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F - Wirtschaftsbrief Gesundheit

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®
M&A in der Gesundheitsbranche:
der Markt ruckelt & ordnet sich neu
Ausgabe 038 | 16.12.2014
UNTERNEHMEN + MÄRKTE 2 | 3
-- Fusionen & Übernahmen:
M&A-Deals in der Gesundheitsbranche nehmen an
Fahrt auf
Liebe Leser,
-- Medizinische
Bildgebung:
Fusionen, Übernahmen, Mega-Deals – die
Durchbruch in
Gesundheitsbranche durchlebt turbulente Zeiten:
der Tomografie
Pharma-Unternehmen, MedTech-Firmen, Krankenhäu-
– Award für
ser, Kassen und Versicherungen kaufen und verkaufen
Prof. Thorsten M. Buzug
Thordis Eckhardt
Die Gründe für M&A-Transaktionen mögen im Einzelnen spezifisch sein, im
Kern sind sie zumeist auf sinkende Umsätze, mangelnde Produkt-Innovationen
oder verschlafende Investitionen zurückzuführen. Was auf den ersten Blick tragisch erscheint – revolutioniert Unternehmen und Märkte oftmals in der Rückblende. Beispiel: Der Merger des Jahres 2014 – die Übernahme von zwei
Drittel der Assets und Tochterunternehmen der Rhön-Klinikum AG durch die
HELIOS Kliniken GmbH.  Interview Seite 3-4
TECHNOLOGIEN + PRAXIS
4
-- Merger des Jahres 2014
im Kliniksektor: Rhön +
Fresenius – M&A-Anwalt
Dr. Henning Schneider
von LATHAM & WATKINS,
Hamburg, begleitet den
Mega-Deal – ohne Blaupause
Bild: LATHAM & WATKINS
Assets oder ganze Firmen, schmieden Allianzen oder
bündeln Kerngeschäfte.
Überhaupt stellt sich die Frage, welche Rolle genau Rechtsanwälte in den vielfältigen Prozessen der Gesundheitsbranche spielen – auf wessen Seite sie stehen und wo das Recht in der Medizin beginnt und wo es endet.  Interview
Seite 5
Vor diesem Hintergrund ein Blick in die Zukunft: Das Jahr 2015 bringt erneut
Änderungen in Recht, Versicherung und Pflege. Auch hier lohnt sich ein Blick
hinter die Kulissen.  Neuheiten auf Seite 6
Ganz im Zeichen des Jahres 2015 steht auch der Wirtschaftsbrief Gesund-
heit: Wir werden ab Januar mit einem ausgebauten, kostenpflichtigen OnlinePortal starten – und Sie mit tagesaktuellen News und Informationen aus der
Gesundheitswirtschaft versorgen. Seien Sie mit dabei – gestalten wir das Jahr
2015 wieder gemeinsam erfolgreich.
Entspannte XMAS –
Bild: Thordis Eckhardt
Bild: Universität zu Lübeck
www.wirtschaftsbrief-gesundheit.de
und einen erholten Start ins Neue Jahr wünscht
Ihr Redaktionsteam vom
Wirtschaftsbrief Gesundheit
Thordis Eckhardt und Stefan Boysen
FORSCHUNG + ENTWICKLUNG 5 -- Das Recht in der Medizin:
Anwälte im Dienst von
Patienten und Ärzten:
Interview mit Dr. Thomas
Motz, Lübeck
AUS DEN LÄNDERN
-- Das Jahr 2015: neue
Änderungen in Recht,
Versicherung & Pflege
AUSBLICK | AUSGABE 39
- Investments & Finanzierungen | 27.01.2015
6
Seite 2
Ausgabe 038 | 16.12.2014 | www.wirtschaftsbrief-gesundheit.de
> UNTERNEHMEN UND MÄRKTE
Das Recht auf Fusionen & Übernahmen: Gesundheitsbranche dealt
MEDIZINISCHE BILDGEBUNG
High-Tech Award 2014 für
„Medical Imaging“
Der Markt ist in Bewegung. Im
Hohe internationale Auszeich-
Großen wie im Kleinen – von der
Branche bis zum Markt der Krankenkassen,
Versicherungen
und
mittelständischen Unternehmen:
Fusionen, Übernahmen und Zukäufe
nung auf dem Gebiet des
Bild: Ernst & Young
Pharmabranche über die MedTech-
„Medical Imaging“: Prof. Dr.
