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hardegg 19/2004 v05

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I N F O
H ardegg
Ausgabe 39 / Dezember 2014
Foto: © Gutsverwaltung Hardegg
EINE PUBLIKATION DER GUTSVERWALTUNG HARDEGG FÜR IHRE PARTNER
EDITORIAL
Liebe Leserin, lieber Leser!
Die Stimmung in der Landwirtschaft ist
schlecht. Dies verwundert aufs Erste, da
doch vielerorts – trotz des trockenen Frühjahres – die Betriebe eine exzellente Ernte
im Getreide- und Hackfruchtbereich einfahren konnten.
Was den Landwirten aber
Sorge bereitet, sind die politische Unsicherheit und das
Fehlen von zukunftsorientiertem Lenken und Gestalten
für Österreich und Europa.
Am Besten lässt sich dies anhand der Pflanzenschutzmittelzulassung ablesen: Insektizide laufen unter dem DeckMaximilian
mantel des Bienenschutzes
Hardegg
und auf Druck der NGOs
reihenweise aus, Neuzulassungen in Europa
sind aufgrund der Allianz „Politik-NGOs“
fast nicht möglich. Übrig bleiben der Landwirt und mit ihm die fehlende Wertschöpfung und der Einbruch in den Bereichen
Kartoffel-, Kürbis-, Raps- und Maisanbau.
Auch die Futterqualitäten werden so deutlich schlechter, ein mit Pilzgiften belastetes
Tierfutter führt bei Nutztieren zu komplexen Problemen und kann daher nicht im
Sinne des Tierschutzes sein! Pflanzenschutz
geht nicht nur mit dem Verbraucherschutz,
sondern auch mit dem Tierschutz Hand in
Hand!
Hinzu kommt eine endlose, sinnlose und
hetzerische Steuerkampagne der Linksparteien mit dem Ziel, Liegenschaften mit
zusätzlicher Vermögenssteuer zu belasten
und damit eine Gegenfinanzierung für eine
Steuerreform vorzutäuschen. Als Bewirtschafter und Eigentümer von Grund und
Boden sollten wir uns vehement gegen mehr
Steuern stemmen.
Zu etwas Positivem: Ein besonderes Interesse
sollten wir gegenüber den wahren Trends in
Konsum und Ernährung aufbringen – ich
habe in dieser Ausgabe mit Hanni Rützler
eine führende Expertin interviewt.
Meine Hoffnung für das kommende Jahr ist,
dass die Landwirte sich trotz der Politik
nicht beirren lassen und ihren Weg zu freiem
Unternehmertum in Familienhand konsequent beschreiten, dass sich für Europa die
Weltmärkte wieder öffnen und so einen fairen Welthandel unter starker europäischer
Beteiligung ermöglichen und dass wir Landwirte endlich faire Erzeugerpreise in der
Nutztierhaltung vorfinden werden.
Mit meinen besten Wünschen für 2015
verbleibe ich
Maximilian Hardegg
Österreichische Landwirte fürchten wegen des Verbotes von Pflanzenmedizin um die Lizenz zum Erzeugen.
Zukunftssorgen und
Herausforderungen
Ein Situationsbericht zur Lage der Landwirtschaft
Trotz guter Naturalernten macht sich in der Landwirtschaft seit längerem eine schlechte
Stimmung breit. Dies drückt sich nicht zuletzt in geringen betrieblichen Investitionen
aus. Im Folgenden wollen wir die Situation analysieren und Lösungen aufzeigen.
Fortsetzung auf Seite 2
INHALT
Drei Fragen an
Dipl.-Ing. Martin Schöpfer,
Bayer CropScience
Seite 4
Interview mit
Zukunftsforscherin
Mag. Hanni Rützler
Seite 5
Kurz & bündig: Junge
Landwirtschaft • Kartoffelspitze • Charity-Turnier •
Radio 4/4
Seite 6
Foto: © Gutsverwaltung Hardegg
Fortsetzung von Seite 1
Die Märkte als Spiegelbild
der Weltwirtschaft
Die Nutztierhaltung ist für die europäische Landwirtschaft von besonderer Bedeutung.
folgerungen zu ziehen. Auch hat
jede Information einen Absender
und bei einschlägigen Marktberichten sollte man immer im
Hinterkopf behalten, dass diese
meist von Händlern oder politischen Stellen wie dem USDA
(US Agrarministerium) erstellt
werden.
