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Das politische Buch im Gespräch - Landeszentrale für politische

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Das Erstes Halbjahr 2015
politische Buch
im Gespräch
Mit dem vorliegenden Programm setzt die Landeszentrale für
politische Bildung Thüringen die erfolgreiche Reihe „Das politische
Buch im Gespräch“ fort.
Die vorgestellten Bücher und die von uns eingeladenen Autorinnen und Autoren widmen sich der Auseinandersetzung mit
der SED-Diktatur bzw. dem DDR-Alltag, der Auseinandersetzung
mit der nationalsozialistischen Diktatur und deren Folgen, dem
politischen Widerstand, aber auch aktuellen gesellschaftlichen
bzw. politischen Themen sowie zeitgeschichtlichen Jubiläen.
Gemäß dem Selbstverständnis der Landeszentrale für politische
Bildung repräsentieren die von uns eingeladenen Autorinnen und
Autoren unterschiedliche politische Positionen. Mit unserer Lesereihe wollen wir Neuerscheinungen und Autorinnen sowie Autoren
vorstellen und zum Dialog bzw. kontroversen Gespräch einladen.
Ansprechpartner:
Leiter:
Franz-Josef Schlichting, 37 92 700
franz-josef.schlichting@tsk.thueringen.de
Referat 1, stellvertretender Leiter:
Peter Reif-Spirek, 37 92 710,
peter.reif-spirek@tsk.thueringen.de
Referat 2:
Antonio Peter, 37 92 720,
antonio.peter@tsk.thueringen.de
Referat 3:
Ursula Nirsberger, 37 92 730,
ursula.nirsberger@tsk.thueringen.de
Referat 4:
Wieland Koch, 37 92 740,
wieland.koch@tsk.thueringen.de
Landeszentrale für politische Bildung Thüringen
Regierungsstraße 73, 99084 Erfurt
Telefon 0361-37 92 701
Fax 0361-37 92 702
www.lzt-thueringen.de
Das
politische Buch
im Gespräch
Erstes Halbjahr 2015
Sergej Lochthofen
GRAU. Eine Lebensgeschichte aus einem
untergegangenen Land
„Nichts war, nichts ist selbstverständlich. Dass ich im Gulag auf die
Welt kam und doch eine behütete
Kindheit hatte, dass ich von dort
nach Deutschland kam und nicht
irgendwohin in die Steppe, dass es
der Osten war und nicht der Westen,
Gotha und nicht Berlin, dass ich in
eine russische und nicht die deutsche Schule ging, einen sowjetischen Pass und nicht einen Ausweis
der DDR besaß. Nichts davon ist
selbstverständlich. Vermutlich auch
nicht, dass ich keine Heimat habe.“
Der Norden Russlands: Drei Jungen kämpfen in einem schadhaften
Boot mitten im eisigen Fluss um ihr
Leben. Es ist die Workuta, die einer
ganzen Schreckensregion den Namen gibt. Jahrzehnte später steht einer von ihnen auf den Domstufen in Erfurt und verkündet vor Zehntausenden Demonstranten, dass seine Zeitungsredaktion sich gerade von
der allmächtigen Partei unabhängig gemacht hat. Es ist die Geburtsstunde der ersten Reformzeitung in der DDR. Nun blickt Sergej Lochthofen zurück auf ein Leben als Deutscher unter Russen und als Russe
unter Deutschen: erlebte Geschichte, spannend erzählt.
Sergej Lochthofen, Jahrgang1953, ist Journalist. Geboren als Sohn eines deutschen Emigranten und Gulag-Häftlings und der Tochter eines
verbannten Revolutionskommissars in Workuta, siedelte er als Kind
in die DDR über. Er studierte Kunst auf der Krim und Journalismus in
Leipzig. Von 1990 bis Ende 2009 verantwortete er die Zeitung „Thüringer Allgemeine“. Das „Medium-Magazin“ wählte ihn zum „Chefredakteur des Jahres“ (Regionales). Fernsehzuschauer kennen ihn aus
dem „ARD-Presseclub“ oder der „Phoenix-Runde“. Bei Rowohlt ist sein
Buch „Schwarzes Eis. Der Lebensroman meines Vaters“ erschienen.
Dienstag, 6. Januar 2015, 19.00 Uhr
Greiz, Buchhandlung „Bücherwurm“, Markt 2
Weitere Informationen gibt das Leitungsreferat.
2
Hermann Glaser
Adolf Hitlers Hetzschrift „Mein Kampf“.
Ein Beitrag zur Mentalitätsgeschichte des
Nationalsozialismus
Adolf Hitlers Hetzschrift „Mein
Kampf“ steht in einer langen, weit
ins 19. Jahrhundert zurückreichenden
fatalen Tradition, an deren Ende die
Zerstörung der demokratischen Kultur
durch ideologische Betrüger stand.
Warum aus dem Bildungsbürger der
Untertan und dann der „Volksgenosse“ mit abgründiger Spießermentalität wurde, dokumentiert Hermann
Glaser akribisch in diesem Buch, indem er den nationalsozialistischen
Untergrund freilegt, aus dem das
Verderben kroch, und so den Blick für
die Notwendigkeit staatsbürgerlicher
Sensibilität schärft. „Denn wer in der
Demokratie schläft, erwacht in der
Diktatur!“ (Glaser)
Hermann Glaser, geboren 1928 in Nürnberg, arbeitete von 1964 bis
1990 als Schul- und Kulturdezernent der Stadt Nürnberg und gehört zu
den wichtigen kulturpolitischen Vordenkern des Landes. Er wurde mit
dem Waldemar-von-Knoeringen-Preis, dem Schubart-Literatur-Preis und
dem Großen Kulturpreis der Stadt Nürnberg ausgezeichnet. Hermann
Glaser ist Autor zahlreicher Bücher und Aufsätze zu pädagogischen,
sozialwissenschaftlichen, kulturgeschichtlichen und kulturpolitischen
Themen, u.a. „Deutsche Kultur 1945–2000“.
Eine Veranstaltung zum „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“
Montag, 26. Januar 2015, 18.30 Uhr
Eisenach, Steigenberger Hotel „Thüringer Hof“, Karlsplatz 11
Dienstag, 27. Januar 2015, 19.00 Uhr
Weimar, Stadtbücherei, Steubenstraße 1
Weitere Informationen gibt das Referat 1.
3
Lutz Seiler
Kruso
Als das Unglück geschieht, flieht
Edgar Bendler aus seinem Leben. Er
wird Abwäscher auf Hiddensee, jener
legendenumwogten Insel, die, wie es
heißt, schon außerhalb der Zeit und
„jenseits der Nachrichten“ liegt. Im
Abwasch des Klausners, einer Kneipe
hoch über dem Meer, lernt Ed Alexander Krusowitsch kennen - Kruso. Eine
schwierige, zärtliche Freundschaft
beginnt. Von Kruso, dem Meister und
Inselpaten, wird Ed eingeweiht in die
Rituale der Saisonarbeiter und die
Gesetze ihrer Nächte, in denen Ed
seine sexuelle Initiation erlebt. Geheimer Motor dieser Gemeinschaft
ist Krusos Utopie, die verspricht,
jeden Schiffbrüchigen des Landes
(und des Lebens) in drei Nächten zu
den Wurzeln der Freiheit zu führen.
Doch der Herbst 89 erschüttert die Insel. Am Ende steht ein Kampf auf
Leben und Tod – und ein Versprechen. Inselabenteuer und Geschichte
einer außergewöhnlichen Freundschaft: Lutz Seilers erster, lang erwarteter Roman schlägt einen Bogen vom Sommer 89 bis in die Gegenwart. Die
einzigartige Recherche, die diesem Buch zugrunde liegt, folgt den Spuren
jener Menschen, die bei ihrer Flucht über die Ostsee verschollen sind, und
führt uns dabei bis nach Kopenhagen, in die Katakomben der dänischen
Staatspolizei.
