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Geschenktipps von
Wissenschaftlern
Ob Experimente mit Licht, Motoren aus Papier,
ein Abend für Philosophen oder ein Tag am Meer:
Feiern Sie Weihnachten mit klugen Geschenken
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Internet-Links und weitere Hinweise
zu den Geschenken finden Sie online unter
www.zeit-wissen.de/0115quellen
Fotos dpa / Picture-Alliance; Getty Images; Bernd Schifferdecker; PR (4)
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WEIHNACHTSVORLESUNG
IN DER ROYAL INSTITUTION
GERHARD ERTL
dann wäre das ein Flug zum Südpol und ein
Besuch bei IceCube, dem Neutrinoteleskop, mit dem 2013 ein neues Beobachtungsfenster zum Kosmos geöffnet wurde.
Das ist »mein« Experiment. Ich könnte
mich darum kümmern, dass ein Wissenschaftler vor Ort die Forschung erklärt.
ist Physiker und Chemiker. 2007 erhielt er
für seine Studien zu Festkörperoberflächen
den Nobelpreis für Chemie
Jugendlichen würde ich einen Flug nach
London und dann eine Teilnahme an der
Christmas Lecture in der Royal Institution
of Great Britain schenken. Die Weihnachtsvorlesungen dort sind für junge Leute zwischen 11 und 18 Jahren gedacht. Diese
Veran­
staltungen erfreuen sich seit vielen
Jahren einer sehr großen Beliebtheit unter
jungen Zuhörern. Um an ein Ticket zu
kommen, muss man allerdings ein wenig
Glück haben, denn die Eintrittskarten werden exklusiv unter den Mitgliedern der
Royal Institution verlost. Da hilft aber ein
Tipp: Eine solche Mitgliedschaft kostet für
Jugendliche unter 18 Jahren lediglich 15
Pfund pro Jahr. Und ein Flugticket für einen Trip nach London und zurück gibt es
bereits für etwa 100 Euro.
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BÜCHER, DIE ES AUF DER
WELT NUR EINMAL GIBT
CLAUDINE MOULIN
ist Professorin für Historische Linguistik an
der Uni Trier und Wissenschaftliche Leiterin
des Trier Center for Digital Humanities
Im Zeitalter der Digitalität übt das gedruckte Buch wieder einen verstärkten Reiz
auf uns aus: der Geruch, das Rascheln der
Seiten, die Spuren von Gebrauch. Regina
Laube greift die japanische Tradition der
Buchfaltkunst auf und verwandelt alte,
auch »zerlesene« Bücher in Kunstwerke, die
zum Innehalten einladen. Laubes Buchskulpturen sind Unikate; sie kosten zwischen 50 und 150 Euro und können direkt
per E-Mail bei der Künstlerin bestellt werden unter regina.laube@gmx.de.
REISE ZUM NEUTRINOTELESKOP AM SÜDPOL
CHRISTIAN SPIERING
ist Astroteilchenphysiker und arbeitet am
Desy bei Berlin. Er war lange Sprecher eines
Neutrino-Observatoriums am Südpol
Wenn es etwas Bescheidenes sein soll, würde
ich das Buch Neutrino von Frank Close verschenken – die fantastische Geschichte eines
fantastischen Teilchens. Das gibt es für
knapp 20 Euro im Buchladen. Falls ich
zehnmal so viel ausgeben wollte, gäbe es
eine Reise in die Schweiz zum Cern und
dort die Besichtigung eines Experiments
am Large Hadron Collider, wo 2012 das
Higgs-Teilchen entdeckt wurde. Die Touren
durch das Cern sind gratis – man muss sich
allerdings rechtzeitig anmelden, um noch
einen Platz zu bekommen. Und wenn ich
etwas für 20 000 Euro verschenken sollte,
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BESCHEIDENHEIT 2014
MIT DÜRER UND BASELITZ
HANS FÖRSTL
ist Direktor der Klinik und Poliklinik
für Psychiatrie und Psychotherapie der Technischen Universität München
Offensichtliches Understatement entspricht
dem Geist von Weihnachten 2014. Als Geschenke unter 100 Euro sind in der engeren
Auswahl: winterliche Ausfahrt zur nächsten
Autobahnbaustelle mit ADAC-Heißgetränkegutscheinen; hochwertige Farbfotokopie
Großes Rasenstück von Dürer; Großwand­
gemälde Blizzard von Baselitz; Lego-Haus
Winterliche Hütte; signierter Gipsverband
eines berühmten Wintersportlers; Fahrradständer, ausklappbar.
