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VR International
Nummer 10 | Oktober 2014
Ländersteckbrief Katar | Seite 6
Chancen für die deutsche Wirtschaft in Indien | Seite 10
Neue Seidenstraße: vom Duisburger Hafen nach China | Seite 11
Afri
Reihe 2014: Afrika
ka
Trendstudie Afrika 2025
Einer der innovativsten Denkfabriken, der 2b AHEAD ThinkTank, widmet
eine Trendstudie dem Nachbar-Kontinent. Die Zusammenfassung der
wichtigsten Aussagen.
Sechzehn der derzeit am schnellsten
wachsenden Ökonomien der Welt liegen
in Afrika. Schon heute wächst die Wirtschaft in den afrikanischen VorreiterStaaten dynamischer als in Asien. Angola
hat dabei bessere Wachstumsraten als
China und lieh seiner früheren Kolonialmacht Portugal Geld in Zeiten der Krise.
In zahlreichen afrikanischen Ökonomien
werden wir in den kommenden Jahren
ein massives Wachstum sehen.
Afrika wird von international agierenden Unternehmen bereits heute als
kommender Markt wahrgenommen. In
den jeweiligen afrikanischen Gesellschaften entwickeln sich kaufkräftige
Mittelschichten, und immer mehr junge,
gut ausgebildete Menschen suchen ihre
berufliche Zukunft nicht in Europa oder
in den USA, sondern in ihrer Heimat. Im
Jahr 2025 werden afrikanische Ökonomien anders bewertet werden müssen.
Sie sind dann nicht mehr nur peripher
als Rohstofflieferant und Absatzmarkt
billiger Produkte in den globalen Wirtschaftskreislauf eingebunden. Sondern
als aktive Player, Produktionsstandorte
und enorme Absatzmärkte. Unsere StuVR International
Neue Dynamik in Afrika. Die Menschen sehen wieder eine Zukunft – auch durch
Bildung.
die benennt die wesentlichen, heute
bereits prognostizierbaren, strategischen Treiber für die Entwicklungen in
Afrika bis zum Jahr 2025.
Was hat den kenianischen Ministerpräsidenten Raila Odinga vor nicht allzu langer Zeit zu der Aussage veranlasst, dass er
die Olympischen Spiele 2024 nach Kenia
1
Im Fokus
Nummer 10 | Oktober 2014
Gigant. Der Gigant ist gerade im Begriff
aufzuwachen.
Mögliche Entwicklung
der afrikanischen Wirtschaft
Zukunftsmetropole: Die äthiopische Hauptstadt Addis Abeba ist Sitz der UN-Wirtschaftskommission für Afrika und des Hauptquartiers der Afrikanischen Union.
holen will? Es zeugt von grenzenlosem
Optimismus und neuem Selbstvertrauen.
China blickt nach Afrika
Inzwischen erreicht China Wachstumszahlen, die das Land in eine missliche
Lage bringen könnten. Nicht zuletzt
auch deswegen forciert China sein „GoWest“-Programm, um die industrielle
Lücke zwischen Ost und West zu schließen. Es kommt also nicht von ungefähr,
dass China nach neuen Möglichkeiten
sucht, um seinen eigenen Wirtschaftsmotor am Laufen zu halten. Sei es durch
billige Rohstoffeinkäufe oder eben neue
Absatzmärkte. Und China tut einiges,
um neue Märkte zu erschließen – mehr
noch: um neue Märkte zu schaffen.
China investiert riesige Summen in Afrika, in seine Rohstofflieferanten, in
zukünftige Absatzmärkte und ebenso in
seine zukünftigen Produktionsstandorte. Unter den Experten ist es inzwischen
unbestritten, dass chinesische Unternehmen über kurz oder lang in Afrika in
großem Maßstab produzieren werden.
Kurz und mittelfristig zwar keine Hightech-Produkte, aber Lowtech, deren
Produktion personalintensiver ist.
Karawane zieht weiter
Der Grundgedanke ist simpel und
logisch: Wenn eigene Märkte gesättigt
sind, suchen Unternehmen nach neuen
Möglichkeiten. Die Attraktivität der
2
Schwellenländer als Produktionsstandorte dürfte mit den steigenden Löhnen
und den steigenden Ansprüchen der
dortigen Arbeitnehmer sinken. Dass auf
lange Sicht nicht jedes afrikanische Land
an die asiatischen Produktionsländer
heranreichen kann, ist vielen Experten
bewusst. Dennoch werden Märkte für
Maschinen, für die Automobilindustrie,
den Energiesektor, den IT-Sektor und alle
anderen Branchen geschaffen. Damit
einhergehend steigt auch der Konsum.
Zudem öffnen sich die Türen für
Investoren. Afrika ist der letzte Kontinent, der noch keine Industrialisierung
im westlichen Sinn erlebte. Nun entdecken vornehmlich die Schwellenländer
den afrikanischen Kontinent für sich und
Afrika sieht an ihnen, wohin die Reise
gehen kann. Es ist nicht mehr die Frage,
ob Afrika abseits der Rohstoffgewinnung konkurrenzfähig werden kann,
sondern eigentlich nur noch: Wann?
Vom Umbruch
zum Wirtschaftsaufschwung
Dass sich Afrika in den letzten zehn Jahren so rasant entwickelt hat, liegt
hauptsächlich am Rohstoffhunger der
westlichen Welt und der Schwellenländer und an der besseren Politik vieler
afrikanischer Regierungen. Immer größer wird der Anteil der Bevölkerung in
fast allen afrikanischen Ländern, der
vom wirtschaftlichen Aufschwung profitieren kann. Afrika ist ein schlafender
Die Mehrzahl der befragten Experten
sieht einen nachhaltigen Wirtschaftsaufschwung in Afrika. Unter der Vielzahl
der afrikanischen Länder heben sich einige besonders hervor. So ist Kenia bei vielen Experten eines der attraktivsten Länder. Auch Nigeria, allein schon wegen
der Größe des Marktes, erscheint vielen
Experten als zukünftiges Schwergewicht
der afrikanischen Wirtschaft. Angola
wird vielfach wegen seines Rohstoffreichtums genannt. Ghana ist auf dem
Sprung, obwohl hier für manche Experten noch das Risiko überwiegt.
Langfristig ist der wirtschaftliche
Ausblick positiv. Dennoch ist es in den
Augen der meisten Experten kein Hype,
der Afrika derzeit erfasst hat.
Mittelschicht und wachsender
Konsum
Seit 1980 ist die afrikanische Mittelschicht
um 200 Prozent gewachsen, von 100 auf
300 Millionen Menschen. Und jährlich
wächst die Mittelschicht weiter, um fünf
Millionen Menschen. Glaubt man den
Berechnungen der African Development
Bank, wird sich die Anzahl der Mittelschicht bis 2060 auf 1,2 Milliarden belaufen. Bis 2060 ist es noch lange hin, aber
schon im Jahr 2020 soll die Kaufkraft dieser Mittelschicht auf 1.400 Milliarden USD
steigen, so das McKinsey Global Institute.
