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Leseprobe zum Titel: Der Tagesspiegel (20.12.2014) - Die Onleihe

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Zeitung des Jahres
Lead Award 2014
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Suhrkamp darf
Buena Vista:
Marco Reus’ Irrfahrt ist die nächste
Aktiengesellschaft
werden – Seite 27
Kuba sehnt sich nach
dem Wandel – Seite 3
Episode im Unterhaltungsbetrieb
Borussia Dortmund – Seiten 6 und 14
BERLIN, SONNABEND, 20. DEZEMBER 2014 / 70. JAHRGANG / NR. 22 261
DC
Foto: AFP (2), dpa, Eventpress
MORGEN
WWW.TAGESSPIEGEL.DE
Kinder, Kinder ...
BERLIN / BRANDENBURG 1,50 €, AUSWÄRTS 1,80 €, AUSLAND 1,80 €
Die Edathy-Affäre
Die schönsten Bilder
aus unserem Malwettbewerb.
Außerdem: Frohe Keinachten –
welche Festrituale Berliner haben,
die kein klassisches Weihnachten feiern.
Ein Glashaus
voller Steine
– Seite 22 und Mehr Berlin, Seiten 24 + 25
Von Robert Birnbaum
E
Illustration: Amalia Espij, Amy Lawrenz, Amelie Landsberger, Ani-Michelle Galstyan
2014
Ein Jahr, das
viele Grenzen
sprengt
DER JAHRESRÜCKBLICK
IM TAGESSPIEGEL
AM SONNTAG
Kurden
drängen
IS zurück
Erbil - Mit Luftschlägen und dem Einsatz
kurdischer Peschmerga-Soldaten hat die
internationale Koalition nach eigenen Angaben das Ende der Belagerung des Sindschar-Gebirges durch die Dschihadisten
des „Islamischen Staates“ (IS) erreicht.
Das US-Verteidigungsministerium verkündete zudem, hohe IS-Kommandeure
getötet zu haben. Zweifel an der Wirkung
solcher Tötungen nährt allerdings ein geheimer CIA-Bericht. Die Analyse kommt
zu dem Schluss, dass zum Beispiel bei
den afghanischen Taliban die Tötung von
Anführern nur einen „geringen“ Effekt gehabt habe.
dpa/AFP
— Seiten 4 und 5
Gericht erlaubt Körperwelten-Museum
Klage gegen den Bezirk Mitte war erfolgreich. Ab 2015 werden am Fernsehturm 220 Plastinate gezeigt
Von Thomas Loy
Berlin - Leichenplastinator Gunther von
Hagens darf seine Körperwelten-Ausstellung dauerhaft in Berlin zeigen. Das Berliner Verwaltungsgericht gab einer Klage
der Ehefrau Hagens’, Angelina Whalley,
statt. Sie firmiert als Kuratorin für das geplante „Menschen Museum“ am Fernsehturm. „Wir hoffen nun auf ein Ende der
Gängelung durch den Bezirk“, erklärte
Whalley nach dem Urteil. Mittes Bürgermeister Christian Hanke (SPD) hatte versucht, das Museum zu verhindern. Er
hält die Ausstellung für eine Verletzung
der Menschenwürde.
Das Gericht erklärte in seiner Begründung, für die Ausstellung sei „keine Genehmigung nach dem Bestattungsgesetz“
erforderlich. Die Plastinate seien „nach
dem Wortlaut des Gesetzes immer noch
Leichen“, diese könnten aber nicht verwesen und seien für eine Bestattung nicht
vorgesehen. Der Bezirk Mitte kann gegen
das Urteil Berufung einlegen.
Die Ausstellung der Plastinate – geplant
sind 20 Ganzkörperexponate und 200
plastinierte Körperteile – unterliege aber
weiterhin dem allgemeinen Ordnungsrecht, argumentierte das Gericht. Bei einem „Verstoß gegen die öffentliche Ordnung“ könnten die Behörden einschreiten. Konkret verweist das Gericht auf den
„schwebendenAkt“, eine umstrittene Darstellung zweier Leichen beim Sex. Mehrere Gerichte hätten dies bereits beanstandet.AuchKirchen und Politiker waren empört. In den vergangenen Körperwelten-
Ausstellungen wurde der Akt daher in einem separaten Raum gezeigt, den Jugendliche unter 16 nur in Begleitung betreten
dürfen. So soll es auch am Fernsehturm
sein. Die ehemaligen Räume des Senders
TV Berlin werden für die Ausstellung hergerichtet. Wegen des Streits um die Genehmigung verzögerte sich die Eröffnung. Nun soll die Ausstellung „Anfang
kommenden Jahres“ starten, der genaue
Termin werde im Januar bekannt gegeben. 1200 Quadratmeter stehen für die
Plastinate zur Verfügung. Der Mietvertrag läuft zunächst über sieben Jahre.
