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Die Rauchschwalbe - Vogelfreunde Kaltenkirchen

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Die Rauchschwalbe
Hirundo rustica (Linné, 1758)
T. Ratjen (15034)
Schwalben erfahren in dreifacher Hinsicht besondere Aufmerksamkeit und Sympathie in der
Bevölkerung: als Symbol des Sommers, als Kulturfolger und als Reisende zwischen den
Kontinenten. In unzähligen Gedichten und Erzählungen treten sie auf, Aberglaube,
Bauernregeln und Merksprüche ranken sich um diese Vögel. Dieser enge Bezug zum
Menschen hat jedoch nicht verhindern können, dass die Schwalben in ganz Deutschland in
den vergangenen Jahrzehnten immer seltener geworden sind.
Der Grund für den Rückgang liegt bei uns vor allem in der Beeinträchtigung der
Lebensräume. Versiegelung von Feldwegen, Höfen und Dorfplätzen, Umwandlung von
Grünland in intensiv genutzte Äcker, Einsatz von Insektiziden sowie in jüngerer Zeit moderne
Fassadenbauweisen und Hygienevorschriften der intensiven Landwirtschaft machen den
Mehl- und Rauchschwalben zu schaffen: Sie finden oftmals keinen lehmigen Boden zum Bau
ihrer Nester mehr, können ihre Nester an den glatten Fassaden nicht befestigen – oder sind
sogar der Nachstellung durch den Menschen ausgesetzt, weil Hausbesitzer die Nester nicht
dulden und abschlagen.
Mit diesem Artenporträt möchte ich ihnen diesen „Luftakrobaten“ einmal näher vorstellen
und kann sie damit vielleicht ein wenig anregen etwas für die immer seltener werdende
Rauchschwalbe zu tun. Sei es durch das Anbringen von Nisthilfen oder Einrichten von
Lehmpfützen o. Ä.
Systematik:
Ordnung: Passeriformes - Sperlingsvögel
Unter Ordnungen: Passeres - Singvögel
Familie: Hirundinidae - Schwalben
Unter Familie: Hirundininae - Eigentliche Schwalben
Gattung: Hirundo
Unterarten: Hirundo rustica transitiva; Hirundo rustica savignii; Hirundo rustica gutturalis;
Hirundo rustica tytleri; Hirundo rustica saturata; Hirundo rustica erythrogaster;
Namen:
Englisch: Barn Swallow
Französisch: Hirondelle de cheminée
Italienisch: Rondine
Holländisch: Boerenzwaluw
Verbreitung der Art: Nordafrika und Eurasien vom Nordatlantik ostwärts bis Kamtschatka,
Kurilen, Japan, Riukiu-Inseln und Taiwan, nordwärts bis Island, in Europa bis in die N Taiga,
in Sibirien bis 65–66°N am Jenissej, zur Unteren Tunguska, 63°N an der Lena, etwa 65°N an
der Kolyma und etwa 62°N in Ostsibirien. Die südliche Arealgrenze zieht sich in Asien von
Jordanien zur Nordküste des Persischen Golfes und des Golfes von Oman, nach Pakistan und
in den Himalaja, dann von Assam durch Südchina bis Taiwan. Von den unwirtlichen
Hochländern Inner- und Ostasiens bleiben Tibet, Sikiang und der äußerste Süden der
Mongolei unbesiedelt. In Nordamerika vom S Alaska und einer vom S Yukon ostsüdostwärts
ins S Quebec und S Neufundland verlaufenden Linie bis ca. 20° N in Mexiko.
Die europäischen Rauchschwalben überwintern in Mittel- und Südafrika. Asiatische
Winterquartiere gibt es in Indien und im Iran.
Beschreibung: Die Rauchschwalbe ist etwa 19 bis 22 Zentimeter lang, davon entfallen zwei
bis sieben Zentimeter auf die Schwanzspieße. Das Gewicht während der Brutzeit beträgt bei
Männchen zwischen 16,1 und 21,4 Gramm, Weibchen wiegen zwischen 16 und 23,7 Gramm.