Die Mehrzahl der zur Mittelschicht
gehörenden Menschen ist unter 40 Jahre alt. Ein nicht ganz unwichtiger Fakt,
gelten junge Menschen doch als konsumfreudiger und neuen Technologien
aufgeschlossener.
Interessanterweise machen die Experten von McKinsey den Konsumbereich für 45 Prozent des Wirtschaftswachstums verantwortlich. Damit hat
der Konsum für die wirtschaftliche Entwicklung Afrikas mehr Bedeutung als
der Rohstoffabbau erlangt, so die
McKinsey-Studie weiter.
Neue Dynamik in Afrika
Mittlerweile wurde Afrika von einer
neuen, eigenen Dynamik erfasst. AusVR International
Im Fokus
Nummer 10 | Oktober 2014
schlaggebend ist dafür auch die Tatsache, dass die Menschen wieder eine
Zukunft in Afrika sehen. Neue Technologien werden in einigen Teilbereichen
eine größere Rolle spielen als in Europa.
Der Wandel in Afrika macht sich auch
auf politischer Ebene bemerkbar. Eine
neue politische Generation bestimmt
immer mehr die Geschehnisse. Dies hat
auch mit der wachsenden Bedeutung
von Zivilgesellschaft zu tun, welche sich
immer mehr global vernetzt. Bildung ist
zwar noch die Achillesferse für die Wirt-
schaft und der Fortschritt auf diesem
Sektor teilweise noch recht überschaubar, aber die Ambitionen mancher Länder sind in dieser Hinsicht recht deutlich.
Möglichkeiten für den
deutschen Mittelstand
Die beschriebene Entwicklung der afrikanischen Ökonomien bringt Wachstum
in eine Vielzahl von Branchen. Zwar
scheinen manche attraktiver als andere,
doch viele werden ihre eigene Erfolgsgeschichte schreiben. So zum Beispiel
die Energiebranche, der Gesundheitssektor oder die Rohstoffgewinnung.
Ganz bestimmt aber der Agrarsektor,
dessen Wert im Jahr 2030 laut dem
World Economic Forum ein Volumen von
1.000 Milliarden USD haben soll.
Für diese Studie haben wir uns dennoch auf drei Branchen konzentriert:
Maschinen- und Anlagenbau, Automobilbranche und die Informations- und
Kommunikationsbranche.
Wie macht man am besten Geschäfte in Afrika?
Es gibt viele gute Gründe, schon jetzt in Afrika aktiv zu werden.
Zum einen kann man sich dadurch einen zeitlichen Vorsprung
erarbeiten, zum anderen bieten manche Länder schon jetzt Nischen
für einige Branchen. Die meisten Experten haben exakt dieselben
zwei Worte benutzt, um die Frage zu beantworten, was man in
Afrika braucht: langen Atem.
Eigene Hürden überwinden
Die erste Hürde besteht darin, Afrika als
unternehmerisches Ziel wahrzunehmen.
Wissenslücken müssen geschlossen und
Vorurteile abgebaut werden. Es ist
wichtig, den Markt zu analysieren und
die richtigen, angepassten Strategien zu
entwickeln.
Vertrauen als gemeinsame Basis
Leisten Sie einen Vertrauensvorschuss.
Verhandeln Sie auf Augenhöhe. Laden
Sie ihre Geschäftspartner in eine Produktionsstätte nach Deutschland ein. Schaffen Sie damit Transparenz, Vertrauen
und eine Verständnis für die Arbeit, das
Sie in ihre Produkte investieren.
Zeit ist entscheidender Faktor
In Afrika Geschäfte zu machen, geht
nicht von heute auf morgen. Manchmal
kann es zwei oder mehr Jahre dauen, bis
sich die Investition von Zeit und Geld
wirklich rentiert. So ist es nicht unüblich,
sich mehrere Male zu treffen, bevor es
überhaupt zu einem Geschäftsabschluss
kommt.
Passen Sie Ihre Produkte an
Manch ein Markt in Afrika hat noch
nicht die Substanz, die finanziellen
Mittel und nicht den Bedarf an Anlagen
VR International
mit großen Kapazitäten. Bringen Sie die
Bedürfnisse und den Bedarf in Erfahrung. Erarbeiten Sie mit den Kunden
passende Lösungen.
Das richtige Personal finden
und an sich binden
In Afrika ist es nicht leicht, hoch qualifiziertes Personal zu finden. Der große
Schwung an hoch qualifizierten Akademikern und Facharbeitern kommt erst
noch. In 2025 wird sich dies bemerkbar
machen. Bieten Sie Perspektiven durch
Weiterentwicklung, Aufstiegschancen
und faire Bezahlung.
stand stellen. Haben Sie die richtigen
Partner gefunden, dann machen Sie klare und verbindliche Absprachen.
Risiken vermeiden
Ein großes Problem stellt die Finanzierung dar. Vergewissern Sie sich also, ob
der Kunde solvent ist. Wenn Sie
unschlüssig sind: Starten Sie einen Versuchsballon mit einem Geschäft von
kleinerem Umfang.
Weitere Informationen:
Die ausführliche Studie ist als Download
nach Angabe des Namens und weiterer,
weniger Angaben zu beziehen unter:
www.2bahead.com  Studien
Autoren
Sven Gábor Jánszky
Direktor
Carsten Hesse
Trendforscher
Seien Sie vor Ort
Der persönliche Kontakt ist maßgeblich
für den Erfolg ihrer unternehmerischen
Tätigkeit. Zeigen Sie Präsenz. Sie müssen
viele Hände schütteln, um Geschäftskontakte zu bekommen.
Partner suchen und finden
Suchen Sie sich einheimische Partner,
deren Portfolio durch ihre Produkte
sinnvoll ergänzt werden können.
