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Meldungen von Infektionskrankheiten und Krankheitserregern im

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Fachbeitrag
Meldungen von Infektionskrankheiten
und Krankheitserregern im Freistaat
Thüringen
Sabine Schroeder, Dagmar Rimek, Maren Wölk
Einleitung
Das lebensmittelbedingte Ausbruchsgeschehen durch einen besonderen Enterohämorrhagischen Escherichia-coli (EHEC)Stamm im Frühjahr 2011 war Anlaß für
kontroverse Diskussionen über das Meldewesen von Infektionskrankheiten in
Deutschland. Dabei zeigte sich, daß sowohl in der Öffentlichkeit als auch bei
Fachleuten Informationsdefizite über die
Meldepflicht und Meldewege sowie über
die Ermittlungsaufgaben der Gesundheitsämter vorhanden sind. Weiterhin
werden immer noch viele Erkrankungen
nicht oder erst sehr spät gemeldet. Das
Robert Koch-Institut (RKI) geht abhängig
von der Krankheit und dem Erreger von
einer Untererfassung in unterschiedlicher
Höhe aus. So werden beispielsweise bei
invasiven Meningokokken-Infektionen
etwa 90 Prozent, bei Echinokokkosen
aber nur 30 Prozent der diagnostizierten
Fälle gemeldet.
In diesem Artikel wird das Meldewesen,
unter besonderer Berücksichtigung der in
Thüringen meldepflichtigen Krankheiten,
erläutert und zusammengefaßt. Ärzte und
Leiter von Laboreinrichtungen sollen an
ihre Meldepflicht erinnert werden. Die
Meldung von Infektionskrankheiten stellt
eine grundlegende Voraussetzung für die
Arbeit der Gesundheitsämter dar, die
dazu dient, eine Weiterverbreitung von
Infektionskrankheiten zu verhindern.
Die durch den EHEC-Ausbruch angestoßenen, geplanten Neuerungen, z. B. die
Verkürzung der Übermittlungszeit, liegen
bisher nur als Entwurf vor und werden
deshalb hier nicht berücksichtigt.
Welche Gesetze bezüglich der
Meldepflicht müssen in Thüringen
beachtet werden?
In Thüringen müssen von Ärzten, Laborleitern und anderen meldepflichtigen Per-
736
sonen bezüglich der Meldepflicht von
Infektionskrankheiten die Bestimmungen des Infektionsschutzgesetzes (IfSG)
von 2001 und der Thüringer Verordnung
über die Anpassung der Meldepflicht für
Infektionskrankheiten von 2003 (ThürIfKrMVO, letzte Änderung 2010) beachtet
werden. Die jeweilige aktuelle Fassung
ist auf der Internetseite des Thüringer
Landesamtes für Lebensmittelsicherheit
und Verbraucherschutz (TLLV) unter
http://www.thueringen.de/de/tllv/medizinaluntersuchung/infektionshygiene/
infektionsepidemiologie zu finden. Das
IfSG wurde zuletzt im Jahr 2007 durch
die Verordnung über die Meldepflicht bei
Aviärer Influenza beim Menschen
(AIMPV) und im Jahr 2009 durch die
Verordnung zur Anpassung der Meldepflicht nach § 7 des Infektionsschutzgesetzes an die epidemische Lage (LabMeldAnpV), das die Pflicht zur Meldung von
methicillinresistenten Stämmen von Staphylococcus aureus (MRSA) enthält, ergänzt. Von den Gesundheitsämtern müssen außerdem bestimmte Erkrankungen
und Ereignisse von internationaler Tragweite entsprechend dem Gesetz zu den
Internationalen Gesundheitsvorschriften
(IGV) über die zuständigen Landesbehörden und das RKI an die Weltgesundheitsorganisation übermittelt werden.
Welche Ziele hat die Meldepflicht?