Deutlich unübersichtlicher wird
der Markt bei tierischen Erzeugnissen, hier ist die – auf Export
eingestellte – Veredelungswirtschaft in Europa besonders verwundbar und anfällig. Derzeit
kämpfen die Milchvieh- und
Schweinehalter mit einem Preisniveau unter den Gestehungskosten. Es kann daher davon
ausgegangen werden, dass sich
die Stimmung in der Landwirt-
schaft nicht bessern wird, solange die Preise für Veredelungsprodukte am Boden sind.
Bevölkerungswachstum als
globale Herausforderung
Internationale Expertenrunden,
wie der Copenhagen Consensus
des dänischen Wissenschafters
Bjørn Lomborg, sind sich einig,
dass das globale Bevölkerungswachstum eine große Herausforderung darstellt. Die Prognosen
weisen auf eine Weltbevölkerung
bis zu 12 Mrd. Menschen noch
für dieses Jahrhundert hin. Allerdings befinden wir uns in Europa im Kontinent des Rückganges und steigenden Alters. Eine
Lösung gegen die Überalterung
Foto: © Gutsverwaltung Hardegg
Die Finanzkrise 2008 ging an
der Landwirtschaft und den Erzeugerpreisen beinah spurlos
vorbei. Im Gegenteil: Eine weltweit knappe Ernte hob die Preise
für Weizen, Reis und Co. auf ein
vergleichsweise hohes Niveau,
welches bis zur Ernte 2014 anhielt. Ukraine-Krise, RusslandSanktionen, eine gute globale
und europäische Ernte und
schließlich der tiefe Ölpreis
führen dazu, dass sich die gesunkenen Erzeugerpreise nicht wirklich erholen. Aber sie fallen auch
nicht auf ein Niveau von vor
2008 – das ist die gute Nachricht. Folglich scheinen die
Marktteilnehmer keinen Grund
vorzufinden, an den großen globalen Entwicklungen, von Bevölkerungswachstum über steigende Kaufkraft und Ernährungstrends, zu zweifeln. Die relative Stabilität der pflanzlichen
Agrarmärkte ist aber auch Ausdruck eines funktionierenden
globalen Marktes, welcher alle
klimatischen, wirtschaftlichen
und politischen Entwicklungen
aufnimmt und einpreist. Für den
Landwirt hat dies den Vorteil,
dass er eine Flut an Informationen vorfindet, von der Trockenheit in der chinesischen Provinz
und Kornkammer Henan sowie
an der australischen Ostküste bis
hin zu den Keimbedingungen
des nordamerikanischen Weizens und dem Sojaanbau im
brasilianischen Mato Grosso.
Natürlich ist es dann oft schwierig, daraus die richtigen Schluss-
Europas und für die Aufrechterhaltung einer Balance scheint die
Zuwanderung zu sein. Als Folge
der Zuwanderung nimmt aber
auch der in Entwicklungsländer
rückfließende Zahlungsverkehr
zu, welcher dort zu mehr Wohlstand führen wird. Für Europa
besonders bedeutend wird Afrika
sein, wo südlich der Sahara das
stärkste Bevölkerungswachstum
prognostiziert wird. Migration
ist für Europa also Herausforderung und Chance zugleich. Gelingt es uns, eine geeignete Zuwanderung zustande zu bringen,
dann wird Europa stark profitieren; gibt es allerdings einen ungeregelten Zustrom, dann wird
Europa unter dieser Last wirtschaftlich, kulturell und sozial
schwer zu tragen haben.
Europa und die
Orientierungslosigkeit
Die dichten Informationen über Wetter- und Aufwuchsbedingungen bringen Stabilität in die Märkte.
Hardegg 2
INFO
Besonders bedenklich ist es,
wenn in Zeiten großer Umbrüche in Europa und der
Welt die politische Führung
schwächelt. Institutionen wie die
EU-Kommission bzw. der Rat
der Europäischen Union können
in der Welt kein starkes Europa
präsentieren und Deutschland
alleine kann nicht ganz Europa
schultern. Die unverbindlichen
Ansagen nach innen zu Energiepolitik, Umweltschutz, Agrarpolitik, Zuwanderung, Sicherheit
und Außenpolitik können nur
zu einer schwachen EU-Außenpolitik führen.
