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Kindergarten bis Oberstufe

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Einführung für Lehrpersonen
Materialien der Kunstvermittlung zur aktuellen Ausstellung
Für Kindergarten bis Oberstufe
Auswahl 14
Aargauer Künstlerinnen und Künstler
Gast: René Fahrni
Auf der Grenze
6. Dezember 2014 – 4. Januar 2015
Aargauer Kunsthaus, Aarau
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Neue Angebote ab 2015
Angebote für Schulklassen
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Auswahl 14. Aargauer Künstlerinnen und Künstler
Die Ausstellung
Exkurs: Das Aargauer Kuratorium
Themenschwerpunkte Kunst-Workshops
Beispiele aus den Rundgängen zur Auswahl 14
Notizen
Werkbetrachtung René Fahrni
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Auf der Grenze. Gertrud Debrunner
Die Ausstellung
Themenschwerpunkte Kunst-Workshops
Rundgang Auf der Grenze
Notizen
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Ausblick auf kommende Ausstellungen
Hausordnung
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Einleitung
Liebe Lehrpersonen
Ich freue mich, Ihnen im Namen der Kunstvermittlung unser Dossier mit Materialien der Kunstvermittlung vorstellen zu dürfen. Anlässlich der Einführung für Lehrpersonen vom 10. Dezember 2014
bieten wir Ihnen einen Überblick über die aktuellen Ausstellungen, und stellen Ihnen die die Angebote
der Kunstvermittlung vor.
Beim vorliegenden Lehrerdossier liegt der Fokus auf der Auswahl 14 und René Fahrni, dem diesjährigen Gast der Auswahl. Ein Exkurs zum Aargauer Kuratorium und eine Werkbetrachtung geben vertiefte Informationen zu der Ausstellung. Ausserdem wird die Ausstellung Auf der Grenze mit Zeichnungen von Gertrud Debrunner (1902 –2000) in Kombination mit Werken aus der Sammlung thematisiert.
Für beide Ausstellungen wurden stufengerechte Themenschwerpunkte für die Kunst-Workshops entwickelt. Diese werden auf Rundgängen durch die Ausstellung vorgestellt.
Den Abschluss bildet ein Ausblick in die kommenden Ausstellungen sowie die Hausordnung des Aargauer Kunsthauses. Neu wird die Teilnahme an der Einführung für Lehrpersonen auch als Weiterbildung bestätigt.
Für die Bereitstellung der Unterlagen möchte ich besonders Corina Schaltegger danken, aber auch
dem ganzem Team der Kunstvermittlung: Eliane Bärtschi, Lisa Engi, Cynthia Luginbühl, Christian
Schuler, Ursina Spescha, Franziska Staerkle und Miriam Strauss.
Ich wünsche allen eine anregende Lektüre und freue mich, Sie demnächst im Aargauer Kunsthaus
mit Ihrer Schulklasse begrüssen zu dürfen.
Christin Bugarski
Leitung Kunstvermittlung, Aargauer Kunsthaus
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Neue Angebote ab 2015
Talk & Tea
Ein Angebot für Lehrpersonen und andere interessierte Erwachsene. Bei einem dialogischen Rundgang erfolgt ein gemeinsamer Austausch in englischer Sprache. Im Anschluss wird bei einer Tasse
Tee über das Gesehene reflektiert.
Dauer 2 Stunden
Kosten Eintritt + CHF 10.Daten: Mittwoch, 18.2 / 18.3 / 22.4 / 20.5 / 17.6, 15 – 17 Uhr
«In Dialogue»
Schulklasse der Kantons- und Berufsschulen erhalten Einblick in die aktuellen Sonderausstellungen
und diskutieren das Gesehene auf einem thematischen Rundgang in englischer Sprache.
Dauer 1 Stunde
Kosten CHF 180.-*
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Angebote für Schulklassen
Kindergarten – Oberstufe
Kunst-Workshop
In der Ausstellung werden die Schülerinnen und Schüler eingeladen, sich mit den Werken vertieft
auseinanderzusetzen, um Kunst und den eigenen Alltag gedanklich und gestaltend zu vernetzen.