Thorsten M. Buzug, Direktor des Instituts für Medizintechnik der Universität zu
Lübeck, ist für seine Arbeit
im Medizinsektor bestimmen zuneh-
zur neuesten medizinischen
mend das Marktgeschehen.
Bildgebung gegen Brustkrebs
Allein für die Pharma-Branche hat die Unternehmensberatung Ernst &
mit dem „German High-Tech
Young in einer Studie ein Transaktionsvolumen von 265 Mrd. Dollar für das Jahr
Champion Award 2014“ der
2014 prognostiziert – mehr als in den drei vergangenen Jahren. Gründe hierfür
Radiological Society of North
seien sinkende Umsätze und zurückhaltende Zukäufe in der Vergangenheit. Nun
America (RSNA) ausgezeich-
stehen die Unternehmen unter Innovationszwang. Ein Beispiel: Der Mega-Deal
net worden. Buzug hatte
zwischen dem Schweizer Pharmaunternehmen Novartis, dem US-Konzern Eli Lilly
einen Tomografen ent-
und der britischen GlaxoSmithkline.
wickelt, der dynamische
Der Krankenhaus-Sektor wiederum stand 2014 ganz im Licht des in dieser
Prozesse im Körper auch
Größenordnung bislang einmaligen M&A-Deals der RHÖN-Klinikum AG mit der
während des Verlaufes
zum Fresenius-Konzern gehörenden HELIOS Klinken GmbH. Transaktionsvolu-
von Eingriffen in hoher
men: 3 Mrd. Euro (siehe S. 3-4).
bildlicher und zeitlicher
Auch im Markt der Krankenkassen ist ein Trend zur Konzentration durch
Auflösung abbildet – und
Fusionen ersichtlich. Erinnert sei an die Drei-Kassenfusion von DAK, BKK Gesund-
dabei ohne Strahlenbelas-
heit und BKK Springer zur DAK-Gesundheit, der heute drittgrößten Krankenkasse
tungen auskommt.
Deutschlands, aus dem Jahr 2012.
Geheimnisse im Interview
im Norden Deutschlands? Wir stellen Macher und Unternehmen vor.
Heute: Ivonne Brylczak, Partner
areal:wert Grundstückssachverständige
Dr. Rabbel & Brylczak Partnergesellschaft, Braunschweig
Kurz gesagt: Womit beschäftigt sich Ihr Unternehmen?
Unser Kerngeschäft ist die Bewertung von Immobilien jeglicher Art, inklusive Sozialimmobilien und speziell Pflegeeinrichtungen für die Kreditwirtschaft, für Privat- und
Bild: areal:wert
Wer kennt wen in der weit verzweigten Landschaft der Gesundheitswirtschaft
Ivonne Brylczak, Partner
areal:wert Grundstückssachverständige
Dr. Rabbel & Brylczak Partnergesellschaft,
Braunschweig
Firmenkunden.
Was unterscheidet Ihr Unternehmen vom Wettbewerb?
Wir verfügen über diverse Qualifizierungen (Öffentliche Bestellung, HypZert, MRICS) mit jahrelanger Erfahrung, guter
Vernetzung und nationaler und internationaler Tätigkeit.
In welcher Position sehen Sie sich oder Ihr Unternehmen in fünf bis zehn Jahren?
Wir sehen uns als ersten Ansprechpartner in Immobilienfragen, insbesondere bei Sozialimmobilien, und weiterhin ein
umfangreiches sowie nationales und internationales Aufgabenfeld.
Ihr Wunsch an die Kollegen Ihres Berufsstandes?
Gewissenhafte und qualitativ hochwertige Gutachten fertigen, um den Ruf der Sachverständigen weiter zu fördern.
Mit wem würden Sie gern einmal zum Abendessen gehen und warum?
