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Kurzfassung zum Rahmenkonzept Ebolafieber des RKI - Gesundheit

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Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits- und Veterinärwesen (LUA) Sachsen
01099 Dresden, Jägerstraße 8/10 - Tel. (0351) 8144-0 - Fax (0351) 8144-1020 - Web: www.lua.sachsen.de
Kurzfassung zum Rahmenkonzept Ebolafieber
des Robert Koch-Instituts
Stand: Dezember 2014
Ziel:
Das Rahmenkonzept beschreibt Abläufe, Aufgaben und Zuständigkeiten im Falle des Auftretens von
Ebolafieber-Fällen/ -Verdachtsfällen in Deutschland und richtet sich v. a. an den ÖGD und an medizinisches Fachpersonal in Klinik, Ambulanz und Rettungsdienst.
Infektionsweg:
Übertragung von Mensch zu Mensch durch direkten Körperkontakt mit an Ebolafieber erkrankten oder verstorbenen Menschen und durch Kontakt mit deren Blut, Körperflüssigkeiten bzw.
Ausscheidungen. Keine Hinweise bisher auf eine Übertragung von Mensch zu Mensch als Aerosol
durch die Atemluft.
Dauer der Ansteckungsfähigkeit:
Weitergabe der Infektion während der Inkubationszeit bislang nicht beschrieben. Die Ansteckungsgefahr korreliert mit der Schwere der Erkrankung, das Übertragungsrisiko ist in der Spätphase der Erkrankung am größten, wenn die Viruslast am höchsten ist. Sie kann nach Genesung weiterbestehen,
solange Viruspartikel in Körperflüssigkeiten ausgeschieden werden.
Vorgehen bei Verdacht auf Ebolafieber und erste Maßnahmen:
Der Verdacht muss kritisch geprüft werden (siehe Anlage B*)  Erfragung der Reiseanamnese und
der Risikokontakte zur Identifizierung von begründeten Verdachtsfällen (Hinweis an den Patienten, dass korrekte Angaben dringend notwendig sind), Anamnese aus wenigstens 1 m Abstand zum Patienten. Bei begründetem Verdacht ist sofort das Gesundheitsamt zu informieren, die
endgültige Entscheidung des Vorliegens eines begründeten Verdachtsfalles ist gemeinsam mit dem
Gesundheitsamt und ggf. nach Beratung mit dem Kompetenz- und Behandlungszentrum zu treffen.
Bis zur Entscheidung sollte der Patient im Umfeld vor Ort verbleiben. Bei Feststellung des begründeten Verdachtsfalles ist eine sofortige Verlegung des Patienten auf die Sonderisolierstation des
Behandlungszentrums Klinikum St. Georg gGmbH in Leipzig (Tel.: 0341-909 4005, Mobile: 0170 76
18244) anzustreben. Bei nur schwacher Symptomatik (frühe febrile Phase) und ohne akuten Handlungsbedarf kann das Gesundheitsamt zunächst einen Vor-Ort-Verbleib prüfen, wenn es sich um eine
nach § 30 IfSG „geeignete Einrichtung“ handelt (z. B. Wohnung, Arztpraxis, Aufnahmebereich Krankenhaus. Möglichkeit der Blutentnahme vor Ort zwecks Ebolavirus-Diagnostik mit Kompetenzzentrum
klären).
Labordiagnostik:
Bei begründetem Verdacht: in einem Schutzstufe 4-Labor (siehe Anlage G*). Laboruntersuchungen auf Ebolaviren bei asymptomatischen Kontaktpersonen sind nicht angezeigt. Standardlaboruntersuchungen sollten dementsprechend in einer Sonderisolierstation durchgeführt werden. Bei
Erfordernis einer Untersuchung außerhalb von S4-Laboren, sollte diese nur in Absprache mit dem
Gesundheitsamt und ggf. Kompetenzzentrum erfolgen, es sind mindestens die Bedingungen der
Schutzstufe 3 einzuhalten.
Vorgehen Probenahme und -versand:
Kontaktaufnahme mit Diagnostiklabor (siehe Anlage G*). Bevorzugtes Material für Primärdiagnostik
ist Serum oder EDTA-Vollblut (2 Röhrchen). Zusätzlich Rückstellprobe entnehmen. Zum Nachweis
der Genesung auch Urin, Stuhl, Schweiß, Konjunktival- und Mundschleimhautabstriche verwendbar.
Verpackungsanweisung: P620 „Ansteckungsgefährlicher Stoff, gefährlich für Menschen, UN-Nr.
