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20150107 BT Leserbrief Beeler Notstand Pflegefachleute

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B ü n d n e r Ta g b l a tt
KLARTEXT
M i ttwo c h , 7. Ja n u a r 2 0 1 5
L E I T A R T I K E L Hansmartin Schmid über den Journalismus im Internet-Zeitalter
Werden die Journalisten jetzt überflüssig?
E
Eigentlich weiss man es schon längst
aus den Umfragen: Das Berufsbild der
Journalisten und Redaktoren schwankt
in der Öffentlichkeit. Ihr Ansehen in der
Skala der Berufe liegt auf dem tiefsten
Punkt, weit hinter demjenigen der Polizei und noch hinter den Politikern. Zudem belegen die Journalisten auch in
der Rangordnung der Lebenserwartung
zusammen mit den Wirten den letzten,
beziehungsweise kürzesten Platz.
Sind deshalb die Journalisten und
Redaktoren in unseren Zeitläuften im
doppelten Sinne eine aussterbende
Gattung? Viele scheinen es gegenwärtig
zu glauben oder gar herbeizuwünschen. Denn all das, was einst mit Beiträgen wie «Der Leser als Reporter»
oder eines Artikels unter dem Vorzeichen «eingesandt» relativ schüchtern
begonnen hat, ist heute im Zeichen der
Interaktion zu einer alles und jedes mitund niederreissenden Springflut an Leserkommentaren, Mails und Blogs, an
Meinungsaustausch und Meinungszusammenprall in allen möglichen und
unmöglichen Internetforen geworden.
Hat da noch jemand den Überblick?
Sicher, diese absolute Selbstsetzung
und Meinungsfreiheit könnte zum
Teil positiv als demokratischer
Teilhabe an den Bewegungen
in der Welt und als Kennzeichen für eine moderne Gesellschaft angesehen werden. Sicher freut sich auch
jede Redaktion und jeder
Journalist über Leserbriefe,
positive oder negative. Schon vor
Jahren sagte einmal ein langjähriger
Zeitungsleser zum Schreibenden, am
liebsten lese er die Leserbriefseite, denn
diese sei die einzige, die nicht von der
Redaktion geschrieben worden sei.
Allerdings hatte der gute Mann
eines übersehen. Bei den Leserbriefen
pheten, von Holocaust-Leugnern, Geschichtsfälschern und Ex-Stalinisten,
von Sektenführern, einseitigen Freimaurer-Gegnern, Weltverschwörern,
Antiklerikern, USA-Verächtern, PutinVerstehern und Christusleugnern verkommt. Beispiele gefällig? Da schreibt
einer: Wenn Hitlary ( gemeint ist natürlich eine Kombination von Hillary Clinton und Hitler) die nächste Präsidentin wird und es dann richtig kracht, ja dann wachen
«Wer kontrolliert
wir vielleicht auf, aber dann
eigentlich
ist es zu spät». Ein anderer
meint: «Die Pharaonen kaim Internet
men über die Schweiz nach
die Kontrolleure?»
Europa, die Schweiz ist ihre
Basis bis heute, Hitler wurde
auch über die Schweiz, welche
Freiheit des Internets weitgehend. Nie- seltsamerweise keine Kriege mitmamand scheint offenbar im Griff zu ha- chen muss, finanziert». Und ein dritter
ben, was da irgendein «fredy» oder eine macht einen grossen Missgriff in die
«liebolga» in die Welt absondert, so Geschichte: «Die französische Revoludass das Internet zum Tummelfeld von tion dient auch nicht als Vorbild, kam
Rassisten, Anarchisten, Juden- Araber- sie doch auch von einem Freimaurerund «Neger»-Hassern, Untergangspro- bund von aussen und ging nicht vom
gab und gibt es Regeln. Anonymes wandert in den Papierkorb oder in den
Spam, Verbalinjurien in einem Nachbarschaftsstreit oder persönliche Angriffe unter der Gürtellinie auf einen
Politiker werden ebensowenig publiziert wie wirre Theorien. Genau dies
aber fehlt eben in der grenzenlosen
Volke aus». Hat überhaupt jemand eine
Ahnung davon, was ein derartiges
Kopfsausen in anderen Köpfen anrichten kann? Konnte man noch zu einigen
Leserbrief gelassen mit Schiller sagen:
«Ganz anders als sonst in Menschenköpfen malt sich im diesen Kopf die
Welt», so muss man dafür zu Goethe
wechseln und sagen: «wie ein Mühlrad
geht es in diesem Kopf herum». Womit
bewiesen wäre, dass eben doch die ordnende und einordnende Hand des Redaktors fehlt, dass die Journalisten
noch lange, lange nicht überflüssig geworden sind. Einst hat man die Aufklärung als «Ausgang des Menschen aus
selbstverschuldeter
Unmündigkeit»
definiert. So aber könnte das Internet
zum «Eingang in die selbstverschuldete
Unmündigkeit» werden.