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2b AHEAD ThinkTank GmbH
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3
Märkte & Chancen
Nummer 10 | Oktober 2014
Vietnam: Baubranche bietet Geschäftschancen
Vietnamesische Bauherren sind zunehmend qualitätsbewusst und aufgeschlossen für neue Techniken. Prestigeprojekte wie Museen, Ministerien und
Bankgebäude benötigen den Einsatz
ausländischer Bauplanung und -techniken. Auch für deutsche Unternehmen
bestehen Geschäftschancen. Die Delegation der Deutschen Wirtschaft bietet
eine umfassende Beratung und Unterstützung beim Auf- und Ausbau von
Geschäftstätigkeiten. Bei der Formulierung von komplexen Verträgen sollte
auf jeden Fall auch eine Rechtsberatung
eingeholt werden. Nord- und Südviet-
nam unterscheiden sich: Die nordvietnamesischen Kunden gelten als sparsam
und konservativ, wobei sie eher die Baukosten und weniger die Betriebskosten
im Auge haben. Der Süden ist privatwirtschaftlicher orientiert und qualitätsbewusster, heißt es. Andererseits will
die Hauptstadt Hanoi gegenüber der
erfolgreicheren Wirtschaftsmetropole
Ho-Chi-Minh-City aufholen. Ein staatlicher Masterplan möchte die Hauptstadt bis 2030 zu einer der modernsten
Städte in Asien entwickeln. Die Prestigeprojekte (Museen, Ministerien, Büros
öffentlicher Banken) benötigen den Ein-
satz ausländischer Bauplanung und
-techniken. Auftragschancen bieten
ebenfalls Projekte der öffentlichen Entwicklungszusammenarbeit. Größte multilaterale Geber sind Weltbank und Asian Development Bank (ADB), die regelmäßig Pakete an Beratungs- und Bauleistungen international und transparent ausschreiben.
Weitere Informationen:
Delegation der Deutschen
Wirtschaft in Vietnam:
www.vietnam.ahk.de
Chile: Regierung investiert in Gesundheitsbranche
Der öffentliche Sektor in Chile setzt starke Impulse in der Gesundheitsversorgung. 20 bis 25 Prozent des jährlichen
Gesundheitsbudgets von insgesamt
knapp 10 Milliarden USD sind allein in
2014 für medizinische Ausrüstung vorgesehen. Die größten Summen fließen
in den Bau von neuen Krankenhäusern
und in die Modernisierung von bestehenden. Gute Absatzchancen haben
Anbieter von Medizintechnik. Da Chile
in diesen Bereichen kaum über eine
nationale Industrie verfügt, sind ausländische Lieferanten essenziell. Einige chilenische Privatkliniken haben sich als Ziel
Regierungsgebäude in Santiago de Chile.
4
des Gesundheitstourismus in Lateinamerika etabliert. Mehr als 850 Behörden,
darunter auch die Regionalregierungen,
wickeln alle Einkäufe über das Portal
ChileCompra ab, auf dem sich Firmen
registrieren können. Das elektronische
Verfahren ist laut Regierung so transparent, dass ausländische Anbieter die
gleichen Bedingungen vorfinden wie
chilenische. Die Deutsch-Chilenische
Handelskammer hat die Plattform Pool
empresas Health made in Germany
gegründet, um die Marke „made in
Germany“ weiter zu etablieren Weitere
Ziele sind die Stärkung der Position
Deutschlands als weltweit führender
Anbieter von Technologie, Ausrüstung
und Dienstleistungen, die Unterstützung
der Mitglieder beim Ausschreibungsverfahren sowie Marketingmaßnahmen.
In Santiago hat das Fraunhofer-Institut die erste Außenstelle in Lateinamerika aufgebaut. Die Präsenz soll den
Transfer von Wissen und Technologie
fördern und als Brücke zwischen Wissenschaft und Unternehmen beider Länder
dienen. Die Aufgabe des „Fraunhofer
Chile Research“ liegt darin, die chilenisch-deutsche Kooperation und den
Technologietransfer in den angewandten Wissenschaften in Lateinamerika
weiterzuentwickeln. Weitere Bereiche
neben der Medizintechnik sind Solarenergie, Biotechnologie sowie Smart
Cities.
Weitere Informationen:
Firmenpool „Pool empresas Health
made in Germany“:
Deutsch-Chilenische Industrie- und Handelskammer, Jenny Katharina Büssgen,
0056 2 2203 53 2046,
jbuessgen@camchal.cl,
http://chile.ahk.de
Fraunhofer Chile Research,
Dr. Wolfgang Schuch,
wolfgang.schuch@fraunhofer.cl,
www.fraunhofer.cl
ChileCompra, Zentrale Plattform für
Beschaffungen des öffentlichen Sektors:
www.chilecompra.cl
VR International
Nummer 10 | Oktober 2014
Internetportal: Messetipps für Aussteller
Der AUMA – Ausstellungs- und MesseAusschuss der Deutschen Wirtschaft hat
für die Vorbereitung auf die Messebeteiligung von Ausstellern eine Website
mit Tipps, Checklisten, Messedaten und
Software online gestellt. Die AUMAToolbox stellt in vier Kapiteln alles
Wesentliche für die Teilnahme von
Unternehmen an Messen zusammen.
Der Bereich „Messe fit“ zeigt den Weg
durch alle Phasen der Messevor- und
-nachbereitung – kompakt und übersichtlich in zehn Schritten. Im Bereich
„MessePlan“ kann der Nutzer seine Aus-
wahl an Messen zusammenstellen und
mit Statistiken seinen persönlichen Messeplan anlegen. Der „MesseNutzen
Check“ als dritter Bereich greift die
finanziellen Aspekte der Messebeteiligung auf. Mit dieser Software können
Aussteller Kosten und Nutzen der Messeteilnahme gegenüberstellen und
ermitteln. Dazu stehen auch Lernvideos
zur Verfügung.
Weitere Informationen:
www.auma.de  Toolbox
Freihandelsabkommen Schweiz – China:
Präferenznachweise
Zwischen China und der Schweiz
besteht seit dem 1. Juli 2014 ein bilaterales Freihandelsabkommen mit vielen
Besonderheiten. Bei der Einfuhr in die
Schweiz im Rahmen des Abkommens ist
nun immer ein in China ausgestelltes
„Certificate of Origin used in FTA
between CHINA and Switzerland“ vorzulegen.
Es muss den Sichtvermerk von „China Council for the Promotion of International Trade“ (CCPIT) tragen. Andere
Stellen wurden seitens Chinas bislang
nicht zur Anbringung des Sichtvermerks
autorisiert. Eine Aufteilung des Zertifikats/Ausstellung von Ersatzzeugnissen
durch Zollbehörden in der EU ist nicht
möglich.
Weitere Informationen:
Kostenloses Download der
Guideline: www.icc-deutschland.de
 Regeln/Richtlinien  Verhaltensrichtlinien  Verhaltenskodex
Geschäftschancen 2014/15
Veranstaltung:
Geschäftsanbahnungsreise
Branche: IT- und Telekommunikationstechnik
Land: Südkorea
Termin: 9. bis 13. Februar 2015
Anmeldung: www.oav.de
Veranstalter: OAV – German Asia-Pacific Business Association, Deutsch-Koreanische Industrie- und Handelskammer
Informationen:
OAV, Norman Langbecker,
040 35 75 59-15, langbecker@oav.de
Veranstaltung:
Informationsveranstaltung
Branche: breiter Ansatz – rund um
Logistik und Infrastruktur
Land: Mongolei
Termin: 24. November 2014
VR International
Anmeldung: www.oav.de
Veranstalter: OAV – German Asia-Pacific Business Association, IHK Frankfurt
am Main
Informationen: OAV, Emrah Camli,
040 35 75 59-14, camli@oav.de
Veranstaltung:
Geschäftsanbahnungsreise
Branche: Transport, Energie, Landwirtschaft, Wasser/Abwasser.
