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Herausgegeben vom
Institut für Epidemiologie,
Biostatistik und Prävention
der Universität Zürich
im Auftrag der
Gesundheitsdirektion
Kanton Zürich
Nr. 36
Dezember 2014
Editorial
Liebe Leserin, lieber Leser
den: Sie stösst auf Akzeptanz und
www.gesundheitsfoerderung-zh.ch
www.gesundheitsfoerderung-zh.ch
P&G
P&G
Prävention & Gesundheitsförderung
im Kanton Zürich
fördert die Absicht, das Gespräch
Wie geht’s Dir? Eine oft gestellte Frage − auf die nicht
über psychische Erkrankungen zu
immer eine ehrliche Antwort folgt. «Gut, danke» ist die
suchen. Es ist wichtig, regelmässig
übliche Reaktion. Denn Gesundheit und Wohlbefinden
Erhebungen zu Gesundheitsthemen
sind etwas Persönliches und gerade dann, wenn etwas
durchzuführen, etwa um Verände-
nicht stimmt, behalten wir es oft lieber für uns. Häufiger
rungen über die Zeit festzustellen
als bei körperlichen Beschwerden ist dies bei psychischen
oder bestimmte Einflussfaktoren
Erkrankungen der Fall. Man verschweigt sie, weil sie
zu eruieren. Je aussagekräftigere
mit Vorurteilen verbunden sind: Die psychische Störung
Daten wir zur Gesundheit unse-
als persönliches Versagen oder als simulierte Krankheit.
rer Bevölkerung erheben, auswer-
Sensibilisierung, Aufklärung und Entstigmatisierung
sind zentrale Ziele der Öffentlichkeitsarbeit zu psychischen Erkrankungen. Es sind auch Ziele der aktuellen
Sensibilisierungskampagne im Kanton Zürich: Unter
dem Titel «Wie geht’s Dir?» und in Zusammenarbeit
mit «Pro Mente Sana», weiteren Kantonen und Organisationen fordert die Kampagne auf, über psychische
Erkrankungen zu reden. Erfahren Sie mehr im folgenden
Artikel und in der beiliegenden Broschüre.
Die Kampagne wurde wissenschaftlich evaluiert und
erste Ergebnisse zeigen, dass wichtige Ziele erreicht wer-
ten und analysieren können, umso
mehr Transparenz und Wissen erhalten wir. Das ist
das Ziel der Gesundheitsberichterstattung. Wissen als
Basis, um Handlungsfelder und Massnahmen zu definieren. Wissen befähigt: Jede und jeden Einzelnen für
eigenverantwortliches Handeln; Institutionen und den
Staat für gesundheitspolitisches Wirken. Lesen Sie zur
Gesundheit der Zürcherinnen und Zürcher ab Seite 5.
Ich wünsche Ihnen eine interessante Lektüre.
Dr. Thomas Heiniger, Regierungsrat
Gesundheitsdirektor Kanton Zürich
Kampagne «Wie geht’s Dir?»
Für psychische Gesundheit sensibilisieren
Am 10.10.2014, dem Tag der Psychischen Gesundheit, wurde die Kampagne «Wie geht’s
Dir?» lanciert. Diese will zur Entstigmatisierung von psychischen Krankheiten beitragen
und für das Thema sensibilisieren. Gesundheitsförderung Kanton Zürich war an der Entwicklung massgeblich beteiligt. Bereits liegen erste – erfreuliche – Evaluationsergebnisse vor.
Mit Gross- und Kleinplakaten, der Webseite www.
wie-gehts-dir.ch und einer Broschüre (liegt diesem
P&G bei) sowie lokalen Veranstaltungen wurde am
10. Oktober 2014 die Kampagne «Wie geht’s Dir?»
lanciert (siehe auch Bilder). Gesundheitsdirektion
Kanton Zürich, vertreten durch Gesundheitsförderung Kanton Zürich, ist zusammen mit der Schweizerischen Stiftung Pro Mente Sana Hauptträger der
Kampagne und war an ihrer Entwicklung und der
Art und Weise der Umsetzung massgeblich beteiligt.
Die Kampagne wird zudem von den Kantonen Bern,
Luzern und Schwyz sowie der Coordination Romande des Associations d'Action en Santé Psychique,
CORAASP, getragen. Weitere Gesundheitsorganisa-
tionen – die Föderation Schweizer Psychologinnen
und Psychologen FSP, die Verbindung Schweizer Ärztinnen und Ärzte FMH und die Schweizerische Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie SGPP
– unterstützen die Kampagne finanziell. Sie wird in
mehreren Wellen über drei Jahre laufen und dabei
noch in weiteren Kantonen zu sehen sein.
Anstoss durch Pro Mente Sana
Die Initiative für die Kampagne ging 2012 von der
Schweizerischen Stiftung Pro Mente Sana aus. Dabei
war klar, dass für die Umsetzung einer nationalen
Sensibilisierungskampagne Partner notwendig wa-
1
Nr. 36, Dezember 2014
ren. Verschiedene angefragte Organisationen zeigten sich interessiert und
waren bereit, ein Vorprojekt mitzufinanzieren, um die Kampagne zu konkretisieren. Es waren dies nebst oben
genannten Trägern das Aktionsbündnis Psychische Gesundheit Schweiz
und die Commission de Prévention et
de Promotion de la Santé du GRSP sowie das Netzwerk Psychische Gesundheit Schweiz.
Vorprojekt mit Agenturwettbewerb
Die Partner des Vorprojektes haben
2013 die Ziele für die Kampagne definiert und einen Agenturwettbewerb
(Pitch) durchgeführt. Von Beginn weg
wurde dabei trialogisch gearbeitet, also
die Sicht von Betroffenen, ihren Angehörigen und Fachleuten einbezogen.
Als Kampagnenziele wurden festgelegt:
Die Kampagne soll dafür sensibilisieren,
dass psychische Erkrankungen häufig,
vielfältig und behandelbar sind. Sie soll
die Hauptbotschaft verbreiten, dass es
für Betroffene und ihr Umfeld wichtig
und richtig ist, über psychische Erkrankungen offen zu sprechen. Und sie soll
dazu beitragen, Wissen über psychische
Erkrankungen zu verbreiten, um so Vorurteile abzubauen damit Betroffene weniger ausgegrenzt werden.
Prävention & Gesundheitsförderung im Kanton Zürich
«etwas Normales» in den öffentlichen
Raum getragen werden und so die
Tatsache berücksichtigt werden, dass
bei uns jeder zweite Mensch im Verlaufe seines Lebens einmal psychisch
erkrankt. Betroffene und Nicht-Betroffene sollen sich auf gleicher Augenhöhe begegnen. Die Betrachter/innen
der Kampagne sollten sich angesprochen fühlen und mit den abgebildeten
Personen identifizieren können. Eine
verständliche und alltagsnahe Umsetzung, die auf hohe Akzeptanz stösst
und menschliche Nähe schafft, war den
Partnern des Vorprojekts sehr wichtig.
Alltagsnahe und sympathische Umsetzungsidee
Die Gewinneragentur Havas Worldwide überzeugte mit einer einfachen und
sympathischen Kampagnenidee, die eines der Kernprobleme aufgreift, nämlich
dass psychische Krankheiten – im Gegensatz zu vielen körperlichen Krankheiten – oft verschwiegen werden (siehe
auch Bilder auf diesen Seiten). Die Protagonisten auf den Plakaten sprechen über
Alltägliches – und auch über psychische
Erkrankungen. Mit dieser Umsetzung gelingt es, das Thema psychische Gesundheit in den öffentlichen Raum zu tragen und Anstösse zu vermitteln, ohne
dass Angst vor Krankheiten geschürt
wird und ohne dass psychisch erkrankte
Menschen blossgestellt werden. Es ist
auf den Bildern nicht ersichtlich, ob und
welche der abgebildeten Personen psychisch erkrankt ist – weil psychische Erkrankungen von aussen nicht erkennbar
sind. Auch die Idee von konkreten Gesprächstipps auf der Website gefiel gut.
Diese wurden von der Trägerschaft in Zusammenarbeit mit Beratungsfachleuten
der Dargebotenen Hand und Pro Mente
Sana sowie Betroffenen und Angehörigen verfasst (siehe auch www.wie-gehtsdir.ch/gespraechstipps).
Kampagnenrealisation
Ab Frühjahr 2014 erarbeitete ein Ausschuss der Trägerschaft zusammen mit
der Agentur die vier inzwischen veröffentlichten Sujets und plante den
Aushang. Je nach finanziellen Möglichkeiten wurden durch die Träger unterschiedliche Umsetzungen realisiert.