Österreich und die Ebenen
der Entscheidung
Einen großen Umbruch gab es in
den letzten Jahren zweifelsfrei in
der heimischen Entscheidungsgewalt. Hier haben die einschlägigen NGOs bzw. halböffentliche
Institutionen laufend an Gewicht
gewonnen. Ein Minister schaut
heute mit mindestens einem
Auge auf die NGOs, bevor er ein
Betriebsmittel zulässt bzw. die
Zulassung verlängert. Besonderes
Gewicht haben auch die Lebensmittelketten, deren Marketingkampagnen sehr oft NGO-Themen übernehmen, wobei nicht
immer klar erkennbar ist, wer an
wen zuerst herangetreten ist. Ziehen NGOs und der Lebensmitteleinzelhandel an einem Strang,
so hat dies großen Einfluss auf
die veröffentlichte BoulevardMeinung und die Politik.
Der Landwirtschaft bleibt hier
oft nicht viel mehr übrig, als aufgrund der fachlichen Fragwürdigkeit den Kopf zu schütteln.
Im Ergebnis trägt dies allerdings
beträchtlich dazu bei, dass sich
die Landwirte vermehrt missverstanden fühlen und sich ob der
gefühlten Machtlosigkeit noch
mehr zurückziehen, anstatt aktiv
zu werden und dagegenzuhalten.
Foto: © Gutsverwaltung Hardegg
Besonders merken konnte man
dies im Rahmen der UkraineKrise, als eine eklatante militärische Schwäche des total abgerüsteten Europas offenkundig
wurde. Europa scheint sich auch
in Militärfragen ganz auf den
Weltpolizisten USA zu verlassen.
Oder bei den Verhandlungen
zum sogenannten TTIP (Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft), dem Freihandelsabkommen mit den USA
– auch hier sticht Europa nicht
durch klare Positionen hervor,
vielmehr müssen Landwirte und
NGOs wichtige europäische
Forderungen, wie etwa die Anerkennung eigener EU-Standards
bzw. die nichttarifären Zölle
(z.B. phytosanitäre Vorgaben),
erst lautstark einbringen.
Die Landwirte spüren, dass es
hier um die Zukunft der europäischen, regionalen Erzeugung von Grundnahrungsmitteln geht. Es ist nicht erkennbar,
ob diese regionale Erzeugung
auch politisch Gewicht hat.
Skeptisch dürfen wir allemal
sein, ist doch der EU-Verhandlungsführer der Handelskommissar.
Für die Landwirtschaft geht es um die Zukunft der Erzeugung regionaler Grundnahrung.
Die bröckelnde Lizenz
zum Erzeugen
Diese Entwicklungen haben aber
auch einen großen negativen
Einfluss auf Wissenschaft und
Forschung sowie die Wirtschaft.
Unternehmen wandern ab und
Europa hat zwar noch als Kontinent mit hoher Kaufkraft Bedeutung, allerdings werden für
Europa kaum noch große landwirtschaftliche Innovationen zu
erwarten sein, da sich der Fokus
der Wissenschaftsgemeinschaft
auf Kontinente richtet, in der sie
ein positiveres Umfeld und damit Wachstumspotenzial vorfindet.
Schon heute stehen Landwirte
vor großen Problemen im Pflanzenschutz – Stichwort Drahtwurm, Kohlfliege, Wurzelbohrer
und Co. Auch Tierhalter kämpfen damit, dass bessere Schutzimpfungen und Arzneimittel
nicht parallel in Europa zugelassen werden, für einen kleinen
Markt wie Österreich ist dies besonders nachteilig.
darstellt. In Zukunft wird es
auch darum gehen, ob Europa
seine starke Position als exportorientierter Veredelungsstandort
wird halten können. Da zirka
zwei Drittel der europäischen
agrarischen Wertschöpfung aus
der Veredelung kommen, hätte
eine längere Baisse von Schweine- und Milchpreis eine große
negative Auswirkung auf die Gesamtbranche.
Die derzeitige schlechte Stimmung ist aber auch stark politisch beeinflusst. Die Landwirtschaft muss immer öfter
schmerzlich zur Kenntnis nehmen, dass Agrarfragen zwar jeden betreffen, aber keine politische Priorität genießen. Schlimmer sogar, es gibt starke Kräfte,
welche die vergemeinschaftete
Agrarpolitik abdrehen wollen,
Einmal mehr wird die Zukunft
der heimischen Landwirtschaft
von der unternehmerischen
Fähigkeit ihrer Landwirte abhängen, mit den vielfältigen
Herausforderungen fertig zu
werden und Einfluss auf Politik
und Öffentlichkeit zu nehmen,
damit der Sachverstand nicht zu
◆
kurz kommt.
