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DRESDEN
NR. 243 | SONNABEND / SONNTAG, 18./19. OKTOBER 2014
b l ic kpunkt
|
17
Frieden zu wahren und Menschenrechte zu schützen, das ist das hehre Ziel der Vereinten Nationen (UN).
Für die erfolgreiche Arbeit erhielt die globale Organisation mehrfach den Friedensnobelpreis. In Ruanda haben
die UN vor 20 Jahren jedoch versagt. Die Dresdnerin Franziska Knur hat sich während einer Studienreise auf
Spurensuche begeben. Wie die UN heute weltweit im Einsatz für den Frieden sind,
zeigt der UN-Tag zum Mitmachen am 24. und 25. Oktober in Dresden.
Hintergrund
Der Blick auf Kigali, der Hauptstadt Ruandas.
Die DGVN-Delegation traf den obersten Richter Ruandas, Chief Justice
Sam Rugege. (erste Reihe, 2. v. links)
Kinder im Flüchtlingslager Gihembe.
Dresdnerin auf den Spuren des Völkermordes
Eine Studienreise führte Franziska Knur nach Ruanda: Ein kleines Land im Aufbruch, nach dem es vor 20 Jahren am Boden lag
Franziska Knur,
Doktorandin,
lebt in Dresden
Von Dominik brüggemann
Im Frühjahr 1994 wurden während des
Völkermordes in Ruanda mehr als
800 000 Menschen ermordet. Die damals
im Land stationierte UN-Friedensmission sah dem Völkermord zu. Franziska
Knur, Völkerrechts-Doktorandin an der
Technischen Universität Dresden, nahm
im September an einer Studienreise der
„Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen“ (DGVN) teil, die 20 Jahre
nach dem brutalen Völkermord die aktuelle Entwicklung des Landes einschätzen wollte.
Die Reise führten die Dresdnerin und
andere DGVN-Mitglieder nach Ruanda,
in die Demokratische Republik Kongo
und nach Tansania. Besuche bei ruandischen Regierungsbehörden, am obersten Gericht, beim Parlament sowie Treffen mit Vertretern der Zivilgesellschaft
und Journalisten standen auf dem achttägigen Programm.
Chief Justice Sam Rugege, oberster
Richter am ruandischen „Supreme
Court“ (höchstes Gericht), erläuterte das
eigens für die strafrechtliche Aufarbeitung des Völkermordes wiederbelebte
traditionelle Rechtssystem Gacaca. Um
die schier überwältigende Zahl an Strafrechtsfällen zu bewältigen, wurden auf
lokaler Ebene die Völkermordverbrechen von Laienrichtern unter Mitwirkung der Gemeinschaft aufgeklärt und
abgeurteilt. „Die Gacaca-Verfahren
beschleunigten die Aufarbeitung des
Völkermordes entscheidend, beendeten
die Straflosigkeit und ebneten den
Weg für die Versöhnung“, erläutert Doktorandin Franziska Knur die damaligen
Prozesse.
Heute seien die Bezeichnungen „Tutsi“ und „Hutu“ verpönt, die gemeinsame Identität aller als „Ruander“ stehe im
Vordergrund. Jean-Damascène Gasanabo, ein Vertreter der Nationalen Kom-
Geschichte der UN
1945: Gründung der Vereinten
Nationen während einer Konferenz in
San Franciso vom 25. April bis zum
26. Juni.
1946: Erste Sitzung der Generalversammlung in London
1948: Die Generalversammlung nimmt
die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte an
Im Flüchtlingsdorf Gihembe (Ruanda) leben seit 1997 über 15 000 kongolesische Flüchtlinge.
mission für den Kampf gegen den Genozid, betonte während der Studienreise
die Bedeutung des Erinnerns und Gedenkens an den Völkermord. Seine Abteilung sei zuständig für die Pflege von
mehr als 400 Gedenkstätten im ganzen
Land.