Lutz Seiler, geboren 1963, wuchs im thüringischen Gera-Langenberg auf.
Nach einer Lehre als Baufacharbeiter arbeitete er als Maurer und Zimmermann. Während der Wehrdienstzeit bei der NVA begann er sich für Literatur zu interessieren und selbst Gedichte zu schreiben. Bis 1990 studierte
er Germanistik an den Universitäten in Halle (Saale) und in Berlin. Von
1993 bis 1998 war er einer der Herausgeber der Literaturzeitschrift Moosbrand. Seit 1997 leitet er das literarische Programm im Peter-HuchelHaus in Wilhlemshorst. 2007 wurde Lutz Seiler für die Erzählung Turksib
mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis ausgezeichnet. Für sein Romandebüt
„Kruso“ erhielt er den Deutschen Buchpreis. Seiler lebt in Wilhelmshorst
im Peter-Huchel-Haus und mit seiner Frau in Stockholm.
Mittwoch, 28. Januar 2015, 19.00 Uhr
Erfurt, Gedenk-und Bildungsstätte Andreasstraße, Andreasstr. 37a
Eintritt: 5/3 Euro (Karten über Ticketshop Thüringen)
Weitere Informationen gibt das Leitungsreferat.
4
Alexander Häusler, Rainer Roeser
Die rechten „Mut“-Bürger. Entstehung, Entwicklung, Personal & Positionen der „Alternative für Deutschland“
In vielen europäischen Ländern
sind rechtspopulistische Parteien
stark verankert. Sein Aufstieg ist
Ausdruck einer Krise der politischen Repräsentation. Im Hinblick
auf das deutsche Parteiensystem
wurde von der Forschung lange
Zeit eine „rechtspopulistische
Lücke“ konstatiert, denn die hiesigen Rechtsparteien konnten
trotz vereinzelter Wahlerfolge auf
Länder­ebene nie auf vergleichbare
Erfolgsgeschichten wie etwa die
FPÖ oder der Front National verweisen. Die offene Frage ist, ob die AfD
diese rechtspopulistische Lücke
füllen kann. Durch die Wahl­erfolge
der Partei „Alternative für Deutschland“ (AfD) – auch in Thüringen –
eröffnen sich erstmals seit vielen Jahren wieder neue parteipolitische
Handlungsoptionen für neoliberale, nationalkonservative und neurechte Kräfte. Die AfD bedient zudem Themen des Buchautors Thilo
Sarrazin. Die Autoren stellen die Entwicklung dieser neuen politischen
Formation dar und analysieren die Positionen der Partei wie auch ihre
Wählerbasis. Zudem werden die politischen Kontextbedingungen des
AfD-Erfolgs und die Reaktionen des rechten Randes beschrieben.
Alexander Häusler ist Sozialwissenschaftler und wissenschaftlicher
Mitarbeiter des Forschungsschwerpunktes Rechtsextremismus/Neonazismus der FH Düsseldorf. Er ist ein ausgewiesener Experte für rechtspopulistische Strömungen. Veröffentlichungen u.a.: „Rechtspopulismus als
Bürgerbewegung“ (2008); „Die ‚Alternative für Deutschland‘ – eine
neue rechtspopulistische Partei?“ Hrsg. von der Heinrich-Böll-Stiftung
NRW (2013); „Rechtspopulismus in Europa und die rechtspopulistische Lücke in Deutschland“ (zusammen mit Rainer Roeser, 2014).
Eine gemeinsame Veranstaltung mit dem Institut für Soziologie/ Lehrstuhl Arbeitssoziologie
Donnerstag, 5. Februar 2015, 19.00 Uhr
Jena, Universität, Hörsaal 4, Carl-Zeiß-Str. 3
Weitere Informationen gibt Referat 1.
5
Udo Scheer
Reiner Kunze. Dichter sein.
Eine deutsch-deutsche Freiheit
Empört gegen das System hat er sich
schon früh – der Dichter Reiner Kunze.
Mit dem Prosaband „Die wunderbaren
Jahre“ gelingt ihm der Durchbruch als
Weltautor. Das Szenario für seinen
Ausschluss aus dem Schriftstellerverband der DDR wird im SED-Politbüro
beschlossen und Hermann Kant ruft
ihm nach der erzwungenen Ausreise
nach: „Kommt Zeit, vergeht Unrat.“ In
der Bundesrepublik erhält er Preise
und wird attackiert. Und nach wie vor
füllt er Säle, wenn er aus seinen Büchern liest.
Udo Scheer erzählt aus persönlichem
Erleben und im Zeitlauf der Geschichte
von diesem gefeierten, unbequemen
Dichter, der bis heute polarisiert.
Udo Scheer, geb. 1951, studierte an der FSU Jena und war Mitglied im
1975 verbotenen Arbeitskreis Literatur Jena. Die Veröffentlichung seiner
literarischen Arbeiten wurde in der DDR bis 1989 weitgehend verhindert,
seit 1993 ist er freiberuflicher Publizist und Schriftsteller, Mitglied des
Autorenkreises der Bundesrepublik und des PEN-Zentrums deutschsprachiger Autoren im Ausland.
Mittwoch, 11. Februar 2015, 19.00 Uhr
Neustadt-Orla, Stadtbibliothek
Gerberstr. 2, Neustadt-Orla
Weitere Informationen gibt das Leitungsreferat.
6
Jürgen Schmidt
August Bebel. Kaiser der Arbeiter
August Bebel wurde am 22. Februar
1840 in Deutz geboren. Aus Anlass seines 175. Geburtstags stellen wir eine
aktuelle Biographie über den „Kaiser der
Arbeiter“ vor. Bebel war die Führungsfigur der deutschen Arbeiterbewegung
von Mitte der 1860er-Jahre bis zu seinem Tod am 13. August 1913. Sein Weg
vom einfachen Drechslergesellen zum
„Polit-Star“ des deutschen Kaiserreichs
stand paradigmatisch für den Aufstieg
der Arbeiterbewegung, die gerade in
Thüringen ihre frühe Zentren hatten.
Bebels Wirken verband den Kampf um
soziale Gerechtigkeit mit bürgerschaftlichem Engagement. In Bebels Lebensweg und Arbeit spiegeln sich Fragen, die
bis heute aktuell sind: Fragen nach der
Integration in die Gesellschaft, nach sozialer Gerechtigkeit und politischer
Partizipation sowie nach der Zukunft unserer Gesellschaft.
Das Buch verortet August Bebel in einer von Kapitalismus, Industrialisierung und zunehmender Politisierung geprägten Gesellschaft. Es zeigt
dabei einen vielgestaltigen Charakter, der souverän die Parteigelder auf
dem Kapitalmarkt anlegte, gegen Militarismus und Aufrüstung kämpfte,
aber durchaus bereit war, Deutschland gegen das zaristische Russland zu
verteidigen. Einer, der für die Politik lebte und an die Zukunft des Sozialismus glaubte, ohne sich grundsätzlich der Reformpolitik zu verschließen.
Jürgen Schmidt, geb. 1963 in Würzburg, Studium der Geschichte, Politikwissenschaft und Germanistik in Heidelberg, Innsbruck und Berlin (Freie
Universität). Wissenschaftlicher Mitarbeiter u. a. am Wissenschaftszentrum
Berlin für Sozialforschung, seit 2009 im Internationalen Geisteswissenschaften Kolleg „Arbeit und Lebenslauf in globalgeschichtlicher Perspektive“ an der Berliner Humboldt-Universität. Jürgen Schmidt ist ein intimer
Kenner der frühen Arbeiterbewegung. Zahlreiche Buch- und Zeitschriftenveröffentlichungen u. a. „Begrenzte Spielräume. Eine Beziehungsgeschichte von Arbeiterschaft und Bürgertum am Beispiel Erfurts 1870–1914“.
Montag, 23. Februar 2015, 19.00 Uhr
Gotha, Historischer Saal des Tivoli, Am Tivoli 3
Weitere Informationen gibt Referat 1.