Mehr zum Thema gibt es auf der ORF Dokumentations-CD
„Wer ernährt die Welt?“ aus der Sendereihe „Im Gespräch“ –
Renata Schmidtkunz im Gespräch mit Maximilian Hardegg.
Zu bestellen unter shop.orf.at/oe1.
Fazit
Die Erzeugerpreise bzw. deren
Niveau haben ungebremst starke
Auswirkungen auf die Stimmung der Landwirte. Internationale Märkte bieten den Landwirten eine gute Information,
wenngleich Europa leider nicht
wirklich eine gestaltende Rolle
bei den Weltagrarmärkten einnimmt, sondern eher Treibgut
Hardegg 3
anstatt neue Inhalte und Ziele zu
definieren.
Schließlich die nationalen Alleingänge: Für den österreichischen Landwirt kann dies zu einer immer stärkeren Abkoppelung vom Rest Europas führen,
welche das große Risiko des Verlustes von Wettbewerbsfähigkeit
und damit von Freiheit und
relative Unabhängigkeit beinhaltet.
INFO
Die regionale Erzeugung von
leistbaren Lebensmitteln
wird schwieriger
Drei Fragen an Dipl.-Ing. Martin Schöpfer, scheidender Vertriebsleiter von Bayer CropScience.
Hardegg-Info: Mit Jahresende
geht Ihre sechsjährige Verantwortung als Österreich Länderchef
für Bayer CropScience zu Ende.
Was waren aus Ihrer Sicht die
größten agrarischen Entwicklungen in den letzten Jahren?
Martin Schöpfer: Die heftig geführte Diskussion um die Frage,
ob nun die moderne, insektizide
Wirkstoffgruppe der Neonicotinoide ursächlich und alleinverantwortlich für das vermeintliche Bienensterben in Österreich
zur Rechenschaft gezogen werden kann. Letztendlich kam es
zur politischen Entscheidung,
die drei Wirkstoffe Imidacloprid, Clothianidin und Thiamethoxam in Europa mit einem
zweijährigen und in Österreich
mit einem dreijährigen Anwendungsverbot zu belegen.
Die Auswirkungen des Verbotes
sind bereits nach einem Jahr
deutlich zu erkennen – massive
Drahtwurmprobleme im Mais
und der Kartoffel; Saatfliegenschäden im Ölkürbis, Erdfloh
im Raps und nicht zuletzt die
enormen wirtschaftlichen Schäden im Mais, hervorgerufen
durch den Maiswurzelbohrer
und dessen Larve.
Interessanterweise zeichnet gerade das letztjährige Bienen-Monitoring der AGES* ein ganz anders Bild. Aus den Ergebnissen
kann man eindeutig den Erfolg
der umgesetzten StewardshipMaßnahmen ableiten.
Leider ist in diesem Projekt, wie
auch in der Vergangenheit, nur
die Exposition gefragt. Eine Beurteilung von Schäden erfolgte
leider nicht. Damit wird über
die Relevanz der Exposition keine Aussage getroffen.
Hardegg-Info: Bayer ist ein Weltkonzern und hinter Siemens das
größte Unternehmen an der deutschen Börse, Sie selbst waren für
den Konzern langjährig international tätig. Ist Österreich anders
und wenn ja, wo und warum?
Schöpfer: Diese Frage kann
man eindeutig mit „Ja“ beantworten. Das liegt allein schon in
der kleinstrukturierten Landwirtschaft und einem sehr hohen Anteil an Nebenerwerbslandwirten begründet. Darüber
hinaus sticht Österreich mit
dem höchsten Anteil an BioLandwirtschaft in der EU hervor. Nicht zu unterschätzen ist
auch der starke Einfluss aller in
Österreich ansässigen Lebensmittelkonzerne, die – auch in
Kooperation mit Umweltorganisationen – die Produktionsweise der heimischen Landwirtschaft mitgestalten bzw. verändern wollen, was leider nicht immer im Sinne einer nachhaltigen
und zeitgemäßen Landwirtschaft ist.
