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LESERFORUM
Freie Presse
Weihnachten 2014
KOLUMNE
Dialog
erwünscht
VON GRIT STRIETZEL
grit.strietzel@freiepresse.de
J
uhu Streik! So lautete die Überschrift über meiner ersten Kolumne „Unter uns“, die regelmäßig montags auf Seite Kind & Kegel
erscheint. Das ist mehr als zwei Jahre her. Es ging um den Streik der Lehrer in Sachsen und den damit verbundenen späteren Unterrichtsbeginn wegen Stundenausfall. Es war
der Anfang vieler persönlicher Erlebnisse, die in der Zeitung ihren
Platz fanden. Und immer freue ich
mich, wenn Leser auf diese Zeilen
reagieren.
Da sind jene, die sagen: So war es
auch bei mir! Erinnerungen an gemeinsame Stunden mit den eigenen
Kindern werden beim Lesen wach,
als der Nachwuchs noch klein war
und ganz andere Aktivitäten anstanden als in der Pubertät. Oder jene Leser, die offen kundtun: Ich teile ihre
Meinung nicht! Und mir das erklären. Auch das macht Freude – nur so
lernt man die Sichtweisen anderer
im Dialog kennen. Denn Schreiben
ist ein einsames Geschäft.
Aber es gibt auch Zuschriften, die
beschimpfen den Autor. Diese Menschen wollen keinen Dialog, beharren auf der Richtigkeit ihrer Thesen
und sind für Gegenargumente nicht
mehr offen. „Da müssen Sie eben Ihre Pobacken mal zusammenkneifen“, schrieb eine Leserin, als ich
über den Bio-Rhythmus und die Müdigkeit beim morgendlichen Aufstehen berichtete.
Doch vor allem bleiben jene Reaktionen im Gedächtnis, die bewegen. Die Kolumne „Pflichtlektüre
Tod“ über die Frage, in welcher
Schulklasse welche Bücher gelesen
werden sollten, sorgte für ungeahnt
viele Reaktionen. Die einen argumentierten, dass 14-Jährige durchaus mit den Grausamkeiten des
1. Weltkrieges konfrontiert werden
könnten, andere plädierten dafür,
solche Erlebnisse wie im Buch „Im
Westen nichts Neues“ nicht vor der
10. Klasse zu behandeln. Ich hatte an
diesem Tag dutzende Anrufe entgegengenommen und alle Argumente
gehört. Doch dann klingelte das Telefon wieder. Ein älterer Herr rief an
und erzählte von seinen grausamen
Erlebnissen im Zweiten Weltkrieg,
die er als junger Spund machen
musste. Doch nicht nur seine Erzählungen bewegten mich, sondern
auch sein Fazit: Von den Grausamkeiten des Krieges sollte man der Jugend nichts erzählen, meinte er. Das
war eine völlig andere Reaktion, als
ich erwartet hatte. Doch der ältere
Herr erklärte auch, warum. Die Verrohung des Menschen in extremen
Situationen könnten „Außenstehende“ niemals nachvollziehen, argumentierte er. Und sehr junge
Menschen sollten davon nichts wissen, war er überzeugt. Dieses Telefonat ist mir besonders im Gedächtnis
geblieben, weil es deutlich macht:
Das Leben kann überraschen.
Auch künftig wird es in der Kolumne „Unter uns“ streitbare, lustige, liebenswerte und lebensbejahende Erlebnisse aus dem Alltag geben.
Und wenn Sie, liebe Leser, gleicher
oder anderer Meinung sind, zögern
Sie nicht, das mitzuteilen. Es gibt
kein Richtig oder Falsch. Das Leben
mit Kindern ist ein grandioses
Abenteuer – und aus meiner Sicht,
das Beste, was einem passieren
kann.
Frohe Weihnachten!
HINWEIS
Die Redaktion behält sich vor, Leserbriefe sinnwahrend zu bearbeiten.
Leserbriefe geben stets die Meinung
ihres Verfassers und nicht die der Redaktion wieder. E-Mails müssen die
vollständige Adresse enthalten. Anonyme Zuschriften werden grundsätzlich nicht veröffentlicht.
Briefkasten
Freie Presse, Ressort Chef vom Dienst
Postfach 261
09002 Chemnitz.
Fax: 0371/656-17041
E-Mail: leserbriefe@freiepresse.de
Seite B1
Ukraine-Krise macht Angst
Zum Einspruch „Wieder
Krieg in Europa? Nicht in
unserem Namen“ und zur
Erwiderung „Friedenssicherung statt Expansionsbelohnung“ haben uns
diese Leser geschrieben.
