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Exakt auf alten Übungsplätzen | Manuskript
Exakt auf alten Übungsplätzen
Bericht: Knud Vetten
Pilzsucher im sächsischen Belgern steuern auf den ehemaligen sowjetischen
Bombenabwurfplatz zu. Hauptkommissar Detlef Weinert stoppt sie, er ist auf Streife.
Pilzsucher
„Es ist ja gefährlich gewesen, als die Kameraden noch ihre Bomben verstreut haben und
die dann auch woanders gelandet waren. Daher kenne ich das.“
Detlef Weinert, Hauptkommissar
„Wieso sagen Sie, dass das gefährlich gewesen ist? Es ist immer noch Munition, allgemein
Sprengkörper, nicht nur Granaten auch Bomben in der Erde, deswegen sind die
Suchmaßnahmen auch weiterhin noch.“
Pilzsucher
„Alles was verboten ist, reizt natürlich."
"Die Chancen den Korb voll Pilze zu bekommen, sind hier am größten."
Für viele Anwohner liegt die Gefahr in der Vergangenheit, doch sie ist noch da.
Detlef Weinert, Hauptkommissar
„Es ist ja nach wie vor ein Zünder dran und in den größeren Bomben ist auch Sprengstoff
enthalte. Es kann passieren und es ist vorbeugend gedacht und im Interesse von allen
Leuten.“
Mit Detlef Weinert fahren wir auf gesicherten Wegen in das Sperrgebiet hinein. Zu DDRZeiten haben die sowjetischen Streitkräfte auf dem Gelände intensiv Bombenabwürfe
trainiert . Ende der 80er Jahre - wie Anwohner berichten - sogar rund um die Uhr.
Munitionsverseucht waren hier rund 1.000 Hektar. Seit sage und schreibe 22 Jahren wird
nun schon nach Sprengstoffen gesucht.
Wir treffen auf die Männer vom Kampfmittelbeseitigungsdienst. Sprengmeister Holger
Klemig zeigt, was hier noch alles in der Erde liegt.
Holger Klemig, Kampfmittelbeseitigungsdienst Sachsen
„Das, was Sie hier sehen, sind bearbeitete Übungsbomben. Davon haben wir bereits 8.000
geborgen und so aufbereitet, dass keine Gefahr mehr davon ausgeht. Insgesamt haben wir
aber eine Zahl von Bomben, die ist großer als 13.000.“
Hinweis: Dieses Manuskript ist urheberrechtlich geschützt und darf nur für den privaten Gebrauch des Empfängers
verwendet werden. Jede Verwertung ohne Zustimmung des Urheberberechtigten ist unzulässig.
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Belgern ist laut Sprengmeister extrem belastet. Wie lange Holger Klemig und seine Kollegen
hier noch Bomben finden und unschädlich machen müssen, bei dieser Frage will er sich nicht
festlegen. Er warnt: Egal wie alt die Kampfmittel sind, sie können auch nach vielen
Jahrzehnten noch gefährlich sein.
Von Anfang an war der Flugplatz Großenhain nördlich von Meißen eine katastrophale
Hinterlassenschaft. Unter dem Boden schwimmt ein immenser Kerosinsee. Für Stefan
Wagner vom Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement weiterhin ein
Riesenproblem.
Stefan Wagner, Staatliches Immobilien- und Baumanagement
„Also wir haben hier eine massive Konzentration von Altölen, von Kerosinrestbeständen,
was wir seit 95 – das muss man sich überlegen – seit 1995 versuchen müssen aus dem
Boden und dem Grundwasser herauszuholen.“
Frage: „Wann werden sie da fertig sein?“
„Da wird man nie fertig. Wir haben inzwischen einen Zustand erreicht, dass wir das
Grundwasser wieder im Griff haben.“
Archivaufnahmen kurz nach dem Abzug der Sowjetarmee. Das Land Sachsen hat die
Liegenschaften damals komplett übernommen – mit den entsprechenden Risiken. Stefan
Wagner meint, es hat sich trotz der fortdauernden Probleme gelohnt.
