneeflocke, besser
kann man es nicht sagen. Auch zum
Niederknien: Philip Seymour Hoffman in seiner letzten grossen Rolle in
«A Most Wanted Man».
2. Das Ballet Revolución in Basel (April
2014). Begnadete Körper, Tanz wie
in Trance, ein Rhythmus, bei dem
jeder mit muss. Die Mitwirkenden:
toughe junge lebenslustige Menschen, denen man wie allen Kubanern eine baldige Öffnung ihres Landes zur Welt wünscht!
3. Der Ice Bucket Challenge im Sommer. Spendensammeln auf die fröhliche weltumspannende Art (in diesem Fall zugunsten der ALS-Forschung). Das Gegenstück dazu ist
das einfallslose Ebola-Weihnachts-Trallala von Bob Geldof &
Co.: Dem Mann sollte man mal den
Kopf waschen, aber ganz kalt.
3a. Leonard Cohen in Montreux.
anzEIGE
Von Stefan Strittmatter
1. Grossartiges Science-Fiction-Kino
verbindet die Weite des Alls mit dem
Innern des Menschen. So berauschend philosophisch wie bei Christopher Nolans «Interstellar» war
Sci-Fi seit Kubrick nicht mehr. Drei
Stunden Kino vergehen wie im Flug –
besser kann man die Relativitätstheorie nicht vorgeführt bekommen.
2. Wieso soll man noch ins Konzert
gehen, wo man das Gebotene doch
auf DVDs billiger oder auf Handyfilmchen gratis miterleben kann? Die
Antwort lieferte Peter Gabriel im
November mit seinem Gastspiel im
Hallenstadion. Der 64-Jährige bot
ein unvergleichliches Live-Erlebnis.
3. Seit 25 Jahren spiele ich in Bands.
Diesen Sommer habe ich ein neues
Trio gegründet, das konsequent ein
Ziel verfolgt: genau jene Musik zu
machen, die wir selber hören wollen.
Manchmal verhält es sich bei Kultur
nämlich wie mit Geschenken: Das
selber Gemachte berührt am
meisten.
06-01-15 DIENSTAG
19.30 UHR | MARTINSKIRCHE
IL
PRETE ROSSO
VIVALDI DIE VIER JAHRESZEITEN
VIOLINE UND LEITUNG
GIULIANO CARMIGNOLA
TICKETS: www.kulturticket.ch | Bider & Tanner
www.kammerorchesterbasel.ch
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Seele and Geist
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