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Ein Cent für Elektromobilität - Universität Duisburg-Essen

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17.12.2014
UDE-Modell: Wie Deutschland das E-Auto nach vorn bringen kann
Ein Cent für Elektromobilität
Im internationalen Vergleich hinkt die Nachfrage nach Elektroautos in
Deutschland deutlich hinterher – trotz umfangreicher Angebote der deutschen
Autoindustrie. Dabei hat die Elektromobilität strategische Bedeutung, versichert
der Autobilwirtschaftsexperte Prof. Dr. Ferdinand Dudenhöffer von der Universität
Duisburg-Essen (UDE) und schlägt ein unkonventionelles Anschub-Modell vor.
Auf deutschen Straßen fahren weniger als 21.000 Elektroautos, die mit knapp
3.000 Ladestationen auskommen müssen. In den USA sind schon 223.600
Elektroautos unterwegs, die an 15.200 Ladestationen auftanken können. Auch
die europäischen Nachbarländer sind schneller: in Frankreich fahren bereits
37.100 E-Autos (8.000 Ladestationen), in den Niederlanden 38.200 (3.700
Ladestationen) oder in Norwegen 25.700 (1.300 Ladestationen). In Japan werden
sogar 88.500 E-Autos gefahren (5.000 Ladestationen).
Prof. Dr. Ferdinand Dudenhöffer: „Diese Länder fördern die Elektromobilität mit
umfangreichen Programmen. Hierzulande fehlen solche Wachstumsimpulse.“
Weil Elektrofahrzeuge leise und abgasfrei sind, haben sie ihre größten Vorteile in
Ballungsgebieten. Wenn allerdings die Binnennachfrage schleppt, kommt der
Produktionsstandort Deutschland ins Strudeln, so Dudenhöffer. Zumindest wird
es sehr schwer gegenüber den neuen Standorten wie China. Für Deutschland
hat die Elektromobilität daher strategische Bedeutung.
Modell: 250.000 zusätzliche Elektroautos und 80.000 Ladesäulen
An der UDE wurde nun ein Modell erarbeitet, mit dem der deutsche Rückstand in
weniger als drei Jahren nicht nur abgebaut werden könnte, sondern Deutschland
eine Vorreiterrolle katapultieren könnte ohne die öffentlichen Haushalte zusätzlich
zu belasten. Im Mittelpunkt steht ein integriertes Gesamtsystem mit
Langzeitwirkung. Es fokussiert den privaten Autofahrer, denn 90 Prozent oder
mehr als 39,5 Millionen Pkw auf Deutschlands Straßen sind auf private
Fahrzeughalter zugelassen. Nebenbei wird die konjunkturelle Nachfrage
angekurbelt und die großstädtische Infrastruktur verbessert.
Das Modell fußt auf drei Maßnahmen-Paketen:
 Erstens: Ausbau der Ladeinfrastruktur in den 60 größten deutschen Städten
sowie kostenloser Strom und kostenlose Parkplätze für Elektroautos für drei
Jahre.
 Zweitens: 4.000 Euro-Prämie für den Kauf von Elektrofahrzeugen
(einschließlich Plug-In Hybrid) von Privatkunden.
 Drittens: breites CarSharing-Angebot von Elektroautos in den großen Städten.
Der Baustein CarSharing setzt die Erkenntnisse des vom
Bundesverkehrsministerium finanzierten Forschungsprojekts RUHRAUTOe um.
Über einen Zeitraum von zwei Jahren wurden in den Großstädten des
Ruhrgebiets bis zu 70 Elektroautos im CarSharing für Stundenpreise ab 3,25
Euro angeboten. Das Ergebnis: mehr als 1.600 Nutzer sind über 350.000
Kilometer elektrisch gefahren. „Nur wer eigene Erfahrungen mit Elektroautos
ohne Kaufdruck sammelt, wird vom Elektroauto überzeugt werden können“, so
Prof. Dr. Ferdinand Dudenhöffer.
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Beate H. Kostka, Tel. 0203/379-2430, presse@uni-due.de, www.uni-due.de
UNI DUISBURG-ESSEN
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SEITE 2
Das Modell: Ein Cent für Elektromobilität
1,85 Mrd. Euro + 100 Mio. Euro für Administration, Kommunikation, etc.