Die Meldepflicht wurde mit dem Ziel im
IfSG verankert, Häufungen von Infektionsgeschehen zu bemerken. Dies bildet
die Voraussetzung, um durch geeignete
Maßnahmen die Weiterverbreitung von
Krankheiten zu verhindern und Ausbrüche einzudämmen. Deshalb sind für die
Meldungen die Mitteilungen des Namens
und der Adresse sowie weitere Angaben
(siehe unten) erforderlich. Auf Grundlage dieser Angaben ermittelt das Gesundheitsamt mögliche Infektionsquellen und
Dr. Sabine Schroeder
PD Dr. Dagmar Rimek
Verbreitungswege, informiert bei lebensmittelbedingten Infektionen das Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt,
untersucht Kontaktpersonen, informiert
und berät die Bevölkerung, Ärzte und
Krankenhäuser, empfiehlt oder führt
gegebenenfalls Hy­giene­maßnahmen,
Riegelungsimpfungen oder eine medikamentöse Chemoprophylaxe durch.
Darüber hinaus kann das Gesundheitsamt Tätigkeitsverbote verhängen oder
den Besuch von Gemeinschaftseinrichtungen untersagen. Anonym wird der
Nachweis bestimmter Erreger für die Erhebung epidemiologischer Daten gemeldet. Diese Daten werden analysiert, um
räumliche oder zeitliche Veränderungen
in der Ausbreitung einer Erkrankung zu
erkennen und entsprechende gesundheitspolitische Entscheidungen treffen
zu können.
Ärzteblatt Thüringen
Fachbeitrag
Welche Krankheiten sind meldepflichtig?
det werden. Bei einigen Krankheiten ist
ein Erregernachweis nicht gefordert. Dies
sind Infektionen, deren Diagnose meist
anhand des klinischen Bildes gestellt wird
(z. B. Masern, Borreliose), bei denen eine
labordiagnostische Bestätigung schwierig
ist (z. B. Botulismus, Hämorrhagisch-Ur-
sammengefaßt. Für viele der aufgeführten Krankheiten ist zusätzlich der Erregernachweis für das Labor meldepflichtig.
Um eine schnelle Intervention des Gesundheitsamtes zu ermöglichen, muß in
den meisten Fällen bereits die Erkrankung anhand des klinischen Bildes gemel-
Meldepflichtig für den Arzt sind 29 Infektionskrankheiten, die eine Tendenz zur
Ausbreitung zeigen. Sie werden namentlich in § 6 IfSG sowie in § 1 ThürIfKrMVO
aufgeführt und sind in der Tabelle 1 zu-
Tabelle 1: Meldepflichtige Krankheiten und Krankheitserreger nach dem IfSG (x) und der ThürIfKrMVO (x*)
Arztmeldepflicht
namentliche Meldung an das
Gesundheitsamt
Krankheit
Verdacht Erkrankung Tod
Labormeldepflicht
nicht namentliche
Meldung an das
Gesundheitsamt
direkter oder
indirekter Nachweis
(wenn nicht anders
angegeben)
direkter oder
indi­rekt­er Nachweis
(wenn nicht anders
angegeben)
HI-Virus
Borreliose
Botulismus
nicht namentliche
Meldung an das RKI
Erreger
Erkrankung Tod
AIDS
namentliche Meldung
an das Gesundheitsamt
x
x
x*
x*
Borrelia burgdorferi
x
x
Clostridium
botulinum
x (auch Toxinnachweis)
Brucella spp.
x
Brucellose
Cholera
x
x
x
Vibrio cholerae O1
und O139
x
Diphtherie
x
x
x
Corynebacterium
diphtheriae, Toxin
bildend
x
Echinokokkose
Echinococcus spp.