Begegnung auf gleicher
Augenhöhe
In den Briefings der Agenturen wurde betont, dass es nicht darum geht,
an einen Helferinstinkt zu appellieren
und auch nicht darum, das Leiden der
Betroffenen ins Zentrum zu stellen, um
so Betroffenheit oder Mitgefühl auszulösen. Vielmehr sollte das Thema
Psychische Gesundheit/Krankheit als
www.wie-gehts-dir.ch
und die Broschüre
Kern der Kampagnenwebsite sind
konkrete Gesprächstipps für Betroffene und für ihr Umfeld. Diese wurden zusammen mit Fachpersonen
(insbesondere aus der Psychologie)
erarbeitet. Weiter sind Informationen zur psychischen Gesundheit und
zu einzelnen Krankheiten, wichtige
Adressen sowie Hintergründe zur
Kampagne zu finden.
Weitere Exemplare der diesem P&G
beigelegten Broschüre können unter
www.wie-gehts-dir.ch/bestellen
bestellt werden.
2
Ferienpläne.
Kinder.
Waschzwang.
Wir reden über alles.
Auch über psychische Gesundheit.
Kanton Zürich
Gesundheitsdirektion
Gesprächstipps / Infos: www.wie-gehts-dir.ch
Prävention & Gesundheitsförderung im Kanton Zürich
Nr. 36, Dezember 2014
Im Kanton Zürich hingen Grossplakate
und Kleinplakate. Auch in öffentlichen
Verkehrsmitteln und im Internet war
die Kampagne sichtbar.
Parallel dazu wurde von Gesundheitsförderung Kanton Zürich – erneut in
trialogischer Form und in Absprache
mit den weiteren Trägern – die Website www.wie-gehts-dir.ch und die Kampagnenbroschüre erstellt. Eine wichtige Quelle war dabei der Ratgeber aus
dem Beobachter Verlag «Ganz normal
anders» von Thomas Ihde-Scholl, dem
Präsidenten von Pro Mente Sana.
Trägerschaft wird für
weitere Wellen ausgebaut
Bereits haben weitere Kantone und Organisationen ihre Teilnahme an der
Kampagne für die Wellen 2015 und
2016 angekündigt und es finden laufend Gespräche mit möglichen weiteren Trägern statt. Im Kanton Zürich
wird die Kampagne im Frühjahr 2015
erneut zu sehen sein. Im Herbst 2015
wird sie aller Voraussicht nach mit zusätzlichen Sujets und Angeboten zum
Thema «Psychische Gesundheit in der
Arbeitswelt» umgesetzt. Im Herbst
2016 stehen «Kinder und Jugendliche»
im Zentrum.
Seit Kampagnenstart sind viele Rückmeldungen, insbesondere auch von
Betroffenen, via Website eingegangen.
Sie äussern sich fast alle sehr positiv
über die Kampagne.
Die Kampagne wird vom Institut für angewandte Kommunikationsforschung,
IaKom, wissenschaftlich evaluiert. Erste Ergebnisse der repräsentativen Te-
Wir reden über alles.
Auch über psychische Gesundheit.
Kanton Zürich
Gesundheitsdirektion
120
lefonbefragung
bei 550 Personen im
Oktober/November 2014 zeigen, dass
die Kampagne
hohe Zustimmung fin100
det. Abb. 1 zeigt beispielsweise für
das hier80 abgebildete Sujet mit zwei
älteren Herren, dass das Sujet von
77% der60Befragten als «eher gut» bis
«sehr gut» bewertet wird. Zudem erteilen zwei
40 Drittel der Befragten für
Verständlichkeit, Anregung und Originalität20gute Noten.
Was die
0 Kampagne auslöst
Männer Frauen
Abb. 1:Bewertung des Sujets mit den
älteren Herren
100%
4
Ganz schlecht
20
80%
60%
Eher schlecht
42
Eher gut
40%
Sehr gut
20%
0%
35
Generelle Bewertung
(n =553)
Gesprächstipps / Infos: www.wie-gehts-dir.ch
140
Anzahl Fälle pro 10'000 Einwohner/innen
Wie die Kampagne beim
Publikum ankommt
Hagel.
Jass.
Depression.
Abb. 2: Intention zur Gesprächsführung
Nein
55%
Ja
45%
Haben Sie aufgrund der Kampagne die fes-
Männer Frauen
Männer
Frauen Zukunft ein Gespräch
te Absicht,
in näherer
In der Evaluation
wurde auch
nach
über 75-Jährige
psychische
15- bis 49-Jährige
50- bis
74-Jährige
und Probleme/Erkrankungen
Ältere
zu führen?
der Wirkungserwartung und indivin=271 Personen, die in ihrem Umfeld einen
duellen Wirkung der Kampagne ge
Gesprächsbedarf sehen
fragt. So haben gut 70% der Befragten
angegeben, dass die Kampagne zum
Reden über psychische Erkrankungen
www.wie-gehts-dir.ch zum Herunteranregt. 45% aller Befragten, die in ihladen zur Verfügung stehen l
rem Umfeld jemanden kennen, von
dem sie denken, dass ein Gespräch
Annett Niklaus, BA
über psychische Probleme gut wäre,
Vorsitzende der Umsetzungsgruppe
haben aufgrund der Kampagne die
Institut für Epidemiologie,
feste Absicht, ein solches Gespräch
Biostatistik und Prävention
Abt. Prävention und Gesundheitsförderung
zu führen (siehe Abb. 2). Der EvaluHirschengraben 84, 8001 Zürich
ationsbericht wird momentan fertigTel. 044 634 46 57
gestellt und eine Zusammenfassung
annett.niklaus@uzh.ch
wird Anfang 2015 auf der Website
www.gesundheitsfoerderung-zh.ch
3
Nr. 36, Dezember 2014
Prävention & Gesundheitsförderung im Kanton Zürich
Gute Vorsätze fallen ins Gewicht
Nächstes Jahr nehme ich ab! Grosse Vorsätze gehen meist leicht über die Lippen, liegen dann aber lange
schwer im Magen. Die meisten nehmen sich zu viel vor und scheitern bald schon im Ansatz. Oft bleibt
dann alles beim Alten. Abnehmziele lassen sich dann erreichen, wenn sie realistisch sind und zum eigenen Lebensstil passen.
Zunehmen, Abnehmen:
Für die meisten braucht's
nicht viel
Unser Gewicht ist nicht nur Schicksal. Die meisten von uns können selber entscheiden, was und wie viel sie
essen und wie oft sie sich bewegen.
Wir können also Handlungen, die unser Körpergewicht beeinflussen, tun
oder unterlassen. Obwohl uns viel davon bedeutungslos erscheint, können
Unterlassungen dazu führen, dass wir
zunehmen. Es macht also wenig Sinn,
mit grossem Geschütz aufzufahren, um
den überschüssigen Pfunden den Garaus zu machen. Stattdessen sollten
Abnehmwillige dem kleinen Kalorienüberschuss, der sich am Ende des Tages ansammelt, auf den Grund gehen.
Nasche ich beim Kochen? Lasse ich
mich beim Einkaufen verführen? Trinke ich häufig Fruchtsäfte? Sind meine
Light-Produkte wirklich leicht? Für die
meisten Menschen genügt es, wenn
sie einige Gewohnheiten in ihrem Essund Bewegungsverhalten ändern. Der
erste Schritt dahin führt über das Erkennen, damit die täglichen Fehltrittchen überhaupt ins Bewusstsein gelangen. Dann kommt der Test: Passt
diese Veränderung zu mir? Kann ich
dauerhaft damit leben? Heisst die Antwort «Ja», geht’s an die Umsetzung. Im
Auf den Punkt gebracht:
Abnehmen heisst…
…mehr
…weniger
•Bewegung im Alltag
•motorisiert fortbewegen
•gezielte körperliche Aktivität
•Fernsehen
•Früchte und Gemüse
•leere Kalorien
•Eiweiss
•Zucker und Fett
•Wasser und Wasserhaltiges
•Süssgetränke
(einschliesslich Fruchtsäfte)
•natürliche, unbehandelte
Lebensmittel
•stark verarbeitete Lebens mittel
•ausgewogenes, gesundes Frühstücken
•üppiges, spätes Abendessen
•regelmässige, vollwertige Haupt mahlzeiten
•zwischendurch naschen
•Entspannung, Genuss und Lebens freude
•Stress und Hektik
•flexibles Denken
•selbstauferlegte Ge- und
Verbote
4
Idealfall geht das linienfreundliche Verhalten in Fleisch und Blut über. Dann
fügen sich die neuen Gewohnheiten so
in den Alltag eines Menschen ein, dass
sie ihm nicht mehr als solche auffallen.
Sie werden dann zum täglichen Ritual,
wie Duschen oder Zähneputzen. Das
Wichtigste beim Abnehmen ist aber,
dass die Lebensqualität nicht auf der
Strecke bleibt.
