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Intelligenz-Struktur-Test - ResearchGate

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Zeitschrift für Psychiatrie, Psychologie und Psychotherapie, 62 (3), 2014, 225–226
Klinische Untersuchungsverfahren
Intelligenz-Struktur-Test
Franz Petermann
Zentrum für Klinische Psychologie und Rehabilitation der Universität Bremen
Testart
Testdurchführung bei Jugendlichen und Heranwachsenden
erleichtert.
Der bekannte Intelligenz-Struktur-Test liegt seit 2012
in einer Screeningform für die Altersgruppe der 15- bis
30-Jährigen vor. Es handelt sich um eine Papier-BleistiftTestfassung, die besonders ökonomisch zur Abschätzung
der Intelligenz herangezogen werden kann. Die Bearbeitung der drei Untertests «Analogien», «Zahlenreihen» und
«Matrizen» benötigt knapp 30 Minuten. Aus diesen drei
Untertests ist ein Gesamtwert «Schlussfolgerndes Denken» bestimmbar. Es sind Aussagen für den IQ-Bereich
von 70 bis 130 möglich, wobei durch eine größere Anzahl
leichter Aufgaben eine gute Differenzierung im unteren
IQ-Bereich möglich wird.
Das Verfahren IST-Screening ist als Einzel- und Gruppentest durchführbar. Es liegen sehr präzise Testinstruktionen für die äquivalenten Parallel-Formen A und B vor.
Die Testmappe enthält neben dem Manual mit den Normtabellen (= 56 Seiten) je zwei Testhefte A und B, jeweils
15 Antwortbogen A und B, 15 Ergebnisprofile und die
Auswertungsschablonen A und B (Liepmann, Beauducel,
Brocke & Nettelnstroth, 2012).
Anwendungsbereich
Selbstverständlich sind Intelligenztests in verschiedenen
Bereichen, von der Personalpsychologie bis zur Psychiatrie, anwendbar. So ist etwa gerade bei Präventionsprogrammen mit Jugendlichen eine grobe Einschätzung
der kognitiven Fähigkeiten und Potenziale erforderlich
(vgl. Laakmann, Schultheiß, Petermann & Petermann,
2013). Ein Hauptvorbehalt in der klinischen Praxis besteht vor allem darin, den mit der Durchführung verbundenen hohen Zeitaufwand zu rechtfertigen, wobei sich
die Anwendung von Intelligenztests im kinder- und jugendpsychiatrischen Bereich weitgehend etabliert hat
(vgl. Jantzer, Parzer, Lehmkuhl & Resch, 2012; Petermann, 2006).
Das IST-Screening kann für 15- bis 30-Jährige in Schule und Ausbildung sehr gut angewandt werden. Aufgrund
der großen Tradition mit dem IST im deutschen Sprachraum sind die geforderten Testleistungen zwar weitgehend
den Testpersonen vertraut, was möglicherweise jedoch die
DOI 10.1024/1661-4747/a000199
Testdurchführung
Das Vorgehen ist im Manual auf zwei Seiten sehr präzise
beschrieben; die Rahmenbedingungen (incl. bei Gruppentestungen) werden hinreichend benannt.
Auswertung und Interpretation
Es wird darauf hingewiesen, dass die drei Untertests Facetten der verbalen, numerischen und figuralen Intelligenz erfassen (vgl. Rost, 2013) und für die Untertests im
Anhang altersspezifische Normen für Gymnasiasten und
Nicht-Gymnasiasten abgedruckt sind. Zudem existieren
Normen für den Gesamtwert «Schlussfolgerndes Denken». Die Auswertung erfolgt mit Hilfe einer Schablone,
wobei die richtigen Aufgabenbearbeitungen für jeden Aufgabentyp zu einem Summenwert addiert werden. An drei
Fallbeispielen wird das Vorgehen erläutert und jeweils das
dazugehörige Auswertungsprofil abgedruckt.
Testnormierung
Die Normierung basiert auf 2005 Personen für Form A und
1464 Personen für Form B; die Daten wurden zu 60 % aus
den Stadtstaaten Berlin und Bremen gewonnen. Süddeutsche Bundesländer fehlten in der Normierungsstichprobe.
Weiterhin konnte der Zeitpunkt, zu dem die Normen gewonnen wurden, nicht dem Manual entnommen werden.