Die Flügelspannbreite beträgt 32 bis 34,5 cm. Männchen: Stirn, Kinn und Kehle tief
kastanienrot, die seitlichen Ränder des Stirnflecks über die Zügel bis zum oberen Augenrand
verlängert. Die Zügel sind samtschwarz. Restlicher Kopf und ganze Oberseite metallisch
dunkelblau mit individuell unterschiedlich starkem, violettem Glanz. Die Grundfarbe der
Federn auf dem Oberkopf ist dunkelgrau bis graubraun, am Hinterkopf von der Federbasis her
zunehmend heller werdend, im Nacken und auf dem Vorderrücken bis zur Hälfte der Feder
weiß, gegen den Bürzel zu wieder einem Dunkelgrau weichend. Die Unterseite mit breitem,
unterschiedlich stark glänzendem, schwarzbraunem Brustband, dessen mittlere Federn oft
rötlich gesäumt sind. Restliche Brust, Bauch und Flanken weißlich-rahmfarben bis hell rostrot
getönt. Unterschwanzdecken vielfach etwas dunkler, die längsten zuweilen mit schwarzem
Schaftstrich oder (braun)schwarzen Abzeichen. Schwanz schwarzbraun mit grünem Glanz.
Hand- und Armschwingen, Handdecken und Alula schwarzbraun mit flaschengrünem bis
schwach bläulichem Schimmer vorwiegend auf der Außenfahne. Schirmfedern und Große
Armdecken auf der Außenfahne metallisch dunkelblau, auf der Innenfahne mehrheitlich
schwarzbraun. Mittlere Armdecken und Randdecken wie die Schulterfedern metallisch
dunkelblau. Weibchen: Wie Männchen, Brustband aber im Allgemeinen weniger, oft
überhaupt nicht glänzend. Schnabel schwarz, bei frisch flüggen Vögeln an der Basis des
Unterkiefers gelb. Die Füße und Krallen sind schwarz, die Iris dunkelbraun.
Der vom Männchen sowohl im Flug als auch auf Warten vorgetragene Reviergesang ist ein
angenehmes, rasch fließendes, melodisches Zwitschern mit vielen obertonreichen Elementen
und oft sehr kurzen Pausen zwischen den einzelnen Strophen. Hauptsächlich in Anwesenheit
eines Weibchens endet er mit einem lang gezogenen, hellen Triller. Im Sitzen können
Männchen fast anhaltend bis zu 10 min singen. Ähnlich, aber etwas gleichförmiger, klingt der
von Männchen und Weibchen sowie Jungvögeln (ab 5. Woche nach dem Ausfliegen)
vorgebrachte leisere Zwitschergesang (Subsong), dem der Schlußtriller fehlt.
Biotop: Ursprünglich wohl in offenen, von größeren Säugern besiedelten Landschaften, in
Gewässernähe als Höhlen- und Außenbrüter an Löß- und Felsabbrüchen, Felswänden,
Steilküsten u.ä., wobei die Rauchschwalbe vor allem in niedrigen, vom Wasser
ausgewaschenen Uferhöhlen, Halbhöhlen und Nischen im Wandfuß (oft über dem Wasser)
brütet. Solche Vorkommen finden sich noch heute vereinzelt auf der Balkanhalbinsel und in
Zentralasien. Die Rauchschwalbe ist aber fast überall Kulturfolger geworden und nistet
hauptsächlich in Ställen, ferner in Scheunen und Wohnhäusern, in geringerem Maße auch in
anderen Gebäuden, mitunter an Brücken, Schleusen, in Minen, Brunnenschächten usw. Am
dichtesten sind Einzelgehöfte und kleinere, stark bäuerlich geprägte Dörfer mit
Großviehhaltung besiedelt. Bei steigender Einwohnerzahl und zunehmender Verstädterung
mit gleichzeitiger Abnahme der Bauernbetriebe wird die Dichte geringer. Großstädtische
Bereiche werden normalerweise gemieden. Vereinzelte Vorkommen in Stadtzentren
beschränken sich auf größere Parks (z.B. Zoologische Gärten) oder von Grünanlagen
gesäumte Flüsse, mitunter Bahnhofareale, Altbauten und Industriebetriebe. Rauchschwalben
jagen zu einem großen Teil in unmittelbarer Nestnähe und benötigen hier offene
Grünflächen. Als Jagdräume bedeutungsvoll werden bei schlechtem Wetter Obstgärten,
Windschutzstreifen und Waldränder mit ihrem günstigen Mikroklima. Die Präsenz von
Wasser (notfalls sehr kleiner Flächen) ist nicht nur zur Wasseraufnahme, sondern auch als
Nahrungsreservoir unerlässlich. Jagt während und vor allem außerhalb der Brutzeit, besonders
bei Schlechtwetter, oft in großen Scharen über Seen, Flüssen und Weihern.