Stefan Wagner, Staatliches Immobilien- und Baumanagement
„Wir haben sehr viele Großansiedlungen damit getätigt. Ich erwähne nur mal die SiemensAnsiedlung damals in den 90er-Jahren. Das ist der Grundstein gewesen für die ChipIndustrie hier gewesen für den Freistaat Sachsen.“
Doch die Strategie hat ihre Schattenseiten. Zwischen 1998 und 2002 wurde ein Teil der
ehemaligen Garnison in Zeithain aufwendig beräumt. Seither ist dies das größte
zusammenhängende Gewerbegebiet in Sachsen. Mit einem großen Makel, wie
Bürgermeister Ralf Hänsel zugeben muss:
Ralf Hänsel, Bürgermeister Zeithain
„Wir haben hier eine komplett beplante Fläche, es liegt also ein Bebauungsplan drüber für
ein Industriegebiet und hier kann sofort eine Ansiedlung erfolgen."
Frage: „Aber seit 12 Jahren ist hier keine Ansiedlung passiert.“
"Ja, das bedauern wir alle sehr. Die Ursachen sind sicherlich vielfältig. Der Euphorie
Anfang der 90er-Jahre ist jetzt ein bißchen der Ernüchterung gewichen."
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20 Millionen Euro hat die Sanierung gekostet. Ohne Ansiedlung fließt kein Geld zurück in die
Kasse. Schlimmer noch, die Gemeinde ist überfordert, das Gelände attraktiv vor zu halten –
für Investoren, die nicht in Sicht sind.
Ralf Hänsel, Bürgermeister Zeithain
Frage: „Warum sind hier 20 Millionen ausgegeben worden?“
„Und das ist das große Problem. Die Sorgen mache ich mir genauso. Weil es sind ja nicht
nur die Steuerzahler in Zeithain, es sind ja sächsische Steuerzahler und das Geld ist hier
ausgegeben worden. Jetzt müssen wir eben sehen, dass wir mit einer klugen Lösung nicht
zu dem Punkt kommen, dass hier der Eindruck entsteht, es sind Fördermittel
verschwendet worden."
Das dürfte schwer werden, zumal die Uhr tickt. Bis 2018 hat die Gemeinde Zeit, dann muss
sie dem Freistaat eine Rückzahlung für die Sanierung von einer halben Million Euro
überweisen. Geld, das Zeithain schlicht nicht hat.
Altengrabow im Jerichower Land. Sachsen Anhalt hat die sowjetischen Liegenschaften
damals nicht übernommen. Der Bund ist Eigentümer. Der Sanierungsweg ein anderer.
Unterwegs mit Bundesförster Rainer Aumann. Im Sperrgebiet sind Müllkippen beseitigt,
Tanks entsorgt und Gefahrenstellen entschärft worden. Mehr nicht.
Kommt Zeit – kommt Lösung: Die Flächen sind für Unternehmen durchaus interessant.
Wenn Firmen oder Behörden bauen und irgendwo in Deutschland Fläche verbrauchen, dann
sind sie gesetzlich verpflichtet anderswo einen Ausgleich herzustellen. Und das können sie
hier.
Rainer Aumann, Bundesforst
„Wir reißen es ab und lassen es von denen finanzieren. Und so haben wir ein Win-WinSpiel. Wir sind unsere Gebäude los, der Investor ist seiner Verpflichtung nach
Naturschutzgesetz gerecht geworden und letztlich auch der Steuerzahler braucht für den
Abriss dieser öffentlichen Gebäude nichts mehr weiter zu bezahlen, sondern es trägt sich
jetzt endlich von selbst."
Heißt aber auch. Man muss lange mit dem Sperrgebiet leben.
Rainer Aumann, Bundesforst
„Diese Abrissarbeiten, die wir noch haben, da rechne ich mit einem zeitlichen Korridor von
zehn bis 20 Jahren, bis auch das letzte Gebäude inclusive Grund, Platten und Keller usw.
Verschwunden sein wird.“
Das wäre dann im Jahr 2034.
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Übrigens: Wo die Beräumung von Munition heute zu teuer ist, haben alle ostdeutschen
Länder Sperr- oder Naturschutzgebiete eingerichtet. Nach unseren Recherchen summieren
sich diese Flächen auf eine Größe von mehr als 46.000 Fußballfeldern.
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