7
Jörg Diehl, Thomas Heise, Claas Meyer-Heuer
Rockerkrieg. Warum Hells Angels und
Bandidos immer gefährlicher werden
Hells Angels, Bandidos, Outlaws
oder Gremium – die Motorradclubs,
die sich hinter diesen Namen verbergen, haben in den vergangenen
Jahren immer wieder für Schlagzeilen gesorgt. Die Rocker morden,
erpressen, dealen, gehen mit Messern und Schusswaffen aufeinander
und auf die Polizei los. Diese tut
sich schwer damit, die Banden in
Schach zu halten, auch wenn es in
den letzten Monaten zu Verhaftungen, Razzien und Vereinsverboten
gekommen ist. Doch reichen diese
Maßnahmen aus? Rocker sind längst
nicht mehr nur die tumben Schläger,
die vor Diskotheken stehen und dort
den Drogenhandel kontrollieren. Sie
mischen in der Lebensmittelbranche mit, machen Immobiliendeals,
sie sind Gastronomen, führen Unternehmen und profitieren massiv von
der Vermarktung ihres Lifestyles. Kurz: Sie sind inzwischen Teil der organisierten Kriminalität in Deutschland und liefern sich einen Krieg um
Macht und Einfluss – untereinander und gegen den Staat.
Claas Meyer-Heuer, geboren 1978, arbeitete nach dem Abitur als
Karussellbremser und schrieb als freier Mitarbeiter für den „Kölner
Stadt-Anzeiger“, unter anderem als Polizei- und Gerichtsreporter. Er
studierte Sportwissenschaft in Köln und ist Absolvent der RTL-Journalistenschule für TV und Multimedia. Ab 2005 arbeitete Meyer-Heuer als
Regionalreporter für RTL, seit 2007 ist er als Reporter für SPIEGEL-TV
tätig.
Dienstag, 24. Februar 2015, 19.00 Uhr
Greiz , Stadt- und Kreisbibliothek,
Kirchplatz 4
Weitere Informationen gibt Referat 2.
8
Markus Decker
Zweite Heimat.
Westdeutsche im Osten
Knapp zweieinhalb Millionen
Frauen und Männer sind seit der
Wiedervereinigung in den „wilden
Osten“ gegangen: aus beruflichen Gründen, der Liebe wegen
oder aus purer Abenteuerlust.
So wie Rainald Grebe, Kabarettist aus dem Rheinland, dem der
Westen zu spießig war, wie Gertraud Huber aus Niederbayern,
die in der Uckermark den beliebten „Huberhof“ betreibt, oder wie
Dirk Grotkopp, der als Landarzt in
Mecklenburg gebraucht wird. Der
Weg in die zweite Heimat ist lang,
mitunter steinig und voller Überraschungen. Von der Faszination des
Fremden, dem Anderssein und der
Sehnsucht anzukommen, davon
handeln diese lebensprallen, einfühlsamen erzählten Porträts. Sie
bieten einen neuen Blick auf die gesamtdeutsche Geschichte – 25
Jahre nach dem Mauerfall.
Markus Decker, Jahrgang 1964, Studium der Politikwissenschaft, Soziologie und Romanistik in Münster und Marburg, ab 1994 Redakteur
in der Lutherstadt Wittenberg und in Halle, seit 2001 Berliner Parlamentskorrespondent für die Mitteldeutsche Zeitung und den Kölner
Stadt-Anzeiger, seit 2012 auch für die Berliner Zeitung und die Frankfurter Rundschau.
2006 erhielt Markus Decker den Journalistenpreis Münsterland für einen autobiografischen Text über seine Heimatstadt. Er lebt in Berlin.
Mittwoch, 25. Februar 2015, 19.30 Uhr
Meiningen, Stadtbibliothek „Anna Seghers“,
Ernestinerstraße 38
Weitere Informationen gibt Referat 3.
9
Rüdiger Wenzke
„Damit hatten wir die Initiative verloren.“
Zur Rolle der bewaffneten Kräfte in der DDR
1989/90
Ende der 1980er-Jahre befand sich
die DDR in einer tiefen Krise. Davon
betroffen waren auch das ostdeutsche Militär und andere bewaffnete
Organe. Der vorzustellende Sammelband beschreibt, wie die SED-Führung im Sinne der eigenen Machterhaltung versuchte, die Waffenträger
in der DDR zur Bewältigung der Krise
einzusetzen. Die Autoren analysieren dazu die Lage in der Nationalen
Volksarmee, den Grenztruppen der
DDR, den Volkspolizei-Bereitschaften, den „Kampfgruppen der Arbeiterklasse“ sowie in den sowjetischen
Streitkräften. Eine Chronik und ein
Dokumentenanhang ergänzen die
Kernaussagen des Bandes.
Donnerstag, 26. Februar 2015, 19.00 Uhr
Erfurt, Begegnungsstätte Kleine Synagoge,
An der Stadtmünze 4–5
Weitere Informationen gibt das Leitungsreferat.
10
Frank Beer, Wolfgang Benz, Barbara Distel (Hrsg.)
Nach dem Untergang . Die ersten Zeugnisse
der Shoah in Polen 1944–1947
Überlebende der Ghettos und Lager auf polnischem Boden fanden
sich im Sommer 1944 in Lublin zur
Zentralen Jüdischen Historischen
Kommission zusammen. Sie begaben sich auf Spurensuche des
Judenmords, sicherten Beweise
für den Untergang der Ghettos in
Warschau, Bialystok und Wilna,
für die Vernichtung der jüdischen
Stetl, das Geschehen in den Vernichtungslagern Bełżec, Sobibór
und Treblinka. In 39 Büchern und
Broschüren dokumentierten die jüdischen Historiker die Berichte der
Überlebenden in polnischer und
jiddischer Sprache. Eine Auswahl
von zwölf Texten wird jetzt zum ersten Mal in deutscher Sprache veröffentlicht. Die Berichte dieser Zeitzeugen der frühen Stunde sind einmalige Dokumente des Holocaust,
ebenso authentisch wie ergreifend.
Prof. Dr. Wolfgang Benz war von 1990 bis 2011 Leiter des renommierten Zentrums für Antisemitismusforschung (TU Berlin). Er ist Herausgeber des Jahrbuchs für Antisemitismusforschung und der Zeitschrift
für Geschichtswissenschaft. Zahlreiche Veröffentlichungen zu den
Themen Nationalsozialismus, Antisemitismus und vergleichender Vorurteilsforschung, u.a. „Was ist Antisemitismus?“ (2005); „Die Feinde
aus dem Morgenland. Wie die Angst vor Muslimen unsere Demokratie
gefährdet“ (2013); „Sinti und Roma. Die unerwünschte Minderheit.
Über das Vorurteil Antiziganismus“ (2014).
Donnerstag, 5. März, 19.00 Uhr
Weimar, Eckermann Buchhandlung, Marktstraße 2
Weitere Informationen gibt Referat 1.
11
Achim Engelberg
Bismarck.
Sturm über Europa. Biographie
Otto von Bismarck ist eine der prägendsten Gestalten in der deutschen Politik des 19. Jahrhunderts
und hat als Reichsgründer und
Machtpolitiker deutsche Geschichte geschrieben. Ernst Engelbergs
zweibändige Bismarckbiographie
„Urpreuße und Reichsgründer &
Das Reich in der Mitte Europas“ erregte 1985 aufgrund des gleichzeitigen Erscheinens in Ost und West
großes Aufsehen. Aufgrund ihres
Inhalts wurde die Biografie damals
als Maßstab setzend gewürdigt.