Fleckfieber
Rickettsia
prowazekii
x
FSME-Virus
x
FSME
Gasbrand
Gastroenteritis
infectiosa, Häufung
ab 2 Fällen mit
epidemiologischem
Zusammenhang
oder
bei einer Person,
die im Lebensmittelbereich tätig ist
Hämolytisch-urämisches Syndrom
(HUS), enteropathisches
x*
x
x
Ausgabe 12 / 2011 22. Jahrgang
x
x
x
x
x*
x
Clostridium
perfringens und
andere Clostridien
Campylobacter spp.,
darmpathogen
x
Cryptosporidium
parvum
x
Entamoeba
histolytica
x*
Escherichia coli,
sonstige darmpathogene Stämme
x
Giardia lamblia
x
Norovirus
x
Rotavirus
x
Salmonella
x
Shigella spp.
x
Yersinia enterocolitica, darmpathogen
x
Escherichia coli,
enterohämorrhagische Stämme
(EHEC)
x
737
Fachbeitrag
Haemophilus-influenzae-Erkrankung,
invasive
Hämorrhagische
Fieber, virusbedingt
x
x
x
x (direkter Nachweis aus
Liquor oder Blut)
Ebolavirus
x
Gelbfiebervirus
x
Hantaviren
x
Lassavirus
x
Marburgvirus
x
andere Erreger von
hämorrhagischen
Fiebern
x
Hepatitis A, akute
x
x
x
Hepatitis-A-Virus
x
Hepatitis B, akute
x
x
x
Hepatitis-B-Virus
x
x*
x*
x
x
Hepatitis-C-Virus
x
(soweit nicht chronisch)
x*
x*
x
x
Hepatitis-D-Virus
x
x
Hepatitis B,
chronisch
Hepatitis C, akute
x
Hepatitis C,
chronisch
Hepatitis D, akute
x
x*
(chronische Form)
Hepatitis E, akute
x
x
x
Hepatitis-E-Virus
humane spongiforme Enzephalopathien (außer familiär
hereditäre Formen)
x
x
x
Prionen
Influenza (außer
aviäre)
Influenzaviren
x
(nur direkte Nachweise)
x
x
Influenzavirus,
aviäres
x
(nur direkte Nachweise)
x*
x*
Adenoviren
x (direkter Nachweis im
Konjunktivalabstrich)
Legionellose
Legionella spp.
x
Lepra
Mycobacterium
leprae
x
Leptospirose
Leptospira interrogans
x
Listeriose
Listeria monocytoge- x (direkter Nachweis aus
nes
Blut oder Liquor)
Malaria
Plasmodium spp.
Influenza, aviäre
x
Keratokonjunktivitis
epidemica
x
Masern
x
x
x
Masernvirus
x
MeningokokkenMeningitis oder
- Sepsis
x
x
x
Neisseria meningitidis
x (direkter Nachweis aus
Blut oder Liquor)
x*
x*
andere Erreger von
Meningitis/
Encephalitis
x*
x
x
Bacillus anthracis
x
Meningitis/
Enzephalitis, übrige
Formen
Milzbrand
x
Methicillinresistente x (direkter Nachweis aus
Staphylococcus
Blut oder Liquor)
aureus (MRSA)
MRSA-Infektion,
invasiv
Mumps
x*
x*
Ornithose
Paratyphus
738
Haemophilus
influenzae
x
x
x
Mumpsvirus
x*
Chlamydophila
psittaci
x
Salmonella
Paratyphi
x
Ärzteblatt Thüringen
Fachbeitrag
Pertussis
x*
x*
Bordetella pertussis
x*
Pest
x
x
x
Yersinia pestis
x
Poliomyelitis
x
x
x
Q-Fieber
Röteln
x*
x*
x*
x*
Rückfallfieber
Scharlach
Rubellavirus
x*
Borrelia recurrentis
x
x (nur konnatale
Infektion)
Treponema pallidum
Tetanus
x*
x
x
x
x*
x
Clostridium tetani
Rabiesvirus
Toxoplasmose
x
x (nur konnatale
Infektion)
Toxoplasma gondii
Trichinellose
Tuberkulose,
behandlungsbedürftig
x
x
Tularämie
Typhus abdominalis
x
x
Beta-hämolysierende x*
Streptokokken der
Gruppe A
Syphilis, Lues
Tollwut
Poliovirus
Coxiella burnetii
x
Windpocken
x
Mycobacterium
tuberculosis, M.