HANSMARTIN SCHMID, Dr. phil. schreibt
nach 30 Jahren Print- und 20 Jahren
Fernseh-Journalismus in Bern, Rom,
Zürich und Bonn seit 1998 für das BT
Klartexte, Kommentare und Berichte.
H I N T E R G R U N D Simone Pfeuti, SDA, über die islamfeindliche Pegida-Bewegung
Widerstand gegen Pegida in Deutschland wächst
G
Gegen die islamfeindliche Pegida-Bewegung in Deutschland formiert sich
ein breiter gesellschaftlicher Widerstand. In einem gemeinsamen Appell
bezogen Politiker und Wirtschaftsführer gegen die «Patriotischen Europäer
gegen die Islamisierung des Abendlandes» (Pegida) und Fremdenfeindlichkeit Stellung. In der «Bild»-Zeitung von
gestern wandten sich unter anderen die
Altkanzler Helmut Schmidt und Gerhard Schröder (beide SPD) gegen die Pegida-Demonstrationen, die am Montagabend in mehreren Städten auf tausende Gegendemonstranten gestossen
waren. Schmidt kritisierte, die Pegida-
Proteste appellierten an «dumpfe Vorurteile, an Fremdenhass und Intoleranz». Dem Pegida-Bündnis war es am
Montag zwar gelungen, in seiner Hochburg Dresden rund 18 000 Demonstranten zu mobilisieren. Bei kleineren Pegida-Kundgebungen in Berlin und Köln
waren die Sympathisanten der islamfeindlichen Bewegung jedoch den
Gegendemonstranten
zahlenmässig
klar unterlegen.
So sagte der Veranstalter der ersten
Pegida-Demonstration in Köln einen
Marsch zum Kölner Dom kurzfristig ab
– rund 7500 Menschen waren gegen das
Treffen von rund 500 Pegida-Anhängern auf die Strasse gegangen.
Altkanzler Schmidt sagte der
«Bild«-Zeitung, die Pegida-Proteste seien «nicht Deutschland». Die Bundesrepublik dürfe Flüchtlinge und Asylbewerber nicht verstossen. «Deutschland
muss weltoffen und tolerant bleiben.»
Schröder bekräftigte in der Zeitung seine Forderung nach einem neuen «Aufstand der Anständigen» gegen Fremdenfeindlichkeit. Dazu hatte Schröder
im Jahr 2000 nach einem Brandanschlag auf eine Düsseldorfer Synagoge
aufgerufen. Auch Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) schloss sich dem
Appell gegen Intoleranz an. «Parolen ersetzen keine Fakten: Deutschland
braucht Zuwanderer», sagte er der
«Bild»-Zeitung. Aussenminister FrankWalter Steinmeier (SPD) erklärte, Pegida werfe auch ein «schlechtes Bild auf
Deutschland im Ausland». Umso wichtiger sei es, zu verdeutlichen, «dass diejenigen, die da auf einigen Strassen ihre
Parolen rufen, eine kleine Minderheit
mit einer lauten Stimme sind». Der Chef
des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Ulrich Grillo, sprach sich
«
Helmut Schmidt:
‘Deutschland muss
weltoffen und tolerant
bleiben’
»
L E S E R B R I E F E Zum Pflegenotstand und zur Flüchtlingsthematik
Notstand bei den
Pflegefachleuten
Zum Artikel «Verzweifelt gesucht: Pflegefachleute» in der «Schweiz am Sonntag»
vom 4. Januar 2015.
Ich frage mich, warum die Spitäler und
Heime gefordert sind, die händeringend
gesuchten Pflegefachleute (FH und HF) im
Ausland zu suchen, wenn es in den eigenen Reihen unzählige potenzielle diplomierte Pflegerinnen und Pfleger gibt, die
diese Ausbildung auf dem zweiten Bildungsweg angehen könnten? Wie heisst
es doch so schön: kein Abschluss ohne Anschluss …
Und dennoch hat die Schweiz einen
akuten Notstand an Pflegefachleuten. Am
Mangel an Ausbildungsplätzen liegt es sicher nicht, die meisten schreckt es ab,
dass sie sich für fünf Jahre oder mehr nach
dem Abschluss im Ausbildungsbetrieb
verpflichten müssen oder drei Jahre lang
mit 1200 Franken im Monat auskommen
müssen. Wie macht man das, wenn man
alleinerziehend ist, ohne reiche Verwandte? Stiftungen? Da muss man aber den
richtigen Bürgerort haben, die richtige Religion, das richtige Ausbildungsziel, sonst
ist der Zug für den Anschluss nach dem
Abschluss schnell abgefahren. Ich fordere
die Politik auf, vor allem was die Situation
in Bezug auf die Pflegefachleute angeht,
tut etwas!