Mit Thomas Müller, um mit ihm über den FC Bayern und Fußball zu fachsimpeln.
Seite 3
Ausgabe 038 | 16.12.2014 | www.wirtschaftsbrief-gesundheit.de
> UNTERNEHMEN UND MÄRKTE
Mega-Deal Krankenhaus-Transaktion: die Rolle der
Anwaltskanzlei beim M&A Deal Rhön – Fresenius
Bild: LATHAM & WATKINS
Sie gilt als die größte Transaktion im europäischen Gesundheitsmarkt 2013/2014: die Fusion der börsennotierten RHÖNKLINIKUM Aktiengesellschaft mit der zum Fresenius-Konzern
gehörenden HELIOS Klinken GmbH. Transaktionsvolumen: 3 Mrd.
Euro. Mit dem Erwerb von 43 Akut- und Reha-Kliniken sowie 15
medizinischen Versorgungszentren avancierte Fresenius zum
größten flächendeckend operierenden privaten KrankenhausbeDr. Henning C. Schneider
treiber Deutschlands.
Wirtschaftsbrief Gesundheit (WIB) sprach mit dem Partner der internationalen Kanzlei Latham & Watkins
LLP, Hamburg, Dr. Henning C. Schneider, der den Deal mit seinem Team federführend begleitete.
WIB: Dr. Schneider, Fusionen im Gesundheitsmarkt, speziell im Klinik-Sektor, sind stark interessensgeleitet. Worin bestanden die größten Herausforderungen bei der M&A-Transaktion?
Dr. Schneider: Hier gab es eine Reihe von Herausforderungen. Angesichts der Größe der Transaktion und der Börsennotierung unserer Mandantin, der Rhön-Klinikum AG, waren viele komplexe rechtliche und wirtschaftliche Aspekte, zum
Beispiel die Bewertung und Festlegung des angemessenen Kaufpreises, zu beachten. Bislang hatte es im Markt noch nie
einen so umfangreichen Deal zwischen zwei Krankenhäusern gegeben. Es gab zudem einen sehr sportlichen Zeitplan,
den alle Beteiligten unbedingt einhalten wollten und der auch eingehalten wurde. Auch sind wir alle ein wenig stolz,
dass es gelang, die Transaktion in der sensiblen Anfangsphase über wenige Monate hinweg vertraulich zu halten. Wir
arbeiteten hier in einem sehr kleinen Kreis von Vorständen und Anwälten.
WIB: Welche Aufgabe kam Ihrer Anwaltskanzlei in diesem M&A-Prozess zu?
Dr. Schneider: Wir wurden von unterschiedlichen Stellen empfohlen und hatten bereits lange vor Beginn der TransBild: Fresenius SE & Co. KGaA
aktion gut etablierte Kontakte zu einer Reihe der beteiligten Personen und Organe. Bei dieser Transaktion waren
auf anwaltlicher Ebene insbesondere gefragt: M&A-Erfahrung, Expertise im Gesellschafts-, Übernahme- und Aktienrecht sowie eine profunde Kenntnis der Gesundheitsbranche. Ich
selbst berate seit knapp 20 Jahren bei größeren M&A-Transaktionen,
insbesondere auch im Healthcare- und Lifescience-Bereich. Unsere
Wettbewerber sind bestimmt in einzelnen Bereichen genauso gut
oder vielleicht sogar besser als wir, aber in dieser Kombination konnte offenbar keine andere Kanzlei alle genannten Bereiche so optimal
abdecken wie Latham & Watkins.
WIB: Um welche juristischen, wirtschaftlichen und medizinischen Versorgungs-Themen ging es konkret?