Abnehmziele müssen
realistisch sein
Wer es im Leben zu etwas bringen will,
braucht Ziele. Diese müssen aber erreichbar, das heisst realistisch sein.
Sonst kommt Frust auf. Für die Meisten
wäre es beispielsweise unrealistisch,
dauerhaft das Gewicht anzupeilen, das
sie mit 18 Jahren hatten. Auch nachhaltig 30 Kilo und mehr abzuspecken
gelingt nur den allerwenigsten. Es ist
also wichtig, nur erreichbare Vorhaben
in Angriff zu nehmen. Je realistischer
diese sind, desto wahrscheinlicher gelingt eine langfristige Gewichtskontrolle. Realistisch heisst, etwa 10 bis 15
Prozent des Ausgangs-Körpergewichts
zu verlieren. Bei einer 80 Kilo schweren
Person wären das acht bis zwölf Kilo.
Das klingt für manche nach wenig.
Aber bereits einige Kilo weniger bringen
Vorteile für die Gesundheit mit sich:
zum Beispiel einen niedrigeren Blutdruck und Cholesterinspiegel und ein
geringeres Diabetes-Risiko. Zudem zeigen Untersuchungen, dass Menschen,
die mässig aber gleichmässig abneh-
men, ihr neues Gewicht auch lange halten können. Und das ist schliesslich das
Wichtigste.
Stressfrei über Etappen
zum Ziel
Welcher vernünftige Bergsteiger würde
schon in einem Zug den Mount Everest
bezwingen wollen? Das geht schliesslich nur in Etappen. Beim Gewichtverlieren zählen Vernunftargumente oft nicht.
Viele Abnehmwillige muten sich zu, etliche Kilos an einem Riemen runterzuhungern. Das schreit förmlich nach JojoEffekt. Egal ob Höhenmeter erklimmen
oder überschüssige Pfunde loswerden:
Grosse Unternehmungen sind nur dann
erfolgreich, wenn sie in Etappen gemeistert werden. Stufen à zwei bis drei Kilo
sind ideal. Die Pause nach jeder Teilstrecke gibt dem Körper Zeit, sich an
das neue Gewicht zu gewöhnen und es
zu stabilisieren. Die Auszeit bietet aber
auch den Raum, sich für das Erreichen
des Etappenziels zu belohnen. Das verhindert Verdruss. Neben einer guten
Planung gehört zu einem erfolgreichen
Unterfangen aber noch etwas: Bergsteiger wie Abnehmwillige sollten ihr Ziel
nie aus den Augen verlieren und es ruhig aber beharrlich verfolgen l
PD Dr. med. David Fäh
Wissenschaftlicher Mitarbeiter
Institut für Epidemiologie,
Biostatistik und Prävention
Hirschengraben 84, 8001 Zürich
Tel. 044 634 46 16
david.faeh@ifspm.uzh.ch
Mit konkreten Zielen zum Erfolg
Was
Wann Heute
in 2 Monaten
in 6 Monaten
in 1 Jahr
Zielart
Start
Etappenziel 1
Etappenziel 2
Endziel
Gewicht
85 Kilo
81 Kilo
76 Kilo
73 Kilo
Kleider
Grösse 42
Gurt ein Loch
enger
In die alten
Jeans passen
Grösse 40
Essen
zu viele
Kalorien
Vollkornmüsli zum
Frühstück
3 Portionen
Früchte und
Gemüse pro Tag
Leichteres
Abendessen
Bewegung
zu wenig
Bewegung
weniger Fernsehen
mit dem Fahrrad
zur Arbeit
2 x pro Woche
Sport treiben
Essverhalten
schnelles
Essen
mindestens 15 mal
Kauen vor dem
runterschlucken
mindestens eine nicht mehr
halbe Stunde
vor dem Fernfürs Mittagessen seher essen
Prävention & Gesundheitsförderung im Kanton Zürich
Nr. 36, Dezember 2014
Gesundheit der Zürcher
Bevölkerung
Vor einigen Monaten ist die Kurzfassung der Zürcher Ergebnisse der Schweizerischen Gesundheitsbefragung 2012 erschienen. Nun liegt der umfassende Zürcher Gesundheitsbericht in zwei Bänden vor. Darin
werden einerseits aktuelle Befragungsergebnisse zur Gesundheit und zum Gesundheitsverhalten der
Zürcher Bevölkerung (Band 1) und andererseits zeitliche Entwicklungen, interessante Zusammenhänge,
einzelne Bevölkerungsgruppen und spezifische Gesundheitsprobleme (Band 2) dargestellt.
Der Bericht erscheint in zwei umfangreichen und anschaulich gestalteten Bänden. Der erste, vom Schweizerischen Gesundheitsobservatorium verfasste Band
enthält aktuelle, knapp kommentierte Ergebnisse zum Kanton Zürich, vor allem
Häufigkeitsverteilungen auf der Grundlage der jüngsten Schweizerischen Gesundheitsbefragung (SGB) von 2012. Der
zweite Band ist umfangreicher kommentiert und stützt sich auf eine Vielzahl zusätzlicher Datenquellen und Informationen. In Band 2 werden Zusammenhänge
zwischen verschiedenen Bevölkerungsmerkmalen und Gesundheitsindikatoren
sowie spezifische Bevölkerungsgruppen
(z. B. Jugendliche) und Gesundheitsthemen (z. B. psychische Gesundheit) untersucht. Ausserdem zeichnet Band 2 die
Entwicklung der Gesundheit der Zürcher
Bevölkerung seit dem Erscheinen des letzten Globalberichts im Jahr 2007 nach.
Gute Gesundheit und hohe
Lebenserwartung
Die selbsteingeschätzte Gesundheit der
Zürcher Bevölkerung ist zumeist sehr gut
und ihre Lebenszufriedenheit sowie mittlere Lebenserwartung sehr hoch. 85%
der Bevölkerung schätzt im Jahr 2012 die
eigene Gesundheit allgemein als gut bis
sehr gut ein. Auch sind drei Viertel der
Zürcher/innen sehr zufrieden mit ihrem
Leben und weisen auf einer Skala von 0
bis maximal 10 einen Wert von mindestens 8 auf. Rund 80% der Bevölkerung
im Kanton Zürich sind ausserdem meistens bis immer glücklich, gelassen und
ausgeglichen. In dieses Bild passt auch,
dass die mittlere Lebenserwartung der
Zürcher/innen vergleichsweise hoch ist:
Sie liegt bei den Frauen bei über 84 und
bei den Männern bei fast 81 Jahren.
Frauen haben häufiger
starke körperliche Beschwerden als Männer
Trotz mehrheitlich guter selbsteingeschätzter Gesundheit sind körperliche
Beschwerden und dauerhafte Gesundheitsprobleme sowie damit einhergehende Alltagseinschränkungen weit verbreitet. Insgesamt rund ein Drittel der
Zürcher Bevölkerung weist gemäss der
jüngsten Erhebung der SGB ein lang
andauerndes Gesundheitsproblem auf,
und mehr als ein Fünftel klagt gar über
starke körperliche Beschwerden, wobei
Frauen (31%) deutlich häufiger davon
betroffen sind als Männer (13%). Viele
dieser Zürcher/innen mit dauerhaften
gesundheitlichen Problemen berichten
infolgedessen über zumeist leichte, mitunter aber auch starke Einschränkungen
im Alltagsleben. Viele Betroffene leiden
sowohl unter starken körperlichen Beschwerden als auch unter chronischen
Gesundheitsproblemen. Ausserdem sind
temporäre körperliche Beschwerden und
noch mehr chronische Gesundheitsprobleme stark altersabhängig und nehmen
mit steigendem Alter kontinuierlich zu
(vgl. Abb. 1). So finden sich unter 15- bis
24-Jährigen gerade mal etwa 10% mit einem chronischen Gesundheitsproblem
und zumeist gar keinen oder nur leichten
daraus resultierenden Alltagseinschränkungen. Bei den 75-Jährigen und Älteren
sind es schon über 40% mit bisweilen
starken Einschränkungen im Alltag.
Psychische Probleme weit
verbreitet, gehen aber im
Alter zurück
Auch Depressionen, negative Emotionen
oder Einsamkeitsgefühle sowie Stressund Burnoutsymptome sind in der Zürcher Bevölkerung und einzelnen Bevölkerungsgruppen recht weit verbreitet.