africanum, M. bovis
x (direkter Erregernachweis und nachfolgend
Ergebnis der Resistenzbestimmung, vorab
Nachweis säurefester
Stäbchen im Sputum)
Francisella
tularensis
x
x
x
Salmonella Typhi
x
x*
x*
Varicella-ZosterVirus
x*
ämisches Syndrom [HUS]) oder eine Diagnostik erst nach dem Tod des Patienten
durchgeführt werden kann (z. B. humane
spongiforme Enzephalopathien). Trotzdem sollte prinzipiell bei jeder meldepflichtigen Infektionskrankheit auch der
Erregernachweis angestrebt werden. Bei
Verdacht auf meldepflichtige Erkrankungen fallen Laboruntersuchungen im kassenärztlichen Bereich unter die Abrechnungskennziffer 32006 des Einheitlichen
Bewertungsmaßstabs (EBM), die das Laborbudget des Arztes nicht belastet.
Am Beispiel der in Deutschland selten auftretenden hämorrhagischen Fieber zeigt
sich die Dringlichkeit schneller Meldewege. Diese durch verschiedene Viren verursachten Erkrankungen sind meist hochkontagiös, nicht kausal therapierbar und
weisen eine hohe Letalitätsrate auf. Außer
für Gelbfieber gibt es keine Impfungen.
Bereits Verdachtsfälle sind unverzüglich,
auch nachts und am Wochenende, an das
Gesundheitsamt zu melden, von wo aus
die Meldungen sofort an die obere Landesbehörde und weiter an das RKI geleitet
Ausgabe 12 / 2011 22. Jahrgang
Trichinella spiralis
werden müssen. Sind schwerwiegende
Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit auch über die Landesgrenzen hinweg
zu befürchten, wird das RKI eine unverzügliche Meldung an die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erstatten.
Zusätzlich zu den einzeln aufgelisteten
Krankheiten sind nicht erregerbezogene
Krankheiten, Symptome oder Zustände,
die eine Gefahr für die Allgemeinheit mit
sich bringen, meldepflichtig (Tabelle 2).
Das betrifft unter anderem Krankheiten,
die einen Hinweis auf Hygienemängel im
Lebensmittelbereich geben können. So
müssen mikrobiell bedingte Lebensmittelvergiftungen und akute, infektiöse Gastroenteritiden sowohl bei Personen, die beruflich mit Lebensmitteln umgehen, als auch
dort, wo mindestens zwei gleichartige Erkrankungen mit epidemiologischem Zusammenhang auftreten, gemeldet werden.
Nicht alle Krankheiten und Krankheitserreger können im Gesetz genannt werden.
Viren, Bakterien und Parasiten können
durch genetische Veränderungen ihre
Wirtsspezifität oder Virulenz ändern (z. B.
Aviäre Influenzaviren, SARS-Coronaviren), so daß plötzlich neue Infektionskrankheiten auftreten. Deshalb sind ganz
allgemein bedrohliche Krankheiten (z. B.
Clostridium difficile seit 2007) oder auch
mehrere gleichartige Erkrankungen mit
epidemiologischem Zusammenhang meldepflichtig, wenn sie eine schwerwiegende
Gefahr für die Allgemeinheit darstellen
könnten. In Thüringen müssen generell
Erkrankungshäufungen mit Verdacht auf
eine gemeinsame Ursache ab fünf Fällen,
die innerhalb von 48 Stunden auftreten,
gemeldet werden.
Arztmeldung: Wer muß was melden?
Die in den Tabellen 1 oder 2 genannten Erkrankungen, Symptome oder Zustände
müssen durch den feststellenden Arzt an
das zuständige Gesundheitsamt gemeldet
werden. Im Krankenhaus ist der leitende
Arzt oder der leitende Abteilungsarzt dafür zuständig. In Einrichtungen ohne leitenden Arzt ist der behandelnde Arzt meldepflichtig.