Dr. Schneider: Hier gab es eine Vielzahl von Themen und Gründen für die Transaktion. Faszinierend ist insbesondere,
dass hier erstmalig ein wirklich flächendeckend operierender Krankenhausbetreiber entstand, der natürlich ein ganz
anderes, besseres medizinisches Angebot vorhalten kann. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang natürlich auch
das von Herrn Eugen Münch (Gründer der Rhön; Anm. d. Red.) initiierte Versorgungsnetzwerk, das mit der Transaktion
nun umgesetzt werden konnte. Rhön kann sich nun insbesondere mit dem Universitätsklinikum Giessen-Marburg auf die
Spitzenmedizin konzentrieren. Der Umstand, dass mit der Bekanntgabe der Transaktion beide Kurse, also von Verkäufer
und Käufer, deutlich gestiegen sind, zeigt, dass auch der Markt den Sinn der Transaktion verstanden hat – aus meiner
Sicht eine eher ungewöhnliche Win-Win-Situation. Mit der BaFin standen wir immer in engem und gutem Kontakt, die
Deutsche Börse hat die Transaktion ebenfalls unterstützend begleitet. Und auch das Bundeskartellamt hatte ja keine
grundlegenden Bedenken, sondern hat vielmehr die von uns angemeldete Transaktion dann ebenfalls freigegeben.
WIB: Wie und in welchem Umfang konnten Sie die Interessenkonflikte final zufriedenstellend lösen?
Dr. Schneider: Ich denke, hier gab es keine grundlegenden Interessenkonflikte. Vielmehr war die Transaktion klar
im Interesse sowohl der Aktionäre von Rhön, also auch von Fresenius. Dies zeigen auch die Aktienkurse. Viele der
angedrohten Störfeuer konnten gelöscht werden oder sind von selbst erloschen, da Zweck und Struktur der Transaktion am Ende auch die meisten Kritiker vollends überzeugen konnten. Mit dem kürzlich erfolgreich abgeschlossenen
Seite 4
Ausgabe 038 | 16.12.2014 | www.wirtschaftsbrief-gesundheit.de
> TECHNOLOGIEN UND ANWENDUNGEN
„Die Aktionäre sind die Gewinner“
Fusionen und Übernah-
Interview-Fortsetzung von Seite 3:
Aktienrückkaufprogramm haben nun auch die Aktionäre entscheiden können, ob
und in welchem Umfang sie bei Rhön investiert bleiben oder eben unmittelbar am
Bild: LATHAM & WATKINS
Transaktionsgewinn partizipieren wollen.
Dr. Henning C.
Schneider
MEDTECH
men stark gestiegen
Das Volumen der Fusionen
und Übernahmen in der
MedTech-Branche ist um
WIB: Verlierer der Transaktion schienen die Aktionäre
135% auf 85,6 Mrd. US-
zu sein, denn die Hauptversammlung mußte dem Deal
Dollar gewachsen. Das
nicht zustimmen. Ihre Kanzlei entwickelte ein Buyback-
ergab eine Befragung der
Programm – als „Wiedergutmachung“ ?
Unternehmensberatung
Dr. Schneider: Da muß ich Ihnen widersprechen. Die Ak-
Ernst & Young, Schweiz, in
tionäre sind hier, angesichts des gestiegenen Aktienkurses
165 Unternehmen, die auf
und des erfolgreich mit der Deutschen Börse durchgeführten
den Ergebnissen des im Juni
Rückkaufprogramms, der klare Gewinner. So sieht es jeden-
2014 endenden Zwölf-Mo-
falls der Markt. Und ich denke, so sieht es auch die ganz überwiegende Mehrheit
nats-Zeitraums beruht. Die
der Aktionäre.
Unternehmen konzentrieren
WIB: Für die erfolgreiche M&A-Transaktion „Rhön- / Helios-Kiniken“
wurde Ihre Kanzlei von der Financial Times als „most innovative firm in
Corporate & Commercial“ 2014 ausgezeichnet - und Sie persönlich als
„TOP 10 Most Innovative Lawyer in Europe“. Was machen Sie besser als
Ihre Anwaltskollegen?
sich auf Akquisitionen, mit
denen sie Know-how für einzelne Krankheiten erweitern
oder die Regional-Präsenz
verstärken.