Wer den Menschen einredet, die
Landwirtschaft käme ohne modernen und umweltschonenden
Pflanzenschutz aus, der streut
ihnen Sand in die Augen. Das ist
bei Bio nicht der Fall und das ist
auch in der konventionellen
Landwirtschaft nicht der Fall.
Hardegg-Info: Wie sehen Sie die
Zukunft des Pflanzenschutzes in
Österreich? Besonders in Bezug
zur Lebensmittelsicherheit?
Schöpfer: Tatsache ist, dass wir
bis 2050 weltweit mehr als 9,5
Mrd. Menschen auf diesem Planeten zu ernähren haben. Dies
wird uns nur gelingen, wenn wir
den technischen Fortschritt in
der Züchtung, Bodenbearbeitung, Landtechnik und auch
beim Pflanzenschutz nutzen.
Bayer versucht, diesem techni-
schen Fortschritt gerecht zu werden. Sorgen bereiten uns allerdings schon die Entwicklungen
und Strömungen in Europa und
insbesondere in Österreich.
Der österreichischen Landwirtschaft droht in den nächsten
fünf Jahren ein massiver Verlust
bewährter moderner Pflanzenschutzmittel. Dies ist die Folge
der Umsetzung des neuen europäischen Pflanzenschutzrechts:
gefahren- statt risikobasierter
Ansatz, Ausschlusskriterien bei
der Wirkstoffbewertung, neue
Bewertungsmethoden hormonell wirksamer Substanzen etc.
Wenn die Europäische Union
bei der Ausgestaltung des neuen
Rechts weiterhin die landwirtschaftliche Praxis außer Acht
lässt, wären Pflanzenkrankheiten
in wichtigen Ackerkulturen nur
noch eingeschränkt oder in extremen Fällen gar nicht mehr zu
bekämpfen.
Der deutsche Industrieverband
Agrar (IVA) hat die Folgen der
möglichen Wirkstoffverluste abgeschätzt. Es droht, dass von den
zehn heute meistverkauften Getreidefungiziden neun aus dem
Markt verschwinden; gerade
einmal ein Viertel der heute eingesetzten Produkte wäre Ende
des Jahrzehnts noch übrig. Auch
bei Mitteln gegen Krautfäule in
Kartoffeln würde die Zahl der
verfügbaren Pflanzenschutzmittel halbiert. Bei den Kartoffelherbiziden wäre in etwa fünf
Jahren ebenfalls nur noch die
Hälfte der Produkte auf dem
Markt, wodurch die Probleme
zur Vermeidung von Resistenzen
weiter verschärft würden.
Um diese Verluste durch neue
Produkte auszugleichen, sind die
regulatorischen Hürden zu hoch
und die Zeit zu knapp. In Europa dauert die Entwicklung eines
neuen Pflanzenschutzwirkstoffs
* Die ausführlichen Ergebnisse des Bienen-Monitorings der AGES von 2013 finden Sie unter diesem Link:
www.ages.at/ages/landwirtschaftliche-sachgebiete/bienen/forschung/monitoring-bienenschutz-2013
Hardegg 4
INFO
Dipl.-Ing. Martin Schöpfer ist
Country Head und Vertriebsleiter von Bayer CropScience
Österreich.
Bayer CropScience AG ist ein
selbständiger Teilkonzern der
Bayer AG mit Hauptsitz in
Monheim am Rhein und beschäftigt sich mit der Forschung und Entwicklung von
Pflanzenschutz.
im Durchschnitt zehn Jahre und
erfordert Investitionen von rund
200 Millionen Euro, dabei fehlen oftmals stabile rechtliche
Rahmenbedingungen.
Aber ein erfolgreich durchlaufener Zulassungsprozess ist keine
Garantie dafür, dass das Produkt
dann auch wirklich in der EU
verkauft werden darf. Wenn tagespolitisch und nicht fachlich
wissenschaftlich über die moderne landwirtschaftliche Produktion entschieden wird, kann die
regionale Erzeugung von leistbaren Lebensmitteln dauerhaft
nicht mehr aufrechterhalten
werden.
Pflanzenschädlinge haben heuer
in der österreichischen Landwirtschaft bereits hohe Ertragsverluste und wirtschaftliche
Schäden in Millionenhöhe verursacht. Durch eine unseriöse
Kampagne gegen den modernen
Pflanzenschutz und die dadurch
bewirkten populistischen Verbote von Pflanzenschutzmitteln
stehen den Landwirten oft keine
Mittel mehr zur Verfügung, um
Schädlinge wirksam zu bekämp◆
fen.
