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TREND REPORT
September 2014
Redaktion und Zeitung für moderne Wirtschaft
www.trendreport.de
IM FOKUS:
HR-TRENDS 2014
Eine Sonderveröffentlichung der ayway media UG i.G. im „Handelsblatt“
Direkte Demokratie für moderne Unternehmen?
Nachhaltige Entwicklung
Werte schaffen, Werte leben
Die vernetzte Gesellschaft
Die Tendenz hin zur Digitalisierung
in Wirtschaft und Gesellschaft ist
ungebrochen. Eine stille Evolution,
die Märkte und Macher treibt
Der Megatrend gewinnt an Fahrt
Smart Energy
Mit Energieeffizienz
die Wende meistern
Nachhaltig
investieren
Neue Vielfalt bei
ökologischen Anlagen
2
TREND REPORT
Editorial / Inhalt | September 2014
Liebe Leser,
Impressum
Verlag: ayway media UG i.G., In der Mark 6,
53560 Vettelschoß, Telefon: 02645/7299907;
Trends sind derzeit in aller Munde! Die Gründe dafür liegen auf der Hand. Märkte werden immer schneller und
Produkte kurzlebiger. In unserer ersten Ausgabe haben wir
uns deshalb den Megatrends nachhaltiger Entwicklung und
der digitalen Vernetzung gewidmet. So
berichtet Frau Brigitte Kasper in ihrer Reportage über die neue Macht von sozialen Netzwerken und die damit verknüpften Vorteile und Folgen für Unternehmen.
Trends. Dem Thema „Demokratie“ hat sich unser Udo
Rettberg in seiner Reportage „Werte schaffen – Werte leben“ auch angenommen. Sein Aufruf und Plädoyer im
Kontext der nachhaltigen Entwicklung ist lesenswert. Im
Anschluss berichtet Rettberg über nachhaltige Geldanlagen und beschreibt anschaulich wie „Werte und Transparenz“ zu mehr
Sicherheit in der Finanzanlage führen. Das
Thema „Nachhaltigkeit“ hat uns auch bei
der Herausgabe des neuen Titels inspiriert.
Wir wollen eine sinnige Berufung und Arbeit, die klare Spuren hinterlässt.
Nichts ist so
stark wie eine
Idee, deren Zeit
gekommen ist.
Die digitale Vernetzung als Infrastruktur
ermöglicht „direkte Demokratie“ und
treibt damit Märkte und Macher an.
Nach dem Social-Media-Modell scheint
die direkte Demokratisierung auch Einzug in die Führungsetagen moderner Unternehmen zu halten, berichtet
unser Autor Christoph Berger in seiner Titelstory HR-
Deshalb legen wir uns für freie Inhalte und
Medien ins Zeug. Wir wollen aktiv mitgestalten und mithelfen, Informationen, Erfahrungen und damit Wissen für
alle und jeden frei zugänglich zu gestalten. Ihre Redaktion
Fax: 02645/5192989; E-Mail: redaktion@
trendreport.de; Internet: www.trendreport.
de; Geschäftsführung und Chefredaktion: Daniela Haselbauer (V.i.S.d.P.);
Themen- und Projektleitung: Andreas
Schnittker, Martina Bartlett-Mattis; Layout:
Andreas Schnittker; Redaktion und Autoren:
Bernhard
Haselbauer,
Andreas
Schnittker, Martina Bartlett-Mattis, Dr. Ralf
Magagnoli, Christoph Berger, Udo Rettberg,
Brigitte Kasper, Bernward Janzing; Druckauflage: 120.000 Exemplare. Diese Ausgabe von TREND REPORT liegt dem HANDELSBLATT bei.
Ein
unabhängiges
Produkt
der
ayway media UG i.G.
TREND REPORT veröffentlicht alle Inhalte
unter der Creative Commons Lizenz CC-BY-SA3.0 DE (gemeinfrei). Wir stellen damit alle Inhalte (soweit nicht anders gekennzeichnet) zur gewerblichen oder privaten Nutzung zur Verfügung. Sie können die Inhalte kopieren, verändern, teilen, solange Sie den Urheber nennen und
auf diese Inhalte aufbauende Werke wieder
Was ist TREND REPORT?
TREND REPORT ist die neue Wirtschaftszeitung, die aktuelle und zukünftige Trends zum Thema macht. Wir suchen nach neuen Anzeichen, die Wendepunkte im Zeitgeist markieren. Wir
verstehen uns als Partner der Wirtschaft. Unsere Artikel und Reportagen
veröffentlichen wir unter der Creative
Commons Lizenz (CC BY-SA 3.0 DE).
Der Lizenzgeber kann diese Freiheiten nicht widerrufen, solange Sie sich
an die Lizenzbedingungen halten.
Unter folgenden Bedingungen:
• Namensnennung — Sie müssen angemessene Urheber- und Rechteangaben machen, einen Link zur Lizenz beifügen und angeben, ob Änderungen vorgenommen wurden.
Diese Angaben dürfen in jeder angemessenen Art und Weise gemacht
werden, allerdings nicht so, dass der
Eindruck entsteht, der Lizenzgeber
unterstütze gerade Sie oder Ihre
Nutzung besonders.
• Weitergabe unter gleichen Bedin-
Sie dürfen:
• teilen — das Material in jedwedem
Format oder Medium vervielfältigen und weiterverbreiten,
• bearbeiten — das Material remixen,
verändern und darauf aufbauen,
• für Ihren Zweck, sogar kommerziell.
unter derselben Lizenz zur Verfügung stellen
und die Quelle www.trendreport.de nennen
sowie die Namen unserer Autoren.
gungen — Wenn Sie das Material
remixen, verändern oder anderweitig direkt darauf aufbauen, dürfen Sie
Ihre Beiträge nur unter derselben
Lizenz wie das Original verbreiten.
• Keine weiteren Einschränkungen —
Sie dürfen keine zusätzlichen Klauseln oder technischen Verfahren
einsetzen, die anderen rechtlich irgendetwas untersagen, was die
Lizenz erlaubt.
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weitergeben – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland (CC BY-SA 3.0 DE),
teilen – das Material in jedwedem Format oder
Medium vervielfältigen und weiterverbreiten,
bearbeiten – das Material remixen, verändern
und darauf aufbauen und zwar für beliebige
Zwecke, sogar kommerziell.
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Urheber- und Rechteangaben machen, einen
Link zur Lizenz beifügen und angeben, ob Änderungen vorgenommen wurden. Diese Angaben dürfen in jeder angemessenen Art und Weise gemacht werden, allerdings nicht so, dass
der Eindruck entsteht, der Lizenzgeber unterstütze gerade Sie oder Ihre Nutzung besonders.
Weitergabe unter gleichen Bedingungen – Wenn
Sie das Material remixen, verändern oder anderweitig direkt darauf aufbauen, dürfen Sie
Die vernetzte
Gesellschaft
3
Wir berichten über eine stille Revolution, die Märkte und Macher treibt.
sellschaftliches Engagement gehören zusammen.
Smart Energy
23
Mit Energieeffizienz die Energiewende meistern
Ihre Beiträge nur unter derselben Lizenz wie
das Original verbreiten.
Keine weiteren Einschränkungen – Sie dürfen
keine zusätzlichen Klauseln oder technischen
Verfahren einsetzen, die anderen rechtlich ir-
Inhaltsverzeichnis
gendetwas untersagen, was die Lizenz erlaubt.
HR-Trends
12
Wie sich die Arbeitswelt in Zukunft
verändert
Nachhaltige
Geldanlagen
Hinweise:
27
Es werden keine Garantien gegeben und auch
Der kommende Megatrend gewinnt
an Fahrt.
nen möglicherweise nicht alle Erlaubnisse, die
keine Gewähr geleistet. Die Lizenz verschafft IhSie für die jeweilige Nutzung brauchen. Es können beispielsweise andere Rechte wie Persönlichkeits- und Datenschutzrechte zu beachten
Werte schaffen,
Werte leben
sein, die Ihre Nutzung des Materials entspre-
19
Unternehmerischer Erfolg und ge-
chend beschränken.
Weitere Lizenzbedingungen unter: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/
TREND REPORT
September 2014 | Die vernetzte Gesellschaft
3
Quelle: Library of Congress http://www.loc.gov/pictures/
item/2007676247; Underlying Work: PD Worldwide |
Digital Copy: No Additional Rights
„Leaving the Opera in the Year 2000“ von Albert Robida.
So futuristisch stellte man sich um das Jahr 1887
„Die vernetzte Gesellschaft“ vor.
Die vernetzte Gesellschaft
A
lles ist im Wandel,
alles im Fluss. Eine
Binsenweisheit, die
derzeit aber auf
nichts besser zutrifft als auf die gestalterischen Prozesse, denen sich unsere Gesellschaft
gegenübersieht. Die Digitalisierung,
das Internet und die Vernetzung beeinflussen unsere Welt in noch ungeahntem Maße und werden sie verändern. Kaum ein Bereich unseres
Lebens bleibt von der digitalen Entwicklung unberührt.
Bergrutschartig ändern sich die Gepflogenheiten und Gewohnheiten in
Gesellschaft und Wirtschaft. Die Art,
wie wir leben, arbeiten, kommunizieren, die Freizeit verbringen – alles.
Nicht immer für jeden sichtbar, aber
mit einer Geschwindigkeit, bei der es
mitunter schwerfällt mitzuhalten. Starre Strukturen sind da wenig hilfreich.
So wundert es auch nicht, dass die
neue digitale, vernetzte Welt zuerst
von der kleinsten gesellschaftlichen
Zelle, dem Menschen selbst, akzeptiert und angenommen wurde. Hier
war nur die ein oder andere Barriere
in einem Kopf zu überwinden.
Der Trend hin zur
Digitalisierung in
Wirtschaft und Gesellschaft ist ungebrochen.
Wir berichten über
eine stille Evolution,
die seit Jahren Märkte und Macher treibt.
Von Brigitte Kasper,
b.kasper@trendreport.de
War es anfangs noch so, dass die
Technologie die Anwendungen trieb,
sind es heute die Anwendungen und
Wünsche von Menschen, Wirtschaft
und Politik, die die Technologien herausfordern. Einmal ausgesprochene
Ziele genügen in kurzer Zeit den Anforderungen nicht mehr. Nehmen wir
nur die Breitbandziele der Bundesregierung. Selbst aus heutiger Sicht
mutet die für 2018 anvisierte und in
der Digitalen Agenda festgeschriebene Datenrate von 50 Mbit / s für
den Großteil der Internetnutzer in
Deutschland schon als zu langsam an.
Experten fordern schon mindestens
das Doppelte. Teilweise reagiert die
Industrie bereits. Die VodafoneTochter Kabel Deutschland gab vor
kurzem 200 Mbit / s als Standard aus.
Und Vodafone selbst will demnächst
in großen Teilen seines Mobilfunknetzes Datenraten von bis zu 225
Mbit / s ermöglichen.
Schwieriger wird es, verlässt man das
Reich des Persönlichen. Probleme und
Auseinandersetzungen sind vorprogrammiert, wenn fortschrittliches Denken auf althergebrachte Strukturen
trifft, Geschäftsmodelle auf den Prüf-
stand gestellt werden und sich den
technischen und gesellschaftlichen Veränderungen anpassen sollen. Doch wer
das nicht macht, verliert. Man kann
sich zwar eine Zeit lang einer Entwicklung entgegenstellen, doch aufhalten
kann man sie nicht. Besser ist es, schon
jetzt nach Lösungen zu suchen, die
die neuen Möglichkeiten mit einbinden. So fordert derzeit der Wunsch
nach sogenannten Open Educational
Resources (OER), also die Bereitstellung freier Lern- und Lehrinhalte im
Internet, die alteingesessenen Schulbuchverlage heraus, die sich natürlich
in ihrer Existenz bedroht fühlen. Und
wie den Schulbuchverlagen geht es
auch anderen Unternehmen, die ihre
Felle davonschwimmen sehen.
Nur zwei Netze
Zwei Netze haben die Entwicklung ermöglicht – das Festnetz mit dem „klassischen“ Internet und das Mobilfunknetz mit dem mobilen Internet, dessen Nutzung für die Datenübertragung
noch recht schleppend anlief. Die
Datenraten waren kaum akzeptabel,
die Tarife noch weniger, und die Beispielanwendungen wirkten eher ange-
TREND REPORT
Die vernetzte Gesellschaft | September 2014
Erfolg im Kundendialog
Kundenservice als Wettbewerbsvorteil – TREND REPORT sprach mit Wolfhart Krischke von Interactive Intelligence über die Kundenkommunikation der Zukunft.
Sie befassen sich damit, wie wir in
Zukunft kommunizieren werden.
Welche Erkenntnisse haben Sie gewonnen?
Die sozialen Medien haben längst
Einzug in das private und geschäftliche Kommunikationsverhalten gehalten. Neue Trends werden oft zunächst von den „Digital Natives“ eingeführt, werden dann aber schnell
allgemein akzeptiert und verbreiten
sich über alle Alters- und Gesellschaftsschichten. Ein gutes Beispiel
sind hier Communities, die eine
schnelle und multiple Verbreitung
von Information ermöglichen – im
Gegensatz zur individuellen One-toOne-Kommunikation, die bevorzugt
für nicht öffentliche Informationen
genutzt wird.
Was müssen Unternehmen tun, um
Verbraucher mit den sozialen Medien zu erreichen, und was raten Sie
Ihren Kunden?
Die sozialen Medien bilden Meinungen. Deshalb ist neben der befähigenden Technologie, um relevante
Aktivitäten in den sozialen Medien
zu registrieren und zu analysieren,
auch eine ausgeklügelte Kommunikationsstrategie im Unternehmen notwendig. Dies gilt besonders, wenn
ein Unternehmen auf publizierte Meinungen reagieren und nun direkt oder
indirekt auf den jeweiligen Plattformen interagieren will. Eine lnteraktion
erreicht hier nicht mehr nur eine sehr
eingeschränkte Anzahl von Kunden,
sondern ist universal verfügbar und
muss deshalb durch kompetentes Personal, unterstützt durch die richtige
Technologie, erfolgen.
Welchen Einfluss haben die sozialen Medien auf Ihre Lösungen für
den Kundendialog?
Interactive Intelligence bietet schon
jetzt die Funktion „Social Customer
Service“, die sich die Erfahrungen der
sozialen Medien zu Nutze macht. Die
Kundenreise beginnt heute üblicher-
Wolfhart Krischke ist neuer
Area-Director und Geschäftsleiter der Interactive Intelligence
Deutschland.
weise im Internet. Braucht ein Kunde
mehr Informationen zu einem Produkt, zeigt ihm der Social Customer
Service an, welche Berater verfügbar
sind, mit Kompetenzprofil, Wartezeit
und den bedienten Kommunikationskanälen. Dazu kann der Berater freiwillig Informationen zu sich und seinen Interessen hinzufügen, ganz so,
wie wir es aus den sozialen Medien
kennen. Anhand dieser Informationen entscheidet der Kunde, mit wem
er Kontakt aufnehmen möchte. Er
sucht sich selbst den Berater aus, der
ihm vom Profil am besten geeignet
scheint oder den er bereits von einer
vorherigen Aktion kennt. Das reduziert die Anonymität, die ich sonst
habe, wenn ich ein Unternehmen anrufe, und bringt dem Kunden ein
besseres Service-Erlebnis.
Welche zukünftigen Entwicklungen
erwarten Sie?
Unternehmen stehen immer stärker
vor der Herausforderung, ihren Kunden die Kommunikationswege bereitzustellen, die diese bereits im privaten Umfeld nutzen – jederzeit und
von jedem Ort aus. Hierbei müssen
inkonsistente Kommunikation und
das Entstehen von Mediensilos durch
den Einsatz von multimedialen Plattformen für den Kundendialog verhindert werden. Entscheidend ist eine
enge Einbindung von internen Wissenssystemen, die eine personalisierte Kommunikation unterstützt.
www.inin.com/de
strengt, denn überzeugend. Der Durchbruch kam mit den Smartphones, Tablet-PCs und Kurznachrichtendiensten
wie SMS, später WhatsApp und Social Media, das innerhalb kürzester Zeit
zu einem Massenphänomen wurde.
Wer hätte noch vor zehn Jahren gedacht, dass sich Menschen quer über
den Erdball per Facebook, Twitter &
Co. vernetzen und miteinander kommunizieren. Zwangsläufig geraten die
Netze langsam an ihre Leistungsgrenzen. Die Netzbetreiber finden sich auf
einmal in der Rolle des Zauberlehrlings
wieder, denn, falls nichts geschieht,
können die Netze bald nicht mehr mit
der Kommunikation, die einst so herbeigesehnt wurde, mithalten.
Mit der steigenden Verbreitung
der internetfähigen Geräte, zu denen
sich auch die Smart-TVs gesellten,
ändern die Menschen ihre Art, die
Medien zu konsumieren. Streaming
soll den gesamten Medienmarkt revolutionieren. Laut Bitkom-Umfragen
schauen heute schon fast drei Viertel
der Internetnutzer (73 Prozent) ab 14
Jahren in Deutschland Videos per
Das „Next Big Thing“ der digitalen Transformation werden die sogenannten Wearables sein. Die Managementberatung handelt sie schon als
die nächste Evolutionsstufe des Smartphones. Sie kommen als Uhr (Smart
Watch), Armband, Brille (Google
Glass) oder auch als Smart Clothing
oder Implantat daher, müssen nicht
zwangsläufig telefonieren können, machen es teilweise aber schon. Für
Achim Himmelreich, Partner bei Mücke, Sturm & Company „schaffen sie
einen fließenden Übergang zwischen
realer und virtueller Welt“ und werden so zu einem „wesentlichen Bindeglied und Erfolgsfaktor für das Internet der Dinge“. Die Verbraucher interessieren sich zunehmend für diese
kleinen intelligenten Geräte, fand der
Hightech-Verband Bitkom heraus.
Fast jeder Dritte ab 14 Jahren (31 Prozent) in Deutschland kann es sich vorstellen, eine smarte Brille zu nutzen.
Das entspricht 22 Millionen Bundesbürgern. Bei den Smart Watches liegt
der Anteil sogar noch höher. Fast zwei
von fünf Personen (38 Prozent) ab 14
Jahren würden unter bestimmten Vor-
TREND REPORT für Sie
Kopieren und verwenden Sie doch einfach die für Sie interessanten
Inhalte aus TREND REPORT für Ihre Webseite oder teilen Sie unsere
Reportagen mit Ihren Geschäftspartnern, Freunden und Kunden.
Schulen und Lehrkräfte nutzen unsere freien Inhalte für Ihren Wirtschaftsunterricht und experimentieren mit Interviews und Gastbeiträgen. Sie dürfen das Material remixen, verändern und darauf aufbauen.
Alle Inhalte aus TREND REPORT sind aus diesem Grund unter einer gemeinfreien
Textlizenz (CC BY-SA 3.0 DE) von unserer Redaktion „wikipedia-kompatibel“ verfasst worden. Speziell auch für den kommerziellen Einsatz!
Folgende Bedingungen müssen Sie dabei beachten:
Namensnennung (trendreport.de), Details zur Lizenz unter
www.trendreport.de/ausgaben
Streaming, das sind bereits 40 Millionen Menschen. Gut jeder Dritte von
ihnen (37 Prozent) sieht das aktuelle
Fernsehprogramm als Livestream über
eine Internetverbindung. Jeder Fünfte
(19 Prozent) nutzt On-Demand-Portale für Serien und Spielfilme. Und jeder dritte Internetnutzer ab 14 Jahren
(32 Prozent) hört Musik über das Internet. Nach Schätzungen von Deloitte werden sich die Umsätze mit dem
Abrufen von Videoinhalten bis 2020
in etwa vervierfachen.
aussetzungen solch ein Gerät kaufen.
SNS Research erwartet, dass bereits bis
2015 weltweit 90 Millionen dieser tragbaren Geräte verkauft sein und für einen Umsatz von 20 Milliarden Dollar
sorgen werden. Applikationen für das
Wearables-Ökosystem können bis
Ende 2015 insgesamt schon bis zu 850
Millionen Dollar wert sein. Bis Ende
2020, so die Marktforscher, werden möglicherweise schon 340 Millionen dieser Geräte über den Warentisch gegangen sein. Mobilfunknetzbetreiber und
Bildmotiv Copyright: Interactive Intelligence AG
4
Bildmotiv Copyright: © dmexco, Köln
Bildmotiv Copyright: Interactive Intelligence AG
TREND REPORT
September 2014 | Die vernetzte Gesellschaft
Service-Provider sollten also jetzt
schon damit beginnen, die Wearables
in ihre Strategien mit einzubinden,
wenn sie es nicht schon getan haben.
Anders sieht es mit der Vernetzung der Wohnungen und Häuser und
der sich in ihnen befindenden Geräte
aus. Ihr Durchbruch wurde schon oft
herbeigeredet und stand Jahr für Jahr
bevor. Zwar wurden in den 1990erJahren schon einmal eine Mikrowelle
und ein Kühlschrank mit Internetanschluss auf der Cebit gezeigt. Doch
ein Einzelgerät macht noch keinen
Trend, solange die Techniken proprietär, also herstellergebunden, zu kompliziert, bei weitem noch nicht ausfallsicher und viel zu teuer sind.
Jetzt aber nimmt die Vernetzung des
Zuhauses langsam Fahrt auf, auch
wieder dank Smartphone und TabletPC, die sich zur Kontroll- und Steuerzentrale der Heimelektronik und
-elektrik heranziehen lassen. Per App
lassen sich die Funktionen des Smart
Home von überall her und zu jeder
Zeit kontrollieren, programmieren
5
munications) sind entwickelt, etliche
Mobilgeräte bereits damit ausgerüstet
– und das Vertrauen in Mobile Payment steigt bundesweit. Jetzt muss es
sich nur noch übergangslos in den Alltag der Nutzer einfügen und sie mit
seinen Vorteilen überzeugen. Dieses
kann die Schnelligkeit des Zahlvorgangs, die interne Verwaltung von
Coupons oder Bonuspunkten oder
auch einfach nur die Möglichkeit sein,
das Portemonnaie zu Hause lassen zu
können. Aber: Mobile Wallets müssen ihren Nutzern eine absolute Sicherheit bieten.
Auf der diesjährigen dmexco war die Vernetzung und Digitalisierung spürbar. Laut dem Veranstalter „Kölnmesse“ hat das Zeitalter
der digitalen Ökonomie begonnen, die „Digiconomy“.
und Geräte ein- und ausschalten. Der
Verbraucher hat zwar immer noch die
Wahl, mit welcher Technik er sein
Haus oder seine Wohnung letztlich
vernetzen möchte, doch das Angebot
an Geräten, die herstellerübergreifend
miteinander kommunizieren können,
ist enorm gewachsen, die Lösungen
wurden um ein Vielfaches einfacher.
Modernes Business
Eine andere Baustelle in der Smartphone-Welt ist das kontaktlose Bezahlen, das Mobile Payment. Es wird
erwartet, dass es sich in den nächsten
Jahren auf dem deutschen Markt
durchsetzen wird. Die Techniken wie
zum Beispiel NFC (Near Field Com-
Hierzu kann sich mittlerweile jeder
zweite Bundesbürger ab 14 Jahren
vorstellen, mittels biometrischer Daten wie Fingerabdruck oder Iris-Scan
seine bargeldlosen Zahlungen abzusichern. Doch das Internet und die mobilen Geräte wirbeln nicht nur unser
persönliches Leben um. Gerade für
die geschäftliche Kommunikation ergeben sich mit der zunehmenden
Vernetzung und Digitalisierung unserer Welt ungeahnte Möglichkeiten.
Angefangen von der E-Mail, deren
Verbraucherportale: Das Beste auf einen Blick
Die Märkte für Energie und Telekommunikation sind aufgrund der Liberalisierungen der letzten Jahre vielfältiger, aber auch unübersichtlicher
geworden. Viele Verbraucher tun sich
schwer, aus der Fülle an Anbietern
und Tarifen den für sie günstigsten
herauszufiltern.
Allein auf dem Energiemarkt werben
über 1.200 Energieversorger mit mehr
als 24.000 Tarifen um die Gunst der
Kunden. Ähnliches gilt für Telefonie und
Internet, aber auch für Versicherungen, Geldanlagen oder Immobilien.
entierte Art der Darstellung. Verivox hat
seit seiner Gründung 1998 zunächst
die Märkte für Energie und Telekommunikation begleitet, bietet aber inzwischen auch Vergleiche auf den Feldern Finanzen, Versicherungen und
Immobilien an. „Wir erweitern unser
Angebot kontinuierlich um Leistungen, die den Alltag der Verbraucher
einfacher und bequemer machen und
dabei helfen, Geld zu sparen“, sagt der
Verivox-Geschäftsführer Klaus Hufnagel. Zuletzt sind neue Vergleichsangebote für Kfz-Versicherungen und provisionsfreie Immobilen entstanden.
Bequem und kundenorientiert
Hier kommen Verbraucherportale im Internet ins Spiel, die dem Interessierten
Vergleichsmöglichkeiten bieten – und
zwar alles auf einen Blick, also ohne
lästiges und zeitintensives Googlen bei
verschiedenen Anbietern. Ein Beispiel
dafür ist das Portal Verivox, das sämtliche Angebote sammelt und vergleicht.
