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Geschäftsmodell Systempartnerschaft - Wirtschaftsbrief Gesundheit

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www.wirtschaftsbrief-gesundheit.de
Niedersachsen | Bremen | Hamburg
Medizin und Industrie: partnerschaftliche Lösungen mit System
Ausgabe 037 | 02.12.2014
UNTERNEHMEN + MÄRKTE 2 | 3
-- Geschäftsmodell Systempartnerschaft: Medizin
und Industrie an einem
Strang – für mehr Effek-
Liebe Leser,
tivität und Effizienz in
Krankenhäusern
Brückenschlag Systempartnerschaft – auf dem Weg
-- ÖPP-Projekt: Privates
zu umfassenden, medizinischen Behandlungslösungen
Konsortium realisiert Bau-
sind die Leistungserbringer vermehrt auf innovative
projekt und Betrieb UKSH
Konzepte und vernetzte Systeme angewiesen, die den
sekundären und tertiären Versorgungsbereich in
einem Krankenhaus professionell und flächendeckend
managen helfen: Das betrifft vor allem Aufgaben und
TECHNOLOGIEN + PRAXIS
-- Erfolgreiche System-
Thordis Eckhardt
Geschäftsbereiche, die nicht zum Kerngeschäft der Medizin zählen, jedoch einen wesentlichen Teil der Wertschöpfungskette in der stationären und ambulanten medizinischen Versorgung abbilden.
oder in sogenannten System- oder
Industriepartnerschaften
mittels
Beteiligungsmodelle gemeinsam zu
erbringen. Auf diese Weise lassen sich
nichtmedizinische Abläufe und Strukturen in Krankenhäusern optimieren und
Bild: UKSH
Sterilgut-Versorgung am
Klinikum Kassel mittels
kosteneffizient
steuern.
Zusätzlicher
Nebeneffekt: Mit den Systempartnern
zusätzliches
Fachwissen
und
spezialisiertes Branchen-Know-how ins
Krankenhaus, welche zu späterer Zeit gegebenenfalls aus eigenen Ressourcen
intern erbracht werden können.
Interessenskonflikte? Sind nicht wirklich sichtbar. Solange sich Systempartnerschaften auf die nichtmedizinischen Versorgungsleistungen beschränken
und mit dem Outsourcing das medizinische Kerngeschäft gestärkt wird, sind
Kooperationen zwischen Medizin und Industrie sicher ein konfliktarmes, trag-
FORSCHUNG + ENTWICKLUNG 5 -- Systemlösung Medizintechnik: Industriepartner
Dräger TGM verantwortet
das Technische Gerätemanagement am UKSH
-- Hochschul-Barometer:
Einrichtungen plädieren
für mehr Nähe zur Wirtschaft
AUS DEN LÄNDERN
6
-- Symbiose Medizin & Industrie: Kernkompetenz vs.
Profitmargen.
Interview mit
Dr. Gerhard
Sontheimer,
CEO Gesundheit Nordhessen Holding AG, Kassel
Ihre Thordis Eckhardt
Chefredakteurin und Herausgeberin |
Wirtschaftsbrief Gesundheit
AUSBLICK | AUSGABE 38
- Recht, Versicherung &
Datenschutz | 16.12.2014
Bild: Gesundheitswirtschaft
Nordhessen
Logistik, Facility Management oder IT an externe Partner zu vergeben
bares Geschäftsmodell der Zukunft.
partnerschaft, „die Vierte“:
Beteiligungsmodell
Vor diesem Hintergrund ist es nur schlüssig, Leistungen wie Einkauf und
gelangt
4
Seite 2
Ausgabe 037 | 02.12.2014 | www.wirtschaftsbrief-gesundheit.de
> UNTERNEHMEN UND MÄRKTE
Geschäftsmodell Systempartnerschaft: Kernkompetenzen bündeln
KLINIKBAU
Zweiter Bauabschnitt
Klinikum Braunschweig
Medizin im Kontext von Effizienz und
Spatenstich für eine neues
Effektivität – ein Widerspruch?
