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Die Mörder von Paris sind tot Zweites - ePaper - Die Welt

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M O N TAG , 1 2. JA N UA R 2 015
Zippert zappt
THEMEN
AP/MICHEL EULER; GETTY IMAGES
I
m Profi-Fußball diskutiert
man gerade über die Einführung der Zeitstrafe.
Ähnlich wie beim Eishockey
oder Basketball soll es möglich
sein, einen Spieler nach einem
Regelverstoß nicht gleich für
den Rest der Partie vom Platz
zu stellen, sondern nur für zehn
Minuten. Dabei käme dann die
Weiße Karte zum Einsatz. Der
Job des Schiedsrichters wird
dadurch nicht einfacher. Er
muss jetzt aus gelben, roten
und weißen Karten die richtige
wählen, den Einflüsterungen
seiner Assistenten lauschen und
dem Ball zuhören, der ihm
neuerdings mitteilen will, ob er
gerade die Linie im vollen Umfang überschritten hat. Nebenbei muss der Schiedsrichter
auch noch in die Pfeife blasen
und Jürgen Klopp beruhigen.
Aber die Weiße Karte wäre
schon sinnvoll. Vielleicht könnte der Zeitbestrafte aber nicht
nur auf der Bank herumsitzen
und auskühlen, sondern auch
noch ein paar gemeinnützige
Tätigkeiten verrichten, etwa
Mülleimer ausleeren, die Duschen der gegnerischen Mannschaft putzen, als Bewährungshelfer für Uli Hoeneß arbeiten
oder das Auto des Schiedsrichters waschen, falls er weiß,
wo das steht.
Vereint gegen den Terror. In der ersten Reihe von links: EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini (brauner Mantel) , ein nicht näher bezeichneter Abgeordneter, die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo, EU-Kommissionspräsident
Jean-Claude Juncker, Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, der Präsident von Mali, Ibrahim Boubacar Keita, François Hollande, Angela Merkel, der Präsident des Europäischen Rates, Donald Tusk, der palästinensische
Präsident Mahmud Abbas, das jordanische Königspaar Rania und Abdullah II., Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi, die Schweizer Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga und der türkische Premierminister Ahmet Davutoglu
„Freiheit – Wir sind deinetwegen hier“
Mehr als eine Million Menschen gedenken in Paris der Opfer der Anschläge. Staats- und Regierungschefs in der ersten Reihe
Finanzen
Scheidungsanwalt
kann man
wieder von der
Steuer absetzen
Seite 15
Wissen
Warum sind
Pandas so schwer
auszustopfen?
Seite 20
Kultur
Wie einst „Zack“
die Deutschen
für Comics
begeisterte
Seite 22
B
ei einer der größten Kundgebungen in der französischen
Geschichte haben in Paris
deutlich mehr als eine Million
Menschen der Opfer der islamistischen Anschläge gedacht. Der Platz
der Republik im Zentrum der Hauptstadt
war schon lange vor Beginn des Gedenkmarsches, an dem auch Dutzende Staatsund Regierungschefs teilnahmen, überfüllt. Demonstranten schwenkten französische Fahnen und riefen immer wieder:
„Vive la France“ und „Wir sind Charlie“.
Fast zeitgleich wurde im Internet ein Bekennervideo eines der Attentäter veröffentlicht. Darin erklärt er, die Anschläge auf das
Satiremagazin „Charlie Hebdo“ und einen
jüdischen Supermarkt seien koordiniert geplant worden. Bei den Angriffen waren 17
Menschen getötet worden, auch die drei
Attentäter wurden erschossen.
Angeführt wurde der Gedenkzug vom
französischen Staatspräsidenten François
Hollande. „Paris ist heute die Hauptstadt
der Welt“, sagte er vor Beginn des „Republikanischen Marschs“. „Unser ganzes
Land wird aufstehen und sich von seiner
besten Seite zeigen.“ An Hollandes Seite
ging Bundeskanzlerin Angela Merkel. Sie
würdigte anschließend die „weltweite Unterstützung“ für Frankreich und erklärte,
dass die Deutschen „in diesen schweren
Stunden an der Seite aller Menschen in
Frankreich stehen und ihnen viel Kraft
wünschen“.