2814“ (flüssigkeitsdichtes Primärgefäß, flüssigkeitsdichte Sekundärverpackung, starre Außenverpackung), Biohazard-Symbol. Transport erfolgt über die Firmen World Courier (Deutschland)
GmbH, CMK-Logistik Breisach oder durch weitere entsprechend ADR geschulte Transporteure, die
u. U. auch die entsprechenden Verpackungen zur Verfügung stellen können. Ggf. auch Notfalltransport (z. B. Rettungsdienst, Feuerwehr, Polizei).
Meldung:
Ärzte:  unverzügliche namentliche Meldepflicht an das Gesundheitsamt bei begründetem Krankheitsverdacht, Erkrankung oder Tod an virusbedingtem hämorrhagischen Fieber gemäß § 6 IfSG,
Labore:  bei direktem oder indirektem Nachweis, gemäß § 7 IfSG, soweit diese auf eine akute
Ebolavirus-Infektion hinweisen. Diese Meldungen werden gemäß §§ 11, 12 IfSG über die zuständigen
Landesbehörden (LUA) an das RKI übermittelt. Die Übermittlung gemäß § 12 IfSG schließt neben
der Erkrankung/ Tod auch begründete Verdachtsfälle ohne labordiagnostischen Nachweis ein.
Die oberste Landesgesundheitsbehörde (SMS) ist ebenfalls unverzüglich zu informieren.
Umgang mit Kontaktpersonen:
Alle Personen ermitteln, die unmittelbaren Kontakt zum Erkrankten nach Symptombeginn hatten
und alle Personen, die mit infektiösem Material in Kontakt gekommen sein könnten (Familienangehörige, medizinisches Personal, Flugpassagiere (1 Sitz in alle Richtungen, auch über Gang, Crewmitglieder). Kontaktpersonen nach dem Grad des Infektionsrisikos in hohes, mäßiges, sehr geringes
und kein erkennbares Expositionsrisiko einteilen (siehe Kapitel 7.1.2 des RKI-Rahmenkonzeptes).
Empfehlungen für den Umgang mit Personen mit Expositionsrisiko:
Hohes Expositionsrisiko  Absonderung für 21 Tage nach letztem Kontakt und tägliche Abfrage
der Symptome (Fieber) durch das Gesundheitsamt. Mäßiges Expositionsrisiko  Beobachtung
gemäß § 29 IfSG sowie Prüfung von Maßnahmen gemäß § 28 IfSG. Selbstständige Dokumentation
von auftretenden Symptomen für 21 Tage nach letztem Kontakt, regelmäßige Abfrage der Symptome
durch das Gesundheitsamt. Sehr geringes Expositionsrisiko  direkte Meldung beim Gesundheitsamt und gegenseitige Erreichbarkeit sicherstellen. Selbstständige Messung der Körpertemperatur 2 x täglich. Aussetzen der Berufstätigkeit für 21 Tage nach dem letzten Kontakt aus infektiolo gischen Gründen nicht erforderlich, kann aber im Einzelfall erwogen werden.
Vorgehen bei Entwicklung von Symptomen:
Entwickeln Personen mit hohem oder mäßigem Expositionsrisiko während der Inkubationszeit
von 21 Tagen Infektionssymptome, liegt ein begründeter Verdachtsfall vor. Bei Symptomatik 
sensitive Stellung der Verdachtsdiagnose: Auftreten subfebriler Temperaturen mit einzelnen weiteren
Symptomen können evtl. auf den Beginn einer Ebolavirus-Infektion hinweisen. Bei sehr geringem
Expositionsrisiko (unter adäquater Schutzkleidung)  ausführliche Anamnese  Risikoeinschätzung.
Vorübergehende Isolierung von Patienten:
Begründeter Verdachtsfall in medizinischer Einrichtung  Vor-Ort-Verbleib, kurze Verweildauer und
nur absolut notwendige Tätigkeiten am Patienten mit persönlicher Schutzausrüstung: FFP3Halbmaske/ Schutzbrille und Gesichtsschutzschild/ doppelte, flüssigkeitsdichte Schutzhandschuhe/
Einmalschutzanzüge der Kat. 3, vorzugsweise Typ 3 B in Kombination mit Plastik-Einmalschürze/
Einmal-Überziehstiefel (flüssigkeitsdicht) oder Gummistiefel.
An- u. Ablegen der persönlichen Schutzausrüstung (PSA):
Ganzkörper-Dekontamination, An- und Ablegen mit Hilfe weiterer Person (beim Ablegen ebenfalls in
PSA).