Dr. Schneider: Wir haben uns früh für die Branche entschieden und hier eine
sehr umfassende Expertise aufgebaut. Wir beraten in der Branche in allen rechtlichen Bereichen, z.B. M&A, Gesellschaftsrecht, Regulatory, Arbeitsrecht, Immobilien, Steuern und Vergaberecht. Und wir beraten seit vielen Jahren alle
wichtigen Player: von der öffentlichen Hand (beispielsweise bei Privatisierungen) über die Krankenkassen und Krankenhaus- und Pflegeheimbetreiber sowie Medizinprodukte-Hersteller bis hin zu Private Equity und anderen Finanzinvestoren, die in die Branche investieren wollen. Wir sind daher nicht nur gut vernetzt und bekannt, sondern wir wissen
eben auch, wie unsere Verhandlungspartner „auf der anderen Seite“ des Tisches denken und welche Sensibilitäten dort
bestehen. Diese Kombination erlaubt es uns, dass wir über das rein Rechtliche hinaus beraten können, also strategische,
medizinische und kaufmännische Rahmenbedingungen gründlicher kennen und verstehen.
WIB: Ihr Tip an ambitionierte Junganwälte, die Mega-Deals in der Gesundheitsbranche begleiten wollen?
Dr. Schneider: Ganz einfach, wenn sie nicht nur „ambitioniert“, sondern auch noch richtig gute Rechtsanwältinnen
oder Rechtsanwälte sind: Dann sollen sie einfach zu uns kommen.
Wirtschaftsbrief Gesundheit: Dr. Schneider, wir danken Ihnen für das Gespräch.
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Ausgabe 038 | 16.12.2014 | www.wirtschaftsbrief-gesundheit.de
> TECHNOLOGIEN UND ANWENDUNGEN
Das Recht in der Medizin: Anwälte
im Dienst von Patienten und Ärzten
Recht, Versicherung, Datenschutz: Auf Medizinrecht spezialisierte
Anwälte stehen in der Gesundheitswirtschaft auf allen Seiten – ihre
Mandanten sind Patienten und Mediziner, Krankenkassen und Versicherer. Wirtschaftsbrief Gesundheit (WIB) sprach mit Dr. Thomas Motz
von der Anwaltssozietät Dr. Bergmann, Lübeck, über Mandanten und
Bild: Anwaltssozietät
Dr. Bergmann
Rechtsfragen.
Thomas Motz
DATENSCHUTZ
FINSOZ veröffentlicht
IT-Compliance-Guideline
IT-Risiken erkennen und
rechtskonform handeln
–Unternehmen der Sozialwirtschaft steht erstmals
eine IT-Compliance-Guideline zum rechtssicheren und
Dr. Motz, Sie sind als Anwalt auf Medizinrecht speziali-
geschützten Betrieb hausin-
siert. Worum geht es beim „Recht in der Medizin“?
terner Informationssysteme
Dr. Motz: Beim Medizinrecht handelt es sich um eine Quer-
zur Verfügung. Hintergrund:
schnitts-Materie. Die meisten Menschen denken dabei an das
Einrichtungen und Träger
Thema „Arztfehler“. Das spielt sicherlich eine Rolle, im Kern
der Sozialwirtschaft wie
geht es jedoch um Arzthaftungsrecht, Berufsrecht oder Ver-
Pflege- oder Reha-Einrich-
tragsarzt-Themen wie die Auseinandersetzung um Zulassungs-
tungen müssen Daten ver-
und/oder Gebietsbeschränkungen, um Honorarfragen oder um
traulich behandeln und
Disziplinarmaßnahmen gegenüber Ärzten und anderen Leis-
Computer gegen Ausfälle
tungserbringern im Gesundheitswesen.
und IT-Risiken schützen.
WIB: Das Medizinrecht steht also überwiegend im Dienst für Mediziner?
Dr. Motz: Nein, überhaupt nicht. Bei ca. zwei Drittel meiner Mandantschaft stehen
Rechtsfragen von Patienten oder Versicherten auf der Tagesordnung. Ausser Ärzten kommen sämtliche Leistungserbringer mit dem Medizinrecht in Verbindung:
Krankenhäuser oder Hersteller von Medizinprodukten, Pharma-Unternehmen,
Versicherungen, Physiotherapeuten und Heilpraktiker. Im Großen und Ganzen
handelt es sich grundsätzlich um Beratungs- und Vertretungsleistungen für alle
Leistungserbringer im Gesundheitswesen sowie für Patienten und Versicherte.