Zum Artikel „Projekte gegen
Schulabbruch“ hat die Redaktion diese Meinung einer Leserin
erreicht:
Gemeinsam statt gegeneinander
Die Ukraine-Krise macht uns Angst.
Die grundsätzliche Aufteilung oder
Zuordnung von Gut und Böse hat
noch nie etwas gebracht! Jeder
macht Fehler. Es ist nur wichtig, immer wieder einen friedlichen Weg
der Gemeinsamkeit zu finden. Deshalb ist es gut, wenn viele Menschen, hier zum Beispiel 60 Politiker,
Wissenschaftler und Künstler, darauf hinweisen, dass eine Entspannung mit Russland dringend erforderlich ist. Nur mit Russland gemeinsam kann es ein friedliches Europa geben.
Familie Gottschalk, Chemnitz
Sanktionen helfen nicht
Ich bin 75 Jahre alt und in Chemnitz
ausgebombt worden. Vor den Trümmern des Hauses stehend, habe ich
den Krieg kennengelernt. Dass ich
dieses Inferno überlebt habe, ist ein
Zufall. Die Bundesregierung sollte
den Umgang mit Russland schnell
korrigieren. Russland gehört an den
Verhandlungstisch in Sachen Ukraine und Krim – und nicht in die Ecke
gestellt. Die Sanktionen gegen Russland treffen uns alle; damit kann
man die Probleme nicht lösen.
Gunter Reimann, Chemnitz
Keine Experimente
Der Appell kommt hoffentlich noch
rechtzeitig und findet die erforderliche Beachtung. Meine Großeltern
und Eltern mussten um zu Überleben 1945 aus ihrer Heimat vor Krieg
und Front flüchten und konnten nie
wieder zurück. Die Stimmen der
Zeitzeugen, die wissen, was Krieg
für Deutschland gegen Russland
brachte, werden leiser, aber nur, weil
sie älter werden. Ich wünsche mir,
dass die Stimme der Unterzeichner
laut genug ist, um gefährliche Experimente mit unseren Nachbarn im
Osten zu verhindern.
Norbert Werner, Großschirma
Auf Verhandlungen setzen
Die Unterzeichner des Appells kann
ich hundertprozentig unterstützen.
Schulabbruch
ist eine Frage
der Erziehung
Russische Kampfpanzer im Einsatz: Der ukrainische Präsident Poroschenko wirft Russlands Militär im August einen
FOTO: SERGEI CHIRIKOV/DPA/ARCHIV
Einmarsch in sein Land vor.
Jeder zehnte Schüler in Sachsen verlässt die Schule ohne Abschluss –
das ist eine Anzahl, die sich mit dem
hochgelobten Schulsystem unseres
Bundeslandes so gar nicht verträgt.
Projekte gegen Schulabbruch sind
sicher gut und richtig, aber die Weichen gegen Schulabbruch werden
im Elternhaus gestellt. Hier sollten
Kinder im Rahmen einer liebevollen, aber sehr konsequenten Erziehung eine positive Arbeitseinstellung erwerben, zu einem gewissen
Ehrgeiz angespornt werden und Unterstützung erhalten. Genau das
fehlt vielen Kindern in der Schule:
Respekt vor klaren Ansagen der Lehrer oder anderer erwachsener Menschen, Höflichkeit sowie die Einsicht, dass es Regeln gibt. Wenn Lehrer erst einmal damit beschäftigt
sind, in der Schule die vermasselte
Erziehung ihrer Schüler nachzuholen, kann man sich vorstellen, dass
für das Lernen – das eigentliche Ziel
der Bildungseinrichtung – wenig
Zeit bleibt.
Susanne Pfeiffer-Sachse, Geringswalde
Osteuropa-Experten streiten über den Umgang mit Russland
Mehr als 60 Persönlichkeiten aus
Politik, Kultur und Medien plädieren
Anfang Dezember in dem Aufruf „Wieder Krieg in Europa? Nicht in unserem
Namen“ für eine neue Entspannungspolitik auf dem Kontinent – und fordern in der Ukraine-Krise zum Dialog
mit Russland auf. Zu den Unterzeichnern gehören der ehemalige Kanzler-
berater Horst Teltschik (CDU) und die
frühere Bundestagsvizepräsidentin
Antje Vollmer (Grüne).