800 Mio. Euro
Kaufprämie
850 Mio. Euro
Ladeinfrastruktur
200 Mio. Euro
E-CarSharing
200.000 Fzge
Privatkunden
á 4.000 Euro
80.000 Ladesäulen
in 60 Großstädten
+
Park-/Stromkosten 3 Jahre
50.000 Fzge
CarSharing/Rental
á 4.000 Euro
Soll Elektromobilität in Deutschland erfolgreich werden, muss sie in den Ballungsgebieten
etabliert werden. Daher sieht das Modell „Ein Cent für Elektromobilität“ vor, dass die 60 größten
Städte Deutschlands Ladeinfrastruktur kostenlos erhalten und zusätzlich Wartung, Stromkosten
und Ausfall von Parkgebühren für drei Jahre erstattet werden. Die größten Städte im Überblick:
Die größten Städte Deutschlands: 23.235.000 Einwohner
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20
Berlin
Hamburg
München
Köln
Frankfurt
Stuttgart
Düsseldorf
Dortmund
Essen
Bremen
Leipzig
Dresden
Hannover
Nürnberg
Duisburg
Bochum
Wuppertal
Bielefeld
Bonn
Münster
Einwohner
3.422
1.746
1.408
1.034
701
604
599
576
570
549
532
531
518
499
487
362
343
329
311
300
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37
38
39
40
Karlsruhe
Mannheim
Augsburg
Wiesbaden
Gelsenkirchen
Mönchengladbach
Braunschweig
Chemnitz
Aachen
Kiel
Halle (Saale)
Magdeburg
Krefeld
Freiburg
Lübeck
Oberhausen
Erfurt
Mainz
Rostock
Kassel
Einwohner
299
297
277
274
258
255
247
242
242
242
232
231
222
220
213
209
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204
203
194
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60
Hagen
Saarbrücken
Hamm
Mülheim Ruhr
Ludwigshafen
Potsdam
Leverkusen
Oldenburg
Osnabrück
Solingen
Herne
Neuss
Heidelberg
Darmstadt
Paderborn
Regensburg
Ingolstadt
Würzburg
Wolfsburg
Fürth
Einwohner
186
177
176
167
162
161
161
160
156
156
154
152
152
150
144
140
129
125
122
120
Neben den wichtigen City-Parkplätzen und Ladestationen, die über Schnellladesysteme
versorgt werden, sind die städtischen Wohngebiete mit Mehrfamilienhäusern entscheidend.
Damit machen drei verschiedene Typen von Ladestationen Sinn.
 Für Wohngebiete sind im Modell 60.000 einfache und preisgünstige Stationen, die
Übernacht-Ladung erlauben, vorgesehen.
 Für konventionelle Plätze in Großstädten sind 17.500 „Standard-Systeme“ vorgesehen,
die bis zu 22 kW/h laden und
 an City-Knotenpunkten 2.500 Schnelladesysteme, die kompatibel mit den verschiedenen
Systemen der Autobauer sind.
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Beate H. Kostka, Tel 0203/379-2430, pressestelle@uni-due.de, www.uni-due.de
UNI DUISBURG-ESSEN
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SEITE 3
Finanzierungsmodell: 3 Jahre lang einen Cent pro Liter Kraftstoff
Die Preise für konventionelle Kraftstoffe haben im Jahr 2014 einen neuen Tiefpunkt erreicht.
Deflationiert auf das Jahr 2000 kostet derzeit ein Liter Diesel 95,9 Cent und damit weniger als
im Jahr 2005. Eine Steuer auf Kraftstoffe von nur einem Cent pro Liter für einen festdefinieren
Zeitraum von drei Jahren wäre damit für die Autofahrer mehr als gut verkraftbar. Eine
zusätzliche Steuer von einem Cent pro Liter auf konventionelle Kraftstoffe (Diesel und Benzin)
ergibt ein Steueraufkommen von 650 Millionen Euro pro Jahr.
Mit einem Cent zusätzlicher Steuer für einen Zeitraum von 36 Monaten ist das Modell
finanziert. Klar ist, dass explizit im Gesetz stehen muss, dass die Steuer auf keinen Fall über
den Zeitraum von 36 Monaten verlängert werden darf. „Einen zweiten Soli für den Sankt
Nimmerleinstag dürfen wir uns in Deutschland nicht erlauben. Ansonsten ist jede
Glaubwürdigkeit der Politik verloren“, so Dudenhöffer. In Deutschland sind heute knapp 53
Millionen Kraftfahrzeuge (einschließlich Krafträder) amtlich angemeldet. Pro Fahrzeug wird
dann im Durchschnitt 12,30 Euro an zusätzlichen Steuern für Kraftstoff pro Jahr bezahlt.
Fazit: Modell schnell umsetzbar
Das Modell „Ein Cent für Elektromobilität“ erlaubt den Rückstand bei der Elektromobilität in
Deutschland schnell aufzuholen und Deutschland in einer Vorreiterrolle zu hieven. Der Plan ist
finanzierbar, sogar die Verwaltungskosten sind mit beinhaltet. Nimmt man den
Abstimmungsprozess der Abwrackprämie als Referenz, ist das Modell im parlamentarischen
Berlin innerhalb von drei Monaten umsetzbar. Der Plan fokussiert mit einem Gesamtkontext
den Ausbau der Elektromobilität in Deutschland. Firmenfahrzeuge sind in den Plan nicht
integriert, da wir davon ausgehen, dass die diskutierte 50%-Sonderabschreibung auf
Elektrofahrzeuge von der Bundesregierung umgesetzt wird.
Kontakt:
Prof. Dr. Ferdinand Dudenhöffer, Tel. 0203/379-1111, ferdinand.dudenhoeffer@uni-due.de
Sebastian Meerschiff, Tel. 0203/379-3114, sebastian.meerschiff@uni-due.de;
Redaktion: Beate H. Kostka, Tel. 0203/379-2430
Beate H. Kostka, Tel 0203/379-2430, pressestelle@uni-due.de, www.uni-due.de
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