Der vom Verband Informationstechnologie in der
Sozialwirtschaft und Sozialverwaltung e.V. (FINSOZ)
erarbeitete Ratgeber gibt
Handlungsempfehlungen
zum IT-ComplianceManagement und bietet
Checklisten zur Umsetzung.
Welches sind die Hauptthemen, die im Medizinrecht bearbeitet werden?
Jens Maitra, FINSOZ-
Dr. Motz: Auf der Patienten- und Versicherten-Seite liegt eine starke Fokussie-
Vorstandsvorsitzender: „Es
rung auf der Auseinandersetzung mit Behandlungsfehlern zwischen Patient und
fehlt weniger am Problem-
Arzt sowie auf der Auseinandersetzung zwischen Krankenkassen und Versicher-
bewusstsein als vielmehr an
ten. Mediziner wiederum treibt im Speziellen das Thema Vertragsarztrecht und
konkreten Handlungsemp-
Berufsrecht, aber auch Haftungsrecht um. Bei mir betreffen im Medizinrecht von
fehlungen zur Entwicklung
ca. 200 laufenden Akten pro Jahr ungefähr 70% das Thema Patientenrecht.
und Implementierung einer
WIB: Welche Rolle spielt das Thema „Arzt als Zeuge“? In welchen Fällen
kommt es zum Zug?
individuellen IT-ComplianceStrategie.“
Dr. Motz: Der Arzt ist als Zeuge immer dann gefragt, wenn sich ein Patient auf
das „Zeugnis“ eines Arztes beruft, und er in einer Auseinandersetzung zwischen zwei Konfliktparteien, meist Versicherter und Versicherung oder Versicherter und Krankenkasse, seiner gesetzlichen Zeugenverpflichtung nachzukommen
hat. Das ist beispielsweise der Fall bei der Frage der Genehmigung von Heil- oder Hilfsmitteln, bei der Kostenübernahme
für besondere Behandlungsformen wie der Adipositas-Chirurgie – also dem Setzen von Magenbändern – oder bei Auseinandersetzungen mit den Rentenversicherungsträgern bezüglich Erwerbsunfähigkeitsrenten.
WIB: Sie stehen als Fachanwalt für Medizinrecht dem Verein Medizinrechtsanwälte e.V. als Vorstandsvorsitzender vor. Wofür steht der Verein?
Dr. Motz: Bei uns sind die Vertrauensanwälte des Medizinrechts-Beratungsnetzes zusammengeschlossen. Es bietet ratsuchenden Patienten und Ärzten u. a. den besonderen Service eines Beratungsscheines, der sie zu einem kostenfreien
juristischen Orientierungsgespräch berechtigt und bei der Anwaltssuche behilflich ist.
WIB: Dr. Motz, wir danken für das Gespräch.
Seite 6
Ausgabe 038 | 16.12.2014 | www.wirtschaftsbrief-gesundheit.de
> AUS DEN LÄNDERN
Das Jahr 2015: neue Änderungen in
Recht, Versicherungen und Pflege
zwischen
birgt
den
Potential
Neuerungen.
Kalenderjahren
für
gesetzliche
Zusammengefasst
für das Jahr 2015 bedeutet das:
höhere Beiträge, niedrigere Zinsen,
neue Rechte. „Doch unter dem Strich
dürfte es für die meisten Menschen
teurer werden“, sagt Margit Winkler, Vorsorge-Expertin vom Institut GenerationenBeratung. „Das Sozialsystem fordert die Deutschen.“ Die wichtigsten Neuerungen auf einen Blick.
Gesetzliche Rentenversicherung sinkt – PV steigt
Der Beitragssatz zur gesetzlichen Rentenversicherung sinkt zum 1. Januar 2015
von derzeit 18,9 auf 18,7 Prozent. Die gesetzliche Pflegeversicherung steigt: Der
Beitragssatz wird im Rahmen des Pflegestärkungsgesetzes um 0,3 Prozent auf
2,35 Prozent ab Januar angehoben.