Ganz wichtig sind die transparente und
die verständliche, am Endkunden ori-
Wettbewerb kommt jetzt in Gang
„Dank Angeboten wie Verivox.de
kommt der Wettbewerb erst richtig in
Gang und ermöglicht es den Kunden,
von der Vielzahl der Angebote zu profitieren und Jahr für Jahr Geld zu sparen“, zeigt sich Klaus Hufnagel überzeugt. „Dadurch werden die Kunden
beispielsweise erst in die Lage versetzt, festzustellen, welche der über
1.200 Energieversorger ihren Haushalt
überhaupt beliefern. Ganz zu schweigen von der Möglichkeit, alle relevanten Konditionen auf einen Blick zu vergleichen und in wenigen Minuten
schnell und sicher den Anbieter zu
wechseln.“ 180 Mitarbeiter arbeiten an
den drei Verivox-Standorten Heidelberg, Berlin und Linden daran, das An-
Klaus Hufnagel rechnet damit,
dass die Bereitschaft zum Anbie-
gebot mit mehr als 27.000 Tarifen und
Produkten täglich zu aktualisieren.
„Verbraucher haben eine Milliarde
Euro gespart“
Eine zentrale Rolle spielen beim Online-Vergleich Kundenbewertungen, die
sowohl den Anbieter als auch dessen
Dienstleistungen beurteilen. Klaus Hufnagel: „Die Verbraucher können sich gegenseitig unterstützen, indem sie ihre
Erfahrungen miteinander teilen. Verivox
berücksichtigt die Kundenzufriedenheitsquote dann auch in der Tarifdarstellung und filtert Angebote, die keine
gute Bewertung erhalten, aus den Tarifempfehlungen heraus.“ Hufnagel rechnet damit, dass die Bereitschaft zum
Anbieterwechsel im Internet auch künftig zunehmen wird. „Verivox hat bereits
mehr als sechs Millionen Verbraucher beim
Anbieterwechsel unterstützt. Zusammen
haben sie damit schon eine Milliarde Euro
gespart. Wer diese positive Erfahrung
gemacht hat, vergleicht immer wieder“.
terwechsel im Internet zunehmen wird.
www.verivox.de
TREND REPORT
Die vernetzte Gesellschaft | September 2014
„Geburtstag“ sich in Deutschland am
3. August zum 30. Mal jährte und die
aus dem Geschäftsalltag nicht mehr
wegzudenken ist.
Eine andere Art der Vernetzung
ist das Zusammenführen aller Kommunikationskanäle – der alten und
der neuen – wie Telefonie, Fax, EMail, Instant Messages, Video- und
Webkonferenzen, Chat und zu guter
Letzt der sozialen Medien unter einer
Oberfläche, Unified Communications
genannt. Es ermöglicht ein einfacheres und effizienteres Arbeiten und Zusammenarbeiten, fasst alle Informationen und Kontakte zusammen, so
dass sie jederzeit per Klick verfügbar
sind, und peppt die Informationssysteme noch mit weiteren nützlichen
Features wie Präsenzmanagement auf.
Selbstverständlich sind auch die mobilen Geräte schon im Unternehmensalltag angekommen.
Kommunikationsprozesse einbindet
und die Kontrolle über sie behält. Gerade Letzteres ist eine der größten Herausforderungen derzeit, insbesondere wenn man sich dafür entscheidet,
dass die Mitarbeiter ihre eigenen Mobilgeräte für die Arbeit mitbringen
und nutzen können (Bring Your Own
Device – BYOD).
Mit der Digitalen Agenda der
Bundesregierung hat Thomas
de Maizière „eine Herkulesaufgabe angestoßen“.
Die Frage lautet nicht mehr, ob ein
Unternehmen mobile Geräte zulässt
oder einsetzt, sondern nur noch, wie
man sie mit dem größten Nutzen sicher in die internen und externen
Die Geräte- und Funktionsvielfalt
im Markt ist kaum noch überschaubar, die Trennung von privaten und
Business-Anwendungen
schwierig.
Und doch lohnt es sich. In einer Studie wies beispielsweise Landesk nach,
dass – angesichts der Tatsache, dass
81 Prozent der Unternehmen BYOD
erlauben und 39 Prozent der Mitarbeiter sich ihr eigenes Gerät für Arbeitszwecke kaufen – diese Strategie
einem durchschnittlichen europäischen
Unternehmen Einsparungen von etwa
183.000 Euro in fünf Jahren ermöglicht. Auch steigt die Zufriedenheit
der Mitarbeiter, da sie mit ihrem gewohnten oder gewünschten Mobilgerät arbeiten und damit von überall
und zu jeder Zeit auf Unternehmensanwendungen, Kundendaten und Da-
tenbanken zugreifen können. Insbesondere der Generation Y ist es wichtig, ein Mitspracherecht bei der
Auswahl der Geräte zu haben.
Mit der Arbeit selbst verlagert sich
auch die Rekrutierung neuer Mitarbeiter in das Internet. Wer Arbeit
sucht, schaut mittlerweile hier zuerst
nach und bewirbt sich auch oft gleich
an Ort und Stelle. E-Recruiting heißt
das Stichwort, das auch das Active
Courcing einschließt, also die aktive
Suche und das Ansprechen potenzieller neuer Mitarbeiter über OnlineNetzwerke. Immer häufiger ist hier
auf den Online-Portalen die sogenannte One-Klick-Bewerbung zu finden, die es Bewerbern ermöglicht,
sich mit einem Klick über die Daten
aus ihrem Profil auf offene Stellen zu
bewerben. Zudem erfolgen bereits 20
Prozent der Seitenaufrufe bei großen
Karriereportalen von mobilen Endgeräten aus – Tendenz steigend. Arbeitgeber, die Wert auf ein positives
Image legen, sollten daher insbesondere darauf achten, ihre Karriereinformationen optimal auch für Smartphone und Tablet-PC aufzubereiten.
Digitalisierung: Wenn Tante Emma anbauen muss
Die Gesellschaft wird zunehmend digital: Das Internet, Tablets und Smartphones haben die Art des Einkaufens
nachhaltig verändert. Sieben von zehn
Deutschen kaufen inzwischen online
einen Teil ihrer Waren ein, zugleich
werden sie wählerischer. Service-Anbieter wie die Marketingplatt form
Payback sehen in diesem Wandel
große Chancen – und müssen sich
zugleich selbst radikal verändern.
„Unsere Kunden sind heute offline, online und mobil unterwegs und unterscheiden die Kanäle gar nicht mehr
bewusst“, sagt Dominik Dommick. Als
Geschäftsführer des Bonusprogrammes Payback beschäftigt er sich seit
geraumer Zeit mit den Konsequenzen
dieser Digitalisierung: „Wir müssen
uns Gedanken machen, was der Kunde in Zukunft möchte. Über welchen
Kanal, zu welcher Zeit und an welchem Ort.“ Angebote ohne hohe Relevanz für den Einzelnen hätten kaum
noch Chancen, aus der Masse der Zusendungen herauszuragen.
Eine hohe Relevanz allerdings erreichen
nur die Anbieter, die die Wünsche ihrer
Kunden verstehen. Grundlage dafür sind
auf den Konsumenten zugeschnittene
Angebote. So erreicht die Kunden das
richtige Angebot über den richtigen
Kanal zur richtigen Zeit. Die Marketer
lernen aus der Vergangenheit, was
Kunden in der Zukunft gefallen könnte. Gerade Payback-Nutzer teilen diese
Daten mit dem Unternehmen freiwillig und so umfassend wie kaum irgendwo sonst. Das ist Marketing zum
Vorteil beider Seiten. „Die PaybackCoupons und -Mailings sind weniger
Werbung, sondern individuelle Angebote. So werden sie auch von unseren Nutzern wahrgenommen“, erklärt
Dominik Dommick. Dadurch entsteht
eine Win-win-Situation, bei der passende Angebote und Kaufinteresse
aufeinander treffen. Payback hat für
den digitalen Wandel viele Hebel in
Bewegung gesetzt. Mit zehntausenden Kontaktpunkten im Einzelhandel,
über 600 Onlineshops und einer mobi-
Debate Hall der dmexco: Dominik Dommick (3. v. L.) in der Debatte.
len App, die schon über 3,5 Millionen
Mal heruntergeladen wurde, sind die
Münchner heute multikanal präsent.
Sie repräsentieren sozusagen die moderne Tante Emma, die ihre Kunden
kennt und entsprechend gut bedient.
Allerdings mit einem gravierenden
Unterschied: Über 24 Millionen Kunden hätten Tante Emma sicherlich überfordert, bei Payback ist das System beliebig skalierbar.
Auf der Marketing-Leitmesse dmexco
in Köln zeigten in diesem Jahr neben
Payback auch viele andere Marketer,
wie sie sich die Kundenkommunikation in Zukunft vorstellen. Zwischen
allerlei digitaler Technologie hatten
einige allerdings das Wichtigste vergessen: Den Kunden selbst. Der ist aus
Fleisch und Blut und wird niemals
ganz digital werden. Er hat auch Wünsche außerhalb des WWW und die
kennen dann wieder nur Tante Emma
– und ihre legitimen Nachfolger.
www.payback.de
Bildmotiv Copyright: flickr / MC1 Chad J. McNeeley / CC-BY 2.0
6
TREND REPORT
September 2014 | Die vernetzte Gesellschaft
Bildmotiv Copyright: Apple
und selbstbewusster im World Wide
Web als früher. Sie warten nicht mehr,
bis die Informationen zu ihnen kommen, sondern holen sie sich selbst ab.
Dabei wird mittlerweile schlicht vorausgesetzt, jederzeit und über alle Kanäle mit dem Anbieter in Kontakt treten zu können. Hier eröffnen sich den
Unternehmen neue Möglichkeiten,
mit ihren Kunden in den Dialog treten und sie so besser kennenlernen zu
können.
Die Zukunft gehört den Apps im Auto. Die Smartphone-Hersteller,
allen voran Google und Apple, suchen nach Möglichkeiten, auch im
Auto präsent zu sein. Freisprecheinrichtung, Navigation und SMSVorlesen reicht nicht mehr.
Doch durch die Koexistenz von neuen und alten Recruiting-Kanälen erhöht sich zwangsläufig die Komplexität der Personalsuche. Ein großes
Phänomen derzeit stellen die sozialen
Medien dar. Innerhalb kürzester Zeit
eroberten Facebook, Twitter & Co.
die Kommunikation und werden na-
türlich auch schon zur Kontaktaufnahme mit Unternehmen und zur
Kommentierung von Produkten, Strategien usw. angewandt. Sich dabei ihrer Macht bewusst werdend – allseits
gefürchtet ist der sogenannte Shitstorm –, agieren die Nutzer mit einem
weitaus größeren Selbstverständnis
Diverse Studien beschäftigten sich bereits mit dem Verhältnis
von Social Media und Unternehmen
– mit zum Teil unterschiedlichen Ergebnissen. Die eine von TNS Infratest
sieht Social Media langsam in den
Unternehmen ankommen. Die Forscher von PWC wiederum kamen zu
der Erkenntnis, dass Unternehmen
das Potenzial von Social Media nicht
ausschöpfen. Wobei die Ergebnisse
sich nicht ausschließen müssen. Beide
Studien fanden heraus, dass die digitalen Kanäle hauptsächlich noch wie
traditionelle Medien eingesetzt werden, also zur Verbreitung von Informationen zu eigenen Produkten,
7
Trendmanagement
Sharing Economy
teilen, verschenken und tauschen
Die Sharing Economy ist derzeit in aller Munde. – Manche hielten den Trend,
Dinge zu teilen und zu tauschen, für einen kurzen Hype – doch er hält sich
stetig, entwickelt sich und wächst zu
immer neuen Ideen und Plattformen
heran.
Datenbank für Sharing-Projekte:
http://www.deutsche-startups.de
Studien zum Thema:
• Das Internet schafft eine Kultur des
Teilens http://www.bitkom.org/de/
presse/78284_75237.aspx
• „Sharity: Die Zukunft des Teilens“
vom Schweizer Gottlieb Duttweiler
Institut (GDI)
Digitaler Lifestyle: Smart Home
Bildmotiv Copyright: freenet AG
Christoph Vilanek, CEO (Vorstandsvorsitzender) der freenet AG im Gespräch
mit der TREND-REPORT-Redaktion zum
Thema Smart Home.
Herr Vilanek, was bedeutet das Thema
vernetzte Gesellschaft für Sie?
Die Vernetzung der Gesellschaft ist für
uns nicht nur Basis für unser Geschäftsmodell, sondern auch Triebfeder für Innovation und Expansion. Erst vor wenigen Jahren haben die Menschen durch
die Erfindung des Mobiltelefons damit
begonnen, sich untereinander zu vernetzen, indem sie die Möglichkeit nutzen, immer und überall miteinander
zu sprechen. Mit dem Siegeszug des
Smartphones hat diese Entwicklung
eine völlig neue Dimension gewonnen.
Menschen kommunizieren mit Maschinen, die ihren Alltag begleiten, über Applikationen, die in der virtuellen Welt
des Smartphones zuhause sind. Diese
Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Und
das ist das wirklich Neue: Das Smartphone ist nicht nur Kommunikationsmittel der Menschen, es ist vielmehr in
die Kulturlandschaft eingedrungen und
ist dabei, diese nachhaltig zu verändern.
Das Smartphone vernetzt alles und jeden miteinander und ist damit Schlüssel und Ankerpunkt der vernetzten Gesellschaft. So gesehen wird dieser kleine handliche Taschencomputer immer
mehr zur Fernsteuerung individueller
Lebensentwürfe. Und wir begleiten die
Menschen bei der Entdeckung und Erschließung dieser Welt mit neuen Ideen.
Welche Ideen sind das denn genau?
Wir sehen großes Potenzial in SmartHome-Anwendungen und haben unter
unserer Mobilfunkmarke mobilcomdebitel bereits mehrere Produkte in
diesem Bereich auf den deutschen Markt
gebracht. Gerade zu Beginn der dunklen Jahreszeit ergeben Anwendungen
wie unser Produkt „SmartHome Sicherheit“ einen Sinn, mit denen Sie das Geschehen in Ihren eigenen vier Wänden
im Auge behalten. Einbruchsensoren
melden Ihrem Smartphone, das etwas
nicht stimmt. Gleichzeitig kommuniziert das System aber auch mit einem
lokalen Serviceteam, das bei Ihnen vorbeischaut, ob tatsächlich ein Einbruch
stattgefunden hat oder nicht. Ein anderes momentan auch wieder passendes Beispiel ist das mobilcom-debitel
Produkt „SmartHome Heizung“, die
mobile Steuerung individueller Heizkörper in der Wohnung. Via App haben
unsere Kunden das Geschehen im Blick
und die Steuerung damit via Smartphone im wahrsten Sinne des Wortes in der
Hand. Das ist für viele Menschen eine
völlig neue Komfort-Qualität.
Und warum ist mobilcom-debitel dafür der beste Ansprechpartner?
Weil wir uns sehr gut darauf verstehen,
mit Partnern gemeinsam Produkte zu
entwickeln, die die Bedürfnisse der
Menschen punktgenau treffen. Weil
wir durch erstklassig geschulte Mitarbeiter in unseren Shops Produkte so
einfach erklären können, dass jeder
den effektiven Nutzen des Produktes
für sich einschätzen kann, und natürlich weil wir langjährige Erfahrung im
Bereich Telekommunikation und Digi-
tal Lifestyle mitbringen. Es ist die Kombination aus Vertrieb, Telekommunikation, Internet und unseren Kernkompetenzen bei Unterhaltungsformaten
sowie Serviceleistungen für Nutzer digitaler Anwendungen, die uns zu einem glaubwürdigen Anbieter macht.
www.freenet-ag.de
Für Christoph Vilanek hat die
Vernetzung von Kommunikation
und Service immenses Potenzial.
TREND REPORT
Die vernetzte Gesellschaft | September 2014
„Das liegt einfach an der Vernetzung“
In unserer vernetzten, komplexer und schneller
werdenden Welt müssen Manager und Politiker Entscheidungen verantworten, deren Reichweite sie
oft nicht mehr absehen können. Die Machtsysteme
haben sich verschoben, alte Entscheidungsmuster
funktionieren nicht mehr.
Der kleinste technische Akt kann aus einer One-toone- eine One-to-many- und im schlimmsten Fall eine
Many-to-many-Kommunikation werden lassen. Das
Versenden einer E-Mail oder ein unglücklicher Kommentar auf Twitter, Facebook & Co. kann eine Wirkung
mit ungeahnten Ausmaßen haben. Dies baut unter
Managern und Politikern eine enorme Drucksituation
auf, wie Professor Dr. Peter Kruse, Zukunftsforscher
und Organisationspsychologe an der Universität Bremen, in einem Expertengespräch ausführte, hervorgerufen zum einen durch „die unglaubliche Vernetzung
und die Steigerung der Wirkreichweite“ und zum anderen dadurch, dass „die alten Informationssysteme
nicht mehr so selbstverständlich funktionieren wie
bisher“. Neue Wege zur Entscheidungsfindung und
-begründung müssten her, in einer Situation, in der
das Entscheiden immer schwieriger wird. Die Möglichkeiten, als Einzelner die komplexen Geschehnisse
und Gegebenheiten in Wirtschaft und Gesellschaft in
rufen, mit dem das Internet im ungünstigsten Fall ausgeschaltet werden könne. Doch vielmehr „müssen wir
lernen, die Qualität in den Netzen zu erhöhen“, so Prof.
Kruse, damit nicht die Quantität die Qualität regiert.
Prof. Dr. Peter Kruse: „Wir haben in einer
Aufbruchsituation die Chance, Entscheidungen
miteinander zu treffen.“
ihrer Gänze zu begreifen, schwinden. Ein Ausweg
könnte das Nutzen der kollektiven Intelligenz sein,
der „Wisdom of the Crowd“. Internet und Social Media
machen es möglich, das Wissen vieler zusammenzubringen und Entscheidungen gemeinsam zu treffen,
basisdemokratisch sozusagen.
Mit dieser Entwicklung sind natürlich auch Ängste
verbunden – vor einem Machtverlust, vor der „allzu schnellen direkten Demokratisierung“. Nicht ohne
Grund wird immer wieder nach einem „Kill-Button“ ge-
Bildmotiv Copyright: nextpractice GmbH
8
Derzeit werde die Idee der kommunikativen Macht in
den Netzen noch völlig missverstanden. Macht bedeutet hier, eine Resonanz, eine Aktivität auszulösen,
man kann sie nicht kaufen. Manager stehen dabei unter einem ungleich stärkeren Druck. Sie haben den Kunden als Auftraggeber, und ihre Bereitschaft, sich gleichberechtigten Diskursen mit Mitarbeitern und Kunden
zu öffnen, führt zu schnell messbaren Ergebnissen.
Politiker tun sich schwerer, die Machtstrukturen sind
hartnäckig. Doch wer auf den Gestaltungswillen und
die Kreativität der Menschen setzt, gewinnt mehr als
er verliert. Dafür müssten nur endlich Freiräume zugelassen werden, die nicht im Detail durchgeregelt und
vor der konservativen Nutzung geschützt sind. Wirtschaft und Politik könnten gleichermaßen profitieren,
sie müssen sich dieser Chance nur öffnen.
Das ausführliche Interview finden Sie bei
uns unter www.trendreport.de/vernetztegesellschaft
Schlaue Kombination: Prepaid-Prinzip mit Kreditkarte
Herr Müller, wo sehen Sie Ihre zukünftigen Märkte und wie partizipieren Sie daran?
Udo Müller: Durch das PrepaidPrinzip sind Überziehungen und
ungewollte Mehrausgaben ausgeschlossen.
Wir expandieren schrittweise in neue
Länder mit entsprechendem Marktpotenzial. Zuletzt waren dies Uruguay und
Peru – zwei äußerst spannende Märkte,
wo eine internetaffine Bevölkerung mit
relativ geringer Bankendurchdringung
zusammenkommt: für uns eine ideale
Kombination. Wir kommen damit dem
Ziel einer flächendeckenden Präsenz
in Lateinamerika einen großen Schritt
näher. Weitere Märkte wie Asien oder
die Mena-Region werden gerade analysiert, um globaler Marktführer für
Prepaid-Online-Zahlungen zu werden.
Wie entwickeln sich in diesem Kontext die Umsätze auf den europäischen Märkten?
paysafecard ist die richtige Antwort auf ein
weltweit massives Kundenbedürfnis.
Natürlich haben manche Märkte in Europa besonderes Gewicht. Das gilt speziell für Deutschland: Wir konnten mit
der Etablierung des Online-Zahlungskontos my paysafecard ganz neue Zielgruppen erschließen und paysafecard als
ein Zahlungsmittel weiter etablieren, das
Bequemlichkeit mit höchster Sicherheit
verbindet. Die Registrierung für my paysafecard bringt den Kunden enorme Vorteile, inzwischen gibt es das Online-Zahlungskonto auf praktisch allen Märkten
Europas. Besonders stolz sind wir auf my
PLUS, ein einzigartiges Treueprogramm.
Welche Ziele verfolgen Sie mit der
aktuellen „MasterCard“-Kooperation
und was haben eigentlich Ihre Kunden davon?
Diese Karte mit der vollen Funktion einer MasterCard wird mit paysafecardGuthaben, also mit Bargeld, aufgeladen und bietet zugleich alle Vorteile
des Prepaid-Bezahlens und die Stärken einer weltweit akzeptierten Kreditkarte. Damit können ab sofort alle
User online und offline bei Millionen
von Shops bezahlen. Auch all jenen,
die kein Bankkonto haben, ermöglicht
paysafecard somit Zugang zu einer
Kreditkarte. Durch das Prepaid-Prinzip
sind Überziehungen und ungewollte
Mehrausgaben ausgeschlossen, da
nur jenes Guthaben verbraucht wer-
den kann, mit dem der User die Karte
aufgeladen hat. Zugleich ist damit auch
die volle Kontrolle über die eigenen
Ausgaben gesichert.
Wo wird Ihr Unternehmen in den
nächsten zwei bis drei Jahren stehen?
Wir haben das erklärte Ziel, in absehbarer Zeit zum unangefochtenen Weltmarktführer bei Prepaid-Zahlungsmitteln im Internet zu werden. Wir sind
auf diesem Weg schon sehr weit – und
auch stolz auf eine weltweite Erfolgsstory „Made in Austria“. Im Fokus liegen die Erschließung neuer Märkte, das
Wachstum in bestehenden Märkten
sowie die konsequenten Erweiterungen unseres Produkt- und Leistungsportfolios, der kontinuierliche Ausbau
der Vertriebsnetze und eine enge Zusammenarbeit mit internationalen Partnern. Damit sichern wir uns eine stetig
steigende Akzeptanz des „Bargelds im
Internet“ bei tausenden Webshops jeder Größe für User aus der ganzen Welt.
www.paysafecard.com
Bildmotiv Copyright: paysafecard Wertkarten GmbH
Udo Müller, Geschäftsführer von
paysafecard, im Dialog mit der TRENDREPORT-Redaktion zum Thema Wachstumsmärkte.
TREND REPORT
Bildmotiv Copyright: nextpractice GmbH
Dienstleistungen und zum Unternehmen. Weitaus weniger mutig sind die
Unternehmen bei der Nutzung von
Social Media zur Kunden- und Mitarbeiterintegration.
„Lediglich 40 Prozent der Befragten bieten einen aktiven Dialog
und nur 21 Prozent lassen ihre Produkte von den Kunden mit gestalten.
Nur gut ein Viertel der Befragten (28
Prozent) setzt Social Media für interaktive Zwecke wie Marktforschung
ein. Von der Möglichkeit, Social Media für personalisierte Angebote zu
nutzen und zum Beispiel höhere Umsätze zu erzielen, machen nur 14 Prozent der Unternehmen Gebrauch.
Immerhin gut die Hälfte der befragten Firmen (51 Prozent) rekrutiert
Mitarbeiter über die sozialen Medien“, heißt es in dem PWC-Report.
Und noch etwas haben die PWC-Forscher ausgemacht: Social Media muss
auch endlich in der Managementebene ankommen – inhaltlich und finanziell. Ein gutes Beispiel dafür lieferte
jüngst Burger-King-Deutschland-Chef
Andreas Bork, der sich nach einem
Shitstorm, ausgelöst durch eine RTLDokumentation, in der Burgersprechstunde auf der eigenen FacebookFanpage den Fragen der Community
stellte und so den Imageschaden und
– damit verbunden – finanziellen
Schaden für sein Unternehmen verringerte.
Bildmotiv Copyright: TIBCO Jaspersoft / Big Minnow
Daten über Daten
Begleitet wird die Digitalisierung und
Vernetzung der Gesellschaft mit einer
Flut von Daten, gewonnen über die vielfältigen Medien und Kanäle und gespeichert in immer größer werdenden
Datencentern. Und dann? Ein Großteil der in den Unternehmen bereits
vorhandenen Daten liegt sogar noch
brach. Lösungen sind gefragt, mit deren Hilfe diese Datensätze nach neuen, intelligenten Gesichtspunkten umfassend analysiert und für das Tagesgeschäft aufbereitet werden können.