Rund 18% der Zürcher/innen berichten
über eine mittlere bis starke psychische
Belastung. Ebenfalls knapp ein Fünftel
aller 15-jährigen und älteren Zürcher/innen gibt zumindest leichte Depressionssymptome an. Rund 6% zeigen gar mittlere bis schwere Depressionssymptome, wobei dieser Anteil mit zunehmendem Alter abnimmt und bei den 15- bis
34-jährigen Personen bei knapp 10%, bei
Abb. 1: Chronische Krankheit mit einhergehenden Alltagseinschrän
kungen nach Alter und Geschlecht, Kanton Zürich, 2010/11
50%
12
40%
12
30%
11
15
12
20%
10%
0%
7
6
(6)
(6)
7
(5)
(7)
(4)
6
(1)
(1)
(1)
(1)
Männer Frauen Männer Frauen
8
10
9
7
(3)
6
4
9
22
14
16
7
(6)
23
18
8
11
Männer Frauen Männer Frauen Männer Frauen
14
Männer Frauen
(n = 837) (n = 879) (n = 1'603) (n = 1'850) (n = 3'592) (n = 3'773) (n = 2'561) (n = 3'022) (n =1'498)(n =1'956) (n = 1'063) (n = 1'781)
15 - bis
24-Jährige
25 -bis
34-Jährige
35 -bis
49-Jährige
50 -bis
64-Jährige
65 -bis
74-Jährige
75-Jährige
und Ältere
chronische Krankheit ohne Einschränkungen
chronische Krankheit mit leichten Einschränkungen
chronische Krankheit mit starken Einschränkungen
Werte in Klammern beruhen auf weniger als 50 Beobachtungen, daher ist die statistische Zuverlässigkeit eingeschränkt.
Datenquelle: BFS, Schweizerische Arbeitskräfteerhebung 2010/11.
den 65-jährigen und älteren Personen
hingegen lediglich bei 2% liegt. Drei Viertel der Zürcher/innen haben ab und zu
bis häufig negative Gefühle. Dieser Anteil liegt bei den Zürcher Frauen je nach
Alter um zehn bis zwanzig Prozentpunkte höher als bei den Männern, geht aber
wiederum mit zunehmendem Alter stetig
und deutlich zurück (vgl. Abb. 2).
Abb. 2: Personen mit negativen Gefühlen nach Alter und Geschlecht,
Kanton Zürich vs. übrige Deutschschweiz, 2009
90%
80% 81
79
70% 69
72
60%
79
73
62
62
63
62
52
56
50%
55
40%
34
30%
20%
10%
0%
16 - 24
25 - 34
35 - 44
Männer Kanton Zürich
45 - 54
Alter (in Jahren)
(n = 1'006)
55 - 56
65 - 74
75+
Frauen Kanton Zürich
(n = 1'125)
Männer übrige Deutschschweiz
Frauen übrige Deutschschweiz
(n = 3'310)
(n = 3'660)
Datenquelle: BFS, Erhebung über die Einkommen und die Lebensbedingungen (SILC) 2009.
5
Nr. 36, Dezember 2014
Prävention & Gesundheitsförderung im Kanton Zürich
Abb. 3: Mittlere bis starke psychische Belastung, 2012
Selbsttötungen pro 100'000 Einwohner/innen im Durchschnitt der letzten
zehn Jahre insgesamt höher als in der
übrigen Deutschschweiz, was allerdings
hauptsächlich auf die assistierten Suizide (Sterbehilfe) zurückzuführen ist.
Mittlere
Abb.
Abb. 2.13:
2.13: Mittlere bis
bis starke
starke psychische
psychische Belastung,
Belastung, 2012,
2012, Anteil
Anteil Männer,
Männer, in
in %
%
Abb. 2.13: Mittlere bis starke psychische Belastung, 2012, Anteil Männer, in %
Männer
Pubertierende Mädchen,
Männer unter 30 und über
45 als Risikogruppen
Ebenfalls rund ein Fünftel der Zürcher
Erwerbsbevölkerung klagt über Stressund Burnoutsymptome, kann nach der
Arbeit oft nicht abschalten, fühlt sich
nach der Arbeit erledigt oder schon beim
Aufstehen müde angesichts eines bevorstehenden Arbeitstages. Sogar rund
ein Drittel der Zürcher/innen fühlt sich
manchmal bis sehr häufig einsam. Und
6% aller Zürcher/innen sind wegen psychischer Probleme in professioneller ambulanter oder stationärer Behandlung.
Mehr psychische Probleme
im Kanton Zürich
Obwohl die mittlere Lebenserwartung
und allgemeine Sterblichkeit im Kanton Zürich insgesamt vergleichbar ist
mit derjenigen in der übrigen Deutschschweiz, weisen die Zürcher/innen bezüglich Herz-Kreislauf-Erkrankungen
und Diabetes als Todesursachen signifikant niedrigere Sterberaten auf. Umgekehrt ist im Kanton Zürich die Sterblichkeit an psychischen Krankheiten
(v.a. infolge Suchtmittelmissbrauch)
deutlich höher als in der übrigen
Deutschschweiz. Dazu passt, dass Zürcherinnen und vor allem Zürcher, verglichen mit Personen aus der übrigen
Deutschschweiz, häufiger mittelmässig
23
23
bis stark psychisch belastet sind (vgl.
23
23
Abb. 3), häufiger Depressionssymptome zeigen, wegen psychischer Probleme öfter in Behandlung sind und aufgrund psychischer Störungen und/oder
infolge übermässigen Alkoholkonsums
häufiger hospitalisiert werden. Ausserdem sind Zürcher/innen etwas häufiger
gestresst bei der Arbeit und zeigen häufiger Burnoutsymptome. Schliesslich ist
auch die Suizidrate im Kanton Zürich
mit rund 23 (Männer) bzw. 11 (Frauen)
Abb. 4: Gesundheitsbezogener Lebensstil nach Bildung und Geschlecht, Kt. ZH, 2007
100%
23
80%
34
(45)
60%
32
33
37
52
43
40
40%
43
(27)
(55)
20%
35
31
26
Obligatorische Berufsausbil- Höhere Berufs- Hochschulabschluss
Schulbildung dung/Maturität ausbildung
(n = 357)
(n = 93)
(n = 491)
(n = 52)
Männer
27
(21)
20
42
8
Obligatorische Berufsausbil- Höhere Berufs- Hochschulabschluss
Schulbildung dung/Maturität ausbildung
(n = 227)
(n = 84)
(n = 735)
(n =116)
Frauen
günstig
mittelmässig
ungünstig
Männer mit obligatorischer Schulbildung: Weniger als 10 Personen weisen einen günstigen Lebensstil auf. Es darf
kein Wert ausgewiesen werden, die Kategorien mittelmässig und günstig werden deshalb zusammengefasst.
Werte in Klammern beruhen auf weniger als 30 Beobachtungen in der Subgruppe, daher ist die statistische Zuverlässigkeit eingeschränkt.
Datenquelle: BFS, Schweizerische Gesundheitsbefragung 2007.
6
•Mädchen in der Pubertät bilden eine
wichtige Risikogruppe. Sie leiden relativ häufig unter Angststörungen oder
depressiven Verstimmungen und berichten häufiger als gleichaltrige Jungen, unglücklich, niedergeschlagen,
traurig oder bedrückt zu sein. Auch
klagen sie vergleichsweise häufig über
Schmerzen unterschiedlichster Art
und über Stress in der Schule.
•Zu den gesundheitlichen Risikogrup-
42
35
0%
51
Manche Segmente der Zürcher Bevölkerung stellen eigentliche gesundheitsbezogene Risikogruppen dar. So sind
beispielsweise chronische Gesundheitsprobleme mit leichten oder sogar starken Einschränkungen im alltäglichen
Leben bei Frauen im Rentenalter besonders häufig. Unfälle mit Verletzungen oder Todesfolge sind wiederum bei
jüngeren Personen und insbesondere
bei Männern vergleichsweise häufig.
Das Krankheits- sowie Sterberisiko ist
bei Männern, ganz besonders bei solchen ohne nachobligatorische Ausbildung, relativ hoch. Auch ein ungesunder Lebensstil in Form von ungünstigem
Ernährungsverhalten, Bewegungsmangel und gesundheitsgefährdendem Alkoholkonsum ist unter Männern, und
gerade auch in bildungsfernen Schichten, deutlich weiter verbreitet als unter
Frauen und Personen mit Hochschulabschluss (vgl. Abb. 4). Männer ohne nachobligatorische Schulbildung sind zwar
vergleichsweise selten, weisen aber zu
55% einen ungesunden Lebensstil auf.
pen in der Zürcher Bevölkerung zählen
auch junge Männer bis Mitte dreissig.
Sie weisen relativ hohe Raucheranteile auf, konsumieren vergleichsweise
häufig Cannabis und in gesundheitsgefährdendem Masse Alkohol, verunfallen überdurchschnittlich häufig im
Strassenverkehr oder sind wegen psychischer Probleme in ambulanter oder
stationärer Behandlung.
•Eine
weitere Risikogruppe bilden
Männer ab 45 Jahren bis zum Rentenalter von 65 Jahren. Männer in
diesem Alter weisen hohe Anteile an
Prävention & Gesundheitsförderung im Kanton Zürich
Neben diesen allgemeinen Befunden
zeigen sich auch geschlechtsspezifische
Unterschiede zwischen dem Kanton Zürich und der übrigen Deutschschweiz.