Ruanda gehört noch immer zu den
ärmsten Ländern auf der Welt, weist jedoch ein enormes Wirtschaftswachstum
auf und setzt sich unter Leitung von Präsident Paul Kagame ehrgeizige Entwicklungsziele. Ein Besuch in einem UNHCRFlüchtlingscamp und Gespräche mit des-
sen Bewohnern unterstrichen die Bedeutung internationaler Unterstützung. „In
Gihembe leben seit 1997 mehr als 15 000
kongolesische Flüchtlinge in der Obhut
des UN-Flüchtlingshilfswerks. Die Hilfe
ist weiterhin notwendig“, schildert die
27-jährige Franziska Knur ihre Eindrücke.
Zum Programm der Studienreise gehörte auch ein Kurzaufenthalt im größten Nachbarland Ruandas. In der Demokratischen Republik Kongo versucht die
mit rund 20 000 Bediensteten momentan
größte UN-Friedensmission der Welt ein
Fotos: R. Gröschel (4), Dominik Brüggemann
umfangreiches Mandat umzusetzen. Die
„Mission der Vereinten Nationen für die
Stabilisierung in der Demokratischen
Republik Kongo“, kurz MONUSCO, soll
für Stabilität und Frieden sorgen – allerdings sind allein im Osten des riesigen
Landes rund 64 illegale bewaffnete
Gruppen aktiv.
In der kongolesischen Grenzstadt
Goma nahm sich der deutsche Missionschef Martin Kobler persönlich die Zeit,
die Studiengruppe über die Lage in der
Region zu unterrichten. Als Neuheit der
UN-Friedenssicherung
erhielt
die
DGVN-Reisedelegation einen Blick auf
eine Reihe von Drohnen, die der MONUSCO zu Aufklärungszwecken zur
Verfügung stehen.
Die DGVN-Studienreise machte auch
in Arusha (Tansania) Halt, dem Sitz des
Internationalen Straftribunals für Ruanda. Das vom Sicherheitsrat geschaffene
Strafgericht zog zwischen 1994 und 2014
die Hauptverantwortlichen für den Völkermord in Ruanda zur Verantwortung.
Jetzt befindet sich das Land im Aufbruch
und Präsident Paul Kagame führt den
Aufbau mit strenger Hand.
Tag der UN in Dresden: Im Einsatz für die Menschenrechte
Nichts weniger als die Wahrung
des Weltfriedens ist das Ziel der
Vereinten Nationen. Um Menschenrechte weltweit zu schützen, greifen die United Nations
(UN), wie die Organisation im
Englischen heißt, auf eine Vielzahl an Unterorganisationen zu.
Die bekanntesten sind die
Blauhelm-Soldaten. Die mit dem
Friedensnobelpreis ausgezeichneten Truppen sollen Frieden sichern, wo Krieg herrschte. In der
Vergangenheit gelang dies nicht
immer, der Völkermord in Ruanda ist das traurigste Beispiel.
Dennoch feiern die Vereinten
Nationen das Inkrafttreten der
Charta der Vereinten Nationen
am 24. Oktober 1945, denn die
Errungenschaften der globalen
Organisation sind immens. Auch
in Dresden steht am 24. und
Der „Tag der
Vereinten
Nationen“
erinnert an das
Inkrafttreten
der Charta der
Vereinten
Nationen am
24. Oktober 1945. Er dient als Anlass,
Menschen auf der ganzen Welt die
Ziele und Errungenschaften der
Organisation der Vereinten Nationen
näherzubringen. Seit 1948 wird der
Tag weltweit zelebriert und unterstreicht in jedem Jahr die Bedeutung
internationaler Zusammenarbeit und
gemeinschaftlichen Handelns. Am
10. Dezember 1948 wurde die Charta
um die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte ergänzt. Darin verkündeten erstmals die beteiligten Staaten
gemeinsam grundlegende Menschenrechte. Sie ist ein immenser Fortschritt
in der Geschichte der Menschenrechte
und ein wichtiges Rechtsdokument für
die internationale Politik.