Eine der großen Herausforderungen besteht dabei darin, diesen immer größer werdenden Big-DataWust kanalübergreifend in ein System zu bringen und allen, die es
wünschen, zugänglich zu machen.
Eine solche Herkulesaufgabe ist gerade vom Bundesinnenminister Dr.
September 2014 | Die vernetzte Gesellschaft
„
Social Media
muss endlich
in der Managementebene
ankommen –
inhaltlich und
finanziell.
“
Thomas de Maizière angestoßen worden. Im Rahmen des Regierungsprogramms Digitale Verwaltung 2020
und des Open-Data-Aktionsplans sollen Verwaltungsdaten offen bereitgestellt werden. Jede Bundesbehörde
muss dazu bis zum Ende des ersten
Quartals 2015 mindestens zwei Datensätze auf dem ebenenübergreifenden Datenportal GovData einstellen,
wo sie dann auffindbar und einfacher
genutzt werden können. Eine virale
Verbreitung der Verwaltungsdaten ist
dabei absolut erwünscht. Der Pilotbetrieb des GovData.de-Prototyps läuft
seit Februar letzten Jahres. Derzeit
wird der Übergang in den Regelbetrieb vorbereitet, der dann Anfang
nächsten Jahres starten soll.
9
Trend: Interaktion
im Video-Player
Der neue Perform-Player liefert Ad und Content in einem
Stream und unterstützt client-seitige Interaktivität
wie z.B. „client side beaconing“ und
„click-throughs“. Das Ziel ist, dass
die Kunden nicht nur Online-Videos
konsumieren, sondern reagieren und
interagieren können. Durch diese
Engagement-Möglichkeiten sollen
Interesse, Verweildauer und Markenbindung gestärkt werden.
www.brightcove.com
BI: Daten clever nutzen
Von Brian Gentile, Head der Analytics Group bei Tibco Jaspersoft
Sei es das Internet oder die zunehmende Nutzung von mobilen Geräten am Arbeitsplatz: Unser Arbeitsalltag wird zunehmend von der Erzeugung digitaler Daten beeinflusst.
Business-Intelligence-Lösungen helfen dabei, Geschäftsprozesse zu optimieren und Ordnung in das Big-Data-Chaos zu bringen.
Noch nie wurden so viele digitale Daten gesammelt wie heute. Der Datenspeicher vieler Unternehmen wird immer voller, aber leider gehen viele
wertvolle Informationen aufgrund ihres
unerkannten Potenzials in der Masse
unter. Die Datensammlung in Unternehmen kann nur dann zu einer wahren Fundgrube werden, wenn die richtigen Software-Lösungen eingesetzt
werden, um wertvolle Daten herauszufiltern. Optimierungschancen für Geschäftsabläufe ergeben sich also dadurch, dass man Big Data effektiv strukturieren und auswerten kann.
Business-Intelligence (BI)-Lösungen
haben sich auf dem IT-Markt als hilfreiche Lösung für das Big-Data-Problem
erwiesen: Mit der Erstellung von Reportings können Informationen verarbeitet und durch die integrierten BigData-Funktionen analysiert werden. BILösungen wie die von Tibco Jaspersoft
bieten die Erstellung von Reports
durch einen einfachen Self-ServiceAnsatz, denn heutzutage muss jeder im
Unternehmen in der Lage sein, BusinessIntelligence-Lösungen nutzen zu können. Durch intuitive Drag-and-dropBedienung kann jeder Anwender auch
ohne profundes IT-Hintergrundwissen
die Funktionen der Software vollständig nutzen. Ein zusätzlicher Aspekt ist
die Möglichkeit, Reports visuell ansprechend aufbereiten zu können. Tibco Jaspersoft hat in seinem neuen Produkt visualize.js das Spektrum der Visualisierungsmöglichkeiten erweitert,
um Anwendern noch mehr Features
für die effiziente Berichterstellung zu
bieten. Damit kann jeder anschauliche Charts und Diagramme erstellen,
um beispielsweise Verkaufszahlen optisch ansprechend darzustellen und seinem Vorgesetzten in druckfähiger
Qualität präsentieren zu können. Visualize.js lässt sich zudem leicht in bestehende Anwendungen einbetten,
da es sich vom Design an die beste-
hende IT-Umgebung anpasst. Mit Einstiegskosten von weniger als einem
Euro pro Stunde können interessierte
User die Anwendung im Amazon Webservices Marketplace (AWS) auch in der
Cloud testen und zahlen dabei nur für
die tatsächlich angefallene Nutzung.
Mit unseren BI-Lösungen bekommt
jeder Business-Nutzer genau die richtige Datenmenge – nicht mehr und
nicht weniger – in einer Umgebung
präsentiert, in der er sich bereits wohl
fühlt. Auf diese Weise kann der digital vernetzte Geschäftsanwender den
Anforderungen der heutigen Zeit besser gerecht werden – denn er hat ein
einfaches Tool zur Hand, mit dem er
seine Daten effizient auswerten und
visualisieren kann. Nur intelligente
Daten verschaffen dem Unternehmen
letztlich entscheidende Wettbewerbsvorteile am Markt.
www.jaspersoft.com/de
Brian Gentile:
Nur intelligente
Daten verschaffen
dem Unternehmen
letztlich entscheidende Wettbewerbsvorteile am Markt.
TREND REPORT
Die vernetzte Gesellschaft | September 2014
Trendmärkte
Digital Health
Im Gesundheitswesen bahnt sich
die digitale Evolution ihren Weg:
Jetzt gerade im Moment entsteht vor
unseren Augen ein neuer MilliardenMarkt im Bereich der digitalen Medizin. Nach einer aktuellen Studie der
Unternehmensberatung Arthur D. Little wird der Markt für
digitale Gesundheit
schnell wachsen.
Google, Apple und Co. wollen uns
helfen, Krankheiten zu besiegen
und gesünder zu leben.
1. Die „Healthbook App“ ist da! Ein
großes Thema, dem sich Apple mit
iOS 8 widmen wird. Apple will bei iOS
8 ganz auf Gesundheit setzen.
2. Google stellt eigene Fitness-Plattform vor. Google hat eine offene Fitness-Plattform namens „Google Fit“
vorgestellt. Der Konzern will Daten
aus verschiedenen Quellen an einem
Ort sammeln, um ein umfassenderes
Bild zu erhalten. Google will zum Fitness-Experten werden. Der Internetkonzern stellte im
Juni 2014 mit
Google Fit offiziell
eine eigene Plattform vor, auf der
Nutzer in Zukunft ihre Gesundheitsdaten zentral sammeln können sollen.
Neue Frauen und Männer
braucht das Land
Die digitale Transformation schafft
aber noch ein weiteres, eher selten benanntes Problem – das der Unternehmensführung in Zeiten von Social
Media und Vernetzung. Professor Dr.
Kruse, Zukunftsforscher und Organisationspsychologe an der Universität
Bremen (siehe auch das Interview auf
Seite 8), bringt das in seinen Vorträgen folgendermaßen auf den Punkt:
„Wir haben in den letzten Jahrzehnten alles dafür getan, die Vernetzungsdichte im System Welt zu erhöhen.
Und wo immer Sie die Vernetzungsdichte erhöhen, haben Sie einen Nebeneffekt: Sie erhöhen die Nichtlinea-
„
Wir haben in
den letzten
Jahrzehnten
alles dafür getan, die Vernetzungsdichte im
System Welt zu
erhöhen.
“
rität. Und mit der Erhöhung der
Nichtlinearität haben Sie eine Explosion der Komplexität und Dynamik
im System.“ Diese Komplexität sei
die größte Herausforderung, vor der
die Führungsebenen stehen, denn
jede Entscheidung, die dort getroffen
wird, kann eine Explosion an Wirkung hervorrufen.
Oder anders: Das Treffen von Entscheidungen wird für den Einzelnen
immer schwieriger. An dieser Stelle
kann man sich Hilfe von der Technik
holen, beispielsweise vom Supercomputer Watson von IBM. Ein kognitives System, von dem erwartet wird,
dass es die Art und Weise verändern
kann, wie Unternehmen künftig den-
Wenn der Kunde mobil bezahlt
Mobiles Bezahlen wird an Bedeutung
gewinnen, sind sich Fachleute wie
Christian von Hammel-Bonten, EVP
Telecommunications des Technologieanbieters Wirecard AG, sicher. Denn für
Telekommunikationsanbieter, Händler
und Endkunden hat das mobile Bezahlen mit dem Smartphone verschiedene Vorteile. Doch es gilt auch, einige
Herausforderungen zu meistern.
Dazu zählt beispielsweise der bisher
stark fragmentierte Mobile-PaymentMarkt in Deutschland, der sich durch
eine Vielzahl an Apps und Technologien auszeichnet. Hier ist vor allem die
NFC-Technologie zu nennen, die bereits bei Kreditkarten wie Visa oder
MasterCard eingesetzt wird. Es handelt sich dabei um einen Substandard
der bereits erfolgreich eingesetzten
RFID-Technologie. Der Vorteil für den
Anwender: Anders als bei anderen
Technologien, bspw. den proprietären
QR-Codes, die viel Nutzerinteraktion
erforderlich machen, muss er zum Bezahlen sein Smartphone nicht entriegeln und danach die entsprechende
Applikation öffnen. Auch Experten
räumen der NFC-Technologie großes
Potenzial ein: So prognostiziert etwa
das Research-Institut IHS Technology,
dass die NFC-Technik bis 2018 in fast
zwei Dritteln aller Smartphones standardmäßig integriert sein wird. Im vergangenen Jahr betrug die Quote gerade einmal 18,2 Prozent. „Die Vielzahl
der Technologien ist für den Nutzer
„In drei bis fünf Jahren wird mobil bezahlen Standard sein“, so von
Hammel-Bonten im Gespräch mit
der TREND-REPORT-Redaktion.
durchaus von Vorteil, da er selbst entscheiden kann, welche ihm am meisten entgegenkommt“, erläutert von
Hammel-Bonten.
Kundenbindung und Branding
stärken
Für den Kunden bietet das mobile Bezahlen zahlreiche Vorteile: Er wird in
Echtzeit über alle Transaktionen informiert. Der Verlust eines Smartphones
wird in der Regel schneller bemerkt
als der Verlust einer Kreditkarte, da das
Smartphone häufiger benutzt wird. Weiterhin sind Beträge mit einem Wert von
über 25 Euro mit einer PIN-Eingabe
gesichert. Dies stellt einen zusätzlichen
Schutz dar. Ansonsten gelten dieselben Standards wie bei Kreditkarten.
Auch die Telekommunikationsanbieter
profitieren vom bargeldlosen Bezahlen,
denn mit dem Mobile Payment bieten
sie den Endkunden eine zusätzliche
Funktion und stärken Markenbildung
und Kundenbindung. Und auch Händler können die Chancen des Mobile
Payment gewinnbringend für sich nutzen. Sie können ihre Kunden noch besser kennenlernen und mit gezielten
Rabattaktionen und Bonusprogrammen ansprechen. Es handele sich beim
mobilen Bezahlen um eine Evolution,
nicht um eine Revolution, ist von Hammel-Bonten überzeugt. In drei bis fünf
Jahren werde diese Bezahlweise in 50
Prozent Standard sein. Der Trend geht
seiner Ansicht nach ohnehin in Richtung Verknüpfung der unterschiedlichen Verkaufskanäle, die durch mobiles Bezahlen weiter verstärkt wird,
sowie in Richtung der Verschmelzung
von Online- und Offline-Inhalten.
www.wirecard.com
Bildmotiv Copyright: Wirecard AG
10
TREND REPORT
September 2014 | Die vernetzte Gesellschaft
11
Hier wächst dem Netzwerk eine
ganz neue Rolle zu. Es ist Auslöser
des Dilemmas, aber auch gleichzeitig
seine Lösung. Man muss nur konsequent den Schritt vom Ich zum Wir
gehen und gemeinsam im Kollektiv
die aktuelle und zukünftige Lage sowie die anstehenden Aufgaben analysieren und besprechen und darauf basierend – möglichst – die richtigen
Entscheidungen treffen. Kollektive Intelligenz oder Schwarmintelligenz
wird dies auch genannt. Dabei müssen natürlich hierarchische Strukturen aufgebrochen bzw. das Hin- und
Herschalten zwischen Hierarchie und
Netzwerk zugelassen werden. Damit
einher geht eine Machtverlagerung im
System. Die Führungskraft wird eher
zu einem „die Entwicklung begleitenden Coach“, so Professor Kruse, und
bleibt nicht mehr die zentrale, identitätsstiftende Gestalt im Unternehmensgefüge. Diese Herausforderung zu meistern, betrifft Manager und Mitarbeiter
gleichermaßen, denn auch Letztere
müssen die neuen Rollen – sowohl
die ihres Chefs als auch ihre eigene –
erst akzeptieren lernen.
Schöne, neue, vernetzte
Welt
Wir stehen zwar eigentlich immer
noch am Anfang der Entwicklung,
doch die Digitalisierung und Vernetzung der Welt sind auf den Weg
gebracht und lassen sich nicht mehr
aufhalten. Worte wie Cloud, Social
Media, E-Commerce, E-Learning,
E-Government und E-Health, Maschine-zu-Maschine-Kommunikation
und das Internet der Dinge, Smart
Grids und Smart Cities, Connected
Cars, Industrie 4.0 und neuerdings
Wearables beschreiben diesen neu
entstehenden Kosmos. An uns ist es,
gemeinsam das Beste aus den sich ändernden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Gegebenheiten und Möglichkeiten zu machen. Die klügsten
Köpfe diskutieren auf Konferenzen
die Zukunft der digitalen Gesellschaft
und versuchen, Handlungsempfehlungen zu erarbeiten. Bleibt zu hoffen, dass auf diese Reise alle mitgenommen werden – Menschen, Wirtschaft und unsere Gesellschaft.
Copyright:„Cara“. A chair by Nigel Coates.
ken, handeln und arbeiten. Doch
nicht jeder hat gleich einen Watson
zur Hand.
Die aktuelle Interamt-Anzeigenkampagne:
Online-Rekrutierung ohne Umwege
Rekrutierung ohne Umwege
Beim Personalmanagement ist das Internet kaum mehr
wegzudenken. Beispiel Interamt: Das von der TelekomTochter Vivento betriebene Stellenportal für den öffentlichen Dienst hat sich als übergreifende Kommunikationsplattform zwischen Arbeitgebern und Bewerbern etabliert.
Die Zahlen sprechen für sich: Allein im vergangenen Jahr
über sechs Millionen Seitenaufrufe und 60.000 Stellenangebote, die größte Abdeckung vakanter Stellen im öffentlichen Dienst. Inzwischen hat sich Interamt, das 2010 als reine Stellenbörse an den Start ging, weiterentwickelt und unterstützt die Behörden mit einem speziell auf den öffentlichen Dienst zugeschnittenen Bewerbermanagement.
Bewerber und Arbeitgeber profitieren dabei von kurzen
Wegen zueinander. Sei es über spezielle Funktionen zur Erstellung von Bewerbungsmappen oder über die interne
Weiterverarbeitung von Bewerbungen innerhalb der Behörde. Das Stichwort lautet: Mehr Effizienz und Qualität in
der Online-Rekrutierung. „Wir verbinden die Funktionen einer reinen Stellenplattform mit denen eines modernen Bewerbermanagements“, erklärt Frauke Vollet, Leiterin Marketing Interamt und Vivento. „Ein besonderer Schwerpunkt
liegt dabei auf der Optimierung der gesamten Rekrutierungsprozesse innerhalb der Behörden.“
Optimierte Prozesse ohne erhöhten Investitionsbedarf
Interamt ermöglicht den Behörden somit nicht nur die
Kommunikation des Stellenbedarfs, sondern auch ein effizientes Bewerbermanagement – von der automatisierten
Erfassung der Bewerberdaten und der Weiterleitung an die
entsprechenden Fachbereiche über Freigabe- und Bearbeitungsvermerke, die Dokumentation des Gesamtprozesses
bis hin zur Kommunikation mit dem Bewerber. Vorteil für
die Behörden: Eine Investition in eigene IT-Infrastruktur ist
nicht erforderlich. Für den Zugriff auf Interamt reicht ein
Standard-PC mit einem gängigen Browser. In Vorbereitung
sind zudem Schnittstellen zu gängigen Human-ResourcesSystemen, um Interamt mit dem Personalmanagement der
Verwaltungen zu verknüpfen. Ebenso bereits als Pilotprojekt in Umsetzung: Die Einbindung einer Eignungsdiagnostik zur Vorqualifikation eingehender Bewerbungen. Der
ständige Ausbau des Portals ist dabei eine Selbstverständlichkeit: „Wir entwickeln mit Kunden für Kunden. Über spezielle Anwenderforen binden wir unsere Kunden direkt in
die Weiterentwicklung von Interamt ein“, so Frauke Vollet.
Erhöhte Reichweite und eine zielgruppengerechte
Ansprache
Die Erfahrungen der Behörden mit Interamt sind positiv, so,
wie das Beispiel Berlin zeigt. So konnten in einigen Behörden bei der Datenerfassung, -verarbeitung und Bewerberkommunikation Zeitersparnisse von bis zu 50 Prozent verzeichnet werden. Auch die Erfahrungen aus einem Pilotprojekt im Saarland sprechen für sich: Eine höhere Anzahl
von Bewerbern bei gleichzeitiger Verringerung der Bearbeitungszeiten. Künftig werden alle Ressorts im Saarland
ihre Stellenangebote bei Interamt einstellen und die Bewerbungen online bearbeiten. Dabei profitieren sie nicht
nur von einer erhöhten Reichweite ihrer Stellenausschreibungen und optimierten Rekrutierungsprozessen. Um speziell den Fachkräftenachwuchs anzusprechen, bietet Interamt die Möglichkeit, Stellen via Twitter zu veröffentlichen
bzw. via Interamt-App auch für den mobilen Zugriff verfügbar zu machen. „Der öffentliche Dienst gewinnt zunehmend an Attraktivität für den Nachwuchs. Mit Interamt
schaffen wir die Voraussetzungen, dass Bewerber und öffentliche Arbeitgeber ohne Umwege zusammenkommen.“
www.vivento.de, www.interamt.de
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TREND REPORT
HR-Trends 2014 | September 2014
HR-Trends 2014
Direkte Demokratie in modernen Unternehmen – Mitarbeiter
wählen ihre Chefs. Was für die einen fast schon revolutionär
klingen mag, ist für andere nur ein Anfang.
Arbeit – sei es nun das Thema Mobile, Big Data oder Social Media. Im
Recruiting und Personalmarketing
wird es zukünftig teilweise zu vollständig automatisierten Prozessen kommen, die den Personalverantwortlichen Raum für neue Initiativen geben
werden. Diese genutzt, könnten den
Stellenwert des HR-Bereichs in den
Unternehmen erhöhen. Denn: Der
Personalbereich wird derzeit in vielen
Unternehmen als Verwaltungsservice
von Mitarbeitern betrachtet, der nach
Meinung so mancher sogar ausgegliedert werden kann. Laut einer gemeinsamen Untersuchung der Business
and Information Technology School
und ADP Employer Services sind von
von Christoph Berger
c.berger@trendreport.de
Bildmotiv Copyright: freeimages.com / greyman
T
rends im Management von Personal haben ganz unterschiedliche Ursprünge. Zum
einen resultieren sie
aus den gesellschaftlichen Entwicklungen mit den schon lange diskutierten Themen Demografie und dem
damit einhergehenden Fachkräftemangel. Zu nennen sind hierbei sicherlich auch die geänderten Ansprüche und Vorstellungen an und über
Arbeit der sogenannten Generation
Y. Zum anderen eröffnet die technologische Entwicklung, vor allem angetrieben aus den IT- und Kommunikationsbereichen, den Personalern vollkommen neue Möglichkeiten für ihre
TREND REPORT
182 Vorstandsposten in den Dax30-Konzernen lediglich sieben Stellen
reine Personalvorstandsposten.
Die Technikplattform Uberspace veröffentlichte im letzten Jahr
eine Stellenanzeige, in der viele Trends
bereits berücksichtigt werden, die den
derzeitigen Zeitgeist aufgreifen: kein
festes Büro, weder feste Arbeitszeiten
noch ein festes Arbeitspensum, Arbeit,
die sich den persönlichen Lebensumständen der Mitarbeiter anpasst, und
Selbstorganisation am und des Arbeitsplatzes. Detailliert wird Interessenten in der Anzeige die Arbeitskultur des Unternehmens beschrieben,
auch das zu erwartende Einstiegsgehalt wird bereits in dieser Phase genannt. Transparenz ist ein klar erkennbarer Trend, den es zukünftig zu
erfüllen gilt. Mitarbeiter wollen wissen, für wen und was sie arbeiten.
Was Uberspace im Kleinen lebt, wird
auch von großen Konzernen praktiziert. Der IT-Konzern Microsoft führte mit einer Gesamtbetriebsvereinbarung einen Vertrauensarbeitsort ein.
Eine Vertrauensarbeitszeit gab es be-
September 2014 | HR-Trends 2014
reits seit einiger Zeit. Vonseiten des
Konzerns heißt es, man fördere damit
eine innovative Arbeitskultur und reagiere auf die Wünsche und Bedürfnisse der Mitarbeiter. Was für die einen fast schon revolutionär klingen
mag, ist für andere nur ein Anfang.
Weitaus radikalere Konzepte
und auch Umsetzungen gehen um ein
Vielfaches weiter. Agile oder genossenschaftlich organisierte Unternehmen sind dafür Beispiele. So führen
in manchen Firmen die Mitarbeiter
bereits die Geschäfte. Bei der Haufeumantis AG werden die Mitarbeiter
beispielsweise bei allen wichtigen Unternehmensentscheidungen einbezogen. Das startet bei der Definition der
Strategie, geht über den Geschäftsplan und reicht bis zum Recruiting.
Auch Trendexpertin Birgit Gebhardt
plädiert für kleine, agile Teameinheiten. Das führe zu schnellen Reaktionszeiten. Doch dies ist nicht der einzige Vorteil: Agilität, in der Umsetzung von IT-Projekten längst kein
Fremdwort mehr, führt zu Selbststeuerung, zu einer besseren Bewältigung
von Komplexitäten sowie zu kundenund lösungsorientiertem Arbeiten.
Auch Thomas Sattelberger, Sprecher
der Themenbotschafter in der Initiative „Neue Qualität der Arbeit“, bestätigt dies: „Sie sind geschäftlich oft erfolgreich und weniger verstrickt in unternehmerisches Fehlverhalten, weil
sie sich stärker am Verbraucher, den
Kunden und den Mitarbeitenden orientieren.“ Trendforscherin Gebhardt
ist sich sicher, dass sich in der NewWork-Order die Abteilungssilos in
kleine autonome Einheiten aufgelöst
haben werden. Diese Einheiten operieren selbstorganisiert auch über Unternehmensgrenzen hinweg als Kompetenzverbund. Sie sagt: „Nach dem
gleichen Modell könnten sich die Einzelbereiche der Personalabteilung in
unterschiedliche agile KompetenzUnits auseinanderdividieren. Als agile
Support-Einheiten unterstützen sie
die Teams in ihrem Workflow und
ihren Bedürfnissen.“ Überhaupt benötige ein erfolgreiches Unternehmen
in Zukunft weniger und ein ganz anderes Personalmanagement als heute.
Weniger, weil sich angesichts der da-
13
Trendraum
Experiment
Bei der Synaxon AG treffen Mitarbeiter
wichtige Unternehmensentscheidungen
mit der Software LiquidFeedback.
LiquidFeedback ist eine freie Software zur politischen Meinungsbildung
und Entscheidungsfindung. Das wichtigste Merkmal ist die Umsetzung des
Liquid-Democracy-Ansatzes, die eine
neue Form der politischen Repräsentation und Mitsprache etablieren soll. Die
Grenzen zwischen repräsentativer und
direkter Demokratie sind hierbei fließend. Neben der Funktion der Meinungs- und Entscheidungsfindung ist es
außerdem möglich, die unterschiedlich
gelagerten Kompetenzen der Teilnehmenden zu einem Thema effizient zu
kanalisieren.
liquidfeedback.org
Quelle: de.wikipedia.org/wiki/Liquid
Feedback
Wenn Mitarbeiter ihre Chefs wählen
Bei Haufe wird mitarbeiterzentrierte
Unternehmenskultur gelebt. Alle Führungskräfte der Haufe-umantis AG,
einer Tochter der Freiburger Haufe
Gruppe, stellten sich dem Votum
durch ihre 150 Mitarbeiter.
Bildmotiv Copyright:: St. Galler Tagblatt
Mit dieser Wahl positioniert sich der
Anbieter für Talent-Management-Lösungen nicht nur im Bereich Software
als Visionär. Das Unternehmen bricht
Bahnen für ein Management, das Mitarbeiter aktiv in strategische Entscheidungen einbezieht.