Weiterführende Links:
agrar.bayer.at, www.ages.at
Foto: © Bayer CropScience
DER BLICK VON AUSSEN
INTERVIEW
Megatrends und ihr Einfluss
auf die Landwirtschaft
Hardegg Info: Frau Rützler, für
Landwirte sind die europäischen
und globalen Entwicklungen im
Bereich Bevölkerungswachstum,
Altersstruktur, Urbanisierung,
gesellschaftlicher Wandel und
Umwelt- und Landschaftsschutz
von großer Bedeutung. All dies
findet Niederschlag im Konsumverhalten und in den Essgewohnheiten. Welche langfristigen
Trends lassen sich hier ableiten?
Hanni Rützler: Viele der großen Veränderungsprozesse entspringen dabei gewissen Konstanten. In der Zukunftsforschung arbeiten wir hier mit
den Megatrends. Diese beschreiben epochale Veränderungen, die uns alle betreffen,
denn sie sind per Definition
ubiquitär, global und von langer Dauer (Laufzeit von mindestens 50 Jahren). Von den elf
Megatrends erscheinen mir für
die Landwirtschaft sechs besonders bedeutsam – dies sind:
der Wandel von der Industriezur Wissensgesellschaft (New
Work), der Wandel bei der gesellschaftlichen Rollenverteilung (Female Shift), Gesundheit, Konnektivität, die steigende Lebenserwartung (Silver Society) sowie Globalisierung.
Hardegg Info: Wie kann man
sich das vorstellen, beispielsweise
in der geregelten und stark regulierten Arbeitswelt?
Rützler: Gerade hier wird die
zunehmende Kraft des Wissenszeitalters spürbar. Im vergangenen
Industriezeitalter,
auch in den landwirtschaftlichen Betrieben, hatte die Mittagsmahlzeit einen fixen Platz
und eine fixe Zeit. In den
neuen Berufen wird das Mittagessen viel flexibler gehandhabt und verliert an Bedeutung, während das Abendessen
immer wichtiger wird. Auch
der Bildungsschub und die Berufstätigkeit der Frauen (Fe-
male Shift) haben zu großen
Veränderungen geführt. Wir beobachten ein starkes Nord-SüdGefälle in Europa, im Norden
wird die Hausarbeit zwischen
den Geschlechtern paritätischer
verteilt, der Anteil an kochenden Männer ist deutlich höher,
während im Süden eher traditionelle Haushaltsformen überwiegen. In Österreich kochen
derzeit rund 10 bis 15 Prozent
der Männer. All dies hat Einfluss auf unsere Esskultur – genauso wie das Thema Gesundheit. Zunehmend setzt sich das
Wissen durch, dass Gesundheit
nicht an den Arzt delegiert werden kann, und das Wissen rund
um die Bedeutung der gesunden Ernährung und Bewegung
hat zugenommen.
Hardegg Info: Die Konsumgewohnheiten scheinen eine enorme
Vielfalt und Komplexität aufzuweisen, stark abhängig von der
jeweiligen Bildung?
Rützler: Das führt mich zu den
nächsten Megatrends. Die zunehmende Konnektivität erleichtert mithilfe der neuen
Medien unter anderem die Vernetzung der Konsumenten.
Dadurch kann jeder deutlich
leichter zu jenen Informationen
kommen, die ihn interessieren.
Wer die gesuchte Information
nicht bieten kann, z.B. die Herkunft eines Lebensmittels, Inhaltsstoffe etc. gerät schnell unter Generalverdacht. Man kann
also sagen, dass der Konsument
mit der Konnektivität deutlich
an Macht gewonnen hat.
Hardegg Info: Wie steht es mit
dem demografischen Wandel, es
liegt ja die Vermutung nahe, dass
eine ältere Gesellschaft weniger
konsumiert?
Rützler: Diese Vermutung liegt
nahe, wird aber den komplexen
Verhältnissen nicht gerecht. In
20 Jahren wird ein Drittel der
Hardegg 5
Bevölkerung bei uns über 65
Jahre alt sein – heute schon
fühlt sich ein 65jähriger um
zehn Jahre jünger und fitter als
dies noch in seiner Elterngeneration der Fall war. Daher wollen ältere Menschen auch nicht
als Pensionisten gesehen werden, sie streben nach größtmöglicher Individualisierung
und Unabhängigkeit. Vorgefasste Bilder vom Alter müssen
also hinterfragt werden, um die
immer komplexere Gesellschaft
zu verstehen.