Kassenbeiträge sinken – Zusatzbeiträge kommen
Der Beitragssatz der gesetzlichen Krankenversicherung wird ab 1. Januar 2015 von
15,5 auf 14,6 Prozent gesenkt. Nach wie vor teilen sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber die Kosten. Neu hingegen ist: Der bisherige 0,9-prozentige Sonderbeitrag
wird gestrichen. Der „Ausgleich“: Kassen dürfen zukünftig einkommensabhängige Zusatzbeiträge verlangen, die von den Versicherten allein zu tragen sind. Bedingung: Die Versicherten müssen darüber mindestens vier Wochen vor Ende des
Zu viele Medikamente
Bild: ©onlinebewerbung.de Fotolia.com
Alle Jahre wieder: Der Wechsel
SCHON GEWUSST?
für Heimbewohner
Bluthochdruck: Ca. ein Drittel
der Pflegeheimbewohner, die
als Medikation blutdrucksenkende Mittel erhalten, werden
nicht optimal behandelt. Das
hat Prof. Dr. Reinhold Kreutz
mit seinem Team vom Institut
für klinische Pharmakologie
und Toxikologie der Charité
Berlin in einer Untersuchung
in zwölf stationären Pflegeeinrichtungen in Berlin herausgefunden. Demnach lag bei
90% der 177 Probanden
(Durchschnittsalter 84
Jahre) die Anzahl der Medikamente zu hoch. Auch
die Auswahl der Wirkstoffe sahen sie als problematisch an: Mehr als 60% der
Bewohner erhielten Diuretika,
die bei zu geringer Flüssigkeitsaufnahme zu Elektrolytstörungen führen können.
Monats informiert werden, ab dem der höhere Beitrag in Kraft treten soll. Über die
Höhe des neuen Zusatzbeitrages entscheiden die Kassen individuell.
Schätzungen des Gesundheitsministeriums gehen davon aus, dass er unter dem
früheren Sonderbeitrag von 0,9 Prozent liegen wird. Für den Fall, dass eine Kasse den Zusatzbeitrag erstmalig erhebt, steht dem Versicherten ein Sonderkündigungsrecht zu.
Rentensteuer wird erneut angehoben
IMPRESSUM
Wirtschaftsverlag
Gesundheit GmbH
Bruchtorwall 6
38100 Braunschweig
Tel:0531-208.643-23
Das Jahr 2015 bringt auch Änderungen in der Rentenbesteuerung. Arbeitnehmer,
redaktion@wirtschaftsbrief-
die im kommenden Jahr in den Ruhestand wechseln, müssen 70 Prozent der ge-
gesundheit.de
setzlichen Rente versteuern. Zum Vergleich: Für Ruheständler, die in 2014 aus
dem Berufsleben ausgeschieden sind, liegt die Rentensteuer nach wie vor bei 68
Prozent.
Hinter diesen Zahlen verbirgt sich eine gesetzliche Systematik: Der Beschluss
der Gesetzgebung gibt vor, dass jedes Jahr die zu versteuernde Rente um zwei
Prozent-Punkte erhöht. Das bedeutet: Für Arbeitnehmer wird die zu erwartende
Der Wirtschaftsbrief
Gesundheit wird Ihnen
mit Ihrem Einverständnis
zugesandt. Abbestellen
können Sie Ihn hier.
Rente mit jedem Jahr teurer. Menschen, die beispielsweise im Jahr 2040 in den
Wirtschaftsverlag Gesund-
wohlverdienten Ruhestand gehen, müssen die vollen 100 Prozent der gesetzlichen
heit GmbH ist eingetragen
Rente versteuern.
beim Amtsgericht Braun-
Garantiezins bei Lebensversicherungen sinkt
schweig unter HRB 204151.
Vertretungsberechtigte
Für Lebensversicherungen, die ab dem 1. Januar 2015 abgeschlossen werden, gilt
Geschäftsführende Gesell-
der neue Garantiezins von 1,25 Prozent.
schafterin: Thordis Eckhardt
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Seele and Geist
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