Geschäftsführer Marc Stoffel, der selbst
von seinen Mitarbeitern in das Amt
gewählt und im November darin bestätigt wurde, sieht dieses Vorgehen
als natürlichen und logischen Schritt,
das gelebte Verständnis von Unternehmensführung zu vertiefen: „Wir glauben, dass in Wahrheit Mitarbeiter Unternehmen führen. Deshalb streben
wir danach, alle Mitarbeiter in wichtige Unternehmensentscheidungen einzubeziehen. Die Belegschaft weiß oft-
mals schneller und besser als das Top
Management, was das Unternehmen
braucht.“ Bei Haufe-umantis wird die
komplette Mannschaft bei der Definition von Strategie und Geschäftsplan
einbezogen – bis hin zu finanziellen
Zielen. Stoffel erklärt: „Wir haben auch
die Rekrutierung komplett umgestellt.
Es sind unsere Mitarbeiter, die den
Personalbedarf definieren, aktiv nach
Kandidaten suchen und dann ihre Einstellungsentscheidung treffen. Wenn
die Mitarbeiter also die Strategie festlegen, wenn sie außerdem bestimmen, wer neu ins Team kommt, warum
sollen sie dann nicht ihren eigenen
Chef wählen?“
Die Wahl wurde anonym durchgeführt. Auf den Stimmzetteln konnten
die Wähler zusätzlich zu ihrem Kreuz
Empfehlungen und Erwartungen an
ihre neuen Vorgesetzten vermerken.
Dieses Feedback erwies sich als wertvolle Orientierung zur Entwicklung
der Führungskräfte. Einige Teams sind
sich auch klarer darüber geworden,
Marc Stoffel: „Bei uns wird die
komplette Mannschaft bei der Definition von Strategie und Geschäftsplan mit einbezogen.“
vor welchen Herausforderungen sie
stehen, wo sie gut aufgestellt sind und
worin sie noch besser werden müssen.
Aus den Ergebnissen gemeinsam
Schlüsse zu ziehen, genau darum ging
es Haufe-umantis bei dieser Wahl. Unternehmensweit wurde ein konstruktiver Dialog über gute Führung in Gang
gesetzt, von dem jetzt die gesamte Or-
ganisation profitiert. Stoffel ist von
dieser Vorgehensweise überzeugt: „Ich
werde oft gefragt, ob wir nicht viel langsamer seien. Ob wir uns nicht viel mit
Kommunikation und Entscheidungsfindung beschäftigen würden. Nein! Stattdessen geht vieles schneller. Und zwar,
weil die richtigen Entscheidungen getroffen werden. Man kann mit ganzer
Energie die Umsetzung starten. Das
macht uns agiler – ein entscheidender
Vorteil in volatilen Märkten!“
www.haufe.com/umantis
TREND REPORT
HR-Trends 2014 | September 2014
Auslandseinsätze generell absichern
Internationaler Krankenversicherungsschutz ist für jeden Arbeitgeber, der
Mitarbeiter kurzzeitig oder langfristig entsendet, ein Muss. In großen Unternehmen ist dies etablierter Standard, doch insbesondere kleine und
mittelständische Unternehmen unterschätzen dieses Risiko. Ein realer Fall
aus der Praxis der Halleschen Krankenversicherung verdeutlicht die Risiken.
Manfred K. ist Spezialist für die Entwicklung und Inbetriebnahme großer
Produktionsmaschinen. Für seinen international agierenden Arbeitgeber ist
er regelmäßig im Ausland tätig. Die arbeitsmedizinischen Untersuchungen
absolviert er ohne Beanstandungen und
regelmäßige Reise-Schutzimpfungen
bieten ihm Schutz vor ansteckenden
Krankheiten. In Vietnam wird er Opfer
eines Unfalls: Ein Motorroller fährt ihn
an, der Fahrer begeht Fahrerflucht.
Manfred K. erleidet multiple Verletzungen des Gesichtsschädels, des Rückens und einen Beckenbruch und
tenverarbeitenden Systeme und der
breiteren Zugängen zu Informationen
bis 2030 viel Verwaltungsaufwand automatisiert haben werde.
Doch um an diesen Punkt zu gelangen, brauche es auch ein Informationsmanagement, das Transparenz und
freien Zugriff gewährt – und Zusammenhänge offenlegt. Erst die Nachvollziehbarkeit ermögliche eine Mitarbeiterkultur, in der sich jeder in seinem
persönlichen Verantwortungsbereich
für sein aktives Tun und mögliche
Konsequenzen verantwortlich sehe.
Was auf der einen Seite durch Automatisierungen zu einem Weniger führt,
wird an anderer zu einem Mehr. Die
wichtigste Aufgabe des HR-Bereichs
werde nach Ansicht von Gebhardt die
individuelle Förderung der Mitarbeiter in ihrer Ausbildung zum souveränen Wissensarbeiter.
Weitere Trends in der kulturellen Entwicklung der Unternehmen
sind in einer altersgerechten Personalentwicklung, in einem vielfältigen Mitarbeiterstamm, also Diversity, einem
Entsendungen von Mitarbeitenden ins Ausland bergen Risiken:
Kleine und mittelständische Unternehmen sollten diese nicht unterschätzen.
wird zur Notfallversorgung zunächst
ins Distriktkrankenhaus in der Hauptstadt Hanoi transportiert.
Während
Konzerne eher
den demografischen Wandel
im Blick haben,
legen KMU Wert
auf die Zufriedenheit der
Mitarbeiter.
betrieblichen Gesundheitsmanagement
(BGM) und in über das Gehalt reichenden Anreizsystemen zur Mitarbeiterbindung zu sehen. Es gilt, Mitarbeiter entsprechend ihrem Alters und
den sich im Laufe eines Berufslebens
änderenden Potenzialen einzusetzen
Der Arbeitgeber schaltet die Krankenversicherung ein, die sofort alle
notwendigen Schritte einleitet. Ein
Gespräch zwischen einem unabhängigen Arzt in Deutschland und dem
behandelnden vor Ort sowie ein „Klinik-Check“ führen zu dem Ergebnis,
dass eine ausreichende medi zin ische Versorgung wegen mangelnder
Fachkenntnisse und unzureichender
Hygiene nicht gegeben ist. Die Verlegung nach Bangkok in ein Krankenhaus, das internationalen Standards
genügt, ist medizinisch erforderlich
und wird organisiert. Alleine die Kosten für den Transport nach Bangkok
betragen 30.000 Euro, Behandlung
und Operation kosten weitere 130.000
Euro. Hinzu kommt der anschließende
Rücktransport nach Deutschland mit
weiteren 60.000 Euro. Insgesamt belaufen sich die Kosten auf weit über
200.000 Euro. Da der Unfallverursacher Fahrerflucht begangen hat,
kommt ein Regress nicht in Frage. Wer
zahlt also in diesem Fall?
und zu entwickeln. Auch hierbei führt
Trendexpertin Gebhardt den Vernetzungs- und Teamgedanken an: „Die
einzige Chance, um ein erfülltes und
arbeitsaktives Leben vor und nach der
Rente zu erreichen, liegt darin, sich zu
vernetzen und den persönlichen Wirkungskreis größer zu ziehen, als es das
Unternehmen bisher erlaubte. Organisationen, die dies fördern und ihre
Mitarbeiter zu souveränen Wissensarbeitern ausbilden, können umgekehrt
langfristig mit der Loyalität der geförderten Mitarbeiter rechnen.“
In Bezug auf das Thema Diversity
geht es um das verstärkte Einbeziehen
bisher vernachlässigter Gruppierungen.
Und mit einem BGM sollte der Stress
für Mitarbeiter reduziert werden. Der
Fokus von Maßnahmen sollte vorrangig auf die Prävention gelegt werden,
sagt Christiane Nägler vom Bundesverwaltungsamt. Kommt diese zu
kurz, geht es um die spätere strukturierte Wiedereingliederung der betroffenen Mit arbeiter. Nägler sagt:
„In den nächsten zehn Jahren wird
die Bedeutung ganz deutlich zuneh-
Das Sozialgesetzbuch regelt in § 17
SGB V, dass der Arbeitgeber für alle Kosten in Folge Krankheit oder Unfall seiner
entsandten Mitarbeiter aufzukommen
hat. Der Arbeitgeber von Manfred K.
muss also nicht nur den monatelangen
Ausfall seines Mitarbeiters verschmerzen, sondern auch die angefallenen
Behandlungs- und Transportkosten übernehmen. Mit einer AuslandskrankenGruppenversicherung hatte er vorgesorgt: Der Krankenversicherer übernahm
nicht nur die Kosten zu 100 Prozent,
sondern kümmerte sich auch um die
gesamte Organisation, die in einem solchen Fall notwendig ist, und stellte die
optimale Versorgung und Anschlussbehandlung von Manfred K. sicher.
Hier wird „nur“ ein Einzelfall dargestellt,
aber solche oder ähnliche Unfälle passieren jeden Tag – das finanzielle Risiko liegt dabei immer beim Arbeitgeber, der seine Mitarbeiter entsendet.
www.hallesche-exklusiv.de
men – insbesondere im Hinblick auf
das Thema altersgerechte Arbeitsplatzgestaltung, aber auch in Sachen psychische Erkrankungen.“ Doch bezüglich der Motivation ist aus ihren Worten Kritik zu hören: Nur wenigen
Unternehmensvertretern gehe es vorrangig darum, das Wohlbefinden und
die Gesundheit der Beschäftigten mit
ihrem BGM zu steigern. Viele Arbeitgeber würden vielmehr auf den demografischen Wandel und einen künftigen Fachkräftemangel verweisen. Ein
weiterer häufig genannter Grund: Unternehmen möchten damit ihre interne und externe Reputation verbessern. Nägler weißt zudem darauf hin,
dass sich die Qualität und Quantität
der betrieblichen Gesundheitspolitik
in Unternehmen verschiedener Größen deutlich unterscheidet. Zum Beispiel ist das Bewusstsein für die Relevanz eines BGM in den kleinen und
mittelständischen Unternehmen geringer als in großen. KMU legen aber
wiederum mehr Wert auf die Zufriedenheit der Mitarbeiter, während die
Konzerne da eher den demografischen Wandel im Blick haben.
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TREND REPORT
September 2014 | HR-Trends 2014
Messetrends
Zukunft Personal 2014
vom 12. bis 14. Oktober in Köln
Trendstudie „Betriebliches Gesundheitsmanagement“
In den nächsten zehn Jahren wird die Bedeutung von BGM ganz deutlich zunehmen
– insbesondere im Hinblick auf das Thema alternsgerechte Arbeitsplatzgestaltung,
aber auch in Sachen psychische Erkrankungen. Viele Arbeitgeber verweisen auf den
demografischen Wandel und einen künftigen Fachkräftemangel. Ein weiterer häufig
genannter Grund: Unternehmen möchten damit ihre interne und externe Reputation
verbessern.
Messeanalyse 2014
Steigende Nachfrage von Angeboten für Bewerbermanagement, Social-Media-Recruiting und Talentmanagement. Zunehmende Ausstellerzahlen sind zu verzeichnen
unter den Anbietern von Mitarbeiterincentives und Burnout-Prophylaxe. Ein weiteres
Trendbarometer sind die Vortragsthemen der Messe.
Neue Regelung ohne Sinn
Verstärkt wurde das Thema BGM und Führungskultur
angefragt. Sehr interessant ist, dass Beratungsleistungen zum Thema „Demokratisierung von Unternehmen“
nachgefragt wurden.
Was gibt es für Alternativen, um die
politisch geforderte Gleichberechtigung von Zeitarbeitnehmern weiter voranzutreiben?
Gleichberechtigung hat in erster Linie mit
Wertschätzung zu tun. In finanzieller
Hinsicht, aber auch im Umgang miteinander. Der Zeitarbeit wird in der öffentlichen Debatte gerne eine negative
Rolle angehaftet, die ihr nicht gerecht
wird. Und das färbt sich unweigerlich
auf den Status als Zeitarbeitnehmer ab.
Hier sollte man ansetzen und die positiven Aspekte der Zeitarbeit fördern,
statt mit plakativen Regulierungen
neue Hürden zu errichten. Laut Umfrage sind rund 90 Prozent unserer Zeitarbeitnehmer mit ihrer Anstellung
zufrieden. Und diese Mehrheit gilt es
ernst zu nehmen, zu unterstützen
und zum Beispiel bei Fragen wie dem
Kurzarbeitergeld mit allen anderen Arbeitnehmern rechtlich gleichzusetzen.
TREND REPORT sprach in diesem Zusammenhang
mit Christiane Nägler, Projektleiterin der Messe Zukunft
Personal. Das komplette Interview haben wir für Sie unter trendreport.de/zukunftpersonal veröffentlicht.
Bildmotiv Copyright: Dekra Arbeit GmbH
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Ein weiterer Trend in Deutschland ist die Zeitarbeit. Die Bedeutung
hat in den letzten Jahren für den
Standort massiv zugenommen. „Zeitarbeit bietet auch Menschen ohne abgeschlossene Berufsausbildung eine
gute Perspektive“, kommentiert Ralf
Lemle, Landesbeauftragter des Interessenverbandes Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (iGZ), die Erkenntnisse
der aktuellen IAB-Studie zur Zeitarbeit in NRW. Demnach ist der Anteil
Beschäftigter ohne Berufsausbildung
in der Zeitarbeit dreimal so hoch wie
unter allen Beschäftigten in NRW.
„Die neuen Branchenzuschlagstarife“,
so Suzana Bernhard von der Dekra
Arbeit, bieten vielen Zeitarbeitnehmern eine zusätzliche finanzielle Perspektive. „Wer sich beim Kunden etabliert hat und projektbezogen länger
eingesetzt wird, profitiert von zeitlich
gestaffelten Lohnsteigerungen“, berichtet Suzana Bernhardt. Viele hörbare Stimmen erheben sich gegen die
momentan stattfindende Überregulierung der Branche. So geht aus dem
neuen Koalitionsvertrag der Bundesregierung eine neue Höchstüberlas-
sungsdauer für Zeitarbeitnehmer hervor. „Die Frage sei, wem diese Regelung zugutekommen soll“, so Bernhard
weiter. „Zeitarbeitnehmer, die sich über
Monate hinweg einen Zuschlag erarbeitet haben oder schlichtweg mit ihrem Arbeitsplatz zufrieden sind, werden quasi per Gesetz zum Wechsel
gezwungen“, kritisiert Suzana Bernhard. Nach einer Umfrage der Orizon
GmbH aus dem Jahr 2011 trauen lediglich 4,3 Prozent der Branche eine
betriebliche Altersvorsorge zu (bAV).
„Mit diesen Ergebnissen hat die Branche tatsächlich ein Thema. Nicht weil
wir diese Leistungen nicht anbieten –
alle genannten Punkte sind für uns
und etliche andere der großen Zeitarbeitsunternehmen in Deutschland
eine absolute Selbstverständlichkeit.
Sondern weil wir nicht offensiv genug
dem in der öffentlichen Meinung bestehenden Klischee von Zeitarbeit
entgegentreten“, sagt Dr. Dieter Traub,
Geschäftsführer der Orizon GmbH.
Das Traub recht hat, belegt auch die
Tatsache, das Lohnnebenkosten durch
die bAV vom Arbeitgeber eingespart
werden können. Ein weiteres Motiva-
Suzana Bernhard, Geschäftsführerin
Dekra Arbeit GmbH, sprach mit der
TREND-REPORT-Redaktion über die
Zukunft der Zeitarbeit in Deutschland.
Frau Bernhard, welche Vorteile ergeben sich für Zeitarbeitnehmer
durch die Branchentarifzuschläge?
In erster Linie bieten sie vielen Zeitarbeitnehmern eine zusätzliche finanzielle Perspektive. Wer sich beim
Kunden etabliert hat und projektbezogen länger eingesetzt wird, profitiert von zeitlich gestaffelten Lohnsteigerungen. Je nach Branchentarif
stehen schon nach sechs Wochen
zwischen drei bis sieben Prozent –
und nach neun Monaten gar bis zu
50 Prozent – Erhöhung zu Buche. Die
geforderte Angleichung an die Löhne des Stammpersonals wird damit
sukzessive umgesetzt.
Aus dem Koalitionsvertrag geht nun
eine Höchstüberlassungsdauer hervor. Wie bewerten Sie diese?
Die Frage ist, wem diese Regelung
zugutekommen soll. Zeitarbeitnehmer, die sich über Monate hinweg
einen Zuschlag erarbeitet haben oder
schlichtweg mit ihrem Arbeitsplatz
zufrieden sind, werden quasi per Gesetz zum Wechsel gezwungen. Ob sie
wollen oder nicht. Und der klassische
Projekteinsatz oder eine Elternzeitvertretung werden von vornherein
unnötig erschwert. Selbst Geringqualifizierte, die über Zeitarbeit den
Wiedereinstieg am Arbeitsmarkt suchen, werden klar benachteiligt. Denn
welches Unternehmen fördert schon
einen Kollegen, der nach absehbarer
Zeit wieder ausscheidet? Die Höchstüberlassungsdauer bietet den Zeitar-
beitnehmern also keinerlei weitere
Vorteile. Ganz im Gegenteil.
Wie schätzen Sie die Zukunftsaussichten der Zeitarbeit ein?
Die deutsche Wirtschaft ist stark abhängig von einer weiterhin stabilen
Arbeitsmarktsituation. Hier spielen
Faktoren wie Aus- und Weiterbildung,
demografischer Wandel – aber auch
eine flexible Arbeitsmarktpolitik eine
entscheidende Rolle. Deutsche Unternehmen müssen sich im globalen Wettbewerb immer flexibler aufstellen, um
langfristig erfolgreich zu bleiben. Und
Personaldienstleistung bietet hierfür
zahlreiche Lösungsoptionen, die mich
positiv nach vorne blicken lassen.
www.dekra-arbeit.de
TREND REPORT
HR-Trends 2014 | September 2014
Bildmotiv Copyright: Initiative Neue Qualität der Arbeit
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Unternehmensbürger?
Herr Sattelberger, was verstehen Sie
unter Unternehmensbürgern?
In der modernen Arbeitswelt sind Mitarbeiter nicht passive Objekte wie die
traditionellen Begriffe „Belegschaften“,
„Arbeitnehmer“ und „Beschäftigte“ implizieren, sondern selbstbewusst und
souverän. Die Mitarbeiter sind damit im
Ideal Unternehmensbürger. Sie haben
Pflichten, aber auch Rechte. So können
sie erstens – ermöglicht durch digitales
Arbeiten – souverän entscheiden, wo,
wann und wie sie ihre Arbeit machen.
Zweitens stimmen sie über die Qualität
von Führung ab, also wählen ihre Führungskräfte auf Zeit und können sie
auch wieder abwählen. Menschenführung wird von unten erworben, nicht
von oben verliehen. Drittens heißt Unternehmensbürger auch, dass sich Mitarbeiter in echte Willensbildungs- und
Entscheidungsprozesse einbringen können. Und ganz wichtig: Unternehmensbürger suchen nach Sinn – sie möchten in Unternehmen arbeiten, deren
Ziele sich mit ihren individuellen Interessen und Werten vereinbaren lassen.
Folgen zum Beispiel Genossenschaften diesem Trend?
Genossenschaftliche Unternehmungen,
wie beispielsweise große Wirtschaftskooperative und Genossenschaftsbanken, sind sehr viel stabiler durch kritische
Jahre gegangen. Sie sind geschäftlich
oft erfolgreich und weniger verstrickt
in unternehmerisches Fehlverhalten,
weil sie sich stärker am Verbraucher,
den Kunden und den Mitarbeitenden
orientieren. Genossenschaften zeichnen
sich durch eine stärkere Werteorientierung aus, die zu einer oft deutlich
besseren Führungs- und Zusammenarbeitskultur als zum Beispiel in börsennotierten Unternehmen führt.
Legt man den Fokus auf die technischen Trends im HR-Bereich, nennt
Jan Kirchner von der Digitalagentur
für Personalmarketing und Employer
Wie sieht das gesunde Unternehmen
in naher Zukunft aus?
In deutschen Unternehmen kann man
froh sein, wenn in naher Zukunft überhaupt ein ganzheitliches Gesundheitsmanagement eingeführt wird. Dazu
gehört, eine Arbeitskultur zu etablieren, die Stress reduziert, die den Fokus
auf Prävention legt und nicht nur im
Krankheitsfall bestenfalls Unterstützung und anschließend strukturierte
Wiedereingliederung bietet. Unternehmensleitungen werden künftig gefordert sein, Rahmen und Vorgaben für eine
gesunde Unternehmenskultur zu setzen. Denn Gesundheit wird immer mehr
zu einem Unternehmensthema – weg
vom Thema des Einzelnen. Je maßvoller und balancierter Unternehmensführung betrieben wird, desto gesünder sind auch die Mitarbeitenden.
Ganz kurz, was raten Sie HR-Managern jetzt?
Es gibt viel zu tun – und zwar in allen
zentralen HR-Handlungsfeldern. Die Arbeitswelt ist im Umbruch. Wir brauchen
neue Konzepte. Personalverantwortliche haben zurzeit die einmalige Chance, in vorderer Reihe die Modernisierung der Arbeitswelt mitzugestalten.
Die Digitalisierung bietet neue Chancen. Diese sollten Personaler nutzen!
Branding Wollmilchsau in Hamburg
die Themen Mobile Recruiting, Social Media und Big Data. Gerade die
großen Unternehmen würden die Auswahlprozesse bei der Rekrutierung
neuer Mitarbeiter immer weiter automatisieren.
Vielleicht erinnert sich mancher diesbezüglich an die Berichterstattung über
Xerox zu Beginn des Jahres: Das Unternehmen ermittelte Gemeinsamkeiten loyaler und erfolgreicher CallCenter-Mitarbeiter und arbeitete die
Ergebnisse in einen Online-Test ein.
Den müssen seitdem sämtliche Bewerber für diesen Bereich absolvieren, die entsprechenden Eigenschaften werden darin abgefragt. Eine Analysesoftware entscheidet schließlich
über die Einstellungen, der Personaler gibt das letzendliche Okay. Automatisierungen wird es nach Ansicht
von Kirchner zudem auch im Personalmarketing geben. So erkennt er einen eindeutigen Trend hin zum automatischen Posten von Stellenanzeigen. Über Jobaggregatoren, vielleicht
besser bekannt als Jobsuchmaschinen,
„Leasing-Gesellschaften
Von Gunter Glück, Geschäftsleitung Vertrieb und Kundenbetreuung bei LeasePlan Deutschland
Wenn Sie an ein Firmenfahrzeug
denken, dann haben Sie ein Auto
vor Augen. Sicher werden Ihnen
weder ein E-Bike, die Straßenbahn
noch Carsharing in den Sinn kommen. Diese Einstellung wird sich
verändern. Leasing-Gesellschaften,
die Firmenfahrzeuge verleasen, werden sich in Zukunft breiter aufstellen müssen: vom reinen Dienstleister für automobile Mobilität zum
Mobilitätsdienstleister.
Bildmotiv Copyright: LeasePlan Deutschland GmbH
TREND REPORT fragte Thomas Sattelberger, Themenbotschafter in der Initiative „Neue Qualität der Arbeit“ nach
HR-Trends.
tions- und Vergütungssystem ist der
Dienstwagen. Schon seit Jahren werden Mitarbeiter indirekt damit belohnt, doch gesellschaftliche Trends
zeigen, dass sich die Anforderungen an
Mobilität geändert haben. Über neue
Denkansätze schreibt Gunter Glück
von LeasePlan in seinem Gastbeitrag
zum Thema „Mobilitätsbudgets“. (Seite 16 u. 17). Auch in Zukunft wird
Deutschland mit seinen Unternehmen
gerade im Ausland wachsen, die Exportzahlen steigen seit Jahren. Auslandseinsätze von Mitarbeitern sind daher
an der Tagesordnung. Doch gerade
kleinere und mittlere Unternehmen
unterschätzen, welche Gefahren für sie
selbst und für ihre Mitarbeiter entstehen. Auslandseinsätze sind generell abzusichern. Das Sozialgesetzbuch regelt
in § 17 SGB V, dass der Arbeitgeber
für alle Kosten in Folge von Krankheit
oder Unfall seiner entsandten Mitarbeiter aufzukommen hat.
Gesellschaftliche Trends zeigen, dass
sich Anforderungen an Mobilität ändern. Deshalb findet derzeit ein Umdenken statt. Einen ersten Schritt in
diese Richtung unternehmen Leasing-Gesellschaften wie LeasePlan
Deutschland mit der Einführung
von „Mobilitätsbudgets“. Diese ermöglichen Mitarbeitern eine individuellere Mobilität. Davon können
Dienstwagenberechtigte und Unternehmen gleichermaßen profitieren.
Nach wie vor gehört das Firmenfahrzeug zu den beliebtesten Motivationsinstrumenten. Nur: Was, wenn der Mitarbeiter ein kleineres Fahrzeug möchte,
als ihm zusteht? Zum Beispiel, weil es im
Stadtverkehr vorteilhafter ist? Oder weil
er umweltbewusst ist? Wählt ein Mitarbeiter heute ein kleineres Fahrzeug,
dann profitiert er lediglich von einer
geringeren Steuerlast. Die Einsparung
jedoch, die er seinem Arbeitgeber ermöglicht, ist für ihn unwiederbringlich
verloren – und zwar auf Jahre. Kurz:
Dienstwagenfahrer haben bisher wenig
Anreiz, ein kleineres Firmenfahrzeug
auszuwählen. Genau an diesem Punkt
setzen die Mobilitätsbudgets an.