Da die Reliabilität der Items teilweise gering ausfiel, wurden entsprechende Konfidenzintervalle für die IST-Screening-Untertests berechnet (Standardwert-Normen mit dem
Mittelwert 100, SD 10). Es werden Standardwerte für
– 15- bis 16-jährige Gymnasiasten
– 17- bis 18-jährige Gymnasiasten
– 19- bis 20-jährige Gymnasiasten
– 21- bis 25-jährige Gymnasiasten
– 26- bis 30-jährige Gymnasiasten
– 15- bis 20-jährige Nicht-Gymnasiasten
Z. Psychiatr. Psychol. Psychother. 62 (3) © 2014 Verlag Hans Huber, Hogrefe AG, Bern
226
F. Petermann: Intelligenz-Struktur-Test
– 21- bis 25-jährige Nicht-Gymnasiasten
– 26- bis 30-jährige Nicht-Gymnasiasten
angegeben; weiterhin Kennwerte für drei Fünfjahres-Intervalle der Gesamtstichprobe. Anhand einer weiteren Tabelle kann man Standardwerte in Prozentränge und IQ-Werte
umrechnen.
Gütekriterien
Diese Kriterien werden auf wenigen Seiten des Manuals
angegeben. Die Cronbachs Alpha-Werte der Untertests
«Analogien» und «Matrizen» fallen mit .74 bzw. .72 sehr
niedrig aus. Die entsprechenden Test-Retest- bzw. Paralleltest-Kennwerte können als positiv eingeschätzt werden.
Die Trennschärfekoeffizienten liegen bei .20 bzw. .46; die
Autoren diskutieren die Kennwerte selbstkritisch und für
alle Untertests in getrennter Weise. Die Validitätsstudien beziehen sich eher auf sehr alte Intelligenztests (z. B.
HAWIE-R) und auf Daten im Kontext des I-S-T 2000R.
Kritik
Das IST-Screening stellt ein besonders ökonomisches Verfahren zur globalen Erfassung der Intelligenz bei Jugendlichen und Heranwachsenden dar. Die Tatsache, dass das
Verfahren als Einzel- und Gruppentest (Papier-BleistiftTest) durchführbar ist, kann zudem positiv bewertet werden. Als problematisch kann die Zusammenstellung der
Normstichprobe angesehen werden, da keine Daten aus
Süddeutschland erhoben wurden. Zudem bleibt der Zeitpunkt, zu dem die Normierungsstichprobe erhoben wurde,
unklar. Da das Alter von Testnormen bei Intelligenztests
von besonderer Relevanz ist (vgl. Daseking & Petermann,
2013), muss angemahnt werden, dass diese Informationen
von Seiten der Testautoren bald «nachgeliefert» werden
sollten.
Literatur
Daseking, M. & Petermann, F. (2013). Analyse von Querschnittsdaten zur Intelligenzentwicklung im Erwachsenenalter: eine
Studie zur deutschsprachigen Version der WAIS-IV. Zeitschrift für Neuropsychologie, 24, 149–160.
Jantzer, V., Parzer, P., Lehmkuhl, U. & Resch, F. (2012). Neuere
Entwicklung zur Diagnostik psychischer Störungen. Kindheit
und Entwicklung, 21, 198–207.
Laakmann, M., Schultheiß, J., Petermann, F. & Petermann, U.
(2013). Zur Wirksamkeit des JobFit-Trainings – ein Vergleich
zwischen Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund.
Zeitschrift für Psychiatrie, Psychologie und Psychotherapie,
61, 189–196.
Liepmann, D., Beauducel, A., Brocke, B. & Nettelnstroth, W.
(2012). IST-Screening. Intelligenz-Struktur-Test. Göttingen:
Hogrefe.
Petermann, F. (2006). Intelligenzdiagnostik. Kindheit und Entwicklung, 15, 71–75.
Rost, D.H. (2013). Handbuch Intelligenz. Weinheim: Beltz.
Prof. Dr. Franz Petermann
Zentrum für Klinische Psychologie und Rehabilitation
der Universität Bremen
Grazer Strasse 6
28359 Bremen
Deutschland
fpeterm@uni-bremen.de
Z. Psychiatr. Psychol. Psychother. 62 (3) © 2014 Verlag Hans Huber, Hogrefe AG, Bern
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