Bei den massgeschneiderten Kunst-Workshops stehen das Entdecken, Erkennen und Austauschen
im Vordergrund.
Die Themenschwerpunkte der Workshops sind im Lehrerdossier unter den jeweiligen Ausstellungen
zu finden. Gerne gehen wir auch auf Ihre Wünsche ein.
Dauer: 2 Stunden
Kosten: CHF 200.- *
Kunst-Workshop «I see!»
Frühenglisch-Klassen und Englischschüler/innen der Oberstufe erforschen die Welt der Kunst in englischer Sprache. Indem die Schüler/innen ihre Beobachtungen, Vorstellungen und Gefühle mit Worten
beschreiben, gewinnen sie Vertrauen in den sprachlichen Ausdruck.
Dauer: 2 Stunden
Kosten: CHF 200.- *
Termine nach Absprache
Materialien
Ein neu entwickeltes Skizzenbuch mit Anregungen zum Entdecken der Ausstellungen kann an der
Kasse des Aargauer Kunsthauses bezogen werden.
Kontakt für Buchungen/Anfragen:
Aargauer Kunsthaus
Aargauerplatz, CH-5001 Aarau
T + 41 (0)62 835 23 31
F + 41 (0)62 835 23 29
kunstvermittlung@ag.ch
* Rückerstattung für Aargauer Schulen je die Hälfte über www.kulturmachtschule.ch
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Auswahl 14
Aargauer Künstlerinnen und Künstler
Ein Projekt von Aargauer Kunsthaus und Aargauer Kuratorium Aargauer Kunsthaus Aarau,
6. Dezember 2014 bis 4. Januar 2015
Zum Jahresende präsentieren das Aargauer Kunsthaus und das Aargauer Kuratorium die traditionsreiche Jahresausstellung der Aargauer Künstlerinnen und Künstler – die Auswahl 14.
Insgesamt wurden 56 Künstler/innen eingeladen, ihre neusten Arbeiten zu präsentieren. Zu
sehen gibt es aktuelle Kunst, vielseitig und überraschend.
Die Jahresausstellung der Aargauer Künstler/innen hat ihren fixen Platz im Ausstellungsprogramm
des Aargauer Kunsthauses. Auch dieses Jahr wird sie – gemeinsam vom Aargauer Kunsthaus und
dem Aargauer Kuratorium – anfangs Dezember mit einer feierlichen Vernissage eröffnet.
Die Jahresausstellung bietet den Aargauer Künstler/innen die Möglichkeit, ihre Arbeiten einem breiten
Publikum zu präsentieren und sich gleichzeitig um Werkbeiträge des Aargauer Kuratoriums zu bewerben. Zur Teilnahme berechtigt ist, wer einen nachweislichen Bezug zum Kanton Aargau erfüllt:
wer seinen Wohnsitz seit zwei Jahren im Kanton Aargau hat, durch Werk oder Tätigkeit im Aargauer
Kulturleben präsent ist oder in einer früheren Lebensphase 15 Jahre durchgehend im Kanton Aargau
gewohnt hat.
Zwei fachkundige Jurys, eine seitens des Aargauer Kunsthauses und eine seitens des Aargauer Kuratoriums, haben Ende Oktober die eingegangenen Dossiers beurteilt. 191 Dossiers wurden eingereicht, aus denen 56 Künstler/innen von der Jury auserwählt wurden, an der Jahresausstellung
teilzunehmen. Die präsentierten Kunstwerke sind ein Abbild des aktuellen Kunstschaffens im Kanton
Aargau und erfreuen durch grosse Vielfalt und Kreativität.