In einem Fuhrpark wird den Fahrergruppen jeweils eine Referenzrate zugeordnet, die sich an der Vollkosten-Leasingrate orientiert. Sehr bald wird diese
Rate, die in den Online-Systemen der
Leasing-Gesellschaften abgebildet ist,
m
n
TREND REPORT
gebe es sogar die Möglichkeit, bei diesem Prozess die teuren Online-Jobbörsen auszusparen und die potenziellen Bewerber gleichzeitig noch auf
die eigene Karrierewebseite zu lotsen.
Die sollte dann auch auf mobilen Endgeräten vernünftig zu lesen sein.
Um das Thema Big Data tatsächlich für HR-Zwecke nutzen zu können, brauche es hingegen erst einmal
digitale Kompetenzprofile sämtlicher
Mitarbeiter. Würden diese existieren,
wären Personalplanungen um ein
Vielfaches einfacher. Und selbst dafür
gibt es bereits Systeme. So hat das Unternehmen Starmind aus Zürich eine
selbstlernende Cloud-Software für das
Wissensmanagement innerhalb von
Unternehmen entwickelt. Nach der
Beantwortung von fünf Fragen durch
sämtliche Mitarbeiter erkennt die Software die jeweiligen Kompetenzen.
Durch ein Bewertungssystem justiert
sich die Software von selbst immer
wieder neu und lernt. Eine Datenpflege und Dateneinspeisung ist nicht nötig – perfekt für das Erkennen sogenannter White Spots oder Überbele-
September 2014 | HR-Trends 2014
gungen. Wissen bleibt bei Ausscheiden
von Mitarbeitern außerdem im Unternehmen und die Nachfolgeplanung
kann gezielter organisiert werden.
Vor dem Hintergrund der genannten
gesellschaftlichen Voraussetzungen
sollte der HR-Bereich eine entscheidende strategische Rolle spielen, um
die Unternehmen in die Zukunft zu
begleiten. Dabei sollte nicht vergessen
werden, dass gesellschaftliche und technische Entwicklungen nicht getrennt
voneinander betrachtet werden können
– wechselnd ist mal die eine, mal die
andere Impulsgeber für Entwicklungen.
Und noch etwas Weiteres ist zu beachten: „Trotz dieser erfolgreichen Praxisbeispiele sollten Unternehmen sorgfältig prüfen, wann welcher Führungsstil
für welche Abläufe und Wissensarbeiter der geeignetste ist. Wie stark sich die
neue Führung zurücknimmt, hängt mit
der Organisationsform, ihrer Belegschaft, dem Spezialisierungsgrad, der
Kunden- beziehungsweise Marktausrichtung und dem Grad der digitalen
Vernetzung zusammen“, rät Trendexpertin Birgit Gebhardt.
müssen umdenken“
zur „Mobilitätsrate“ und ermittelt, welches
Guthaben dem Mitarbeiter für seine individuelle Mobilität zur Verfügung steht.
Folgendes Beispiel: Bleibt ein Fahrer 80
Euro unter seiner Rate, kann er die Ein-
sparung voll oder anteilig ausgeschüttet bekommen. Alternativ kann
er das Guthaben auch für den öffentlichen Nahverkehr oder ein Carsharing-Kontingent verwenden. Die Liste
der Optionen kann beliebig erweitert
und somit auch auf die eigene Unternehmensphilosophie abgestimmt
werden.
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bAV wird vorausgesetzt
TREND REPORT im Gespräch zum Thema betriebliche Altersvosorge (bAV) mit
Hubertus Harenberg, Direktor Betriebliche Altersversorgung bei Swiss Life
Deutschland.
Herr Harenberg, welche Wettbewerbsvorteile haben Arbeitgeber
durch den Einsatz der betrieblichen
Altersversorgung (bAV)?
Betriebliche Altersversorgung wird
mittlerweile von vielen Mitarbeitern
vorausgesetzt. Arbeitnehmer erkennen, dass Altersvorsorge erhebliche
Teile ihres verfügbaren Einkommens
verschlingt. Die bAV ist daher ein
wertvoller Vergütungsbestandteil –
und das ohne Lohnnebenkosten für
den Arbeitgeber. Neben arbeitgeberfinanzierten bAV-Modellen sind
für die Mitarbeiter auch die vom Arbeitgeber angebotenen Entgeltumwandlungsmodelle interessant.
Seit Juli 2014 bieten Sie Ihre neue
Direktversicherung Swiss Life Maximo in Deutschland an. Welche Vorteile haben Ihre Kunden?
Der Vorsorgemarkt verändert sich stark.
Moderne Vorsorgelösungen, die Garantien und Renditechancen verbinden,
gewinnen immer mehr an Bedeutung
– gerade angesichts des Niedrigzinsumfelds. Unsere innovative Produktfamilie
Swiss Life Maximo trägt den Veränderungen Rechnung. Sie bietet umfassende
Produktgarantien wie garantierte Altersleistungen und ermöglicht gleichzeitig eine renditestarke Anlage. Die
Garantien sorgen für Haftungsfreiheit
beim Arbeitgeber und für Planbarkeit
auf Seiten der Mitarbeiter. Die Versicherten profitieren von den Chancen
des Kapitalmarkts, ohne dass sie dabei
einem Verlustrisiko ausgesetzt sind.
Indem der individuelle Anlagemix regelmäßig neu justiert wird, bei Bedarf
sogar tagesaktuell, gelingt es, für den
Kunden die bestmögliche Rendite zu
erwirtschaften. Swiss Life Maximo passt
sich veränderten Lebenssituationen an.
So kann der Altersvorsorgebeitrag erhöht oder reduziert werden und die
Beitragszahlung lässt sich vorübergehend jederzeit einstellen. Selbst der
Rentenbeginn kann später noch verändert werden. Und nicht zuletzt lässt
sich ein Berufsunfähigkeitsschutz ergänzen. Übrigens ist Swiss Life Maximo neuerdings auch über unsere
Unterstützungskasse erhältlich.
Wie garantieren Sie Ihren Kunden
Sicherheit und Finanzstärke?
Seit über 150 Jahren ist Swiss Life die Referenz aus der Schweiz für langfristige
finanzielle Unabhängigkeit. Weltweit
vertrauen uns über vier Millionen
Kunden. Die VermögensverwaltungsEinheit der Swiss Life Gruppe, die übrigens auch bei der Kapitalanlage im
Rahmen von Swiss Life Maximo mitwirkt, ist außerdem mit einem verwalteten Vermögen von 155 Milliarden
Schweizer Franken der viertgrößte
institutionelle Asset Manager in der
Schweiz. Mit dieser langjährigen Expertise in Sachen Anlage- und Risikomanagement engagieren wir uns für
die Sicherheit unserer Kunden.
www.swisslife.de
Mobilitätsbudgets können sich für
Unternehmen mehrfach rentieren.
Ökonomisch, denn sie setzen Anreize, dass Referenzraten nicht ausgeschöpft werden, und haben damit
geringere Fuhrparkkosten. Ökologisch, denn eine kleinere Motorisierung bedeutet auch weniger CO2Emissionen im Fuhrpark. Zu guter
Letzt können sich Unternehmen als
attraktiver Arbeitgeber profilieren,
denn sie ermöglichen ihren Arbeitnehmern eine größere Auswahl an
Verkehrsmitteln und erweitern so das
Portfolio ihrer Mitarbeiter-Benefits.
Hubertus Harenberg sieht Kontinuität im Fokus: „Swiss Life ist die
www.leaseplan.de
Referenz aus der Schweiz für langfristige finanzielle Unabhängigkeit.“
18
Schwerpunkt Nachhaltige Entwicklung | September 2014
TREND REPORT
Innovationsmotor der Kunstoffbranche
TREND REPORT im
Gespräch mit Rainer
Schulz über Nachhaltigkeit, Zukunftsfähigkeit und den
Innovationsmotor der
Kunststoffbranche.
Also verstehen Sie das Unternehmen als Trendsetter?
Nicht ohne Grund haben wir uns den
Ruf als Innovationsmotor der Kunststoffbranche erarbeitet, was – wie ich
denke – ca. 100 Patentanmeldungen
jährlich durchaus eindrucksvoll belegen. Als familiengeführtes Unternehmen
spornt uns unser Leitspruch „Unlimited Polymer Solutions“ an. Vor 60 Jahren waren wir mit Silikonschläuchen
an der ersten deutschen Herzoperation
beteiligt. In den Achtzigern haben wir
auf freiwilliger Basis das erste Recyclingkonzept für Kunststofffenster und
-rohre entwickelt. Ende der 90er-Jahre
fertigten wir den ersten Kunststoffkotflügel in Großserie für den Audi A2.
Die Liste der Innovationen ist lang.
Inwiefern kann man von nachhaltigem Handeln sprechen?
Nachhaltig zu agieren, bedeutet für
uns nicht nur, umweltfreundliche Produkte zu entwickeln. Wir denken in
Generationen, in Ertrag statt Rendite,
bauen auf langjährige Partnerschaften.
Nachhaltigkeit verstehen wir als Navigationsbegriff für die großen Herausforderungen unserer Zeit. Thema Urbanisierung: 2050 werden mehr als zwei
Drittel der Weltbevölkerung in Städten
leben. Das provoziert eine enorme
wirtschaftliche, politische und sozioökonomische Transformation. Ressourcen und Lebensräume werden zunehmend knapper. Gebäude müssen
energieeffizienter, Lebens- und Arbeits-
Trendsetter: Mit ca. 100 Patentanmeldungen jährlich belegt Dipl.Ing. Rainer Schulz, CEO, Vorsitzender Group Executive Board der
Rehau-Gruppe, die Innovationskraft
des Unternehmens eindrucksvoll.
welten flexibler, Autos leichter werden.
Unser durchaus ehrgeiziges Bestreben
ist es, innovative Antworten zu finden.
Wie finden Sie diese?
Die Entwicklung zukunftsweisender
Mobilitätskonzepte treiben wir mit
Verbundwerkstoffen und Fertigungsverfahren voran, die Fahrzeuge und
Flugzeuge leichter, kraftstoffsparender machen. Unsere Systeme aus dem
Ressort Wassermanagement bilden den
kompletten Kreislauf ab – von der
Entnahme über die Rückführung und
schließlich die gezielte Wiederaufbereitung. Eine weitere Produktpalette
garantiert, dass erneuerbare Energien
umweltschonend gewonnen, zuverlässig verteilt und sicher gespeichert werden. Eine andere Mission lautet, Energie effizienter zu nutzen: Unsere Produkt- und Systemlösungen sorgen dafür,
Energieverluste zu minimieren; dafür
stehen beispielsweise Fenster und Türen aus Rehau-Profilen, aber auch innovative Flächenheiz- und Flächenkühlsysteme. Den Umbau unseres Verwaltungsgebäudes am Stammsitz haben
wir konsequent mit dem Einsatz eigener Produkte realisiert – und die Energiekosten um rund 280.000 Euro pro
Jahr reduziert, die CO2-Emissionen
um 2.600 Tonnen gesenkt.
Welchen Stellenwert hat Energieeffizienz für die Gruppe?
Einen sehr hohen. Unsere Systemlösungen sind rund um den Globus im
Einsatz, der weltweite Energiehunger
steigt. Doch wir brauchen nicht in die
Ferne zu schweifen. Im Schulterschluss
zwischen Politik und ortsansässigen
Unternehmen haben wir in Rehau das
„Bioenergiezentrum Hochfranken“ mit
ins Leben gerufen. Ziel ist es, die Nachfrage nach Bioenergie zu erhöhen und
die Energieerzeugung umweltfreundlich zu gestalten. Wir möchten die enge
Vernetzung lokaler Akteure auf dem
Gebiet der erneuerbaren Energien intensivieren, die Standortbedingungen
zur Steigerung der Wertschöpfung in
Hochfranken optimieren. Künftig produziert das Bioenergiezentrum jährlich rund 32.000 MWh Strom und
44.000 MWh Wärme aus Abfällen
und regenerativen Energiequellen –
zur Einspeisung in lokale Netze.
Was treibt Sie dabei an?
Das Versorgungssystem Bioenergiezentrum hat Leuchtturmcharakter. Wie
kaum eine andere Kommune in
Deutschland ist die 10.000-Einwohner-Stadt Rehau von einem starken
industriellen Wachstum geprägt. Mit
dem Bioenergiezentrum realisieren wir
hier sukzessive die dezentrale Energieversorgung. Uns begeistert der Gedanke, ein derart zukunftsweisendes
Projekt verantwortungsvoll im Verbund
mit verschiedensten Interessengruppen zu realisieren. Auf Basis einer werteorientierten Leitkultur.
In den Emerging Markets wächst
eine zahlungskräftige Mittelschicht
heran. Mit welcher Strategie partizipieren Sie daran?
Lokale Produktionsstandorte, wie etwa
im chinesischen Taicang oder in Pune
in Indien, ermöglichen es uns, schnell
und marktgerecht auf Kundenbedürfnisse einzugehen. Um dort unsere Marktposition zu stärken, werden wir in den
nächsten Jahren weiter investieren.
Der weltweit steigende Energiebedarf
und die Forderung nach langfristigen
Lösungen bergen für uns enormes
Potenzial. Um das Thema „Trendsetter“ erneut aufzugreifen: Für den Einsatz in Entwicklungsländern haben wir
die Mikrobiogasanlage „Rehau Home
Gas“ entwickelt, die in Kenia bereits
erfolgreich im Einsatz ist.
Wie kann ich mir die Anlage vorstellen?
Die Anlage ist für Familien im ländlichen Raum eine günstige, an die örtlichen Gegebenheiten perfekt angepasste
Lösung. Mit vorhandenem Kuhdung
und Wasser, also gänzlich ohne zusätzliche Investitionen, wird mit der
Anlage ausreichend Biogas zum Kochen produziert. Das Projekt kombiniert deutsches Engineering mit lokaler Kompetenz, erhöht Vermarktungschancen sowie Produktakzeptanz. So
schaffen wir eine für Emerging Markets notwendige Win-Win-Situation
und der lokale Partner profitiert von
der deutschen Technologie und einer
Fertigungsqualität, vergleichbar mit
„Made in Germany“.
www.rehau.com
Bildmotiv Copyright: Rehau AG & Co
Mit welchen Kompetenz- und Geschäftsbereichen sichern Sie die
Ertragskraft der Rehau-Gruppe?
Was Rehau auszeichnet, sind sowohl
Kompetenz in der Kunststoffverarbeitung als auch Innovationskraft. Wir
richten uns an fünf globalen Megatrends aus: Energieeffizienz, erneuerbare Energien, Wassermanagement,
Mobilität, Wohn- und Arbeitswelten.
Sie sehen, wir setzen uns mit den Zukunftsthemen auseinander, die eine
wachsende Weltbevölkerung fordert.
Nicht börsennotiert agieren wir in den
Geschäftsfeldern Bau, Automotive und
Industrie unabhängig von Interessengruppen. So können wir schneller und
flexibler auf Anforderungen des Marktes und Trends reagieren.
TREND REPORT
September 2014 | Schwerpunkt Nachhaltige Entwicklung
19
Werte schaffen,
Werte leben
Die liberalen
Gesellschaften
des Westens haben
über Jahrhunderte
hinweg mehrfach einen einschneidenden
Wertewandel
vollzogen.
Von Udo G. Rettberg,
u.rettberg@trendreport.de
prägten Lebensweisen gerade im vergangenen Jahrhundert zu einem bemerkenswerten Wandel hin zu verstärkt
individuell gewählten Lebensstilen gekommen. Dies hat dem einzelnen
Menschen ingesamt mehr Freiheit und
Lebensspielraum beschert.
Wertegesellschaft und
öffentliche Güter
Quelle / Copyright: flickr / Stivi_94 (CC BY-NC-ND 2.0)
A
larmglocken läuten
– die Wertegesellschaft der westlichen
Industrienationen
ist in Gefahr. Die
Welt steht somit erneut vor einem
Wertewandel – und das unter vielfältigen Aspekten. In einer Zeit, in der die
„großen dummen Jungs und Mädels“
der Weltpolitik ihre Kriegsspielzeuge
aus den Waffenarsenalen holen, damit laut und drohend rasseln und somit in egoistisch-machtstrebender Art
die in der modernen Welt geltenden
Werte – allen voran den Frieden – in
Frage stellen, muss gehandelt werden.
Ein Umdenken, ja sogar eine Kehrtwende ist erforderlich. Die liberalen
Gesellschaften des Westens haben
über Jahrhunderte hinweg mehrfach
einen einschneidenden Wertewandel
vollzogen. So ist es von kollektiv ge-
Inzwischen erkennen immer mehr
Menschen, dass jeder Einzelne in einer freien Gesellschaft durch das Pflegen bestimmter Werte dazu beitragen
muss, jene Werte zu unterstützen, die
es der Menschheit ermöglichen, auf
dem Planeten Erde in Frieden zu leben. Als Errungenschaft der menschlichen Zivilisation sind sowohl diese
meist virtuellen Werte als nicht zuletzt
auch sogenannte öffentliche Güter
Schwerpunkt Nachhaltige Entwicklung | September 2014
Keimzellen des Lebens auf diesem
Planeten. Denn menschliche Werte
und öffentliche Güter sind in diesem
Kontext sehr stark miteinander verbunden.
Der Erhalt bestehender Werte
wie Respekt, Vertrauen, Moral, Miteinander, Fürsorge, Liebe, Freiheit, Demokratie sowie anderer menschlicher
Bedürfnisse ist eine der Grundlagen
des menschlichen Daseins und Glücks.
Und nicht zuletzt spielt das Thema
Gesundheit und Ernährung für den
Menschen dabei eine bedeutende und
entscheidende Rolle. Beispielhaft sei
in diesem Kontext auf den verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol, Nikotin und anderen Suchtmitteln hin-
Trendstrategie
Demokratie
und Bildung
Freie Bildungsinhalte für alle
Mit „Open Educational Resources“
(OER) wird die Bildung demokratisiert.
Neues Projekt der Bundesregierung
schafft Chancengleichheit. Idee: Alles,
womit Schüler und Studenten lernen,
soll frei zugänglich und damit kostenlos sein, jeder darf Inhalte verändern
und weitergeben.
TREND REPORT für den Wirtschaftsunterricht an Schulen: Lehrer, die sicher gehen wollen, nutzen unsere Wirtschaftszeitung für ihren Unterricht. Durch
die „Open-Content“-Strategie der Redaktion können Schüler experimentieren und Reportagen verändern, Einzelbeiträge mischen und so den Umgang
mit Wirtschaftsthemen und Darstellungsformen neu entdecken.
„
Die Mär vom
papierlosen
Büro ist längst
im Ideenpapierkorb verschwunden.
“
gewiesen. Gerade auch für die hier
tätigen Unternehmen sind solche und
ähnliche Werte von großer Bedeutung,
weil sie im harten globalen Wettbewerb Vorteile bringen und über Erfolg
und Misserfolg bestimmen können.
So haben immer mehr Unternehmenslenker erkannt, dass sie für einmal erarbeitete Werte einstehen sollten, weil
sie sowohl im Innenverhältnis bei den
Mitarbeitern als auch in den Außenbeziehungen zu Lieferanten, zu Kunden
und zur Politik auf diese Art und Weise mehr Vertrauen schaffen können.
Eine der großen Zukunftsaufgaben
liegt darin, diese Werte global geografisch auszuweiten und vor allem auch
in Ländern mit diktatorischen Regi-
TREND REPORT
men wirken zu lassen. Fakt ist, dass
Werte auf der einen Seite keine nationalen Grenzen kennen und der
Menschheit auf der anderen Seite
nun einmal nur diese eine Erde zur
Verfügung steht.
Darüber hinaus ist die Schaffung neuer Werte wie Vertraulichkeit
beim Umgang mit Informationen und
Daten sowie die Freiheit der Gedanken angesagt. Ganz besondere Bedeutung kommt auch einer notwendigen
ökologischen Ausrichtung zu. Und
aus ökonomischer Sicht sind in diesem Kontext in demokratischen Staaten die Werte der sozialen und freien
Marktwirtschaft wichtige Eckpfeiler.
Diese liberalen Werte können auf fast
„Paper in Process“
Auch bei der Papierherstellung wird
nachhaltiges, umweltschonendes Wirtschaften immer wichtiger. Das Brandenburger Unternehmen Leipa zeigt,
wie nachhaltige Papierproduktion
funktionieren kann.
Herr Probst, Ihr Slogan lautet „Paper
in Process“ – ist das EU-Ecolabel die
logische Konsequenz?
Mit „Paper in Process“ haben wir wesentliche Aspekte unserer täglichen
Arbeit zusammengefasst: Einerseits die
stetige Weiterentwicklung unserer Produkte, andererseits den Wandel, den
Papier, Verpackungen, Kartonagen etc.
vom Informations- zum Imageträger
durchlaufen. Mit Leipa-Papieren und
-Verpackungen ermöglichen wir es
Kunden, den eigenen Maßstäben an
ein umweltbewusstes Handeln gerecht
zu werden wie auch die eigene Öffentlichkeitsarbeit über Green Publishing aufzuwerten. Das jüngst erteilte
EU-Ecolabel für unsere Magazinpapiere bestätigt schließlich die konsequente Arbeit an unseren Produkten.
Woher kommt Leipas aktiver Einsatz
für nachhaltiges Wirtschaften?
Bei einem Rohstoffbedarf von über
900.000 Tonnen Altpapier pro Jahr ist
es eines der zentralen Ziele von Leipa,
Ökologie und Ökonomie in Einklang
zu bringen. Durch Investitionen in moderne Produktionstechnologien haben
wir den Energieeinsatz im vergange-
nen Jahrzehnt an einzelnen Anlagen
um bis zu 30 Prozent reduziert. Im firmeneigenen Kraftwerk ersetzen wir
fossiles Erdgas durch erneuerbare
Ersatzbrennstoffe. Als konzernunabhängiges Familienunternehmen treten wir ebenso für die Wertschätzung
der Mitarbeiter und ein respektvolles
Miteinander ein.
Zur Leipa-Gruppe gehört auch ein
eigenständiger Servicebereich. Was
sind die Aufgaben und wie profitieren Ihre Kunden hiervon?
Eine umweltfreundliche Produktion
und der Einsatz von Recyclingstoffen
sind nur der halbe Weg zum nachhaltigen Wirtschaften. Erst gemeinsam
mit einer ökologisch sinnvollen Rohstoffbeschaffung und Distribution ergibt sich ein stimmiges Paket: Über
unseren Wertstoffspezialisten MAD
stellen wir die eigene Versorgung mit
dem Rohstoff Altpapier in der passenden Güte und Umweltverträglichkeit
sicher. Gleichzeitig bietet die MAD Endverbrauchern ein flächendeckendes
Rücknahmesystem für diverse Wertstoffe an. Stichwort: Urban Mining.
Zudem sind wir über die Wertstoffrücknahme sowie die Sekundärrohstoffaufbereitung von und für Unternehmen direkter Partner der Industrie.
Leipa Logistik entwirft und optimiert
die multimodale Supply-Chain zu unseren Kunden im Inland und, bei einer
Exportquote von über 50 Prozent, vor
Geschäftsführer Peter Probst:
„Mit Investitionen in moderne Technologien bringen wir Ökologie und
Ökonomie in Einklang. Für uns
als werteorientiertes Familienunternehmen ist das ein Muss.“
allem auch im Ausland. Diese Expertise
bieten wir als logistische Serviceleistungen – von der einfachen Anlieferung bis hin zur Integration in bestehende Kundensysteme mit komplexer
Lagerhaltung – ebenfalls erfolgreich
am Markt an. Durch unser Know-how
bei der Transformation einer internen
Logistik-Abteilung in ein eigenständiges Unternehmen sowie durch die
Entwicklung schlüssiger Green-Logistics-Konzepte schaffen wir mit unseren Ser vice-Bereichen auch in der
Beratung einen spürbaren Mehrwert.
www.leipa.de
Bildmotiv Copyright: Leipa
20
TREND REPORT
idealtypische Art und Weise im Interesse der Menschen wirken, wenn sie
durch ökologische Aspekte des Umweltschutzes und des nachhaltigen
Wirkens mit Blick auf eine saubere
Umwelt ergänzt werden.