So leben Zürcher Männer rund fünf Monate länger als Männer aus der übrigen
Deutschschweiz. Ausserdem verletzen
sich Zürcher Männer im Vergleich zu ihren Kollegen aus der übrigen Deutschschweiz deutlich seltener infolge von
Unfällen bei der Arbeit, zu Hause oder
beim Sport, und sie sterben auch seltener bei Verkehrsunfällen. Darüber hinaus zeigen Zürcher Männer im mittleren
Alter weniger häufig Bewegungsmangel oder ein ungünstiges Ernährungsverhalten als gleichaltrige Männer aus
der übrigen Deutschschweiz. Umgekehrt weisen Zürcherinnen insgesamt
leicht höhere Raucherinnenanteile und
eine höhere Suizidrate auf als Frauen
aus der übrigen Deutschschweiz.
Weniger Raucher und Trinker, mehr körperlich Aktive
Was Unterschiede im Zeitverlauf anbelangt, so lassen sich sowohl positive
wie negative Entwicklungen beobachten. Eine positive Entwicklung zeigt sich
etwa bei der mittleren Lebenserwartung
bei Geburt. Seit Jahrzehnten steigt die
Lebenserwartung im Kanton Zürich wie
in der übrigen (Deutsch-)Schweiz kontinuierlich und scheinbar ungebrochen
weiter an und gleichzeitig verkleinert
sich der Unterschied zwischen den Geschlechtern (vgl. Abb. 5). Ein positiver
Trend zeichnet sich auch beim Anteil körperlich aktiver Personen ab, der sich von
2002 bis 2007 von 64% auf 68% und seither nochmals um sieben Prozentpunkte
auf 75% im Jahr 2012 erhöht hat.
Beim Tabakkonsum lässt sich ebenfalls
eine positive Entwicklung feststellen und
zwar insbesondere bei den 15- bis 64-jährigen Männern. Gesamthaft ist der Anteil
an Rauchenden in der Zürcher Bevölkerung über die letzten 15 Jahre kontinuier-
Chronische Gesundheitsprobleme und Risikofaktoren nehmen zu
Neben positiven gibt es aber auch negative Entwicklungen. So haben etwa
selbstberichtete chronische Gesundheitsprobleme und damit teilweise in Zusammenhang stehende Risikofaktoren
nicht zuletzt im Zuge der fortschreitenden demografischen Alterung im Kanton Zürich wie in der übrigen Deutschschweiz über die letzten fünf und mehr
Jahre an Häufigkeit zugenommen: Berichtete noch im Jahr 2007 erst gut ein
Viertel der Zürcher/innen von lang andauernden Gesundheitsproblemen, war
im Jahr 2012 eigenen Angaben zufolge
bereits ein Drittel der Zürcher Bevölkerung davon betroffen. Auch Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen
wie Bluthochdruck (seit 2002: +5%), hoher Cholesterinspiegel (seit 2002: +4%)
Abb. 5: Mittlere Lebenserwartung bei Geburt nach Geschlecht, Kanton
Zürich vs. übrige Deutschschweiz, 1981-2012
86
84
82
80
Jahre
78
76
74
72
70
68
Datenquelle: BFS, Bevölkerungsbewegung 1981- 2012.
und Diabetes (seit 2007: +1%) oder
leichtes Übergewicht (seit 2007: +2%)
und Adipositas (seit 2007: +2%) sind
2012 gegenüber vorangegangenen Erhebungsjahren der SGB häufiger zu beobachten, vor allem bei den Männern.
Schliesslich haben negative Emotionen,
Ängste und Depressionen genauso wie
ambulante psychiatrische Fälle seit dem
Jahr 2000 in der Zürcher Bevölkerung an
Häufigkeit zugenommen.
Zudem steigt auch der Medikamentenkonsum im Kanton Zürich, wie in der übrigen Deutschschweiz, seit 20 Jahren kontinuierlich an: Haben 1992 noch knapp
37% der Zürcher Bevölkerung in der
Woche vor der Befragung Medikamente
konsumiert, waren es 2007 bereits 45%.
Seither ist der Medikamentenkonsum
nochmals um drei Prozentpunkte auf
nunmehr 48% im Jahr 2012 angestiegenl
PD Dr. Oliver Hämmig, MPH
Bereichsleiter Gesundheitsberichterstattung
Institut für Epidemiologie,
Biostatistik und Prävention
Hirschengraben 84, 8001 Zürich
Tel. 044 634 46 82, oliver.haemmig@uzh.ch
Publikation
Band 1: Ergebnisse der Schweizerischen
Gesundheitsbefragung 2012 (125 S.)
Gesundheit
im Kanton Zürich
Serie Gesundheit,
Gesundheitsförderung
und Gesundheitswesen
im Kanton Zürich
Nr. 19
November 2014
Band 1:
Ergebnisse der Schweizerischen
Gesundheitsbefragung 2012
Band 2: Entwicklungen seit 2007 (125 S.)
Das Institut für Epidemiologie, Biostatistik
und Prävention der Universität Zürich (Hrsg.,
2014) hat im Auftrag der Gesundheitsdirektion
Kanton Zürich den umfassenden zweibändigen
Zürcher Gesundheitsbericht herausgegeben.
Die beiden Bände können beim Institut für
Epidemiologie, Biostatistik und Prävention der
Uni Zürich bestellt werden: www.gesundheitsfoerderung-zh.ch; Tel. 044 634 46 29.
Herausgegeben vom
Institut für Epidemiologie,
Biostatistik und Prävention
der Universität Zürich
im Auftrag der
Gesundheitsdirektion
Kanton Zürich
Preis pro Band: Fr. 38.–, beide Bände zusammen: Fr. 64.–, CD-ROM der beiden Bände:
Fr. 50.–, beide Bände + CD-ROM: Fr. 100.–
7
5
20
10
20
12
20
0
Kalenderjahr
Frauen Kanton Zürich
Frauen Übrige Deutschschweiz
20
0
0
5
19
9
0
19
9
5
66
19
8
Geschlechtsspezifische
Unterschiede zur übrigen
Deutschschweiz
lich von 34% (1997) auf rund 26% (2012)
zurückgegangen. Stetig reduziert hat sich
darüber hinaus auch die Passivrauchbelastung – am Arbeitsplatz genauso wie
im privaten Bereich. Waren zu Beginn des
Jahrtausends noch 40% der Bevölkerung
zu Hause, im Auto oder bei Freunden
Passivrauch ausgesetzt, ist dieser Anteil
bis 2010 auf 22% zurückgegangen. Beim
Alkoholkonsum pro Kopf ist ebenfalls
eine positive Entwicklung festzustellen,
hat dieser doch über die letzten 20 Jahre stetig abgenommen, von 12 Gramm
pro Tag im Jahr 1992 auf 8,5 Gramm im
Jahr 2012. Rückläufig ist seit 2002 zudem
der Anteil an Personen mit problematischem Alkoholkonsum. Gleichzeitig geht
die Suizidrate im Kanton Zürich (ohne
assistierte Suizide), wie in der übrigen
Deutschschweiz, seit 30 Jahren stetig zurück, ganz besonders bei den Männern.
19
81
Übergewichtigen und die höchsten
Raten an stationären Hospitalisierungen mit Alkoholbezug auf. Ausserdem
kumulieren sich bei ihnen häufig ungünstige Verhaltensweisen wie Bewegungsmangel, ungesunde Ernährung
und hoher Alkoholkonsum zu einem
insgesamt gesundheitsschädigenden
Lebensstil.
Nr. 36, Dezember 2014
Männer Kanton Zürich
Männer Übrige Deutschschweiz
Nr. 36, Dezember 2014
Prävention & Gesundheitsförderung im Kanton Zürich
Die Rolle von Körper-Idealen
Feenfüsse, Oberschenkellücke, gestählte Muskeln. Das Schönheitsideal wird gern nachträglich per Photoshop in Bilder gezaubert. Ein gesunder Körper sieht aber anders aus als das, was die Medien zeigen.
Erobern wir ihn zurück!
Als echte Frau wäre sie nicht überlebensfähig mit ihrer Wespentaille, den
endlos langen Beinen und dünnen Armen. Trotzdem ist Barbie für Mädchen
ein Vorbild. Das soll sich nun ändern.
Neu gibt es nämlich eine realistischere
Barbie: Die Lammily kann man nicht
nur mit neuen Kleidern ausstatten,
sondern auch mit Sommersprossen
und Pickeln.