Unter
dem
zunehmenden
Bettenhaus – und Auftakt
Druck
zum Zweiten Bauabschnitt:
der Leistungs- und Kostenoptimierung in
Das Klinikum Braunschweig
Krankenhäusern gehen Kliniken neue
Bild: GNH
Wege – und vermehrt auch Kooperationen mit der Industrie ein.
Das Zusammenspiel der wirtschaftlich sehr unterschiedlich agierenden Akteure läuft auf eine Symbiose der Kernkompetenzen – und somit auf eine Systempartnerschaft – hinaus. „Hersteller werden
zu Entwicklungspartnern für gemeinsam definierte Lösungen, die sie dann im Betrieb begleiten und betreuen“, so Gesundheitsunternehmer Prof. Heinz Lohmann.
„So werden aus Lieferanten Partner, die inhaltlich, prozessual und auch finanziell
die Verantwortung für einen Teil des Behandlungsprozesses übernehmen.“
Systempartnerschaften haben ein klares Ziel: Optimierung der medizinischen Versorgung in den Krankenhäusern durch Konzentration auf das
Kerngeschäft. Die diese Aufgabe begleitenden Dienstleistungsprozesse und Geschäftsbereiche wie Einkauf und Logistik, Bau, Facility Management oder IT – sogenannte Sekundär- und Tertiär-Prozesse – werden an Systempartner aus der
Industrie vergeben oder in Form von Beteiligungsmodellen in gemeinsam gegründeten Gesellschaften gemanagt. Mit dem Partnerschaftsmodell – und entsprechenden Verträgen – geht die operative und die Haftungsverantwortung für
startet im Rahmen seines
„Zwei-Standorte-Konzeptes“
den Bau eines 1.404 Betten
umfassenden Neubaus am
Standort Salzdahlumer Straße. Bauherr ist das Klinikum
selbst. Zum Projektsteuerer
wurde Assmann Beraten +
Planen, Braunschweig, berufen, als Architekten Ludes
Architekten - Ingenieure,
Recklinghausen, verpflichtet.
Das Gesamtkonzept umfasst
ein Investitionsvolumen
von ca. 230 Mio. Euro. Die
Umsetzung soll im Jahr 2020
abgeschlossen sein.
Geräte, Prozesse oder Gebäude an die Industriepartner über. Das Risiko für das
Krankenhaus wird minimiert. „Für ein Krankenhaus oder einen Krankenhausbetreiber sind Medizin und Pflege Kernkompetenzen“, erklärt Dr. Gerhard M. Sontheimer, CEO der Gesundheit Nordhessen AG, Kassel, und Experte in Fragen
Systempartnerschaften im eigenen Haus. „Wir können nicht die fachliche Kompetenz in Breite und Tiefe in IT, Medizintechnik, Sterilisation etc. vorhalten, die eine spezialisierte Industriefirma haben muss. Der Anspruch, alles selbst zu
machen, im Zweifel bis zum Schälen der Kartoffeln in der Küche, ist nicht mehr zeitgemäß, nicht effizient.“
Für Sontheimer sind Industriepartnerschaften ein möglicher Ansatz, notwendige Optimierungen in Krankenhäusern umzusetzen und neue Erlöse zu erwirtschaften. „Mit den Erlösen aus der Krankenversorgung müssen wir verantwortungsbewusst umgehen, deshalb müssen wir möglichst wirtschaftlich sein. Denn wir wollen unseren
eigenen Mitarbeitern angemessene Gehälter zahlen können.“ Und Vorstand Peter Pansegrau vom Universitätsklinikum
Schleswig-Holstein ergänzt im Interview: „Partnerschaftsmodelle können eine adäquate Lösung für Kliniken sein. Je
nachdem, wie Kliniken aufgestellt sind, können sie diese Leistungen auch allein erbringen.“
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Seite 3
Ausgabe 037 | 02.12.2014 | www.wirtschaftsbrief-gesundheit.de
> UNTERNEHMEN UND MÄRKTE
ÖPP: Privates Konsortium realisiert
Bauprojekt und Betrieb des UKSH
SCHLESWIG-HOLSTEIN
Universitätsklinikum baut
für die Zukunft
ÖPP-Projekt im Krankenhausbau: Im Vergabeverfahren um Neubau, Sanie-
Start eines 520-Mio.-Euro-
rung und Betrieb der insgesamt 41 Kliniken des Universitätsklinikums Schleswig-
Bauprojektes in Schleswig-
Holstein (UKSH) hat das private Konsortium um den Krankenhaus-Dienstleister
Holstein: Das Universitäts-
Vamed Deutschland, Berlin, und das Bauunternehmen BAM Deutschland,
klinikum des Landes wird ab
Stuttgart, den Bieter-Zuschlag erhalten. Das Vertragsvolumen über eine
2015 grunderneuert und
Laufzeit von 30 Jahren beträgt 1,7 Mrd. Euro.