Seit langem betrachte ich mit Sorge,
wie sich langsam ein neuer Kalter
Krieg entwickelt – Kampf um die
Neuaufteilung der Welt. Die Strippen werden in Nordamerika gezogen und Europa lässt sich vor den
Karren spannen, der ins Verderben
führt. Die Souveränität Russlands
und die der Europäischen Staatengemeinschaft verträgt keine Belehrungen und Bevormundungen. Jede
Einmischung in die inneren Angelegenheiten bei sensiblen Themen
kann zu ernst zu nehmenden Konflikten führen. Es gibt wahrlich genügend Gewaltpotenzial in der
Welt; Deeskalation ist das einzige
vernünftige Mittel. Lieber unzählige
Verhandlungen führen, statt sich
einzumischen, lieber Vertrauen aufbauen statt Wirtschaftssanktionen
zu verhängen.
Wolf-Peter Lorenz, Plauen
Von über 100 deutschsprachigen
Osteuropa-Experten folgte vor wenigen Tagen eine Erwiderung auf den
Aufruf, gefordert wird eine realitätsbasierte statt illusionsgeleitete Russ-
Deutschland ist in der Pflicht
Von unserem Land als dem wirtschaftlich stärksten in der Mitte Europas, mit einer beispiellos positiven Entwicklung in den letzten
Jahrzehnten, sollten in der gegenwärtigen politischen Situation Impulse zu einer dauerhaft friedlichen
Entwicklung ausgehen – und das
viel stärker noch als bisher. Für
Deutschland, als Ausgangspunkt
von zwei furchtbaren Weltkriegen
im letzten Jahrhundert mit millionenfach unsäglichem Leid und
landpolitik. „Dem Export der illiberalen Gesellschaftsvorstellungen des
Kremls in die EU sollte in unserem eigenen Interesse entgegengewirkt
werden“, heißt es darin. Zu den Unterzeichnern zählen Martin Schulze
Wessel (Osteuropa-Historiker) und
Hans-Georg Wieck (Ex-Diplomat, früherer BND-Präsident). (fp)
Schrecken, muss es verpflichtend
sein, heute an vorderster Stelle zu
stehen, wenn es darum geht, friedensstiftend und friedenssichernd
zu wirken.
Wolfgang Reyer, Schöneck
Innerrussische Angelegenheit
Überaus peinlich berühren mich die
letzten Äußerungen der Bundeskanzlerin im Bezug auf Russland.
20 Millionen Tote im 2. Weltkrieg –
ein
völkerrechtswidriger
Akt
Deutschlands! – gegen den die Annektion der Krim eine Bagatelle und
innerrussiche Angelegenheit ist, die
ohne ausländische Einmischung
politisch lösbar gewesen wäre.
Christine Hanke, Werdau
KURZ UND KNAPP
Zu Berichten über das Ende von
„Wetten, dass ...?“:
Man hätte damals, nach dem Unfall
von Samuel Koch, Peter Imhof von
„MDR um 4“ zwecks Moderation fragen sollen. Der ist ähnlich locker,
schlagfertig und charmant wie Thomas Gottschalk. Mit Markus Lanz
konnte es nur schief gehen. Schade
um diese wirklich schöne Sendung.
Auf den Privatsendern ist keine Alternative in Sicht.
Kai Vogt, Freiberg
Zu Berichten über den Hauptstadt-Flughafen BER:
Nachdem nun Milliarden verschwendet und immer noch keine
Eröffnung in Sicht ist, hat man doch
festgestellt, dass der neue Flughafen
jetzt schon zu klein bemessen ist.
Für den Steuerzahler bleibt da nur
die Hoffnung, dass die verantwortlichen Politiker endlich den Stecker
ziehen. Wir haben schon unweit
von Berlin, in Sachsen, zwei gut ausgebaute Flughäfen
Peter Barthel, Chemnitz
Wieso findet der Protest in Dresden statt?
Zu den Berichten über die
zuwanderungskritische
Pegida-Bewegung in
Dresden haben uns auch
diese Leserbriefe erreicht.
Ich schäme mich für Pegida
Weihnachten steht vor der Tür. Das
Fest der Besinnung, dem man nachsagt, dass es die Herzen weit macht.