Jugendliche mögen ihren
Körper nicht
Die Ergebnisse der letzten HBSCStudie der WeltgesundheitsorganisaAbb. 1:Anteil der 11- bis 15-jährigen Jugendlichen, die unzufrieden
mit ihrem Körpergewicht sind, aufgeteilt nach Geschlecht
und Alter (HBSC Zürich 2010, in %)
60
50
Die Körpermanager
40
30
20
33.0
53.7
51.6
50.0
38.8
45.0
42.2
50.0
52.0
50.3
10
0
tion zeigen für die Schweiz: 41 Prozent der 15-jährigen Mädchen und
22 Prozent der gleichaltrigen Jungs
finden sich zu dick. Jedes fünfte Mädchen zwischen 13 und 15 Jahren hat
schon eine Diät ausprobiert. Bei den
Jungs geht es um sportliche Leistung
und Muskeln. Auch im Kanton Zürich
ist ein hoher Anteil der Jugendlichen
mit ihrem Körpergewicht nicht zufrieden. Die Grafik aus der HBSC-Studie
(vgl. Abb. 1) zeigt den Anteil der 11bis 15-jährigen Jugendlichen, die ihr
Körpergewicht (zu viel oder zu wenig
Gewicht) negativ wahrnehmen. Die
Pubertät ist eine Schlüsselphase für
die Entstehung eines positiven Körperbilds. Aber der Samen wird viel
früher gesät, denn schon sechsjährige Kinder beschäftigen sich heute mit
ihrem Aussehen.
11 Jahre 12 Jahre 13 Jahre 14 Jahre 15 Jahre
Jungen (n = 660)
11 Jahre 12 Jahre 13 Jahre 14 Jahre 15 Jahre
Mädchen (n = 696)
So schaffen Sie ein positives Körperbild
Akzeptieren Sie sich
Schauen Sie Ihren Körper mit Wohlwollen an, statt sich auf nicht perfekte Details zu konzentrieren.
Leben Sie gesund
Lernen Sie mehr über gesunde Ernährung und gesundes Verhalten,
statt Diät zu halten. Wenn Sie sich innen wohlfühlen, dann strahlen
Sie es auch nach aussen aus.
Denken Sie positiv
Überlegen Sie, was Ihnen an sich gefällt, statt über einen Makel zu
grübeln. Und: Sie sind mehr als nur Ihr Äusseres – tun Sie Dinge, die
Ihnen Spass machen und die Sie zu dem machen, was Sie sind.
Schätzen Sie die Vielfalt
Jeder Mensch ist anders. Verzichten Sie auf Vergleiche und Lästereien.
So entwickeln Sie Distanz zu starren Schönheitsidealen.
Wählen Sie Ihre Medien bewusst aus
Werbung und Medien beeinflussen, was wir schön finden. Entscheiden Sie bewusst, welche Medien Sie konsumieren. Und denken Sie
daran, dass die meisten Bilder bearbeitet sind.
8
Der eigene Körper gilt als Visitenkarte, die gestaltet und verändert werden
kann. Menschen würden nicht nur ihr
Leben managen, sondern auch ihren
Körper, schreibt Waltraud Posch im
Buch «Projekt Körper». Aber war das
nicht schon immer und überall so?
Kleopatra hat in Eselmilch gebadet,
die Frauen des Bergvolks Padaung
verlängern ihren Hals mit Spiralen,
und die Tahitianer setzen auf schwarze Tattoos.
Was heute anders ist
Jugendliche sind online zuhause. Anders als das Kinderzimmer ist das Internet aber kein Rückzugsort. Im Gegenteil: Jede Sekunde werden 694
neue Fotos auf den Fotodienst Instagram geladen, auf Facebook sind es
350 Millionen am Tag. Die Hälfte aller
im Internet verfügbaren Bilder sind Körperbilder, so schätzen Fachleute. Diese
Bilder ähneln sich in ihrem Streben nach
Perfektion und weichen von der Realität
stark ab. Ausnahmeerscheinungen sind
zur Norm geworden.
Wenn Jugendliche in sozialen Netzwerken die bearbeiteten Bilder ihrer
Freunde sehen, mit trainierten Muskeln und makellosem Teint, dann wissen sie, dass das nicht echt ist – und
dennoch gelten die Bilder als Massstab. Das ist paradox.
Ihre Vorbilder finden Jungs und Mädchen in Werbung, TV-Shows oder
Games. Die hier gezeigten Körper führen dazu, dass sich der eigene minderwertig anfühlt. Es gilt also ihn zu
optimieren und sich damit soziale Anerkennung zu verdienen.
Darum ist das Körperbild
wichtig
Ein Körperbild entsteht durch Wechselwirkungen zwischen Individuum und
Gesellschaft. Ein positives Körperbild
ist verbunden mit Gesundheit und
positivem Gesundheitsverhalten wie
ausgewogene Ernährung und ausreichende Bewegung. Wer ein positives
Körperbild hat, findet sich schön, fühlt
sich wohl und selbstsicher, geht sorgsam mit dem eigenen Körper um, kümmert sich um seine Bedürfnisse.
Ein positives Körperbild geht auch
einher mit einem besseren Selbstwertgefühl. Wer sich in seinem Körper gut
fühlt, lässt sich nicht durch Schönheitsideale manipulieren.
Ein negatives Körperbild hängt zusammen mit einem schlechteren Selbstwertgefühl. Und wer starre Schönheitsideale verinnerlicht, kann ein negatives
Körperbild entwickeln. Die Auswirkungen können Diäten und Essstörungen
sein, übertriebenes Sporttreiben, Depressionen und Suizidgedanken.
Das können Sie tun
Ein Körperbild bleibt über die Zeit hinweg relativ stabil – also auch ein negatives. Darum ist es wichtig, die Ressourcen von Kindern und Jugendlichen
so zu stärken, dass sie mit unrealistischen gesellschaftlichen Idealen und
Werten gut umgehen können. Es ist für
Kinder wichtig, ein gesundes Verhältnis zum eigenen Körper zu entwickeln
Prävention & Gesundheitsförderung im Kanton Zürich
und «sich selbst» zu sein. Ständige Vergleiche machen unglücklich. Ein gesundes Selbstbewusstsein hilft dabei,
auf sie zu verzichten.
Der Erfinder der Anti-Barbie hat seine
Lammily bei Zweitklässlern getestet.
Die Reaktionen waren sehr positiv. Einige Mädchen fanden, dass die Puppe
wie ihre Schwester aussehe.
Gesundheitsförderung Schweiz fördert
ein gesundes Körperbild mit verschiedenen Massnahmen, zum Beispiel dank
der Projekte «Papperla PEP» und «BodyTalk PEP» vom Verein PEP.
Die Weiterbildungen Papperla PEP
richten sich an Lehrpersonen aus
Kindergarten, Unterstufen und Tagesschuleinrichtungen und bieten didaktische Unterstützung darin, wie Kinder
ihre Gefühle und ihren Körper im Alltag besser wahrnehmen können. Die
sozialen und emotionalen Kompetenzen sowie das Selbstwertgefühl von
Kindern werden durch spielerische
Angebote und durch eine dialogische
Haltung der Bezugsperson gestärkt.
Nr. 36, Dezember 2014
Mehr erfahren: www.pepinfo.ch
Chiara Testera Borrelli, lic. phil.
Co-Leiterin Gesundes Körpergewicht
in Zusammenarbeit mit
Diana Busch
Gesundheitsförderung Schweiz
Dufourstr. 30, 3006 Bern
Tel. 031 350 04 04
chiara.testera@promotionsante.ch
Das Projekt «BodyTalk» wird im Rahmen des Kantonalen Aktionsprogramms (KAP) zu Bewegung und Ernährung unterstützt. Der Workshop
fördert eine Auseinandersetzung und
einen kritischen Umgang mit Körpernormen und Schönheitsidealen
im persönlichen und sozialen Umfeld. Den Jugendlichen ab der 6. Primarklasse soll ein selbstbewusster
Umgang mit sich und der eigenen
Schönheit vermittelt werden, um dadurch die Körperzufriedenheit und das
Selbstwertgefühl zu erhöhen.
Weitere Informationen und Anmeldung für Schulklassen finden sich
unter www.leichter-leben-zh.ch/b2 l
© rangizzz – Fotolia.com
Preisausschreibung:
Gesunde Stadt – Gesunde Gemeinde
Gesucht: Wirksame kommunale Programme der
Gesundheitsförderung und Prävention
Zum zweiten Mal wird 2015 ein nationaler Preis «Gesunde Gemeinde»
bzw. «Gesunde Stadt» vergeben. Der
Preis versteht sich als Anreiz für vorbildliche Konzepte gemeindlicher und
städtischer Gesundheitsförderung und
Prävention sowie als Anerkennung
für beispielhafte und multiplizierbare
kommunale Programme und Massnahmen. Mit Preisverleihung sowie
Dokumentation werden nachahmenswerte Beispiele landesweit bekannt gemacht und gewürdigt.