Die Politiker scheinen inzwischen zu
begreifen, dass ihre über Dekaden hinweg verfolgte Politik des „erborgten
Aufschwungs“ durch Inkaufnahme von
immer mehr Staatsschulden an ihre
Grenzen stößt. Dies vor allem deshalb,
weil das in der Vergangenheit vorhandene Wachstumspotenzial nicht automatisch in die Zukunft fortgeschrieben werden kann. Seit vielen Jahren
weisen „grün“ angehauchte Fachleute
in diesem Zusammenhang auf die
Chancen hin, die Konjunktur durch
ein „weltweites Ökologie-Programm“
auf Touren zu bringen. Das allerdings
setzt voraus, dass die Menschen bereit
sind, den Wert der Umwelt und deren Urstoffe wie saubere Luft, sauberes Wasser und sauberen Boden zu
erkennen. Und die Menschen müssen auch willens sein, einen entsprechenden Preis für eine stabile Umwelt
September 2014 | Schwerpunkt Nachhaltige Entwicklung
Das TREND-REPORT-Prinzip
Als erstes Supplement im HANDELSBLATT setzt TREND REPORT auf
das Prinzip der offenen und freien Inhalte. Sie dürfen diese Inhalte
kopieren, teilen, verändern und darauf aufbauen, solange Sie die neuen Inhalte ebenfalls frei zugänglich machen. Nutzen Sie TREND REPORT für:
 Webseite und Foren
 im Unterricht oder Studium
 Kollegen und Geschäftspartnern
gratis und auch zukünftig ohne Einschränkungen.
Mehr unter www.trendreport.de/ausgaben
zu zahlen. Bisher ist in den Köpfen
der Menschen verankert, dass diese
Urstoffe mehr oder weniger kostenlos
zur Verfügung stehen.
Unter dem Motto „alles was umsonst zur Verfügung steht, ist mehr oder
minder nichts wert“, greift die Menschheit in vielen Regionen der Welt unbedacht auf Urstoffe und Rohstoffe
des Planeten Erde zu. Hier muss ein
neues Bewusstsein geschaffen werden.
Das gilt nicht zuletzt für das „öffentliche
Gut“ Wasser, das in weiten Teilen des
Globus noch immer nicht genügend
geschätzt wird. Nach Angaben der
UNESCO entfallen von den auf dem
Planeten Erde verfügbaren 1,4 Milliarden Kubikkilometern Wasser lediglich etwas 35 Millionen Kubikkilometer auf Süßwasser. Das sind gerade
einmal 2,5 Prozent der Gesamtmenge. Doch das allein ist nicht das Alarmierende. Denn nur etwa 213 000
Kubikkilometer dieses Süßwassers
sind für den Menschen in Flüssen
und Seen und Talsperen leicht zugänglich. Der Rest ist in schwer zu-
21
gänglichem Gebieten wie Gletschern,
Grundeis, Permafrost-Regionen, Sumpfwasser und in der Bodenfeuchtigkeit
zu finden. Der bewusste Umgang mit
Wasser ist also nicht nur für jeden einzelnen Menschen, sondern gerade
auch für die Wirtschaft eine zwangsläufige Notwendigkeit.
Mit solchen und ähnlichen Zukunftsthemen, die durch eine wachsende
Weltbevölkerung vorgegeben werden,
setzt sich auch die Rehau-Gruppe auseinander. Die Fachleute der UNESCO
prognostizieren auf der Basis einer
Versechsfachung des Wasserbrauchs
zwischen 1930 und 2002 und einer
Annahme einer weiter kräftig steigenden Weltbevölkerung ein dramatisches Schwinden der Wasserverfügbarkeit für die kommenden Dekaden.
Ursächlich hierfür wird der kontinuierlich steigende Wasserverbrauch
durch ökonomisches Wachstum sowie durch die Verbreitung westlicher
(verbrauchsintensiver) Lebensstile in
den Schwellenländern. Mit modernen
technologischen Methoden des Recyclings und der Meerwasser-Entsalzung
Mit Nachhaltigkeit langfristige Werte schaffen
Wie schafft es ein Hygienepapierhersteller in einem schnelllebigen Konsumgütermarkt, seinen nachhaltigen
Ansatz zu bewahren und nachhaltige
Rohstoffe zu verwerten? Einblicke in
das schwedische Unternehmen SCA,
das stolz auf seine lange Tradition
des nachhaltigen Wirtschaftens ist.
„SCA ist eines der größten Unternehmen am Markt für Hygieneartikel.
Wenn man jährlich 2,3 Millionen Tonnen Zellstoff und 2,4 Millionen Tonnen
Altpapier verarbeitet, hat man eine
große Verantwortung in Bezug auf die
Herkunft dieser Rohstoffe“, sagt Marti-
na Eisenbeis, Environmental Manager
bei SCA, das unter anderem die Marken Tempo, TENA und Zewa vertreibt.
Für SCA ist nachhaltiges und verantwortungsbewusstes Wirtschaften schon
immer wichtig gewesen – schließlich
müssen Wälder mit langfristiger Perspektive bewirtschaftet werden. Mit insgesamt 2,6 Millionen Hektar Waldbesitz, eine Fläche größer als Mecklenburg-Vorpommern, ist SCA heute der
größte private Waldbesitzer in Europa.
Die Waldflächen werden dabei konsequent nachhaltig bewirtschaftet und
sind nach dem „Forest Stewardship
Das von SCA
Bildmotiv Copyright: SCA
entwickelte Nachhaltigkeitsprogramm
wurde 2012 mit dem
Council“ (FSC) sowie dem „Programme
for the Endorsement of Forest Certification Schemes“ (PEFC) zertifiziert. Jeder in den eigenen Wäldern geschlagene Baum wird von SCA durch etwa drei
Setzlinge ersetzt, sodass der SCA-eigene Wald trotz Holzentnahme netto
um etwa ein Prozent pro Jahr wächst.
Die Wälder nehmen so jedes Jahr mehr
CO2 auf, als durch den Einsatz von fossilen Kraftstoffen bei SCA entsteht.
SCA setzt sich aber auch bei den Lieferanten für eine nachhaltige Forstwirtschaft ein und hat sich dazu verpflichtet, kein Holz aus umstrittenen
Quellen zu beziehen. Daher werden
nur Lieferanten ausgewählt, bei denen der Ursprung des Holzes lückenlos zurückverfolgt werden kann. Somit stammen die Rohstoffe, die SCA
für die Zellstoffproduktion einsetzt,
ausschließlich aus umweltbewusster
Forstwirtschaft.
Deutschen Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet.
Darüber hinaus hat SCA ein Nachhaltigkeitsprogramm entwickelt, für das
es im Jahr 2012 als eines der drei nachhaltigsten Unternehmen Deutschlands
mit dem „Deutschen Nachhaltigkeitspreis“ ausgezeichnet wurde. Teil dieses
Programms sind vielfältige Bemühungen, auch die Produktion möglichst umweltfreundlich zu gestalten. Dazu werden bis 2020 die CO2-Emissionen in der
Produktion um 20 Prozent gesenkt (Referenzjahr 2005) und in den kommenden Jahren in Schweden 350 Windräder
errichtet, die nach Fertigstellung insgesamt drei Terawattstunden grünen
Strom erzeugen werden. Bereits heute
sind fast alle der weltweit 44 Werke mit
eigenen Kläranlagen ausgestattet und
in wasserarmen Regionen wurde der
Wasserverbrauch im Vergleich zu 2010
um mehr als zehn Prozent gesenkt.
„Das Streben nach einer umweltfreundlicheren Produktion und der nachhaltige
Umgang mit Ressourcen sind Teil unserer DNA. Mit Nachhaltigkeit schaffen
wir langfristige Werte“, so Eisenbeis.
www.sca.de
TREND REPORT
Schwerpunkt Nachhaltige Entwicklung | September 2014
An jedem Wochenende stehen junge Leute in ganz Deutschland vor der
Frage: Wie komme ich nach dem Baroder Clubbesuch wieder nach Hause? Viele entscheiden sich für die
Fahrt mit dem PKW – nicht selten ist
dabei Alkohol im Spiel.
Besonders bei jungen Fahrern gehört Alkohol deshalb zu den Hauptursachen für Autounfälle: Laut des
Statistischen Bundesamtes waren
2013 an fast jedem dritten Alkoholunfall 18- bis 24-Jährige beteiligt. Bacardi Deutschland klärt daher seit
Jahren junge Fahrer über die Risiken
Die Akzeptanz ist groß: Seit dem Start
der Aktion konnten bereits mehr als
110.000 junge Erwachsene erreicht
werden. Unterstützung erfährt die Initiative durch namhafte Partner wie
Coca-Cola oder den Bundesverband
deutscher Diskotheken und Tanzbetriebe. Auch auf europäischer Ebene
hat die Präventionsmaßnahme Anerkennung gefunden: Die EU-Kommission würdigte die Driver’s Corner-Initiative als wichtigen Beitrag zur Verringerung von Unfällen.
Neben langfristigen Präventionskampagnen untermauert eine konsequen-
Diese und ähnliche alarmierenden Prognosen über kommende Rohstoff- und Urstoff-Engpässe auf dem
Planeten Erde beruhen nicht zuletzt
auf der Erwartung von Gremien der
Vereinten Nationen (UN), wonach die
Weltbevölkerung in den nächsten
zwanzig Jahren von derzeit rund sieben auf zehn Milliarden Menschen
ansteigen dürfte. Auf den Punkt gebracht lautet die Message: Mehr Menschen werden in Zukunft nicht nur
mehr Rohstoffe und Urstoffe verbrauchen und so die eh knappen Ressourcen weiter belasten, sondern vor allem
auch die ökologische Belastbarkeit des
Planeten Erde einer immer stärkeren
Prüfung unterziehen. Hier muss gehandelt werden.
Boom der
Papierindustrie
Driver’s Corner: Bacardi belohnt Autofahrer für ihr Verantwortungsbewusstsein mit kostenlosen Softdrinks und alkoholfreien Cocktails
von Alkohol am Steuer auf. „Als Hersteller von Premium-Spirituosen tragen wir eine besondere gesellschaftliche Verantwortung. Diese nehmen
wir wahr, indem wir aktiv Aufklärungs- und Präventionsarbeit leisten“, erklärt Yvonne Naber, Director
External Affairs DACH & Nordics bei
der Bacardi GmbH.
Sicher durch die Nacht
Im Zentrum des Engagements steht
die Initiative „Driver’s Corner“, die seit
zehn Jahren durch Deutschland tourt
mit der Botschaft „Getrunken? Nicht
fahren!“. „Mit der Driver´s Corner-Initiative setzen wir uns kontinuierlich
für null Promille am Steuer ein und
tragen durch konkrete Angebote dazu bei, dass junge Leute nach einer
Partynacht sicher nach Hause kommen“, ergänzt Yvonne Naber. Dazu
hat das Unternehmen die Driver’s
Corner-Bar ins Leben gerufen, an der
Autofahrer in Bars und Diskotheken
gratis Softdrinks und alkoholfreie
Cocktails genießen können.
te Selbstregulierung die Positionierung
Bacardis als gesellschaftsorientiertes
Familienunternehmen. Die neun weltweit gültigen Marketing-Prinzipien des
Unternehmens bilden die verbindliche
Grundlage für alle Marketingaktivitäten – eine Selbstverpflichtung, mit der
Bacardi bewusst über die gesetzlichen
Rahmenbedingungen hinausgeht.
Ausnahmslos alle Vermarktungsaktivitäten stehen für einen verantwortungsvollen Genuss ab 18 Jahren.
Auch gemeinsam mit anderen leistet
Bacardi Präventionsarbeit. Zentrales
Thema ist dabei der Jugendschutz. So
unterstützt das Unternehmen gemeinsam mit allen Mitgliedern des Bundesverbandes der Deutschen SpirituosenIndustrie und -Importeure (BSI) die
Aufklärungsmaßnahmen des „Arbeitskreises Alkohol und Verantwortung“
wie etwa die „Schulungsinitiative Jugendschutz“ oder die Elternpräventionsmaßnahme „Klartext reden!“.
www.bacardi.de
All das gilt auch für die land- und
forstwirtschaftliche Nutzung des seit
Bestehen des Planeten Erde existierenden Urstoffs Grund und Boden.
Beispielhaft sei in diesem Kontext
nicht nur die Agrarwirtschaft, sondern
gerade auch die Holz- und Papierwirtschaft erwähnt. Der Produktion von
Papier haftet wegen eines angeblich exzessiven Verbrauchs von Energie und
Wasser und des Rohstoffs Holz seit
jeher ein schlechtes Image in puncto
Nachhaltigkeit an. Die Branche hat
Ein Umdenken,
eine Kehrtwende
ist erforderlich.
Bildmotiv Copyright: Bacardi GmbH
Aktive Präventionsarbeit
kann nur ein kleiner Teil der
schrumpfenden Trinkwasserbestände
wieder aufgefüllt werden.
auf diese Vorwürfe vehement mit einer beeindruckenden Innovationsoffensive reagiert.
Es darf in diesem Kontext nicht vergessen werden, dass die ersten Ideen
der modernen Menschheit auf Papier
entstanden, skizziert und manifestiert
worden sind. Gerade diese Branche
hat in der Vergangenheit einen maßgeblichen Beweis für nachhaltiges
Handeln geliefert. Papier wird aus
dem nachwachsenden Rohstoff Holz
hergestellt und ist in der Folge durch
moderne Recycling-Methoden mehrfach wiederverwertbar. Dieser Wirtschaftszweig hat zahlreiche technologische Entwicklungen bei den Herstellungsverfahren entwickelt. Unter
anderem durch die Innovationsprogramme des BMU werden Initiativen
zur Abwasservermeidung durch geschlossene Produktionskreisläufe mit
integrierten Kreislaufwasserbehandlungsanlagen in Papierfabriken und
biologischen Hochleistungskläranlagen gefördert. Dabei geht es auch darum, untere und mittlere Altpapierqualitäten als Zellstoffersatz für die
Herstellung von Druck-, Presse- und
grafischen Papieren aufzubereiten.
Menschenmassen
Szenarien für die Entwicklung der Weltbevölkerung
133.592 Mrd. / Konstantes Szenario
60 Mrd.
40 Mrd.
36 Mrd. / Hohes
Szenario
20 Mrd.
2000
Quelle: Vereinte Nationen
22
9,0 Mrd. / Mittleres Szenario
2050
2100
2200
2300
2,3 Mrd. / Niedriges
Szenario
Die Vereinten Nationen haben vier Szenarien der globalen
Bevölkerungsentwicklung berechnet. Am wahrscheinlichsten
ist ein Einpendeln zwischen neun und 2,3 Milliarden in 2300.
Bildmotiv Copyright: Papierfabrik Hainsberg GmbH
TREND REPORT
Und in der Tat: Die Papierindustrie kann sich dank dieser und anderer
Initiativen beim Thema Nachhaltigkeit durchaus sehen lassen. Sie nutzt
den nachwachsenden Rohstoff Holz,
führt die daraus gewonnenen Fasern
über das Papierrecycling mehrfach im
Kreislauf und nutzt in der Produktion
zu einem erheblichen Anteil erneuerbare Energieträger. Das führt u.a. zu
einer hohen Altpapiereinsatzquote,
die in Deutschland auf einem extrem
hohen Wert von 71 Prozent liegt.
Auch beim Energiesparen weist dieser Industriezweig eine positive Bilanz
auf: Während der spezifische Energieverbrauch im Jahr 1955 noch bei
8.200 kWh/t lag, ist er zuletzt auf nur
noch etwas mehr als 3.000 kWh/t ge-
September 2014 | Schwerpunkt Nachhaltige Entwicklung
sunken. Mit modernen Technologien
wie dem „Energie Manager“ von Solarwatt kann der Energieverbrauch in
Privathaushalten optimal gesteuert
werden. Smart Meter und andere
Hightech-Produkte schaffen den gleichen Effekt beim Energieeinsatz in
Unternehmen.
Die Erfolge der Papierindustrie
basieren auch auf umwelt- und ressourcenfreundlichen Fertigungsmethoden. Ein Beispiel ist die FelixSchoeller-Gruppe, die vor Jahren eine
erfolgreiche Energie-Offensive gestartet hat. „Bei uns ist man sich bewusst,
dass die auf dem Planeten Erde zur
Verfügung stehenden Ressourcen begrenzt sind und daher nachhaltig ein-
gesetzt werden sollten“, heißt es dort.
Der Papiermaschinenhersteller Gebr.
Bellmer GmbH legt das Augenmerk
bei der nachhaltigen Papierproduktion u.a. auf hohe Trockengehalte in
der Pressenpartie. Die Leipa-Gruppe
forciert den Friedensschluss von Ökologie und Ökonomie unter anderem
durch ein flächendeckendes Rücknahmeprogramm von Wert stoffen
und die Wiederaufbereitung von Sekundärrohstoffen. Die als „Hidden
Cham pion“ geltende Papierfabrik
Hainsberg hat große Investitionen vorgenommen, um hochwertige Druckpapiere aus Recyclingfasern herstellen
zu können. Es versteht sich von selbst,
dass mit Svenska Cellulosa AB (SCA)
auch einer der Riesen der Branche
Hidden Champion aus Freital
Die sogenannten Hidden Champions, Unternehmen, die sich in ihrem
Bereich hervortun, aber nur einem
Fachpublikum bekannt sind, sind eine
der Stärken vor allem der mittelständischen Wirtschaft in Deutschland.
Zu ihnen zählt auch die Papierfabrik
Hainsberg, deren Management frühzeitig die Zeichen der Zeit erkannte
und klug investierte.
Nach der Wende stand das Traditionsunternehmen im sächsischen Hainsberg
vor der Aufgabe, die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Der Geschäftsführer Dr. Dietrich Arnhold erinnert sich:
„Mit der Veränderung der wirtschaftlichen Bedingungen wurde schnell klar,
dass die Wettbewerbsfähigkeit des
Unternehmens mit den bestehenden
Erzeugnissen nicht langfristig gesichert
werden konnte.“ Das Management entschied sich für einen Kurswechsel: Zusätzlich zu den bisher ausschließlich aus
Frischfasern produzierten Druckpapieren strebte man die Herstellung qualitativ hochwertiger Druckpapiere aus
Tradition und Modernität miteinander vereinbaren – für die
Hainsberger Papierfabrik eine
Selbstverständlichkeit.
Recyclingfasern an. So führte der Papierhersteller 1994 eine De-Inking-Anlage ein; erst zu Beginn der 2000er-Jahre war der 1992 eingeleitete Strategiewechsel mit Gesamtinvestitionen in
Höhe von heute rund 15 Millionen Euro
abgeschlossen. Die Entscheidung zugunsten von Recyclingpapier und für
die Investition in eine De-Inking-Anlage habe sich im Nachhinein als richtig
erwiesen, sagt Dr. Dietrich Arnhold:
„Ohne die Investition hätte die Papierfabrik Hainsberg heute keine Existenzgrundlage mehr.“ Man habe sich inzwischen „eine feste Marktposition erarbeitet“ und sei „anerkannter Lieferant
für Briefumschlagpapiere, Druck- und
Schreibpapiere in Rollen und Formaten“ geworden. Mithilfe der De-InkingTechnik und einer differenzierten Auswahl der Altpapiere ist es dem Papierhersteller möglich, Druckpapiere in
fünf verschiedenen Weißgradstufen
und in zwölf verschiedenen Standardfärbungen herzustellen. Der Veredelungsgrad ist so hoch, dass sich recyceltes Druckpapier mit einem Weißegrad von 100 Prozent und Druckpapier
aus Frischfasern qualitativ kaum mehr
unterscheiden – übrigens auch, was
den Preis angeht. Neben Investitionen
in innovative Technologien setzt das
ISO 9001, ISO 14001 und ISO 50001 zertifizierte Unternehmen auf Kostensenkungen und Nachhaltigkeit gerade
im Energiebereich: Indem es etwa ein
altes, steinkohlenbefeuertes Kraftwerk
durch ein modernes braunkohlenstaubgefeuertes Kraftwerk mit Kraft-WärmeKopplung ersetzte, konnte es die „energetische Nutzung der eingesetzten
Energieträger von ehemals 55 Prozent
auf über 90 Prozent steigern“. Dadurch
konnte das Unternehmen nicht nur die
Energiekosten senken, sondern auch
den Treibhausgasausstoß um 70 Prozent
reduzieren. Der Papierhersteller, dessen Erzeugnisse das Umweltzeichen
Blauer Engel tragen und FSC-zertifiziert
sind, plant weitere Schritte, um den Energieverbrauch noch stärker zu senken.
Für die Zukunft scheint jedenfalls vorgesorgt zu sein: In den letzten Jahren
legte die Zahl der Arbeitsplätze um 25
Prozent zu. Und auf den ausländischen
Märkten ist der Mittelständler ebenfalls
präsent – rund 30 Prozent ihrer Erzeugnisse exportiert die Papierfabrik.
www.hainsberg-papier.de
23
bei der Rohstoffherkunft und der
Zellstoff-Herstellung ökologische Aspekte in den Vordergrund stellt.
Auch beim Übergang in das
Cloud-Zeitalter, also der elektronischen Informationsübermittlung auf
der einen und dem „Todeskampf“ der
Printmedien auf der anderen Seite,
werden die Rohstoffe Holz und Papier bedeutend bleiben. Die vor mehr
als einem Jahrzehnt verbreitete Mär
vom „papierlosen Büro“ ist längst im
Ideen-Papierkorb verschwunden. Auch
deshalb spricht wohl die FAO (Food
and Agricultural Organisation) der Vereinten Nationen davon, dass der Papierbedarf in absehbarer Zeit Jahr für
Jahr um drei Prozent steigen wird.
Trendaktion
Nachhaltigkeit
spielend lernen
Interaktives Wissensspiel zur
unternehmerischen Umsetzung von Nachhaltigkeit
Das Onlinequiz stellt das Thema
Nachhaltigkeit auf den Prüfstand. Die
Quizfragen stammen größtenteils direkt aus der betrieblichen Wirklichkeit der econsense-Mitgliedsunternehmen. Kritisch, schonungslos und
unterhaltsam setzen sich die Fragen
mit Chancen und Herausforderungen
einer nachhaltigen Entwicklung auseinander.
Das Quiz bietet überraschende Erkenntnisse für alle, die sich für Nachhaltigkeit und ihre konkrete Umsetzung im Unternehmensalltag und
der Gesellschaft interessieren.
Link: www.econsense.de/onlinequiz
Schwerpunkt Nachhaltige Entwicklung | September 2014
Transparenz entscheidet
Mit dem Energy-Manager von Solarwatt lassen sich die Energieflüsse
im Haushalt analysieren.
Möglichst wenig Strom aus dem Netz
zu beziehen – das ist für Privathaushalte die Strategie der Zukunft. Zum
einen gelingt das natürlich durch eine
möglichst effiziente Nutzung des
Stroms, also durch sparsame Geräte
und deren überlegten Einsatz. Zum
anderen ist ergänzend die Verdrängung von Netzstrombezug durch die
Eigenerzeugung eine attraktive Option. Betreiber von Solarstromanlagen
versuchen daher zunehmend, jene
Verbraucher, die zeitvariabel einsetzbar sind – etwa die Waschmaschine –,
vor allem in Zeiten ausreichender Eigenerzeugung zu starten. Das bedeutet: Waschen vor allem bei Sonnenschein. Schließlich kostet der Strom
vom Dach aus neuen Fotovoltaikanlagen heute weniger als die Hälfte
im Vergleich zum Netzstrom.
Wichtig sind für solche Strategien
natürlich optimale Informationen –
und diese bietet die Firma Solarwatt
mit ihrem neuen Energy-Manager,
der alle Energieflüsse im Haushalt erfasst und darstellt: Eigenerzeugung,
Lade- und Entladeflüsse der Batterie
(wenn vorhanden) sowie den Verbrauch einzelner Geräte. „Damit kann
der Nutzer dann abschätzen, ob sich
die Anschaffung neuer Geräte und
Speicher lohnt“, sagt Detlef Neuhaus,
Laut Detlef Neuhaus kann allein das Wissen um die eigenen
Sprecher der Geschäftsführung der
Solarwatt GmbH. Und er ergänzt: „Laut
EU-Studien kann dieser alleine durch
die Transparenz des Verbrauchs um
neun Prozent sinken.“
Den eigenen Verbrauch kennen
Heute habe der Verbraucher, wenn er
seine Stromrechnung bekommt, oft
nur ein „diffuses Gefühl, dass er im
Haushalt etwas optimieren kann“, so
Neuhaus. Mit dem Energy-Manager
bekommt er hingegen präzise Zahlen,
wo Einsparpotenziale bestehen. Und
das direkt auf Smartphone oder TabletPC – „das ist der nächste Evolutionsschritt“. Zum Beispiel erfährt man genau, wie viel Strom der Kühlschrank
verbraucht und welchen Anteil er davon aus dem Netz bezieht und welchen vom Dach. Das gelingt, indem
man einfach einen Stecker zwischen
Kühlschrank und Steckdose anbringt,
der mit dem Energy-Manager kommuniziert.
Für „rund 500 Euro“ sei der EnergyManager zu haben, sagt Neuhaus, dessen Firma mit dem Gerät eine Neupositionierung im Solarmarkt vollzieht.
„Wir setzen nun auf ein Geschäftsmodell, das nicht mehr von den Förderungen des Solarstroms abhängt.“ Amortisieren soll sich die Investition in Eigenerzeugung und kluge Haustechnik
vor allem durch Reduktion des Bezugs von Netzstrom. Dabei werde die
Sonne die entscheidende Rolle spielen:
„Fotovoltaik ist die dezentrale Energie,
um Kosten zu sparen“ – nicht zuletzt
dank der Langlebigkeit der Module.