Land: Ghana
Termin: 8. bis 11. Februar 2015
Anmeldung:
www.traide.de  Exportförderung
Veranstalter: trAIDe, Royal HaskoningDHV, VDMA, GWP, Vbl
Informationen: trAIDe,
Torsten Fried, 0221 39780315,
torsten.fried@traide.de
MESSETIPPS
AUSPACK
Australian Packaging Machinery Exhibition
Die AUSPACK – Australian Packaging
Machinery Exhibition – findet vom 24. bis
27. März 2015 in Melbourne, Australien,
statt. Branchenschwerpunkte sind Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen
(Branche 61), Angebotsschwerpunkte Verpackungsmaschinen, Verpackungsmaterial
und Verpackungstechnik.
Kontakt:
Exhibition & Trade Fairs
Unit 7, 68-72 Lilyfield Road
Sydney Office Rozelle NSW 2031
0061 29556-7999
info@etf.com.au
www.etf.com.au
Ecobuild
Internationale Messe für umweltverträgliches Bauen
In London, Großbritannien, startet am
3. März 2015 die Ecobuild Internationale
Messe für umweltverträgliches Bauen. Die
Messe geht bis zum 5. März 2015. Branchenschwerpunkte sind Bautechnik, Baustoffe, Baumaschinen, Innenausbau (Branche
09), Umwelt und Klimaschutz (Branche 86),
Angebotsschwerpunkte Abfalltechnik, Architektur, Baubeschläge, Bauen, Bausysteme,
Bautechnik, Beleuchtungstechnik, Dienstleistungen, Energieeinsparung, Erneuerbare
Energien, Farben, Fenster, Glasbau, Heizungstechnik, Innenbeleuchtung, Innovationen, Lüftungstechnik, Neue Werkstoffe,
Recycling, Technologien, Türen, Umweltschutz, Wandverkleidungen und Wasserwirtschaft.
Kontakt:
ECM Expo & Conference Management
Katharinenstraße 8
10711 Berlin
030 617843-40
info@ecm-berlin.de
www.messe.ecm-berlin.de
Ländersteckbrief
Nummer 10 | Oktober 2014
Katar
Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern des Nahen Ostens kann das innenpolitische Konfliktpotenzial in Katar derzeit als gering eingestuft werden. Eine
hohe innenpolitische Stabilität zeigte
sich im Juni 2013 bei der Machtübergabe des seit Juni 1995 amtierenden Emirs
Hamad bin Khalifa Al Thani an seinen
Sohn Tamim bin Hamad Al Thani.
Politische Lage
Eine grundsätzliche Änderung der
Innen- und Außenpolitik Katars durch
den neuen Emir ist nicht zu erwarten.
Obwohl die politischen Partizipationsmöglichkeiten der einheimischen Bevölkerung eingeschränkt sind, lassen sich
gegenwärtig keine Anzeichen für das
Erstarken einer politischen Protestbewegung erkennen. Die innenpolitische
Stabilität Katars kann nicht zuletzt auf
ein hohes Maß an staatlichen Transferleistungen für katarische Staatsbürger
zurückgeführt werden.
Katar verfolgt eine sehr aktive
Außenpolitik, die sich mitunter deutlich
von den übrigen Mitgliedern des Gulf
Cooperation Council (GCC) Bahrain,
Kuwait, Oman, Saudi-Arabien und Vereinigte Arabische Emirate abgrenzt. So
unterstützt Katar im Gegensatz zu den
anderen GCC-Staaten die ägyptischen
Muslimbrüder sowie deren palästinensi-
sche Partnerorganisation Hamas. Aus
Protest gegen diese politische Allianz
zogen Bahrain, Saudi-Arabien und die
Vereinigten Arabischen Emirate im März
2014 ihre Botschafter aus Katar ab. Darüber hinaus finanzierte Katar in den vergangenen Jahren islamische Oppositionsbewegungen in verschiedenen arabischen Ländern wie beispielsweise
Syrien, Libyen und Tunesien. Die Anliegen der Protestbewegung im Nachbarland Bahrain lehnt Katar hingegen ab.
Die Skyline von Doha, der Hauptstadt Katars. Der Wüstenstaat hat nach Russland und Iran mit
einem Anteil von 14 Prozent die weltweit drittgrößten Erdgasreserven.
6
Katar beherbergt den wichtigsten Luftwaffenstützpunkt der USA innerhalb
der Golfregion. Zwar unterhält Katar
engere diplomatische Beziehungen zu
Iran als die meisten übrigen Staaten der
arabischen Halbinsel. Dennoch ist eine
militärische Eskalation des internationalen Konflikts um das iranische Atomprogramm weiterhin der größte außenpolitische Risikofaktor Katars.
Wirtschaftsstruktur
Die katarische Volkswirtschaft wird
in hohem Maße durch den Erdöl- und
Erdgassektor geprägt. So entfielen im
Jahr 2013 gut 54 Prozent der nominalen
BIP-Wertschöpfung auf die Öl- und Gasproduktion. Eine hohe Bedeutung von
Einnahmen aus dem Öl- und Gasexport
zeigt sich zudem im öffentlichen Haushalt, so im Fiskaljahr 2012/13 mit 62,5
Prozent der Staatseinnahmen und auch
im Außenhandel Katars. Hier waren es
91,7 Prozent der Exporte. Während die
Ölproduktion bereits im Jahr 1949 aufgenommen wurde, baute Katar die Förderung von Erdgas sowie die hierauf
aufbauende Produktion von Flüssigerdgas (Liquified Natural Gas/LNG) erst seit
Mitte der 1990er-Jahre massiv aus. So
exportierte Katar im Jahr 1997 erstmals
LNG, avancierte jedoch bereits 2006
VR International
Ländersteckbrief
Nummer 10 | Oktober 2014
Nützliche Adressen
Außenhandel der Bundesrepublik Deutschland mit Katar
(in Millionen EUR)
Jahr
Deutsche Ausfuhr
Deutsche Einfuhr
Saldo
2011
1.009
903
106
2012
1.170
724
447
2013
1.257
762
494
Botschaft der Bundesrepublik
Deutschland
Doha No. 6 Al-Jazeera Al-Arabiya
Street,
Fereej Kolaib, Doha.