739
Fachbeitrag
Tabelle 2: Nach IfSG (x) und ThürlfKrMVO (x*) meldepflichtige Ereignisse
Erkrankungen, Symptome oder Zustände: namentliche Meldung an das Gesundheitsamt
x
Mikrobiell bedingte Lebensmittelvergiftung oder akute infektiöse Gastroenteritis (Verdacht und Erkrankung) bei Personen, die im
Lebensmittelbereich gemäß § 42 IfSG tätig sind
x
Erkrankungshäufung von (ab zwei Erkrankungen mit epidemiologischem Zusammenhang) mikrobiell bedingten Lebensmittelvergiftungen oder akuten infektiösen Gastroenteritiden (Verdacht und Erkrankung)
x
Verdacht auf Berührung oder Verletzung durch ein tollwutkrankes, - verdächtiges oder -ansteckungsverdächtiges Tier
x
Schwerwiegende Gefahr für die Allgemeinheit durch andere bedrohliche Krankheiten oder durch Erkrankungshäufungen (ab zwei
Erkrankungen mit epidemiologischem Zusammenhang)
x
Abbruch oder Verweigerung einer Behandlung von Lungentuberkulose
x
Häufung von nosokomialen Infektionen mit epidemiologischem Zusammenhang (nicht namentliche Meldung)
x*
Erkrankungshäufungen mit Verdacht auf gemeinsame Ursache, ab 5 Erkrankungen innerhalb von 48 Stunden
In bestimmten Fällen sind auch Angehörige anderer Heil- und Pflegeberufe (Hebammen, Altenpfleger, Krankenschwestern), Tierärzte (im Fall von Tollwutkontakt), Leiter von Pflegeeinrichtungen,
Heimen und ähnlichen Einrichtungen
sowie Schiffs- und Flugzeugkapitäne zur
Meldung verpflichtet, wenn der Sachverhalt nicht bereits durch eine andere Person
gemeldet wurde.
Das aktuelle Thüringer Meldeformular für
die Arztmeldung ist auf der Internetseite
des TLLV zu finden. Im Formular sind für
alle melderelevanten Sachverhalte Eintragungen vorgesehen. Für die namentliche
Meldung müssen personenbezogene Angaben des Patienten (Name, Anschrift der
Hauptwohnung beziehungsweise des derzeitigen Aufenthaltsortes, Geburtsdatum,
Geschlecht) ergänzt werden.
Welche Krankheitserreger sind
meldepflichtig?
Meldepflichtig ist der direkte und indirekte Nachweis von 49 in §7 IfSG aufgeführten Krankheitserregern beim Menschen,
soweit der Nachweis auf eine akute Infektion hinweist (s. Tabelle 1). In diese Kategorie fallen auch frische, symptomlose Infektionen, die zufällig oder bei Umgebungsuntersuchungen diagnostiziert werden.
Hinzu kommen neun nach § 2 ThürIfKrMVO meldepflichtige Erreger, auch
ohne daß die Nachweise auf eine akute
Infektion hindeuten.
Als direkte Nachweise werden Nachweise
des Erregers oder seiner Bestandteile bezeichnet. Diese können mikroskopisch,
740
kulturell sowie als Nachweise des genetischen Materials (z. B. mittels PolymeraseKettenreaktion) oder von Protein-Strukturen (z. B. mittels Antigennachweis) durchgeführt werden.
Der indirekte Nachweis erfolgt in der Infektionsserologie als Bestimmung erregerspezifischer Antikörper. Häufig reicht eine
einfache Bestimmung der Gesamtantikörper nicht aus, um zwischen einer akuten
Infektion und einer älteren Infektion (Seronarbe) zu unterscheiden. Dennoch ist
eine Reihe von Antikörpertesten gut etabliert, da sich mittels eines einmaligen
IgM-Nachweises oder eines signifikanten
Titeranstiegs von IgG-Antikörpern in einer Zweitprobe auf eine akute Infektion
schließen läßt.
Im Gesetz werden nur bei wenigen Erregern bestimmte Nachweismethoden oder
Untersuchungsmaterialien vorgeschrieben. Bei allen anderen Erregern sind bei
der Abwägung ob bestimmte Nachweise
zu melden sind, die Empfehlungen und
Leitlinien der Bundesärztekammer und
von wissenschaftlichen Fachgesellschaften zu beachten. Wenn beispielsweise für
bestimmte Methoden Bestätigungstests
gefordert werden, sollten nur bestätigte
Nachweise gemeldet werden. Hinweise
können auch die vom RKI veröffentlichten
Falldefinitionen geben, die für die Standardisierung der an das RKI übermittelten
Daten entwickelt wurden.