Das französische Fernsehen sprach von
der größten Kundgebung in Paris seit dem
Ende des Zweiten Weltkriegs. „Ich bin
hier, um zu zeigen, dass die Terroristen
nicht gewonnen haben“, sagte die 34-jährige Franko-Marokkanerin Zakaria Moumni. „Im Gegenteil, sie bringen die Menschen aller Religionen zusammen.“ Auf
einem handgeschriebenen Plakat war ein
Zitat von Thomas Jefferson zu lesen:
„Unsere Freiheit beginnt mit der Freiheit
der Presse.“ Neben französischen wurden
zum Gedenken an die bei der Geiselnahme in einem jüdischen Supermarkt umge-
kommenen Menschen auch israelische
Flaggen geschwenkt. Auf Transparenten
hieß es: „Freiheit – Wir sind deinetwegen
hier“ oder „Charlie Akbar“ – in Anspielung auf das islamische Glaubensbekenntnis „Allah ist groß“.
„Je suis Juif“ (Ich bin Jude) und „Je suis
Flic“ (Ich bin Polizist). Die Französische
Republik versteht sich im Idealfall als „einig und unteilbar“, und genau das wollten ihre Bürger demonstrieren: dass sie
die Werte, auf denen ihr Gesellschaftsvertrag basiert – Freiheit, Gleichheit und
Brüderlichkeit –, gegen alle verteidigen
wollen, die diesen Vertrag mit Kalaschnikows, Raketenwerfern und religiös verbrämten Morden kündigen wollen.
Die Stimmung des gesamtrepublikanischen Sonntagsspaziergangs war geprägt
von Trauer um geliebte Freunde, von
Trotz und Widerstandsgeist, aber auch
von Ironie, ganz so, als habe man den
Geist der ermordeten Satiriker von
„Charlie Hebdo“ auch zu deren Trauerfeier transportieren wollen. Es wurden gute
und schlechte Witze verbreitet, immer
wieder „Charlie, Charlie“-Sprechchöre
angestimmt und „Même pas peur“-Plakate in die Luft gereckt: Man habe „kein
bisschen Angst“, sollte das heißen. Um zu
erkennen, dass dies eher ein Versuch war,
sich selbst Mut zu machen, musste man
nicht einmal den Blick zu den Dächern
heben, wo die Scharfschützen standen.
Denn natürlich fürchtet Frankreich sich,
und nach den grauenerregenden Taten
der letzten Tage hat es dazu allen Grund.
Man muss nur das Bekennervideo gesehen haben, das offenbar weitere Komplizen von Amedy Coulibaly ins Internet
gestellt haben, dem Mann, der die Polizistin erschoss und den jüdischen Supermarkt überfiel. Ein beängstigendes Stück
Kriegspropaganda. Wenn man es sieht,
erkennt man, dass dieser Feldzug noch
lange nicht zu Ende ist. Und dass die Täter uns für ein weiches Ziel halten. Man
bekommt dabei eine Ahnung, dass es auf
Dauer nicht ausreichen wird, sonntags
für die Demokratie spazieren zu gehen,
um sie zu verteidigen.
Auch in Deutschland kam es zu Solidaritätsbekundungen. Auf dem Pariser Platz
vor dem Brandenburger Tor in Berlin gedachten die Menschen der Opfer von Paris. Dort befindet sich auch die französische Botschaft in Deutschland.
In einem am Tag des Gedenkens verbreiteten Video erklärt der am Freitag von
der Polizei getötete Attentäter Amedy
Coulibaly, die Anschläge auf den jüdischen Supermarkt und das Satiremagazin
„Charlie Hebdo“ seien wegen der französischen Militärinterventionen im Ausland
gerechtfertigt.
Bei dem Angriff Coulibalys auf den Supermarkt waren vier Geiseln getötet worden. In dem Video erklärte er, er arbeite
mit den Brüdern Saïd und Chérif Kouachi
zusammen, die beim Überfall auf die
„Charlie“-Redaktion zwölf Menschen erschossen. „Wir haben einige Dinge zusammen gemacht, einige unabhängig voneinander, um mehr Wirkung“ zu erzielen“, sagt Coulibaly.