Der Energy-Manager optimiert das
ganze System auch, indem er lernt:
Mit der Zeit erkennt er wiederkehrende Verbrauchsspitzen und steuert
zum Beispiel den Batteriespeicher so,
dass dieser die Spitzen bestmöglich
bedienen kann – stets mit dem Ziel,
möglichst wenig Strom aus dem
Netz zu beziehen. Solarwatt habe dabei auch Wert gelegt auf ein technologieoffenes Konzept, sagt Neuhaus:
„An den Energy-Manager können auch
dezentrale Anlagen anderer Hersteller angeschlossen werden.“
Verbräuche den Strombedarf um
bis zu neun Prozent senken.
www.solarwatt.de
D
ie Diskrepanz zwischen Anspruch
und Wirklichkeit
ist nirgendwo in
der Energiewirtschaft so groß, wie beim Thema Effizienz. Und das betrifft alle Konsumentengruppen, auch die Haushalte: Im
vergangenen Jahr verbrauchte jeder
Bundesbürger im Haushalt im Mittel
1.688 kWh (Kilowattstunden) Strom,
20 Jahre zuvor kam er noch mit 130
kWh weniger aus. Betrachtet man den
gesamten Stromverbrauch in Deutschland, so laufen heute alleine sieben
Atomkraftwerke, um den Verbrauchs-
TREND REPORT
wirtschafts- und klimaschädlichen Energieimporten.“ Auch die EU beschäftigt sich mit dem Thema: Die Energieeffizienz-Richtlinie mit dem Kürzel
2012/27/EU verlangt von den Ländern, dass sie nationale Energieeffizienzziele für 2020 festlegen. Zudem
fordert sie von den Staaten jährliche
Energieeinsparungen in Höhe von 1,5
Prozent. Das hört sich zwar im Moment noch ambitionierter an, als es
tatsächlich ist, weil die Staaten sich
punktuelle Einsparungen auch dann
noch zugutehalten können, wenn diese an anderer Stelle wieder durch
Mehrverbräuche zunichte gemacht
Smart Energy
Die Zukunft der Energie ist dezentral:
Eigenstrom und kluge Steuerung –
immer spielt auch die Effizienz eine Rolle.
Von Bernward Janzing,
b.janzing@trendreport.de
anstieg der letzten 20 Jahre aufzufangen. Lange gab es in Deutschland nicht
einmal einen Verband, der sich um
die Energieeffizienz bemühte. Erst mit
der Gründung der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz
(Deneff) im Jahr 2010 wurde das anders; der Industrieverband tritt seither
in enger Kooperation mit bestehenden Fachverbänden und der Zivilgesellschaft für eine bessere Nutzung
der Energie ein. Mitglieder sind Firmen, die zum Beispiel Gebäudetechnik oder Dämmstoffe produzieren
oder einschlägige Ingenieurdienstleistungen anbieten.
Denn Energieeffizienz bringt
große wirtschaftliche Vorteile; die Deneff hat ausgerechnet, dass in der Effizienzbranche in Deutschland bis 2020
mindestens 250.000 Arbeitsplätze geschaffen und gesichert werden könnten. Carsten Müller, Vorstandsvorsitzender der Deneff, sagt daher: „Eine
Politik, die die Effizienz vergisst, führt
fahrlässig in eine immer weiter wachsende Abhängigkeit von teuren und
werden. Aber es ist immerhin ein Anfang. Vor allem im Gebäudesektor
setzt sich die Erkenntnis durch, dass
sich viel Energie sparen lässt. Bei Altbauten hat der deutsche Gesetzgeber
zwar oft kaum eine Handhabe, bei
Neubauten hingegen ist sein Gestaltungsspielraum groß. Entsprechend
nutzt er diesen: Mit der Novelle der
Energieeinsparverordnung (EnEV),
die Anfang Mai in Kraft trat, wurden
die Effizienzstandards weiter verschärft. Damit ist der Weg zum Passivhaus vorgezeichnet: Ab dem Jahr
2021 müssen alle Neubauten im
„Niedrigstenergiegebäudestandard“
errichtet werden. Für Gebäude von
Behörden gilt das bereits ab 2019.
So sind im Wärmesektor die größten Einsparungen bei Privathaushalten möglich. Während heute Altbauten oft noch mehr als 200 kWh / m2
jährlich an Heizenergie verbraten,
kommen optimierte Neubauten mit
einem Zehntel davon aus – eine solche Einsparung von 90 Prozent ist nicht
in allen Sektoren möglich.
Bildmotiv Copyright: Solarwatt GmbH
24
September 2014 | Schwerpunkt Nachhaltige Entwicklung
25
Bildmotiv Copyright: freeimages / baikahl / wikipedia / eigene Bearbeitung
TREND REPORT
Viel Effizienzpotenzial
durch moderne
Heizungspumpen
Aber auch im Stromsektor lässt sich
viel gewinnen. Ein eindrucksvolles Beispiel sind die mehr als 30 Millionen
Heizungspumpen, die in deutschen
Kellern arbeiten. Sie verbrauchen nach
Zahlen des Bundes der Energieverbraucher jährlich etwa 15 Milliarden kWh Strom, das sind rund drei
Prozent des bundesweiten Stromverbrauchs. Durch moderne Pumpen ließen sich 70 Prozent davon einsparen,
was auf die Bundesrepublik hochgerechnet immerhin der Erzeugung
eines Atomkraftwerks entspricht.
Bildmotiv Copyright: Primagas GmbH
Zu einem energieeffizienten Haus gehört aber zunehmend auch die umweltfreundliche Eigenstromerzeugung.
Zumal sie auch wirtschaftlich immer
attraktiver wird: Durch den Preisrückgang der Fotovoltaik kostet Strom vom
eigenen Dach den Bürger heute nur
noch halb so viel, wie der Strom aus
dem Netz.
Attraktiv ist das vor allem dann,
wenn man – wo immer möglich – seine Verbräuche nach der Sonne richtet: Waschmaschine und Spülmaschine lassen sich dann beim Betrieb am
Tage mit deutlich günstigerem Strom
betreiben. Vor allem mit intelligenter
Steuertechnik ist das komfortabel
möglich: Moderne Maschinen haben
heute eine Zeitvorwahl, so dass man
am Morgen, ehe man aus dem Haus
geht, den Startzeitpunkt programmieren kann. Und wer mag, kann das
Energie der Zukunft: LNG
Viele mittelständische Produktionsbetriebe leiden unter den in den vergangenen Jahren stark gestiegenen
Energiekosten. Dabei lassen sich mit
einer einfachen Umstellung die laufenden Energiekosten um bis zu 15
Prozent reduzieren und gleichzeitig
die Öko-Bilanz deutlich verbessern –
dank LNG.
zehn Prozent seiner Energiekosten, aktuell sogar 25 Prozent. Zusätzlich kann
das Unternehmen die Verdampfungskälte von LNG nutzen, um Produkte zu
kühlen und die Kälteanlage zu entlasten, wodurch sich weitere 100.000 Euro
einsparen lassen. Ergebnis: Bereits nach
sechs Monaten amortisiert sich die Investition.
Die drei Buchstaben stehen für Liquified Natural Gas, also verflüssigtes Erdgas. Wird Erdgas auf minus 162 Grad
herabgekühlt, verflüssigt es sich und
sein Volumen reduziert sich erheblich:
Es hat lediglich 1/600stel des Volumens von gasförmigem Erdgas. Deshalb lässt es sich gut in großen Mengen lagern und per Schiff und LKW
transportieren. „LNG ermöglicht so
mittelständischen Firmen eine flexible und kostengünstige Energieversorgung mit Erdgas – auch ohne Anschluss an das Versorgungsnetz“, sagt
Jobst-Dietrich Diercks, Geschäftsführer des Energieversorgers Primagas.
„Unternehmen erhalten somit endlich eine Alternative zu Heizöl.“
Doch LNG trägt nicht nur dazu bei, die
Betriebskosten zu senken, sondern
schont auch die Umwelt: Bei der Verbrennung entsteht kein umweltbelastender Feinstaub. Gleichzeitig ist der
CO2-Ausstoß im Vergleich zu anderen
fossilen Brennstoffen wie Heizöl um
bis zu 30 Prozent geringer.
Sparen mit LNG
Beim Futtermittelhersteller Dr. Alder’s
Tiernahrung im thüringischen Camburg errichtet Primagas jetzt seine erste LNG-Anlage in Deutschland. Durch
die Umstellung von leichtem Heizöl
auf LNG spart der Produktionsbetrieb
jedes Jahr umgerechnet mindestens
Die Lösung für energieintensive
Branchen
„Weltweit ist der LNG-Markt seit 2010
um rund 20 Prozent gewachsen“, sagt
Jobst-Dietrich Diercks. „In Westeuropa
sind insbesondere Spanien und Norwegen große Abnehmerländer, jetzt
steht Deutschland an der Startlinie.“
LNG eignet sich vor allem für Unternehmen, die nicht an das öffentliche
Erdgasnetz angeschlossen sind und einen Energiebedarf von 350.000 Litern
Heizöl und mehr pro Jahr haben. Als
Prozessenergie ist es mit vielen Anlagentechniken kompatibel und eignet
sich unter anderem für Anwendungen
wie Dämpfen oder Trocknen – sei es in
der Lebensmittel- und Getränkeindus-
trie, bei Tierfutterherstellern, Recyclingfirmen oder Glasproduzenten. Die benötigte Technik ist einfach und kompakt. Eine LNG-Anlage besteht aus
wenigen Komponenten und findet auf
nahezu jedem Betriebsgelände Platz:
Ein vollisolierter Vakuumtank dient als
Speicher für das LNG, ein Verdampfer
wandelt es vom flüssigen in den gasförmigen Zustand zurück. Und ein
Steuerungsmodul überwacht den gesamten Ablauf.
www.LNG.de; www.primagas.de
Jobst-D. Diercks, Geschäftsführer Primagas: „Mit LNG können
viele Unternehmer nicht nur sparen,
es ist auch umweltschonender als
z. B. Öl.“ So lasse sich der CO2Ausstoß erheblich reduzieren.
Schwerpunkt Nachhaltige Entwicklung | September 2014
Trendstrategie
Energie gratis?
Eike Wenzel gilt als renommierter Zukunftsforscher. In einem aufschlussreichen Gastbeitrag für „Wiwo
Green“ blickt er über das Jahr 2030
hinaus.
Der Energiemarkt wird zwischen
2030 und 2040 ähnlich funktionieren
wie der Telekommunikationsmarkt.
Auf diesem produzieren die Menschen zwei Drittel ihrer Inhalte selbst.
Analog dazu werden wir in diesem
Zeitraum einen Großteil unseres Verbrauchs selbst produzieren. Warum?
Der Megatrend Digitalisierung: Es entsteht ein „Internet der Energie“. Wir
„tauschen“ den Strom über Kilometer
hinweg. Rifkin nennt das „Zero Marginal Cost Society“ – die Null-MargenÖkonomie. Sie ist in vielen Bereichen
längst Realität: Medien, Sharing-Systeme, Apps...
auch schon per Smartphone tun,
braucht dann aber eine entsprechende Schnittstelle für die Geräte.
Damit hat in der Stromwirtschaft ein
Wandel begonnen, den der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft einmal als „Paradigmenwechsel“ bezeichnete: Durch den Ausbau
der erneuerbaren Energien ist Strom
immer mehr zu einem Gut mit
schwankendem Zeitwert geworden –
wer seine Stromverbraucher klug
steuert, kann folglich Geld sparen.
Gemeinsame Stromund Wärmeerzeugung
steigert die Effizienz
Auch abseits der Fotovoltaik ist die
Eigenstromerzeugung ein Aspekt, der
an Bedeutung gewinnen wird. Für
größere Objekte, etwa Mehrfamilienhäuser, können Blockheizkraftwerke
eine attraktive Option sein. Umweltfreundlich mit Erdgas betrieben, erzeugen sie sehr effizient Wärme und
Strom. Wo kein Erdgasnetz vorhanden ist, gibt es für Firmen inzwischen
sogar die Option, sich das Gas als
Flüssigerdgas per Tankwagen liefern
zu lassen.
Und da jede selbst erzeugte Kilowattstunde Strom nicht aus dem Netz bezogen werden muss, ist auch diese
Technik durch gestiegene Strompreise immer attraktiver geworden. Das
gilt natürlich auch und vor allem für
Firmen, die durch intelligente Steue-
TREND REPORT
Carsten Müller, Mitglied des
Bundestages, räumt der Energieeffizienz ein Potenzial von bis
zu 250.000 Arbeitsplätzen ein.
rungen ihres Verbrauchs versuchen
werden, möglichst viel des Eigenstroms anstelle von Netzstrom zu nutzen. Grundsätzlich können Firmen,
die große Dächer haben und tagsüber
den meisten Strom verbrauchen, sehr
gut mit eigenem Solarstrom arbeiten.
Bildmotiv Copyright: DENEFF e.V..
26
Und damit relativieren sich auch alte
Wahrheiten. In der Vergangenheit war
die Nutzung von Strom im Wärmesektor unter ökologischen Gesichtspunkten abzulehnen: Es galt, Strom aufgrund
der hohen Verluste der konventionellen Kraftwerke nur dort einzusetzen,
wo es unbedingt Strom sein muss –
also nicht zur Wärmeerzeugung. Doch
im Zuge zunehmender Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien wird
es künftig immer wieder Zeiten geben, in denen in Deutschland mehr
Strom anfällt, als im selben Moment
benötigt wird. Diesen dann in Wärme
umzuwandeln, kann sinnvoll sein – effizienter jedenfalls, als Windkraft- oder
Solarstromanlagen abzuschalten.
Nachhaltige Steuerung
„WIBO ist europäischer Marktführer von
Elektroheizsystemen im Direktvertrieb“,
erläutert Dr. Kay Petersen, Geschäftsführer WIBO. 1892 als Handwerksbetrieb zur
Herstellung von Tonöfen gegründet,
zählt das mittelständische Unternehmen
heute 140 Mitarbeiter am Werk und 250
Mitarbeiter im Außenbetrieb. „Tradition
ist für unser Unternehmen ganz wichtig“,
so Petersen. „Dazu zählt Verantwortung
für die Beschäftigten, für die Kunden und
für die Umwelt.“ Petersen, der das Unternehmen in dritter Generation führt, betont die Verantwortung für die Endkunden: „Wir produzieren und vertreiben
selbst, was für unsere Kunden den Vorteil hat, einen einzigen Ansprechpartner
zu haben.“ Für die Beratung der Kun-
den sind die Außendienstmitarbeiter
zuständig, die den individuellen Energiebedarf ermitteln und den Energieeinsatz optimal auf die jeweiligen Anforderungen der Kunden zuschneiden.
Weder über- noch unterdimensioniert
„Die Aufgabe der Techniker besteht darin, keine über- oder unterdimensionierten Heizgeräte zu verkaufen“, erklärt Petersen. Eine anspruchsvolle Tätigkeit, die
mehr als reines Verkaufstalent erfordert.
Nachhaltigkeit wird bei den Hamburgern groß geschrieben. Die Unternehmensleitung ist davon überzeugt, dass
auch beim Heizen die Zukunft den erneuerbaren Energien gehört.„Wo immer
möglich, versuchen wir unsere Kunden
dahingehend zu beraten, auf grünen
Strom zu setzen,“ so Petersen. Zusammen
mit seiner Frau Elke Petersen leitet er die
Übergabe des Unternehmens an die vierte Generation in die Wege, wird aber beratend bleiben. Seine Tochter Sina Olehowski, die bereits neben ihrer Schwester
Lena Petersen in der Geschäftsführung
tätig ist, äußert sich zuversichtlich zu
Die vierte Generation ist in die Führung um Dr. Kay Petersen und Elke Petersen fest eingebunden: Sina Olehowski, Lena Petersen und Dr. Anna Schmits.
den Zukunftsperspektiven des Unternehmens, will aber an den bewährten
Traditionen nichts ändern.
Mobile Apps und Effizienz
Man investiere in intelligente Produkte,
welche die Steuerung der Heizung auch
in Abwesenheit erlauben. Neben der
schon seit Jahren existierenden Möglichkeit, über jedes beliebige Telefon die
Heizgeräte aus der Ferne zu steuern,
entwickelt das Unternehmen zurzeit eine
App, so dass die Steuerung in Zukunft
ergänzend über das Smartphone läuft.
Auch Fenstersensoren sind bereits im
Einsatz, die melden, wenn das Fenster
geöffnet ist, und die dann die Heizung
ausschalten, was die Energieeffizienz
erhöht. Anders als die energiefressenden Nachtspeicheröfen laufen die Elektroheizgeräte von WIBO im Durchschnitt
15 Minuten pro Stunde und weisen damit eine sehr viel bessere Energiebilanz
auf. Dass man in puncto Nachhaltigkeit
selbst mit gutem Beispiel vorangeht,
zeigt die geplante Kleinwindkraftanlage
auf dem Firmengelände, mit der nach
dem Willen der Unternehmensleitung
der Kreislauf in Richtung erneuerbarer
Energien forciert werden soll.
www.wibo.com
Quelle / Copyright: Wibo Werk GmbH
Smart Energy ist einer jener Begriffe,
die oft fallen, wenn es um Energieeffizienz geht. Meistens verbindet man
damit Start-up-Unternehmen, die
höchstens auf eine acht- bis zehnjährige Geschichte zurückblicken können. Das Hamburger Traditionsunternehmen WIBO denkt weiter.
TREND REPORT
September 2014 | Schwerpunkt Nachhaltige Entwicklung
27
In Werte investieren
Die jährlichen Zuwachsraten im deutschsprachigen Raum für Nachhaltige Investments liegen über 20 Prozent.
D
eutschland ist Weltmeister – auf vielen Gebieten. Nicht
nur im Fußball nehmen die Alemannen eine Führungsrolle ein, sondern
auch auf vielen ökonomischen Feldern. Unangefochten ist zum Beispiel
gerade die Spitzenstellung der hiesigen Wirtschaft in Sachen Ökologie,
Umweltschutz, Nachhaltigkeit. Doch
andere Länder ziehen inzwischen
nach – mit Macht. Vor allem in Europa hat man angesichts der Wetterund Klima-Kapriolen der vergangenen Monate die Notwendigkeit für einen schonenden Umgang mit dem
Planeten Erde und dessen Urstoffen
erkannt, wie sich an massiven Kapitalzuflüssen zeigt.
Auch die USA, die in den vergangenen Jahren die Gutmensch-Aktivitäten
der Deutschen eher belächelt haben,
äußern sich inzwischen positiv zum
Thema Nachhaltigkeit und SRI. In
Washington hat die Regierung Obama
inzwischen längst begriffen, dass ökologisches Handeln nicht nur ein gutes
Gewissen macht, sondern im Interesse der Erdengemeinschaft auch eine
dringende Notwendigkeit darstellt.
Doch zwischen Reden und Handeln
liegt ein großer Unterschied. Und so
weisen die Energie-Aktivitäten der
„
Tue Gutes
und verdiene
Geld damit!
“
Bildmotiv Copyright: flickr / tlegeltuf (CC BY-SA 2.0)
Trendaussagen
Virtuelle
Kraftwerke
In einem aufschlussreichen Gastbeitrag für Wiwo Green blickt Eike Wenzel
über das Jahr 2030 hinaus. Er erläutert
darin auch die Arbeit des Ökonomen Jeremy Rifkin. Rifkin folgt der Einschätzung
mehrerer Industrieanalysten, die einen
Preisverfall bei den Grundstoffen der erneuerbaren Energien vorhersehen. Eine
der Grundvoraussetzungen, so formuliert es Rifkin, ist, dass Energie aus Solaranlagen, Biomasse-Kraftwerken oder
Windenergieanlagen in ein „Internet der
Energie“ eingespeist wird. Die Industrie
arbeitet bereits fleißig an einem solchen,
umfassenden „Smart Grid“.
Virtuelle Kraftwerke – die der Idee des
„Internets der Energie“ folgen – stellen
schon heute die Zukunft der Energieversorgung dar. In diesen Kraftwerken sind
mehrere Kleinanlagen wie Solarparks,
Biomassekraftwerke oder Blockheizkraftwerke mit Kraft-Wärme-Kopplung
miteinander über das Internet verbunden. Den Strom, den sie erzeugen, verkaufen die Betreiber an der Strombörse.
Schwerpunkt Nachhaltige Entwicklung | September 2014
USA und Kanadas mit der stärkeren
Nutzung von Schieferöl und Schiefergas sowie mit der Ausbeutung der
Ölsände unter Umwelt-Aspekten in
eine fragwürdige Richtung.
Szene und Hauptteil – Bühne
frei für Bill Clinton. Der ehemalige
US-Präsident macht bei seinem Auftritt in Naples / Florida an diesem Tag
unverkennbar einen etwas müden
Eindruck. Er hat jedoch eine Erklärung dafür parat. In kurzen, prägnanten Worten legt er seine Reiseroute
offen, die ihn in den vergangenen Wochen und Monaten rund um die Welt
geführt hatte. Zuletzt hatte man sich
zufällig in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi getroffen. Auch dort war
der Vorgänger Obamas in Sachen
„Rettung des Planeten Erde“ unterwegs. Auch heute beschäftigt er sich
intensiv mit diesem großen Thema.
Und er findet dabei expressis verbis
Lob für die deutsche Position in Sachen Umweltschutz und Energiepolitik. Angela Merkel müssen in Berlin
die Ohren geklungen haben, als sich
Bill Clinton hat für sich die Nachhaltigkeit als Thema entdeckt.
Er lobt ausdrücklich den deutschen Weg in der Energiepolitik.
Clinton positiv über ihre Umweltpolitik – vor allem über die Energiewende
– äußerte. Den gebrachten Einwand,
dass die Kanzlerin mit ihrem „Hin
und Her“ in der Energiewende inzwischen bereits mehrere Male sehr
schmerzlich gegen Energiewände gerannt ist, lässt Bill Clinton kaum gelten. Er verweist vielmehr auf die riesigen Ökologie-Investitionen Deutschlands, auf die in diesem Kontext
entstandenen neuen Arbeitsplätze
und nicht zuletzt auch auf den Knowhow-Vorsprung, den „good old Germany“ auf diesem Gebiet gegenüber
den Konkurrenten auf den Weltmärkten erreicht hat.
„Tue Gutes und verdiene daran!“,
bringt Harry Assenmacher, Gründer
und Vorstandschef des Bonner Waldunternehmens Forest Finance, die
TREND REPORT
weltweit einen Siegeszug feiernde Idee
von „grünen Investments“ auf den
Punkt. Immer mehr Anleger folgen
Assenmacher, weil sie erkannt haben,
dass verantwortungsvolle Investments
durchaus Sinn machen – auch unter
Rendite-Aspekten. Menschen profitieren nämlich auf vielfache Art und
Weise von nachhaltig tätigen Firmen.
Denn zum einen werden nur solche
Unternehmen von den Anlegern
recht leicht mit Kapital versorgt, die
ihr Tun auf eine Schonung des Planeten Erde ausrichten. Das resultiert bei
diesen Unternehmen dann nicht nur
in einem Image-Gewinn, sondern
auch in Effizienz- und Wettbewerbsvorteilen. Auslösender Faktor ist dabei in einer marktwirtschaftlichen
Grund ordnung der Konkurrenzfaktor. Denn die Unternehmen der Wirtschaft sind gezwungen, den Geist ihrer
Mitarbeiter zu nutzen und nach innovativen umweltfreundlichen Technologie-Lösungen in ihren Produktionsstätten zu suchen. Das wiederum spart
in der Folge im Endeffekt den Verbrauch von Urstoffen und Rohstoffen
und senkt so die Produktionskosten.
Bildmotiv Copyright: flickr.com / Centor for Amercan Progress Action Fund (CC-BY-ND 2.0)
28
Zunehmende Vielfalt bei Nachhaltigen Geldanlagen
Aus Sicht von Claudia Tober, Geschäftsführerin beim FNG, kommt diese Dynamik vor allem den Anlegern
selbst zugute. „Die breite Produktpalette ermöglicht es immer mehr Investoren, von den Vorteilen nachhaltiger
Geldanlagen zu profitieren“, erklärt die
Finanz- und Nachhaltigkeitsexpertin.
„Studien zeigen, dass nachhaltige Finanzprodukte ihren konventionellen
Pendants in puncto Rendite in nichts
nachstehen. Sie ermöglichen es den
Anlegern, finanzielle Ziele im Einklang
mit ihren individuellen Wertvorstellungen zu erreichen. Daneben schätzen
Investoren und Vermögensverwalter
die Berücksichtigung von ökologischen
und sozialen Kriterien als einen wichtigen Beitrag für ein optimiertes RisikoManagement.“
Nach Tobers Erfahrung hat die Angebotsvielfalt jedoch auch eine problematische Seite. „Insbesondere private
Anleger nehmen den nachhaltigen
Anlagemarkt zunehmend als einen
undurchschaubaren Produktedschungel wahr. Das FNG setzt sich deshalb
für Transparenz ein und bietet Orientierungshilfen an.“ Mit den FNG-Nachhaltigkeitsprofilen beispielsweise stehen für derzeit 113 Fonds jeweils auf
zwei Seiten verständliche Informationen zum Thema Nachhaltigkeit kostenlos zum Download bereit.
des Fachverbands für Nachhaltige
Geldanlagen.