Gast Auswahl 14: René Fahrni
René Fahrni (* 1977) ist der Gastkünstler der Auswahl 14. Er baut Tanksäulen, Segelschiffe oder
Wagenräder nach, adaptiert ein Büro-Ensemble aus Legosteinen in Kindermöbelgrösse oder entwickelt einen Windkanal, in dem er kleine Dinge in Schwingung versetzt, um sie anschliessend zu fotografieren. Es sind einfache Materialien, die dabei zum Einsatz kommen: Holz, Gips, Kleister, Hasendraht. Fahrni verarbeitet sie mit grossem Geschick und gutem Gefühl fürs Material zu Objekten und
Objektgruppen, die irgendwo zwischen Modell und Attrappe die Protagonisten einer Fantasiewelt
geben. Seine Tanksäule etwa reduziert Fahrni auf deren charakteristischsten Merkmale. Fast wie
eine Karikatur steht sie lebensgross im Ausstellungsraum und öffnet Raum für Spekulationen: Wer
zapft hier was an?
Die Jury des Aargauer Kunsthauses bestimmt jeweils im Rahmen der Auswahl den/die Gastkünstler/in der nächsten Jahresausstellung.
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Die Künstlerinnen und Künstler der Auswahl 14
Georg Aerni, Anna Andris-Schwindt, Valérie Balmer, Baltensperger + Siepert, Myrien Barth, Nicole
Biermaier, Leonie Brandner, Beat Brogle, Christoph Brünggel, Beat Buri, Balz Buri, Marianne Engel,
Rita Ernst, Tatjana Erpen, Peter Fischer, Philippe Fretz, Fromherz, Gabi Fuhrimann, Thomas Galler,
Florian Gasser, Eva Maria Gisler, Otto Grimm, Stefan Gritsch, Mireille Gros, Camille Hagner, Philipp
Hänger, Eric Hattan & Severin Kuhn, Thomas Hauri, Valentin Hauri, Dunja Herzog, Esther Hunziker,
koorder, Andreas Marti, Max Matter, Roberta Müller, Claudia und Julia Müller, Ursula Mumenthaler,
Sadhyo Niederberger, Lorenz Olivier Schmid, Andreas Seibert, Sandra Senn, Petra Soder, Jürg
Stäuble, Mette Stausland, Max Treier, Sabine Trüb, Stefan Wegmüller, Jacqueline Weiss, Renate
Wernli, Rolf Winnewisser, Beat Zoderer
Die Jurymitglieder des Aargauer Kunsthauses
Dr. Ines Goldbach, Direktorin, Kunsthaus Baselland, Muttenz; Oliver Krähenbühl, Künstler, Suhr, Vertretung visarte aargau; Claudio Moser, Künstler, Genf; Thomas Schmutz, Kurator / Stv. Direktor Aargauer Kunsthaus
Die Jurymitglieder des Aargauer Kuratoriums
Eva Bechstein, Kunsthistorikerin, Lenzburg (Juryvorsitz); Christoph Baumann, Musiker, Wettingen;
Stella Händler, Filmproduzentin, Basel; Patrizia Keller, Kunsthistorikerin, Zürich; Gabi Umbricht, Literaturwissenschaftlerin, Windisch; und zwei ausserkantonale Expertinnen: Gerda Steiner, Künstlerin, Langenbruck; Barbara von Flüe, Kuratorin, Kolumba Museum, Köln
Beiträge Aargauer Kuratorium
Das Aargauer Kuratorium übergibt anlässlich der Vernissage vom 5. Dezember 2014, 18 Uhr, im
Aargauer Kunsthaus die Werkbeiträge im Bereich Bildende Kunst.
Förderpreis Neue Aargauer Bank
Gleichzeitig vergibt die Neue Aargauer Bank ihren alljährlichen Förderpreis an eine/n junge/n Künstler/in. Die Preisträgerin oder der Preisträger wird ebenfalls an der Vernissage am Freitag, 5. Dezember 2014, bekanntgegeben.
Katalog
Zur Ausstellung erscheint eine bebilderte Broschüre mit der Werkliste, dem Jurybericht des Aargauer
Kuratoriums und einem Beitrag gestaltet vom Gastkünstler René Fahrni.
Kurator: Thomas Schmutz, Kurator
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Exkurs
Das Aargauer Kuratorium
Das Aargauer Kuratorium ist das von Parlament und Regierung eingesetzte Fachgremium, das über
Fördermassnahmen und Auszeichnungen im Bereich des aktuellen künstlerischen Schaffens im Kanton Aargau entscheidet. Die elf gewählten Fachpersonen arbeiten ehrenamtlich. Das Aargauer Kuratorium ist strukturell und ideell unabhängig und wird von einer kantonalen Geschäftsstelle aus verwaltet.