Auf das Gebäude der „Hamburger
Morgenpost“ wurde in der Nacht zum
Sonntag ein Brandanschlag verübt. Die
Täter warfen einen Brandsatz in das Archiv der Boulevardzeitung. Zu der Zeit
hielten sich im Haus aber keine Menschen mehr auf. Die „Morgenpost“ hatte
nach dem Terroranschlag in Paris islamkritische Karikaturen von „Charlie Hebdo“ auf ihrer Titelseite mit der Schlagzeile nachgedruckt: „So viel Freiheit
muss sein!“
forum@welt.de
Seiten 2 bis 5 und 21
KO M M E N TA R
S A S C H A L E H N A RT Z
Merci, Charlie
ie Marseillaise ist bekanntlich ein
Kampfgesang: „Zu den Waffen,
Bürger/ Formt Eure Bataillone/
Marschieren wir, Marschieren wir“, lautet
ihr Refrain. In der Regel wird er geschmettert. Man kann ihn aber auch ganz
leise singen und sehr melancholisch. So
klang er am Sonntagnachmittag, als mehr
Menschen, als irgendjemand zählen
konnte, die Boulevards zwischen dem
Place de la République und dem Place de
la Nation säumten und immer wieder
dieses Lied anstimmten, unter dem einst
die Republik erkämpft wurde.
Es war eine beeindruckende und berührende Demonstration, mit der die
Franzosen zeigen wollten, dass sie sich
nicht einschüchtern lassen wollen von
Terroristen, die Karikaturisten, Polizisten
und jüdische Supermarktkunden niedermetzeln. Deshalb las man auf den Plakaten dieses republikanischen Marsches
nicht nur „Je suis Charlie“, sondern auch
D
Aus aller Welt
Der Fondsmanager,
der gern mit
minderjährigen
Mädchen feiert
Seite 23
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SPD: Mindestlohn Amerikaner lieben Bundesligaspieler
bleibt, wie er ist
deutsche Autos
stirbt bei Unfall
SPD, Grüne und Gewerkschaften
lehnen Forderungen aus der CSU nach
Korrekturen beim Mindestlohn kategorisch ab. „Der Mindestlohn gilt seit nicht
einmal zwei Wochen. Jetzt Änderungen zu
verlangen ist schlicht lächerlich“, sagte
SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi der
„Welt“. „Die Bundesregierung wird sich
nicht abhängig machen von den Launen
des Herrn Seehofer.“ CSU-Chef Horst Seehofer hatte in der „Welt am Sonntag“ deutliche Nachbesserungen beim Mindestlohngesetz gefordert. Er sei zwar ein Anhänger
der Lohnuntergrenze. „Aber was da im Gesetz als Begleitwerk gebracht wurde, ist
kolossal“, sagte Seehofer. Die Aufzeichnungspflichten träfen die kleinen Betriebe.
BERLIN –
Seite 6
Hersteller aus Deutschland beherrschen wie keine andere Auto-Nation
das Geschäft mit Oberklasse-Automobilen
in den USA. Nach Informationen der
„Welt“ ist fast jedes zweite Auto der Premiumklasse, das 2014 in den USA verkauft
wurde, ein Modell eines deutschen Konzerns. Einen Marktanteil von exakt 49 Prozent hat das CAR-Institut der Universität
Duisburg-Essen errechnet. Damit haben
BMW, Daimler und der VW-Konzern mit
seinen Edelmarken gegenüber der Konkurrenz kräftig zugelegt. Denn bei einem weitgehend konstanten Gesamtmarkt von
knapp zwei Millionen Oberklasse-Autos pro
Jahr in den USA lag der Anteil der deutschen Hersteller 2005 nur bei 33 Prozent.
WOLFSBURG – Fußball-Bundesligist VfL
Wolfsburg trauert um Junior Malanda. Der
belgische Junioren-Nationalspieler kam
am Samstag bei einem Autounfall ums Leben. Der 20-Jährige verunglückte auf der
A 2 bei Porta Westfalica. Er hatte auf der
Rückbank gesessen, wurde aus dem Wagen
geschleudert. „Wir sind alle zutiefst bestürzt und können unsere Fassungslosigkeit kaum in Worte fassen. Wir alle haben
ihn geliebt“, sagte Wolfsburgs Manager
Klaus Allofs. „Wir können immer noch
nicht glauben, dass er nicht mehr bei uns
ist.“ Malanda war auf dem Weg nach
Braunschweig. Von dort wollte die Mannschaft ins Trainingslager fliegen. Die Reise
wurde um einen Tag verschoben.
Seite 12
Seite 16
BERLIN –
WELT.DE/NEU
Die Welt gehört denen,
die nicht nach links oder rechts
denken, sondern nach vorn.
ROBIN ALEXANDER, REDAKTEUR
„Die Welt“ digital
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oder Tablet. Attraktive Angebote finden Sie
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