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ANTHROPOZÄN – NATUR UND TECHNIK IM

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ANTHROPOZÄN – NATUR UND TECHNIK IM MENSCHENZEITALTER
Sonderausstellung im Deutschen Museum (2014/2015)
Seit seinem ersten Auftreten vor rund 250.000 Jahren hat der Mensch seinen Heimatplaneten
Erde verändert. Im Pleistozän war der Homo sapiens als Jäger so erfolgreich, dass er mehrere Arten
ausrottete und im nacheiszeitlichen Holozän schaffte er dank Ackerbau, Viehzucht, Handel und
Verkehr den Aufstieg zu einer wichtigen Kraft im Erdsystem. Mit der globalen Industrialisierung
und Technisierung, die seit dem 18. Jahrhundert immer mehr Lebensräume des Planeten erreich(t)en, haben diese Veränderungen bislang unvorstellbare Dimensionen und Dynamiken erhalten.
Statt in Biomen, also natürlichen Lebensräumen, leben wir heute in „Anthromen“, also in
menschengemachten Kulturlandschaften, die
von intensiver Landwirtschaft, Bautätigkeit
und dem Abbau von Rohstoffen geprägt sind.
Durch die massive Nutzung fossiler Energieträger hat sich die Zusammensetzung der Atmosphäre geändert; die Durchschnittstemperatur ist gestiegen. Menschengemachte Materialien wie Plastik werden zu einem Problem für
Ozeane und Tiere; Staudämme und Kanalbau
beeinflussen Fließmuster von Flüssen und mit
der Schaffung modifizierter und neuer Lebewesen durch Züchtung und Gentechnik greift
der Mensch massiv in die Tier- und Pflanzenwelt ein.
„The Palm, Jumeirah“: Die künstliche Insel vor
Dubai manifestiert die großflächige Umgestaltung
der Erde durch den Menschen. Quelle: NASA
Diese vielfältigen menschengemachten Veränderungen werden in Wissenschaft und Öffentlichkeit seit einiger Zeit unter dem Begriff des „Anthropozäns“ diskutiert. Auf den Atmosphärenchemiker und Nobelpreisträger Paul J. Crutzen zurückgehend, beschreibt er die Idee
eines um 1800 beginnenden neuen Erdzeitalters, das auf das Holozän folgt und durch tiefe
Eingriffe des Menschen als bio- und geologischem Akteur in die Natur gekennzeichnet ist.
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Als wissenschaftliche Hypothese besagt die Idee, dass sich die vom Menschen initiierten Veränderungen inzwischen in geologischer Form niederschlagen und von ausreichend langfristiger Natur sind, um auf der Skala der Erdgeschichte verzeichnet zu werden. Darüber hinaus
bezeichnet das Anthropozän aber auch einen neuen Denk- und Handlungsrahmen, der eine
Brücke zwischen Natur- und Geisteswissenschaften schlägt und die Geschichte unseres Planeten und der Menschheit mit ihrer Gegenwart und Zukunft verknüpft.
Ölfeld in Texas, 1960: Der rasch wachsende Verbrauch von Erdöl seit den 1950er Jahren hat die Eingriffstiefe des Menschen in die Natur massiv gesteigert.
Quelle: Deutsches Museum
Das Deutsche Museum plant gemeinsam mit dem Rachel Carson Center for Environment and
Society für 2014/2015 eine große Sonderausstellung unter dem Arbeitstitel „Anthropozän – Natur
und Technik im Menschenzeitalter“. Initiiert und inspiriert wurde das Projekt durch Prof. Dr. Reinhold Leinfelder, affiliierter Carson Professor am Rachel Carson Center, und das Buch
“Menschenzeit” des freien Wissenschaftsjournalisten Christian Schwägerl. Beide gehören als externe Mitglieder dem Projektteam an, das von Dr. Nina Möllers geleitet wird. Kooperationspartner des
Projektes ist das Haus der Kulturen der Welt in Berlin, das das Thema Anthropozän in den nächsten
zwei Jahren in den Mittelpunkt seines Gesamtprogramms rückt.
Die Ausstellung wird Geschichte, Gegenwart und wissenschaftsbasierte Zukunftsszenarien des
Anthropozäns visualisieren und die tiefen Einschnitte des Menschen in die Geo- und Biosphäre
im Verlauf der letzten beiden Jahrhunderte aufzeigen. Dabei wird es aber nicht um eine Niedergangsgeschichte gehen, vielmehr werden neben den gravierenden Problemlagen und Herausforderungen auch wissenschafts- und technikgestützte Konzepte einer Transformation in Richtung
einer nachhaltigen, auf Ressourcenschonung basierenden und den Dualismus von Mensch und
Natur überwindenden Wirtschaft und Gesellschaft dargestellt. Themen der Ausstellung werden
u.a. sein: Der Mensch als Zerstörer, aber auch Gestalter; der anthropozäne Planet, der tiefgreifend durch den Menschen geformt und verändert wird; historisch gewachsene Konsummuster
und Lebensstile; Zeit und Raum als wichtige Faktoren im Anthropozän; die Zukunft als Herausforderung, aber auch als Chance für die Menschheit und ihre politischen Institutionen, sozialen
Netzwerke und persönlichen Lebensträume.
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Kraftmaschinenhalle: Der Übergang vom solaren zum
fossilen Zeitalter im Zuge der Industrialisierung auf
einen Blick. Quelle: Deutsches Museum
Zentrum Neue Technologien: Szenarien für eine
offene Zukunft von Naturwissenschaft und Technik. Quelle: Deutsches Museum
Die Ausstellung wird – ganz in der Tradition des Deutschen Museums – historische Objekte und
aktuelle Artefakte aus den Laboratorien von Wissenschaft und Industrie zeigen und die Besucher
und Besucherinnen durch interaktive Demonstrationen und die direkte Teilnahme mithilfe von
digitalen Medien in die Ausstellung einbinden. Durch diese Mischung aus Information und Partizipation bietet das Deutsche Museum der Öffentlichkeit die Möglichkeit, an vorhandenem Wissen teilzuhaben, Fragen zu stellen, Antworten abzuwägen, eine eigene Meinung zu bilden und
sich informativ, aber auch spannend und unterhaltsam mit einigen der wichtigsten Themen der
Gegenwart auseinanderzusetzen.
Neben der Sonderausstellung widmet sich das Deutsche Museum gemeinsam mit seinen Kooperationspartnern in den kommenden drei Jahren auch in anderen Forschungs-, Präsentations- und
Veranstaltungsformaten den Themen des Anthropozäns.
Kontakt:
Dr. Nina Möllers
089/2179-284
n.moellers@deutsches-museum.de
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