Sind mehrere Labore an der Durchführung des Nachweises für einen Krankheitserreger beteiligt, so ergibt sich die
Meldepflicht für das Labor, in dem der
meldepflichtige Erreger zuerst diagnostiziert wurde. Erfolgt beispielsweise die Anzucht von Salmonellen aus einer Stuhlprobe in einem ersten Labor, das die Bakterienkultur zur Serotypisierung an ein zweites Labor sendet, so ist das erste Labor
meldepflichtig, da Salmonella auch ohne
die Bestimmung der Serovare meldepflichtig ist. Die Ergebnisse der Serotypisierung müssen im Bedarfsfall vom Gesundheitsamt aktiv ermittelt werden. Im
Gegensatz dazu ist der Befund Escherichia
coli durch ein erstes Labor noch nicht meldepflichtig. Erst das Speziallabor, das den
Nachweis eines Pathovars durchführt, ist
zur Meldung verpflichtet.
Bei Erregern, die nicht namentlich von
den Laboren gemeldet werden müssen (s.
Tabelle 1), sind in der Regel keine unmittelbaren Maßnahmen des Gesundheitsamtes angezeigt, so daß die Meldung ohne
Nennung des Namens des Betroffenen
direkt an das RKI erfolgt.
Von den Laboren sind in Tabelle 1 nicht
genannte Krankheitserreger namentlich
zu melden, wenn deren örtliche und zeitliche Häufungen auf eine schwerwiegende
Gefahr für die Allgemeinheit hinweist.
Labormeldung: Wer muß was melden?
Meldepflichtige Krankheitserreger müssen durch die Leiter von Medizinaluntersuchungseinrichtungen, Einrichtungen
der pathologisch-anatomischen Diagnostik und sonstigen Untersuchungsstellen
einschließlich Krankenhauslaboratorien
gemeldet werden. Meldepflichtig sind
auch niedergelassene Ärzte oder Stations-
Ärzteblatt Thüringen
Fachbeitrag
ärzte, wenn sie relevante Ergebnisse mit
(Schnell-)Tests (z. B. Influenzaschnelltest)
in Arztpraxen oder Krankenstationen erzielen. Für die Labormeldungen steht das
aktuelle Thüringer Formular auf der Internetseite des TLLV zur Verfügung.
Die Meldebögen für die nicht namentlichen Meldungen von Erregernachweisen
können zusammen mit Freiumschlägen
beim RKI per e-mail (labinfo@rki.de), unter der Telefonnummer 030/18754-3424
oder unter der Faxnummer 030/187543533 bestellt werden. Der einsendende Arzt
erhält einen Durchschlag des Meldebogens zur Vervollständigung der klinischen
Angaben. Er leitet den ausgefüllten Durchschlag direkt an das RKI weiter.
Meldewege in Thüringen
Die Meldung durch den Arzt oder das Labor muß unverzüglich, maximal binnen 24
Stunden als Fax, per e-mail oder auf dem
Postweg als „Arztsache“ erfolgen, auch
wenn noch nicht alle Informationen vorliegen. Fehlende Daten sollten so schnell wie
möglich nachgereicht werden. Der Arzt
schickt die Meldung an das für den Hauptwohnsitz des Patienten zuständige Gesundheitsamt (Abb. 1). Befindet sich der Patient
zeitweilig an einem anderen Aufenthaltsort
(z. B. im Urlaub oder am Nebenwohnsitz),
für das ein anderes Gesundheitsamt zuständig ist, so erfolgt die Meldung an dieses. Es muß die Informationen unverzüglich an das Gesundheitsamt des Hauptwohnsitzes weiterleiten.