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EIN KALENDER MIT
RÄTSELN FÜR JEDEN TAG
JÖRN MÜLLER-QUADE
ist Professor für Kryptografie und Sicherheit
am Karlsruher Institut für Technologie,
Initiator der Ausstellung »Kryptologikum«
Forschen ist manchmal wie Rätsel lösen,
deshalb mag ich Rätsel und verschenke
gerne selbst gestaltete Kalender mit einem
Rätsel für jeden Tag. Die Kalenderseiten
lassen sich am Computer leicht zusammenstellen, etwa mit Programmen wie PowerPoint oder Google-Bildern. Und die Rätsel
dafür finde ich zum Beispiel auf der Website
der University of California in Berkeley.
Dort reichen die Schwierigkeitsgrade von
»familientauglich« bis zu »Wissenschaftlerzur-Verzweiflung-bringend«. Die Kalenderblätter kann man sich dann einfach ausdrucken und binden oder noch einfacher
mit einer Klemmschiene und einem Faden
zum Aufhängen versehen.
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PRIVATE FÜHRUNG ZU
MUMIEN UND SKELETTEN
FRANK RÜHLI
ist Mumienforscher, Leiter des Instituts für
Evolutionäre Medizin in Zürich und
Arzt von Pharao Tutanchamun und »Ötzi«
Eine Privatvorlesung mit erklärender Führung durch die Sammlung historischer Mumien(teile) und Skelette des Instituts für
Evolutionäre Medizin in Zürich finde ich
ein gutes Geschenk. Diese Führung kann
man direkt bei mir buchen, meine E-MailAdresse lautet frank.ruehli@iem.uzh.ch.
Die Dauer und den Preis der erklärenden
Führung können wir dann miteinander
ausmachen. Es ist allerdings nur ein Weihnachtsgeschenk für wirklich wissenschaftlich Interessierte – ich rede in meiner Vorlesung viel über Medizin, Evolution von
Krankheiten, DNA et cetera. Und danach
kann man zum Beispiel im Zunfthaus zur
Waag wunderbar Essen gehen.
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EIN TAG AM WASSER VON
NORDSEE BIS PAZIFIK
ANTJE BOETIUS
Resort in Marina, wo man schon beim
Frühstück im Bett Mensch und Tier in den
Wellen surfen sehen kann, abends am
Strand-Feuerplatz den Tag abschließt und
bei Wellenrauschen einschläft. So ein Geschenk macht glücklich. Das weiß ich, weil
ich es gerade selber erhalten habe.
ist Professorin für Geomikrobiologie an der
Uni Bremen und Tiefseeforscherin.
Derzeitiger Schwerpunkt: der Klimawandel
Ein Tag am Meer ist ein tolles Geschenk,
finde ich. Das kann ganz einfach nur ein
Spaziergang an der stürmischen Nordsee
mit Sachen suchen sein – also Dingen, die
vom Meer angespült werden. Oder ein warmer Frühlingstag im Strandkorb an der
Ostsee. Es gibt so viele schöne Plätze, die
man mit dem Zug erreichen kann, als kleine
Flucht vom Alltag zwischendurch.
Wer raues Wetter liebt, fährt an den nördlichsten Punkt Deutschlands bei List auf
Sylt und spaziert durch die Heide und über
die Dünen am nördlichsten Teil, dem Ellen­
bogen. Danach: Algentee, Fischsuppe und
andere Meeresköstlichkeiten im Lister Hafen. Unbedingt auch das Museum »Naturgewalten« besuchen – und für die Mutigen:
Strandsauna am Weststrand mit Abkühlung
im Meer. Und abends auf der Terrasse oder
den Strandkörben der Lister Austernperle
den Tag ausklingen lassen.
Wer es milder mag, besucht die Ostsee: Ein
großes Geschenk ist die Strand-, Wald- und
Boddenlandschaft der Halbinsel Darß. Mit
Fahrrädern den Darßer Urwald und Weststrand erkunden mit dem Ziel Darßer Ort,
dort den Leuchtturm erklettern, Hunger
und Durst im Museumscafé stillen und die
Gärten und den Wanderweg des Natureums
ablaufen. Nachmittags zum Prerower Hafen für Räucherfischbrötchen und eine
Boddentour per Schiff, zum Sonnenuntergang auf die Strandbrücke und sich abends
im Hotel Waldschlößchen vom Menü und
der Weinkarte überraschen lassen.
Wenn man mehr Zeit und Geld hat, ist eines
der schönsten »Tag am Meer«-Geschenke
ein Besuch am Strand südlich von Monterey, Kalifornien. Dort, an der pazifischen
Küste, versammeln sich Wale, Seeotter, Seelöwen, Delfine, Pelikane und viele andere
Meeresbewohner, und man kann ihnen
direkt vom Strand aus zuschauen, wie sie in
den Wellen spielen und Sardinen futtern.