Es werden nicht nur Gesuche um Unterstützung im Bereich der bildenden Kunst & Performance bearbeitet, sondern auch in sechs weiteren Sparten. Nämlich Jazz & Rock/Pop, Literatur, Regionale
Kulturveranstalter, Film, Klassik sowie Theater & Tanz. Ausserdem vergibt das Aargauer Kuratorium
jährlich Atelieraufenthalte für Künstler/innen in verschiedenen Städten.
Für die Auswahl 14 arbeitet das Aargauer Kuratorium mit dem Aargauer Kunsthaus zusammen und
stellt neben dem Aargauer Kunsthaus eine der beiden fachkundigen Jurys für die Auswahl 14. Diese
entscheiden anhand der eingereichten Dossiers der Künstler/innen über deren Teilnahmen an der
Ausstellung.
Das Aargauer Kuratorium vergibt zudem an der Vernissage am 5. Dezember Werkbeiträge im Bereich der bildenden Kunst. Das Ziel dieser Werkbeiträge ist es, die Vielfalt, Qualität und Lebendigkeit
des aktuellen künstlerischen Schaffens zu unterstützen. Ein Werkbeitrag hat die Funktion, Künstler
bei der Umsetzung ihrer Werke zu unterstützen. Anders als ein Preis für ein bestehendes Werk, werden Werkbeiträge explizit als Hilfe zur Verwirklichung neuer Projekte gesprochen. Sie werden also
prospektiv vergeben, die Preise retrospektiv.
Verleihung eines Werkbeitrages durch Eva Bechstein an Eva Maria Gisler, Auswahl 14
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Themenschwerpunkte
Kunst-Workshops
Apparate und Maschinen
In der Auswahl 14 gibt es verschiedene dreidimensionale Werke zu entdecken, die an Maschinen
oder Apparaturen erinnern. Da gibt es kinetische Zeichnungsmaschinen, drehende Gesichter und
Solarpannels . Die Faszination für die (potentielle) Bewegung, die unabhängig vom Menschen stattfindet, tritt bei diesen Werken zutage und bietet Stoff für eine spannende Auseinandersetzung. Welchen Sinn haben Maschinen? Was für Apparate brauchen wir noch und was macht ein Kunstwerk,
das sich bewegt, speziell?
Werke: Desti-Nation, Baltensperger + Siepert, Stefan Baltensperger & David Siepert /
We Were Here, Andreas Marti / fun – no more fun, Peter Fischer / Captain, René Fahrni
drinnen draussen
Die Natur hat auf vielfältige Art und Weise Eingang in die Ausstellungräume gefunden. Wir finden sie
in Form von festgeklebten Fliegen, aber auch in diversen anderen Medien wie Malerei, Zeichnung,
Fotografie und sogar als Installation. Natürlichkeit lässt sich von Künstlichkeit möglicherweise durch
ihre Unregelmässigkeit unterscheiden. Oder ist Natürlichkeit das, was wir nicht berührt und gestaltet
haben? Indem Kunstwerke geschaffen werden, können Ausschnitte festgelegt und bestimmte Dinge
ausgewählt werden. Der Fokus wird von jedem Künstler neu gewählt.
Werke: Regelmässigkeiten, Leonie Brandner / Wabe, Marianne Engel / upside-down, Eric Hattan &
Severin Kuhn / imagines, Esther Hunziker / vom Sommer 5.8.14, Petra Soder
Zeichnen
Die Zeichnung ist ein Medium, das schnelles Festhalten von Gedanken erlaubt. Es ist möglich, Bewegungen ganz unmittelbar aufs Papier zu bringen. Man kann sich aber auch sehr in eine Zeichnung
vertiefen und Stunden damit verbringen. In der Auswahl 14 sind sehr unterschiedliche Zeichnungsstile zu finden. Es lohnt sich, die verschiedenen Vorgehensweisen genauer unter die Lupe zu nehmen.