Erregernachweise sind vom Labor an das
für den einsenden Arzt zuständige Gesundheitsamt zu melden. Dieses leitet die
Information an das Gesundheitsamt weiter, welches für den Hauptwohnsitz des
Patienten zuständig ist. Für die Suche des
zuständigen Gesundheitsamtes hat das
RKI ein Programm (Online-PLZ-Tool;
http://tools.rki.de/plztool) entwickelt, das
aufgrund der Postleitzahl des einsendenden Arztes oder des Wohnortes des Patienten das für diese Adresse zuständige Gesundheitsamt ermittelt. Auch für Laboratorien außerhalb Thüringens gelten die
Meldepflichten nach der ThürlfKrMVO,
wenn sie Untersuchungen für Einsender
aus Thüringen durchführen.
Ausgabe 12 / 2011 22. Jahrgang
Die zuständigen Abb. 1. Meldewege von Infektionskrankheiten nach dem InfektionsGesundheitsämter schutzgesetz (IfSG), der Thüringer Verordnung über die Anpassung der
führen Meldungen Meldepflicht für Infektionskrankheiten in Thüringen (ThürlfKrMVO)
von Erkrankungen und dem Gesetz zu den Internationalen Gesundheitsvorschriften (IGV).
und Erregernachweisen zusammen
und stellen erforderlichenfalls weitere Ermittlungen
an. Sie überprüfen
die Daten auf Vollständigkeit
und
übermitteln
die
Meldedaten nichtnamentlich
wöchentlich via elektronisches Meldesystem an die zuständige Landesbehörde. Dies ist in Thüringen das TLLV in Bad Langensalza. RKI zu den Auswirkungen, der AusbreiBesitzt ein Patient keinen festen Wohnsitz tung und möglichen Reise- und Handelsin Deutschland, so sollte das unterrichtete einschränkungen gemeldet werden.
Gesundheitsamt die Angaben an die Landesbehörde weiterleiten.
Zusammenfassend läßt sich feststellen,
daß die Meldepflicht in Deutschland ein
Das TLLV faßt die Daten aus den verschie- wichtiges Mittel zur Bekämpfung der Ausdenen Landkreisen zusammen und be- breitung von Infektionskrankheiten darwertet sie. Epidemiologisch bedeutsame stellt. Ein Verstoß gegen die Meldepflicht
Fälle werden sofort an die Oberste Landes- stellt eine Ordnungswidrigkeit dar, die mit
behörde, das Thüringer Ministerium für erheblichen Geldbußen geahndet werden
Soziales, Familie und Gesundheit (TMS- kann. Dies ist allerdings nichts im VerFG) weitergeleitet. Wöchentlich werden gleich zu dem gesundheitlichen und wirtdie aus Thüringen gesammelten Meldun- schaftlichen Schaden, den eine nicht untergen elektronisch an das RKI als zuständi- brochene Infektionskette anrichten kann.
ge Bundesbehörde übermittelt.
Die nichtnamentlich meldepflichtigen Literatur bei den Verfasserinnen.
Nachweise von Erregern werden von den
Laboren direkt an das RKI weitergegeben Dr. med. vet. Sabine Schroeder
(siehe oben).
PD Dr. med. Dagmar Rimek
Beim RKI werden die Meldungen aus den
Bundesländern gesammelt und ausgewertet. Auf der Grundlage von Meldungen
nach den IGV, die von den Gesundheitsämtern unverzüglich übermittelt werden
müssen, informiert das RKI die WHO
und die Europäische Union. Direkt zur
Meldung an die WHO kommt das Auftreten von Ereignissen, die eine gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite
darstellen könnten zum Beispiel das Auftreten von Pocken, Poliomyelitis, SARS
und humaner Influenza durch einen neuen Subtyp. Weitere Krankheiten und Ereignisse müssen je nach Einschätzung des
Thüringer Landesamt für Lebensmittelsicherheit und Verbraucherschutz
Tennstedter Straße 8/9
99947 Bad Langensalza
Dr. rer. nat. Maren Wölk
Thüringer Ministerium für Soziales,
Familie und Gesundheit
Werner-Seelenbinder-Straße 6
99096 Erfurt
741
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Gesundheitswesen
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