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Der Wertstolz-Brief: Entschleunigung

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Der Wertstolz-Brief
Erfolgreich und menschengerecht − arbeiten, wirtschaften, leben
Entschleunigung
Liebe Leserin, lieber Leser,
gibt es ein Wort des Monats „Dezember“? Ja, und es lautet nicht
Weihnachten, sondern Stress. Wie schade, denn immerhin ist der
Dezember der letzte Monat jedes Jahres, sozusagen Schlusspunkt
und Zusammenführung aller Monate davor, und er wiederholt Jahr für
Jahr dasselbe Thema: Er führt uns vor Augen, dass wir hetzen, ohne
je anzukommen.
Dezember 201 4
Inhalt
Editorial
Entschleunigen
Jahresabschluss
Impressum
1
2
5
5
Vielen Menschen erscheint es besonders professionell, keine Zeit zu
haben, pausenlos und immer schneller zu arbeiten. Wir hingegen
meinen, das Gegenteil wäre professioneller: Seine Zeit realistisch einzuteilen und Aufgaben an vertrauensvolle
Mitarbeiter zu delegieren; sich nicht so viele Aufgaben auf einmal vorzunehmen; sich Zeit zum überlegten und
sorgfältigen Handeln einzuräumen; überholte Ziele zu streichen, um andere dafür wirklich zu Ende verfolgen zu
können; und häufiger auf Multitasking zu verzichten – zumal uns die Hirnforschung schon gezeigt hat, dass unser
Gehirn dazu gar nicht in der Lage ist. Unser Körper ermöglicht es uns nicht, mehrere Dinge gleichzeitig zu
erledigen – es sieht nur so aus, weil wir uns einen zunehmend schnelleren Wechsel von einer Aufgabe zur
nächsten antrainieren können. Je schneller dieser aber wird, desto höher wird die Wahrscheinlichkeit, unnötige
Fehler zu machen. Doch dem Thema Fehler und unserem Umgang damit wollen wir uns erst in der Januarausgabe
des Wertstolz-Briefes widmen.
Im aktuellen Weihnachts-Brief legen wir unseren Fokus auf etwas anderes: auf die Entschleunigung. Und möchten
Ihnen damit Mut machen, sich gegen den Strom zu stellen und zurückzufinden zu einem universellen Wert, der in
unserer heutigen Arbeits- und Lebenswelt zu wenig Raum einnimmt: zur souveränen Gelassenheit echter Profis.
Setzen Sie diesem Jahr einen würdigen Schlusspunkt, entschleunigen Sie den rasenden – und oft genug kopflosen
– Ablauf der dritten Dezemberwoche, der so viele andere in seinen Strudel mitreißt, und nehmen Sie sich Raum
und Zeit für geistige Klarheit und körperliche Erholung. Damit würdigen Sie Ihre eigene Arbeit und sich selbst als
Mensch. Und Sie dienen anderen als Vorbild, wenn Sie zeigen, dass es möglich ist, Professionalität und
Gelassenheit zu kombinieren.
Wir geben Ihnen mit diesem letzten Wertstolz-Brief des Jahres 201 4 ein paar Anregungen, wie Sie entschleunigen
können. Die Erlaubnis dazu müssen Sie sich selbst geben.
Entspannte Dezembertage und einen guten Jahreswechsel im Kreise der Menschen, die Sie lieben, wünschen
Ihnen
Dana Haralambie und Robert Kebbekus
Ent...schleu...ni...gen
Sie ist in aller Munde: die Entschleunigung. Zumindest
als Begriff hält sie in immer mehr Lebensbereichen
ihren Einzug. Überall – ob nun im beruflichen oder
privaten Alltag, bei der Aufnahme von Nahrung oder
der Teilnahme am Straßenverkehr – sollen wir die
Geschwindigkeit unseres Handelns reduzieren und
achtsamer für unser Tun werden. Ist das überhaupt
möglich? Und falls ja: Wie könnte man das wohl
anstellen? Diese Frage ist berechtigt, denn schließlich
kennen wir alle den Effekt von guten Vorsätzen, die
bereits kurz nach ihrer
Verkündung ihr Leben
für immer aushauchen...
