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Das Reich Gottes ist da!
Eine Lesereise durch das Markusevangelium
Dieter Bauer
Sonntag, 04.01.15
1. Sonntag im Jahreskreis
L I Sir 24,1-2.8-12
L II Eph 1,3-6.15-18
E Joh 1,1-18
Montag, 05.01.15
L 1 Joh 3,11-21
E Joh 1,43-51
Dienstag, 06.01.15
Erscheinung des Herrn
L I Jes 60,1-6
L II Eph 3,2-3a.5-6
E Mt 2,1-12
Mittwoch, 07.01.15
L 1 Joh 3,22 - 4,6
E Mt 4,12-17.23-25
Donnerstag, 08.01.15
L 1 Joh 4,7-10
E Mk 6,34-44
Freitag, 09.01.15
L 1 Joh 4,11-18
E Mk 6,45-52
Samstag, 10.01.15
L 1 Joh 4,19 - 5,4
E Lk 4,14-22a
Das Markusevangelium ist nicht nur das älteste der vier
Evangelien, sondern auch das kürzeste. Mit seinen nur 16
Kapiteln lädt es geradezu ein, einmal am Stück gelesen zu
werden: ein Leseerlebnis von ca. 2 Stunden!
Wer sich auf eine solche Lesereise durch das Markusevangelium begibt, wird überrascht feststellen, wie hintergründig der Evangelist erzählt. Es beginnt eine Geschichte, die
ihren Anfang in der Geschichte des jüdischen Volkes hat:
„Es begann, wie es beim Propheten Jesaja steht …“ (Mk 1,1).
Die Stimme eines Rufenden in der Wüste ertönt, Gott solle
ein Weg gebahnt werden (vgl. Jes 40,3). Solches tut Johannes
der Täufer. Er „trat in der Wüste auf und verkündigte Umkehr und Taufe zur Vergebung der Sünden“ (v4). Und so
kommt auch „Jesus aus Nazaret in Galiläa und ließ sich von
Johannes im Jordan taufen.“ Und als er aus dem Wasser
steigt, öffnet sich der Himmel. Auf ihn kommt der Geist
Gottes herab. Zu ihm spricht die himmlische Stimme des
Vaters: „Du bist mein geliebter Sohn“ (v9). Was hier in nur
11 Versen des 1. Kapitels in unglaublicher erzählerischer
Dichte erzählt ist, ist überschrieben mit: „Evangelium von
Jesus, dem Messias, dem Sohn Gottes“ (v1). Was ist damit
gemeint?
Der Weg des Messias
Das Judentum zur Zeit Jesu lebte unter römischer Herrschaft und sehnte sich nach Befreiung. Diese Sehnsucht
richtete sich auf einen Messias, einen Gesandten Gottes,
der dafür sorgen sollte, dass Gott seine Herrschaft aufrichten kann. Als nun Jesus verkündete: „Die Zeit ist erfüllt, das
Reich Gottes ist da. Kehrt um und glaubt an die frohe Botschaft“ (Mk 1,15), glaubten viele, er sei der erwartete Messias
(griechisch: Christus). Diese frohe Botschaft (griechisch:
Evangelium) erzählt Markus.
Er erzählt, wie Jesus in seiner Heimat Galiläa Anhänger fin-
det und lehrend und heilend durch das
Land zieht. Diese beiden Schwerpunkte der Tätigkeit Jesu - Lehre und Heilung - erzählt Markus in einer Aneinanderreihung von Heilungs- und
Verkündigungsgeschichten. Dass das
Reich Gottes da ist, spüren die Menschen nicht nur daran, dass Jesus von
diesem Reich Gottes spricht - meist in
Gleichnissen -, sondern dass es dadurch bereits wirksam ist, dass Menschen in der Gegenwart Jesu heil werden: psychisch Kranke, Fiebernde,
Aussätzige, Gelähmte … Ununterbrochen ist Jesus unterwegs. Wie ein
Fieber treibt ihn der Geist vorwärts
zu den Menschen.
Hin zu den Menschen
Doch ist Jesus nicht nur ein begnadeter Verkündiger und Wunderheiler, er
hat auch die Gabe, Menschen zusammen an einen Tisch zu bringen. Und er
hat keine Berührungsängste. Er setzt
sich mit allen zusammen, mit den Reichen ebenso wie mit denen, die am
Rande der Gesellschaft stehen (Mk 2,1317). Das wird ihm verübelt, vor allem
von denen, die meinen besser zu wissen, was sich für einen Gesandten
Gottes gehört. Bereits im 3. Kapitel des
Evangeliums erfahren wir, dass sich
die Gegner Jesu zusammentun, um Jesus umzubringen: Weil er einem Mann
am Sabbat seine gesunde Hand wiedergeschenkt hat (Mk 3,1-6).