Anlässlich Bismarcks 200. Geburtstag am 1. April 2015 erscheint der
Klassiker als aktualisierte Neuausgabe unter dem Titel „Sturm über
Europa“. Achim Engelberg hat das
Hauptwerk seines Vaters bearbeitet, für die Neuausgabe gekürzt und damit die Möglichkeit eröffnet,
Bismarck im 21. Jahrhundert neu zu entdecken. In seinen Vortrag in
Hermsdorf wird der Herausgeber außerdem Ergebnisse der Recherchen von Waltraud Engelberg einfließen lassen, deren Buch „Das private Leben der Bismarcks“ im Oktober 2014 erschienen ist.
Achim Engelberg wurde am 7. September 1965 in Ost-Berlin geboren.
Er studierte Geschichts- und Theaterwissenschaft und promovierte
über den englischen Autor John Berger. Heute arbeitet er als Autor,
Filmemacher und Publizist, unter anderem schreibt er regelmäßig für
die „NZZ“, die „Blätter für deutsche und internationale Politik“, „Der
Freitag“ und „Kommune. Forum für Politik, Ökonomie und Kultur“.
Montag, 9. März, 19.00 Uhr
Hermsdorf, Stadtbibliothek, Am Alten Versuchsfeld 1
Weitere Informationen gibt Referat 4.
12
Frank Willmann
Kassiber aus der Gummizelle. Geschichten
vom Fußball
Frank Willmanns Texte sind so
wild, wie es der Fußball sein sollte. Auf seinen Reisen durch Ostdeutschland nimmt er vor allem
die Fans in den Blick. Bei Stahl
Brandenburg erlebt er sie auf
dem Gipfel der Verzweiflung, bei
Dynamo Dresden zutiefst gespalten, und im Thüringer Braunkohlerevier erinnert er sich nostalgisch an den schwarzen Schnee,
der hier einst auf die Fußballfelder rieselte.
Weitere Adressen seiner Besuchsfahrten sind beispielsweise: ein Provinzverein in Lebus,
Öko-Freunde des BFC Dynamo,
das „Paradies“ (Stadion in Jena),
sächsische Gründungsmitglieder
eines Liverpool-Fanclubs und die
eifrigen Jugendspieler von Borussia Pankow, aber auch Köln,
Essen, Prag, Sao Paulo und Finnland.
Voller Sarkasmus mosert Willmann gegen die Bayern, und mit munterer
Ironie schildert er die letzten Abenteuer, die der Fußball zu bieten hat.
Beispielsweise einen Trip zu den Fußballfeldern des Balkans, zu fünft in
einem alten Passat-Kombi.
Frank Willmann wurde 1963 in Weimar geboren und lebt heute in Berlin. Neben Lyrikbänden veröffentlichte er mehrere Bücher über Fußball
und zur Subkultur in der ehemaligen DDR. Im Berliner „Tagesspiegel“
erscheint wöchentlich eine Kolumne von ihm. Frank Willmann ist Mitglied der deutschen Autoren-Nationalmannschaft.
Sonntag, 15. März 2015, 20.00 Uhr
Jena, Café Wagner, Wagnergasse 26
Montag, 16. März 2015, 19.00 Uhr
Hermsdorf, AWO Jugendhaus Hermsdorf, Naumburger Str. 32
Dienstag, 17. März 2015, 19.00 Uhr
Weimar, Zur Alten Laterne, Geleitstraße 17
Mittwoch, 18. März 2015, 19.00 Uhr
Erfurt, Fanprojekt Erfurt, Johannesstr. 82
Weitere Informationen gibt Referat 1.
13
Marcel Rosenbach, Holger Stark
Der NSA-Komplex. Edward Snowden und der
Weg in die totale Überwachung
Edward Snowden hat enthüllt, wie
weitgehend die Geheimdienste unser Leben überwachen. Nahezu täglich kommen neue Details der allumfassenden Spionage ans Licht. Die
SPIEGEL-Autoren Marcel Rosenbach
und Holger Stark konnten große Teile
der von Edward Snowden bereitgestellten und „streng geheim“ eingestuften Dokumente aus den Datenbanken der NSA und des britischen
GCHQ auswerten. In ihrem Buch zeigen sie die gesamte Dimension eines
Überwachungsapparates auf, der
nicht nur die Privatsphäre bedroht,
sondern die Grundlagen demokratischer Gesellschaften – und damit
selbst diejenigen, die bislang glaubten, sie hätten nichts zu verbergen.
Marcel Rosenbach, geboren 1972, schrieb zunächst als Redakteur für
die „Berliner Zeitung“ und ist seit 2001 beim SPIEGEL. Der Geheimdienstexperte, der seit Jahren über Sicherheits- und Netzthemen berichtet, ist dort stellvertretender Ressortleiter Wirtschaft. 2010 hat er
gemeinsam mit Holger Stark für den SPIEGEL die Dokumente der Enthüllungsplattform WikiLeaks ausgewertet und darüber 2011 den Bestseller „Staatsfeind WikiLeaks“ geschrieben.
Mittwoch, 18. März 2015, 19.30 Uhr
Gera, Stadt- und Regionalbibliothek
Puschkinplatz 7
Weitere Informationen gibt Referat 2.
14
Guido Steinberg
Al-Qaidas deutsche Kämpfer. Die Globalisierung des islamistischen Terrorismus
Es scheint ruhiger geworden zu
sein um den islamistischen Terrorismus in Deutschland. Doch
dieser Schein trügt, stellt der Terrorismusexperte Guido Steinberg
fest. Die deutsche DschihadistenSzene gilt seit 2007 als die dynamischste Europas.
Nirgendwo sonst in der westlichen
Welt ist die Zahl der Rekruten für
al-Qaida und Co. ähnlich schnell
gewachsen wie hier. Deutsche
Glaubenskrieger, Konvertiten ebenso wie Immigranten, reisen in Länder wie Pakistan, Tschetschenien
und Somalia, werden dort ausgebildet und im terroristischen und
militärischen Kampf eingesetzt.
Mittlerweile verfügen viele von ihnen über Kampferfahrung, erworben etwa in Afghanistan und seit einigen Jahren auch in Syrien.
Guido Steinbergs umfassende, niemals alarmistische politische Analyse zeichnet die Radikalisierung dieser Kämpfer für Gott und al-Qaida
nach und ordnet das Phänomen in die internationale Entwicklung des
islamistischen Terrorismus ein. Exklusiv für die deutsche Ausgabe erweitert Steinberg sein Buch um ein Kapitel über die deutschen Gotteskrieger in Syrien. Eindringlich warnt er vor einer Entwicklung, die aus
Deutschland kommend auch wieder dorthin zurückkehren kann.
Guido Steinberg ist promovierter Islamwissenschaftler und arbeitet
bei der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) in Berlin über die Politik des Nahen und Mittleren Ostens mit den Schwerpunkten Arabische
Halbinsel, Politischer Islam und islamistischer Terrorismus. Steinberg
war bis Oktober 2005 Terrorismusreferent im Bundeskanzleramt, tritt
regelmäßig als Gutachter in Terrorismusverfahren auf und ist ein in den
Medien gefragter Nahost- und Terrorismusexperte.
Donnerstag, 19. März 2015, 19.00 Uhr
Erfurt, Begegnungsstätte Kleine Synagoge,
An der Stadtmünze 4–5
Weitere Informationen gibt das Leitungsreferat.
15
Wolfgang Bauer
Über das Meer. Mit Syrern auf der Flucht nach
Europa.
Vor unseren Augen spielt sich eine
doppelte humanitäre Katastrophe
ab: Der syrische Bürgerkrieg fordert
nach wie vor zahllose Menschenleben. Millionen Syrer sind auf der
Flucht. Einige von ihnen wagen von
Ägypten aus die Überfahrt nach
Europa. Bei diesem Unterfangen
sterben Jahr für Jahr Hunderte Menschen, das Mittelmeer ist damit die
gefährlichste Seegrenze der Welt.
Der Reporter Wolfgang Bauer hat
syrische Flüchtlinge begleitet. In
ihren Verstecken in Ägypten, im
Boot, auf den Straßen Europas. Er
schildert Schicksale, die sich hinter
den abstrakten Zahlen verbergen,
und die dramatischen Umstände
der Flucht. Ein authentisches Dokument und zugleich ein leidenschaftlicher Appell für eine humanitärere Flüchtlingspolitik.