Dennoch besteht Tober zufolge mittlerweile die Notwendigkeit, einheitliche Standards zu etablieren. „Es geht
darum, für mehr Übersichtlichkeit im
Markt zu sorgen und die Informationskosten für die Anleger zu senken. Aus
diesem Grund erarbeiten wir derzeit
ein Qualitätssiegel für nachhaltige Publikumsfonds, das 2015 auf den Markt
kommt.“
Um das Siegel zu erhalten, müssen die
Fonds bestimmte Mindestkriterien berücksichtigen, die das FNG in einem Dialogprozess mit Stakeholdern entwickelt hat. „Sie umfassen Kernkraft, die
vier Bereiche des Global Compact der
Vereinten Nationen – Menschenrechte, Arbeitsnormen, Umweltschutz und
Korruptionsbekämpfung – sowie geächtete und kontroverse Waffen“, zählt
Tober auf und ergänzt: „Darüber hinaus sollen Fonds zusätzliche Punkte
sammeln können, wenn sie in besonderem Maße eine positive soziale oder
ökologische Wirkung entfalten.“
www.forum-ng.org
„Anleger und Finanzberater können in
den Fonds-Profilen und in der zugrunde liegenden Datenbank schnell und
einfach feststellen, welche sozialen
oder ökologischen Kriterien die Fonds
nutzen“, erläutert die Geschäftsführerin
„Das Siegel wird Orientierung
bieten und die Berücksichtigung
von Mindeststandards garantieren“, so Claudia Tober.
Bildmotiv Copyright: Forum Nachhaltige Geldanlagen / Annette Srebocan
Der Aufwärtstrend am nachhaltigen
Anlagemarkt hält unverändert an.
Das Forum Nachhaltige Geldanlagen
(FNG) stellt für den deutschsprachigen Raum in seinen Jahresstatistiken
regelmäßig Wachstumsraten im zweistelligen Bereich fest. Diese Entwicklung geht auch mit einer zunehmenden Angebotsvielfalt einher, die sich
mittlerweile auf alle Assetklassen
und Produktkategorien erstreckt.
Bildmotiv Copyright: ProCredit Bank AG
Bildmotiv Copyright: flickr.com / Centor for Amercan Progress Action Fund (CC-BY-ND 2.0)
TREND REPORT
„Wirtschafts- und Umweltprobleme
sind untrennbar miteinander verbunden und stehen eindeutig in einer engen Wechselbeziehung“, sagt Chris
Wille, Co-Gründer der Umweltorganisation Rainforest Alliance, der seit
Jahren nicht müde wird, auf die Schonung des Planeten Erde zu drängen.
Schließlich sind nach Meinung von
Wille alle Menschen von der Umwelt
abhängig. Wenn die Menschheit also
nicht auf den Planeten Erde Acht
gebe, würden die Auswirkungen auf die
das Leben unterstützenden Systeme
der Erde zerstörerisch wirken.
„Eine gesunde Umwelt ist
schließlich auch die Grundlage wirtschaftlichen Erfolgs“, bringt Wille die
Dinge auf einen Nenner. Dabei geht
es ihm vor dem Hintergrund der langfristig zu beobachtenden Erderwärmung unter anderem um Klimaschutz.
Das Potenzial erscheint also riesig.
Umwelt-Experten beziffern den globalen Markt für Umweltschutz (Müll,
Wasseraufbereitung, erneuerbare Energieträger, umweltfreundliche Gebäude,
Recycling etc.) auf mehr als 1.000 Mil-
September 2014 | Schwerpunkt Nachhaltige Entwicklung
schaftsbereichen finden Kapitalanleger also interessante Investment-Möglichkeiten. Wichtig ist dabei, dass
Kapitalanleger – Statistiken der vergangenen Jahre zeigen das eindrucksvoll – sehr wohl bereit sind, bewusst
grün zu denken und auch entsprechend verantwortungsvoll und ethisch
zu investieren. So vor allem in erneuerbare Energieträger wie Bioenergien,
Windenergien, Geothermie, Wasserkraft und Solarenergie, aber auch in
grüne Technologien und ökologische
Produktionsmethoden.
Es kommt bei der Beurteilung der
Lage und bei Investments in den Planeten Erde auch nicht so sehr auf den
politischen Standpunkt an; denn Politiker aller Couleur müssen erkennen,
dass es „kurz vor Zwölf“ ist. Vor allem
die unter dem Druck der Politik stehende Energiewirtschaft sieht große
Chancen. Geht es nach den Akteuren
dieser Branche, dann werden erneuerbare Energieträger ihren Siegeszug
verstärkt fortsetzen. Dabei werden sie
sich über kurz oder lang allerdings
auch dem härter werdenden Wettbe-
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die anderen rechtlich irgendetwas untersagen, was die Lizenz
erlaubt. https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/
liarden US-Dollar. Zum Vergleich:
Das Welt-Bruttoinlandsprodukt wird
auf rund 75.000 Milliarden US-Dollar
geschätzt. Als der größte Umweltschutz-Markt wird dabei die Beseitigung von Müll (festen Abfällen) bezeichnet. In der vergangenen Dekade
ist der globale Markt für Umweltschutz im Durchschnitt um rund vier
Prozent per anno und damit stärker
als das Welt-Bruttoinlandsprodukt gewachsen. In diesen boomenden Wirt-
werb stellen müssen und sich nicht
mehr nur allein auf die Subventionen
der Politik verlassen können. Das wiederum erhöht die Innovationsfähigkeit der Branche. Der Global Wind
Energy Council (GWEC) geht gemeinsam mit Greenpeace International davon aus, dass der Anteil der
Windenergie bis zum Jahr 2030 auf
ein Fünftel des gesamten Strommarktes steigen kann. Die weltweit installierten Windenergie-Kapazitäten sol-
29
Weltoffen im Mittelstand
so hoch ist wie in Deutschland, als
Hausbank für Unternehmer fördern
und bauen dafür erfolgreich langfristige Kundenbeziehungen und Vertrauen auf“, fasst der Vorstand die
Ziele der Bank zusammen.
Christoph Freytag, Vorstand
der ProCredit Bank im Dialog mit
der TREND-REPORT-Re daktion
zum Thema Nachhaltigkeit im
Kontext von Schwellenländern.
Bei Investitionen in Südosteuropa
oder Lateinamerika benötigen deutsche Mittelständler eine Bank, die
über die notwendige Expertise verfügt. Die Großbanken sind häufig
an den aus ihrer Sicht zu niedrigen
Finanzierungssummen nicht interessiert. Hier kommt die ProCredit
Bank ins Spiel, eine hundertprozentige Tochter der ProCredit Holding.
An Nachhaltigkeit orientiert
Als Public-Private-Partnership wird die
ProCredit Holding getragen von Investoren wie dem Frankfurter Beratungsunternehmen IPC, der Mitarbeitergesellschaft IPC Invest, international tätigen Förderinstitutionen wie
der KfW-Entwicklungsbank und der
zur Weltbank-Gruppe gehörenden International Finance Corporation (IFC)
sowie der entwicklungspolitisch engagierten DOEN-Stiftung. „Die Anteilseigner sind langfristig ausgerichtet
und erwarten eine am dauerhaften
Erfolg ausgerichtete Unternehmensführung bei moderater Eigenkapitalrendite“, berichtet Christoph Freytag,
Vorstand der ProCredit Bank. Durch
die Gesellschafterstruktur sei „die Balance von kommerziellen und entwicklungsorientierten Zielen“ gewährleistet. „Wir möchten die wirtschaftliche
Entwicklung in Ländern, in denen
der Lebensstandard bei Weitem nicht
Expertise in Südosteuropa und
Lateinamerika
Kennzeichen des Kreditinstituts sind
nach Aussage von Freytag die hohe
Transparenz, der Verzicht auf Spekulation und Eigenhandel, die Berücksichtigung sozialer und ökologischer
Aspekte bei der Kreditvergabe, vor allem aber die Expertise in Südosteuropa und Lateinamerika. „Damit sind
wir für Unternehmen und Organisationen, die von Deutschland aus in der
Region aktiv sind, als Finanzierungspartner sehr attraktiv“, sagt Freytag,
der selbst in Russland, Serbien und
Bulgarien Banken geleitet hat.
Auf Wachstumskurs
Die Bank finanziert in Deutschland
nachhaltige Unternehmen und Investitionen, z.B. in erneuerbare Energien.
Freytag sieht ProCredit aber vor allem
als Bank für den Mittelstand, die insbesondere bei der Finanzierung von
Projekten im Ausland aktiv wird. Die
Strategie scheint aufzugehen – das
Kreditinstitut, das weltweit über 600
Geschäftsstellen und rund 10.000 Beschäftigte zählt, befindet sich auf
Wachstumskurs. Freytag: „Unsere Tages- und Festgeldangebote sind nachgefragt, und die Volumina wachsen
kontinuierlich. Auch mit der Entwicklung im Kreditbereich sind wir zufrieden.“ Vor allem in Bulgarien, Serbien
und Rumänien sei man aktiv geworden. Und die Zukunftsaussichten? Im
kommenden Jahr soll das Geschäft mit
Auslandsüberweisungen entwickelt
werden. „Damit sprechen wir sowohl
international tätige Unternehmen als
auch in Deutschland lebende Menschen mit familiären Bindungen in
die Länder an, in denen wir vor Ort
sind“, so Freytag. „Globalisierung und
Migration können wirksame Treiber
für eine gute Wirtschaftsentwicklung
hier und im Ausland sein, wenn sie
nachhaltig gefördert werden.“
www.procreditbank.de
TREND REPORT
Schwerpunkt Nachhaltige Entwicklung | September 2014
len sich nach Aussagen von GWECGeneralsekretär Steve Sawyer bis dahin
vervierfachen. Das Positive: Hierdurch
können rund 1,7 Milliarden Tonnen
CO2-Emissionen eingespart werden.
All das macht Sinn: Denn die Weltwirtschaft steht eh auf der Kippe und
bedarf daher dringend neuer Wachstumsimpulse. Ziel muss es sein, alle
Staaten zu einer „Öko-InvestmentInitiative für den Planeten Erde“ zu
bewegen. Hierfür allerdings einen Konsens zu finden, erscheint fast unmöglich. Denn angesichts leerer Staatskassen wird letztlich der Bürger die Lasten
für die „Runderneuerung des Planeten Erde“ tragen müssen. Bedenkt man,
für welchen sinnlosen Schund der Staat
Trendraum
Nachhaltigkeitskodex
Der Deutsche Nachhaltigkeitskodex (DNK), den der Rat für Nachhaltige Entwicklung im Dialog mit der
deutschen Wirtschaft, Investoren
und zivilgesellschaftlichen Akteuren
entwickelt hat, liegt jetzt in überarbeiteter Form auf Deutsch, Englisch
und Französisch vor.
Der Nachhaltigkeitskodex bietet
mit 20 Kriterien Unternehmen Orientierung. Er unterstützt Unternehmen
bei der strategischen Steuerung und
Zukunftsorientierung. Kunden und
Investoren bringt er mehr Transparenz und Vergleichbarkeit: Berichte, die dem Nachhaltigkeitskodex
entsprechen, geben Auskunft über
das nachhaltige Wirtschaften eines
Unternehmens, welche Regeln und
Prozesse es implementiert, um Ziele
in sozialen und ökologischen Bereichen zu erreichen. Der Nachhaltigkeitsrat beschreibt im DNK die für
nachhaltiges Wirtschaften wesentlichen Themen. Er bietet sich für Unternehmen jeder Größe und Rechtsform zur Anwendung an.
www.nachhaltigkeitsrat.de
(also der Bürger) in der Vergangenheit finanzielle Leistungen erbracht
hat, dann erscheint eine solche ÖkoInititiave allerdings doppelt sinnvoll.
Wer bei seinen Reisen rund um die
Welt die Augen aufmacht, der wird
die ökologischen Missstände zum
Beispiel in den großen Metropolen
der Welt, in New York, Mexico City
oder auch Istanbul, rasch erkennen
können. Was allerdings in diesem Kontext noch alarmierender ist, ist das
„Unwissen“ darüber, wie es unter diesen Städten aussieht, weil die Menschheit ihren Dreck und Schmutz meist
unbedacht in den Untergrund spült.
Dass es sich dabei nicht nur um biologischen Abfall handelt, sei nur am
Nachhaltiges
Investieren hat
sich zu einem
Megatrend
entwickelt.
Rande erwähnt. Gerade hier scheint
eine Zeitbombe zu ticken, weil oberflächlich denkende und agierende
Menschen ihre Blicke meist nur auf
das Oberirdische richten.
Der Anlagemarkt
Nachhaltiges Investieren hat sich vor
diesem Hintergrund zu einem Megatrend entwickelt. Sowohl in Deutschland als auch in den Nachbarländern
Österreich und Schweiz liegen die
jährlichen Zuwachsraten des nachhaltigen Anlagemarktes zwischen 20 und
25 Prozent. Dies wohl auch, weil in einer marktwirtschaftlichen Grundordnung das Prinzip Altersvorsorge auf
der einen und die Nachhaltigkeit auf
Wiedergeborene Potenziale
Der Mensch und von ihm entwickelte
Ideen und Werte sind ein Wachstumstreiber der Weltwirtschaft. Noch wird
das Potenzial des Faktors Humankapital nicht voll erkannt – doch das
wird sich ändern.
Unternehmen, die das Wissen in den Köpfen der Mitarbeiter mit dem Produktionsfaktor Kapital kombinieren, sind erfolgreicher. Sie sind nicht nur als Arbeitgeber
beliebter und stärken so ihr Image, sondern erzielen langfristig auch höhere Renditen. Wenn sich Menschen in Unternehmen respektiert und anerkannt fühlen, sind sie wegen dieses Wohlfühlfaktors zu höheren Leistungen fähig.
„Humankapital dürfte das wertvollste
immaterielle Wirtschaftsgut von Unternehmen sein“, sagt Nina Hodzic, für den
Bereich ESG (Environmental Social and
Governance) zuständige Senior-Expertin bei ING Investment Management.
Zum menschlichen Kapital zählen bei
diesem global tätigen Asset-Manager,
der 1,5 Mrd. Euro in nachhaltigen Aktienstrategien verwaltet, Faktoren wie die
Nutzung personenbezogenen Wissens
in den Köpfen der Mitarbeiter sowie deren Aus- und Weiterbildung. Auch die
Steigerung der Mitarbeiterzufriedenheit durch entsprechend positive Arbeitsbedingungen und einer optimierten Beziehung zwischen Arbeitgeber
und Arbeitnehmer erweist sich in diesem Kontext als ökonomischer Treiber.
Wissenschaftliche Forschungen zeigen,
dass Aktivvermögen in Bilanzen weniger als 20 Prozent des wahren Unternehmenswertes ausmacht. Die verbleibenden 80 Prozent setzen sich aus immateriellen Vermögenswerten wie Humankapital, strategische Steuerung, Umwelt
und nachhaltigem Handeln zusammen.
Diese Kenntnis wird in der Unternehmens-Analyse konsequent umgesetzt.
So werden jene Firmen herausgefiltert,
die langfristig gewinnen.
„Humankapital ist in vielen Branchen
Schlüsselfaktor der Wertschöpfung“,
sagt Nina Hodzic. Dabei steht die Zufriedenheit loyaler und engagierter Mitarbeiter ganz oben. Die Folge: Die Mitarbeiterfluktuation ist gering. Das hat
positive Auswirkungen auf die Gesamtleistung von Unternehmen, wie akademische Studien zeigen. Alex Edmans von
der Wharton School der Universität von
Pennsylvania hat 2011 aufgezeigt, dass
die begehrtesten US-Arbeitgeber ein
Alpha von 3,5 Prozent p.a. über dem
risikofreien Zinssatz erzielten. Zum Vergleich: Der Mittelwert der Wirtschaft
liegt bei 2,1 Prozent.
Und so orientieren sich Unternehmen
weg von reiner Kapital-Fokussierung,
die oft mit der Nutzung ungelernter
Arbeiter verbunden ist. Sie tendieren
hin zu Firmen mit hochspezialisierten
und innovativen Fachkräften. Kapitalanleger werden intellektuelle und krea-
Nina Hodzic sieht im Humankapital den Schlüsselfaktor der Wertschöpfung.
tive Stärken als Teil des Faktors Humankapital künftig höher gewichten. Und
auch die Wirtschaft wird die Fortbildung und Entwicklung von Mitarbeitern
ausbauen, um Leidenschaft und Sinnhaftigkeit in Berufen besser zu vermitteln. Vor allem junge, gut ausgebildete
Arbeitnehmer achten stärker auf „sinnstiftende” Elemente in der Arbeitswelt.
Wichtiger wird im Humankapital-Kontext auch das Thema „Diversity“ – also
das Schaffen einer positiven Gesamtatmosphäre zwischen Mitarbeitern eines Unternehmens.
Humankapital wurde bei ING IM bereits im April 2000 als Wachstumstreiber
erkannt und in die ESG-Aktienstrategie
integriert, als der Vermögensverwalter
seine erste Nachhaltigkeitsstrategie auflegte. Die erzielten Erfolge können sich
sehr wohl sehen lassen.
www.ingim.de
Bildmotiv Copyright: ING Asset Management B.V.
30
Bildmotiv Copyright: HypoVereinsbank Private Banking
TREND REPORT
der anderen Seite wegen des gemeinsamen langfristigen Ansatzes eine ideale Kombination bieten. Bei Öko-Investments existieren daher zahlreiche
Risiken traditioneller und konventioneller Investments nicht. So entfällt
wegen des langfristigen Ansatzes von
Öko-Investments in der Regel der
kurzfristige Trading-Aspekt. Zudem
werden volatile Branchen und Unternehmen von vornherein ausgespart
und kommen daher als Investment
nicht infrage. Ob direkte Investments
in Aktien, Anleihen oder in Derivaten
auf einzelne Unternehmen und auf
Branchenindizes oder ob Sammelinvestments zum Beispiel in entsprechende Fonds – eines gilt als sicher:
Nachhaltig denkende und agierende
Kapitalanleger haben klare Vorstellungen und Prinzipien.
September 2014 | Schwerpunkt Nachhaltige Entwicklung
unter anderem bei den neuartigen Nettopolicen, wie sie zum Beispiel aus
Liechtenstein angeboten werden. Diese Transparenz soll unter anderem
durch die Erarbeitung einheitlicher
Standards erreicht werden. Das Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG)
arbeitet derzeit an einem Qualitätssiegel für nachhaltige Publikumsfonds, das
2015 auf den Markt kommen soll. Dieses Siegel erhält nur das Unternehmen,
das bestimmte Mindestkriterien erfüllt.
Oliver Postler, CIO der Hypo
Vereinsbank, stellt fest, dass
in den Beratungsgesprächen
seiner Bank bei vermögenden
Privatkunden nachhaltige Investmentstrategien in den Fokus rücken.
Doch das ist nicht alles: Kapitalanleger können nicht nur in nachhaltig
aufgestellte Unternehmen investieren,
sondern auch in Rohstoffe, Urstoffe
und Sachwerte. Was dieser noch vergleichsweise junge Anlagemarkt allerdings braucht, ist mehr Transparenz,
So dürfte das Interesse an Investments in Öko-Aktien und anderen
Öko-Wertpapieren weiter ansteigen.
Denn in den Beratungsgesprächen
mit seinen Kunden hat Oliver Postler,
CIO des HypoVereinsbank Private
Banking, festgestellt, dass Nachhaltigkeit in der Geldanlage zunehmend ins
Bewusstsein rückt – gerade bei vermögenden Privatkunden. FNG-Geschäftsführerin Claudia Tober begründet das
auch damit, dass nachhaltige Finanzprodukte ihren konventionellen Pendants in puncto Rendite in nichts
nachstehen. Ein anderer Aspekt darf
nicht unterschätzt werden: Mit sol-
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chen Produkten können Anleger ihre
finanziellen Ziele mit ihren individuellen Wertvorstellungen in Einklang
bringen. Daneben schätzen Investoren und Vermögensverwalter die Berücksichtigung von ökologischen und
sozialen Kriterien als einen wichtigen
Beitrag für ein optimiertes Risiko-Management. Wenn es um Nachhaltigkeit geht, dann darf auch der Aspekt
Humankapital bei der Anlageentscheidung nicht in Vergessenheit geraten,
wie die Experten von ING IM betonen. Denn Unternehmen, die ihren
Mitarbeitern eine Plattform für die
Anwendung ihrer geistigen Fähigkeiten bieten, schaffen ein positives Umfeld und bringen unter diesem Aspekt
einen anderen ökonomischen Wert
ins Spiel. Einige Finanzhäuser haben
sich sogar auf den Nachhaltigkeitsaspekt als Geschäftspolitik fokussiert. So
unter anderem die ProCredit Bank,
bei der Anleger unter Nachhaltigkeitsaspekten die verantwortungsbewusste
Finanzierung von sehr kleinen, kleinen und mittelgroßen Unternehmen
in Entwicklungs- und Schwellenländern unterstützen können.
Genereller Trend zu mehr Transparenz
Bildmotiv Copyright: Prismalife AG
TREND REPORT im Gespräch mit Markus Brugger, Chief Executive Officer
der PrismaLife AG, zu Transparenz als
Schlüsselfaktor der Beratung.
Herr Brugger, welche Lösung ist für
die Zukunft gangbar im Kontext der
Altersvorsorge bei den aktuell niedrigen Zinsen?
Der Trend der Versicherungsbranche liegt
definitiv in der Transparenz. Deshalb
werden Nettopolicen und alternative
Vergütungsformen in Zukunft stark an
Bedeutung gewinnen. In diesem Kontext sind Fondspolicen mit separaten
Vergütungsvereinbarungen die Antwort
auf die aktuelle Zinslage. Individuelle
Altersvorsorge funktioniert langfristig
nur, wenn die Möglichkeiten an den Kapitalmärkten genutzt werden. Mit einer
Fondspolice genießt der Kunde Flexibilität, Transparenz und die Möglichkeit,
attraktive Renditen zu generieren, ohne
auf klassische Garantien setzen zu müssen, die während der Laufzeit einer Police häufig die Renditechancen schmälern. Die Einbindung von Garantien
macht erst gegen Ende der Laufzeit
Sinn, denn dann sollte man auf eine
gesunde Risikominderung setzen.
Welchen Stellenwert nehmen die Kostentransparenz und die Beratung bei
Ihren Fondsprodukten ein?
Beratung und Kostentransparenz sind
wichtige Bestandteile der Produktwelt
der PrismaLife. Unser Ziel ist es, ein lebensbegleitendes Vorsorgeprodukt anzubieten, das sich mit dem Kunden
entwickelt. Seit elf Jahren bieten wir
mit Erfolg Nettopolicen an. Maximale
Transparenz wird durch eine separate
Vergütungsvereinbarung ermöglicht.
Hierbei weiß der Kunde schon vor Vertragsbeginn, was sein Vertrag kostet.
Welche Möglichkeiten hat der konservative Anleger?
Die fondsgebundene Altersvorsorge der
PrismaLife mit Vergütungsvereinbarung
ist die Antwort des Versicherungsmarktes auf niedrige Zinsen. Maximale Transparenz, Flexibilität, attraktive Renditemöglichkeiten und Anlagekonzepte,
die auf die Risikoneigung und Tragfähigkeit des Kunden abgestimmt sind,
decken die Ansprüche selbst konservativer Anleger ab. Diese Flexibilität ermöglicht die Erwirtschaftung attraktiver
Renditen, ohne dabei den individuellen
Sicherheitsgedanken des Kunden außer
Acht zu lassen. Garantiekonzepte der
PrismaLife, wie „Managed for Life“ oder
auch „TopVermögensverwalter,“ bieten
konservativen Anlegern bessere Ablaufleistungen ohne Renditeeinbußen.
Brüssel hat bereits eine neue Vermittlerrichtlinie auf den Weg gebracht
(IMD2). Wie gehen Sie damit um?
Die Offenlegung der Provisionen ist
nicht die Wunschlösung. Zu viele Fragen
sind ungeklärt, welche zu Beratungsverzerrungen führen könnten. Vor allem ist nicht garantiert, dass dann bessere Produkte abgeschlossen werden.
Andererseits ist die Offenlegung der
Beratungs- und Abschlusskosten inklusive Provisionen auch kein Teufelswerk.
Gut genutzt, kann sie den Wert der Beratung endlich ins richtige Licht rücken.
„Kostentransparenz ist ein wichtiger Bestandteil unserer Produktwelt“, so Markus Brugger.
Die PrismaLife bietet seit Anbeginn individuelle Altersvorsorge mit transparenten Vergütungsmodellen an. Der Kunde hat ein Recht darauf, zu wissen, was
seine Altersvorsorge kostet. Nur so können dem Kunden die nötige Transparenz und Sicherheit übermittelt werden, gemeinsam für einen entspannten Lebensabend vorzusorgen.
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