Hardegg Info: Das merkt man
auch an der Reisetätigkeit.
Rützler: Die Globalisierung
und die damit verbundene intensive Reisetätigkeit haben dazu geführt, dass neue Speisen
und Zubereitungsarten bei uns
Einzug halten. Während beispielweise vor 20 Jahren bei uns
Nudeln hauptsächlich sogenannte „Saucenträger“ waren,
und damit Beilage, sind sie
heute variantenreiche Hauptgerichte. Auch wird heute viel
mehr Fisch in allen Variationen
konsumiert. Ein Trend führt
aber auch meist zu Gegentrends und das können wir sehr
schön anhand der zunehmenden Sehnsucht nach regionalen
Produkten beobachten. Auch
hier hat die Komplexität des
Konsums zugenommen.
Hardegg Info: Was ist eigentlich
mit dem vielbemühten BioTrend, hat die Regionalisierung
Bio überholt?
Rützler: Bio hat die Qualitätsdiskussion über Jahre bestimmt. Heute ist Bio ein fester
Bestandteil des Marktes geworden. Man kann sagen, Bio ist
im Mainstream angekommen
und hat dabei viel von seiner
Innovationskraft verloren.
Hardegg Info: Gibt es neben
den Megatrends auch kurzlebige-
INFO
Foto: © Nicole Heiling
Interview mit Mag. Hanni Rützler, Zukunftsforscherin und Gründerin des Futurefoodstudios.
Mag. Hanni Rützler (52) ist
erfolgreiche Autorin zahlreicher Bücher und Studien sowie Gründerin und Inhaberin
des futurefoodstudios, das
sich mit der Foodtrendforschung beschäftigt. Seit 2004
arbeitet sie als Studienautorin
und Referentin mit dem Zukunftsinstitut von Matthias
Horx in Frankfurt, München
und Wien zusammen.
re Trends, welche aber großen
Einfluss auf uns ausüben?
Rützler: Wir nennen sie
„Foodtrends“, diese haben eine
Haltbarkeit von zirka zehn Jahren. Sie zeigen aktuelle Lebensgefühle und Sehnsüchte auf.
Sie bieten Orientierung und
können auch als Lösungsversuche für aktuelle Problemstellungen verstanden werden. Geprägt werden sie aber von tiefgreifenden, globalen und langfristig wirksamen Veränderungen. Getragen werden sie von
Menschen, die sich intensiv mit
Essen und Nahrungsmitteln
auseinandersetzen oder die sich
bei ihrer Ernährung mit konkreten Problemen konfrontiert
sehen.
◆
Anmerkung:
Eine Fortsetzung des Interviews mit Hanni Rützler folgt
in der nächsten Hardegg-Info
Weiterführende Links:
www.zukunftsinstitut.at/
megatrends
www.futurefoodstudio.at
Foto: © Gutsverwaltung Hardegg
KURZ & BÜNDIG
Die junge
Landwirtschaft
zu Besuch bei der
Gutsverwaltung
Hardegg
Foto: © Gutsverwaltung Hardegg
Unter der Leitung vom Obmann der Linzer Jungbauernschaft Martin Raxendorfer (im Bild links
von M. Hardegg) empfing Maximilian Hardegg
im November ca. 35 Hofnachfolger, Damen wie
Herren, am Betrieb. Nach der Vorstellung des
Betriebs und der Aufgaben der Gutsverwaltung
in der Region und am Markt lud Hardegg zu
einer Diskussion über die Zukunft der Landwirtschaft, den Generationswechsel im Familienbetrieb und die betriebliche Kooperation zur
Verbesserung der Wirtschaftlichkeit ein. Die
Öffentlichkeitsarbeit der Landwirtschaft und die
Positionierung von Landwirten in der Gesellschaft waren ebenfalls Thema, besonders hier
könnten sich die Jungen mit ihrer Kontaktund Kommunikationsfreudigkeit einbringen und
so der Branche ein zeitgemäßes Image verleihen.