Werke: All that rap over the knuckels!!..., Balz Buri / Platz in der Schwebe / MH17, Sadhyo Niederberger / Tage, Max Matter / Moving Parts, Mette Stausland / h a u s, Sabine Trüb
Fotografie
Fotogramme, Fotografien an der Wand, auf dem Boden, von ganz nahe, von oben, von unten, StopMotion Filme, Bilder der Camera Obscura, Siebdrucke von Fotografien oder selbst erfunden: Skonogramme. Ein grosses Spektrum der Fotografie wird von den Auswahl-Künstlern ausgebreitet. Das ist
ideal, um verschiedene Techniken kennen zu lernen und sich Gedanken über die "Bilder aus Licht"
zu machen.
Werke: Stadtmodell, Tatjana Erpen / The Secret Handshake, Fromherz / Urban 2, 3 und 9, Ursula
Mumenthaler / Gruss aus Crimmitschau, Lorenz Olivier Schmid / Tokyo Ga 7189-7, Andreas Seibert /
ohne Titel, Sandra Senn / Land schafft 1 & 2, Jacqueline Weiss
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Beispiele aus den Rundgängen zur Auswahl
Auswahl 14
Mireille Gros, l'entre 2, Installation, 99 Fotos auf Alu-Dibond, 1994 - 2014
Lorenz Olivier Schmid, Gruss aus Crimmitschau, Ultrachrome Tinte auf Baumwollpapier, 2014
Andreas Marti, We Were Here, Schweissdraht, Akkuschrauber, Pigmente, 2014
René Fahrni, Here we are, Hasendraht, Fischkleister, Seidenpapier, 2014
Sabine Trüb, h a u s, 30 Pinselzeichnungen, Mischtechnik, 2014
Eric Hattan & Severin Kuhn, upside down, 2-Kanal-Videoinstallation, Loop, 2014
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Notizen
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Ausstellungsansicht René Fahrni mit Captain, No place to stay und In the dark.
Foto: David Aebi
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Werkbetrachtung
René Fahrni
Den Ausstellungsraum von René Fahrni bevölkern diverse Objekte. Obwohl die meisten davon Gegenstände darstellen, lassen sich ihnen schnell Eigenschaften des Lebendigen zuschreiben. Frech
und stolz steht zum Beispiel eine Tanksäule frei im Raum. Dahinter warten ausserhalb des Museums
parkende Autos. Ein grosses Wagenrad lehnt sich (erschöpft und Halt suchend?) an die Wand. Man
blickt auf eine Schreibtischkombination im Mini-Format hinunter, die durch ihre Grösse eine witzige
Komponente gewinnt. Ein seltsames, urtümliches Wesen schlängelt sich schliesslich durch all diese
menschlichen Errungenschaften.
Besonders sticht aber ein Objekt ins Auge, das von der Decke herabhängt und ständig in Bewegung
ist. Es erinnert an eine Rakete oder einen Satelliten. Von einer unbekannten Kraft angetrieben, kann
es nur eine Frage der Zeit sein, dass es durch die dunkle Fensterscheibe bricht und sich aufmacht,
fremde Galaxien zu entdecken.
Ist es dazu aber tatsächlich in der Lage? Bei genauer Betrachtung wird schnell klar, dass „Captain“
aus einfachen Materialien wie Gips, Seidenpapier und Jute besteht. So wie auch alle anderen Arbeiten von René Fahrni. Die Rakete ist jedenfalls nicht zu gebrauchen, um damit zu einem anderen Planeten zu reisen, zumindest nicht physisch. Auch kann unser Auto an der Tanksäule nicht vollgetankt
werden und glücklicherweise würde uns das Papier durch die Schreibtischplatte fallen, wenn wir versuchten, dort unsere Rechnungen zu stapeln.