Wolfgang Bauer, geboren 1970, arbeitet für die Wochenzeitung Die
Zeit. Für seine Reportagen wurde er u. a. mit dem Katholischen Medienpreis und dem Prix Bayeux-Calvados des Correspondants de Guerre
ausgezeichnet.
Mittwoch, 25. März 2015, 19.00 Uhr
Eisenberg, „Café International“, Jenaer Str. 45
Donnerstag, 26. März 2015, 19.30 Uhr
Erfurt, Stadt- und Regionalbibliothek, Domplatz 01
Weitere Informationen gibt Referat 1.
16
Rüdiger Frank
Nordkorea.
Innenansichten eines totalen Staates
Nordkorea schottet sich ab. Aus
dem vom Kim-Clan seit Jahrzehnten
diktatorisch regierten Staat erhalten wir nur spärliche Nachrichten,
und wenn, dann liefern sie meist
Negativschlagzeilen: Nahrungsmittelknappheit, Menschenrechtsverletzungen, Atomwaffenversuche, Waffenhandel, Streit mit Südkorea. Die
ideologische Gleichschaltung wird
von der Bevölkerung augenscheinlich klaglos hingenommen.
Rüdiger Frank ist einer der wenigen
westlichen Kenner Nordkoreas, und
seine Expertise ist vielerorts gefragt.
In diesem Buch fasst er erstmals
seine Erfahrungen und Eindrücke
aus über zwanzig Jahren zusammen. Er beschreibt die für westliche
Beobachter schwer einsehbaren
Machtstrukturen um die Kim-Familie, die Partei und das Militär sowie die Traditionen und das Selbstverständnis der Nordkoreaner, die sich gegen ihre Nachbarn behaupten
wollen. Er schildert die Unzulänglichkeiten des sozialistischen Staatswesens, aber auch die vorsichtigen Reformversuche und bescheidenen marktwirtschaftlichen Experimente, die sich im Alltag der Nordkoreaner durchaus bemerkbar machen. Nordkorea ist rätselhaft und
widersprüchlich. Rüdiger Frank gelingt es jedoch, eine uns weitgehend
unbegreiflich erscheinende Gesellschaft ein gutes Stück begreiflicher
zu machen.
Rüdiger Frank, geboren 1969 in Leipzig, studierte Wirtschaftswissenschaften, Internationale Beziehungen und Koreanistik in Berlin und
Duisburg. 1991/92 verbrachte er ein Sprachsemester an der Kim-IlSung-Universität in Pjöngjang und bereist seither das Land regelmäßig. Nach Lehrtätigkeit in New York und Seoul ist er heute Professor
für Wirtschaft und Gesellschaft Ostasiens an der Universität Wien und
Vorstand des dortigen Instituts für Ostasienwissenschaften. Auch ist er
viel gefragter Experte, Mitglied des World Economic Forum und hat u.a.
das Gremium ehemaliger Staatsmänner um Jimmy Carter, The Elders,
beraten.
Donnerstag, 26. März 2015, 19.00 Uhr
Ettersburg, Schloss Ettersburg
Weitere Informationen gibt das Leitungsreferat.
17
Michael Sturm, Martin Langebach (Hrsg.)
Erinnerungsorte der extremen Rechten
Geschichtspolitik ist für die extreme
Rechte von zentraler Bedeutung. Das
spiegelt sich in zahllosen Artikeln
in ihren Periodika ebenso wie bei
regelmäßig durchgeführten Aufmärschen mit historischen Bezügen etwa
in Dresden, Bad Nenndorf, Remagen oder Wunsiedel. Das kollektive
Gedächtnis der extremen Rechten
ist durch ein breites Repertoire an
Mythen, Bildern und Erzählungen
geprägt, die in Anlehnung an Pierre
Nora als „Erinnerungsorte“ begriffen werden können. Diese beziehen
sich nicht nur auf geografische Orte,
sondern auch auf Artefakte, Ideen
und Ereignisse, wie etwa die Bombardierungen deutscher Städte während des Zweiten Weltkriegs. Erinnerungsorte erfüllen für die extreme Rechte somit eine wichtige gemeinschaftsstiftende Funktion.
In dem Sammelband werden einige dieser Erinnerungsorte vorgestellt.
Die Autorinnen und Autoren analysieren deren symbolische Aufladung, dekonstruieren die daran geknüpften Mythen und fragen nach
der strategischen Bedeutung dieser Erinnerungsorte für extrem rechte Politikkonzepte. Im Rahmen der Veranstaltung analysieren Michael
Sturm und Martin Clemens Winter die zentralen geschichtspolitischen
Argumentationsmuster der extremen Rechten vor allem am Beispiel
der Erinnerung an den Luftkrieg. Diskutiert werden soll aber auch, wie
demokratische Erinnerungskulten gestaltet werden können, um keine
Anknüpfungspunkte für rechtsextreme Aneignungs- und Vereinnahmungsversuche zu bieten.
Michael Sturm, Historiker, ist pädagogisch-wissenschaftlicher Mitarbeiter im Geschichtsort Villa ten Hompel der Stadt Münster und Mitarbeiter der Mobilen Beratung im Regierungsbezirk Münster – Gegen
Rechtsextremismus, für Demokratie (mobim).
Martin Clemens Winter, M.A., arbeitet als Historiker an der Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig. Er hat in dem Sammelband über die
Erinnerung an den Luftkrieg geschrieben.
Dienstag, 31. März 2015, 19.00 Uhr
Nordhausen, FLOHBURG – Das Nordhausen Museum, Barfüßer Str. 6
Weitere Informationen gibt Referat 1.
18
Stephanie Bart
Deutscher Meister. Ein Roman
Der Verband Deutscher Faustkämpfer ist über die nationalsozialistische Machtübernahme begeistert,
denn Hitler unterstützt das Boxen.
Die Funktionäre werden zu Vorreitern der Gleichschaltung. Sämtliche
jüdische Boxer, Trainer und Promoter werden von den Mitgliederlisten
gestrichen.
Berlin, 9. Juni 1933: Johann Rukelie Trollmann ist ein talentierter,
unkonventionell kämpfender Boxer
und charismatischer Publikumsliebling. Er steht im Kampf um die
Deutsche Meisterschaft. Seinem
Gegner ist er überlegen. Doch Trollmann ist Sinto. SA steht am Ring.
Funktionäre und Presse tun alles,
um seine Karriere zu zerstören und
ihn endgültig auf die Bretter zu
schicken. – „Deutscher Meister“
führt ins Innerste der nationalsozialistischen Machtentfaltung und an
ihre Grenzen.
Stephanie Bart, geboren 1965 in Esslingen am Neckar, studierte Ethnologie und Politische Wissenschaften an der Universität Hamburg.
Seit 2001 lebt sie in Berlin. Für die Arbeit an „Deutscher Meister“ erhielt sie das Stipendium des Deutschen Literaturfonds 2011 und 2012.
Mittwoch, 8. April 2015, 19.30 Uhr
Weimar, Stadtbücherei, Steubenstraße 1
Weitere Informationen gibt Referat 1.
19
Regina Scheer
Machandel
Als Clara 1985 ihren Bruder Jan vor
seiner Ausreise aus der DDR nach
Machandel begleitet, findet sie in
dem mecklenburgischen Dorf eine
verwunschene Sommerkate. Schon
ihr Vater, der Kommunist und von
den Nazis verfolgte Hans Langer,
hatte in den letzten Kriegstagen
in Machandel Zuflucht gefunden,
bevor er im neuen Staat Minister
wurde. Doch nun kehrt sein Sohn
diesem Staat dem Rücken, und Clara engagiert sich in Bürgerbeweg­
ungen.
Was ist nur aus all den Träumen und
Hoffnungen von damals geworden?