zentralisiert. Insgesamt
21 Kliniken am Campus Kiel
und 20 Kliniken am Cam-
Bilder: UKSH
pus Lübeck mit ca. 255.300
qm Nutzfläche werden bis
zum Jahr 2021 renoviert,
neu- und umgebaut. Ziel des
Geplante Haupteingänge am Campus Kiel und Campus Lübeck (v.l.)
baulichen Masterplans des
Die Kosten der öffentlich-privaten Partnerschaft (ÖPP) schultern zu 75% das UKSH
größten Universitätsklinikums
und zu 25% Vamed und BAM. Beide Unternehmen haben gemeinsame Tochterun-
des Nordens ist die Ausrich-
ternehmen gegründet, die in zwei Bauarbeitsgemeinschaften das Planen, Bauen
tung auf eine zukunftsfähige
und Errichten der Immobilien sowie den technischen Betrieb der Einrichtungen
Maximalversorgung. Der
übernehmen: BAM zeichnet für die Bauvorhaben verantwortlich, Vamed für die
Acht-Punkte-Plan sieht eine
Projektsteuerung und die Planung der Medizintechnik. Insgesamt werden 120.000
interdisziplinäre Notaufnah-
qm Netto-Nutzfläche neugebaut, darunter 26 OPs an den Standorten Kiel und
me, Zentral-OP, Intensiv-
Lübeck sowie zwei Zentralsterilisationen, welche anschließend von Vamed ausge-
und Normalpflege, Logistik,
stattet und an den Betreiber vermietet werden.
Ambulanzzentrum, Diagnostik
Die Refinanzierung soll über eine Pauschal-Vergütung der technischen Betriebs-
und Energieoptionspakete vor.
Geheimnisse im Interview
Wer kennt wen in der weit verzweigten Landschaft der Gesundheitswirtschaft im
Norden Deutschlands? In Niedersachsen, Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein
und Mecklenburg-Vorpommern arbeiten über 2,31 Mio. Menschen in dieser
Branche. Wir stellen Macher und Unternehmen vor. Heute: Thomas Bade, CEO
iF Universal Design+Service GmbH, Hannover
Kurz gesagt: Womit beschäftigt sich Ihr Unternehmen?
Wir beschäftigen uns mit der Thematik des Universal Design, also Produkten, Archi-
Bild: iF Universal Design
führung erfolgen. Das UKSH plant die Refinanzierung über die Effizienz-Rendite.
Thomas Bade, CEO
iF Universal Design+Service GmbH,
Hannover
tekturen und Dienstleistungen, die von möglichst vielen Menschen - Jung bis Alt - sinnvoll und sicher genutzt werden können.
Was unterscheidet Ihr Unternehmen vom Wettbewerb?
Im Vergleich zu vielen Design-Organisationen verstehen wir uns als Anwälte der Nutzer und Gestalter, die deren Interessen mit Wirtschaft, Health & Care und Wissenschaft vernetzen. Einen besonderen Schwerpunkt sehen wir in der
Akzentuierung des Universal Design in der Gesundheitswirtschaft.
In welcher Position sehen Sie sich oder Ihr Unternehmen in fünf bis zehn Jahren?
Wir werden in zehn Jahren die internationale Design-Plattform zum demographischen Wandel sein.
Ihr Wunsch an die Kollegen Ihres Berufsstandes?
Munter werden, munter bleiben und vor allem: Haltung zeigen.
Mit wem würden Sie gern einmal zum Abendessen gehen und warum?