Gesundheitsförderung
und Prävention: Mehrwert
für Gemeinden und Städte
•Gesundheitsförderung und Präven-
tion prägen in Gemeinden und Städ ten langfristig Lebensqualität und At traktivität (Standortvorteil).
Gemeinden und Städte werden für
ihre langfristig angelegte Entwick lung, Umsetzung und Verankerung
•
von Gesundheitsförderung und Prä vention gewürdigt.
Der Preis schafft Anreize für die Wei terentwicklung der Programme und
Massnahmen sowie die langfristige
Verankerung in der Gemeinde oder
der Stadt.
Alle Informationen
www.radix.ch > Gesunde Gemeinden >
Preis Gesunde Gemeinden
Nominationen aus allen
Landesteilen – drei Preisträgerinnen
nalen Gesundheitsdirektorinnen und
-direktoren
Gesundheitsförderung Schweiz
Schweizerischer Gemeindeverband
Schweizerischer Städteverband
RADIX Schweizerische Gesundheitsstiftung l
•
Es steht eine Preissumme von Fr.
15'000.– zur Verfügung. Daraus werden drei Preise vergeben. Die Preisgelder müssen von den ausgezeichneten Gemeinden und Städten in voller
Höhe für zukünftige Massnahmen der
Gesundheitsförderung und Prävention
eingesetzt werden. Der Preis wird alle
zwei Jahre verliehen.
Der Preis wird von folgenden Organisationen getragen:
• Bundesamt für Gesundheit
• Schweizerische Konferenz der kanto•
•
•
•
Einreichfrist: Montag, 12. Januar 2015
Preisverleihung: Juni 2015
Kontakt: Patrick Roth, roth@radix.ch
9
Nr. 36, Dezember 2014
Prävention & Gesundheitsförderung im Kanton Zürich
Blasenschwäche muss nicht
Schicksal sein
Die Gesellschaft für Blasenschwäche engagiert sich seit langem mit gezielter Öffentlichkeitsarbeit zum
Thema Blasenschwäche. Aus Scham versuchen viele Betroffene, Beschwerden lange zu verheimlichen,
deshalb ist es wichtig, für das Thema zu sensibilisieren und Blasenschwäche zu enttabuisieren. Bei Beschwerden sollte frühzeitig eine Ärztin oder ein Arzt aufgesucht werden. Prävention und Hilfe sind möglich
– je früher, desto besser!
Ungewollt Urin zu verlieren ist für die
meisten Betroffenen extrem peinlich! Obwohl Inkontinenz weitverbreitet ist, gehört dieses Thema deshalb immer noch
zu den grössten Tabus unserer Gesellschaft. Betroffene fühlen sich oft mit ihren
Sorgen allein gelassen, schränken ihre
Aktivitäten ein und ziehen sich zurück.
Man schätzt, dass in der Schweiz rund
500'000 Frauen und Männer unter Blasenschwäche leiden. Frauen sind davon
doppelt so häufig betroffen wie Männer.
Generell leiden ältere Personen öfter unter Blasenschwäche als jüngere. Bei vielen Frauen ist die Blasenschwäche aber
schon zwischen 40 und 50 Jahren deutlich erkennbar. Zwei Formen der Blasenschwäche werden unterschieden.
Belastungsinkontinenz
© ojoimages4 – Fotolia.com
Bei der «Belastungsinkontinenz» kommt
es durch körperliche Aktivitäten wie
Husten, Niesen, Laufen oder Springen
zum Urinabgang. Die Beckenbodenmuskulatur und das Beckenbindegewebe spielen eine wichtige Rolle zur Sicherung der Kontinenz. Bei schwachem
Beckenboden lohnt sich ein gezieltes
Beckenbodentraining mit speziell ausgebildeten Fachpersonen in Physio-
Tipps für eine gesunde Blase
• Stärken Sie Ihre Beckenbodenmuskulatur:
Beckenbodenmuskulatur anspannen – während 6 Sek. halten –
entspannen – 6 Sek. Pause.
Anspannung des Schliessmuskels (wie bei der Unterdrückung des
Stuhldrangs) – während der Übung weiteratmen oder laut bis 6
zählen – 3 x täglich 15 Mal.
• Vermeiden Sie Übergewicht und Verstopfung.
• Trinken Sie ausreichend (1 bis 2 Liter pro Tag).
• Trinken Sie das Richtige! Folgende Getränke können die Symptome
einer überaktive Blase noch verstärken: Übermässiger Kaffeegenuss,
grössere Mengen kohlensäurehaltiger Getränke. Leitungswasser ist,
besonders in der Schweiz, unser Favorit!
• Rauchstopp: Nikotin verstärkt die Symptome einer überaktiven Blase.
• Regelmässige Toilettenbesuche: Gehen Sie regelmässig, aber nicht
präventiv zur Toilette.
10
therapie oder Beckenbodentraining. Zu
den konservativen Massnahmen gehören auch verschiedene spezielle Kontinenztampons und sogenannte Pessare,
welche angepasst werden und so zum
Beispiel bei Sport die Kontinenz verbessern helfen. Diese Tampons können
durch die Patientin bei Bedarf (z.B. vor
dem Sport) in die Scheide eingeführt
und danach wieder entfernt werden.
Kann eine Belastungsinkontinenz mit
konservativen Therapiemassnahmen
nicht zufriedenstellend behandelt werden, so kann eine Inkontinenzoperation
(«Bändchenoperation») weiterhelfen.
Dabei wird ein Kontinenzband unter die
Harnröhre eingeführt und unterstützt
so den Verschluss der Blase.
Überaktive Blase
Was man im Volksmund «nervöse Blase», «Reizblase» oder «Dranginkontinenz» nennt, heisst in der Fachsprache
«überaktive Blase». Das Hauptsymptom dieser überaktiven Blase ist ein
plötzlich auftretender, störender, starker Harndrang. Als Folge davon kommt
es zu gehäuftem Wasserlassen am Tag
und teilweise sogar in der Nacht, teils
mit Inkontinenz. Beckenboden- und
Blasentraining mit Verhaltensänderungen sowie Medikamente sind wichtige
Elemente einer erfolgreichen Therapie.
Es wurde nachgewiesen, dass eine Reduktion der Flüssigkeitszufuhr um 25%
zu einer Verbesserung der Symptome
führt. Auch ein Blasentraining ist sehr
nützlich. Ziel des Blasentrainings ist die
Steigerung des Blasenfassungsvermögens. Die zeitlichen Abstände zwischen
den Toilettengängen werden schrittweise und teils mit Unterstützung von
verschiedenen «blasenentspannenden»
Medikamenten erhöht. Die Blase wird
trainiert, mehr Wasser aufzunehmen
und zu behalten, ohne dass Urin abgeht.
Mit den konservativen, individuell angepassten Therapieoptionen kann vie-
len Patientinnen eine zufriedenstellende Besserung der Lebensqualität
angeboten werden. Auch moderne Behandlungsmethoden können die Symptome deutlich reduzieren. Je früher
man sich bei Beschwerden untersuchen
lässt, desto eher kann geholfen werden.
Information und Beratung
Blasenschwäche und Inkontinenz gehören nicht zu den Themen, über die Betroffene gerne sprechen. In der Schweiz
ist es das Tabuthema Nummer 2, nach
sexuellen Problemen! Doch auch bei
der Ärztin oder beim Arzt wird die Blasenproblematik häufig über Jahre verschwiegen, in der falschen Annahme,
dies sei eine Alterserscheinung mit der
man sich abfinden muss. Einige aktuelle amerikanische Studien der letzten
Jahre konnten nachweisen, dass mit
einfachen Mitteln, so zum Beispiel einem Beckenbodentraining (am besten unter Anleitung einer ausgebildeten Fachperson für Beckenboden- und
Verhaltenstraining) die Blasenfunktion
eindrücklich und anhaltend verbessert
werden kann. Es lohnt sich, rechtzeitig
aktiv zu werden – auch im BeckenbodenBereich! Mit gezielten präventiven Massnahmen lässt sich die Entstehung von
Beschwerden oft vermeiden l
Schweizerische Gesellschaft für
Blasenschwäche
Hotline für Fragen (Diskretion garantiert) und kostenloser Versand von Informationsmaterial rund um das Thema Blasenschwäche: Tel. 044 994 74 30,
info@inkontinex.ch, www.inkontinex.ch
Die Geschäftsstelle ist jeweils am Mo, Di
und Do geöffnet.