Regina Scheer, 1950 in Berlin geboren, studierte Theater – und Kulturwissenschaft an der HumboldtUniversität. Von 1972–1976 arbeitete sie bei der Wochenzeitschrift
„Forum“, danach war sie freie Autorin von Reportagen, Essays und
Liedtexten und Mitarbeiterin der Literaturzeitschrift „Temperamente“.
Nach 1990 arbeitete sie an Ausstellungen, Filmen und Anthologien mit
und veröffentlichte mehrere Bücher zur deutsch-jüdischen Geschichte. Machandel ist ihr erster Roman. Für ihr Romandebüt erhielt Regina
Scheer erst kürzlich den Mara-Cassens-Preis 2014.
Dienstag, 14. April 2015, 19.00 Uhr
Saalfeld/Saale, Stadt- und Kreisbibliothek, Markt 7
Weitere Informationen gibt Referat 3.
20
Philipp Ther
Die neue Ordnung auf dem alten Kontinent.
Eine Geschichte des neoliberalen Europa
Als im November 1989 die Mauer
fiel, begann ein Großexperiment
kontinentalen Ausmaßes: Die ehemaligen Staaten des „Ostblocks“
wurden binnen kurzer Zeit auf eine
neoliberale Ordnung getrimmt und
dem Regime der Privatisierung
und Liberalisierung unterworden.
Philipp Ther war vor Ort, als die
Menschen damals in Prag auf die
Straße gingen, später lebte er mehrere Jahre in Tschechien, Polen und
der Ukraine. In diesem Buch legt
er eine umfassende zeithistorische
Analyse der neuen Ordnung auf
dem alten Kontinent vor – und zwar
erstmals in gesamteuropäischer
Perspektive. Angereichert durch
persönliche Erfahrungen, rekapituliert Ther den Verlauf der „verhandelten Revolutionen“. Er zeigt, dass
der Umbau der mittel- und osteuropäischen Ökonomien auch auf Länder im Westen zurückwirkte.
Ther räumt mit einigen Mythen rund um „1989“ auf und zieht eine
Zwischenbilanz, die für breite Diskussionen sorgen wird: Was funktionierte besser – radikale Schocktherapien oder schrittweise Reformen?
Welche Lehren lassen sich im Hinblick auf die gegenwärtige Krise der
südeuropäischen Länder ziehen? Und warum wurde Berlin wirtschaftlich von Städten wie Warschau oder Prag überholt?
Philipp Ther, geboren 1967, ist Professor am Institut für Osteuropäische Geschichte der Universität Wien. Ther war zuvor unter anderem
John F. Kennedy Fellow an der Harvard University und Professor am
European University Institute in Florenz. Sein Buch „Ethnische Säuberungen im modernen Europa“ wurde 2012 vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet.
Mittwoch, 15. April 2015, 18.00 Uhr
Jena, Universitäts- und Landesbibliothek, Vortragssaal,
Bibliotheksplatz 2
Weitere Informationen gibt Referat 1.
21
Peter Wensierski
Die verbotene Reise. Die Geschichte einer
abenteuerlichen Flucht
In den achtziger Jahren, das Ende
der DDR ist noch nicht absehbar,
verlieben sich die Ost-Berliner
Studenten Jens und Marie ineinander und ziehen zusammen
in eine Wohnung in Prenzlauer
Berg. Sie eint die Sehnsucht nach
fernen Ländern und nach wilder
Natur. Sie fälschen die Einladung
eines mongolischen Bergsteigervereins und schaffen das Unmögliche: Sie erhalten Visa für die
Mongolei und sogar Pässe, die
sonst nur verdienten DDR-Bürgern
zustehen. Mit Mut, einer Portion
Frechheit, dazu einem Zelt, Kamera und Hunderten Filmen im
Gepäck brechen sie im Sommer
1987 auf in Richtung Sowjetunion
und Mongolei, um ihren großen
Traum zu erfüllen, den Fernen Osten zu sehen. In Jens, der wegen seiner Unangepasstheit und seines unerwünschten Engagements als Biologe und Naturschützer schon seinen Studienplatz verloren hat, reift
bald der Gedanke, noch einen Schritt weiterzugehen. Damit begeben
sie sich allerdings endgültig auf verbotenes Gebiet… Peter Wensierski
erzählt die spannende Geschichte einer außergewöhnlichen Reise, wie
sie nur ganz wenigen DDR-Bürgern gelang.
Peter Wensierski, geboren 1954, begann seine Arbeit als Journalist
1979 mit Berichten und Reportagen aus der DDR. Er war damals der
jüngste westliche Reisekorrespondent und schrieb für den SPIEGEL
und andere Zeitungen. Als Dokumentarfilmer, Reporter und Buchautor
berichtete er über die aufkommende Oppositionsbewegung in der Jugend, den Kirchen, in Künstler- und Intellektuellenkreisen. Trotz eines
Einreiseverbots setzte er die Berichte über das Leben in der DDR im
ARD-Fernsehen fort. 1993 wechselte er zum SPIEGEL ins Deutschlandressort.
Mittwoch, 15. April 2015, 19.00 Uhr
Ebeleben, Mühlhäuser Werkstätten für Behinderte e.V.
Teichmühlenweg 1a
Weitere Informationen gibt das Leitungsreferat.
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Tanja Langer
Der Tag ist hell, ich schreibe dir
„Jede Liebe, die freit macht, ist schön.
Oder nicht?“
Helen liest Marx in einer Ökobäckerei,
Julius ist im Vorstand einer großen
deutschen Bank. Sie ist neunzehn,
er zweiundfünfzig. Der Zufall führt sie
zusammen. Eine ungewöhnliche Verbindung, die tragisch endet.
Tanja Langer entfaltet den Roman einer unkonventionellen Liebesfreundschaft vor dem Hintergrund deutscher
Zeitgeschichte. Eine Beschwörung des
Lebens gegen den Tod, zärtlich, komisch und traurig.
Ein leidenschaftliches Buch.
Tanja Langer, 1962 in Wiesbaden geboren, lebt seit 1986 in Berlin. Sie
inszeniert zahlreiche Theaterstücke, bekam drei Töchter und verlegte sich aufs Schreiben. Sie veröffentlichte Erzählungen, Hörspiele
und Romane. Sie verfasste das Libretto für die Oper Kleist von
Rainer Rubbert (UA 2008) und 2011 die Novelle „Wir sehen uns wieder in der Ewigkeit. Die letzte Nacht von Henriette Vogel und Heinrich von Kleist“ (dtv).
Sie ist Mitglied des P.E.N.
1982 lernte Tanja Langer den Bankier Alfred Herrhausen kennen. Sie
blieb ihm bis zu seinem Tod 1989 verbunden.
Dienstag, 21. April 2015, 19.00 Uhr
Ilmenau, Stadtbibliothek, Bahnhofstraße 7
Weitere Informationen gibt Referat 3.
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Wolfgang Benz
Sinti und Roma. Die unerwünschte Minderheit
Die Minderheit der Sinti und Roma
erfuhr seit jeher Diskriminierung
und Verfolgung. Im „Dritten Reich“
gipfelten sie im Völkermord, den
die Mehrheit vergessen oder nie
wahrgenommen hat.
Die Ausgrenzung der Sinti und
Roma dauerte auch nach 1945
an: Tradierte Vorurteile sind weiter wirksam und richten sich heute gegen zuwandernde Roma aus
Südosteuropa, die als Gefahr für
Gesellschaft, Sozialsystem und Arbeitsmarkt empfunden werden. In
seinem neuen Buch stellt Wolfgang
Benz Ursachen und Wirkungen des
medial und politisch instrumentalisierten Problems Antiziganismus
dar.