Warum ist das so?
Wieso fällt es uns so
schwer, einfach mal das
Tempo zu drosseln?
diesem Zusammenhang schon nicht mehr von
informativer
Kommunikation,
sondern
von
kommunikativer Inkontinenz ...
Der technologische Fortschritt
Die Auswirkungen des Fortschritts, also der
technologischen Entwicklung und ihres Einzugs in
unser Leben, lassen sich nicht rückgängig machen,
und das wollen ja auch die wenigsten. Doch der feste
Griff, in den uns dieser
Fortschritt genommen
hat, drückt uns manchmal die Luft ab. Denn
leider verfügen wir
Menschen nicht über
die Möglichkeit eines
schnellen Updates, z. B.
bei Inkompatibilität mit
aktueller Technik. Und
Die historische Zeit
so gibt die Technik den
Rahmen
für
den
Jeder Mensch hat
Menschen vor: den
seinen ganz einzigTakt, in dem wir
artigen Zugang zur Welt
schwingen. Wie einst
und damit auch zum
bei der Einführung der
Verständnis von Ruhe
ersten
maschinellen
oder Stress,
von
Webstühle in England –
langsam oder schnell,
doch damals stellte
von Achtsamkeit oder
kaum jemand die Frage,
Oberflächlichkeit und so
ob diese Entwicklung
weiter. Das ist auch
richtig sei. Diejenigen,
abhängig von der Zeit,
die es betraf, waren
in der man lebt. Doch
ungebildet
und
hatten
keine
Stimme.
das Bedürfnis nach Ruhe und Entspanntsein ist kein
Phänomen der Moderne: Schon unsere Vorfahren
klagten über die potenziell negativen Auswirkungen der Heute ist das Bildungsniveau der Bevölkerung viel
wachsenden Geschwindigkeit und der durch die höher, Diskussionen werden öffentlich geführt, und
moderne Arbeitswelt rar gewordenen Zeit für immer mehr Menschen fragen sich, ob es
Müßiggang oder für intensivere Gespräche mit anderen erstrebenswert ist, dass der Mensch der Technologie
Menschen. In den letzten beiden Jahrzehnten kamen folgt – oder sollte vielleicht doch lieber die Technologie
durch den Mobilfunk und das Internet eine permanente sich den Bedürfnissen des Menschen anpassen?
Erreichbarkeit und ein Zwang zu nonverbaler Schließlich wurde sie ja genau dazu weiterentwickelt:
Kommunikation hinzu. Böse Zungen sprechen in um uns Menschen das Leben leichter zu machen.
2
Wertstolz-Brief 3/201 4
Der moderne Mensch fühlt sich zunehmend
fremdbestimmt von den Auswirkungen der Schnelligkeit
und der allumfassenden Ausbreitung des technologischen Fortschritts – und nimmt es erst einmal hin,
nicht klaglos, aber widerstandslos.
Würden die Menschen sich genauso fügen, wenn ein
anderer Mensch den Takt vorgeben würde statt des
eigenen Smartphones oder des E-Mail-Postfachs?
Übrigens: Die Bereitschaft, sich solchen Auflagen und
Vorgaben zu unterwerfen, nimmt mit steigendem Alter
ab – liegt es am sinkenden Energielevel ... oder an der
steigenden Lebenserfahrung? Vielleicht lohnt sich ein
aufmerksamer Blick auf die unabänderlichen
Rahmenbedingungen: Sind sie wirklich unabänderlich
oder ist es einfach eine Tradition geworden, sie als
unabänderlich zu betrachten?
Die unabänderlichen Rahmenbedingungen
Entschleunigtes Leben – ein Gesamtkunstwerk
Wir haben mit vielen sehr unterschiedlichen Menschen
in unserer Arbeit zu tun. Doch eines eint die meisten:
Nahezu alle unsere Gesprächspartner berichten von
Rahmenbedingungen, die man nicht ändern kann.
• Da ist beispielsweise der Job, der gerade jetzt, in
einer schwierigen Übergangszeit, besonders
fordert.
• Da ist die Hoffnung auf eine bevorstehende
Beförderung, die dazu zwingt, mehr Zeit in die
Arbeit zu investieren.