Europäische Kartoffelspitze trifft sich in
der Gutsverwaltung Hardegg
Sport für einen guten Zweck
Bereits zum wiederholten Male lud der damalige Vizekanzler Dr. Michael Spindelegger im Juli zum sommerlichen
Charity-Tennisturnier ein. „Wir spielen heute für einen guten Zweck. Die SOS Kinderdorf-Organisation ermöglicht
zahlreichen Kindern, die im Leben nicht nur Glück gehabt haben, ein Aufwachsen in einer liebevollen Familie. Ich
freue mich, dass wir heuer bereits zum 5. Mal diese Organisation unterstützen können“, so Spindelegger.
Maximilian Hardegg, begeisterter Tennisspieler und Unterstützer von SOS Kinderdorf, nahm an dieser Veranstaltung gerne teil und nutzte die Gelegenheit, um mit dem damaligen Finanzminister die wirklich wichtigen Fragen
rund um Familienunternehmen, Landwirtschaft und ländliche Regionen in entspannter Atmosphäre anzusprechen.
Foto: © Gutsverwaltung Hardegg
Anlässlich ihres halbjährlichen Treffens tagte das Potato Category Council im September in der
Gutsverwaltung Hardegg. Teilnehmer waren wichtige Vertreter aller wesentlichen europäischen Verarbeiter von Speisekartoffeln für McDonald’s. Maximilian Hardegg konnte die Vorzüge des Kartoffelanbaues im Pulkautal hervorheben, die Bedeutung für die regionale Wirtschaft aufzeigen und gleichzeitig auf die existenzgefährdenden Herausforderungen wie den Drahtwurmbefall hinweisen. Einig
waren sich alle Teilnehmer, dass die Bedeutung der McDonald’s Flagship Farms wie der Gutsverwaltung Hardegg als überregionale Vorreiter stärker hervorzuheben ist. Der Kartoffelkonsum in Österreich liegt bei über 60 kg pro Person und Jahr, ca. 50 % davon sind Verarbeitungskartoffeln. Die
Hollabrunner Fabrik von Lamb Weston beliefert McDonald’s Österreich und die Gutsverwaltung
Hardegg zählt zu den wichtigsten Lieferanten.
Mit seiner Top-Produktion Radio
4/4 war der ORF Niederösterreich
im Juni zu Gast beim Sommerfest
im Schlossweingut Hardegg.
Im Rahmen der von Birgit Perl moderierten Sendung informierte
Maximilian Hardegg über die langjährige Familiengeschichte und das
vielfältige Tätigkeitsspektrum der
Gutsverwaltung Hardegg. Andreas
Gruber präsentierte das Weingut
und die erlesenen Tropfen aus dem
Weinkeller. Das Weinviertel als Tourismus- und Ausflugsregion stellte
Tourismusmanager Hannes Weitschacher vor und Brigitta Pongratz
von der NÖVOG (Niederösterreichische Verkehrsorganisationsgesellschaft m.b.H.) lud zu einer Fahrt mit
dem Reblaus-Express als besonderen Ausflugstipp ein. Gast in der
Sendung war auch der Bürgermeister von Seefeld-Kadolz Georg
Jungmayer, der DI Hardegg herzlich
für sein Engagement in der Region
dankte.
„Es war eine schöne Gelegenheit,
auf der einen Seite die Bevölkerung
einzuladen, um unser Weingut vorzustellen und miteinander ein paar
gemütliche Stunden zu verbringen“,
so Hardegg, „und auf der anderen
Seite über unsere Produkte und die
Region zu informieren.“
Für die gastronomisch-kulinarische
Versorgung zeichneten auf professionelle Art und Weise Grillweltmeister Adi Matzek und die Mannschaft
des Roten Kreuzes verantwortlich.
Musikalisch wurden beim Sommerfest jede Menge Schmankerl geboten, darunter die Fiata Musi,
Jimmy Schlager mit Band und die
Wicked Wildcats, die für Stimmung
sorgten.
I M P R E S S U M
Herausgeber und Medieninhaber:
Gutsverwaltung Hardegg, 2062 Seefeld-Kadolz,
Tel. (02943) 22 03, Fax DW 10,
E-Mail: office@hardegg.at, www.hardegg.at
Redaktion: Dipl.-Ing. Maximilian Hardegg
Konzeption: communication matters
Druck: AV+Astoria Druckzentrum, Wien
Hardegg 6
INFO
Öst. Post AG – Info.Mail Entgelt bezahlt
Foto: © Gutsverwaltung Hardegg
Radio 4/4 beim Sommerfest
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Seele and Geist
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