Mit dem Sozialhelden Raul Krauthausen. Einem engagierten und emphatischen Multitalent. Vielleicht bekomme ich eine
persönliche Lesung zwischen Aperitif und Vorspeise aus seinem Buch: „Dachdecker wollte ich eh nicht werden“.
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Ausgabe 037 | 02.12.2014 | www.wirtschaftsbrief-gesundheit.de
> TECHNOLOGIEN UND ANWENDUNGEN
Wirtschaftliche Reserven heben:
Sterilgutversorgung mit Partnern
SYSTEMPARTNERSCHAFT
Vorteile des Kooperati-
Modernes Krankenhausmanagement: Die Konzentration auf das Kerngeschäft der medizinischen Versorgung lässt die Gesundheit Nordhessen
Holding AG (GNH), Kassel, neue Wege im Management der Sekundärund Tertiärprozesse
sellschaft als umsatzsteuerliche Organschaft vermeidet
 Die Mitarbeiter der GNH
häusern der Grup-
wurden durch einen Teilbe-
pe gehen. Sie setzt
triebsübergang nach §613a
dabei auf das Modell
BGB in die Service-Gesell-
Industriepart-
schaft übernommen.
nerschaften – mittBild: GNH
lerweile bereits „die
Vierte“ (siehe Interview Seite 6).
Für Dr. Gerhard M. Sontheimer, Vorstandsvorsitzender der GNH seit 2005, sind
partnerschaftliche Kooperationen mit der Industrie Tagesgeschäft. Sie bieten die
Möglichkeit, Struktur- und Prozess-Optimierungen im Krankenhaus vorzunehmen
und gleichzeitig eine hohe Qualität in der Patientenversorgung und -sicherheit zu
gewährleisten. Das Konzept heißt: „Alles aus einer Hand mit definierter
Versorgungsqualität – Gebäude, Geräte, Personal und Prozesse“.
 Gemeinsame Service-Ge-
die Umsatzsteuer.
in den vier Kranken-
von
onsmodells GNH + Vamed
Beispiel: Sterilgutversorgung. Die GNH ist bei der Sterilgutversorgung
eine Kooperation mit dem Krankenhaus-Dienstleister Vamed eingegangen. Für
das Konzept der Sterilgutversorgung wurde eine gemeinsame Service-Gesellschaft
mit definierten Verantwortlichkeiten gegründet: die Casalis Facility Services. Ziel
sind der Bau und Betrieb einer neuen, vollständig autarken Zentralsterilisation für das Klinikum Kassel – unter externer operativer Betriebsführung, einheitlicher disziplinarischer und fachlicher Personalführung und
 Der komplette Betrieb
wird in Vollkosten gerechnet. Kosten zwischen
Betreiber und Krankenhaus
werden nicht gemischt.
 Basis des Konzepts:
Jahrespauschale (Flat-Rate).
 Nutzen: wesentliche
Vorteile hinsichtlich Qualität
der Leistung und Betriebssicherheit; nur geringe
Preis-Vorteile.
BAU
Eckdaten der neuen ZSVA
am Klinikum in Kassel
 Bau: 8/2014 bis 8/2015
Zentralen Sterilgutversorgungsabteilung (ZSVA) im Rahmen einer Organschaft
 Gesamtfläche: 900 qm;
mit Beteiligung eines Externen haben wir mittels Vertragsgestaltung minimiert,
Innenfläche: ca. 1.300 qm
u.a. durch Haftungsregeln, Vertragsstrafen, Ausfallkonzepte und Ausstiegszenari-
Ausstattung:
en bei Reklamationen oder Schadensfällen.“
 3 Reinigungs- und Des-
Bild: GNH
mit optimaler Infrastruktur. Dr. Sontheimer: „Die Risiken der Betreibung der
Und so funktioniert das Kon-
infektionsgeräte (RDG) mit
zept „Alles aus einer Hand“
einer Zwei-Kammer-Anlage
der GNH: Die operative Betriebs-
(pro RDG 15 Waschsiebe)
führung der Gesellschaft obliegt
 2 Containerwaschanlagen
dem Systempartner. Er baut die
(gleichzeitig Ausfallgeräte
ZSVA über einen Erbbaurechts-
RDG)
vertrag auf einem Grundstück
 4 Dampfsterilisatoren
des Klinikums Kassel und vermie-
(8 STE). Besonderheit: Con-
tet sie anschließend als vollstän-
tainer werden ohne Trans-
dig autarke Aufbereitungseinheit an die Servicegesellschaft. Ferner stellt der
portwagen automatisch in
Partner technisches Know-how und Personal – mit eigenem Risiko. Das Klinikum
den Sterilisator gezogen.