Die Vereinten Nationen sind aktuell
ein Zusammenschluss von insgesamt
193 Staaten, wobei die Organisation
als eigenes sogenanntes Völkerrechtssubjekt handelt. Ihr gehören
17 eigenständige Sonderorganisationen an. Blauhelm-Soldaten wurden
erstmals 1948 in Palästinakrieg
eingesetzt. Die typischen blauen
Helme nutzten die Friedenstruppen
jedoch erst ab 1960. In Dresden dürfte
vor allem die Organisation der
Vereinten Nationen für Erziehung,
Wissenschaft und Kultur, kurz
UNESCO, bekannt sein, die sich unter
anderem um das Welterbe der
Menschheit sorgt. Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO gehört zu
den 17 Sonderorganisationen. Zu den
bekanntesten Nebenorganen zählt
auch das Kinderhilfswerk UNICEF.
Geleitet werden die United Nations
von Generalsekretär Ban Ki-moon.
25. Oktober ein zweitägiges Fest
an, bei dem die Arbeit der Vereinten Nationen diskutiert und
näher beleuchtet wird.
Zusammen mit der Stadt Dresden, der Technischen Universität
und dem Landesverband der
Deutschen Gesellschaft der Vereinten Nationen organisieren die
Mitarbeiter des Dresdner UNUFLORES-Institutes den Tag: Als
Ehrengast konnten sie Flavia
Pansieri, die stellvertretende
Hochkommissarin für Menschenrechte der Vereinten Nationen,
gewinnen. Sie wird bei der offiziellen Festveranstaltung am
24. Oktober einen Vortrag zum
Thema „Können wir Frieden und
Entwicklung ohne Wahrung der
Menschenrechte erreichen?“ halten. Anschließend wird sie sich
an einer Podiumsdiskussion mit
UN-Generalsekretär Ban Ki-moon mit Flavia Pansieri, Vize-Hochkommissarin für Menschenrechte der UN.
Foto: UN Photo/Rick Bajornas
Christoph Strässer, Beauftragter
für Menschenrechtspolitik im
Auswärtigen Amt, und Wolfgang
Heinz, Senior Policy Adviser des
Deutschen Instituts für Menschenrechte, beteiligen.
Seitdem die UN im Jahr 2012
mit dem UNU-FLORES-Institut
einen Ableger der UN-Universität in Dresden etabliert haben,
gehört auch die sächsische Landeshauptstadt zu den weltweiten
Standorten.
Öffentlich ist der zweite Tag
der Feierlichkeiten: Auf der Freifläche am Dr.-Külz-Ring, Ecke
Seestraße präsentieren die Organisatoren zahlreiche UN-Organisationen sowie zivilgesellschaftliche Organisationen und Vereine
aus Dresden. Hier soll zudem ein
UN-Treffen anschaulich simuliert
werden, kündigten die Veran-
stalter an. Zusätzlich soll es viele
Mitmachaktionen für Kinder und
Erwachsene geben, um die Arbeit der Vereinten Nationen verständlicher zu machen.
db
Was? Öffentliche Veranstaltung mit
z Infoständen
zur Arbeit der
Vereinten Nationen
Wann? Samstag, 25. Oktober, 11 Uhr
bis 17 Uhr
Wo? Freifläche am Dr.-Külz-Ring,
Ecke Seestraße
Der Besuch des Festveranstaltung
am 24. Oktober ist nur auf
Einladung möglich. Hierfür bitten
die Veranstalter bei Interesse um
eine E-Mail an: flores@unu.edu
➦ www.undaydresden.org
➦ www.dgvn-sachsen.de
1954: Der UN-Hochkommissar für
Flüchtlinge (UNHCR) erhält den
Friedensnobelpreis
1956: Die Generalversammlung
beschließt die Entsendung von
Friedenstruppen, den späteren
Blauhelm-Soldaten, in der Suez-Krise
1965: UNICEF, das Kinderhilfswerk der
Vereinten Nationen, erhält den
Friedensnobelpreis
1988: Den Blauhelm-Soldaten der UN
wird der Friedensnobelpreis verliehen
1994: In Ruanda kommen die Blauhelme aufgrund eines fehlenden Mandats
nicht zum Einsatz. Es kommt zum
Völkermord an über 800 000 Menschen
1997: Kofi Annan aus Ghana wird
UN-Generalsekretär
2007: Ban Ki-moon wird UN-Generalsekretär
2009: Die UNESCO erkennt Dresden
den 2004 verliehenen WeltkulturerbeTitel wegen des Baus der Waldschlößchenbrücke ab
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