PD Dr. med. Daniele Perucchini
Präsident Schweizerische Gesellschaft für
Blasenschwäche
Blasenzentrum
Gottfried Keller-Str. 7, 8001 Zürich
Tel. 044 253 24 40
info@blasenzentrum.ch
Prävention & Gesundheitsförderung im Kanton Zürich
Nr. 36, Dezember 2014
Veranstaltungen und Weiterbildung
Weitere Veranstaltungen vgl. auch www.gesundheitsfoerderung-zh.ch
29. Januar 2015
9. Mai 2015
Ein Leben lang unsere Gesundheit fördern
Partizipation und Gesundheit im
Setting Schule (Arbeitstitel)
16. Nationale GesundheitsförderungsKonferenz
Kantonales Netzwerk Gesundheitsfördernder Schulen Zürich (Volksschule)
Zeit
9.00 bis 17.15 Uhr
Zeit
9.00 bis 16.00 Uhr
Messe Luzern
Horwerstr. 87, 6005 Luzern
Ort
Tagungszentrum Schloss Au
8804 Au
Kosten
Fr. 150.–, für Netzwerkschulen gratis
Ort
Anmeldung www.gesundheitsfoerderung.ch/
konferenz
Organisation/Infos
Veranstalterin: Gesundheitsförderung Schweiz
www.gesundheitsfoerderung.ch/konferenz
Kongressorganisation: Meister ConCept GmbH
Bahnhofstr. 55, 5001 Aarau
Tel. 062 836 20 90, gf-konferenz@meister-concept.ch
20. März 2015
Mann und Gesundheit (Arbeitstitel)
Organisation/Infos
Pädagogische Hochschule Zürich
Emilie Achermann, Tel. 043 305 59 02
www.gesunde-schulen-zuerich.ch  Tagung
6. Juni 2015
Tag der offenen Tür:
Institut für Epidemiologie,
Biostatistik und Prävention (EBPI)
Der Gesundheit auf der Spur
Public Health –
Weiterbildungsprogramm
Informationen über folgende Kurse erteilt:
Universität Zürich
Institut für Epidemiologie, Biostatistik
und Prävention
Koordinationsstelle Public Health
Hirschengraben 84, 8001 Zürich
Tel. 044 634 46 51, mph@ifspm.uzh.ch
www.public-health-edu.ch
18. bis 20. März 2015
Lebensstile und Gesundheitskompetenzen
Kurs-Nr.
2080.15
Ort
Universität Bern
Kosten
Fr. 1'350.–
Anmeldung bis 18. Januar 2015
22. bis 24. April 2015
26. Zürcher Präventionstag
Zeit
11.00 bis 17.00 Uhr
Social Marketing: A strategic approach to
health behaviour change
Zeit
9.00 bis 16.30 Uhr
Ort
Hirschengraben 84, 8001 Zürich
Kurs-Nr.
3330.15
Ort
Pfarreizentrum Liebfrauen, Zürich
Infos folgen www.ebpi.uzh.ch
Ort
Universität Zürich
Kosten
keine
Organisation/Infos
Institut für Epidemiologie, Biostatistik
und Prävention der Universität Zürich
Hirschengraben 84, 8001 Zürich, Tel. 044 634 46 11
emilyrae.stone@uzh.ch, www.ebpi.uzh.ch
Kosten
Fr. 1'350.–
Anmeldung ab Ende Februar bis 13. März 2015
Organisation/Infos
Institut für Epidemiologie, Biostatistik
und Prävention der Universität Zürich
Hirschengraben 84, 8001 Zürich
Tel. 044 634 46 29, praev.gf@ifspm.uzh.ch
www.gesundheitsfoerderung-zh.ch
30. April 2015
Forum «Healthy Body Image»
Zeit
12.15 bis 17.30 Uhr
Ort
PROGR, Zentrum für Kulturproduktion
Waisenhausplatz 30, 3011 Bern
Die Platzzahl ist beschränkt!
Anmeldung/Organisation/Infos
Veranstalterin: Gesundheitsförderung Schweiz
www.gesundheitsfoerderung.ch
Kongressorganisation: Meister ConCept GmbH
Bahnhofstr. 55, 5001 Aarau
Tel. 062 836 20 90, hbi@meister-concept.ch
Anmeldung bis 22. Februar 2015
2./3. September 2015
Konzepte und Prinzipien von Public Health
Kurs-Nr.
E001.30.15
26. August 2015
Ort
Universität Zürich
Arbeit & Psychische Gesundheit –
Herausforderungen und Lösungsansätze
Kosten
Fr. 900.–
Nationale Tagung für betriebliches Gesundheitsmanagement 2015 / 4. Netzwerktagung
Psychische Gesundheit Schweiz
Zeit
8.30 bis 17.00 Uhr
Ort
Universität Zürich
Anmeldung ab Februar 2015 unter www.gesund
heitsfoerderung.ch/tagung
Organisation/Infos
Veranstalterin: Gesundheitsförderung Schweiz
Kongressorganisation: Meister ConCept GmbH
Bahnhofstr. 55, 5001 Aarau
Tel. 062 836 20 90, bgm-tagung@meister-concept.ch
Das Institut hat einen neuen Namen
Das Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Zürich änderte im September 2014
seinen Namen. Es heisst neu:
Institut für Epidemiologie, Biostatistik und Prävention (EBPI)
Der neue Name ist nicht mit Änderungen im Tätigkeitsfeld verbunden, sondern bildet dieses besser ab.
Infos unter:Institut für Epidemiologie, Biostatistik und Prävention der Universität Zürich
Hirschengraben 84, 8001 Zürich, Tel. 044 634 46 11, www.ebpi.uzh.ch
Anmeldung bis 2. Juli 2015
CAS in Gesundheitsförderung und Prävention
Im Studiengang erwerben Sie Kompetenzen, um
• Gesundheitsförderungs- und Präventionsprinzi-
pien kritisch zu reflektieren;
wirksame Interventionen der Gesundheitsförderung und Prävention zu konzipieren, implementieren und evaluieren und dabei die erfolgskritischen sozialen und kulturellen Unterschiede
von Bevölkerungsgruppen zu berücksichtigen;
für Entscheidungsträger/innen in Politik, Wirtschaft, Verwaltung und Verbänden wissenschaftsbasiert und nachvollziehbar zu Fragen
der Gestaltung von Interventionen Stellung zu
nehmen.
Anmeldung 2. Juni 2015
Abschluss «Certificate of Advanced Studies
der Universitäten Basel, Bern und
Zürich in Gesundheitsheitsförderung
und Prävention»
Kosten
Fr. 11'500.–
Infos www.public-health-edu.ch/
casgesundpraev
•
•
11
Prävention & Gesundheitsförderung im Kanton Zürich
In dieser Nummer
Inhalt
Neue Kampagne zur
psychischen Gesundheit
Editorial
Thomas Heiniger..................................................................1
Seite
Kampagne «Wie geht’s Dir?»
Für psychische Gesundheit sensibilisieren
Annett Niklaus.....................................................................1
Gesund abnehmen
Gute Vorsätze fallen ins Gewicht
David Fäh..............................................................................4
Kantonaler Gesundheitsbericht
Gesundheit der Zürcher Bevölkerung
Oliver Hämmig.....................................................................5
Die Rolle von Körper-Idealen
Chiara Testera Borrelli & Diana Busch................................8
Gesundes Körperbild
Preisausschreibung:
Gesunde Stadt – Gesunde Gemeinde...................................9
Blasenschwäche muss nicht Schicksal sein
Daniele Perucchini............................................................. 10
Preis für Gemeinden
Veranstaltungen und Weiterbildung.................................. 11
Prävention der Blasenschwäche
Impressum.......................................................................... 12
Impressum
P.P.
8001 Zürich
A
www.gesundheitsfoerderung-zh.ch
P&G
Prävention & Gesundheitsförderung
im Kanton Zürich
Nr. 36, Dezember 2014
Nr. 36, Dezember 2014
Herausgegeben vom
Institut für Epidemiologie,
Biostatistik und Prävention
der Universität Zürich,
Abt. Prävention und
Gesundheitsförderung
Kanton Zürich
Adressberichtigung bitte nach A1 Nr. 522 melden an:
EBPI, Abt. VI, Hirschengraben 84, 8001 Zürich
im Auftrag der
Gesundheitsdirektion
Kanton Zürich
Erscheinungsweise
in der Regel zweimal
jährlich
Redaktionskommission
• Roland Stähli, lic.phil.
Abteilungsleiter, EBPI
(Vorsitz)
• Dr. med. Karin Faisst
Leiterin des Weiterbildungsprogramms
Public Health, EBPI
Redaktion
Jacqueline Kölliker, BA
EBPI, Abt. Prävention
Hirschengraben 84
8001 Zürich
Tel. 044 634 46 33
Fax 044 634 49 77
jacqueline.koelliker@
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Bestellung von P&G
Auflage
Institut für Epidemiologie,
3'500 Ex.
Biostatistik und Prävention
Abt. Prävention
Layout/Druck
Hirschengraben 84
Kohler Medien AG
8001 Zürich
Zürich
Tel. 044 634 46 29
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Die Redaktion behält sich
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Kategorie
Seele and Geist
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