Quellen: Statistisches Bundesamt, Wiesbaden; Außenhandel, Fachserie 7
00974 44 08 23 00
zum weltweit größten Exporteur. Langfristig ist weiterhin von einem hohen
Volumen an LNG-Exporten auszugehen,
da Katar durch das Offshore-Gasfeld
North Field über knapp 15 Prozent der
weltweit nachgewiesenen Erdgasreserven verfügt. Grundsätzlich nimmt der
katarische Staat eine sehr aktive Rolle im
Wirtschaftsleben Katars ein. Verschiede-
BIP. Eine hieraus resultierende Vielzahl
an Investitionsprojekten erhöhte den
Bedarf der katarischen Volkswirtschaft
nach
ausländischen
Arbeitskräften
deutlich. Als Folge dessen erhöhte sich
die Bevölkerungszahl Katars im Zeitraum 2000 bis 2013 von 0,6 auf 2 Millionen. Die Beschäftigungsstrukturen inländischer und ausländischer Arbeit-
info@doha.diplo.de
www.doha.diplo.de
Botschaft des Staates Katar
Hagenstraße 56
14193 Berlin
030-86 20 60
www.katar-botschaft.de
Delegation der
Deutschen Wirtschaft in Katar
Global Business Centre II, 2nd floor,
C-Ring Road,
Doha
00974 44 31 11 52
info@ahkqatar.com
www.ahkqatar.com
Öl- und Gasförderanlagen in der Wüste Katars.
ne Sektoren der katarischen Volkswirtschaft werden durch staatliche Unternehmen sowie Joint Ventures zwischen
der katarischen Regierung und internationalen Firmen dominiert.
In diesem Zusammenhang kann insbesondere auf den Erdöl- und Erdgassektor (Qatar Petroleum), die verarbeitende Industrie (Qatar Petrochemical
Company, Qatalum) sowie auf verschiedene Dienstleistungssektoren (Qtel,
Qatar National Bank, Qatari Diar, Qatar
Airways) verwiesen werden. Nicht
zuletzt als Folge deutlich gestiegener
staatlicher Investitionsausgaben befindet sich das gesamtwirtschaftliche
Investitionsvolumen Katars seit Beginn
der 2000er-Jahre auf einem hohen
Niveau. Die durchschnittliche gesamtwirtschaftliche Investitionsquote lag
von 2000 bis 2013 bei 33,8 Prozent des
VR International
nehmer weisen hierbei weiterhin große
Unterschiede auf. So entfällt die
Beschäftigung ausländischer Arbeitnehmer in erster Linie auf die Bauwirtschaft, den Handel, Haushaltsdienstleistungen sowie die verarbeitende Industrie. Dagegen stellt die öffentliche Verwaltung den mit Abstand wichtigsten
Arbeitgeber für katarische Staatsbürger
dar.
Wirtschaftslage
und Wirtschaftspolitik
Das Wirtschaftswachstum Katars hat sich
seit dem Jahr 2012 abgeschwächt,
befindet sich aber weiterhin auf einem
im weltweiten Vergleich hohen Niveau.
Gegenwärtig kann für das Jahr 2014 von
einem Anstieg des realen BIP von 6,4
Prozent ausgegangen werden. Dagegen
betrug das durchschnittliche jährliche
Realwachstum von 2002 bis 2011 sehr
hohe 14,1 Prozent. Der Rückgang des
Wachstums in den vergangenen Jahren
liegt in erster Linie darin begründet, dass
der katarische Staat die in den Vorjahren
forcierte massive Ausweitung der LNGProduktion seit dem Jahr 2012 vorerst
aussetzte. Weitere LNG-Produktionsausweitungen sind gegenwärtig erst
nach Abschluss einer Untersuchung zum
Produktionspotenzial neuer Erdgasför-
Die fünf größten Banken
(Bilanzsumme in Millionen USD)
Qatar National Bank
121.837
Commercial Bank of Qatar
31.075
Qatar Islamic Bank
21.251
Doha Bank
18.405
Masraf Al Rayan
18.282
Quelle: Bankscope
7
Ländersteckbrief
Nummer 10 | Oktober 2014
Hauptimportgüter Katars 2013
(Prozent der Gesamteinfuhr)
Maschinen
16
Straßenfahrzeuge
13
Elektrische Maschinen
10
Luftfahrzeuge
5
Metallwaren
5
Quelle: Comtrade
Obwohl ein baldiges Ende des Erdöl- und Erdgasbooms nicht abzusehen ist, werden
Investitionen in die Wirtschaftsbereiche Sport, Finanz und Bildung getätigt.
derprojekte innerhalb des Offshore-Gasfeldes North Field im Jahr 2015 geplant.
Die größten Wachstumsimpulse gingen
in den vergangenen Jahren von der Bauwirtschaft, der verarbeitenden Industrie,
dem Finanzsektor sowie dem Immobiliensektor aus. Ein sehr wichtiger Faktor
für das weiterhin hohe Realwachstum
außerhalb des Erdöl- und Erdgassektors
sind massive staatliche Investitionen in
die öffentliche Infrastruktur wie Hamad
International Airport oder New Doha
Port sowie mitunter auch in die Produktionskapazitäten staatlicher Unternehmen. So stiegen die Staatsausgaben in
den Jahren 2001 bis 2013 inflationsbereinigt um mehr als das Sechsfache.
Auch für die kommenden Jahre kann
von einer unverändert expansiven Fiskalpolitik ausgegangen werden. Der IMF
beziffert das geplante Volumen staat-
licher Infrastrukturinvestitionen im Zeitraum 2014 bis 2021 (Lusail City, DohaMetro, Stadien Fußball-Weltmeisterschaft 2022 u. a.) auf sehr hohe 160
Milliarden USD. Gegenwärtig befindet
sich die Inflationsrate auf einem moderaten Niveau (3,1 Prozent in 2013).
Mittelfristig könnte eine unverändert
expansive Fiskalpolitik jedoch mit einem
deutlichen Anstieg der Teuerungsrate
einhergehen. Trotz einer starken Ausweitung der Staatsausgaben erzielte
Katar seit dem Jahr 2000 durchweg Budgetüberschüsse als Folge deutlich gestiegener Exporterlöse für Rohöl und LNG.