Dreimal habe es bereits eine Körperwelten-Ausstellung in Berlin gegeben,
sagte Whalley. In keinem Fall sei eine Genehmigung verlangt worden. Auch die
medizinhistorische Ausstellung der Cha-
rité, die ebenfalls Körper und Körperteile
zeige, laufe ohne Genehmigung. Sie sei
aber jederzeit bereit, mit den Gegnern
der Ausstellung zu sprechen.
Die in vielen Großstädten der Welt gezeigte Körperwelten-Ausstellung haben
nach Angaben der Kuratorin bislang 40
Millionen Menschen gesehen. Kritiker sehen einige Exponate als sensationslüstern, Gunther von Hagens verweist jedoch auf die Bedeutung der Plastination
für die Vermittlung anatomischer Kenntnisse. Der Erfinder der Plastination ist
schwer an Parkinson erkrankt. Er wird
am 10. Januar 70 Jahre alt. Für ihn gehe
mit dem Museum ein „lang gehegter
Traum“ in Erfüllung, erklärte er.
— Meinungsseite
C
Washington - Die US-Bundespolizei
FBI hat die Regierung in Pjöngjang für die
Hacker-Attacke auf den Filmkonzern
Sony wegenderNordkorea-Satire „The Interview“ verantwortlich gemacht. Mit der
„Einschüchterung“ bewege sich Nordkorea „außerhalb der Grenzen des akzeptablen Verhaltens von Staaten“, teilte das
FBI am Freitag mit. Nordkorea wies die
Vorwürfe umgehend zurück. „Unser Land
hat keine Beziehung zu dem Hacker“, erklärte die nordkoreanische UN-Vertretung in New York.
AFP
Berlin - Nach seiner mehrstündigen Vernehmung im Untersuchungsausschuss
des Bundestages hat der frühere SPD-Abgeordnete Sebastian Edathy noch einmal
nachgelegt. Auf seiner Facebook-Seite bezichtigte er am Freitag den SPD-Abgeordneten Karl Lauterbach der Lüge. Dieser
hatte am Donnerstagabend in der ZDFTalkshow „Maybrit Illner“ gesagt, er
habe Edathy im vergangenen Februar medizinische Hilfe angeboten. Edathy
schrieb dazu: „Ist schlicht gelogen. Und
das auch noch völlig ohne Not.“
dpa
Frankfurt am Main - Im Tarifkonflikt
bei der Lufthansa stehen die Zeichen wieder auf Arbeitskampf. Deutschlands
größte Fluggesellschaft lehnt den Vorschlag der Gewerkschaft Vereinigung
Cockpit (VC) ab, alle strittigen Themen in
einer Gesamtschlichtung zu klären. Das
sagte ein Konzernsprecher am Freitag in
Frankfurt.DieGewerkschaftreagierte enttäuscht. Ein VC-Sprecher sagte: „An den
Weihnachtsfeiertagen vom 24. bis 26. Dezember sind Streiks ausgeschlossen. Alles
andere lassen wir offen.“
Tsp
Babelsberg - Die Studio Babelsberg AG
wird 2014 rote Zahlen schreiben. „Ich
rechne mit einem Verlust von 2,5 Millionen Euro“, sagte der Vorstandsvorsitzende Carl Woebcken dem „Handelsblatt“ (Freitag). „Wir hoffen, dass wir
nächstes Jahr überleben.“ Zwei wichtige
Produktionen seien nicht zustande gekommen. „Es mangelt an Planungssicherheit“, sagte Studio-Vorstand Christoph
Fisser. Hintergrund sei die Diskussion
um Kürzungen des Deutschen Filmförderfonds (DFFF) gewesen.
Tsp
— Seiten 27 und 34
— Seite 2
— Seite 10
— Seite 19
A
m Montag ist zum letzten Mal in
diesem Jahr Befehlsausgabe beim
Bundespresseamt. Wir Journalisten nehmen die neuesten Richtlinien für
den Umgang mit Putin, „Pegida“ usw.
entgegen. Dabei erwarten wir auch jemanden von der Atlantikbrücke, der ein
dreimonatiges Desinformations-Praktikum bei der NSA verlost.