Mitten in den Dünen liegt das Sanctuary
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MOTOR ZUM
SELBERBASTELN
TILMAN PFAU
leitet das 5. Physikalische Institut der Uni
Stuttgart sowie das Zentrum für Integrierte
Quantenwissenschaften und -technologien
Ich habe schon öfter Papierbausätze von
Astromedia verschenkt. Toll ist etwa der
Stirling-Motor. Den kann man mit jeder
Wärme- oder Kältequelle betreiben, zum
Beispiel am Frühstückstisch mit einer Tasse
heißem Kaffee oder im Sommer mit einem
Glas Eiswürfel. Bevor Otto- und Dieselmo­
toren aufkamen, betrieben die Leute mit
Stirling-Motoren (die natürlich nicht aus
Papier waren) so ziemlich alles von Wasserpumpen im Bergbau bis zu Tischventilatoren. Heute arbeiten unter anderem Solaranlagen und Raumsonden damit. Den Motor
zum Selberbasteln gibt’s für 22,90 Euro.
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SHOWBESUCH BEI DEN
LUSTIGEN »PHYSIKANTEN«
METIN TOLAN
ist Professor für Experimentelle Physik an
der TU Dortmund. Als Kabarettist befasst
er sich u. a. mit der Physik des Fußballs
Ich würde einem, der sich für Physik in­
teressiert (oder sich das vorstellen kann),
einen Besuch in einer Show der Physikanten schenken. Das ist ein Team aus Naturwissenschaftlern, Schauspielern und Moderatoren – und besser kann man Physik nicht
erklären. Ich habe noch nie erlebt, dass sie
ihr Publikum gelangweilt haben. Und sie
sind ständig auf Tour.
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DIE SCHÖNE RUNDE WELT
DER MODELLEISENBAHN
ROLF-ULRICH KUNZE
ist Professor für Neuere und Neueste
Geschichte am Karlsruher Institut für
Technologie – und Modelleisenbahner
Der Modellbahnkreis um den Weihnachtsbaum darf nicht fehlen, deshalb gibt es von
mir eine H0-Lokomotive – und dazu ein
Buch zur Kulturgeschichte der Modelleisenbahn. Als erstes industrielles Mobilitätssystem und bürgerliches Edelspielzeug hat die
Eisenbahn schließlich die deutsche Bilderund Vorstellungswelt geprägt. Ich empfehle
ein Startset von Roco H0 für 159 Euro,
bestehend aus einer Dampflok der Baureihe
80, die es auch bei der jungen Deutschen
Bundesbahn gab, sowie zwei »Donnerbüchsen«, zweiachsigen Personenwagen mit offener Plattform. Das Buch ist im Internet anti­quarisch leicht zu besorgen: Gernot Balcke,
Die schönsten Modellbahn-Anlagen. 30 ausgewählte Anlagen; Alba, Düsseldorf 1972.
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EIN SCHREIBTISCH FÜR DIE
AUSBREITUNG VON IDEEN
ANATOL STEFANOWITSCH
ist Professor für Sprachwissenschaft an der
Freien Universität Berlin und Autor beim
populärwissenschaftlichen »Sprachlog«
Seit der Philosoph John Austin darauf hingewiesen hat, dass die Sprache bessere Ana­
lyse­
kategorien vorgibt, als Linguist/innen
sie sich »im Lehnstuhl« ausdenken könnten, ist »Lehnstuhl-Linguist« ein geflügeltes
Wort für Kolleg/innen, die ihre Arbeit
haupt­säch­lich im Kopf verrichten. Empirisch forschende Sprachwissenschaftler/innen brauchen aber neben einem Lehnstuhl
natür­lich einen Tisch, auf dem sie ihre Auf­
zeich­
nungen aus­
breiten können. Meiner
Part­nerin (Linguistin) schenke ich deshalb
einen maßgefertigten Schreibtisch aus alten
Berliner Dielen vom Antiquariat Rola, auf
den John Austin neidisch gewesen wäre.
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GESPRÄCH ÜBER DIE
MENSCHLICHE EXISTENZ
MICHAEL QUANTE
Fotos Bildagentur Huber; Corbis; PR (4)
lehrt Philosophie an der Universität in
Münster – von klassischer deutscher Philosophie bis zur biomedizinischen Ethik
Ich verschenke einen Abend für ein philosophisches Gespräch. Ein solches Geschenk ist
wie die Philosophie selbst. Form, Inhalt und
konkrete Bedingungen (Ort, Zeit, Thema)
müssen gemeinsam ermittelt werden. Im
Zentrum meines Nachdenkens stehen beispielsweise die Fragen nach dem Sinn der
menschlichen Existenz, nach einer gerechten Gesellschaftsordnung sowie aktuelle
Streitfragen wie die des selbstbestimmten
Sterbens. Ich freue mich über Ihre Anfrage
an michael.quante@uni-muenster.de.