Die Staatsverschuldung lag zum Jahresende 2013 lediglich bei 32,2 Prozent des
BIP. Hierbei ist jedoch zu beachten, dass
viele Investitionsprojekte nicht nur durch
den Staat, sondern über Kreditaufnahmen staatlicher Unternehmen bei in-
und ausländischen Geschäftsbanken
finanziert wurden. Als Folge dessen
erhöhte sich sowohl das Kreditwachstum katarischer Geschäftsbanken als
auch die Bruttoauslandsverschuldung
Katars merklich. Der gestiegenen Bruttoauslandsverschuldung von 150,1 Milliarden USD per 12/2013 stehen sehr hohe
Kapitalexporte gegenüber, da Katar als
Folge hoher Rohölpreise sowie gestiegener LNG-Exporte im vergangenen Jahrzehnt sehr hohe Leistungsbilanzüberschüsse erzielte, in 2013 38,4 Prozent
des BIP. Die genaue Einschätzung der
Auslandsvermögensposition Katars wird
dadurch erschwert, dass vonseiten des
Staatsfonds Qatar Investment Authority
keine Angaben zum Gesamtbestand an
Auslandskapitalanlagen veröffentlicht
werden. Ein Schwerpunkt der Wirtschaftspolitik ist die Förderung von Sektoren außerhalb der Erdölindustrie. In
diesem Zusammenhang verfolgt der
katarische Staat in erster Linie die Strategie, international bedeutsame Unternehmen in verschiedenen Sektoren mit teils
massiven Investitionsprogrammen aufzubauen. Exemplarisch kann hier auf die
staatliche Fluggesellschaft Qatar Airways
Eckdaten für den Export nach Katar
Bevölkerung:
1,8 Millionen Einwohner
Zolltarif:
Harmonisiertes System, jedoch auf GCCBasis. Verzollung nach Transaktionswert.
Maße und Gewichte:
Fläche:
11.500 km²
Einfuhrlizenzen:
Einfuhrlizenzen sind im Rahmen einer
„Open General Licence“ im Allgemeinen
nicht erforderlich. Für verschiedene
Waren (u. a. für Waren mit Ursprung in
Israel) besteht ein Einfuhrverbot.
Währungseinheit:
Zahlungsbedingungen und Angebote:
Unwiderrufliches, bestätigtes Akkreditiv
dringend empfohlen. Angebote in USD,
EUR, GBP oder andere konvertierbare
Währung.
3
Hauptstadt:
Doha
Korrespondenzsprachen:
Arabisch, Englisch
Zollflughäfen:
Doha, Ras Laffan, Umm Said
8
Metrisches System
1 Katar-Riyal (QR) = 100 Dirham.
ISO-Code: QAR8
Euler Hermes Länder-Klassifizierung:
* Auszug aus den „Importbestimmungen anderer
Länder“ 2012 sowie aus den „Konsulats- und
Mustervorschriften“ (40. Auflage, 2013/2014,
2.Nachtrag).
VR International
Ländersteckbrief
Nummer 10 | Oktober 2014
verwiesen werden, deren Flugzeugflotte
sich seit dem Jahr 1997 von vier auf
gegenwärtig 134 Flugzeuge erhöhte.
Beziehungen zur Bundesrepublik
Deutschland und zur EU
Deutschland ist ein wichtiger Handelspartner Katars. So stellte Deutschland
im Jahr 2013 das viertgrößte Lieferland
der katarischen Volkswirtschaft dar. Das
wichtigste Exportgut Deutschlands
waren hierbei Personenkraftwagen
(17,9 Prozent der deutschen Exporte
2013). Aufgrund des hohen Investitionsvolumens erhöhte sich die Importnachfrage der katarischen Volkswirtschaft
nach Kapitalgütern im vergangenen
Jahrzehnt merklich. So hat sich der
Gesamtwert der deutschen Exporte
nach Katar seit dem Jahr 2000 mehr als
verfünffacht. Da der katarische Staat für
die kommenden Jahre sehr hohe Infrastrukturinvestitionen
plant,
kann
weiterhin von einem hohen deutschen
Exportvolumen ausgegangen werden.
Die deutschen Importe aus Katar umfassen in erster Linie Rohöl (71,7 Prozent
der Importe 2013), derzeit jedoch kein
LNG. Dagegen haben sich die LNGImportvolumina einiger anderer europäischer Länder wie Großbritannien, Spanien, Italien und Frankreich in den vergangenen Jahren deutlich erhöht (z. B.
Großbritannien, Spanien, Italien, Frankreich). Als Folge deutlich gestiegener
LNG-Exporte weist Katar seit dem Jahr
2010 einen Handelsbilanzüberschuss
gegenüber der Europäischen Union auf
(2013: 1,8 Milliarden EUR).
Neben Rohöl- und LNG-Exporten
tritt Katar in den europäischen Volkswirtschaften auch über umfangreiche
Finanzinvestitionen in Erscheinung. So
erwarb der katarische Staat in den vergangenen Jahren über den Staatsfonds
Qatar Investment Authority sowie dessen Tochtergesellschaften wie Qatar
Holding Minderheitsbeteiligungen an
verschiedenen europäischen Unternehmen – beispielsweise Hochtief, Volkswagen oder Credit Suisse.
Entwicklungen in der Außenwirtschaft
Jahr
Leistungsbilanzsaldo
(Mio. USD)
Direktinvestitionen (netto)
(Mio. USD)
Währungsreserven
(ohne Gold/Mio. USD)
2011
51.987
–6.114
16.198
2012
62.335
–1.513
32.521
2013s
59.171
–8.861
41.601
2014p
54.303
–2.500
50.000
s = geschätzt p = Prognose
Quellen: International Monetary Fund, UNCTAD, eigene Schätzungen
Gesamtwirtschaftliche Entwicklung
Jahr
Bruttoinlandsprodukt
(real)
Inflationsrate
(Jahresdurchschnitt)
Haushaltsdefizit
(Prozent des BIP)
(Jahreswachstumsrate in Prozent)
2011
13,0
1,9
6,4
2012
6,2
1,9
9,5
2013s
6,1
3,1
11,1
2014p
5,9
3,6
7,6
s = geschätzt p = Prognose
Quellen: International Monetary Fund, eigene Schätzungen
sehr wichtiger Wachstumstreiber ist
hierbei ein hohes gesamtwirtschaftliches Investitionsvolumen. Dies führte im
vergangenen Jahrzehnt zu einer massiven Ausweitung der Produktionskapazitäten von Liquified Natural Gas (LNG)
sowie einem rapiden Wachstum verschiedener staatlicher Unternehmen
außerhalb des Erdöl- und Erdgassektors
wie Qatar Airways, Qatari Diar oder
Qatalum. Für die kommenden Jahre
plant der katarische Staat zudem sehr
hohe Infrastrukturinvestitionen. Trotz
einer sehr starken Ausweitung der
Staatsausgaben weist der katarische
Staat infolge deutlich gestiegener
Rohöl- und LNG-Exporteinnahmen seit
dem Jahr 2000 kontinuierlich Überschüsse im öffentlichen Haushalt auf.
Da Erlöse aus dem Export von Rohöl
und LNG weiterhin eine sehr wichtige
Einnahmenquelle im katarischen Staatshaushalt sind, stellt ein dauerhafter
Rückgang der Weltmarktpreise für
Rohöl und LNG langfristig das größte
Liquiditätsrisiko für den katarischen
Staat dar. Der größte außenpolitische
Risikofaktor ist weiterhin eine Eskalation
des internationalen Konflikts um das
iranische Atomprogramm.