Durch ihre Funktionslosigkeit stehen die Objekte eher als Erinnerung an ihre realen Vorbilder. Es
scheint, als wurden sie nachgeformt, um sie zu begreifen. Dabei kommt es nicht auf grösstmögliche
Ähnlichkeit an. Es sind gerade die Veränderungen, die Do-It-Yourself-Optik, welche die Auseinandersetzung des Künstlers mit seinen Themen sichtbar machen. Die Objekte wirken improvisiert und persönlich, aber auch losgelöst von unserem Alltag, weit entfernt von der cleanen Ästhetik des Fortschritts, die wir mit diesen Objekten verbinden. Und immer erinnert uns das Urwesen „In the Dark“ an
Verborgenes und möglicherweise Gefährliches, von dem wir noch nichts wissen.
Werke von René Fahrni:
No place to stay, 2014, Mixed media
Here we are, 2014, Hasendraht, Fischkleister, Seidenpapier
First Office, 2013, Holz, Gips, Farbe
Captain, 2014, Bambus, Seidenpapier, Jute, Gips, Motor
In the dark, 2014, Mixed media
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Auf der Grenze
6. Dezember 2014 bis 12. April 2015
Es liegt in der Tradition des Aargauer Kunsthauses gerade auch jenen künstlerischen Positionen Aufmerksamkeit zu schenken, die fernab der Avantgarden oder des Kunstmarktes agieren. Vielfach sind dies Künstlerinnen und Künstler, deren Werk sich durch eine bestimmte
"Innerlichkeit" auszeichnet. Diesen Positionen ist die Ausstellung Auf der Grenze gewidmet,
die neben Werken aus der Sammlung einen speziellen Fokus auf die Arbeiten von Gertrud Debrunner (1902–2000) legt. In ihnen veranschaulicht sich die Thematik der Ausstellung geradezu beispielhaft.
Die Ausstellung bringt Werke von Künstlerinnen und Künstlern unterschiedlichster Generationen zusammen.
Ihnen gemein ist das Bestreben, mit der Kunst dem persönlichen Seelenleben Ausdruck zu verleihen und damit
Innen- und Aussenwelt, das Unbewusste und Bewusste zu verbinden. Die künstlerische Beschäftigung mit dem
Un- und Unterbewussten hat Tradition. In den 1920er- und 1930er-Jahren waren es die Künstler/innen des
Surrealismus, die sich der Erkundung innerer (Traum)welten verschrieben hatten. Von Bedeutung war dabei die
Auseinandersetzung mit der Psychologie von Sigmund Freud sowie C.G. Jung, wobei letzterer durch seine
Lehrzeit in Zürich hierzulande besonders präsent war. Seine Lehren waren es auch, die Gertrud Debrunner die
Anregung lieferten, der äusseren Sicht der Welt eine innere entgegenzuhalten. Die Rede ist von einer 'nach
innen orientierten Identität'. Diese erlaubte es nicht nur ihr, sondern auch Künstlerinnen und Künstlern wie Karl
Ballmer (1891-1958), Emma Kunz (1892-1963), Louis Soutter (1871-1942) oder Ilse Weber (1908-1984) – alle
prominent vertreten in der Sammlung des Aargauer Kunsthauses –, losgelöst von der Idealvorstellung der Moderne von einer linearen Entwicklung künstlerischer Positionen ein eigenständiges Werk auszubilden. Eigen ist
diesen Arbeiten eine anti-formalistische Haltung: Anstelle überpersönlicher Ordnungsprinzipien treten betont
expressive Gesten. Sie lehnen jegliche ästhetische Denknormen ab und wenden sich ganz und gar dem Individuellen, Momentanen und Existentiellen zu. Künstler/innen jüngerer Generationen – etwa Silvia Bächli (*1956),
Bruno Jakob (*1954) oder Annelies Strba (*1947) – führen diese Tradition fort und beweisen mit ihren Arbeiten
die ungebrochene Aktualität der Thematik.
Das zentrale Scharnier der Ausstellung bildet die wenig bekannte Arbeit von Gertrud Debrunner (1902-2000).