Fortpflanzung: Geschlechtsreife zu Ende des 1. Lebensjahres, doch brüten nicht alle
Einjährigen. Die Monogame Saisonehe ist die Regel, Bigynie scheint aber nicht allzu selten
zu sein. Die geringe Lebenserwartung lässt jedenfalls jährliche Neuverpaarung überlebender
Partner zur Regel werden. Innerhalb einer Saison führt gewöhnlich nur der Verlust des
Partners zu Neuverpaarung. Inzuchtpaarungen zwischen Eltern und Nachkommen sind
mehrfach belegt, werden aber in der Regel als Folge der unterschiedlichen Ortstreue Ein- und
Mehrjähriger vermieden. Gesang und Flugbalz erfolgt unmittelbar nach Ankunft am Brutort.
Die Paarbildung kann sehr zügig vonstatten gehen, denn oft erscheinen Partner gleichzeitig
am Brutplatz und erwecken beim Beobachter den Eindruck, verpaart eingetroffen zu sein oder
gar lebenslanger Bindungen. Frühankömmlinge können bei kalter Witterung für einige Tage
wieder verschwinden und Gewässer aufsuchen. Die zeitigsten am Brutplatz eintreffenden
Vögel sind fast ausschließlich mehrjährig und größtenteils Männchen. Die Ankunft
der Brutpopulation eines Dorfes zieht sich gewöhnlich über 4–6, nicht selten bis 8 Wochen
hin. Spätheimkehrer sind vorwiegend Einjährige, unter ihnen kann es bis Mitte Juli zu
Verpaarungen kommen. Das früher verbreitete und namengebende Nisten in offenen Kaminen
und Rauchfängen gehört heute mit diesen weitgehend der Vergangenheit an. An deren Stelle
sind dauernd zugängliche Räume landwirtschaftlicher Gebäude, hauptsächlich Ställe
(vorzugsweise Rindvieh), daneben Scheunen, Hausflure, Küchen, Wasch- und Wohnräume,
auch Schuppen, Hühnerhöfe, Zwinger u. a. getreten. In geringerer Zahl, aber regelmäßig und
lokal zunehmend nicht (mehr) landwirtschaftlich genutzte Gebäude, wie Fabrikhallen,
Lagerräume, Werkstätten, Garagen und Vorbauten und Unterstelldächer aller Art. Solche
Standorte sind oft bereits Übergänge zu reinen Außenbruten an Gebäuden, Schleusen o. ä.
Außen- und Brückennester sind offenbar im Küstenbereich der Nordsee häufiger als im
Binnenland. Die Nester werden in Räumen entweder frei an Wände, Stützen oder Dachbalken
geklebt oder auf Balken, Mauervorsprünge, Leitungen, Lampen usw. aufgesetzt.
Nistbrettchen werden bereitwillig angenommen und sind besonders in modernen Ställen mit
ungegliederten, glatten Wänden oder in trockenen Sommern nützlich. Die meisten Nester
liegen in schnellen An- und Abflug ermöglichender Tür- oder Fensternähe, doch sind
andererseits komplizierte Flug- oder Kriechmanöver erfordernde Standorte nicht allzu selten.