Kassel wiederum bringt seine Mitarbeiter in die Service-Gesellschaft ein, liefert
Aufträge und Kunden-Know-how. Die Steuerung und Kontrolle von Casalis liegt
in den Händen der Gesundheit Nordhessen; der von ihr gestellte Geschäftsführer ist alleinvertretungsberechtigt.
Fazit: Klare Verantwortungen, reduzierte Schnittstellen und gegenseitige Kontrolle lassen Industriepartnerschaften
zum Erfolgsmodell für Krankenhäuser werden. Sontheimer: „Das Management eines Krankenhausbetriebes erfordert Entscheidungsfreiheit.“ Freiheit, die es erlaubt, wie „Kaufleute zu denken“, so der Mediziner weiter. Das GNH
plant bereits, die ZSVA auch zur Versorgung externer Kliniken zu nutzen.
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Ausgabe 037 | 02.12.2014 | www.wirtschaftsbrief-gesundheit.de
> FORSCHUNG UND ENTWICKLUNG
Symbiose Medizin und Industrie:
Know-how und Personal verstärken
KOOPERATIONEN
Hochschulen suchen die
Nähe zur Wirtschaft
Dienstleistungen einkaufen, Know-how bereitstellen, Personal vorhalten
Hochschulen sind am
– unter diesen Aspekten lässt sich der Vorteil von Industrie- und Systempartner-
weiteren Ausbau der Zusam-
schaften zusammenfassen. Verkürzt und verallgemeinert.
Der Grund: Die Entscheidungen
für
Partnerschaftskonzepte
menarbeit mit der Wirtschaft
interessiert: Konkret plä-
zwischen
dieren 93% der Einrichtun-
Krankenhäusern und Industrieunter-
gen für mehr Aufträge aus
nehmen hängen nach Einschätzung
der Wirtschaft, für mehr
von Peter Pansegrau, kaufmänni-
Forschungskooperationen
Bild: UKSH
scher Vorstand des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH)
von internen Faktoren ab. „In der Fläche sind Systempartnerschaften sicher
und Hochschulpräsidenten
Einsatzgebiet ist stark abhängig von finanziellen und organisatorischen
Deutschlands im Rahmen
Gründen, Potentialen und Defiziten, die in den einzelnen Krankenhäusern
des aktuellen Hochschul-
als relevant angesehen werden.“ In der Regel kämen Kooperationsmodelle
Barometers.
dort zum Tragen, wo der „weiße“, also medizinische Bereich, ausgespart bliebe.
Gründe für
Für das UKSH, das seit 2010 in insgesamt drei Sys-
Kooperation-
tempartnerschaften, zwei davon Beteiligungsmodelle, operiert,
en lägen in
stand der Import tertiärer Leistungen in der IT, im Service und
der zusätz-
Bild: UKSH
in der Medizintechnik im Fokus. Pansegrau: „Um die Bedarfe der
lichen Finan-
Anspruch.“ Beispiel: Systemlösung Medi-
zintechnik – ein Bereitstellungsmodell mit Dräger TGM. Das
Lübecker Unternehmen erbringt für das UKSH herstellerübergreifende Dienstleistungen im Bereich des technischen Gerätemanagements auf der Intensivstation. Das Unternehmen
ist für Service, Reparatur und Instandsetzung von 46.000 bis
60.000 Medizingeräten verantwortlich, inklusive Prüfung der gesetzlichen Auflagen und Kontrolle der Messtechnik. Für Bern-
Bild: Drägerwerk AG & Co. KGaA
Krankenversorgung zu erbringen, muss das UKSH eine Vielzahl
Peter Pansegrau
Das ergab eine UmfraBerlin, unter allen Rektoren
dung, z. B. IT, Services, Medizintechnik, Facility Management, Verwaltung. Das
gen zu erbringen, nehmen wir auch die Kompetenz Dritter in
Stiftungsprofessuren.