Aus ihrem künstlerischen Nachlass ist eine Reihe von Arbeiten zu sehen, die im Spannungsfeld von Innen und
Aussen jene Grenze markieren, der die Ausstellung nachspüren will. Vor dem Hintergrund von Debrunners
Auffassung, dass Natur mehr ist als die sichtbare Aussenwelt, lesen sich ihre abstrahierenden Bilder als eigentliche 'Seelenlandschaften' – als Synthese aus Naturbeobachtung und innerster Empfindung - und immer auch
als Ausdruck einer geistigen, metaphysischen Erfahrung. In ihrem Schaffen schlägt sich dies als ein Prozess
nieder, der Mitte der 1940er-Jahre, als sie als Mitglied der Künstlergruppe allianz die grösste Aufmerksamkeit
genoss, erstmals einen Höhepunkt hatte und schliesslich in den sogenannten 'Blindzeichnungen' der 1970erJahre gipfelte. Diese sind ausschliesslich Produkt innerer Wahrnehmung.
Weitere Künstler/innen in der Ausstellung sind: Helmut Federle (*1944), Ferdinand Hodler (1853-1918), Paul
Klee (1879-1940), Ernst Maas (1904-1971), Hans Josephsohn (1920-2012), Cécile Wick (*1954), Adolf Wölfli
(1864-1930), Charles Wyrsch (*1920), u.a.
Kurator: Thomas Schmutz
Kuratorische Assistenz: Yasmin Afschar
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Themenschwerpunkte
Kunst-Workshops
Fadenbilder und Blindzeichnen
Gertrud Debrunner entwickelte in ihrer späteren Schaffenszeit bildnerische Verfahren, die dem Zufall
eine grosse Wichtigkeit einräumten. Sie sah darin den Ausdruck des Inneren oder des Unbewussten.
Diese schwer fassbaren Empfindungen und Wahrnehmungen versuchte sie mit Hilfe von Techniken,
die das kontrollierte Gestalten verunmöglichen, nach aussen zu transportieren. Einerseits begann sie,
blind zu zeichnen und die so entstandenen Bilder später weiter zu bearbeiten. Andererseits schuf sie
die sogenannten Fadenbilder, bei denen sie Fäden auf das Papier fallen liess. Die so entstandenen
Formen dienten ebenfalls als Ausgangspunkt für die weiterführende künstlerische Arbeit.
Traum
Für Träume interessieren sich oft Menschen, welche sich mit dem Unbewussten beschäftigen. Auch
in der Ausstellung Auf der Grenze findet sich dieses Motiv in Titeln, aber auch in der Wirkung vieler
Werke. Was in unseren Träumen geschieht, können wir nicht kontrollieren. Alles ist möglich und unsere Erinnerungen an sie sind oft fragmentarisch, bildhaft oder bleiben nur als Gefühl zurück. In der
Ausstellung lässt sich darüber diskutieren, wie Träume erinnert und dargestellt werden können. Ist es
eine weisse Fläche, die nur im Titel auf das Unsichtbare verweist wie bei Bruno Jakob, sind es doch
surrealistisch anmutende Gemälde wie bei Ernst Maas oder kommt Gertrud Debrunner in ihren spontanen und offen wirkenden schwarz-weiss Zeichnungen der Erinnerung an einen Traum am nächsten?
Mein Gesicht und ich
Charles Wyrsch portätiert sich selbst sehr häufig. Immer als Zeichnung, immer im gleichen Strich.
Aber gibt es dennoch Unterschiede? Wonach sucht er in seinen eigenen Gesichtszügen? Danach,
was ihn als Person ausmacht, nach seiner Seele? Zeigt sich unser Inneres anhand unseres Äusseren? Oder erfahren wir aufgrund der Art, wie jemand zeichnet, etwas über seine Persönlichkeit? Vor
diesem Werk stellt sich die Frage nach dem Verhältnis von Innenleben und äusserer Erscheinung.