Glauben Sie das? Viele glauben so
was. Als jetzt die „Neuen Deutschen Medienmacher“ ein Glossar mit „Begriffen
für die Einwanderungsgesellschaft“ veröffentlichten, das wegen der Unterstützung durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge quasi offiziösen
Charakter trug, obwohl es eher ein Nachdenkpapier sein soll –, da war die Aufregung wieder riesig, der gute alte Orwell
wurde bemüht, und die Man-wird-ja-
Matthies meint
Montag wieder
Richtlinien
wohl-noch-sagen-dürfen-Reflexe klapperten. Auch bei Journalisten, obwohl
die doch besonders dankbar sein müssten für Hilfen bei der Präzisierung ihrer
Sprache.
Die Frage ist allerdings: Hat’s denn geholfen? Zumindest beim Nachdenken.
Aber in der Sache? Seufz. Müssen wir
wirklich so viel Rücksicht auf die Befindlichkeit friedfertiger Salafisten nehmen,
dass wir sie als „Salafiten“ von ihrem terroristischen Flügel unterscheiden? Hilft
es irgendwem, dass wir den angeblich
ausgrenzenden Begriff der „Aufnahmegesellschaft“ mit dem schon zur Karikatur verschlissenen Adjektiv „multikulturell“ glattbügeln?
Eine richtige Beobachtung: Aus jenen,
die wir früher unbefangen „Ausländer“
nannten, wurden in letzter Konsequenz
die „Menschen mit Migrationshintergrund“. Der Begriff ist aber auch längst
erledigt, weil wir ihn, wie die Medienmacher richtig feststellen, zunehmend als
Synonym für muslimische Problemgruppen verstehen. Doch ist die Konsequenz
nun, dass wir uns ständig neue Wörter
ausdenken, um der Stigmatisierung einen Schritt voraus zu sein?
Ein unauflösliches Dilemma: Der sympathische Drang, möglichst neutrale Begriffe zu verwenden, zeugt nicht nur
sperrige Bürokratensprache, sondern
wird auch von jenen, die an der Neutralität der Begriffe nicht interessiert sind,
umgehend als Gesundbeterei denunziert. Oder: durchschaut?
Ach, ich weiß auch nicht. Es wäre
wirklich einfacher, wenn jemand am
Montag Richtlinien ausgeben würde.
BUNDESLIGA
Mainz – Bayern
D
............................
1:2
WIRTSCHAFT & BÖRSEN . . . . . . . . . . . . 7–11
Der Dax
schwankt stark.
Der Leitindex
gibt 0,3 Prozent nach
Dax
auf 9787 Punkte.
WETTER
6 /4
............................................
2
Am Sonnabend bleibt es
in Berlin bedeckt,
auch Schauer sind möglich.
FRIEDEN VON UNTEN . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 29
Westfront, Weihnachten 1914.
Verfeindete Soldaten feiern:
Ein kleiner Frieden im Großen Krieg.
TAGESTIPPS . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12
SPORT . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13 + 14
MEDIEN/TV-PROGRAMM . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33
IMPRESSUM & ADRESSEN . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4
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TEL. ABO-SERVICE . . . . . . . (030) 29021 - 500
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TEL. TICKETS . . . . . . . . . . . . . (030) 29021 - 521
Bald „Zimmer frei“
Christine Westermann
und Götz Alsmann
verlassen die
TV-WG
Seite 33
Fotos: WDR/Herby Sachs, Reuters
FBI: Nordkorea Edathy bezichtigt
Neue Streiks
Studio Babelsberg
für Sony-Attacke
Lauterbach
bei der Lufthansa
erwartet
verantwortlich
der Lüge
möglich
Millionenverlust
INDEX
ISSN 1865-2263
60051
4 190662 201801
iner lügt. Mindestens einer, vielleicht beide, vielleicht einer mehr
als der andere. Fragt sich nur – wer
ist wer? Seit den Auftritten des Ex-Abgeordneten Sebastian Edathy und seines
SPD-Parteikollegen Michael Hartmann
in Berlin steht die Frage im Raum. Ginge
es nur um die Glaubwürdigkeit zweier
mäßig bekannter Männer, könnte man
sie als übliche Aufgeregtheit im Raumschiff Reichstag vergessen. Aber je nachdem, welche Version der Affäre Edathy
stimmt, steckt in der Antwort das Potenzial für eine Staatsaffäre mit weitreichenden Folgen für die Regierungspartei SPD,
den ehemaligen BKA-Chef und „die Politik“ insgesamt. Strafvereitelung im Amt
wäre keine Kleinigkeit mehr. Strafvereitlung aus parteipolitischem Kalkül wäre
ein Skandal.