ge des Stifterverbandes,
ein verbreitetes Modell. Sie unterscheiden sich nur in den Bereichen der Anwen-
nichtmedizinischer Leistungen vorhalten. Um hier Bestleistun-
und die Einrichtung neuer
zierung von
Forschungsaktivitäten, im
Wissenstranfer und in der
Verbesserung der Berufsperspektiven von Absolventen. Die Forschungsfreiheit
sehen die Hochschulen
durch eine Zusammenarbeit
nicht gefährdet.
Bernhard Schenk
hard Schenk, Leiter Geschäftsfeld Dräger TGM, eine komplexe Aufgabe, die auch Beratungs- und Serviceleistungen
wie die Neubeschaffung elektrisch betriebener Medizingeräte, u. a. Laborsysteme, MRTs oder CTs, beinhaltet; im Schnitt
liegt die Neubeschaffungsquote bei ca. 7,5 bis acht Prozent. Weitere Leistungen: „Wir bringen unser medizintechnisches
Know-how ein, stellen ca. die Hälfte des medizinischen Personals, bündeln Verträge, straffen den Einkauf, beispielsweise
durch Mengenpooling, und schulen die Kollegen der Medizintechnik aus dem UKSH.“
Leistungen und Know-how, dass das UKSH als Kernkompetenz in diesem Umfang nicht vorhält. „Ein
qualitativer und quantitativer Mehrwert“, findet UKSH-Vorstand Pansegrau. „Der Input unseres Systempartners hat
im Bereich Medizintechnik zu neuen Ordnungsstrukturen in der Dokumentation und in den Abbildungsprozessen der
Buchhaltung und in der Folge zu einer Kostentransparenz geführt, die eine stringente strategische Investitionsplanung
bei knappen Ressourcen ermöglicht.“ Kostenpunkt und Nutzen für den Industriepartner? Die Leistungsvergütung
im Rahmen des Partnerschaftsmodells „Bereitstellung der Medizintechnik und technisches Gerätemanagement (TGM)
für medizintechnische Anlagen“ zwischen dem UKSH und Dräger TGM orientiert sich an den Anschaffungskosten der
Medizingeräte. Bernhard Schenk: „Die marktüblichen Werte liegen bei fünf bis sieben Prozent der Gesamtinvestition
im Krankenhaus.“ Zum Vergleich: Die Medizintechnik nimmt innerhalb der Gesamtbewirtschaftungskosten eines
Krankenhauses 1,5% ein.
Bild: Stifterverband
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Ausgabe 037 | 02.12.2014 | www.wirtschaftsbrief-gesundheit.de
> AUS DEN LÄNDERN
Kernkompetenz und Profitmargen: „Es kommt auf
höchste Qualität an, nicht auf Kostenersparnis.“
Die Gesundheit Nordhessen Holding AG (GNH), Kassel, setzt seit sieben Jahren auf Industriepartnerschaften – und das mit
nachhaltigem Erfolg zu beiderseitigem Nutzen. Wirtschaftsbrief Gesundheit (WIB) sprach mit dem VorstandsvorsitBild: Gesundheit Nordhessen
zenden der GNH, Dr. med. Gerhard M. Sontheimer, über Strategien und Konzepte von Systempartnerschaften.
WIB: Worin besteht der Nutzen der Industriepartnerschaft für die GNH?
Dr. Sontheimer: Industriepartnerschaften sind weit mehr als eine Lieferanten-Kunden-Beziehung. Der
Partner übernimmt für einen längeren Zeitraum definierte Verantwortung für die Beschaffung, Installation und Wartung von Technik sowie die Schulung von Mitarbeitern inklusive der Verpflichtung, die Technik
stets auf dem aktuellen Stand zu halten. Der Industriepartner übernimmt damit auf Zeit die Verantwortung für einen Teil der Wertschöpfungskette. Er kann nicht am Anfang des Zeitraumes eine „Profitmarge“
kalkulieren, aber er hat langfristig auch Sicherheit. Gleichzeitig können wir uns auf den Lieferanten verlassen und uns auf unsere Kernkompetenzen, nämlich Medizin und Pflege, konzentrieren.