Von da an liegt schon ein Schatten auf
dem Weg Jesu. Immer wieder muss er
sich verteidigen. In seiner Heimatstadt
Nazaret ist es so schlimm, dass er dort
schon gar keine Wunder mehr tun
kann (Mk 6,1-6).
Das Unverständnis der Anhänger Jesu
Nicht nur seine Gegner werden stärker. Auch die eigenen Anhänger reagieren immer mehr mit Unverständnis. Als Jesus seine Entscheidung trifft,
nach Jerusalem zu gehen, selbst auf
die Gefahr hin, dass er dort getötet
wird, versucht Petrus ihn davon abzubringen (Mk 8,31-33).
Jesus geht seinen Weg trotzdem, auch
wenn ihn seine Jünger immer weniger
verstehen. Auf diesem Weg nach Jerusalem versucht Jesus, seine Jünger darauf vorzubereiten, dass er seinen Weg
konsequent weitergehen wolle, dass
ihn auch die Todesgefahr davon nicht
abbringen wird. Dreimal versucht er
es. Dreimal verstehen ihn seine Jünger
nicht und wälzen ganz andere Probleme, z.B. wer im Reich Gottes einmal die
besten Plätze bekommen wird (Mk 9,3337). Dieses Unverständnis der Jünger
scheint Markus sehr wichtig zu sein.
Sie sind wie von Blindheit geschlagen.
Nicht zufällig rahmt er die Erzählung
15
des Weges Jesu von Galiläa nach Jerusalem mit zwei Blindenheilungsgeschichten (Mk 8,22-26; 10,46-52).
Der Triumph der Gegner
Jesu Einzug in Jerusalem gleicht einem
Triumphzug (Mk 11,1-11), aber die Begeisterung verfliegt. Den Mächtigen
in Jerusalem wird klar, dass Jesus nicht
bereit ist, Kompromisse zu schließen.
Die Geschäftemacherei im Tempel
greift er massiv an. Seine Tage in Jerusalem sind gefüllt mit Auseinandersetzungen. Und die LeserInnen des
Markusevangeliums wundert es dann
kaum noch, dass er von einem seiner
unverständigen Jünger verraten wird
und vor Gericht kommt. Was sich im
3. Kapitel ankündigte, nimmt seinen
Lauf: Jesus wird zum Tode verurteilt
und am Kreuz umgebracht. Die Jünger
sind alle verschwunden. Nur einige
Frauen bleiben in der Nähe und erleben seine Kreuzigung und Beerdigung
mit.
Totale Verunsicherung am Ende
Diese Frauen sind es auch, die ihm
über den Tod hinaus etwas Gutes tun
wollen. Mit der Absicht, seinen Leichnam zu salben, besuchen sie sein Grab,
finden ihn dort aber nicht mehr vor.
Ein junger Mann in weißem Gewand
empfängt sie dort - ein Bote Gottes:
„Erschreckt nicht! Ihr sucht Jesus von
16
Nazaret, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden; er ist nicht hier. Seht, da ist
die Stelle, wo man ihn hingelegt hatte.
Nun aber geht und sagt seinen Jüngern, vor allem Petrus: Er geht euch
voraus nach Galiläa; dort werdet ihr
ihn sehen, wie er es euch gesagt hat“
(Mk 16,6f). Erschrocken und verängstigt
laufen die Frauen weg. Und sie erzählen niemandem davon. Damit endet
das Markusevangelium.
Neuanfang in Galiläa
Aber stimmt das wirklich? Hätten die
Frauen nichts erzählt, wüssten wir ja
nichts davon. Und wären sie tatsächlich nicht nach Galiläa zurückgekehrt,
wo sie auch die anderen ehemaligen
Anhänger Jesu wiedergefunden haben, wäre die Geschichte nicht weitergegangen. So aber sind nicht nur sie,
sondern viele andere seiner ehemaligen Anhänger in Galiläa in die Fußstapfen Jesu getreten und sind seinen
Weg von Neuem gegangen. Davon
erfahren wir im Markusevangelium
nichts mehr. Nur die Tatsache, dass es
geschrieben werden konnte, spricht
dafür, dass Menschen auf ihrem Weg
der Nachfolge Jesu dem Auferstandenen tatsächlich begegnet sind.
Dieter Bauer
Kath. Bibelwerk, Redaktion „Bibel heute“, Stuttgart
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Seele and Geist
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