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Infoheft 2015 bearbeitet PDF - Pfarrgemeinde St.

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IMKER
Die Große Wachsmotte: Nützlicher Schädling
Mag. Dr. Michael Rubinigg
Die Große Wachsmotte (Galleria mellonella L.) und die Kleine Wachsmotte (Achroea grisella F.) sind in der Imkerei
seit langem als Schädlinge bekannt. Während sie in gesunden Bienenvölkern kein nennenswertes Problem darstellen, können sie außerhalb des Bienenvolkes, etwa im Wabenlager, durch die Vertilgung beträchtlicher Mengen an
Wabenmaterial in kurzer Zeit enorme Schäden verursachen. Grund genug, sich mit der Lebensweise dieser Schmetterlingsarten näher zu beschäftigen.
Große Wachsmotte Larve
n ihrer Lebensweise sind sich
beide Wachsmotten-Arten relativ ähnlich. Dieser Beitrag beschränkt sich daher auf die Große Wachsmotte, da sie vom
wissenschaftlichen Standpunkt
einen weiteren, durchaus interessanten Aspekt hat. Die Große Wachsmotte gehört zur
Gruppe der Zünsler, dürfte ursprünglich aus Asien stammen
und ist gegenwärtig überall
dort verbreitet, wo es Honigbienen gibt. Neben den Nestern
sämtlicher Honigbienenarten
dienen den Larven auch Hummelnester als Lebensraum. Die
Motte ist empfindlich gegenüber längeren Kälteperioden.
Ihr Schadenspotential ist daher
von den klimatischen Bedingungen abhängig.
I
Erwachsene Wachsmotten
sind nachtaktiv und fliegen in
unseren Breiten von Mai bis
September. Sie besitzen lediglich verkümmerte Mundwerkzeuge, nehmen daher keine
Nahrung zu sich und haben eine
Lebenserwartung von höchstens zwei bis drei Wochen. Sie
richten daher auch keine unmittelbaren Schäden an. Die
Weibchen dringen im Schutz
der Dämmerung in die Bienenstöcke ein und beginnen bereits
wenige Tage nach dem Schlüpfen mit der Eiablage, wobei sie
mit Hilfe eines Legeapparates
über mehrere Tage hinweg eine
große Anzahl an Eiern (bis zu
1800 pro Weibchen) in Ritzen
und Spalten eines Bienenstockes legen.
Die jungen Larven, die unter
idealen Bedingungen bereits
nach weniger als einer Woche
26
Große Wachsmotte
aus den Eiern schlüpfen, suchen
die Waben auf, die sie in Gängen durchfressen. Wachsmottenlarven sind zwar in der Lage,
Wachs zu verdauen, ausschließlich davon leben können sie
aber nicht. Um ihren Lebenszyklus zu vollenden, sind sie auf
Pollen und den Kot sowie die
Kokons der Honigbienenlarven
in den befallenen Waben angewiesen. Deshalb fallen bebrütete Waben stärker, Jungfernwaben und Mittelwände eher selten dem Befall der Wachsmotten zum Opfer. Die Gänge
der Larven werden mit Gespinsten durchzogen, die bei starkem
Befall die gesamte Wabenoberfläche überziehen können. Sie
hinterlassen dabei kleine, dunkle Kotbällchen. Die Dauer des
Larvenstadiums hängt vom
Nahrungsangebot und von der
Umgebungstemperatur ab und
dauert unter idealen Bedingungen etwa drei bis vier Wochen.
Gegen Ende des Larvenstadiums verpuppen sie sich in dicken weißen Kokons, vorwiegend auf Beutenteilen, wo sie
zuvor, je nach Untergrund, kleine Mulden oder Löcher nagen
können. Bei starkem Befall legen die Larven ihre Kokons in
größeren Nestern an. Im Kokon
findet die Metamorphose zur
Puppe und schließlich zum erwachsenen Tier statt. Diese Verwandlung nimmt unter günstigen Bedingungen etwa ein bis
zwei Wochen in Anspruch.
Der gesamte Lebenszyklus
der Wachsmotte dauert etwa
sechs Wochen bis sechs Monate, je nach Nahrungsangebot
und Umgebungstemperatur.
Große Wachsmotte
Lagerung der Waben bei niedriger Temperatur führt zu einer
Verzögerung der Entwicklung,
zerstört den Organismus aber
nicht unbedingt. Werden kühl
gelagerte Waben wieder aus
dem Lager entfernt, kann ihre
Entwicklung weitergehen. Innerhalb einer Saison können
mehrere Generationen (vier bis
sechs) entstehen. Den Winter
überdauert die Wachsmotte als
Ei, Larve oder Puppe.
Um die Wachsmotte außerhalb des Bienenvolkes wirksam
zu bekämpfen, sollte man nicht
benötigte Waben bei kühler
Umgebungstemperatur (unter
etwa 10°C) lagern. Ist dies nicht
möglich, müssen die in den
Waben befindlichen Larven und
andere Entwicklungsstadien
abgetötet werden. Dies kann
man erreichen, indem man die
Waben mehrere Stunden lang
einer Temperatur unter -7 bis
-15°C aussetzt. Einfacher ist die
Behandlung mit biologischen
Bekämpfungsmitteln, etwa indem man die Waben mit einer
Emulsion des Bakteriums Bacillus thuringiensis besprüht. Der
dabei verwendete Bakterienstamm tötet sehr spezifisch
Schmetterlinge und ist für
Hautflügler wie Bienen ungefährlich. Unter den chemischen
Bekämpfungsmitteln werden
häufig Essigsäure und Ameisensäure empfohlen. Diese Säuren
sind allerdings in der Anwendung gefährlicher, müssen
mehrmals appliziert werden
und führen zur Korrosion von
Metallteilen. Eine weitere Möglichkeit der chemischen Behandlung ist die Begasung mit
Schwefeldioxid. Dabei ist je-
OBST – WEIN – GARTEN · Ausgabe Nr. 10 / 2014
Große Wachsmotte Kokon
doch zu beachten, dass für den
Einsatz dieses Mittels je nach
Art der Applikation verschiedene Bestimmungen einzuhalten
sind.
Während für Imker die
Wachsmotte einen höchst unangenehmen Zeitgenossen darstellt, wird sie in anderen Bereichen genutzt und zu diesem
Zweck sogar eigens gezüchtet.
Abgesehen von der Verwendung als Fischköder wird die
Larve der Großen Wachsmotte
in den letzten Jahren nämlich in
der humanmedizinischen Forschung als Modellorganismus
zur Untersuchung verschiedener durch Bakterien und Pilze
verursachter Erkrankungen im
Menschen eingesetzt. Der Vorteil des Einsatzes der Großen
Wachsmotte liegt in den deutlich geringeren Forschungskosten und in der Vermeidung von
ethisch bedenklichen Tierversuchen an Wirbeltieren. Dabei
werden aufgrund genetischer
und physiologischer Befunde an
Wachsmotten-Larven Rückschlüsse auf den menschlichen
Organismus gezogen, die wertvolle Hinweise für die Entwicklung von neuen Therapien und
Medikamenten geben könnten.
n
Anschrift des Autors:
Mag. Dr. Michael Rubinigg
Steirisches Imkerzentrum
An der Kanzel 41
8046 Graz, Tel. 0316/695849
m.rubinigg@imkerzentrum.at
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Gesundheitswesen
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