• Da ist die Erwartung der Kollegen, länger im Büro
zu bleiben – oder zumindest auf keinen Fall als
Erster zu gehen.
• Da ist der Vergleich mit einem Konkurrenten, der
augenscheinlich leistungsstärker ist.
Die Übergänge zwischen der persönlichen
Wohlfühlzone und dem Punkt, an dem es kritisch wird,
sind fließend und stark von unserem individuellen
Empfinden geprägt. Das ist auch der Grund, warum es
keine allgemeingültigen Rezepte gibt, wie Menschen
ein entschleunigtes Leben führen können – wir sind
einzigartig, und das sind unsere Lösungen auch.
Es hilft aber, sich Schritt für Schritt den einzelnen
Komponenten zu nähern, die das Gesamtkunstwerk
entschleunigtes Leben ausmachen. Sich die eigenen
Denkweisen zu verdeutlichen, nach denen wir handeln.
Und damit die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass
Entschleunigung zu einer realistischen Möglichkeit in
unserem Leben wird. Von besonderer Wichtigkeit ist
dabei die Frage: Passt es zu dem Bild, das Sie selbst
von sich haben, nicht schnell wie der Wind zu sein?
Nun sind schwierige Übergangszeiten sehr oft zu Gast, Nicht unentwegt etwas zu tun? Und trotzdem – oder
je nachdem, wie man „schwierig“ auslegt. Hoffnungen vielleicht erst dadurch – noch effizienter zu sein?
verleiten immer wieder zu großen Kraftanstrengungen,
auch wenn sie nicht in Erfüllung gehen. Und wenn sie Stöbern Sie in unserem Entschleunigungs-Baukasten,
es tun, dann ist das ein umso stärkeres Argument, die er möchte Sie mit Fragen anregen, Ihre eigenen
Leistung weiter ungebremst anzukurbeln. Die Lösungen zu finden – gibt es darin etwas, das Sie zum
Erwartungen der Kollegen entpuppen sich mitunter als Weiterfragen inspiriert?
sinnloser Gruppenzwang, der nur an vermeintlichen,
nicht an sinnvollen Regeln ausgerichtet ist. Und der
kraftstrotzende Konkurrent ist stark wie ein Baum,
bevor ihn der Zusammenbruch ereilt und er ein tiefes
Loch aufreißt in der Organisation: unerwartet und erst
einmal nicht ersetzbar ... oder doch?
Kurz: Bei näherer Betrachtung darf man sich fragen, ob
Menschen wirklich dadurch leistungsstärker werden,
dass sie immer nach einem Notfallplan leben, in dem
Sonderregeln gelten. Welche Kraftreserven bleiben
dann in einem wirklichen Notfall noch übrig? Und wann
tritt eigentlich solch ein Notfall ein – wirklich an jedem
neuen Morgen des Arbeitslebens?
3
Wertstolz-Brief 3/201 4
Der Entschleunigungs­Baukasten
Niemand wird Ihre Antworten nachprüfen – Sie dürfen ganz ehrlich sein:
• Passt es zu dem Bild, das Sie selbst von sich haben, nicht schnell wie der Wind zu sein? Nicht unentwegt
etwas zu tun? Und trotzdem – oder vielleicht erst dadurch – noch effizienter zu sein?
• Könnten Sie sich vorstellen, sich selbst die Absolution zu geben: Ich werde etwas langsamer? Ich mache eine
Aufgabe in der Woche weniger? Ich bin nicht immer erreichbar?
• Woran werden Sie merken, dass Sie gelassener geworden sind?
• Woran werden andere Menschen es merken? Was verändert sich dadurch im Umgang mit Ihnen?
• Wie werden die Menschen um Sie herum darauf reagieren? Ihre Mitarbeiter? Vorgesetzten? Ihre Familie?
• Verlieren Sie an beruflicher Attraktivität? Ist Schnelligkeit und Dauerbeschäftigung das tragende Element,
warum Sie Ihren derzeitigen Job haben?
• Welche Eigenschaften könnten Sie „im Tausch dafür“ bieten?