Dr. Sontheimer
WIB: Sie begannen mit einer Systempartnerschaft im Bereich Radiologie, dann Elektromedizin und Logistik und gehen nun das Thema Sterilgut-Versorgung an. Welche Gründe gibt es für diese Reihenfolge?
Dr. Sontheimer: Wir haben im Jahr 2006 nicht nur einen Masterplan für die Gebäude unserer Krankenhäuser erstellt,
was zum Beispiel zur überwiegenden Erneuerung der Bausubstanz des Klinikums Kassel geführt hat. Wir haben auch
überlegt, wie wir die überalterte Technik möglichst zügig und ohne Einsatz von Eigenkapital ersetzen können. Alles
auf einmal erschien uns zu komplex. Wir entschieden uns für ein dreistufiges Vorgehen: zunächst bildgebende Diagnostik, vor allem Großgeräte in Radiologie, Kardiologie und den OPs, dann Elektromedizin – also alles weitere ohne
IT – und in einem dritten Schritt Informations- und Kommunikationstechnik. Zwischendurch haben wir uns noch den Themen Logistik und Sterilisation gewidmet; insgesamt haben wir vier Technologiepartnerschaften umgesetzt.
WIB: Planen Sie eine fünfte Industriepartnerschaft?
Dr. Sontheimer: Wir arbeiten seit drei Jahren an einer Technologiepartnerschaft zum Thema IT. Was wir erkannt haben,
ist, dass der Markt nicht bereit ist für eine vollständige Vergabe von IT-Infrastruktur, dem Betreiben der Applikationen, dem
Projektmanagement und der Weiterentwicklung der IT. Wir werden also ein Hybridmodell umsetzen, bei dem ein Teil der Verantwortung bei uns verbleibt, ein Technologiepartner aber die Gesamtverantwortung für große Teile des Betriebes übernimmt.
WIB: Sie kooperieren ausschließlich mit Marktplayern. Warum?
Dr. Sontheimer: Ein Technologiepartner übernimmt wesentliche Teile der Wert-
Bild: VAMED
schöpfung. Unser Betrieb und auch unsere Wirtschaftlichkeit hängen deshalb in
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hohem Maße von der Qualität der Arbeit des Indus-
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Partner, also in der Regel große Firmen, die schon
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lange am Markt sind und die Branche kennen. Das
gesundheit.de
Risiko, das auch für den Partner in dem gemeinsamen Projekt liegt, darf den Partner wirtschaftlich
nicht gefährden. Dazu braucht man eben Größe.
Der Wirtschaftsbrief
Gesundheit wird Ihnen
mit Ihrem Einverständnis
WIB: Welche sind die drei wesentlichen Punkte, die Krankenhäuser bei der
zugesandt. Abbestellen
Initiierung von Industriepartnerschaften beachten sollten?
können Sie Ihn hier.
Dr. Sontheimer: Detaillierte Planung mit Festlegung der eigenen Ziele, die über
die Industriepartnerschaft erreicht werden sollen, hinreichende eigene Profitabilität und Liquidität, um das Projekt stemmen zu können, ausreichende Größe,
um auch Skaleneffekte für den Industriepartner realisieren zu können. Der Fokus
darf meiner Meinung nach nicht darauf liegen, Kosten sparen zu wollen, sondern
darauf, höchste Qualität beim Einsatz desselben Aufwandes zu erreichen. Wenn der
Aufwand dann auch noch etwas sinkt, erzielt man einen doppelten Vorteil.
WIB: Dr. Sontheimer, wir danken Ihnen für das Interview.
Wirtschaftsverlag Gesundheit GmbH ist eingetragen
beim Amtsgericht Braunschweig unter HRB 204151.
Vertretungsberechtigte
Geschäftsführende Gesellschafterin: Thordis Eckhardt
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