Prof. Dr. Wolfgang Benz war von 1990 bis 2011 Leiter des renommierten Zentrums für Antisemitismusforschung (TU Berlin). Er ist Herausgeber des Jahrbuchs für Antisemitismusforschung und der Zeitschrift
für Geschichtswissenschaft. Zahlreiche Veröffentlichungen zu den
Themen Nationalsozialismus, Antisemitismus und vergleichender Vorurteilsforschung, u.a. „Was ist Antisemitismus?“ (2005); „Die Feinde
aus dem Morgenland. Wie die Angst vor Muslimen unsere Demokratie
gefährdet“ (2013); „Nach dem Untergang. Die ersten Zeugnisse der
Shoah in Polen 1944-1947“ (2014, als Mitherausgeber)
Mittwoch, 22. April, 19.00 Uhr
Erfurt, Begegnungsstätte Kleine Synagoge,
An der Stadtmünze 4/5
Weitere Informationen gibt Referat 1.
24
Barbara Schnabel, el.doelle, Tanja Langer
Das Haus
Das Künstlerpaar Barbara Schnabel
und el.doelle fährt in eine kleine Thüringer Gemeinde, um das Haus der
verstorbenen Großeltern aufzulösen.
Was sie dort vorfinden, sind nicht
nur Erinnerungen an die Kindheit,
sondern eine Zeitkapsel mit einhundert Jahren deutscher Geschichte.
Doch wer dies nostalgisch auf „Good
Bye, Lenin!“ reduziert, der irrt.
Hier geht es nicht nur um 40 Jahre
DDR, sondern auch um die Epoche
vor und nach dem Ersten Weltkrieg.
Eine Zeit, in der unsere Großeltern und Eltern noch nicht in einem geteilten Land lebten. Es geht auch um Empfindungsräume wie Geborgenheit, Heimat und die Weitergabe von Werten sowie den dialektischen Umgang mit der Vergänglichkeit. Die ausdrucksstarken Fotos
begleitet Tanja Langer mit einem schwebenden Text über das Gedächtnis der Dinge und den Blick des Kindes auf den geliebten Großvater.
Barbara Schnabel, geb. 1966 in Berlin, studierte Fotografie an der
Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig, bevor sie Ende 1987
nach West-Berlin ausreiste. Ihre Arbeiten befinden sich u.a. in der Fotografischen Sammlung der Stiftung Stadtmuseum Berlin.
el.doelle, geb. 1958 in Berlin, studierte Plastik bei Prof. Wieland
Förster. Längere Arbeitsaufenthalte führten ihn u.a. nach Mumbai,
Lissabon, Paris und Kairo. Beide Künstler sind in zahlreichen Einzelund Gruppenausstellungen im In- und Ausland vertreten und leben
in Berlin.
Tanja Langer, 1962 in Wiesbaden geboren, lebt seit 1986 in Berlin.
Sie veröffentlichte Erzählungen, Hörspiele und Romane und inszenierte zahlreiche Theaterstücke. Bei Langenmüller erschienen bisher die
Romane „Der Tag ist hell, ich schreibe dir“, „Der Maler Munch“ und
zuletzt „Der Himmel ist ein Taschenspieler“.
Mittwoch, 22. April 2015, 19.00 Uhr
Gräfenroda, Bildungs-und Medienzentrum, Bahnhofstraße 5
Donnerstag, 23. April 2015, 19.30 Uhr
Rudolstadt, Stadtbibliothek, Schulplatz 13
Weitere Informationen gibt Referat 3.
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Anne Hahn
Gegenüber von China
DDR, drei Freundinnen Mitte der
Achtziger: Rastlos und lebenshungrig jagt Nina ihrem persönlichen
Glück jenseits sozialistischer Verheißungen hinterher. Im Gegensatz
zu Mo und Katrin sucht sie ihren
Ausweg aus dem vorgeprägten
Lebenslauf in der Punkszene von
Magdeburg. Diese Rebellion, lange
vor der Revolution der DDR-Bürger,
bezahlt Nina mit ihrem Studienplatz, mit Verfolgung und Ängsten.
Als im Herbst 1989 die Mauer fällt,
bedeutet dies für Nina Befreiung
aus dem Stasi-Knast, in dem sie
nach einer missglückten Flucht seit
einem halben Jahr einsitzt. Einer
Flucht, die sie über Aserbaidschan
und die Türkei nach West-Berlin
führen sollte…
Der autobiografisch geprägte Debütroman der Berliner Autorin Anne
Hahn ist ein ganz eigener Wenderoman: Hier werden keine Heldinnen
gezeichnet, keine Wendegewinner oder –verlierer, sondern die innere
Zerrissenheit einer jungen Frau. Nach Jahren der Auseinandersetzung
mit der Obrigkeit findet sich Nina in der Freiheit des Westens wieder
und macht zunächst nur zaghaft von den neuen Möglichkeiten Gebrauch.
Anne Hahn, geboren 1966 in Magdeburg, studierte Kunstgeschichte an
der Humboldt-Universität Berlin. 1989 wurde sie bei einem Fluchtversuch an der aserbaidschanisch-iranischen Grenze verhaftet und war
sechs Monate politische Gefangene in der DDR. „Gegenüber von China“ ist die Neuauflage ihres ersten Romans, der 2005 unter dem Titel
„Dreizehn Sommer“ erschienen ist. Seitdem entstanden diverse Sachbücher zu subkulturellen Themen, unter anderem „Satan, kannst du
mir noch mal verzeihen“ (Ventil, 2008), die Biografie von Otze Ehrlich,
dem einzigen Star des DDRPunk. Ihr zweiter Roman „DreiTagebuch“
erschien im Mai 2014 bei Ventil. Sie lebt mit ihrer Familie in Berlin.
Donnerstag, 23. April 2015, 19.30 Uhr
Gera, Gedenkstätte Amthordurchgang,
Amthordurchgang 9
Weitere Informationen gibt das Leitungsreferat.
26
Alexander Osang
Comeback
Der Gitarrist Alex, der Bassist Paul,
der Keyboarder Vonnie, der Schlagzeuger Axel und die charismatische
Sängerin Nora sind „Die Steine“. Eine
ostdeutsche Rockband aus den 80ern
zwischen Protest und Anpassung.
Dann kommt die Wende – Anfang eines neuen Lebens? Nora versucht es
allein in New York. Paul steht zwölf
Jahre an seinem Fenster. Alex denkt
an Nora, die seine große Liebe wurde,
als sie schon bei Paul war. Paul liebt
nur eine Frau, seine Tochter. Dann gehen sie auf Comeback-Tour.
Alexander Osangs Roman ist eine
mitreißende Geschichte über Liebe,
Verrat und das, was die Zeit aus uns
macht. Darüber, dass das Leben weitergeht, wenn ein Song zu Ende ist.
Alexander Osang, geboren 1962 in Berlin, studierte Journalistik in
Leipzig und arbeitete nach der Wende als Chefreporter der Berliner Zeitung. Für seine Reportagen erhielt er mehrfach den Egon-Erwin-KischPreis und den Theodor-Wolff-Preis. Nach sieben Jahren als Reporter
für den Spiegel in New York lebt er heute wieder in Berlin. Alexander
Osangs erster Roman „die nachrichten“ wurde verfilmt und mit zahlreichen Preisen, darunter dem Grimme-Preis, ausgezeichnet. Im S.
Fischer Verlag und Fischer Taschenbuch Verlag liegen darüber hinaus
die Romane „Lennon ist tot“ und „Königstorkinder“ vor sowie die Glossensammlung „Berlin – New York“.
Donnerstag, 23. April 2015, 19.00 Uhr
Sondershausen, Cruciskirche
Montag, 27. April 2015, 19.00 Uhr
Jena, Ernst-Abbe-Bücherei Jena (Raum 10)
Carl-Zeiß-Platz 15
Weitere Informationen gibt Referat 4.
27
Roland Jahn
Wir Angepassten. Überleben in der DDR
„Wie habe ich in der DDR gelebt?