Yesenn El-Radhi
DZ BANK AG
Aussichten
Die Wachstumsraten der
Volkswirtschaft befinden
eines Rückgangs seit dem
weiterhin auf einem hohen
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katarischen
sich trotz
Jahr 2012
Niveau. Ein
Stadionbau in der Wüste. Katar ist Ausrichter der Fußball-WM 2022.
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Interview
Nummer 10 | Oktober 2014
Neue Regierung in Indien:
Chancen für die deutsche Wirtschaft
Seit dem 16. Mai 2014 steht Narendra Modi mit seiner Bharatiya Janata Party an der Spitze der größten Demokratie der Welt.
Doch was bedeutet das für die deutsche Wirtschaft? Darüber sprach VR International mit Hermann Mühleck, Leiter des
EY German Business Center India.
VR International: Welche Perspektiven
bietet die neue Regierung deutschen
Unternehmen?
Hermann Mühleck: Indien zählte lange
Zeit zu den Shooting-Stars der jungen
Wirtschaftsländer. Doch diese Zeiten
schienen passé zu sein. Seit den starken
Finanzjahren hat sich das Wachstum bis
2013 auf unter 5 Prozent halbiert, die
Investitionen sind gesunken und die Inflation hat zeitweise ein Rekordniveau von
bis zu 10 Prozent erreicht. Auch machen
dem Land Bürokratie und Korruption zu
schaffen. Doch aus dem Shooting-Star ist
kein Falling-Star geworden: Narendra
Modi hat weitreichende Wirtschaftsreformen und den Abbau der Bürokratie versprochen und der Korruption den Kampf
angesagt. So sind die ehemals über 80
Ministerien mittlerweile auf unter 60 reduziert und ein Online-Tracking bei Genehmigungsverfahren, um die Transparenz zu
erhöhen, auf den Weg gebracht. Zudem
soll eine Steuerreform das Wachstum
ankurbeln. Denn es gibt in den indischen
Bundesländern noch unterschiedliche
Steuersysteme, sodass beispielsweise der
Warenverkehr innerhalb des eigenen Landes versteuert werden muss.
Werkbank, von der ausschließlich andere
Weltmärkte beliefert werden. Wer in
Indien investiert, hat primär auch den
indischen Markt im Blick. Viele Investoren
kommen nach Indien und entwickeln
eigene Produkte für den indischen Markt.
Die Innovationen, in den meisten Fällen
Neuentwicklungen, die der geringeren
Kaufkraft der Mittelschicht Rechnung tragen, sind oft so gut, dass sie anschließend
in Produkte für andere Weltmärkte einfließen. So ist die deutsche Automobilzulieferindustrie maßgeblich in die Entwicklung des Tata Nano – einem Auto für
1.500 EUR – involviert und die Innovationen fließen in die Entwicklung deutscher
Autos ein, das sogenannte Upsizing!
Deutsche Unternehmen investieren
übrigens primär in der Maschinen- und
Werkzeug- sowie der Autoindustrie,
wobei die deutschen Investitionen mit
6 Milliarden EUR in den letzten Jahren
relativ gering sind. Da gibt es bei Investitionen und Handel noch Luft nach oben,
so beschrieb es auf einer Veranstaltung
in unserem Haus Dirk Matter, Geschäftsführer der Deutsch-Indischen Handelskammer, denn die Bundesrepublik liegt
nur auf dem zehnten Platz.
VR International: Gibt es positive Entwicklungen?
VR International: Wie kommen deutsche Unternehmen an zuverlässige und
qualifizierte Fachkräfte?
Hermann Mühleck: Die Stärke Indiens
liegt in einem gigantischen Binnenmarkt
und der stetig wachsenden Kaufkraft.
Etwa 65 Prozent aller Inder sind zwischen
15 und 64 und knapp 30 Prozent unter
14 Jahre alt. Damit hat Indien eine der
jüngsten Bevölkerungen der Welt mit
einem riesigen Wachstumspotenzial,
wobei jedes Jahr etwa 13 Millionen Menschen auf den Arbeitsmarkt drängen.
Damit ist gerade für ausländische Investoren die Chance extrem gut, die „richtigen Menschen“ für ihre Produkte zu finden. Allerdings ist Indien aktuell kein
Investitionsstandort für eine verlängerte
Hermann Mühleck: Trotz der jährlichen,
etwa drei Millionen Studienabgänger ist
die Suche nach Fachkräften nicht einfach.
Ein exzellentes Beispiel für hochkarätige
Ausbildungszentren ist die im April 2013
gegründete Infosys Bertelsmann Foundation in Bangalore. Zusammen mit anderen
indischen und deutschen Unternehmen
haben hier der indische Software- und
der deutsche Mediengigant ein innovatives Ausbildungszentrum geschaffen, um
ihre zukünftigen Mitarbeiter mit den
Kompetenzen und Soft Skills auszustatten, die sie erwarten und brauchen. Die
speziellen Programme bilden nicht nur
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aus, sondern tragen auch zur Bindung an
das Unternehmen bei. Tobias Matthies
von Maier+Vidorno empfiehlt dabei, dass
Geld allein kein Garant für loyale Mitarbeiter ist. Wichtiger für die Mitarbeiterbindung in Indien – so sein Tipp – ist, dass
sich das Unternehmen um den Angestellten und seine Familie kümmert. Gerade
das zeigt, dass Indien seine eigenen
Gesetze und Spielregeln hat.
VR International: Wie sind die Erfolgsaussichten in Indien?
Hermann Mühleck: Der Markt in Indien
ist gigantisch, und die demografische Entwicklung ist für jedes Unternehmen ein
Plus, das unschlagbar ist. Der indische
Generalkonsul in München, M. Sevala
Naik, empfiehlt den Unternehmen, Markt
und Marktsegment genau zu analysieren,
eine passende Strategie zu entwickeln
und auf den Erfahrungen anderer aufzubauen. Dann würde man nach drei oder
vier Jahren erfolgreich sein. Er sieht für
deutsche Unternehmen enorme Entwicklungschancen – gerade jetzt mit der neuen Regierung.
Modi scheint uns der richtige Mann,
um die notwendigen Reformen nach vorne zu bringen und damit das Investitionsklima zu verbessern. Und einen Trumpf
hat er im Ärmel: den schlichtweg riesigen
Markt.