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EIN LICHTEXPERIMENT UND EIN BUCH
ÜBER DIE HÖHLENBEWOHNER AM CERN
ANDREAS HEMMERICH
ist Professor am Institut für Laserphysik in Hamburg.
Er erforscht die Wechselwirkung zwischen Licht
und Materie am absoluten Temperaturnullpunkt
Mein Weihnachtsgeschenk besteht aus drei Teilen: dem Fotoband Menschen am Cern von Andri Pol, einem Laser-Pointer,
erhältlich in jedem besseren Büroartikelgeschäft, und einem
Haar. Das Buch ist die Ouvertüre, perfekt für alle, die mal sehen
wollen, wie Physiker so drauf sind. Das Cern ist eine riesige
Forschungsanlage in Genf, in der tief unter der Erde merkwürdige kleine Elementarteilchen mit großem Karacho auf­
ein­
ander­geschossen werden. Der Autor nimmt einen mit auf Entdeckungsreise in eine große Höhle mit den seltsamsten
Bewohnern. Ist man wieder draußen, kommt der Zeitpunkt,
selbst zur Tat zu schreiten: Aus dem Laser-Pointer nämlich
kommt ein grüner Lichtstrahl, der kaum expandiert und merkwürdig funkelt, wenn er auf irgendetwas trifft. Beides hat damit
zu tun, dass dieses Licht unfassbar farbrein ist. Deshalb kann
man mit diesem Licht besonders leicht ein berühmtes Experiment machen, das Doppel­­­­­spaltexperiment von Thomas Young.
Dazu braucht man nur ein Haar waagrecht in den Strahl zu
halten. Das Haar teilt den Strahl in zwei Hälften, so ähnlich
eben wie ein Doppelspalt. Und nun die Überraschung: Senkrecht zum Haar entsteht strahlabwärts ein Lichtfächer aus hellen und dunklen Bereichen. In den dunklen Bereichen löschen
sich die Lichtteilchen, die links und rechts am Haar vorbeigelaufen sind, gerade aus. Destruktive Interferenz heißt das lapidar und ist doch eine der großen Merkwürdigkeiten der Natur.
Physiker wie Erwin Schrö-dinger haben sich gefragt, ob es auch
mit Katzen funktioniert.
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WOHLTEMPERIERTES KLAVIER ZUM
KITZELN VON HIRNREGIONEN
GERHARD ROTH
ist Neurobiologe und Professor am Institut für
Hirnforschung an der Uni Bremen. Zuvor studierte er
Musikwissenschaften, Germanistik und Philosophie
Ich schenke meiner Frau (sie ist auch Neurobiologin) die Neueinspielung von Bachs Wohltemperiertem Klavier durch PierreLaurent Aimard. Die regt sowohl die kognitiven als auch die
emotionalen Hirnregionen stark an! Die CD ist unter dem Titel
Bach – The Well-Tempered Clavier I bei der Deutschen Grammophon erschienen und kostet rund 22 Euro.
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EIN KALENDER FÜR WOLKENGUCKER
(UND SOLCHE, DIE ES WERDEN WOLLEN)
CORINNA HOOSE
Fotos Mauritius Images; Getty Images; PR
ist Wolkenphysikerin und Professorin für Theoretische
Meteorologie am Karlsruher Institut für Technologie
Ich schenke jedes Jahr mir selbst und anderen Hobby- oder
professionellen Wolkenguckern einen Meteorologischen Kalender. In diesem Tisch- oder Wandkalender, der von der Deutschen Meteorologischen Gesellschaft herausgegeben wird, sind
faszinierende Fotos von Wolken- und anderen Himmelsphänomenen enthalten, die aus Einsendungen ausgewählt wurden.
Jedes Jahr nehme ich mir vor, zum nächsten Kalender selbst ein
Foto beizusteuern. Natürlich gibt es viele ähnliche Werke in
schöner Optik, aber im Meteorologischen Kalender sind außerdem auf den Rückseiten der Kalenderblätter ausgewählte
meteorologische und klimatologische Themen allgemeinverständlich und gleichzeitig wissenschaftlich exakt erklärt. Die
Daten: Europäischer Meteorologischer Kalender 2015 (19,60
Euro) sowie Meteorologischer Postkarten-Kalender 2015 (9,80
Euro), erhältlich unter www.schweizerbart.de.
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