Leider ist die Fallhöhe so groß wie die
Faktenlage schlecht. Aussage steht gegen
Aussagen. Die bisherigen Belege erlauben kein Urteil. Für die Justiz ist so eine
Situation nicht neu. Sie hat in ihrer Geschichte mit allerlei Methoden vom Gottesurteil bis zum Lügendetektor versucht, Lügner zu enttarnen – vergebens.
Heute spricht sie im Zweifel den Angeklagten frei; lieber ein Verurteilter zu wenig als einer zu viel. Im öffentlichen
Raum versagt dieses humane Notventil.
Für Politiker ist Vertrauen zentrale Ressource. Ein Freispruch aus Mangel an Beweisen kommt der Verurteilung gleich.
Darum ist der Versuch legitim, eben
doch Seitenwege zu einem begründeten
Urteil zu finden. Da bietet sich als Pfad die
Glaubwürdigkeit an. Man betreibt also
Charakterschau und rezensiert dasAuftreten: Hat sich Abgeordneter H. durch die
Vernehmung gehaspelt? War dagegen
Ex-Abgeordneter E. präzise und präsent?
Schon, nur – Kurt Tucholskys „Merkblatt für Geschworene“ gilt bis heute:
„Ein Angeklagter mit brandroten Haaren,
der beim Sprechen sabbert, ist keine angenehme Erscheinung; laß’ ihn das nicht
entgelten.“ Gute Performance vor Presse,
Ausschuss oder Gericht besagt so wenig
wie die Qualität des Anzugstoffs. Unter
Anwälten und Finanzberatern gilt eher
im Gegenteil die Misstrauensformel: „Je
Betrüger, desto Porsche.“ Leider bezeugt
der klapprige Golf II vor der Tür nicht
die Ehrlichkeit des Fahrers.
Kurz, dieser Weg führt rasch ins Unterholz der eigenen Vorurteile. Wer öfter
mit Betrügern zu tun hat, kann trotzdem
richtigliegen; Erfahrung schärft ja das
Bauchgefühl. Aber mehr als ein Bauchgefühl ist es eben auch nicht.
Einen anderen Seitenweg, dem Lügner
auf die Schliche zu kommen, liefert die
Logik. Der Angeschuldigte E. bot in seinem öffentlichen Auftritt selbst einen
Wahrheitsbeweis an: Dass seine Anschuldigungen gegen frühere Parteifreunde
stimmten, könne man daran erkennen,
dass er nichts mehr zu verlieren habe.
Das erscheint plausibel, so wie es plausibel klingt, dass ein BKA-Chef sich doch
nicht durch Plauderei selbst ans Messer
liefere. Aber nicht alles, was nach einem
Argument aussieht, ist auch eins. E.s
Wahrheitslogik setzt zum Beispiel voraus, dass er aus lauteren Motiven handelt. Wären Rachsucht oder das Ablenken vom eigenen Fall im Spiel, gilt die
Gleichung nicht mehr. Wäre gar die Voraussetzung falsch, dass es nichts mehr
zu verlieren gebe, würde aus dem Satz
ein Scheinbeweis. Es hilft da oft, das Argument probeweise umzudrehen: Hätte
er womöglich doch etwas zu gewinnen
mit Lügen? Etwa den Opfer-Status?
Diese Art aussagenlogischer Prüfung
wirkt schnell formalistisch. Sie bleibt ja
auch ein Notbehelf. Intellektuelle Hütchenspiele mit Scheinbeweisen sind ein
Indiz für Betrug. Doch mancher redet
bloß aus Überforderung dummes Zeug.
Andererseits besteht in unserem Fall
wenig Hoffnung auf eine hieb- und stichfeste Urteilsbasis. Womit sollen die beschuldigten Sozialdemokraten belegen,
dass in einem Vier-Augen-Gespräch ein
Satz nicht gefallen ist? Am Ende bleibt
vielleicht nicht mehr als ein wackliges Indiziengerüst aus Motiv-Abwägungen,
Charakterfragen und Methodenprüfung,
um zu beurteilen, wer da lügt.
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Seele and Geist
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