▸ MANDY BEELER, CHUR
So geht es nicht weiter
2015 werden Deutschland, Schweden, die
Schweiz und andere Länder von Menschen aus Nahost und Afrika überrannt
werden. Es ist billig, den Italienern Vorwürfe zu machen; sie können diese Menschenwellen weder registrieren noch lenken. Das haben die Schlepper klar erkannt. Italien hat keine andere Wahl, als
die vielen Menschen, die gar nicht im «armen» Italien bleiben wollen, an der Weiterreise möglichst nicht zu hindern. Es ist
eine Illusion der EU-Staaten zu meinen,
sie könnten die Menschenströme lenken.
Diese Menschen, die für ihre Verhältnisse
sehr viel Geld investiert haben, wollen in
den Ländern bleiben, die ihnen und den
Familien, die nachziehen werden, gute
Chancen für ihr weiteres Leben bieten: an
erster Stelle Deutschland, gefolgt von weiteren EU-Staaten und der Schweiz.
Trotz aller Beschwichtigungsversuche
werden die Spannungen in Europa zunehmen – Spannungen zwischen der ansässigen Bevölkerung und den Neuankömmlingen, aber auch Spannungen innerhalb
der Bevölkerung – religiöse, soziale und
nationale Spannungen.
Es gibt eine Möglichkeit, diesen Problemen, die die einzelnen Staaten und die
EU als Ganzes durchschütteln und überfordern werden, gegenzusteuern: Eine
zeitverzugslose und massive Hilfe vor Ort:
Flüchtlingsstädte sind zu errichten, in der
Türkei, im Libanon, im Irak, in Jordanien,
ebenfalls für Zuwanderung aus.
«Deutschland tut qualifizierte Einwanderung richtig gut.» Gegen jede Form
von Fremdenfeindlichkeit müsse vorgegangen werden. Deutsche-Post-Chef
Frank Appel mahnte, in Deutschland
dürfe «kein Platz sein für Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz». Der Manager der Fussball-Nationalmannschaft, Oliver Bierhoff, erklärte: «Wir
sind Weltmeister geworden mit vielen
Spielern, die einen Migrations-Hintergrund haben. So selbstverständlich wie
wir in der Nationalelf Integration leben,
so sollte es auch in der Gesellschaft
funktionieren.» Die Linkspartei geht
davon aus, dass der Zulauf zur Pegida
begrenzt bleibt. «Ausserhalb Dresdens
erweist sich die rassistische Pegida-Bewegung als Flopp», erklärte die innenpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion, Ulla Jelpke.
IMPRESSUM
in den Nachbarländern zu Eritrea. Europa
stellt die Leitung und die Spezialisten und
das Geld für Geräte und Material, das möglichst in den Ländern selbst einzukaufen
ist. Es braucht Energiefarmen, Wasserentsalzungsanlagen, Bewässerungssysteme,
es braucht auch «Beamte», Lehrer, Pflegepersonal, Handwerker aller Art, Bauern:
Die Menschen sind gerne bereit, das Ihrige beizutragen.
Das kostet Milliarden Euro – doch das
ist immer noch billiger im Vergleich zu
dem, was in Europa über Jahre und Jahrzehnte an verdeckten Kosten anfallen
wird, wenn nicht jetzt Gegensteuer gegeben wird. Das könnte eine Aufgabe der
EZB sein!
Das Schweizer Fernsehen musste Mitte Dezember 2014 melden, dass in den
Flüchtlingslagern vor Ort die Verpflegung
nicht mehr gesichert sei, da viele Länder
die zugesicherten Beiträge nicht bezahlen.
Aber die Nato-Länder müssen aufrüsten.
Das Problem heisst nicht Ukraine, sondern Nahost und Afrika!
▸ JÜRG WALTER MEYER, AUSLANDSCHWEIZER, D-LEIMEN BEI HEIDELBERG
Leserbriefe sind beim «Bündner Tagblatt»
willkommen. Exklusive Zuschriften werden
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Korrespondenz geführt. Zuschriften per Mail
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