• Wie wird es Ihnen ergehen, wenn Sie jemanden finden, der Sie zeitweise ersetzen kann, damit Sie nicht
immer und für alles Verantwortung tragen müssen? Entlastet? Enttäuscht? Ängstlich um Ihren Arbeitsplatz?
• Können Sie sich vorstellen, einen Kundenstamm aufzubauen, der von Ihnen nicht ständige persönliche
Erreichbarkeit einfordert?
• Was machen Sie mit der gewonnenen, „geschenkten“ Zeit?
• Wie wird Ihr Körper darauf reagieren, mehr Zeit zu haben?
• Müssen Sie feststellen, dass Ihre derzeitige Position es auf keinen Fall erlaubt, auch nur etwas weniger zu
arbeiten? Sind Sie zufrieden damit, keine Wahlmöglichkeiten zu haben? Möchten Sie anderen die Kontrolle
über Ihr Handeln anvertrauen?
• Wie sieht ein entschleunigtes Leben im besten Sinne des Wortes für Sie aus? Was gehört dazu, was nicht?
• Welche Stärken haben Sie, die Sie dazu befähigen, ein solches Leben aufzubauen?
• Was muss noch geschehen, bevor Sie das beginnen wollen?
Es ist soweit
Wir freuen uns auf ein neuerliches Treffen im neuen
Nun ist es Zeit, den Worten auch Taten folgen zu Jahr 201 5!
lassen. Auch für uns ist der Moment gekommen, zu
entschleunigen, den Wertstolz-Brief abzuschließen und
Der nächste Wertstolz-Brief erscheint am 1 5. Januar
Sie mit einem Gedicht zu verabschieden. Lassen Sie und wird sich mit dem Thema Fehler beschäftigen.
das Jahr gut ausklingen, gönnen Sie sich Zeit und Haben Sie Anregungen oder Fragen dazu? Schreiben
Genuss und vertrauen Sie Ihrer großen Fähigkeit zur Sie uns: info@wertstolz.de
Veränderung.
4
Wertstolz-Brief 3/201 4
Jahresabschluss
Erschöpft schleicht Bär auf müder Tatze
nach Hause, während es sanft regnet.
Das Jahr war lang und mancher Fratze
wäre er lieber nicht begegnet.
Die Zeit ist reif, um zu genießen,
innezuhalten und zu fragen:
Gab es Erfolge zu begießen?
Was will ich lassen, was neu wagen?
Doch neigt 201 4 sich nun
ganz langsam seinem Ende zu.
Die Hektik ringt gegen das Nichtstun ...
Der Bär sehnt sich nach Winterruh’.
Die Zeit ist reif, um aufzutanken,
und nicht nur Alkohol, auch Kraft.
Und sich bei allen zu bedanken
– auch bei sich selbst, was man so schafft.
Im Januar wird er neu erwachen,
doch jetzt, im Weihnachtslichterglanz,
macht er nur eins: Öffnet den Rachen
und schiebt hinein die Weihnachtsgans.
Der Bär erhebt sein Glas auf alle:
Familie, Arbeit und das Jahr,
das – auch wenn es alsbald verfalle –
rückblickend ganz schön lange war.
Dann gleitet leicht das Bratenmesser
hinein in Hirschkeule und Kloß,
gleich geht’s dem Bären deutlich besser
– was war bloß vorher mit ihm los?
Es sei, so sagt er, viel vollbracht,
nun gelte es, nach vorn zu schauen.
Und dann, Silvestermitternacht,
dem neu geschlüpften Jahr zu trauen!
Die Zeit ist reif zum Glühweintrinken,
zu Lebensfreude und Gesang,
zum In-die-weichen-Polster-sinken
und auch für Kirchenglockenklang.
Dana Haralambie
Impressum
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Robert Kebbekus - Systemische Managementberatung
Erzbergerufer 6, 53111 Bonn
Tel.: 0228-41 0969 1 2
Fax: 0228-41 0969 1 3
robert.kebbekus@wertstolz.de
Dana Haralambie - Offen-Sicht-Licht
Coaching für Klarheit
Margaretenstraße 1 , 531 75 Bonn
dana.haralambie@wertstolz.de
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Wertstolz-Brief 3/201 4
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