Einfach ist es nicht, sich dieser Frage zu nähern. Sie birgt die Gefahr,
unbequem zu werden für jeden, der
ihr ernsthaft nachgeht. War ich angepasst? Habe ich widersprochen? Hätte ich anders handeln können? Mir
geht es dabei um Aufklärung, nicht
um Abrechnung. Ich will vor allem Mut
machen zu erzählen. Weniger werten
und voreilige Schlüsse ziehen als
vielmehr ein offenes Gespräch führen. Denn es gibt keinen allgemein
gültigen Maßstab über das >richtige<
Verhalten in einer Diktatur.“
So beschreibt Roland Jahn das Anliegen seines Buches. In elf Kapiteln
reflektiert er aus eigener Erinnerung
das Leben in der DDR zwischen den
Polen Anpassung und Widerspruch.
Roland Jahn, geboren 1953 in Jena, wurde 1982 nach „staatsfeindlichen“ Aktivitäten inhaftiert und verurteilt. 1983 wurde er nach seiner
vorzeitigen Freilassung gegen seinen Willen gewaltsam aus der DDR
gebracht. Von West-Berlin aus hielt er Kontakt zu DDR-Oppositionellen,
die ihn heimlich mit Informationen versorgten. Er berichtete für ARD
und ZDF über Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörung in
der DDR. Im Januar 2011 wurde er vom Deutschen Bundestag zum Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen gewählt.
28. April, 19.00 Uhr
Suhl, Stadtbücherei, Bahnhofstraße 10
Weitere Informationen gibt das Leitungsreferat.
28
Frauke Geyken
„Wir standen nicht Abseits“ – Frauen im
Widerstand gegen Hitler
Sophie Scholl war 21 Jahre alt, als
sie die Flugblätter der weißen Rose
verteilte. Cato Bontjes van Beek arbeitete im gleichen Alter für die Rote
Kapelle. Die Schneidermeisterin und
spätere Journalistin Annedore Leber
kämpfte mit Mitte 30 an der Seite
der Attentäter vom 20. Juli, und die
gleichaltrige Rosemarie Reichwein
unterstützte den Kreisauer Kreis.
Frauke Geyken versteht es meisterhaft, die Lebensgeschichte dieser
und anderer Frauen miteinander zu
verflechten.
Sie erzählt einfühlsam, wie sie in
den Widerstand kamen, was sie
antrieb, ob und wie sie entdeckt
wurden – und warum man sie nach
1945 so lange vergessen hat. Eine
mitreißende Hommage an den Kampf von Frauen für Freiheit und Gerechtigkeit.
Frauke Geyken, Dr. phil., Historikerin und Publizistin, lebt in Göttingen
und arbeitet für verschiedene Bibliotheken und Museen. Ihre erfolgreiche Biographie über Freya von Moltke wurde von der Kritik einhellig
gelobt. „Es wird schwer fallen, das hier erreichte dokumentarische und
erzählerische Niveau zu übertreffen.“ (Johannes Tuchel, Die Welt)
Donnerstag, 7. Mai 2015, 19.00 Uhr
Suhl, Stadtbücherei, Bahnhofstraße 10
Freitag, 8. Mai 2015, 19.00 Uhr
Bad Salzungen, Kurhausstraße 12, Stadt-und Kreisbibliothek
Weitere Informationen gibt Referat 3.
29
Stefan Kühl
Ganz normale Organisationen.
Zur Soziologie des Holocaust
Warum waren während der Zeit des
Nationalsozialismus so viele Deutsche bereit, sich an der Vernichtung
der europäischen Juden zu beteiligen? Stefan Kühl behauptet: Es war
die Einbindung in Organisationen
des NS-Staats, die diese Menschen
dazu brachte, sich an Deportationen und Massenerschießungen zu
beteiligen – und zwar über eine große Vielfalt von Motiven wie Überzeugung, Zwang, Kameradschaft
oder Geld hinweg. Aus soziologischer Perspektive sind Organisationen der Zentralpunkt, von dem aus
die Befunde der geschichtswissenschaftlichen und sozialpsychologischen Holocaustforschung interpretiert werden müssen.
Organisationen, die sich auf Foltern
und Töten spezialisieren, funktionieren nicht grundsätzlich anders als
Organisationen, die Kranke pflegen, für Eiscreme werben, Schüler unterrichten oder Autos bauen.
Stefan Kühl ist Professor für Soziologie an der Universität Bielefeld.
Veröffentlichungen: „Die Internationale der Rassisten. Aufstieg und
Niedergang der internationalen eugenischen Bewegung im 20. Jahrhundert“ (2014), „Organisationen. Eine sehr kurze Einführung“ (2011).
Mittwoch, 20. Mai 2015, 19.00 Uhr
Erfurt, Erinnerungsort Topf & Söhne, Sorbenweg 7
Weitere Informationen gibt Referat 1.
30
Christine Koschmieder
Schweinesystem
Alles hat einen Haken. 1979. Sie verbindet ein Lippenstift, eine heimliche
Abtreibung und ein gemeinsamer
Kampf: Ihre Unabhängigkeit. Zwei
Jahre später ist Shirley tot und Elisabeth untergetaucht. Dabei hatte es
ganz harmlos begonnen: Eine filmreife Affäre in der deutschen Provinz, ein
verheißungsvoller Neuanfang in Iowa,
ein paar unbedeutende Notlügen. Eigentlich unvorstellbar, dass sie zum
Spielball der Geheimdienste werden
könnten. Eigentlich ...
Christine Koschmieder, geboren
1972, lebt und arbeitet in Leipzig.
Sie betreibt seit 2003 die Literaturagentur Partner + Propaganda
für zeitgenössische Literatur aus
Deutschland, Post-Jugoslawien und
dem US-amerikanischen Hinterland. Die Autorin hat nie im Schlachtbetrieb, als Terroristin oder Mary-Kay-Beraterin gearbeitet, fährt aber
immer wieder nach Iowa. 2013 war sie Stipendiatin der Kulturstiftung
des Freistaats Sachsen. „Schweinesystem“ ist ihr Debüt.
In Zusammenarbeit mit der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt
Erfurt
Dienstag, 16. Juni 2015, 19.00 Uhr
Ilmenau, Universitätsbibliothek, Langewiesener Straße 37
Mittwoch, 17. Juni 2015, 18.00 Uhr
Erfurt, Haus Dacheröden, Anger 37
Weitere Informationen gibt Referat 4.
31
Peter Brandt
Mit anderen Augen. Versuch über den
Politiker und Privatmann Willy Brandt
Willy Brandts ältester Sohn Peter erinnert sich an seinen Vater
als Politiker und Privatmann, der
noch in den 1980er Jahren eine
der umstrittensten politischen Persönlichkeiten in Deutschland war.
Erst nach seinem Tod wurden seine
einzigartigen politischen Leistungen parteiübergreifend gewürdigt.
Brandt war zugleich der letzte große Parteivorsitzende, der die Sozialdemokratie mit der Geschichte
der Arbeiterbewegung in der Weimarer Republik zu verbinden wusste. Peter Brandt verbindet die familieninterne Sicht mit dem analytischen Blick des Historikers. Und
er schreibt über das „liebevolle,
aber nicht ganz einfache Verhältnis zweier sperriger Menschen“.
So entstand zum 100. Geburtstag von Willy Brandt am 18. Dezember
2013 keine Biographie im herkömmlichen Sinne – sondern ein Essay,
der Privates und Politisches gemeinsam deutet und bislang weniger
bekannte Züge dieser Jahrhundertgestalt mit kritischer Zuneigung herausarbeitet.
Peter Brandt, Prof. Dr., ist Leiter des Lehrgebiets Neuere Deutsche und
Europäische Geschichte und Direktor des Instituts für Europäische Verfassungswissenschaften in Hagen. Zahlreiche Veröffentlichungen zur
Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung im 19. Und 20. Jahrhundert.
Donnerstag, 18.Juni 2015, 19.00 Uhr
Gotha, Historischer Saal des Tivoli, Am Tivoli 3
Weitere Informationen gibt Referat 1.
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Seele and Geist
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