Autor
Hermann Mühleck
Executive Director
im Bereich „Financial
Accounting Advisory
Services“
Leiter des EY German
Business Center India
Prüfungs- und Beratungsunternehmen
EY
65760 Eschborn/Frankfurt am Main
06196 996 27369
hermann.muehleck@de.ey.com
www.ey.com
VR International
Von Praktikern für Praktiker
Nummer 10 | Oktober 2014
Neue Seidenstraße:
vom Duisburger Hafen nach China
Im Frühjahr markierte ein besonderes Ereignis einen neuen Abschnitt in der Entwicklung des weltweit größten Binnenhafens: Einer der drei mächtigsten Männer der Erde
war zu Besuch im Duisburger Hafen – Chinas Staatspräsident Xi Jinping, begleitet von
Vizekanzler Sigmar Gabriel und Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore
Kraft, begrüßte auf dem Logistikareal logport I die Ankunft des Container-Eisenbahnzuges mit einer der längsten durchgehenden Fahrstrecken auf dem Globus.
Mehr als 10.300 Kilometer legt der Zug
zwischen der chinesischen Industriemetropole Chongqing und Europas
wichtigster Logistikdrehscheibe in Duisburg zurück.
10.300 Kilometer in 16 Tagen
16 Tage dauert die Fahrt quer durch
Asien und Europa. Dadurch entsteht
eine direkte Verbindung zwischen dem
aufstrebenden chinesischen Hinterland
und den wichtigsten Exportmärkten in
Europa. Elektronikartikel, Baustoffe, Textilien und Maschinenteile sind an Bord,
wenn der Zug China, Kasachstan, Russland, Weißrussland und Polen durchquert. Der US-Hersteller Hewlett
Packard, der taiwanesische Zulieferer für
elektronische Geräte Foxconn oder der
ebenfalls taiwanesische Computerhersteller Acer beispielsweise nutzen die
Zugrelation. Von Duisburg aus treten
die Container ihren Weg zu Zieladressen
in ganz Mitteleuropa an. Auch auf dem
Rückweg rollen die Züge nicht ohne
Fracht: Deutschlands und Europas Wirtschaft, darunter längst auch zahlreiche
mittelständische Exportunternehmen,
nutzen die Chance, Container deutlich
günstiger als per Luftfracht und viel
schneller als per Hochseeschiff zu Kunden in Chinas schnell wachsenden Markt
zu transportieren. Ein hoher Anteil dieser Waren stammt aus der Automobilindustrie.
te neue Transportverbindung rasant
gestiegen. Die Zahl der Anfragen hat
deutlich zugenommen – und das an
beiden Enden der Schienenstrecke. Am
11. August begann erstmalig die Verladung von fertigen Automobilen deutscher Premiumhersteller für den Export
nach China auf dem Landweg. Die Fahrzeuge wurden auf dem Duisburger
Terminal DIT sicher in Container verstaut auf einen Zug geladen, der am
14. August auf die Reise nach Chongqing ging. Künftig wird dieser Zug einmal wöchentlich Fertigfabrikate nach
China transportieren. Insgesamt verkehren damit zwischen Duisburg und China
vier Züge pro Woche, die neben Chongqing auch Ziele wie Changchun, Shanghai und Beijing anfahren.
In Asien steht die direkte Zugverbindung nach Chongqing bereits als Symbol
für die „Neue Seidenstraße“, als Nachfolgerin des historischen Handelsweges
zwischen den Kontinenten. Dieses Ergebnis strategischer logistischer Feinarbeit –
führend dabei waren neben der duisport-Gruppe DB Schenker und das 2008
zwischen der DB AG und den russischen
Eisenbahnen RZD gegründete Joint Venture Trans Eurasia Logistics – krönt eine
Entwicklung, die in den vergangenen 15
Jahren konsequent betrieben wurde: Die
Duisburger Hafen AG hat in dieser Zeit
ein weit verzweigtes Netz neuer Transportverbindungen geknüpft.
Damit ist die duisport-Gruppe die
Verbindungsachse zwischen Produzenten und Kunden, vernetzt internationale
Märkte und ist der Antreiber für regionale sowie weltweite Warenströme. Das
Unternehmen versteht sich als Partner
der Industrie und Logistikwirtschaft und
Viermal pro Woche nach China
Seit die Bilder vom Besuch des chinesischen Präsidenten um die Welt gegangen sind, ist die Aufmerksamkeit der
Wirtschaft für die 2011 erstmals erprobVR International
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Nummer 10 | Oktober 2014
essierten Unternehmen bietet der
Hafen zudem ein umfangreiches
Ansiedlungsmanagement – bis hin zur
Entwicklung und zum Bau von schlüsselfertigen Warehousing- und Lagerflächen.
Darüber hinaus leistet duisport
Beratungsleistungen rund um die infraund suprastrukturelle Weiterentwicklung von Häfen, den Aufbau von Hinterlandverbindungen und die Vernetzung
von Logistikzentren. Diese umfangreiche Beratungsexpertise nehmen Regierungen, Hafenbetreiber und Investoren
weltweit in Anspruch. Der Binnenhafen
mit dem höchsten Containerumschlag
der Welt investiert massiv in die Ausweitung dieser Angebote und schafft
damit einen echten Wettbewerbsvorteil
für mittelständische Unternehmen.
Autor
Verladung am DIT, dem Duisburg Intermodal Terminal.
leistet entscheidende Beiträge zur Optimierung von Transportketten. Kundenindividuelle, auf die unterschiedlichsten
Anforderungen zugeschnittene Konzepte und Lösungen werden erstellt
und realisiert.
Neun multimodale Containerterminals, über 360 wöchentliche Kombiverkehr-Verbindungen zu über 80 direkten
Zielen in Europa und Asien sowie
umfangreiche Warehouse- und Lagerkapazitäten werden vor Ort mit marktund kundenorientierten Dienstleistungen verknüpft. Verpackungsdienstleistungen, insbesondere für den Maschinen- und Anlagenbau, werden durch
integrierte Speditionsangebote und
Kontraktlogistiklösungen ergänzt. Inter-
Erich Staake
Vorsitzender des Vorstands
Duisburger Hafen AG
Hafennummer 3650
Alte Ruhrorter Straße 42–52
47119 Duisburg
0203 803-0
info@duisport.de
www.duisport.de
IMPRESSUM
Herausgeber:
Verantwortliche Redakteurin:
Objektleitung:
Verlag:
12
BVR, DZ BANK AG, WGZ BANK AG, Deutscher Genossenschafts-Verlag eG
Dr. Sabine Theadora Ruh, freie Wirtschaftsjournalistin,
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Ricarda Schweers, DG VERLAG, E-Mail: rschweers@dgverlag.de
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Nachdruck – auch auszugsweise – nur mit Genehmigung des Deutschen Genossenschafts-Verlages eG zulässig.
ISSN 2195-206X
VR International erscheint monatlich und ist bei Volksbanken und Raiffeisenbanken erhältlich.
Das Manuskript für diese Ausgabe wurde Mitte September 2014 abgeschlossen.
Für die Richtigkeit und Vollständigkeit keine Gewähr.
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Seele and Geist
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