Wenn ich mich zurzeit in unserem
Land umschaue, dann sehe ich leider viel zu häufig kleine, knorpelige
und steinharte Herzen. Menschen
gehen zu Tausenden auf die Straße,
weil sie angeblich Angst vor Überfremdung und Islamisierung haben – in einem Freistaat, wo der Anteil muslimischer Menschen verschwindend gering ist. Ich schäme
mich dafür, dass diese Bewegung in
Sachsen ihren Anfang genommen
hat. Und ich bin davon überzeugt,
dass die Mehrzahl der Demonstranten noch nicht mit ausländischen
Bürgern gesprochen oder den Kontakt zu Flüchtlingen gesucht hat.
Das ist nicht nur schade, sondern
auch ignorant. Denn hinter der großen Masse von Migranten, Flücht-
lingen und Ausländern im Allgemeinen verbergen sich Menschen.
Menschen wie du und ich, Menschen mit Gefühlen und Erlebnissen, die sich aus unterschiedlichen
Gründen – leider oft ganz schrecklichen – dafür entschieden haben, ihre Heimat und ihre Familie zu verlassen, um ein sicheres, menschenwürdiges oder einfach nur besseres
Leben zu führen. Sollten wir nicht
versuchen, die Menschen kennenzulernen und mit ihnen zu sprechen? Kirstin Eberhardt, Annaberg-B.
Das Volk sollte abstimmen
Fremdenfeindlichkeit entsteht in
Deutschland durch eine Politik, welche Zuwanderung im großen Maßstab forciert, ohne die Meinung der
Gesamtbevölkerung zu respektieren. Die überwiegende Anzahl repräsentativer Bevölkerungsumfragen zur Zuwanderungsproblematik
zeigt, dass es keine Mehrheit in der
Bevölkerung gibt, welche sich für eine weitere Zuwanderung ausspricht. Um das Entstehen von
Fremdenfeindlichkeit zu verhindern, ist es notwendig, dass über die
Zuwanderungspolitik in demokratischen Volksabstimmungen mehrheitlich entschieden wird. Denjeni-
der Demonstrationen, dass sie brave
CDU-Wähler sind. Und das lässt nur
einen Schluss zu: die Menschen lassen sich ohne nachzudenken instrumentalisieren. Nein, ich will die Demonstranten nicht in die rechte
Ecke stellen. Aber jeder, der sich informieren möchte, wird feststellen,
dass die Hintermänner von Pegida
eben nicht bloß einfache, besorgte
Bürger sind. Und wer sich von diesen Anführern den Mund gegenüber den Medien verbieten lässt,
zeigt sich als willfähriges Werkzeug.
Jochen Bonitz, Limbach-O.
Unter dem Motto „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ protestieren seit Wochen Tausende in Dresden. FOTO: A. BURGI/DPA/ARCHIV
gen Menschen mit Migrationshintergrund, welche schon in Deutschland mit Aufenthaltsgenehmigungen leben, muss eine Zukunftsperspektive geboten werden, genauso
wie allen anderen benachteiligten
Menschen, welche hier bei uns und
mit uns zusammenleben.
Jan Weigmann, Rosenbach
Protest ohne nachzudenken
Mich beschäftigt eine Frage: Wieso
Dresden? Ich war neulich in Bonn,
da war jede zweite Frau auf der Stra-
ße verschleiert. Und ich hatte nicht
das Gefühl, dass irgendjemand ein
Problem damit hatte. Warum findet
der Protest in Dresden statt, wo eine
verschleierte Frau auf der Straße eine Ausnahme ist? In ganz Sachsen
gibt es etwa 8000 Menschen aus islamischen Staaten. Und die jagen uns
so eine Angst ein, dass schon doppelt so viele Menschen auf die Straße gehen? Man muss zugeben, dass
die deutsche Ausländerpolitik für
viele Menschen ein Reizthema ist.
Ich unterstelle vielen „Mitläufern“
Unsere Kultur bewahren
Als häufiger Urlauber in Sachsen habe ich für die Anliegen der PegidaAnhänger
volles
Verständnis.
Schließlich ist es wünschenswert,
dass die sächsischen Städte ihren
deutschen und christlich-abendländichen Charakter behalten. Oder
soll es in Dresden auch bald so aussehen wie in Frankfurt, Köln oder
Duisburg? Die Ängste vor Überfremdung und schrittweiser Islamisierung sind bittere Wirklichkeit.
Ich freue mich über den großen Zuspruch der Demonstrationen und
erkläre meine Solidarität.
Rolf Plewka, Rostock
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