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Desinfektionsmaßnahmen/ Abfallentsorgung allgemein:
Wischdesinfektion; in Ausnahmefällen zusätzlich Raumdesinfektion (Formaldehyd oder Wasserstoffperoxid). Kontaminierte Gegenstände, die nicht sicher desinfiziert werden können, gemeinsam
mit der benutzten und dekontaminierten PSA nach AS 18 01 03 entsorgen. Desinfektionsmittel mit
Wirkungsbereich AB aus der RKI-Liste oder der Desinfektionsmittelliste des VAH mit Wirkungsbereich begrenzt viruzid (bzw. viruzid) sind geeignet.
Flächendesinfektion:
Wischdesinfektion aller Oberflächen, die mit Körperflüssigkeiten in direkten Kontakt gekommen
sind, sowie Hautkontaktflächen. Schlussdesinfektion als Scheuer-Wischdesinfektion sämtlicher
zugänglicher Flächen und Gegenstände.
Wäschedesinfektion:
Einmalwäsche  potentiell kontaminierte Kleidungsstücke und sonstige Wäsche  in geeigneter
Verpackung der Abfallentsorgung zuführen.
Abfallentsorgung:
Möglichst Inaktivierung von Abfällen eines begründeten Verdachts- oder Ebolafieber-Falles in unmittelbarer Nähe des Anfallortes (Autoklav), falls unmöglich  Sonderabfallverbrennungsanlage (SAV;
mit Genehmigung für AS 18 01 03). Transport von nicht inaktivierten Abfällen bei bestätigtem Verdacht als Klasse 6.2, Kat. A, UN-Nr. 2814. Ausnahmeregelung: Hochwertige Dreifachverpackung
(Primärbehälter: 1H2/Y Kunststoffdeckelfass, Sekundärverpackung: PE Beutel, Außenverpackung:
1H2/X Kunststoffdeckelfass mit Spannringverschluss).
Abwasserentsorgung:
Begründeter Verdachtsfall: Abwasser, inklusive Stuhl und Urin, außerhalb von Sonderisolierstationen
über separat genutzte Toilette entsorgen. Bestätigter Fall: Abwasser, inklusive Stuhl und Urin, in geeigneten Behältern auffangen und mit einem geeigneten Desinfektionsmittel (mindestens begrenzt
viruzid) für Ausscheidungen versetzen (z. B. Kalkmilch)  separat genutzter Fäkalienabfluss. Sonderisolierstation: Abwasserentsorgung nach Inaktivierung (TRBA 250).
Entsorgung des verwendeten Desinfektionsmittels:
Wenn durch die Anwendung nicht zusätzlich verdünnt  keine relevanten Erregerkonzentrationen
mehr vorhanden  Entsorgung nach Einwirkzeit wie Patienten-Ausscheidungen.
Kriterien für die Entlassung von Ebolafieber-Patienten:
Verlegung auf Infektionsstation, wenn klinische Symptomatik abgeklungen, Patient absprachefähig,
Harn- und Stuhlkontinenz, negative PCR im Blut in 2 unabhängigen Proben im Abstand >24 h. Entlassung, wenn zusätzlich keine Infektiosität von Körperflüssigkeiten in der Zellkultur.
Umgang mit Verstorbenen:
Keine innere Leichenschau. Vollständige Bestreuung der Leiche mit einem speziellen Absorbens.
Den Leichnam in 2 formalingetränkte Tücher (10%ige Lösung) hüllen, danach Leichnam in 2 verschließbare, flüssigkeitsdichte Leichenhüllen aus Kunststoff legen und mit flüssigkeitsdichtem Tape
verkleben bzw. versiegeln. Äußere Desinfektion der Hüllen mit RKI-gelistetem Desinfektionsmittel.
Boden des Sarges mit ausreichender Schicht (mindestens 5 cm) aufsaugender Stoffe versehen. Sarg
mit Biohazard-Zeichen und als hochinfektiös kennzeichnen. Keine besonderen Schutzmaßnahmen
für Bestattungspersonal erforderlich, welches danach den eingesargten Leichnam übernimmt. Kremationen sind der Erdbestattung vorzuziehen.
* gemeint sind die jeweiligen Anlagen des RKI-Rahmenkonzeptes
Herausgeber:
Sächsisches Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz, Referat 23
Albertstraße 10, 01097 Dresden
Fax: 0351 564-5770, E-Mail: infektionsschutz@sms.sachsen.de
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