Außennester werden meist auf Fassadenleisten und Laternen aufgesetzt oder unter Mauer-,
Balkon- und Dachvorsprüngen, seltener in Mauerlöchern oder Wildem Wein. Das Nest wird
aus mit Speichel durchsetzten, meist lehmigen Erdklümpchen, welche beim Eintragen die
Form der Schnabelhöhle annehmen und mit dem spitzen Ende gegen unten gerichtet
aneinandergesetzt werden, dadurch erhält das Nest seine Textur. Hauptsächliches Bindemittel
ist der Speichel, doch werden zur Verstärkung Pferdehaare, Gras- und Heuhalme, selten auch
festere Reiser eingewoben, die über 30 cm lang sein, unordentlich aus dem Nest abstehen und
die irdene Grundstruktur verdecken können. Lokal können bis 14% der Nester aus Rindermist
bestehen oder Baustoffe wie Schlämmkreide, Tang und Torfmull verwendet werden. Die
geglättete Nestmulde wird mit Federn (weiße scheinen oft bevorzugt zu werden), Haaren oder
feinem Gras und feinen Wurzeln ausgekleidet. Mitunter werden alte Nestfragmente von
Mehlschwalben übernommen und ausgebessert, in seltenen Fällen auch Nester von Amsel,
Singdrossel, Hausrotschwanz, Rotkehlchen, Grauschnäpper und Haussperling, bei welchen in
der Regel nur die Verstärkung des Randes mit Lehm erforderlich ist. Bereitwillig nehmen
Rauchschwalben auch Kunstnester an. In der Regel finden 50–95% der Bruten in bereits
bestehenden Anlagen statt, besonders die mehrjährigen Schwalben sind daran in hohem Maße
beteiligt. Das Männchen kann vor Ankunft des Weibchens mit dem Nestbau beginnen,
normalerweise setzt dieser aber mit abgeschlossener Paarbildung ein und dauert etwa 8–12
Tage, wovon 2 auf die Auspolsterung entfallen. Bei nasskaltem Wetter kann er unterbrochen
werden und ausnahmsweise bis 4 Wochen in Anspruch nehmen, bei trockener Witterung mit
Mangel an feuchtem Lehm bleibt der Bau trotz Mehraufwand dünnwandig und schlecht
gefugt. Beide Partner bauen zu gleichen Teilen, insbesondere bei der Auskleidung beschränkt
sich das Männchen aber oft auf eine passivere Rolle. Für ein Nest werden etwa 750–1400
Klümpchen benötigt die zu ihrer Beschaffung zurückgelegte Wegstrecke wurde auf 220 km
berechnet. In seltenen Fällen baut jeder Partner ein Nest, dasjenige des Männchens kann dann
als Schlafplatz dienen. Die Eier sind in der Regel oval, mitunter lang spitzoval, fast glanzlos
mattweiß mit mäßig dunkel rost- bis hellbraunen, selten auch hell rötlichbraunen oder fast
schwarzen Flecken und Tupfen. Die Gelegegröße beträgt meist 3–6 Eier. Die Eiablage erfolgt
manchmal bereits in die noch unausgekleidete Nestmulde normalerweise 2–3, nicht selten erst
etwa 7 Tage nach Beendigung des Nestbaues. Niederschlagsperioden bewirken
Unterbrechungen von bis zu 3 Wochen. Obwohl hohe Tagestemperaturen in der Regel das zur
Eibildung benötigte Nahrungsangebot begünstigen scheinen sie nicht unbedingt
beschleunigenden Einfluss auszuüben. Zeitigste Eiablage in Mittel- und Westeuropa
gewöhnlich nach dem 20. April. Die Rauchschwalbe macht 1–3 Jahresbruten. Die Brutdauer
beträgt in Mitteleuropa normalerweise 13–16 Tage. Die Nestlingszeit ist stark
witterungsabhängig, häufig 20–24 Tage mitunter unter 18 oder bis 29 Tage. Ausnahmsweise
waren Junge bereits mit 15–17 Tagen flügge. Nach dem Ausfliegen werden die Jungen noch
einige Tage gefüttert.
Nahrung: Größtenteils geflügelte Insekten. Fast stets dominieren Fliegen und Mücken, in
Afrika Moskitos, weitere wichtige Gruppen sind Zikaden, Blattflöhe und Blattläuse, Ameisen,
Schlupfwespen, Käfer und in geringerem Umfang kleinere Schmetterlinge, in Afrika auch
Termiten. Stachelbewehrte Insekten wie Bienen und Wespen sind wohl wegen zu
aufwändiger Bearbeitung wenig beliebt, werden aber nicht völlig gemieden, sondern
bisweilen schadlos auch an Junge verfüttert. Eine Vielzahl von Arthropoden, darunter auch
flügellose oder nicht fliegende wie Wasserläufer, an Fäden schwebende Spinnen und
Schmetterlingslarven oder hüpfende Heuschrecken, wird im Flatterflug von Pflanzen, Mauern
o. ä. abgelesen bzw. vom Boden oder von der Wasseroberfläche aufgenommen. Höchst selten
können bei Nahrungsmangel pflanzliche Bestandteile Bedeutung erlangen. Die Art nimmt
jedoch regelmäßig Kalzium (Mollusken, Eischalen) und wohl auch andere Mineralien in
Form von Erdklümpchen, Mörtel, Holzstückchen, Kiesel u. a. auf und verfüttert solche auch.
Literaturquellen:
U. N. Glutz von Blotzheim, K. M. Bauer „Handbuch der Vögel Mitteleuropas“ Vogelzug
Verlag
www.Nabu.de
www.wikipedia.org
AZ Lexikon
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Seele and Geist
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