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Rundgang durch die Ausstellung
Auf der Grenze
Gertrud Debrunner, Entfaltung auf der Grenze, Tusche, Deckweis und Faden auf Papier, 1949, Privatbesitz
Gertrud Debrunner, ohne Titel, Blindzeichnung, schwarzer Filzstift und Tusche auf Papier, 1976, Privatbesitz
Charles Wyrsch, Selbstporträt, Kohle, Bleistift, Buntstift auf Papier, 2007, Aargauer Kunsthaus Aarau / Schenkung Charles Wyrsch
Cécile Wick, Meer IV, Heliogravure auf Papier, 1998, Aargauer Kunsthaus Aarau / Depositum der Sammlung Andreas Züst
Gertrud Debrunner, Bahnungen, Nr. III, Collage mit Faden auf Papier, 1968, Privatbesitz
16
Notizen
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Ausblick auf kommende Ausstellungen
24.1. – 12.4.2015
Vernissage: 23.1.2015, 18 Uhr
Adolf Stäbli
Meine Malerei ist Erlebnis, nicht Erfindung
Miriam Cahn
körperlich – corporel
CARAVAN 1/2015: Bertold Stallmach
Ausstellungsreihe für junge Kunst
Vernissage: 23.1.2015
17.3. – 22.3.2015
Vernissage 16.3.2015, 18 Uhr
Blumen für die Kunst
florale Interpretationen von Werken aus der Sammlung
1.5.2015 – 2.8.2015
Vernissage 30.4.2015, 18 Uhr
Hans Schärer
Madonnen & Erotische Aquarelle
Inhabitations
Phantasmen des Körpers in der Gegenwartskunst
1.5. – 16.8.2015
Vernissage 30.4.2015, 18 Uhr
huber.huber
Und plötzlich ging die Sonne unter
CARAVAN 2/2015
Ausstellungsreihe für junge Kunst
Parallel zu den Sonderausstellungen ist im Obergeschoss die Sammlung des Aargauer Kunsthauses
stets zugänglich.
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Die Hausordnung des Aargauer Kunsthauses
Als Begleitperson der Schulklasse/Gruppe tragen Sie die Verantwortung für das Verhalten Ihrer Schüler/innen. Wir bitten Sie, vor dem Besuch des Kunsthauses Ihrer Klasse die Weisungen dieser Hausordnung vorzustellen:
- Alle Taschen/Rucksäcke und Jacken/Mäntel müssen in den Schliessfächern und an der Garderobe
im UG verstaut werden. Schirme können vor dem Museumseingang in den dafür vorgesehenen
Ständer gestellt werden.
- Das Fotografieren und Filmen ist verboten. Falls die inhaltliche Aufgabenstellung es erfordert, kann
eine Sondererlaubnis beantragt werden bei kunstvermittlung@ag.ch.
- Bei Schulklassen darf die maximale Gruppengrösse von 25 SchülerInnen nicht überschritten werden. Falls Ihre reguläre Schulklasse mehr SchülerInnen umfasst, wird selbstverständlich eine Ausnahme gemacht.
- Der Besuch der Schulklasse darf nur in Begleitung von mindestens einer Lehrperson erfolgen. Bitte
lassen Sie die Klasse nicht unbeaufsichtigt.
- Das Berühren der Kunstwerke ist strengstens untersagt.
- Schreiben und Zeichnen ist nur mit Bleistift erlaubt. Andere Schreib- und Malutensilien wie Kugelschreiber, Farb- und Filzstifte, Pinsel, Scheren etc. dürfen in den Ausstellungsräumen nicht verwendet werden.
- Um die anderen Besucher nicht zu stören, müssen die Durchgänge freigehalten werden.
- Essen und Trinken ist im Ausstellungsbereich nicht gestattet.
- Das Aufsichtspersonal ist für die Sicherheit der Kunstwerke verantwortlich. Bitte unterstützen Sie
das Personal bei der Arbeit und befolgen Sie seine Anweisungen.
Wir danken für Ihr Verständnis und die Beachtung der Hausordnung und wünschen viel Freude bei
Ihrem Besuch!
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Bildlegenden Titelblatt
Gertrud Debrunner, Entfaltung auf der Grenze, Tusche, Deckweiss und Faden auf Papier, 1949 , Privatbesitz
Balz Buri, All that rap over the knuckels!!..., Filzstift auf Papier, 2013/14
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